Kapitel 32: mārtaṇḍajanmasaṃjñopākhyānam
Die Geburt des Mārtaṇḍa und die Erzählung von Saṃjñā, Chāyā und der Formung der Sonnengestalt durch Viśvakarman
Auf die Frage der Weisen, wie der ewige, eigenschaftslose Sonnengott zwölffach aus einem Frauenschoß geboren werden konnte, erzählt Brahmā den Mythos von Aditi: nachdem Daityas und Dānavas den Göttern die drei Welten und die Opferanteile geraubt hatten, erwirkt Aditi durch strenge Askese und einen Lobpreis Savitṛs dessen Erscheinen; der Sonnengott verspricht, sich zu einem Tausendstel als ihr Sohn zu inkarnieren. Es folgt die Geburt des feuerglühenden Embryos, Kaśyapas Zorn und Aditis Reaktion, die Enthüllung von dessen Namen 'Mārtaṇḍa' (vom 'toten Ei') durch eine körperlose Himmelsstimme, sowie der Sieg über die Asuras. Der zweite Teil (V.48-107) erzählt die berühmte Saṃjñā-Chāyā-Erzählung: Saṃjñā, Tochter des Tvaṣṭṛ/Viśvakarman, erträgt Vivasvats übermäßigen Glanz nicht, ersetzt sich heimlich durch ihren Schatten Chāyā und flieht als Stute in den Norden; Chāyās Bevorzugung der eigenen Kinder führt zum Fluch Yamas verstümmeltem Fuß (Ursprungsmythos für ein Leiden des Totengottes) und zur Entdeckung des Betrugs; Viśvakarman formt schließlich auf einer Drehscheibe in Śākadvīpa unter kosmischen Erschütterungen und dem Lobpreis aller Götter, Gandharven und Apsaras Vivasvats übermäßigen Glanz zu einer lieblicheren Gestalt.
{Die Weisen sprachen:} Der eigenschaftslose, ewige Gott, der Tagmacher, wurde von dir genannt; dass er wiederum zwölffach geboren wurde, haben wir von dir, [wie] gesagt, gehört.
sa kathaṃ tejaso raśmiḥ striyā garbhe mahādyutiḥ / saṃbhūto bhāskaro jātas tatra naḥ saṃśayo mahān //
Wie ist er, ein Strahl von Glanz, der Hochglänzende, im Schoß einer Frau entstanden und als Bhāskara geboren worden — darüber besteht bei uns großer Zweifel.
Der Schöpfer, der Beste der Brahmankenner, der Höchststehende, der Prajāpati, machte die Götter zu Opfergenießern und ebenso zu Herren der drei Welten.
Die drei Welten geschlagen sehend, o ihr Besten der Weisen, und ihre Söhne, denen die Opferanteile geraubt und die heftig von Hunger gequält waren, [entschloss sich Aditi]...
...zur Verehrung Savitṛs höchste Anstrengung zu unternehmen; einsinnig, mit geregelter Nahrung, höchste Entsagung übend, pries sie den Glanzhaufen, den im Himmel weilenden Tagmacher.
{Aditi sprach:} Verehrung dir, dem höchsten Feinen, sehr Heiligen, der das unvergleichliche Glanzhaus trägt, dem Herrn der Glanzhabenden und ewigen Träger des Glanzes.
Verehrung jener mit Feuer und Soma vereinten, aus den Guṇas bestehenden Gestalt; jene Gestalt von dir, die durch die Einheit von Ṛc, Yajus und Sāman erhitzt...
...dieses ganze All, das mit dem Namen 'die Dreiheit' [der drei Veden] bezeichnet wird — Verehrung jener Gestalt, o Lichtträger. Und jener Gestalt, die höher ist als diese, die mit dem Wort 'Om' verbunden ist, weder grob noch fein, makellos — Verehrung jener, o Ewiger.
{Brahmā sprach:} So verrichtete die entsagende Göttin Tag und Nacht den Lobpreis, ohne Nahrung, in der Absicht, Vivasvat zu verehren, o Zweifachgeborene.
sā dadarśa mahākūṭaṃ tejaso 'mbarasaṃvṛtam / bhūmau ca saṃsthitaṃ bhāsvaj-jvālābhir atidurdṛśam / taṃ dṛṣṭvā ca tato devī sādhvasaṃ paramaṃ gatā //
Sie erblickte einen gewaltigen Gipfel aus Glanz, den Himmel bedeckend, und auf der Erde stehend, mit leuchtenden Flammen, sehr schwer anzusehen; ihn erblickend, geriet die Göttin darauf in höchste Furcht.
jagadādya prasīdeti na tvāṃ paśyāmi gopate / prasādaṃ kuru paśyeyaṃ yad rūpaṃ te divākara / bhaktānukampaka vibho tvadbhaktān pāhi me sutān //
{Aditi sprach:} 'O Uranfang der Welt, sei gnädig!' — ich sehe dich nicht, o Herr der Erde; erweise Gnade, dass ich jene [mildere] Gestalt von dir sehen möge, o Tagmacher; du, der die Hingebungsvollen bemitleidet, o Herrscher, beschütze meine Söhne, deine Anhänger.
Wort für Wort
jagat-ādya prasīda iti
'O Uranfang der Welt, sei gnädig', so [sprechend]
na tvām paśyāmi gopate
ich sehe dich nicht, o Herr der Erde
prasādam kuru paśyeyam
erweise Gnade, dass ich sehen möge
yat rūpam te divākara
jene Gestalt von dir, o Tagmacher
bhakta-anukampaka vibho
o Erbarmer der Hingebungsvollen, Herrscher
tvat-bhaktān pāhi me sutān
beschütze deine Anhänger, meine Söhne
[Anm.: Im Original springt die Verszählung von V.19 direkt zu V.21 (kein separater Vers 20 vorhanden); die hier unter Nummer 21 stehende Rede umfasst drei Zeilen (sechs Padas) statt der üblichen zwei — offenbar eine Zähl-Anomalie der Quelle, hier unverändert wiedergegeben.]
Dann sprach der Leuchtende zu jener sich verneigenden Göttin, nachdem sie ihn zuvor nicht hatte sehen können, o Zweifachgeborene: 'Erwähle eine Gabe von mir, welche du wünschst.'
deva prasīda putrāṇāṃ hṛtaṃ tribhuvanaṃ mama / yajñabhāgāś ca daiteyair dānavaiś ca balādhikaiḥ //
{Aditi sprach:} O Gott, sei gnädig — meinen Söhnen wurden die drei Welten geraubt, und die Opferanteile, von den Daiteyas und den an Kraft überlegenen Dānavas.
Aus diesem Grund erweise du mir Gnade, o Herr der Erde; mit einem Teil [von dir], zu ihrer Bruderschaft gehend [als einer von ihnen geboren], werde ich jene Feinde vernichten [lassen].
Wort für Wort
tat-nimittam prasādam tvam
aus diesem Grund Gnade du
kuruṣva mama gopate
erweise mir, o Herr der Erde
aṃśena teṣām bhrātṛtvam
mit einem Teil, zu ihrer Bruderschaft
gatvā tān nāśaye ripūn
gehend, werde ich jene Feinde vernichten
[Anm.: Die grammatische Konstruktion ist etwas unklar; gemeint ist offenbar der künftige, aus einem Teil der Sonne geborene Sohn, der die Feinde vernichten wird — von Aditi hier proleptisch als eigenes Handeln ausgedrückt.]
{Brahmā sprach:} Dann sprach der erhabene Bhāskara, der Wasser-Räuber, zu jener sich verneigenden Aditi, o Brahmanen, der Herrscher, mit gnadenvollem Antlitz.
{Die Sonne sprach:} Mit einem Tausendstel [meiner selbst] werde ich, ganz zu deinem Embryo geworden, fähig, die Feinde deiner Söhne rasch und zufrieden vernichten.
{Brahmā sprach:} So gesprochen habend, entschwand der erhabene Leuchtende; auch sie ließ von der Askese ab, nachdem sie alles Gewünschte erlangt hatte.
tato raśmisahasrāt tu suṣumnākhyo raveḥ karaḥ / tataḥ saṃvatsarasyānte tatkāmapūraṇāya saḥ //
Dann, von den tausend Strahlen, ging der mit Namen 'Suṣumnā' bezeichnete Strahl der Sonne hervor; dann, am Ende des Jahres, nahm er, um jenen Wunsch zu erfüllen...
'Mit reinem Sinn trage ich dieses göttliche Embryo' — [so sprach sie], o Zweifachgeborene; darauf sprach Kaśyapa zu ihr, mit ein wenig Zorn in seinen Worten getränkt.
kiṃ mārayasi garbhāṇḍam iti nityopavāsinī / sā ca taṃ prāha garbhāṇḍam etat paśyeti kopanā / na māritaṃ vipakṣāṇāṃ mṛtyur eva bhaviṣyati //
{Kaśyapa sprach:} 'Warum tötest du das Embryo-Ei, du, die du beständig fastest?' {Brahmā sprach:} Sie aber sprach zornig zu ihm: 'Sieh, dies ist das Embryo-Ei — es wurde nicht getötet; es wird eben der Tod der Widersacher sein.'
Wort für Wort
kim mārayasi garbha-aṇḍam
warum tötest du das Embryo-Ei
iti nitya-upavāsinī
so, du beständig Fastende
sā ca tam prāha garbha-aṇḍam etat paśya iti kopanā
sie aber sprach zornig zu ihm: sieh dieses Embryo-Ei
na māritam vipakṣāṇām mṛtyuḥ eva bhaviṣyati
es wurde nicht getötet, es wird der Tod der Widersacher sein
So gesprochen habend, brachte damals die Kindlungsholz-der-Götter [Aditi] jenes Embryo hervor, das vor Glanz loderte, durch die Worte ihres Gatten erzürnt.
{Die Stimme sprach:} 'Getötet' hast du dieses Ei der Aditi genannt; deshalb, o Weiser, wird dieser dein Sohn den Namen 'Mārtaṇḍa' [Vom-toten-Ei-Stammender] tragen.
Wort für Wort
māritam iti proktam
'getötet', so genannt
etat aṇḍam tvayā aditeḥ
dieses Ei von dir, der Aditi
tasmāt mune sutaḥ te ayam
deshalb, o Weiser, dieser dein Sohn
mārtaṇḍa-ākhyaḥ bhaviṣyati
wird 'Mārtaṇḍa' genannt werden
[?] 'māritaṃtepataḥ' ist textlich unsicher/korrupt; hier sinngemäß im Zusammenhang mit Kaśyapas Frage in V.35 ('mārayasi garbhāṇḍam') und der folgenden Namensdeutung ('Mārtaṇḍa' von mṛta-aṇḍa, 'totes Ei') wiedergegeben.
Und dieser wird die Asuras töten, die Feinde, die die Opferanteile rauben. Die Götter, dieses aus dem Himmel gekommene Wort vernehmend, [freuten sich];
saha devair mudā yukto dānavāś ca tam abhyayuḥ / teṣāṃ yuddham abhūd ghoraṃ devānām asuraiḥ saha //
Zusammen mit den Göttern, von Freude erfüllt, [zog er aus]; und die Dānavas zogen ihm entgegen; ein schrecklicher Kampf entstand zwischen ihnen, den Göttern zusammen mit den Asuras.
[Ein Kampf,] bei dem durch den Regen von Waffen und Geschossen der ganze Zwischenraum der Welten entflammt wurde; in jenem Kampf, von dem erhabenen Mārtaṇḍa angeschaut...
Wort für Wort
śastra-astra-vṛṣṭi-saṃdīpta
durch den Regen von Waffen und Geschossen entflammt
Sie priesen den Ursprung der Glanzhaften, Mārtaṇḍa, und ebenso Aditi; dann erlangten sie ihre eigenen Herrschaftsbereiche und die Opferanteile wie zuvor.
bhagavān api mārtaṇḍaḥ svādhikāram athākarot / kadambapuṣpavad bhāsvān adhaś cordhvaṃ ca raśmibhiḥ / vṛto 'gnipiṇḍasadṛśo dadhre nātisphuṭaṃ vapuḥ //
Auch der erhabene Mārtaṇḍa übernahm dann seine eigene Herrschaft; wie eine Kadamba-Blüte leuchtend, unten und oben von Strahlen umgeben, einem Feuerball ähnlich, trug er eine nicht sehr deutliche Gestalt.
{Brahmā sprach:} Tvaṣṭṛ gab jenem Vivasvat seine Tochter mit Namen Saṃjñā; sich verneigend, ihn zufriedenstellend, [gab] Viśvakarman, der Prajāpati, [sie ihm].
imau ca bālakau mahyaṃ kanyā ca varavarṇinī / saṃbhāvyā naiva cākhyeyam idaṃ bhagavate tvayā //
Und diese beiden Knaben, mir gehörig, und die Tochter von vortrefflicher Farbe sollen von dir geachtet werden; und dies soll von dir dem Erhabenen nicht mitgeteilt werden.
Wort für Wort
imau ca bālakau mahyam
und diese beiden Knaben, mir [gehörig]
kanyā ca vara-varṇinī
und die Tochter von vortrefflicher Farbe
saṃbhāvyā na eva ca ākhyeyam
sollen geachtet werden, und nicht soll mitgeteilt werden
{Chāyā sprach:} Bis zum Ergreifen der Haare, o Göttin, bis zum Fluch werde ich es niemals mitteilen; das ist meine Zustimmung zu dir — geh, wohin du wünschst.
'Geh in die Nähe deines Gatten', immer wieder von ihrem Vater dazu aufgefordert, kam sie, eine Stute geworden, dann zu den Kurus und weiter in den Norden.
tatra tepe tapaḥ sādhvī nirāhārā dvijottamāḥ / pituḥ samīpaṃ yātāyāṃ saṃjñāyāṃ vākyatatparā //
Dort übte die Tugendhafte Askese, ohne Nahrung, o ihr Besten der Zweifachgeborenen — während Saṃjñā zum Vater gegangen war, [blieb Chāyā] ihrem Wort ergeben.
...ebenso zwei Söhne und eine Tochter. Die 'irdische Saṃjñā' [Chāyā] aber erwies ihren eigenen Kindern...
Wort für Wort
tathā eva janayām āsa
ebenso zeugte sie
dvau putrau kanyakām tathā
zwei Söhne und eine Tochter
saṃjñā tu pārthivī
die 'irdische Saṃjñā' aber
teṣām ātmajānām tathā akarot
erwies ihren eigenen Kindern so
[Anm.: Ab hier wird Chāyā, die Saṃjñās Rolle übernommen hat, offenbar auch als 'Saṃjñā' bezeichnet ('saṃjñā tu pārthivī', 'die irdische Saṃjñā', zur Unterscheidung von der 'wahren' Saṃjñā); der Text unterscheidet beide nicht immer terminologisch scharf.]
bahudhā pīḍyamānas tu pituḥ patyā suduḥkhitaḥ / sa vai kopāc ca bālyāc ca bhāvino 'rthasya vai balāt / padā saṃtarjayām āsa na tu dehe nyapātayat //
Vielfach bedrängt von der Gattin des Vaters, sehr betrübt, drohte er ihr wahrlich aus Zorn und aus Kindlichkeit und durch die Macht einer künftigen Sache mit dem Fuß, ließ ihn aber nicht auf ihren Körper niederfallen.
snehena tulyam asmāsu mātā deva na vartate / visṛjya jyāyasaṃ bhaktyā kanīyāṃsaṃ bubhūṣati //
{Yama sprach:} Mit Zuneigung verhält sich die Mutter uns gegenüber nicht gleich, o Gott; den Älteren zurücksetzend, wünscht sie mit Vorliebe den Jüngeren zu begünstigen.
tasyāṃ mayodyataḥ pādo na tu dehe nipātitaḥ / bālyād vā yadi vā mohāt tad bhavān kṣantum arhasi //
Gegen sie habe ich den Fuß erhoben, ihn aber nicht auf ihren Körper fallen lassen, sei es aus Kindlichkeit oder aus Verblendung — das mögest du verzeihen.
śapto 'haṃ tāta kopena jananyā tanayo yataḥ / tato manye na jananīm imāṃ vai tapatāṃ vara //
Verflucht wurde ich, Vater, aus Zorn, obwohl ich der Sohn der Mutter bin; deshalb halte ich sie, o Bester der Erhitzenden, wahrlich nicht für meine wahre Mutter.
{Die Sonne sprach:} Zweifellos wird hierfür, mein Sohn, ein großer Grund vorliegen, durch den der Zorn dich, den Dharma-Kundigen, Dharma-Gesinnten, überkam.
ādityas tv abravīc chāyāṃ kimarthaṃ tanayeṣu vai / tulyeṣv apy adhikaḥ sneha ekaṃ prati kṛtas tvayā //
{Brahmā fuhr fort:} Āditya aber sprach zu Chāyā: 'Weshalb ist bei den Söhnen, die doch gleich sind, von dir größere Zuneigung dem einen gegenüber erwiesen worden?'
'Gewiss bist du nicht ihrer aller Mutter — du bist irgendeine [andere], die als Saṃjñā gekommen ist; selbst bei tugendlosen Kindern wird eine wahre Mutter keinen Fluch geben.'
sā tatpariharantī ca śāpād bhītā tadā raveḥ / kathayām āsa vṛttāntaṃ sa śrutvā śvaśuraṃ yayau //
Sie, dies vermeidend, aber aus Furcht vor dem Fluch der Sonne, erzählte damals die ganze Begebenheit; er, dies gehört habend, ging zu seinem Schwiegervater.
sa cāpi taṃ yathānyāyam arcayitvā tadā ravim / nirdagdhukāmaṃ roṣeṇa sāntvayānas tam abravīt //
Und auch jener [Schwiegervater], die Sonne, die vor Zorn [alles] verbrennen wollte, vorschriftsgemäß verehrt habend, besänftigte sie und sprach zu ihr:
tavātitejasā vyāptam idaṃ rūpaṃ suduḥsaham / asahantī tu tat saṃjñā vane carati vai tapaḥ //
{Viśvakarman sprach:} Diese deine von übermäßigem Glanz durchdrungene Gestalt ist sehr schwer zu ertragen; diese nicht ertragend, übt Saṃjñā wahrlich Askese im Wald.
bhramatāśeṣajagatāṃ nābhibhūtena bhāsvatā / samudrādrivanopetā tv āruroha mahī nabhaḥ //
Da die gesamte Welt kreiste, ohne vom Leuchtenden überwältigt zu werden, erhob sich die Erde samt Meeren, Bergen und Wäldern in den Himmel.
Wort für Wort
bhramatā aśeṣa-jagatām
während die gesamte Welt kreiste
na abhibhūtena bhāsvatā
ohne vom Leuchtenden überwältigt zu werden
samudra-adri-vana-upetā
samt Meeren, Bergen und Wäldern
tu āruroha mahī nabhaḥ
erhob sich die Erde in den Himmel
[Anm.: Der Satzbau ist elliptisch und schwer eindeutig zu erschließen; Sinn scheint zu sein, dass die gesamte Welt durch die Drehung des Sonnenglanzes in Aufruhr geriet, ohne von dessen Kraft unmittelbar vernichtet zu werden.]
Von dem durch die heftige, wirbelnde Erschütterung erzeugten Wind zu Tausenden fortgeschleudert, zerstoben die großen Wolken, schreckliches Getöse von sich gebend.
Agni und die anderen priesen, von Freude erfüllt, den geschliffen werdenden Leuchtenden: 'Du, Herr, bist die Erlösung der nach Erlösung Strebenden, du bist der höchste, zu Meditierende der Meditierenden;'
Wort für Wort
agniḥ ādyāḥ ca bhāsvantam
Agni und die anderen den Leuchtenden
likhyamānam mudā yutāḥ
den Geschliffenwerdenden, von Freude erfüllt
tvam nātha mokṣiṇām mokṣaḥ
du, Herr, bist die Erlösung der nach Erlösung Strebenden
dhyeyaḥ tvam dhyāninām paraḥ
zu Meditierender bist du, der höchste, der Meditierenden
tvaṃ gatiḥ sarvabhūtānāṃ karmakāṇḍavivartinām / saṃpūjyas tvaṃ tu deveśa śaṃ no 'stu jagatāṃ pate //
'du bist das Ziel aller Wesen, die im Kreis der ritualen Werke sich drehen; verehrungswürdig bist du, o Herr der Götter — Heil sei uns, o Herr der Welten!'
...begannen, der Sonne zuzusingen, kundig im Gandharva-Gesang, erfahren in der dreifachen Gesangskunst von Ṣaḍja, Madhyama und Gāndhāra [den musikalischen Tonarten].
na tu nirbhartsitaṃ rūpaṃ tejaso hananena tu / kāntāt kāntataraṃ rūpam adhikaṃ śuśubhe tataḥ //
Doch nicht wurde die Gestalt durch die Verminderung des Glanzes herabgesetzt; eine noch lieblichere Gestalt als die liebliche erstrahlte danach umso mehr.
So gelangt, wer von dieser Abschleifung an jenem Gott vernimmt, der die Ursache von Schnee, Wasser und Hitze [den Jahreszeiten] ist, von Hara [Śiva], dem Lotusthronenden [Brahmā] und Viṣṇu gepriesen — an das Ende seines Lebens gelangt, in die Welt der Sonne (Divākara).
Wort für Wort
iti hima-jala-gharma-kāla-hetoḥ
so von der Ursache von Schnee, Wasser, Hitze [den Jahreszeiten]
hara-kamalāsana-viṣṇu-saṃstutasya
von Hara, dem Lotusthronenden und Viṣṇu gepriesen
tat-upari likhanam niśamya bhānoḥ
von dieser Abschleifung der Sonne vernehmend
vrajati divākara-lokam āyuṣaḥ ante
gelangt er an das Lebensende in die Welt der Sonne
[Anm.: Dieser Vers steht, wie mehrfach zuvor beobachtet, in einem abweichenden Versmaß (vier Padas mit Buchstabenkennzeichnung a-d statt fortlaufender Versnummer) und wurde daher als eine Einheit zusammengefasst.]