Quellen der Menschheit

Brahma-Purāṇa

Kapitel 10: daśamo 'dhyāyaḥ Purūravas und Urvaśī, die Jahnu-Linie und der Ursprung von Jamadagni, Paraśurāma und Viśvāmitra

Fortsetzung der Mondlinie (Candravaṃśa) mit Purūravas' Liebe zur Apsaras Urvaśī und ihren sieben Söhnen; die Nachkommenschaft über Amāvasu bis zu Jahnu, der beim Verschlingen der ihn überflutenden Gaṅgā ihr den Beinamen "Jāhnavī" ("Tochter Jahnus") verleiht, und dessen Gattin Kāverī; die Kuśika-Linie mit der berühmten Erzählung, wie Indra selbst, aus Furcht vor einem ihn übertreffenden Sohn, als Gādhi geboren wird; die Vertauschung zweier geweihter Opferspeisen zwischen Satyavatī (Gādhis Tochter) und ihrer Mutter, wodurch statt eines friedvollen Sohnes für Gādhi ein kriegerischer, und statt eines kriegerischen für Ṛcīka ein friedvoller Sohn (Jamadagni) vorgesehen war – die kriegerische Kraft geht auf Ṛcīkas Bitte hin stattdessen auf den Enkel über: Paraśurāma, den späteren Kṣatriya-Vernichter. Die Genealogie schließt mit Gādhis Sohn Viśvāmitra, dem berühmtesten Beispiel eines vom Kṣatriya- zum Brahmanenweisen-Stand Aufgestiegenen, seinen zahlreichen Söhnen und Gotra-Linien, sowie der Śunaḥśepha/Devarāta-Episode.

{lomaharṣaṇa sprach:} budhasya tu muniśreṣṭhā vidvān putraḥ purūravāḥ / tejasvī dānaśīlaś ca yajvā vipuladakṣiṇaḥ // BrP_10.1 //

Budhas gelehrter Sohn aber, o beste der Weisen, war Purūravas, glutvoll, freigebigen Wesens, ein Opferer mit reichlichen Opfergaben,

Wort für Wort
budhasya tu muniśreṣṭhāḥ
Budhas aber, o beste der Weisen
vidvān putraḥ purūravāḥ
der gelehrte Sohn Purūravas
tejasvī dānaśīlaḥ ca
glutvoll und freigebigen Wesens
yajvā vipuladakṣiṇaḥ
ein Opferer mit reichlichen Opfergaben

Fortsetzung der Purūravas-Erzählung; die berühmte Urvaśī-Episode.

brahmavādī parākrāntaḥ śatrubhir yudhi durdamaḥ / āhartā cāgnihotrasya yajñānāṃ ca mahīpatiḥ // BrP_10.2 //

ein Verkünder des Brahman, tapfer, im Kampf von Feinden schwer zu bezwingen; ein Vollbringer des Agnihotra-Opfers und anderer Opfer, der Herrscher der Erde,

Wort für Wort
brahmavādī parākrāntaḥ
ein Verkünder des Brahman, tapfer
śatrubhiḥ yudhi durdamaḥ
von Feinden im Kampf schwer zu bezwingen
āhartā ca agnihotrasya
ein Vollbringer des Agnihotra-Opfers
yajñānām ca mahīpatiḥ
und anderer Opfer, der Herrscher der Erde

satyavādī puṇyamatiḥ samyaksaṃvṛtamaithunaḥ / atīva triṣu lokeṣu yaśasāpratimaḥ sadā // BrP_10.3 //

wahrhaftig redend, von reiner Gesinnung, seinen ehelichen Umgang recht beherrschend; in den drei Welten stets durch Ruhm überaus unvergleichlich.

Wort für Wort
satyavādī puṇyamatiḥ
wahrhaftig redend, von reiner Gesinnung
samyaksaṃvṛtamaithunaḥ
seinen ehelichen Umgang recht beherrschend
atīva triṣu lokeṣu
in den drei Welten überaus
yaśasā apratimaḥ sadā
durch Ruhm stets unvergleichlich

taṃ brahmavādinaṃ śāntaṃ dharmajñaṃ satyavādinam / urvaśī varayām āsa hitvā mānaṃ yaśasvinī // BrP_10.4 //

Jenen Brahman-Verkünder, Friedvollen, Dharma-Kenner, Wahrhaftig-Redenden erwählte Urvaśī, die Ruhmreiche, nachdem sie ihren himmlischen Stolz aufgegeben hatte, zum Gatten.

Wort für Wort
tam brahmavādinam śāntam
jenen Brahman-Verkünder, Friedvollen
dharmajñam satyavādinam
Dharma-Kenner, Wahrhaftig-Redenden
urvaśī varayām āsa
erwählte Urvaśī
hitvā mānam yaśasvinī
nachdem sie ihren Stolz aufgegeben hatte, die Ruhmreiche

tayā sahāvasad rājā daśa varṣāṇi pañca ca / ṣaṭ pañca sapta cāṣṭau ca daśa cāṣṭau ca bho dvijāḥ // BrP_10.5 //

Mit ihr wohnte der König zusammen: zehn Jahre, und fünf, sechs, fünf, sieben, und acht, und zehn, und acht Jahre, o Brahmanen,

Wort für Wort
tayā saha avasat rājā
mit ihr wohnte der König zusammen
daśa varṣāṇi pañca ca
zehn Jahre und fünf
ṣaṭ pañca sapta ca aṣṭau ca
sechs, fünf, sieben und acht
daśa ca aṣṭau ca bho dvijāḥ
zehn und acht, o Brahmanen

[Anm.: Diese eigentümliche Zahlenaufzählung bezeichnet offenbar die Aufenthaltsdauer an den in v.6-7 aufgezählten acht verschiedenen paradiesischen Orten.]

vane caitrarathe ramye tathā mandākinītaṭe / alakāyāṃ viśālāyāṃ nandane ca vanottame // BrP_10.6 //

im lieblichen Caitraratha-Wald, ebenso am Ufer der Mandākinī, in der weiten Alakā, und im Nandana, dem besten der Wälder,

Wort für Wort
vane caitrarathe ramye
im lieblichen Caitraratha-Wald
tathā mandākinītaṭe
ebenso am Ufer der Mandākinī
alakāyām viśālāyām
in der weiten Alakā
nandane ca vanottame
und im Nandana, dem besten der Wälder

uttarān sa kurūn prāpya manoramaphaladrumān / gandhamādanapādeṣu meruśṛṅge tathottare // BrP_10.7 //

nachdem er die nördlichen Kurus mit ihren entzückende Früchte tragenden Bäumen erreicht hatte, an den Ausläufern des Gandhamādana, und ebenso auf dem nördlichen Gipfel des Meru –

Wort für Wort
uttarān sa kurūn prāpya
nachdem er die nördlichen Kurus erreicht hatte
manoramaphaladrumān
mit entzückende Früchte tragenden Bäumen
gandhamādanapādeṣu
an den Ausläufern des Gandhamādana
meruśṛṅge tathā uttare
und ebenso auf dem nördlichen Gipfel des Meru

eteṣu vanamukhyeṣu surair ācariteṣu ca / urvaśyā sahito rājā reme paramayā mudā // BrP_10.8 //

in diesen vorzüglichen, von den Göttern begangenen Wäldern erfreute sich der König, zusammen mit Urvaśī, in höchster Wonne.

Wort für Wort
eteṣu vanamukhyeṣu
in diesen vorzüglichen Wäldern
suraiḥ ācariteṣu ca
und von den Göttern begangenen
urvaśyā sahitaḥ rājā
der König, zusammen mit Urvaśī
reme paramayā mudā
erfreute sich in höchster Wonne

deśe puṇyatame caiva maharṣibhir abhiṣṭute / rājyaṃ sa kārayām āsa prayāge pṛthivīpatiḥ // BrP_10.9 //

Im heiligsten Land, von den großen Weisen gepriesen, übte er, der Herrscher der Erde, die Herrschaft aus, in Prayāga.

Wort für Wort
deśe puṇyatame caiva
im heiligsten Land
maharṣibhiḥ abhiṣṭute
von den großen Weisen gepriesen
rājyam sa kārayām āsa
übte er die Herrschaft aus
prayāge pṛthivīpatiḥ
in Prayāga, der Herrscher der Erde

evaṃprabhāvo rājāsīd ailas tu narasattamaḥ / uttare jāhnavītīre pratiṣṭhāne mahāyaśāḥ // BrP_10.10 //

Von solcher Macht war der König, der Sohn der Ilā, der beste der Menschen, der hochberühmte, am nördlichen Ufer der Jāhnavī, in Pratiṣṭhāna.

Wort für Wort
evaṃprabhāvaḥ rājā āsīt
von solcher Macht war der König
ailaḥ tu narasattamaḥ
der Sohn der Ilā, der beste der Menschen
uttare jāhnavītīre
am nördlichen Ufer der Jāhnavī
pratiṣṭhāne mahāyaśāḥ
in Pratiṣṭhāna, der hochberühmte

{lomaharṣaṇa sprach:} ailaputrā babhūvus te sapta devasutopamāḥ / gandharvaloke viditā āyur dhīmān amāvasuḥ // BrP_10.11 //

Die Söhne des Aiḷa waren jene sieben, den Göttersöhnen gleich, in der Gandharva-Welt bekannt: Āyus, der Kluge, Amāvasu,

Wort für Wort
ailaputrāḥ babhūvuḥ te
die Söhne des Aiḷa waren jene
sapta devasutopamāḥ
sieben, den Göttersöhnen gleich
gandharvaloke viditāḥ
in der Gandharva-Welt bekannt
āyuḥ dhīmān amāvasuḥ
Āyus, der Kluge, Amāvasu

viśvāyuś caiva dharmātmā śrutāyuś ca tathāparaḥ / dṛḍhāyuś ca vanāyuś ca bahvāyuś corvaśīsutāḥ // BrP_10.12 //

und Viśvāyu, der Rechtschaffene, und Śrutāyu, ebenso ein anderer, und Dṛḍhāyu und Vanāyu und Bahvāyu – die Söhne der Urvaśī.

Wort für Wort
viśvāyuḥ caiva dharmātmā
und Viśvāyu, der Rechtschaffene
śrutāyuḥ ca tathā aparaḥ
und Śrutāyu, ebenso ein anderer
dṛḍhāyuḥ ca vanāyuḥ ca
und Dṛḍhāyu und Vanāyu
bahvāyuḥ ca urvaśīsutāḥ
und Bahvāyu – die Söhne der Urvaśī

amāvasos tu dāyādo bhīmo rājātha rājarāṭ / śrīmān bhīmasya dāyādo rājāsīt kāñcanaprabhaḥ // BrP_10.13 //

Amāvasus Erbe aber war der König Bhīma, ein Fürst der Fürsten; Bhīmas glückhafter Erbe war der König mit dem Namen Kāñcanaprabha,

Wort für Wort
amāvasoḥ tu dāyādaḥ
Amāvasus Erbe aber
bhīmaḥ rājā atha rājarāṭ
der König Bhīma, ein Fürst der Fürsten
śrīmān bhīmasya dāyādaḥ
Bhīmas glückhafter Erbe
rājā āsīt kāñcanaprabhaḥ
war der König Kāñcanaprabha

vidvāṃs tu kāñcanasyāpi suhotro 'bhūn mahābalaḥ / suhotrasyābhavaj jahnuḥ keśinyā garbhasaṃbhavaḥ // BrP_10.14 //

der gelehrte Suhotra aber war auch Kāñcanas gewaltmächtiger Sohn; Suhotras Sohn war Jahnu, aus dem Schoß der Keśinī entsprungen,

Wort für Wort
vidvān tu kāñcanasya api
der gelehrte aber auch Kāñcanas
suhotraḥ abhūt mahābalaḥ
Suhotra war der gewaltmächtige (Sohn)
suhotrasya abhavat jahnuḥ
Suhotras (Sohn) war Jahnu
keśinyā garbhasaṃbhavaḥ
aus dem Schoß der Keśinī entsprungen

ājahre yo mahat sattraṃ sarpamedhaṃ mahāmakham / patilobhena yaṃ gaṅgā patitvena sasāra ha // BrP_10.15 //

welcher das große Opfer, das Schlangenopfer, das große Ritual, vollbrachte, zu welchem die Gaṅgā aus Verlangen nach einem Gatten in der Rolle einer Gattin herbeiströmte.

Wort für Wort
ājahre yaḥ mahat sattram
welcher das große Opfer vollbrachte
sarpamedham mahāmakham
das Schlangenopfer, das große Ritual
patilobhena yam gaṅgā
zu welchem die Gaṅgā aus Verlangen nach einem Gatten
patitvena sasāra ha
in der Rolle einer Gattin herbeiströmte

Beginn der Jahnu/Gaṅgā-Episode (Namensätiologie "Jāhnavī" für die Gaṅgā).

necchataḥ plāvayām āsa tasya gaṅgā tadā sadaḥ / sa tayā plāvitaṃ dṛṣṭvā yajñavāṭaṃ samantataḥ // BrP_10.16 //

Ohne dass er es wollte, überflutete die Gaṅgā da dessen Opferstätte; er, als er die Opferumfriedung ringsum überflutet sah,

Wort für Wort
na icchataḥ plāvayām āsa
ohne dass er es wollte, überflutete
tasya gaṅgā tadā sadaḥ
die Gaṅgā da dessen Opferstätte
sa tayā plāvitam dṛṣṭvā
er, als er von ihr überflutet sah
yajñavāṭam samantataḥ
die Opferumfriedung ringsum

sauhotrir aśapad gaṅgāṃ kruddho rājā dvijottamāḥ / eṣa te viphalaṃ yatnaṃ pibann ambhaḥ karomy aham // BrP_10.17 //

verfluchte, der König, Sohn des Suhotra, im Zorn die Gaṅgā, o beste der Zweifachgeborenen: „Ich werde nun dein Bemühen zunichtemachen, indem ich dein Wasser trinke!

Wort für Wort
sauhotriḥ aśapat gaṅgām
der Sohn des Suhotra verfluchte die Gaṅgā
kruddhaḥ rājā dvijottamāḥ
im Zorn, der König, o beste der Zweifachgeborenen
eṣa te viphalam yatnam
dieses dein Bemühen, zunichte
pibann ambhaḥ karomi aham
mache ich, indem ich dein Wasser trinke

asya gaṅge 'valepasya sadyaḥ phalam avāpnuhi / jahnurājarṣiṇā pītāṃ gaṅgāṃ dṛṣṭvā maharṣayaḥ // BrP_10.18 //

Erhalte, Gaṅgā, sogleich die Frucht dieser deiner Vermessenheit!“ Als die großen Weisen die vom königlichen Weisen Jahnu ausgetrunkene Gaṅgā sahen,

Wort für Wort
asya gaṅge avalepasya
dieser deiner Vermessenheit, Gaṅgā
sadyaḥ phalam avāpnuhi
erhalte sogleich die Frucht
jahnurājarṣiṇā pītām
vom königlichen Weisen Jahnu ausgetrunkene
gaṅgām dṛṣṭvā maharṣayaḥ
die Gaṅgā, sahen die großen Weisen

upaninyur mahābhāgāṃ duhitṛtvena jāhnavīm / yuvanāśvasya putrīṃ tu kāverīṃ jahnur āvahat // BrP_10.19 //

führten sie die hochgesegnete als „Tochter“ (Jāhnavī) herbei; die Tochter des Yuvanāśva aber, Kāverī, nahm Jahnu zur Gattin.

Wort für Wort
upaninyuḥ mahābhāgām
führten sie die hochgesegnete herbei
duhitṛtvena jāhnavīm
als "Tochter", (die) Jāhnavī
yuvanāśvasya putrīm tu
die Tochter des Yuvanāśva aber
kāverīm jahnuḥ āvahat
Kāverī nahm Jahnu zur Gattin

Namensätiologie "Jāhnavī" für die Gaṅgā, als "Tochter" Jahnus.

yuvanāśvasya śāpena gaṅgārdhena vinirgatā / kāverīṃ saritāṃ śreṣṭhāṃ jahnor bhāryām aninditām // BrP_10.20 //

Kāverī, die beste der Flüsse, durch den Fluch des Yuvanāśva zur Hälfte aus der Gaṅgā hervorgegangen, Jahnus untadelige Gattin —

Wort für Wort
yuvanāśvasya śāpena
durch den Fluch des Yuvanāśva
gaṅgārdhena vinirgatā
zur Hälfte aus der Gaṅgā hervorgegangen
kāverīm saritām śreṣṭhām
Kāverī, die beste der Flüsse
jahnoḥ bhāryām aninditām
Jahnus untadelige Gattin

[?] Knapp angedeutete eigene Ursprungssage der Kāverī (zur Hälfte aus der Gaṅgā entstanden, durch einen Fluch des Yuvanāśva), die im Text nicht weiter ausgeführt wird.

jahnus tu dayitaṃ putraṃ sunadyaṃ nāma dhārmikam / kāveryāṃ janayām āsa ajakas tasya cātmajaḥ // BrP_10.21 //

Jahnu aber zeugte mit Kāverī einen geliebten, rechtschaffenen Sohn namens Sunadi; Ajaka war dessen Sohn.

Wort für Wort
jahnuḥ tu dayitam putram
Jahnu aber (zeugte) einen geliebten Sohn
sunadyam nāma dhārmikam
namens Sunadi, den rechtschaffenen
kāveryām janayām āsa
mit Kāverī zeugte er
ajakaḥ tasya ca ātmajaḥ
und Ajaka war dessen Sohn

ajakasya tu dāyādo balākāśvo mahīpatiḥ / babhūva mṛgayāśīlaḥ kuśas tasyātmajo 'bhavat // BrP_10.22 //

Ajakas Erbe aber war der der Jagd zugetane Herrscher Balākāśva; Kuśa war dessen Sohn,

Wort für Wort
ajakasya tu dāyādaḥ
Ajakas Erbe aber
balākāśvaḥ mahīpatiḥ
der Herrscher Balākāśva
babhūva mṛgayāśīlaḥ
war der Jagd zugetan
kuśaḥ tasya ātmajaḥ abhavat
Kuśa war dessen Sohn

kuśaputrā babhūvur hi catvāro devavarcasaḥ / kuśikaḥ kuśanābhaś ca kuśāmbo mūrtimāṃs tathā // BrP_10.23 //

Kuśas Söhne waren vier an der Zahl, von göttlichem Glanz: Kuśika, und Kuśanābha, und Kuśāmba, und ebenso Mūrtimant.

Wort für Wort
kuśaputrāḥ babhūvuḥ hi
Kuśas Söhne waren nämlich
catvāraḥ devavarcasaḥ
vier, von göttlichem Glanz
kuśikaḥ kuśanābhaḥ ca
Kuśika und Kuśanābha
kuśāmbaḥ mūrtimān tathā
Kuśāmba und ebenso Mūrtimant

ballavaiḥ saha saṃvṛddho rājā vanacaraḥ sadā / kuśikas tu tapas tepe putram indrasamaṃ prabhuḥ // BrP_10.24 //

Mit Hirten aufgewachsen, ein stets im Wald wandelnder König, übte Kuśika Askese, um einen Indra-gleichen Sohn zu erlangen, der Gebieter.

Wort für Wort
ballavaiḥ saha saṃvṛddhaḥ
mit Hirten aufgewachsen
rājā vanacaraḥ sadā
ein stets im Wald wandelnder König
kuśikaḥ tu tapaḥ tepe
Kuśika aber übte Askese
putram indrasamam prabhuḥ
um einen Indra-gleichen Sohn, der Gebieter

labheyam iti taṃ śakras trāsād abhyetya jajñivān / pūrṇe varṣasahasre vai tataḥ śakro hy apaśyata // BrP_10.25 //

„Möge ich einen solchen erlangen!“ – aus Furcht (davor, übertroffen zu werden) näherte sich ihm Śakra (Indra) und wurde selbst als sein Sohn geboren; nach Ablauf von tausend Jahren nämlich erblickte Śakra darauf

Wort für Wort
labheyam iti tam śakraḥ
"möge ich (einen solchen Sohn) erlangen" – ihn Śakra
trāsāt abhyetya jajñivān
aus Furcht sich nähernd, wurde geboren
pūrṇe varṣasahasre vai
nach Ablauf von tausend Jahren
tataḥ śakraḥ hi apaśyata
erblickte darauf Śakra

Bekannte Erzählung, dass Indra, aus Furcht vor einem ihn übertreffenden Sohn Kuśikas, selbst dessen Sohn (Gādhi) wird.

atyugratapasaṃ dṛṣṭvā sahasrākṣaḥ puraṃdaraḥ / samarthaḥ putrajanane svayam evāsya śāśvataḥ // BrP_10.26 //

den überaus schrecklichen Asketen erblickend, der Tausendäugige, der Festungenbrecher, wurde er selbst, der Ewige, fähig zur Sohneszeugung für ihn –

Wort für Wort
atyugratapasam dṛṣṭvā
den überaus schrecklichen Asketen erblickend
sahasrākṣaḥ puraṃdaraḥ
der Tausendäugige, der Festungenbrecher
samarthaḥ putrajanane
fähig zur Sohneszeugung
svayam eva asya śāśvataḥ
er selbst, der Ewige, für ihn

putrārthaṃ kalpayām āsa devendraḥ surasattamaḥ / sa gādhir abhavad rājā maghavān kauśikaḥ svayam // BrP_10.27 //

gestaltete er sich zum Zweck der Erfüllung des Sohneswunsches, der Herr der Götter, der beste der Götter; er wurde zum König Gādhi, Maghavan (Indra) selbst, (nun als) Kauśika,

Wort für Wort
putrārtham kalpayām āsa
gestaltete er sich zum Zweck (des Sohnes)
devendraḥ surasattamaḥ
der Herr der Götter, der beste der Götter
sa gādhiḥ abhavat rājā
er wurde zum König Gādhi
maghavān kauśikaḥ svayam
Maghavan (Indra) selbst, als Kauśika

paurā yasyābhavad bhāryā gādhis tasyām ajāyata / gādheḥ kanyā mahābhāgā nāmnā satyavatī śubhā // BrP_10.28 //

dessen Gattin eine Paurī war; von ihr wurden (weitere Kinder) Gādhis gezeugt; Gādhis hochgesegnete Tochter, mit Namen Satyavatī, die Schöne,

Wort für Wort
paurā yasya abhavat bhāryā
dessen Gattin war eine Paurī
gādhiḥ tasyām ajāyata
von ihr wurden (Kinder) Gādhis gezeugt
gādheḥ kanyā mahābhāgā
Gādhis hochgesegnete Tochter
nāmnā satyavatī śubhā
mit Namen Satyavatī, die Schöne

tāṃ gādhiḥ kāvyaputrāya ṛcīkāya dadau prabhuḥ / tasyāḥ prītaḥ sa vai bhartā bhārgavo bhṛgunandanaḥ // BrP_10.29 //

sie gab Gādhi, der Gebieter, dem Ṛcīka, dem Sohn des Kāvya (Śukra); ihr Gatte, der Bhārgava, der Freude-Sohn des Bhṛgu, war ihr zugetan

Wort für Wort
tām gādhiḥ kāvyaputrāya
sie (gab) Gādhi dem Sohn des Kāvya
ṛcīkāya dadau prabhuḥ
dem Ṛcīka, der Gebieter
tasyāḥ prītaḥ sa vai bhartā
ihr zugetan war ihr Gatte
bhārgavaḥ bhṛgunandanaḥ
der Bhārgava, der Freude-Sohn des Bhṛgu

Beginn der berühmten Caru-Vertauschungs-Episode: der Ursprung Jamadagnis (und mittelbar Paraśurāmas).

putrārthaṃ sādhayām āsa caruṃ gādhes tathaiva ca / uvācāhūya tāṃ bhāryām ṛcīko bhārgavas tadā // BrP_10.30 //

und bereitete zum Zweck eines Sohnes eine geweihte Opferspeise, und ebenso auch eine für Gādhi; und rief da seine Gattin herbei und sprach zu ihr, der Bhārgava Ṛcīka:

Wort für Wort
putrārtham sādhayām āsa
zum Zweck eines Sohnes bereitete er
carum gādheḥ tathā eva ca
eine Opferspeise, und ebenso eine für Gādhi
uvāca āhūya tām bhāryām
sprach, nachdem er seine Gattin herbeigerufen hatte
ṛcīkaḥ bhārgavaḥ tadā
Ṛcīka, der Bhārgava, da

{ṛcīka sprach:} upayojyaś carur ayaṃ tvayā mātrā svayaṃ śubhe / tasyāṃ janiṣyate putro dīptimān kṣatriyarṣabhaḥ // BrP_10.31 //

„Diese Opferspeise soll von dir zusammen mit deiner Mutter verzehrt werden, o Holde; in ihr wird (dann) ein glanzvoller Sohn geboren werden, ein Stier unter den Kṣatriyas,

Wort für Wort
upayojyaḥ caruḥ ayam
diese Opferspeise soll verzehrt werden
tvayā mātrā svayam śubhe
von dir zusammen mit (deiner) Mutter, o Holde
tasyām janiṣyate putraḥ
in ihr wird ein Sohn geboren werden
dīptimān kṣatriyarṣabhaḥ
ein glanzvoller, ein Stier unter den Kṣatriyas

ajeyaḥ kṣatriyair loke kṣatriyarṣabhasūdanaḥ / tavāpi putraṃ kalyāṇi dhṛtimantaṃ tapodhanam // BrP_10.32 //

unbesiegbar von Kṣatriyas in der Welt, ein Vernichter von Kṣatriya-Stieren; dir aber, Glückliche, wird diese andere Opferspeise einen standhaften, askesereichen Sohn

Wort für Wort
ajeyaḥ kṣatriyaiḥ loke
unbesiegbar von Kṣatriyas in der Welt
kṣatriyarṣabhasūdanaḥ
ein Vernichter von Kṣatriya-Stieren
tava api putram kalyāṇi
dir aber, Glückliche, einen Sohn
dhṛtimantam tapodhanam
standhaft, askesereich

śamātmakaṃ dvijaśreṣṭhaṃ carur eṣa vidhāsyati / evam uktvā tu tāṃ bhāryām ṛcīko bhṛgunandanaḥ // BrP_10.33 //

von ruhigem Wesen, einen besten der Brahmanen, verschaffen.“ Nachdem er so zu seiner Gattin gesprochen hatte, der Bhṛgu-Sohn Ṛcīka,

Wort für Wort
śamātmakam dvijaśreṣṭham
von ruhigem Wesen, einen besten der Brahmanen
caruḥ eṣa vidhāsyati
wird diese Opferspeise verschaffen
evam uktvā tu tām bhāryām
nachdem er so zu seiner Gattin gesprochen hatte
ṛcīkaḥ bhṛgunandanaḥ
Ṛcīka, der Bhṛgu-Sohn

tapasy abhirato nityam araṇyaṃ praviveśa ha / gādhiḥ sadāras tu tadā ṛcīkāśramam abhyagāt // BrP_10.34 //

stets der Askese zugetan, ging er in den Wald. Gādhi aber begab sich da, mit seiner Gattin, zur Einsiedelei des Ṛcīka,

Wort für Wort
tapasi abhirataḥ nityam
stets der Askese zugetan
araṇyam praviveśa ha
ging er in den Wald
gādhiḥ sadāraḥ tu tadā
Gādhi aber, mit seiner Gattin, da
ṛcīkāśramam abhyagāt
begab sich zur Einsiedelei des Ṛcīka

tīrthayātrāprasaṅgena sutāṃ draṣṭuṃ nareśvaraḥ / carudvayaṃ gṛhītvā sā ṛṣeḥ satyavatī tadā // BrP_10.35 //

anlässlich einer Pilgerreise, um seine Tochter zu sehen, der Herrscher der Menschen. Die beiden Opferspeisen ergreifend, jene Satyavatī, des Weisen Gattin, da

Wort für Wort
tīrthayātrāprasaṅgena
anlässlich einer Pilgerreise
sutām draṣṭum nareśvaraḥ
um seine Tochter zu sehen, der Herrscher der Menschen
carudvayam gṛhītvā sā
die beiden Opferspeisen ergreifend, sie
ṛṣeḥ satyavatī tadā
des Weisen (Gattin) Satyavatī, da

carum ādāya yatnena sā tu mātre nyavedayat / mātā tu tasyā daivena duhitre svaṃ caruṃ dadau // BrP_10.36 //

nahm sorgsam die für sie bestimmte Opferspeise und übergab die andere ihrer Mutter; die Mutter aber gab ihr, durch Fügung des Schicksals, ihre eigene Opferspeise im Tausch.

Wort für Wort
carum ādāya yatnena
sorgsam die Opferspeise nehmend
sā tu mātre nyavedayat
übergab sie der Mutter
mātā tu tasyāḥ daivena
die Mutter aber, ihr, durch Fügung des Schicksals
duhitre svam carum dadau
gab der Tochter ihre eigene Opferspeise

tasyāś carum athājñānād ātmasaṃsthaṃ cakāra ha / atha satyavatī sarvaṃ kṣatriyāntakaraṃ tadā // BrP_10.37 //

und Satyavatī machte deren Opferspeise unwissentlich zu der ihrigen; darauf trug sie da das ganze, Kṣatriya-vernichtende Wesen

Wort für Wort
tasyāḥ carum atha ajñānāt
deren Opferspeise darauf unwissentlich
ātmasaṃstham cakāra ha
machte sie zu der ihrigen
atha satyavatī sarvam
darauf Satyavatī das ganze
kṣatriyāntakaram tadā
Kṣatriya-vernichtende Wesen da

dhārayām āsa dīptena vapuṣā ghoradarśanā / tām ṛcīkas tato dṛṣṭvā yogenābhyupasṛtya ca // BrP_10.38 //

mit glänzendem, furchterregend anzusehendem Leib in sich. Sie erblickend, näherte sich ihr Ṛcīka darauf mittels Yoga und

Wort für Wort
dhārayām āsa dīptena
trug in sich, mit glänzendem
vapuṣā ghoradarśanā
Leib, furchterregend anzusehend
tām ṛcīkaḥ tataḥ dṛṣṭvā
sie, Ṛcīka darauf erblickend
yogena abhyupasṛtya ca
und sich mittels Yoga nähernd

tato 'bravīd dvijaśreṣṭhaḥ svāṃ bhāryāṃ varavarṇinīm / mātrāsi vañcitā bhadre caruvyatyāsahetunā // BrP_10.39 //

sprach dann, der beste der Zweifachgeborenen, zu seiner schönfarbigen Gattin: „Du bist von deiner Mutter getäuscht worden, Holde, durch die Vertauschung der Opferspeisen;

Wort für Wort
tataḥ abravīt dvijaśreṣṭhaḥ
dann sprach der beste der Zweifachgeborenen
svām bhāryām varavarṇinīm
zu seiner schönfarbigen Gattin
mātrā asi vañcitā bhadre
von der Mutter bist du getäuscht worden, Holde
caruvyatyāsahetunā
durch die Vertauschung der Opferspeisen

janayiṣyati hi putras te krūrakarmātidāruṇaḥ / bhrātā janiṣyate cāpi brahmabhūtas tapodhanaḥ // BrP_10.40 //

denn dein Sohn wird von grausamem, überaus schrecklichem Tun sein; und dein Bruder wird auch geboren werden, brahmanenhaft, askesereich;

Wort für Wort
janayiṣyati hi putraḥ
denn (dieser wird sich zeigen als) dein Sohn
te krūrakarmātidāruṇaḥ
von grausamem, überaus schrecklichem Tun
bhrātā janiṣyate ca api
und auch ein Bruder wird geboren werden
brahmabhūtaḥ tapodhanaḥ
brahmanenhaft, askesereich

viśvaṃ hi brahma tapasā mayā tasmin samarpitam / evam uktā mahābhāgā bhartrā satyavatī tadā // BrP_10.41 //

denn das gesamte Brahman habe ich durch meine Askese in jene Opferspeise hineingelegt.“ So von ihrem Gatten angesprochen, bat da die hochgesegnete Satyavatī

Wort für Wort
viśvam hi brahma tapasā
denn das gesamte Brahman durch Askese
mayā tasmin samarpitam
wurde von mir in jene hineingelegt
evam uktā mahābhāgā
so angesprochen, die hochgesegnete
bhartrā satyavatī tadā
von ihrem Gatten, Satyavatī, da

prasādayām āsa patiṃ putro me nedṛśo bhavet / brāhmaṇāpasadas tvatta ity ukto munir abravīt // BrP_10.42 //

ihren Gatten: „Mein Sohn möge nicht so werden – ein Abtrünniger des Brahmanentums durch dich (meine Schuld)!“ So angesprochen, sprach der Weise:

Wort für Wort
prasādayām āsa patim
besänftigte sie ihren Gatten
putraḥ me na īdṛśaḥ bhavet
"mein Sohn möge nicht so werden"
brāhmaṇāpasadaḥ tvattaḥ
"ein Abtrünniger des Brahmanentums durch dich"
iti uktaḥ muniḥ abravīt
so angesprochen, sprach der Weise

{ṛcīka sprach:} naiṣa saṃkalpitaḥ kāmo mayā bhadre tathāstv iti / ugrakarmā bhavet putraḥ pitur mātuś ca kāraṇāt // BrP_10.43 //

„Dies war nicht meine ursprüngliche Absicht, Holde, aber ‚so sei es‘; (nur) der Enkel möge von schrecklichem Tun sein, aus dem Grund der Verfehlung von Vater und Mutter.“

Wort für Wort
na eṣaḥ saṃkalpitaḥ kāmaḥ
dies war nicht die (ursprünglich) beabsichtigte Absicht
mayā bhadre tathā astu iti
von mir, Holde, "so sei es"
ugrakarmā bhavet putraḥ
von schrecklichem Tun möge der (Enkel-)Sohn sein
pituḥ mātuḥ ca kāraṇāt
aus dem Grund von Vater und Mutter

[Anm.: Die traditionelle Erzählung (vgl. v.53) legt das schreckliche Wesen tatsächlich dem Enkel Paraśurāma zur Last, während der Sohn Jamadagni ein friedvoller Weiser wird; "putraḥ" hier ist daher wohl im weiteren Sinn von "Nachkomme" (Enkel) zu verstehen.]

punaḥ satyavatī vākyam evam uktvābravīd idam / icchaṃl lokān api mune sṛjethāḥ kiṃ punaḥ sutam // BrP_10.44 //

Wiederum sprach Satyavatī, nachdem sie so gesprochen hatte, dieses Wort: „Wenn du wolltest, o Weiser, könntest du sogar Welten erschaffen – wie viel mehr dann einen Sohn nach Wunsch!

Wort für Wort
punaḥ satyavatī vākyam
wiederum sprach Satyavatī das Wort
evam uktvā abravīt idam
nachdem sie so gesprochen hatte, dies
icchan lokān api mune
wenn du wolltest, o Weiser, sogar Welten
sṛjethāḥ kim punaḥ sutam
könntest du erschaffen, wie viel mehr einen Sohn

śamātmakam ṛjuṃ tvaṃ me putraṃ dātum ihārhasi / kāmam evaṃvidhaḥ pautro mama syāt tava ca prabho // BrP_10.45 //

Einen von ruhigem Wesen, aufrichtigen Sohn sollst du mir hier gewähren; von mir aus mag stattdessen ein solcher Enkel mein und dein sein, o Gebieter,

Wort für Wort
śamātmakam ṛjum tvam
einen von ruhigem Wesen, aufrichtigen, du
me putram dātum iha arhasi
sollst mir hier einen Sohn gewähren
kāmam evaṃvidhaḥ pautraḥ
von mir aus mag ein solcher Enkel
mama syāt tava ca prabho
mein und dein sein, o Gebieter

yady anyathā na śakyaṃ vai kartum etad dvijottama / tataḥ prasādam akarot sa tasyās tapaso balāt // BrP_10.46 //

wenn es nicht anders möglich ist, dies zu ändern, o bester der Zweifachgeborenen.“ Darauf gewährte er ihr, kraft seiner Askese, die Gnade:

Wort für Wort
yadi anyathā na śakyam
wenn es nicht anders möglich ist
kartum etat dvijottama
dies zu machen, o bester der Zweifachgeborenen
tataḥ prasādam akarot
darauf gewährte er die Gnade
sa tasyāḥ tapasaḥ balāt
er, ihr, kraft seiner Askese

{ṛcīka sprach:} putre nāsti viśeṣo me pautre vā varavarṇini / tvayā yathoktaṃ vacanaṃ tathā bhadre bhaviṣyati // BrP_10.47 //

„Für mich besteht kein Unterschied zwischen Sohn und Enkel, o Schönfarbige; wie von dir gesprochen wurde, so soll es sein, Holde.“

Wort für Wort
putre na asti viśeṣaḥ me
für mich besteht kein Unterschied beim Sohn
pautre vā varavarṇini
oder beim Enkel, o Schönfarbige
tvayā yathā uktam vacanam
wie von dir das Wort gesprochen wurde
tathā bhadre bhaviṣyati
so wird es sein, Holde

tataḥ satyavatī putraṃ janayām āsa bhārgavam / tapasy abhirataṃ dāntaṃ jamadagniṃ samātmakam // BrP_10.48 //

Darauf gebar Satyavatī den Sohn, den Bhārgava, der Askese zugetan, selbstbeherrscht, Jamadagni, von ausgeglichenem Wesen.

Wort für Wort
tataḥ satyavatī putram
darauf gebar Satyavatī den Sohn
janayām āsa bhārgavam
den Bhārgava
tapasi abhiratam dāntam
der Askese zugetan, selbstbeherrscht
jamadagnim samātmakam
Jamadagni, von ausgeglichenem Wesen

Geburt des Jamadagni, des Vaters von Paraśurāma.

bhṛgor jagatyāṃ vaṃśe 'smiñ jamadagnir ajāyata / sā hi satyavatī puṇyā satyadharmaparāyaṇā // BrP_10.49 //

Im Geschlecht Bhṛgus auf Erden wurde also Jamadagni geboren. Jene fromme Satyavatī, der Wahrheit und dem Recht ergeben,

Wort für Wort
bhṛgoḥ jagatyām vaṃśe asmin
im Geschlecht Bhṛgus auf Erden
jamadagniḥ ajāyata
wurde Jamadagni geboren
sā hi satyavatī puṇyā
jene fromme Satyavatī
satyadharmaparāyaṇā
der Wahrheit und dem Recht ergeben

kauśikīti samākhyātā pravṛtteyaṃ mahānadī / ikṣvākuvaṃśaprabhavo reṇur nāma narādhipaḥ // BrP_10.50 //

wurde zum großen Fluss, der als „Kauśikī“ bekannt ist. Aus dem Ikṣvāku-Geschlecht entsprungen, der Herrscher mit Namen Reṇu,

Wort für Wort
kauśikī iti samākhyātā
als "Kauśikī" bekannt
pravṛttā iyam mahānadī
wurde dieser große Fluss
ikṣvākuvaṃśaprabhavaḥ
aus dem Ikṣvāku-Geschlecht entsprungen
reṇuḥ nāma narādhipaḥ
der Herrscher mit Namen Reṇu

Namensätiologie: Satyavatī wird selbst zum Fluss Kauśikī (Nebenfluss des Ganges).

tasya kanyā mahābhāgā kāmalī nāma reṇukā / reṇukāyāṃ tu kāmalyāṃ tapovidyāsamanvitaḥ // BrP_10.51 //

dessen hochgesegnete Tochter, Kāmalī, mit Namen Reṇukā war; mit Reṇukā, der Kāmalī, zeugte, mit Askese und Wissen ausgestattet,

Wort für Wort
tasya kanyā mahābhāgā
dessen hochgesegnete Tochter
kāmalī nāma reṇukā
Kāmalī, mit Namen Reṇukā
reṇukāyām tu kāmalyām
mit Reṇukā, der Kāmalī
tapovidyāsamanvitaḥ
mit Askese und Wissen ausgestattet

ārcīko janayām āsa jāmadagnyaṃ sudāruṇam / sarvavidyāntagaṃ śreṣṭhaṃ dhanurvedasya pāragam // BrP_10.52 //

der Ārcīka-Sohn (Jamadagni) den überaus schrecklichen Sohn Jāmadagnya, den besten, an das Ende aller Wissenschaften Gelangten, den Kenner des Bogenschieß-Veda bis zum Ende,

Wort für Wort
ārcīkaḥ janayām āsa
der Ārcīka-Sohn zeugte
jāmadagnyam sudāruṇam
den Sohn des Jamadagni, den überaus schrecklichen
sarvavidyāntagam śreṣṭham
den besten, an das Ende aller Wissenschaften Gelangten
dhanurvedasya pāragam
den Kenner des Bogenschieß-Veda bis zum Ende

rāmaṃ kṣatriyahantāraṃ pradīptam iva pāvakam / aurvasyaivam ṛcīkasya satyavatyāṃ mahāyaśāḥ // BrP_10.53 //

Rāma (Paraśurāma), den Kṣatriya-Vernichter, wie loderndes Feuer. So wurde vom Aurva-Enkel Ṛcīka mit Satyavatī der Hochberühmte

Wort für Wort
rāmam kṣatriyahantāram
Rāma, den Kṣatriya-Vernichter
pradīptam iva pāvakam
wie loderndes Feuer
aurvasya evam ṛcīkasya
so vom Aurva(-Enkel) Ṛcīka
satyavatyām mahāyaśāḥ
mit Satyavatī, der Hochberühmte

Dies ist Paraśurāma, der später die Kṣatriyas 21-mal von der Erde vertilgt (vgl. spätere Kapitel).

jamadagnis tapovīryāj jajñe brahmavidāṃ varaḥ / madhyamaś ca śunaḥśephaḥ śunaḥpucchaḥ kaniṣṭhakaḥ // BrP_10.54 //

Jamadagni geboren, durch die Kraft der Askese, der beste der Brahman-Kenner; und der mittlere Sohn (war) Śunaḥśepha, Śunaḥpuccha der jüngste,

Wort für Wort
jamadagniḥ tapovīryāt
Jamadagni, durch die Kraft der Askese
jajñe brahmavidām varaḥ
wurde geboren, der beste der Brahman-Kenner
madhyamaḥ ca śunaḥśephaḥ
und der mittlere (war) Śunaḥśepha
śunaḥpucchaḥ kaniṣṭhakaḥ
Śunaḥpuccha der jüngste

Śunaḥśepha und Śunaḥpuccha sind demnach weitere Söhne Ṛcīkas und Satyavatīs, Brüder Jamadagnis.

viśvāmitraṃ tu dāyādaṃ gādhiḥ kuśikanandanaḥ / janayām āsa putraṃ tu tapovidyāśamātmakam // BrP_10.55 //

Viśvāmitra aber, den Erben, zeugte Gādhi, der Freude-Sohn Kuśikas, als Sohn, von Askese, Wissen und ruhigem Wesen,

Wort für Wort
viśvāmitram tu dāyādam
Viśvāmitra aber, den Erben
gādhiḥ kuśikanandanaḥ
Gādhi, der Freude-Sohn Kuśikas
janayām āsa putram tu
zeugte als Sohn
tapovidyāśamātmakam
von Askese, Wissen und ruhigem Wesen

Übergang zur Viśvāmitra-Genealogie.

prāpya brahmarṣisamatāṃ yo 'yaṃ brahmarṣitāṃ gataḥ / viśvāmitras tu dharmātmā nāmnā viśvarathaḥ smṛtaḥ // BrP_10.56 //

welcher, nachdem er Gleichrangigkeit mit den Brahmanenweisen erlangt hatte, zum Brahmanenweisen-Stand gelangte; Viśvāmitra aber, der Rechtschaffene, ist dem Namen nach als Viśvaratha bekannt,

Wort für Wort
prāpya brahmarṣisamatām
nachdem er Gleichrangigkeit mit den Brahmanenweisen erlangt hatte
yaḥ ayam brahmarṣitām gataḥ
welcher zum Brahmanenweisen-Stand gelangte
viśvāmitraḥ tu dharmātmā
Viśvāmitra aber, der Rechtschaffene
nāmnā viśvarathaḥ smṛtaḥ
ist dem Namen nach als Viśvaratha bekannt

Viśvāmitra ist damit der berühmteste Fall eines Kṣatriya, der durch Askese den Rang eines Brahmanenweisen (brahmarṣi) erlangte.

jajñe bhṛguprasādena kauśikād vaṃśavardhanaḥ / viśvāmitrasya ca sutā devarātādayaḥ smṛtāḥ // BrP_10.57 //

er wurde durch Bhṛgus Gnade als Geschlechtsmehrer von Kauśika geboren. Und Viśvāmitras Söhne sind als Devarāta und andere bekannt,

Wort für Wort
jajñe bhṛguprasādena
wurde durch Bhṛgus Gnade geboren
kauśikāt vaṃśavardhanaḥ
von Kauśika, als Geschlechtsmehrer
viśvāmitrasya ca sutāḥ
und Viśvāmitras Söhne
devarātādayaḥ smṛtāḥ
sind als Devarāta und andere bekannt

prakhyātās triṣu lokeṣu teṣāṃ nāmāny ataḥparam / devarātaḥ katiś caiva yasmāt kātyāyanāḥ smṛtāḥ // BrP_10.58 //

berühmt in den drei Welten; deren Namen folgen nun: Devarāta und Kati, von welchem die Kātyāyanas bekannt sind,

Wort für Wort
prakhyātāḥ triṣu lokeṣu
berühmt in den drei Welten
teṣām nāmāni ataḥparam
deren Namen (folgen) nun
devarātaḥ katiḥ caiva
Devarāta und Kati
yasmāt kātyāyanāḥ smṛtāḥ
von welchem die Kātyāyanas bekannt sind

śālāvatyāṃ hiraṇyākṣo reṇur jajñe 'tha reṇukaḥ / sāṃkṛtir gālavaś caiva mudgalaś caiva viśrutaḥ // BrP_10.59 //

Hiraṇyākṣa, geboren von Śālāvatī, Reṇu, dann Reṇuka, Sāṃkṛti, und Gālava, und der wohlbekannte Mudgala,

Wort für Wort
śālāvatyām hiraṇyākṣaḥ
Hiraṇyākṣa, von Śālāvatī
reṇuḥ jajñe atha reṇukaḥ
Reṇu, dann wurde geboren Reṇuka
sāṃkṛtiḥ gālavaḥ caiva
Sāṃkṛti und Gālava
mudgalaḥ caiva viśrutaḥ
und der wohlbekannte Mudgala

madhucchando jayaś caiva devalaś ca tathāṣṭakaḥ / kacchapo hāritaś caiva viśvāmitrasya te sutāḥ // BrP_10.60 //

Madhucchandas, und Jaya, und Devala, und ebenso Aṣṭaka, Kacchapa, und Hārita – dies sind Viśvāmitras Söhne.

Wort für Wort
madhucchandaḥ jayaḥ caiva
Madhucchandas und Jaya
devalaḥ ca tathā aṣṭakaḥ
und Devala und ebenso Aṣṭaka
kacchapaḥ hāritaḥ caiva
Kacchapa und Hārita
viśvāmitrasya te sutāḥ
dies sind Viśvāmitras Söhne

teṣāṃ khyātāni gotrāṇi kauśikānāṃ mahātmanām / pāṇino babhravaś caiva dhyānajapyās tathaiva ca // BrP_10.61 //

Deren bekannte Gotras, der hochgesinnten Kauśikas, sind: die Pāṇinas, und die Babhravas, und ebenso die Dhyānajapyas,

Wort für Wort
teṣām khyātāni gotrāṇi
deren bekannte Gotras
kauśikānām mahātmanām
der hochgesinnten Kauśikas
pāṇinaḥ babhravaḥ caiva
die Pāṇinas und die Babhravas
dhyānajapyāḥ tathā eva ca
und ebenso die Dhyānajapyas

pārthivā devarātāś ca śālaṅkāyanabāṣkalāḥ / lohitā yamadūtāś ca tathā kārūṣakāḥ smṛtāḥ // BrP_10.62 //

die Pārthivas, und die Devarātas, die Śālaṅkāyanas und Bāṣkalas, die Lohitas, und die Yamadūtas, und ebenso die Kārūṣakas sind bekannt.

Wort für Wort
pārthivāḥ devarātāḥ ca
die Pārthivas und die Devarātas
śālaṅkāyanabāṣkalāḥ
die Śālaṅkāyanas und Bāṣkalas
lohitāḥ yamadūtāḥ ca
die Lohitas und die Yamadūtas
tathā kārūṣakāḥ smṛtāḥ
und ebenso die Kārūṣakas sind bekannt

pauravasya muniśreṣṭhā brahmarṣeḥ kauśikasya ca / saṃbandho 'py asya vaṃśe 'smin brahmakṣatrasya viśrutaḥ // BrP_10.63 //

Des Paurava und des Brahmanenweisen Kauśika (Viśvāmitra), o beste der Weisen, ist auch in diesem Geschlecht die Verbindung von Brahmanen- und Kṣatriya-(Blut) wohlbekannt.

Wort für Wort
pauravasya muniśreṣṭhāḥ
des Paurava, o beste der Weisen
brahmarṣeḥ kauśikasya ca
und des Brahmanenweisen Kauśika
saṃbandhaḥ api asya vaṃśe asmin
die Verbindung ist auch in diesem Geschlecht
brahmakṣatrasya viśrutaḥ
von Brahmanen- und Kṣatriya-(Blut) wohlbekannt

viśvāmitrātmajānāṃ tu śunaḥśepho 'grajaḥ smṛtaḥ / bhārgavaḥ kauśikatvaṃ hi prāptaḥ sa munisattamaḥ // BrP_10.64 //

Von Viśvāmitras Söhnen aber ist Śunaḥśepha als der Erstgeborene bekannt; der Bhārgava (durch Geburt) erlangte nämlich den Kauśika-Status, er, der beste der Weisen.

Wort für Wort
viśvāmitrātmajānām tu
von Viśvāmitras Söhnen aber
śunaḥśephaḥ agrajaḥ smṛtaḥ
ist Śunaḥśepha als der Erstgeborene bekannt
bhārgavaḥ kauśikatvam hi
der Bhārgava (erlangte) nämlich den Kauśika-Status
prāptaḥ sa munisattamaḥ
erlangt, er, der beste der Weisen

Vorbereitung der Śunaḥśepha-Episode: obwohl leiblich ein Bhārgava, wird Śunaḥśepha in Viśvāmitras (Kauśika-)Geschlecht aufgenommen.

viśvāmitrasya putras tu śunaḥśepho 'bhavat kila / haridaśvasya yajñe tu paśutve viniyojitaḥ // BrP_10.65 //

Viśvāmitras Sohn wurde Śunaḥśepha, so heißt es; beim Opfer des Hariḍaśva aber wurde er als Opfertier verwendet,

Wort für Wort
viśvāmitrasya putraḥ tu
Viśvāmitras Sohn aber
śunaḥśephaḥ abhavat kila
wurde Śunaḥśepha, so heißt es
haridaśvasya yajñe tu
beim Opfer des Hariḍaśva aber
paśutve viniyojitaḥ
wurde er als Opfertier verwendet

[Anm.: "Haridaśva" ist hier vermutlich ein Beiname/Variantenname für den in der klassischen Śunaḥśepha-Erzählung als Käufer auftretenden König (in anderen Fassungen Ambarīṣa oder Hariścandra genannt), der einen Menschen als Ersatz für ein Menschenopfer benötigte; Śunaḥśepha wird bekanntlich durch Gebete an die Götter (u.a. an Uṣas) errettet.]

devair dattaḥ śunaḥśepho viśvāmitrāya vai punaḥ / devair dattaḥ sa vai yasmād devarātas tato 'bhavat // BrP_10.66 //

von den Göttern wurde Śunaḥśepha wieder dem Viśvāmitra zurückgegeben; weil er von den Göttern zurückgegeben wurde, wurde er daraufhin „Devarāta“ genannt.

Wort für Wort
devaiḥ dattaḥ śunaḥśephaḥ
von den Göttern gegeben, Śunaḥśepha
viśvāmitrāya vai punaḥ
dem Viśvāmitra wieder
devaiḥ dattaḥ sa vai yasmāt
weil er von den Göttern gegeben wurde
devarātaḥ tataḥ abhavat
wurde er daraufhin "Devarāta"

Namensätiologie: "Devarāta" = "von den Göttern gegeben".

devarātādayaḥ sapta viśvāmitrasya vai sutāḥ / dṛṣadvatīsutaś cāpi vaiśvāmitras tathāṣṭakaḥ // BrP_10.67 //

Devarāta und die anderen sieben sind Viśvāmitras Söhne; und auch der Sohn der Dṛṣadvatī, ein Vaiśvāmitra, ebenso Aṣṭaka,

Wort für Wort
devarātādayaḥ sapta
Devarāta und die anderen sieben
viśvāmitrasya vai sutāḥ
sind Viśvāmitras Söhne
dṛṣadvatīsutaḥ ca api
und auch der Sohn der Dṛṣadvatī
vaiśvāmitraḥ tathā aṣṭakaḥ
ein Vaiśvāmitra, ebenso Aṣṭaka

aṣṭakasya suto lauhiḥ prokto jahnugaṇo mayā / ata ūrdhvaṃ pravakṣyāmi vaṃśam āyor mahātmanaḥ // BrP_10.68 //

Aṣṭakas Sohn ist Lauhi genannt. So wurde von mir die Jahnu-Gruppe dargelegt; von nun an werde ich das Geschlecht des hochgesinnten Āyus verkünden.

Wort für Wort
aṣṭakasya sutaḥ lauhiḥ
Aṣṭakas Sohn ist Lauhi
proktaḥ jahnugaṇaḥ mayā
genannt; die Jahnu-Gruppe wurde von mir dargelegt
ataḥ ūrdhvam pravakṣyāmi
von nun an werde ich verkünden
vaṃśam āyoḥ mahātmanaḥ
das Geschlecht des hochgesinnten Āyus

Abschluss des Kapitels und Überleitung zur Āyus-Genealogie (Kap. 11), die u.a. zu Nahuṣa und Yayāti führt.

Interaktive Leseansicht des ganzen Werks