Kapitel 51: puruṣottamavaraprādānarājasvargagamanavarṇanam
Puruṣottamas Selbstoffenbarung, die Gabengewährung an Indradyumna und die Weihe der Bildnisse
Der glückselige Herr offenbart sich Indradyumna als Puruṣottama, der mit allen Göttern identisch und die Grundlage des ganzen Universums ist. Der König preist ihn in einer weiteren Hymne und erbittet die höchste Erlösung; Viṣṇu gewährt ihm zehntausendneunhundert Jahre ununterbrochener Herrschaft und danach die Erlösung, beschreibt ausführlich das Tīrtha des Indradyumna-Sees mit seinem Banyanbaum und Pavillon sowie das jährliche Fest im Monat Āṣāḍha, und entschwindet dann mit Viśvakarman. Der König weiht feierlich die drei Bildnisse (Kṛṣṇa, Rāma/Ananta, Subhadrā) im Tempel und geht schließlich, nachdem er alles verschenkt hat, in Viṣṇus höchsten Zustand ein. Die Munis fragen abschließend nach der rechten Zeit und dem Ritus des Pañcatīrtha-Pilgerrituals sowie den Verdiensten des Anblicks von Puruṣottama, worauf Brahmā antwortet, dass der Anblick am zwölften Tag der hellen Monatshälfte des Jyeṣṭha besonders verdienstvoll ist.
{śrībhagavān uvāca:} nāhaṃ devo na yakṣo vā na daityo na ca devarāṭ / na brahmā na ca rudro 'haṃ viddhi māṃ puruṣottamam //
Der glückselige Herr sprach: Ich bin nicht ein Gott, nicht ein Yakṣa, nicht ein Daitya, und nicht der König der Götter; ich bin nicht Brahmā und nicht Rudra - wisse, ich bin Puruṣottama.
ich bin die Elemente, Erde und die anderen, das dreifache Opferfeuer, der Opferverzehrer, o König; ich bin Varuṇa, der Herr der Wasser, und die Erdträgerin und der Bergträger,
yat kiṃcid vāṅmayaṃ loke jagat sthāvarajaṅgamam / carācaraṃ ca yad viśvaṃ madanyan nāsti kiṃcana //
was auch immer in der Welt aus Rede besteht, die unbewegliche und bewegliche Welt, und was das ganze bewegliche und unbewegliche Universum ist - außer mir gibt es nichts.
prīto 'haṃ te nṛpaśreṣṭha varaṃ varaya suvrata / yad iṣṭaṃ tat prayacchāmi hṛdi yat te vyavasthitam //
Ich bin zufrieden mit dir, o Bester der Könige - erbitte eine Gabe, o Tugendhafter; was gewünscht ist, das gewähre ich, was in deinem Herzen feststeht.
maddarśanam apuṇyānāṃ svapnānte 'pi na jāyate / tvaṃ punar dṛḍhabhaktitvāt pratyakṣaṃ dṛṣṭavān asi //
Der Anblick von mir wird den Unverdienstvollen nicht einmal am Ende eines Traumes zuteil; du aber hast mich wegen deiner festen Hingabe sichtbar erblickt.
Brahmā sprach: Nachdem er so das Wort Vāsudevas gehört hatte, o Brahmanen, wurde der König am Körper von Freudenschauern ergriffen und sang diese Hymne:
{rājovāca:} śriyaḥ kānta namas te 'stu śrīpate pītavāsase / śrīda śrīśa śrīnivāsa namas te śrīniketana //
Der König sprach: O Geliebter der Śrī, Verehrung sei dir, o Gemahl der Śrī, Gelbgewandeter! O Gewährer der Śrī, Herr der Śrī, Wohnstatt der Śrī, Verehrung dir, o Behausung der Śrī!
Vor dem ursprünglichen Puruṣa, dem Herrschenden, dem Herrn von allem, dem allseitig Gesichtigen, dem Teillosen, dem höchsten, ewigen Gott verneige ich mich.
den Gott, den Träger von Muschelhorn und Diskus, Keule und Musala haltend - ich verneige mich vor dem gabengewährenden Gott, von der Farbe eines blauen Lotosblattes,
wiederum verneige ich mich vor dir, dem Herrn der Götter der Götter, dem gabengewährenden Allherrscher, dem Herrn aller Welten, Viṣṇu, der Ursache der Erlösung, dem Unvergänglichen.
Brahmā sprach: Nachdem er so jenen Gott gepriesen und sich niedergeworfen hatte, mit gefalteten Händen, sprach er, sich verneigend, auf den Erdboden niedergefallen:
Der König sprach: Wenn du mit mir zufrieden bist, o Herr, erbitte ich eine vortreffliche Gabe. Götter und Asuras samt Gandharvas, Yakṣas, Rākṣasas und große Schlangenwesen,
parivrāḍyogayuktāś ca vedatattvārthacintakāḥ / mokṣamārgavido ye 'nye dhyāyanti paramaṃ padam //
und die Wanderasketen, die dem Yoga verbunden sind, die Denker über die wahre Bedeutung der Veden, und welche anderen den Weg der Erlösung kennen - die den höchsten Zustand meditieren,
eigenschaftslos, makellos, friedvoll - jenen Zustand, den die Weisen schauen, jenen Zustand möchte ich, durch deine Gnade, erreichen - den sehr schwer zu erlangenden.
{śrībhagavān uvāca:} sarvaṃ bhavatu bhadraṃ te yatheṣṭaṃ sarvam āpnuhi / bhaviṣyati yathākāmaṃ matprasādān na saṃśayaḥ //
Der glückselige Herr sprach: Alles Gute möge dir zuteilwerden; erlange alles, wie gewünscht - es wird geschehen, wie du begehrst, durch meine Gnade, kein Zweifel.
dann wirst du zum göttlichen Zustand gelangen, der für Götter und Asuras schwer zu erlangen ist, der alle Wünsche erfüllt, friedvoll, geheim, unmanifest, unvergänglich,
jenen, genannt das zu Erkennende, den höchsten Zustand, werde ich dir zeigen; nachdem du ihn erlangt hast, wirst du höchste Wonne, den höchsten Weg erlangen.
yāvat samudrāḥ saptaiva yāvan mervādiparvatāḥ / tiṣṭhanti divi devāś ca tāvat sarvatra cāvyayā //
solange die sieben Ozeane, solange der Meru und die anderen Berge, solange die Götter im Himmel bestehen - so lange wird er überall unvergänglich sein.
Ein Tīrtha namens Indradyumna-See, entstanden als Teil des Opfers - wo, nachdem man sich nur einmal gebadet hat, ein Mensch die Welt Indras erlangen wird,
wer an diesem schönen Ufer des Sees den Ahnen Opferkuchen darbringen lässt, wird einundzwanzig Generationen seiner Familie erretten und zur Welt Indras gehen.
āṣāḍhasya site pakṣe pañcamyāṃ pitṛdaivate / ṛkṣe neṣyanti nas tatra nītvā sapta dināni vai //
Im hellen Halbmonat des Āṣāḍha, am fünften Tag, unter dem den Ahnen zugehörigen Sternbild - dorthin werden sie uns führen, und nachdem sie uns sieben Tage geführt haben,
Wort für Wort
āṣāḍhasya site pakṣe
im hellen Halbmonat des Āṣāḍha
pañcamyām
am fünften Tag
pitṛdaivate ṛkṣe
unter dem den Ahnen zugehörigen Sternbild
neṣyanti
sie werden führen
naḥ
uns
tatra
dorthin
nītvā
nachdem geführt
sapta dināni
sieben Tage
vai
wahrlich
[Anm.: "pitṛdaivate ṛkṣe" bezieht sich vermutlich auf das Anurādhā-Nakṣatra, das traditionell mit den Ahnen (Pitṛs) assoziiert wird.]
brahmacārī yatiś caiva snātakāś ca dvijottamāḥ / vānaprasthā gṛhasthāś ca siddhāś cānye ca brāhmaṇāḥ //
der Brahmacārin und der Bettelmönch, die Snātakas, die besten der Zweifachgeborenen, die Waldeinsiedler und Householder, die Siddhas und andere Brahmanen,
werden mit Hymnen von mancherlei Silben und Worten, mit den Klängen von Ṛc, Yajus und Sāman, wiederum den Lobpreis von Rāma und Keśava vollziehen, o König,
tataḥ stutvā ca dṛṣṭvā ca saṃpraṇamya ca bhaktitaḥ / naro varṣāyutaṃ divyaṃ śrīmaddharipure vaset //
Dann wird der Mensch, nachdem er gepriesen und geschaut und sich mit Hingabe verneigt hat, zehntausend göttliche Jahre in der glanzvollen Stadt Haris wohnen,
mit einem sonnenfarbenen Himmelswagen, glänzend mit Juwelenketten, mit allen Wünschen erfüllt und großen Genüssen wird er in der besten der Welten verweilen,
und wenn der Verdienst der Askese erschöpft ist, wird er, hierher zurückgekehrt, als Mensch ein Brahmane werden - ein Herr von Millionen an Reichtum, glanzvoll, gewiss ein Kenner der vier Veden.
Wort für Wort
tapaḥkṣayāt
wegen der Erschöpfung der Askese (des Verdienstes)
Brahmā sprach: Nachdem er ihm so die Gabe gewährt und ein Versprechen gemacht hatte, entschwand Hari, o Brahmanen, zusammen mit Viśvakarman, dem Blick.
sa tu rājā tadā hṛṣṭo romāñcitatanūruhaḥ / kṛtakṛtyam ivātmānaṃ mene saṃdarśanād dhareḥ //
Jener König aber, erfreut, mit von Freudenschauern gesträubten Körperhaaren, hielt sich, wegen des Anblicks Haris, für einen, dessen Aufgabe erfüllt war,
mit dem Schall mancherlei Instrumente, mit mancherlei schönen Vedaklängen, und nachdem er sie an einem schönen, reinen, sehr bezaubernden Ort aufgestellt hatte,
vollzog er dann, an einem günstigen Tag, zu günstiger Zeit, unter einem Sternbild von günstigem Zeichen, zu einer guten Stunde, zusammen mit den Brahmanen, die Weihe,
nach der vorgeschriebenen Vorschrift, mit dem in der Vorschrift gesehenen Ritus, ganz nach der Zustimmung des Lehrmeisters, nachdem der Herr der Erde alles vollzogen hatte,
und nachdem er die Weihe vorschriftsmäßig im Tempel, dem besten der Gebäude, vollzogen hatte, stellte er sie alle mit dem in der Vorschrift gesehenen Ritus auf,
dann, nachdem er sie nach der Vorschrift verehrt hatte, mit mancherlei wohlduftenden Blumen, mit Gold, Edelsteinen, Perlen und dergleichen, mit mancherlei sehr schönen Gewändern,
so, nachdem er vielerlei gegeben, die Königsherrschaft ausgeübt hatte, wie es sich gebührt, und mit mancherlei Opfern geopfert und vielfach Gaben gegeben hatte,
Nachdem sie so das Wort jenes aus dem Unmanifesten geborenen Brahmā gehört hatten, hielten es die Brahmanen für ein Wunder und fragten wieder mit Freude:
Wort für Wort
śrutvā
nachdem gehört
evam
so
vacanam
das Wort
tasya
jenes
brahmaṇaḥ
Brahmās
avyaktajanmanaḥ
des aus dem Unmanifesten Geborenen
āścaryam
ein Wunder
menire
sie hielten für
viprāḥ
die Brahmanen
papracchuḥ
sie fragten
ca punaḥ
und wieder
mudā
mit Freude
[Anm.: Der Sprecher-Tag im Original lautet an dieser Stelle irrtümlich "{viṣṇur uvāca:}", obwohl der Inhalt eindeutig eine Erzähler-Aussage über die (äußeren) Zuhörer der Brahmā-Erzählung ist - vermutlich ein Fehler im Quelltext für den eigentlichen äußeren Erzähler (Sūta/Lomaharṣaṇa). Als Quelltextfehler dokumentiert, nicht stillschweigend korrigiert.]
Die Munis sprachen: Zu welcher Zeit, o Bester der Götter, soll man zu Puruṣottama gehen, und mit welcher Vorschrift soll das 'Fünf-Tīrtha'-Ritual, o Herr, vollzogen werden,
Brahmā sprach: Wer nahrungslos in Kurukṣetra auf einem einzigen Fuß Askese übt, mit bezwungenen Sinnen und bezwungenem Zorn, siebzigtausend Jahre,
Wort für Wort
nirāhāraḥ
nahrungslos
kurukṣetre
in Kurukṣetra
pādena ekena
auf einem einzigen Fuß
yaḥ tapet
wer Askese übt
jitendriyaḥ
mit bezwungenen Sinnen
jitakrodhaḥ
mit bezwungenem Zorn
saptasaṃvatsarāyutam
siebzigtausend Jahre
[Anm.: "saptasaṃvatsarāyutam" wörtlich "sieben Ayutas (Zehntausend) von Jahren" = 70.000 Jahre - eine ungewöhnliche, aber für Purāṇa-Zeitangaben typische astronomisch übertriebene Zahl.]
wer stets, am zwölften Tag der hellen Monatshälfte des Jyeṣṭha, nachdem er gefastet hat, Puruṣottama erblickt, erlangt eine noch größere Frucht als jenes asketische Verdienst.
Wort für Wort
dṛṣṭvā
nachdem erblickt
sadā
stets
jyeṣṭhaśukladvādaśyām
am zwölften Tag der hellen Monatshälfte des Jyeṣṭha
Deshalb, o beste der Munis, soll im Jyeṣṭha, mit Anstrengung, von den wohlbeherrschten, den Himmel begehrenden Brahmanen und anderen, Puruṣottama geschaut werden,
Wort für Wort
tasmāt
deshalb
jyeṣṭhe
im Jyeṣṭha
muniśreṣṭhāḥ
o beste der Munis
prayatnena
mit Anstrengung
susaṃyataiḥ
von den wohlbeherrschten
svargalokepsuviprādyaiḥ
von den den Himmel begehrenden Brahmanen und anderen
nachdem der beste der Menschen im Jyeṣṭha vorschriftsmäßig das 'Fünf-Tīrtha'-Ritual vollzogen hat, soll er am zwölften Tag der hellen Monatshälfte jenen Puruṣottama erblicken,
Deshalb soll man im Jyeṣṭha mit Anstrengung dorthin gehen, o beste der Zweifachgeborenen; nachdem man dort das 'Fünf-Tīrtha' vollzogen hat, soll Puruṣottama geschaut werden.
Wer aus der Ferne den Diskus Haris erblickt, der über dem Tempel steht, wird sofort von seinen Sünden befreit, wenn er sich mit Hingabe davor verneigt.