Quellen der Menschheit

Brahma-Purāṇa

Kapitel 108: ilātīrthamāhātmyavarṇanam Die Größe des Ilā-Tīrtha (Verwandlung des Königs Ila zur Frau)

König Ila (aus dem Geschlecht des Vaivasvata Manu) betritt auf der Jagd unwissentlich das Haus des Yakṣa Samanyu im Himavant und vertreibt ihn im Kampf. Auf Rat seiner Gattin Samā lockt der Yakṣa in Hirschkuhgestalt den König in den 'Umā-Hain', den Pārvatī sich einst von Śiva als privaten, vor männlichem Zutritt (außer Śiva, Gaṇeśa, Kārttikeya, Nandin) geschützten Rückzugsort erbeten hatte: jeder eintretende Mann wird zur Frau. Ila wird beim bloßen Betreten zu Ilā, trifft den vorbeikommenden Budha (Sohn des Mondes Soma), heiratet ihn und gebiert Purūravas (den 'lauten Schreier'), den Stammvater der Mondlinie (Candravaṃśa). Als der herangewachsene Purūravas die Trauer seiner Mutter bemerkt, erfährt er die ganze Geschichte und zieht mit Ilā/Ilā und Budha zur Gautamī, wo eine gemeinsame Hymne an Śiva und Pārvatī/Gaurī den Fluch löst: durch ein bloßes Ritualbad erlangt Ila die Männlichkeit zurück. Das dabei abfließende Bad-Wasser, das die von der Yakṣiṇī erlernten Gaben (Tanz, Gesang, Anmut) in sich trägt, wird zu drei Flüssen (Nṛtyā, Gītā, Saubhāgyā), die mit der Gaṅgā zusammenfließen. Ila vollzieht darauf ein Pferdeopfer, gründet die Stadt Ila in Daṇḍaka, setzt seine älteren (vor der Verwandlung gezeugten) Söhne in die Sonnenlinie ein und krönt Purūravas gesondert als Begründer der Mondlinie. Ursprung des Ilā-Tīrtha-Komplexes (16.000 Tīrthas, Śiva als Ileśvara). [Anm.: Diese Erzählung bietet eine von der in der Einleitung dieser Ausgabe knapp resümierten Mitra-Varuṇa-Opfer-Version (vgl. Glossareintrag 'Ilā / Sudyumna') abweichende, hier aus dem Brahma-Purāṇa selbst stammende Herkunftsgeschichte der Ilā/Sudyumna-Gestalt und ihres Sohnes Purūravas.] Durchgehend mehrere einzeilige Asterisk-Halbverse, mehrere dreizeilige Verse und fünf aufeinanderfolgende vierpādige Hymnenverse in besonderem Versmaß (V.104-108).

{brahmovāca:} ilātīrtham iti khyātaṃ sarvasiddhikaraṃ nṛṇām / brahmahatyādipāpānāṃ pāvanaṃ sarvakāmadam //

{Brahmā sprach:} Das Ilā-Tīrtha ist es, wie es bekannt ist, das den Menschen alle Vollkommenheit verleiht, das von Brahmanenmord und anderen Sünden reinigt und alle Wünsche gewährt.

Wort für Wort
ilātīrtham iti khyātaṃ
das Ilā-Tīrtha ist es, wie bekannt
sarvasiddhikaraṃ nṛṇām
das den Menschen alle Vollkommenheit verleiht
brahmahatyādipāpānāṃ
von Brahmanenmord und anderen Sünden
pāvanaṃ sarvakāmadam
reinigend, alle Wünsche gewährend

vaivasvatānvaye jāta ilo nāma janeśvaraḥ / mahatyā senayā sārdhaṃ jagāma mṛgayāvanam //

In der Nachkommenschaft des Vaivasvata [Manu] geboren, war ein Herrscher der Menschen namens Ila; zusammen mit einem großen Heer zog er zur Jagd in den Wald.

Wort für Wort
vaivasvatānvaye jāta
in der Nachkommenschaft des Vaivasvata geboren
ilo nāma janeśvaraḥ
ein Herrscher der Menschen namens Ila
mahatyā senayā sārdhaṃ
zusammen mit einem großen Heer
jagāma mṛgayāvanam
zog er zur Jagd in den Wald

paribabhrāma gahanaṃ bahuvyālasamākulam / nānākāradvijayutaṃ viṭapaiḥ pariśobhitam //

Er durchstreifte das Dickicht, das von vielen wilden Tieren wimmelte, von Vögeln mancherlei Gestalt belebt, von Zweigen geschmückt.

Wort für Wort
paribabhrāma gahanaṃ
er durchstreifte das Dickicht
bahuvyālasamākulam
das von vielen wilden Tieren wimmelte
nānākāradvijayutaṃ
von Vögeln mancherlei Gestalt belebt
viṭapaiḥ pariśobhitam
von Zweigen geschmückt

vanecaraṃ nṛpaśreṣṭho mṛgayāgatamānasaḥ / tatraiva matim ādhatta ilo 'mātyān athābravīt //

Der vortrefflichste der Könige, zur Jagd im Wald umherziehenden Sinnes, fasste eben dort einen Entschluss; und Ila sprach zu seinen Ministern:

Wort für Wort
vanecaraṃ nṛpaśreṣṭho
der im Wald umherziehende vortrefflichste König
mṛgayāgatamānasaḥ
zur Jagd hingezogenen Sinnes
tatraiva matim ādhatta
eben dort fasste er einen Entschluss
ilo 'mātyān athābravīt
und Ila sprach zu den Ministern

{ila uvāca:} gacchantu nagaraṃ sarve mama putreṇa pālitam / deśaṃ kośaṃ balaṃ rājyaṃ pālayantu punaś ca tam //

{Ila sprach:} 'Kehrt alle zurück in die Stadt, die von meinem Sohn regiert wird; Land, Schatzkammer, Heer und Reich sollt ihr wiederum für ihn verwalten.'

Wort für Wort
gacchantu nagaraṃ sarve
kehrt alle zur Stadt zurück
mama putreṇa pālitam
die von meinem Sohn regiert wird
deśaṃ kośaṃ balaṃ rājyaṃ
Land, Schatzkammer, Heer, Reich
pālayantu punaś ca tam
sollt ihr wiederum für ihn verwalten

vasiṣṭho 'pi tathā yātu ādāyāgnīn piteva naḥ / patnībhiḥ sahito dhīmān araṇye 'haṃ vasāmy atha //

'Auch Vasiṣṭha soll ebenso gehen, die heiligen Feuer mitnehmend, wie ein Vater für uns; zusammen mit meinen Gattinnen will ich, der Kluge, nun in der Wildnis verweilen.'

Wort für Wort
vasiṣṭho 'pi tathā yātu
auch Vasiṣṭha soll ebenso gehen
ādāyāgnīn piteva naḥ
die Feuer mitnehmend, wie ein Vater für uns
patnībhiḥ sahito dhīmān
zusammen mit den Gattinnen, der Kluge
araṇye 'haṃ vasāmy atha
ich will nun in der Wildnis verweilen

araṇyabhogabhugbhiś ca vājivāraṇamānuṣaiḥ / mṛgayāśīlibhiḥ kaiścid yāntu sarva itaḥ purīm //

'Mit denen, die vom Genuss des Waldes leben, mit Pferden, Elefanten und Menschen, mit einigen, die der Jagd zugetan sind, sollen alle Übrigen von hier zur Stadt ziehen.'

Wort für Wort
araṇyabhogabhugbhiś ca
mit denen, die vom Genuss des Waldes leben
vājivāraṇamānuṣaiḥ
mit Pferden, Elefanten und Menschen
mṛgayāśīlibhiḥ kaiścid
mit einigen, die der Jagd zugetan sind
yāntu sarva itaḥ purīm
sollen alle von hier zur Stadt ziehen

{brahmovāca:} tathety uktvā yayus te 'pi svayaṃ prāyāc chanair girim / himavantaṃ ratnamayaṃ vasaṃs tatra ilo nṛpaḥ //

{Brahmā sprach:} Nachdem sie 'So sei es' gesagt hatten, zogen sie fort; er selbst aber begab sich langsam zum juwelenreichen Berg Himavant; dort verweilte König Ila.

Wort für Wort
tathety uktvā yayus te 'pi
'so sei es' gesagt habend, zogen sie fort
svayaṃ prāyāc chanair girim
er selbst begab sich langsam zum Berg
himavantaṃ ratnamayaṃ
zum juwelenreichen Himavant
vasaṃs tatra ilo nṛpaḥ
dort verweilte König Ila

dadarśa kandaraṃ tatra nānāratnavicitritam / tatra yakṣeśvaraḥ kaścit samanyur iti viśrutaḥ //

Er erblickte dort eine Höhle, bunt geschmückt mit mancherlei Juwelen; dort wohnte ein gewisser Herr der Yakṣas, bekannt unter dem Namen Samanyu.

Wort für Wort
dadarśa kandaraṃ tatra
er erblickte dort eine Höhle
nānāratnavicitritam
bunt geschmückt mit mancherlei Juwelen
tatra yakṣeśvaraḥ kaścit
dort ein gewisser Herr der Yakṣas
samanyur iti viśrutaḥ
bekannt unter dem Namen Samanyu

tasya bhāryā samānāmnī bhartṛvrataparāyaṇā / tasmin vasaty asau yakṣo ramaṇīye nagottame //

Seine Gattin, [ihm dem Namen nach] gleich [?], dem Gelübde der Gattentreue ganz ergeben – in diesem lieblichen, vortrefflichen Berge wohnte jener Yakṣa.

Wort für Wort
tasya bhāryā samānāmnī
seine Gattin, [ihm] gleichnamig [?]
bhartṛvrataparāyaṇā
dem Gelübde der Gattentreue ganz ergeben
tasmin vasaty asau yakṣo
in diesem [Berge] wohnte jener Yakṣa
ramaṇīye nagottame
im lieblichen, vortrefflichen Berge

[Anm.: 'samānāmnī' ('gleichnamig' o.ä.) bleibt unklar – ob die Gattin selbst ebenfalls 'Samanyu' oder einen entsprechenden Namen trägt, oder ob eine andere Lesart gemeint ist; später (V48) nennt sie sich nur als dessen 'Yakṣiṇī' ohne eigenen Namen.]

mṛgarūpeṇa vyacarad bhāryayā sa mahāmatiḥ / svecchayā svavane yakṣaḥ krīḍate nṛtyagītakaiḥ //

In Gestalt eines Hirsches wanderte er, der Hochgesinnte, mit seiner Gattin umher; nach eigenem Belieben vergnügte sich der Yakṣa in seinem Wald mit Tanz und Gesang.

Wort für Wort
mṛgarūpeṇa vyacarad
in Hirschgestalt wanderte er umher
bhāryayā sa mahāmatiḥ
mit seiner Gattin, der Hochgesinnte
svecchayā svavane yakṣaḥ
nach eigenem Belieben in seinem Wald, der Yakṣa
krīḍate nṛtyagītakaiḥ
vergnügte sich mit Tanz und Gesang

itthaṃ sa yakṣo jānāti mṛgarūpadharo 'pi ca / ilas tu taṃ na jānāti kandaraṃ yakṣapālitam //

So weiß jener Yakṣa um sein eigenes Wesen, obwohl er Hirschgestalt trägt; Ila aber weiß nicht, dass die Höhle vom Yakṣa beherrscht wird.

Wort für Wort
itthaṃ sa yakṣo jānāti
so weiß jener Yakṣa [um sich selbst]
mṛgarūpadharo 'pi ca
obwohl er Hirschgestalt trägt
ilas tu taṃ na jānāti
Ila aber weiß das nicht
kandaraṃ yakṣapālitam
dass die Höhle vom Yakṣa beherrscht wird

yakṣasya gehaṃ vipulaṃ nānāratnavicitritam / tatropaviṣṭo nṛpatir mahatyā senayā vṛtaḥ //

Das weite Haus des Yakṣa, bunt geschmückt mit mancherlei Juwelen – dort ließ sich der König nieder, von seinem großen Heer umgeben.

Wort für Wort
yakṣasya gehaṃ vipulaṃ
das weite Haus des Yakṣa
nānāratnavicitritam
bunt geschmückt mit mancherlei Juwelen
tatropaviṣṭo nṛpatir
dort ließ sich der König nieder
mahatyā senayā vṛtaḥ
von seinem großen Heer umgeben

vāsaṃ cakre sa tatraiva gehe yakṣasya dhīmataḥ / sa yakṣo 'dharmakopena bhāryayā mṛgarūpadhṛk //

Er schlug eben dort im Haus des klugen Yakṣa sein Lager auf; jener Yakṣa, in unrechtmäßigem Zorn, [wanderte] mit seiner Gattin in Hirschgestalt.

Wort für Wort
vāsaṃ cakre sa tatraiva
er schlug eben dort sein Lager auf
gehe yakṣasya dhīmataḥ
im Haus des klugen Yakṣa
sa yakṣo 'dharmakopena
jener Yakṣa, in unrechtmäßigem Zorn
bhāryayā mṛgarūpadhṛk
mit seiner Gattin, Hirschgestalt tragend

ilaṃ jetuṃ na śaknomi yācito na dadāti ca / hṛtaṃ gehaṃ mamānena kiṃ karomīty acintayat //

'Ila zu besiegen vermag ich nicht; gebeten, gibt er es auch nicht heraus; mein Haus wurde von diesem geraubt – was soll ich tun?' – so überlegte er.

Wort für Wort
ilaṃ jetuṃ na śaknomi
Ila zu besiegen vermag ich nicht
yācito na dadāti ca
gebeten, gibt er es auch nicht
hṛtaṃ gehaṃ mamānena
mein Haus wurde von diesem geraubt
kiṃ karomīty acintayat
was soll ich tun? – so überlegte er

yudhi mattaṃ kathaṃ hanyāṃ ceti sthitvā sa yakṣarāṭ / ātmīyān preṣayām āsa yakṣāñ śūrān dhanurdharān //

'Wie könnte ich den im Kampf Übermütigen töten?' – so verharrend, sandte jener Yakṣa-König seine eigenen heldenhaften, bogenbewaffneten Yakṣas aus.

Wort für Wort
yudhi mattaṃ kathaṃ hanyāṃ
wie könnte ich den im Kampf Berauschten töten
ceti sthitvā sa yakṣarāṭ
so verharrend, jener Yakṣa-König
ātmīyān preṣayām āsa
sandte seine eigenen aus
yakṣāñ śūrān dhanurdharān
heldenhafte, bogenbewaffnete Yakṣas

{yakṣa uvāca:} yuddhe jitvā ca rājānam ilam uddhatadantinam / gṛhād yathānyato yāti mama tat kartum arhatha //

{Der Yakṣa sprach:} 'Nachdem ihr im Kampf den König Ila, den [Reiter] auf dem übermütigen Elefanten, besiegt habt, sollt ihr bewirken, dass er von meinem Haus anderswohin zieht.'

Wort für Wort
yuddhe jitvā ca rājānam
im Kampf den König besiegt habend
ilam uddhatadantinam
Ila, [den Reiter] auf dem übermütigen Elefanten
gṛhād yathānyato yāti
dass er vom Haus anderswohin zieht
mama tat kartum arhatha
das sollt ihr für mich bewirken

{brahmovāca:} yakṣeśvarasya tad vākyād yakṣās te yuddhadurmadāḥ / ilaṃ gatvābruvan sarve nirgacchāsmād guhālayāt //

{Brahmā sprach:} Auf jenes Wort des Yakṣa-Herrn hin gingen jene kampfestrunkenen Yakṣas alle zu Ila und sprachen: 'Verlasse diese Höhlenwohnung!'

Wort für Wort
yakṣeśvarasya tad vākyād
auf jenes Wort des Yakṣa-Herrn hin
yakṣās te yuddhadurmadāḥ
jene kampfestrunkenen Yakṣas
ilaṃ gatvābruvan sarve
gingen alle zu Ila und sprachen
nirgacchāsmād guhālayāt
verlasse diese Höhlenwohnung

na ced yuddhāt paribhraṣṭaḥ palāyya kva gamiṣyasi / tad yakṣavacanāt kopād yuddhaṃ cakre sa rājarāṭ //

'Wenn nicht – wohin wirst du fliehen, dem Kampf entronnen?' – auf jenes Wort der Yakṣas hin führte jener König-Fürst zornentbrannt den Kampf.

Wort für Wort
na ced yuddhāt paribhraṣṭaḥ
wenn nicht, dem Kampf entronnen
palāyya kva gamiṣyasi
wohin wirst du fliehend gehen
tad yakṣavacanāt kopād
auf jenes Wort der Yakṣas hin, zornentbrannt
yuddhaṃ cakre sa rājarāṭ
führte jener König-Fürst den Kampf

jitvā yakṣān bahuvidhān uvāsa daśa śarvarīḥ / yakṣeśvaro mṛgo bhūtvā bhāryayāpi vane vasan //

Nachdem er die vielfältigen Yakṣas besiegt hatte, verweilte er zehn Nächte dort; der Yakṣa-Herr aber, zum Hirsch geworden, wohnte mit seiner Gattin weiterhin im Wald.

Wort für Wort
jitvā yakṣān bahuvidhān
die vielfältigen Yakṣas besiegt habend
uvāsa daśa śarvarīḥ
verweilte er zehn Nächte
yakṣeśvaro mṛgo bhūtvā
der Yakṣa-Herr, zum Hirsch geworden
bhāryayāpi vane vasan
mit seiner Gattin im Wald wohnend

hṛtageho vanaṃ prāpto hṛtabhṛtyaḥ sa yakṣiṇīm / prāha cintāparo bhūtvā mṛgīrūpadharāṃ priyām //

Seines Hauses beraubt, in den Wald gelangt, seiner Diener beraubt, sprach er, von Sorge erfüllt, zu seiner Geliebten, der Yakṣiṇī, die Hirschkuhgestalt trug:

Wort für Wort
hṛtageho vanaṃ prāpto
seines Hauses beraubt, in den Wald gelangt
hṛtabhṛtyaḥ sa yakṣiṇīm
seiner Diener beraubt, zur Yakṣiṇī
prāha cintāparo bhūtvā
sprach er, von Sorge erfüllt
mṛgīrūpadharāṃ priyām
zur Geliebten, die Hirschkuhgestalt trug

{yakṣa uvāca:} rājā 'yaṃ durmanāḥ kānte vyasanāsaktamānasaḥ / katham āyāti vipadaṃ tatropāyo vicintyatām //

{Der Yakṣa sprach:} 'Dieser König, o Geliebte, ist übelgesinnt, seinen Sinn dem Laster ergeben; wie er ins Verderben gerät – darüber soll ein Mittel erdacht werden.'

Wort für Wort
rājā 'yaṃ durmanāḥ kānte
dieser König ist übelgesinnt, Geliebte
vyasanāsaktamānasaḥ
seinen Sinn dem Laster ergeben
katham āyāti vipadaṃ
wie er ins Verderben gerät
tatropāyo vicintyatām
darüber soll ein Mittel erdacht werden

pāparddhivyasanāntāni rājyāny akhilabhūbhujām / prāpayomāvanaṃ subhrūr mṛgī bhūtvā manoharā //

'Die Reiche aller Herrscher enden durch Sünde, [übermäßigen] Wohlstand und Laster – bringe ihn, o Schönbraue, zum Umā-Hain, indem du dich in eine bezaubernde Hirschkuh verwandelst.'

Wort für Wort
pāparddhivyasanāntāni
durch Sünde, Wohlstand und Laster endend
rājyāny akhilabhūbhujām
die Reiche aller Herrscher
prāpayomāvanaṃ subhrūr
bringe ihn zum Umā-Hain, o Schönbraue
mṛgī bhūtvā manoharā
zur bezaubernden Hirschkuh geworden

praviśet tatra rājāyaṃ strī bhaviṣyaty asaṃśayam / karaṇīyaṃ tvayā bhadre na caitad yujyate mama / ahaṃ tu puruṣo yena tvaṃ punaḥ strī ca yakṣiṇī //

'Träte dieser König dort ein, würde er zweifellos zur Frau werden. Dies ist von dir zu bewerkstelligen, Gute – mir selbst geziemt es nicht [dorthin zu gehen], denn ich bin derzeit ein Mann, während du wiederum eine Frau bist, o Yakṣiṇī.'

Wort für Wort
praviśet tatra rājāyaṃ
träte dieser König dort ein
strī bhaviṣyaty asaṃśayam
würde er zweifellos zur Frau werden
karaṇīyaṃ tvayā bhadre
dies ist von dir zu bewerkstelligen, Gute
na caitad yujyate mama
mir selbst geziemt sich das nicht
ahaṃ tu puruṣo yena
denn ich bin ein Mann
tvaṃ punaḥ strī ca yakṣiṇī
du aber wiederum eine Frau, o Yakṣiṇī

{yakṣiṇy uvāca:} kathaṃ tvayā na gantavyam umāvanam anuttamam / gate 'pi tvayi ko doṣas tan me kathaya tattvataḥ //

{Die Yakṣiṇī sprach:} 'Warum solltest du nicht zum unübertrefflichen Umā-Hain gehen? Welcher Fehler entstünde, selbst wenn du hingingest? Sage mir das der Wahrheit gemäß.'

Wort für Wort
kathaṃ tvayā na gantavyam
warum solltest du nicht gehen
umāvanam anuttamam
zum unübertrefflichen Umā-Hain
gate 'pi tvayi ko doṣas
welcher Fehler, selbst wenn du gingest
tan me kathaya tattvataḥ
sage mir das der Wahrheit gemäß

{yakṣa uvāca:} himavatparvataśreṣṭha umayā sahitaḥ śivaḥ / devair gaṇair anuvṛto vicacāra yathāsukham / pārvatī śaṃkaraṃ prāha kadācid rahasi sthitam //

{Der Yakṣa sprach:} 'Auf dem vortrefflichsten Berge Himavant wandelte Śiva, zusammen mit Umā, von Göttern und [Gefolgs-]Scharen begleitet, nach Belieben umher; einst sprach Pārvatī zu Śaṃkara, als sie an einsamem Ort weilten:'

Wort für Wort
himavatparvataśreṣṭha
auf dem vortrefflichsten Berge Himavant
umayā sahitaḥ śivaḥ
Śiva, zusammen mit Umā
devair gaṇair anuvṛto
von Göttern und Scharen begleitet
vicacāra yathāsukham
wandelte er nach Belieben umher
pārvatī śaṃkaraṃ prāha
Pārvatī sprach zu Śaṃkara
kadācid rahasi sthitam
einst, als sie an einsamem Ort weilten

{pārvaty uvāca:} strīṇām eṣa svabhāvo 'sti rataṃ gopāyitaṃ bhavet / tasmān me niyataṃ deśam ājñayā rakṣitaṃ tava //

{Pārvatī sprach:} 'Dies ist die Natur der Frauen: das Liebesspiel sollte verborgen bleiben; darum [gewähre] mir einen festgesetzten Ort, der durch dein Gebot geschützt sei.'

Wort für Wort
strīṇām eṣa svabhāvo 'sti
dies ist die Natur der Frauen
rataṃ gopāyitaṃ bhavet
das Liebesspiel sollte verborgen bleiben
tasmān me niyataṃ deśam
darum [gewähre] mir einen festgesetzten Ort
ājñayā rakṣitaṃ tava
durch dein Gebot geschützt

dehi me tridaśeśāna umāvanam iti śrutam / vinā tvayā gaṇeśena kārttikeyena nandinā //

'Gib mir, o Herr der Dreißig [Götter], den Ort, der als "Umā-Hain" bekannt sein soll – ausgenommen dich selbst, Gaṇeśa, Kārttikeya und Nandin.'

Wort für Wort
dehi me tridaśeśāna
gib mir, o Herr der Dreißig [Götter]
umāvanam iti śrutam
den Ort, der als 'Umā-Hain' bekannt sein soll
vinā tvayā gaṇeśena
ausgenommen dich, Gaṇeśa
kārttikeyena nandinā
Kārttikeya und Nandin

yas tv atra praviśen nātha strītvaṃ tasya bhaved iti //*

'... wer immer sonst hier eintritt, o Gebieter, dem soll Weiblichkeit zuteil werden.'

Wort für Wort
yas tv atra praviśen nātha
wer immer sonst hier eintritt, o Gebieter
strītvaṃ tasya bhaved iti
dem soll Weiblichkeit zuteil werden

[Anm.: unvollständiger Halbvers im Original (mit * markiert).]

{yakṣa uvāca:} ity ājñomāvane dattā prasannenendumaulinā / kiṃ karomi pumān kānte tvayā praṇayanārditaḥ / tasmān mayā na gantavyam umāyā vanam uttamam //

{Der Yakṣa sprach:} 'So wurde diese Anordnung für den Umā-Hain vom gnädigen [Śiva], dem Mondbekrönten, gegeben. Was soll ich tun, [ich, der noch] ein Mann [bin], von dir, Geliebte, um Zuneigung bedrängt? Deshalb darf ich selbst nicht zum vortrefflichen Hain der Umā gehen.'

Wort für Wort
ity ājñomāvane dattā
so wurde diese Anordnung für den Umā-Hain gegeben
prasannenendumaulinā
vom gnädigen Mondbekrönten [Śiva]
kiṃ karomi pumān kānte
was soll ich tun, ein Mann, o Geliebte
tvayā praṇayanārditaḥ
von dir um Zuneigung bedrängt
tasmān mayā na gantavyam
deshalb darf ich nicht gehen
umāyā vanam uttamam
zum vortrefflichen Hain der Umā

{brahmovāca:} tad bhartṛvacanaṃ śrutvā yakṣiṇī kāmarūpiṇī / mṛgī bhūtvā viśālākṣī ilasya purato 'bhavat //

{Brahmā sprach:} Nachdem sie dieses Wort ihres Gatten gehört hatte, wurde die gestaltwandelnde, großäugige Yakṣiṇī zur Hirschkuh und erschien vor Ila.

Wort für Wort
tad bhartṛvacanaṃ śrutvā
dieses Wort ihres Gatten gehört habend
yakṣiṇī kāmarūpiṇī
die gestaltwandelnde Yakṣiṇī
mṛgī bhūtvā viśālākṣī
zur Hirschkuh geworden, großäugig
ilasya purato 'bhavat
erschien sie vor Ila

yakṣas tu saṃsthitas tatra dadarśelo mṛgīṃ tadā / mṛgayāsaktacitto vai mṛgīṃ dṛṣṭvā viśeṣataḥ //

Der Yakṣa aber blieb dort stehen; Ila erblickte da die Hirschkuh, und, der Jagd zugetanen Sinnes, besonders ergriffen, als er die Hirschkuh erblickte,

Wort für Wort
yakṣas tu saṃsthitas tatra
der Yakṣa aber blieb dort stehen
dadarśelo mṛgīṃ tadā
Ila erblickte da die Hirschkuh
mṛgayāsaktacitto vai
der Jagd zugetanen Sinnes
mṛgīṃ dṛṣṭvā viśeṣataḥ
die Hirschkuh besonders erblickend

eka eva hayārūḍho niryayau tāṃ mṛgīm anu / sākarṣata śanais taṃ tu rājānaṃ mṛgayākulam //

ritt er allein, zu Pferde, jener Hirschkuh nach; langsam zog sie jenen König, von der Jagdleidenschaft erfüllt, immer weiter mit sich.

Wort für Wort
eka eva hayārūḍho
allein, zu Pferde
niryayau tāṃ mṛgīm anu
ritt er jener Hirschkuh nach
sākarṣata śanais taṃ tu
sie zog ihn langsam mit sich
rājānaṃ mṛgayākulam
den König, von der Jagdleidenschaft erfüllt

śanair jagāma sā tatra yad umāvanam ucyate / adṛśyā tu mṛgī tasmai darśayantī kvacit kvacit //

Langsam zog sie dorthin, wohin man den 'Umā-Hain' nennt; unsichtbar meist, zeigte sich die Hirschkuh ihm doch hier und da.

Wort für Wort
śanair jagāma sā tatra
langsam zog sie dorthin
yad umāvanam ucyate
wohin man 'Umā-Hain' nennt
adṛśyā tu mṛgī tasmai
unsichtbar aber die Hirschkuh für ihn
darśayantī kvacit kvacit
sich hier und da zeigend

tiṣṭhantī caiva gacchantī dhāvantī ca vibhītavat / hariṇī capalākṣī sā tam ākarṣad umāvanam //

Bald stehend, bald gehend, bald ängstlich laufend, zog jene flinkäugige Hirschkuh ihn zum Umā-Hain.

Wort für Wort
tiṣṭhantī caiva gacchantī
stehend und gehend
dhāvantī ca vibhītavat
und ängstlich laufend
hariṇī capalākṣī sā
jene flinkäugige Hirschkuh
tam ākarṣad umāvanam
zog ihn zum Umā-Hain

anuprāpto hayārūḍhas tat prāpa sa umāvanam / umāvanaṃ praviṣṭaṃ taṃ jñātvā sā yakṣiṇī tadā //

Ihr folgend, zu Pferde, erreichte er jenen Umā-Hain; als die Yakṣiṇī erkannte, dass er den Umā-Hain betreten hatte,

Wort für Wort
anuprāpto hayārūḍhas
ihr folgend, zu Pferde
tat prāpa sa umāvanam
erreichte er jenen Umā-Hain
umāvanaṃ praviṣṭaṃ taṃ
dass er den Umā-Hain betreten hatte
jñātvā sā yakṣiṇī tadā
als die Yakṣiṇī das erkannte

mṛgīrūpaṃ parityajya yakṣiṇī kāmarūpiṇī / divyarūpaṃ samāsthāya cāśokatarusaṃnidhau //

legte die gestaltwandelnde Yakṣiṇī die Hirschkuh-Gestalt ab und nahm eine himmlische Gestalt an, in der Nähe eines Aśoka-Baumes.

Wort für Wort
mṛgīrūpaṃ parityajya
die Hirschkuh-Gestalt ablegend
yakṣiṇī kāmarūpiṇī
die gestaltwandelnde Yakṣiṇī
divyarūpaṃ samāsthāya
eine himmlische Gestalt annehmend
cāśokatarusaṃnidhau
in der Nähe eines Aśoka-Baumes

tacchākhālambitakarā divyagandhānulepanā / divyarūpadharā tanvī kṛtakāryā samā tadā //

Ihre Hand an dessen Zweig gelehnt, mit himmlischem Duft gesalbt, himmlische Gestalt tragend, schlank – so stand Samā [die Yakṣiṇī] da, ihr Werk vollendet.

Wort für Wort
tacchākhālambitakarā
ihre Hand an dessen Zweig gelehnt
divyagandhānulepanā
mit himmlischem Duft gesalbt
divyarūpadharā tanvī
himmlische Gestalt tragend, schlank
kṛtakāryā samā tadā
Samā, [ihr] Werk vollendet habend, da

[Anm.: hier erscheint erstmals ihr Eigenname 'Samā' im Text (vorausdeutend zur Sprecherbezeichnung in V.41).]

hasantī nṛpatiṃ prekṣya śrāntaṃ hayagataṃ tadā / mṛgīm ālokayantaṃ taṃ capalākṣam ilaṃ tadā //

Lachend, den erschöpften, zu Pferde sitzenden König erblickend, ihn, Ila, der noch immer nach der Hirschkuh Ausschau hielt, mit unsteten Augen,

Wort für Wort
hasantī nṛpatiṃ prekṣya
lachend, den König erblickend
śrāntaṃ hayagataṃ tadā
den erschöpften, zu Pferde sitzenden
mṛgīm ālokayantaṃ taṃ
der nach der Hirschkuh Ausschau hielt
capalākṣam ilaṃ tadā
Ila, mit unsteten Augen, da

bhartṛvākyam aśeṣeṇa smarantī prāha bhūmipam //*

sich an das Wort ihres Gatten in seiner Gänze erinnernd, sprach sie zu dem Herrscher:

Wort für Wort
bhartṛvākyam aśeṣeṇa
an das Wort ihres Gatten in seiner Gänze
smarantī prāha bhūmipam
sich erinnernd, sprach sie zum Herrscher

[Anm.: unvollständiger Halbvers im Original (mit * markiert).]

{samovāca:} hayārūḍhābalā tanvi kva ekaiva tu gacchasi / puruṣasya ca veṣeṇa ile kam anuyāsyasi //

{Samā sprach:} 'Wohin gehst du allein, du schwache, schlanke [Frau], zu Pferde? In der Kleidung eines Mannes, o Ilā – wem folgst du nach?'

Wort für Wort
hayārūḍhābalā tanvi
du schwache, schlanke [Frau], zu Pferde
kva ekaiva tu gacchasi
wohin gehst du allein
puruṣasya ca veṣeṇa
in der Kleidung/Gestalt eines Mannes
ile kam anuyāsyasi
o Ilā, wem folgst du nach

[Anm.: die Anrede 'ile' (Vokativ Femininum von 'Ilā') zeigt, dass der König beim bloßen Betreten des Hains bereits zur Frau geworden ist, ohne es noch selbst zu wissen; die Sprecherbezeichnung 'samā' (Sandhi aus 'samā uvāca') bestätigt den in V.38 erstmals genannten Eigennamen der Yakṣiṇī.]

{brahmovāca:} ileti vacanaṃ śrutvā rājāsau krodhamūrchitaḥ / yakṣiṇīṃ bhartsayitvāsau tām apṛcchan mṛgīṃ punaḥ //

{Brahmā sprach:} Als er das Wort 'Ilā' hörte, geriet jener König in ohnmächtigen Zorn; er schalt die Yakṣiṇī und fragte sie wiederum nach der Hirschkuh.

Wort für Wort
ileti vacanaṃ śrutvā
das Wort 'Ilā' gehört habend
rājāsau krodhamūrchitaḥ
geriet jener König in ohnmächtigen Zorn
yakṣiṇīṃ bhartsayitvāsau
er schalt die Yakṣiṇī
tām apṛcchan mṛgīṃ punaḥ
und fragte sie wiederum nach der Hirschkuh

tathāpi yakṣiṇī prāha ile kim anuvīkṣase / ileti vacanaṃ śrutvā dhṛtacāpo hayasthitaḥ //

Dennoch sprach die Yakṣiṇī: 'Ilā, wonach spähst du aus?' Als er wieder das Wort 'Ilā' hörte, hielt er, den Bogen gespannt, zu Pferde sitzend,

Wort für Wort
tathāpi yakṣiṇī prāha
dennoch sprach die Yakṣiṇī
ile kim anuvīkṣase
Ilā, wonach spähst du aus
ileti vacanaṃ śrutvā
das Wort 'Ilā' wieder gehört habend
dhṛtacāpo hayasthitaḥ
den Bogen gespannt haltend, zu Pferde sitzend

kupito darśayām āsa trailokyavijayī dhanuḥ / punaḥ sā prāha nṛpatiṃ mahātmānam ile svayam //

erzürnt, zeigte er den Bogen, den Bezwinger der drei Welten; wiederum sprach sie selbst zu dem hochgesinnten Herrscher: 'Ilā ...'

Wort für Wort
kupito darśayām āsa
erzürnt zeigte er
trailokyavijayī dhanuḥ
den Bogen, den Bezwinger der drei Welten
punaḥ sā prāha nṛpatiṃ
wiederum sprach sie zum Herrscher
mahātmānam ile svayam
dem Hochgesinnten, selbst: 'Ilā'

prekṣasva paścān māṃ brūhi asatyāṃ satyavādinīm / tadā cālokayad rājā stanau tuṅgau bhujāntare //

'... schau erst [an dir selbst] zurück, [dann] nenne mich Lügnerin, mich, die Wahrheitsredende.' Da erblickte der König zwischen seinen Armen zwei hochgewölbte Brüste,

Wort für Wort
prekṣasva paścān
schau erst zurück [an dir selbst]
māṃ brūhi asatyāṃ satyavādinīm
nenne mich Lügnerin, mich, die Wahrheitsredende
tadā cālokayad rājā
da erblickte der König
stanau tuṅgau bhujāntare
zwei hochgewölbte Brüste zwischen den Armen

kim idaṃ mama saṃjātam ity evaṃ cakito 'bhavat //*

'Was ist mit mir geschehen?' – so erschrak er.

Wort für Wort
kim idaṃ mama saṃjātam
was ist mit mir geschehen
ity evaṃ cakito 'bhavat
so erschrak er

[Anm.: unvollständiger Halbvers im Original (mit * markiert).]

{ilovāca:} kim idaṃ mama saṃjātaṃ jānīte bhavatī sphuṭam / vada sarvaṃ yathātathyaṃ tvaṃ kā vā vada suvrate //

{Ilā sprach:} 'Was ist mit mir geschehen? Du weißt es offenbar – sag mir alles genau der Wahrheit gemäß; und wer bist du, o du Tugendreiche?'

Wort für Wort
kim idaṃ mama saṃjātaṃ
was ist mit mir geschehen
jānīte bhavatī sphuṭam
du weißt es offenbar
vada sarvaṃ yathātathyaṃ
sag mir alles der Wahrheit gemäß
tvaṃ kā vā vada suvrate
und wer bist du, o Tugendreiche

{yakṣiṇy uvāca:} himavatkandaraśreṣṭhe samanyur vasate patiḥ / yakṣāṇām adhipaḥ śrīmāṃs tadbhāryāhaṃ tu yakṣiṇī //

{Die Yakṣiṇī sprach:} 'In der vortrefflichsten Höhle des Himavant wohnt mein Gatte Samanyu, der glorreiche Herr der Yakṣas; seine Gattin bin ich, eine Yakṣiṇī.'

Wort für Wort
himavatkandaraśreṣṭhe
in der vortrefflichsten Höhle des Himavant
samanyur vasate patiḥ
wohnt mein Gatte Samanyu
yakṣāṇām adhipaḥ śrīmāṃs
der glorreiche Herr der Yakṣas
tadbhāryāhaṃ tu yakṣiṇī
seine Gattin bin ich, eine Yakṣiṇī

yatkandare bhavān rājā tūpaviṣṭaḥ suśītale / yasya yakṣā hatā mohāt tvayā hi saṃgaraṃ vinā //

'In dessen kühler Höhle du, o König, dich niedergelassen hattest, dessen Yakṣas wurden von dir aus Verblendung getötet, ohne vorherige Kampfansage.'

Wort für Wort
yatkandare bhavān rājā
in dessen Höhle du, o König
tūpaviṣṭaḥ suśītale
dich niedergelassen hattest, der kühlen
yasya yakṣā hatā mohāt
dessen Yakṣas wurden aus Verblendung getötet
tvayā hi saṃgaraṃ vinā
von dir, ohne Kampfansage

tato 'haṃ nirgamārthaṃ te mṛgī bhūtvā umāvanam / praviṣṭā tvaṃ praviṣṭo 'si purā prāha maheśvaraḥ //

'Deshalb wurde ich, um dich zu vertreiben, zur Hirschkuh und trat in den Umā-Hain ein; auch du bist eingetreten – dazu hatte einst der große Gott [Śiva] gesprochen:'

Wort für Wort
tato 'haṃ nirgamārthaṃ te
deshalb, um dich zu vertreiben
mṛgī bhūtvā umāvanam
zur Hirschkuh geworden, in den Umā-Hain
praviṣṭā tvaṃ praviṣṭo 'si
trat ich ein; auch du bist eingetreten
purā prāha maheśvaraḥ
einst hatte der große Gott gesprochen

yas tv atra praviśen mandaḥ pumān strītvam avāpsyati / tasmāt strītvam avāpto 'si na tvaṃ duḥkhitum arhasi / prauḍho 'pi ko 'tra jānāti vicitrabhavitavyatām //

'Wer immer hier unbedacht als Mann eintritt, wird Weiblichkeit erlangen. Deshalb hast du Weiblichkeit erlangt; du solltest nicht betrübt sein – wer, und sei er noch so erfahren, kennt hier im Voraus die wunderliche Fügung des Schicksals?'

Wort für Wort
yas tv atra praviśen mandaḥ
wer immer hier unbedacht eintritt
pumān strītvam avāpsyati
als Mann wird er Weiblichkeit erlangen
tasmāt strītvam avāpto 'si
deshalb hast du Weiblichkeit erlangt
na tvaṃ duḥkhitum arhasi
du solltest nicht betrübt sein
prauḍho 'pi ko 'tra jānāti
wer, und sei er noch so erfahren, weiß hier
vicitrabhavitavyatām
die wunderliche Fügung des Schicksals

{brahmovāca:} yakṣiṇīvacanaṃ śrutvā hayārūḍhas tadāpatat / tam āśvāsya punaḥ saiva yakṣiṇī vākyam abravīt //

{Brahmā sprach:} Als er die Worte der Yakṣiṇī hörte, fiel er, zu Pferde sitzend, [ohnmächtig] nieder; nachdem sie ihn wieder beruhigt hatte, sprach die Yakṣiṇī erneut ein Wort:

Wort für Wort
yakṣiṇīvacanaṃ śrutvā
die Worte der Yakṣiṇī gehört habend
hayārūḍhas tadāpatat
fiel er, zu Pferde sitzend, nieder
tam āśvāsya punaḥ saiva
nachdem sie ihn wieder beruhigt hatte
yakṣiṇī vākyam abravīt
sprach die Yakṣiṇī ein Wort

{yakṣiṇy uvāca:} strītvaṃ jātaṃ jātam eva na puṃstvaṃ kartum arhasi / gṛhāṇa vidyāṃ strīyogyāṃ nṛtyaṃ gītam alaṃkṛtim / strīlālityaṃ strīvilāsaṃ strīkṛtyaṃ sarvam eva tat //

{Die Yakṣiṇī sprach:} 'Weiblichkeit ist nun einmal entstanden – du solltest nicht [den Versuch machen, wieder] Männlichkeit [herzustellen]. Nimm das Wissen an, das einer Frau geziemt: Tanz, Gesang, Schmuck, weibliche Zärtlichkeit, weibliches Liebesspiel – all das, was Frauenpflicht ist.'

Wort für Wort
strītvaṃ jātaṃ jātam eva
Weiblichkeit ist nun einmal entstanden
na puṃstvaṃ kartum arhasi
du solltest nicht Männlichkeit [wieder]herstellen
gṛhāṇa vidyāṃ strīyogyāṃ
nimm das einer Frau geziemende Wissen an
nṛtyaṃ gītam alaṃkṛtim
Tanz, Gesang, Schmuck
strīlālityaṃ strīvilāsaṃ
weibliche Zärtlichkeit, weibliches Liebesspiel
strīkṛtyaṃ sarvam eva tat
all das, was Frauenpflicht ist

{brahmovāca:} ilā sarvam athāvāpya yakṣiṇīṃ vākyam abravīt //*

{Brahmā sprach:} Nachdem Ilā dies alles empfangen hatte, sprach sie zur Yakṣiṇī folgendes Wort:

Wort für Wort
ilā sarvam athāvāpya
Ilā, dies alles empfangen habend
yakṣiṇīṃ vākyam abravīt
sprach zur Yakṣiṇī ein Wort

[Anm.: unvollständiger Halbvers im Original (mit * markiert).]

{ilovāca:} ko vā bhartā kiṃ tu kṛtyaṃ punaḥ puṃstvaṃ kathaṃ bhavet / etad vadasva kalyāṇī duḥkhārtāyā viśeṣataḥ / ārtānām ārtiśamanāc chreyo nābhyadhikaṃ kvacit //

{Ilā sprach:} 'Wer aber soll mein Gatte sein? Was ist zu tun? Und wie könnte ich wieder Männlichkeit erlangen? Sag mir dies, du Gütige, mir, der von Leid Geplagten, ganz besonders – denn es gibt nirgends ein größeres Verdienst, als das Leid der Leidenden zu stillen.'

Wort für Wort
ko vā bhartā kiṃ tu kṛtyaṃ
wer aber soll Gatte sein, was ist zu tun
punaḥ puṃstvaṃ kathaṃ bhavet
wie könnte ich wieder Männlichkeit erlangen
etad vadasva kalyāṇī
sag mir dies, Gütige
duḥkhārtāyā viśeṣataḥ
mir, der von Leid Geplagten, besonders
ārtānām ārtiśamanāc
denn das Stillen des Leids der Leidenden
chreyo nābhyadhikaṃ kvacit
ist nirgends von größerem Verdienst

{yakṣiṇy uvāca:} budhaḥ somasuto nāma vanād asmāc ca pūrvataḥ / āśramas tasya subhage pitaraṃ nityam eṣyati //

{Die Yakṣiṇī sprach:} 'Budha, der Sohn des Soma, [hat] östlich von diesem Wald seine Einsiedelei, o Holde; er pflegt stets [auf diesem Weg] zu seinem Vater zu kommen.'

Wort für Wort
budhaḥ somasuto nāma
Budha, der Sohn des Soma, genannt
vanād asmāc ca pūrvataḥ
östlich von diesem Wald
āśramas tasya subhage
[liegt] seine Einsiedelei, o Holde
pitaraṃ nityam eṣyati
er kommt stets zu seinem Vater

anenaiva pathā somaṃ pitaraṃ sa budho grahaḥ / draṣṭuṃ yāti tato nityaṃ namaskartuṃ tathaiva ca //

'Auf eben diesem Weg geht jener Planet Budha stets, um seinen Vater Soma zu sehen und ebenso, um ihn zu verehren.'

Wort für Wort
anenaiva pathā somaṃ
auf eben diesem Weg zu Soma
pitaraṃ sa budho grahaḥ
seinem Vater, jener Planet Budha
draṣṭuṃ yāti tato nityaṃ
geht stets, um zu sehen
namaskartuṃ tathaiva ca
und ebenso, um zu verehren

yadā yāti budhaḥ śāntas tadātmānaṃ ca darśaya / taṃ dṛṣṭvā tvaṃ tu subhage sarvakāmān avāpsyasi //

'Wenn der friedvolle Budha vorbeikommt, dann zeige dich ihm; wenn du ihn erblickst, o Holde, wirst du alle deine Wünsche erlangen.'

Wort für Wort
yadā yāti budhaḥ śāntas
wenn der friedvolle Budha vorbeikommt
tadātmānaṃ ca darśaya
dann zeige dich [ihm]
taṃ dṛṣṭvā tvaṃ tu subhage
ihn erblickend, du, o Holde
sarvakāmān avāpsyasi
wirst du alle Wünsche erlangen

{brahmovāca:} tām āśvāsya tataḥ subhrūr yakṣiṇy antaradhīyata / yakṣiṇī sā tam ācaṣṭa yakṣo 'pi sukham āptavān //

{Brahmā sprach:} Nachdem sie sie so beruhigt hatte, verschwand die schönbrauige Yakṣiṇī; sie berichtete [alles] dem Yakṣa, und auch der Yakṣa erlangte nun wieder Glück.

Wort für Wort
tām āśvāsya tataḥ subhrūr
sie beruhigt habend, die Schönbrauige
yakṣiṇy antaradhīyata
die Yakṣiṇī verschwand
yakṣiṇī sā tam ācaṣṭa
die Yakṣiṇī berichtete es ihm [dem Yakṣa]
yakṣo 'pi sukham āptavān
auch der Yakṣa erlangte Glück

ilasainyaṃ ca tatrāsīt tad gataṃ ca yathāsukham / umāvanasthitā celā gāyantī nṛtyatī punaḥ //

Ilas Heer aber war dort [angekommen] und zog nach Belieben weiter; sie [Ilā] aber blieb im Umā-Hain, sang und tanzte wiederum,

Wort für Wort
ilasainyaṃ ca tatrāsīt
Ilas Heer aber war dort
tad gataṃ ca yathāsukham
es zog nach Belieben weiter
umāvanasthitā celā
sie blieb im Umā-Hain
gāyantī nṛtyatī punaḥ
sang und tanzte wiederum

strībhāvam anuceṣṭantī smarantī karmaṇo gatim / kadācit kriyamāṇe tu ilayā nṛtyakarmaṇi //

ihr Frau-Sein übend, sich des früheren Tuns Verlauf erinnernd; einst, während von Ilā der Tanz vollführt wurde,

Wort für Wort
strībhāvam anuceṣṭantī
ihr Frau-Sein übend
smarantī karmaṇo gatim
sich des Tuns Verlauf erinnernd
kadācit kriyamāṇe tu
einst, während vollführt wurde
ilayā nṛtyakarmaṇi
von Ilā der Tanz

tām apaśyad budho dhīmān pitaraṃ gantum udyataḥ / ilāṃ dṛṣṭvā gatiṃ tyaktvā tām āgatyābravīd budhaḥ //

erblickte sie der kluge Budha, der sich anschickte, zu seinem Vater zu gehen; als er Ilā erblickte, gab er seinen Weg auf, kam zu ihr und sprach:

Wort für Wort
tām apaśyad budho dhīmān
sie erblickte der kluge Budha
pitaraṃ gantum udyataḥ
der sich anschickte, zum Vater zu gehen
ilāṃ dṛṣṭvā gatiṃ tyaktvā
Ilā erblickend, den Weg aufgebend
tām āgatyābravīd budhaḥ
zu ihr kommend sprach Budha

{budha uvāca:} bhāryā bhava mama svasthā sarvābhyas tvaṃ priyā bhava //*

{Budha sprach:} 'Sei meine Gattin, wohlgemut; sei mir lieber als alle anderen.'

Wort für Wort
bhāryā bhava mama svasthā
sei meine Gattin, wohlgemut
sarvābhyas tvaṃ priyā bhava
sei mir lieber als alle anderen

[Anm.: unvollständiger Halbvers im Original (mit * markiert).]

{brahmovāca:} budhavākyam ilā bhaktyā tv abhinandya tathākarot / smṛtvā ca yakṣiṇīvākyaṃ tatas tuṣṭābhavan mune //

{Brahmā sprach:} Ilā, dem Wort Budhas mit Hingabe zustimmend, tat so; sich an das Wort der Yakṣiṇī erinnernd, ward sie darauf zufrieden, o Muni.

Wort für Wort
budhavākyam ilā bhaktyā
dem Wort Budhas, Ilā, mit Hingabe
tv abhinandya tathākarot
zustimmend, tat sie so
smṛtvā ca yakṣiṇīvākyaṃ
und sich an das Wort der Yakṣiṇī erinnernd
tatas tuṣṭābhavan mune
ward sie darauf zufrieden, o Muni

budho reme tayā prītyā nītvā svasthānam uttamam / sā cāpi sarvabhāvena toṣayām āsa taṃ patim / tato bahutithe kāle budhas tuṣṭo 'vadat priyām //

Budha vergnügte sich mit ihr in Liebe, nachdem er sie an seinen vortrefflichen Wohnort geführt hatte; auch sie stellte mit ganzem Wesen jenen Gatten zufrieden. Als dann nach langer Zeit Budha zufrieden war, sprach er zu seiner Geliebten:

Wort für Wort
budho reme tayā prītyā
Budha vergnügte sich mit ihr in Liebe
nītvā svasthānam uttamam
nachdem er sie an seinen Wohnort geführt hatte
sā cāpi sarvabhāvena
auch sie mit ganzem Wesen
toṣayām āsa taṃ patim
stellte jenen Gatten zufrieden
tato bahutithe kāle
als dann nach langer Zeit
budhas tuṣṭo 'vadat priyām
Budha zufrieden zur Geliebten sprach

{budha uvāca:} kiṃ te deyaṃ mayā bhadre priyaṃ yan manasi sthitam //*

{Budha sprach:} 'Was soll ich dir geben, Gute – das Liebe, das dir im Sinn steht?'

Wort für Wort
kiṃ te deyaṃ mayā bhadre
was soll ich dir geben, Gute
priyaṃ yan manasi sthitam
das Liebe, das dir im Sinn steht

[Anm.: unvollständiger Halbvers im Original (mit * markiert).]

{brahmovāca:} tadvākyasamakālaṃ tu putraṃ dehīty abhāṣata / ilā budhaṃ somasutaṃ prītimantaṃ priyaṃ tathā //

{Brahmā sprach:} Gleichzeitig mit diesem Wort sprach Ilā zu Budha, dem Sohn des Soma, dem liebevollen, teuren [Gatten]: 'Gib mir einen Sohn!'

Wort für Wort
tadvākyasamakālaṃ tu
gleichzeitig mit diesem Wort
putraṃ dehīty abhāṣata
sprach sie: 'gib [mir] einen Sohn'
ilā budhaṃ somasutaṃ
Ilā zu Budha, dem Sohn des Soma
prītimantaṃ priyaṃ tathā
dem liebevollen, teuren [Gatten]

{budha uvāca:} amogham etan madvīryaṃ tathā prītisamudbhavam / putras te bhavitā tasmāt kṣatriyo lokaviśrutaḥ //

{Budha sprach:} 'Unfehlbar ist diese meine Manneskraft, zumal aus Liebe entstanden; darum wird dir ein Sohn geboren werden, ein in der Welt berühmter Kṣatriya.'

Wort für Wort
amogham etan madvīryaṃ
unfehlbar ist diese meine Manneskraft
tathā prītisamudbhavam
zumal aus Liebe entstanden
putras te bhavitā tasmāt
darum wird dir ein Sohn geboren werden
kṣatriyo lokaviśrutaḥ
ein in der Welt berühmter Kṣatriya

somavaṃśakaraḥ śrīmān āditya iva tejasā / buddhyā bṛhaspatisamaḥ kṣamayā pṛthivīsamaḥ //

'Der Begründer der Mondlinie, glorreich, an Glanz wie Āditya [die Sonne], an Klugheit dem Bṛhaspati gleich, an Geduld der Erde gleich,'

Wort für Wort
somavaṃśakaraḥ śrīmān
der Begründer der Mondlinie, glorreich
āditya iva tejasā
an Glanz wie Āditya (die Sonne)
buddhyā bṛhaspatisamaḥ
an Klugheit dem Bṛhaspati gleich
kṣamayā pṛthivīsamaḥ
an Geduld der Erde gleich

vīryeṇājau harir iva kopena hutabhug yathā //*

'an Tapferkeit in der Schlacht wie Hari, an Zorn wie das Opferfeuer.'

Wort für Wort
vīryeṇājau harir iva
an Tapferkeit in der Schlacht wie Hari
kopena hutabhug yathā
an Zorn wie das Opferfeuer

[Anm.: unvollständiger Halbvers im Original (mit * markiert); die Aufzählung setzt die Qualitäten aus V.69 fort.]

{brahmovāca:} tasminn utpadyamāne tu budhaputre mahātmani / jayaśabdaś ca sarvatra tv āsīc ca suraveśmani //

{Brahmā sprach:} Als jener hochgesinnte Sohn Budhas geboren wurde, ertönte überall, auch in der Wohnstatt der Götter, der Ruf 'Sieg!'

Wort für Wort
tasminn utpadyamāne tu
als jener geboren wurde
budhaputre mahātmani
der hochgesinnte Sohn Budhas
jayaśabdaś ca sarvatra
und der Ruf 'Sieg' überall
tv āsīc ca suraveśmani
ertönte auch in der Wohnstatt der Götter

budhaputre samutpanne tatrājagmuḥ sureśvarāḥ / aham apy āgamaṃ tatra mudā yukto mahāmate //

Als der Sohn Budhas geboren war, kamen dort die Herren der Götter herbei; auch ich kam dorthin, von Freude erfüllt, o Hochgesinnter.

Wort für Wort
budhaputre samutpanne
als der Sohn Budhas geboren war
tatrājagmuḥ sureśvarāḥ
kamen dort die Herren der Götter herbei
aham apy āgamaṃ tatra
auch ich kam dorthin
mudā yukto mahāmate
von Freude erfüllt, o Hochgesinnter

jātamātraḥ suto rāvam akarot sa pṛthusvaram / tena sarve 'py avocan vai saṃgatā ṛṣayaḥ surāḥ //

Kaum geboren, stieß der Sohn einen lauten, weithin schallenden Schrei aus; deshalb sprachen alle versammelten Weisen und Götter:

Wort für Wort
jātamātraḥ suto rāvam
kaum geboren, der Sohn einen Schrei
akarot sa pṛthusvaram
stieß er aus, weithin schallend
tena sarve 'py avocan vai
deshalb sprachen alle
saṃgatā ṛṣayaḥ surāḥ
die versammelten Weisen und Götter

yasmāt purū ravo 'syeti tasmād eṣa purūravāḥ / syād ity evaṃ nāma cakruḥ sarve saṃtuṣṭamānasāḥ //

'Weil sein Schrei (ravaḥ) vielfach/gewaltig (puru) ist, darum soll dieser "Purūravas" heißen' – so gaben ihm alle, zufriedenen Sinnes, den Namen.

Wort für Wort
yasmāt purū ravo 'syeti
weil sein Schrei vielfach/gewaltig ist
tasmād eṣa purūravāḥ
darum [soll] dieser 'Purūravas'
syād ity evaṃ nāma cakruḥ
sein – so gaben sie den Namen
sarve saṃtuṣṭamānasāḥ
alle, zufriedenen Sinnes

[Anm.: Namensetymologie 'Purūravas' = 'der viel/laut Schreiende' (puru + ravas).]

budho 'py adhyāpayām āsa kṣātravidyāṃ sutaṃ śubhām / dhanurvedaṃ saprayogaṃ budhaḥ prādāt tadātmaje //

Auch Budha unterrichtete den Sohn in der vortrefflichen Kriegerwissenschaft; die Bogenkunst samt ihrer Anwendung übergab Budha seinem Sohn.

Wort für Wort
budho 'py adhyāpayām āsa
auch Budha unterrichtete
kṣātravidyāṃ sutaṃ śubhām
den Sohn in der vortrefflichen Kriegerwissenschaft
dhanurvedaṃ saprayogaṃ
die Bogenkunst samt Anwendung
budhaḥ prādāt tadātmaje
Budha übergab [sie] seinem Sohn

sa śīghraṃ vṛddhim agamac chuklapakṣe yathā śaśī / sa mātaraṃ duḥkhayutāṃ samīkṣyelāṃ mahāmatiḥ / namasyātha vinītātmā ilām ailo 'bravīd idam //

Er wuchs rasch heran, wie der Mond in der hellen Monatshälfte; als er, der Hochgesinnte, seine Mutter Ilā leidbeladen erblickte, verneigte er sich, der demütig Gesinnte, und der Sohn der Ilā sprach zu ihr dies:

Wort für Wort
sa śīghraṃ vṛddhim agamac
er wuchs rasch heran
chuklapakṣe yathā śaśī
wie der Mond in der hellen Monatshälfte
sa mātaraṃ duḥkhayutāṃ
seine leidbeladene Mutter
samīkṣyelāṃ mahāmatiḥ
erblickend, Ilā, der Hochgesinnte
namasyātha vinītātmā
sich verneigend, demütig gesinnt
ilām ailo 'bravīd idam
sprach der Aila (Ilā-Sohn) zu ihr dies

[Anm.: 'Aila' = Patronymikon 'Sohn der Ilā', Beiname des Purūravas.]

{aila uvāca:} budho mātar mama pitā tava bhartā priyas tathā / ahaṃ ca putraḥ karmaṇyaḥ kasmāt te mānaso jvaraḥ //

{Der Aila sprach:} 'Budha, meine Mutter, ist mein Vater und dein geliebter Gatte; und ich bin dein tüchtiger Sohn – woher kommt dann dein seelisches Fieber?'

Wort für Wort
budho mātar mama pitā
Budha, meine Mutter, ist mein Vater
tava bhartā priyas tathā
und dein geliebter Gatte
ahaṃ ca putraḥ karmaṇyaḥ
und ich bin [dein] tüchtiger Sohn
kasmāt te mānaso jvaraḥ
woher [kommt] dein seelisches Fieber

{ilovāca:} satyaṃ putra budho bhartā tvaṃ ca putro guṇākaraḥ / bhartṛputrakṛtā cintā na mamāsti kadācana //

{Ilā sprach:} 'Wahr ist es, mein Sohn: Budha ist mein Gatte, und du bist mein tugendreicher Sohn; um Gatte oder Sohn mache ich mir niemals Sorgen.'

Wort für Wort
satyaṃ putra budho bhartā
wahr [ist es], mein Sohn, Budha ist [mein] Gatte
tvaṃ ca putro guṇākaraḥ
und du bist [mein] tugendreicher Sohn
bhartṛputrakṛtā cintā
um Gatte oder Sohn gemachte Sorge
na mamāsti kadācana
habe ich niemals

tathāpi pūrvajaṃ kiṃcid duḥkhaṃ smṛtvā punaḥ punaḥ / cintayeyaṃ mahābuddhe tato mātaram abravīt //

'Dennoch, an ein früheres Leid mich immer wieder erinnernd, grüble ich, o Hochverständiger' – darauf sprach er zur Mutter:

Wort für Wort
tathāpi pūrvajaṃ kiṃcid
dennoch, an ein früheres
duḥkhaṃ smṛtvā punaḥ punaḥ
Leid mich immer wieder erinnernd
cintayeyaṃ mahābuddhe
grüble ich, o Hochverständiger
tato mātaram abravīt
darauf sprach er zur Mutter

{aila uvāca:} nivedayasva me mātas tad eva prathamaṃ mama //*

{Der Aila sprach:} 'Berichte es mir, Mutter, mir zuallererst.'

Wort für Wort
nivedayasva me mātas
berichte es mir, Mutter
tad eva prathamaṃ mama
das eben, mir zuallererst

[Anm.: unvollständiger Halbvers im Original (mit * markiert).]

{brahmovāca:} ilā cainam uvācedaṃ rahovācaṃ kathaṃ vade / tathāpi putra te vacmi pitroḥ putro yato gatiḥ / magnānāṃ duḥkhapāthobdhau putraḥ pravahaṇaṃ param //

{Brahmā sprach:} Und Ilā sprach zu ihm dies: 'Wie sollte ich ein geheimes Wort aussprechen? Dennoch, mein Sohn, will ich es dir sagen, denn ein Sohn ist die Zuflucht der Eltern; für die im Meer des Leids Versunkenen ist der Sohn das höchste Rettungsboot.'

Wort für Wort
ilā cainam uvācedaṃ
und Ilā sprach zu ihm dies
rahovācaṃ kathaṃ vade
wie sollte ich ein geheimes Wort aussprechen
tathāpi putra te vacmi
dennoch, mein Sohn, sage ich es dir
pitroḥ putro yato gatiḥ
denn der Sohn ist die Zuflucht der Eltern
magnānāṃ duḥkhapāthobdhau
für die im Meer des Leids Versunkenen
putraḥ pravahaṇaṃ param
ist der Sohn das höchste Rettungsboot

{brahmovāca:} tan mātṛvacanaṃ śrutvā vinītaḥ prāha mātaram / pādayoḥ patitaś cāpi vada mātar yathā tathā //

Nachdem er dieses Wort der Mutter gehört hatte, sprach er demütig zur Mutter, sich zugleich ihr zu Füßen werfend: 'Sag es, Mutter, wie es sich verhält.'

Wort für Wort
tan mātṛvacanaṃ śrutvā
dieses Wort der Mutter gehört habend
vinītaḥ prāha mātaram
sprach er demütig zur Mutter
pādayoḥ patitaś cāpi
sich zugleich zu Füßen werfend
vada mātar yathā tathā
sag es, Mutter, wie es sich verhält

sā purūravasaṃ prāha ikṣvākūṇāṃ tathā kulam / tatrotpattiṃ svasya nāma rājyaprāptiṃ priyān sutān //

Sie sprach zu Purūravas und berichtete vom Geschlecht der Ikṣvākus, von ihrer eigenen Geburt darin, ihrem Namen, dem Erlangen der Herrschaft, den lieben Söhnen,

Wort für Wort
sā purūravasaṃ prāha
sie sprach zu Purūravas
ikṣvākūṇāṃ tathā kulam
vom Geschlecht der Ikṣvākus
tatrotpattiṃ svasya nāma
von ihrer Geburt darin, ihrem Namen
rājyaprāptiṃ priyān sutān
dem Erlangen der Herrschaft, den lieben Söhnen

purodhasaṃ vasiṣṭhaṃ ca priyāṃ bhāryāṃ svakaṃ padam / vananiryāṇam evātha amātyānāṃ purodhasaḥ //

vom Hauspriester Vasiṣṭha, von der geliebten Gattin, der eigenen Stellung, dem Auszug in den Wald, von den Ministern, dem Hauspriester,

Wort für Wort
purodhasaṃ vasiṣṭhaṃ ca
vom Hauspriester Vasiṣṭha
priyāṃ bhāryāṃ svakaṃ padam
der geliebten Gattin, der eigenen Stellung
vananiryāṇam evātha
und dann vom Auszug in den Wald
amātyānāṃ purodhasaḥ
von den Ministern, dem Hauspriester

preṣaṇaṃ ca nagaryāṃ tāṃ mṛgayāsaktim eva ca / himavatkandaragatiṃ yakṣeśvaragṛhe gatim //

von deren Entsendung in jene Stadt, von der Jagdleidenschaft, vom Gang zur Höhle des Himavant, vom Betreten des Hauses des Yakṣa-Herrn,

Wort für Wort
preṣaṇaṃ ca nagaryāṃ tāṃ
von deren Entsendung in jene Stadt
mṛgayāsaktim eva ca
und von der Jagdleidenschaft
himavatkandaragatiṃ
vom Gang zur Höhle des Himavant
yakṣeśvaragṛhe gatim
vom Betreten des Hauses des Yakṣa-Herrn

umāvanapraveśaṃ ca strītvaprāptim aśeṣataḥ / maheśvarājñayā tatra cāpraveśaṃ narasya tu //

vom Eintritt in den Umā-Hain, von der vollständigen Erlangung der Weiblichkeit, vom dortigen Verbot des Eintritts für Männer durch Śivas Gebot,

Wort für Wort
umāvanapraveśaṃ ca
vom Eintritt in den Umā-Hain
strītvaprāptim aśeṣataḥ
von der vollständigen Erlangung der Weiblichkeit
maheśvarājñayā tatra
dort durch Śivas Gebot
cāpraveśaṃ narasya tu
und vom Verbot des Eintritts für Männer

yakṣiṇīvākyam apy asya varadānaṃ tathaiva ca / budhaprāptiṃ tathā prītiṃ putrotpattyādy aśeṣataḥ //

vom Wort der Yakṣiṇī, ebenso von deren Segensgabe, vom Erlangen Budhas, von der Liebe, von der Geburt des Sohnes und allem übrigen –

Wort für Wort
yakṣiṇīvākyam apy asya
vom Wort der Yakṣiṇī
varadānaṃ tathaiva ca
ebenso von deren Segensgabe
budhaprāptiṃ tathā prītiṃ
vom Erlangen Budhas, von der Liebe
putrotpattyādy aśeṣataḥ
von der Geburt des Sohnes und allem übrigen

kathayām āsa tat sarvaṃ śrutvā mātaram abravīt / purūravāḥ kiṃ karomi kiṃ kṛtvā sukṛtaṃ bhavet //

das alles erzählte sie; nachdem er es gehört hatte, sprach Purūravas zur Mutter: 'Was soll ich tun? Was, getan, würde ein gutes Werk sein?'

Wort für Wort
kathayām āsa tat sarvaṃ
das alles erzählte sie
śrutvā mātaram abravīt
gehört habend, sprach er zur Mutter
purūravāḥ kiṃ karomi
Purūravas: 'was soll ich tun'
kiṃ kṛtvā sukṛtaṃ bhavet
was, getan, ein gutes Werk wäre

etāvatā te tṛptiś ced alam etena cāmbike / yad apy anyan manovarti tad apy ājñāpayasva me //

'Wenn du hiermit zufrieden bist, dann genug damit, Mutter; doch wenn noch etwas anderes in deinem Sinn liegt, so gebiete mir auch das.'

Wort für Wort
etāvatā te tṛptiś ced
wenn du hiermit zufrieden bist
alam etena cāmbike
dann genug damit, Mutter
yad apy anyan manovarti
wenn noch etwas anderes im Sinn liegt
tad apy ājñāpayasva me
so gebiete mir auch das

{ilovāca:} iccheyaṃ puṃstvam utkṛṣṭam iccheyaṃ rājyam uttamam / abhiṣekaṃ ca putrāṇāṃ tava cāpi viśeṣataḥ //

{Ilā sprach:} 'Ich wünschte mir vortreffliche Männlichkeit, ich wünschte mir ein vorzügliches Königreich, und die Krönung [meiner] Söhne, und besonders auch die deine.'

Wort für Wort
iccheyaṃ puṃstvam utkṛṣṭam
ich wünschte mir vortreffliche Männlichkeit
iccheyaṃ rājyam uttamam
ich wünschte mir ein vorzügliches Königreich
abhiṣekaṃ ca putrāṇāṃ
und die Krönung der Söhne
tava cāpi viśeṣataḥ
und besonders auch die deine

dānaṃ dātuṃ ca yaṣṭuṃ ca muktimārgasya vīkṣaṇam / sarvaṃ ca kartum icchāmi tava putra prasādataḥ //

'Gaben zu geben und zu opfern, den Weg zur Erlösung zu erblicken – dies alles möchte ich tun, mein Sohn, durch deine Gnade.'

Wort für Wort
dānaṃ dātuṃ ca yaṣṭuṃ ca
Gaben zu geben und zu opfern
muktimārgasya vīkṣaṇam
den Weg zur Erlösung zu erblicken
sarvaṃ ca kartum icchāmi
dies alles möchte ich tun
tava putra prasādataḥ
mein Sohn, durch deine Gnade

{putra uvāca:} upāyaṃ tvā tu pṛcchāmi yena puṃstvam avāpsyasi / tapaso vānyato vāpi vadasva mama tattvataḥ //

{Der Sohn sprach:} 'Ich frage dich nur nach dem Mittel, wodurch du Männlichkeit erlangen kannst – ob durch Askese oder auf andere Weise; sag mir das der Wahrheit gemäß.'

Wort für Wort
upāyaṃ tvā tu pṛcchāmi
ich frage dich nach dem Mittel
yena puṃstvam avāpsyasi
wodurch du Männlichkeit erlangen kannst
tapaso vānyato vāpi
durch Askese oder auf andere Weise
vadasva mama tattvataḥ
sag mir das der Wahrheit gemäß

{ilovāca:} budhaṃ tvaṃ pitaraṃ pṛccha gatvā putra yathārthavat / sa tu sarvaṃ tu jānāti upadekṣyati te hitam //

{Ilā sprach:} 'Geh, mein Sohn, und frage deinen Vater Budha der Wahrheit gemäß; er weiß alles und wird dir das Heilsame weisen.'

Wort für Wort
budhaṃ tvaṃ pitaraṃ pṛccha
frage deinen Vater Budha
gatvā putra yathārthavat
gegangen, mein Sohn, der Wahrheit gemäß
sa tu sarvaṃ tu jānāti
er weiß alles
upadekṣyati te hitam
er wird dir das Heilsame weisen

{brahmovāca:} tanmātṛvacanād ailo gatvā pitaram añjasā / uvāca praṇato bhūtvā mātuḥ kṛtyaṃ tathātmanaḥ //

{Brahmā sprach:} Auf dieses Wort der Mutter hin ging der Aila sogleich zu seinem Vater und sprach, sich verneigend, von der Angelegenheit der Mutter und seiner eigenen.

Wort für Wort
tanmātṛvacanād ailo
auf dieses Wort der Mutter hin, der Aila
gatvā pitaram añjasā
zu seinem Vater gegangen, sogleich
uvāca praṇato bhūtvā
sprach er, sich verneigend
mātuḥ kṛtyaṃ tathātmanaḥ
von der Angelegenheit der Mutter und seiner selbst

{budha uvāca:} ilaṃ jāne mahāprājña ilāṃ jātāṃ punas tathā / umāvanapraveśaṃ ca śaṃbhor ājñāṃ tathaiva ca //

{Budha sprach:} 'Ich kenne die Geschichte von Ila, und wie er wiederum als Ilā [wurde], sowie den Eintritt in den Umā-Hain und ebenso das Gebot Śambhus, o Hochweiser.'

Wort für Wort
ilaṃ jāne mahāprājña
ich kenne Ila, o Hochweiser
ilāṃ jātāṃ punas tathā
und wie er wiederum als Ilā wurde
umāvanapraveśaṃ ca
und den Eintritt in den Umā-Hain
śaṃbhor ājñāṃ tathaiva ca
und ebenso das Gebot Śambhus

tasmāc chaṃbhuprasādena umāyāś ca prasādataḥ / viśāpo bhavitā putra tāv ārādhya na cānyathā //

'Deshalb wird ihr durch die Gnade Śambhus und durch die Gnade Umās die Aufhebung des Fluchs zuteilwerden, mein Sohn – wenn jene beiden verehrt werden, aber nicht anders.'

Wort für Wort
tasmāc chaṃbhuprasādena
deshalb durch die Gnade Śambhus
umāyāś ca prasādataḥ
und durch die Gnade Umās
viśāpo bhavitā putra
wird die Aufhebung des Fluchs zuteil, mein Sohn
tāv ārādhya na cānyathā
wenn jene beiden verehrt werden, nicht anders

{purūravā uvāca:} paśyeyaṃ taṃ kathaṃ devaṃ kathaṃ vā mātaraṃ śivām / tīrthād vā tapaso vāpi tat pitaḥ prathamaṃ vada //

{Purūravas sprach:} 'Wie könnte ich jenen Gott sehen, oder wie die gütige Mutter [Umā]? Ob durch ein Tīrtha oder durch Askese – sag mir das zuerst, Vater.'

Wort für Wort
paśyeyaṃ taṃ kathaṃ devaṃ
wie könnte ich jenen Gott sehen
kathaṃ vā mātaraṃ śivām
oder wie die gütige Mutter [Umā]
tīrthād vā tapaso vāpi
ob durch ein Tīrtha oder durch Askese
tat pitaḥ prathamaṃ vada
sag mir das zuerst, Vater

{budha uvāca:} gautamīṃ gaccha putra tvaṃ tatrāste sarvadā śivaḥ / umayā sahitaḥ śrīmāñ śāpahantā varapradaḥ //

{Budha sprach:} 'Geh zur Gautamī, mein Sohn; dort weilt allzeit Śiva, zusammen mit Umā, der glorreiche, der Flüche aufhebt und Gaben gewährt.'

Wort für Wort
gautamīṃ gaccha putra tvaṃ
geh zur Gautamī, mein Sohn
tatrāste sarvadā śivaḥ
dort weilt allzeit Śiva
umayā sahitaḥ śrīmāñ
zusammen mit Umā, der glorreiche
śāpahantā varapradaḥ
der Flüche aufhebt und Gaben gewährt

{brahmovāca:} purūravāḥ pitur vākyaṃ śrutvā tu mudito 'bhavat / gautamīṃ tapase dhīmān gaṅgāṃ trailokyapāvanīm //

{Brahmā sprach:} Als Purūravas das Wort seines Vaters gehört hatte, wurde er froh; er [ging] zur Gautamī, der klugen Gaṅgā, der Reinigerin der drei Welten, um Askese zu üben,

Wort für Wort
purūravāḥ pitur vākyaṃ
Purūravas, das Wort des Vaters
śrutvā tu mudito 'bhavat
gehört habend, wurde er froh
gautamīṃ tapase dhīmān
zur Gautamī, um Askese zu üben, der Kluge
gaṅgāṃ trailokyapāvanīm
zur Gaṅgā, der Reinigerin der drei Welten

puṃstvam icchaṃs tathā mātur jagāma tapase tvaran / himavantaṃ giriṃ natvā mātaraṃ pitaraṃ gurum //

Männlichkeit für seine Mutter begehrend, eilte er zur Askese; er verneigte sich vor dem Berg Himavant, vor Mutter, Vater und Lehrer,

Wort für Wort
puṃstvam icchaṃs tathā mātur
Männlichkeit für die Mutter begehrend
jagāma tapase tvaran
eilte er zur Askese
himavantaṃ giriṃ natvā
sich vor dem Berg Himavant verneigend
mātaraṃ pitaraṃ gurum
vor Mutter, Vater und Lehrer

gacchantam anvagāt putram ilā somasutas tathā / te sarve gautamīṃ prāptā himavatparvatottamāt //

Dem gehenden Sohn folgten Ilā und ebenso der Sohn des Soma [Budha]; sie alle erreichten, vom vortrefflichsten Berg Himavant kommend, die Gautamī.

Wort für Wort
gacchantam anvagāt putram
dem gehenden Sohn folgten
ilā somasutas tathā
Ilā und ebenso der Sohn des Soma
te sarve gautamīṃ prāptā
sie alle erreichten die Gautamī
himavatparvatottamāt
vom vortrefflichsten Berg Himavant kommend

tatra snātvā tapaḥ kiṃcit kṛtvā cakruḥ stutiṃ parām / bhavasya devadevasya stutikramam imaṃ śṛṇu //

Dort badeten sie, übten ein wenig Askese und verfassten ein erhabenes Loblied; höre diese Reihenfolge des Lobpreises auf Bhava, den Gott der Götter:

Wort für Wort
tatra snātvā tapaḥ kiṃcit
dort gebadet, ein wenig Askese
kṛtvā cakruḥ stutiṃ parām
geübt, verfassten sie ein erhabenes Loblied
bhavasya devadevasya
auf Bhava, den Gott der Götter
stutikramam imaṃ śṛṇu
höre diese Reihenfolge des Lobpreises

budhas tuṣṭāva prathamam ilā ca tadanantaram / tataḥ purūravāḥ putro gaurīṃ devīṃ ca śaṃkaram //

Budha pries ihn zuerst, und Ilā unmittelbar danach; danach pries der Sohn Purūravas die Göttin Gaurī und Śaṃkara.

Wort für Wort
budhas tuṣṭāva prathamam
Budha pries [ihn] zuerst
ilā ca tadanantaram
und Ilā unmittelbar danach
tataḥ purūravāḥ putro
danach der Sohn Purūravas
gaurīṃ devīṃ ca śaṃkaram
die Göttin Gaurī und Śaṃkara

{budha uvāca:} yau kuṅkumena svaśarīrajena BrP_108.104a svabhāvahemapratimau sarūpau BrP_108.104b yāv arcitau skandagaṇeśvarābhyāṃ BrP_108.104c tau me śaraṇyau śaraṇaṃ bhavetām BrP_108.104d

{Budha sprach:} 'Die beiden, die mit dem aus ihrem eigenen Körper stammenden Safran[-Farbton] von Natur aus goldgleicher Gestalt, gleicher Form sind, die von Skanda und Gaṇeśvara [Gaṇeśa] verehrt werden – jene beiden, meine Zuflucht-Würdigen, mögen mir Zuflucht sein!'

Wort für Wort
yau kuṅkumena svaśarīrajena
die beiden, mit dem aus ihrem Körper stammenden Safran
svabhāvahemapratimau sarūpau
von Natur aus goldgleicher Gestalt, gleicher Form
yāv arcitau skandagaṇeśvarābhyāṃ
die von Skanda und Gaṇeśvara verehrt werden
tau me śaraṇyau śaraṇaṃ bhavetām
jene beiden Zuflucht-Würdigen mögen mir Zuflucht sein

[Anm.: erster von fünf aufeinanderfolgenden vierpādigen Hymnenversen (V.104-108) in besonderem Versmaß.]

{ilovāca:} saṃsāratāpatrayadāvadagdhāḥ BrP_108.105a śarīriṇo yau paricintayantaḥ BrP_108.105b sadyaḥ parāṃ nirvṛtim āpnuvanti BrP_108.105c tau śaṃkarau me śaraṇaṃ bhavetām BrP_108.105d

{Ilā sprach:} 'Die beiden, an die verkörperte Wesen, vom Waldbrand der dreifachen Weltenqual versengt, nur denkend, sogleich höchste Befriedung erlangen – jene beiden Heilbringenden mögen mir Zuflucht sein!'

Wort für Wort
saṃsāratāpatrayadāvadagdhāḥ
vom Waldbrand der dreifachen Weltenqual versengt
śarīriṇo yau paricintayantaḥ
die verkörperten Wesen, an die beiden denkend
sadyaḥ parāṃ nirvṛtim āpnuvanti
erlangen sogleich höchste Befriedung
tau śaṃkarau me śaraṇaṃ bhavetām
jene beiden Heilbringenden mögen mir Zuflucht sein

ārtā hy ahaṃ pīḍitamānasā te BrP_108.106a kleśādigoptā na paro 'sti kaścit BrP_108.106b deva tvadīyau caraṇau supuṇyau BrP_108.106c tau me śaraṇyau śaraṇaṃ bhavetām BrP_108.106d

'Denn geplagt bin ich, gequälten Sinnes; keinen anderen Beschützer vor Leid und dergleichen gibt es außer dir. O Gott, deine hochheiligen Füße – jene beiden, meine Zuflucht-Würdigen, mögen mir Zuflucht sein!'

Wort für Wort
ārtā hy ahaṃ pīḍitamānasā te
denn geplagt bin ich, gequälten Sinnes
kleśādigoptā na paro 'sti kaścit
keinen anderen Beschützer vor Leid gibt es
deva tvadīyau caraṇau supuṇyau
o Gott, deine hochheiligen [beiden] Füße
tau me śaraṇyau śaraṇaṃ bhavetām
jene beiden mögen mir Zuflucht sein

{purūravā uvāca:} yayoḥ sakāśād idam abhyudaiti BrP_108.107a prayāti cānte layam eva sarvam BrP_108.107b jagaccharaṇyau jagadātmakau tu BrP_108.107c gaurīharau me śaraṇaṃ bhavetām BrP_108.107d

{Purūravas sprach:} 'Aus deren Nähe dies [Universum] entsteht, und wohin am Ende alles wieder eingeht – Gaurī und Hara, die Zuflucht der Welt, die Wesenheit der Welt selbst, mögen mir Zuflucht sein!'

Wort für Wort
yayoḥ sakāśād idam abhyudaiti
aus deren Nähe dies entsteht
prayāti cānte layam eva sarvam
und wohin am Ende alles eingeht
jagaccharaṇyau jagadātmakau tu
die Zuflucht der Welt, die Wesenheit der Welt
gaurīharau me śaraṇaṃ bhavetām
Gaurī und Hara mögen mir Zuflucht sein

yau devavṛndeṣu mahotsave tu BrP_108.108a pādau gṛhāṇeśa girīśaputryāḥ BrP_108.108b proktaṃ dhṛtau prītivaśāc chivena BrP_108.108c tau me śaraṇyau śaraṇaṃ bhavetām BrP_108.108d

'Die Füße, von denen inmitten der Götterscharen beim großen Fest – "ergreife, Herr, die Füße der Bergkönig-Tochter" – von Śiva aus Liebe geboten wurde, sie zu halten – jene beiden, meine Zuflucht-Würdigen, mögen mir Zuflucht sein!'

Wort für Wort
yau devavṛndeṣu mahotsave tu
die [Füße], inmitten der Götterscharen beim großen Fest
pādau gṛhāṇeśa girīśaputryāḥ
'ergreife, Herr, die Füße der Bergkönig-Tochter'
proktaṃ dhṛtau prītivaśāc chivena
von Śiva aus Liebe geboten, sie zu halten
tau me śaraṇyau śaraṇaṃ bhavetām
jene beiden mögen mir Zuflucht sein

[Anm.: syntaktisch verdichteter, in Einzelheiten unsicherer Vers [?]; sinngemäß scheint er auf ein Fest anzuspielen, bei dem Śiva selbst dazu aufforderte, Pārvatīs Füße als Zuflucht zu ergreifen/verehren.]

{śrīdevy uvāca:} kim abhīṣṭaṃ pradāsyāmi yuṣmabhyaṃ tad vadantu me / kṛtakṛtyāḥ stha bhadraṃ vo devānām api duṣkaram //

{Die glorreiche Göttin sprach:} 'Was für einen Wunsch soll ich euch gewähren? Sagt mir das; ihr habt euer Ziel erreicht, Heil euch – etwas, das selbst für Götter schwer zu erlangen ist, [habt ihr durch diesen Lobpreis erwirkt].'

Wort für Wort
kim abhīṣṭaṃ pradāsyāmi
was für einen Wunsch soll ich gewähren
yuṣmabhyaṃ tad vadantu me
euch – sagt mir das
kṛtakṛtyāḥ stha bhadraṃ vo
ihr habt euer Ziel erreicht, Heil euch
devānām api duṣkaram
[etwas,] das selbst für Götter schwer ist

{purūravā uvāca:} ilo rājā tavājñātvā vanaṃ prāviśad ambike / tat kṣamasva sureśāni puṃstvaṃ dātuṃ tvam arhasi //

{Purūravas sprach:} 'König Ila betrat, ohne dein Gebot zu kennen, den Hain, o Mutter; das verzeih ihm, o Herrin der Götter – du sollst ihm Männlichkeit gewähren.'

Wort für Wort
ilo rājā tavājñātvā
König Ila, dein Gebot nicht kennend
vanaṃ prāviśad ambike
betrat den Hain, o Mutter
tat kṣamasva sureśāni
das verzeih, o Herrin der Götter
puṃstvaṃ dātuṃ tvam arhasi
du sollst Männlichkeit gewähren

{brahmovāca:} tathety uvāca tān sarvān bhavasya tu mate sthitā / tataḥ sa bhagavān āha devīvākyarataḥ sadā //

{Brahmā sprach:} 'So sei es' sprach sie zu ihnen allen, in Bhavas Zustimmung verbleibend; darauf sprach jener ehrwürdige [Śiva], der stets dem Wort der Göttin zugetan ist:

Wort für Wort
tathety uvāca tān sarvān
'so sei es' sprach sie zu ihnen allen
bhavasya tu mate sthitā
in Bhavas Zustimmung verbleibend
tataḥ sa bhagavān āha
darauf sprach jener Ehrwürdige
devīvākyarataḥ sadā
der stets dem Wort der Göttin zugetan ist

{śiva uvāca:} atrābhiṣekamātreṇa puṃstvaṃ prāpnotv ayaṃ nṛpaḥ //*

{Śiva sprach:} 'Durch bloßes Ritualbad hier möge dieser König Männlichkeit erlangen.'

Wort für Wort
atrābhiṣekamātreṇa
durch bloßes Ritualbad hier
puṃstvaṃ prāpnotv ayaṃ nṛpaḥ
möge dieser König Männlichkeit erlangen

[Anm.: unvollständiger Halbvers im Original (mit * markiert).]

{brahmovāca:} snātāyā budhabhāryāyāḥ śarīrād vāri susruve / nṛtyaṃ gītaṃ ca lāvaṇyaṃ yakṣiṇyā yad upārjitam //

{Brahmā sprach:} Als Budhas Gattin sich badete, floss Wasser von ihrem Körper; Tanz, Gesang und Anmut, die sie von der Yakṣiṇī erworben hatte,

Wort für Wort
snātāyā budhabhāryāyāḥ
als Budhas Gattin sich badete
śarīrād vāri susruve
floss Wasser von ihrem Körper
nṛtyaṃ gītaṃ ca lāvaṇyaṃ
Tanz, Gesang und Anmut
yakṣiṇyā yad upārjitam
die sie von der Yakṣiṇī erworben hatte

tat sarvaṃ vāridhārābhir gaṅgāmbhasi samāviśat / nṛtyā gītā ca saubhāgyā imā nadyo babhūvire //

das alles ging mit den Wasserströmen in das Gaṅgā-Wasser ein; 'Nṛtyā' ('Tanz-'), 'Gītā' ('Gesang-') und 'Saubhāgyā' ('Glücks-') wurden diese zu Flüssen.

Wort für Wort
tat sarvaṃ vāridhārābhir
das alles mit den Wasserströmen
gaṅgāmbhasi samāviśat
ging in das Gaṅgā-Wasser ein
nṛtyā gītā ca saubhāgyā
'Nṛtyā', 'Gītā' und 'Saubhāgyā'
imā nadyo babhūvire
wurden diese zu Flüssen

tāś cāpi saṃgatā gaṅgāṃ te puṇyāḥ saṃgamās trayaḥ / teṣu snānaṃ ca dānaṃ ca surarājyaphalapradam //

Und diese, mit der Gaṅgā vereinigt, bilden jene drei heiligen Zusammenflüsse; das Baden und Schenken an ihnen gewährt die Frucht der Götterherrschaft.

Wort für Wort
tāś cāpi saṃgatā gaṅgāṃ
und diese, mit der Gaṅgā vereinigt
te puṇyāḥ saṃgamās trayaḥ
[sind] jene drei heiligen Zusammenflüsse
teṣu snānaṃ ca dānaṃ ca
das Baden und Schenken an ihnen
surarājyaphalapradam
gewährt die Frucht der Götterherrschaft

ilā puṃstvam avāpyātha gaurīśaṃbhoḥ prasādataḥ / mahābhyudayasiddhyarthaṃ vājimedham athākarot //

Ilā erlangte darauf, durch die Gnade Gaurīs und Śambhus, Männlichkeit; zur Erlangung großen Aufstiegs vollzog er darauf ein Pferdeopfer.

Wort für Wort
ilā puṃstvam avāpyātha
Ilā erlangte darauf Männlichkeit
gaurīśaṃbhoḥ prasādataḥ
durch die Gnade Gaurīs und Śambhus
mahābhyudayasiddhyarthaṃ
zur Erlangung großen Aufstiegs
vājimedham athākarot
vollzog er darauf ein Pferdeopfer

purodhasaṃ vasiṣṭhaṃ ca bhāryāṃ putrāṃs tathaiva ca / amātyāṃś ca balaṃ kośam ānīya sa nṛpottamaḥ //

Nachdem er den Hauspriester Vasiṣṭha, die Gattin, ebenso die Söhne, die Minister, das Heer und die Schatzkammer herbeigeholt hatte, [errichtete] jener vortrefflichste König,

Wort für Wort
purodhasaṃ vasiṣṭhaṃ ca
den Hauspriester Vasiṣṭha
bhāryāṃ putrāṃs tathaiva ca
die Gattin, ebenso die Söhne
amātyāṃś ca balaṃ kośam
die Minister, das Heer, die Schatzkammer
ānīya sa nṛpottamaḥ
herbeigeholt habend, jener vortrefflichste König

caturaṅgaṃ balaṃ rājyaṃ daṇḍake 'sthāpayat tadā / ilasya nāmnā vikhyātaṃ tatra tat puram ucyate //

das vierteilige Heer und das Reich errichtete er damals in Daṇḍaka; nach Ilas Namen wird dort jene Stadt berühmt genannt.

Wort für Wort
caturaṅgaṃ balaṃ rājyaṃ
das vierteilige Heer und das Reich
daṇḍake 'sthāpayat tadā
errichtete er damals in Daṇḍaka
ilasya nāmnā vikhyātaṃ
nach Ilas Namen berühmt
tatra tat puram ucyate
wird dort jene Stadt genannt

pūrvajātān atho putrān sūryavaṃśakramāgate / rājye 'bhiṣicya paścāt tam ailaṃ snehād asiñcayat //

Die zuvor geborenen Söhne salbte er in das nach der Sonnenlinie überkommene Reich; danach salbte er, aus Zuneigung, jenen Aila [Purūravas].

Wort für Wort
pūrvajātān atho putrān
die zuvor geborenen Söhne
sūryavaṃśakramāgate
in das nach der Sonnenlinie überkommene
rājye 'bhiṣicya paścāt
Reich gesalbt, danach
tam ailaṃ snehād asiñcayat
salbte er aus Zuneigung jenen Aila

[Anm.: gemeint sind offenbar Ilas frühere, vor seiner Verwandlung gezeugte Söhne (vgl. V.5), die die Sonnenlinie fortführen, während Purūravas gesondert, als Begründer der Mondlinie, gekrönt wird.]

somavaṃśakaraḥ śrīmān ayaṃ rājā bhaved iti / sarvebhyo matimānebhyo jyeṣṭhaḥ śreṣṭho 'bhavan mune //

'Dieser möge als glorreicher Begründer der Mondlinie König sein' – [so wurde bestimmt]; unter allen Verständigen ward er der Älteste, der Vorzüglichste, o Muni.

Wort für Wort
somavaṃśakaraḥ śrīmān
der glorreiche Begründer der Mondlinie
ayaṃ rājā bhaved iti
dieser möge König sein
sarvebhyo matimānebhyo
unter allen Verständigen
jyeṣṭhaḥ śreṣṭho 'bhavan mune
ward er der Älteste, der Vorzüglichste, o Muni

yatra ca kratavo vṛttā ilasya nṛpateḥ śubhāḥ / yatra puṃstvam avāpyātha yatra putrāḥ samāgatāḥ //

Wo die glückverheißenden Opferhandlungen des Königs Ila stattfanden, wo er die Männlichkeit erlangte, wo die Söhne zusammenkamen,

Wort für Wort
yatra ca kratavo vṛttā
wo die Opferhandlungen stattfanden
ilasya nṛpateḥ śubhāḥ
des Königs Ila, glückverheißend
yatra puṃstvam avāpyātha
wo er die Männlichkeit erlangte
yatra putrāḥ samāgatāḥ
wo die Söhne zusammenkamen

yakṣiṇīdattanṛtyādi-gītasaubhāgyamaṅgalāḥ / nadyo bhūtvā yatra gaṅgāṃ saṃgatās tāni nārada //

wo die von der Yakṣiṇī gegebenen, glückverheißenden [Flüsse] Tanz, Gesang und Wohlergehen, zu Flüssen geworden, sich mit der Gaṅgā vereinigten, o Nārada –

Wort für Wort
yakṣiṇīdattanṛtyādi-
die von der Yakṣiṇī gegebenen [Kräfte] Tanz und dergleichen
gītasaubhāgyamaṅgalāḥ
Gesang, Wohlergehen, glückverheißend
nadyo bhūtvā yatra gaṅgāṃ
zu Flüssen geworden, wo mit der Gaṅgā
saṃgatās tāni nārada
sie sich vereinigten, o Nārada

tīrthāni śubhadāny āsan sahasrāṇy atha ṣoḍaśa / ubhayos tīrayos tāta tatra śaṃbhur ileśvaraḥ / teṣu snānaṃ ca dānaṃ ca sarvakratuphalapradam //

dort entstanden sechzehntausend segenspendende Tīrthas an beiden Ufern, mein Lieber; dort [weilt] Śambhu als Ileśvara ('Herr des Ila'); das Baden und Schenken an ihnen gewährt die Frucht aller Opfer.

Wort für Wort
tīrthāni śubhadāny āsan
es entstanden segenspendende Tīrthas
sahasrāṇy atha ṣoḍaśa
sechzehntausend
ubhayos tīrayos tāta
an beiden Ufern, mein Lieber
tatra śaṃbhur ileśvaraḥ
dort [weilt] Śambhu als Ileśvara
teṣu snānaṃ ca dānaṃ ca
das Baden und Schenken an ihnen
sarvakratuphalapradam
gewährt die Frucht aller Opfer

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