Recht ist diese Praxis, o Fürst der Brahmanen, beschrieben worden, von den Weisen gebilligt - der Pfad des Yoga, der Ordnung gemäß, hier für den Schüler, der [dessen] Wohl sucht.
yasmin suvibhramāḥ kecid dṛśyante munisattamāḥ / guṇāś ca yasmin bahavo doṣahāniś ca kevalā //
[Eine Lehre,] in der manche der besten Weisen als [ihr] sehr verwirrt/irrend [?] erscheinen, in der es aber auch viele Vorzüge gibt und die gänzliche Beseitigung der Fehler.
Wort für Wort
yasmin suvibhramāḥ kecid dṛśyante
in der manche als sehr verwirrt erscheinen
munisattamāḥ
die besten der Weisen
guṇāś ca yasmin bahavo
und in der es viele Vorzüge [gibt]
doṣahāniś ca kevalā
und die gänzliche Beseitigung der Fehler
[?] 'suvibhramāḥ' unsicher - wörtlich 'sehr in Verwirrung/Taumel [befindlich]'; könnte bedeuten, dass selbst hervorragende Weise sich in ihr täuschen können, obwohl sie zugleich viele Vorzüge und die vollständige Fehlerfreiheit besitzt.
Nachdem sie durch Erkenntnis die fehlerbehafteten Sinnesobjekte vollständig durchdacht haben, o Zweifachgeborene - die menschlichen, schwer zu bezwingenden, alle, und ebenso die Objekte der Piśācas,
Wort für Wort
jñānena parisaṃkhyāya
durch Erkenntnis vollständig durchdacht habend
sadoṣān viṣayān dvijāḥ
die fehlerbehafteten Sinnesobjekte, o Zweifachgeborene
mānuṣān durjayān kṛtsnān
die menschlichen, schwer zu bezwingenden, alle
paiśācān viṣayāṃs tathā
und ebenso die Objekte der Piśācas
[Anm.] Hier beginnt ein sehr langer, sich über V.5-49 erstreckender Aufzählungssatz (Kette aus jñātvā/vijñāya/dṛṣṭvā/śrutvā, 'nachdem erkannt/gesehen/gehört wurde'), dessen tragendes Verb teils schon in V.16 (prāpnuvanti, 'sie erlangen') vorweggenommen wird - ein Stil, wie er bereits in Kap.234 und Kap.238 begegnete.
nachdem sie die Objekte der Schlangenwesen erkannt haben, und ebenso die Objekte der Gandharvas, nachdem sie die Objekte der Ahnen (Pitṛs) erkannt haben, o Zweifachgeborene, [und die] derer, die im Tierdasein wandeln,
Wort für Wort
viṣayān auragāñ jñātvā
die Objekte der Schlangenwesen erkannt habend
gandharvaviṣayāṃs tathā
und ebenso die Objekte der Gandharvas
pitṝṇāṃ viṣayāñ jñātvā
die Objekte der Ahnen erkannt habend
tiryaktvaṃ caratāṃ dvijāḥ
derer, die im Tierdasein wandeln, o Zweifachgeborene
nachdem sie die Objekte der Suparṇas [Vogelwesen] erkannt haben, und ebenso die Objekte der Marut-Götter, und auch die Objekte der großen Weisen, und ebenso die Objekte der königlichen Weisen,
āsurān viṣayāñ jñātvā vaiśvadevāṃs tathaiva ca / devarṣiviṣayāñ jñātvā yogānām api vai parān //
nachdem sie die Objekte der Asuras erkannt haben, und ebenso auch die der Viśvadevas, nachdem sie die Objekte der Götterweisen erkannt haben, und auch die höchsten [Objekte] der Yogins,
viṣayāṃś ca pramāṇasya brahmaṇo viṣayāṃs tathā / āyuṣaś ca paraṃ kālaṃ lokair vijñāya tattvataḥ //
und die Objekte des [rechten] Maßes, und ebenso die Objekte des Brahman, und die höchste Zeit des Lebensalters - durch die Welten hindurch wahrhaftig erkannt,
sukhasya ca paraṃ kālaṃ vijñāya munisattamāḥ / prāptakāle ca yad duḥkhaṃ patatāṃ viṣayaiṣiṇām //
und nachdem sie die höchste Zeit des Glücks erkannt haben, o beste der Weisen, und das Leid, das zur rechten Zeit über die fällt, die nach Sinnesobjekten verlangen,
Wort für Wort
sukhasya ca paraṃ kālaṃ vijñāya
die höchste Zeit des Glücks erkannt habend
munisattamāḥ
o beste der Weisen
prāptakāle ca yad duḥkhaṃ
und das Leid, das zur rechten Zeit [eintritt]
patatāṃ viṣayaiṣiṇām
derer, die nach Sinnesobjekten verlangen und [daher] fallen
tiryaktve patatāṃ viprāḥ tathaiva narakeṣu yat / svargasya ca guṇāñ jñātvā doṣān sarvāṃś ca bho dvijāḥ //
[das Leid] derer, die ins Tierdasein fallen, o Brahmanen, und ebenso [derer, die] in die Höllen [fallen], und nachdem sie die Vorzüge des Himmels erkannt haben und alle seine Mängel, o Zweifachgeborene,
Wort für Wort
tiryaktve patatāṃ viprāḥ
derer, die ins Tierdasein fallen, o Brahmanen
tathaiva narakeṣu yat
und ebenso [das Leid], das in den Höllen [herrscht]
vedavāde ca ye doṣā guṇā ye cāpi vaidikāḥ / jñānayoge ca ye doṣā jñānayoge ca ye guṇāḥ //
und welche Mängel es in der Veda-Lehre gibt und welche vedischen Vorzüge, und welche Mängel es im Wissens-Yoga gibt und welche Vorzüge im Wissens-Yoga,
sāṃkhyajñāne ca ye doṣāṃs tathaiva ca guṇā dvijāḥ / sattvaṃ daśaguṇaṃ jñātvā rajo navaguṇaṃ tathā //
und welche Mängel es im Sāṃkhya-Wissen [gibt] und ebenso welche Vorzüge, o Zweifachgeborene - nachdem sie erkannt haben, dass Sattva zehnfach [an Rang/Kraft] ist [?] und Rajas ebenso neunfach,
Wort für Wort
sāṃkhyajñāne ca ye doṣāṃs
und welche Mängel im Sāṃkhya-Wissen
tathaiva ca guṇā dvijāḥ
und ebenso welche Vorzüge, o Zweifachgeborene
sattvaṃ daśaguṇaṃ jñātvā
erkannt habend, dass Sattva zehnfach ist
rajo navaguṇaṃ tathā
und Rajas ebenso neunfach
[Anm.] Die nun folgende, in V.13-15 absteigende Zahlenreihe (Sattva 10, Rajas 9, Tamas 8, Buddhi 7, Äther 6, das 'große Tamas' 3, Rajas 2, Sattva 1) wird im Text selbst nicht erläutert. Sie steht offenbar mit der in V.15 genannten 'Pralaya-Schau' (Betrachtung der kosmischen Auflösung) in Zusammenhang und bezeichnet vermutlich eine hierarchische Rang- oder Auflösungsordnung der Prinzipien, nicht wörtliche 'Guṇa-Bestandteile'.
tamaś cāṣṭaguṇaṃ jñātvā buddhiṃ saptaguṇāṃ tathā / ṣaḍguṇaṃ ca nabho jñātvā tamaś ca triguṇaṃ mahat //
und nachdem sie erkannt haben, dass Tamas achtfach ist und die Buddhi ebenso siebenfach, und dass der Äther sechsfach ist, und dass das große Tamas [Mahat-Tamas] dreifach ist,
dviguṇaṃ ca rajo jñātvā sattvaṃ caikaguṇaṃ punaḥ / mārgaṃ vijñāya tattvena pralayaprekṣaṇena tu //
und nachdem sie erkannt haben, dass Rajas zweifach ist und Sattva wiederum einfach, und nachdem sie den Weg wahrhaftig erkannt haben, durch die Betrachtung der [kosmischen] Auflösung (Pralaya),
[sie,] ausgestattet mit Wissen und Erkenntnis, durch Ursachen, deren Selbst geläutert ist, erlangen die heilvolle Erlösung, wie die Feinstofflichen [gelangen] zum höchsten Äther.
rūpeṇa dṛṣṭiṃ saṃyuktāṃ ghrāṇaṃ gandhaguṇena ca / śabdagrāhyaṃ tathā śrotraṃ jihvāṃ rasaguṇena ca //
[und nachdem sie ferner erkannt haben] das Sehen, verbunden mit der Form, und den Geruchssinn mit der Eigenschaft des Duftes, und ebenso das Gehör, das durch Ton erfasst wird, und die Zunge mit der Eigenschaft des Geschmacks,
Wort für Wort
rūpeṇa dṛṣṭiṃ saṃyuktāṃ
das Sehen, verbunden mit der Form
ghrāṇaṃ gandhaguṇena ca
und den Geruchssinn mit der Eigenschaft des Duftes
śabdagrāhyaṃ tathā śrotraṃ
und ebenso das durch Ton erfasste Gehör
jihvāṃ rasaguṇena ca
und die Zunge mit der Eigenschaft des Geschmacks
[Anm.] Die folgende Reihe (V.17-22) von Sinn-Objekt- und Element-Zuordnungen ist grammatisch weiterhin Teil der Aufzählungskette und wird am Ende von V.22 durch 'jñātvā' zusammengefasst.
und die Haut, die zur Berührung fähig ist, und den Wind, der darauf beruht, und die Verblendung, verbunden mit Tamas, und die Gier, die in der Verblendung ruht,
und Viṣṇu, [verbunden] mit der Kraft des Schreitens, Śakra [Indra], verbunden mit der Körpermitte, und ebenso das Feuer, [das darin] haftet, und die Göttin, verbunden mit den Wassern, und die Wasser, die auf dem Feuer beruhen,
Wort für Wort
viṣṇuṃ krānte bale
Viṣṇu, [verbunden] mit der Kraft des Schreitens
śakraṃ koṣṭhe saktaṃ
Śakra, haftend an der Körpermitte
tathānalam
und ebenso das Feuer
apsu devīṃ samāyuktām
die Göttin, verbunden mit den Wassern
āpas tejasi saṃśritāḥ
die Wasser, die auf dem Feuer beruhen
[?] Die Zuordnung von Gottheiten zu Körperfunktionen/Elementen (Viṣṇu-'Schreiten', Śakra-'Körpermitte' u.a.) folgt einem knappen adhidaivata-Schema, dessen Einzelheiten im Text nicht weiter erklärt werden.
tejo vāyau tu saṃyuktaṃ vāyuṃ nabhasi cāśritam / nabho mahati saṃyuktaṃ tamo mahasi saṃsthitam //
und das Feuer, verbunden mit dem Wind, und den Wind, der im Äther ruht, und den Äther, verbunden mit dem Großen (Mahat), und das Tamas, das im Mahat steht,
rajaḥ sattvaṃ tathā saktaṃ sattvaṃ saktaṃ tathātmani / saktam ātmānam īśe ca deve nārāyaṇe tathā //
und Rajas, ebenso mit Sattva verbunden, und Sattva, verbunden mit dem Selbst, und das Selbst, verbunden mit dem Herrn, und ebenso mit dem Gott Nārāyaṇa,
devaṃ mokṣe ca saṃyuktaṃ tato mokṣaṃ ca na kvacit / jñātvā sattvaguṇaṃ dehaṃ vṛtaṃ ṣoḍaśabhir guṇaiḥ //
und den Gott, verbunden mit der Erlösung, und dass es danach [zurück aus] der Erlösung nirgends [eine Wiederkehr gibt] - all dies erkannt habend, [und ebenso] den vom Sattva-Anteil [geprägten] Körper, umhüllt von sechzehn Eigenschaften,
Wort für Wort
devaṃ mokṣe ca saṃyuktaṃ
den Gott, verbunden mit der Erlösung
tato mokṣaṃ ca na kvacit
und danach nirgends [eine Rückkehr aus] der Erlösung
jñātvā sattvaguṇaṃ dehaṃ
erkannt habend den vom Sattva-Anteil [geprägten] Körper
vṛtaṃ ṣoḍaśabhir guṇaiḥ
umhüllt von sechzehn Eigenschaften
[?] Die Angabe 'sechzehn Eigenschaften' entspricht der ähnlichen Zahlenangabe in Kap.236, V.16 ('siebzehnteiliger, von sechzehn Guṇas umhüllter Körper'); die genaue Aufschlüsselung bleibt auch dort offen.
und nachdem sie die dem Körper innewohnende Eigenart und Vorstellungskraft erkannt haben, und das Selbst, das gleichsam unbeteiligt ist, in dem keine Sünde existiert,
dvitīyaṃ karma vai jñātvā viprendrā viṣayaiṣiṇām / indriyāṇīndriyārthāṃś ca sarvān ātmani saṃśritān //
und nachdem sie das zweite [Prinzip des] Karma erkannt haben, o Fürsten der Brahmanen, [das Karma] derer, die nach Sinnesobjekten verlangen, und alle Sinnesorgane und Sinnesobjekte, die im Selbst ruhen,
Wort für Wort
dvitīyaṃ karma vai jñātvā
das zweite [Prinzip des] Karma erkannt habend
viprendrā viṣayaiṣiṇām
o Fürsten der Brahmanen, derer, die nach Sinnesobjekten verlangen
durlabhatvaṃ ca mokṣasya vijñāya śrutipūrvakam / prāṇāpānau samānaṃ ca vyānodānau ca tattvataḥ //
und nachdem sie die Schwer-Erreichbarkeit der Erlösung erkannt haben, gemäß der Śruti-Überlieferung, und wahrhaftig Prāṇa und Apāna, Samāna, sowie Vyāna und Udāna [die fünf Lebenswinde],
und nachdem sie den ersten Lebenswind erkannt haben, und wiederum seinen Ursprung, und diese [Winde als] siebenfach, und ebenso die übrigen wiederum siebenfach, gemäß der Vorschrift,
Wort für Wort
ādyaṃ caivānilaṃ jñātvā
den ersten Lebenswind erkannt habend
prabhavaṃ cānilaṃ punaḥ
und wiederum seinen Ursprung
saptadhā tāṃs tathā śeṣān
diese als siebenfach, und ebenso die übrigen
saptadhā vidhivat punaḥ
wiederum siebenfach, gemäß der Vorschrift
[?] Die zweimalige Angabe 'siebenfach' (saptadhā) bleibt in ihrer genauen Bedeutung unklar - möglicherweise sind zwei verschiedene Siebenergruppen von Lebenswinden gemeint.
prajāpatīn ṛṣīṃś caiva sargāṃś ca subahūn varān / saptarṣīṃś ca bahūñ jñātvā rājarṣīṃś ca paraṃtapān //
und die Prajāpatis und die Weisen, und die sehr zahlreichen vortrefflichen Schöpfungen, und nachdem sie die vielen Siebenweisen erkannt haben, und die königlichen Weisen, die Bezwinger der Feinde,
Wort für Wort
prajāpatīn ṛṣīṃś caiva
die Prajāpatis und die Weisen
sargāṃś ca subahūn varān
und die sehr zahlreichen vortrefflichen Schöpfungen
und die Götterweisen und andere Maruts, und die sonnengleichen Brahmanenweisen - und nachdem sie gesehen haben, dass sie durch die große Zeit von ihrer Herrschaft gestürzt wurden, o Zweifachgeborene,
Wort für Wort
surarṣīn marutaś cānyān
die Götterweisen und andere Maruts
brahmarṣīn sūryasaṃnibhān
die sonnengleichen Brahmanenweisen
aiśvaryāc cyāvitān dṛṣṭvā
gesehen habend, dass sie von ihrer Herrschaft gestürzt wurden
und nachdem sie den Untergang der großen Wesensmassen [Elemente] vernommen haben, o Zweifachgeborene, und den heilvollen Verlauf der Worte erkannt haben - [wie] selbst Verehrungswürdige durch üble Taten [fallen können] [?] -
Wort für Wort
mahatāṃ bhūtasaṃghānāṃ
der großen Wesensmassen
śrutvā nāśaṃ ca bho dvijāḥ
den Untergang vernommen habend, o Zweifachgeborene
gatiṃ vācāṃ śubhāṃ jñātvā
den heilvollen Verlauf der Worte erkannt habend
arcārhāḥ pāpakarmaṇām
[wie] Verehrungswürdige durch üble Taten [fallen können]
[?] 'gatiṃ vācāṃ śubhāṃ jñātvā arcārhāḥ pāpakarmaṇām' ist syntaktisch unklar; die Übersetzung folgt der wahrscheinlichsten Deutung, dass selbst Verehrungswürdige durch böse Taten [aus ihrer Stellung fallen können].
vaitaraṇyāṃ ca yad duḥkhaṃ patitānāṃ yamakṣaye / yoniṣu ca vicitrāsu saṃcārān aśubhāṃs tathā //
und das Leid, das in der Vaitaraṇī [dem Höllenfluss] denen widerfährt, die in Yamas Reich gefallen sind, und ebenso die unheilvollen Wanderungen in den mannigfaltigen Mutterschößen,
śukraśoṇitasaṃghāte majjāsnāyuparigrahe / śirāśatasamākīrṇe navadvāre pure 'tha vai //
in der Ansammlung von Samen und Blut, in der Umhüllung von Mark und Sehnen, durchzogen von Hunderten von Adern, in der Stadt mit den neun Toren [dem Körper],
Wort für Wort
śukraśoṇitasaṃghāte
in der Ansammlung von Samen und Blut
majjāsnāyuparigrahe
in der Umhüllung von Mark und Sehnen
śirāśatasamākīrṇe
durchzogen von Hunderten von Adern
navadvāre pure 'tha vai
in der Stadt mit den neun Toren
[Anm.] Das Bild der 'Stadt mit den neun Toren' (navadvāra pura) für den Körper begegnete bereits in Kap.236, V.33-35 (Haṃsa-Lehre); ebenso knüpft die vorangehende Leibesschilderung an den Garbha-Duḥkha-Katalog aus Kap.234 an.
vijñāya hitam ātmānaṃ yogāṃś ca vividhān dvijāḥ / tāmasānāṃ ca jantūnāṃ ramaṇīyānṛtātmanām //
und nachdem sie das dem Selbst Zuträgliche erkannt haben, und die mannigfachen Arten des Yoga, o Zweifachgeborene, [und das,] was den tamasischen Geschöpfen, deren Wesen der Unwahrheit [verhaftet ist], erfreulich erscheint,
Wort für Wort
vijñāya hitam ātmānaṃ
das dem Selbst Zuträgliche erkannt habend
yogāṃś ca vividhān dvijāḥ
und die mannigfachen Arten des Yoga, o Zweifachgeborene
tāmasānāṃ ca jantūnāṃ
und den tamasischen Geschöpfen
ramaṇīyānṛtātmanām
was erfreulich erscheint, deren Wesen der Unwahrheit [verhaftet ist]
und was den sattvischen Geschöpfen verächtlich [erscheint], o beste der Weisen, [was] im Sinne der Großen, der Selbst-Erkennenden unter den Sāṃkhyas, tadelnswert ist,
und ebenso die schrecklichen Verfinsterungen des Mondes und der Sonnenglut, und nachdem sie den Fall der Sterne gesehen haben und den Wechsel der Mondhäuser,
dvaṃdvānāṃ viprayogaṃ ca vijñāya kṛpaṇaṃ dvijāḥ / anyonyabhakṣaṇaṃ dṛṣṭvā bhūtānām api cāśubham //
und nachdem sie die klägliche Trennung der Gegensatzpaare erkannt haben, o Zweifachgeborene, und gesehen haben das unheilvolle gegenseitige Verschlingen auch der Lebewesen,
bālye mohaṃ ca vijñāya pakṣadehasya cāśubham / rāgaṃ mohaṃ ca saṃprāptaṃ kvacit sattvaṃ samāśritam //
und nachdem sie die Verblendung in der Kindheit erkannt haben, und das Unheilvolle des [dem Wandel unterworfenen] Leibes [?], und die Leidenschaft und Verblendung, die zuweilen sogar das im Sattva Verankerte erreichen,
Wort für Wort
bālye mohaṃ ca vijñāya
die Verblendung in der Kindheit erkannt habend
pakṣadehasya cāśubham
und das Unheilvolle des [wandelbaren] Leibes
rāgaṃ mohaṃ ca saṃprāptaṃ
und die Leidenschaft und Verblendung, die erreichen
kvacit sattvaṃ samāśritam
zuweilen [selbst] das im Sattva Verankerte
[?] 'pakṣadehasya' ist unklar; 'pakṣa' kann u.a. 'Seite, Partei, Flügel, Monatshälfte' bedeuten - die Übersetzung folgt einer sinngemäßen Deutung als 'dem Wandel/Verfall unterworfener Leib'.
[erkannt habend, dass] unter Tausenden [nur] irgendein einzelner Mensch sich der Erlösungs-Erkenntnis zuwendet, und die Schwer-Erreichbarkeit der Erlösung - das Wissen darum, gemäß der Śruti-Überlieferung -
bahumānam alabdheṣu labdhe madhyasthatāṃ punaḥ / viṣayāṇāṃ ca daurātmyaṃ vijñāya ca punar dvijāḥ //
und die übermäßige Wertschätzung des Unerlangten, und beim Erlangten wiederum Gleichmut, und nachdem sie wiederum die Bosheit der Sinnesobjekte erkannt haben, o Zweifachgeborene,
und nachdem [die Lebenskraft] die schönen Körper der verstorbenen Wesen durchbrochen [verlassen] hat, [und erkannt] den Aufenthalt der Geschöpfe in [ihren künftigen] Familien, [der] dem Tode entgegen[strebt] für die, deren Selbst [daran] festhält [?],
Wort für Wort
gatāsūnāṃ ca sattvānāṃ
der verstorbenen Wesen
dehān bhittvā tathā śubhān
die schönen Körper durchbrochen habend
vāsaṃ kuleṣu jantūnāṃ
den Aufenthalt der Geschöpfe in [ihren] Familien
maraṇāya dhṛtātmanām
dem Tode entgegen, für die, deren Selbst [daran] festhält
[?] Die genaue syntaktische Verbindung dieses Verses bleibt unsicher; die Übersetzung folgt einer sinngemäßen Deutung, wonach die Lebenskraft beim Tod den Körper verlässt und die Geschöpfe erneut in Familien Aufenthalt nehmen, dem [erneuten] Tod entgegen.
und nachdem sie das Leid der sattvischen Geschöpfe erkannt haben, o Zweifachgeborene, und den überaus schrecklichen Gang der gefallenen Brahmanenmörder erkannt haben,
und derer, die dem Trinken von Branntwein verfallen sind, der bösartigen Brahmanen, und derer, die an der Gattin des Lehrers hängen - [all deren] unheilvollen Gang erkannt habend,
Wort für Wort
surāpāne ca saktānāṃ
derer, die dem Trinken von Branntwein verfallen sind
und [erkannt,] wodurch die besten der Zweifachgeborenen sich in [ihren künftigen] Müttern recht verhalten, wodurch die Menschen sich in den Welten samt den Göttern verhalten,
Wort für Wort
jananīṣu ca vartante
sich in [ihren künftigen] Müttern verhalten
yena samyag dvijottamāḥ
wodurch die besten der Zweifachgeborenen recht [verhalten]
tena jñānena vijñāya gatiṃ cāśubhakarmaṇām / tiryagyonigatānāṃ ca vijñāya ca gatīḥ pṛthak //
durch dieses Wissen erkannt habend den Gang derer mit unheilvollen Taten, und die einzelnen Gänge derer, die in tierische Mutterschöße gelangt sind, erkannt habend,
Wort für Wort
tena jñānena vijñāya
durch dieses Wissen erkannt habend
gatiṃ cāśubhakarmaṇām
den Gang derer mit unheilvollen Taten
tiryagyonigatānāṃ ca
und derer, die in tierische Mutterschöße gelangt sind
pakṣakṣayaṃ tathā dṛṣṭvā divasānāṃ ca saṃkṣayam / kṣayaṃ vṛddhiṃ ca candrasya dṛṣṭvā pratyakṣatas tathā //
und ebenso gesehen habend das Schwinden der Monatshälften und das gänzliche Schwinden der Tage, und das Schwinden und Wachsen des Mondes unmittelbar mit eigenen Augen gesehen habend,
vṛddhiṃ dṛṣṭvā samudrāṇāṃ kṣayaṃ teṣāṃ tathā punaḥ / kṣayaṃ dhanānāṃ dṛṣṭvā ca punar vṛddhiṃ tathaiva ca //
und das Anschwellen der Meere gesehen habend und wiederum ebenso ihr Zurückweichen, und das Schwinden der Reichtümer gesehen habend und wiederum ebenso ihr Anwachsen,
und ebenso die Verbindungen gesehen habend, und besonders [den Wandel] der Weltzeitalter, und die Hinfälligkeit des Körpers wahrhaftig und vollständig erkannt habend,
und nachdem sie alle im Selbst befindlichen Fehler des Selbst erkannt haben, und ebenso die aus dem eigenen Körper aufsteigenden unreinen Gerüche erkannt haben -
Wort für Wort
ātmadoṣāṃś ca vijñāya
die Fehler des Selbst erkannt habend
sarvān ātmani saṃsthitān
alle, die im Selbst befindlich sind
svadehād utthitān gandhāṃs
die aus dem eigenen Körper aufsteigenden Gerüche
tathā vijñāya cāśubhān
ebenso als unrein erkannt habend
[Anm.] Hiermit endet der in V.5 begonnene große Wissenskatalog. Ein eigenes, neues Hauptverb erscheint innerhalb des erhaltenen Textes nicht mehr, bevor die Weisen in V.50 mit einer neuen Frage einsetzen; der Sinn ergibt sich rückbezüglich aus V.16 ('sie erlangen die heilvolle Erlösung') - all das Aufgezählte ist demnach das, was der Sāṃkhya-Kenner erkennen muss, um zur Erlösung zu gelangen.
Die Weisen sprachen: Welche aus Störungen (Utpāta) entstehenden Fehler siehst du, o bester Kenner des Brahman? Diesen unseren ganzen Zweifel mögest du vollständig auflösen.
Vyāsa sprach: Fünf Fehler, o Zweifachgeborene, verkünden die Weisen im Körper - die Sāṃkhyas, die Anhänger Kapilas, die den Pfad kennen; hört, o beste der Weisen.
Begierde und Zorn, Furcht, Schlaf, und als fünfter wird der Atem [Śvāsa] genannt; diese Fehler werden in den Körpern aller verkörperten Wesen gesehen.
Wort für Wort
kāmakrodhau bhayaṃ nidrā
Begierde und Zorn, Furcht, Schlaf
pañcamaḥ śvāsa ucyate
als fünfter wird der Atem genannt
ete doṣāḥ śarīreṣu
diese Fehler werden in den Körpern gesehen
dṛśyante sarvadehinām
aller verkörperten Wesen
[Anm.] Diese Fünferliste von Fehlern (Kāma, Krodha, Bhaya, Nidrā, Śvāsa) weicht von den in Kap.236 (V.40) und Kap.238 (V.44/52) genannten fünf Yoga-Fehlern (Kāma, Krodha, Lobha, Bhaya, Nidrā) ab: dort erscheint Lobha (Gier), hier stattdessen Śvāsa (Atem/Keuchen) als fünfter Fehler.
Sie durchtrennen durch Geduld den Zorn, die Begierde durch das Aufgeben des [begehrenden] Denkens, den Schlaf durch die Pflege des Sattva, und ebenso die Furcht durch Wachsamkeit,
Wort für Wort
chindanti kṣamayā krodhaṃ
sie durchtrennen durch Geduld den Zorn
kāmaṃ saṃkalpavarjanāt
die Begierde durch das Aufgeben des [begehrenden] Denkens
den fünften, den Atem, durchtrennen sie, o Zweifachgeborene, durch geringe Nahrung; nachdem sie die Vorzüge durch hunderte von Vorzügen erkannt haben, und ebenso die Fehler durch hunderte von Fehlern,
Wort für Wort
chindanti pañcamaṃ śvāsam
den fünften, den Atem, durchtrennen sie
alpāhāratayā dvijāḥ
durch geringe Nahrung, o Zweifachgeborene
guṇān guṇaśatair jñātvā
die Vorzüge durch hunderte von Vorzügen erkannt habend
und die mannigfaltigen Ursachen durch hunderte mannigfaltiger Ursachen wahrhaftig erkannt habend - die Welt, gleich dem Schaum des Wassers, gemacht durch hunderte Illusionen (Māyā) Viṣṇus,
Wort für Wort
hetūn hetuśataiś citraiś
die mannigfaltigen Ursachen durch hunderte mannigfaltiger Ursachen
vijñāya tattvataḥ
wahrhaftig erkannt habend
apāṃ phenopamaṃ lokaṃ
die Welt, gleich dem Schaum des Wassers
viṣṇor māyāśataiḥ kṛtam
gemacht durch hunderte Illusionen Viṣṇus
[Anm.] Hier beginnt eine ausgedehnte, mehrere Verse (bis V.68) umfassende Allegorie vom 'Ozean des Saṃsāra', vergleichbar dem Fluss-Gleichnis aus Kap.238, V.26-30, jedoch weit kunstvoller ausgeführt: zahlreiche Merkmale eines Ozeans (Strömung, Strudel, Ufer, Meerestiere, Perlen, Korallen usw.) werden auf psychische und existentielle Zustände (Kummer, Krankheit, Anhaftung, Geburt usw.) übertragen, welche die befreiten Weisen mittels Wissens-Yoga durchqueren.
[die Welt,] gleich einer bemalten Wand [täuschend], mit dem [wertlosen] Kern eines Schilfrohrs, bedeutungslos - nachdem sie [sie] gesehen haben, verwirrt von Dunkelheit, gleich einer Regenblase,
[eine Welt,] deren Glücksgrund fast dem Untergang [geweiht] ist, deren große Furcht dem Untergang folgt, [in der] Rajas in Tamas versunken ist wie ein hilfloser Elefant im Sumpf,
die Sāṃkhyas, o Brahmanen von großer Weisheit, nachdem sie die durch Nachkommenschaft bewirkte Zuneigung aufgegeben haben, durch das Sāṃkhya-Wissen, dessen Erkenntnisgegenstand [das Selbst ist], das alldurchdringende, große, o Zweifachgeborene,
Wort für Wort
sāṃkhyā viprā mahāprājñās
die Sāṃkhyas, o Brahmanen von großer Weisheit
tyaktvā snehaṃ prajākṛtam
die durch Nachkommenschaft bewirkte Zuneigung aufgegeben habend
jñānajñeyena sāṃkhyena
durch das Sāṃkhya-Wissen mit seinem Erkenntnisgegenstand
rājasān aśubhān gandhāṃs tāmasāṃś ca tathāvidhān / puṇyāṃś ca sāttvikān gandhān sparśajān dehasaṃśritān //
[nachdem sie] die unreinen rajasischen Gerüche und ebenso die derartigen tamasischen, und die heilvollen sattvischen Gerüche, die aus der Berührung entstehen und im Körper wohnen,
Wort für Wort
rājasān aśubhān gandhāṃs
die unreinen rajasischen Gerüche
tāmasāṃś ca tathāvidhān
und ebenso die derartigen tamasischen
puṇyāṃś ca sāttvikān gandhān
und die heilvollen sattvischen Gerüche
sparśajān dehasaṃśritān
die aus der Berührung entstehen und im Körper wohnen
chittvātmajñānaśastreṇa tapodaṇḍena sattamāḥ / tato duḥkhādikaṃ ghoraṃ cintāśokamahāhradam //
durchtrennt haben mit dem Schwert der Selbsterkenntnis, mit dem Stab der Askese, o Beste - danach [durchqueren sie den Ozean,] den schrecklichen, beginnend mit dem Leid, den großen See der Sorge und des Kummers,
Wort für Wort
chittvātmajñānaśastreṇa
durchtrennt habend mit dem Schwert der Selbsterkenntnis
tapodaṇḍena sattamāḥ
mit dem Stab der Askese, o Beste
tato duḥkhādikaṃ ghoraṃ
danach den schrecklichen, mit dem Leid beginnenden [Ozean]
[den Ozean,] überaus schrecklich durch Krankheit und Tod, mit der großen Furcht als großer Schlange, mit Tamas als Schildkröte, mit Rajas als Fisch - durchqueren sie fürwahr mittels ihrer Erkenntniskraft,
Wort für Wort
vyādhimṛtyumahāghoraṃ
überaus schrecklich durch Krankheit und Tod
mahābhayamahoragam
mit der großen Furcht als großer Schlange
tamaḥkūrmaṃ rajomīnaṃ
mit Tamas als Schildkröte, mit Rajas als Fisch
prajñayā saṃtaranty uta
durchqueren sie fürwahr mittels der Erkenntniskraft
[den Ozean] mit dem Schlamm der Zuneigung, unwegsam durch das Alter, mit der Berührung als Insel, o beste der Zweifachgeborenen, unergründlich durch das Karma, mit der Wahrheit als Ufer - [ihn durchqueren] die im Gelübde standhaften Weisen,
Wort für Wort
snehapaṅkaṃ jarādurgaṃ
mit dem Schlamm der Zuneigung, unwegsam durch das Alter
sparśadvīpaṃ dvijottamāḥ
mit der Berührung als Insel, o beste der Zweifachgeborenen
karmāgādhaṃ satyatīraṃ
unergründlich durch das Karma, mit der Wahrheit als Ufer
sthitaṃ vratamanīṣiṇaḥ
[ihn durchqueren] die im Gelübde standhaften Weisen
[den Ozean] mit der großen Strömung der Freudenansammlung, verwirrt durch mannigfache Geschmäcker, mit der mannigfachen Zuneigung als großem Edelstein, aufgewühlt durch das Fieber des Leids,
Wort für Wort
harṣasaṃghamahāvegaṃ
mit der großen Strömung der Freudenansammlung
nānārasasamākulam
verwirrt durch mannigfache Geschmäcker
nānāprītimahāratnaṃ
mit der mannigfachen Zuneigung als großem Edelstein
[den Ozean] mit dem großen Strudel von Kummer und Durst, mit dem großen Schmerz scharfer Krankheit, mit dem Zusammenstoß der Knochenmassen, verbunden mit Schleim, o beste der Zweifachgeborenen,
Wort für Wort
śokatṛṣṇāmahāvartaṃ
mit dem großen Strudel von Kummer und Durst
tīkṣṇavyādhimahārujam
mit dem großen Schmerz scharfer Krankheit
asthisaṃghātasaṃghaṭṭaṃ
mit dem Zusammenstoß der Knochenmassen
śleṣmayogaṃ dvijottamāḥ
verbunden mit Schleim, o beste der Zweifachgeborenen
[den Ozean,] schrecklich, mit der Freigebigkeit als Perlenmine, mit dem Hervorquellen von Blut als Korallen, mit dem Getöse von Lachen und Schreien, sehr schwer [zu durchqueren] durch mannigfaches Wissen,
Wort für Wort
dānamuktākaraṃ ghoraṃ
schrecklich, mit der Freigebigkeit als Perlenmine
śoṇitodgāravidrumam
mit dem Hervorquellen von Blut als Korallen
hasitotkruṣṭanirghoṣaṃ
mit dem Getöse von Lachen und Schreien
nānājñānasuduṣkaram
sehr schwer [zu durchqueren] durch mannigfaches Wissen
[den Ozean] mit dem Salz der Tränen des Weinens als Unreinheit, ganz der Verbindung mit Anhaftung hingegeben - den die Welt der Geburt [gleichsam] gewonnen hat [?], mit Söhnen und Verwandten als Stadt [bevölkert] -
Wort für Wort
rodanāśrumalakṣāraṃ
mit dem Salz der Tränen des Weinens als Unreinheit
saṅgayogaparāyaṇam
ganz der Verbindung mit Anhaftung hingegeben
pralabdhvā janmaloko yaṃ
den die Welt der Geburt gewonnen hat
putrabāndhavapattanam
mit Söhnen und Verwandten als Stadt
[?] Die syntaktische Fügung 'pralabdhvā janmaloko yaṃ' ist unklar; die Übersetzung folgt einer sinngemäßen Deutung, wonach die Welt der Geburt diesen [Ozean] gleichsam für sich gewonnen/in Besitz genommen hat.
[den Ozean] mit Gewaltlosigkeit und Wahrheit als Ufer, mit der Vereinigung des Lebensatems als Wellen, dem die Scharen folgen, den Milch-Ozean aller Wesen, [ganz] mit Milch [gefüllt],
[den Ozean,] dessen Bereich die schwer erreichbare Erlösung ist, den Ozean mit dem Unterwasserfeuer als [seiner] Wonne [?] - durchqueren die vollendeten, sündenlosen Asketen mittels des Wissens-Yoga.
Wort für Wort
mokṣadurlabhaviṣayaṃ
dessen Bereich die schwer erreichbare Erlösung ist
vāḍavāsukhasāgaram
den Ozean mit dem Unterwasserfeuer als Wonne
taranti yatayaḥ siddhā
durchqueren die vollendeten Asketen
jñānayogena cānaghāḥ
mittels des Wissens-Yoga, die Sündenlosen
[?] 'vāḍavāsukhasāgaram' ist unsicher; 'vāḍava' bezeichnet das mythische Unterwasserfeuer (Vāḍavāgni) am Meeresgrund - der genaue Sinn der Verbindung mit 'sukha' (Wonne/Glück) im Kompositum bleibt unklar. Hiermit endet die Ozean-Allegorie (V.55-68).
Und nachdem sie die schwer zu überquerende Geburt [den Geburtenozean] durchquert haben, treten sie ein in den makellosen Äther; danach, nachdem sie als wohltätig erkannt hat, trägt die Sonne sie mit ihren Strahlen,
Wort für Wort
tīrtvā ca dustaraṃ janma
die schwer zu überquerende Geburt durchquert habend
viśanti vimalaṃ nabhaḥ
treten sie ein in den makellosen Äther
tatas tān sukṛtīñ jñātvā
danach, sie als wohltätig erkannt habend
sūryo vahati raśmibhiḥ
trägt die Sonne sie mit ihren Strahlen
[Anm.] Hier beginnt die vertikale Aufstiegs-Kosmologie der Befreiung (V.69-76): Sonne, Wind, Äther, Rajas und Sattva übernehmen die befreiten Seelen nacheinander und tragen sie schließlich zu Nārāyaṇa.
eindringend wie ein Lotosfaden, [die Sonne,] die [ihre] Bereiche durchströmend, o Zweifachgeborene; dort nimmt sie der Wind Pravaha entgegen, o Sündenlose,
Wort für Wort
padmatantuvad āviśya
eindringend wie ein Lotosfaden
pravahan viṣayān dvijāḥ
die [ihre] Bereiche durchströmend, o Zweifachgeborene
vītarāgān yatīn siddhān vīryayuktāṃs tapodhanān / sūkṣmaḥ śītaḥ sugandhaś ca sukhasparśaś ca bho dvijāḥ //
die leidenschaftslosen, vollendeten Asketen, ausgestattet mit Kraft, reich an Askese - fein, kühl, wohlriechend und von angenehmer Berührung, o Zweifachgeborene,
Sattva, dessen Selbst rein ist, trägt zum höchsten Herrn Nārāyaṇa; der Herr, dessen Selbst rein ist, trägt [sie] durch [sein eigenes] Selbst zum höchsten Selbst,
paramātmānam āsādya tadbhūtā yatayo 'malāḥ / amṛtatvāya kalpante na nivartanti ca dvijāḥ //
nachdem sie das höchste Selbst erreicht haben, [und] zu diesem geworden sind, gelangen die makellosen Asketen zur Unsterblichkeit und kehren nicht zurück, o Zweifachgeborene.
Das ist der höchste Gang, o Brahmanen, der großen Seelen, die frei von den Gegensatzpaaren sind, die an Wahrheit und Aufrichtigkeit Freude haben, die Mitgefühl mit allen Wesen haben.
Wort für Wort
paramā sā gatir viprā
das ist der höchste Gang, o Brahmanen
nirdvaṃdvānāṃ mahātmanām
der großen Seelen, frei von den Gegensatzpaaren
satyārjavaratānāṃ vai
die an Wahrheit und Aufrichtigkeit Freude haben
sarvabhūtadayāvatām
die Mitgefühl mit allen Wesen haben
[Anm.] Hiermit endet die Aufstiegs-Kosmologie (V.69-76).
{munaya ūcuḥ: } sthānam uttamam āsādya bhagavantaṃ sthiravratāḥ / ājanmamaraṇaṃ vā te ramante tatra vā na vā //
Die Weisen sprachen: Nachdem sie den höchsten Ort erreicht haben, den Erhabenen, jene, die standhaft in ihrem Gelübde sind - erfreuen sie sich dort, von Geburt bis Tod, oder nicht?
yad atra tathyaṃ tattvaṃ no yathāvad vaktum arhasi / tvadṛte mānavaṃ nānyaṃ praṣṭum arhāma sattama //
Was hier die wahre Wirklichkeit ist, das mögest du uns gebührend darlegen; außer dir gibt es keinen anderen Menschen, den wir fragen könnten, o Bester.
Dies wäre ein großer Widerspruch der Erlösung: [wenn] die höchsten Asketen, obwohl sie als Weise die Vollendung erreicht haben, eben nur in jener [bloßen] Erkenntnis verharren -
Wort für Wort
mokṣadoṣo mahān eṣa
dies wäre ein großer Fehler/Widerspruch der Erlösung
prāpya siddhiṃ gatān ṛṣīn
die Weisen, die die Vollendung erreicht haben
yadi tatraiva vijñāne
wenn eben nur in jener Erkenntnis
vartante yatayaḥ pare
die höchsten Asketen verharren
[Anm.] Die Frage der Weisen (V.79-80) formuliert einen subtilen philosophischen Einwand: Wenn die befreiten Weisen von Geburt bis Tod lediglich in reiner Erkenntnis verharren, ohne irgendeine Freude (Ramaṇa) zu erfahren, wäre das nicht selbst eine Art Mangel, der dem Ideal der Erlösung als Glückszustand widerspricht?
pravṛttilakṣaṇaṃ dharmaṃ paśyāma paramaṃ dvija / magnasya hi pare jñāne kiṃtu duḥkhāntaraṃ bhavet //
[dann] sähen wir [darin] das Merkmal des höchsten Pravṛtti-Dharma [weltzugewandten Handelns], o Zweifachgeborener; denn für den, der in die höchste Erkenntnis versunken ist, könnte doch ein anderes Leid entstehen.
Wort für Wort
pravṛttilakṣaṇaṃ dharmaṃ
das Merkmal des Pravṛtti-Dharma
paśyāma paramaṃ dvija
sähen wir [darin], o Zweifachgeborener
magnasya hi pare jñāne
denn für den, der in der höchsten Erkenntnis versunken ist
{vyāsa uvāca: } yathānyāyaṃ muniśreṣṭhāḥ praśnaḥ pṛṣṭaś ca saṃkaṭaḥ / budhānām api saṃmohaḥ praśne 'smin munisattamāḥ //
Vyāsa sprach: Der Ordnung gemäß gestellt, o beste der Weisen, ist diese Frage, doch schwierig; selbst der Weisen [Verstand] gerät bei dieser Frage in Verwirrung, o beste der Weisen.
indriyāṇy api budhyante svadehaṃ dehināṃ dvijāḥ / karaṇāny ātmanas tāni sūkṣmaṃ paśyanti tais tu saḥ //
Auch die Sinnesorgane der verkörperten Wesen erkennen ihren eigenen Körper, o Zweifachgeborene; sie sind die Werkzeuge des Selbst, doch durch sie sieht dieses [Selbst] das Feine [Subtile],
Von dem verkörperten Wesen, das samt seinen Sinnesorganen schläft, o beste der Zweifachgeborenen, wandert das Feine [subtile Selbst] überallhin, wie der Wind im Äther,
Wort für Wort
indriyaiḥ saha suptasya
das samt seinen Sinnesorganen schläft
dehino dvijasattamāḥ
von dem verkörperten Wesen, o beste der Zweifachgeborenen
indriyāṇi ha sarvāṇi sve sve sthāne yathāvidhi / anīśatvāt pralīyante sarpā viṣahatā iva //
alle Sinnesorgane, ein jedes an seinem [eigenen] Ort, lösen sich vorschriftsgemäß auf, aus Machtlosigkeit [ohne das Selbst], wie Schlangen, denen das Gift genommen wurde.
indriyāṇāṃ tu sarveṣāṃ svasthāneṣv eva sarvaśaḥ / ākramya gatayaḥ sūkṣmā varaty ātmā na saṃśayaḥ //
Doch über alle Sinnesorgane, jedes gänzlich an seinem [eigenen] Ort, herrscht [gebietet] [?], nachdem es [sie] durchdrungen hat, das Selbst mit seinen feinen Bewegungen - daran ist kein Zweifel.
Wort für Wort
indriyāṇāṃ tu sarveṣāṃ
doch über alle Sinnesorgane
svasthāneṣv eva sarvaśaḥ
jedes gänzlich an seinem eigenen Ort
ākramya gatayaḥ sūkṣmā
durchdrungen habend, mit feinen Bewegungen
varaty ātmā na saṃśayaḥ
herrscht das Selbst - daran ist kein Zweifel
[?] Die Verbform 'varaty' (wohl von √vṛ, 'umhüllen/beherrschen') ist morphologisch ungewöhnlich; die Übersetzung folgt der wahrscheinlichsten Deutung 'es herrscht/gebietet über'.
sattvasya ca guṇān kṛtsnān rajasaś ca guṇān punaḥ / guṇāṃś ca tamasaḥ sarvān guṇān buddheś ca sattamāḥ //
Und alle Eigenschaften des Sattva, und wiederum die Eigenschaften des Rajas, und alle Eigenschaften des Tamas, und die Eigenschaften der Buddhi, o Beste,
Wort für Wort
sattvasya ca guṇān kṛtsnān
und alle Eigenschaften des Sattva
rajasaś ca guṇān punaḥ
und wiederum die Eigenschaften des Rajas
guṇāṃś ca tamasaḥ sarvān
und alle Eigenschaften des Tamas
guṇān buddheś ca sattamāḥ
und die Eigenschaften der Buddhi, o Beste
[Anm.] Es folgt eine Aufzählung der Eigenschaften (Guṇas) sämtlicher Tattvas (V.89-91), die - wie in V.91 gesagt - vom Selbst durchdrungen werden und im Feldkenner (Kṣetrajña) enthalten sind.
guṇāṃś ca manasaś cāpi nabhasaś ca guṇāṃs tathā / guṇān vāyoś ca sarvajñāḥ snehajāṃś ca guṇān punaḥ //
und auch die Eigenschaften des Manas, und ebenso die Eigenschaften des Äthers, und die Eigenschaften des Windes, o Allwissende, und wiederum die aus dem Wasser entstehenden Eigenschaften,
Wort für Wort
guṇāṃś ca manasaś cāpi
und auch die Eigenschaften des Manas
nabhasaś ca guṇāṃs tathā
und ebenso die Eigenschaften des Äthers
guṇān vāyoś ca sarvajñāḥ
und die Eigenschaften des Windes, o Allwissende
snehajāṃś ca guṇān punaḥ
und wiederum die aus dem Wasser entstehenden Eigenschaften
apāṃ guṇās tathā viprāḥ pārthivāṃś ca guṇān api / sarvān eva guṇair vyāpya kṣetrajñeṣu dvijottamāḥ //
und ebenso die Eigenschaften der Wasser, o Brahmanen, und auch die Eigenschaften der Erde - alle diese mit [seinen eigenen] Eigenschaften durchdringend, [ist das Selbst enthalten] in den Feldkennern, o beste der Zweifachgeborenen,
Wort für Wort
apāṃ guṇās tathā viprāḥ
und ebenso die Eigenschaften der Wasser, o Brahmanen
pārthivāṃś ca guṇān api
und auch die Eigenschaften der Erde
sarvān eva guṇair vyāpya
alle diese mit [seinen] Eigenschaften durchdringend
kṣetrajñeṣu dvijottamāḥ
[enthalten] in den Feldkennern, o beste der Zweifachgeborenen
ātmā carati kṣetrajñaḥ karmaṇā ca śubhāśubhe / śiṣyā iva mahātmānam indriyāṇi ca taṃ dvijāḥ //
das Selbst, der Feldkenner, wandert durch das gute und schlechte Karma; und die Sinnesorgane [folgen] ihm, der großen Seele, wie Schüler [ihrem Lehrer], o Zweifachgeborene.
Und die Prakṛti überschreitend, [gelangt es] zum Reinen, Feinen, Höher-als-das-Höchste, zu Nārāyaṇa, der großen Seele, dem Unveränderlichen, Höher-als-das-Höchste,
śreṣṭhaṃ tatra mano viprā indriyāṇi ca bho dvijāḥ / āgacchanti yathākālaṃ guroḥ saṃdeśakāriṇaḥ //
dorthin kommen das erhabene Manas, o Brahmanen, und die Sinnesorgane, o Zweifachgeborene, zur rechten Zeit, als Vollstrecker der Anweisung ihres Lehrers,
es ist [dann] möglich, in kurzer Zeit den Frieden zu erlangen, und ebenso [über] die Eigenschaften [zu verfügen], durch dieses so dargelegte, zur Erlösung führende Sāṃkhya-Yoga, o Fürsten der Brahmanen -
Wort für Wort
śakyaṃ vālpena kālena
es ist möglich, in kurzer Zeit
śāntiṃ prāptuṃ guṇāṃs tathā
den Frieden zu erlangen und ebenso die Eigenschaften
evam uktena viprendrāḥ
durch dieses so dargelegte, o Fürsten der Brahmanen
die Sāṃkhyas, o Brahmanen von großer Weisheit, gelangen zum höchsten Gang; diesem Wissen gleich, o Fürsten der Brahmanen, gibt es kein [anderes] Wissen.
Hierüber sei bei euch kein Zweifel: das Sāṃkhya-Wissen gilt als das höchste; es wird das Unvergängliche, das Feste genannt, das ursprüngliche, ewige Brahman,
anādimadhyanidhanaṃ nirdvaṃdvaṃ kartṛ śāśvatam / kūṭasthaṃ caiva nityaṃ ca yad vadanti śamātmakāḥ //
ohne Anfang, Mitte und Ende, frei von den Gegensatzpaaren, der ewige Handelnde, unveränderlich und beständig, wie es diejenigen bezeichnen, deren Wesen Ruhe ist,
Wort für Wort
anādimadhyanidhanaṃ
ohne Anfang, Mitte und Ende
nirdvaṃdvaṃ kartṛ śāśvatam
frei von den Gegensatzpaaren, der ewige Handelnde
kūṭasthaṃ caiva nityaṃ ca
unveränderlich und beständig
yad vadanti śamātmakāḥ
wie es diejenigen bezeichnen, deren Wesen Ruhe ist
sarve viprāś ca vedāś ca tathā sāmavido janāḥ / brahmaṇyaṃ paramaṃ devam anantaṃ paramācyutam //
alle Brahmanen und die Veden, und ebenso die Menschen, die den Sāmaveda kennen, [verkünden] den Brahman-zugetanen höchsten Gott, den Unendlichen, den höchsten Unwandelbaren,
und ihn erflehend sprechen die Brahmanen, deren Erkenntniskraft auf die Guṇas [gerichtet ist]; ebenso werden zu Recht die Yogins genannt und die Sāṃkhyas von unermesslicher Einsicht,
Wort für Wort
prārthayantaś ca taṃ viprā
und ihn erflehend, die Brahmanen
vadanti guṇabuddhayaḥ
sprechen, deren Erkenntniskraft [auf die Guṇas gerichtet ist]
seine [des Brahman] Gestaltlosigkeit [ist bekannt] - das Sāṃkhya aber sei seine Gestalt, so [sagt] die Śruti, o Fürsten der Brahmanen; große Erkennungszeichen von ihm nennen sie, o beste der Weisen.
Wort für Wort
amūrtis tasya viprendrāḥ
seine Gestaltlosigkeit, o Fürsten der Brahmanen
sāṃkhyaṃ mūrtir iti śrutiḥ
das Sāṃkhya sei seine Gestalt, so die Śruti
abhijñānāni tasyāhur
große Erkennungszeichen von ihm nennen sie
mahānti munisattamāḥ
o beste der Weisen
[Anm.] Diese Unterscheidung von Amūrti (Gestaltlosigkeit des Brahman) und Mūrti (dem Sāṃkhya als dessen 'Gestalt' oder Erscheinungsform) ist eine der markantesten Lehraussagen dieses Kapitels.
dvividhāni hi bhūtāni pṛthivyāṃ dvijasattamāḥ / agamyagamyasaṃjñāni gamyaṃ tatra viśiṣyate //
Zweifacher Art nämlich sind die Wesen auf der Erde, o beste der Zweifachgeborenen: mit den Bezeichnungen 'unzugänglich' und 'zugänglich' [?]; das Zugängliche zeichnet sich darunter aus.
Wort für Wort
dvividhāni hi bhūtāni
zweifacher Art nämlich sind die Wesen
pṛthivyāṃ dvijasattamāḥ
auf der Erde, o beste der Zweifachgeborenen
agamyagamyasaṃjñāni
mit den Bezeichnungen 'unzugänglich' und 'zugänglich'
gamyaṃ tatra viśiṣyate
das Zugängliche zeichnet sich darunter aus
[?] Die Bedeutung von 'agamya' (unzugänglich) und 'gamya' (zugänglich) in diesem Kontext bleibt unklar - möglicherweise eine Anspielung auf Wesen, die dem Sāṃkhya-Wissen zugänglich bzw. unzugänglich sind, oder eine allgemeinere Zweiteilung der Geschöpfe.
jñānaṃ mahad vai mahataś ca viprā vedeṣu sāṃkhyeṣu tathaiva yoge / yac cāpi dṛṣṭaṃ vidhivat purāṇe sāṃkhyāgataṃ tan nikhilaṃ munīndrāḥ //
Das große Wissen vom Großen [Mahat] fürwahr, o Brahmanen, in den Veden, in den Sāṃkhya-Lehren und ebenso im Yoga, und was auch immer vorschriftsgemäß in den Purāṇas gesehen wird - all das, o Fürsten der Weisen, ist im Sāṃkhya enthalten.
Wort für Wort
jñānaṃ mahad vai mahataś ca viprā
das große Wissen vom Großen fürwahr, o Brahmanen
vedeṣu sāṃkhyeṣu tathaiva yoge
in den Veden, in den Sāṃkhya-Lehren und ebenso im Yoga
yac cāpi dṛṣṭaṃ vidhivat purāṇe
und was vorschriftsgemäß in den Purāṇas gesehen wird
sāṃkhyāgataṃ tan nikhilaṃ munīndrāḥ
all das ist im Sāṃkhya enthalten, o Fürsten der Weisen
[Anm.] Ab hier (V.105-112) liegt der Sanskrit-Text in einem Hymnenmeter mit vierzeiligen Strophen vor, dem im Original die üblichen Daṇḍa-Satzzeichen (/, //) fehlen - nur Pada-Buchstaben (a-d) markieren die Verszeilen. Zur einheitlichen Darstellung wurden hier wie in den entsprechenden Passagen früherer Kapitel (u.a. Kap.234, 237-239) konventionelle Satzzeichen ergänzt.
yac cetihāseṣu mahatsu dṛṣṭaṃ yathārthaśāstreṣu viśiṣṭadṛṣṭam / jñānaṃ ca loke yad ihāsti kiṃcit sāṃkhyāgataṃ tac ca mahāmunīndrāḥ //
Und was in den großen Itihāsas gesehen wird, was in den den [wahren] Sinn darlegenden Lehrschriften als besondere Einsicht ersichtlich ist, und welches Wissen auch immer hier in der Welt existiert - auch das, o Fürsten der großen Weisen, ist im Sāṃkhya enthalten.
Wort für Wort
yac cetihāseṣu mahatsu dṛṣṭaṃ
was in den großen Itihāsas gesehen wird
yathārthaśāstreṣu viśiṣṭadṛṣṭam
was in den sinngemäßen Lehrschriften als besondere Einsicht ersichtlich ist
jñānaṃ ca loke yad ihāsti kiṃcit
und welches Wissen auch immer hier in der Welt existiert
sāṃkhyāgataṃ tac ca mahāmunīndrāḥ
auch das ist im Sāṃkhya enthalten, o Fürsten der großen Weisen
samastadṛṣṭaṃ paramaṃ balaṃ ca jñānaṃ ca mokṣaś ca yathāvad uktam / tapāṃsi sūkṣmāṇi ca yāni caiva sāṃkhye yathāvad vihitāni viprāḥ //
Alles Geschaute, die höchste Kraft, und das Wissen, und die gebührend genannte Erlösung, und welche feinen Askesen es auch gibt - all das ist im Sāṃkhya, o Brahmanen, gebührend festgelegt.
Wort für Wort
samastadṛṣṭaṃ paramaṃ balaṃ ca
alles Geschaute und die höchste Kraft
jñānaṃ ca mokṣaś ca yathāvad uktam
und das Wissen und die gebührend genannte Erlösung
Wer das Gegenteil davon [wählt, erlangt Unheil]; das ihm Zuträgliche [aber wählend], gehen die Sāṃkhyas stets und beständig mit Glück [ihren Weg]; und diese [Lehren] bewahrend, gelangen sie als Erfüllte wiederum in Brahmanenwohnstätten [d.h. werden als Brahmanen wiedergeboren].
Wort für Wort
viparyayaṃ tasya hitaṃ sadaiva
das Gegenteil davon [gegenüber] dem ihm stets Zuträglichen
gacchanti sāṃkhyāḥ satataṃ sukhena
gehen die Sāṃkhyas beständig mit Glück [ihren Weg]
tāṃś cāpi saṃdhārya tataḥ kṛtārthāḥ
und diese bewahrend, danach als Erfüllte
patanti viprāyataneṣu bhūyaḥ
gelangen sie wiederum in Brahmanenwohnstätten
[?] Dieser Vers bleibt in seinem genauen Sinn unklar. Die vorgeschlagene Übersetzung deutet einen Kontrast: wer den dem Sāṃkhya entgegengesetzten Weg geht, [erleidet Unheil, ungenannt bleibt hier was]; wer ihm zuträglich folgt, geht stets glücklich seinen Weg. Der Anschluss 'patanti viprāyataneṣu bhūyaḥ' (sie fallen/gelangen wiederum in Brahmanenwohnstätten) scheint trotz vorangehendem 'kṛtārthāḥ' (als Erfüllte) eine bloße Wiedergeburt als Brahmane statt vollständiger Erlösung zu beschreiben - ein möglicher Hinweis auf eine Zwischenstufe für nicht ganz Vollendete; die Spannung zum umgebenden Lehrgehalt (völlige Erlösung der Sāṃkhyas) bleibt jedoch bestehen.
hitvā ca dehaṃ praviśanti mokṣaṃ divaukasaś cāpi ca yogasāṃkhyāḥ / ato 'dhikaṃ te 'bhiratā mahārhe sāṃkhye dvijā bho iha śiṣṭajuṣṭe //
Und nachdem sie den Körper verlassen haben, treten die Yoga-Sāṃkhyas in die Erlösung ein, sowie auch in die Himmelswelten; darüber hinaus erfreuen sich diese Zweifachgeborenen an dem hochverehrungswürdigen Sāṃkhya, das hier von den Weisen geschätzt wird.
Wort für Wort
hitvā ca dehaṃ praviśanti mokṣaṃ
nachdem sie den Körper verlassen haben, treten sie in die Erlösung ein
divaukasaś cāpi ca yogasāṃkhyāḥ
die Yoga-Sāṃkhyas, sowie auch in die Himmelswelten
ato 'dhikaṃ te 'bhiratā mahārhe
darüber hinaus erfreuen sie sich an dem hochverehrungswürdigen
sāṃkhye dvijā bho iha śiṣṭajuṣṭe
Sāṃkhya, o Zweifachgeborene, das hier von den Weisen geschätzt wird
teṣāṃ tu tiryaggamanaṃ hi dṛṣṭaṃ nādho gatiḥ pāpakṛtāṃ nivāsaḥ / na vā pradhānā api te dvijātayo ye jñānam etan munayo na saktāḥ //
Für sie [die dem Sāṃkhya nicht Zugetanen] aber wird [dagegen] gesehen: die Wanderung ins Tierdasein, kein [tieferer] Abstieg [in die Hölle], nicht die Wohnstatt der Übeltäter; auch sind jene Zweifachgeborenen nicht [wahrhaft] vorzüglich, o Weise, die diesem Wissen nicht zugetan sind.
Wort für Wort
teṣāṃ tu tiryaggamanaṃ hi dṛṣṭaṃ
für sie aber wird die Wanderung ins Tierdasein gesehen
nādho gatiḥ pāpakṛtāṃ nivāsaḥ
kein [tieferer] Abstieg, nicht die Wohnstatt der Übeltäter
na vā pradhānā api te dvijātayo
auch sind jene Zweifachgeborenen nicht vorzüglich
ye jñānam etan munayo na saktāḥ
die diesem Wissen nicht zugetan sind, o Weise
[Anm.] Dieser Vers stellt den Gegensatz zu V.109 dar: wer dem Sāṃkhya-Yoga nicht anhängt, erleidet zwar keinen völligen Höllenabstieg, wohl aber eine degradierte Wiedergeburt im Tierdasein.
Das Sāṃkhya, weit, höchst, uralt, den großen, makellosen, erhaben-lieblichen Ozean - das gesamte Sāṃkhya, o großer Weiser, halten die Weisen [ganz verwirklicht] im unermesslichen Nārāyaṇa.
etan mayoktaṃ paramaṃ hi tattvaṃ nārāyaṇād viśvam idaṃ purāṇam / sa sargakāle ca karoti sargaṃ saṃhārakāle ca hareta bhūyaḥ //
Dies ist von mir die höchste Wahrheit verkündet worden: aus Nārāyaṇa [stammt] dieses uralte Universum; er bewirkt zur Zeit der Schöpfung die Schöpfung, und zur Zeit der Auflösung nimmt er es wiederum hinweg.
Wort für Wort
etan mayoktaṃ paramaṃ hi tattvaṃ
dies ist von mir die höchste Wahrheit verkündet worden
nārāyaṇād viśvam idaṃ purāṇam
aus Nārāyaṇa [stammt] dieses uralte Universum
sa sargakāle ca karoti sargaṃ
er bewirkt zur Zeit der Schöpfung die Schöpfung
saṃhārakāle ca hareta bhūyaḥ
und zur Zeit der Auflösung nimmt er es wiederum hinweg