Kapitel 119: somatīrthamāhātmyavarṇanam
Die Größe des Soma-Tīrtha (Die Pflanzen-Mütter erbitten Soma zum Gatten)
Brahmā erzählt: Die Pflanzen (Oṣadhīs), als uralte, den Lebewesen unentbehrliche Mütter der Welt, baten Brahmā einst um einen König/Gatten. Auf seinen Rat gehen sie zur Gautamī und preisen die Flussgöttin Gaṅgā in einer ausführlichen Hymne (V.9-12: Gaṅgā als Sündenvernichterin, aus Viṣṇus Fuß entsprungen, aus Śivas Haar herabgeflossen). Gaṅgā gewährt ihnen Soma (den Mondgott, personifizierter Unsterblichkeitstrank Amṛta) zum Gatten, da beide von unsterblicher Natur seien. Ursprung des Soma-Tīrtha, das die Frucht des Soma-Trankes und den Ahnen den Himmel gewährt.
{brahmovāca: }
somatīrtham iti khyātaṃ tad apy uktaṃ mahātmabhiḥ /
tatra snānena dānena somapānaphalaṃ labhet // BrP_119.1 //
Brahmā sprach: 'Es wird Soma-Tīrtha genannt, dies wurde auch von den großen Seelen so gesagt; dort erlangt man durch Bad und Spende die Frucht des Soma-Trankes.'
Wort für Wort
somatīrtham iti khyātaṃ tad apy uktaṃ mahātmabhiḥ
es wird Soma-Tīrtha genannt, dies wurde auch von den großen Seelen so gesagt
tatra snānena dānena somapānaphalaṃ labhet
dort erlangt man durch Bad und Spende die Frucht des Soma-Trankes
Die Pflanzen (Oṣadhīs) sind die uralten Mütter der Welt, den Lebewesen teuer; auch mir sind sie Göttermütter, noch älter als die ältesten anderen Mütter.
Wort für Wort
jagatāṃ mātaraḥ pūrvam oṣadhyo jīvasaṃmatāḥ
die Pflanzen sind die uralten Mütter der Welt, den Lebewesen teuer
mamāpi mātaro devyaḥ pūrvāsāṃ pūrvavattarāḥ
auch mir sind sie Göttermütter, noch älter als die ältesten anderen
āsu pratiṣṭhito dharmaḥ svādhyāyo yajñakarma ca /
ābhir eva dhṛtaṃ sarvaṃ trailokyaṃ sacarācaram // BrP_119.3 //
In ihnen gründet der Dharma, das Vedastudium und das Opferwerk; durch sie allein wird die gesamte bewegliche und unbewegliche Welt der drei Bereiche erhalten.
Wort für Wort
āsu pratiṣṭhito dharmaḥ svādhyāyo yajñakarma ca
in ihnen gründet der Dharma, das Vedastudium und das Opferwerk
ābhir eva dhṛtaṃ sarvaṃ trailokyaṃ sacarācaram
durch sie allein wird die gesamte bewegliche und unbewegliche Welt der drei Bereiche erhalten
Durch sie kommt zweifellos die Heilung aller Krankheiten zustande; Nahrung entsteht allein durch sie, der Schutz aller Lebewesen; einst sprachen die Pflanzen, von der Welt verehrt, ohne Hochmut zu mir:
Wort für Wort
aśeṣarogopaśamo bhavaty ābhir asaṃśayam
durch sie kommt zweifellos die Heilung aller Krankheiten zustande
annam etābhir eva syād aśeṣaprāṇarakṣaṇam
Nahrung entsteht allein durch sie, der Schutz aller Lebewesen
atrauṣadhyo jagadvandyā mām ūcur anahaṃkṛtāḥ
einst sprachen die Pflanzen, von der Welt verehrt, ohne Hochmut zu mir
{brahmovāca: }
tac chrutvā vacanaṃ tāsāṃ mayoktā oṣadhīr idam /
patiṃ prāpsyatha sarvāś ca rājānaṃ prītivardhanam // BrP_119.6 //
Brahmā sprach: Als ich diese ihre Worte gehört hatte, sprach ich zu den Pflanzen dies: 'Ihr alle werdet einen Gatten erlangen, einen König, der eure Freude mehrt.'
Wort für Wort
tac chrutvā vacanaṃ tāsāṃ mayoktā oṣadhīr idam
als ich diese ihre Worte gehört hatte, sprach ich zu den Pflanzen dies
patiṃ prāpsyatha sarvāś ca rājānaṃ prītivardhanam
ihr alle werdet einen Gatten erlangen, einen König, der eure Freude mehrt
rājānam iti tac chrutvā tā mām ūcuḥ punar mune /
gantavyaṃ kva punaś coktā gautamīṃ yāntu mātaraḥ // BrP_119.7 //
Als sie 'einen König' hörten, sprachen sie wieder zu mir, o Weiser: 'Wohin sollen wir gehen?' Und wiederum sprach ich: 'Die Mütter mögen zur Gautamī gehen.'
Wort für Wort
rājānam iti tac chrutvā tā mām ūcuḥ punar mune
als sie 'einen König' hörten, sprachen sie wieder zu mir, o Weiser
gantavyaṃ kva punaś coktā gautamīṃ yāntu mātaraḥ
'wohin sollen wir gehen'; und wiederum sprach ich: die Mütter mögen zur Gautamī gehen
tuṣṭāyām atha tasyāṃ vo rājā syāl lokapūjitaḥ /
tāś ca gatvā muniśreṣṭha tuṣṭuvur gautamīṃ nadīm // BrP_119.8 //
'Wenn sie zufrieden ist, wird euer König, von der Welt verehrt, entstehen.' Und sie gingen dorthin, o bester der Weisen, und priesen den Fluss Gautamī.
Wort für Wort
tuṣṭāyām atha tasyāṃ vo rājā syāl lokapūjitaḥ
wenn sie zufrieden ist, wird euer König, von der Welt verehrt, entstehen
tāś ca gatvā muniśreṣṭha tuṣṭuvur gautamīṃ nadīm
und sie gingen dorthin, o bester der Weisen, und priesen den Fluss Gautamī
{oṣadhya ūcuḥ: }
kiṃ vākariṣyan bhavavartino janā BrP_119.9a
nānāghasaṃghābhibhavāc ca duḥkhitāḥ BrP_119.9b
na cāgamiṣyad bhavatī bhuvaṃ cet BrP_119.9c
puṇyodake gautami śaṃbhukānte BrP_119.9d
Die Pflanzen sprachen: 'Was hätten wohl die im Weltenkreislauf befindlichen Menschen, von mannigfachen Sündenscharen bedrängt und leidend, getan, wenn du, o Gautamī, mit heiligem Wasser, dem Śambhu Liebe, nicht zur Erde herabgekommen wärest?'
Wort für Wort
kiṃ vākariṣyan bhavavartino janā
was hätten wohl die im Weltenkreislauf befindlichen Menschen getan
nānāghasaṃghābhibhavāc ca duḥkhitāḥ
von mannigfachen Sündenscharen bedrängt und leidend
na cāgamiṣyad bhavatī bhuvaṃ cet
wenn du nicht zur Erde herabgekommen wärest
puṇyodake gautami śaṃbhukānte
o Gautamī mit heiligem Wasser, dem Śambhu Liebe
[Anm.: Ab hier V.9-12 Gaṅgā-Hymne in besonderem, padaweise gezähltem Hymnenmetrum.]
'Wer kennt das Glück der in Menschenkörpern Verkörperten, o Herrin der auf der Erde befindlichen Flüsse! Die Vernichterin der Scharen großer Sünden dieser Menschen bist du, Mutter Gaṅgā, stets leicht erreichbar.'
Wort für Wort
ko vetti bhāgyaṃ naradehabhājāṃ
wer kennt das Glück der in Menschenkörpern Verkörperten
mahīgatānāṃ saritām adhīśe
o Herrin der auf der Erde befindlichen Flüsse
eṣāṃ mahāpātakasaṃghahantrī
die Vernichterin der Scharen großer Sünden dieser (Menschen)
na te vibhūtiṃ nanu vetti ko 'pi BrP_119.11a
trailokyavandye jagadamba gaṅge BrP_119.11b
gaurīsamāliṅgitavigraho 'pi BrP_119.11c
dhatte smarāriḥ śirasāpi yat tvām BrP_119.11d
'Wer kennt wohl deine Herrlichkeit, o von den drei Welten Verehrte, Weltenmutter Gaṅgā – da doch selbst der Feind des Liebesgottes (Śiva), obwohl von Gaurī umarmt, dich sogar auf seinem Haupte trägt.'
Wort für Wort
na te vibhūtiṃ nanu vetti ko 'pi
wer kennt wohl deine Herrlichkeit
trailokyavandye jagadamba gaṅge
o von den drei Welten Verehrte, Weltenmutter Gaṅgā
gaurīsamāliṅgitavigraho 'pi
obwohl von Gaurī umarmt
dhatte smarāriḥ śirasāpi yat tvām
trägt dich der Feind des Liebesgottes sogar auf seinem Haupte
namo 'stu te mātar abhīṣṭadāyini BrP_119.12a
namo 'stu te brahmamaye 'ghanāśini BrP_119.12b
namo 'stu te viṣṇupadābjaniḥsṛte BrP_119.12c
namo 'stu te śaṃbhujaṭāviniḥsṛte BrP_119.12d
'Verehrung sei dir, Mutter, Erfüllerin der Wünsche; Verehrung sei dir, Brahman-durchdrungene, Sündenvernichterin; Verehrung sei dir, aus dem Lotosfuß Viṣṇus Entsprungene; Verehrung sei dir, aus Śambhus Haarlocken Herabgeflossene.'
Wort für Wort
namo 'stu te mātar abhīṣṭadāyini
Verehrung sei dir, Mutter, Erfüllerin der Wünsche
namo 'stu te brahmamaye 'ghanāśini
Verehrung sei dir, Brahman-durchdrungene, Sündenvernichterin
namo 'stu te viṣṇupadābjaniḥsṛte
Verehrung sei dir, aus dem Lotosfuß Viṣṇus Entsprungene
namo 'stu te śaṃbhujaṭāviniḥsṛte
Verehrung sei dir, aus Śambhus Haarlocken Herabgeflossene
Gaṅgā sprach: 'Ich bin von der Gestalt des Amṛta (Unsterblichkeitstrank), und ihr Pflanzen-Mütter seid unsterblich; einen ebensolchen, aus Amṛta bestehenden Gatten, Soma, gebe ich euch.'
Wort für Wort
ahaṃ cāmṛtarūpāsmi
ich bin von der Gestalt des Amṛta
oṣadhyo mātaro 'mṛtāḥ
ihr Pflanzen-Mütter seid unsterblich
tādṛśaṃ cāmṛtātmānaṃ patiṃ somaṃ dadāmi vaḥ
einen ebensolchen, aus Amṛta bestehenden Gatten, Soma, gebe ich euch
{brahmovāca: }
devāś ca ṛṣayo vākyaṃ menire soma eva ca /
oṣadhyaś cāpi tad vākyaṃ tato jagmuḥ svam ālayam // BrP_119.17 //
Brahmā sprach: Die Götter und Weisen sowie Soma selbst hießen dieses Wort gut; und die Pflanzen nahmen ebenfalls dieses Wort an, dann gingen sie zu ihrer eigenen Wohnstatt.
Wort für Wort
devāś ca ṛṣayo vākyaṃ menire soma eva ca
die Götter und Weisen sowie Soma selbst hießen dieses Wort gut
oṣadhyaś cāpi tad vākyaṃ tato jagmuḥ svam ālayam
und die Pflanzen (nahmen) ebenfalls dieses Wort (an), dann gingen sie zu ihrer eigenen Wohnstatt