Quellen der Menschheit

Brahma-Purāṇa

Kapitel 149: nārasiṃhatīrthamāhātmyavarṇanam Die Größe des Nārasiṃha-Tīrtha (Die Vernichtung Hiraṇyakaśipus und des Dämonen Ambarya)

Nach der Tötung des von Hass gegen seinen Hari-ergebenen Sohn Prahlāda erfüllten Hiraṇyakaśipu zieht Narasiṃha, aus der Säule hervorgetreten, durch alle Welten (Rasātala, Himmel, Erde, Meer, Luft, Lichtwelt) und vernichtet die Daityas in jeglicher Gestalt. An der Gautamī besiegt er darauf den mächtigen Dämonenfürsten Ambarya von Daṇḍaka in gewaltigem Kampf. Ursprung des Nārasiṃha-Tīrtha am Nordufer, berühmt in den drei Welten, mit acht weiteren großen Tīrthas, deren Verehrung als der höchsten unter allen Tīrthas gleichkommend gepriesen wird.

{brahmovāca:} nārasiṃham iti khyātaṃ gaṅgāyā uttare taṭe / tasyānubhāvaṃ vakṣyāmi sarvarakṣāvidhāyakam //

Brahmā sprach: Es gibt eine als Nārasiṃha bekannte Tīrtha am Nordufer der Gaṅgā. Ihre Kraft, die allseitigen Schutz gewährt, will ich verkünden.

Wort für Wort
nārasiṃham iti khyātaṃ gaṅgāyā uttare taṭe
Nārasiṃha genannt, am Nordufer der Gaṅgā
tasyānubhāvaṃ vakṣyāmi sarvarakṣāvidhāyakam
ihre allseitigen Schutz gewährende Kraft werde ich verkünden

hiraṇyakaśipuḥ pūrvam abhavad balināṃ varaḥ / tapasā vikrameṇāpi devānām aparājitaḥ //

Hiraṇyakaśipu war einst der Beste der Starken, durch Askese und auch durch Tapferkeit von den Göttern unbesiegt.

Wort für Wort
hiraṇyakaśipuḥ pūrvam abhavad balināṃ varaḥ
Hiraṇyakaśipu war einst der Beste der Starken
tapasā vikrameṇāpi devānām aparājitaḥ
durch Askese und auch durch Tapferkeit von den Göttern unbesiegt

haribhaktātmajadveṣa-kaluṣīkṛtamānasaḥ / āvirbhūya sabhāstambhād viśvātmatvaṃ pradarśayan //

Sein Sinn war getrübt vom Hass gegen seinen eigenen, Hari ergebenen Sohn. Da erschien Viṣṇu, aus der Säule der Versammlungshalle hervortretend, und zeigte sein Wesen als Seele des Alls.

Wort für Wort
haribhaktātmajadveṣakaluṣīkṛtamānasaḥ
sein Sinn, getrübt vom Hass gegen den eigenen, Hari ergebenen Sohn
āvirbhūya sabhāstambhād viśvātmatvaṃ pradarśayan
aus der Säule der Versammlungshalle hervortretend, sein Wesen als Seele des Alls zeigend

[Anm.: Der Erscheinung Viṣṇus aus der Säule wird hier nur knapp angedeutet, nicht eigens ausgeführt.]

taṃ hatvā narasiṃhas tatsainyam adrāvayat tadā / sarvān hatvā mahādaityān krameṇājau mahāmṛgaḥ //

Nachdem er ihn getötet hatte, ließ Narasiṃha dessen Heer da fliehen, indem er, das große Untier, der Reihe nach im Kampf alle großen Daityas erschlug.

Wort für Wort
taṃ hatvā narasiṃhas tatsainyam adrāvayat tadā
nachdem er ihn getötet hatte, ließ Narasiṃha dessen Heer da fliehen
sarvān hatvā mahādaityān krameṇājau mahāmṛgaḥ
das große Untier erschlug der Reihe nach im Kampf alle großen Daityas

rasātalasthāñ śatrūṃś ca jitvā svarlokam īyivān / tatra jitvā bhuvaṃ gatvā daityān hatvā nagasthitān //

Nachdem er die in Rasātala weilenden Feinde besiegt hatte, gelangte er zur Himmelswelt; nachdem er auch dort gesiegt hatte, ging er zur Erde und tötete die in den Bergen weilenden Daityas,

Wort für Wort
rasātalasthāñ śatrūṃś ca jitvā svarlokam īyivān
nachdem er die in Rasātala weilenden Feinde besiegt hatte, gelangte er zur Himmelswelt
tatra jitvā bhuvaṃ gatvā daityān hatvā nagasthitān
nachdem er auch dort gesiegt hatte, ging er zur Erde und tötete die in den Bergen weilenden Daityas

samudrasthān nadīsaṃsthān grāmasthān vanavāsinaḥ / nānārūpadharān daityān nijaghāna mṛgākṛtiḥ //

die im Meer weilenden, die in Flüssen befindlichen, die in Dörfern und in Wäldern lebenden - Daityas mancherlei Gestalt tötete er, der in Untiergestalt weilende.

Wort für Wort
samudrasthān nadīsaṃsthān grāmasthān vanavāsinaḥ
die im Meer weilenden, die in Flüssen befindlichen, die in Dörfern und in Wäldern lebenden
nānārūpadharān daityān nijaghāna mṛgākṛtiḥ
Daityas mancherlei Gestalt tötete er, der in Untiergestalt Weilende

ākāśagān vāyusaṃsthāñ jyotirlokam upāgatān / vajrapātādhikanakhaḥ samuddhūtamahāsaṭaḥ //

Die durch den Himmel Fahrenden, die im Wind Befindlichen, die zur Lichtwelt Gelangten - er, dessen Krallen wirkungsvoller als ein Blitzschlag waren, dessen gewaltige Mähne emporgesträubt war,

Wort für Wort
ākāśagān vāyusaṃsthāñ jyotirlokam upāgatān
die durch den Himmel Fahrenden, die im Wind Befindlichen, die zur Lichtwelt Gelangten
vajrapātādhikanakhaḥ samuddhūtamahāsaṭaḥ
er, dessen Krallen wirkungsvoller als ein Blitzschlag, dessen gewaltige Mähne emporgesträubt war

daityagarbhasrāvigarjī nirjitāśeṣarākṣasaḥ / mahānādair vīkṣitaiś ca pralayānalasaṃnibhaiḥ //

dessen Gebrüll den Daityas die Leibesfrucht abtrieb, der alle Rākṣasas bezwang, mit gewaltigem Gebrüll und Blicken, dem Feuer der Weltzerstörung gleich...

Wort für Wort
daityagarbhasrāvigarjī nirjitāśeṣarākṣasaḥ
dessen Gebrüll den Daityas die Leibesfrucht abtrieb, der alle Rākṣasas bezwang
mahānādair vīkṣitaiś ca pralayānalasaṃnibhaiḥ
mit gewaltigem Gebrüll und Blicken, dem Feuer der Weltzerstörung gleich

capeṭair aṅgavikṣepair asurān paryacūrṇayat / evaṃ hatvā bahuvidhān gautamīm agamad dhariḥ //

...zermalmte er die Asuras mit Ohrfeigen und Gliederschlägen. Nachdem er so viele auf mancherlei Weise getötet hatte, begab sich Hari zur Gautamī,

Wort für Wort
capeṭair aṅgavikṣepair asurān paryacūrṇayat
mit Ohrfeigen und Gliederschlägen zermalmte er die Asuras
evaṃ hatvā bahuvidhān gautamīm agamad dhariḥ
nachdem er so viele auf mancherlei Weise getötet hatte, begab sich Hari zur Gautamī

svapadāmbujasaṃbhūtāṃ manonayananandinīm / tatrāmbarya iti khyāto daṇḍakādhipate ripuḥ //

die aus seinem Lotosfuß entstanden ist und Geist und Auge erfreut. Dort lebte ein als Ambarya bekannter Feind, ein Herrscher von Daṇḍaka.

Wort für Wort
svapadāmbujasaṃbhūtāṃ manonayananandinīm
die aus seinem Lotosfuß entstanden ist und Geist und Auge erfreut
tatrāmbarya iti khyāto daṇḍakādhipate ripuḥ
dort (lebte) ein als Ambarya bekannter Feind, ein Herrscher von Daṇḍaka

[Anm.: Die Konstruktion um 'daṇḍakādhipate' bezieht sich vermutlich auf Ambaryas Herrschaft über Daṇḍaka; sinngemäß übersetzt.]

devānāṃ durjayo yoddhā balena mahatāvṛtaḥ / tenābhavan mahāraudraṃ bhīṣaṇaṃ lomaharṣaṇam //

Ein für die Götter schwer zu besiegender Krieger, von großer Streitmacht umgeben. Mit ihm entstand ein überaus schrecklicher, furchterregender, haarsträubender Kampf.

Wort für Wort
devānāṃ durjayo yoddhā balena mahatāvṛtaḥ
ein für die Götter schwer zu besiegender Krieger, von großer Streitmacht umgeben
tenābhavan mahāraudraṃ bhīṣaṇaṃ lomaharṣaṇam
mit ihm entstand ein überaus schrecklicher, furchterregender, haarsträubender (Kampf)

śastrāstravarṣaṇaṃ yuddhaṃ hariṇā daityasūnunā / nijaghāna hariḥ śrīmāṃs taṃ ripuṃ hy uttare taṭe //

Ein Kampf mit einem Regen von Waffen und Geschossen fand statt zwischen Hari und dem Sohn der Daityas. Der glanzvolle Hari erschlug jenen Feind am Nordufer,

Wort für Wort
śastrāstravarṣaṇaṃ yuddhaṃ hariṇā daityasūnunā
ein Kampf mit einem Regen von Waffen und Geschossen zwischen Hari und dem Sohn der Daityas
nijaghāna hariḥ śrīmāṃs taṃ ripuṃ hy uttare taṭe
der glanzvolle Hari erschlug jenen Feind am Nordufer

gaṅgāyāṃ nārasiṃhaṃ tu tīrthaṃ trailokyaviśrutam / snānadānādikaṃ tatra sarvapāpagrahārdanam //

an der Gaṅgā - das Nārasiṃha-Tīrtha, berühmt in den drei Welten. Baden, Spenden und Ähnliches dort vernichtet alle Sünden und feindlichen Planetenkräfte.

Wort für Wort
gaṅgāyāṃ nārasiṃhaṃ tu tīrthaṃ trailokyaviśrutam
an der Gaṅgā - das Nārasiṃha-Tīrtha, berühmt in den drei Welten
snānadānādikaṃ tatra sarvapāpagrahārdanam
Baden, Spenden und Ähnliches dort vernichtet alle Sünden und feindlichen Planetenkräfte

sarvarakṣākaraṃ nityaṃ jarāmaraṇavāraṇam / yathā surāṇāṃ sarveṣāṃ na kopi hariṇā samaḥ //

Es gewährt stets allseitigen Schutz und wehrt Alter und Tod ab. So wie unter allen Göttern keiner Hari gleich ist,

Wort für Wort
sarvarakṣākaraṃ nityaṃ jarāmaraṇavāraṇam
es gewährt stets allseitigen Schutz und wehrt Alter und Tod ab
yathā surāṇāṃ sarveṣāṃ na kopi hariṇā samaḥ
so wie unter allen Göttern keiner Hari gleich ist

tīrthānām apy aśeṣāṇāṃ tathā tat tīrtham uttamam / tatra tīrthe naraḥ snātvā kuryān nṛharipūjanam //

so ist unter allen Tīrthas jene Tīrtha die vorzüglichste. Wer an dieser Tīrtha badet und Narahari verehrt,

Wort für Wort
tīrthānām apy aśeṣāṇāṃ tathā tat tīrtham uttamam
so ist unter allen Tīrthas jene Tīrtha die vorzüglichste
tatra tīrthe naraḥ snātvā kuryān nṛharipūjanam
wer an dieser Tīrtha badet und Narahari verehrt

svarge martye tale vāpi tasya kiṃcin na durlabham / ityādy aṣṭau mune tatra mahātīrthāni nārada //

dem ist nichts unerreichbar, weder im Himmel noch auf der Erde noch in der Unterwelt. So gibt es dort, o Weiser Nārada, acht große Tīrthas dieser Art.

Wort für Wort
svarge martye tale vāpi tasya kiṃcin na durlabham
dem ist nichts unerreichbar, weder im Himmel noch auf der Erde noch in der Unterwelt
ityādy aṣṭau mune tatra mahātīrthāni nārada
so (gibt es) dort, o Weiser Nārada, acht große Tīrthas dieser Art

pṛthak pṛthak tīrthakoṭi-phalam āhur manīṣiṇaḥ / aśraddhayāpi yannāmni smṛte sarvāghasaṃkṣayaḥ //

Jedes für sich, so sagen die Weisen, gewährt die Frucht von zehn Millionen Tīrthas. Selbst ohne Glauben, schon wenn man sich seines Namens erinnert, vernichtet es alle Sünde.

Wort für Wort
pṛthak pṛthak tīrthakoṭiphalam āhur manīṣiṇaḥ
jedes für sich, so sagen die Weisen, gewährt die Frucht von zehn Millionen Tīrthas
aśraddhayāpi yannāmni smṛte sarvāghasaṃkṣayaḥ
selbst ohne Glauben, wenn man sich seines Namens erinnert, (geschieht) die Vernichtung aller Sünde

bhavet sākṣān nṛsiṃho 'sau sarvadā yatra saṃsthitaḥ / tat tīrthasevāsaṃjātaṃ phalaṃ kair iha varṇyate //

Dort weilt leibhaftig eben jener Nṛsiṃha allezeit. Die aus dem Dienst an dieser Tīrtha entstehende Frucht - von wem könnte sie hier beschrieben werden?

Wort für Wort
bhavet sākṣān nṛsiṃho 'sau sarvadā yatra saṃsthitaḥ
dort weilt leibhaftig eben jener Nṛsiṃha allezeit
tat tīrthasevāsaṃjātaṃ phalaṃ kair iha varṇyate
die aus dem Dienst an dieser Tīrtha entstehende Frucht - von wem wird sie hier beschrieben?

yathā na devo nṛharer adhikaḥ kvāpi vartate / tathā nṛsiṃhatīrthena samaṃ tīrthaṃ na kutracit //

So wie es keinen Gott gibt, der höher als Narahari wäre, so gibt es auch keine Tīrtha, die dem Nṛsiṃha-Tīrtha gleichkäme.

Wort für Wort
yathā na devo nṛharer adhikaḥ kvāpi vartate
so wie es keinen Gott gibt, der irgendwo höher als Narahari wäre
tathā nṛsiṃhatīrthena samaṃ tīrthaṃ na kutracit
so gibt es auch keine Tīrtha, die dem Nṛsiṃha-Tīrtha irgendwo gleichkäme

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