Kapitel 124: putratīrthamāhātmyavarṇanam
Die Größe des Putra-Tīrtha (Diti, Danu und die Entstehung der Maruts)
Diti, verzweifelt über den Machtverfall ihrer Söhne (Daityas/Dānavas) gegenüber Aditis Söhnen (V.1-9), erhält von ihrem Gatten Kaśyapa ein zwölfjähriges Gelübde mit strengen Verhaltensregeln für einen mächtigen Sohn (V.16-26). Der Daitya Maya, aus Freundschaft mit Indra (nach der Namuci-Episode, V.32-50), verrät diesem Ditis Plan; Indra dringt während ihres unachtsamen Schlafs in ihren Leib ein und zerschneidet den heranwachsenden Fötus trotz dessen eindringlicher Bitten mit dem Donnerkeil in immer kleinere Teile - die daraus entstehenden 49 lebendigen Teile werden zu den Maruts, den Windgöttern (V.51-73). Agastya verflucht Indra für seine Tat, Diti verflucht ihn ebenfalls (Verlust der Herrschaft durch Frauen), doch Śiva vermittelt: die Maruts werden Indras Verbündete und opferberechtigt, Agastyas Fluch wird gemildert, und Diti erbittet von Śiva zum Wohl aller Menschen einen Segen für Kinderlose (V.74-136). Ursprung des Putra- (Sohnes-), Mitra- (Freundschafts-), Śakra- und Kamalā-Tīrtha am Zusammenfluss von Diti und Gaṅgā. [Anm.: V.74 mit unsicherer Bezugssetzung ('tava bhrātā'); V.97 mit ungewöhnlichem Śiva-Epitheton 'vāsava'; mehrere Verse mit drei Zeilen im Original sowie V.3 und V.6 mit unregelmäßiger Padazahl (2 bzw. 6 statt 4) im besonderen Hymnenmetrum.]
{brahmovāca: }
putratīrtham iti khyātaṃ puṇyatīrthaṃ tad ucyate /
sarvān kāmān avāpnoti yanmahimnaḥ śruter api // BrP_124.1 //
Brahmā sprach: 'Es wird Putra-Tīrtha genannt, jenes heilige Tīrtha; alle Wünsche erlangt man, dessen Größe schon durch bloßes Hören (bekannt ist).'
Wort für Wort
putratīrtham iti khyātaṃ puṇyatīrthaṃ tad ucyate
es wird Putra-Tīrtha genannt, jenes heilige Tīrtha
sarvān kāmān avāpnoti yanmahimnaḥ śruter api
alle Wünsche erlangt man, dessen Größe schon durch bloßes Hören bekannt ist
[Anm.: Beginn der Diti-Danu-Erzählung von der Entstehung der Maruts (49 Windgötter) aus dem im Mutterleib von Indra zerstückelten Sohn der Diti; Kap.124 umfasst 140 Einheiten.]
Ich werde sein Wesen darlegen, höre aufmerksam, Nārada: als einst die Söhne der Diti und die Danu-Söhne geschwächt waren, während die ältesten Söhne der Aditi in voller Kraft standen, o Nārada -
Wort für Wort
tasya svarūpaṃ vakṣyāmi śṛṇu yatnena nārada
ich werde sein Wesen darlegen, höre aufmerksam, Nārada
diteḥ putrāś ca danujāḥ parikṣīṇā yadābhavan
als einst die Söhne der Diti und die Danu-Söhne geschwächt waren
adites tu sutā jyeṣṭhāḥ sarvabhāvena nārada
während die ältesten Söhne der Aditi in voller Kraft standen, o Nārada
Diti sprach: 'Erschöpft sind die Söhne von uns beiden, Gütige - was sollen wir tun, welche Tat wäre in der Welt gewichtiger? Sieh das ungebrochene, herausragende Geschlecht der Aditi, verbunden mit guter Herrschaft, mit Ruhm und Siegesglanz.'
Wort für Wort
kṣīṇāḥ sutā āvayor eva bhadre
'erschöpft sind die Söhne von uns beiden, Gütige'
kiṃ kurmahe karma loke garīyaḥ
'was sollen wir tun, welche Tat wäre in der Welt gewichtiger?'
paśyāditer vaṃśam abhinnam uttamaṃ
'sieh das ungebrochene, herausragende Geschlecht der Aditi'
saurājyayuktaṃ yaśasā jayaśriyā
'verbunden mit guter Herrschaft, mit Ruhm und Siegesglanz'
'- den Feind besiegend, von erhabenem Ruhm und Dharma, geschickt darin, die Freude meines Herzens zu zerstören - bei gleichem Gattenstand, gleichem Dharma, bei gleichem Geschlecht und auch gleicher Gestalt (wie ich)!'
Wort für Wort
jitārim abhyunnatakīrtidharmaṃ
'den Feind besiegend, von erhabenem Ruhm und Dharma'
maccittasaṃharṣavināśadakṣam
'geschickt darin, die Freude meines Herzens zu zerstören'
samānabhartṛtvasamānadharme
'bei gleichem Gattenstand, gleichem Dharma'
samānagotre 'pi samānarūpe
'bei gleichem Geschlecht und auch gleicher Gestalt'
na jīvayeyaṃ śriyam unnatiṃ ca BrP_124.6a
jīrṇāsmi dṛṣṭvā tv aditiprasūtān BrP_124.6b
kām apy avasthām anuyāmi duḥsthā BrP_124.6c
'diter vilokyātha parāṃ samṛddhim BrP_124.6d
dāvapraveśo 'pi sukhāya nūnaṃ BrP_124.6e
svapne 'py avekṣyā na sapatnalakṣmīḥ BrP_124.6f
'Ich könnte das Glück und die Erhöhung (der Aditi) nicht mitansehen und am Leben bleiben; ich bin verzehrt, die von Aditi Geborenen sehend. In welch elenden Zustand gerate ich, wenn ich der Aditi höchsten Wohlstand erblicke - selbst der Eintritt in ein Waldfeuer wäre gewiss angenehmer; selbst im Traum ist das Glück der Nebenbuhlerin nicht mitanzusehen.'
Wort für Wort
na jīvayeyaṃ śriyam unnatiṃ ca
'ich könnte das Glück und die Erhöhung nicht mitansehen und am Leben bleiben'
jīrṇāsmi dṛṣṭvā tv aditiprasūtān
'ich bin verzehrt, die von Aditi Geborenen sehend'
kām apy avasthām anuyāmi duḥsthā
'in welch elenden Zustand gerate ich'
'diter vilokyātha parāṃ samṛddhim
'wenn ich der Aditi höchsten Wohlstand erblicke'
dāvapraveśo 'pi sukhāya nūnaṃ
'selbst der Eintritt in ein Waldfeuer wäre gewiss angenehmer'
svapne 'py avekṣyā na sapatnalakṣmīḥ
'selbst im Traum ist das Glück der Nebenbuhlerin nicht mitanzusehen'
[Anm.: V.6 mit sechs Padas (a-f) im besonderen Hymnenmetrum, statt der üblichen vier.]
Brahmā sprach: Zu ihr, die so sprach, mit überaus kläglichem Antlitz, tief seufzend, sprach der Sohn des Höchsten (Kaśyapa), von ihr geehrt, seine Müdigkeit ablegend, sie tröstend, die den Sinn Erfreuende.
Wort für Wort
evaṃ bruvāṇām atidīnavaktrāṃ
zu ihr, die so sprach, mit überaus kläglichem Antlitz
viniśvasantīṃ parameṣṭhiputraḥ
tief seufzend, (sprach) der Sohn des Höchsten (Kaśyapa)
{parameṣṭhiputra uvāca: }
khedo na kāryaḥ samabhīpsitaṃ yat BrP_124.8a
tat prāpyate puṇyata eva bhadre BrP_124.8b
tatsādhanaṃ vetti mahānubhāvaḥ BrP_124.8c
prajāpatis te sa tu vakṣyatīti BrP_124.8d
Kaśyapa sprach: 'Kein Kummer soll gemacht werden; was ersehnt wird, das wird durch Verdienst allein erlangt, Gütige; das Mittel dazu kennt der Hochherzige, der Herr der Geschöpfe (Brahmā) - er wird es dir sagen.'
Wort für Wort
khedo na kāryaḥ samabhīpsitaṃ yat
'kein Kummer soll gemacht werden; was ersehnt wird'
{kaśyapa uvāca: }
upadekṣye vrataṃ śreṣṭhaṃ dvādaśābdaphalapradam /
tata āgatya te garbham ādhāsye yan manogatam /
niṣpāpatāyāṃ jātāyāṃ sidhyanti hi manorathāḥ // BrP_124.16 //
Kaśyapa sprach: 'Ich werde dir ein vorzügliches Gelübde lehren, das nach zwölf Jahren Frucht trägt; danach zurückgekehrt, werde ich dir die Schwangerschaft geben, die dir im Sinn liegt; wenn Sündlosigkeit erreicht ist, gehen die Herzenswünsche in Erfüllung.'
Wort für Wort
upadekṣye vrataṃ śreṣṭhaṃ dvādaśābdaphalapradam
'ich werde dir ein vorzügliches Gelübde lehren, das nach zwölf Jahren Frucht trägt'
tata āgatya te garbham ādhāsye yan manogatam
'danach zurückgekehrt, werde ich dir die Schwangerschaft geben, die dir im Sinn liegt'
niṣpāpatāyāṃ jātāyāṃ sidhyanti hi manorathāḥ
'wenn Sündlosigkeit erreicht ist, gehen die Herzenswünsche in Erfüllung'
Brahmā sprach: Durch das Wort ihres Gatten erfreut, verneigte sich die langäugige Diti vor ihm und vollzog das von ihm gelehrte, vom Gatten angeordnete Gelübde vorschriftsgemäß.
Wort für Wort
bhartṛvākyād ditiḥ prītā taṃ namasyāyatekṣaṇā
durch das Wort ihres Gatten erfreut, verneigte sich die langäugige Diti vor ihm
upadiṣṭaṃ vrataṃ cakre bhartrādiṣṭaṃ yathāvidhi
und vollzog das von ihm gelehrte, vom Gatten angeordnete Gelübde vorschriftsgemäß
Diejenigen, die des Besuchs von Tīrthas, der Gabe an würdige Empfänger, der Ausübung von Gelübden und dergleichen entbehren, wie sollten Lebewesen hier ihre Herzenswünsche erreichen?
Wort für Wort
tīrthasevāpātradānavratacaryādivarjitāḥ
diejenigen, die des Besuchs von Tīrthas, der Gabe an würdige Empfänger, der Ausübung von Gelübden und dergleichen entbehren
katham āsādayiṣyanti prāṇino 'tra manorathān
wie sollten Lebewesen hier ihre Herzenswünsche erreichen
Kaśyapa sprach: 'Was selbst in Askese verharrende Weise an Wünschen nicht erlangen, das (erlangst du), wenn nicht aus Geringschätzung gegen die vorschriftsgemäß angeordneten Handlungsglieder (verstoßen wird), du Lächelnde.'
Wort für Wort
na prāpnuvanti yatkāmān munayo 'pi tapassthitāḥ
'was selbst in Askese verharrende Weise an Wünschen nicht erlangen'
yathāvihitakarmāṅgaavajñayā tac chucismite
'das (erlangst du), wenn nicht aus Geringschätzung gegen die vorgeschriebenen Handlungsglieder verstoßen wird, du Lächelnde'
[Anm.: Konstruktion des zweiten Halbverses verdichtet; sinngemäß: Missachtung der folgenden Vorschriften würde den Erfolg des Gelübdes gefährden.]
udakśīrṣaṃ tu śayanaṃ na saṃdhyāsu viśeṣataḥ /
vaktavyaṃ nānṛtaṃ kiṃcin nānyagehāṭanaṃ tathā // BrP_124.25 //
'Mit dem Kopf zum Wasser hin soll das Lager nicht sein, besonders nicht zu den Dämmerungszeiten; keinerlei Unwahres soll gesprochen werden, ebenso kein Umherstreifen in fremden Häusern.'
Wort für Wort
udakśīrṣaṃ tu śayanaṃ na saṃdhyāsu viśeṣataḥ
'mit dem Kopf zum Wasser hin soll das Lager nicht sein, besonders nicht zu den Dämmerungszeiten'
vaktavyaṃ nānṛtaṃ kiṃcin nānyagehāṭanaṃ tathā
'keinerlei Unwahres soll gesprochen werden, ebenso kein Umherstreifen in fremden Häusern'
kāntād anyo na vīkṣyas tu prayatnena naraḥ kvacit /
ityādiniyamair yuktā yadi tvam anuvartase /
tatas te bhavitā putras trailokyaiśvaryabhājanam // BrP_124.26 //
'Kein anderer Mann als der Gatte soll je mit Absicht angeblickt werden. Wenn du, mit solchen und ähnlichen Regeln versehen, ihnen folgst, dann wird dir ein Sohn geboren werden, der Träger der Herrschaft über die drei Welten.'
Wort für Wort
kāntād anyo na vīkṣyas tu prayatnena naraḥ kvacit
'kein anderer Mann als der Gatte soll je mit Absicht angeblickt werden'
ityādiniyamair yuktā yadi tvam anuvartase
'wenn du, mit solchen und ähnlichen Regeln versehen, ihnen folgst'
tatas te bhavitā putras trailokyaiśvaryabhājanam
'dann wird dir ein Sohn geboren werden, der Träger der Herrschaft über die drei Welten'
viśvāsaikagṛhaṃ mitram apāyatrāsavarjitam /
arjitaṃ sukṛtaṃ nānā- vidhaṃ cet tad avāpyate // BrP_124.31 //
Ein Freund, das einzige Haus des Vertrauens, frei von der Furcht vor Verderben, wird erlangt, wenn mannigfaches, wohlerworbenes Verdienst vorhanden ist.
Wort für Wort
viśvāsaikagṛhaṃ mitram apāyatrāsavarjitam
ein Freund, das einzige Haus des Vertrauens, frei von der Furcht vor Verderben
arjitaṃ sukṛtaṃ nānāvidhaṃ cet tad avāpyate
wird erlangt, wenn mannigfaches, wohlerworbenes Verdienst vorhanden ist
[Anm.: Allgemeiner, sprichwortartiger Einschub über den Wert wahrer Freundschaft.]
{nārada uvāca: }
namuceś ca priyo bhrātā mayo daityo mahābalaḥ /
bhrātṛhantrā kathaṃ maitryaṃ mayasyāsīt sureśvara // BrP_124.32 //
Nārada sprach: 'Maya, der mächtige Daitya, ist doch der geliebte Bruder Namucis - wie konnte Freundschaft zwischen Maya und dem Mörder seines Bruders entstehen, Herr der Götter?'
Wort für Wort
namuceś ca priyo bhrātā mayo daityo mahābalaḥ
'Maya, der mächtige Daitya, ist doch der geliebte Bruder Namucis'
bhrātṛhantrā kathaṃ maitryaṃ mayasyāsīt sureśvara
'wie konnte Freundschaft zwischen Maya und dem Mörder seines Bruders entstehen, Herr der Götter?'
Brahmā sprach: Es gab einst einen mächtigen Herrscher der Daityas namens Namuci; zwischen ihm und Indra entstand eine schreckliche, haarsträubende Feindschaft.
Wort für Wort
daityānām adhipaś cāsīd balavān namuciḥ purā
es gab einst einen mächtigen Herrscher der Daityas namens Namuci
indreṇa vairam abhavad bhīṣaṇaṃ lomaharṣaṇam
zwischen ihm und Indra entstand eine schreckliche, haarsträubende Feindschaft
sa vajrapāṇis tarasā phenenaivāhanad ripum /
namucir nāśam agamat tasya bhrātā mayo 'nujaḥ // BrP_124.36 //
Er, der Donnerkeilträger, tötete rasch den Feind mit eben dem Schaum; Namuci ging zugrunde - Maya war sein jüngerer Bruder.
Wort für Wort
sa vajrapāṇis tarasā phenenaivāhanad ripum
er, der Donnerkeilträger, tötete rasch den Feind mit eben dem Schaum
namucir nāśam agamat tasya bhrātā mayo 'nujaḥ
Namuci ging zugrunde - Maya war sein jüngerer Bruder
[Anm.: Anspielung auf den bekannten Mythos, wonach Indra Namuci mit Schaum tötete, da er zuvor geschworen hatte, ihn weder mit trockener noch mit feuchter Waffe zu töten.]
Nachdem er durch Askese Gaben von Viṣṇu, dem Zufluchtsort der Welt, erhalten hatte, wurde jener Maya da freigebig im Schenken und liebenswürdig im Reden.
Wort für Wort
varāṃś cāvāpya tapasā viṣṇor lokaparāyaṇāt
nachdem er durch Askese Gaben von Viṣṇu, dem Zufluchtsort der Welt, erhalten hatte
dānaśauṇḍaḥ priyālāpī tadābhavad asau mayaḥ
wurde jener Maya da freigebig im Schenken und liebenswürdig im Reden
Als Maghavan (Indra) durch Vāyu erfuhr, dass Maya, der zauberkundige Feind, sich zum rechten Kampf anschickte, ging er, ein Brahmane geworden, zu ihm; Śacīs Gatte sprach immer wieder dies zu dem Daitya Maya.
Wort für Wort
viditvā maghavā vāyor mayaṃ māyāvinaṃ ripum
als Maghavan durch Vāyu erfuhr, dass Maya, der zauberkundige Feind
upakrāntaṃ suyuddhāya vipro bhūtvā tam abhyagāt
sich zum rechten Kampf anschickte, ging er, ein Brahmane geworden, zu ihm
śacībhartā mayaṃ daityaṃ provācedaṃ punaḥ punaḥ
Śacīs Gatte sprach immer wieder dies zu dem Daitya Maya
Indra sprach: 'Gib mir, dem Bittsteller, o Herr der Daityas, die erwünschte Gabe; von dir gehört habend, dem Musterbild der Freigebigkeit, bin ich, der beste der Zweifachgeborenen, gekommen.'
Wort für Wort
dehi daityapate mahyam arthine 'pekṣitaṃ varam
'gib mir, dem Bittsteller, o Herr der Daityas, die erwünschte Gabe'
tvāṃ śrutvā dātṛtilakam āgato 'haṃ dvijottamaḥ
'von dir gehört habend, dem Musterbild der Freigebigkeit, bin ich, der beste der Zweifachgeborenen, gekommen'
Brahmā sprach: Auch Maya, ihn für einen Brahmanen haltend, sprach: 'Gegeben ist von mir dir, was du wünschst; die Rechtschaffenen erwägen nicht, ob es viel oder wenig ist, vor einem Bittenden.'
Wort für Wort
mayo 'pi brāhmaṇaṃ matvā 'vadad dattaṃ mayā tava
auch Maya, ihn für einen Brahmanen haltend, sprach: 'gegeben ist von mir dir, was du wünschst'
vicārayanti kṛtino bahv alpaṃ vā puro 'rthini
'die Rechtschaffenen erwägen nicht, ob es viel oder wenig ist, vor einem Bittenden'
ity ukte tu hariḥ prāha sakhyam icche hy ahaṃ tvayā /
indraṃ mayaḥ punaḥ prāha kim anena dvijottama // BrP_124.43 //
Als dies gesagt war, sprach Hari (Indra): 'Freundschaft wünsche ich mit dir'; Maya sprach wieder zu Indra: 'Was nützt das, bester der Zweifachgeborenen?'
Wort für Wort
ity ukte tu hariḥ prāha sakhyam icche hy ahaṃ tvayā
als dies gesagt war, sprach Hari: 'Freundschaft wünsche ich mit dir'
indraṃ mayaḥ punaḥ prāha kim anena dvijottama
Maya sprach wieder zu Indra: 'was nützt das, bester der Zweifachgeborenen?'
na tvayā mama vairaṃ bhoḥ svastīty āha harir mayam /
tattvaṃ vadeti sa harir daityenoktaḥ svakaṃ vapuḥ // BrP_124.44 //
'Ich habe keine Feindschaft mit dir, wohlan, es sei Wohlergehen!' - so sprach Hari zu Maya. 'Sage die Wahrheit, wer du bist!' - so von dem Daitya aufgefordert, (zeigte) jener Hari seine eigene Gestalt.
Wort für Wort
na tvayā mama vairaṃ bhoḥ svastīty āha harir mayam
'ich habe keine Feindschaft mit dir, wohlan, es sei Wohlergehen!' - so sprach Hari zu Maya
tattvaṃ vadeti sa harir daityenoktaḥ svakaṃ vapuḥ
'sage die Wahrheit, wer du bist!' - so von dem Daitya aufgefordert, (zeigte) jener Hari seine eigene Gestalt
ahāni maghavaṃs tasyā garbham āviśya vajradhṛk /
vardhamānaṃ ca taṃ chindhi yāvad vaśyo 'thavā mṛtim /
prāpnoti tāvad vajreṇa tato na bhavitā ripuḥ // BrP_124.52 //
'- Tage, o Maghavan; und, o Donnerkeilträger, in ihren Schoß eingetreten, zerschneide den heranwachsenden (Fötus), bis er dir untertan wird, oder mit dem Donnerkeil den Tod erlangt - dann wird kein Feind mehr sein.'
Wort für Wort
ahāni maghavaṃs tasyā garbham āviśya vajradhṛk
'Tage, o Maghavan; und, o Donnerkeilträger, in ihren Schoß eingetreten'
vardhamānaṃ ca taṃ chindhi yāvad vaśyo 'thavā mṛtim
'zerschneide den heranwachsenden Fötus, bis er dir untertan wird, oder den Tod'
prāpnoti tāvad vajreṇa tato na bhavitā ripuḥ
'erlangt mit dem Donnerkeil - dann wird kein Feind mehr sein'
Brahmā sprach: 'So sei es', sagend, Maya verehrend, ging Maghavan da ganz allein, demütig, geradewegs zur Mutter Diti, Śakra, jener Göttin, der Mutter der Daityas, aufwartend; sie, Diti, kannte nicht jenen feindseligen Sinn Śakras.
Wort für Wort
tathety uktvā mayaṃ pūjya maghavān eka eva hi
'so sei es', sagend, Maya verehrend, Maghavan ganz allein
vinītavat tadā prāyād ditiṃ mātaram añjasā
ging da demütig geradewegs zur Mutter Diti
śuśrūṣamāṇas tāṃ devīṃ śakro daiteyamātaram
Śakra, jener Göttin, der Mutter der Daityas, aufwartend
sā na jānāti tac cittaṃ śakrasya dviṣato ditiḥ
sie, Diti, kannte nicht jenen feindseligen Sinn Śakras
saṃdhyodakśīrṣanidrāṃ tām avekṣya kuliśāyudhaḥ /
idam antaram ity uktvā dityāḥ kukṣiṃ samāviśat // BrP_124.56 //
Sie im Dämmerungsschlaf mit dem Kopf zum Wasser liegend sehend, sprach der Donnerkeilbewaffnete: 'Dies ist die Gelegenheit' und drang in Ditis Leib ein.
Wort für Wort
saṃdhyodakśīrṣanidrāṃ tām avekṣya kuliśāyudhaḥ
sie im Dämmerungsschlaf mit dem Kopf zum Wasser liegend sehend, der Donnerkeilbewaffnete
idam antaram ity uktvā dityāḥ kukṣiṃ samāviśat
sprach: 'dies ist die Gelegenheit' und drang in Ditis Leib ein
Der im Leib Befindliche sprach: 'Warum beschützt du mich nicht, Donnerkeilträger? Du willst deinen Bruder töten! Es gibt keine größere Sünde als das Töten außerhalb der Schlacht.'
Wort für Wort
kiṃ māṃ na rakṣase vajrin bhrātaraṃ tvaṃ jighāṃsasi
'warum beschützt du mich nicht, Donnerkeilträger? Du willst deinen Bruder töten!'
nāraṇe māraṇād anyat pātakaṃ vidyate mahat
'es gibt keine größere Sünde als das Töten außerhalb der Schlacht'
kumārge na pravartante mahānto 'pi vipadgatāḥ /
avidyaś cāpy aśastraś ca naiva cāyudhasaṃgrahaḥ // BrP_124.62 //
'Auf einem falschen Weg schreiten selbst Große nicht voran, auch wenn sie ins Unglück geraten sind; ich bin unwissend und waffenlos, und es gibt auch kein Ergreifen einer Waffe bei mir.'
Wort für Wort
kumārge na pravartante mahānto 'pi vipadgatāḥ
'auf einem falschen Weg schreiten selbst Große nicht voran, auch wenn sie ins Unglück geraten sind'
avidyaś cāpy aśastraś ca naiva cāyudhasaṃgrahaḥ
'ich bin unwissend und waffenlos, und es gibt auch kein Ergreifen einer Waffe bei mir'
hatvā vā kiṃ tu jāyeta yaśo vā puṇyam eva vā /
vadhyante bhrātaraḥ kāmād garbhasthāḥ kiṃ nu pauruṣam // BrP_124.64 //
'Was würde denn durch das Töten entstehen - Ruhm oder gar Verdienst? Brüder, die im Mutterleib sind, aus Begierde zu töten - was ist das für Männlichkeit?'
Wort für Wort
hatvā vā kiṃ tu jāyeta yaśo vā puṇyam eva vā
'was würde denn durch das Töten entstehen - Ruhm oder gar Verdienst?'
vadhyante bhrātaraḥ kāmād garbhasthāḥ kiṃ nu pauruṣam
'Brüder, die im Mutterleib sind, aus Begierde zu töten - was ist das für Männlichkeit?'
yasyājñayā sarvam idaṃ vartate sacarācaram /
sa hantā bālakaṃ māṃ vai kiṃ yaśaḥ kiṃ tu pauruṣam // BrP_124.67 //
'Auf wessen Befehl hin all dies, das Bewegliche und Unbewegliche, besteht - wenn eben der (du) mich, ein Kind, tötet, was ist das für Ruhm, was für Männlichkeit?'
Wort für Wort
yasyājñayā sarvam idaṃ vartate sacarācaram
'auf wessen Befehl hin all dies, das Bewegliche und Unbewegliche, besteht'
sa hantā bālakaṃ māṃ vai kiṃ yaśaḥ kiṃ tu pauruṣam
'wenn eben der mich, ein Kind, tötet, was ist das für Ruhm, was für Männlichkeit?'
{brahmovāca: }
evaṃ bruvantaṃ taṃ garbhaṃ ciccheda kuliśena saḥ /
krodhāndhānāṃ lobhināṃ ca na ghṛṇā kvāpi vidyate // BrP_124.68 //
Brahmā sprach: Während er so sprach, zerschnitt jener den Fötus mit dem Donnerkeil; bei den von Zorn Verblendeten und den Gierigen gibt es nirgends Mitleid.
Wort für Wort
evaṃ bruvantaṃ taṃ garbhaṃ ciccheda kuliśena saḥ
während er so sprach, zerschnitt jener den Fötus mit dem Donnerkeil
krodhāndhānāṃ lobhināṃ ca na ghṛṇā kvāpi vidyate
bei den von Zorn Verblendeten und den Gierigen gibt es nirgends Mitleid
Selbst die vertrauensvollen, im Mutterleib befindlichen eigenen Brüder, o Śatakratu - bei denen, deren Verstand vom Hass zerstört ist, gibt es kein Körnchen Mitgefühl im Herzen.
Wort für Wort
viśvastān mātṛgarbhasthān nijabhrātṝñ śatakrato
selbst die vertrauensvollen, im Mutterleib befindlichen eigenen Brüder, o Śatakratu
dveṣavidhvastabuddhīnāṃ na citte karuṇākaṇaḥ
bei denen, deren Verstand vom Hass zerstört ist, gibt es kein Körnchen Mitgefühl im Herzen
'Agastya, den Tiger unter den Weisen, in dessen Āśrama unsere Mutter weilt - unser Vater ist (auch) dein Bruder (im Geiste); er schätzt deine Freundschaft sehr.'
Wort für Wort
agastyaṃ muniśārdūlaṃ mātā yasyāśrame sthitā
'Agastya, den Tiger unter den Weisen, in dessen Āśrama unsere Mutter weilt'
asmatpitā tava bhrātā sakhyaṃ te bahu manyate
'unser Vater ist dein Bruder; er schätzt deine Freundschaft sehr'
[Anm.: Bezugsverhältnis von 'tava bhrātā' ('dein Bruder') unklar - möglicherweise auf die gemeinsame Abstammung Kaśyapas und Indras von Brahmā anspielend; Konstruktion unsicher.]
asmān upari sasnehaṃ manas te vidmahe mune /
na yat karoti śvapacaḥ pravṛttas tatra vajradhṛk // BrP_124.75 //
'Wir kennen deinen liebevollen Sinn uns gegenüber, o Weiser; was aber selbst ein Hundekocher (Ausgestoßener) nicht täte, das hat der Donnerkeilträger dort begangen.'
Wort für Wort
asmān upari sasnehaṃ manas te vidmahe mune
'wir kennen deinen liebevollen Sinn uns gegenüber, o Weiser'
na yat karoti śvapacaḥ pravṛttas tatra vajradhṛk
'was aber selbst ein Hundekocher nicht täte, das hat der Donnerkeilträger dort begangen'
{agastya uvāca: }
saṃgrāme ripavaḥ pṛṣṭhaṃ paśyeyus te sadā hare /
jīvatām eva maraṇam etad eva hi māninām /
pṛṣṭhaṃ palāyamānānāṃ yat paśyanti ahitā raṇe // BrP_124.78 //
Agastya sprach: 'Deine Feinde sollen im Kampf stets deinen Rücken sehen, Hari; dies eben ist für Stolze der Tod bei Lebzeiten - wenn die Feinde im Kampf den Rücken der Fliehenden sehen.'
Wort für Wort
saṃgrāme ripavaḥ pṛṣṭhaṃ paśyeyus te sadā hare
'deine Feinde sollen im Kampf stets deinen Rücken sehen, Hari'
jīvatām eva maraṇam etad eva hi māninām
'dies eben ist für Stolze der Tod bei Lebzeiten'
pṛṣṭhaṃ palāyamānānāṃ yat paśyanti ahitā raṇe
'wenn die Feinde im Kampf den Rücken der Fliehenden sehen'
Diti sprach: 'Da du keine Männlichkeit gezeigt hast, soll dies dein Fluch sein: durch Frauen Schmach erleidend, sollst du deiner Herrschaft entfallen, Hari.'
Wort für Wort
na pauruṣaṃ kṛtaṃ tasmāc chāpo 'yaṃ bhavitā tava
'da du keine Männlichkeit gezeigt hast, soll dies dein Fluch sein'
strībhiḥ paribhavaṃ prāpya rājyāt prabhraśyase hare
'durch Frauen Schmach erleidend, sollst du deiner Herrschaft entfallen, Hari'
{brahmovāca: }
etasminn antare tatra kaśyapo vai prajāpatiḥ /
prāyāc ca vyathito 'gastyāc chrutvā śakraviceṣṭitam /
garbhāntaragataḥ śakraḥ pitaraṃ prāha bhītavat // BrP_124.81 //
Brahmā sprach: Währenddessen kam dort der Herr der Geschöpfe Kaśyapa, betrübt, nachdem er von Agastya von Śakras Tun gehört hatte; der im Mutterleib befindliche Śakra sprach furchtsam zu seinem Vater.
Wort für Wort
etasminn antare tatra kaśyapo vai prajāpatiḥ
währenddessen kam dort der Herr der Geschöpfe Kaśyapa
prāyāc ca vyathito 'gastyāc chrutvā śakraviceṣṭitam
betrübt, nachdem er von Agastya von Śakras Tun gehört hatte
garbhāntaragataḥ śakraḥ pitaraṃ prāha bhītavat
der im Mutterleib befindliche Śakra sprach furchtsam zu seinem Vater
{brahmovāca: }
etasminn antare prāpya kaśyapo 'pi prajāpatiḥ /
putrakarma ca tad dṛṣṭvā garbhāntaḥsthitim eva ca /
ditiśāpam agastyasya śrutvāsau duḥkhito 'bhavat // BrP_124.83 //
Brahmā sprach: Währenddessen, dort angekommen, sah auch der Herr der Geschöpfe Kaśyapa jene Tat des Sohnes und dessen Verbleiben im Mutterleib; Ditis Fluch und den des Agastya hörend, wurde er betrübt.
Wort für Wort
etasminn antare prāpya kaśyapo 'pi prajāpatiḥ
währenddessen, dort angekommen, auch der Herr der Geschöpfe Kaśyapa
putrakarma ca tad dṛṣṭvā garbhāntaḥsthitim eva ca
sah jene Tat des Sohnes und dessen Verbleiben im Mutterleib
ditiśāpam agastyasya śrutvāsau duḥkhito 'bhavat
Ditis Fluch und den des Agastya hörend, wurde er betrübt
{kaśyapa uvāca: }
nirgaccha śakra putraitat pāpaṃ kiṃ kṛtavān asi /
na nirmalakulotpannā manaḥ kurvanti pātake // BrP_124.84 //
Kaśyapa sprach: 'Komm heraus, Śakra, mein Sohn! Was für eine Sünde hast du begangen? Aus reinem Geschlecht Entsprossene richten ihren Sinn nicht auf Sünde.'
Wort für Wort
nirgaccha śakra putraitat pāpaṃ kiṃ kṛtavān asi
'komm heraus, Śakra, mein Sohn! Was für eine Sünde hast du begangen?'
na nirmalakulotpannā manaḥ kurvanti pātake
'aus reinem Geschlecht Entsprossene richten ihren Sinn nicht auf Sünde'
{brahmovāca: }
sa nirgato vajrapāṇiḥ savrīḍo 'dhomukho 'bravīt /
tanmūrtir eva vadati sadasacceṣṭitaṃ nṛṇām // BrP_124.85 //
Brahmā sprach: Er, der Donnerkeilträger, kam heraus, beschämt, mit gesenktem Gesicht, und sprach; die äußere Gestalt selbst verrät das gute oder schlechte Tun der Menschen.
Wort für Wort
sa nirgato vajrapāṇiḥ savrīḍo 'dhomukho 'bravīt
er, der Donnerkeilträger, kam heraus, beschämt, mit gesenktem Gesicht, und sprach
tanmūrtir eva vadati sadasacceṣṭitaṃ nṛṇām
die äußere Gestalt selbst verrät das gute oder schlechte Tun der Menschen
{brahmovāca: }
tato mamāntikaṃ prāyāl lokapālaiḥ sa kaśyapaḥ /
sarvaṃ vṛttam athovāca punaḥ papraccha māṃ suraiḥ // BrP_124.87 //
Brahmā sprach: Da kam jener Kaśyapa mit den Weltenhütern zu mir; er berichtete alles, was geschehen war, und fragte mich dann wieder, zusammen mit den Göttern.
Wort für Wort
tato mamāntikaṃ prāyāl lokapālaiḥ sa kaśyapaḥ
da kam jener Kaśyapa mit den Weltenhütern zu mir
sarvaṃ vṛttam athovāca punaḥ papraccha māṃ suraiḥ
er berichtete alles, was geschehen war, und fragte mich dann wieder, zusammen mit den Göttern
ditigarbhasya vai śāntiṃ sahasrākṣaviśāpatām /
garbhasthānāṃ ca sarveṣām indreṇa saha mitratām // BrP_124.88 //
- nach der Beruhigung von Ditis Schwangerschaft, der Aufhebung des Fluchs des Tausendäugigen, und der Freundschaft aller im Mutterleib Befindlichen mit Indra,
Wort für Wort
ditigarbhasya vai śāntiṃ sahasrākṣaviśāpatām
nach der Beruhigung von Ditis Schwangerschaft, der Aufhebung des Fluchs des Tausendäugigen
garbhasthānāṃ ca sarveṣām indreṇa saha mitratām
und der Freundschaft aller im Mutterleib Befindlichen mit Indra
Gebadet, pries er den Götterherrn mit ebendiesen Versfolgen; zur Beseitigung allen Leids werden eben zwei Dinge gepriesen: die heilige Gautamī oder Śiva, der Quell des Erbarmens.
Wort für Wort
snātvā tuṣṭāva deveśam ebhir eva padakramaiḥ
gebadet, pries er den Götterherrn mit ebendiesen Versfolgen
sarvaduḥkhāpanodāya dvayam eva prakīrtitam
zur Beseitigung allen Leids werden eben zwei Dinge gepriesen
gautamī vā puṇyanadī śivo vā karuṇākaraḥ
die heilige Gautamī oder Śiva, der Quell des Erbarmens
Kaśyapa sprach: 'Beschütze, Śaṃkara, Herr der Götter! Beschütze, von der Welt Verehrter! Beschütze, Reiniger, Herr der Rede! Beschütze, mit Schlangen Geschmückter!'
Wort für Wort
pāhi śaṃkara deveśa pāhi lokanamaskṛta
'beschütze, Śaṃkara, Herr der Götter! Beschütze, von der Welt Verehrter!'
pāhi pāvana vāgīśa pāhi pannagabhūṣaṇa
'beschütze, Reiniger, Herr der Rede! Beschütze, mit Schlangen Geschmückter!'
'Beschütze, Dharma, auf dem Stier Reitender! Beschütze, dessen Augen die drei Veden sind! Beschütze, Erdträger, Herr der Lakṣmī! Beschütze, Śarva, in Elefantenhaut Gekleideter!'
Wort für Wort
pāhi dharma vṛṣārūḍha pāhi vedatrayekṣaṇa
'beschütze, Dharma, auf dem Stier Reitender! Beschütze, dessen Augen die drei Veden sind!'
pāhi godhara lakṣmīśa pāhi śarva gajāmbara
'beschütze, Erdträger, Herr der Lakṣmī! Beschütze, Śarva, in Elefantenhaut Gekleideter!'
'Beschütze, Wohnstatt des Erbarmens! Beschütze, Glückspender! Beschütze, Ursprung von allem! Beschütze, Beschützer, o Herr der Vasus!'
Wort für Wort
pāhi kāruṇyanilaya pāhi maṅgaladāyaka
'beschütze, Wohnstatt des Erbarmens! Beschütze, Glückspender!'
pāhi prabhava sarvasya pāhi pālaka vāsava
'beschütze, Ursprung von allem! Beschütze, Beschützer, o Herr der Vasus!'
[Anm.: 'vāsava' ('Herr der Vasus', gewöhnlich Beiname Indras) hier ungewöhnlich als Śiva-Epitheton verwendet, wohl im Sinne von 'Herr der Vasu-Gottheiten'.]
pāhi bhāskara vitteśa pāhi brahmanamaskṛta /
pāhi viśveśa siddheśa pāhi pūrṇa namo 'stu te // BrP_124.98 //
'Beschütze, Sonnenhafter, Herr des Reichtums! Beschütze, von Brahmā Verehrter! Beschütze, Herr des Alls, Herr der Siddhas! Beschütze, Vollkommener - Verehrung sei dir!'
Wort für Wort
pāhi bhāskara vitteśa pāhi brahmanamaskṛta
'beschütze, Sonnenhafter, Herr des Reichtums! Beschütze, von Brahmā Verehrter!'
pāhi viśveśa siddheśa pāhi pūrṇa namo 'stu te
'beschütze, Herr des Alls, Herr der Siddhas! Beschütze, Vollkommener - Verehrung sei dir!'
'Für die verkörperten Wesen, deren Sinn beunruhigt ist durch das Wandern in der schrecklichen Wildnis des Daseinskreislaufs - du allein bist die Zuflucht, o Mitleidsozean, Śiva.'
Wort für Wort
ghorasaṃsārakāntārasaṃcārodvignacetasām
für die, deren Sinn beunruhigt ist durch das Wandern in der schrecklichen Wildnis des Daseinskreislaufs
śarīriṇāṃ kṛpāsindho tvam eva śaraṇaṃ śiva
der verkörperten Wesen - du allein bist die Zuflucht, o Mitleidsozean, Śiva
śāpaṃ nāśaṃ ca putrāṇāṃ parasparam amitratām /
pāpaprāptiṃ tu śakrasya śāpaprāptiṃ tathaiva ca /
tato vṛṣākapiḥ prāha ditiṃ cāgastyam eva ca // BrP_124.102 //
den Fluch und den Verlust der Söhne, die gegenseitige Feindschaft, das Erlangen von Sünde durch Śakra und ebenso das Erlangen des Fluches; da sprach Vṛṣākapi (Śiva) sowohl zu Diti als auch zu Agastya.
Wort für Wort
śāpaṃ nāśaṃ ca putrāṇāṃ parasparam amitratām
den Fluch und den Verlust der Söhne, die gegenseitige Feindschaft
pāpaprāptiṃ tu śakrasya śāpaprāptiṃ tathaiva ca
das Erlangen von Sünde durch Śakra und ebenso das Erlangen des Fluches
tato vṛṣākapiḥ prāha ditiṃ cāgastyam eva ca
da sprach Vṛṣākapi sowohl zu Diti als auch zu Agastya
Śiva sprach: '"Ein einziger möge mein Sohn werden, geschmückt mit der Herrschaft über die drei Welten" - so denkend, hast du dich der Askese hingegeben.'
Wort für Wort
eko bhūyān mama sutas trailokyaiśvaryamaṇḍitaḥ
'"ein einziger möge mein Sohn werden, geschmückt mit der Herrschaft über die drei Welten"'
tad etat saphalaṃ te 'dya putrā bahuguṇāḥ śubhāḥ /
abhavan balinaḥ śūrās tasmāj jahi manorujam /
anyān api varān subhrūr yācasva gatasaṃbhramā // BrP_124.112 //
'Dies ist heute für dich Frucht getragen: viele tugendreiche, gute, kraftvolle, heldenhafte Söhne sind entstanden; darum lass den Seelenschmerz. Bitte, du Schönbrauige, deine Verwirrung überwindend, auch um andere Gaben.'
Wort für Wort
tad etat saphalaṃ te 'dya putrā bahuguṇāḥ śubhāḥ
'dies ist heute für dich Frucht getragen: viele tugendreiche, gute Söhne'
abhavan balinaḥ śūrās tasmāj jahi manorujam
'kraftvoll, heldenhaft sind entstanden; darum lass den Seelenschmerz'
anyān api varān subhrūr yācasva gatasaṃbhramā
'bitte, du Schönbrauige, deine Verwirrung überwindend, auch um andere Gaben'
{ditir uvāca: }
loke yad etat paramaṃ yat pitroḥ putradarśanam /
viśeṣeṇa tu tan mātuḥ priyaṃ syāt surapūjita // BrP_124.114 //
Diti sprach: 'Was in der Welt das Höchste ist, ist das Erblicken des Sohnes durch die Eltern; besonders der Mutter ist dies lieb, o von den Göttern Verehrter.'
Wort für Wort
loke yad etat paramaṃ yat pitroḥ putradarśanam
'was in der Welt das Höchste ist, ist das Erblicken des Sohnes durch die Eltern'
viśeṣeṇa tu tan mātuḥ priyaṃ syāt surapūjita
'besonders der Mutter ist dies lieb, o von den Göttern Verehrter'
tatrāpi rūpasaṃpatti- śauryavikramavān bhavet /
eko 'pi tanayaḥ kiṃtu bahavaś cet kim ucyate // BrP_124.115 //
'Sogar wenn nur ein einziger Sohn, mit Schönheit, Heldenmut und Tapferkeit ausgestattet, geboren wäre, wäre dies schon viel - wenn es aber viele sind, was lässt sich da noch sagen?'
Wort für Wort
tatrāpi rūpasaṃpattiśauryavikramavān bhavet
sogar wenn nur ein einziger Sohn, mit Schönheit, Heldenmut und Tapferkeit ausgestattet, geboren wäre
eko 'pi tanayaḥ kiṃtu bahavaś cet kim ucyate
'wäre dies schon viel - wenn es aber viele sind, was lässt sich da noch sagen?'
matputrās te prabhāvāc ca jetāro balino dhruvam /
indrasya bhrātaraḥ satyaṃ putrāś caiva prajāpateḥ // BrP_124.116 //
'Meine Söhne sind durch deine Macht gewiss siegreich und kraftvoll geworden - wahrlich Brüder Indras und auch Söhne des Herrn der Geschöpfe (Kaśyapa).'
Wort für Wort
matputrās te prabhāvāc ca jetāro balino dhruvam
'meine Söhne sind durch deine Macht gewiss siegreich und kraftvoll geworden'
indrasya bhrātaraḥ satyaṃ putrāś caiva prajāpateḥ
'wahrlich Brüder Indras und auch Söhne des Herrn der Geschöpfe'
{ditir uvāca: }
saṃtatiprāpaṇaṃ loke durlabhaṃ suravandita /
viśeṣeṇa priyaṃ mātuḥ putraś cet kiṃ nu varṇyate // BrP_124.120 //
Diti sprach: 'Nachkommenschaft zu erlangen ist in der Welt schwer erreichbar, du von den Göttern Verehrter; wenn es der Mutter besonders lieb ist, ein Sohn - was lässt sich davon noch weiter beschreiben?'
Wort für Wort
saṃtatiprāpaṇaṃ loke durlabhaṃ suravandita
'Nachkommenschaft zu erlangen ist in der Welt schwer erreichbar, du von den Göttern Verehrter'
viśeṣeṇa priyaṃ mātuḥ putraś cet kiṃ nu varṇyate
'wenn es der Mutter besonders lieb ist, ein Sohn - was lässt sich davon noch weiter beschreiben?'
sa cāpi guṇavāñ śrīmān āyuṣmān yadi jāyate /
kiṃ tu svargeṇa deveśa pārameṣṭhyapadena vā // BrP_124.121 //
'Und wenn dieser Sohn tugendreich, glanzvoll und langlebig geboren wird - was bedeutet dann noch der Himmel, o Götterherr, oder die Stellung des Höchsten?'
Wort für Wort
sa cāpi guṇavāñ śrīmān āyuṣmān yadi jāyate
'und wenn dieser Sohn tugendreich, glanzvoll und langlebig geboren wird'
kiṃ tu svargeṇa deveśa pārameṣṭhyapadena vā
'was bedeutet dann noch der Himmel, o Götterherr, oder die Stellung des Höchsten?'
sarveṣām api bhūtānām ihāmutra phalaiṣiṇām /
guṇavatputrasaṃprāptir abhīṣṭā sarvadaiva ca /
tasmād āplavanād atra kriyatāṃ samanugrahaḥ // BrP_124.122 //
'Für alle Lebewesen, die hier und im Jenseits nach Frucht streben, ist die Erlangung eines tugendhaften Sohnes stets der ersehnte Wunsch; darum möge hier durch das Bad Gnade erwiesen werden.'
Wort für Wort
sarveṣām api bhūtānām ihāmutra phalaiṣiṇām
'für alle Lebewesen, die hier und im Jenseits nach Frucht streben'
guṇavatputrasaṃprāptir abhīṣṭā sarvadaiva ca
'ist die Erlangung eines tugendhaften Sohnes stets der ersehnte Wunsch'
tasmād āplavanād atra kriyatāṃ samanugrahaḥ
'darum möge hier durch das Bad Gnade erwiesen werden'
ṛtusnātā tu yā kācit tatra snātā sutāṃl labhet /
trimāsābhyantaraṃ yā tu gurviṇī bhaktitas tv iha // BrP_124.126 //
'Welche Frau auch immer, nach der Regelreinigung dort gebadet, erlangt einen Sohn; welche Schwangere aber innerhalb von drei Monaten hier mit Hingabe -'
Wort für Wort
ṛtusnātā tu yā kācit tatra snātā sutāṃl labhet
'welche Frau auch immer, nach der Regelreinigung dort gebadet, erlangt einen Sohn'
trimāsābhyantaraṃ yā tu gurviṇī bhaktitas tv iha
'welche Schwangere aber innerhalb von drei Monaten hier mit Hingabe'
pitṛdoṣaiś ca ye putraṃ na labhante dite śṛṇu /
dhanāpahāradoṣaiś ca tatraiṣā niṣkṛtiḥ parā // BrP_124.128 //
'Und diejenigen, die wegen Verfehlungen gegenüber den Vorfahren oder wegen des Vergehens des Raubes von Vermögen keinen Sohn erlangen, höre, Diti: dafür gibt es dort diese höchste Sühne -'
Wort für Wort
pitṛdoṣaiś ca ye putraṃ na labhante dite śṛṇu
'und diejenigen, die wegen Verfehlungen gegenüber den Vorfahren keinen Sohn erlangen, höre, Diti'
dhanāpahāradoṣaiś ca tatraiṣā niṣkṛtiḥ parā
'oder wegen des Vergehens des Raubes von Vermögen - dafür gibt es dort diese höchste Sühne'
'- dort, durch das Darbringen von Reisopfergaben für sie, durch das Erfreuen der Vorfahren und durch eine kleine Goldgabe, wird gewiss ein Sohn entstehen.'
Wort für Wort
tatraiṣāṃ piṇḍadānena pitṝṇāṃ prīṇanena ca
'dort, durch das Darbringen von Reisopfergaben für sie, durch das Erfreuen der Vorfahren'
kiṃcit suvarṇadānena tataḥ putro bhaved dhruvam
'und durch eine kleine Goldgabe, wird gewiss ein Sohn entstehen'
ye nyāsādyapahartāro ratnāpahnavakārakāḥ /
śrāddhakarmavihīnāś ca teṣāṃ vaṃśo na vardhate // BrP_124.130 //
'Diejenigen, die anvertrautes Gut und dergleichen unterschlagen, Edelsteine veruntreuen und die Śrāddha-Riten unterlassen - deren Geschlecht wächst nicht.'
Wort für Wort
ye nyāsādyapahartāro ratnāpahnavakārakāḥ
'diejenigen, die anvertrautes Gut und dergleichen unterschlagen, Edelsteine veruntreuen'
śrāddhakarmavihīnāś ca teṣāṃ vaṃśo na vardhate
'und die Śrāddha-Riten unterlassen - deren Geschlecht wächst nicht'
'Dies möge der Erlösungsweg für die Schuldbeladenen sein, die verstorben sind; lobenswerte Nachkommenschaft möge den Lebenden entstehen durch den Dienst an diesem Tīrtha.'
Wort für Wort
doṣiṇāṃ tu paretānāṃ gatir eṣā bhaved iti
'dies möge der Erlösungsweg für die Schuldbeladenen sein, die verstorben sind'
saṃtatir jāyatāṃ ślāghyā jīvatāṃ tīrthasevanāt
'lobenswerte Nachkommenschaft möge den Lebenden entstehen durch den Dienst an diesem Tīrtha'
'Am Zusammenfluss von Diti(-Fluss) und Gaṅgā gebadet, (verehre) den Herrn Siddheśvara, den Herrn ohne Anfang und Ende, den Alterlosen, dessen Gestalt aus Bewusstsein, Sein und ewiger Wonne besteht,'
Wort für Wort
saṃgame ditigaṅgāyāḥ snātvā siddheśvaraṃ prabhum
'am Zusammenfluss von Diti und Gaṅgā gebadet, (verehre) den Herrn Siddheśvara'
anādyapāram ajaraṃ citsadānandavigraham
'den Herrn ohne Anfang und Ende, den Alterlosen, von der Gestalt aus Bewusstsein, Sein und ewiger Wonne'
pūjayitvopacāraiś ca nityaṃ bhaktyā yatavrataḥ /
stotreṇānena yaḥ stauti caturdaśyaṣṭamīṣu ca // BrP_124.134 //
'- wer ihn mit rituellen Diensten verehrt, stets mit Hingabe, in Gelübden verharrend, und ihn mit dieser Hymne an den vierzehnten und achten (Tagen des Mondmonats) preist,'
Wort für Wort
pūjayitvopacāraiś ca nityaṃ bhaktyā yatavrataḥ
wer ihn mit rituellen Diensten verehrt, stets mit Hingabe, in Gelübden verharrend
stotreṇānena yaḥ stauti caturdaśyaṣṭamīṣu ca
und ihn mit dieser Hymne an den vierzehnten und achten Tagen preist
'Nachdem er alle Wünsche erlangt hat, geht er am Ende in Śivas Stadt ein. Wer auch immer mich mit dieser Hymne preist, wo auch immer, erlangt binnen sechs Monaten einen Sohn - selbst eine Unfruchtbare, ohne Zweifel.'
Wort für Wort
saṃprāpya sakalān kāmān ante śivapuraṃ vrajet
'nachdem er alle Wünsche erlangt hat, geht er am Ende in Śivas Stadt ein'
stotreṇānena yaḥ kaścid yatra kvāpi stavīti mām
'wer auch immer mich mit dieser Hymne preist, wo auch immer'
ṣaṇmāsāt putram āpnoti api vandhyāpy aśaṅkitam
'erlangt binnen sechs Monaten einen Sohn - selbst eine Unfruchtbare, ohne Zweifel'
sarvaṃ bhaviṣyatīty uktvā śivaś cāntaradhīyata /
kṛtakṛtyāś ca te jagmuḥ sarva eva yathāgatam /
tīrthānāṃ puṇyadaṃ tatra lakṣam ekaṃ prakīrtitam // BrP_124.140 //
'Alles wird geschehen', sprach Śiva und verschwand; und, ihr Ziel erreicht habend, gingen sie alle so, wie sie gekommen waren; dort werden hunderttausend segenspendende Tīrthas verkündet.
Wort für Wort
sarvaṃ bhaviṣyatīty uktvā śivaś cāntaradhīyata
'alles wird geschehen', sprach Śiva und verschwand
kṛtakṛtyāś ca te jagmuḥ sarva eva yathāgatam
und, ihr Ziel erreicht habend, gingen sie alle so, wie sie gekommen waren
tīrthānāṃ puṇyadaṃ tatra lakṣam ekaṃ prakīrtitam
dort werden hunderttausend segenspendende Tīrthas verkündet