Quellen der Menschheit

Brahma-Purāṇa

Kapitel 240: sāṃkhyadharmavidhivarṇanaṃ mokṣasukhavicāraś ca Die Darlegung der Sāṃkhya-Dharma-Regel und die Untersuchung der Erlösungswonne

samyak kriyeyaṃ viprendra varṇitā śiṣṭasaṃmatā / yogamārgo yathānyāyaṃ śiṣyāyeha hitaiṣiṇā //

Recht ist diese Praxis, o Fürst der Brahmanen, beschrieben worden, von den Weisen gebilligt - der Pfad des Yoga, der Ordnung gemäß, hier für den Schüler, der [dessen] Wohl sucht.

Wort für Wort
samyak kriyā iyam
recht ist diese Praxis
viprendra
o Fürst der Brahmanen
varṇitā śiṣṭasaṃmatā
beschrieben, von den Weisen gebilligt
yogamārgo yathānyāyam
der Yoga-Pfad der Ordnung gemäß
śiṣyāya iha hitaiṣiṇā
hier für den wohlsuchenden Schüler

sāṃkhye tv idānīṃ dharmasya vidhiṃ prabrūhi tattvataḥ / triṣu lokeṣu yaj jñānaṃ sarvaṃ tad viditaṃ hi te //

Im Sāṃkhya aber verkünde uns nun wahrhaftig die Regel des Dharma; welches Wissen es in den drei Welten gibt - all das ist dir ja bekannt.

Wort für Wort
sāṃkhye tu idānīm
im Sāṃkhya aber nun
dharmasya vidhiṃ prabrūhi tattvataḥ
verkünde die Regel des Dharma wahrhaftig
triṣu lokeṣu yaj jñānaṃ sarvam
welches Wissen in den drei Welten [existiert] - all das
tad viditaṃ hi te
das ist dir ja bekannt

{vyāsa uvāca: } śṛṇudhvaṃ munayaḥ sarvam ākhyānaṃ viditātmanām / vihitaṃ yatibhir vṛddhaiḥ kapilādibhir īśvaraiḥ //

Vyāsa sprach: Hört, o Weise, die ganze Erzählung der Selbst-Erkennenden, dargelegt von den altehrwürdigen Asketen, den Herren, angefangen mit Kapila.

Wort für Wort
śṛṇudhvaṃ munayaḥ
hört, o Weise
sarvam ākhyānaṃ viditātmanām
die ganze Erzählung der Selbst-Erkennenden
vihitaṃ yatibhir vṛddhaiḥ
dargelegt von den altehrwürdigen Asketen
kapilādibhir īśvaraiḥ
von den Herren, angefangen mit Kapila

yasmin suvibhramāḥ kecid dṛśyante munisattamāḥ / guṇāś ca yasmin bahavo doṣahāniś ca kevalā //

[Eine Lehre,] in der manche der besten Weisen als [ihr] sehr verwirrt/irrend [?] erscheinen, in der es aber auch viele Vorzüge gibt und die gänzliche Beseitigung der Fehler.

Wort für Wort
yasmin suvibhramāḥ kecid dṛśyante
in der manche als sehr verwirrt erscheinen
munisattamāḥ
die besten der Weisen
guṇāś ca yasmin bahavo
und in der es viele Vorzüge [gibt]
doṣahāniś ca kevalā
und die gänzliche Beseitigung der Fehler

[?] 'suvibhramāḥ' unsicher - wörtlich 'sehr in Verwirrung/Taumel [befindlich]'; könnte bedeuten, dass selbst hervorragende Weise sich in ihr täuschen können, obwohl sie zugleich viele Vorzüge und die vollständige Fehlerfreiheit besitzt.

jñānena parisaṃkhyāya sadoṣān viṣayān dvijāḥ / mānuṣān durjayān kṛtsnān paiśācān viṣayāṃs tathā //

Nachdem sie durch Erkenntnis die fehlerbehafteten Sinnesobjekte vollständig durchdacht haben, o Zweifachgeborene - die menschlichen, schwer zu bezwingenden, alle, und ebenso die Objekte der Piśācas,

Wort für Wort
jñānena parisaṃkhyāya
durch Erkenntnis vollständig durchdacht habend
sadoṣān viṣayān dvijāḥ
die fehlerbehafteten Sinnesobjekte, o Zweifachgeborene
mānuṣān durjayān kṛtsnān
die menschlichen, schwer zu bezwingenden, alle
paiśācān viṣayāṃs tathā
und ebenso die Objekte der Piśācas

[Anm.] Hier beginnt ein sehr langer, sich über V.5-49 erstreckender Aufzählungssatz (Kette aus jñātvā/vijñāya/dṛṣṭvā/śrutvā, 'nachdem erkannt/gesehen/gehört wurde'), dessen tragendes Verb teils schon in V.16 (prāpnuvanti, 'sie erlangen') vorweggenommen wird - ein Stil, wie er bereits in Kap.234 und Kap.238 begegnete.

viṣayān auragāñ jñātvā gandharvaviṣayāṃs tathā / pitṝṇāṃ viṣayāñ jñātvā tiryaktvaṃ caratāṃ dvijāḥ //

nachdem sie die Objekte der Schlangenwesen erkannt haben, und ebenso die Objekte der Gandharvas, nachdem sie die Objekte der Ahnen (Pitṛs) erkannt haben, o Zweifachgeborene, [und die] derer, die im Tierdasein wandeln,

Wort für Wort
viṣayān auragāñ jñātvā
die Objekte der Schlangenwesen erkannt habend
gandharvaviṣayāṃs tathā
und ebenso die Objekte der Gandharvas
pitṝṇāṃ viṣayāñ jñātvā
die Objekte der Ahnen erkannt habend
tiryaktvaṃ caratāṃ dvijāḥ
derer, die im Tierdasein wandeln, o Zweifachgeborene

suparṇaviṣayāñ jñātvā marutāṃ viṣayāṃs tathā / maharṣiviṣayāṃś caiva rājarṣiviṣayāṃs tathā //

nachdem sie die Objekte der Suparṇas [Vogelwesen] erkannt haben, und ebenso die Objekte der Marut-Götter, und auch die Objekte der großen Weisen, und ebenso die Objekte der königlichen Weisen,

Wort für Wort
suparṇaviṣayāñ jñātvā
die Objekte der Suparṇas erkannt habend
marutāṃ viṣayāṃs tathā
und ebenso die Objekte der Maruts
maharṣiviṣayāṃś caiva
und auch die Objekte der großen Weisen
rājarṣiviṣayāṃs tathā
und ebenso die Objekte der königlichen Weisen

āsurān viṣayāñ jñātvā vaiśvadevāṃs tathaiva ca / devarṣiviṣayāñ jñātvā yogānām api vai parān //

nachdem sie die Objekte der Asuras erkannt haben, und ebenso auch die der Viśvadevas, nachdem sie die Objekte der Götterweisen erkannt haben, und auch die höchsten [Objekte] der Yogins,

Wort für Wort
āsurān viṣayāñ jñātvā
die Objekte der Asuras erkannt habend
vaiśvadevāṃs tathaiva ca
und ebenso auch die der Viśvadevas
devarṣiviṣayāñ jñātvā
die Objekte der Götterweisen erkannt habend
yogānām api vai parān
und auch die höchsten der Yogins

viṣayāṃś ca pramāṇasya brahmaṇo viṣayāṃs tathā / āyuṣaś ca paraṃ kālaṃ lokair vijñāya tattvataḥ //

und die Objekte des [rechten] Maßes, und ebenso die Objekte des Brahman, und die höchste Zeit des Lebensalters - durch die Welten hindurch wahrhaftig erkannt,

Wort für Wort
viṣayāṃś ca pramāṇasya
und die Objekte des [rechten] Maßes
brahmaṇo viṣayāṃs tathā
und ebenso die Objekte des Brahman
āyuṣaś ca paraṃ kālaṃ
und die höchste Zeit des Lebensalters
lokair vijñāya tattvataḥ
durch die Welten wahrhaftig erkannt

sukhasya ca paraṃ kālaṃ vijñāya munisattamāḥ / prāptakāle ca yad duḥkhaṃ patatāṃ viṣayaiṣiṇām //

und nachdem sie die höchste Zeit des Glücks erkannt haben, o beste der Weisen, und das Leid, das zur rechten Zeit über die fällt, die nach Sinnesobjekten verlangen,

Wort für Wort
sukhasya ca paraṃ kālaṃ vijñāya
die höchste Zeit des Glücks erkannt habend
munisattamāḥ
o beste der Weisen
prāptakāle ca yad duḥkhaṃ
und das Leid, das zur rechten Zeit [eintritt]
patatāṃ viṣayaiṣiṇām
derer, die nach Sinnesobjekten verlangen und [daher] fallen

tiryaktve patatāṃ viprāḥ tathaiva narakeṣu yat / svargasya ca guṇāñ jñātvā doṣān sarvāṃś ca bho dvijāḥ //

[das Leid] derer, die ins Tierdasein fallen, o Brahmanen, und ebenso [derer, die] in die Höllen [fallen], und nachdem sie die Vorzüge des Himmels erkannt haben und alle seine Mängel, o Zweifachgeborene,

Wort für Wort
tiryaktve patatāṃ viprāḥ
derer, die ins Tierdasein fallen, o Brahmanen
tathaiva narakeṣu yat
und ebenso [das Leid], das in den Höllen [herrscht]
svargasya ca guṇāñ jñātvā
die Vorzüge des Himmels erkannt habend
doṣān sarvāṃś ca bho dvijāḥ
und alle seine Mängel, o Zweifachgeborene

vedavāde ca ye doṣā guṇā ye cāpi vaidikāḥ / jñānayoge ca ye doṣā jñānayoge ca ye guṇāḥ //

und welche Mängel es in der Veda-Lehre gibt und welche vedischen Vorzüge, und welche Mängel es im Wissens-Yoga gibt und welche Vorzüge im Wissens-Yoga,

Wort für Wort
vedavāde ca ye doṣā
und welche Mängel es in der Veda-Lehre gibt
guṇā ye cāpi vaidikāḥ
und welche vedischen Vorzüge [es gibt]
jñānayoge ca ye doṣā
und welche Mängel es im Wissens-Yoga gibt
jñānayoge ca ye guṇāḥ
und welche Vorzüge im Wissens-Yoga [es gibt]

sāṃkhyajñāne ca ye doṣāṃs tathaiva ca guṇā dvijāḥ / sattvaṃ daśaguṇaṃ jñātvā rajo navaguṇaṃ tathā //

und welche Mängel es im Sāṃkhya-Wissen [gibt] und ebenso welche Vorzüge, o Zweifachgeborene - nachdem sie erkannt haben, dass Sattva zehnfach [an Rang/Kraft] ist [?] und Rajas ebenso neunfach,

Wort für Wort
sāṃkhyajñāne ca ye doṣāṃs
und welche Mängel im Sāṃkhya-Wissen
tathaiva ca guṇā dvijāḥ
und ebenso welche Vorzüge, o Zweifachgeborene
sattvaṃ daśaguṇaṃ jñātvā
erkannt habend, dass Sattva zehnfach ist
rajo navaguṇaṃ tathā
und Rajas ebenso neunfach

[Anm.] Die nun folgende, in V.13-15 absteigende Zahlenreihe (Sattva 10, Rajas 9, Tamas 8, Buddhi 7, Äther 6, das 'große Tamas' 3, Rajas 2, Sattva 1) wird im Text selbst nicht erläutert. Sie steht offenbar mit der in V.15 genannten 'Pralaya-Schau' (Betrachtung der kosmischen Auflösung) in Zusammenhang und bezeichnet vermutlich eine hierarchische Rang- oder Auflösungsordnung der Prinzipien, nicht wörtliche 'Guṇa-Bestandteile'.

tamaś cāṣṭaguṇaṃ jñātvā buddhiṃ saptaguṇāṃ tathā / ṣaḍguṇaṃ ca nabho jñātvā tamaś ca triguṇaṃ mahat //

und nachdem sie erkannt haben, dass Tamas achtfach ist und die Buddhi ebenso siebenfach, und dass der Äther sechsfach ist, und dass das große Tamas [Mahat-Tamas] dreifach ist,

Wort für Wort
tamaś cāṣṭaguṇaṃ jñātvā
erkannt habend, dass Tamas achtfach ist
buddhiṃ saptaguṇāṃ tathā
und die Buddhi ebenso siebenfach
ṣaḍguṇaṃ ca nabho jñātvā
erkannt habend, dass der Äther sechsfach ist
tamaś ca triguṇaṃ mahat
und das große Tamas dreifach

dviguṇaṃ ca rajo jñātvā sattvaṃ caikaguṇaṃ punaḥ / mārgaṃ vijñāya tattvena pralayaprekṣaṇena tu //

und nachdem sie erkannt haben, dass Rajas zweifach ist und Sattva wiederum einfach, und nachdem sie den Weg wahrhaftig erkannt haben, durch die Betrachtung der [kosmischen] Auflösung (Pralaya),

Wort für Wort
dviguṇaṃ ca rajo jñātvā
erkannt habend, dass Rajas zweifach ist
sattvaṃ caikaguṇaṃ punaḥ
und Sattva wiederum einfach
mārgaṃ vijñāya tattvena
den Weg wahrhaftig erkannt habend
pralayaprekṣaṇena tu
durch die Betrachtung der Auflösung

jñānavijñānasaṃpannāḥ kāraṇair bhāvitātmabhiḥ / prāpnuvanti śubhaṃ mokṣaṃ sūkṣmā iva nabhaḥ param //

[sie,] ausgestattet mit Wissen und Erkenntnis, durch Ursachen, deren Selbst geläutert ist, erlangen die heilvolle Erlösung, wie die Feinstofflichen [gelangen] zum höchsten Äther.

Wort für Wort
jñānavijñānasaṃpannāḥ
ausgestattet mit Wissen und Erkenntnis
kāraṇair bhāvitātmabhiḥ
durch Ursachen, deren Selbst geläutert ist
prāpnuvanti śubhaṃ mokṣaṃ
sie erlangen die heilvolle Erlösung
sūkṣmā iva nabhaḥ param
wie die Feinstofflichen zum höchsten Äther

rūpeṇa dṛṣṭiṃ saṃyuktāṃ ghrāṇaṃ gandhaguṇena ca / śabdagrāhyaṃ tathā śrotraṃ jihvāṃ rasaguṇena ca //

[und nachdem sie ferner erkannt haben] das Sehen, verbunden mit der Form, und den Geruchssinn mit der Eigenschaft des Duftes, und ebenso das Gehör, das durch Ton erfasst wird, und die Zunge mit der Eigenschaft des Geschmacks,

Wort für Wort
rūpeṇa dṛṣṭiṃ saṃyuktāṃ
das Sehen, verbunden mit der Form
ghrāṇaṃ gandhaguṇena ca
und den Geruchssinn mit der Eigenschaft des Duftes
śabdagrāhyaṃ tathā śrotraṃ
und ebenso das durch Ton erfasste Gehör
jihvāṃ rasaguṇena ca
und die Zunge mit der Eigenschaft des Geschmacks

[Anm.] Die folgende Reihe (V.17-22) von Sinn-Objekt- und Element-Zuordnungen ist grammatisch weiterhin Teil der Aufzählungskette und wird am Ende von V.22 durch 'jñātvā' zusammengefasst.

tvacaṃ sparśaṃ tathā śakyaṃ vāyuṃ caiva tadāśritam / mohaṃ tamasi saṃyuktaṃ lobhaṃ moheṣu saṃśritam //

und die Haut, die zur Berührung fähig ist, und den Wind, der darauf beruht, und die Verblendung, verbunden mit Tamas, und die Gier, die in der Verblendung ruht,

Wort für Wort
tvacaṃ sparśaṃ tathā śakyaṃ
und die zur Berührung fähige Haut
vāyuṃ caiva tadāśritam
und den Wind, der darauf beruht
mohaṃ tamasi saṃyuktaṃ
die Verblendung, verbunden mit Tamas
lobhaṃ moheṣu saṃśritam
die Gier, die in der Verblendung ruht

viṣṇuṃ krānte bale śakraṃ koṣṭhe saktaṃ tathānalam / apsu devīṃ samāyuktām āpas tejasi saṃśritāḥ //

und Viṣṇu, [verbunden] mit der Kraft des Schreitens, Śakra [Indra], verbunden mit der Körpermitte, und ebenso das Feuer, [das darin] haftet, und die Göttin, verbunden mit den Wassern, und die Wasser, die auf dem Feuer beruhen,

Wort für Wort
viṣṇuṃ krānte bale
Viṣṇu, [verbunden] mit der Kraft des Schreitens
śakraṃ koṣṭhe saktaṃ
Śakra, haftend an der Körpermitte
tathānalam
und ebenso das Feuer
apsu devīṃ samāyuktām
die Göttin, verbunden mit den Wassern
āpas tejasi saṃśritāḥ
die Wasser, die auf dem Feuer beruhen

[?] Die Zuordnung von Gottheiten zu Körperfunktionen/Elementen (Viṣṇu-'Schreiten', Śakra-'Körpermitte' u.a.) folgt einem knappen adhidaivata-Schema, dessen Einzelheiten im Text nicht weiter erklärt werden.

tejo vāyau tu saṃyuktaṃ vāyuṃ nabhasi cāśritam / nabho mahati saṃyuktaṃ tamo mahasi saṃsthitam //

und das Feuer, verbunden mit dem Wind, und den Wind, der im Äther ruht, und den Äther, verbunden mit dem Großen (Mahat), und das Tamas, das im Mahat steht,

Wort für Wort
tejo vāyau tu saṃyuktaṃ
das Feuer, verbunden mit dem Wind
vāyuṃ nabhasi cāśritam
der Wind, der im Äther ruht
nabho mahati saṃyuktaṃ
der Äther, verbunden mit dem Mahat
tamo mahasi saṃsthitam
das Tamas, das im Mahat steht

rajaḥ sattvaṃ tathā saktaṃ sattvaṃ saktaṃ tathātmani / saktam ātmānam īśe ca deve nārāyaṇe tathā //

und Rajas, ebenso mit Sattva verbunden, und Sattva, verbunden mit dem Selbst, und das Selbst, verbunden mit dem Herrn, und ebenso mit dem Gott Nārāyaṇa,

Wort für Wort
rajaḥ sattvaṃ tathā saktaṃ
Rajas, ebenso mit Sattva verbunden
sattvaṃ saktaṃ tathātmani
Sattva, verbunden mit dem Selbst
saktam ātmānam īśe ca
das Selbst, verbunden mit dem Herrn
deve nārāyaṇe tathā
und ebenso mit dem Gott Nārāyaṇa

devaṃ mokṣe ca saṃyuktaṃ tato mokṣaṃ ca na kvacit / jñātvā sattvaguṇaṃ dehaṃ vṛtaṃ ṣoḍaśabhir guṇaiḥ //

und den Gott, verbunden mit der Erlösung, und dass es danach [zurück aus] der Erlösung nirgends [eine Wiederkehr gibt] - all dies erkannt habend, [und ebenso] den vom Sattva-Anteil [geprägten] Körper, umhüllt von sechzehn Eigenschaften,

Wort für Wort
devaṃ mokṣe ca saṃyuktaṃ
den Gott, verbunden mit der Erlösung
tato mokṣaṃ ca na kvacit
und danach nirgends [eine Rückkehr aus] der Erlösung
jñātvā sattvaguṇaṃ dehaṃ
erkannt habend den vom Sattva-Anteil [geprägten] Körper
vṛtaṃ ṣoḍaśabhir guṇaiḥ
umhüllt von sechzehn Eigenschaften

[?] Die Angabe 'sechzehn Eigenschaften' entspricht der ähnlichen Zahlenangabe in Kap.236, V.16 ('siebzehnteiliger, von sechzehn Guṇas umhüllter Körper'); die genaue Aufschlüsselung bleibt auch dort offen.

svabhāvaṃ bhāvanāṃ caiva jñātvā dehasamāśritām / madhyastham iva cātmānaṃ pāpaṃ yasmin na vidyate //

und nachdem sie die dem Körper innewohnende Eigenart und Vorstellungskraft erkannt haben, und das Selbst, das gleichsam unbeteiligt ist, in dem keine Sünde existiert,

Wort für Wort
svabhāvaṃ bhāvanāṃ caiva
die Eigenart und die Vorstellungskraft
jñātvā dehasamāśritām
erkannt habend, die dem Körper innewohnende
madhyastham iva cātmānaṃ
und das gleichsam unbeteiligte Selbst
pāpaṃ yasmin na vidyate
in dem keine Sünde existiert

dvitīyaṃ karma vai jñātvā viprendrā viṣayaiṣiṇām / indriyāṇīndriyārthāṃś ca sarvān ātmani saṃśritān //

und nachdem sie das zweite [Prinzip des] Karma erkannt haben, o Fürsten der Brahmanen, [das Karma] derer, die nach Sinnesobjekten verlangen, und alle Sinnesorgane und Sinnesobjekte, die im Selbst ruhen,

Wort für Wort
dvitīyaṃ karma vai jñātvā
das zweite [Prinzip des] Karma erkannt habend
viprendrā viṣayaiṣiṇām
o Fürsten der Brahmanen, derer, die nach Sinnesobjekten verlangen
indriyāṇīndriyārthāṃś ca
und alle Sinnesorgane und Sinnesobjekte
sarvān ātmani saṃśritān
die im Selbst ruhen

durlabhatvaṃ ca mokṣasya vijñāya śrutipūrvakam / prāṇāpānau samānaṃ ca vyānodānau ca tattvataḥ //

und nachdem sie die Schwer-Erreichbarkeit der Erlösung erkannt haben, gemäß der Śruti-Überlieferung, und wahrhaftig Prāṇa und Apāna, Samāna, sowie Vyāna und Udāna [die fünf Lebenswinde],

Wort für Wort
durlabhatvaṃ ca mokṣasya
und die Schwer-Erreichbarkeit der Erlösung
vijñāya śrutipūrvakam
erkannt habend, gemäß der Śruti
prāṇāpānau samānaṃ ca
Prāṇa und Apāna, und Samāna
vyānodānau ca tattvataḥ
sowie Vyāna und Udāna, wahrhaftig

ādyaṃ caivānilaṃ jñātvā prabhavaṃ cānilaṃ punaḥ / saptadhā tāṃs tathā śeṣān saptadhā vidhivat punaḥ //

und nachdem sie den ersten Lebenswind erkannt haben, und wiederum seinen Ursprung, und diese [Winde als] siebenfach, und ebenso die übrigen wiederum siebenfach, gemäß der Vorschrift,

Wort für Wort
ādyaṃ caivānilaṃ jñātvā
den ersten Lebenswind erkannt habend
prabhavaṃ cānilaṃ punaḥ
und wiederum seinen Ursprung
saptadhā tāṃs tathā śeṣān
diese als siebenfach, und ebenso die übrigen
saptadhā vidhivat punaḥ
wiederum siebenfach, gemäß der Vorschrift

[?] Die zweimalige Angabe 'siebenfach' (saptadhā) bleibt in ihrer genauen Bedeutung unklar - möglicherweise sind zwei verschiedene Siebenergruppen von Lebenswinden gemeint.

prajāpatīn ṛṣīṃś caiva sargāṃś ca subahūn varān / saptarṣīṃś ca bahūñ jñātvā rājarṣīṃś ca paraṃtapān //

und die Prajāpatis und die Weisen, und die sehr zahlreichen vortrefflichen Schöpfungen, und nachdem sie die vielen Siebenweisen erkannt haben, und die königlichen Weisen, die Bezwinger der Feinde,

Wort für Wort
prajāpatīn ṛṣīṃś caiva
die Prajāpatis und die Weisen
sargāṃś ca subahūn varān
und die sehr zahlreichen vortrefflichen Schöpfungen
saptarṣīṃś ca bahūñ jñātvā
die vielen Siebenweisen erkannt habend
rājarṣīṃś ca paraṃtapān
und die königlichen Weisen, die Feindbezwinger

surarṣīn marutaś cānyān brahmarṣīn sūryasaṃnibhān / aiśvaryāc cyāvitān dṛṣṭvā kālena mahatā dvijāḥ //

und die Götterweisen und andere Maruts, und die sonnengleichen Brahmanenweisen - und nachdem sie gesehen haben, dass sie durch die große Zeit von ihrer Herrschaft gestürzt wurden, o Zweifachgeborene,

Wort für Wort
surarṣīn marutaś cānyān
die Götterweisen und andere Maruts
brahmarṣīn sūryasaṃnibhān
die sonnengleichen Brahmanenweisen
aiśvaryāc cyāvitān dṛṣṭvā
gesehen habend, dass sie von ihrer Herrschaft gestürzt wurden
kālena mahatā dvijāḥ
durch die große Zeit, o Zweifachgeborene

mahatāṃ bhūtasaṃghānāṃ śrutvā nāśaṃ ca bho dvijāḥ / gatiṃ vācāṃ śubhāṃ jñātvā arcārhāḥ pāpakarmaṇām //

und nachdem sie den Untergang der großen Wesensmassen [Elemente] vernommen haben, o Zweifachgeborene, und den heilvollen Verlauf der Worte erkannt haben - [wie] selbst Verehrungswürdige durch üble Taten [fallen können] [?] -

Wort für Wort
mahatāṃ bhūtasaṃghānāṃ
der großen Wesensmassen
śrutvā nāśaṃ ca bho dvijāḥ
den Untergang vernommen habend, o Zweifachgeborene
gatiṃ vācāṃ śubhāṃ jñātvā
den heilvollen Verlauf der Worte erkannt habend
arcārhāḥ pāpakarmaṇām
[wie] Verehrungswürdige durch üble Taten [fallen können]

[?] 'gatiṃ vācāṃ śubhāṃ jñātvā arcārhāḥ pāpakarmaṇām' ist syntaktisch unklar; die Übersetzung folgt der wahrscheinlichsten Deutung, dass selbst Verehrungswürdige durch böse Taten [aus ihrer Stellung fallen können].

vaitaraṇyāṃ ca yad duḥkhaṃ patitānāṃ yamakṣaye / yoniṣu ca vicitrāsu saṃcārān aśubhāṃs tathā //

und das Leid, das in der Vaitaraṇī [dem Höllenfluss] denen widerfährt, die in Yamas Reich gefallen sind, und ebenso die unheilvollen Wanderungen in den mannigfaltigen Mutterschößen,

Wort für Wort
vaitaraṇyāṃ ca yad duḥkhaṃ
und das Leid, das in der Vaitaraṇī [herrscht]
patitānāṃ yamakṣaye
derer, die in Yamas Reich gefallen sind
yoniṣu ca vicitrāsu
und in den mannigfaltigen Mutterschößen
saṃcārān aśubhāṃs tathā
die ebenso unheilvollen Wanderungen

jaṭhare cāśubhe vāsaṃ śoṇitodakabhājane / śleṣmamūtrapurīṣe ca tīvragandhasamanvite //

und den Aufenthalt im unreinen Bauch, dem Gefäß von Blut und Wasser, in Schleim, Urin und Kot, versehen mit heftigem Gestank,

Wort für Wort
jaṭhare cāśubhe vāsaṃ
und den Aufenthalt im unreinen Bauch
śoṇitodakabhājane
dem Gefäß von Blut und Wasser
śleṣmamūtrapurīṣe ca
in Schleim, Urin und Kot
tīvragandhasamanvite
versehen mit heftigem Gestank

śukraśoṇitasaṃghāte majjāsnāyuparigrahe / śirāśatasamākīrṇe navadvāre pure 'tha vai //

in der Ansammlung von Samen und Blut, in der Umhüllung von Mark und Sehnen, durchzogen von Hunderten von Adern, in der Stadt mit den neun Toren [dem Körper],

Wort für Wort
śukraśoṇitasaṃghāte
in der Ansammlung von Samen und Blut
majjāsnāyuparigrahe
in der Umhüllung von Mark und Sehnen
śirāśatasamākīrṇe
durchzogen von Hunderten von Adern
navadvāre pure 'tha vai
in der Stadt mit den neun Toren

[Anm.] Das Bild der 'Stadt mit den neun Toren' (navadvāra pura) für den Körper begegnete bereits in Kap.236, V.33-35 (Haṃsa-Lehre); ebenso knüpft die vorangehende Leibesschilderung an den Garbha-Duḥkha-Katalog aus Kap.234 an.

vijñāya hitam ātmānaṃ yogāṃś ca vividhān dvijāḥ / tāmasānāṃ ca jantūnāṃ ramaṇīyānṛtātmanām //

und nachdem sie das dem Selbst Zuträgliche erkannt haben, und die mannigfachen Arten des Yoga, o Zweifachgeborene, [und das,] was den tamasischen Geschöpfen, deren Wesen der Unwahrheit [verhaftet ist], erfreulich erscheint,

Wort für Wort
vijñāya hitam ātmānaṃ
das dem Selbst Zuträgliche erkannt habend
yogāṃś ca vividhān dvijāḥ
und die mannigfachen Arten des Yoga, o Zweifachgeborene
tāmasānāṃ ca jantūnāṃ
und den tamasischen Geschöpfen
ramaṇīyānṛtātmanām
was erfreulich erscheint, deren Wesen der Unwahrheit [verhaftet ist]

sāttvikānāṃ ca jantūnāṃ kutsitaṃ munisattamāḥ / garhitaṃ mahatām arthe sāṃkhyānāṃ viditātmanām //

und was den sattvischen Geschöpfen verächtlich [erscheint], o beste der Weisen, [was] im Sinne der Großen, der Selbst-Erkennenden unter den Sāṃkhyas, tadelnswert ist,

Wort für Wort
sāttvikānāṃ ca jantūnāṃ
und den sattvischen Geschöpfen
kutsitaṃ munisattamāḥ
was verächtlich [erscheint], o beste der Weisen
garhitaṃ mahatām arthe
was im Sinne der Großen tadelnswert ist
sāṃkhyānāṃ viditātmanām
der Selbst-Erkennenden unter den Sāṃkhyas

upaplavāṃs tathā ghorāñ śaśinas tejasas tathā / tārāṇāṃ patanaṃ dṛṣṭvā nakṣatrāṇāṃ ca paryayam //

und ebenso die schrecklichen Verfinsterungen des Mondes und der Sonnenglut, und nachdem sie den Fall der Sterne gesehen haben und den Wechsel der Mondhäuser,

Wort für Wort
upaplavāṃs tathā ghorāñ
und ebenso die schrecklichen Verfinsterungen
śaśinas tejasas tathā
des Mondes und der Sonnenglut
tārāṇāṃ patanaṃ dṛṣṭvā
den Fall der Sterne gesehen habend
nakṣatrāṇāṃ ca paryayam
und den Wechsel der Mondhäuser

dvaṃdvānāṃ viprayogaṃ ca vijñāya kṛpaṇaṃ dvijāḥ / anyonyabhakṣaṇaṃ dṛṣṭvā bhūtānām api cāśubham //

und nachdem sie die klägliche Trennung der Gegensatzpaare erkannt haben, o Zweifachgeborene, und gesehen haben das unheilvolle gegenseitige Verschlingen auch der Lebewesen,

Wort für Wort
dvaṃdvānāṃ viprayogaṃ ca
die Trennung der Gegensatzpaare
vijñāya kṛpaṇaṃ dvijāḥ
als kläglich erkannt habend, o Zweifachgeborene
anyonyabhakṣaṇaṃ dṛṣṭvā
das gegenseitige Verschlingen gesehen habend
bhūtānām api cāśubham
auch das unheilvolle [Verschlingen] der Lebewesen

bālye mohaṃ ca vijñāya pakṣadehasya cāśubham / rāgaṃ mohaṃ ca saṃprāptaṃ kvacit sattvaṃ samāśritam //

und nachdem sie die Verblendung in der Kindheit erkannt haben, und das Unheilvolle des [dem Wandel unterworfenen] Leibes [?], und die Leidenschaft und Verblendung, die zuweilen sogar das im Sattva Verankerte erreichen,

Wort für Wort
bālye mohaṃ ca vijñāya
die Verblendung in der Kindheit erkannt habend
pakṣadehasya cāśubham
und das Unheilvolle des [wandelbaren] Leibes
rāgaṃ mohaṃ ca saṃprāptaṃ
und die Leidenschaft und Verblendung, die erreichen
kvacit sattvaṃ samāśritam
zuweilen [selbst] das im Sattva Verankerte

[?] 'pakṣadehasya' ist unklar; 'pakṣa' kann u.a. 'Seite, Partei, Flügel, Monatshälfte' bedeuten - die Übersetzung folgt einer sinngemäßen Deutung als 'dem Wandel/Verfall unterworfener Leib'.

sahasreṣu naraḥ kaścin mokṣabuddhiṃ samāśritaḥ / durlabhatvaṃ ca mokṣasya vijñānaṃ śrutipūrvakam //

[erkannt habend, dass] unter Tausenden [nur] irgendein einzelner Mensch sich der Erlösungs-Erkenntnis zuwendet, und die Schwer-Erreichbarkeit der Erlösung - das Wissen darum, gemäß der Śruti-Überlieferung -

Wort für Wort
sahasreṣu naraḥ kaścin
unter Tausenden irgendein einzelner Mensch
mokṣabuddhiṃ samāśritaḥ
der sich der Erlösungs-Erkenntnis zuwendet
durlabhatvaṃ ca mokṣasya
und die Schwer-Erreichbarkeit der Erlösung
vijñānaṃ śrutipūrvakam
das Wissen [darum], gemäß der Śruti

bahumānam alabdheṣu labdhe madhyasthatāṃ punaḥ / viṣayāṇāṃ ca daurātmyaṃ vijñāya ca punar dvijāḥ //

und die übermäßige Wertschätzung des Unerlangten, und beim Erlangten wiederum Gleichmut, und nachdem sie wiederum die Bosheit der Sinnesobjekte erkannt haben, o Zweifachgeborene,

Wort für Wort
bahumānam alabdheṣu
die übermäßige Wertschätzung des Unerlangten
labdhe madhyasthatāṃ punaḥ
und beim Erlangten wiederum Gleichmut
viṣayāṇāṃ ca daurātmyaṃ
und die Bosheit der Sinnesobjekte
vijñāya ca punar dvijāḥ
wiederum erkannt habend, o Zweifachgeborene

gatāsūnāṃ ca sattvānāṃ dehān bhittvā tathā śubhān / vāsaṃ kuleṣu jantūnāṃ maraṇāya dhṛtātmanām //

und nachdem [die Lebenskraft] die schönen Körper der verstorbenen Wesen durchbrochen [verlassen] hat, [und erkannt] den Aufenthalt der Geschöpfe in [ihren künftigen] Familien, [der] dem Tode entgegen[strebt] für die, deren Selbst [daran] festhält [?],

Wort für Wort
gatāsūnāṃ ca sattvānāṃ
der verstorbenen Wesen
dehān bhittvā tathā śubhān
die schönen Körper durchbrochen habend
vāsaṃ kuleṣu jantūnāṃ
den Aufenthalt der Geschöpfe in [ihren] Familien
maraṇāya dhṛtātmanām
dem Tode entgegen, für die, deren Selbst [daran] festhält

[?] Die genaue syntaktische Verbindung dieses Verses bleibt unsicher; die Übersetzung folgt einer sinngemäßen Deutung, wonach die Lebenskraft beim Tod den Körper verlässt und die Geschöpfe erneut in Familien Aufenthalt nehmen, dem [erneuten] Tod entgegen.

sāttvikānāṃ ca jantūnāṃ duḥkhaṃ vijñāya bho dvijāḥ / brahmaghnānāṃ gatiṃ jñātvā patitānāṃ sudāruṇām //

und nachdem sie das Leid der sattvischen Geschöpfe erkannt haben, o Zweifachgeborene, und den überaus schrecklichen Gang der gefallenen Brahmanenmörder erkannt haben,

Wort für Wort
sāttvikānāṃ ca jantūnāṃ
der sattvischen Geschöpfe
duḥkhaṃ vijñāya bho dvijāḥ
das Leid erkannt habend, o Zweifachgeborene
brahmaghnānāṃ gatiṃ jñātvā
den Gang der Brahmanenmörder erkannt habend
patitānāṃ sudāruṇām
der gefallenen, überaus schrecklichen [Gang]

surāpāne ca saktānāṃ brāhmaṇānāṃ durātmanām / gurudāraprasaktānāṃ gatiṃ vijñāya cāśubhām //

und derer, die dem Trinken von Branntwein verfallen sind, der bösartigen Brahmanen, und derer, die an der Gattin des Lehrers hängen - [all deren] unheilvollen Gang erkannt habend,

Wort für Wort
surāpāne ca saktānāṃ
derer, die dem Trinken von Branntwein verfallen sind
brāhmaṇānāṃ durātmanām
der bösartigen Brahmanen
gurudāraprasaktānāṃ
und derer, die an der Gattin des Lehrers hängen
gatiṃ vijñāya cāśubhām
deren unheilvollen Gang erkannt habend

jananīṣu ca vartante yena samyag dvijottamāḥ / sadevakeṣu lokeṣu yena vartanti mānavāḥ //

und [erkannt,] wodurch die besten der Zweifachgeborenen sich in [ihren künftigen] Müttern recht verhalten, wodurch die Menschen sich in den Welten samt den Göttern verhalten,

Wort für Wort
jananīṣu ca vartante
sich in [ihren künftigen] Müttern verhalten
yena samyag dvijottamāḥ
wodurch die besten der Zweifachgeborenen recht [verhalten]
sadevakeṣu lokeṣu
in den Welten samt den Göttern
yena vartanti mānavāḥ
wodurch die Menschen sich verhalten

tena jñānena vijñāya gatiṃ cāśubhakarmaṇām / tiryagyonigatānāṃ ca vijñāya ca gatīḥ pṛthak //

durch dieses Wissen erkannt habend den Gang derer mit unheilvollen Taten, und die einzelnen Gänge derer, die in tierische Mutterschöße gelangt sind, erkannt habend,

Wort für Wort
tena jñānena vijñāya
durch dieses Wissen erkannt habend
gatiṃ cāśubhakarmaṇām
den Gang derer mit unheilvollen Taten
tiryagyonigatānāṃ ca
und derer, die in tierische Mutterschöße gelangt sind
vijñāya ca gatīḥ pṛthak
und deren einzelne Gänge erkannt habend

vedavādāṃs tathā citrān ṛtūnāṃ paryayāṃs tathā / kṣayaṃ saṃvatsarāṇāṃ ca māsānāṃ ca kṣayaṃ tathā //

und die mannigfaltigen Veda-Lehren, und ebenso den Wechsel der Jahreszeiten, und das Schwinden der Jahre, und ebenso das Schwinden der Monate,

Wort für Wort
vedavādāṃs tathā citrān
und die mannigfaltigen Veda-Lehren
ṛtūnāṃ paryayāṃs tathā
und ebenso den Wechsel der Jahreszeiten
kṣayaṃ saṃvatsarāṇāṃ ca
und das Schwinden der Jahre
māsānāṃ ca kṣayaṃ tathā
und ebenso das Schwinden der Monate

pakṣakṣayaṃ tathā dṛṣṭvā divasānāṃ ca saṃkṣayam / kṣayaṃ vṛddhiṃ ca candrasya dṛṣṭvā pratyakṣatas tathā //

und ebenso gesehen habend das Schwinden der Monatshälften und das gänzliche Schwinden der Tage, und das Schwinden und Wachsen des Mondes unmittelbar mit eigenen Augen gesehen habend,

Wort für Wort
pakṣakṣayaṃ tathā dṛṣṭvā
das Schwinden der Monatshälften gesehen habend
divasānāṃ ca saṃkṣayam
und das gänzliche Schwinden der Tage
kṣayaṃ vṛddhiṃ ca candrasya
und das Schwinden und Wachsen des Mondes
dṛṣṭvā pratyakṣatas tathā
unmittelbar mit eigenen Augen gesehen habend

vṛddhiṃ dṛṣṭvā samudrāṇāṃ kṣayaṃ teṣāṃ tathā punaḥ / kṣayaṃ dhanānāṃ dṛṣṭvā ca punar vṛddhiṃ tathaiva ca //

und das Anschwellen der Meere gesehen habend und wiederum ebenso ihr Zurückweichen, und das Schwinden der Reichtümer gesehen habend und wiederum ebenso ihr Anwachsen,

Wort für Wort
vṛddhiṃ dṛṣṭvā samudrāṇāṃ
das Anschwellen der Meere gesehen habend
kṣayaṃ teṣāṃ tathā punaḥ
und wiederum ebenso ihr Zurückweichen
kṣayaṃ dhanānāṃ dṛṣṭvā ca
und das Schwinden der Reichtümer gesehen habend
punar vṛddhiṃ tathaiva ca
und wiederum ebenso ihr Anwachsen

saṃyogānāṃ tathā dṛṣṭvā yugānāṃ ca viśeṣataḥ / dehavaiklavyatāṃ caiva samyag vijñāya tattvataḥ //

und ebenso die Verbindungen gesehen habend, und besonders [den Wandel] der Weltzeitalter, und die Hinfälligkeit des Körpers wahrhaftig und vollständig erkannt habend,

Wort für Wort
saṃyogānāṃ tathā dṛṣṭvā
die Verbindungen ebenso gesehen habend
yugānāṃ ca viśeṣataḥ
und besonders [den Wandel] der Weltzeitalter
dehavaiklavyatāṃ caiva
und die Hinfälligkeit des Körpers
samyag vijñāya tattvataḥ
vollständig und wahrhaftig erkannt habend

ātmadoṣāṃś ca vijñāya sarvān ātmani saṃsthitān / svadehād utthitān gandhāṃs tathā vijñāya cāśubhān //

und nachdem sie alle im Selbst befindlichen Fehler des Selbst erkannt haben, und ebenso die aus dem eigenen Körper aufsteigenden unreinen Gerüche erkannt haben -

Wort für Wort
ātmadoṣāṃś ca vijñāya
die Fehler des Selbst erkannt habend
sarvān ātmani saṃsthitān
alle, die im Selbst befindlich sind
svadehād utthitān gandhāṃs
die aus dem eigenen Körper aufsteigenden Gerüche
tathā vijñāya cāśubhān
ebenso als unrein erkannt habend

[Anm.] Hiermit endet der in V.5 begonnene große Wissenskatalog. Ein eigenes, neues Hauptverb erscheint innerhalb des erhaltenen Textes nicht mehr, bevor die Weisen in V.50 mit einer neuen Frage einsetzen; der Sinn ergibt sich rückbezüglich aus V.16 ('sie erlangen die heilvolle Erlösung') - all das Aufgezählte ist demnach das, was der Sāṃkhya-Kenner erkennen muss, um zur Erlösung zu gelangen.

{munaya ūcuḥ: } kān utpātabhavān doṣān paśyasi brahmavittama / etaṃ naḥ saṃśayaṃ kṛtsnaṃ vaktum arhasi aśeṣataḥ //

Die Weisen sprachen: Welche aus Störungen (Utpāta) entstehenden Fehler siehst du, o bester Kenner des Brahman? Diesen unseren ganzen Zweifel mögest du vollständig auflösen.

Wort für Wort
kān utpātabhavān doṣān
welche aus Störungen entstehenden Fehler
paśyasi brahmavittama
siehst du, o bester Kenner des Brahman
etaṃ naḥ saṃśayaṃ kṛtsnaṃ
diesen unseren ganzen Zweifel
vaktum arhasi aśeṣataḥ
mögest du vollständig darlegen

{vyāsa uvāca: } pañca doṣān dvijā dehe pravadanti manīṣiṇaḥ / mārgajñāḥ kāpilāḥ sāṃkhyāḥ śṛṇudhvaṃ munisattamāḥ //

Vyāsa sprach: Fünf Fehler, o Zweifachgeborene, verkünden die Weisen im Körper - die Sāṃkhyas, die Anhänger Kapilas, die den Pfad kennen; hört, o beste der Weisen.

Wort für Wort
pañca doṣān dvijā dehe
fünf Fehler, o Zweifachgeborene, im Körper
pravadanti manīṣiṇaḥ
verkünden die Weisen
mārgajñāḥ kāpilāḥ sāṃkhyāḥ
die pfadkundigen Kapila-Anhänger, die Sāṃkhyas
śṛṇudhvaṃ munisattamāḥ
hört, o beste der Weisen

kāmakrodhau bhayaṃ nidrā pañcamaḥ śvāsa ucyate / ete doṣāḥ śarīreṣu dṛśyante sarvadehinām //

Begierde und Zorn, Furcht, Schlaf, und als fünfter wird der Atem [Śvāsa] genannt; diese Fehler werden in den Körpern aller verkörperten Wesen gesehen.

Wort für Wort
kāmakrodhau bhayaṃ nidrā
Begierde und Zorn, Furcht, Schlaf
pañcamaḥ śvāsa ucyate
als fünfter wird der Atem genannt
ete doṣāḥ śarīreṣu
diese Fehler werden in den Körpern gesehen
dṛśyante sarvadehinām
aller verkörperten Wesen

[Anm.] Diese Fünferliste von Fehlern (Kāma, Krodha, Bhaya, Nidrā, Śvāsa) weicht von den in Kap.236 (V.40) und Kap.238 (V.44/52) genannten fünf Yoga-Fehlern (Kāma, Krodha, Lobha, Bhaya, Nidrā) ab: dort erscheint Lobha (Gier), hier stattdessen Śvāsa (Atem/Keuchen) als fünfter Fehler.

chindanti kṣamayā krodhaṃ kāmaṃ saṃkalpavarjanāt / sattvasaṃsevanān nidrām apramādād bhayaṃ tathā //

Sie durchtrennen durch Geduld den Zorn, die Begierde durch das Aufgeben des [begehrenden] Denkens, den Schlaf durch die Pflege des Sattva, und ebenso die Furcht durch Wachsamkeit,

Wort für Wort
chindanti kṣamayā krodhaṃ
sie durchtrennen durch Geduld den Zorn
kāmaṃ saṃkalpavarjanāt
die Begierde durch das Aufgeben des [begehrenden] Denkens
sattvasaṃsevanān nidrām
den Schlaf durch die Pflege des Sattva
apramādād bhayaṃ tathā
und ebenso die Furcht durch Wachsamkeit

chindanti pañcamaṃ śvāsam alpāhāratayā dvijāḥ / guṇān guṇaśatair jñātvā doṣān doṣaśatair api //

den fünften, den Atem, durchtrennen sie, o Zweifachgeborene, durch geringe Nahrung; nachdem sie die Vorzüge durch hunderte von Vorzügen erkannt haben, und ebenso die Fehler durch hunderte von Fehlern,

Wort für Wort
chindanti pañcamaṃ śvāsam
den fünften, den Atem, durchtrennen sie
alpāhāratayā dvijāḥ
durch geringe Nahrung, o Zweifachgeborene
guṇān guṇaśatair jñātvā
die Vorzüge durch hunderte von Vorzügen erkannt habend
doṣān doṣaśatair api
und ebenso die Fehler durch hunderte von Fehlern

hetūn hetuśataiś citraiś citrān vijñāya tattvataḥ / apāṃ phenopamaṃ lokaṃ viṣṇor māyāśataiḥ kṛtam //

und die mannigfaltigen Ursachen durch hunderte mannigfaltiger Ursachen wahrhaftig erkannt habend - die Welt, gleich dem Schaum des Wassers, gemacht durch hunderte Illusionen (Māyā) Viṣṇus,

Wort für Wort
hetūn hetuśataiś citraiś
die mannigfaltigen Ursachen durch hunderte mannigfaltiger Ursachen
vijñāya tattvataḥ
wahrhaftig erkannt habend
apāṃ phenopamaṃ lokaṃ
die Welt, gleich dem Schaum des Wassers
viṣṇor māyāśataiḥ kṛtam
gemacht durch hunderte Illusionen Viṣṇus

[Anm.] Hier beginnt eine ausgedehnte, mehrere Verse (bis V.68) umfassende Allegorie vom 'Ozean des Saṃsāra', vergleichbar dem Fluss-Gleichnis aus Kap.238, V.26-30, jedoch weit kunstvoller ausgeführt: zahlreiche Merkmale eines Ozeans (Strömung, Strudel, Ufer, Meerestiere, Perlen, Korallen usw.) werden auf psychische und existentielle Zustände (Kummer, Krankheit, Anhaftung, Geburt usw.) übertragen, welche die befreiten Weisen mittels Wissens-Yoga durchqueren.

citrabhittipratīkāśaṃ nalasāram anarthakam / tamaḥsaṃbhramitaṃ dṛṣṭvā varṣabudbudasaṃnibham //

[die Welt,] gleich einer bemalten Wand [täuschend], mit dem [wertlosen] Kern eines Schilfrohrs, bedeutungslos - nachdem sie [sie] gesehen haben, verwirrt von Dunkelheit, gleich einer Regenblase,

Wort für Wort
citrabhittipratīkāśaṃ
gleich einer bemalten Wand
nalasāram anarthakam
mit dem wertlosen Kern eines Schilfrohrs
tamaḥsaṃbhramitaṃ dṛṣṭvā
gesehen habend, verwirrt von Dunkelheit
varṣabudbudasaṃnibham
gleich einer Regenblase

nāśaprāyaṃ sukhādhānaṃ nāśottaramahābhayam / rajas tamasi saṃmagnaṃ paṅke dvipam ivāvaśam //

[eine Welt,] deren Glücksgrund fast dem Untergang [geweiht] ist, deren große Furcht dem Untergang folgt, [in der] Rajas in Tamas versunken ist wie ein hilfloser Elefant im Sumpf,

Wort für Wort
nāśaprāyaṃ sukhādhānaṃ
deren Glücksgrund fast dem Untergang geweiht ist
nāśottaramahābhayam
deren große Furcht dem Untergang folgt
rajas tamasi saṃmagnaṃ
[in der] Rajas in Tamas versunken ist
paṅke dvipam ivāvaśam
wie ein hilfloser Elefant im Sumpf

sāṃkhyā viprā mahāprājñās tyaktvā snehaṃ prajākṛtam / jñānajñeyena sāṃkhyena vyāpinā mahatā dvijāḥ //

die Sāṃkhyas, o Brahmanen von großer Weisheit, nachdem sie die durch Nachkommenschaft bewirkte Zuneigung aufgegeben haben, durch das Sāṃkhya-Wissen, dessen Erkenntnisgegenstand [das Selbst ist], das alldurchdringende, große, o Zweifachgeborene,

Wort für Wort
sāṃkhyā viprā mahāprājñās
die Sāṃkhyas, o Brahmanen von großer Weisheit
tyaktvā snehaṃ prajākṛtam
die durch Nachkommenschaft bewirkte Zuneigung aufgegeben habend
jñānajñeyena sāṃkhyena
durch das Sāṃkhya-Wissen mit seinem Erkenntnisgegenstand
vyāpinā mahatā dvijāḥ
das alldurchdringende, große, o Zweifachgeborene

rājasān aśubhān gandhāṃs tāmasāṃś ca tathāvidhān / puṇyāṃś ca sāttvikān gandhān sparśajān dehasaṃśritān //

[nachdem sie] die unreinen rajasischen Gerüche und ebenso die derartigen tamasischen, und die heilvollen sattvischen Gerüche, die aus der Berührung entstehen und im Körper wohnen,

Wort für Wort
rājasān aśubhān gandhāṃs
die unreinen rajasischen Gerüche
tāmasāṃś ca tathāvidhān
und ebenso die derartigen tamasischen
puṇyāṃś ca sāttvikān gandhān
und die heilvollen sattvischen Gerüche
sparśajān dehasaṃśritān
die aus der Berührung entstehen und im Körper wohnen

chittvātmajñānaśastreṇa tapodaṇḍena sattamāḥ / tato duḥkhādikaṃ ghoraṃ cintāśokamahāhradam //

durchtrennt haben mit dem Schwert der Selbsterkenntnis, mit dem Stab der Askese, o Beste - danach [durchqueren sie den Ozean,] den schrecklichen, beginnend mit dem Leid, den großen See der Sorge und des Kummers,

Wort für Wort
chittvātmajñānaśastreṇa
durchtrennt habend mit dem Schwert der Selbsterkenntnis
tapodaṇḍena sattamāḥ
mit dem Stab der Askese, o Beste
tato duḥkhādikaṃ ghoraṃ
danach den schrecklichen, mit dem Leid beginnenden [Ozean]
cintāśokamahāhradam
den großen See der Sorge und des Kummers

vyādhimṛtyumahāghoraṃ mahābhayamahoragam / tamaḥkūrmaṃ rajomīnaṃ prajñayā saṃtaranty uta //

[den Ozean,] überaus schrecklich durch Krankheit und Tod, mit der großen Furcht als großer Schlange, mit Tamas als Schildkröte, mit Rajas als Fisch - durchqueren sie fürwahr mittels ihrer Erkenntniskraft,

Wort für Wort
vyādhimṛtyumahāghoraṃ
überaus schrecklich durch Krankheit und Tod
mahābhayamahoragam
mit der großen Furcht als großer Schlange
tamaḥkūrmaṃ rajomīnaṃ
mit Tamas als Schildkröte, mit Rajas als Fisch
prajñayā saṃtaranty uta
durchqueren sie fürwahr mittels der Erkenntniskraft

snehapaṅkaṃ jarādurgaṃ sparśadvīpaṃ dvijottamāḥ / karmāgādhaṃ satyatīraṃ sthitaṃ vratamanīṣiṇaḥ //

[den Ozean] mit dem Schlamm der Zuneigung, unwegsam durch das Alter, mit der Berührung als Insel, o beste der Zweifachgeborenen, unergründlich durch das Karma, mit der Wahrheit als Ufer - [ihn durchqueren] die im Gelübde standhaften Weisen,

Wort für Wort
snehapaṅkaṃ jarādurgaṃ
mit dem Schlamm der Zuneigung, unwegsam durch das Alter
sparśadvīpaṃ dvijottamāḥ
mit der Berührung als Insel, o beste der Zweifachgeborenen
karmāgādhaṃ satyatīraṃ
unergründlich durch das Karma, mit der Wahrheit als Ufer
sthitaṃ vratamanīṣiṇaḥ
[ihn durchqueren] die im Gelübde standhaften Weisen

harṣasaṃghamahāvegaṃ nānārasasamākulam / nānāprītimahāratnaṃ duḥkhajvarasamīritam //

[den Ozean] mit der großen Strömung der Freudenansammlung, verwirrt durch mannigfache Geschmäcker, mit der mannigfachen Zuneigung als großem Edelstein, aufgewühlt durch das Fieber des Leids,

Wort für Wort
harṣasaṃghamahāvegaṃ
mit der großen Strömung der Freudenansammlung
nānārasasamākulam
verwirrt durch mannigfache Geschmäcker
nānāprītimahāratnaṃ
mit der mannigfachen Zuneigung als großem Edelstein
duḥkhajvarasamīritam
aufgewühlt durch das Fieber des Leids

śokatṛṣṇāmahāvartaṃ tīkṣṇavyādhimahārujam / asthisaṃghātasaṃghaṭṭaṃ śleṣmayogaṃ dvijottamāḥ //

[den Ozean] mit dem großen Strudel von Kummer und Durst, mit dem großen Schmerz scharfer Krankheit, mit dem Zusammenstoß der Knochenmassen, verbunden mit Schleim, o beste der Zweifachgeborenen,

Wort für Wort
śokatṛṣṇāmahāvartaṃ
mit dem großen Strudel von Kummer und Durst
tīkṣṇavyādhimahārujam
mit dem großen Schmerz scharfer Krankheit
asthisaṃghātasaṃghaṭṭaṃ
mit dem Zusammenstoß der Knochenmassen
śleṣmayogaṃ dvijottamāḥ
verbunden mit Schleim, o beste der Zweifachgeborenen

dānamuktākaraṃ ghoraṃ śoṇitodgāravidrumam / hasitotkruṣṭanirghoṣaṃ nānājñānasuduṣkaram //

[den Ozean,] schrecklich, mit der Freigebigkeit als Perlenmine, mit dem Hervorquellen von Blut als Korallen, mit dem Getöse von Lachen und Schreien, sehr schwer [zu durchqueren] durch mannigfaches Wissen,

Wort für Wort
dānamuktākaraṃ ghoraṃ
schrecklich, mit der Freigebigkeit als Perlenmine
śoṇitodgāravidrumam
mit dem Hervorquellen von Blut als Korallen
hasitotkruṣṭanirghoṣaṃ
mit dem Getöse von Lachen und Schreien
nānājñānasuduṣkaram
sehr schwer [zu durchqueren] durch mannigfaches Wissen

rodanāśrumalakṣāraṃ saṅgayogaparāyaṇam / pralabdhvā janmaloko yaṃ putrabāndhavapattanam //

[den Ozean] mit dem Salz der Tränen des Weinens als Unreinheit, ganz der Verbindung mit Anhaftung hingegeben - den die Welt der Geburt [gleichsam] gewonnen hat [?], mit Söhnen und Verwandten als Stadt [bevölkert] -

Wort für Wort
rodanāśrumalakṣāraṃ
mit dem Salz der Tränen des Weinens als Unreinheit
saṅgayogaparāyaṇam
ganz der Verbindung mit Anhaftung hingegeben
pralabdhvā janmaloko yaṃ
den die Welt der Geburt gewonnen hat
putrabāndhavapattanam
mit Söhnen und Verwandten als Stadt

[?] Die syntaktische Fügung 'pralabdhvā janmaloko yaṃ' ist unklar; die Übersetzung folgt einer sinngemäßen Deutung, wonach die Welt der Geburt diesen [Ozean] gleichsam für sich gewonnen/in Besitz genommen hat.

ahiṃsāsatyamaryādaṃ prāṇayogamayormilam / vṛndānugāminaṃ kṣīraṃ sarvabhūtapayodadhim //

[den Ozean] mit Gewaltlosigkeit und Wahrheit als Ufer, mit der Vereinigung des Lebensatems als Wellen, dem die Scharen folgen, den Milch-Ozean aller Wesen, [ganz] mit Milch [gefüllt],

Wort für Wort
ahiṃsāsatyamaryādaṃ
mit Gewaltlosigkeit und Wahrheit als Ufer
prāṇayogamayormilam
mit der Vereinigung des Lebensatems als Wellen
vṛndānugāminaṃ kṣīraṃ
dem die Scharen folgen, mit Milch [gefüllt]
sarvabhūtapayodadhim
den Milch-Ozean aller Wesen

mokṣadurlabhaviṣayaṃ vāḍavāsukhasāgaram / taranti yatayaḥ siddhā jñānayogena cānaghāḥ //

[den Ozean,] dessen Bereich die schwer erreichbare Erlösung ist, den Ozean mit dem Unterwasserfeuer als [seiner] Wonne [?] - durchqueren die vollendeten, sündenlosen Asketen mittels des Wissens-Yoga.

Wort für Wort
mokṣadurlabhaviṣayaṃ
dessen Bereich die schwer erreichbare Erlösung ist
vāḍavāsukhasāgaram
den Ozean mit dem Unterwasserfeuer als Wonne
taranti yatayaḥ siddhā
durchqueren die vollendeten Asketen
jñānayogena cānaghāḥ
mittels des Wissens-Yoga, die Sündenlosen

[?] 'vāḍavāsukhasāgaram' ist unsicher; 'vāḍava' bezeichnet das mythische Unterwasserfeuer (Vāḍavāgni) am Meeresgrund - der genaue Sinn der Verbindung mit 'sukha' (Wonne/Glück) im Kompositum bleibt unklar. Hiermit endet die Ozean-Allegorie (V.55-68).

tīrtvā ca dustaraṃ janma viśanti vimalaṃ nabhaḥ / tatas tān sukṛtīñ jñātvā sūryo vahati raśmibhiḥ //

Und nachdem sie die schwer zu überquerende Geburt [den Geburtenozean] durchquert haben, treten sie ein in den makellosen Äther; danach, nachdem sie als wohltätig erkannt hat, trägt die Sonne sie mit ihren Strahlen,

Wort für Wort
tīrtvā ca dustaraṃ janma
die schwer zu überquerende Geburt durchquert habend
viśanti vimalaṃ nabhaḥ
treten sie ein in den makellosen Äther
tatas tān sukṛtīñ jñātvā
danach, sie als wohltätig erkannt habend
sūryo vahati raśmibhiḥ
trägt die Sonne sie mit ihren Strahlen

[Anm.] Hier beginnt die vertikale Aufstiegs-Kosmologie der Befreiung (V.69-76): Sonne, Wind, Äther, Rajas und Sattva übernehmen die befreiten Seelen nacheinander und tragen sie schließlich zu Nārāyaṇa.

padmatantuvad āviśya pravahan viṣayān dvijāḥ / tatra tān pravaho vāyuḥ pratigṛhṇāti cānaghāḥ //

eindringend wie ein Lotosfaden, [die Sonne,] die [ihre] Bereiche durchströmend, o Zweifachgeborene; dort nimmt sie der Wind Pravaha entgegen, o Sündenlose,

Wort für Wort
padmatantuvad āviśya
eindringend wie ein Lotosfaden
pravahan viṣayān dvijāḥ
die [ihre] Bereiche durchströmend, o Zweifachgeborene
tatra tān pravaho vāyuḥ
dort [nimmt] sie der Wind Pravaha [entgegen]
pratigṛhṇāti cānaghāḥ
nimmt entgegen, o Sündenlose

vītarāgān yatīn siddhān vīryayuktāṃs tapodhanān / sūkṣmaḥ śītaḥ sugandhaś ca sukhasparśaś ca bho dvijāḥ //

die leidenschaftslosen, vollendeten Asketen, ausgestattet mit Kraft, reich an Askese - fein, kühl, wohlriechend und von angenehmer Berührung, o Zweifachgeborene,

Wort für Wort
vītarāgān yatīn siddhān
die leidenschaftslosen, vollendeten Asketen
vīryayuktāṃs tapodhanān
ausgestattet mit Kraft, reich an Askese
sūkṣmaḥ śītaḥ sugandhaś ca
[der Wind,] fein, kühl und wohlriechend
sukhasparśaś ca bho dvijāḥ
und von angenehmer Berührung, o Zweifachgeborene

saptānāṃ marutāṃ śreṣṭho lokān gacchati yaḥ śubhān / sa tān vahati viprendrā nabhasaḥ paramāṃ gatim //

der Beste der sieben Windarten, der zu den heilvollen Welten geht - er trägt sie, o Fürsten der Brahmanen, zum höchsten Gang des Äthers,

Wort für Wort
saptānāṃ marutāṃ śreṣṭho
der Beste der sieben Windarten
lokān gacchati yaḥ śubhān
der zu den heilvollen Welten geht
sa tān vahati viprendrā
er trägt sie, o Fürsten der Brahmanen
nabhasaḥ paramāṃ gatim
zum höchsten Gang des Äthers

nabho vahati lokeśān rajasaḥ paramāṃ gatim / rajo vahati viprendrāḥ sattvasya paramāṃ gatim //

der Äther trägt die Weltenherren zum höchsten Gang des Rajas; Rajas trägt, o Fürsten der Brahmanen, zum höchsten Gang des Sattva,

Wort für Wort
nabho vahati lokeśān
der Äther trägt die Weltenherren
rajasaḥ paramāṃ gatim
zum höchsten Gang des Rajas
rajo vahati viprendrāḥ
Rajas trägt, o Fürsten der Brahmanen
sattvasya paramāṃ gatim
zum höchsten Gang des Sattva

sattvaṃ vahati śuddhātmā paraṃ nārāyaṇaṃ prabhum / prabhur vahati śuddhātmā paramātmānam ātmanā //

Sattva, dessen Selbst rein ist, trägt zum höchsten Herrn Nārāyaṇa; der Herr, dessen Selbst rein ist, trägt [sie] durch [sein eigenes] Selbst zum höchsten Selbst,

Wort für Wort
sattvaṃ vahati śuddhātmā
Sattva, dessen Selbst rein ist, trägt
paraṃ nārāyaṇaṃ prabhum
zum höchsten Herrn Nārāyaṇa
prabhur vahati śuddhātmā
der Herr, dessen Selbst rein ist, trägt
paramātmānam ātmanā
durch [sein] Selbst zum höchsten Selbst

paramātmānam āsādya tadbhūtā yatayo 'malāḥ / amṛtatvāya kalpante na nivartanti ca dvijāḥ //

nachdem sie das höchste Selbst erreicht haben, [und] zu diesem geworden sind, gelangen die makellosen Asketen zur Unsterblichkeit und kehren nicht zurück, o Zweifachgeborene.

Wort für Wort
paramātmānam āsādya
das höchste Selbst erreicht habend
tadbhūtā yatayo 'malāḥ
zu diesem geworden, die makellosen Asketen
amṛtatvāya kalpante
gelangen zur Unsterblichkeit
na nivartanti ca dvijāḥ
und kehren nicht zurück, o Zweifachgeborene

paramā sā gatir viprā nirdvaṃdvānāṃ mahātmanām / satyārjavaratānāṃ vai sarvabhūtadayāvatām //

Das ist der höchste Gang, o Brahmanen, der großen Seelen, die frei von den Gegensatzpaaren sind, die an Wahrheit und Aufrichtigkeit Freude haben, die Mitgefühl mit allen Wesen haben.

Wort für Wort
paramā sā gatir viprā
das ist der höchste Gang, o Brahmanen
nirdvaṃdvānāṃ mahātmanām
der großen Seelen, frei von den Gegensatzpaaren
satyārjavaratānāṃ vai
die an Wahrheit und Aufrichtigkeit Freude haben
sarvabhūtadayāvatām
die Mitgefühl mit allen Wesen haben

[Anm.] Hiermit endet die Aufstiegs-Kosmologie (V.69-76).

{munaya ūcuḥ: } sthānam uttamam āsādya bhagavantaṃ sthiravratāḥ / ājanmamaraṇaṃ vā te ramante tatra vā na vā //

Die Weisen sprachen: Nachdem sie den höchsten Ort erreicht haben, den Erhabenen, jene, die standhaft in ihrem Gelübde sind - erfreuen sie sich dort, von Geburt bis Tod, oder nicht?

Wort für Wort
sthānam uttamam āsādya
den höchsten Ort erreicht habend
bhagavantaṃ sthiravratāḥ
den Erhabenen, die im Gelübde Standhaften
ājanmamaraṇaṃ vā te
sie, von Geburt bis Tod
ramante tatra vā na vā
erfreuen sich dort, oder nicht

yad atra tathyaṃ tattvaṃ no yathāvad vaktum arhasi / tvadṛte mānavaṃ nānyaṃ praṣṭum arhāma sattama //

Was hier die wahre Wirklichkeit ist, das mögest du uns gebührend darlegen; außer dir gibt es keinen anderen Menschen, den wir fragen könnten, o Bester.

Wort für Wort
yad atra tathyaṃ tattvaṃ
was hier die wahre Wirklichkeit ist
no yathāvad vaktum arhasi
das mögest du uns gebührend darlegen
tvadṛte mānavaṃ nānyaṃ
außer dir keinen anderen Menschen
praṣṭum arhāma sattama
können wir fragen, o Bester

mokṣadoṣo mahān eṣa prāpya siddhiṃ gatān ṛṣīn / yadi tatraiva vijñāne vartante yatayaḥ pare //

Dies wäre ein großer Widerspruch der Erlösung: [wenn] die höchsten Asketen, obwohl sie als Weise die Vollendung erreicht haben, eben nur in jener [bloßen] Erkenntnis verharren -

Wort für Wort
mokṣadoṣo mahān eṣa
dies wäre ein großer Fehler/Widerspruch der Erlösung
prāpya siddhiṃ gatān ṛṣīn
die Weisen, die die Vollendung erreicht haben
yadi tatraiva vijñāne
wenn eben nur in jener Erkenntnis
vartante yatayaḥ pare
die höchsten Asketen verharren

[Anm.] Die Frage der Weisen (V.79-80) formuliert einen subtilen philosophischen Einwand: Wenn die befreiten Weisen von Geburt bis Tod lediglich in reiner Erkenntnis verharren, ohne irgendeine Freude (Ramaṇa) zu erfahren, wäre das nicht selbst eine Art Mangel, der dem Ideal der Erlösung als Glückszustand widerspricht?

pravṛttilakṣaṇaṃ dharmaṃ paśyāma paramaṃ dvija / magnasya hi pare jñāne kiṃtu duḥkhāntaraṃ bhavet //

[dann] sähen wir [darin] das Merkmal des höchsten Pravṛtti-Dharma [weltzugewandten Handelns], o Zweifachgeborener; denn für den, der in die höchste Erkenntnis versunken ist, könnte doch ein anderes Leid entstehen.

Wort für Wort
pravṛttilakṣaṇaṃ dharmaṃ
das Merkmal des Pravṛtti-Dharma
paśyāma paramaṃ dvija
sähen wir [darin], o Zweifachgeborener
magnasya hi pare jñāne
denn für den, der in der höchsten Erkenntnis versunken ist
kiṃtu duḥkhāntaraṃ bhavet
könnte doch ein anderes Leid entstehen

{vyāsa uvāca: } yathānyāyaṃ muniśreṣṭhāḥ praśnaḥ pṛṣṭaś ca saṃkaṭaḥ / budhānām api saṃmohaḥ praśne 'smin munisattamāḥ //

Vyāsa sprach: Der Ordnung gemäß gestellt, o beste der Weisen, ist diese Frage, doch schwierig; selbst der Weisen [Verstand] gerät bei dieser Frage in Verwirrung, o beste der Weisen.

Wort für Wort
yathānyāyaṃ muniśreṣṭhāḥ
der Ordnung gemäß, o beste der Weisen
praśnaḥ pṛṣṭaś ca saṃkaṭaḥ
die gestellte Frage ist schwierig
budhānām api saṃmohaḥ
selbst der Weisen [Verstand gerät in] Verwirrung
praśne 'smin munisattamāḥ
bei dieser Frage, o beste der Weisen

atrāpi tattvaṃ paramaṃ śṛṇudhvaṃ vacanaṃ mama / buddhiś ca paramā yatra kapilānāṃ mahātmanām //

Auch hierzu [hört] die höchste Wahrheit, hört mein Wort, in dem [sich] die höchste Erkenntniskraft der großen Seelen, der Anhänger Kapilas, [zeigt].

Wort für Wort
atrāpi tattvaṃ paramaṃ
auch hierzu die höchste Wahrheit
śṛṇudhvaṃ vacanaṃ mama
hört mein Wort
buddhiś ca paramā yatra
worin die höchste Erkenntniskraft [sich zeigt]
kapilānāṃ mahātmanām
der großen Seelen, der Anhänger Kapilas

indriyāṇy api budhyante svadehaṃ dehināṃ dvijāḥ / karaṇāny ātmanas tāni sūkṣmaṃ paśyanti tais tu saḥ //

Auch die Sinnesorgane der verkörperten Wesen erkennen ihren eigenen Körper, o Zweifachgeborene; sie sind die Werkzeuge des Selbst, doch durch sie sieht dieses [Selbst] das Feine [Subtile],

Wort für Wort
indriyāṇy api budhyante
auch die Sinnesorgane erkennen
svadehaṃ dehināṃ dvijāḥ
ihren eigenen Körper, o Zweifachgeborene
karaṇāny ātmanas tāni
sie sind die Werkzeuge des Selbst
sūkṣmaṃ paśyanti tais tu saḥ
durch sie sieht das [Selbst] das Feine

ātmanā viprahīṇāni kāṣṭhakuḍyasamāni tu / vinaśyanti na saṃdeho velā iva mahārṇave //

ohne das Selbst [zurück]gelassen, sind sie gleich Holz und Lehmwand; sie vergehen, ohne Zweifel, wie die Flutlinie im großen Ozean [verschwindet].

Wort für Wort
ātmanā viprahīṇāni
ohne das Selbst [zurückgelassen]
kāṣṭhakuḍyasamāni tu
sind sie gleich Holz und Lehmwand
vinaśyanti na saṃdeho
sie vergehen, ohne Zweifel
velā iva mahārṇave
wie die Flutlinie im großen Ozean

indriyaiḥ saha suptasya dehino dvijasattamāḥ / sūkṣmaś carati sarvatra nabhasīva samīraṇaḥ //

Von dem verkörperten Wesen, das samt seinen Sinnesorganen schläft, o beste der Zweifachgeborenen, wandert das Feine [subtile Selbst] überallhin, wie der Wind im Äther,

Wort für Wort
indriyaiḥ saha suptasya
das samt seinen Sinnesorganen schläft
dehino dvijasattamāḥ
von dem verkörperten Wesen, o beste der Zweifachgeborenen
sūkṣmaś carati sarvatra
wandert das Feine überallhin
nabhasīva samīraṇaḥ
wie der Wind im Äther

sa paśyati yathānyāyaṃ smṛtvā spṛśati cānaghāḥ / budhyamāno yathāpūrvam akhileneha bho dvijāḥ //

es sieht der Ordnung gemäß, und, sich erinnernd, berührt es, o Sündenlose, wobei es wie zuvor mit seiner Gesamtheit hier erkennt, o Zweifachgeborene,

Wort für Wort
sa paśyati yathānyāyaṃ
es sieht der Ordnung gemäß
smṛtvā spṛśati cānaghāḥ
sich erinnernd, berührt es, o Sündenlose
budhyamāno yathāpūrvam
erkennend, wie zuvor
akhileneha bho dvijāḥ
mit seiner Gesamtheit hier, o Zweifachgeborene

indriyāṇi ha sarvāṇi sve sve sthāne yathāvidhi / anīśatvāt pralīyante sarpā viṣahatā iva //

alle Sinnesorgane, ein jedes an seinem [eigenen] Ort, lösen sich vorschriftsgemäß auf, aus Machtlosigkeit [ohne das Selbst], wie Schlangen, denen das Gift genommen wurde.

Wort für Wort
indriyāṇi ha sarvāṇi
alle Sinnesorgane
sve sve sthāne yathāvidhi
ein jedes an seinem Ort, vorschriftsgemäß
anīśatvāt pralīyante
lösen sich aus Machtlosigkeit auf
sarpā viṣahatā iva
wie Schlangen, denen das Gift genommen wurde

indriyāṇāṃ tu sarveṣāṃ svasthāneṣv eva sarvaśaḥ / ākramya gatayaḥ sūkṣmā varaty ātmā na saṃśayaḥ //

Doch über alle Sinnesorgane, jedes gänzlich an seinem [eigenen] Ort, herrscht [gebietet] [?], nachdem es [sie] durchdrungen hat, das Selbst mit seinen feinen Bewegungen - daran ist kein Zweifel.

Wort für Wort
indriyāṇāṃ tu sarveṣāṃ
doch über alle Sinnesorgane
svasthāneṣv eva sarvaśaḥ
jedes gänzlich an seinem eigenen Ort
ākramya gatayaḥ sūkṣmā
durchdrungen habend, mit feinen Bewegungen
varaty ātmā na saṃśayaḥ
herrscht das Selbst - daran ist kein Zweifel

[?] Die Verbform 'varaty' (wohl von √vṛ, 'umhüllen/beherrschen') ist morphologisch ungewöhnlich; die Übersetzung folgt der wahrscheinlichsten Deutung 'es herrscht/gebietet über'.

sattvasya ca guṇān kṛtsnān rajasaś ca guṇān punaḥ / guṇāṃś ca tamasaḥ sarvān guṇān buddheś ca sattamāḥ //

Und alle Eigenschaften des Sattva, und wiederum die Eigenschaften des Rajas, und alle Eigenschaften des Tamas, und die Eigenschaften der Buddhi, o Beste,

Wort für Wort
sattvasya ca guṇān kṛtsnān
und alle Eigenschaften des Sattva
rajasaś ca guṇān punaḥ
und wiederum die Eigenschaften des Rajas
guṇāṃś ca tamasaḥ sarvān
und alle Eigenschaften des Tamas
guṇān buddheś ca sattamāḥ
und die Eigenschaften der Buddhi, o Beste

[Anm.] Es folgt eine Aufzählung der Eigenschaften (Guṇas) sämtlicher Tattvas (V.89-91), die - wie in V.91 gesagt - vom Selbst durchdrungen werden und im Feldkenner (Kṣetrajña) enthalten sind.

guṇāṃś ca manasaś cāpi nabhasaś ca guṇāṃs tathā / guṇān vāyoś ca sarvajñāḥ snehajāṃś ca guṇān punaḥ //

und auch die Eigenschaften des Manas, und ebenso die Eigenschaften des Äthers, und die Eigenschaften des Windes, o Allwissende, und wiederum die aus dem Wasser entstehenden Eigenschaften,

Wort für Wort
guṇāṃś ca manasaś cāpi
und auch die Eigenschaften des Manas
nabhasaś ca guṇāṃs tathā
und ebenso die Eigenschaften des Äthers
guṇān vāyoś ca sarvajñāḥ
und die Eigenschaften des Windes, o Allwissende
snehajāṃś ca guṇān punaḥ
und wiederum die aus dem Wasser entstehenden Eigenschaften

apāṃ guṇās tathā viprāḥ pārthivāṃś ca guṇān api / sarvān eva guṇair vyāpya kṣetrajñeṣu dvijottamāḥ //

und ebenso die Eigenschaften der Wasser, o Brahmanen, und auch die Eigenschaften der Erde - alle diese mit [seinen eigenen] Eigenschaften durchdringend, [ist das Selbst enthalten] in den Feldkennern, o beste der Zweifachgeborenen,

Wort für Wort
apāṃ guṇās tathā viprāḥ
und ebenso die Eigenschaften der Wasser, o Brahmanen
pārthivāṃś ca guṇān api
und auch die Eigenschaften der Erde
sarvān eva guṇair vyāpya
alle diese mit [seinen] Eigenschaften durchdringend
kṣetrajñeṣu dvijottamāḥ
[enthalten] in den Feldkennern, o beste der Zweifachgeborenen

ātmā carati kṣetrajñaḥ karmaṇā ca śubhāśubhe / śiṣyā iva mahātmānam indriyāṇi ca taṃ dvijāḥ //

das Selbst, der Feldkenner, wandert durch das gute und schlechte Karma; und die Sinnesorgane [folgen] ihm, der großen Seele, wie Schüler [ihrem Lehrer], o Zweifachgeborene.

Wort für Wort
ātmā carati kṣetrajñaḥ
das Selbst, der Feldkenner, wandert
karmaṇā ca śubhāśubhe
durch das gute und schlechte Karma
śiṣyā iva mahātmānam
wie Schüler [ihrem] großen Selbst
indriyāṇi ca taṃ dvijāḥ
[folgen] ihm die Sinnesorgane, o Zweifachgeborene

prakṛtiṃ cāpy atikramya śuddhaṃ sūkṣmaṃ parāt param / nārāyaṇaṃ mahātmānaṃ nirvikāraṃ parāt param //

Und die Prakṛti überschreitend, [gelangt es] zum Reinen, Feinen, Höher-als-das-Höchste, zu Nārāyaṇa, der großen Seele, dem Unveränderlichen, Höher-als-das-Höchste,

Wort für Wort
prakṛtiṃ cāpy atikramya
und die Prakṛti überschreitend
śuddhaṃ sūkṣmaṃ parāt param
zum Reinen, Feinen, Höher-als-das-Höchste
nārāyaṇaṃ mahātmānaṃ
zu Nārāyaṇa, der großen Seele
nirvikāraṃ parāt param
dem Unveränderlichen, Höher-als-das-Höchste

vimuktaṃ sarvapāpebhyaḥ praviṣṭaṃ ca hy anāmayam / paramātmānam aguṇaṃ nirvṛtaṃ taṃ ca sattamāḥ //

befreit von allen Sünden, und eingetreten in das Leidlose, zum höchsten, eigenschaftslosen, [ewig] erloschenen Selbst - zu diesem, o Beste,

Wort für Wort
vimuktaṃ sarvapāpebhyaḥ
befreit von allen Sünden
praviṣṭaṃ ca hy anāmayam
und eingetreten in das Leidlose
paramātmānam aguṇaṃ
zum höchsten, eigenschaftslosen Selbst
nirvṛtaṃ taṃ ca sattamāḥ
zu diesem [ewig] Erloschenen, o Beste

śreṣṭhaṃ tatra mano viprā indriyāṇi ca bho dvijāḥ / āgacchanti yathākālaṃ guroḥ saṃdeśakāriṇaḥ //

dorthin kommen das erhabene Manas, o Brahmanen, und die Sinnesorgane, o Zweifachgeborene, zur rechten Zeit, als Vollstrecker der Anweisung ihres Lehrers,

Wort für Wort
śreṣṭhaṃ tatra mano viprā
dorthin das erhabene Manas, o Brahmanen
indriyāṇi ca bho dvijāḥ
und die Sinnesorgane, o Zweifachgeborene
āgacchanti yathākālaṃ
kommen zur rechten Zeit
guroḥ saṃdeśakāriṇaḥ
als Vollstrecker der Anweisung ihres Lehrers

śakyaṃ vālpena kālena śāntiṃ prāptuṃ guṇāṃs tathā / evam uktena viprendrāḥ sāṃkhyayogena mokṣiṇīm //

es ist [dann] möglich, in kurzer Zeit den Frieden zu erlangen, und ebenso [über] die Eigenschaften [zu verfügen], durch dieses so dargelegte, zur Erlösung führende Sāṃkhya-Yoga, o Fürsten der Brahmanen -

Wort für Wort
śakyaṃ vālpena kālena
es ist möglich, in kurzer Zeit
śāntiṃ prāptuṃ guṇāṃs tathā
den Frieden zu erlangen und ebenso die Eigenschaften
evam uktena viprendrāḥ
durch dieses so dargelegte, o Fürsten der Brahmanen
sāṃkhyayogena mokṣiṇīm
durch das zur Erlösung führende Sāṃkhya-Yoga

sāṃkhyā viprā mahāprājñā gacchanti paramāṃ gatim / jñānenānena viprendrās tulyaṃ jñānaṃ na vidyate //

die Sāṃkhyas, o Brahmanen von großer Weisheit, gelangen zum höchsten Gang; diesem Wissen gleich, o Fürsten der Brahmanen, gibt es kein [anderes] Wissen.

Wort für Wort
sāṃkhyā viprā mahāprājñā
die Sāṃkhyas, o Brahmanen von großer Weisheit
gacchanti paramāṃ gatim
gelangen zum höchsten Gang
jñānenānena viprendrās
diesem Wissen, o Fürsten der Brahmanen
tulyaṃ jñānaṃ na vidyate
gibt es kein gleiches [anderes] Wissen

atra vaḥ saṃśayo mā bhūj jñānaṃ sāṃkhyaṃ paraṃ matam / akṣaraṃ dhruvam evoktaṃ pūrvaṃ brahma sanātanam //

Hierüber sei bei euch kein Zweifel: das Sāṃkhya-Wissen gilt als das höchste; es wird das Unvergängliche, das Feste genannt, das ursprüngliche, ewige Brahman,

Wort für Wort
atra vaḥ saṃśayo mā bhūj
hierüber sei bei euch kein Zweifel
jñānaṃ sāṃkhyaṃ paraṃ matam
das Sāṃkhya-Wissen gilt als das höchste
akṣaraṃ dhruvam evoktaṃ
es wird das Unvergängliche, Feste genannt
pūrvaṃ brahma sanātanam
das ursprüngliche, ewige Brahman

anādimadhyanidhanaṃ nirdvaṃdvaṃ kartṛ śāśvatam / kūṭasthaṃ caiva nityaṃ ca yad vadanti śamātmakāḥ //

ohne Anfang, Mitte und Ende, frei von den Gegensatzpaaren, der ewige Handelnde, unveränderlich und beständig, wie es diejenigen bezeichnen, deren Wesen Ruhe ist,

Wort für Wort
anādimadhyanidhanaṃ
ohne Anfang, Mitte und Ende
nirdvaṃdvaṃ kartṛ śāśvatam
frei von den Gegensatzpaaren, der ewige Handelnde
kūṭasthaṃ caiva nityaṃ ca
unveränderlich und beständig
yad vadanti śamātmakāḥ
wie es diejenigen bezeichnen, deren Wesen Ruhe ist

yataḥ sarvāḥ pravartante sargapralayavikriyāḥ / evaṃ śaṃsanti śāstreṣu pravaktāro maharṣayaḥ //

von dem aus alle Umwandlungen der Schöpfung und Auflösung ausgehen - so verkünden es in den Lehrschriften die großen Weisen, die [dies] darlegen,

Wort für Wort
yataḥ sarvāḥ pravartante
von dem aus alle [Umwandlungen] ausgehen
sargapralayavikriyāḥ
die Umwandlungen der Schöpfung und Auflösung
evaṃ śaṃsanti śāstreṣu
so verkünden es in den Lehrschriften
pravaktāro maharṣayaḥ
die darlegenden großen Weisen

sarve viprāś ca vedāś ca tathā sāmavido janāḥ / brahmaṇyaṃ paramaṃ devam anantaṃ paramācyutam //

alle Brahmanen und die Veden, und ebenso die Menschen, die den Sāmaveda kennen, [verkünden] den Brahman-zugetanen höchsten Gott, den Unendlichen, den höchsten Unwandelbaren,

Wort für Wort
sarve viprāś ca vedāś ca
alle Brahmanen und die Veden
tathā sāmavido janāḥ
und ebenso die den Sāmaveda kennenden Menschen
brahmaṇyaṃ paramaṃ devam
den Brahman-zugetanen höchsten Gott
anantaṃ paramācyutam
den Unendlichen, den höchsten Unwandelbaren

prārthayantaś ca taṃ viprā vadanti guṇabuddhayaḥ / samyag uktās tathā yogāḥ sāṃkhyāś cāmitadarśanāḥ //

und ihn erflehend sprechen die Brahmanen, deren Erkenntniskraft auf die Guṇas [gerichtet ist]; ebenso werden zu Recht die Yogins genannt und die Sāṃkhyas von unermesslicher Einsicht,

Wort für Wort
prārthayantaś ca taṃ viprā
und ihn erflehend, die Brahmanen
vadanti guṇabuddhayaḥ
sprechen, deren Erkenntniskraft [auf die Guṇas gerichtet ist]
samyag uktās tathā yogāḥ
ebenso werden zu Recht die Yogins genannt
sāṃkhyāś cāmitadarśanāḥ
und die Sāṃkhyas von unermesslicher Einsicht

amūrtis tasya viprendrāḥ sāṃkhyaṃ mūrtir iti śrutiḥ / abhijñānāni tasyāhur mahānti munisattamāḥ //

seine [des Brahman] Gestaltlosigkeit [ist bekannt] - das Sāṃkhya aber sei seine Gestalt, so [sagt] die Śruti, o Fürsten der Brahmanen; große Erkennungszeichen von ihm nennen sie, o beste der Weisen.

Wort für Wort
amūrtis tasya viprendrāḥ
seine Gestaltlosigkeit, o Fürsten der Brahmanen
sāṃkhyaṃ mūrtir iti śrutiḥ
das Sāṃkhya sei seine Gestalt, so die Śruti
abhijñānāni tasyāhur
große Erkennungszeichen von ihm nennen sie
mahānti munisattamāḥ
o beste der Weisen

[Anm.] Diese Unterscheidung von Amūrti (Gestaltlosigkeit des Brahman) und Mūrti (dem Sāṃkhya als dessen 'Gestalt' oder Erscheinungsform) ist eine der markantesten Lehraussagen dieses Kapitels.

dvividhāni hi bhūtāni pṛthivyāṃ dvijasattamāḥ / agamyagamyasaṃjñāni gamyaṃ tatra viśiṣyate //

Zweifacher Art nämlich sind die Wesen auf der Erde, o beste der Zweifachgeborenen: mit den Bezeichnungen 'unzugänglich' und 'zugänglich' [?]; das Zugängliche zeichnet sich darunter aus.

Wort für Wort
dvividhāni hi bhūtāni
zweifacher Art nämlich sind die Wesen
pṛthivyāṃ dvijasattamāḥ
auf der Erde, o beste der Zweifachgeborenen
agamyagamyasaṃjñāni
mit den Bezeichnungen 'unzugänglich' und 'zugänglich'
gamyaṃ tatra viśiṣyate
das Zugängliche zeichnet sich darunter aus

[?] Die Bedeutung von 'agamya' (unzugänglich) und 'gamya' (zugänglich) in diesem Kontext bleibt unklar - möglicherweise eine Anspielung auf Wesen, die dem Sāṃkhya-Wissen zugänglich bzw. unzugänglich sind, oder eine allgemeinere Zweiteilung der Geschöpfe.

jñānaṃ mahad vai mahataś ca viprā vedeṣu sāṃkhyeṣu tathaiva yoge / yac cāpi dṛṣṭaṃ vidhivat purāṇe sāṃkhyāgataṃ tan nikhilaṃ munīndrāḥ //

Das große Wissen vom Großen [Mahat] fürwahr, o Brahmanen, in den Veden, in den Sāṃkhya-Lehren und ebenso im Yoga, und was auch immer vorschriftsgemäß in den Purāṇas gesehen wird - all das, o Fürsten der Weisen, ist im Sāṃkhya enthalten.

Wort für Wort
jñānaṃ mahad vai mahataś ca viprā
das große Wissen vom Großen fürwahr, o Brahmanen
vedeṣu sāṃkhyeṣu tathaiva yoge
in den Veden, in den Sāṃkhya-Lehren und ebenso im Yoga
yac cāpi dṛṣṭaṃ vidhivat purāṇe
und was vorschriftsgemäß in den Purāṇas gesehen wird
sāṃkhyāgataṃ tan nikhilaṃ munīndrāḥ
all das ist im Sāṃkhya enthalten, o Fürsten der Weisen

[Anm.] Ab hier (V.105-112) liegt der Sanskrit-Text in einem Hymnenmeter mit vierzeiligen Strophen vor, dem im Original die üblichen Daṇḍa-Satzzeichen (/, //) fehlen - nur Pada-Buchstaben (a-d) markieren die Verszeilen. Zur einheitlichen Darstellung wurden hier wie in den entsprechenden Passagen früherer Kapitel (u.a. Kap.234, 237-239) konventionelle Satzzeichen ergänzt.

yac cetihāseṣu mahatsu dṛṣṭaṃ yathārthaśāstreṣu viśiṣṭadṛṣṭam / jñānaṃ ca loke yad ihāsti kiṃcit sāṃkhyāgataṃ tac ca mahāmunīndrāḥ //

Und was in den großen Itihāsas gesehen wird, was in den den [wahren] Sinn darlegenden Lehrschriften als besondere Einsicht ersichtlich ist, und welches Wissen auch immer hier in der Welt existiert - auch das, o Fürsten der großen Weisen, ist im Sāṃkhya enthalten.

Wort für Wort
yac cetihāseṣu mahatsu dṛṣṭaṃ
was in den großen Itihāsas gesehen wird
yathārthaśāstreṣu viśiṣṭadṛṣṭam
was in den sinngemäßen Lehrschriften als besondere Einsicht ersichtlich ist
jñānaṃ ca loke yad ihāsti kiṃcit
und welches Wissen auch immer hier in der Welt existiert
sāṃkhyāgataṃ tac ca mahāmunīndrāḥ
auch das ist im Sāṃkhya enthalten, o Fürsten der großen Weisen

samastadṛṣṭaṃ paramaṃ balaṃ ca jñānaṃ ca mokṣaś ca yathāvad uktam / tapāṃsi sūkṣmāṇi ca yāni caiva sāṃkhye yathāvad vihitāni viprāḥ //

Alles Geschaute, die höchste Kraft, und das Wissen, und die gebührend genannte Erlösung, und welche feinen Askesen es auch gibt - all das ist im Sāṃkhya, o Brahmanen, gebührend festgelegt.

Wort für Wort
samastadṛṣṭaṃ paramaṃ balaṃ ca
alles Geschaute und die höchste Kraft
jñānaṃ ca mokṣaś ca yathāvad uktam
und das Wissen und die gebührend genannte Erlösung
tapāṃsi sūkṣmāṇi ca yāni caiva
und welche feinen Askesen es auch gibt
sāṃkhye yathāvad vihitāni viprāḥ
sind im Sāṃkhya gebührend festgelegt, o Brahmanen

viparyayaṃ tasya hitaṃ sadaiva gacchanti sāṃkhyāḥ satataṃ sukhena / tāṃś cāpi saṃdhārya tataḥ kṛtārthāḥ patanti viprāyataneṣu bhūyaḥ //

Wer das Gegenteil davon [wählt, erlangt Unheil]; das ihm Zuträgliche [aber wählend], gehen die Sāṃkhyas stets und beständig mit Glück [ihren Weg]; und diese [Lehren] bewahrend, gelangen sie als Erfüllte wiederum in Brahmanenwohnstätten [d.h. werden als Brahmanen wiedergeboren].

Wort für Wort
viparyayaṃ tasya hitaṃ sadaiva
das Gegenteil davon [gegenüber] dem ihm stets Zuträglichen
gacchanti sāṃkhyāḥ satataṃ sukhena
gehen die Sāṃkhyas beständig mit Glück [ihren Weg]
tāṃś cāpi saṃdhārya tataḥ kṛtārthāḥ
und diese bewahrend, danach als Erfüllte
patanti viprāyataneṣu bhūyaḥ
gelangen sie wiederum in Brahmanenwohnstätten

[?] Dieser Vers bleibt in seinem genauen Sinn unklar. Die vorgeschlagene Übersetzung deutet einen Kontrast: wer den dem Sāṃkhya entgegengesetzten Weg geht, [erleidet Unheil, ungenannt bleibt hier was]; wer ihm zuträglich folgt, geht stets glücklich seinen Weg. Der Anschluss 'patanti viprāyataneṣu bhūyaḥ' (sie fallen/gelangen wiederum in Brahmanenwohnstätten) scheint trotz vorangehendem 'kṛtārthāḥ' (als Erfüllte) eine bloße Wiedergeburt als Brahmane statt vollständiger Erlösung zu beschreiben - ein möglicher Hinweis auf eine Zwischenstufe für nicht ganz Vollendete; die Spannung zum umgebenden Lehrgehalt (völlige Erlösung der Sāṃkhyas) bleibt jedoch bestehen.

hitvā ca dehaṃ praviśanti mokṣaṃ divaukasaś cāpi ca yogasāṃkhyāḥ / ato 'dhikaṃ te 'bhiratā mahārhe sāṃkhye dvijā bho iha śiṣṭajuṣṭe //

Und nachdem sie den Körper verlassen haben, treten die Yoga-Sāṃkhyas in die Erlösung ein, sowie auch in die Himmelswelten; darüber hinaus erfreuen sich diese Zweifachgeborenen an dem hochverehrungswürdigen Sāṃkhya, das hier von den Weisen geschätzt wird.

Wort für Wort
hitvā ca dehaṃ praviśanti mokṣaṃ
nachdem sie den Körper verlassen haben, treten sie in die Erlösung ein
divaukasaś cāpi ca yogasāṃkhyāḥ
die Yoga-Sāṃkhyas, sowie auch in die Himmelswelten
ato 'dhikaṃ te 'bhiratā mahārhe
darüber hinaus erfreuen sie sich an dem hochverehrungswürdigen
sāṃkhye dvijā bho iha śiṣṭajuṣṭe
Sāṃkhya, o Zweifachgeborene, das hier von den Weisen geschätzt wird

teṣāṃ tu tiryaggamanaṃ hi dṛṣṭaṃ nādho gatiḥ pāpakṛtāṃ nivāsaḥ / na vā pradhānā api te dvijātayo ye jñānam etan munayo na saktāḥ //

Für sie [die dem Sāṃkhya nicht Zugetanen] aber wird [dagegen] gesehen: die Wanderung ins Tierdasein, kein [tieferer] Abstieg [in die Hölle], nicht die Wohnstatt der Übeltäter; auch sind jene Zweifachgeborenen nicht [wahrhaft] vorzüglich, o Weise, die diesem Wissen nicht zugetan sind.

Wort für Wort
teṣāṃ tu tiryaggamanaṃ hi dṛṣṭaṃ
für sie aber wird die Wanderung ins Tierdasein gesehen
nādho gatiḥ pāpakṛtāṃ nivāsaḥ
kein [tieferer] Abstieg, nicht die Wohnstatt der Übeltäter
na vā pradhānā api te dvijātayo
auch sind jene Zweifachgeborenen nicht vorzüglich
ye jñānam etan munayo na saktāḥ
die diesem Wissen nicht zugetan sind, o Weise

[Anm.] Dieser Vers stellt den Gegensatz zu V.109 dar: wer dem Sāṃkhya-Yoga nicht anhängt, erleidet zwar keinen völligen Höllenabstieg, wohl aber eine degradierte Wiedergeburt im Tierdasein.

sāṃkhyaṃ viśālaṃ paramaṃ purāṇaṃ mahārṇavaṃ vimalam udārakāntam / kṛtsnaṃ hi sāṃkhyā munayo mahātma nārāyaṇe dhārayatāprameyam //

Das Sāṃkhya, weit, höchst, uralt, den großen, makellosen, erhaben-lieblichen Ozean - das gesamte Sāṃkhya, o großer Weiser, halten die Weisen [ganz verwirklicht] im unermesslichen Nārāyaṇa.

Wort für Wort
sāṃkhyaṃ viśālaṃ paramaṃ purāṇaṃ
das Sāṃkhya, weit, höchst, uralt
mahārṇavaṃ vimalam udārakāntam
den großen, makellosen, erhaben-lieblichen Ozean
kṛtsnaṃ hi sāṃkhyā munayo mahātma
das gesamte Sāṃkhya, o große Seele, die Weisen
nārāyaṇe dhārayatāprameyam
halten im unermesslichen Nārāyaṇa

etan mayoktaṃ paramaṃ hi tattvaṃ nārāyaṇād viśvam idaṃ purāṇam / sa sargakāle ca karoti sargaṃ saṃhārakāle ca hareta bhūyaḥ //

Dies ist von mir die höchste Wahrheit verkündet worden: aus Nārāyaṇa [stammt] dieses uralte Universum; er bewirkt zur Zeit der Schöpfung die Schöpfung, und zur Zeit der Auflösung nimmt er es wiederum hinweg.

Wort für Wort
etan mayoktaṃ paramaṃ hi tattvaṃ
dies ist von mir die höchste Wahrheit verkündet worden
nārāyaṇād viśvam idaṃ purāṇam
aus Nārāyaṇa [stammt] dieses uralte Universum
sa sargakāle ca karoti sargaṃ
er bewirkt zur Zeit der Schöpfung die Schöpfung
saṃhārakāle ca hareta bhūyaḥ
und zur Zeit der Auflösung nimmt er es wiederum hinweg

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