Kapitel 83: daśāśvamedhikatīrthamāhātmyavarṇanam
Die Größe des Daśāśvamedhika-Tīrtha
König Bhauvana (Nachkomme Viśvakarmans) will zehn Aśvamedha-Opfer gleichzeitig vollziehen, doch alle Versuche an verschiedenen Opferplätzen misslingen. Auf Rat des Weisen Saṃvarta wendet er sich mit seinem Hauspriester Kaśyapa an Brahmā, der ihnen die Gautamī als den rechten Ort weist: Dort genügt ein einziges Pferdeopfer (oder gar nur das Baden), um die Frucht aller zehn zu erlangen. Nach Vollendung des Opfers will der König aus Dankbarkeit die ganze Erde verschenken; eine Himmelsstimme rät ihm, stattdessen Speise zu geben, da keine Gabe der Speisengabe gleichkommt, zumal am Gaṅgā-Ufer. Die personifizierte Erde selbst bittet, nicht immer wieder verschenkt zu werden, und erklärt, dass schon ein einziger am Gaṅgā-Ufer gereichter Bissen einer vollständigen Erdgabe entspricht. Der König gibt daraufhin den Brahmanen reichlich Speise. Seitdem heißt die Stätte 'Daśāśvamedhika' – Baden dort gewährt die Frucht von zehn Pferdeopfern.
Viśvarūpa, der glanzvolle und überaus starke, war Viśvakarmans Sohn; dessen erster Sohn (war Bhuvana), und dessen Sohn wiederum war der mächtige Herrscher Bhauvana.
Wort für Wort
viśvakarma-sutaḥ śrīmān viśvarūpaḥ mahābalaḥ
Viśvarūpa, der glanzvolle und überaus starke, war Viśvakarmans Sohn
tasya api prathamaḥ putraḥ tat-putraḥ bhauvanaḥ vibhuḥ
dessen erster Sohn (war Bhuvana), dessen Sohn wiederum war der mächtige Bhauvana
[Anm.: Der Name 'Bhauvana' ist patronymisch gebildet ('Sohn des Bhuvana'); der Vater 'Bhuvana' selbst wird im Text nicht namentlich, sondern nur als 'erster Sohn' Viśvarūpas erwähnt.]
Sie (die Opfer) gelangten nicht zur Vollendung; dies erblickend, von Sorge erfüllt, verließ der König den Opferplatz und (begann) jene Opfer wiederum anderswo,
Wort für Wort
pūrṇatām na āyayuḥ tāni dṛṣṭvā cintā-paraḥ nṛpaḥ
sie gelangten nicht zur Vollendung; dies erblickend, von Sorge erfüllt, der König
vihāya deva-yajanam punaḥ anyatra tān kratūn
verließ den Opferplatz und begann jene Opfer wiederum anderswo
upākrāmat tathā tatra vighnadoṣās tam āyayuḥ / dṛṣṭvāpūrṇāṃs tato yajñān rājā gurum abhāṣata //
begann er (die Opfer) dort ebenso; doch Hindernisse befielen ihn auch dort. Als der König sah, dass die Opfer wieder unvollendet blieben, sprach er zu seinem Priester:
Wort für Wort
upākrāmat tathā tatra vighna-doṣāḥ tam āyayuḥ
begann er dort ebenso; doch Hindernisse befielen ihn auch dort
dṛṣṭvā apūrṇān tataḥ yajñān rājā gurum abhāṣata
als der König sah, dass die Opfer wieder unvollendet blieben, sprach er zu seinem Priester
{rājovāca:} deśadoṣāt kāladoṣān mama doṣāt tavāpi vā / pūrṇatāṃ nāpnuvanti sma daśamedhāni vājinaḥ //
{Der König sprach:} Sei es durch einen Fehler des Ortes, einen Fehler der Zeit, einen Fehler von mir, oder auch von dir – die zehn Pferdeopfer gelangen nicht zur Vollendung.
Wort für Wort
deśa-doṣāt kāla-doṣāt mama doṣāt tava api vā
sei es durch einen Fehler des Ortes, der Zeit, von mir, oder auch von dir
pūrṇatām na āpnuvanti sma daśa-medhāni vājinaḥ
die zehn Pferdeopfer gelangen nicht zur Vollendung
{Brahmā sprach:} Da gingen der bekümmerte König und der Hauspriester Kaśyapa zum älteren Bruder des Gīṣpati (Bṛhaspati), zu Saṃvarta, und sprachen zu ihm:
Wort für Wort
tataḥ ca duḥkhitaḥ rājā kaśyapena purodhasā
da gingen der bekümmerte König und der Hauspriester Kaśyapa
{Kaśyapa und Bhauvana sprachen:} Erhabener, du Ehrenspender – nenne uns den Ort und den Lehrer, durch die die zehn gleichzeitig zu vollziehenden Aśvamedhas zur Vollendung gelangen.
Wort für Wort
bhagavan yugapat kāryāṇi aśvamedhāni mānada
Erhabener, du Ehrenspender, die zehn gleichzeitig zu vollziehenden Aśvamedhas
daśa saṃpūrṇatām yānti tam deśam tam gurum vada
nenne uns den Ort und den Lehrer, durch die sie zur Vollendung gelangen
{Brahmā sprach:} Da, nachdem er nachgedacht hatte, sprach der vortrefflichste der Weisen, Saṃvarta, zu Bhauvana: 'Geh zu Brahmā; der wird dir den Ort und den Lehrer nennen.'
Da sprach eine Stimme laut in der Luft zu dem besten der Könige, der, nachdem er die Brahmanen, die Opferpriester und die Versammlungsleiter verehrt hatte, dastand:
Wort für Wort
tataḥ antarikṣe vāk uccaiḥ uvāca nṛpa-sattamam
da sprach eine Stimme laut in der Luft zu dem besten der Könige
pūjayitvā sthitam viprān ṛtvijaḥ atha sadaspatīn
der, nachdem er die Brahmanen, Opferpriester und Versammlungsleiter verehrt hatte, dastand
{Die Himmelsstimme sprach:} Dem Hauspriester Kaśyapa hast du, o König, in der Absicht, die Erde samt ihren Bergen, Wäldern und Hainen zu schenken, bereits alles gegeben.
Wort für Wort
purodhase kaśyapāya sa-śaila-vana-kānanām
dem Hauspriester Kaśyapa, die Erde samt ihren Bergen, Wäldern und Hainen
pṛthivīm dātukāmena dattam sarvam tvayā nṛpa
hast du, o König, in der Absicht sie zu schenken, bereits alles gegeben
'Gib das Verlangen nach der Landgabe auf und gib stattdessen Speise, die großen Lohn bringt; kein der Speisengabe gleiches Verdienst gibt es in den drei Welten,'
Wort für Wort
bhūmi-dāna-spṛhām tyaktvā annam dehi mahā-phalam
gib das Verlangen nach der Landgabe auf und gib Speise, die großen Lohn bringt
na anna-dāna-samam puṇyam triṣu lokeṣu vidyate
kein der Speisengabe gleiches Verdienst gibt es in den drei Welten
viśeṣatas tu gaṅgāyāḥ śraddhayā puline mune / tvayā tu hayamedho 'yaṃ kṛtaḥ sabahudakṣiṇaḥ / kṛtakṛtyo 'si bhadraṃ te nātra kāryā vicāraṇā //
'besonders aber, voller Hingabe, am Sandufer der Gaṅgā, o Weiser. Von dir wurde ja dieses Pferdeopfer mit reichlichen Priestergaben vollzogen; du hast dein Ziel erreicht, Heil sei dir – hierüber ist kein weiteres Nachdenken nötig.'
Wort für Wort
viśeṣataḥ tu gaṅgāyāḥ śraddhayā puline mune
besonders aber, voller Hingabe, am Sandufer der Gaṅgā, o Weiser
tvayā tu hayamedhaḥ ayam kṛtaḥ sa-bahu-dakṣiṇaḥ
von dir wurde ja dieses Pferdeopfer mit reichlichen Priestergaben vollzogen
kṛtakṛtyaḥ asi bhadram te na atra kāryā vicāraṇā
du hast dein Ziel erreicht, Heil sei dir - hierüber ist kein weiteres Nachdenken nötig
[Anm.: Dreizeiliger Vers unter einer einzigen Nummer im Original.]
{Die Erde sprach:} O Nachkomme Viśvakarmans, du Weltenherrscher, gib mich nicht immer wieder fort; ich versinke sonst inmitten des Wassers – deshalb soll ich nicht gegeben werden.
Wort für Wort
viśvakarmaja sārvabhauma mā mām dehi punaḥ punaḥ
o Nachkomme Viśvakarmans, du Weltenherrscher, gib mich nicht immer wieder fort
nimajje aham salilasya madhye tasmāt na dīyatām
ich versinke sonst inmitten des Wassers - deshalb soll ich nicht gegeben werden
{Brahmā sprach:} Da, erschrocken, fragte Bhauvana: 'Was soll dann gegeben werden?'; und wiederum sprach jene Erde zu Bhauvana, der von Brahmanen umgeben war:
Wort für Wort
tataḥ ca bhauvanaḥ bhītaḥ kim deyam iti ca abravīt
da, erschrocken, fragte Bhauvana: was soll dann gegeben werden
punaḥ ca uvāca sā pṛthvī bhauvanam brāhmaṇaiḥ vṛtam
und wiederum sprach jene Erde zu Bhauvana, der von Brahmanen umgeben war
{Die Erde sprach:} Sesam, Kühe, Reichtum, Getreide – was auch immer am Ufer der Gautamī (gegeben wird), all das ist eine unvergängliche Gabe; was willst du mich noch verschenken, o Bhauvana?
'Wer sich am Gaṅgā-Ufer aufhält und nur einen einzigen Bissen gibt, von dem bin ich schon vollständig verschenkt – was willst du mich noch verschenken, o Bhauvana?'
Wort für Wort
gaṅgā-tīram samāśritya grāsam ekam dadāti yaḥ
wer sich am Gaṅgā-Ufer aufhält und nur einen einzigen Bissen gibt
tena aham sakalā dattā kim mām bhauvana dāsyasi
von dem bin ich schon vollständig verschenkt - was willst du mich noch verschenken