Kapitel 108: ilātīrthamāhātmyavarṇanam
Die Größe des Ilā-Tīrtha (Verwandlung des Königs Ila zur Frau)
König Ila (aus dem Geschlecht des Vaivasvata Manu) betritt auf der Jagd unwissentlich das Haus des Yakṣa Samanyu im Himavant und vertreibt ihn im Kampf. Auf Rat seiner Gattin Samā lockt der Yakṣa in Hirschkuhgestalt den König in den 'Umā-Hain', den Pārvatī sich einst von Śiva als privaten, vor männlichem Zutritt (außer Śiva, Gaṇeśa, Kārttikeya, Nandin) geschützten Rückzugsort erbeten hatte: jeder eintretende Mann wird zur Frau. Ila wird beim bloßen Betreten zu Ilā, trifft den vorbeikommenden Budha (Sohn des Mondes Soma), heiratet ihn und gebiert Purūravas (den 'lauten Schreier'), den Stammvater der Mondlinie (Candravaṃśa). Als der herangewachsene Purūravas die Trauer seiner Mutter bemerkt, erfährt er die ganze Geschichte und zieht mit Ilā/Ilā und Budha zur Gautamī, wo eine gemeinsame Hymne an Śiva und Pārvatī/Gaurī den Fluch löst: durch ein bloßes Ritualbad erlangt Ila die Männlichkeit zurück. Das dabei abfließende Bad-Wasser, das die von der Yakṣiṇī erlernten Gaben (Tanz, Gesang, Anmut) in sich trägt, wird zu drei Flüssen (Nṛtyā, Gītā, Saubhāgyā), die mit der Gaṅgā zusammenfließen. Ila vollzieht darauf ein Pferdeopfer, gründet die Stadt Ila in Daṇḍaka, setzt seine älteren (vor der Verwandlung gezeugten) Söhne in die Sonnenlinie ein und krönt Purūravas gesondert als Begründer der Mondlinie. Ursprung des Ilā-Tīrtha-Komplexes (16.000 Tīrthas, Śiva als Ileśvara). [Anm.: Diese Erzählung bietet eine von der in der Einleitung dieser Ausgabe knapp resümierten Mitra-Varuṇa-Opfer-Version (vgl. Glossareintrag 'Ilā / Sudyumna') abweichende, hier aus dem Brahma-Purāṇa selbst stammende Herkunftsgeschichte der Ilā/Sudyumna-Gestalt und ihres Sohnes Purūravas.] Durchgehend mehrere einzeilige Asterisk-Halbverse, mehrere dreizeilige Verse und fünf aufeinanderfolgende vierpādige Hymnenverse in besonderem Versmaß (V.104-108).
{Brahmā sprach:} Das Ilā-Tīrtha ist es, wie es bekannt ist, das den Menschen alle Vollkommenheit verleiht, das von Brahmanenmord und anderen Sünden reinigt und alle Wünsche gewährt.
In der Nachkommenschaft des Vaivasvata [Manu] geboren, war ein Herrscher der Menschen namens Ila; zusammen mit einem großen Heer zog er zur Jagd in den Wald.
{ila uvāca:} gacchantu nagaraṃ sarve mama putreṇa pālitam /
deśaṃ kośaṃ balaṃ rājyaṃ pālayantu punaś ca tam //
{Ila sprach:} 'Kehrt alle zurück in die Stadt, die von meinem Sohn regiert wird; Land, Schatzkammer, Heer und Reich sollt ihr wiederum für ihn verwalten.'
'Auch Vasiṣṭha soll ebenso gehen, die heiligen Feuer mitnehmend, wie ein Vater für uns; zusammen mit meinen Gattinnen will ich, der Kluge, nun in der Wildnis verweilen.'
'Mit denen, die vom Genuss des Waldes leben, mit Pferden, Elefanten und Menschen, mit einigen, die der Jagd zugetan sind, sollen alle Übrigen von hier zur Stadt ziehen.'
{brahmovāca:} tathety uktvā yayus te 'pi svayaṃ prāyāc chanair girim /
himavantaṃ ratnamayaṃ vasaṃs tatra ilo nṛpaḥ //
{Brahmā sprach:} Nachdem sie 'So sei es' gesagt hatten, zogen sie fort; er selbst aber begab sich langsam zum juwelenreichen Berg Himavant; dort verweilte König Ila.
Seine Gattin, [ihm dem Namen nach] gleich [?], dem Gelübde der Gattentreue ganz ergeben – in diesem lieblichen, vortrefflichen Berge wohnte jener Yakṣa.
Wort für Wort
tasya bhāryā samānāmnī
seine Gattin, [ihm] gleichnamig [?]
bhartṛvrataparāyaṇā
dem Gelübde der Gattentreue ganz ergeben
tasmin vasaty asau yakṣo
in diesem [Berge] wohnte jener Yakṣa
ramaṇīye nagottame
im lieblichen, vortrefflichen Berge
[Anm.: 'samānāmnī' ('gleichnamig' o.ä.) bleibt unklar – ob die Gattin selbst ebenfalls 'Samanyu' oder einen entsprechenden Namen trägt, oder ob eine andere Lesart gemeint ist; später (V48) nennt sie sich nur als dessen 'Yakṣiṇī' ohne eigenen Namen.]
In Gestalt eines Hirsches wanderte er, der Hochgesinnte, mit seiner Gattin umher; nach eigenem Belieben vergnügte sich der Yakṣa in seinem Wald mit Tanz und Gesang.
{yakṣa uvāca:} yuddhe jitvā ca rājānam ilam uddhatadantinam /
gṛhād yathānyato yāti mama tat kartum arhatha //
{Der Yakṣa sprach:} 'Nachdem ihr im Kampf den König Ila, den [Reiter] auf dem übermütigen Elefanten, besiegt habt, sollt ihr bewirken, dass er von meinem Haus anderswohin zieht.'
Nachdem er die vielfältigen Yakṣas besiegt hatte, verweilte er zehn Nächte dort; der Yakṣa-Herr aber, zum Hirsch geworden, wohnte mit seiner Gattin weiterhin im Wald.
Seines Hauses beraubt, in den Wald gelangt, seiner Diener beraubt, sprach er, von Sorge erfüllt, zu seiner Geliebten, der Yakṣiṇī, die Hirschkuhgestalt trug:
{Der Yakṣa sprach:} 'Dieser König, o Geliebte, ist übelgesinnt, seinen Sinn dem Laster ergeben; wie er ins Verderben gerät – darüber soll ein Mittel erdacht werden.'
'Die Reiche aller Herrscher enden durch Sünde, [übermäßigen] Wohlstand und Laster – bringe ihn, o Schönbraue, zum Umā-Hain, indem du dich in eine bezaubernde Hirschkuh verwandelst.'
praviśet tatra rājāyaṃ strī bhaviṣyaty asaṃśayam /
karaṇīyaṃ tvayā bhadre na caitad yujyate mama /
ahaṃ tu puruṣo yena tvaṃ punaḥ strī ca yakṣiṇī //
'Träte dieser König dort ein, würde er zweifellos zur Frau werden. Dies ist von dir zu bewerkstelligen, Gute – mir selbst geziemt es nicht [dorthin zu gehen], denn ich bin derzeit ein Mann, während du wiederum eine Frau bist, o Yakṣiṇī.'
{yakṣiṇy uvāca:} kathaṃ tvayā na gantavyam umāvanam anuttamam /
gate 'pi tvayi ko doṣas tan me kathaya tattvataḥ //
{Die Yakṣiṇī sprach:} 'Warum solltest du nicht zum unübertrefflichen Umā-Hain gehen? Welcher Fehler entstünde, selbst wenn du hingingest? Sage mir das der Wahrheit gemäß.'
{Der Yakṣa sprach:} 'Auf dem vortrefflichsten Berge Himavant wandelte Śiva, zusammen mit Umā, von Göttern und [Gefolgs-]Scharen begleitet, nach Belieben umher; einst sprach Pārvatī zu Śaṃkara, als sie an einsamem Ort weilten:'
{Pārvatī sprach:} 'Dies ist die Natur der Frauen: das Liebesspiel sollte verborgen bleiben; darum [gewähre] mir einen festgesetzten Ort, der durch dein Gebot geschützt sei.'
{Der Yakṣa sprach:} 'So wurde diese Anordnung für den Umā-Hain vom gnädigen [Śiva], dem Mondbekrönten, gegeben. Was soll ich tun, [ich, der noch] ein Mann [bin], von dir, Geliebte, um Zuneigung bedrängt? Deshalb darf ich selbst nicht zum vortrefflichen Hain der Umā gehen.'
Ihre Hand an dessen Zweig gelehnt, mit himmlischem Duft gesalbt, himmlische Gestalt tragend, schlank – so stand Samā [die Yakṣiṇī] da, ihr Werk vollendet.
Wort für Wort
tacchākhālambitakarā
ihre Hand an dessen Zweig gelehnt
divyagandhānulepanā
mit himmlischem Duft gesalbt
divyarūpadharā tanvī
himmlische Gestalt tragend, schlank
kṛtakāryā samā tadā
Samā, [ihr] Werk vollendet habend, da
[Anm.: hier erscheint erstmals ihr Eigenname 'Samā' im Text (vorausdeutend zur Sprecherbezeichnung in V.41).]
{samovāca:} hayārūḍhābalā tanvi kva ekaiva tu gacchasi /
puruṣasya ca veṣeṇa ile kam anuyāsyasi //
{Samā sprach:} 'Wohin gehst du allein, du schwache, schlanke [Frau], zu Pferde? In der Kleidung eines Mannes, o Ilā – wem folgst du nach?'
Wort für Wort
hayārūḍhābalā tanvi
du schwache, schlanke [Frau], zu Pferde
kva ekaiva tu gacchasi
wohin gehst du allein
puruṣasya ca veṣeṇa
in der Kleidung/Gestalt eines Mannes
ile kam anuyāsyasi
o Ilā, wem folgst du nach
[Anm.: die Anrede 'ile' (Vokativ Femininum von 'Ilā') zeigt, dass der König beim bloßen Betreten des Hains bereits zur Frau geworden ist, ohne es noch selbst zu wissen; die Sprecherbezeichnung 'samā' (Sandhi aus 'samā uvāca') bestätigt den in V.38 erstmals genannten Eigennamen der Yakṣiṇī.]
{Brahmā sprach:} Als er das Wort 'Ilā' hörte, geriet jener König in ohnmächtigen Zorn; er schalt die Yakṣiṇī und fragte sie wiederum nach der Hirschkuh.
'... schau erst [an dir selbst] zurück, [dann] nenne mich Lügnerin, mich, die Wahrheitsredende.' Da erblickte der König zwischen seinen Armen zwei hochgewölbte Brüste,
{Die Yakṣiṇī sprach:} 'In der vortrefflichsten Höhle des Himavant wohnt mein Gatte Samanyu, der glorreiche Herr der Yakṣas; seine Gattin bin ich, eine Yakṣiṇī.'
tato 'haṃ nirgamārthaṃ te mṛgī bhūtvā umāvanam /
praviṣṭā tvaṃ praviṣṭo 'si purā prāha maheśvaraḥ //
'Deshalb wurde ich, um dich zu vertreiben, zur Hirschkuh und trat in den Umā-Hain ein; auch du bist eingetreten – dazu hatte einst der große Gott [Śiva] gesprochen:'
yas tv atra praviśen mandaḥ pumān strītvam avāpsyati /
tasmāt strītvam avāpto 'si na tvaṃ duḥkhitum arhasi /
prauḍho 'pi ko 'tra jānāti vicitrabhavitavyatām //
'Wer immer hier unbedacht als Mann eintritt, wird Weiblichkeit erlangen. Deshalb hast du Weiblichkeit erlangt; du solltest nicht betrübt sein – wer, und sei er noch so erfahren, kennt hier im Voraus die wunderliche Fügung des Schicksals?'
{Brahmā sprach:} Als er die Worte der Yakṣiṇī hörte, fiel er, zu Pferde sitzend, [ohnmächtig] nieder; nachdem sie ihn wieder beruhigt hatte, sprach die Yakṣiṇī erneut ein Wort:
{yakṣiṇy uvāca:} strītvaṃ jātaṃ jātam eva na puṃstvaṃ kartum arhasi /
gṛhāṇa vidyāṃ strīyogyāṃ nṛtyaṃ gītam alaṃkṛtim /
strīlālityaṃ strīvilāsaṃ strīkṛtyaṃ sarvam eva tat //
{Die Yakṣiṇī sprach:} 'Weiblichkeit ist nun einmal entstanden – du solltest nicht [den Versuch machen, wieder] Männlichkeit [herzustellen]. Nimm das Wissen an, das einer Frau geziemt: Tanz, Gesang, Schmuck, weibliche Zärtlichkeit, weibliches Liebesspiel – all das, was Frauenpflicht ist.'
{Ilā sprach:} 'Wer aber soll mein Gatte sein? Was ist zu tun? Und wie könnte ich wieder Männlichkeit erlangen? Sag mir dies, du Gütige, mir, der von Leid Geplagten, ganz besonders – denn es gibt nirgends ein größeres Verdienst, als das Leid der Leidenden zu stillen.'
{Die Yakṣiṇī sprach:} 'Budha, der Sohn des Soma, [hat] östlich von diesem Wald seine Einsiedelei, o Holde; er pflegt stets [auf diesem Weg] zu seinem Vater zu kommen.'
{brahmovāca:} tām āśvāsya tataḥ subhrūr yakṣiṇy antaradhīyata /
yakṣiṇī sā tam ācaṣṭa yakṣo 'pi sukham āptavān //
{Brahmā sprach:} Nachdem sie sie so beruhigt hatte, verschwand die schönbrauige Yakṣiṇī; sie berichtete [alles] dem Yakṣa, und auch der Yakṣa erlangte nun wieder Glück.
Budha vergnügte sich mit ihr in Liebe, nachdem er sie an seinen vortrefflichen Wohnort geführt hatte; auch sie stellte mit ganzem Wesen jenen Gatten zufrieden. Als dann nach langer Zeit Budha zufrieden war, sprach er zu seiner Geliebten:
{Budha sprach:} 'Unfehlbar ist diese meine Manneskraft, zumal aus Liebe entstanden; darum wird dir ein Sohn geboren werden, ein in der Welt berühmter Kṣatriya.'
sa śīghraṃ vṛddhim agamac chuklapakṣe yathā śaśī /
sa mātaraṃ duḥkhayutāṃ samīkṣyelāṃ mahāmatiḥ /
namasyātha vinītātmā ilām ailo 'bravīd idam //
Er wuchs rasch heran, wie der Mond in der hellen Monatshälfte; als er, der Hochgesinnte, seine Mutter Ilā leidbeladen erblickte, verneigte er sich, der demütig Gesinnte, und der Sohn der Ilā sprach zu ihr dies:
Wort für Wort
sa śīghraṃ vṛddhim agamac
er wuchs rasch heran
chuklapakṣe yathā śaśī
wie der Mond in der hellen Monatshälfte
sa mātaraṃ duḥkhayutāṃ
seine leidbeladene Mutter
samīkṣyelāṃ mahāmatiḥ
erblickend, Ilā, der Hochgesinnte
namasyātha vinītātmā
sich verneigend, demütig gesinnt
ilām ailo 'bravīd idam
sprach der Aila (Ilā-Sohn) zu ihr dies
[Anm.: 'Aila' = Patronymikon 'Sohn der Ilā', Beiname des Purūravas.]
{aila uvāca:} budho mātar mama pitā tava bhartā priyas tathā /
ahaṃ ca putraḥ karmaṇyaḥ kasmāt te mānaso jvaraḥ //
{Der Aila sprach:} 'Budha, meine Mutter, ist mein Vater und dein geliebter Gatte; und ich bin dein tüchtiger Sohn – woher kommt dann dein seelisches Fieber?'
{Brahmā sprach:} Und Ilā sprach zu ihm dies: 'Wie sollte ich ein geheimes Wort aussprechen? Dennoch, mein Sohn, will ich es dir sagen, denn ein Sohn ist die Zuflucht der Eltern; für die im Meer des Leids Versunkenen ist der Sohn das höchste Rettungsboot.'
{brahmovāca:} tan mātṛvacanaṃ śrutvā vinītaḥ prāha mātaram /
pādayoḥ patitaś cāpi vada mātar yathā tathā //
Nachdem er dieses Wort der Mutter gehört hatte, sprach er demütig zur Mutter, sich zugleich ihr zu Füßen werfend: 'Sag es, Mutter, wie es sich verhält.'
Sie sprach zu Purūravas und berichtete vom Geschlecht der Ikṣvākus, von ihrer eigenen Geburt darin, ihrem Namen, dem Erlangen der Herrschaft, den lieben Söhnen,
{Ilā sprach:} 'Ich wünschte mir vortreffliche Männlichkeit, ich wünschte mir ein vorzügliches Königreich, und die Krönung [meiner] Söhne, und besonders auch die deine.'
{putra uvāca:} upāyaṃ tvā tu pṛcchāmi yena puṃstvam avāpsyasi /
tapaso vānyato vāpi vadasva mama tattvataḥ //
{Der Sohn sprach:} 'Ich frage dich nur nach dem Mittel, wodurch du Männlichkeit erlangen kannst – ob durch Askese oder auf andere Weise; sag mir das der Wahrheit gemäß.'
{Brahmā sprach:} Auf dieses Wort der Mutter hin ging der Aila sogleich zu seinem Vater und sprach, sich verneigend, von der Angelegenheit der Mutter und seiner eigenen.
Wort für Wort
tanmātṛvacanād ailo
auf dieses Wort der Mutter hin, der Aila
gatvā pitaram añjasā
zu seinem Vater gegangen, sogleich
uvāca praṇato bhūtvā
sprach er, sich verneigend
mātuḥ kṛtyaṃ tathātmanaḥ
von der Angelegenheit der Mutter und seiner selbst
{budha uvāca:} ilaṃ jāne mahāprājña ilāṃ jātāṃ punas tathā /
umāvanapraveśaṃ ca śaṃbhor ājñāṃ tathaiva ca //
{Budha sprach:} 'Ich kenne die Geschichte von Ila, und wie er wiederum als Ilā [wurde], sowie den Eintritt in den Umā-Hain und ebenso das Gebot Śambhus, o Hochweiser.'
tasmāc chaṃbhuprasādena umāyāś ca prasādataḥ /
viśāpo bhavitā putra tāv ārādhya na cānyathā //
'Deshalb wird ihr durch die Gnade Śambhus und durch die Gnade Umās die Aufhebung des Fluchs zuteilwerden, mein Sohn – wenn jene beiden verehrt werden, aber nicht anders.'
{purūravā uvāca:} paśyeyaṃ taṃ kathaṃ devaṃ kathaṃ vā mātaraṃ śivām /
tīrthād vā tapaso vāpi tat pitaḥ prathamaṃ vada //
{Purūravas sprach:} 'Wie könnte ich jenen Gott sehen, oder wie die gütige Mutter [Umā]? Ob durch ein Tīrtha oder durch Askese – sag mir das zuerst, Vater.'
{Brahmā sprach:} Als Purūravas das Wort seines Vaters gehört hatte, wurde er froh; er [ging] zur Gautamī, der klugen Gaṅgā, der Reinigerin der drei Welten, um Askese zu üben,
{budha uvāca:} yau kuṅkumena svaśarīrajena BrP_108.104a
svabhāvahemapratimau sarūpau BrP_108.104b
yāv arcitau skandagaṇeśvarābhyāṃ BrP_108.104c
tau me śaraṇyau śaraṇaṃ bhavetām BrP_108.104d
{Budha sprach:} 'Die beiden, die mit dem aus ihrem eigenen Körper stammenden Safran[-Farbton] von Natur aus goldgleicher Gestalt, gleicher Form sind, die von Skanda und Gaṇeśvara [Gaṇeśa] verehrt werden – jene beiden, meine Zuflucht-Würdigen, mögen mir Zuflucht sein!'
Wort für Wort
yau kuṅkumena svaśarīrajena
die beiden, mit dem aus ihrem Körper stammenden Safran
svabhāvahemapratimau sarūpau
von Natur aus goldgleicher Gestalt, gleicher Form
yāv arcitau skandagaṇeśvarābhyāṃ
die von Skanda und Gaṇeśvara verehrt werden
tau me śaraṇyau śaraṇaṃ bhavetām
jene beiden Zuflucht-Würdigen mögen mir Zuflucht sein
[Anm.: erster von fünf aufeinanderfolgenden vierpādigen Hymnenversen (V.104-108) in besonderem Versmaß.]
{ilovāca:} saṃsāratāpatrayadāvadagdhāḥ BrP_108.105a
śarīriṇo yau paricintayantaḥ BrP_108.105b
sadyaḥ parāṃ nirvṛtim āpnuvanti BrP_108.105c
tau śaṃkarau me śaraṇaṃ bhavetām BrP_108.105d
{Ilā sprach:} 'Die beiden, an die verkörperte Wesen, vom Waldbrand der dreifachen Weltenqual versengt, nur denkend, sogleich höchste Befriedung erlangen – jene beiden Heilbringenden mögen mir Zuflucht sein!'
Wort für Wort
saṃsāratāpatrayadāvadagdhāḥ
vom Waldbrand der dreifachen Weltenqual versengt
śarīriṇo yau paricintayantaḥ
die verkörperten Wesen, an die beiden denkend
sadyaḥ parāṃ nirvṛtim āpnuvanti
erlangen sogleich höchste Befriedung
tau śaṃkarau me śaraṇaṃ bhavetām
jene beiden Heilbringenden mögen mir Zuflucht sein
ārtā hy ahaṃ pīḍitamānasā te BrP_108.106a
kleśādigoptā na paro 'sti kaścit BrP_108.106b
deva tvadīyau caraṇau supuṇyau BrP_108.106c
tau me śaraṇyau śaraṇaṃ bhavetām BrP_108.106d
'Denn geplagt bin ich, gequälten Sinnes; keinen anderen Beschützer vor Leid und dergleichen gibt es außer dir. O Gott, deine hochheiligen Füße – jene beiden, meine Zuflucht-Würdigen, mögen mir Zuflucht sein!'
{purūravā uvāca:} yayoḥ sakāśād idam abhyudaiti BrP_108.107a
prayāti cānte layam eva sarvam BrP_108.107b
jagaccharaṇyau jagadātmakau tu BrP_108.107c
gaurīharau me śaraṇaṃ bhavetām BrP_108.107d
{Purūravas sprach:} 'Aus deren Nähe dies [Universum] entsteht, und wohin am Ende alles wieder eingeht – Gaurī und Hara, die Zuflucht der Welt, die Wesenheit der Welt selbst, mögen mir Zuflucht sein!'
yau devavṛndeṣu mahotsave tu BrP_108.108a
pādau gṛhāṇeśa girīśaputryāḥ BrP_108.108b
proktaṃ dhṛtau prītivaśāc chivena BrP_108.108c
tau me śaraṇyau śaraṇaṃ bhavetām BrP_108.108d
'Die Füße, von denen inmitten der Götterscharen beim großen Fest – "ergreife, Herr, die Füße der Bergkönig-Tochter" – von Śiva aus Liebe geboten wurde, sie zu halten – jene beiden, meine Zuflucht-Würdigen, mögen mir Zuflucht sein!'
Wort für Wort
yau devavṛndeṣu mahotsave tu
die [Füße], inmitten der Götterscharen beim großen Fest
pādau gṛhāṇeśa girīśaputryāḥ
'ergreife, Herr, die Füße der Bergkönig-Tochter'
proktaṃ dhṛtau prītivaśāc chivena
von Śiva aus Liebe geboten, sie zu halten
tau me śaraṇyau śaraṇaṃ bhavetām
jene beiden mögen mir Zuflucht sein
[Anm.: syntaktisch verdichteter, in Einzelheiten unsicherer Vers [?]; sinngemäß scheint er auf ein Fest anzuspielen, bei dem Śiva selbst dazu aufforderte, Pārvatīs Füße als Zuflucht zu ergreifen/verehren.]
{śrīdevy uvāca:} kim abhīṣṭaṃ pradāsyāmi yuṣmabhyaṃ tad vadantu me /
kṛtakṛtyāḥ stha bhadraṃ vo devānām api duṣkaram //
{Die glorreiche Göttin sprach:} 'Was für einen Wunsch soll ich euch gewähren? Sagt mir das; ihr habt euer Ziel erreicht, Heil euch – etwas, das selbst für Götter schwer zu erlangen ist, [habt ihr durch diesen Lobpreis erwirkt].'
{Purūravas sprach:} 'König Ila betrat, ohne dein Gebot zu kennen, den Hain, o Mutter; das verzeih ihm, o Herrin der Götter – du sollst ihm Männlichkeit gewähren.'
{brahmovāca:} tathety uvāca tān sarvān bhavasya tu mate sthitā /
tataḥ sa bhagavān āha devīvākyarataḥ sadā //
{Brahmā sprach:} 'So sei es' sprach sie zu ihnen allen, in Bhavas Zustimmung verbleibend; darauf sprach jener ehrwürdige [Śiva], der stets dem Wort der Göttin zugetan ist:
tat sarvaṃ vāridhārābhir gaṅgāmbhasi samāviśat /
nṛtyā gītā ca saubhāgyā imā nadyo babhūvire //
das alles ging mit den Wasserströmen in das Gaṅgā-Wasser ein; 'Nṛtyā' ('Tanz-'), 'Gītā' ('Gesang-') und 'Saubhāgyā' ('Glücks-') wurden diese zu Flüssen.
purodhasaṃ vasiṣṭhaṃ ca bhāryāṃ putrāṃs tathaiva ca /
amātyāṃś ca balaṃ kośam ānīya sa nṛpottamaḥ //
Nachdem er den Hauspriester Vasiṣṭha, die Gattin, ebenso die Söhne, die Minister, das Heer und die Schatzkammer herbeigeholt hatte, [errichtete] jener vortrefflichste König,
Die zuvor geborenen Söhne salbte er in das nach der Sonnenlinie überkommene Reich; danach salbte er, aus Zuneigung, jenen Aila [Purūravas].
Wort für Wort
pūrvajātān atho putrān
die zuvor geborenen Söhne
sūryavaṃśakramāgate
in das nach der Sonnenlinie überkommene
rājye 'bhiṣicya paścāt
Reich gesalbt, danach
tam ailaṃ snehād asiñcayat
salbte er aus Zuneigung jenen Aila
[Anm.: gemeint sind offenbar Ilas frühere, vor seiner Verwandlung gezeugte Söhne (vgl. V.5), die die Sonnenlinie fortführen, während Purūravas gesondert, als Begründer der Mondlinie, gekrönt wird.]
'Dieser möge als glorreicher Begründer der Mondlinie König sein' – [so wurde bestimmt]; unter allen Verständigen ward er der Älteste, der Vorzüglichste, o Muni.
wo die von der Yakṣiṇī gegebenen, glückverheißenden [Flüsse] Tanz, Gesang und Wohlergehen, zu Flüssen geworden, sich mit der Gaṅgā vereinigten, o Nārada –
Wort für Wort
yakṣiṇīdattanṛtyādi-
die von der Yakṣiṇī gegebenen [Kräfte] Tanz und dergleichen
tīrthāni śubhadāny āsan sahasrāṇy atha ṣoḍaśa /
ubhayos tīrayos tāta tatra śaṃbhur ileśvaraḥ /
teṣu snānaṃ ca dānaṃ ca sarvakratuphalapradam //
dort entstanden sechzehntausend segenspendende Tīrthas an beiden Ufern, mein Lieber; dort [weilt] Śambhu als Ileśvara ('Herr des Ila'); das Baden und Schenken an ihnen gewährt die Frucht aller Opfer.