Quellen der Menschheit

Brahma-Purāṇa

Kapitel 32: mārtaṇḍajanmasaṃjñopākhyānam Die Geburt des Mārtaṇḍa und die Erzählung von Saṃjñā, Chāyā und der Formung der Sonnengestalt durch Viśvakarman

Auf die Frage der Weisen, wie der ewige, eigenschaftslose Sonnengott zwölffach aus einem Frauenschoß geboren werden konnte, erzählt Brahmā den Mythos von Aditi: nachdem Daityas und Dānavas den Göttern die drei Welten und die Opferanteile geraubt hatten, erwirkt Aditi durch strenge Askese und einen Lobpreis Savitṛs dessen Erscheinen; der Sonnengott verspricht, sich zu einem Tausendstel als ihr Sohn zu inkarnieren. Es folgt die Geburt des feuerglühenden Embryos, Kaśyapas Zorn und Aditis Reaktion, die Enthüllung von dessen Namen 'Mārtaṇḍa' (vom 'toten Ei') durch eine körperlose Himmelsstimme, sowie der Sieg über die Asuras. Der zweite Teil (V.48-107) erzählt die berühmte Saṃjñā-Chāyā-Erzählung: Saṃjñā, Tochter des Tvaṣṭṛ/Viśvakarman, erträgt Vivasvats übermäßigen Glanz nicht, ersetzt sich heimlich durch ihren Schatten Chāyā und flieht als Stute in den Norden; Chāyās Bevorzugung der eigenen Kinder führt zum Fluch Yamas verstümmeltem Fuß (Ursprungsmythos für ein Leiden des Totengottes) und zur Entdeckung des Betrugs; Viśvakarman formt schließlich auf einer Drehscheibe in Śākadvīpa unter kosmischen Erschütterungen und dem Lobpreis aller Götter, Gandharven und Apsaras Vivasvats übermäßigen Glanz zu einer lieblicheren Gestalt.

nirguṇaḥ śāśvato devas tvayā prokto divākaraḥ / punar dvādaśadhā jātaḥ śruto 'smābhis tvayoditaḥ //

{Die Weisen sprachen:} Der eigenschaftslose, ewige Gott, der Tagmacher, wurde von dir genannt; dass er wiederum zwölffach geboren wurde, haben wir von dir, [wie] gesagt, gehört.

Wort für Wort
nirguṇaḥ śāśvataḥ devaḥ
der eigenschaftslose, ewige Gott
tvayā proktaḥ divākaraḥ
von dir genannt, der Tagmacher
punar dvādaśadhā jātaḥ
wiederum zwölffach geboren
śrutaḥ asmābhiḥ tvayā uditaḥ
gehört von uns, von dir gesagt

sa kathaṃ tejaso raśmiḥ striyā garbhe mahādyutiḥ / saṃbhūto bhāskaro jātas tatra naḥ saṃśayo mahān //

Wie ist er, ein Strahl von Glanz, der Hochglänzende, im Schoß einer Frau entstanden und als Bhāskara geboren worden — darüber besteht bei uns großer Zweifel.

Wort für Wort
sa katham tejasaḥ raśmiḥ
wie ist er, ein Strahl von Glanz
striyā garbhe mahādyutiḥ
im Schoß einer Frau, der Hochglänzende
saṃbhūtaḥ bhāskaraḥ jātaḥ
entstanden, als Bhāskara geboren
tatra naḥ saṃśayaḥ mahān
darüber ist unser Zweifel groß

dakṣasya hi sutāḥ śreṣṭhā babhūvuḥ ṣaṣṭiḥ śobhanāḥ / aditir ditir danuś caiva vinatādyās tathaiva ca //

{Brahmā sprach:} Dakṣas vortreffliche Töchter waren wahrlich sechzig an der Zahl, schön: Aditi, Diti und Danu, und ebenso Vinatā u.a.

Wort für Wort
dakṣasya hi sutāḥ śreṣṭhāḥ
Dakṣas vortreffliche Töchter wahrlich
babhūvuḥ ṣaṣṭiḥ śobhanāḥ
waren sechzig, schön
aditiḥ ditiḥ danuḥ ca eva
Aditi, Diti und Danu
vinatā-ādyāḥ tathā eva ca
und ebenso Vinatā u.a.

dakṣas tāḥ pradadau kanyāḥ kaśyapāya trayodaśa / aditir janayām āsa devāṃs tribhuvaneśvarān //

Dakṣa gab dreizehn dieser Töchter dem Kaśyapa; Aditi gebar die Götter, die Herren der drei Welten.

Wort für Wort
dakṣaḥ tāḥ pradadau kanyāḥ
Dakṣa gab diese Töchter
kaśyapāya trayodaśa
dem Kaśyapa, dreizehn
aditiḥ janayām āsa devān
Aditi gebar die Götter
tribhuvana-īśvarān
die Herren der drei Welten

daityān ditir danuś cogrān dānavān baladarpitān / vinatādyās tathā cānyāḥ suṣuvuḥ sthānujaṅgamān //

Diti gebar die Daityas, und Danu die schrecklichen, an Kraft übermütigen Dānavas; Vinatā u.a. andere gebaren die unbeweglichen und beweglichen Wesen.

Wort für Wort
daityān ditiḥ
die Daityas Diti
danuḥ ca ugrān dānavān bala-darpitān
und Danu die schrecklichen, an Kraft übermütigen Dānavas
vinatā-ādyāḥ tathā ca anyāḥ
Vinatā u.a. andere
suṣuvuḥ sthānu-jaṅgamān
gebaren die unbeweglichen und beweglichen Wesen

tasyātha putradauhitraiḥ pautradauhitrakādibhiḥ / vyāptam etaj jagat sarvaṃ teṣāṃ tāsāṃ ca vai mune //

Von dessen Söhnen und Tochtersöhnen, Enkeln und Enkeltöchtern usw. ist diese ganze Welt durchdrungen, von diesen Söhnen und diesen Töchtern, o Weiser.

Wort für Wort
tasya atha putra-dauhitraiḥ
von dessen Söhnen und Tochtersöhnen
pautra-dauhitraka-ādibhiḥ
Enkeln, Enkeltöchtern usw.
vyāptam etat jagat sarvam
durchdrungen ist diese ganze Welt
teṣām tāsām ca vai mune
von diesen und diesen, o Weiser

teṣāṃ kaśyapaputrāṇāṃ pradhānā devatāgaṇāḥ / sāttvikā rājasāś cānye tāmasāś ca gaṇāḥ smṛtāḥ //

Unter diesen Söhnen des Kaśyapa sind die Götterscharen die vornehmsten; als sattvig, andere als rajasig und tamasig gelten die übrigen Scharen.

Wort für Wort
teṣām kaśyapa-putrāṇām
unter diesen Söhnen des Kaśyapa
pradhānāḥ devatā-gaṇāḥ
sind die Götterscharen die vornehmsten
sāttvikāḥ rājasāḥ ca anye
sattvig, andere rajasig
tāmasāḥ ca gaṇāḥ smṛtāḥ
und tamasig gelten die Scharen

devān yajñabhujaś cakre tathā tribhuvaneśvarān / sraṣṭā brahmavidāṃ śreṣṭhaḥ parameṣṭhī prajāpatiḥ //

Der Schöpfer, der Beste der Brahmankenner, der Höchststehende, der Prajāpati, machte die Götter zu Opfergenießern und ebenso zu Herren der drei Welten.

Wort für Wort
devān yajña-bhujaḥ cakre
machte die Götter zu Opfergenießern
tathā tribhuvana-īśvarān
und ebenso zu Herren der drei Welten
sraṣṭā brahmavidām śreṣṭhaḥ
der Schöpfer, der Beste der Brahmankenner
parameṣṭhī prajāpatiḥ
der Höchststehende, der Prajāpati

tān abādhanta sahitāḥ sāpatnyād daityadānavāḥ / tato nirākṛtān putrān daiteyair dānavais tathā //

Diese bedrängten die vereinten Daityas und Dānavas aus Rivalität; dann wurden die Söhne von den Daiteyas und ebenso den Dānavas vertrieben.

Wort für Wort
tān abādhanta sahitāḥ
diese bedrängten die vereinten
sāpatnyāt daitya-dānavāḥ
Daityas und Dānavas aus Rivalität
tataḥ nirākṛtān putrān
dann die vertriebenen Söhne
daiteyaiḥ dānavaiḥ tathā
von den Daiteyas und ebenso den Dānavas

hataṃ tribhuvanaṃ dṛṣṭvā aditir munisattamāḥ / ācchinad yajñabhāgāṃś ca kṣudhā saṃpīḍitān bhṛśam //

Die drei Welten geschlagen sehend, o ihr Besten der Weisen, und ihre Söhne, denen die Opferanteile geraubt und die heftig von Hunger gequält waren, [entschloss sich Aditi]...

Wort für Wort
hatam tribhuvanam dṛṣṭvā
die geschlagenen drei Welten sehend
aditiḥ munisattamāḥ
Aditi, o Beste der Weisen
ācchinat yajña-bhāgān ca
und die geraubten Opferanteile
kṣudhā saṃpīḍitān bhṛśam
heftig von Hunger gequält

ārādhanāya savituḥ paraṃ yatnaṃ pracakrame / ekāgrā niyatāhārā paraṃ niyamam āsthitā / tuṣṭāva tejasāṃ rāśiṃ gaganasthaṃ divākaram //

...zur Verehrung Savitṛs höchste Anstrengung zu unternehmen; einsinnig, mit geregelter Nahrung, höchste Entsagung übend, pries sie den Glanzhaufen, den im Himmel weilenden Tagmacher.

Wort für Wort
ārādhanāya savituḥ
zur Verehrung Savitṛs
param yatnam pracakrame
unternahm sie höchste Anstrengung
ekāgrā niyata-āhārā
einsinnig, mit geregelter Nahrung
param niyamam āsthitā
höchste Entsagung übend
tuṣṭāva tejasām rāśim
pries sie den Glanzhaufen
gagana-stham divākaram
den im Himmel weilenden Tagmacher

namas tubhyaṃ paraṃ sūkṣmaṃ supuṇyaṃ bibhrate 'tulam / dhāma dhāmavatām īśaṃ dhāmādhāraṃ ca śāśvatam //

{Aditi sprach:} Verehrung dir, dem höchsten Feinen, sehr Heiligen, der das unvergleichliche Glanzhaus trägt, dem Herrn der Glanzhabenden und ewigen Träger des Glanzes.

Wort für Wort
namaḥ tubhyam param sūkṣmam
Verehrung dir, dem höchsten Feinen
supuṇyam bibhrate atulam
dem sehr Heiligen, unvergleichlich Tragenden
dhāma dhāmavatām īśam
das Glanzhaus, den Herrn der Glanzhabenden
dhāma-ādhāram ca śāśvatam
und den ewigen Träger des Glanzes

jagatām upakārāya tvām ahaṃ staumi gopate / ādadānasya yad rūpaṃ tīvraṃ tasmai namāmy aham //

Zum Wohl der Welten preise ich dich, o Herr der Erde; vor jener heftigen Gestalt, die du beim Aufnehmen [des Wassers] annimmst, verneige ich mich.

Wort für Wort
jagatām upakārāya
zum Wohl der Welten
tvām aham staumi gopate
preise ich dich, o Herr der Erde
ādadānasya yat rūpam tīvram
die heftige Gestalt des Aufnehmenden
tasmai namāmi aham
vor jener verneige ich mich

grahītum aṣṭamāsena kālenāmbumayaṃ rasam / bibhratas tava yad rūpam atitīvraṃ natāsmi tat //

Vor jener überaus heftigen Gestalt, die du trägst, während du in acht Monaten Zeit den wasserhaltigen Saft aufnimmst, verneige ich mich.

Wort für Wort
grahītum aṣṭa-māsena kālena
um in acht Monaten Zeit aufzunehmen
ambu-mayam rasam
den wasserhaltigen Saft
bibhrataḥ tava yat rūpam atitīvram
deine dabei getragene überaus heftige Gestalt
natā asmi tat
vor jener verneige ich mich

sametam agnisomābhyāṃ namas tasmai guṇātmane / yad rūpam ṛgyajuḥsāmnām aikyena tapate tava //

Verehrung jener mit Feuer und Soma vereinten, aus den Guṇas bestehenden Gestalt; jene Gestalt von dir, die durch die Einheit von Ṛc, Yajus und Sāman erhitzt...

Wort für Wort
sametam agni-somābhyām
vereint mit Feuer und Soma
namaḥ tasmai guṇa-ātmane
Verehrung jener, aus den Guṇas bestehenden
yat rūpam ṛg-yajuḥ-sāmnām
jene Gestalt von Ṛc, Yajus, Sāman
aikyena tapate tava
durch Einheit erhitzt von dir

viśvam etat trayīsaṃjñaṃ namas tasmai vibhāvaso / yat tu tasmāt paraṃ rūpam om ity uktvābhisaṃhitam / asthūlaṃ sthūlam amalaṃ namas tasmai sanātana //

...dieses ganze All, das mit dem Namen 'die Dreiheit' [der drei Veden] bezeichnet wird — Verehrung jener Gestalt, o Lichtträger. Und jener Gestalt, die höher ist als diese, die mit dem Wort 'Om' verbunden ist, weder grob noch fein, makellos — Verehrung jener, o Ewiger.

Wort für Wort
viśvam etat trayī-saṃjñam
dieses ganze All, 'Dreiheit' genannt
namaḥ tasmai vibhāvaso
Verehrung jener, o Lichtträger
yat tu tasmāt param rūpam
jene Gestalt aber, die höher ist
om iti uktvā abhisaṃhitam
mit dem Wort 'Om' verbunden
asthūlam sthūlam amalam
weder grob noch fein, makellos
namaḥ tasmai sanātana
Verehrung jener, o Ewiger

evaṃ sā niyatā devī cakre stotram aharniśam / nirāhārā vivasvantam ārirādhayiṣur dvijāḥ //

{Brahmā sprach:} So verrichtete die entsagende Göttin Tag und Nacht den Lobpreis, ohne Nahrung, in der Absicht, Vivasvat zu verehren, o Zweifachgeborene.

Wort für Wort
evam sā niyatā devī
so die entsagende Göttin
cakre stotram ahaḥ-niśam
verrichtete den Lobpreis Tag und Nacht
nirāhārā vivasvantam
ohne Nahrung, Vivasvat
ārirādhayiṣuḥ dvijāḥ
zu verehren beabsichtigend, o Zweifachgeborene

tataḥ kālena mahatā bhagavāṃs tapano dvijāḥ / pratyakṣatām agāt tasyā dākṣāyaṇyā dvijottamāḥ //

Dann, nach langer Zeit, wurde der erhabene Erhitzer der Dakṣa-Tochter [Aditi] sichtbar, o ihr Besten der Zweifachgeborenen.

Wort für Wort
tataḥ kālena mahatā
dann, nach langer Zeit
bhagavān tapanaḥ dvijāḥ
der erhabene Erhitzer, o Zweifachgeborene
pratyakṣatām agāt tasyāḥ
wurde jener sichtbar
dākṣāyaṇyāḥ dvija-uttamāḥ
der Dakṣa-Tochter, o Beste der Zweifachgeborenen

sā dadarśa mahākūṭaṃ tejaso 'mbarasaṃvṛtam / bhūmau ca saṃsthitaṃ bhāsvaj-jvālābhir atidurdṛśam / taṃ dṛṣṭvā ca tato devī sādhvasaṃ paramaṃ gatā //

Sie erblickte einen gewaltigen Gipfel aus Glanz, den Himmel bedeckend, und auf der Erde stehend, mit leuchtenden Flammen, sehr schwer anzusehen; ihn erblickend, geriet die Göttin darauf in höchste Furcht.

Wort für Wort
sā dadarśa mahā-kūṭam tejasaḥ
sie erblickte einen gewaltigen Gipfel aus Glanz
ambara-saṃvṛtam
den Himmel bedeckend
bhūmau ca saṃsthitam
und auf der Erde stehend
bhāsvat-jvālābhiḥ atidurdṛśam
mit leuchtenden Flammen, sehr schwer anzusehen
tam dṛṣṭvā ca tato devī
ihn erblickend, darauf die Göttin
sādhvasam paramam gatā
geriet in höchste Furcht

jagadādya prasīdeti na tvāṃ paśyāmi gopate / prasādaṃ kuru paśyeyaṃ yad rūpaṃ te divākara / bhaktānukampaka vibho tvadbhaktān pāhi me sutān //

{Aditi sprach:} 'O Uranfang der Welt, sei gnädig!' — ich sehe dich nicht, o Herr der Erde; erweise Gnade, dass ich jene [mildere] Gestalt von dir sehen möge, o Tagmacher; du, der die Hingebungsvollen bemitleidet, o Herrscher, beschütze meine Söhne, deine Anhänger.

Wort für Wort
jagat-ādya prasīda iti
'O Uranfang der Welt, sei gnädig', so [sprechend]
na tvām paśyāmi gopate
ich sehe dich nicht, o Herr der Erde
prasādam kuru paśyeyam
erweise Gnade, dass ich sehen möge
yat rūpam te divākara
jene Gestalt von dir, o Tagmacher
bhakta-anukampaka vibho
o Erbarmer der Hingebungsvollen, Herrscher
tvat-bhaktān pāhi me sutān
beschütze deine Anhänger, meine Söhne

[Anm.: Im Original springt die Verszählung von V.19 direkt zu V.21 (kein separater Vers 20 vorhanden); die hier unter Nummer 21 stehende Rede umfasst drei Zeilen (sechs Padas) statt der üblichen zwei — offenbar eine Zähl-Anomalie der Quelle, hier unverändert wiedergegeben.]

tataḥ sa tejasas tasmād āvirbhūto vibhāvasuḥ / adṛśyata tadādityas taptatāmropamaḥ prabhuḥ //

{Brahmā sprach:} Dann erschien er, der Lichtträger, aus jenem Glanz; da wurde die Sonne sichtbar, der Herr, wie erhitztes Kupfer anzusehen.

Wort für Wort
tataḥ sa tejasaḥ tasmāt
dann er aus jenem Glanz
āvirbhūtaḥ vibhāvasuḥ
erschien, der Lichtträger
adṛśyata tadā ādityaḥ
da wurde die Sonne sichtbar
tapta-tāmra-upamaḥ prabhuḥ
wie erhitztes Kupfer anzusehen, der Herr

tatas tāṃ praṇatāṃ devīṃ tasyāsaṃdarśane dvijāḥ / prāha bhāsvān vṛṇuṣvaikaṃ varaṃ matto yam icchasi //

Dann sprach der Leuchtende zu jener sich verneigenden Göttin, nachdem sie ihn zuvor nicht hatte sehen können, o Zweifachgeborene: 'Erwähle eine Gabe von mir, welche du wünschst.'

Wort für Wort
tataḥ tām praṇatām devīm
dann zu jener sich verneigenden Göttin
tasya asaṃdarśane dvijāḥ
bei dessen Nicht-Sehen, o Zweifachgeborene
prāha bhāsvān vṛṇuṣva ekam varam
sprach der Leuchtende: erwähle eine Gabe
mattaḥ yam icchasi
von mir, welche du wünschst

praṇatā śirasā sā tu jānupīḍitamedinī / pratyuvāca vivasvantaṃ varadaṃ samupasthitam //

Sie aber, mit dem Haupt sich verneigend, die Erde mit den Knien drückend, erwiderte dem gabenspendenden Vivasvat, der [vor ihr] erschienen war.

Wort für Wort
praṇatā śirasā sā tu
sie aber, mit dem Haupt sich verneigend
jānu-pīḍita-medinī
die Erde mit den Knien drückend
pratyuvāca vivasvantam
erwiderte Vivasvat
varadam samupasthitam
dem gabenspendenden, erschienenen

deva prasīda putrāṇāṃ hṛtaṃ tribhuvanaṃ mama / yajñabhāgāś ca daiteyair dānavaiś ca balādhikaiḥ //

{Aditi sprach:} O Gott, sei gnädig — meinen Söhnen wurden die drei Welten geraubt, und die Opferanteile, von den Daiteyas und den an Kraft überlegenen Dānavas.

Wort für Wort
deva prasīda putrāṇām
o Gott, sei gnädig, den Söhnen
hṛtam tribhuvanam mama
geraubt die drei Welten, mein
yajña-bhāgāḥ ca daiteyaiḥ
und die Opferanteile von den Daiteyas
dānavaiḥ ca bala-adhikaiḥ
und den an Kraft überlegenen Dānavas

tannimittaṃ prasādaṃ tvaṃ kuruṣva mama gopate / aṃśena teṣāṃ bhrātṛtvaṃ gatvā tān nāśaye ripūn //

Aus diesem Grund erweise du mir Gnade, o Herr der Erde; mit einem Teil [von dir], zu ihrer Bruderschaft gehend [als einer von ihnen geboren], werde ich jene Feinde vernichten [lassen].

Wort für Wort
tat-nimittam prasādam tvam
aus diesem Grund Gnade du
kuruṣva mama gopate
erweise mir, o Herr der Erde
aṃśena teṣām bhrātṛtvam
mit einem Teil, zu ihrer Bruderschaft
gatvā tān nāśaye ripūn
gehend, werde ich jene Feinde vernichten

[Anm.: Die grammatische Konstruktion ist etwas unklar; gemeint ist offenbar der künftige, aus einem Teil der Sonne geborene Sohn, der die Feinde vernichten wird — von Aditi hier proleptisch als eigenes Handeln ausgedrückt.]

yathā me tanayā bhūyo yajñabhāgabhujaḥ prabho / bhaveyur adhipāś caiva trailokyasya divākara //

Auf dass meine Söhne, o Herr, wieder Genießer der Opferanteile werden, und ebenso Herrscher der drei Welten, o Tagmacher.

Wort für Wort
yathā me tanayāḥ bhūyaḥ
auf dass meine Söhne wieder
yajña-bhāga-bhujaḥ prabho
Genießer der Opferanteile, o Herr
bhaveyuḥ adhipāḥ ca eva
werden mögen, und ebenso Herrscher
trailokyasya divākara
der drei Welten, o Tagmacher

tathānukalpaṃ putrāṇāṃ suprasanno rave mama / kuru prasannārtihara kāryaṃ kartā tvam ucyate //

So, entsprechend dieser Bitte, sei meinen Söhnen wohlgesonnen, o Sonne; erweise, gnädig, Leid-Nehmender, die Tat — du wirst 'der Täter' genannt.

Wort für Wort
tathā anukalpam putrāṇām
so, entsprechend, den Söhnen
suprasannaḥ rave mama
wohlgesonnen, o Sonne, mein
kuru prasanna-ārtihara
erweise, gnädig, Leid-Nehmender
kāryam kartā tvam ucyate
die Tat, du wirst 'der Täter' genannt

tatas tām āha bhagavān bhāskaro vāritaskaraḥ / praṇatām aditiṃ viprāḥ prasādasumukho vibhuḥ //

{Brahmā sprach:} Dann sprach der erhabene Bhāskara, der Wasser-Räuber, zu jener sich verneigenden Aditi, o Brahmanen, der Herrscher, mit gnadenvollem Antlitz.

Wort für Wort
tataḥ tām āha bhagavān
dann sprach zu jener der erhabene
bhāskaraḥ vāri-taskaraḥ
Bhāskara, der Wasser-Räuber
praṇatām aditim viprāḥ
zu jener sich verneigenden Aditi, o Brahmanen
prasāda-sumukhaḥ vibhuḥ
mit gnadenvollem Antlitz, der Herrscher

sahasrāṃśena te garbhaḥ saṃbhūyāham aśeṣataḥ / tvatputraśatrūn dakṣo 'haṃ nāśayāmy āśu nirvṛtaḥ //

{Die Sonne sprach:} Mit einem Tausendstel [meiner selbst] werde ich, ganz zu deinem Embryo geworden, fähig, die Feinde deiner Söhne rasch und zufrieden vernichten.

Wort für Wort
sahasra-aṃśena te garbhaḥ
mit einem Tausendstel dein Embryo
saṃbhūya aham aśeṣataḥ
ganz zu geworden, ich
tvat-putra-śatrūn dakṣaḥ aham
die Feinde deiner Söhne, fähig, ich
nāśayāmi āśu nirvṛtaḥ
werde vernichten, rasch, zufrieden

ity uktvā bhagavān bhāsvān antardhānam upāgataḥ / nivṛttā sāpi tapasaḥ saṃprāptākhilavāñchitā //

{Brahmā sprach:} So gesprochen habend, entschwand der erhabene Leuchtende; auch sie ließ von der Askese ab, nachdem sie alles Gewünschte erlangt hatte.

Wort für Wort
iti uktvā bhagavān bhāsvān
so gesprochen habend, der erhabene Leuchtende
antardhānam upāgataḥ
entschwand
nivṛttā sā api tapasaḥ
auch sie ließ von der Askese ab
saṃprāpta-akhila-vāñchitā
nachdem sie alles Gewünschte erlangt hatte

tato raśmisahasrāt tu suṣumnākhyo raveḥ karaḥ / tataḥ saṃvatsarasyānte tatkāmapūraṇāya saḥ //

Dann, von den tausend Strahlen, ging der mit Namen 'Suṣumnā' bezeichnete Strahl der Sonne hervor; dann, am Ende des Jahres, nahm er, um jenen Wunsch zu erfüllen...

Wort für Wort
tataḥ raśmi-sahasrāt tu
dann von den tausend Strahlen
suṣumnā-ākhyaḥ raveḥ karaḥ
der 'Suṣumnā' genannte Strahl der Sonne
tataḥ saṃvatsarasya ante
dann am Ende des Jahres
tat-kāma-pūraṇāya saḥ
um jenen Wunsch zu erfüllen, er

nivāsaṃ savitā cakre devamātus tadodare / kṛcchracāndrāyaṇādīṃś ca sā cakre susamāhitā //

...Savitṛ, Wohnung im Bauch der Göttermutter; und sie vollzog, wohlgesammelt, die Kṛcchra- und Candrāyaṇa-Fastenriten u.a.

Wort für Wort
nivāsam savitā cakre
Wohnung nahm Savitṛ
deva-mātuḥ tadā udare
im Bauch der Göttermutter dann
kṛcchra-cāndrāyaṇa-ādīn ca
und die Kṛcchra- und Candrāyaṇa-Riten u.a.
sā cakre susamāhitā
sie vollzog, wohlgesammelt

śucinā dhārayāmy enaṃ divyaṃ garbham iti dvijāḥ / tatas tāṃ kaśyapaḥ prāha kiṃcitkopaplutākṣaram //

'Mit reinem Sinn trage ich dieses göttliche Embryo' — [so sprach sie], o Zweifachgeborene; darauf sprach Kaśyapa zu ihr, mit ein wenig Zorn in seinen Worten getränkt.

Wort für Wort
śucinā dhārayāmi enam
mit reinem [Sinn] trage ich dieses
divyam garbham iti dvijāḥ
göttliche Embryo, o Zweifachgeborene
tataḥ tām kaśyapaḥ prāha
darauf sprach Kaśyapa zu ihr
kiṃcit-kopa-pluta-akṣaram
mit ein wenig Zorn in den Worten getränkt

kiṃ mārayasi garbhāṇḍam iti nityopavāsinī / sā ca taṃ prāha garbhāṇḍam etat paśyeti kopanā / na māritaṃ vipakṣāṇāṃ mṛtyur eva bhaviṣyati //

{Kaśyapa sprach:} 'Warum tötest du das Embryo-Ei, du, die du beständig fastest?' {Brahmā sprach:} Sie aber sprach zornig zu ihm: 'Sieh, dies ist das Embryo-Ei — es wurde nicht getötet; es wird eben der Tod der Widersacher sein.'

Wort für Wort
kim mārayasi garbha-aṇḍam
warum tötest du das Embryo-Ei
iti nitya-upavāsinī
so, du beständig Fastende
sā ca tam prāha garbha-aṇḍam etat paśya iti kopanā
sie aber sprach zornig zu ihm: sieh dieses Embryo-Ei
na māritam vipakṣāṇām mṛtyuḥ eva bhaviṣyati
es wurde nicht getötet, es wird der Tod der Widersacher sein

ity uktvā taṃ tadā garbham utsasarja surāraṇiḥ / jājvalyamānaṃ tejobhiḥ patyur vacanakopitā //

So gesprochen habend, brachte damals die Kindlungsholz-der-Götter [Aditi] jenes Embryo hervor, das vor Glanz loderte, durch die Worte ihres Gatten erzürnt.

Wort für Wort
iti uktvā tam tadā garbham
so gesprochen habend, jenes Embryo dann
utsasarja surāraṇiḥ
brachte hervor die Kindlungsholz-der-Götter
jājvalyamānam tejobhiḥ
das vor Glanz loderte
patyuḥ vacana-kopitā
durch die Worte ihres Gatten erzürnt

taṃ dṛṣṭvā kaśyapo garbham udyadbhāskaravarcasam / tuṣṭāva praṇato bhūtvā vāgbhir ādyābhir ādarāt //

Jenes Embryo erblickt habend, das den Glanz der aufgehenden Sonne hatte, pries es Kaśyapa, sich verneigend, mit uralten Worten, ehrfürchtig.

Wort für Wort
tam dṛṣṭvā kaśyapaḥ garbham
jenes Embryo erblickt habend, Kaśyapa
udyat-bhāskara-varcasam
mit dem Glanz der aufgehenden Sonne
tuṣṭāva praṇataḥ bhūtvā
pries es, sich verneigend
vāgbhiḥ ādyābhiḥ ādarāt
mit uralten Worten, ehrfürchtig

saṃstūyamānaḥ sa tadā garbhāṇḍāt prakaṭo 'bhavat / padmapattrasavarṇābhas tejasā vyāptadiṅmukhaḥ //

So gepriesen, wurde es damals aus dem Embryo-Ei offenbar, von der Farbe eines Lotusblattes, mit seinem Glanz die Himmelsrichtungen durchdringend.

Wort für Wort
saṃstūyamānaḥ sa tadā
so gepriesen, es damals
garbha-aṇḍāt prakaṭaḥ abhavat
wurde aus dem Embryo-Ei offenbar
padma-pattra-savarṇa-ābhaḥ
von der Farbe eines Lotusblattes
tejasā vyāpta-dik-mukhaḥ
mit seinem Glanz die Himmelsrichtungen durchdringend

athāntarikṣād ābhāṣya kaśyapaṃ munisattamam / satoyameghagambhīrā vāg uvācāśarīriṇī //

Dann sprach, sich aus dem Luftraum an Kaśyapa, den Besten der Weisen, wendend, eine körperlose Stimme, tief wie eine wassergefüllte Wolke.

Wort für Wort
atha antarikṣāt ābhāṣya
dann aus dem Luftraum sich wendend
kaśyapam munisattamam
an Kaśyapa, den Besten der Weisen
sa-toya-megha-gambhīrā vāk
eine tief wie eine wassergefüllte Wolke [tönende] Stimme
uvāca aśarīriṇī
sprach, körperlos

māritaṃtepataḥ proktam etad aṇḍaṃ tvayāditeḥ / tasmān mune sutas te 'yaṃ mārtaṇḍākhyo bhaviṣyati //

{Die Stimme sprach:} 'Getötet' hast du dieses Ei der Aditi genannt; deshalb, o Weiser, wird dieser dein Sohn den Namen 'Mārtaṇḍa' [Vom-toten-Ei-Stammender] tragen.

Wort für Wort
māritam iti proktam
'getötet', so genannt
etat aṇḍam tvayā aditeḥ
dieses Ei von dir, der Aditi
tasmāt mune sutaḥ te ayam
deshalb, o Weiser, dieser dein Sohn
mārtaṇḍa-ākhyaḥ bhaviṣyati
wird 'Mārtaṇḍa' genannt werden

[?] 'māritaṃtepataḥ' ist textlich unsicher/korrupt; hier sinngemäß im Zusammenhang mit Kaśyapas Frage in V.35 ('mārayasi garbhāṇḍam') und der folgenden Namensdeutung ('Mārtaṇḍa' von mṛta-aṇḍa, 'totes Ei') wiedergegeben.

haniṣyaty asurāṃś cāyaṃ yajñabhāgaharān arīn / devā niśamyeti vaco gaganāt samupāgatam //

Und dieser wird die Asuras töten, die Feinde, die die Opferanteile rauben. Die Götter, dieses aus dem Himmel gekommene Wort vernehmend, [freuten sich];

Wort für Wort
haniṣyati asurān ca ayam
und dieser wird die Asuras töten
yajña-bhāga-harān arīn
die Opferanteile raubenden Feinde
devāḥ niśamya iti vacaḥ
die Götter, dieses Wort vernehmend
gaganāt samupāgatam
aus dem Himmel gekommen

praharṣam atulaṃ yātā dānavāś ca hataujasaḥ / tato yuddhāya daiteyān ājuhāva śatakratuḥ //

...gelangten zu unvergleichlicher Freude, und die Dānavas wurden kraftlos; dann rief der Hundertopferer [Indra] die Daiteyas zum Kampf.

Wort für Wort
praharṣam atulam yātāḥ
gelangten zu unvergleichlicher Freude
dānavāḥ ca hata-ojasaḥ
und die Dānavas wurden kraftlos
tataḥ yuddhāya daiteyān
dann zum Kampf die Daiteyas
ājuhāva śatakratuḥ
rief der Hundertopferer [Indra]

saha devair mudā yukto dānavāś ca tam abhyayuḥ / teṣāṃ yuddham abhūd ghoraṃ devānām asuraiḥ saha //

Zusammen mit den Göttern, von Freude erfüllt, [zog er aus]; und die Dānavas zogen ihm entgegen; ein schrecklicher Kampf entstand zwischen ihnen, den Göttern zusammen mit den Asuras.

Wort für Wort
saha devaiḥ mudā yuktaḥ
zusammen mit den Göttern, von Freude erfüllt
dānavāḥ ca tam abhyayuḥ
und die Dānavas zogen ihm entgegen
teṣām yuddham abhūt ghoram
ihr Kampf wurde schrecklich
devānām asuraiḥ saha
der Götter zusammen mit den Asuras

śastrāstravṛṣṭisaṃdīpta-samastabhuvanāntaram / tasmin yuddhe bhagavatā mārtaṇḍena nirīkṣitāḥ //

[Ein Kampf,] bei dem durch den Regen von Waffen und Geschossen der ganze Zwischenraum der Welten entflammt wurde; in jenem Kampf, von dem erhabenen Mārtaṇḍa angeschaut...

Wort für Wort
śastra-astra-vṛṣṭi-saṃdīpta
durch den Regen von Waffen und Geschossen entflammt
samasta-bhuvana-antaram
der ganze Zwischenraum der Welten
tasmin yuddhe bhagavatā
in jenem Kampf, von dem erhabenen
mārtaṇḍena nirīkṣitāḥ
von Mārtaṇḍa angeschaut

tejasā dahyamānās te bhasmībhūtā mahāsurāḥ / tataḥ praharṣam atulaṃ prāptāḥ sarve divaukasaḥ //

...von seinem Glanz verbrannt, wurden jene großen Asuras zu Asche; dann gelangten alle Himmelsbewohner zu unvergleichlicher Freude.

Wort für Wort
tejasā dahyamānāḥ te
von seinem Glanz verbrannt, jene
bhasmī-bhūtāḥ mahāsurāḥ
wurden zu Asche, die großen Asuras
tataḥ praharṣam atulam
dann zu unvergleichlicher Freude
prāptāḥ sarve divaukasaḥ
gelangten alle Himmelsbewohner

tuṣṭuvus tejasāṃ yoniṃ mārtaṇḍam aditiṃ tathā / svādhikārāṃs tataḥ prāptā yajñabhāgāṃś ca pūrvavat //

Sie priesen den Ursprung der Glanzhaften, Mārtaṇḍa, und ebenso Aditi; dann erlangten sie ihre eigenen Herrschaftsbereiche und die Opferanteile wie zuvor.

Wort für Wort
tuṣṭuvuḥ tejasām yonim
sie priesen den Ursprung des Glanzes
mārtaṇḍam aditim tathā
Mārtaṇḍa und ebenso Aditi
sva-adhikārān tataḥ prāptāḥ
ihre eigenen Herrschaftsbereiche dann erlangt
yajña-bhāgān ca pūrvavat
und die Opferanteile wie zuvor

bhagavān api mārtaṇḍaḥ svādhikāram athākarot / kadambapuṣpavad bhāsvān adhaś cordhvaṃ ca raśmibhiḥ / vṛto 'gnipiṇḍasadṛśo dadhre nātisphuṭaṃ vapuḥ //

Auch der erhabene Mārtaṇḍa übernahm dann seine eigene Herrschaft; wie eine Kadamba-Blüte leuchtend, unten und oben von Strahlen umgeben, einem Feuerball ähnlich, trug er eine nicht sehr deutliche Gestalt.

Wort für Wort
bhagavān api mārtaṇḍaḥ
auch der erhabene Mārtaṇḍa
sva-adhikāram atha akarot
übernahm dann seine eigene Herrschaft
kadamba-puṣpavat bhāsvān
wie eine Kadamba-Blüte leuchtend
adhaḥ ca ūrdhvam ca raśmibhiḥ vṛtaḥ
unten und oben von Strahlen umgeben
agni-piṇḍa-sadṛśaḥ
einem Feuerball ähnlich
dadhre na atisphuṭam vapuḥ
trug eine nicht sehr deutliche Gestalt

kathaṃ kāntataraṃ paścād rūpaṃ saṃlabdhavān raviḥ / kadambagolakākāraṃ tan me brūhi jagatpate //

{Die Weisen sprachen:} Wie hat die Sonne danach eine lieblichere Gestalt erlangt, [statt] der Kadamba-Ball-Form — das sag mir, o Herr der Welt.

Wort für Wort
katham kāntataram paścāt
wie danach lieblichere
rūpam saṃlabdhavān raviḥ
Gestalt hat die Sonne erlangt
kadamba-golaka-ākāram
die Kadamba-Ball-Form
tat me brūhi jagatpate
das sag mir, o Herr der Welt

tvaṣṭā tasmai dadau kanyāṃ saṃjñāṃ nāma vivasvate / prasādya praṇato bhūtvā viśvakarmā prajāpatiḥ //

{Brahmā sprach:} Tvaṣṭṛ gab jenem Vivasvat seine Tochter mit Namen Saṃjñā; sich verneigend, ihn zufriedenstellend, [gab] Viśvakarman, der Prajāpati, [sie ihm].

Wort für Wort
tvaṣṭā tasmai dadau kanyām
Tvaṣṭṛ gab jenem die Tochter
saṃjñām nāma vivasvate
mit Namen Saṃjñā, dem Vivasvat
prasādya praṇataḥ bhūtvā
zufriedenstellend, sich verneigend
viśvakarmā prajāpatiḥ
Viśvakarman, der Prajāpati

trīṇy apatyāny asau tasyāṃ janayām āsa gopatiḥ / dvau putrau sumahābhāgau kanyāṃ ca yamunāṃ tathā //

Drei Kinder zeugte jener Herr der Erde mit ihr: zwei sehr hochbeglückte Söhne und eine Tochter, die Yamunā.

Wort für Wort
trīṇi apatyāni asau
drei Kinder jener
tasyām janayām āsa gopatiḥ
zeugte mit ihr der Herr der Erde
dvau putrau sumahābhāgau
zwei sehr hochbeglückte Söhne
kanyām ca yamunām tathā
und eine Tochter, die Yamunā

yat tejo 'bhyadhikaṃ tasya mārtaṇḍasya vivasvataḥ / tenātitāpayām āsa trīṃl lokān sacarācarān //

Mit jenem übermäßigen Glanz des Mārtaṇḍa Vivasvat erhitzte er übermäßig die drei Welten samt dem Beweglichen und Unbeweglichen.

Wort für Wort
yat tejaḥ abhyadhikam tasya
welcher übermäßige Glanz von diesem
mārtaṇḍasya vivasvataḥ
des Mārtaṇḍa Vivasvat
tena atitāpayām āsa
mit diesem erhitzte er übermäßig
trīn lokān sa-cara-acarān
die drei Welten samt Beweglichem und Unbeweglichem

tad rūpaṃ golakākāraṃ dṛṣṭvā saṃjñā vivasvataḥ / asahantī mahat tejaḥ svāṃ chāyāṃ vākyam abravīt //

Jene ballförmige Gestalt Vivasvats erblickend, den großen Glanz nicht ertragend, sprach Saṃjñā zu ihrem eigenen Schatten [Chāyā] ein Wort.

Wort für Wort
tat rūpam golaka-ākāram
jene ballförmige Gestalt
dṛṣṭvā saṃjñā vivasvataḥ
erblickend, Saṃjñā, Vivasvats
asahantī mahat tejaḥ
nicht ertragend den großen Glanz
svām chāyām vākyam abravīt
zu ihrem eigenen Schatten sprach sie ein Wort

ahaṃ yāsyāmi bhadraṃ te svam eva bhavanaṃ pituḥ / nirvikāraṃ tvayātraiva stheyaṃ macchāsanāc chubhe //

{Saṃjñā sprach:} Ich werde gehen — Segen dir — eben zum eigenen Haus meines Vaters; unverändert sollst du hier verbleiben, auf mein Geheiß, du Holde.

Wort für Wort
aham yāsyāmi bhadram te
ich werde gehen, Segen dir
svam eva bhavanam pituḥ
eben zum eigenen Haus des Vaters
nirvikāram tvayā atra eva stheyam
unverändert sollst du eben hier verbleiben
mat-śāsanāt śubhe
auf mein Geheiß, du Holde

imau ca bālakau mahyaṃ kanyā ca varavarṇinī / saṃbhāvyā naiva cākhyeyam idaṃ bhagavate tvayā //

Und diese beiden Knaben, mir gehörig, und die Tochter von vortrefflicher Farbe sollen von dir geachtet werden; und dies soll von dir dem Erhabenen nicht mitgeteilt werden.

Wort für Wort
imau ca bālakau mahyam
und diese beiden Knaben, mir [gehörig]
kanyā ca vara-varṇinī
und die Tochter von vortrefflicher Farbe
saṃbhāvyā na eva ca ākhyeyam
sollen geachtet werden, und nicht soll mitgeteilt werden
idam bhagavate tvayā
dies dem Erhabenen von dir

ā kacagrahaṇād devi ā śāpān naiva karhicit / ākhyāsyāmi mataṃ tubhyaṃ gamyatāṃ yatra vāñchitam //

{Chāyā sprach:} Bis zum Ergreifen der Haare, o Göttin, bis zum Fluch werde ich es niemals mitteilen; das ist meine Zustimmung zu dir — geh, wohin du wünschst.

Wort für Wort
ā kaca-grahaṇāt devi
bis zum Ergreifen der Haare, o Göttin
ā śāpāt na eva karhicit
bis zum Fluch werde ich niemals
ākhyāsyāmi matam tubhyam
es mitteilen; [dies ist] meine Zustimmung zu dir
gamyatām yatra vāñchitam
geh, wohin du wünschst

ity uktā vrīḍitā saṃjñā jagāma pitṛmandiram / vatsarāṇāṃ sahasraṃ tu vasamānā pitur gṛhe //

So angesprochen, ging die beschämte Saṃjñā zum Haus ihres Vaters; tausend Jahre lang weilte sie im Haus ihres Vaters.

Wort für Wort
iti uktā vrīḍitā saṃjñā
so angesprochen, beschämt, Saṃjñā
jagāma pitṛ-mandiram
ging zum Haus des Vaters
vatsarāṇām sahasram tu
tausend Jahre aber
vasamānā pituḥ gṛhe
weilend im Haus des Vaters

bhartuḥ samīpaṃ yāhīti pitroktā sā punaḥ punaḥ / āgacchad vaḍavā bhūtvā kurūn athottarāṃs tataḥ //

'Geh in die Nähe deines Gatten', immer wieder von ihrem Vater dazu aufgefordert, kam sie, eine Stute geworden, dann zu den Kurus und weiter in den Norden.

Wort für Wort
bhartuḥ samīpam yāhi iti
'geh in die Nähe des Gatten', so
pitrā uktā sā punaḥ punaḥ
von ihrem Vater immer wieder aufgefordert
āgacchat vaḍavā bhūtvā
kam, eine Stute geworden
kurūn atha uttarān tataḥ
zu den Kurus und dann weiter in den Norden

tatra tepe tapaḥ sādhvī nirāhārā dvijottamāḥ / pituḥ samīpaṃ yātāyāṃ saṃjñāyāṃ vākyatatparā //

Dort übte die Tugendhafte Askese, ohne Nahrung, o ihr Besten der Zweifachgeborenen — während Saṃjñā zum Vater gegangen war, [blieb Chāyā] ihrem Wort ergeben.

Wort für Wort
tatra tepe tapaḥ sādhvī
dort übte die Tugendhafte Askese
nirāhārā dvija-uttamāḥ
ohne Nahrung, o Beste der Zweifachgeborenen
pituḥ samīpam yātāyām saṃjñāyām
während Saṃjñā zum Vater gegangen war
vākya-tatparā
ihrem Wort ergeben

tadrūpadhāriṇī chāyā bhāskaraṃ samupasthitā / tasyāṃ ca bhagavān sūryaḥ saṃjñeyam iti cintayan //

Chāyā, jene Gestalt tragend, näherte sich Bhāskara; und mit ihr zeugte der erhabene Sūrya, denkend 'dies ist Saṃjñā'...

Wort für Wort
tat-rūpa-dhāriṇī chāyā
Chāyā, jene Gestalt tragend
bhāskaram samupasthitā
näherte sich Bhāskara
tasyām ca bhagavān sūryaḥ
und mit ihr der erhabene Sūrya
saṃjñā iyam iti cintayan
denkend 'dies ist Saṃjñā'

tathaiva janayām āsa dvau putrau kanyakāṃ tathā / saṃjñā tu pārthivī teṣām ātmajānāṃ tathākarot //

...ebenso zwei Söhne und eine Tochter. Die 'irdische Saṃjñā' [Chāyā] aber erwies ihren eigenen Kindern...

Wort für Wort
tathā eva janayām āsa
ebenso zeugte sie
dvau putrau kanyakām tathā
zwei Söhne und eine Tochter
saṃjñā tu pārthivī
die 'irdische Saṃjñā' aber
teṣām ātmajānām tathā akarot
erwies ihren eigenen Kindern so

[Anm.: Ab hier wird Chāyā, die Saṃjñās Rolle übernommen hat, offenbar auch als 'Saṃjñā' bezeichnet ('saṃjñā tu pārthivī', 'die irdische Saṃjñā', zur Unterscheidung von der 'wahren' Saṃjñā); der Text unterscheidet beide nicht immer terminologisch scharf.]

snehaṃ na pūrvajātānāṃ tathā kṛtavatī tu sā / manus tat kṣāntavāṃs tasyā yamas tasyā na cakṣame //

...nicht die gleiche Zuneigung wie den zuvor Geborenen; dies ertrug Manu von ihr, Yama aber verzieh es ihr nicht.

Wort für Wort
sneham na pūrva-jātānām
nicht die Zuneigung den zuvor Geborenen
tathā kṛtavatī tu sā
so [ungleich] erwies sie
manuḥ tat kṣāntavān tasyāḥ
Manu ertrug dies von ihr
yamaḥ tasyāḥ na cakṣame
Yama verzieh es ihr nicht

bahudhā pīḍyamānas tu pituḥ patyā suduḥkhitaḥ / sa vai kopāc ca bālyāc ca bhāvino 'rthasya vai balāt / padā saṃtarjayām āsa na tu dehe nyapātayat //

Vielfach bedrängt von der Gattin des Vaters, sehr betrübt, drohte er ihr wahrlich aus Zorn und aus Kindlichkeit und durch die Macht einer künftigen Sache mit dem Fuß, ließ ihn aber nicht auf ihren Körper niederfallen.

Wort für Wort
bahudhā pīḍyamānaḥ tu
vielfach bedrängt aber
pituḥ patyā suduḥkhitaḥ
von der Gattin des Vaters, sehr betrübt
sa vai kopāt ca bālyāt ca
er wahrlich aus Zorn und aus Kindlichkeit
bhāvinaḥ arthasya vai balāt
und durch die Macht einer künftigen Sache
padā saṃtarjayām āsa
drohte er mit dem Fuß
na tu dehe nyapātayat
ließ ihn aber nicht auf den Körper fallen

padā tarjayase yasmāt pitur bhāryāṃ garīyasīm / tasmāt tavaiṣa caraṇaḥ patiṣyati na saṃśayaḥ //

{Chāyā sprach:} Weil du mit dem Fuß der Gattin deines Vaters drohst, die höher zu ehren ist, deshalb wird dieser dein Fuß abfallen, kein Zweifel.

Wort für Wort
padā tarjayase yasmāt
weil du mit dem Fuß drohst
pituḥ bhāryām garīyasīm
der Gattin des Vaters, der höher zu ehrenden
tasmāt tava eṣa caraṇaḥ
deshalb dieser dein Fuß
patiṣyati na saṃśayaḥ
wird abfallen, kein Zweifel

yamas tu tena śāpena bhṛśaṃ pīḍitamānasaḥ / manunā saha dharmātmā pitre sarvaṃ nyavedayat //

{Brahmā sprach:} Yama aber, durch jenen Fluch heftig in seinem Sinn gequält, der Dharma-Gesinnte, berichtete zusammen mit Manu alles dem Vater.

Wort für Wort
yamaḥ tu tena śāpena
Yama aber durch jenen Fluch
bhṛśam pīḍita-mānasaḥ
heftig in seinem Sinn gequält
manunā saha dharma-ātmā
zusammen mit Manu, der Dharma-Gesinnte
pitre sarvam nyavedayat
berichtete dem Vater alles

snehena tulyam asmāsu mātā deva na vartate / visṛjya jyāyasaṃ bhaktyā kanīyāṃsaṃ bubhūṣati //

{Yama sprach:} Mit Zuneigung verhält sich die Mutter uns gegenüber nicht gleich, o Gott; den Älteren zurücksetzend, wünscht sie mit Vorliebe den Jüngeren zu begünstigen.

Wort für Wort
snehena tulyam asmāsu
mit Zuneigung gleich uns gegenüber
mātā deva na vartate
verhält sich die Mutter nicht, o Gott
visṛjya jyāyasam bhaktyā
den Älteren zurücksetzend, mit Vorliebe
kanīyāṃsam bubhūṣati
wünscht sie den Jüngeren zu begünstigen

tasyāṃ mayodyataḥ pādo na tu dehe nipātitaḥ / bālyād vā yadi vā mohāt tad bhavān kṣantum arhasi //

Gegen sie habe ich den Fuß erhoben, ihn aber nicht auf ihren Körper fallen lassen, sei es aus Kindlichkeit oder aus Verblendung — das mögest du verzeihen.

Wort für Wort
tasyām mayā udyataḥ pādaḥ
gegen sie von mir erhoben der Fuß
na tu dehe nipātitaḥ
aber nicht auf den Körper fallen gelassen
bālyāt vā yadi vā mohāt
aus Kindlichkeit oder aus Verblendung
tat bhavān kṣantum arhasi
das mögest du verzeihen

śapto 'haṃ tāta kopena jananyā tanayo yataḥ / tato manye na jananīm imāṃ vai tapatāṃ vara //

Verflucht wurde ich, Vater, aus Zorn, obwohl ich der Sohn der Mutter bin; deshalb halte ich sie, o Bester der Erhitzenden, wahrlich nicht für meine wahre Mutter.

Wort für Wort
śaptaḥ aham tāta kopena
verflucht wurde ich, Vater, aus Zorn
jananyā tanayaḥ yataḥ
obwohl ich der Sohn der Mutter bin
tataḥ manye na jananīm imām
deshalb halte ich diese nicht für die Mutter
vai tapatām vara
wahrlich, o Bester der Erhitzenden

tava prasādāc caraṇo bhagavan na pated yathā / mātṛśāpād ayaṃ me 'dya tathā cintaya gopate //

Durch deine Gnade möge, o Erhabener, mein Fuß nicht fallen, wie es durch den Fluch der Mutter droht — sinne heute darüber nach, o Herr der Erde.

Wort für Wort
tava prasādāt caraṇaḥ bhagavan
durch deine Gnade der Fuß, o Erhabener
na patet yathā
möge nicht fallen, wie
mātṛ-śāpāt ayam me adya
durch den Mutterfluch dieser mein heute
tathā cintaya gopate
so sinne nach, o Herr der Erde

asaṃśayaṃ mahat putra bhaviṣyaty atra kāraṇam / yena tvām āviśat krodho dharmajñaṃ dharmaśīlinam //

{Die Sonne sprach:} Zweifellos wird hierfür, mein Sohn, ein großer Grund vorliegen, durch den der Zorn dich, den Dharma-Kundigen, Dharma-Gesinnten, überkam.

Wort für Wort
asaṃśayam mahat putra
zweifellos, ein großer, mein Sohn
bhaviṣyati atra kāraṇam
wird hierfür ein Grund vorliegen
yena tvām āviśat krodhaḥ
durch den dich der Zorn überkam
dharma-jñam dharma-śīlinam
den Dharma-Kundigen, Dharma-Gesinnten

sarveṣām eva śāpānāṃ pratighāto hi vidyate / na tu mātrābhiśaptānāṃ kvacic chāpanivartanam //

Für alle Flüche gibt es wahrlich eine Abwehr; für von der Mutter Verfluchte aber gibt es nirgends eine Rücknahme des Fluches.

Wort für Wort
sarveṣām eva śāpānām
für alle Flüche
pratighātaḥ hi vidyate
gibt es wahrlich eine Abwehr
na tu mātrā abhiśaptānām
aber nicht für von der Mutter Verfluchte
kvacit śāpa-nivartanam
gibt es irgendwo eine Rücknahme des Fluches

na śakyam etan mithyā tu kartuṃ mātur vacas tava / kiṃcit te 'haṃ vidhāsyāmi putrasnehād anugraham //

Nicht kann dieses Wort deiner Mutter zunichtegemacht werden; ein wenig Gnade aber werde ich dir aus Vaterliebe zum Sohn erweisen.

Wort für Wort
na śakyam etat mithyā tu
nicht kann dieses aber zunichte
kartum mātuḥ vacaḥ tava
gemacht werden, das Wort deiner Mutter
kiṃcit te aham vidhāsyāmi
ein wenig werde ich dir erweisen
putra-snehāt anugraham
aus Sohnesliebe eine Gnade

kṛmayo māṃsam ādāya prayāsyanti mahītalam / kṛtaṃ tasyā vacaḥ satyaṃ tvaṃ ca trāto bhaviṣyasi //

Würmer werden, Fleisch nehmend, zur Erdoberfläche gehen; [so wird] ihr Wort als wahr erfüllt, und du wirst gerettet sein.

Wort für Wort
kṛmayaḥ māṃsam ādāya
Würmer, Fleisch nehmend
prayāsyanti mahī-talam
werden zur Erdoberfläche gehen
kṛtam tasyāḥ vacaḥ satyam
erfüllt [wird] ihr Wort als wahr
tvam ca trātaḥ bhaviṣyasi
und du wirst gerettet sein

ādityas tv abravīc chāyāṃ kimarthaṃ tanayeṣu vai / tulyeṣv apy adhikaḥ sneha ekaṃ prati kṛtas tvayā //

{Brahmā fuhr fort:} Āditya aber sprach zu Chāyā: 'Weshalb ist bei den Söhnen, die doch gleich sind, von dir größere Zuneigung dem einen gegenüber erwiesen worden?'

Wort für Wort
ādityaḥ tu abravīt chāyām
Āditya aber sprach zu Chāyā
kim-artham tanayeṣu vai
weshalb bei den Söhnen wahrlich
tulyeṣu api adhikaḥ snehaḥ
obwohl gleich, größere Zuneigung
ekam prati kṛtaḥ tvayā
dem einen gegenüber erwiesen von dir

nūnaṃ naiṣāṃ tvaṃ jananī saṃjñā kāpi tvam āgatā / nirguṇeṣv apy apatyeṣu mātā śāpaṃ na dāsyati //

'Gewiss bist du nicht ihrer aller Mutter — du bist irgendeine [andere], die als Saṃjñā gekommen ist; selbst bei tugendlosen Kindern wird eine wahre Mutter keinen Fluch geben.'

Wort für Wort
nūnam na eṣām tvam jananī
gewiss bist du nicht ihre Mutter
saṃjñā kā api tvam āgatā
als Saṃjñā ist irgendeine andere du gekommen
nirguṇeṣu api apatyeṣu
selbst bei tugendlosen Kindern
mātā śāpam na dāsyati
wird eine Mutter keinen Fluch geben

sā tatpariharantī ca śāpād bhītā tadā raveḥ / kathayām āsa vṛttāntaṃ sa śrutvā śvaśuraṃ yayau //

Sie, dies vermeidend, aber aus Furcht vor dem Fluch der Sonne, erzählte damals die ganze Begebenheit; er, dies gehört habend, ging zu seinem Schwiegervater.

Wort für Wort
sā tat pariharantī ca
sie, dies vermeidend, aber
śāpāt bhītā tadā raveḥ
aus Furcht vor dem Fluch der Sonne
kathayām āsa vṛttāntam
erzählte die Begebenheit
sa śrutvā śvaśuram yayau
er, dies gehört habend, ging zum Schwiegervater

sa cāpi taṃ yathānyāyam arcayitvā tadā ravim / nirdagdhukāmaṃ roṣeṇa sāntvayānas tam abravīt //

Und auch jener [Schwiegervater], die Sonne, die vor Zorn [alles] verbrennen wollte, vorschriftsgemäß verehrt habend, besänftigte sie und sprach zu ihr:

Wort für Wort
sa ca api tam yathā-nyāyam
und auch jener, ihn vorschriftsgemäß
arcayitvā tadā ravim
verehrt habend, dann die Sonne
nirdagdhu-kāmam roṣeṇa
die aus Zorn verbrennen wollte
sāntvayānaḥ tam abravīt
besänftigend, sprach er zu ihr

tavātitejasā vyāptam idaṃ rūpaṃ suduḥsaham / asahantī tu tat saṃjñā vane carati vai tapaḥ //

{Viśvakarman sprach:} Diese deine von übermäßigem Glanz durchdrungene Gestalt ist sehr schwer zu ertragen; diese nicht ertragend, übt Saṃjñā wahrlich Askese im Wald.

Wort für Wort
tava atitejasā vyāptam
von deinem übermäßigen Glanz durchdrungen
idam rūpam suduḥsaham
diese Gestalt, sehr schwer zu ertragen
asahantī tu tat saṃjñā
diese nicht ertragend, Saṃjñā
vane carati vai tapaḥ
übt im Wald wahrlich Askese

drakṣyate tāṃ bhavān adya svāṃ bhāryāṃ śubhacāriṇīm / rūpārthaṃ bhavato 'raṇye carantīṃ sumahat tapaḥ //

Du wirst heute deine eigene, tugendhaft wandelnde Gattin sehen, die um deiner Gestalt willen im Wald sehr große Askese übt.

Wort für Wort
drakṣyate tām bhavān adya
sehen wirst du sie heute
svām bhāryām śubha-cāriṇīm
deine eigene, tugendhaft wandelnde Gattin
rūpa-artham bhavataḥ araṇye
um deiner Gestalt willen im Wald
carantīm sumahat tapaḥ
übend sehr große Askese

śrutaṃ me brahmaṇo vākyaṃ tava tejovarodhane / rūpaṃ nirvartayāmy adya tava kāntaṃ divaspate //

Gehört habe ich Brahmās Wort über die Zügelung deines Glanzes; ich werde dir heute eine liebliche Gestalt herstellen, o Herr des Himmels.

Wort für Wort
śrutam me brahmaṇaḥ vākyam
gehört habe ich von mir Brahmās Wort
tava tejaḥ-varodhane
über die Zügelung deines Glanzes
rūpam nirvartayāmi adya
ich werde heute [deine] Gestalt herstellen
tava kāntam divaspate
dir eine liebliche, o Herr des Himmels

tatas tatheti taṃ prāha tvaṣṭāraṃ bhagavān raviḥ / tato vivasvato rūpaṃ prāg āsīt parimaṇḍalam //

{Brahmā sprach:} Dann sprach 'so sei es' zu jenem Tvaṣṭṛ der erhabene Ravi; Vivasvats Gestalt war zuvor ballförmig gewesen.

Wort für Wort
tataḥ tathā iti tam prāha
dann 'so sei es' sprach zu jenem
tvaṣṭāram bhagavān raviḥ
zu Tvaṣṭṛ der erhabene Ravi
tataḥ vivasvataḥ rūpam
dann Vivasvats Gestalt
prāk āsīt parimaṇḍalam
war zuvor ballförmig

viśvakarmā tv anujñātaḥ śākadvīpe vivasvatā / bhramim āropya tattejaḥ-śātanāyopacakrame //

Viśvakarman aber, von Vivasvat ermächtigt, setzte dessen Glanz auf eine Drehscheibe in Śākadvīpa und begann, ihn abzuschleifen.

Wort für Wort
viśvakarmā tu anujñātaḥ
Viśvakarman aber, ermächtigt
śāka-dvīpe vivasvatā
von Vivasvat, in Śākadvīpa
bhramim āropya
auf eine Drehscheibe gesetzt habend
tat-tejaḥ-śātanāya upacakrame
begann er dessen Glanz abzuschleifen

bhramatāśeṣajagatāṃ nābhibhūtena bhāsvatā / samudrādrivanopetā tv āruroha mahī nabhaḥ //

Da die gesamte Welt kreiste, ohne vom Leuchtenden überwältigt zu werden, erhob sich die Erde samt Meeren, Bergen und Wäldern in den Himmel.

Wort für Wort
bhramatā aśeṣa-jagatām
während die gesamte Welt kreiste
na abhibhūtena bhāsvatā
ohne vom Leuchtenden überwältigt zu werden
samudra-adri-vana-upetā
samt Meeren, Bergen und Wäldern
tu āruroha mahī nabhaḥ
erhob sich die Erde in den Himmel

[Anm.: Der Satzbau ist elliptisch und schwer eindeutig zu erschließen; Sinn scheint zu sein, dass die gesamte Welt durch die Drehung des Sonnenglanzes in Aufruhr geriet, ohne von dessen Kraft unmittelbar vernichtet zu werden.]

gaganaṃ cākhilaṃ viprāḥ sacandragrahatārakam / adhogataṃ mahābhāgā babhūvākṣiptam ākulam //

Und der gesamte Himmel, o Brahmanen, samt Mond, Planeten und Sternen, geriet, o Hochbeglückte, nach unten geworfen, in Aufruhr.

Wort für Wort
gaganam ca akhilam viprāḥ
und der gesamte Himmel, o Brahmanen
sa-candra-graha-tārakam
samt Mond, Planeten und Sternen
adhogatam mahābhāgāḥ
nach unten geraten, o Hochbeglückte
babhūva ākṣiptam ākulam
wurde geworfen, in Aufruhr

vikṣiptasalilāḥ sarve babhūvuś ca tathārṇavāḥ / vyabhidyanta mahāśailāḥ śīrṇasānunibandhanāḥ //

Alle Ozeane wurden mit aufgewühltem Wasser; und die großen Berge zerbarsten, ihre Grate und Verbindungen zersplittert.

Wort für Wort
vikṣipta-salilāḥ sarve
mit aufgewühltem Wasser, alle
babhūvuḥ ca tathā arṇavāḥ
wurden ebenso die Ozeane
vyabhidyanta mahāśailāḥ
zerbarsten die großen Berge
śīrṇa-sānu-nibandhanāḥ
mit zersplitterten Graten und Verbindungen

dhruvādhārāṇy aśeṣāṇi dhiṣṇyāni munisattamāḥ / truṭyadraśminibandhīni bandhanāni adho yayuḥ //

Alle auf Dhruva ruhenden Sternenwohnstätten, o ihr Besten der Weisen, mit reißenden Strahlenbändern, gingen mitsamt ihren Bindungen abwärts.

Wort für Wort
dhruva-ādhārāṇi aśeṣāṇi
alle auf Dhruva ruhenden
dhiṣṇyāni munisattamāḥ
Sternenwohnstätten, o Beste der Weisen
truṭyat-raśmi-nibandhīni
mit reißenden Strahlenbändern
bandhanāni adhaḥ yayuḥ
gingen mitsamt Bindungen abwärts

vegabhramaṇasaṃpāta-vāyukṣiptāḥ sahasraśaḥ / vyaśīryanta mahāmeghā ghorārāvavirāviṇaḥ //

Von dem durch die heftige, wirbelnde Erschütterung erzeugten Wind zu Tausenden fortgeschleudert, zerstoben die großen Wolken, schreckliches Getöse von sich gebend.

Wort für Wort
vega-bhramaṇa-saṃpāta-vāyu
vom Wind der heftigen, wirbelnden Erschütterung
kṣiptāḥ sahasraśaḥ
fortgeschleudert zu Tausenden
vyaśīryanta mahāmeghāḥ
zerstoben die großen Wolken
ghora-ārāva-virāviṇaḥ
schreckliches Getöse von sich gebend

bhāsvadbhramaṇavibhrānta-bhūmyākāśarasātalam / jagad ākulam atyarthaṃ tadāsīn munisattamāḥ //

Durch das Kreisen des Leuchtenden verwirrt, an Erde, Himmel und Unterwelt, war die Welt damals überaus in Aufruhr, o ihr Besten der Weisen.

Wort für Wort
bhāsvat-bhramaṇa-vibhrānta
durch das Kreisen des Leuchtenden verwirrt
bhūmi-ākāśa-rasātalam
an Erde, Himmel und Unterwelt
jagat ākulam atyartham
die Welt überaus in Aufruhr
tadā āsīn munisattamāḥ
war damals, o Beste der Weisen

trailokyam ākulaṃ vīkṣya bhramamāṇaṃ surarṣayaḥ / devāś ca brahmaṇā sārdhaṃ bhāsvantam abhituṣṭuvuḥ //

Die drei Welten in Aufruhr, kreisend, erblickend, priesen die Götterseher und die Götter zusammen mit Brahmā den Leuchtenden.

Wort für Wort
trailokyam ākulam vīkṣya
die dreifache Welt in Aufruhr erblickend
bhramamāṇam surarṣayaḥ
kreisend, die Götterseher
devāḥ ca brahmaṇā sārdham
und die Götter zusammen mit Brahmā
bhāsvantam abhituṣṭuvuḥ
priesen den Leuchtenden

ādidevo 'si devānāṃ jātas tvaṃ bhūtaye bhuvaḥ / sargasthityantakāleṣu tridhā bhedena tiṣṭhasi //

'Du bist der Urgott der Götter, geboren zum Wohl der Erde; zu den Zeiten von Schöpfung, Erhaltung und Ende bestehst du dreifach getrennt.'

Wort für Wort
ādidevaḥ asi devānām
der Urgott bist du der Götter
jātaḥ tvam bhūtaye bhuvaḥ
geboren zum Wohl der Erde
sarga-sthiti-anta-kāleṣu
zu den Zeiten von Schöpfung, Erhaltung, Ende
tridhā bhedena tiṣṭhasi
bestehst du dreifach getrennt

svasti te 'stu jagannātha gharmavarṣadivākara / indrādayas tadā devā likhyamānam athāstuvan //

'Heil sei dir, Herr der Welt, Erzeuger von Hitze und Regen, Tagmacher!' Indra und die anderen Götter priesen darauf den [gerade] Geschliffenwerdenden.

Wort für Wort
svasti te astu jagannātha
Heil sei dir, Herr der Welt
gharma-varṣa-divākara
Erzeuger von Hitze und Regen, Tagmacher
indra-ādayaḥ tadā devāḥ
Indra und die anderen Götter dann
likhyamānam atha astuvan
priesen den [gerade] Geschliffenwerdenden

jaya deva jagatsvāmiñ jayāśeṣajagatpate / ṛṣayaś ca tataḥ sapta vasiṣṭhātripurogamāḥ //

'Sieg, o Gott, Herr der Welt! Sieg, Herr der gesamten Welt!' Und dann die sieben Seher, angeführt von Vasiṣṭha und Atri...

Wort für Wort
jaya deva jagat-svāmin
Sieg, o Gott, Herr der Welt
jaya aśeṣa-jagat-pate
Sieg, Herr der gesamten Welt
ṛṣayaḥ ca tataḥ sapta
und dann die sieben Seher
vasiṣṭha-atri-purogamāḥ
angeführt von Vasiṣṭha und Atri

tuṣṭuvur vividhaiḥ stotraiḥ svasti svastītivādinaḥ / vedoktibhir athāgryābhir vālakhilyāś ca tuṣṭuvuḥ //

...priesen ihn mit mannigfachen Lobliedern, 'Heil, Heil!' rufend; und mit den vortrefflichsten Vedasprüchen priesen ihn auch die Vālakhilyas.

Wort für Wort
tuṣṭuvuḥ vividhaiḥ stotraiḥ
priesen ihn mit mannigfachen Lobliedern
svasti svasti iti vādinaḥ
'Heil, Heil' rufend
veda-uktibhiḥ atha agryābhiḥ
mit den vortrefflichsten Vedasprüchen
vālakhilyāḥ ca tuṣṭuvuḥ
und die Vālakhilyas priesen

agnir ādyāś ca bhāsvantaṃ likhyamānaṃ mudā yutāḥ / tvaṃ nātha mokṣiṇāṃ mokṣo dhyeyas tvaṃ dhyānināṃ paraḥ //

Agni und die anderen priesen, von Freude erfüllt, den geschliffen werdenden Leuchtenden: 'Du, Herr, bist die Erlösung der nach Erlösung Strebenden, du bist der höchste, zu Meditierende der Meditierenden;'

Wort für Wort
agniḥ ādyāḥ ca bhāsvantam
Agni und die anderen den Leuchtenden
likhyamānam mudā yutāḥ
den Geschliffenwerdenden, von Freude erfüllt
tvam nātha mokṣiṇām mokṣaḥ
du, Herr, bist die Erlösung der nach Erlösung Strebenden
dhyeyaḥ tvam dhyāninām paraḥ
zu Meditierender bist du, der höchste, der Meditierenden

tvaṃ gatiḥ sarvabhūtānāṃ karmakāṇḍavivartinām / saṃpūjyas tvaṃ tu deveśa śaṃ no 'stu jagatāṃ pate //

'du bist das Ziel aller Wesen, die im Kreis der ritualen Werke sich drehen; verehrungswürdig bist du, o Herr der Götter — Heil sei uns, o Herr der Welten!'

Wort für Wort
tvam gatiḥ sarva-bhūtānām
du bist das Ziel aller Wesen
karma-kāṇḍa-vivartinām
die im Kreis der Werke sich drehen
saṃpūjyaḥ tvam tu deveśa
verehrungswürdig bist du, o Herr der Götter
śam naḥ astu jagatām pate
Heil sei uns, o Herr der Welten

śaṃ no 'stu dvipade nityaṃ śaṃ naś cāstu catuṣpade / tato vidyādharagaṇā yakṣarākṣasapannagāḥ //

'Heil sei uns Zweifüßigen stets, und Heil sei uns Vierfüßigen!' Dann die Scharen der Vidyādharas, Yakṣas, Rākṣasas und Schlangen...

Wort für Wort
śam naḥ astu dvipade nityam
Heil sei uns Zweifüßigen stets
śam naḥ ca astu catuṣpade
und Heil sei uns Vierfüßigen
tataḥ vidyādhara-gaṇāḥ
dann die Scharen der Vidyādharas
yakṣa-rākṣasa-pannagāḥ
Yakṣas, Rākṣasas und Schlangen

kṛtāñjalipuṭāḥ sarve śirobhiḥ praṇatā ravim / ūcus te vividhā vāco manaḥśrotrasukhāvahāḥ //

...alle mit gefalteten Händen, mit den Häuptern sich vor der Sonne verneigend, sprachen sie mannigfache Worte, die Geist und Ohr Freude brachten:

Wort für Wort
kṛta-añjali-puṭāḥ sarve
alle mit gefalteten Händen
śirobhiḥ praṇatāḥ ravim
mit den Häuptern sich vor der Sonne verneigend
ūcuḥ te vividhāḥ vācaḥ
sie sprachen mannigfache Worte
manaḥ-śrotra-sukha-āvahāḥ
die Geist und Ohr Freude brachten

sahyaṃ bhavatu tejas te bhūtānāṃ bhūtabhāvana / tato hāhāhūhūś caiva nāradas tumburus tathā //

'Erträglich möge dein Glanz sein für die Wesen, o Erzeuger der Wesen!' Dann Hāhā und Hūhū, und ebenso Nārada und Tumburu...

Wort für Wort
sahyam bhavatu tejaḥ te
erträglich möge dein Glanz sein
bhūtānām bhūtabhāvana
für die Wesen, o Erzeuger der Wesen
tataḥ hāhā-hūhūḥ ca eva
dann Hāhā und Hūhū
nāradaḥ tumburuḥ tathā
Nārada und ebenso Tumburu

upagāyitum ārabdhā gāndharvakuśalā ravim / ṣaḍjamadhyamagāndhāra-gānatrayaviśāradāḥ //

...begannen, der Sonne zuzusingen, kundig im Gandharva-Gesang, erfahren in der dreifachen Gesangskunst von Ṣaḍja, Madhyama und Gāndhāra [den musikalischen Tonarten].

Wort für Wort
upagāyitum ārabdhāḥ
begannen zuzusingen
gāndharva-kuśalāḥ ravim
kundig im Gandharva-Gesang, der Sonne
ṣaḍja-madhyama-gāndhāra
von Ṣaḍja, Madhyama, Gāndhāra
gāna-traya-viśāradāḥ
in der dreifachen Gesangskunst erfahren

mūrchanābhiś ca tālaiś ca saṃprayogaiḥ sukhapradam / viśvācī ca ghṛtācī ca urvaśy atha tilottamāḥ //

Mit Tonleitern und Rhythmen und [rechten] Verbindungen [sangen sie] freudebringend; Viśvācī und Ghṛtācī, Urvaśī und ferner Tilottamā...

Wort für Wort
mūrchanābhiḥ ca tālaiḥ ca
mit Tonleitern und Rhythmen
saṃprayogaiḥ sukha-pradam
mit Verbindungen, freudebringend
viśvācī ca ghṛtācī ca
Viśvācī und Ghṛtācī
urvaśī atha tilottamāḥ
Urvaśī und ferner Tilottamā

menakā sahajanyā ca rambhā cāpsarasāṃ varā / nanṛtur jagatām īśe likhyamāne vibhāvasau //

...Menakā, Sahajanyā und Rambhā, die beste der Apsaras, tanzten, während der Herr der Welten, der Lichtträger, geschliffen wurde.

Wort für Wort
menakā sahajanyā ca
Menakā, Sahajanyā
rambhā ca apsarasām varā
und Rambhā, die beste der Apsaras
nanṛtuḥ jagatām īśe
tanzten vor dem Herrn der Welten
likhyamāne vibhāvasau
während der Lichtträger geschliffen wurde

bhāvahāvavilāsādyān kurvatyo 'bhinayān bahūn / prāvādyanta tatas tatra vīṇā veṇvādijharjharāḥ //

...vielerlei Darstellungen von Gefühl, Gebärde, Anmut u.a. vollführend; dann wurden dort Vīṇās, Flöten u.a. sowie Jharjhara-Trommeln gespielt,

Wort für Wort
bhāva-hāva-vilāsa-ādyān
von Gefühl, Gebärde, Anmut u.a.
kurvatyaḥ abhinayān bahūn
vielerlei Darstellungen vollführend
prāvādyanta tataḥ tatra
dann wurden dort gespielt
vīṇā veṇu-ādi-jharjharāḥ
Vīṇās, Flöten u.a., Jharjhara-Trommeln

paṇavāḥ puṣkarāś caiva mṛdaṅgāḥ paṭahānakāḥ / devadundubhayaḥ śaṅkhāḥ śataśo 'tha sahasraśaḥ //

...Paṇava- und Puṣkara-Trommeln, Mṛdaṅgas, Paṭaha- und Ānaka-Trommeln, Götter-Kesselpauken und Muschelhörner, zu Hunderten und Tausenden.

Wort für Wort
paṇavāḥ puṣkarāḥ ca eva
Paṇava- und Puṣkara-Trommeln
mṛdaṅgāḥ paṭaha-anakāḥ
Mṛdaṅgas, Paṭaha- und Ānaka-Trommeln
deva-dundubhayaḥ śaṅkhāḥ
Götter-Kesselpauken, Muschelhörner
śataśaḥ atha sahasraśaḥ
zu Hunderten und Tausenden

gāyadbhiś caiva nṛtyadbhir gandharvair apsarogaṇaiḥ / tūryavāditraghoṣaiś ca sarvaṃ kolāhalīkṛtam //

Durch die singenden und tanzenden Gandharvas und Apsaras-Scharen und die Klänge der Musikinstrumente wurde alles zu einem Getöse gemacht.

Wort für Wort
gāyadbhiḥ ca eva nṛtyadbhiḥ
durch die singenden und tanzenden
gandharvaiḥ apsaraḥ-gaṇaiḥ
Gandharvas und Apsaras-Scharen
tūrya-vāditra-ghoṣaiḥ ca
und durch die Klänge der Musikinstrumente
sarvam kolāhalī-kṛtam
wurde alles zu einem Getöse gemacht

tataḥ kṛtāñjalipuṭā bhaktinamrātmamūrtayaḥ / likhyamānaṃ sahasrāṃśuṃ praṇemuḥ sarvadevatāḥ //

Dann verneigten sich, mit gefalteten Händen, ihre Gestalten in Hingabe geneigt, alle Gottheiten vor dem geschliffen werdenden Tausendstrahligen.

Wort für Wort
tataḥ kṛta-añjali-puṭāḥ
dann mit gefalteten Händen
bhakti-namra-ātma-mūrtayaḥ
ihre Gestalten in Hingabe geneigt
likhyamānam sahasrāṃśum
vor dem geschliffen werdenden Tausendstrahligen
praṇemuḥ sarva-devatāḥ
verneigten sich alle Gottheiten

tataḥ kolāhale tasmin sarvadevasamāgame / tejasaḥ śātanaṃ cakre viśvakarmā śanaiḥ śanaiḥ //

Dann, in jenem Getöse, bei jener Versammlung aller Götter, vollzog Viśvakarman ganz allmählich die Abschleifung des Glanzes.

Wort für Wort
tataḥ kolāhale tasmin
dann in jenem Getöse
sarva-deva-samāgame
bei jener Versammlung aller Götter
tejasaḥ śātanam cakre
vollzog die Abschleifung des Glanzes
viśvakarmā śanaiḥ śanaiḥ
Viśvakarman ganz allmählich

ājānulikhitaś cāsau nipuṇaṃ viśvakarmaṇā / nābhyanandat tu likhanaṃ tatas tenāvatāritaḥ //

Und geschliffen bis zum Knie kunstvoll von Viśvakarman, missbilligte er das Schleifen nicht; dann wurde er von ihm weiter herabgesetzt.

Wort für Wort
ā-jānu-likhitaḥ ca asau
und dieser bis zum Knie geschliffen
nipuṇam viśvakarmaṇā
kunstvoll von Viśvakarman
na abhyanandat tu likhanam
missbilligte aber nicht das Schleifen
tataḥ tena avatāritaḥ
dann von ihm weiter herabgesetzt

na tu nirbhartsitaṃ rūpaṃ tejaso hananena tu / kāntāt kāntataraṃ rūpam adhikaṃ śuśubhe tataḥ //

Doch nicht wurde die Gestalt durch die Verminderung des Glanzes herabgesetzt; eine noch lieblichere Gestalt als die liebliche erstrahlte danach umso mehr.

Wort für Wort
na tu nirbhartsitam rūpam
nicht aber wurde die Gestalt herabgesetzt
tejasaḥ hananena tu
durch die Verminderung des Glanzes
kāntāt kāntataram rūpam
eine lieblichere Gestalt als die liebliche
adhikam śuśubhe tataḥ
erstrahlte umso mehr danach

iti himajalagharmakālahetor harakamalāsanaviṣṇusaṃstutasya / tadupari likhanaṃ niśamya bhānor vrajati divākaralokam āyuṣo 'nte //

So gelangt, wer von dieser Abschleifung an jenem Gott vernimmt, der die Ursache von Schnee, Wasser und Hitze [den Jahreszeiten] ist, von Hara [Śiva], dem Lotusthronenden [Brahmā] und Viṣṇu gepriesen — an das Ende seines Lebens gelangt, in die Welt der Sonne (Divākara).

Wort für Wort
iti hima-jala-gharma-kāla-hetoḥ
so von der Ursache von Schnee, Wasser, Hitze [den Jahreszeiten]
hara-kamalāsana-viṣṇu-saṃstutasya
von Hara, dem Lotusthronenden und Viṣṇu gepriesen
tat-upari likhanam niśamya bhānoḥ
von dieser Abschleifung der Sonne vernehmend
vrajati divākara-lokam āyuṣaḥ ante
gelangt er an das Lebensende in die Welt der Sonne

[Anm.: Dieser Vers steht, wie mehrfach zuvor beobachtet, in einem abweichenden Versmaß (vier Padas mit Buchstabenkennzeichnung a-d statt fortlaufender Versnummer) und wurde daher als eine Einheit zusammengefasst.]

evaṃ janma raveḥ pūrvaṃ babhūva munisattamāḥ / rūpaṃ ca paramaṃ tasya mayā saṃparikīrtitam //

So war, o ihr Besten der Weisen, die frühere Geburt der Sonne, und ihre höchste Gestalt wurde von mir vollständig verkündet.

Wort für Wort
evam janma raveḥ pūrvam
so die frühere Geburt der Sonne
babhūva munisattamāḥ
war, o Beste der Weisen
rūpam ca paramam tasya
und die höchste Gestalt von ihr
mayā saṃparikīrtitam
wurde von mir vollständig verkündet

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