Kapitel 80: kuśāvartakapotatīrthamāhātmyavarṇanam
Die Größe der Pilgerstätten Kuśāvarta und Kapota
Brahmā beschreibt zunächst kurz das Kuśāvarta-Tīrtha (von Gautama mit Kuśa-Gras gelenktes Gaṅgā-Wasser) und dann ausführlich das Kapota-Tīrtha: Ein grausamer Jäger vom Brahmagiri gerät in einem Unwetter unter einen Baum, auf dem ein Taubenpaar mit seinen Jungen wohnt. Die Täubin ist versehentlich im Käfig des Jägers gefangen; ihr Gatte, sie für tot haltend, klagt über den Verlust und preist ihre Tugenden. Als er sie lebend im Käfig entdeckt, will er sie befreien, doch sie hält ihn – im Geiste der Gastfreundschafts-Lehre (atithi-dharma) – davon ab, den (nun hilflosen, erschöpften) Jäger zu verurteilen; stattdessen bewirtschaften die Tauben ihn mit Feuer und Wärme. Um die Gastpflicht ganz zu erfüllen, opfert sich zuerst der Täuberich, dann die Täubin selbst dem Feuer und wird dafür mit dem Gatten gemeinsam zum Himmel erhoben. Der reuige Jäger wird von dem Taubenpaar angewiesen, sich in der Gautamī zu baden, um von seiner Sünde befreit zu werden und ebenfalls den Himmel zu erlangen; auch er, mit den Tauben vereint, steigt schließlich durch die Macht der Gaṅgā gen Himmel auf. Seitdem heißt die Pilgerstätte 'Kāpota' (die der Taube).
{brahmovāca:} kuśāvartasya māhātmyam ahaṃ vaktuṃ na te kṣamaḥ / tasya smaraṇamātreṇa kṛtakṛtyo bhaven naraḥ //
{Brahmā sprach:} Die Größe des Kuśāvarta vermag ich dir nicht (vollständig) zu verkünden; durch die bloße Erinnerung daran wird ein Mensch zum Vollender seines Zieles.
Wort für Wort
kuśāvartasya māhātmyam aham vaktum na te kṣamaḥ
die Größe des Kuśāvarta vermag ich dir nicht zu verkünden
tasya smaraṇa-mātreṇa kṛta-kṛtyaḥ bhavet naraḥ
durch die bloße Erinnerung daran wird ein Mensch zum Vollender seines Zieles
das alles erkenne man als unvergänglich, den Ahnen Sättigung gewährend. Berühmt in den drei Welten ist die vortreffliche Pilgerstätte Kapota (der Taube).
Wort für Wort
sarvam tat akṣayam vidyāt pitṝṇām tṛpti-dāyakam
das alles erkenne man als unvergänglich, den Ahnen Sättigung gewährend
viśrutam triṣu lokeṣu kapotam tīrtham uttamam
berühmt in den drei Welten ist die vortreffliche Pilgerstätte Kapota
mit vorstehenden Zähnen, mit verstümmelter Nase [?], kurzfüßig, dickbäuchig
[Anm.: 'naṣṭanāsākṣaḥ' (wörtl. etwa 'mit zerstörter Nase/Auge') ist wortbildungsmäßig unklar; hier vorsichtig als 'mit verstümmelter Nase' wiedergegeben.]
kurzbäuchig, kurzarmig, entstellt, mit Eselsstimme
pāśa-hastaḥ pāpa-cittaḥ pāpiṣṭhaḥ sa-dhanuḥ sadā
mit einer Schlinge in der Hand, bösen Sinnes, überaus böse, stets mit Bogen
[Anm.: 'hrasvodaraḥ' (kurzbäuchig) steht in scheinbarem Widerspruch zu 'pṛthukukṣikaḥ' (dickbäuchig) in V8 – vermutlich ein bewusst widersprüchliches, monströses Erscheinungsbild.]
So auf vielerlei Weise nachdenkend, erblickte der Jäger in der Nähe im Wald einen großen Baum, wie man unter den Gestirnen den Mondsohn des Atri (erblickt).
Wort für Wort
evam bahuvidham vyādhaḥ vicintya apaśyat antike
so auf vielerlei Weise nachdenkend, erblickte der Jäger in der Nähe
vane vanaspatim iva nakṣatrāṇām yathā ātrijam
im Wald einen großen Baum, wie unter den Gestirnen den Mondsohn des Atri
[Anm.: 'ātrijam' bezieht sich auf den Mondgott als 'Sohn des Atri'.]
mṛgāṇāṃ ca yathā siṃham āśramāṇāṃ gṛhādhipam / indriyāṇāṃ mana iva trātāraṃ prāṇināṃ nagam //
wie unter den Tieren den Löwen, wie unter den Einsiedeleien den Hausherrn, wie unter den Sinnesorganen den Geist – (so erblickte er) den Baum als Retter der Lebewesen,
Wort für Wort
mṛgāṇām ca yathā siṃham āśramāṇām gṛha-adhipam
wie unter den Tieren den Löwen, wie unter den Einsiedeleien den Hausherrn
indriyāṇām manaḥ iva trātāram prāṇinām nagam
wie unter den Sinnesorganen den Geist - (so erblickte er) den Baum als Retter der Lebewesen
pativratā tasya bhāryā suprītā tena caiva hi / koṭare tannage śreṣṭhe jalavāyvagnivarjite //
Seine Gattin, ihrem Gatten treu ergeben, war fürwahr sehr glücklich mit ihm, in einer Höhlung jenes vortrefflichen Baumes, die frei war von Wasser, Wind und Feuer.
Wort für Wort
pativratā tasya bhāryā su-prītā tena ca eva hi
seine Gattin, dem Gatten treu ergeben, war fürwahr sehr glücklich mit ihm
koṭare tat-nage śreṣṭhe jala-vāyu-agni-varjite
in einer Höhlung jenes vortrefflichen Baumes, frei von Wasser, Wind und Feuer
na jānāti vrataṃ mantraṃ daivaṃ dharmārtham eva ca / pativratā patiprāṇā patimantrā patipriyā //
'(Sie, die jetzt) Gelübde, Rat, Schicksal und Dharma-Artha nicht (mehr beachtet) – sie, dem Gatten treu ergeben, dem Gatten ihr Leben (weihend), dem Gatten in Gedanken (verbunden), dem Gatten lieb –'
Wort für Wort
na jānāti vratam mantram daivam dharma-artham eva ca
sie beachtet jetzt nicht mehr Gelübde, Rat, Schicksal und Dharma-Artha
pativratā pati-prāṇā pati-mantrā pati-priyā
sie, dem Gatten treu ergeben, dem Gatten ihr Leben weihend, dem Gatten in Gedanken verbunden, dem Gatten lieb
[Anm.: Der Vers setzt die Klage der Taube fort; grammatischer Anschluss an den vorherigen Vers bleibt im Original elliptisch.]
'Mit ihr vereint, mit Glanz vereint, (sei es sonst) furchtbar oder schön – noch immer kommt meine Geliebte nicht, durch die (erst) das Haus (zum Haus) erklärt wird.'
Wort für Wort
tayā yuktam śriyā yuktam bhīṣaṇam vā api śobhanam
mit ihr vereint, mit Glanz vereint, sei es sonst furchtbar oder schön
na adya api āyāti me kāntā yayā gṛham udīritam
noch immer kommt meine Geliebte nicht, durch die das Haus zum Haus erklärt wird
{Die Täubin sprach:} Hier bin ich, gefesselt, ohnmächtig bin ich, o bester der Vögel; hierher gebracht wurde ich vom Jäger, gefesselt mit Schlingen, o Hochsinniger.
Wort für Wort
atra aham asmi baddhā eva vivaśā asmi khaga-uttama
hier bin ich, gefesselt, ohnmächtig bin ich, o bester der Vögel
ānītā aham lubdhakena baddhā pāśaiḥ mahāmate
hierher gebracht wurde ich vom Jäger, gefesselt mit Schlingen, o Hochsinniger
dhanyāsmy anugṛhītāsmi patir vakti guṇān mama / sato vāpy asato vāpi kṛtārthāhaṃ na saṃśayaḥ //
Glücklich bin ich, begnadet bin ich, dass der Gatte meine Tugenden preist, seien sie wahr oder unwahr; ich bin zweifellos meines Zieles teilhaftig geworden.
Wort für Wort
dhanyā asmi anugṛhītā asmi patiḥ vakti guṇān mama
glücklich bin ich, begnadet bin ich, dass der Gatte meine Tugenden preist
sataḥ vā api asataḥ vā api kṛtārthā aham na saṃśayaḥ
seien sie wahr oder unwahr, ich bin zweifellos meines Zieles teilhaftig geworden
Wenn der Gatte einer Frau zufrieden ist, sind alle Gottheiten zufrieden; im Gegenteil (wenn er unzufrieden ist), gerät die Frau unweigerlich ins Verderben.
Wort für Wort
tuṣṭe bhartari nārīṇām tuṣṭāḥ syuḥ sarva-devatāḥ
wenn der Gatte einer Frau zufrieden ist, sind alle Gottheiten zufrieden
viparyaye tu nārīṇām avaśyam nāśam āpnuyāt
im Gegenteil gerät die Frau unweigerlich ins Verderben
Du bist mein Schicksal, du mein Herr, du mein Freund, du meine höchste Zuflucht; du bist mein Gelübde, du das höchste Brahman, Himmel und Erlösung bist du fürwahr.
mā cintāṃ kuru kalyāṇa dharme buddhiṃ sthirāṃ kuru / tvatprasādāc ca bhuktā hi bhogāś ca vividhā mayā / alaṃ khedena majjena dharme buddhiṃ kuru sthirām //
Sei nicht bekümmert, Holder, richte deinen Sinn fest auf den Dharma; durch deine Gnade wurden ja auch von mir mancherlei Genüsse genossen. Genug des (dich) versenkenden Kummers [?] – richte deinen Sinn fest auf den Dharma.
Wort für Wort
mā cintām kuru kalyāṇa dharme buddhim sthirām kuru
sei nicht bekümmert, Holder, richte deinen Sinn fest auf den Dharma
tvat-prasādāt ca bhuktāḥ hi bhogāḥ ca vividhāḥ mayā
durch deine Gnade wurden ja auch von mir mancherlei Genüsse genossen
alam khedena majjena dharme buddhim kuru sthirām
genug des versenkenden Kummers [?] - richte deinen Sinn fest auf den Dharma
[Anm.: Dreizeiliger Vers unter einer einzigen Nummer im Original. 'majjena' ist lexikalisch unsicher, hier als Adjektiv zu 'khedena' ('versenkend') gedeutet.]
{Brahmā sprach:} Nachdem er diese Worte der Geliebten vernommen hatte, stieg er eilends vom vortrefflichen Baum herab, dorthin, wo sich die im Käfig befindliche Täubin aufhielt.
Wort für Wort
iti śrutvā priyā-vākyam uttatāra naga-uttamāt
nachdem er diese Worte der Geliebten vernommen hatte, stieg er vom vortrefflichen Baum herab
yatra sā pañjara-sthā tu kapotī vartate tvaram
eilends dorthin, wo sich die im Käfig befindliche Täubin aufhielt
tām āgatya priyāṃ dṛṣṭvā mṛtavac cāpi lubdhakam / mocayāmīti tām āha niśceṣṭo lubdhako 'dhunā //
Dorthin gekommen, die Geliebte erblickend, und auch den Jäger wie tot (reglos), sprach er zu ihr: 'Ich befreie (dich).' Der Jäger war jetzt regungslos.
Wort für Wort
tām āgatya priyām dṛṣṭvā mṛtavat ca api lubdhakam
dorthin gekommen, die Geliebte erblickend, und auch den Jäger wie tot
mocayāmi iti tām āha niśceṣṭaḥ lubdhakaḥ adhunā
sprach er zu ihr: 'Ich befreie dich' - der Jäger war jetzt regungslos
'Befreie (ihn) nicht, o Hochgesegneter, da du weißt, dass die Bindung (zwischen Beute und Jäger) unbeständig ist; für die Gierigen sind fürwahr die Vögel Speise – ein Lebewesen ist des anderen Lebewesens Nahrung.'
Wort für Wort
mā muñcasva mahābhāga jñātvā saṃbandham asthiram
befreie ihn nicht, o Hochgesegneter, da du weißt, dass die Bindung unbeständig ist
lubdhānām khecarāḥ hi annam jīvaḥ jīvasya ca aśanam
für die Gierigen sind fürwahr die Vögel Speise, ein Lebewesen ist des anderen Nahrung
[Anm.: Im Original folgt hier kein neuer Sprecherwechsel-Vermerk; nach dem Sinn handelt es sich um die fortgesetzte Rede der Täubin, die ihren Gatten von der Freilassung des Jägers abzubringen versucht bzw. ihn zur Gastfreundschaft anhält (bis V55, wo mit {kapota uvāca:} wieder ein expliziter Sprecherwechsel erfolgt).]
nāparādhaṃ smarāmy asya dharmabuddhiṃ sthirāṃ kuru / gurur agnir dvijātīnāṃ varṇānāṃ brāhmaṇo guruḥ //
'Ich gedenke keiner Schuld bei ihm; richte deinen Sinn fest auf den Dharma. Der Lehrer der Zweifachgeborenen ist das Feuer, der Lehrer der (übrigen) Stände ist der Brahmane,'
Wort für Wort
na aparādham smarāmi asya dharma-buddhim sthirām kuru
ich gedenke keiner Schuld bei ihm; richte deinen Sinn fest auf den Dharma
guruḥ agniḥ dvijātīnām varṇānām brāhmaṇaḥ guruḥ
der Lehrer der Zweifachgeborenen ist das Feuer, der Lehrer der Stände ist der Brahmane
'durch das Lager alle Götter; deshalb ist der Gast der am meisten zu Verehrende: den angekommenen, erschöpften, den ganzen Tag von der Sonne begleiteten, ins Haus gekommenen (Gast)
Wort für Wort
śayane sarva-devāḥ tu tasmāt pūjya-tamaḥ atithiḥ
durch das Lager alle Götter; deshalb ist der Gast der am meisten zu Verehrende
abhyāgatam anuśrāntam sūrya-ūḍham gṛham āgatam
den angekommenen, erschöpften, von der Sonne begleiteten, ins Haus gekommenen Gast
[Anm.: 'sūryoḍham' (wörtl. 'von der Sonne getragen') hier als 'den ganzen Tag der Sonne ausgesetzt/von ihr begleitet' gedeutet.]
abhyāgataṃ śrāntam anuvrajanti / devāś ca sarve pitaro 'gnayaś ca / tasmin hi tṛpte mudam āpnuvanti / gate nirāśe 'pi ca te nirāśāḥ //
'dem erschöpften Gast folgen alle Götter, die Ahnen und die Feuer; wenn dieser gesättigt ist, erlangen sie Freude; ist er (aber) unerfüllt fortgegangen, sind auch sie unerfüllt.'
Wort für Wort
abhyāgatam śrāntam anuvrajanti devāḥ ca sarve pitaraḥ agnayaḥ ca
dem erschöpften Gast folgen alle Götter, die Ahnen und die Feuer
tasmin hi tṛpte mudam āpnuvanti gate nirāśe api ca te nirāśāḥ
wenn dieser gesättigt ist, erlangen sie Freude; ist er unerfüllt fortgegangen, sind auch sie unerfüllt
[Anm.: Vierzeiliger Vers in längerem Versmaß (a/b/c/d), im Original unter einer einzigen Nummer.]
{kapota uvāca:} āvayor anurūpaṃ ca tvayoktaṃ sādhu manyase / kiṃtu vaktavyam apy asti tac chṛṇuṣva varānane //
{Die Taube sprach:} Was du gesagt hast, entspricht uns beiden, und du hältst es für gut; doch es gibt noch etwas, was gesagt werden muss – höre das, o Schönantlitzige.
Wort für Wort
āvayoḥ anurūpam ca tvayā uktam sādhu manyase
was du gesagt hast, entspricht uns beiden, und du hältst es für gut
kiṃtu vaktavyam api asti tat śṛṇuṣva vara-ānane
doch es gibt noch etwas, was gesagt werden muss - höre das, o Schönantlitzige
'Mancher ernährt tausend (Menschen), ein anderer hundert, ein anderer zehn, ein anderer (nur) sich selbst mit Leichtigkeit; wir aber füllen unseren Bauch nur mit Mühe.'
Wort für Wort
sahasram bharate kaścit śatam anyaḥ daśa aparaḥ
mancher ernährt tausend, ein anderer hundert, ein anderer zehn
ātmānam ca sukhena anyaḥ vayam kaṣṭa-udaraṃ-bharāḥ
ein anderer sich selbst mit Leichtigkeit, wir aber füllen unseren Bauch nur mit Mühe
'Manche haben ihren Reichtum an Korn in einer Grube, andere haben ihren Reichtum im Kornspeicher; manche haben ihren Reichtum in einem Topf verwahrt, wir aber (nur) in unserem Schnabel getragen.'
Wort für Wort
garta-dhānya-dhanāḥ kecit kuśūla-dhaninaḥ apare
manche haben ihren Reichtum an Korn in einer Grube, andere im Kornspeicher
{kapoty uvāca:} agnir āpaḥ śubhā vāṇī tṛṇakāṣṭhādikaṃ ca yat / etad apy arthine deyaṃ śītārto lubdhakas tv ayam //
{Die Täubin sprach:} Feuer, Wasser, freundliches Wort, und was an Gras, Holz usw. (vorhanden ist) – auch das ist dem Bedürftigen zu geben; dieser Jäger ist ja von Kälte gequält.
Wort für Wort
agniḥ āpaḥ śubhā vāṇī tṛṇa-kāṣṭha-ādikam ca yat
Feuer, Wasser, freundliches Wort, und was an Gras, Holz usw. vorhanden ist
etat api arthine deyam śīta-ārtaḥ lubdhakaḥ tu ayam
auch das ist dem Bedürftigen zu geben; dieser Jäger ist ja von Kälte gequält
svaśarīreṇa duḥkhārtaṃ lubdhakaṃ prīṇayāmi tam / iṣṭātithīnāṃ ye lokās tāṃs tvaṃ prāpnuhi suvrata //
'mit meinem eigenen Leib will ich den von Leid gequälten Jäger erfreuen. Die Welten, die denen zuteilwerden, die den Gast (recht) verehrt haben – diese mögest du erlangen, o Tugendreicher.'
Wort für Wort
sva-śarīreṇa duḥkha-ārtam lubdhakam prīṇayāmi tam
mit meinem eigenen Leib will ich den von Leid gequälten Jäger erfreuen
iṣṭa-atithīnām ye lokāḥ tān tvam prāpnuhi su-vrata
die Welten der (Gast-)Verehrer mögest du erlangen, o Tugendreicher
{Die Taube sprach:} Solange ich (noch) da bin, wird dieser dein (Gast-)Dharma nicht (recht) vollzogen; ich selbst will hier der (Speise für den) Gast sein – erlaube es mir, o Holde.
Wort für Wort
mayi tiṣṭhati na eva ayam tava dharmaḥ vidhīyate
solange ich noch da bin, wird dieser dein Gast-Dharma nicht recht vollzogen
iṣṭa-atithiḥ bhavāmi iha anujānīhi mām śubhe
ich selbst will hier die Gast-Speise sein - erlaube es mir, o Holde
{Brahmā sprach:} Dies sprechend, umkreiste er dreimal das Feuer, indem er des vierarmigen Gottes gedachte, des Allgeist-Mahāviṣṇu, des Zufluchtgewährenden, der seine Verehrer liebt,
Wort für Wort
iti uktvā agnim triḥ āvartya smaran devam catur-bhujam
dies sprechend, umkreiste er dreimal das Feuer, des vierarmigen Gottes gedenkend
und sprechend 'Genieße nach Belieben (meinen Leib)', ging er so ins Feuer ein. Als der Jäger ihn sah, wie er sein Leben ins Feuer geworfen hatte, sprach er diese Worte:
Wort für Wort
yathāsukham juṣasva iti vadan agnim tathā āviśat
sprechend 'Genieße nach Belieben', ging er so ins Feuer ein
tam dṛṣṭvā agnau kṣipta-jīvam lubdhakaḥ vākyam abravīt
als der Jäger ihn sah, wie er sein Leben ins Feuer geworfen hatte, sprach er diese Worte
{kapoty uvāca:} strīṇām ayaṃ paro dharmo yad bhartur anuveśanam / vede ca vihito mārgaḥ sarvalokeṣu pūjitaḥ //
{Die Täubin sprach:} Dies ist der höchste Dharma der Frauen, dass sie dem Gatten (ins Feuer) nachfolgen; auch im Veda ist dieser Weg vorgeschrieben, in allen Welten verehrt.
Wort für Wort
strīṇām ayam paraḥ dharmaḥ yat bhartuḥ anuveśanam
dies ist der höchste Dharma der Frauen, dass sie dem Gatten nachfolgen
vede ca vihitaḥ mārgaḥ sarva-lokeṣu pūjitaḥ
auch im Veda ist dieser Weg vorgeschrieben, in allen Welten verehrt
vyālagrāhī yathā vyālaṃ bilād uddharate balāt / evaṃ tv anugatā nārī saha bhartrā divaṃ vrajet //
Wie ein Schlangenfänger eine Schlange mit Gewalt aus ihrem Loch herauszieht, so gelangt die (ihrem Gatten) nachfolgende Frau zusammen mit dem Gatten zum Himmel.
Wort für Wort
vyāla-grāhī yathā vyālam bilāt uddharate balāt
wie ein Schlangenfänger eine Schlange mit Gewalt aus ihrem Loch herauszieht
evam tu anugatā nārī saha bhartrā divam vrajet
so gelangt die nachfolgende Frau zusammen mit dem Gatten zum Himmel
So viele Haare, wie es am menschlichen Körper gibt – drei Koṭi und ein halbes Koṭi – so lange Zeit weilt im Himmel (die Frau), die dem Gatten nachfolgt.
Wort für Wort
tisraḥ koṭyaḥ ardha-koṭī ca yāni romāṇi mānuṣe
drei Koṭi und ein halbes Koṭi - so viele Haare, wie es am menschlichen Körper gibt
tāvat-kālam vaset svarge bhartāram yā anugacchati
so lange Zeit weilt im Himmel die Frau, die dem Gatten nachfolgt
{Brahmā sprach:} Nachdem sie der Erde, den Göttern, der Gaṅgā und auch den Bäumen Verehrung erwiesen hatte, tröstete sie jene Kinder und sprach zum Jäger diese Worte:
Wort für Wort
namaskṛtvā bhuvam devān gaṅgām ca api vanaspatīn
nachdem sie der Erde, den Göttern, der Gaṅgā und auch den Bäumen Verehrung erwiesen hatte
āśvāsya tāni apatyāni lubdhakam vākyam abravīt
tröstete sie jene Kinder und sprach zum Jäger diese Worte
{Die Täubin sprach:} Durch deine Gnade, o Hochgesegneter, ist mir solches (Glück) zuteilgeworden; verzeih (mir) hier um der Kinder willen – ich gehe mit meinem Gatten zum Himmel.
Wort für Wort
tvat-prasādāt mahābhāga upapannam mama īdṛśam
durch deine Gnade, o Hochgesegneter, ist mir solches zuteilgeworden
apatyānām kṣamasva iha bhartrā yāmi triviṣṭapam
verzeih hier um der Kinder willen - ich gehe mit meinem Gatten zum Himmel
{daṃpatī ūcatuḥ:} gacchāvas tridaśasthānam āpṛṣṭo 'si mahāmate / āvayoḥ svargasopānam atithis tvaṃ namo 'stu te //
{Das Paar sprach:} Wir gehen zum Ort der Götter; gefragt (um Erlaubnis) bist du hiermit, o Hochsinniger; du bist der Gast (gewesen, der zur Ursache wurde) unserer Himmelstreppe – Verehrung sei dir!
Wort für Wort
gacchāvaḥ tridaśa-sthānam āpṛṣṭaḥ asi mahāmate
wir gehen zum Ort der Götter; gefragt bist du hiermit, o Hochsinniger
āvayoḥ svarga-sopānam atithiḥ tvam namaḥ astu te
du bist der Gast unserer Himmelstreppe gewesen - Verehrung sei dir
{Brahmā sprach:} Die beiden, auf dem vortrefflichen Flugwerk aufgestiegen, erblickend, ließ auch der Jäger Bogen und Käfig zurück und sprach mit gefalteten Händen:
Wort für Wort
vimāna-varam ārūḍhau tau dṛṣṭvā lubdhakaḥ api saḥ
die beiden, auf dem vortrefflichen Flugwerk aufgestiegen, erblickend, auch der Jäger
sa-dhanuḥ pañjaram tyaktvā kṛta-añjaliḥ abhāṣata
ließ er Bogen und Käfig zurück und sprach mit gefalteten Händen
{Der Jäger sprach:} Ihr dürft mich nicht verlassen, o Hochgesegnete beide, denn einem, der nichts weiß, ist etwas zu geben; ich bin hier ein zu ehrender Gast (gewesen) – ihr solltet (mir) den Ausgleich verkünden.
Wort für Wort
na tyaktavyaḥ mahābhāgau deyam kiṃcit ajānate
ihr dürft mich nicht verlassen, o Hochgesegnete beide, denn dem Unwissenden ist etwas zu geben
aham atra atithiḥ mānyaḥ niṣkṛtim vaktum arhathaḥ
ich bin hier ein zu ehrender Gast gewesen - ihr solltet den Ausgleich verkünden
{Das Paar sprach:} Geh zur Gautamī, Heil sei dir; bekenne ihr deine Sünde; allein durch das Baden dort wirst du binnen einer Halbmonatsfrist von allen Sünden befreit werden.
Wort für Wort
gautamīm gaccha bhadram te tasyāḥ pāpam nivedaya
geh zur Gautamī, Heil sei dir, bekenne ihr deine Sünde
tatra eva āplavanāt pakṣam sarva-pāpaiḥ vimokṣyase
allein durch das Baden dort wirst du binnen einer Halbmonatsfrist von allen Sünden befreit
In der vortrefflichen Flussgöttin Gautamī, die von Brahmā, Viṣṇu und Śiva zusammen entstanden ist, wirst du, allein durch abermaliges Baden, deinen befleckten Leib ablegend,
Wort für Wort
sarit-varāyām gautamyām brahma-viṣṇu-īśa-saṃbhuvi
in der vortrefflichen Flussgöttin Gautamī, die von Brahmā, Viṣṇu und Śiva zusammen entstanden ist
punaḥ āplavanāt eva tyaktvā deham malīmasam
allein durch abermaliges Baden deinen befleckten Leib ablegend
{Brahmā sprach:} Diese Worte von den beiden vernehmend, tat der Jäger ebenso; auf einem vortrefflichen Flugwerk emporgestiegen, nahm er göttliche Gestalt an.
Wort für Wort
tat śrutvā vacanam tābhyām tathā cakre sa lubdhakaḥ
diese Worte von den beiden vernehmend, tat der Jäger ebenso
vimāna-varam ārūḍhaḥ divya-rūpa-dharaḥ abhavat
auf einem vortrefflichen Flugwerk emporgestiegen, nahm er göttliche Gestalt an
divyamālyāmbaradharaḥ pūjyamāno 'psarogaṇaiḥ / kapotaś ca kapotī ca tṛtīyo lubdhakas tathā / gaṅgāyāś ca prabhāveṇa sarve vai divam ākraman //
Göttliche Kränze und Gewänder tragend, von Scharen von Apsaras verehrt – die Taube, die Täubin, und als dritter der Jäger – durch die Macht der Gaṅgā erstiegen sie alle fürwahr den Himmel.