Quellen der Menschheit

Brahma-Purāṇa

Kapitel 226: vāsudevamāhātmyavarṇanaṃ yaduvaṃśavarṇanaṃ ca Die Darlegung der Größe Vāsudevas und der Geschlechterfolge der Yadus bis zu Kṛṣṇas Erscheinen

Nachdem Umā die Rede ihres Gatten gehört hat, kommen in der Nähe befindliche Weise zu Śiva und fragen, wodurch man sich von der Fessel des Saṃsāra befreit (V.1-6). Maheśvara (Śiva) erklärt, dass es kein anderes Mittel als Vāsudeva gibt (V.7-9), und legt auf Bitten der Ṛṣis (V.10) die Größe (Māhātmya) Vāsudevas dar: Kṛṣṇa/Hari ist höher als Brahmā, aus dessen Leib Brahmā (aus dem Bauch) und Śiva (aus dem Haupt) selbst entstanden sind (V.11-22), er ist mit allen göttlichen Waffen und Tugenden ausgestattet (V.23-29) und wird zum Wohl der Götter im Geschlecht Manus als Govinda erscheinen (V.30). Es folgt eine ausführliche Genealogie von Manu über Ilā/Sudyumna, Purūravas, Āyu, Nahuṣa, Yayāti, Yadu, Kroṣṭā, Vṛjinīvat, Uṣaṅgu und Śūra bis zu Vasudeva (Ānakadundubhi) und dessen Sohn, dem vierarmigen Vāsudeva/Kṛṣṇa, der die gefangenen Könige befreien, Jarāsaṃdha besiegen und in Dvārakā herrschen wird (V.31-45). Śiva erklärt, dass, wer Vāsudeva schaut, ihn selbst geschaut hat (V.46-51), und dass Vāsudeva aus Fürsorge für die Geschöpfe die Ṛṣis auf dem Gandhamādana-Berg erschaffen hat (V.52-56). Das Kapitel schließt mit der Identifikation von Balarāma mit der Weltenschlange Śeṣa/Ananta, die die Erde trägt, und mit der Erwähnung Garuḍas (Suparṇa) als Sohn Kaśyapas, sowie der Aufforderung an die Weisen, die 'Besten der Yadus' (Kṛṣṇa und Balarāma) mit Eifer zu verehren (V.57-67).

{vyāsa uvāca:} śrutvaivaṃ sā jaganmātā bhartur vacanam āditaḥ / hṛṣṭā babhūva suprītā vismitā ca tadā dvijāḥ //

Vyāsa sprach: Als sie, die Weltenmutter, so von Anfang an die Rede ihres Gatten gehört hatte, wurde sie da erfreut, hocherfreut und erstaunt, ihr Zweifachgeborenen.

Wort für Wort
{vyāsa uvāca:} śrutvaivaṃ sā jaganmātā bhartur vacanam āditaḥ /
Vyāsa sprach: Als sie, die Weltenmutter, so von Anfang an die Rede ihres Gatten gehört hatte,
hṛṣṭā babhūva suprītā vismitā ca tadā dvijāḥ //
wurde sie da erfreut, hocherfreut und erstaunt, ihr Zweifachgeborenen.

ye tatrāsan munivarās tripurāreḥ samīpataḥ / tīrthayātrāprasaṅgena gatās tasmin girau dvijāḥ //

Die trefflichsten Weisen, die sich in der Nähe des Tripura-Feindes (Śiva) befanden, waren aus Anlass einer Pilgerfahrt zu jenem Berg gegangen, ihr Zweifachgeborenen.

Wort für Wort
ye tatrāsan munivarās tripurāreḥ samīpataḥ /
Die trefflichsten Weisen, die sich in der Nähe des Tripura-Feindes (Śiva) befanden,
tīrthayātrāprasaṅgena gatās tasmin girau dvijāḥ //
waren aus Anlass einer Pilgerfahrt zu jenem Berg gegangen, ihr Zweifachgeborenen.

te 'pi saṃpūjya taṃ devaṃ śūlapāṇiṃ praṇamya ca / papracchuḥ saṃśayaṃ caiva lokānāṃ hitakāmyayā //

Auch sie verehrten jenen Gott, den Dreizack-Träger, verneigten sich, und stellten, im Wunsch nach dem Wohl der Welten, ihre Frage.

Wort für Wort
te 'pi saṃpūjya taṃ devaṃ śūlapāṇiṃ praṇamya ca /
Auch sie verehrten jenen Gott, den Dreizack-Träger, und verneigten sich,
papracchuḥ saṃśayaṃ caiva lokānāṃ hitakāmyayā //
und stellten, im Wunsch nach dem Wohl der Welten, ihre Frage.

{munaya ūcuḥ:} trilocana namas te 'stu dakṣakratuvināśana / pṛcchāmas tvāṃ jagannātha saṃśayaṃ hṛdi saṃsthitam //

Die Weisen sprachen: Verehrung sei dir, Dreiäugiger, Zerstörer von Dakṣas Opfer! Wir fragen dich, Herr der Welt, nach dem Zweifel, der in unserem Herzen wohnt.

Wort für Wort
{munaya ūcuḥ:} trilocana namas te 'stu dakṣakratuvināśana /
Die Weisen sprachen: Verehrung sei dir, Dreiäugiger, Zerstörer von Dakṣas Opfer!
pṛcchāmas tvāṃ jagannātha saṃśayaṃ hṛdi saṃsthitam //
Wir fragen dich, Herr der Welt, nach dem Zweifel, der in unserem Herzen wohnt.

saṃsāre 'smin mahāghore bhairave lomaharṣaṇe / bhramanti suciraṃ kālaṃ puruṣāś cālpamedhasaḥ //

In diesem schrecklichen, furchtbaren, haarsträubenden Kreislauf (Saṃsāra) irren die Menschen von geringem Verstand sehr lange Zeit umher.

Wort für Wort
saṃsāre 'smin mahāghore bhairave lomaharṣaṇe /
In diesem schrecklichen, furchtbaren, haarsträubenden Kreislauf (Saṃsāra)
bhramanti suciraṃ kālaṃ puruṣāś cālpamedhasaḥ //
irren die Menschen von geringem Verstand sehr lange Zeit umher.

yenopāyena mucyante janmasaṃsārabandhanāt / brūhi tac chrotum icchāmaḥ paraṃ kautūhalaṃ hi naḥ //

Sage uns, durch welches Mittel sie sich von der Fessel der Geburten im Saṃsāra befreien; wir wünschen dies zu hören, denn groß ist unsere Neugier.

Wort für Wort
yenopāyena mucyante janmasaṃsārabandhanāt /
Durch welches Mittel sie sich von der Fessel der Geburten im Saṃsāra befreien —
brūhi tac chrotum icchāmaḥ paraṃ kautūhalaṃ hi naḥ //
sage uns dies, wir wünschen es zu hören, denn groß ist unsere Neugier.

{maheśvara uvāca:} karmapāśanibaddhānāṃ narāṇāṃ duḥkhabhāginām / nānyopāyaṃ prapaśyāmi vāsudevāt paraṃ dvijāḥ //

Maheśvara sprach: Für die von den Fesseln der Tat gebundenen, des Leides teilhaftigen Menschen sehe ich kein anderes Mittel als Vāsudeva, ihr Zweifachgeborenen.

Wort für Wort
{maheśvara uvāca:} karmapāśanibaddhānāṃ narāṇāṃ duḥkhabhāginām /
Maheśvara sprach: Für die von den Fesseln der Tat gebundenen, des Leides teilhaftigen Menschen
nānyopāyaṃ prapaśyāmi vāsudevāt paraṃ dvijāḥ //
sehe ich kein anderes Mittel als Vāsudeva, ihr Zweifachgeborenen.

ye pūjayanti taṃ devaṃ śaṅkhacakragadādharam / vāṅmanaḥkarmabhiḥ samyak te yānti paramāṃ gatim //

Die, welche jenen Gott verehren, den Träger von Muschelhorn, Diskus und Keule, mit Rede, Geist und Tat recht, sie gelangen zum höchsten Ziel.

Wort für Wort
ye pūjayanti taṃ devaṃ śaṅkhacakragadādharam /
Die, welche jenen Gott verehren, den Träger von Muschelhorn, Diskus und Keule,
vāṅmanaḥkarmabhiḥ samyak te yānti paramāṃ gatim //
mit Rede, Geist und Tat recht, sie gelangen zum höchsten Ziel.

kiṃ teṣāṃ jīviteneha paśuvac ceṣṭitena ca / yeṣāṃ na pravaṇaṃ cittaṃ vāsudeve jaganmaye //

Was nützt hier deren Leben und tierähnliches Treiben, deren Sinn nicht Vāsudeva zugeneigt ist, der die Welt durchdringt?

Wort für Wort
kiṃ teṣāṃ jīviteneha paśuvac ceṣṭitena ca /
Was nützt hier deren Leben und tierähnliches Treiben,
yeṣāṃ na pravaṇaṃ cittaṃ vāsudeve jaganmaye //
deren Sinn nicht Vāsudeva zugeneigt ist, der die Welt durchdringt?

{ṛṣaya ūcuḥ:} pinākin bhaganetraghna sarvalokanamaskṛta / māhātmyaṃ vāsudevasya śrotum icchāma śaṃkara //

Die Ṛṣis sprachen: O Pinākin (Bogenträger), Zerstörer von Bhagas Auge, von aller Welt Verehrter — wir wünschen, o Śaṅkara, die Größe Vāsudevas zu hören.

Wort für Wort
{ṛṣaya ūcuḥ:} pinākin bhaganetraghna sarvalokanamaskṛta /
Die Ṛṣis sprachen: O Pinākin, Zerstörer von Bhagas Auge, von aller Welt Verehrter —
māhātmyaṃ vāsudevasya śrotum icchāma śaṃkara //
wir wünschen, o Śaṅkara, die Größe Vāsudevas zu hören.

{maheśvara uvāca:} pitāmahād api varaḥ śāśvataḥ puruṣo hariḥ / kṛṣṇo jāmbūnadābhāso vyabhre sūrya ivoditaḥ //

Maheśvara sprach: Höher noch als der Großvater (Brahmā) ist der ewige Purusha Hari, Kṛṣṇa, von der Farbe des Jambūnada-Goldes, aufgegangen wie die Sonne am wolkenlosen Himmel.

Wort für Wort
{maheśvara uvāca:} pitāmahād api varaḥ śāśvataḥ puruṣo hariḥ /
Maheśvara sprach: Höher noch als der Großvater (Brahmā) ist der ewige Purusha Hari,
kṛṣṇo jāmbūnadābhāso vyabhre sūrya ivoditaḥ //
Kṛṣṇa, von der Farbe des Jambūnada-Goldes, aufgegangen wie die Sonne am wolkenlosen Himmel.

daśabāhur mahātejā devatāriniṣūdanaḥ / śrīvatsāṅko hṛṣīkeśaḥ sarvadaivatayūthapaḥ //

Zehnarmig, von großer Glut, Vernichter der Feinde der Götter, mit dem Śrīvatsa-Zeichen versehen, Hṛṣīkeśa, Anführer aller Gottheiten,

Wort für Wort
daśabāhur mahātejā devatāriniṣūdanaḥ /
Zehnarmig, von großer Glut, Vernichter der Feinde der Götter,
śrīvatsāṅko hṛṣīkeśaḥ sarvadaivatayūthapaḥ //
mit dem Śrīvatsa-Zeichen versehen, Hṛṣīkeśa, Anführer aller Gottheiten,

brahmā tasyodarabhavas tasyāhaṃ ca śirobhavaḥ / śiroruhebhyo jyotīṃṣi romabhyaś ca surāsurāḥ //

Brahmā entstand aus seinem Bauch, und ich (Śiva) entstand aus seinem Haupt; aus seinen Haupthaaren die Gestirne, und aus seinen Körperhaaren Götter und Dämonen.

Wort für Wort
brahmā tasyodarabhavas tasyāhaṃ ca śirobhavaḥ /
Brahmā entstand aus seinem Bauch, und ich (Śiva) entstand aus seinem Haupt;
śiroruhebhyo jyotīṃṣi romabhyaś ca surāsurāḥ //
aus seinen Haupthaaren die Gestirne, und aus seinen Körperhaaren Götter und Dämonen.

ṛṣayo dehasaṃbhūtās tasya lokāś ca śāśvatāḥ / pitāmahagṛhaṃ sākṣāt sarvadevagṛhaṃ ca saḥ //

Die Ṛṣis entstanden aus seinem Körper, und die ewigen Welten (ebenso); er selbst ist unmittelbar das Haus des Großvaters (Brahmā) und das Haus aller Götter.

Wort für Wort
ṛṣayo dehasaṃbhūtās tasya lokāś ca śāśvatāḥ /
Die Ṛṣis entstanden aus seinem Körper, und die ewigen Welten ebenso;
pitāmahagṛhaṃ sākṣāt sarvadevagṛhaṃ ca saḥ //
er selbst ist unmittelbar das Haus des Großvaters und das Haus aller Götter.

so 'syāḥ pṛthivyāḥ kṛtsnāyāḥ sraṣṭā tribhuvaneśvaraḥ / saṃhartā caiva bhūtānāṃ sthāvarasya carasya ca //

Er ist der Schöpfer dieser ganzen Erde, der Herr der drei Welten, und auch der Zerstörer der Wesen, der unbeweglichen wie der beweglichen.

Wort für Wort
so 'syāḥ pṛthivyāḥ kṛtsnāyāḥ sraṣṭā tribhuvaneśvaraḥ /
Er ist der Schöpfer dieser ganzen Erde, der Herr der drei Welten,
saṃhartā caiva bhūtānāṃ sthāvarasya carasya ca //
und auch der Zerstörer der Wesen, der unbeweglichen wie der beweglichen.

sa hi devadevaḥ sākṣād devanāthaḥ paraṃtapaḥ / sarvajñaḥ sarvasaṃsraṣṭā sarvagaḥ sarvatomukhaḥ //

Er ist wahrhaftig der Gott der Götter, der Herr der Götter, der Bezwinger der Feinde, allwissend, Schöpfer von allem, überall gegenwärtig, nach allen Seiten das Antlitz gewandt.

Wort für Wort
sa hi devadevaḥ sākṣād devanāthaḥ paraṃtapaḥ /
Er ist wahrhaftig der Gott der Götter, der Herr der Götter, der Bezwinger der Feinde,
sarvajñaḥ sarvasaṃsraṣṭā sarvagaḥ sarvatomukhaḥ //
allwissend, Schöpfer von allem, überall gegenwärtig, nach allen Seiten das Antlitz gewandt.

na tasmāt paramaṃ bhūtaṃ triṣu lokeṣu kiṃcana / sanātano mahābhāgo govinda iti viśrutaḥ //

Es gibt nichts Höheres als ihn in den drei Welten — der Ewige, der Hochglückhafte, unter dem Namen Govinda berühmt.

Wort für Wort
na tasmāt paramaṃ bhūtaṃ triṣu lokeṣu kiṃcana /
Es gibt nichts Höheres als ihn in den drei Welten —
sanātano mahābhāgo govinda iti viśrutaḥ //
der Ewige, der Hochglückhafte, unter dem Namen Govinda berühmt.

sa sarvān pārthivān saṃkhye ghātayiṣyati mānadaḥ / surakāryārtham utpanno mānuṣyaṃ vapur āsthitaḥ //

Er, der Ehrengebende, wird alle Könige in der Schlacht vernichten, entstanden zum Zweck der Sache der Götter, eine menschliche Gestalt annehmend.

Wort für Wort
sa sarvān pārthivān saṃkhye ghātayiṣyati mānadaḥ /
Er, der Ehrengebende, wird alle Könige in der Schlacht vernichten,
surakāryārtham utpanno mānuṣyaṃ vapur āsthitaḥ //
entstanden zum Zweck der Sache der Götter, eine menschliche Gestalt annehmend.

nahi devagaṇāḥ śaktās trivikramavinākṛtāḥ / bhuvane devakāryāṇi kartuṃ nāyakavarjitaḥ //

Denn die Scharen der Götter sind ohne den Dreischritt-Vollbringer (Trivikrama), ohne den Anführer, nicht imstande, die Werke der Götter in der Welt zu vollbringen.

Wort für Wort
nahi devagaṇāḥ śaktās trivikramavinākṛtāḥ /
Denn die Scharen der Götter sind ohne den Dreischritt-Vollbringer [?], ohne den Anführer,
bhuvane devakāryāṇi kartuṃ nāyakavarjitaḥ //
nicht imstande, die Werke der Götter in der Welt zu vollbringen.

[Anm.] 'trivikramavinākṛtāḥ' wörtlich 'ohne den Dreischritt-Tuenden', d.h. ohne Viṣṇu in seiner Trivikrama-Gestalt; sinngemäß übersetzt.

nāyakaḥ sarvabhūtānāṃ sarvabhūtanamaskṛtaḥ / etasya devanāthasya kāryasya ca parasya ca //

Er ist der Anführer aller Wesen, von allen Wesen verehrt, für dieses Werk des Götterherrn und für das höchste Werk.

Wort für Wort
nāyakaḥ sarvabhūtānāṃ sarvabhūtanamaskṛtaḥ /
Er ist der Anführer aller Wesen, von allen Wesen verehrt,
etasya devanāthasya kāryasya ca parasya ca //
für dieses Werk des Götterherrn und für das höchste Werk.

brahmabhūtasya satataṃ brahmarṣiśaraṇasya ca / brahmā vasati nābhisthaḥ śarīre 'haṃ ca saṃsthitaḥ //

In seinem Leib, der stets Brahman selbst ist und Zuflucht der Brahma-Ṛṣis, wohnt Brahmā im Nabel, und ich (Śiva) bin ebenfalls dort gegenwärtig.

Wort für Wort
brahmabhūtasya satataṃ brahmarṣiśaraṇasya ca /
In seinem Leib, der stets Brahman selbst ist und Zuflucht der Brahma-Ṛṣis,
brahmā vasati nābhisthaḥ śarīre 'haṃ ca saṃsthitaḥ //
wohnt Brahmā im Nabel, und ich (Śiva) bin ebenfalls dort gegenwärtig.

sarvāḥ sukhaṃ saṃsthitāś ca śarīre tasya devatāḥ / sa devaḥ puṇḍarīkākṣaḥ śrīgarbhaḥ śrīsahoṣitaḥ //

Alle Götter weilen glückselig in seinem Leib; er, der Gott, ist Lotusäugig, trägt Śrī (die Glücksgöttin) in seinem Schoß und wohnt mit Śrī zusammen.

Wort für Wort
sarvāḥ sukhaṃ saṃsthitāś ca śarīre tasya devatāḥ /
Alle Götter weilen glückselig in seinem Leib;
sa devaḥ puṇḍarīkākṣaḥ śrīgarbhaḥ śrīsahoṣitaḥ //
er, der Gott, ist Lotusäugig, trägt Śrī in seinem Schoß und wohnt mit Śrī zusammen.

śārṅgacakrāyudhaḥ khaḍgī sarvanāgaripudhvajaḥ / uttamena suśīlena śaucena ca damena ca //

Mit dem Śārṅga-Bogen, Diskus als Waffe, mit Schwert, mit dem Banner des Feindes aller Schlangen (Garuḍa), von höchster guter Sitte, Reinheit und Selbstbeherrschung,

Wort für Wort
śārṅgacakrāyudhaḥ khaḍgī sarvanāgaripudhvajaḥ /
Mit dem Śārṅga-Bogen, Diskus als Waffe, mit Schwert, mit dem Banner des Feindes aller Schlangen (Garuḍa),
uttamena suśīlena śaucena ca damena ca //
von höchster guter Sitte, Reinheit und Selbstbeherrschung,

parākrameṇa vīryeṇa vapuṣā darśanena ca / ārohaṇapramāṇena vīryeṇārjavasaṃpadā //

durch Tapferkeit, Heldenkraft, Gestalt und Anblick, durch das rechte Maß seiner Erhabenheit, durch Heldenkraft und den Reichtum an Aufrichtigkeit,

Wort für Wort
parākrameṇa vīryeṇa vapuṣā darśanena ca /
durch Tapferkeit, Heldenkraft, Gestalt und Anblick,
ārohaṇapramāṇena vīryeṇārjavasaṃpadā //
durch das rechte Maß seiner Erhabenheit [?], durch Heldenkraft und den Reichtum an Aufrichtigkeit,

[Anm.] 'ārohaṇapramāṇena' textlich unsicher, sinngemäß als 'durch das rechte Maß seiner (körperlichen) Erhabenheit' übersetzt.

ānṛśaṃsyena rūpeṇa balena ca samanvitaḥ / astraiḥ samuditaḥ sarvair divyair adbhutadarśanaiḥ //

mit Güte, Schönheit und Kraft ausgestattet, versehen mit allen göttlichen, wunderbar anzusehenden Waffen,

Wort für Wort
ānṛśaṃsyena rūpeṇa balena ca samanvitaḥ /
mit Güte, Schönheit und Kraft ausgestattet,
astraiḥ samuditaḥ sarvair divyair adbhutadarśanaiḥ //
versehen mit allen göttlichen, wunderbar anzusehenden Waffen,

yogamāyāsahasrākṣo virūpākṣo mahāmanāḥ / vācā mitrajanaślāghī jñātibandhujanapriyaḥ //

tausendäugig und vielgestaltig durch seine Yogamāyā, hochgesinnt, mit seiner Rede die Freunde lobend, den Verwandten und Angehörigen lieb,

Wort für Wort
yogamāyāsahasrākṣo virūpākṣo mahāmanāḥ /
tausendäugig und vielgestaltig durch seine Yogamāyā [?], hochgesinnt,
vācā mitrajanaślāghī jñātibandhujanapriyaḥ //
mit seiner Rede die Freunde lobend, den Verwandten und Angehörigen lieb,

[Anm.] 'sahasrākṣo virūpākṣo' hier als Beiwörter der durch Yogamāyā gewirkten Allsicht bzw. Vielgestaltigkeit verstanden.

kṣamāvāṃś cānahaṃvādī sa devo brahmadāyakaḥ / bhayahartā bhayārtānāṃ mitrānandavivardhanaḥ //

geduldig und ohne Ich-Anspruch, jener Gott ist Geber des Brahman (der heiligen Weisheit), Nehmer der Furcht von den Furchterfüllten, Mehrer der Freude der Freunde.

Wort für Wort
kṣamāvāṃś cānahaṃvādī sa devo brahmadāyakaḥ /
geduldig und ohne Ich-Anspruch, jener Gott ist Geber des Brahman,
bhayahartā bhayārtānāṃ mitrānandavivardhanaḥ //
Nehmer der Furcht von den Furchterfüllten, Mehrer der Freude der Freunde.

śaraṇyaḥ sarvabhūtānāṃ dīnānāṃ pālane rataḥ / śrutavān atha saṃpannaḥ sarvabhūtanamaskṛtaḥ //

Zuflucht aller Wesen, dem Schutz der Elenden hingegeben, gelehrt und vollkommen, von allen Wesen verehrt,

Wort für Wort
śaraṇyaḥ sarvabhūtānāṃ dīnānāṃ pālane rataḥ /
Zuflucht aller Wesen, dem Schutz der Elenden hingegeben,
śrutavān atha saṃpannaḥ sarvabhūtanamaskṛtaḥ //
gelehrt und vollkommen, von allen Wesen verehrt,

samāśritānām upakṛc chatrūṇāṃ bhayakṛt tathā / nītijño nītisaṃpanno brahmavādī jitendriyaḥ //

den sich ihm Anvertrauenden hilfreich und den Feinden Furcht bereitend, der Rechtskunde kundig, in ihr vollkommen, ein Sprecher des Brahman, mit gezügelten Sinnen —

Wort für Wort
samāśritānām upakṛc chatrūṇāṃ bhayakṛt tathā /
den sich ihm Anvertrauenden hilfreich und den Feinden Furcht bereitend,
nītijño nītisaṃpanno brahmavādī jitendriyaḥ //
der Rechtskunde kundig, in ihr vollkommen, ein Sprecher des Brahman, mit gezügelten Sinnen —

bhavārtham eva devānāṃ buddhyā paramayā yutaḥ / prājāpatye śubhe mārge mānave dharmasaṃskṛte //

eben zum Wohl der Götter, mit höchster Einsicht ausgestattet, wird er auf dem heilvollen Weg der Prajāpatis, im durch Dharma geweihten Geschlecht Manus,

Wort für Wort
bhavārtham eva devānāṃ buddhyā paramayā yutaḥ /
eben zum Wohl der Götter, mit höchster Einsicht ausgestattet,
prājāpatye śubhe mārge mānave dharmasaṃskṛte //
wird er auf dem heilvollen Weg der Prajāpatis, im durch Dharma geweihten Geschlecht Manus,

samutpatsyati govindo manor vaṃśe mahātmanaḥ / aṃśo nāma manoḥ putro hy antardhāmā tataḥ param //

als Govinda in der Linie des hochherzigen Manu entstehen. Aṃśa mit Namen ist Manus Sohn, danach folgt Antardhāma,

Wort für Wort
samutpatsyati govindo manor vaṃśe mahātmanaḥ /
als Govinda in der Linie des hochherzigen Manu entstehen.
aṃśo nāma manoḥ putro hy antardhāmā tataḥ param //
Aṃśa mit Namen ist Manus Sohn, danach folgt Antardhāma,

antardhāmno havirdhāmā prajāpatir aninditaḥ / prācīnabarhir bhavitā havirdhāmnaḥ suto dvijāḥ //

von Antardhāma stammt Havirdhāma, der tadellose Prajāpati; Prācīnabarhis wird der Sohn Havirdhāmas sein, ihr Zweifachgeborenen.

Wort für Wort
antardhāmno havirdhāmā prajāpatir aninditaḥ /
von Antardhāma stammt Havirdhāma, der tadellose Prajāpati;
prācīnabarhir bhavitā havirdhāmnaḥ suto dvijāḥ //
Prācīnabarhis wird der Sohn Havirdhāmas sein, ihr Zweifachgeborenen.

tasya pracetaḥpramukhā bhaviṣyanti daśātmajāḥ / prācetasas tathā dakṣo bhaviteha prajāpatiḥ //

Von ihm werden zehn Söhne sein, angeführt von den Pracetas; und der Sohn der Pracetas, Dakṣa, wird hier Prajāpati sein.

Wort für Wort
tasya pracetaḥpramukhā bhaviṣyanti daśātmajāḥ /
Von ihm werden zehn Söhne sein, angeführt von den Pracetas;
prācetasas tathā dakṣo bhaviteha prajāpatiḥ //
und der Sohn der Pracetas, Dakṣa, wird hier Prajāpati sein.

dākṣāyaṇyas tathādityo manur ādityatas tataḥ / manoś ca vaṃśaja ilā sudyumnaś ca bhaviṣyati //

Von den Töchtern Dakṣas stammt Āditya, von Āditya Manu, und aus Manus Geschlecht werden Ilā und Sudyumna sein.

Wort für Wort
dākṣāyaṇyas tathādityo manur ādityatas tataḥ /
Von den Töchtern Dakṣas stammt Āditya, von Āditya Manu,
manoś ca vaṃśaja ilā sudyumnaś ca bhaviṣyati //
und aus Manus Geschlecht werden Ilā und Sudyumna sein.

[Anm.] Der genealogische Übergang von Dakṣas Töchtern zu Āditya, Manu und Ilā/Sudyumna ist im Original stark verkürzt und elliptisch wiedergegeben; sinngemäß nachvollzogen.

budhāt purūravāś cāpi tasmād āyur bhaviṣyati / nahuṣo bhavitā tasmād yayātis tasya cātmajaḥ //

Von Budha stammt auch Purūravas, von diesem wird Āyu sein; von diesem wird Nahuṣa sein, und dessen Sohn Yayāti.

Wort für Wort
budhāt purūravāś cāpi tasmād āyur bhaviṣyati /
Von Budha stammt auch Purūravas, von diesem wird Āyu sein;
nahuṣo bhavitā tasmād yayātis tasya cātmajaḥ //
von diesem wird Nahuṣa sein, und dessen Sohn Yayāti.

yadus tasmān mahāsattvaḥ kroṣṭā tasmād bhaviṣyati / kroṣṭuś caiva mahān putro vṛjinīvān bhaviṣyati //

Von diesem stammt der hochedle Yadu, von diesem wird Kroṣṭā sein; und Kroṣṭus großer Sohn wird Vṛjinīvat sein.

Wort für Wort
yadus tasmān mahāsattvaḥ kroṣṭā tasmād bhaviṣyati /
Von diesem stammt der hochedle Yadu, von diesem wird Kroṣṭā sein;
kroṣṭuś caiva mahān putro vṛjinīvān bhaviṣyati //
und Kroṣṭus großer Sohn wird Vṛjinīvat sein.

vṛjinīvataś ca bhavitā uṣaṅgur aparājitaḥ / uṣaṅgor bhavitā putraḥ śūraś citrarathas tathā //

Von Vṛjinīvat wird der unbesiegte Uṣaṅgu sein; Uṣaṅgus Sohn wird Śūra sein, ebenso Citraratha.

Wort für Wort
vṛjinīvataś ca bhavitā uṣaṅgur aparājitaḥ /
Von Vṛjinīvat wird der unbesiegte Uṣaṅgu sein;
uṣaṅgor bhavitā putraḥ śūraś citrarathas tathā //
Uṣaṅgus Sohn wird Śūra sein, ebenso Citraratha.

tasya tv avarajaḥ putraḥ śūro nāma bhaviṣyati / teṣāṃ vikhyātavīryāṇāṃ cāritraguṇaśālinām //

Dessen jüngerer Sohn aber wird Śūra mit Namen sein — von jenen an Heldenkraft berühmten, an Wandel und Tugend glänzenden,

Wort für Wort
tasya tv avarajaḥ putraḥ śūro nāma bhaviṣyati /
Dessen jüngerer Sohn aber wird Śūra mit Namen sein —
teṣāṃ vikhyātavīryāṇāṃ cāritraguṇaśālinām //
von jenen an Heldenkraft berühmten, an Wandel und Tugend glänzenden,

yajvināṃ ca viśuddhānāṃ vaṃśe brāhmaṇasattamāḥ / sa śūraḥ kṣatriyaśreṣṭho mahāvīryo mahāyaśāḥ //

an Opferern und Reinen, o ihr Trefflichsten der Brahmanen, in deren Geschlecht dieser Śūra, der beste der Kṣatriyas, von großer Heldenkraft und großem Ruhm,

Wort für Wort
yajvināṃ ca viśuddhānāṃ vaṃśe brāhmaṇasattamāḥ /
an Opferern und Reinen, o ihr Trefflichsten der Brahmanen, in deren Geschlecht
sa śūraḥ kṣatriyaśreṣṭho mahāvīryo mahāyaśāḥ //
dieser Śūra, der beste der Kṣatriyas, von großer Heldenkraft und großem Ruhm,

svavaṃśavistārakaraṃ janayiṣyati mānadam / vasudevam iti khyātaṃ putram ānakadundubhim //

einen sein Geschlecht ausbreitenden, ehrengebenden Sohn zeugen wird, der als Vasudeva bekannt ist, auch genannt Ānakadundubhi.

Wort für Wort
svavaṃśavistārakaraṃ janayiṣyati mānadam /
einen sein Geschlecht ausbreitenden, ehrengebenden Sohn zeugen wird,
vasudevam iti khyātaṃ putram ānakadundubhim //
der als Vasudeva bekannt ist, auch genannt Ānakadundubhi.

tasya putraś caturbāhur vāsudevo bhaviṣyati / dātā brāhmaṇasatkartā brahmabhūto dvijapriyaḥ //

Dessen Sohn wird der vierarmige Vāsudeva sein — ein Geber, ein Ehrer der Brahmanen, selbst zum Brahman geworden, den Zweifachgeborenen lieb.

Wort für Wort
tasya putraś caturbāhur vāsudevo bhaviṣyati /
Dessen Sohn wird der vierarmige Vāsudeva sein —
dātā brāhmaṇasatkartā brahmabhūto dvijapriyaḥ //
ein Geber, ein Ehrer der Brahmanen, selbst zum Brahman geworden, den Zweifachgeborenen lieb.

rājño baddhān sa sarvān vai mokṣayiṣyati yādavaḥ / jarāsaṃdhaṃ tu rājānaṃ nirjitya girigahvare //

Er, der Yādava, wird alle vom König Gefangenen befreien; den König Jarāsaṃdha aber wird er in der Bergschlucht besiegen,

Wort für Wort
rājño baddhān sa sarvān vai mokṣayiṣyati yādavaḥ /
Er, der Yādava, wird alle vom König Gefangenen befreien;
jarāsaṃdhaṃ tu rājānaṃ nirjitya girigahvare //
den König Jarāsaṃdha aber wird er in der Bergschlucht besiegen,

sarvapārthivaratnāḍhyo bhaviṣyati sa vīryavān / pṛthivyām apratihato vīryeṇāpi bhaviṣyati //

und wird, mit den Juwelen aller Könige reich beschenkt, heldenkräftig sein; auf der Erde wird er, auch durch seine Heldenkraft, unaufhaltsam sein.

Wort für Wort
sarvapārthivaratnāḍhyo bhaviṣyati sa vīryavān /
und wird, mit den Juwelen aller Könige reich beschenkt, heldenkräftig sein;
pṛthivyām apratihato vīryeṇāpi bhaviṣyati //
auf der Erde wird er, auch durch seine Heldenkraft, unaufhaltsam sein.

vikrameṇa ca saṃpannaḥ sarvapārthivapārthivaḥ / śūraḥ saṃhanano bhūto dvārakāyāṃ vasan prabhuḥ //

Mit Tapferkeit vollkommen ausgestattet, der König der Könige aller Erde, tapfer und von kräftigem Körperbau, wird er, der Herr, in Dvārakā wohnen

Wort für Wort
vikrameṇa ca saṃpannaḥ sarvapārthivapārthivaḥ /
Mit Tapferkeit vollkommen ausgestattet, der König der Könige aller Erde,
śūraḥ saṃhanano bhūto dvārakāyāṃ vasan prabhuḥ //
tapfer und von kräftigem Körperbau, wird er, der Herr, in Dvārakā wohnen

pālayiṣyati gāṃ devīṃ vinirjitya durāśayān / taṃ bhavantaḥ samāsādya brāhmaṇair arhaṇair varaiḥ //

und wird die Erdgöttin schützen, nachdem er die Übelgesinnten besiegt hat. Wenn ihr, o Verehrte, zu ihm gelangt seid, mit den vorzüglichen brahmanischen Ehrengaben,

Wort für Wort
pālayiṣyati gāṃ devīṃ vinirjitya durāśayān /
und wird die Erdgöttin schützen, nachdem er die Übelgesinnten besiegt hat.
taṃ bhavantaḥ samāsādya brāhmaṇair arhaṇair varaiḥ //
Wenn ihr, o Verehrte, zu ihm gelangt seid, mit den vorzüglichen brahmanischen Ehrengaben,

arcayantu yathānyāyaṃ brahmāṇam iva śāśvatam / yo hi māṃ draṣṭum iccheta brahmāṇaṃ ca pitāmaham //

sollt ihr ihn der Vorschrift gemäß verehren wie den ewigen Brahmā. Denn wer mich sehen möchte, und wer Brahmā, den Großvater, sehen möchte,

Wort für Wort
arcayantu yathānyāyaṃ brahmāṇam iva śāśvatam /
sollt ihr ihn der Vorschrift gemäß verehren wie den ewigen Brahmā.
yo hi māṃ draṣṭum iccheta brahmāṇaṃ ca pitāmaham //
Denn wer mich sehen möchte, und wer Brahmā, den Großvater, sehen möchte,

draṣṭavyas tena bhagavān vāsudevaḥ pratāpavān / dṛṣṭe tasminn ahaṃ dṛṣṭo na me 'trāsti vicāraṇā //

der soll den erhabenen, machtvollen Vāsudeva schauen; ist jener geschaut, so bin ich geschaut — daran besteht für mich kein Zweifel.

Wort für Wort
draṣṭavyas tena bhagavān vāsudevaḥ pratāpavān /
der soll den erhabenen, machtvollen Vāsudeva schauen;
dṛṣṭe tasminn ahaṃ dṛṣṭo na me 'trāsti vicāraṇā //
ist jener geschaut, so bin ich geschaut — daran besteht für mich kein Zweifel.

pitāmaho vāsudeva iti vitta tapodhanāḥ / sa yasya puṇḍarīkākṣaḥ prītiyukto bhaviṣyati //

Wisset, o ihr an Askese Reichen: Vāsudeva ist der Großvater. Wem gegenüber der Lotusäugige liebevoll gesinnt sein wird,

Wort für Wort
pitāmaho vāsudeva iti vitta tapodhanāḥ /
Wisset, o ihr an Askese Reichen: Vāsudeva ist der Großvater.
sa yasya puṇḍarīkākṣaḥ prītiyukto bhaviṣyati //
Wem gegenüber der Lotusäugige liebevoll gesinnt sein wird,

tasya devagaṇaḥ prīto brahmapūrvo bhaviṣyati / yas tu taṃ mānavo loke saṃśrayiṣyati keśavam //

dem wird die Schar der Götter, angeführt von Brahmā, liebevoll gesinnt sein. Welcher Mensch aber sich in der Welt an Keśava wenden wird,

Wort für Wort
tasya devagaṇaḥ prīto brahmapūrvo bhaviṣyati /
dem wird die Schar der Götter, angeführt von Brahmā, liebevoll gesinnt sein.
yas tu taṃ mānavo loke saṃśrayiṣyati keśavam //
Welcher Mensch aber sich in der Welt an Keśava wenden wird,

tasya kīrtir yaśaś caiva svargaś caiva bhaviṣyati / dharmāṇāṃ deśikaḥ sākṣād bhaviṣyati sa dharmavān //

dem werden Ruhm, Herrlichkeit und Himmel zuteil werden; er, der Dharmakundige, wird unmittelbar zum Lehrer der Dharmas werden.

Wort für Wort
tasya kīrtir yaśaś caiva svargaś caiva bhaviṣyati /
dem werden Ruhm, Herrlichkeit und Himmel zuteil werden;
dharmāṇāṃ deśikaḥ sākṣād bhaviṣyati sa dharmavān //
er, der Dharmakundige, wird unmittelbar zum Lehrer der Dharmas werden.

dharmavidbhiḥ sa deveśo namaskāryaḥ sadācyutaḥ / dharma eva sadā hi syād asminn abhyarcite vibhau //

Von den Dharmakundigen ist dieser Götterherr, der stets Unvergängliche, zu verehren; denn stets ist Dharma allein zugegen, wenn dieser Machtvolle verehrt wird.

Wort für Wort
dharmavidbhiḥ sa deveśo namaskāryaḥ sadācyutaḥ /
Von den Dharmakundigen ist dieser Götterherr, der stets Unvergängliche, zu verehren;
dharma eva sadā hi syād asminn abhyarcite vibhau //
denn stets ist Dharma allein zugegen, wenn dieser Machtvolle verehrt wird.

sa hi devo mahātejāḥ prajāhitacikīrṣayā / dharmārthaṃ puruṣavyāghra ṛṣikoṭīḥ sasarja ca //

Denn jener Gott von großer Glut hat, aus dem Wunsch, den Geschöpfen Wohl zu tun, um des Dharma willen, o Tiger unter den Männern, Myriaden von Ṛṣis geschaffen.

Wort für Wort
sa hi devo mahātejāḥ prajāhitacikīrṣayā /
Denn jener Gott von großer Glut hat, aus dem Wunsch, den Geschöpfen Wohl zu tun,
dharmārthaṃ puruṣavyāghra ṛṣikoṭīḥ sasarja ca //
um des Dharma willen, o Tiger unter den Männern, Myriaden von Ṛṣis geschaffen.

tāḥ sṛṣṭās tena vidhinā parvate gandhamādane / sanatkumārapramukhās tiṣṭhanti tapasānvitāḥ //

Diese, von ihm auf solche Weise geschaffen, verweilen, angeführt von Sanatkumāra, auf dem Berg Gandhamādana, der Askese hingegeben.

Wort für Wort
tāḥ sṛṣṭās tena vidhinā parvate gandhamādane /
Diese, von ihm auf solche Weise geschaffen,
sanatkumārapramukhās tiṣṭhanti tapasānvitāḥ //
verweilen, angeführt von Sanatkumāra, auf dem Berg Gandhamādana, der Askese hingegeben.

tasmāt sa vāgmī dharmajño namasyo dvijapuṃgavāḥ / vandito hi sa vandeta mānito mānayīta ca //

Darum, ihr Stiere der Zweifachgeborenen, ist er, der Beredte, Dharmakundige, zu verehren: wer verehrt wird, soll seinerseits verehren, und wer geehrt wird, soll seinerseits ehren;

Wort für Wort
tasmāt sa vāgmī dharmajño namasyo dvijapuṃgavāḥ /
Darum, ihr Stiere der Zweifachgeborenen, ist er, der Beredte, Dharmakundige, zu verehren:
vandito hi sa vandeta mānito mānayīta ca //
wer verehrt wird, soll seinerseits verehren [?], und wer geehrt wird, soll seinerseits ehren;

[Anm.] Die Verse 54-55 formulieren eine Reihe reziproker Wendungen (verehrt/verehrend, geehrt/ehrend, gesehen/sehend usw.), deren grammatisches Subjekt im Sanskrit nicht eindeutig zwischen dem Gott und dem Verehrenden unterschieden ist; sinngemäß als Aufforderung zur Gegenseitigkeit der Verehrung übersetzt.

dṛṣṭaḥ paśyed aharahaḥ saṃśritaḥ pratisaṃśrayet / arcitaś cārcayen nityaṃ sa devo dvijasattamāḥ //

wer gesehen wird, soll Tag für Tag sehen, wer als Zuflucht genommen wird, soll seinerseits Zuflucht gewähren; wer verehrt wird, soll stets verehren — (so ist) jener Gott, o ihr Trefflichsten der Zweifachgeborenen, (zu behandeln).

Wort für Wort
dṛṣṭaḥ paśyed aharahaḥ saṃśritaḥ pratisaṃśrayet /
wer gesehen wird, soll Tag für Tag sehen, wer als Zuflucht genommen wird, soll seinerseits Zuflucht gewähren;
arcitaś cārcayen nityaṃ sa devo dvijasattamāḥ //
wer verehrt wird, soll stets verehren — so ist jener Gott, o ihr Trefflichsten der Zweifachgeborenen, zu behandeln.

evaṃ tasyānavadyasya viṣṇor vai paramaṃ tapaḥ / ādidevasya mahataḥ sajjanācaritaṃ sadā //

So ist die höchste Askese dieses Tadellosen, Viṣṇus, des großen Uranfangsgottes, stets das, was von den Guten geübt wird.

Wort für Wort
evaṃ tasyānavadyasya viṣṇor vai paramaṃ tapaḥ /
So ist die höchste Askese dieses Tadellosen, Viṣṇus,
ādidevasya mahataḥ sajjanācaritaṃ sadā //
des großen Uranfangsgottes, stets das, was von den Guten geübt wird.

bhuvane 'bhyarcito nityaṃ devair api sanātanaḥ / abhayenānurūpeṇa prapadya tam anuvratāḥ //

In der Welt wird der Ewige stets auch von den Göttern verehrt; ihm mit angemessener Furchtlosigkeit sich zuwendend, ihm nachfolgend,

Wort für Wort
bhuvane 'bhyarcito nityaṃ devair api sanātanaḥ /
In der Welt wird der Ewige stets auch von den Göttern verehrt;
abhayenānurūpeṇa prapadya tam anuvratāḥ //
ihm mit angemessener Furchtlosigkeit sich zuwendend, ihm nachfolgend,

karmaṇā manasā vācā sa namasyo dvijaiḥ sadā / yatnavadbhir upasthāya draṣṭavyo devakīsutaḥ //

ist er von den Zweifachgeborenen stets mit Tat, Geist und Rede zu verehren; mit Eifer soll man sich ihm nahen und den Sohn der Devakī schauen.

Wort für Wort
karmaṇā manasā vācā sa namasyo dvijaiḥ sadā /
ist er von den Zweifachgeborenen stets mit Tat, Geist und Rede zu verehren;
yatnavadbhir upasthāya draṣṭavyo devakīsutaḥ //
mit Eifer soll man sich ihm nahen und den Sohn der Devakī schauen.

eṣa vai vihito mārgo mayā vai munisattamāḥ / taṃ dṛṣṭvā sarvadeveśaṃ dṛṣṭāḥ syuḥ surasattamāḥ //

Dies ist wahrlich der von mir festgesetzte Weg, ihr trefflichsten Weisen: wer jenen Herrn aller Götter geschaut hat, für den gelten auch die trefflichsten Götter als geschaut.

Wort für Wort
eṣa vai vihito mārgo mayā vai munisattamāḥ /
Dies ist wahrlich der von mir festgesetzte Weg, ihr trefflichsten Weisen:
taṃ dṛṣṭvā sarvadeveśaṃ dṛṣṭāḥ syuḥ surasattamāḥ //
wer jenen Herrn aller Götter geschaut hat, für den gelten auch die trefflichsten Götter als geschaut.

mahāvarāhaṃ taṃ devaṃ sarvalokapitāmaham / ahaṃ caiva namasyāmi nityam eva jagatpatim //

Jenen Gott, den großen Eber (Mahāvarāha), den Großvater aller Welten, verehre auch ich selbst stets, den Herrn der Welt.

Wort für Wort
mahāvarāhaṃ taṃ devaṃ sarvalokapitāmaham /
Jenen Gott, den großen Eber, den Großvater aller Welten,
ahaṃ caiva namasyāmi nityam eva jagatpatim //
verehre auch ich selbst stets, den Herrn der Welt.

tatra ca tritayaṃ dṛṣṭaṃ bhaviṣyati na saṃśayaḥ / samastā hi vayaṃ devās tasya dehe vasāmahe //

Und dort wird ohne Zweifel die Dreiheit geschaut werden; denn wir Götter alle wohnen in seinem Leib.

Wort für Wort
tatra ca tritayaṃ dṛṣṭaṃ bhaviṣyati na saṃśayaḥ /
Und dort wird ohne Zweifel die Dreiheit [?] geschaut werden;
samastā hi vayaṃ devās tasya dehe vasāmahe //
denn wir Götter alle wohnen in seinem Leib.

[Anm.] 'tritayaṃ' (die Dreiheit) bezieht sich wohl auf Brahmā, Viṣṇu und Śiva, die, wie in V.13 und V.21 dargelegt, im Leib des höchsten Gottes wohnen.

tasyaiva cāgrajo bhrātā sitādrinicayaprabhaḥ / halī bala iti khyāto bhaviṣyati dharādharaḥ //

Sein älterer Bruder aber, von der Farbe eines Haufens weißer Berge, unter dem Namen Halin oder Bala bekannt, wird der Träger der Erde (Śeṣa) sein.

Wort für Wort
tasyaiva cāgrajo bhrātā sitādrinicayaprabhaḥ /
Sein älterer Bruder aber, von der Farbe eines Haufens weißer Berge,
halī bala iti khyāto bhaviṣyati dharādharaḥ //
unter dem Namen Halin oder Bala bekannt, wird der Träger der Erde sein.

triśirās tasya devasya dṛṣṭo 'nanta iti prabhoḥ / suparṇo yasya vīryeṇa kaśyapasyātmajo balī //

Dreiköpfig gilt jener Schlange dieses Gottes, des Herrn, als geschaut, unter dem Namen Ananta; durch dessen Kraft wirkt auch Suparṇa (Garuḍa), der starke Sohn des Kaśyapa.

Wort für Wort
triśirās tasya devasya dṛṣṭo 'nanta iti prabhoḥ /
Dreiköpfig gilt jener Schlange dieses Gottes, des Herrn, als geschaut, unter dem Namen Ananta;
suparṇo yasya vīryeṇa kaśyapasyātmajo balī //
durch dessen Kraft wirkt auch Suparṇa (Garuḍa), der starke Sohn des Kaśyapa.

antaṃ naivāśakad draṣṭuṃ devasya paramātmanaḥ / sa ca śeṣo vicarate parayā vai mudā yutaḥ //

Das Ende des höchsten Selbst-Gottes vermochte er (Ananta) nicht zu erblicken; und dieser Śeṣa wandelt umher, von höchster Freude erfüllt,

Wort für Wort
antaṃ naivāśakad draṣṭuṃ devasya paramātmanaḥ /
Das Ende des höchsten Selbst-Gottes vermochte er (Ananta) nicht zu erblicken;
sa ca śeṣo vicarate parayā vai mudā yutaḥ //
und dieser Śeṣa wandelt umher, von höchster Freude erfüllt,

antarvasati bhogena parirabhya vasuṃdharām / ya eṣa viṣṇuḥ so 'nanto bhagavān vasudhādharaḥ //

er wohnt im Innern, mit seinen Windungen die Erde umschließend; dieser Viṣṇu selbst ist jener Ananta, der erhabene Träger der Erde.

Wort für Wort
antarvasati bhogena parirabhya vasuṃdharām /
er wohnt im Innern, mit seinen Windungen die Erde umschließend;
ya eṣa viṣṇuḥ so 'nanto bhagavān vasudhādharaḥ //
dieser Viṣṇu selbst ist jener Ananta, der erhabene Träger der Erde.

yo rāmaḥ sa hṛṣīkeśo 'cyutaḥ sarvadharādharaḥ / tāv ubhau puruṣavyāghrau divyau divyaparākramau //

Wer Rāma (Balarāma) ist, der ist Hṛṣīkeśa, der Unvergängliche, der Träger aller Erde; diese beiden Tiger unter den Männern, göttlich und von göttlicher Tapferkeit,

Wort für Wort
yo rāmaḥ sa hṛṣīkeśo 'cyutaḥ sarvadharādharaḥ /
Wer Rāma (Balarāma) ist, der ist Hṛṣīkeśa, der Unvergängliche, der Träger aller Erde;
tāv ubhau puruṣavyāghrau divyau divyaparākramau //
diese beiden Tiger unter den Männern, göttlich und von göttlicher Tapferkeit,

draṣṭavyau mānanīyau ca cakralāṅgaladhāriṇau / eṣa vo 'nugrahaḥ prokto mayā puṇyas tapodhanāḥ / tad bhavanto yaduśreṣṭhaṃ pūjayeyuḥ prayatnataḥ //

sind zu schauen und zu ehren, die Träger von Diskus und Pflug. Dies ist die heilvolle Gnade, die von mir verkündet wurde, o ihr an Askese Reichen; so möget ihr mit Eifer den Besten der Yadus verehren.

Wort für Wort
draṣṭavyau mānanīyau ca cakralāṅgaladhāriṇau /
sind zu schauen und zu ehren, die Träger von Diskus und Pflug.
eṣa vo 'nugrahaḥ prokto mayā puṇyas tapodhanāḥ /
Dies ist die heilvolle Gnade, die von mir verkündet wurde, o ihr an Askese Reichen;
tad bhavanto yaduśreṣṭhaṃ pūjayeyuḥ prayatnataḥ //
so möget ihr mit Eifer den Besten der Yadus verehren.

[Anm.] Dreizeiliger Vers im Original.

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