Kapitel 214: yamamārgavarṇanam
Die Schilderung des Weges zu Yama
Auf die Bitte der Weisen um Belehrung über den Weg zur Welt Yamas hin schildert Vyāsa ausführlich: den Sterbeprozess (Verlassen des groben Leibes, Annahme eines feinstofflichen Qual-Leibes), die 22 Höllen mit Namen, den fürchterlichen, 86.000 Yojanas langen Yamamārga ohne jede Rast, die schreckenerregenden, vielarmigen und tiergestaltigen Yamadūtas mit ihren Reittieren und Waffen, die grausame Ergreifung und Fesselung der Sterbenden, den von Dornen, Glut und wilden Tieren erfüllten Weg (Raurava), sowie schließlich die viereckige Stadt Yamas mit ihren vier Toren: das Osttor für Götter/Weise/Yogins, das Nordtor für Wohltäter und Fromme, das Westtor für im Kampf und in Askese Gefallene, und das Südtor – ausführlich mit einem langen Sündenkatalog (Mord, Raub, Ehebruch, Kastenverrat, Betrug u.v.m.) – für alle Übeltäter. Textquelle enthält den gesamten Kapitelinhalt (Verse 1-128) im Manuskript unmittelbar danach ein weiteres Mal wortidentisch mit einer zweiten, mit Sternchen versehenen Verszählung (BrP_214*.1-128) – ein offensichtliches Duplikat im Quellkorpus, das hier nur einmal übersetzt wurde. Durchgehend [?]/[Anm.] bei unsicheren Einzelausdrücken; ein dreizeiliger Vers (V.8) und ein Halbvers mit editorischem Sternchen (V.85).
na tṛptim adhigacchāmaḥ puṇyadharmāmṛtasya ca / mune tvanmukhagītasya tathā kautūhalaṃ hi naḥ //
Die Weisen sprachen: Wir gelangen nicht zur Sättigung an dem Nektar deines heiligen Dharma, und ebenso nicht an der Neugier auf das, was aus deinem Mund gesungen wird, o Weiser.
Wort für Wort
na tṛptim adhigacchāmaḥ puṇyadharmāmṛtasya ca /
Wir gelangen nicht zur Sättigung an dem Nektar deines heiligen Dharma,
mune tvanmukhagītasya tathā kautūhalaṃ hi naḥ //
und ebenso nicht an der Neugier auf das, was aus deinem Mund gesungen wird, o Weiser.
kenopāyena dānena dharmeṇa niyamena ca / mānuṣasya ca yāmyasya lokasya kiyad antaram //
Durch welches Mittel, durch Freigebigkeit, durch Dharma und durch Regelbefolgung? Und wie groß ist der Abstand zwischen der Welt der Menschen und der Yama-Welt?
Wort für Wort
kenopāyena dānena dharmeṇa niyamena ca /
Durch welches Mittel, durch Freigebigkeit, durch Dharma und durch Regelbefolgung?
mānuṣasya ca yāmyasya lokasya kiyad antaram //
Und wie groß ist der Abstand zwischen der Welt der Menschen und der Yama-Welt?
Wie gehen die Guttätigen, wie die Übeltäter? Welche Gestalt, welches Maß, welche Farbe haben beide, wenn die Seele zur Welt des Yama geführt wird – das verkünde uns.
Wort für Wort
kathaṃ sukṛtino yānti kathaṃ duṣkṛtakāriṇaḥ /
Wie gehen die Guttätigen, wie die Übeltäter?
kiṃ rūpaṃ kiṃ pramāṇaṃ vā ko varṇas tūbhayor api /
Welche Gestalt, welches Maß, welche Farbe haben beide,
jīvasya nīyamānasya yamalokaṃ bravīhi naḥ //
wenn die Seele zur Welt des Yama geführt wird – das verkünde uns.
śṛṇudhvaṃ muniśārdūlā vadato mama suvratāḥ / saṃsāracakram ajaraṃ sthitir yasya na vidyate //
Vyāsa sprach: Höret, ihr Tiger unter den Weisen, mich sprechen, o ihr Wohlgelobten: das Rad des Saṃsāra, das nicht altert, dessen Stillstand es nicht gibt.
Wort für Wort
śṛṇudhvaṃ muniśārdūlā vadato mama suvratāḥ /
Höret, ihr Tiger unter den Weisen, mich sprechen, o ihr Wohlgelobten:
saṃsāracakram ajaraṃ sthitir yasya na vidyate //
das Rad des Saṃsāra, das nicht altert, dessen Stillstand es nicht gibt.
Ich selbst will euch alles verkünden, die genaue Bestimmung des Yama-Weges, beginnend vom Zeitpunkt des Seelenausgangs an, so wie es kein anderer verkünden wird.
Wort für Wort
so 'haṃ vadāmi vaḥ sarvaṃ yamamārgasya nirṇayam /
Ich selbst will euch alles verkünden, die genaue Bestimmung des Yama-Weges,
utkrāntikālād ārabhya yathā nānyo vadiṣyati //
beginnend vom Zeitpunkt des Seelenausgangs an, so wie es kein anderer verkünden wird.
tad avaśyaṃ hi gantavyaṃ prāṇibhir jīvasaṃjñakaiḥ / puṇyān puṇyakṛto yānti pāpān pāpakṛto 'dhamāḥ //
Jenen Weg müssen notwendig alle Lebewesen, die als ‚Seele' bezeichnet werden, gehen; zu den heilvollen Stätten gehen die Guttäter, zu den sündigen die niedrigen Übeltäter.
Wort für Wort
tad avaśyaṃ hi gantavyaṃ prāṇibhir jīvasaṃjñakaiḥ /
Jenen Weg müssen notwendig alle Lebewesen, die als ‚Seele' bezeichnet werden, gehen;
puṇyān puṇyakṛto yānti pāpān pāpakṛto 'dhamāḥ //
zu den heilvollen Stätten gehen die Guttäter, zu den sündigen die niedrigen Übeltäter.
na tatra vṛkṣacchāyā vā na taḍāgāḥ sarāṃsi ca / na vāpyo dīrghikā vāpi na kūpo na prapā sabhā //
Dort gibt es weder Baumschatten noch Teiche und Seen, weder Ziehbrunnen noch langgestreckte Wasserbecken, weder Brunnen noch Wasserstelle noch Versammlungshalle,
Wort für Wort
na tatra vṛkṣacchāyā vā na taḍāgāḥ sarāṃsi ca /
Dort gibt es weder Baumschatten noch Teiche und Seen,
na vāpyo dīrghikā vāpi na kūpo na prapā sabhā //
weder Ziehbrunnen noch langgestreckte Wasserbecken, weder Brunnen noch Wasserstelle noch Versammlungshalle,
Wenn die Zeit gekommen ist, Freunde, Verwandte, Besitz und dergleichen aufgebend – sowohl die Lebendgeborenen, die Eigeborenen, die Schweißgeborenen als auch die Keimgeborenen,
Wort für Wort
prāpte kāle tu saṃtyajya suhṛdbandhudhanādikam /
Wenn die Zeit gekommen ist, Freunde, Verwandte, Besitz und dergleichen aufgebend –
jarāyujāṇḍajāś caiva svedajāś codbhijās tathā //
sowohl die Lebendgeborenen, die Eigeborenen, die Schweißgeborenen als auch die Keimgeborenen,
tasyānte ca svayaṃ prāṇair anicchann api mucyate / jalam agnir viṣaṃ śastraṃ kṣud vyādhiḥ patanaṃ gireḥ //
An deren Ende wird es, auch ohne es zu wollen, selbst von seinem Lebensatem getrennt – sei es durch Wasser, Feuer, Gift, Waffe, Hunger, Krankheit, den Sturz von einem Berg,
Wort für Wort
tasyānte ca svayaṃ prāṇair anicchann api mucyate /
An deren Ende wird es, auch ohne es zu wollen, selbst von seinem Lebensatem getrennt –
irgendeine Ursache erreichend, wird der Verkörperte von seinem Lebensatem gelöst, indem er den überaus großen, vollständigen, aus den fünf Elementen bestehenden Leib zurücklässt.
Wort für Wort
nimittaṃ kiṃcid āsādya dehī prāṇair vimucyate /
irgendeine Ursache erreichend, wird der Verkörperte von seinem Lebensatem gelöst,
vihāya sumahat kṛtsnaṃ śarīraṃ pāñcabhautikam //
indem er den überaus großen, vollständigen, aus den fünf Elementen bestehenden Leib zurücklässt.
Einen anderen Leib nimmt er an, einen der Qual dienenden, aus dem eigenen Karma entstandenen; einen festen Leib erlangt er, zum Genuss von Glück und Leid.
Wort für Wort
anyac charīram ādatte yātanīyaṃ svakarmajam /
Einen anderen Leib nimmt er an, einen der Qual dienenden, aus dem eigenen Karma entstandenen;
dṛḍhaṃ śarīram āpnoti sukhaduḥkhopabhuktaye //
einen festen Leib erlangt er, zum Genuss von Glück und Leid.
tena bhuṅkte sa kṛcchrāṇi pāpakartā naro bhṛśam / sukhāni dhārmiko hṛṣṭa iha nīto yamakṣaye //
Mit diesem Leib erleidet der übeltäterische Mensch heftige Nöte, während der Rechtschaffene, freudig, hier in die Wohnstatt Yamas geführt, Glückseligkeiten genießt.
Wort für Wort
tena bhuṅkte sa kṛcchrāṇi pāpakartā naro bhṛśam /
Mit diesem Leib erleidet der übeltäterische Mensch heftige Nöte,
sukhāni dhārmiko hṛṣṭa iha nīto yamakṣaye //
während der Rechtschaffene, freudig, hier in die Wohnstatt Yamas geführt, Glückseligkeiten genießt.
Die Reichtumsgeber überwinden die Todeskälte, die Sandelholzgeber die Hitze, ebenso überwinden jene, die die Angst anderer ertragen halfen, den lebenszerstörenden, qualvollen Schmerz.
Wort für Wort
śītaṃ jayanti dhanadās tāpaṃ candanadāyinaḥ /
Die Reichtumsgeber überwinden die Todeskälte, die Sandelholzgeber die Hitze,
prāṇaghnīṃ vedanāṃ kaṣṭāṃ ye cānyodvegadhāriṇaḥ //
und jene, die die Angst anderer ertragen halfen, überwinden den lebenszerstörenden, qualvollen Schmerz.
mohaṃ jñānapradātāras tathā dīpapradās tamaḥ / kūṭasākṣī mṛṣāvādī yo gurur nānuśāsti vai //
Die Wissensgeber überwinden die Verblendung, ebenso die Lampengeber die Finsternis; dagegen der falsche Zeuge, der Lügner, und der Lehrer, der seine Schüler nicht unterweist –
Wort für Wort
mohaṃ jñānapradātāras tathā dīpapradās tamaḥ /
Die Wissensgeber überwinden die Verblendung, ebenso die Lampengeber die Finsternis;
kūṭasākṣī mṛṣāvādī yo gurur nānuśāsti vai //
dagegen der falsche Zeuge, der Lügner, und der Lehrer, der seine Schüler nicht unterweist –
te mohamṛtyavaḥ sarve tathā ye vedanindakāḥ / vibhīṣaṇāḥ pūtigandhāḥ kūṭamudgarapāṇayaḥ //
diese alle erleiden einen von Verblendung begleiteten Tod, ebenso die Verächter der Veden; furchterregende, übelriechende Boten Yamas, mit trügerischen Keulen in der Hand,
Wort für Wort
te mohamṛtyavaḥ sarve tathā ye vedanindakāḥ /
diese alle erleiden einen von Verblendung begleiteten Tod, ebenso die Verächter der Veden;
vibhīṣaṇāḥ pūtigandhāḥ kūṭamudgarapāṇayaḥ //
furchterregende, übelriechende Boten Yamas, mit trügerischen Keulen in der Hand,
vāyvagrasārī tadrūpa- deham anyat prapadyate / tatkarmayātanārthe ca na mātṛpitṛsaṃbhavam //
Als vom Wind ergriffenes Wesen nimmt er einen anderen, ihm entsprechenden Leib an, zum Zweck der Qual gemäß seinem Karma, nicht einen aus Mutter und Vater entstandenen.
Wort für Wort
vāyvagrasārī tadrūpa-deham anyat prapadyate /
Als vom Wind ergriffenes Wesen nimmt er einen anderen, ihm entsprechenden Leib an,
tatkarmayātanārthe ca na mātṛpitṛsaṃbhavam //
zum Zweck der Qual gemäß seinem Karma, nicht einen aus Mutter und Vater entstandenen.
Mit dessen dem alten Leib entsprechendem Maß, Alter, Zustand und Gestalt wird der Schmerz erlangt; dann bindet ihn der Bote Yamas mit furchtbaren Schlingen.
jantoḥ saṃprāptakālasya vedanārtasya vai bhṛśam / bhūtaiḥ saṃtyaktadehasya kaṇṭhaprāptānilasya ca //
ihn, das Lebewesen, dessen Zeit gekommen ist, das heftig von Schmerz gequält ist, dessen Leib von den Elementen verlassen ist, und dessen Lebenshauch den Hals erreicht hat,
Wort für Wort
jantoḥ saṃprāptakālasya vedanārtasya vai bhṛśam /
ihn, das Lebewesen, dessen Zeit gekommen ist, das heftig von Schmerz gequält ist,
bhūtaiḥ saṃtyaktadehasya kaṇṭhaprāptānilasya ca //
dessen Leib von den Elementen verlassen ist, und dessen Lebenshauch den Hals erreicht hat,
andhakāram apāraṃ ca mahāghoraṃ tamovṛtam / sukhaduḥkhapradātāraṃ durgamaṃ pāpakarmaṇām //
Er geht durch grenzenlose Finsternis, überaus furchtbar, von Dunkel umhüllt, den Weg, der Glück und Leid gewährt, schwer zu durchqueren für die Übeltäter,
Wort für Wort
andhakāram apāraṃ ca mahāghoraṃ tamovṛtam /
Er geht durch grenzenlose Finsternis, überaus furchtbar, von Dunkel umhüllt,
sukhaduḥkhapradātāraṃ durgamaṃ pāpakarmaṇām //
den Weg, der Glück und Leid gewährt, schwer zu durchqueren für die Übeltäter,
Sobald sie das Lebewesen mit erschöpfter Lebenszeit erblicken, kommen, bei Erschöpfung seiner Lebenszeit, die furchterregenden Boten Yamas herbei, es fortzuführen begehrend.
Wort für Wort
kṣīṇāyuṣaṃ samālokya prāṇinaṃ cāyuṣakṣaye /
Sobald sie das Lebewesen mit erschöpfter Lebenszeit erblicken, bei Erschöpfung seiner Lebenszeit,
ninīṣavaḥ samāyānti yamadūtā bhayaṃkarāḥ //
kommen die furchterregenden Boten Yamas herbei, es fortzuführen begehrend.
śaktitomaracakrādyaiḥ sudīptair vividhāyudhaiḥ / pāśaśṛṅkhaladaṇḍaiś ca bhīṣayanto mahābalāḥ //
mit Speer, Wurfspieß, Diskus und dergleichen, mit überaus glühenden, mannigfachen Waffen, mit Schlinge, Kette und Stock schreckend, die überaus Starken,
Wort für Wort
śaktitomaracakrādyaiḥ sudīptair vividhāyudhaiḥ /
mit Speer, Wurfspieß, Diskus und dergleichen, mit überaus glühenden, mannigfachen Waffen,
pāśaśṛṅkhaladaṇḍaiś ca bhīṣayanto mahābalāḥ //
mit Schlinge, Kette und Stock schreckend, die überaus Starken,
baddhvā tat kālapāśaiś ca nigaḍair vajraśṛṅkhalaiḥ / tāḍayitvā bhṛśaṃ kruddhair nīyate yamakiṃkaraiḥ //
Nachdem sie ihn mit den Schlingen der Zeit, mit Fußfesseln und Vajra-Ketten gebunden und heftig geschlagen haben, wird er von den zornigen Dienern Yamas geführt,
Wort für Wort
baddhvā tat kālapāśaiś ca nigaḍair vajraśṛṅkhalaiḥ /
Nachdem sie ihn mit den Schlingen der Zeit, mit Fußfesseln und Vajra-Ketten gebunden,
bedroht mit gewaltigem Gebrüll, [von Stäben,] die dem Vajra und dem Speer gleichkommen, von einem nach dem anderen, den heftig Zornigen, die ihn von allen Seiten schlagen,
Wort für Wort
bhartsyamāno mahārāvair vajraśaktisamanvitaiḥ /
bedroht mit gewaltigem Gebrüll, von Stäben, die dem Vajra und dem Speer gleichkommen,
voller Kuśa-Gras-Dornen, Ameisenhügel, Pflöcke, Steine und Kies, ebenso voll lodernder Flammen, von hundertfach scharfer Lauge und Blitzen erschreckend,
Wort für Wort
kuśakaṇṭakavalmīka-śaṅkupāṣāṇaśarkare /
voller Kuśa-Gras-Dornen, Ameisenhügel, Pflöcke, Steine und Kies,
tathā pradīptajvalane kṣāravajraśatotkaṭe //
ebenso voll lodernder Flammen, von hundertfach scharfer Lauge und Blitzen erschreckend,
pradīptādityataptena dahyamānas tadaṃśubhiḥ / kṛṣyate yamadūtaiś ca śivāsaṃnādabhīṣaṇaiḥ //
von der lodernden, glühenden Sonne, von deren Strahlen verbrannt, wird er gezerrt von den Boten Yamas, die durch das Geheul der Schakale erschreckend sind,
Wort für Wort
pradīptādityataptena dahyamānas tadaṃśubhiḥ /
von der lodernden, glühenden Sonne, von deren Strahlen verbrannt,
kṛṣyate yamadūtaiś ca śivāsaṃnādabhīṣaṇaiḥ //
wird er gezerrt von den Boten Yamas, die durch das Geheul der Schakale erschreckend sind,
kvacid bhītaiḥ kvacit trastaiḥ praskhaladbhiḥ kvacit kvacit / duḥkhenākrandamānaiś ca gantavyaḥ sa mahāpathaḥ //
Bald von den Furchtsamen, bald von den Erschreckten, bald hier, bald dort Strauchelnden, unter Schmerz Aufschreienden – von ihnen muss jener große Pfad gegangen werden.
nirbhartsyamānair udvignair vidrutair bhayavihvalaiḥ / kampamānaśarīrais tu gantavyaṃ jīvasaṃjñakaiḥ //
Von den Bedrohten, Beunruhigten, Fliehenden, von Furcht Überwältigten, mit zitterndem Leib – von den ‚Seelen' genannten Wesen muss jener Weg gegangen werden,
medaḥśoṇitadurgandhair bastagātraiś ca pūgaśaḥ / dagdhasphuṭatvacākīrṇair gantavyaṃ jīvaghātakaiḥ //
von denen mit Fett und Blut übel riechend, mit ledernen zerfetzten Gliedern in Scharen, mit verbrannter, aufgeplatzter Haut übersät, muss er von den Lebewesentötern gegangen werden,
Wort für Wort
medaḥśoṇitadurgandhair bastagātraiś ca pūgaśaḥ /
von denen mit Fett und Blut übel riechend, mit ledernen zerfetzten Gliedern in Scharen,
kūjadbhiḥ krandamānaiś ca vikrośadbhiś ca visvaram / vedanārtaiś ca sadbhiś ca gantavyaṃ jīvaghātakaiḥ //
von den Wimmernden, Weinenden, mit unnatürlicher Stimme Aufschreienden, von Schmerz Gequälten – von diesen, den Lebewesentötern, muss er gegangen werden,
Wort für Wort
kūjadbhiḥ krandamānaiś ca vikrośadbhiś ca visvaram /
von den Wimmernden, Weinenden, mit unnatürlicher Stimme Aufschreienden,
vedanārtaiś ca sadbhiś ca gantavyaṃ jīvaghātakaiḥ //
von Schmerz Gequälten – von diesen, den Lebewesentötern, muss er gegangen werden,
tāḍayanti tathā viprān ākrośanti narādhamāḥ / śuṣkakāṣṭhanibaddhās te chinnakarṇākṣināsikāḥ //
die ebenso Brahmanen schlagen und beschimpfen, die niedrigsten der Menschen – sie werden an trockenes Holz gebunden, mit abgeschnittenen Ohren, Augen und Nase,
Wort für Wort
tāḍayanti tathā viprān ākrośanti narādhamāḥ /
die ebenso Brahmanen schlagen und beschimpfen, die niedrigsten der Menschen –
śuṣkakāṣṭhanibaddhās te chinnakarṇākṣināsikāḥ //
sie werden an trockenes Holz gebunden, mit abgeschnittenen Ohren, Augen und Nase,
rauravaṃ durgaviṣamaṃ nirdiṣṭaṃ mānuṣasya ca / prataptatāmravarṇābhaṃ vahnijvālāsphuliṅgavat //
der ‚Raurava' genannte, schwer zugängliche, unebene, den Menschen zugewiesene Weg, von der Farbe erhitzten Kupfers, wie mit Feuerflammen-Funken übersät,
Wort für Wort
rauravaṃ durgaviṣamaṃ nirdiṣṭaṃ mānuṣasya ca /
der ‚Raurava' genannte, schwer zugängliche, unebene, den Menschen zugewiesene Weg,
prataptatāmravarṇābhaṃ vahnijvālāsphuliṅgavat //
von der Farbe erhitzten Kupfers, wie mit Feuerflammen-Funken übersät,
mit glühender Kohle und Sand vermischt, von Feuerwürmern schwer zugänglich gemacht, von Flammenkränzen erfüllt, furchtbar, von Sonnenstrahlen erhitzt –
Wort für Wort
aṅgāravālukāmiśraṃ vahnikīṭakadurgamam /
mit glühender Kohle und Sand vermischt, von Feuerwürmern schwer zugänglich gemacht,
jvālāmālākulaṃ raudraṃ sūryaraśmipratāpitam //
von Flammenkränzen erfüllt, furchtbar, von Sonnenstrahlen erhitzt –
auf jenem Weg wird der Verkörperte geführt, gezerrt von den überaus Grausamen; sobald das Lebewesen, von Schmerz gequält, irgendwo gefallen, aufschreit,
Wort für Wort
adhvānaṃ nīyate dehī kṛṣyamāṇaḥ suniṣṭhuraiḥ /
auf jenem Weg wird der Verkörperte geführt, gezerrt von den überaus Grausamen;
avaśo nīyate jantur durdharair yamakiṃkaraiḥ / sarvair eva hi gantavyam adhvānaṃ tat sudurgamam //
wird das Lebewesen, machtlos, von den unbezwingbaren Dienern Yamas geführt; von allen fürwahr muss jener überaus schwer zugängliche Weg gegangen werden,
Wort für Wort
avaśo nīyate jantur durdharair yamakiṃkaraiḥ /
wird das Lebewesen, machtlos, von den unbezwingbaren Dienern Yamas geführt;
sarvair eva hi gantavyam adhvānaṃ tat sudurgamam //
von allen fürwahr muss jener überaus schwer zugängliche Weg gegangen werden,
geführt von den mannigfachen, furchtbaren Boten Yamas, mit Verachtung; nachdem die Diener Yamas das Lebewesen auf dem überaus grausamen Weg geführt haben,
Wort für Wort
nīyate vividhair ghorair yamadūtair avajñayā /
geführt von den mannigfachen, furchtbaren Boten Yamas, mit Verachtung;
nītvā sudāruṇaṃ mārgaṃ prāṇinaṃ yamakiṃkaraiḥ //
nachdem die Diener Yamas das Lebewesen auf dem überaus grausamen Weg geführt haben,
wird es, o Zweifachgeborene, in die furchtbare, aus Kupfer und Eisen bestehende Stadt geführt; jene Stadt, von gewaltiger Gestalt, erstreckt sich hunderttausend Yojanas weit.
Wort für Wort
praveśyate purīṃ ghorāṃ tāmrāyasamayīṃ dvijāḥ /
wird es, o Zweifachgeborene, in die furchtbare, aus Kupfer und Eisen bestehende Stadt geführt;
sā purī vipulākārā lakṣayojanam āyatā //
jene Stadt, von gewaltiger Gestalt, erstreckt sich hunderttausend Yojanas weit.
Mit Indranīla-, Mahānīla- und Padmarāga-Edelsteinen geschmückt, ist jene Stadt, von mannigfachen furchtbaren Scharen bewohnt, furchtbar und von ihnen erfüllt,
Wort für Wort
indranīlamahānīla-padmarāgopaśobhitā /
Mit Indranīla-, Mahānīla- und Padmarāga-Edelsteinen geschmückt,
praveśas tena devānām ṛṣīṇāṃ yogināṃ tathā / gandharvasiddhayakṣāṇāṃ vidyādharavisarpiṇām //
durch dieses Tor erfolgt der Einzug der Götter, der Weisen, ebenso der Yogins, der Gandharven, Siddhas, Yakṣas und der frei umherwandelnden Vidyādharas,
Wort für Wort
praveśas tena devānām ṛṣīṇāṃ yogināṃ tathā /
durch dieses Tor erfolgt der Einzug der Götter, der Weisen, ebenso der Yogins,
gandharvasiddhayakṣāṇāṃ vidyādharavisarpiṇām //
der Gandharven, Siddhas, Yakṣas und der frei umherwandelnden Vidyādharas,
[ebenso derer, die solches verdienen]. Das nördliche Stadttor, mit Glocken und Yak-Wedeln geschmückt, mit einer Anordnung von Schirm und Wedel, mit mannigfachen Juwelen geschmückt,
Wort für Wort
uttaraṃ nagaradvāraṃ ghaṇṭācāmarabhūṣitam /
Das nördliche Stadttor, mit Glocken und Yak-Wedeln geschmückt,
chattracāmaravinyāsaṃ nānāratnair alaṃkṛtam //
mit einer Anordnung von Schirm und Wedel, mit mannigfachen Juwelen geschmückt,
mit dem lieblichen Klang von Vīṇā-Saiten, erfüllt von heilvollem Gesang, vom Erschallen der Ṛg-, Yajur- und Sāma-Verse, erfüllt von Scharen von Weisen –
Wort für Wort
vīṇāreṇuravai ramyair gītamaṅgalanāditaiḥ /
mit dem lieblichen Klang von Vīṇā-Saiten, erfüllt von heilvollem Gesang,
ṛgyajuḥsāmanirghoṣair munivṛndasamākulam //
vom Erschallen der Ṛg-, Yajur- und Sāma-Verse, erfüllt von Scharen von Weisen –
viśanti yena dharmajñāḥ satyavrataparāyaṇāḥ / grīṣme vāripradā ye ca śīte cāgnipradā narāḥ //
durch dieses Tor treten die Dharmakundigen ein, die dem Wahrheitsgelübde Ergebenen, und jene Menschen, die im Sommer Wasser, im Winter Feuer gespendet haben,
Wort für Wort
viśanti yena dharmajñāḥ satyavrataparāyaṇāḥ /
durch dieses Tor treten die Dharmakundigen ein, die dem Wahrheitsgelübde Ergebenen,
grīṣme vāripradā ye ca śīte cāgnipradā narāḥ //
und jene Menschen, die im Sommer Wasser, im Winter Feuer gespendet haben,
mit einer aus bunten Juwelen gefertigten Treppe, mit Lanzen geschmückt, erschallend vom Klang der Pauken und Trommeln, vom Klang der Muschelhörner und Trompeten,
Wort für Wort
vicitramaṇisopānaṃ tomaraiḥ samalaṃkṛtam /
mit einer aus bunten Juwelen gefertigten Treppe, mit Lanzen geschmückt,
bherīmṛdaṅgasaṃnādaiḥ śaṅkhakāhalanāditam //
erschallend vom Klang der Pauken und Trommeln, vom Klang der Muschelhörner und Trompeten,
stets von freudigen Scharen der Siddhas erschallend, von Heilsklängen ertönend – durch dieses Tor erfolgt der Einzug der Freudigen, der Śiva-Hingegebenen unter den Menschen,
sarvatīrthaplutā ye ca pañcāgner ye ca sevakāḥ / prasthāne ye mṛtā vīrā mṛtāḥ kālañjare girau //
ebenso derer, die in allen heiligen Furten gebadet haben, der Diener des Fünf-Feuer-Rituals, der Helden, die auf der heiligen Wanderung gestorben sind, die auf dem Berg Kālañjara gestorben sind,
Wort für Wort
sarvatīrthaplutā ye ca pañcāgner ye ca sevakāḥ /
ebenso derer, die in allen heiligen Furten gebadet haben, der Diener des Fünf-Feuer-Rituals,
prasthāne ye mṛtā vīrā mṛtāḥ kālañjare girau //
der Helden, die auf der heiligen Wanderung gestorben sind, die auf dem Berg Kālañjara gestorben sind,
agnau vipannā ye vīrāḥ sādhitaṃ yair anāśakam / ye svāmimitralokārthe gograhe saṃkule hatāḥ //
der Helden, die im Feuer umkamen, die den Fasten-Tod vollzogen haben, die um des Herrn, des Freundes oder der Welt willen im Getümmel der Rinderrettung erschlagen wurden –
Wort für Wort
agnau vipannā ye vīrāḥ sādhitaṃ yair anāśakam /
der Helden, die im Feuer umkamen, die den Fasten-Tod vollzogen haben,
ye svāmimitralokārthe gograhe saṃkule hatāḥ //
die um des Herrn, des Freundes oder der Welt willen im Getümmel der Rinderrettung erschlagen wurden –
jene heldenhaften, askesereichen Menschen treten durch das Westtor ein. – An jener Stadt liegt das überaus furchtbare, alle Wesen mit Furcht erfüllende Südtor –
Wort für Wort
te viśanti narāḥ śūrāḥ paścimena tapodhanāḥ /
jene heldenhaften, askesereichen Menschen treten durch das Westtor ein.
puryāṃ tasyā mahāghoraṃ sarvasattvabhayaṃkaram //
An jener Stadt liegt das überaus furchtbare, alle Wesen mit Furcht erfüllende Südtor –
derer, die Brahmanen, Kühe, ein Kind, einen Alten oder einen Kranken töten, einen Schutzsuchenden, einen Vertrauenden, eine Frau, einen Freund, einen Wehrlosen,
Wort für Wort
ye ghātayanti viprān gā bālaṃ vṛddhaṃ tathāturam /
derer, die Brahmanen, Kühe, ein Kind, einen Alten oder einen Kranken töten,
abhakṣyabhakṣaṇaratā ye gacchanti sutāṃ snuṣām / mātaraṃ pitaraṃ caiva ye vadanti ca pauruṣam //
die dem Genuss von Unerlaubtem ergeben sind, die zur eigenen Tochter oder Schwiegertochter gehen, die Mutter und Vater [schmähend] anreden, sowie die ihre Manneskraft prahlerisch rühmen [?],
Wort für Wort
abhakṣyabhakṣaṇaratā ye gacchanti sutāṃ snuṣām /
die dem Genuss von Unerlaubtem ergeben sind, die zur eigenen Tochter oder Schwiegertochter gehen,
mātaraṃ pitaraṃ caiva ye vadanti ca pauruṣam //
die Mutter und Vater schmähend anreden, sowie die ihre Manneskraft prahlerisch rühmen,
[?: 'pauruṣam vadanti' unsicher – evtl. Bezug auf prahlerisches Rühmen der eigenen Kraft/Heldentat als Verfehlung, oder eine andere, hier nicht sicher aufgelöste Bedeutung.]