Brahma-Purāṇa
Kapitel 30: dvādaśādityamāhātmyavarṇanam / mitropākhyānam
Die Herrlichkeit der zwölf Ādityas und die Erzählung von Mitra und Nārada: die Sonne als höchster Puruṣa
Auf die Bitte der Weisen um weitere Belehrung antwortet Brahmā mit einer Theologie der Sonne als des einzigen unmittelbar wahrnehmbaren höchsten Gottes (im Gegensatz zu Brahmā, Viṣṇu und Śiva, die nur aus der Überlieferung bekannt sind), die Ursprung und Ziel des Kosmos ist. Es folgt die Lehre von den zwölf Ādityas (Indra, Dhātā, Parjanya, Tvaṣṭṛ, Pūṣan, Aryaman, Bhaga, Vivasvat, Viṣṇu, Aṃśumān, Varuṇa, Mitra) als kosmische Funktionsgestalten der einen Sonne, mit Mitra als der höchsten unter ihnen. Auf die Frage, warum die Sonne selbst Askese übte, folgt die eingebettete Erzählung von Nāradas Begegnung mit dem asketischen Mitra: dieser enthüllt ihm das 'höchste Geheimnis' in einer dichten, an Sāṅkhya und Upaniṣaden erinnernden Puruṣa-/Kṣetrajña-Lehre (u.a. mit dem wörtlichen Zitat des berühmten 'sarvataḥ pāṇipādam'-Verses), die das Puruṣa-Prinzip als das eine, alles durchdringende und dennoch unbefleckte Selbst hinter aller Vielfalt beschreibt.
aho devasya māhātmyaṃ śrutam evaṃ jagatpate / bhāskarasya suraśreṣṭha vadatas teṣu durlabham //
{Die Weisen sprachen:} Ah, die Erhabenheit des Gottes haben wir so gehört, o Herr der Welt — von dir, o Bester der Götter, über die Sonne geredet, das unter den Lehren Seltene.
Wort für Wort aho devasya māhātmyam ah, die Erhabenheit des Gottes śrutam evaṃ jagat-pate so gehört, o Herr der Welt bhāskarasya sura-śreṣṭha der Sonne, o Bester der Götter vadataḥ teṣu durlabham von dir Redendem, das darunter Seltene bhūyaḥ prabrūhi deveśa yat pṛcchāmo jagatpate / śrotum icchāmahe brahman paraṃ kautūhalaṃ hi naḥ //
Sag uns weiterhin, o Herr der Götter, was wir fragen, o Herr der Welt; wir wünschen es zu hören, o Brahman, denn wahrlich groß ist unsere Neugier.
Wort für Wort bhūyaḥ prabrūhi deva-īśa weiterhin sag, o Herr der Götter yat pṛcchāmaḥ jagat-pate was wir fragen, o Herr der Welt śrotum icchāmahe brahman wir wünschen zu hören, o Brahman param kautūhalam hi naḥ wahrlich groß ist unsere Neugier gṛhastho brahmacārī ca vānaprastho 'tha bhikṣukaḥ / ya icchen mokṣam āsthātuṃ devatāṃ kāṃ yajeta saḥ //
Der Hausvater, der Veda-Schüler, der Waldeinsiedler und der Bettelmönch — wer die Erlösung zu erreichen wünscht, welche Gottheit möge er verehren?
Wort für Wort gṛhasthaḥ brahmacārī ca der Hausvater und der Studierende vānaprasthaḥ atha bhikṣukaḥ der Waldeinsiedler und der Bettelmönch yaḥ icchet mokṣam āsthātum wer die Erlösung zu erreichen wünscht devatām kām yajeta saḥ welche Gottheit möge er verehren Aufzählung der vier klassischen Lebensstufen (āśramas): brahmacārin, gṛhastha, vānaprastha, saṃnyāsin/bhikṣu.
kuto hy asyākṣayaḥ svargaḥ kuto niḥśreyasaṃ param / svargataś caiva kiṃ kuryād yena na cyavate punaḥ //
Woher erlangt er wahrlich unvergänglichen Himmel, woher das höchste Heil, und was möge er, zum Himmel gelangt, tun, damit er nicht wieder herabfällt?
Wort für Wort kutaḥ hi asya akṣayaḥ svargaḥ woher wahrlich sein unvergänglicher Himmel kutaḥ niḥśreyasam param woher das höchste Heil svargataḥ ca eva kim kuryāt und was möge er, zum Himmel gelangt, tun yena na cyavate punaḥ wodurch er nicht wieder herabfällt devānāṃ cātra ko devaḥ pitṝṇāṃ caiva kaḥ pitā / yasmāt parataraṃ nāsti tan me brūhi sureśvara //
Und wer ist hier der Gott der Götter, und wer der Vater der Ahnen — über den hinaus nichts Höheres ist, das sag mir, o Herr der Götter.
Wort für Wort devānām ca atra kaḥ devaḥ und wer ist hier der Gott der Götter pitṝṇām ca eva kaḥ pitā und wer ist der Vater der Ahnen yasmāt parataram nāsti über den hinaus nichts Höheres ist tat me brūhi sura-īśvara das sag mir, o Herr der Götter kutaḥ sṛṣṭam idaṃ viśvaṃ sarvaṃ sthāvarajaṅgamam / pralaye ca kam abhyeti tad bhavān vaktum arhati //
Woher dieses ganze All, Unbewegliches und Bewegliches, entstanden ist, und wohin es bei der Weltauflösung geht — das möge Euer Gnaden zu sagen geruhen.
Wort für Wort kutaḥ sṛṣṭam idam viśvam woher entstanden ist dieses All sarvam sthāvara-jaṅgamam alles, Unbewegliches und Bewegliches pralaye ca kam abhyeti und wohin es bei der Weltauflösung geht tat bhavān vaktum arhati das möge Euer Gnaden zu sagen geruhen udyann evaiṣa kurute jagad vitimiraṃ karaiḥ / nātaḥ parataro devaḥ kaścid anyo dvijottamāḥ //
{Brahmā sprach:} Eben aufgehend macht dieser [die Sonne] mit seinen Strahlen die Welt frei von Finsternis; kein anderer Gott ist höher als er, o ihr Besten der Zweifachgeborenen.
Wort für Wort udyan eva eṣa kurute eben aufgehend macht dieser jagat vitimiram karaiḥ die Welt mit seinen Strahlen frei von Finsternis na ataḥ parataraḥ devaḥ kein über ihn hinaus höherer Gott kaścit anyaḥ dvija-uttamāḥ irgendein anderer, o Beste der Zweifachgeborenen anādinidhano hy eṣa puruṣaḥ śāśvato 'vyayaḥ / tāpayaty eṣa trīṃl lokān bhavan raśmibhir ulbaṇaḥ //
Ohne Anfang und Ende ist wahrlich dieser Puruṣa, ewig, unvergänglich; gewaltig werdend erhitzt er mit seinen Strahlen die drei Welten.
Wort für Wort anādi-nidhanaḥ hi eṣa puruṣaḥ ohne Anfang und Ende ist wahrlich dieser Puruṣa śāśvataḥ avyayaḥ ewig, unvergänglich tāpayati eṣa trīn lokān er erhitzt die drei Welten bhavan raśmibhiḥ ulbaṇaḥ gewaltig werdend mit seinen Strahlen sarvadevamayo hy eṣa tapatāṃ tapano varaḥ / sarvasya jagato nāthaḥ sarvasākṣī jagatpatiḥ //
Er besteht wahrlich aus allen Göttern, unter den Erhitzenden der beste Erhitzer, der Herr der ganzen Welt, der Zeuge von allem, der Weltenherr.
Wort für Wort sarva-deva-mayaḥ hi eṣa aus allen Göttern bestehend wahrlich ist er tapatām tapanaḥ varaḥ unter den Erhitzenden der beste Erhitzer sarvasya jagataḥ nāthaḥ der Herr der ganzen Welt sarva-sākṣī jagat-patiḥ der Zeuge von allem, der Herr der Welt saṃkṣipaty eṣa bhūtāni tathā visṛjate punaḥ / eṣa bhāti tapaty eṣa varṣaty eṣa gabhastibhiḥ //
Er zieht die Wesen in sich zusammen und entlässt sie ebenso wieder; er scheint, er erhitzt, er lässt mit seinen Strahlen regnen.
Wort für Wort saṃkṣipati eṣa bhūtāni er zieht die Wesen zusammen tathā visṛjate punaḥ und entlässt sie ebenso wieder eṣa bhāti tapati eṣa er scheint, er erhitzt varṣati eṣa gabhastibhiḥ er lässt regnen mit seinen Strahlen eṣa dhātā vidhātā ca bhūtādir bhūtabhāvanaḥ / na hy eṣa kṣayam āyāti nityam akṣayamaṇḍalaḥ //
Er ist Ordner und Bestimmer, der Anfang der Wesen, ihr Erzeuger; er unterliegt wahrlich keinem Schwund, ewig mit unvergänglicher Scheibe.
Wort für Wort eṣa dhātā vidhātā ca er ist der Ordner und der Bestimmer bhūta-ādiḥ bhūta-bhāvanaḥ der Anfang der Wesen, der Erzeuger der Wesen na hi eṣa kṣayam āyāti wahrlich, er unterliegt keinem Schwund nityam akṣaya-maṇḍalaḥ ewig mit unvergänglicher Scheibe pitṝṇāṃ ca pitā hy eṣa devatānāṃ hi devatā / dhruvaṃ sthānaṃ smṛtaṃ hy etad yasmān na cyavate punaḥ //
Und der Ahnen Vater ist wahrlich er, und der Götter Gottheit; als fester Ort gilt wahrlich dieser Sitz, von dem man nicht wieder herabfällt.
Wort für Wort pitṝṇām ca pitā hi eṣa und der Ahnen Vater ist wahrlich er devatānām hi devatā und der Götter Gottheit dhruvam sthānam smṛtam hi etat als fester Ort gilt wahrlich dieser yasmāt na cyavate punaḥ von dem man nicht wieder herabfällt sargakāle jagat kṛtsnam ādityāt saṃprasūyate / pralaye ca tam abhyeti bhāskaraṃ dīptatejasam //
Zur Zeit der Schöpfung wird die ganze Welt aus der Sonne hervorgebracht, und bei der Weltauflösung geht sie zu jener Sonne, der von leuchtendem Glanz erfüllten, zurück.
Wort für Wort sarga-kāle jagat kṛtsnam zur Zeit der Schöpfung die ganze Welt ādityāt saṃprasūyate wird aus der Sonne hervorgebracht pralaye ca tam abhyeti und bei der Weltauflösung geht sie zu ihr zurück bhāskaram dīpta-tejasam zur Sonne, der von leuchtendem Glanz erfüllten yoginaś cāpy asaṃkhyātās tyaktvā gṛhakalevaram / vāyur bhūtvā viśanty asmiṃs tejorāśau divākare //
Und auch unzählige Yogins, den Leib verlassen habend, gehen, zu Wind geworden, in diesen Glanzhaufen, den Tagmacher, ein.
Wort für Wort yoginaḥ ca api asaṃkhyātāḥ und auch unzählige Yogins tyaktvā gṛha-kalevaram den Leib verlassen habend vāyuḥ bhūtvā viśanti asmin zu Wind geworden, gehen sie ein in diesen tejaḥ-rāśau divākare in den Glanzhaufen, den Tagmacher asya raśmisahasrāṇi śākhā iva vihaṃgamāḥ / vasanty āśritya munayaḥ saṃsiddhā daivataiḥ saha //
Auf dessen tausend Strahlen, wie Vögel auf Zweigen, wohnen sich stützend die vollendeten Weisen, zusammen mit den Göttern.
Wort für Wort asya raśmi-sahasrāṇi dessen tausend Strahlen śākhāḥ iva vihaṃgamāḥ wie Vögel auf Zweigen vasanti āśritya munayaḥ wohnen, sich stützend, die Weisen saṃsiddhāḥ daivataiḥ saha die Vollendeten, zusammen mit den Göttern gṛhasthā janakādyāś ca rājāno yogadharmiṇaḥ / vālakhilyādayaś caiva ṛṣayo brahmavādinaḥ //
Die Hausväter, angefangen mit Janaka, die Könige, dem Yoga-Dharma folgend, und auch die Vālakhilyas u.a., die Brahman-verkündenden Seher...
Wort für Wort gṛhasthāḥ janaka-ādyāḥ ca die Hausväter, angefangen mit Janaka rājānaḥ yoga-dharmiṇaḥ die Könige, dem Yoga-Dharma folgend vālakhilya-ādayaḥ ca eva und auch die Vālakhilyas u.a. ṛṣayaḥ brahma-vādinaḥ die Brahman-verkündenden Seher vānaprasthāś ca ye cānye vyāsādyā bhikṣavas tathā / yogam āsthāya sarve te praviṣṭāḥ sūryamaṇḍalam //
...und die Waldeinsiedler und welche anderen es gibt, und die Bettelmönche angefangen mit Vyāsa — sie alle sind, den Yoga ergriffen habend, in die Sonnenscheibe eingegangen.
Wort für Wort vānaprasthāḥ ca ye ca anye und die Waldeinsiedler und welche anderen vyāsa-ādyāḥ bhikṣavaḥ tathā und die Bettelmönche angefangen mit Vyāsa yogam āsthāya sarve te den Yoga ergriffen habend, sie alle praviṣṭāḥ sūrya-maṇḍalam sind eingegangen in die Sonnenscheibe śuko vyāsasutaḥ śrīmān yogadharmam avāpya saḥ / ādityakiraṇān gatvā hy apunarbhāvam āsthitaḥ //
Śuka, der glanzvolle Sohn des Vyāsa, hat, den Yoga-Dharma erlangt habend, ist zu den Sonnenstrahlen gegangen und hat wahrlich den Zustand der Nicht-Wiedergeburt erlangt.
Wort für Wort śukaḥ vyāsa-sutaḥ śrīmān Śuka, der glanzvolle Sohn des Vyāsa yoga-dharmam avāpya saḥ den Yoga-Dharma erlangt habend, er āditya-kiraṇān gatvā hi zu den Sonnenstrahlen gegangen, wahrlich apunarbhāvam āsthitaḥ hat er den Zustand der Nicht-Wiedergeburt erlangt śabdamātraśrutimukhā brahmaviṣṇuśivādayaḥ / pratyakṣo 'yaṃ paro devaḥ sūryas timiranāśanaḥ //
Brahmā, Viṣṇu, Śiva u.a. sind nur durch das bloße Wort der Veda-Überlieferung bekannt; unmittelbar wahrnehmbar aber ist dieser höchste Gott, die Sonne, die Finsternis-Vernichterin.
Wort für Wort śabda-mātra-śruti-mukhāḥ nur durch das bloße Wort der Überlieferung bekannt brahma-viṣṇu-śiva-ādayaḥ Brahmā, Viṣṇu, Śiva u.a. pratyakṣaḥ ayam paraḥ devaḥ unmittelbar wahrnehmbar ist dieser höchste Gott sūryaḥ timira-nāśanaḥ die Sonne, die Finsternis-Vernichterin tasmād anyatra bhaktir hi na kāryā śubham icchatā / yasmād dṛṣṭer agamyās te devā viṣṇupurogamāḥ //
Deshalb ist Hingabe anderswohin von dem, der das Heil wünscht, nicht zu üben — da jene Götter, angeführt von Viṣṇu, für die sinnliche Sicht unerreichbar sind.
Wort für Wort tasmāt anyatra bhaktiḥ hi deshalb ist anderswohin Hingabe wahrlich na kāryā śubham icchatā nicht zu üben von dem, der das Heil wünscht yasmāt dṛṣṭeḥ agamyāḥ da für die sinnliche Sicht unerreichbar te devāḥ viṣṇu-purogamāḥ jene Götter, angeführt von Viṣṇu ato bhavadbhiḥ satatam abhyarcyo bhagavān raviḥ / sa hi mātā pitā caiva kṛtsnasya jagato guruḥ //
Deshalb ist von euch stets der erhabene Herr, die Sonne, zu verehren; er ist wahrlich Mutter und Vater, der Lehrer der ganzen Welt.
Wort für Wort ataḥ bhavadbhiḥ satatam deshalb von euch stets abhyarcyaḥ bhagavān raviḥ ist der erhabene Herr, die Sonne, zu verehren sa hi mātā pitā ca eva er ist wahrlich Mutter und Vater kṛtsnasya jagataḥ guruḥ der Lehrer der ganzen Welt anādyo lokanātho 'sau raśmimālī jagatpatiḥ / mitratve ca sthito yasmāt tapas tepe dvijottamāḥ //
Ohne Anfang, der Herr der Welt, der Strahlenbekränzte, der Weltenherr — weshalb er, in der Mitra-Gestalt verweilend, Askese übte, o ihr Besten der Zweifachgeborenen [wird nun erzählt].
Wort für Wort anādyaḥ loka-nāthaḥ asau ohne Anfang, der Herr der Welt, er raśmi-mālī jagat-patiḥ der Strahlenbekränzte, der Weltenherr mitratve ca sthitaḥ yasmāt und in der Mitra-Gestalt verweilend, weshalb tapaḥ tepe dvija-uttamāḥ er Askese übte, o Beste der Zweifachgeborenen anādinidhano brahmā nityaś cākṣaya eva ca / sṛṣṭvā sasāgarān dvīpān bhuvanāni caturdaśa //
Brahmā, ohne Anfang und Ende, ewig und unvergänglich, die Inseln samt den Ozeanen und die vierzehn Welten erschaffen habend...
Wort für Wort anādi-nidhanaḥ brahmā ohne Anfang und Ende, Brahmā nityaḥ ca akṣayaḥ eva ca ewig und unvergänglich sṛṣṭvā sa-sāgarān dvīpān die Inseln samt den Ozeanen erschaffen habend bhuvanāni caturdaśa die vierzehn Welten lokānāṃ sa hitārthāya sthitaś candrasarittaṭe / sṛṣṭvā prajāpatīn sarvān sṛṣṭvā ca vividhāḥ prajāḥ //
...er, zum Wohl der Welten am Ufer des Mondflusses weilend, alle Prajāpatis und die vielfältigen Geschöpfe erschaffen habend...
Wort für Wort lokānām sa hita-arthāya er, zum Nutzen der Welten sthitaḥ candra-sarit-taṭe weilend am Ufer des Mondflusses sṛṣṭvā prajāpatīn sarvān alle Prajāpatis erschaffen habend sṛṣṭvā ca vividhāḥ prajāḥ und die vielfältigen Geschöpfe erschaffen habend [Anm.: 'Candrasarit' ('Mondfluss') ist nicht eindeutig identifizierbar; möglicherweise poetischer Name oder Anspielung auf einen bestimmten Fluss.]
tataḥ śatasahasrāṃśur avyaktaś ca punaḥ svayam / kṛtvā dvādaśadhātmānam ādityam upapadyate //
Dann geht der Hunderttausendstrahlige, wieder selbst unmanifest geworden, sich zwölffach gemacht habend, in die Sonne (Āditya) ein.
Wort für Wort tataḥ śata-sahasra-aṃśuḥ dann der Hunderttausendstrahlige avyaktaḥ ca punaḥ svayam und wieder selbst unmanifest geworden kṛtvā dvādaśadhā ātmānam sich selbst zwölffach gemacht habend ādityam upapadyate geht er in die Sonne ein indro dhātātha parjanyas tvaṣṭā pūṣāryamā bhagaḥ / vivasvān viṣṇur aṃśaś ca varuṇo mitra eva ca //
Indra, Dhātā, ferner Parjanya, Tvaṣṭṛ, Pūṣan, Aryaman, Bhaga, Vivasvat, Viṣṇu, Aṃśa, Varuṇa und eben Mitra —
Wort für Wort indraḥ dhātā atha parjanyaḥ Indra, Dhātā, ferner Parjanya tvaṣṭā pūṣā aryamā bhagaḥ Tvaṣṭṛ, Pūṣan, Aryaman, Bhaga vivasvān viṣṇuḥ aṃśaḥ ca Vivasvat, Viṣṇu, Aṃśa varuṇaḥ mitraḥ eva ca Varuṇa und eben Mitra Die klassische Liste der zwölf Ādityas (Sonnengottheiten); die folgenden Verse (27-42) beschreiben ihre jeweiligen kosmischen Funktionen im Detail.
ābhir dvādaśabhis tena sūryeṇa paramātmanā / kṛtsnaṃ jagad idaṃ vyāptaṃ mūrtibhiś ca dvijottamāḥ //
Mit diesen zwölf Gestalten ist diese ganze Welt von jener Sonne, dem höchsten Selbst, durchdrungen, o ihr Besten der Zweifachgeborenen.
Wort für Wort ābhiḥ dvādaśabhiḥ tena mit diesen zwölf, von jener sūryeṇa paramātmanā Sonne, dem höchsten Selbst kṛtsnam jagat idam vyāptam ist diese ganze Welt durchdrungen mūrtibhiḥ ca dvija-uttamāḥ mit diesen Gestalten, o Beste der Zweifachgeborenen tasya yā prathamā mūrtir ādityasyendrasaṃjñitā / sthitā sā devarājatve devānāṃ ripunāśinī //
Dessen erste Gestalt, die mit dem Namen 'Indra' bezeichnete, besteht im Königtum der Götter, die Vernichterin der Feinde der Götter.
Wort für Wort tasya yā prathamā mūrtiḥ dessen erste Gestalt, welche ādityasya indra-saṃjñitā der Sonne, mit dem Namen Indra bezeichnet sthitā sā deva-rājatve sie besteht im Königtum der Götter devānām ripu-nāśinī die Feinde-der-Götter-Vernichterin dvitīyā tasya yā mūrtir nāmnā dhāteti kīrtitā / sthitā prajāpatitvena vividhāḥ sṛjate prajāḥ //
Dessen zweite Gestalt, die mit Namen 'Dhātā' gepriesene, besteht in der Prajāpati-Funktion; sie erschafft die vielfältigen Geschöpfe.
Wort für Wort dvitīyā tasya yā mūrtiḥ dessen zweite Gestalt, welche nāmnā dhātā iti kīrtitā mit Namen 'Dhātā' gepriesen sthitā prajāpatitvena sie besteht in der Prajāpati-Funktion vividhāḥ sṛjate prajāḥ sie erschafft die vielfältigen Geschöpfe tṛtīyārkasya yā mūrtiḥ parjanya iti viśrutā / megheṣv eva sthitā sā tu varṣate ca gabhastibhiḥ //
Die dritte Gestalt der Sonne, die als 'Parjanya' bekannte, besteht eben in den Wolken und lässt mit ihren Strahlen regnen.
Wort für Wort tṛtīyā arkasya yā mūrtiḥ die dritte Gestalt der Sonne, welche parjanyaḥ iti viśrutā als 'Parjanya' bekannt megheṣu eva sthitā sā tu sie besteht eben in den Wolken varṣate ca gabhastibhiḥ und lässt mit ihren Strahlen regnen caturthī tasya yā mūrtir nāmnā tvaṣṭeti viśrutā / sthitā vanaspatau sā tu oṣadhīṣu ca sarvataḥ //
Dessen vierte Gestalt, die mit Namen 'Tvaṣṭṛ' bekannte, besteht im Baum und überall in den Pflanzen.
Wort für Wort caturthī tasya yā mūrtiḥ dessen vierte Gestalt, welche nāmnā tvaṣṭā iti viśrutā mit Namen 'Tvaṣṭṛ' bekannt sthitā vanaspatau sā tu sie besteht im Baum(-König) oṣadhīṣu ca sarvataḥ und überall in den Pflanzen pañcamī tasya yā mūrtir nāmnā pūṣeti viśrutā / anne vyavasthitā sā tu prajāṃ puṣṇāti nityaśaḥ //
Dessen fünfte Gestalt, die mit Namen 'Pūṣan' bekannte, besteht in der Speise; sie nährt beständig die Geschöpfe.
Wort für Wort pañcamī tasya yā mūrtiḥ dessen fünfte Gestalt, welche nāmnā pūṣā iti viśrutā mit Namen 'Pūṣan' bekannt anne vyavasthitā sā tu sie besteht in der Speise prajām puṣṇāti nityaśaḥ sie nährt beständig die Geschöpfe mūrtiḥ ṣaṣṭhī raver yā tu aryamā iti viśrutā / vāyoḥ saṃsaraṇā sā tu deveṣv eva samāśritā //
Die sechste Gestalt der Sonne aber, die als 'Aryaman' bekannte, ist die Bewegung des Windes, eben in den Göttern verankert.
Wort für Wort mūrtiḥ ṣaṣṭhī raveḥ yā tu die sechste Gestalt der Sonne aber, welche aryamā iti viśrutā als 'Aryaman' bekannt vāyoḥ saṃsaraṇā sā tu sie ist die Bewegung des Windes deveṣu eva samāśritā eben in den Göttern verankert bhānor yā saptamī mūrtir nāmnā bhageti viśrutā / bhūyiṣv avasthitā sā tu śarīreṣu ca dehinām //
Die siebte Gestalt der Sonne, die mit Namen 'Bhaga' bekannte, befindet sich in den Geschlechtsorganen und in den Körpern der verkörperten Wesen.
Wort für Wort bhānoḥ yā saptamī mūrtiḥ die siebte Gestalt der Sonne, welche nāmnā bhagā iti viśrutā mit Namen 'Bhaga' bekannt bhūyiṣu avasthitā sā tu sie befindet sich in den [Geschlechts-]Organen śarīreṣu ca dehinām und in den Körpern der verkörperten Wesen [?] 'bhūyiṣu' ist technisch unklar und selten belegt; im Kontext der übrigen Zuordnungen (Nahrung, Wind, Feuer usw.) vermutlich mit den Zeugungs-/Fruchtbarkeitsorganen zu verbinden, passend zum Beinamen Bhaga (Wohlstand/Fruchtbarkeit).
mūrtir yā tv aṣṭamī tasya vivasvān iti viśrutā / agnau pratiṣṭhitā sā tu pacaty annaṃ śarīriṇām //
Dessen achte Gestalt aber, die als 'Vivasvat' bekannte, ist im Feuer verankert; sie kocht die Speise der verkörperten Wesen.
Wort für Wort mūrtiḥ yā tu aṣṭamī tasya dessen achte Gestalt aber, welche vivasvān iti viśrutā als 'Vivasvat' bekannt agnau pratiṣṭhitā sā tu sie ist im Feuer verankert pacati annam śarīriṇām sie kocht die Speise der verkörperten Wesen navamī citrabhānor yā mūrtir viṣṇuś ca nāmataḥ / prādurbhavati sā nityaṃ devānām arisūdanī //
Die neunte Gestalt der Sonne, die mit Namen 'Viṣṇu', erscheint beständig, die Vernichterin der Feinde der Götter.
Wort für Wort navamī citrabhānoḥ yā mūrtiḥ die neunte Gestalt der Sonne, welche viṣṇuḥ ca nāmataḥ und mit Namen 'Viṣṇu' prādurbhavati sā nityam sie erscheint beständig devānām ari-sūdanī die Feinde-der-Götter-Vernichterin daśamī tasya yā mūrtir aṃśumān iti viśrutā / vāyau pratiṣṭhitā sā tu prahlādayati vai prajāḥ //
Dessen zehnte Gestalt, die als 'Aṃśumān' bekannte, ist im Wind verankert; sie erfrischt wahrlich die Geschöpfe.
Wort für Wort daśamī tasya yā mūrtiḥ dessen zehnte Gestalt, welche aṃśumān iti viśrutā als 'Aṃśumān' bekannt vāyau pratiṣṭhitā sā tu sie ist im Wind verankert prahlādayati vai prajāḥ sie erfrischt wahrlich die Geschöpfe mūrtis tv ekādaśī bhānor nāmnā varuṇasaṃjñitā / jaleṣv avasthitā sā tu prajāṃ puṣṇāti nityaśaḥ //
Die elfte Gestalt der Sonne aber, mit Namen 'Varuṇa' bezeichnet, befindet sich in den Gewässern; sie nährt beständig die Geschöpfe.
Wort für Wort mūrtiḥ tu ekādaśī bhānoḥ die elfte Gestalt der Sonne aber nāmnā varuṇa-saṃjñitā mit Namen 'Varuṇa' bezeichnet jaleṣu avasthitā sā tu sie befindet sich in den Gewässern prajām puṣṇāti nityaśaḥ sie nährt beständig die Geschöpfe mūrtir yā dvādaśī bhānor nāmnā mitreti saṃjñitā / lokānāṃ sā hitārthāya sthitā candrasarittaṭe //
Die zwölfte Gestalt der Sonne, die mit Namen 'Mitra' bezeichnete, weilt zum Wohl der Welten am Ufer des Mondflusses.
Wort für Wort mūrtiḥ yā dvādaśī bhānoḥ die zwölfte Gestalt der Sonne, welche nāmnā mitrā iti saṃjñitā mit Namen 'Mitra' bezeichnet lokānām sā hita-arthāya sie, zum Wohl der Welten sthitā candra-sarit-taṭe weilt am Ufer des Mondflusses vāyubhakṣas tapas tepe sthitvā maitreṇa cakṣuṣā / anugṛhṇan sadā bhaktān varair nānāvidhais tu saḥ //
Luftnährend übte er Askese, mit freundlichem Auge verweilend, stets seine Anhänger mit mannigfaltigen Gaben begnadend.
Wort für Wort vāyu-bhakṣaḥ tapaḥ tepe luftnährend übte er Askese sthitvā maitreṇa cakṣuṣā mit freundlichem Auge verweilend anugṛhṇan sadā bhaktān stets seine Anhänger begnadend varaiḥ nānā-vidhaiḥ tu saḥ mit mannigfaltigen Gaben, er evaṃ sā jagatāṃ mūrtir hitā vihitā purā / tatra mitraḥ sthito yasmāt tasmān mitraṃ paraṃ smṛtam //
So ist jene Gestalt einst zum Wohl der Welten eingesetzt worden; da dort Mitra weilte, gilt deshalb Mitra als der Höchste unter den zwölf Ādityas.
Wort für Wort evam sā jagatām mūrtiḥ so ist jene Gestalt der Welten hitā vihitā purā zum Wohl eingesetzt worden, einst tatra mitraḥ sthitaḥ yasmāt da dort Mitra weilte tasmāt mitram param smṛtam deshalb gilt Mitra als der Höchste ābhir dvādaśabhis tena savitrā paramātmanā / kṛtsnaṃ jagad idaṃ vyāptaṃ mūrtibhiś ca dvijottamāḥ //
Mit diesen zwölf Gestalten ist diese ganze Welt von jenem Savitṛ, dem höchsten Selbst, durchdrungen, o ihr Besten der Zweifachgeborenen.
Wort für Wort ābhiḥ dvādaśabhiḥ tena mit diesen zwölf, von jenem savitrā paramātmanā Savitṛ, dem höchsten Selbst kṛtsnam jagat idam vyāptam ist diese ganze Welt durchdrungen mūrtibhiḥ ca dvija-uttamāḥ mit diesen Gestalten, o Beste der Zweifachgeborenen [Anm.: wiederholt V.27 fast wörtlich, mit 'savitrā' (Savitṛ) statt 'sūryeṇa' (Sūrya) als Synonym.]
tasmād dhyeyo namasyaś ca dvādaśasthāsu mūrtiṣu / bhaktimadbhir narair nityaṃ tadgatenāntarātmanā //
Deshalb ist er in seinen zwölf befindlichen Gestalten stets von hingebungsvollen Menschen mit auf ihn gerichtetem innerem Selbst zu meditieren und zu verehren.
Wort für Wort tasmāt dhyeyaḥ namasyaḥ ca deshalb ist er zu meditieren und zu verehren dvādaśasthāsu mūrtiṣu in den zwölf befindlichen Gestalten bhaktimadbhiḥ naraiḥ nityam von hingebungsvollen Menschen stets tad-gatena antarātmanā mit auf ihn gerichtetem innerem Selbst ity evaṃ dvādaśādityān namaskṛtvā tu mānavaḥ / nityaṃ śrutvā paṭhitvā ca sūryaloke mahīyate //
So also, die zwölf Ādityas verehrt habend, dies beständig gehört und rezitiert habend, wird der Mensch in der Sonnenwelt geehrt.
Wort für Wort iti evam dvādaśa ādityān so also die zwölf Ādityas namaskṛtvā tu mānavaḥ verehrt habend, der Mensch nityam śrutvā paṭhitvā ca beständig gehört und rezitiert habend sūrya-loke mahīyate wird er in der Sonnenwelt geehrt yadi tāvad ayaṃ sūryaś cādidevaḥ sanātanaḥ / tataḥ kasmāt tapas tepe varepsuḥ prākṛto yathā //
{Die Weisen sprachen:} Wenn nun diese Sonne der ewige Urgott ist, warum übte er dann Askese wie ein nach einer Gabe verlangender gewöhnlicher Mensch?
Wort für Wort yadi tāvat ayam sūryaḥ ca wenn nun diese Sonne ādidevaḥ sanātanaḥ der ewige Urgott ist tataḥ kasmāt tapaḥ tepe warum übte er dann Askese vara-īpsuḥ prākṛtaḥ yathā wie ein nach einer Gabe verlangender gewöhnlicher [Mensch] etad vaḥ saṃpravakṣyāmi paraṃ guhyaṃ vibhāvasoḥ / pṛṣṭaṃ mitreṇa yat pūrvaṃ nāradāya mahātmane //
{Brahmā sprach:} Dies werde ich euch verkünden, das höchste Geheimnis des Lichtträgers [der Sonne], das einst von Mitra dem hochherzigen Nārada [auf dessen Frage hin] mitgeteilt wurde.
Wort für Wort etat vaḥ saṃpravakṣyāmi dies werde ich euch verkünden param guhyam vibhāvasoḥ das höchste Geheimnis des Lichtträgers pṛṣṭam mitreṇa yat pūrvam was zuvor von Mitra [beantwortet] wurde nāradāya mahātmane dem hochherzigen Nārada [Anm.: 'pṛṣṭam' ('gefragt') ist hier im Sinne von 'geantwortet/enthüllt' zu verstehen, da der folgende Erzählrahmen (V.49ff.) zeigt, dass Nārada den Gott Mitra befragte und dieser ihm antwortete.]
prāṅ mayoktās tu yuṣmabhyaṃ raver dvādaśa mūrtayaḥ / mitraś ca varuṇaś cobhau tāsāṃ tapasi saṃsthitau //
Zuvor wurden euch von mir die zwölf Gestalten der Sonne genannt; von diesen verweilten Mitra und Varuṇa beide in Askese.
Wort für Wort prāk mayā uktāḥ tu yuṣmabhyam zuvor von mir euch gesagt raveḥ dvādaśa mūrtayaḥ die zwölf Gestalten der Sonne mitraḥ ca varuṇaḥ ca ubhau und Mitra und Varuṇa, beide tāsām tapasi saṃsthitau von diesen in Askese verweilend abbhakṣo varuṇas tāsāṃ tasthau paścimasāgare / mitro mitravane cāsmin vāyubhakṣo 'bhavat tadā //
Von diesen weilte Varuṇa, sich von Wasser nährend, am westlichen Meer; Mitra aber wurde damals in diesem 'Mitra-Wald', sich von Luft nährend.
Wort für Wort ap-bhakṣaḥ varuṇaḥ tāsām wassernährend, Varuṇa von diesen tasthau paścima-sāgare weilte am westlichen Meer mitraḥ mitravane ca asmin und Mitra in diesem 'Mitra-Wald' vāyu-bhakṣaḥ abhavat tadā wurde damals luftnährend atha merugireḥ śṛṅgāt pracyuto gandhamādanāt / nāradas tu mahāyogī sarvāṃl lokāṃś caran vaśī //
Dann kam Nārada, der große, selbstbeherrschte Yogin, der alle Welten durchwandert, vom Gipfel des Meru, vom Berg Gandhamādana herab.
Wort für Wort atha meru-gireḥ śṛṅgāt dann vom Gipfel des Berges Meru pracyutaḥ gandhamādanāt herabgekommen vom Gandhamādana nāradaḥ tu mahā-yogī Nārada aber, der große Yogin sarvān lokān caran vaśī alle Welten durchwandernd, der Selbstbeherrschte ājagāmātha tatraiva yatra mitro 'carat tapaḥ / taṃ dṛṣṭvā tu tapasyantaṃ tasya kautūhalaṃ hy abhūt //
Er kam dann eben dorthin, wo Mitra Askese übte; ihn, den Askese Übenden, erblickt habend, entstand wahrlich seine Neugier.
Wort für Wort ājagāma atha tatra eva er kam dann eben dorthin yatra mitraḥ acarat tapaḥ wo Mitra Askese übte tam dṛṣṭvā tu tapasyantam ihn aber, den Askese Übenden, erblickt habend tasya kautūhalam hi abhūt entstand wahrlich seine Neugier yo 'kṣayaś cāvyayaś caiva vyaktāvyaktaḥ sanātanaḥ / dhṛtam ekātmakaṃ yena trailokyaṃ sumahātmanā //
[Er dachte:] Der Gott, welcher unvergänglich und unveränderlich, manifest-unmanifest und ewig ist, von dem als von dem Hochherzigen die dreifache Welt als Einheit getragen wird...
Wort für Wort yaḥ akṣayaḥ ca avyayaḥ ca eva welcher unvergänglich und unveränderlich vyakta-avyaktaḥ sanātanaḥ manifest-unmanifest, ewig dhṛtam eka-ātmakam yena von dem als eine Einheit getragen wird trailokyam su-mahātmanā die dreifache Welt, von dem Hochherzigen yaḥ pitā sarvadevānāṃ parāṇām api yaḥ paraḥ / ayajad devatāḥ kās tu pitṝn vā kān asau yajet / iti saṃcintya manasā taṃ devaṃ nārado 'bravīt //
...welcher der Vater aller Götter und selbst der Höchste der Höchsten ist — welche Gottheiten aber verehrte er, oder welche Ahnen möge er verehren? So im Geist überlegend, sprach Nārada zu jenem Gott:
Wort für Wort yaḥ pitā sarva-devānām welcher der Vater aller Götter ist parāṇām api yaḥ paraḥ und welcher der Höchste selbst der Höchsten ist ayajat devatāḥ kāḥ tu welche Gottheiten aber verehrte er pitṝn vā kān asau yajet oder welche Ahnen möge er verehren iti saṃcintya manasā so bei sich im Geist überlegend tam devam nārado 'bravīt sprach Nārada zu jenem Gott vedeṣu sapurāṇeṣu sāṅgopāṅgeṣu gīyase / tvam ajaḥ śāśvato dhātā tvaṃ nidhānam anuttamam //
{Nārada sprach:} In den Veden samt den Purāṇas, samt den Aṅgas und Upāṅgas wirst du besungen; du bist der Ungeborene, der Ewige, der Ordner, du bist die unübertroffene letzte Zuflucht.
Wort für Wort vedeṣu sa-purāṇeṣu in den Veden samt den Purāṇas sa-aṅga-upāṅgeṣu gīyase samt den Aṅgas und Upāṅgas wirst du besungen tvam ajaḥ śāśvataḥ dhātā du bist der Ungeborene, der Ewige, der Ordner tvam nidhānam anuttamam du bist der unübertroffene Schatz bhūtaṃ bhavyaṃ bhavac caiva tvayi sarvaṃ pratiṣṭhitam / catvāraś cāśramā deva gṛhasthādyās tathaiva hi //
Das Gewesene, das Zukünftige und das Gegenwärtige — alles ist in dir gegründet; und die vier Lebensstufen, o Gott, angefangen mit dem Hausvaterstand, ebenso...
Wort für Wort bhūtam bhavyam bhavat ca eva das Gewesene, das Zukünftige und das Gegenwärtige tvayi sarvam pratiṣṭhitam alles ist in dir gegründet catvāraḥ ca āśramāḥ deva und die vier Lebensstufen, o Gott gṛhastha-ādyāḥ tathā eva hi angefangen mit dem Hausvaterstand, ebenso wahrlich yajanti tvām aharahas tvāṃ mūrtitvaṃ samāśritam / pitā mātā ca sarvasya daivataṃ tvaṃ hi śāśvatam //
...opfern dir Tag für Tag, dir, der du die Gestalthaftigkeit angenommen hast; Vater und Mutter von allem, die ewige Gottheit bist du wahrlich.
Wort für Wort yajanti tvām ahaḥ-ahaḥ sie opfern dir Tag für Tag tvām mūrtitvam samāśritam dir, der die Gestalthaftigkeit angenommen hat pitā mātā ca sarvasya Vater und Mutter von allem daivatam tvam hi śāśvatam die ewige Gottheit bist du wahrlich yajase pitaraṃ kaṃ tvaṃ devaṃ vāpi na vidmahe //
Wem als Vater opferst du, oder welchem Gott — wir wissen es nicht.
Wort für Wort yajase pitaram kam tvam wem als Vater opferst du devam vā api na vidmahe oder welchen Gott, wir wissen es nicht [Anm.: Auch dieser Vers besteht im Original (mit Editions-Sternchen markiert) nur aus einer einzigen Halbzeile statt der vollen Vierzeiler-Struktur, analog zur Anomalie in Kap.28 V.65 — hier unergänzt wörtlich wiedergegeben.]
avācyam etad vaktavyaṃ paraṃ guhyaṃ sanātanam / tvayi bhaktimati brahman pravakṣyāmi yathātatham //
{Mitra sprach:} Dies ist Unsagbares und doch zu Sagendes, das höchste ewige Geheimnis; dir, dem Hingabevollen, o Brahmane, werde ich es der Wahrheit gemäß verkünden.
Wort für Wort avācyam etat vaktavyam dies ist Unsagbares, zu Sagendes param guhyam sanātanam das höchste ewige Geheimnis tvayi bhaktimati brahman dir, dem Hingabevollen, o Brahmane pravakṣyāmi yathātatham werde ich es der Wahrheit gemäß verkünden yat tat sūkṣmam avijñeyam avyaktam acalaṃ dhruvam / indriyair indriyārthaiś ca sarvabhūtair vivarjitam //
Jenes, was fein, unerkennbar, unmanifest, unbeweglich, fest ist, frei von den Sinnesorganen, den Sinnesobjekten und von allen Wesen...
Wort für Wort yat tat sūkṣmam avijñeyam jenes, was fein, unerkennbar avyaktam acalam dhruvam unmanifest, unbeweglich, fest indriyaiḥ indriya-arthaiḥ ca von den Sinnesorganen und den Sinnesobjekten sarva-bhūtaiḥ vivarjitam und von allen Wesen frei sa hy antarātmā bhūtānāṃ kṣetrajñaś caiva kathyate / triguṇād vyatirikto 'sau puruṣaś caiva kalpitaḥ //
Es ist wahrlich das innere Selbst der Wesen und wird auch 'Feldkenner' genannt; von den drei Guṇas verschieden, wird es auch als 'Puruṣa' bezeichnet.
Wort für Wort sa hi antarātmā bhūtānām es ist wahrlich das innere Selbst der Wesen kṣetrajñaḥ ca eva kathyate und wird auch 'Feldkenner' genannt tri-guṇāt vyatiriktaḥ asau von den drei Guṇas verschieden, dieses puruṣaḥ ca eva kalpitaḥ und wird auch als 'Puruṣa' bezeichnet hiraṇyagarbho bhagavān saiva buddhir iti smṛtaḥ / mahān iti ca yogeṣu pradhānam iti kathyate //
'Hiraṇyagarbha' wird der Erhabene genannt; eben dieses gilt als 'Buddhi', und in den Yoga-Lehren wird es als 'Mahat' und als 'Pradhāna' bezeichnet.
Wort für Wort hiraṇyagarbhaḥ bhagavān 'Hiraṇyagarbha', der Erhabene sā eva buddhiḥ iti smṛtaḥ eben dieses gilt als 'Buddhi' mahān iti ca yogeṣu und als 'Mahat' in den Yoga-Lehren pradhānam iti kathyate wird es als 'Pradhāna' bezeichnet sāṃkhye ca kathyate yoge nāmabhir bahudhātmakaḥ / sa ca trirūpo viśvātmā śarvo 'kṣara iti smṛtaḥ //
Und im Sāṅkhya und im Yoga wird es mit vielfältigen Namen, vielgestaltig, genannt; und es, dreigestaltig, die Allseele, gilt als 'Śarva' und als das 'Unvergängliche'.
Wort für Wort sāṃkhye ca kathyate yoge und im Sāṅkhya wird es im Yoga [genannt] nāmabhiḥ bahudhā-ātmakaḥ mit Namen, vielgestaltig sa ca tri-rūpaḥ viśva-ātmā und es, dreigestaltig, die Allseele śarvaḥ akṣaraḥ iti smṛtaḥ gilt als 'Śarva' und 'Unvergänglich' dhṛtam ekātmakaṃ tena trailokyam idam ātmanā / aśarīraḥ śarīreṣu sarveṣu nivasaty asau //
Von diesem Selbst wird, durch sich selbst, diese dreifache Welt als Einheit getragen; körperlos wohnt es in allen Körpern.
Wort für Wort dhṛtam eka-ātmakam tena von diesem als eine Einheit getragen trailokyam idam ātmanā diese dreifache Welt, durch sich selbst aśarīraḥ śarīreṣu sarveṣu körperlos, in allen Körpern nivasati asau wohnt es vasann api śarīreṣu na sa lipyeta karmabhiḥ / mamāntarātmā tava ca ye cānye dehasaṃsthitāḥ //
Auch wenn es in den Körpern wohnt, wird es nicht von den Taten befleckt — mein inneres Selbst und das deine, und das anderer, die im Körper weilen...
Wort für Wort vasan api śarīreṣu auch wenn es in den Körpern wohnt na sa lipyeta karmabhiḥ wird es nicht von Taten befleckt mama antarātmā tava ca mein inneres Selbst und das deine ye ca anye deha-saṃsthitāḥ und welche anderen im Körper befindlich sarveṣāṃ sākṣibhūto 'sau na grāhyaḥ kenacit kvacit / saguṇo nirguṇo viśvo jñānagamyo hy asau smṛtaḥ //
Von allen ist es der Zeuge, von niemandem irgendwo erfassbar; mit und ohne Eigenschaften, universal, gilt es als wahrlich nur durch Erkenntnis zugänglich.
Wort für Wort sarveṣām sākṣi-bhūtaḥ asau von allen ist es der Zeuge na grāhyaḥ kenacit kvacit von niemandem irgendwo erfassbar sa-guṇaḥ nirguṇaḥ viśvaḥ mit Eigenschaften, ohne Eigenschaften, universal jñāna-gamyaḥ hi asau smṛtaḥ wahrlich nur durch Erkenntnis zugänglich gilt es sarvataḥpāṇipādāntaḥ sarvatokṣiśiromukhaḥ / sarvataḥśrutimāṃl loke sarvam āvṛtya tiṣṭhati //
Überall Hände und Füße, überall Augen, Häupter und Antlitze, überall Gehör habend in der Welt, verweilt es, alles umhüllend.
Wort für Wort sarvataḥ-pāṇi-pāda-antaḥ überall Hände und Füße als sein Ende habend sarvataḥ-akṣi-śiraḥ-mukhaḥ überall Augen, Häupter, Antlitze habend sarvataḥ-śrutimān loke überall Gehör habend, in der Welt sarvam āvṛtya tiṣṭhati alles umhüllend steht es Dieser Vers entspricht wörtlich dem berühmten Puruṣa-Vers der Bhagavadgītā (13,13) bzw. verwandten Stellen der Śvetāśvatara-Upaniṣad.
viśvamūrdhā viśvabhujo viśvapādākṣināsikaḥ / ekaś carati vai kṣetre svairacārī yathāsukham //
Mit dem Haupt, den Armen, den Füßen, Augen und der Nase der ganzen Welt, wandelt es allein wahrlich im Körper-Feld, frei umherwandelnd, nach Belieben.
Wort für Wort viśva-mūrdhā viśva-bhujaḥ mit dem Haupt der Welt, mit den Armen der Welt viśva-pāda-akṣi-nāsikaḥ mit den Füßen, Augen, der Nase der Welt ekaḥ carati vai kṣetre allein wandelt es wahrlich im Feld svaira-cārī yathā-sukham frei umherwandelnd, nach Belieben kṣetrāṇīha śarīrāṇi teṣāṃ caiva yathāsukham / tāni vetti sa yogātmā tataḥ kṣetrajña ucyate //
'Felder' heißen hier die Körper, und diese kennt, nach Belieben, jenes Yoga-Selbst; deshalb wird es 'Feldkenner' genannt.
Wort für Wort kṣetrāṇi iha śarīrāṇi 'Felder' heißen hier die Körper teṣām ca eva yathā-sukham und diese, nach Belieben tāni vetti sa yoga-ātmā diese kennt es, das Yoga-Selbst tataḥ kṣetrajñaḥ ucyate deshalb wird es 'Feldkenner' genannt avyakte ca pure śete puruṣas tena cocyate / viśvaṃ bahuvidhaṃ jñeyaṃ sa ca sarvatra ucyate //
Und in der unmanifesten Burg ruht es, deshalb wird es auch 'Puruṣa' genannt; das vielfältige All ist erkennbar, und es wird darum 'das Überallseiende' genannt.
Wort für Wort avyakte ca pure śete und in der unmanifesten Burg ruht es puruṣaḥ tena ca ucyate deshalb wird es auch 'Puruṣa' genannt viśvam bahuvidham jñeyam das All, vielfältig, ist erkennbar sa ca sarvatra ucyate und es wird 'überall' genannt tasmāt sa bahurūpatvād viśvarūpa iti smṛtaḥ / tasyaikasya mahattvaṃ hi sa caikaḥ puruṣaḥ smṛtaḥ //
Deshalb wird es wegen seiner Vielgestaltigkeit 'Viśvarūpa' genannt; seine Größe aber, die des Einen, macht, dass es als der eine 'Puruṣa' gilt.
Wort für Wort tasmāt sa bahu-rūpatvāt deshalb wegen seiner Vielgestaltigkeit viśvarūpaḥ iti smṛtaḥ wird es 'Viśvarūpa' genannt tasya ekasya mahattvam hi seine, des Einen, Größe aber sa ca ekaḥ puruṣaḥ smṛtaḥ und es gilt als der eine 'Puruṣa' mahāpuruṣaśabdaṃ hi bibharty ekaḥ sanātanaḥ / sa tu vidhikriyāyattaḥ sṛjaty ātmānam ātmanā //
Den Namen 'Mahāpuruṣa' trägt wahrlich der eine, ewige; er aber, an die Schöpfungshandlung gebunden, erschafft sich selbst durch sich selbst.
Wort für Wort mahā-puruṣa-śabdam hi den Namen 'Mahāpuruṣa' wahrlich bibharti ekaḥ sanātanaḥ trägt der eine, ewige sa tu vidhi-kriyā-āyattaḥ er aber, von der Schöpfungshandlung abhängig sṛjati ātmānam ātmanā erschafft sich selbst durch sich selbst śatadhā sahasradhā caiva tathā śatasahasradhā / koṭiśaś ca karoty eṣa pratyagātmānam ātmanā //
Hundertfach, tausendfach und ebenso hunderttausendfach, ja millionenfach macht er durch sich selbst das individuelle Selbst.
Wort für Wort śatadhā sahasradhā ca eva hundertfach, tausendfach tathā śata-sahasradhā und ebenso hunderttausendfach koṭiśaḥ ca karoti eṣa und millionenfach macht er pratyak-ātmānam ātmanā das individuelle Selbst durch sich selbst ākāśāt patitaṃ toyaṃ yāti svādvantaraṃ yathā / bhūme rasaviśeṣeṇa tathā guṇarasāt tu saḥ //
Wie das vom Himmel gefallene Wasser durch die besondere Beschaffenheit des Erdreichs in verschiedene Geschmäcker übergeht, so geht er durch den 'Saft' der Guṇas [in Vielfalt über].
Wort für Wort ākāśāt patitam toyam das vom Himmel gefallene Wasser yāti svādu-antaram yathā geht in verschiedene Geschmäcker über, wie bhūme rasa-viśeṣeṇa durch die besondere Beschaffenheit des Erdreichs tathā guṇa-rasāt tu saḥ ebenso er durch den 'Saft' der Guṇas eka eva yathā vāyur deheṣv eva hi pañcadhā / ekatvaṃ ca pṛthaktvaṃ ca tathā tasya na saṃśayaḥ //
Wie der eine Wind in den Körpern wahrlich fünffach wird, so gelten für ihn Einheit und Verschiedenheit, kein Zweifel.
Wort für Wort ekaḥ eva yathā vāyuḥ wie der eine Wind eben deheṣu eva hi pañcadhā in den Körpern wahrlich fünffach [wird] ekatvam ca pṛthaktvam ca Einheit und Verschiedenheit tathā tasya na saṃśayaḥ so gilt für ihn, kein Zweifel sthānāntaraviśeṣāc ca yathāgnir labhate parām / saṃjñāṃ tathā mune so 'yaṃ brahmādiṣu tathāpnuyāt //
Und wie das Feuer durch die Besonderheit des jeweils anderen Ortes eine andere Bezeichnung erhält, so, o Weiser, erlangt dieser Puruṣa ebenso verschiedene Namen in Brahmā u.a.
Wort für Wort sthāna-antara-viśeṣāt ca und durch die Besonderheit des anderen Ortes yathā agniḥ labhate parām wie das Feuer eine andere erhält saṃjñām tathā mune Bezeichnung, so, o Weiser saḥ ayam brahma-ādiṣu tathā āpnuyāt möge dieser ebenso in Brahmā u.a. erlangen yathā dīpasahasrāṇi dīpa ekaḥ prasūyate / tathā rūpasahasrāṇi sa ekaḥ saṃprasūyate //
Wie von einer einzigen Lampe tausend Lampen entzündet werden, so werden von ihm, dem Einen, tausend Gestalten hervorgebracht.
Wort für Wort yathā dīpa-sahasrāṇi wie tausend Lampen dīpaḥ ekaḥ prasūyate von einer einzigen Lampe entzündet werden tathā rūpa-sahasrāṇi so tausend Gestalten sa ekaḥ saṃprasūyate werden von ihm, dem Einen, hervorgebracht yadā sa budhyaty ātmānaṃ tadā bhavati kevalaḥ / ekatvapralaye cāsya bahutvaṃ ca pravartate //
Wenn es sich selbst erkennt, dann wird es allein-seiend; und bei der Auflösung seiner Vielheit in Einheit tritt wieder Vielheit ein.
Wort für Wort yadā sa budhyati ātmānam wenn es sich selbst erkennt tadā bhavati kevalaḥ dann wird es allein-seiend ekatva-pralaye ca asya und bei der Auflösung seiner [Vielheit] in Einheit bahutvam ca pravartate tritt Vielheit ein [Anm.: die genaue Satzlogik von 'ekatvapralaye' (Auflösung in Einheit) bleibt leicht unsicher; gemeint ist offenbar ein zyklischer Wechsel zwischen Einheit und Vielheit.]
nityaṃ hi nāsti jagati bhūtaṃ sthāvarajaṅgamam / akṣayaś cāprameyaś ca sarvagaś ca sa ucyate //
Ewig nämlich ist in der Welt kein Wesen, unbeweglich oder beweglich; nur es wird unvergänglich, unermesslich und allgegenwärtig genannt.
Wort für Wort nityam hi na asti jagati ewig nämlich ist nicht in der Welt bhūtam sthāvara-jaṅgamam ein Wesen, unbeweglich oder beweglich akṣayaḥ ca aprameyaḥ ca unvergänglich und unermesslich sarva-gaḥ ca sa ucyate und allgegenwärtig wird es genannt tasmād avyaktam utpannaṃ triguṇaṃ dvijasattamāḥ / avyaktāvyaktabhāvasthā yā sā prakṛtir ucyate //
Daraus ist das Unmanifeste entstanden, das Dreiguṇige, o ihr Besten der Zweifachgeborenen; das, was im unmanifest-manifesten Zustand sich befindet, wird 'Prakṛti' genannt.
Wort für Wort tasmāt avyaktam utpannam daraus ist das Unmanifeste entstanden triguṇam dvija-sattamāḥ das Dreiguṇige, o Beste der Zweifachgeborenen avyakta-avyakta-bhāva-sthā im unmanifest-manifesten Zustand befindlich yā sā prakṛtiḥ ucyate die wird 'Prakṛti' genannt tāṃ yoniṃ brahmaṇo viddhi yo 'sau sadasadātmakaḥ / loke ca pūjyate yo 'sau daive pitrye ca karmaṇi //
Diese erkenne als den Mutterschoß des Brahman, das, seiend und nichtseiend zugleich, in der Welt verehrt wird, beim Götter- und beim Ahnenritual.
Wort für Wort tām yonim brahmaṇaḥ viddhi diese erkenne als den Mutterschoß des Brahman yaḥ asau sat-asat-ātmakaḥ welches, seiend-nichtseiend beschaffen loke ca pūjyate yaḥ asau und das in der Welt verehrt wird daive pitrye ca karmaṇi beim Götter- und beim Ahnenritual nāsti tasmāt paro hy anyaḥ pitā devo 'pi vā dvijāḥ / ātmanā sa tu vijñeyas tatas taṃ pūjayāmy aham //
Es gibt wahrlich keinen anderen, höheren, weder Vater noch Gott, o Zweifachgeborene; durch das eigene Selbst aber ist er zu erkennen — deshalb verehre ich ihn.
Wort für Wort na asti tasmāt paraḥ hi anyaḥ es gibt wahrlich keinen anderen, höher als dieser pitā devaḥ api vā dvijāḥ Vater oder Gott, o Zweifachgeborene ātmanā sa tu vijñeyaḥ durch das Selbst aber ist er zu erkennen tataḥ tam pūjayāmi aham deshalb verehre ich ihn svargeṣv api hi ye kecit taṃ namasyanti dehinaḥ / tena gacchanti devarṣe tenoddiṣṭaphalāṃ gatim //
Auch in den Himmeln, welche verkörperten Wesen ihn auch immer verehren, sie gehen durch ihn, o Götterweiser, zu dem von ihm bestimmten Frucht-Ziel.
Wort für Wort svargeṣu api hi ye kecit auch in den Himmeln wahrlich welche auch immer tam namasyanti dehinaḥ ihn verehren, die verkörperten Wesen tena gacchanti devarṣe durch ihn gehen sie, o Götterweiser tena uddiṣṭa-phalām gatim zu dem von ihm bezeichneten Frucht-Ziel taṃ devāḥ svāśramasthāś ca nānāmūrtisamāśritāḥ / bhaktyā saṃpūjayanty ādyaṃ gatiś caiṣāṃ dadāti saḥ //
Ihn, den Urgott, verehren die Götter, in ihren eigenen Stätten befindlich, verschiedene Gestalten angenommen habend, mit Hingabe, und er gibt ihnen das erwünschte Ziel.
Wort für Wort tam devāḥ sva-āśrama-sthāḥ ca ihn die Götter, in ihren eigenen Stätten befindlich nānā-mūrti-samāśritāḥ verschiedene Gestalten angenommen habend bhaktyā saṃpūjayanti ādyam verehren mit Hingabe den Urgott gatiḥ ca eṣām dadāti saḥ und das Ziel gibt er ihnen sa hi sarvagataś caiva nirguṇaś caiva kathyate / evaṃ matvā yathājñānaṃ pūjayāmi divākaram //
[Mitra sprach weiter:] Er ist wahrlich allgegenwärtig und wird auch als eigenschaftslos bezeichnet; so denkend, verehre ich, meinem Wissen gemäß, den Tagmacher.
Wort für Wort sa hi sarva-gataḥ ca eva er ist wahrlich allgegenwärtig nirguṇaḥ ca eva kathyate und wird auch als eigenschaftslos bezeichnet evam matvā yathā-jñānam so denkend, nach meinem Wissen pūjayāmi divākaram verehre ich den Tagmacher ye ca tadbhāvitā loka ekatattvaṃ samāśritāḥ / etad apy adhikaṃ teṣāṃ yad ekaṃ praviśanty uta //
Und welche Wesen, auf ihn gerichtet, das Eine Prinzip zur Zuflucht genommen haben, für sie ist es sogar das Höhere, dass sie in das Eine eingehen.
Wort für Wort ye ca tad-bhāvitāḥ lokāḥ und welche Wesen, auf ihn gerichtet eka-tattvam samāśritāḥ das Eine Prinzip zur Zuflucht genommen habend etat api adhikam teṣām dies ist sogar das Höhere für sie yat ekam praviśanti uta dass sie in das Eine eingehen iti guhyasamuddeśas tava nārada kīrtitaḥ / asmadbhaktyāpi devarṣe tvayāpi paramaṃ smṛtam //
So ist dir, o Nārada, die Darlegung des Geheimnisses verkündet worden; auch durch Hingabe zu mir, o Götterweiser, wird auch von dir das Höchste erkannt werden.
Wort für Wort iti guhya-samuddeśaḥ so die Darlegung des Geheimnisses tava nārada kīrtitaḥ dir, o Nārada, verkündet asmad-bhaktyā api devarṣe auch durch Hingabe zu uns, o Götterweiser tvayā api paramam smṛtam wird auch von dir das Höchste erkannt surair vā munibhir vāpi purāṇair varadaṃ smṛtam / sarve ca paramātmānaṃ pūjayanti divākaram //
Von Göttern oder auch von Weisen, von den Alten wird der Gabenspendende anerkannt; und alle verehren den Tagmacher als das höchste Selbst.
Wort für Wort suraiḥ vā munibhiḥ vā api von Göttern oder auch von Weisen purāṇaiḥ varadam smṛtam von den Alten wird der Gabenspendende anerkannt sarve ca paramātmānam und alle das höchste Selbst pūjayanti divākaram verehren den Tagmacher evam etat purākhyātaṃ nāradāya tu bhānunā / mayāpi ca samākhyātā kathā bhānor dvijottamāḥ //
{Brahmā sprach:} So wurde dies einst dem Nārada von der Sonne erzählt, und auch von mir wurde die Erzählung von der Sonne erzählt, o ihr Besten der Zweifachgeborenen.
Wort für Wort evam etat purā ākhyātam so wurde dies einst erzählt nāradāya tu bhānunā dem Nārada aber von der Sonne mayā api ca samākhyātā und auch von mir wurde erzählt kathā bhānoḥ dvija-uttamāḥ die Erzählung von der Sonne, o Beste der Zweifachgeborenen idam ākhyānam ākhyeyaṃ mayākhyātaṃ dvijottamāḥ / na hy anādityabhaktāya idaṃ deyaṃ kadācana //
Diese zu erzählende Erzählung wurde von mir erzählt, o ihr Besten der Zweifachgeborenen; einem Nicht-Anhänger der Sonne aber ist dies niemals mitzuteilen.
Wort für Wort idam ākhyānam ākhyeyam diese zu erzählende Erzählung mayā ākhyātam dvija-uttamāḥ wurde von mir erzählt, o Beste der Zweifachgeborenen na hi anāditya-bhaktāya wahrlich nicht einem Nicht-Sonnen-Anhänger idam deyam kadācana ist dies jemals zu geben yaś caitac chrāvayen nityaṃ yaś caiva śṛṇuyān naraḥ / sa sahasrārciṣaṃ devaṃ praviśen nātra saṃśayaḥ //
Wer dies stets vortragen lässt, und welcher Mensch dies hört, er geht in den tausendstrahligen Gott ein — daran ist kein Zweifel.
Wort für Wort yaḥ ca etat śrāvayet nityam wer dies stets vortragen lässt yaḥ ca eva śṛṇuyāt naraḥ und welcher Mensch dies eben hört sa sahasra-arciṣam devam er in den tausendstrahligen Gott praviśet na atra saṃśayaḥ geht ein, daran ist kein Zweifel mucyetārtas tathā rogāc chrutvemām āditaḥ kathām / jijñāsur labhate jñānaṃ gatim iṣṭāṃ tathaiva ca //
Der Bedrängte werde, diese Erzählung von Anfang an gehört habend, ebenso von Krankheit befreit; der Wissbegierige erlangt Erkenntnis und ebenso das erwünschte Ziel.
Wort für Wort mucyeta ārtaḥ tathā rogāt der Bedrängte werde ebenso von Krankheit befreit śrutvā imām āditaḥ kathām diese Erzählung von Anfang an gehört habend jijñāsuḥ labhate jñānam der Wissbegierige erlangt Erkenntnis gatim iṣṭām tathā eva ca und ebenso das erwünschte Ziel kṣaṇena labhate 'dhvānam idaṃ yaḥ paṭhate mune / yo yaṃ kāmayate kāmaṃ sa taṃ prāpnoty asaṃśayam //
Augenblicklich erlangt er den rechten Weg, wer dies rezitiert, o Weiser; wer welchen Wunsch auch immer begehrt, er erlangt ihn ohne Zweifel.
Wort für Wort kṣaṇena labhate adhvānam augenblicklich erlangt er den Weg idam yaḥ paṭhate mune wer dies rezitiert, o Weiser yaḥ yam kāmayate kāmam wer welchen Wunsch auch immer begehrt sa tam prāpnoti asaṃśayam er erlangt ihn ohne Zweifel tasmād bhavadbhiḥ satataṃ smartavyo bhagavān raviḥ / sa ca dhātā vidhātā ca sarvasya jagataḥ prabhuḥ //
Deshalb ist von euch stets der erhabene Herr, die Sonne, zu gedenken; er ist Ordner und Bestimmer, der Herr der ganzen Welt.
Wort für Wort tasmāt bhavadbhiḥ satatam deshalb von euch stets smartavyaḥ bhagavān raviḥ ist der erhabene Herr, die Sonne, zu gedenken sa ca dhātā vidhātā ca und er ist Ordner und Bestimmer sarvasya jagataḥ prabhuḥ der Herr der ganzen Welt
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