Kapitel 172: sāmudratīrthamāhātmyavarṇanam
Die Größe des Sāmudra-Tīrtha (Der Ozean, Gaṅgā und die Entstehung der sieben Gaṅgās)
Die von Gautama zum Nutzen der Welten entsandte Gaṅgā fließt dem östlichen Ozean entgegen. Der Ozean (Sindhu, der Herr der Juwelen), der bedenkt, dass er der ankommenden Gaṅgā als Höhergestellter mit Ehrerbietung begegnen muss, bittet sie, sich ihm anzupassen, da er sie nicht in einer einzigen Gestalt empfangen kann. Gaṅgā fordert, dass die Gattinnen der sieben Ṛṣis (mit Arundhatī an der Spitze) samt ihren Gatten herbeigebracht werden; ihnen entsprechend teilt sie sich siebenfach und fließt so, als Gautamī-Gaṅgā, in sieben Strömen ins Meer - der Ursprung der 'sieben Gaṅgās', benannt nach den sieben Ṛṣis. Das Sāmudra-Tīrtha gilt als das höchste unter allen Tīrthas der drei Welten, wirksam für Sündentilgung, Genuss, Erlösung und Freude des Gemüts.
Brahmā sprach: Das Sāmudra-Tīrtha (Meeres-Tīrtha) wurde verkündet, das die Frucht aller Tīrthas gewährt; sein Wesen will ich nun verkünden - höre, Nārada, mit aufmerksamem Sinn.
sie, die aus Viṣṇus Fuß entsprungen ist, von dem hochseeligen Brahmanen in die Welt der Sterblichen gebracht, ist schon durch bloße Erinnerung Sündenvernichterin.
Als der Ozean (Sindhu) sie erblickte, die ehrwürdiger ist als der ehrwürdigste Lehrer, überlegte er, was zu tun sei - sie, die Verehrungswürdige, die Herrin der Welten, der Brahmā, Īśa (Śiva) und andere Ehrerbietung erweisen.
Wort für Wort
guror gurutamāṃ sindhur dṛṣṭvā
als der Ozean sie erblickte, die ehrwürdiger als der ehrwürdigste Lehrer ist
- für den Sünder gibt es in keiner der beiden Welten einen Retter.' So überlegend, sprach der Herr der Juwelen (Ratneśa), in verkörperter Gestalt und voller Demut, mit gefalteten Händen zu Gaṅgā, der Herr der Flüsse, Folgendes:
Wort für Wort
na tasya kopi trātāsti
'für den gibt es keinen Retter'
pāpino lokayor dvayoḥ
'den Sünder, in keiner der beiden Welten'
evaṃ vimṛśya ratneśo mūrtimān vinayānvitaḥ
so überlegend, der Herr der Juwelen, in verkörperter Gestalt und voller Demut
kṛtāñjalipuṭo gaṅgām āhedaṃ saritāṃpatiḥ
sprach der Herr der Flüsse mit gefalteten Händen zu Gaṅgā dies
{sindhur uvāca:}
rasātalagataṃ vāri pṛthivyāṃ yan nabhastale /
tan mām evātra viśatu nāhaṃ vakṣyāmi kiṃcana // 172.8 //
Sindhu sprach: 'Das Wasser, das in Rasātala ist, und das, was auf Erden im Luftraum ist - all das möge hier in mich eingehen; ich werde nichts [dagegen] sagen.'
'In meinem Innern schläft stets Viṣṇu, verbunden mit der Lotusgöttin (Kamalā); für mich gibt es nichts Unmögliches in der ganzen beweglichen und unbeweglichen Schöpfung.'
Wort für Wort
mamāntaḥ kamalāyukto viṣṇuḥ svapiti nityadā
'in meinem Innern schläft stets Viṣṇu, verbunden mit Kamalā'
mahaty abhyāgate kuryāt pratyutthānaṃ na yo madāt /
sa dharmādiparibhraṣṭo nirayaṃ tu samāpnuyāt // 172.11 //
'Wer einem großen Ankömmling aus Hochmut nicht mit Erheben von seinem Sitz entgegentritt, der fällt von Dharma und den übrigen Zielen und gelangt in die Hölle.'
Wort für Wort
mahaty abhyāgate kuryāt pratyutthānaṃ na yo madāt
'wer einem großen Ankömmling aus Hochmut nicht mit Erheben entgegentritt'
'Ich sage dir, Göttin Gaṅgā: vereinige dich in gleicher Weise mit mir; mit einer einzigen Gestalt vermag ich nicht dich zu empfangen, wenn du vielgestaltig bist.'
saṅgam eṣyasi devi tvaṃ saṃgacche 'haṃ na cānyathā /
gaṅge sameṣyasi yadi bahudhā tad vicāraye // 172.14 //
'Wenn du, Göttin, zur Vereinigung kommst, vereinige ich mich mit dir, nicht anders; wenn du, Gaṅgā, vielfach zusammenkommen willst, dann bedenke, wie!'
'Dann werde ich vervielfacht sein, dann werde ich mit dir vereint sein.' - 'So sei es', sprach er, und, umgeben von den Gattinnen der sieben Ṛṣis und den Ṛṣis selbst,
Wort für Wort
alpabhūtā bhaviṣyāmi
'dann werde ich vervielfacht sein'
tataḥ syāṃ tava saṃgatā
'dann werde ich mit dir vereint sein'
tathety uktvā
'so sei es', sprach er
saptarṣīṇāṃ bhāryābhir ṛṣibhir vṛtaḥ
umgeben von den Gattinnen der sieben Ṛṣis und den Ṛṣis selbst
und auch das Erinnern, wenn es voller Hingabe geschieht, gewährt alle Wünsche; es gibt in den drei Welten kein höheres Tīrtha als dieses Meeres-Tīrtha für die Vernichtung der Sünde, das Erlangen von Genuss und Erlösung und für die Freude des Gemüts.
Wort für Wort
smaraṇaṃ cāpi yad bhaktyā
und auch das Erinnern, wenn es voller Hingabe geschieht
sarvakāmapradaṃ bhavet
gewährt alle Wünsche
nāsmād anyat paraṃ tīrthaṃ samudrād bhuvanatraye
es gibt in den drei Welten kein höheres Tīrtha als dieses Meeres-Tīrtha
pāpahānau bhuktimukti-prāptau ca manaso mude
für die Vernichtung der Sünde, das Erlangen von Genuss und Erlösung und für die Freude des Gemüts