Quellen der Menschheit

Brahma-Purāṇa

Kapitel 39: dakṣayajñavīrabhadravināśavarṇanam Die Zerstörung von Dakṣas Aśvamedha durch Vīrabhadra

Auf Frage der Ṛṣis erzählt Brahmā eine ZWEITE, von Kap.34 unabhängige Fassung des Dakṣa-Yajña-Motivs (V.1, [Anm.]): Śiva residiert mit Umā auf dem Meru-Gipfel Jyotiḥsthala, verehrt von allen Göttern und Wesen (V.4-18). Als Dakṣa ein Aśvamedha vollzieht, zu dem alle Götter außer Śiva eingeladen sind, rügt der Weise Dadhīci Dakṣas Missachtung des Paśupati; Dakṣa erklärt, nur seine eigenen elf Rudras zu kennen und Śaṅkara keinen Anteil zu geben (V.19-33). Umā bemerkt die abziehenden Götter, erfährt von Śiva den Grund und drängt ihn zum Handeln; nach einem kurzen ironischen Wortwechsel erschafft Śiva aus seinem Mund den zornentsprungenen Vīrabhadra (V.34-49) sowie, gemeinsam mit Umās Zorn, Bhadrakālī; Vīrabhadra und seine aus Śivas Poren entstandenen Gaṇas verwüsten Dakṣas Opfer vollständig (V.50-69). Auf Vīrabhadras Selbstvorstellung (V.70-73) folgt Brahmās Vermittlung: das personifiziert fliehende Opfer wird von einem aus Vīrabhadras Zorn entstandenen Fieber-Dämon (Jvara) verfolgt, dessen übermäßige Glut Brahmā auf Bitten hin über die ganze Erde verteilt (V.74-89). Dakṣa nimmt in Meditation Zuflucht zu Śiva, der ihm lächelnd eine Gabe anbietet; Dakṣa erbittet die Wiederherstellung des zerstörten Opfermaterials und preist Śiva abschließend mit tausendundacht Namen (V.90-97).

{ṛṣaya ūcuḥ:} prācetasasya dakṣasya kathaṃ vaivasvate 'ntare / vināśam agamad brahman hayamedhaḥ prajāpateḥ //

{Die Ṛṣis sprachen:} Wie geschah es, o Brahman, dass im Vaivasvata-Manvantara das Aśvamedha-Opfer des Herrn der Geschöpfe, Dakṣa, des Sohnes des Pracetas, seinen Untergang fand?

Wort für Wort
prācetasasya dakṣasya
des Sohnes des Pracetas, Dakṣas
katham
wie
vaivasvate antare
im Vaivasvata-Manvantara
vināśam agamat
fand seinen Untergang
brahman
o Brahman
hayamedhaḥ
das Pferdeopfer
prajāpateḥ
des Herrn der Geschöpfe

[Anm.: Diese Erzählung von der Zerstörung von Dakṣas Opfer durch Vīrabhadra/Bhadrakālī ist eine ZWEITE, eigenständige Fassung des Dakṣa-Yajña-Motivs, die sich deutlich von der in Kap.34 berichteten Satī-Selbstverbrennungs-Version unterscheidet (dort führte Dakṣas Kränkung Satīs zum Opfer-Untergang; hier geschieht dies später, nach Śivas Vermählung mit Umā, wegen Dakṣas Weigerung, Śiva an seinem Aśvamedha teilhaben zu lassen). Solche parallelen, nicht harmonisierten Fassungen desselben Mythos sind für die Purāṇa-Literatur charakteristisch.]

devyā manyukṛtaṃ buddhvā kruddhaḥ sarvātmakaḥ prabhuḥ / kathaṃ vināśito yajño dakṣasyāmitatejasaḥ / mahādevena roṣād vai tan naḥ prabrūhi vistarāt //

Nachdem der alldurchdringende Herr (Śiva) vom Zorn der Göttin erfahren hatte, ward er zornig - wie wurde das Opfer des an Glut unermesslichen Dakṣa von Mahādeva aus Groll zerstört? Das erzähle uns ausführlich.

Wort für Wort
devyāḥ manyukṛtam
das vom Zorn der Göttin Bewirkte
buddhvā
erfahren habend
kruddhaḥ sarvātmakaḥ prabhuḥ
der zornige, allesdurchdringende Herr
katham vināśitaḥ yajñaḥ
wie wurde das Opfer zerstört
dakṣasya amitatejasaḥ
des an Glut unermesslichen Dakṣa
mahādevena roṣāt vai
von Mahādeva aus Groll fürwahr
tat naḥ prabrūhi vistarāt
das erzähle uns ausführlich

[Anm.: Dreizeiliger Vers (6 Pādas) unter einer Versnummer.]

{brahmovāca:} varṇayiṣyāmi vo viprā mahādevena vai yathā / krodhād vidhvaṃsito yajño devyāḥ priyacikīrṣayā //

{Brahmā sprach:} Ich werde euch, oh Brahmanen, erzählen, wie das Opfer von Mahādeva aus Zorn zerstört wurde, aus dem Wunsch, der Göttin zu gefallen.

Wort für Wort
varṇayiṣyāmi vaḥ viprāḥ
ich werde euch erzählen, oh Brahmanen
mahādevena vai yathā
wie fürwahr von Mahādeva
krodhāt vidhvaṃsitaḥ yajñaḥ
aus Zorn zerstört wurde das Opfer
devyāḥ priyacikīrṣayā
aus dem Wunsch, der Göttin zu gefallen

purā meror dvijaśreṣṭhāḥ śṛṅgaṃ trailokyapūjitam / jyotiḥsthalaṃ nāma citraṃ sarvaratnavibhūṣitam //

Einst, oh beste der Brahmanen, gab es einen von den drei Welten verehrten Gipfel des Meru, mit Namen Jyotiḥsthala, wunderbar, mit allerlei Juwelen geschmückt,

Wort für Wort
purā
einst
meroḥ śṛṅgam
einen Gipfel des Meru
dvijaśreṣṭhāḥ
oh beste der Brahmanen
trailokyapūjitam
von den drei Welten verehrt
jyotiḥsthalam nāma
mit Namen Jyotiḥsthala
citram
wunderbar
sarvaratnavibhūṣitam
mit allerlei Juwelen geschmückt

aprameyam anādhṛṣyaṃ sarvalokanamaskṛtam / tatra devo giritaṭe sarvadhātuvicitrite //

unermesslich, unangreifbar, von aller Welt verehrt; dort, an einem Berghang, bunt durch allerlei Mineralien,

Wort für Wort
aprameyam
unermesslich
anādhṛṣyam
unangreifbar
sarvalokanamaskṛtam
von aller Welt verehrt
tatra devaḥ
dort der Gott
giritaṭe
am Berghang
sarvadhātuvicitrite
bunt durch allerlei Mineralien

paryaṅka iva vistīrṇa upaviṣṭo babhūva ha / śailarājasutā cāsya nityaṃ pārśvasthitābhavat //

saß der Gott, ausgebreitet wie auf einem Lager; und die Tochter des Bergkönigs (Umā) weilte stets an seiner Seite.

Wort für Wort
paryaṅkaḥ iva vistīrṇaḥ
ausgebreitet wie auf einem Lager
upaviṣṭaḥ babhūva ha
er saß fürwahr
śailarājasutā
die Tochter des Bergkönigs
ca asya nityam pārśvasthitā abhavat
und war stets an seiner Seite

ādityāś ca mahātmāno vasavaś ca mahaujasaḥ / tathaiva ca mahātmānāv aśvinau bhiṣajāṃ varau //

Die großherzigen Ādityas und die überaus kraftvollen Vasus, ebenso die beiden großherzigen Aśvins, die besten der Ärzte,

Wort für Wort
ādityāḥ ca mahātmānaḥ
die großherzigen Ādityas
vasavaḥ ca mahaujasaḥ
und die überaus kraftvollen Vasus
tathā eva ca mahātmānau aśvinau
ebenso die beiden großherzigen Aśvins
bhiṣajām varau
die besten der Ärzte

tathā vaiśravaṇo rājā guhyakaiḥ parivāritaḥ / yakṣāṇām īśvaraḥ śrīmān kailāsanilayaḥ prabhuḥ //

ebenso König Vaiśravaṇa (Kubera), umgeben von den Guhyakas, der glanzvolle Herr der Yakṣas, der mächtige, auf dem Kailāsa wohnende,

Wort für Wort
tathā vaiśravaṇaḥ rājā
ebenso König Vaiśravaṇa
guhyakaiḥ parivāritaḥ
umgeben von den Guhyakas
yakṣāṇām īśvaraḥ
der Herr der Yakṣas
śrīmān
der Glanzvolle
kailāsanilayaḥ prabhuḥ
der auf dem Kailāsa wohnende Herr

upāsate mahātmānam uśanā ca mahāmuniḥ / sanatkumārapramukhās tathaiva paramarṣayaḥ //

verehrten den Großherzigen (Śiva), ebenso der große Muni Uśanas (Śukra) und die höchsten Ṛṣis mit Sanatkumāra an der Spitze,

Wort für Wort
upāsate
sie verehren
mahātmānam
den Großherzigen
uśanā ca mahāmuniḥ
und der große Muni Uśanas
sanatkumārapramukhāḥ
mit Sanatkumāra an der Spitze
tathā eva paramarṣayaḥ
ebenso die höchsten Ṛṣis

aṅgiraḥpramukhāś caiva tathā devarṣayo 'pi ca / viśvāvasuś ca gandharvas tathā nāradaparvatau //

auch die mit Aṅgiras an der Spitze stehenden Devarṣis, sowie der Gandharva Viśvāvasu und die beiden Nārada und Parvata,

Wort für Wort
aṅgiraḥpramukhāḥ ca eva
auch die mit Aṅgiras an der Spitze
tathā devarṣayaḥ api ca
auch ebenso die Devarṣis
viśvāvasuḥ ca gandharvaḥ
und der Gandharva Viśvāvasu
tathā nāradaparvatau
ebenso Nārada und Parvata

apsarogaṇasaṃghāś ca samājagmur anekaśaḥ / vavau sukhaśivo vāyur nānāgandhavahaḥ śuciḥ //

und die Scharen der Apsaras kamen vielfach zusammen; ein angenehmer, heilsamer, reiner Wind wehte, mancherlei Düfte tragend,

Wort für Wort
apsarogaṇasaṃghāḥ ca
und die Scharen der Apsaras
samājagmuḥ anekaśaḥ
kamen vielfach zusammen
vavau
es wehte
sukhaśivaḥ vāyuḥ
ein angenehmer, heilsamer Wind
nānāgandhavahaḥ śuciḥ
mancherlei Düfte tragend, rein

sarvartukusumopetaḥ puṣpavanto 'bhavan drumāḥ / tathā vidyādharāḥ sādhyāḥ siddhāś caiva tapodhanāḥ //

mit Blüten aller Jahreszeiten versehen wurden die Bäume blütenreich; ebenso kamen die Vidyādharas, Sādhyas, Siddhas und die Asketen.

Wort für Wort
sarvartukusumopetaḥ
mit Blüten aller Jahreszeiten versehen
puṣpavantaḥ abhavan drumāḥ
blütenreich wurden die Bäume
tathā vidyādharāḥ sādhyāḥ siddhāḥ
ebenso die Vidyādharas, Sādhyas, Siddhas
ca eva tapodhanāḥ
und die Asketen

mahādevaṃ paśupatiṃ paryupāsata tatra vai / bhūtāni ca tathānyāni nānārūpadharāṇy atha //

sie verehrten dort fürwahr Mahādeva, den Herrn der Geschöpfe; und auch andere Bhūtas von mancherlei Gestalt,

Wort für Wort
mahādevam paśupatim
Mahādeva, den Herrn der Geschöpfe
paryupāsata tatra vai
sie verehrten dort fürwahr
bhūtāni ca tathā anyāni
und auch andere Bhūtas
nānārūpadharāṇi atha
von mancherlei Gestalt

rākṣasāś ca mahāraudrāḥ piśācāś ca mahābalāḥ / bahurūpadharā dhṛṣṭā nānāpraharaṇāyudhāḥ //

die überaus schrecklichen Rākṣasas und die überaus mächtigen Piśācas, von mannigfaltiger Gestalt, verwegen, mit allerlei Waffen bewaffnet,

Wort für Wort
rākṣasāḥ ca mahāraudrāḥ
die überaus schrecklichen Rākṣasas
piśācāḥ ca mahābalāḥ
und die überaus mächtigen Piśācas
bahurūpadharāḥ
von mannigfaltiger Gestalt
dhṛṣṭāḥ
verwegen
nānāpraharaṇāyudhāḥ
mit allerlei Waffen bewaffnet

devasyānucarās tatra tasthur vaiśvānaropamāḥ / nandīśvaraś ca bhagavān devasyānumate sthitaḥ //

standen dort als Gefolgsleute des Gottes, dem Feuer (Vaiśvānara) gleichend; und der erhabene Nandīśvara stand mit Zustimmung des Gottes,

Wort für Wort
devasya anucarāḥ
die Gefolgsleute des Gottes
tatra tasthuḥ
standen dort
vaiśvānaropamāḥ
dem Feuer gleichend
nandīśvaraḥ ca bhagavān
und der erhabene Nandīśvara
devasya anumate sthitaḥ
stand mit Zustimmung des Gottes

pragṛhya jvalitaṃ śūlaṃ dīpyamānaṃ svatejasā / gaṅgā ca saritāṃ śreṣṭhā sarvatīrthajalodbhavā //

einen flammenden, von eigener Glut leuchtenden Speer ergriffen habend; und Gaṅgā, die beste der Flüsse, aus dem Wasser aller Tīrthas entstanden,

Wort für Wort
pragṛhya
ergriffen habend
jvalitam śūlam
den flammenden Speer
dīpyamānam svatejasā
von eigener Glut leuchtend
gaṅgā ca saritām śreṣṭhā
und Gaṅgā, die beste der Flüsse
sarvatīrthajalodbhavā
aus dem Wasser aller Tīrthas entstanden

paryupāsata taṃ devaṃ rūpiṇī dvijasattamāḥ / evaṃ sa bhagavāṃs tatra pūjyamānaḥ surarṣibhiḥ //

verehrte, in Körpergestalt, jenen Gott, oh beste der Brahmanen. So wurde jener Erhabene dort von den Götter-Ṛṣis verehrt,

Wort für Wort
paryupāsata
sie verehrte
tam devam
jenen Gott
rūpiṇī
in Gestalt
dvijasattamāḥ
oh beste der Brahmanen
evam saḥ bhagavān tatra
so jener Erhabene dort
pūjyamānaḥ surarṣibhiḥ
verehrt von den Götter-Ṛṣis

devaiś ca sumahābhāgair mahādevo vyatiṣṭhata / kasyacit tv atha kālasya dakṣo nāma prajāpatiḥ //

und von den hochgesegneten Göttern, so weilte Mahādeva. Nach einiger Zeit aber (geschah es, dass) der Herr der Geschöpfe namens Dakṣa

Wort für Wort
devaiḥ ca sumahābhāgaiḥ
und von den hochgesegneten Göttern
mahādevaḥ vyatiṣṭhata
Mahādeva weilte
kasyacit tu atha kālasya
nach einiger Zeit aber
dakṣaḥ nāma prajāpatiḥ
der Herr der Geschöpfe namens Dakṣa

pūrvoktena vidhānena yakṣyamāṇo 'bhyapadyata / tatas tasya makhe devāḥ sarve śakrapurogamāḥ //

sich anschickte, nach der zuvor genannten Vorschrift zu opfern; darauf kamen zu seinem Opfer alle Götter, angeführt von Śakra (Indra),

Wort für Wort
pūrvoktena vidhānena
nach der zuvor genannten Vorschrift
yakṣyamāṇaḥ abhyapadyata
er schickte sich an zu opfern
tataḥ tasya makhe
darauf zu seinem Opfer
devāḥ sarve śakrapurogamāḥ
alle Götter, angeführt von Śakra

svargasthānād athāgamya dakṣam āpedire tathā / te vimānair mahātmāno jvaladbhir jvalanaprabhāḥ //

aus ihrer himmlischen Wohnstatt gekommen, näherten sie sich Dakṣa; jene Großherzigen kamen mit flammenden, feuergleich leuchtenden Himmelswagen,

Wort für Wort
svargasthānāt atha āgamya
aus der himmlischen Wohnstatt gekommen
dakṣam āpedire tathā
sie näherten sich Dakṣa
te vimānaiḥ mahātmānaḥ
jene Großherzigen mit Himmelswagen
jvaladbhiḥ jvalanaprabhāḥ
flammenden, feuergleich leuchtenden

devasyānumate 'gacchan gaṅgādvāram iti śrutiḥ / gandharvāpsarasākīrṇaṃ nānādrumalatāvṛtam //

sie gingen mit Zustimmung des Gottes [?] - so lautet die Überlieferung - nach Gaṅgādvāra, das von Gandharvas und Apsaras erfüllt und von mancherlei Bäumen und Schlingpflanzen bedeckt ist,

Wort für Wort
devasya anumate
mit Zustimmung des Gottes
agacchan gaṅgādvāram
sie gingen nach Gaṅgādvāra
iti śrutiḥ
so lautet die Überlieferung
gandharvāpsarasākīrṇam
von Gandharvas und Apsaras erfüllt
nānādrumalatāvṛtam
von mancherlei Bäumen und Schlingpflanzen bedeckt

[?: Unklar, wessen 'devasya' (des Gottes) Zustimmung hier gemeint ist - evtl. eine formelhafte Wendung für göttliche Fügung, nicht notwendig auf Śiva bezogen.]

ṛṣisiddhaiḥ parivṛtaṃ dakṣaṃ dharmabhṛtāṃ varam / pṛthivyām antarikṣe ca ye ca svarlokavāsinaḥ //

umgeben von Ṛṣis und Siddhas, Dakṣa, den besten der Rechtschaffenen; und die, welche auf der Erde, im Luftraum und im Himmelsreich wohnen -

Wort für Wort
ṛṣisiddhaiḥ parivṛtam
umgeben von Ṛṣis und Siddhas
dakṣam dharmabhṛtām varam
Dakṣa, den besten der Rechtschaffenen
pṛthivyām antarikṣe ca
auf der Erde und im Luftraum
ye ca svarlokavāsinaḥ
und die, welche im Himmelsreich wohnen

sarve prāñjalayo bhūtvā upatasthuḥ prajāpatim / ādityā vasavo rudrāḥ sādhyāḥ sarve marudgaṇāḥ //

sie alle, mit gefalteten Händen, huldigten dem Herrn der Geschöpfe - die Ādityas, Vasus, Rudras, Sādhyas, alle Scharen der Maruts,

Wort für Wort
sarve prāñjalayaḥ bhūtvā
alle, mit gefalteten Händen geworden
upatasthuḥ prajāpatim
sie huldigten dem Herrn der Geschöpfe
ādityāḥ vasavaḥ rudrāḥ sādhyāḥ
die Ādityas, Vasus, Rudras, Sādhyas
sarve marudgaṇāḥ
alle Scharen der Maruts

viṣṇunā sahitāḥ sarva āgatā yajñabhāginaḥ / ūṣmapā dhūmapāś caiva ājyapāḥ somapās tathā //

alle zusammen mit Viṣṇu gekommen, die Opferanteil-Empfänger - die Dampf-Trinker, die Rauch-Trinker, die Schmalz-Trinker und ebenso die Soma-Trinker,

Wort für Wort
viṣṇunā sahitāḥ sarve āgatāḥ
alle zusammen mit Viṣṇu gekommen
yajñabhāginaḥ
die Opferanteil-Empfänger
ūṣmapāḥ dhūmapāḥ ca eva
die Dampf-Trinker, die Rauch-Trinker
ājyapāḥ somapāḥ tathā
die Schmalz-Trinker und die Soma-Trinker

aśvinau marutaś caiva nānādevagaṇaiḥ saha / ete cānye ca bahavo bhūtagrāmās tathaiva ca //

die beiden Aśvins und die Maruts, zusammen mit mancherlei Götterscharen; diese und viele andere Scharen von Geschöpfen ebenso,

Wort für Wort
aśvinau marutaḥ ca eva
die beiden Aśvins und die Maruts
nānādevagaṇaiḥ saha
zusammen mit mancherlei Götterscharen
ete ca anye ca bahavaḥ
diese und viele andere
bhūtagrāmāḥ tathā eva ca
Scharen von Geschöpfen ebenso

jarāyujāṇḍajāś caiva tathaiva svedajodbhidaḥ / āgatāḥ sattriṇaḥ sarve devāḥ strībhiḥ saharṣibhiḥ //

aus dem Mutterleib, aus dem Ei, aus Schweiß und aus Keimen Geborene ebenso - alle diese Opferteilnehmer kamen, die Götter samt ihren Frauen und den Ṛṣis,

Wort für Wort
jarāyujāṇḍajāḥ ca eva
aus dem Mutterleib und aus dem Ei Geborene
tathā eva svedajodbhidaḥ
ebenso aus Schweiß und aus Keimen
āgatāḥ sattriṇaḥ sarve
alle diese Opferteilnehmer kamen
devāḥ strībhiḥ saharṣibhiḥ
die Götter samt ihren Frauen und den Ṛṣis

virājante vimānasthā dīpyamānā ivāgnayaḥ / tān dṛṣṭvā manyunāviṣṭo dadhīcir vākyam abravīt //

sie erstrahlten, auf ihren Himmelswagen stehend, wie leuchtende Feuer; als Dadhīci sie erblickte, von Zorn erfüllt, sprach er dieses Wort:

Wort für Wort
virājante vimānasthāḥ
sie erstrahlen, auf Himmelswagen stehend
dīpyamānāḥ iva agnayaḥ
wie leuchtende Feuer
tān dṛṣṭvā
sie erblickt habend
manyunā āviṣṭaḥ
von Zorn erfüllt
dadhīciḥ vākyam abravīt
sprach Dadhīci dieses Wort

{dadhīcir uvāca:} apūjyapūjane caiva pūjyānāṃ cāpy apūjane / naraḥ pāpam avāpnoti mahad vai nātra saṃśayaḥ //

{Dadhīci sprach:} Sowohl darin, Unwürdige zu ehren, als auch darin, die Würdigen nicht zu ehren, erlangt ein Mensch große Sünde - daran besteht fürwahr kein Zweifel.

Wort für Wort
apūjyapūjane
in der Ehrung des Unwürdigen
ca eva pūjyānām ca api apūjane
und ebenso in der Nicht-Ehrung der Würdigen
naraḥ pāpam avāpnoti mahat
erlangt ein Mensch große Sünde
vai na atra saṃśayaḥ
fürwahr, kein Zweifel daran

{brahmovāca:} evam uktvā tu viprarṣiḥ punar dakṣam abhāṣata //*

{Brahmā sprach:} So gesprochen habend, wandte sich der Brahmanen-Weise (Dadhīci) wiederum an Dakṣa:

Wort für Wort
evam uktvā tu
so gesprochen habend aber
viprarṣiḥ
der Brahmanen-Weise
punaḥ dakṣam abhāṣata
wandte sich wiederum an Dakṣa

[Anm.: Einzeiliger Halbvers, im Quelltext mit dem Editionszeichen „//*" markiert.]

{dadhīcir uvāca:} pūjyaṃ ca paśubhartāraṃ kasmān nārcayase prabhum //

{Dadhīci sprach:} Weshalb ehrst du nicht den verehrungswürdigen Herrn der Geschöpfe, den Mächtigen?

Wort für Wort
pūjyam ca paśubhartāram
und den verehrungswürdigen Herrn der Geschöpfe
kasmāt na arcayase prabhum
weshalb ehrst du nicht den Mächtigen

[Anm.: Wie V.29 besteht auch dieser Vers im Quelltext nur aus einem einzigen Pāda, hier jedoch ohne das Editionszeichen „*" - beide Verse bilden wohl zusammen eine Rahmung-plus-Zitat-Einheit, deren Aufspaltung in zwei Versnummern der Quelle eigentümlich ist.]

{dakṣa uvāca:} santi me bahavo rudrāḥ śūlahastāḥ kapardinaḥ / ekādaśasthānagatā nānyaṃ vidmo maheśvaram //

{Dakṣa sprach:} Ich habe viele Rudras, mit Speer in der Hand, mit verfilztem Haarschopf, die die elf Stätten innehaben; einen anderen Maheśvara kenne ich nicht.

Wort für Wort
santi me bahavaḥ rudrāḥ
ich habe viele Rudras
śūlahastāḥ kapardinaḥ
mit Speer in der Hand, mit verfilztem Haarschopf
ekādaśasthānagatāḥ
die die elf Stätten innehaben
na anyam vidmaḥ maheśvaram
wir kennen keinen anderen Maheśvara

{dadhīcir uvāca:} sarveṣām ekamantro 'yaṃ mameśo na nimantritaḥ / yathāhaṃ śaṃkarād ūrdhvaṃ nānyaṃ paśyāmi daivatam / tathā dakṣasya vipulo yajño 'yaṃ na bhaviṣyati //

{Dadhīci sprach:} Dieser (Śiva) ist der eine Herrscher über sie alle, mein Herr, und er ist nicht eingeladen worden; so gewiss wie ich über Śaṃkara hinaus keine andere Gottheit erblicke, so gewiss wird dieses große Opfer Dakṣas nicht gelingen.

Wort für Wort
sarveṣām ekamantraḥ ayam
dieser ist der eine Herrscher über sie alle
mama īśaḥ
mein Herr
na nimantritaḥ
er ist nicht eingeladen worden
yathā aham śaṃkarāt ūrdhvam
so wie ich über Śaṃkara hinaus
na anyam paśyāmi daivatam
keine andere Gottheit erblicke
tathā dakṣasya vipulaḥ yajñaḥ ayam na bhaviṣyati
so wird dieses große Opfer Dakṣas nicht gelingen

[Anm.: Dreizeiliger Vers (6 Pādas) unter einer Versnummer.]

{dakṣa uvāca:} viṣṇoś ca bhāgā vividhāḥ pradattās / tathā ca rudrebhya uta pradattāḥ / anye 'pi devā nijabhāgayuktā / dadāmi bhāgaṃ na tu śaṃkarāya //

{Dakṣa sprach:} Dem Viṣṇu wurden mancherlei Anteile gegeben, ebenso auch den Rudras wurden welche gegeben; auch die anderen Götter sind mit ihrem eigenen Anteil versehen - dem Śaṃkara aber gebe ich keinen Anteil.

Wort für Wort
viṣṇoḥ ca bhāgāḥ vividhāḥ pradattāḥ
dem Viṣṇu wurden mancherlei Anteile gegeben
tathā ca rudrebhyaḥ uta pradattāḥ
ebenso auch den Rudras wurden welche gegeben
anye api devāḥ nijabhāgayuktāḥ
auch die anderen Götter sind mit ihrem eigenen Anteil versehen
dadāmi bhāgam na tu śaṃkarāya
ich gebe keinen Anteil aber dem Śaṃkara

[Anm.: Vierzeiliger Vers mit gesonderter Pāda-Zählung (a-d); im Quelltext erscheint die Sprecherangabe 'dakṣa uvāca' versehentlich doppelt.]

{brahmovāca:} gatās tu devatā jñātvā śailarājasutā tadā / uvāca vacanaṃ śarvaṃ devaṃ paśupatiṃ patim //

{Brahmā sprach:} Als sie aber erfuhr, dass die Götter dorthin gegangen waren, sprach die Tochter des Bergkönigs (Umā) da zu Śarva, dem Gott, dem Herrn der Geschöpfe, ihrem Gatten, dieses Wort:

Wort für Wort
gatāḥ tu devatāḥ jñātvā
erfahren habend, dass die Götter gegangen waren
śailarājasutā tadā
die Tochter des Bergkönigs da
uvāca vacanam
sprach das Wort
śarvam devam paśupatim patim
zu Śarva, dem Gott, dem Herrn der Geschöpfe, dem Gatten

{umovāca:} bhagavan kutra yānty ete devāḥ śakrapurogamāḥ / brūhi tattvena tattvajña saṃśayo me mahān ayam //

{Umā sprach:} O Erhabener, wohin gehen diese Götter, angeführt von Śakra? Sage es der Wahrheit gemäß, oh Kenner der Wahrheit - dieser mein Zweifel ist groß.

Wort für Wort
bhagavan kutra yānti
o Erhabener, wohin gehen
ete devāḥ śakrapurogamāḥ
diese Götter, angeführt von Śakra
brūhi tattvena
sage es der Wahrheit gemäß
tattvajña
oh Kenner der Wahrheit
saṃśayaḥ me mahān ayam
dieser mein Zweifel ist groß

{maheśvara uvāca:} dakṣo nāma mahābhāge prajānāṃ patir uttamaḥ / hayamedhena yajate tatra yānti divaukasaḥ //

{Maheśvara sprach:} Oh Hochgesegnete, ein Herr der Geschöpfe namens Dakṣa, der Höchste, opfert mit einem Pferdeopfer; dorthin gehen die Himmelsbewohner.

Wort für Wort
dakṣaḥ nāma mahābhāge
o Hochgesegnete, einer namens Dakṣa
prajānām patiḥ uttamaḥ
ein Herr der Geschöpfe, der Höchste
hayamedhena yajate
opfert mit einem Pferdeopfer
tatra yānti divaukasaḥ
dorthin gehen die Himmelsbewohner

{devy uvāca:} yajñam etaṃ mahābhāga kimarthaṃ nānugacchasi / kena vā pratiṣedhena gamanaṃ te na vidyate //

{Die Göttin sprach:} O Hochgesegneter, weshalb begibst du dich nicht zu diesem Opfer? Durch welches Hindernis besteht für dich kein Hingehen?

Wort für Wort
yajñam etam mahābhāga
zu diesem Opfer, o Hochgesegneter
kimartham na anugacchasi
weshalb begibst du dich nicht hin
kena vā pratiṣedhena
durch welches Hindernis
gamanam te na vidyate
besteht für dich kein Hingehen

{maheśvara uvāca:} surair eva mahābhāge sarvam etad anuṣṭhitam / yajñeṣu mama sarveṣu na bhāga upakalpitaḥ //

{Maheśvara sprach:} Oh Hochgesegnete, dies alles ist allein von den Göttern so eingerichtet worden - bei all meinen Opfern ist mir kein Anteil zugeteilt.

Wort für Wort
suraiḥ eva mahābhāge
allein von den Göttern, o Hochgesegnete
sarvam etat anuṣṭhitam
dies alles ist eingerichtet worden
yajñeṣu mama sarveṣu
bei all meinen Opfern
na bhāgaḥ upakalpitaḥ
ist kein Anteil zugeteilt

pūrvāgatena gantavyaṃ mārgeṇa varavarṇini / na me surāḥ prayacchanti bhāgaṃ yajñasya dharmataḥ //

Auf dem früher (vorgeschriebenen) Weg müsste man gehen, oh du von schöner Farbe; die Götter gewähren mir rechtmäßig keinen Anteil am Opfer.

Wort für Wort
pūrvāgatena mārgeṇa gantavyam
auf dem früher gegangenen Weg müsste man gehen
varavarṇini
oh du von schöner Farbe
na me surāḥ prayacchanti
die Götter gewähren mir nicht
bhāgam yajñasya dharmataḥ
den Anteil am Opfer rechtmäßig

{umovāca:} bhagavan sarvadeveṣu prabhāvābhyadhiko guṇaiḥ / ajeyaś cāpy adhṛṣyaś ca tejasā yaśasā śriyā //

{Umā sprach:} O Erhabener, unter allen Göttern bist du an Macht und Eigenschaften überlegen, unbesiegbar und unangreifbar an Glut, Ruhm und Herrlichkeit,

Wort für Wort
bhagavan sarvadeveṣu
o Erhabener, unter allen Göttern
prabhāvābhyadhikaḥ guṇaiḥ
überlegen an Macht und Eigenschaften
ajeyaḥ ca api adhṛṣyaḥ ca
und unbesiegbar und unangreifbar
tejasā yaśasā śriyā
an Glut, Ruhm, Herrlichkeit

anena tu mahābhāga pratiṣedhena bhāgataḥ / atīva duḥkham āpannā vepathuś ca mahān ayam //

durch diesen Ausschluss vom Anteil aber, oh Hochgesegneter, bin ich in überaus großen Schmerz geraten, und dieses große Zittern befällt mich.

Wort für Wort
anena tu mahābhāga
durch diesen aber, o Hochgesegneter
pratiṣedhena bhāgataḥ
Ausschluss vom Anteil
atīva duḥkham āpannā
bin ich in überaus großen Schmerz geraten
vepathuḥ ca mahān ayam
und dieses große Zittern

kiṃ nāma dānaṃ niyamaṃ tapo vā / kuryām ahaṃ yena patir mamādya / labheta bhāgaṃ bhagavān acintyo / yajñasya cendrādyamarair vicitram //

Welche Gabe, welches Gelübde oder welche Askese sollte ich üben, damit mein Gatte, der unvorstellbare Erhabene, heute seinen Anteil am mannigfaltigen Opfer, das Indra und die anderen Unsterblichen veranstalten, erhalte?

Wort für Wort
kim nāma dānam niyamam tapaḥ vā
welche Gabe, welches Gelübde oder welche Askese
kuryām aham
sollte ich üben
yena patiḥ mama adya
damit mein Gatte heute
labheta bhāgam bhagavān acintyaḥ
der unvorstellbare Erhabene den Anteil erhalte
yajñasya ca indrādyamaraiḥ vicitram
am mannigfaltigen Opfer der Indra-und-anderen-Unsterblichen

[Anm.: Vierzeiliger Vers mit gesonderter Pāda-Zählung (a-d).]

{brahmovāca:} evaṃ bruvāṇāṃ bhagavān vicintya / patnīṃ prahṛṣṭaḥ kṣubhitām uvāca / {maheśvara uvāca:} na vetsi māṃ devi kṛśodarāṅgi / kiṃ nāma yuktaṃ vacanaṃ tavedam //

{Brahmā sprach:} Nachdem der Erhabene über die so sprechende, erregte Gattin nachgedacht hatte, sprach er erfreut zu ihr. {Maheśvara sprach:} Du kennst mich nicht, o Göttin mit dem schlanken Leib - was für eine angemessene Rede ist das, die du da sprichst?

Wort für Wort
evam bruvāṇām
die so sprechende
bhagavān vicintya
der Erhabene, nachgedacht habend
patnīm prahṛṣṭaḥ kṣubhitām uvāca
sprach erfreut zu der erregten Gattin
na vetsi mām devi
du kennst mich nicht, o Göttin
kṛśodarāṅgi
mit dem schlanken Leib
kim nāma yuktam vacanam tava idam
was für eine angemessene Rede ist dies, die deine

[Anm.: Vierzeiliger Vers mit gesonderter Pāda-Zählung (a-d), Sprecherwechsel innerhalb des Verses (Brahmā-Rahmung, dann Maheśvaras direkte Rede).]

ahaṃ vijānāmi viśālanetre / dhyānena sarve ca vidanti santaḥ / tavādya mohena sahendradevā / lokatrayaṃ sarvam atho vinaṣṭam //

Ich weiß es wohl, oh du mit den weiten Augen, und alle Rechtschaffenen erkennen es durch Meditation: heute ist durch (deren) Verblendung, samt Indra und den Göttern, die ganze Dreiwelt zugrunde gerichtet.

Wort für Wort
aham vijānāmi
ich weiß es
viśālanetre
oh du mit den weiten Augen
dhyānena sarve ca vidanti santaḥ
und alle Rechtschaffenen erkennen es durch Meditation
tava adya mohena
heute durch deren Verblendung [?]
saha indradevāḥ
samt Indra, den Göttern
lokatrayam sarvam atho vinaṣṭam
die ganze Dreiwelt ist zugrunde gerichtet

[Anm.: Vierzeiliger Vers mit gesonderter Pāda-Zählung (a-d).] [?: 'tavādya mohena' - Bezug syntaktisch unklar; hier auf die Verblendung der Götter/Dakṣas statt auf Umā selbst bezogen übersetzt.]

mām adhvareśaṃ nitarāṃ stuvanti / rathaṃtaraṃ sāma gāyanti mahyam / māṃ brāhmaṇā brahmamantrair yajanti / mamādhvaryavaḥ kalpayante ca bhāgam //

Mich als Herrn des Opfers preisen sie fortwährend, mir singen sie das Rathaṃtara-Sāman, mich verehren die Brahmanen mit Brahman-Sprüchen, und mir bereiten die Adhvaryu-Priester einen Anteil.

Wort für Wort
mām adhvareśam nitarām stuvanti
mich als Herrn des Opfers preisen sie fortwährend
rathaṃtaram sāma gāyanti mahyam
mir singen sie das Rathaṃtara-Sāman
mām brāhmaṇāḥ brahmamantraiḥ yajanti
mich verehren die Brahmanen mit Brahman-Sprüchen
mama adhvaryavaḥ kalpayante ca bhāgam
und mir bereiten die Adhvaryu-Priester einen Anteil

[Anm.: Vierzeiliger Vers mit gesonderter Pāda-Zählung (a-d); ironischer Ton - Śiva zählt hier auf, wie er tatsächlich im vedischen Opferkult geehrt wird, im Gegensatz zu Dakṣas expliziter Ausgrenzung.]

{devy uvāca:} vikatthase prākṛtavat sarvastrījanasaṃsadi / stauṣi garvāyase cāpi svam ātmānaṃ na saṃśayaḥ //

{Die Göttin sprach:} Wie ein gewöhnlicher Mensch prahlst du vor der ganzen Versammlung der Frauen; du preisest und rühmst fürwahr, ohne Zweifel, dich selbst.

Wort für Wort
vikatthase prākṛtavat
du prahlst wie ein gewöhnlicher Mensch
sarvastrījanasaṃsadi
vor der ganzen Versammlung der Frauen
stauṣi garvāyase ca api
du preisest und rühmst dich auch
svam ātmānam na saṃśayaḥ
dich selbst, ohne Zweifel

{bhagavān uvāca:} nātmānaṃ staumi deveśi yathā tvam anugacchasi / saṃsrakṣyāmi varārohe bhāgārthe varavarṇini //

{Der Erhabene sprach:} Nicht preise ich mich selbst, o Göttin-Herrin, wie du meinst; ich werde, oh du Schönhüftige, um des Anteils willen etwas hervorbringen, oh du von schöner Farbe.

Wort für Wort
na ātmānam staumi deveśi
nicht preise ich mich selbst, o Göttin-Herrin
yathā tvam anugacchasi
wie du meinst
saṃsrakṣyāmi
ich werde hervorbringen
varārohe
oh du Schönhüftige
bhāgārthe
um des Anteils willen
varavarṇini
oh du von schöner Farbe

{brahmovāca:} ity uktvā bhagavān patnīm umāṃ prāṇair api priyām / so 'sṛjad bhagavān vaktrād bhūtaṃ krodhāgnisaṃbhavam //

{Brahmā sprach:} So zu seiner Gattin Umā, die ihm lieber war als das eigene Leben, gesprochen habend, erschuf jener Erhabene aus seinem Mund ein Wesen, entstanden aus dem Feuer des Zorns.

Wort für Wort
iti uktvā
so gesprochen habend
bhagavān patnīm umām
der Erhabene zu seiner Gattin Umā
prāṇaiḥ api priyām
die ihm lieber war als das Leben
saḥ asṛjat bhagavān vaktrāt
jener Erhabene erschuf aus seinem Mund
bhūtam krodhāgnisaṃbhavam
ein Wesen, aus dem Feuer des Zorns entstanden

tam uvāca makhaṃ gaccha dakṣasya tvaṃ maheśvaraḥ / nāśayāśu kratuṃ tasya dakṣasya madanujñayā //

Zu ihm sprach er: 'Geh zum Opfer Dakṣas, du (bist) Maheśvara [?] - vernichte rasch mit meiner Erlaubnis das Opferwerk jenes Dakṣa.'

Wort für Wort
tam uvāca
zu ihm sprach er
makham gaccha dakṣasya
geh zum Opfer Dakṣas
tvam maheśvaraḥ
du bist Maheśvara [?]
nāśaya āśu kratum tasya dakṣasya
vernichte rasch das Opferwerk jenes Dakṣa
madanujñayā
mit meiner Erlaubnis

[?: 'tvaṃ maheśvaraḥ' ist auffällig - möglicherweise eine (unerwartete) Anrede des erschaffenen Wesens als 'Maheśvara', oder eine Textverderbnis; ursprünglich könnte hier ein Name des Wesens gestanden haben (vgl. später V.52 'Vīrabhadra').]

{brahmovāca:} tato rudraprayuktena siṃhaveṣeṇa līlayā / devyā manyukṛtaṃ jñātvā hato dakṣasya sa kratuḥ //

{Brahmā sprach:} Darauf wurde, durch das von Rudra entsandte, spielend eine Löwengestalt annehmende Wesen, nachdem dieses als vom Zorn der Göttin bewirkt erkannt worden war, jenes Opferwerk Dakṣas vernichtet.

Wort für Wort
tataḥ
darauf
rudraprayuktena
durch das von Rudra entsandte
siṃhaveṣeṇa līlayā
spielend in Löwengestalt
devyā manyukṛtam jñātvā
als vom Zorn der Göttin bewirkt erkannt habend
hataḥ dakṣasya sa kratuḥ
vernichtet wurde jenes Opferwerk Dakṣas

manyunā ca mahābhīmā bhadrakālī maheśvarī / ātmanaḥ karmasākṣitve tena sārdhaṃ sahānugā //

Und aus Zorn entstand die überaus furchterregende Bhadrakālī, die große Herrin, als Zeugin seines Tuns, zusammen mit ihm, samt Gefolge.

Wort für Wort
manyunā ca
und aus Zorn
mahābhīmā bhadrakālī maheśvarī
die überaus furchterregende Bhadrakālī, die große Herrin
ātmanaḥ karmasākṣitve
als Zeugin seines eigenen Tuns
tena sārdham sahānugā
zusammen mit ihm, samt Gefolge

sa eṣa bhagavān krodhaḥ pretāvāsakṛtālayaḥ / vīrabhadreti vikhyāto devyā manyupramārjakaḥ //

Dieser erhabene Zorn(-Geist), der seine Wohnstatt in der Totenstätte hat, wurde berühmt unter dem Namen Vīrabhadra, der Tilger des Zorns der Göttin.

Wort für Wort
saḥ eṣaḥ bhagavān krodhaḥ
dieser erhabene Zorn
pretāvāsakṛtālayaḥ
der seine Wohnstatt in der Totenstätte hat
vīrabhadra iti vikhyātaḥ
berühmt unter dem Namen Vīrabhadra
devyā manyupramārjakaḥ
der Tilger des Zorns der Göttin

so 'sṛjad romakūpebhya ātmanaiva gaṇeśvarān / rudrānugān gaṇān raudrān rudravīryaparākramān //

Er erschuf aus seinen eigenen Hautporen von sich selbst aus die Gaṇa-Herren, die Rudra folgenden schrecklichen Gaṇas, von Rudras Kraft und Tapferkeit.

Wort für Wort
saḥ asṛjat romakūpebhyaḥ
er erschuf aus den Hautporen
ātmanā eva
von sich selbst aus
gaṇeśvarān
die Gaṇa-Herren
rudrānugān gaṇān raudrān
die Rudra folgenden schrecklichen Gaṇas
rudravīryaparākramān
von Rudras Kraft und Tapferkeit

rudrasyānucarāḥ sarve sarve rudraparākramāḥ / te nipetus tatas tūrṇaṃ śataśo 'tha sahasraśaḥ //

Alle waren Gefolgsleute Rudras, alle von Rudras Tapferkeit; sie stürzten darauf eilends zu Hunderten und Tausenden herab.

Wort für Wort
rudrasya anucarāḥ sarve
alle Gefolgsleute Rudras
sarve rudraparākramāḥ
alle von Rudras Tapferkeit
te nipetuḥ tataḥ tūrṇam
sie stürzten darauf eilends herab
śataśaḥ atha sahasraśaḥ
zu Hunderten und Tausenden

tataḥ kilakilāśabda ākāśaṃ pūrayann iva / samabhūt sumahān viprāḥ sarvarudragaṇaiḥ kṛtaḥ //

Darauf entstand, oh Brahmanen, ein gewaltiger Kilakilā-Lärm, der gleichsam den Himmel erfüllte, hervorgebracht von allen Rudra-Gaṇas.

Wort für Wort
tataḥ kilakilāśabdaḥ
darauf ein Kilakilā-Lärm
ākāśam pūrayan iva
gleichsam den Himmel erfüllend
samabhūt sumahān viprāḥ
entstand ein gewaltiger, oh Brahmanen
sarvarudragaṇaiḥ kṛtaḥ
von allen Rudra-Gaṇas hervorgebracht

tena śabdena mahatā trastāḥ sarve divaukasaḥ / parvatāś ca vyaśīryanta cakampe ca vasuṃdharā //

Durch diesen gewaltigen Lärm erschreckt, flohen alle Himmelsbewohner; die Berge zerbarsten, und die Erde erbebte.

Wort für Wort
tena śabdena mahatā
durch diesen gewaltigen Lärm
trastāḥ sarve divaukasaḥ
erschreckt alle Himmelsbewohner
parvatāḥ ca vyaśīryanta
und die Berge zerbarsten
cakampe ca vasuṃdharā
und die Erde erbebte

marutaś ca vavuḥ krūrāś cukṣubhe varuṇālayaḥ / agnayo vai na dīpyante na cādīpyata bhāskaraḥ //

Grausame Winde wehten, Varuṇas Wohnstatt geriet in Aufruhr; die Feuer brannten nicht mehr, und auch die Sonne leuchtete nicht mehr.

Wort für Wort
marutaḥ ca vavuḥ krūrāḥ
und grausame Winde wehten
cukṣubhe varuṇālayaḥ
Varuṇas Wohnstatt geriet in Aufruhr
agnayaḥ vai na dīpyante
die Feuer brannten fürwahr nicht mehr
na ca adīpyata bhāskaraḥ
und auch die Sonne leuchtete nicht mehr

grahā naiva prakāśante nakṣatrāṇi na tārakāḥ / ṛṣayo na prabhāsante na devā na ca dānavāḥ //

Die Planeten leuchteten nicht mehr, nicht die Mondhäuser, nicht die Sterne; weder die Ṛṣis erstrahlten mehr, noch die Götter, noch die Dānavas.

Wort für Wort
grahāḥ na eva prakāśante
die Planeten leuchteten nicht mehr
nakṣatrāṇi na tārakāḥ
nicht die Mondhäuser, nicht die Sterne
ṛṣayaḥ na prabhāsante
die Ṛṣis erstrahlten nicht
na devāḥ na ca dānavāḥ
nicht die Götter und nicht die Dānavas

evaṃ hi timirībhūte nirdahanti gaṇeśvarāḥ / prabhañjanty apare yūpān ghorān utpāṭayanti ca //

Während so alles in Finsternis versank, verbrannten die Gaṇa-Herren alles; andere zerbrachen die Opferpfähle und rissen sie schrecklich aus.

Wort für Wort
evam hi timirībhūte
während so alles in Finsternis versank
nirdahanti gaṇeśvarāḥ
verbrennen die Gaṇa-Herren
prabhañjanti apare yūpān
andere zerbrechen die Opferpfähle
ghorān utpāṭayanti ca
und reißen sie schrecklich aus

praṇadanti tathā cānye vikurvanti tathā pare / tvaritaṃ vai pradhāvanti vāyuvegā manojavāḥ //

Wieder andere brüllen, wieder andere verwandeln sich; eilends rennen sie, windschnell, gedankenflink.

Wort für Wort
praṇadanti tathā ca anye
und wieder andere brüllen
vikurvanti tathā pare
wieder andere verwandeln sich
tvaritam vai pradhāvanti
eilends rennen sie fürwahr
vāyuvegā manojavāḥ
windschnell, gedankenflink

cūrṇyante yajñapātrāṇi yajñasyāyatanāni ca / śīryamāṇāny adṛśyanta tārā iva nabhastalāt //

Die Opfergefäße werden zermalmt und die Opferstätten zerstört; zerbröckelnd erschienen sie wie vom Himmel fallende Sterne.

Wort für Wort
cūrṇyante yajñapātrāṇi
die Opfergefäße werden zermalmt
yajñasya āyatanāni ca
und die Opferstätten
śīryamāṇāni adṛśyanta
zerbröckelnd erschienen sie
tārāḥ iva nabhastalāt
wie Sterne vom Himmelsgewölbe fallend

divyānnapānabhakṣyāṇāṃ rāśayaḥ parvatopamāḥ / kṣīranadyas tathā cānyā ghṛtapāyasakardamāḥ //

Berggleiche Haufen von göttlicher Speise, Trank und Nahrung wurden verstreut; ebenso andere Milchflüsse, schlammig von Ghee und Milchreis,

Wort für Wort
divyānnapānabhakṣyāṇām rāśayaḥ
Haufen von göttlicher Speise, Trank und Nahrung
parvatopamāḥ
berggleich
kṣīranadyaḥ tathā ca anyāḥ
ebenso andere Milchflüsse
ghṛtapāyasakardamāḥ
schlammig von Ghee und Milchreis

madhumaṇḍodakā divyāḥ khaṇḍaśarkaravālukāḥ / ṣaḍrasān nivahanty anyā guḍakulyā manoramāḥ //

göttliche Flüsse mit Honig-Schaum-Wasser, mit Zucker(-stückchen) als Sand, andere reizende Melasse-Kanäle, die die sechs Geschmacksrichtungen mit sich führten,

Wort für Wort
madhumaṇḍodakāḥ divyāḥ
göttliche mit Honig-Schaum-Wasser
khaṇḍaśarkaravālukāḥ
mit Zucker(-stückchen) als Sand
ṣaḍrasān nivahanti anyāḥ
andere führten die sechs Geschmacksrichtungen mit sich
guḍakulyā manoramāḥ
reizende Melasse-Kanäle

uccāvacāni māṃsāni bhakṣyāṇi vividhāni ca / yāni kāni ca divyāni lehyacoṣyāṇi yāni ca //

hochwertige und geringe Fleischspeisen und mancherlei Nahrung, und was es an göttlichen Leck- und Schlürfspeisen auch gab -

Wort für Wort
uccāvacāni māṃsāni
hochwertige und geringe Fleischspeisen
bhakṣyāṇi vividhāni ca
und mancherlei Nahrung
yāni kāni ca divyāni
und was es an göttlichen Speisen gab
lehyacoṣyāṇi yāni ca
und was an Leck- und Schlürfspeisen

bhuñjanti vividhair vaktrair vilumpanti kṣipanti ca / rudrakopā mahākopāḥ kālāgnisadṛśopamāḥ //

das verzehrten sie mit ihren mancherlei Mäulern, rissen es an sich und warfen es umher - die aus Rudras Zorn entstandenen, von großem Zorn erfüllten, dem Weltuntergangsfeuer gleichenden Gaṇas.

Wort für Wort
bhuñjanti vividhaiḥ vaktraiḥ
sie verzehren mit mancherlei Mäulern
vilumpanti kṣipanti ca
reißen an sich und werfen umher
rudrakopāḥ mahākopāḥ
die aus Rudras Zorn entstandenen, von großem Zorn erfüllten
kālāgnisadṛśopamāḥ
dem Weltuntergangsfeuer gleichend

bhakṣayanto 'tha śailābhā bhīṣayantaś ca sarvataḥ / krīḍanti vividhākārāś cikṣipuḥ surayoṣitaḥ //

verzehrend und, bergegleich, überallhin Schrecken verbreitend, spielten sie in mannigfaltiger Gestalt und warfen die Götterfrauen umher.

Wort für Wort
bhakṣayantaḥ atha śailābhāḥ
verzehrend, und bergegleich
bhīṣayantaḥ ca sarvataḥ
und überallhin Schrecken verbreitend
krīḍanti vividhākārāḥ
sie spielen in mannigfaltiger Gestalt
cikṣipuḥ surayoṣitaḥ
sie warfen die Götterfrauen umher

evaṃ gaṇāś ca tair yukto vīrabhadraḥ pratāpavān / rudrakopaprayuktaś ca sarvadevaiḥ surakṣitam //

So wirkte, begleitet von jenen Gaṇas, der glutvolle Vīrabhadra, von Rudras Zorn entsandt, gegen das von allen Göttern wohlbewachte Opfer,

Wort für Wort
evam gaṇāḥ ca taiḥ yuktaḥ
so, begleitet von jenen Gaṇas
vīrabhadraḥ pratāpavān
der glutvolle Vīrabhadra
rudrakopaprayuktaḥ ca
und von Rudras Zorn entsandt
sarvadevaiḥ surakṣitam
gegen das von allen Göttern wohlbewachte Opfer

taṃ yajñam adahac chīghraṃ bhadrakālyāḥ samīpataḥ / cakrur anye tathā nādān sarvabhūtabhayaṃkarān //

verbrannte er rasch jenes Opfer, in der Nähe der Bhadrakālī; andere machten furchterregende Laute, die alle Wesen erschreckten.

Wort für Wort
tam yajñam adahat śīghram
er verbrannte jenes Opfer rasch
bhadrakālyāḥ samīpataḥ
in der Nähe der Bhadrakālī
cakruḥ anye tathā nādān
andere machten Laute
sarvabhūtabhayaṃkarān
die alle Wesen erschreckten

chittvā śiro 'nye yajñasya vyanadanta bhayaṃkaram / tataḥ śakrādayo devā dakṣaś caiva prajāpatiḥ / ūcuḥ prāñjalayo bhūtvā kathyatāṃ ko bhavān iti //

Andere hieben das Haupt des Opfers ab und stießen einen furchterregenden Schrei aus; darauf sprachen die Götter mit Śakra an der Spitze und der Herr der Geschöpfe Dakṣa, mit gefalteten Händen: 'Es sei gesagt, wer du bist.'

Wort für Wort
chittvā śiraḥ anye yajñasya
andere, das Haupt des Opfers abgehauen habend
vyanadanta bhayaṃkaram
stießen einen furchterregenden Schrei aus
tataḥ śakrādayaḥ devāḥ
darauf die Götter mit Śakra an der Spitze
dakṣaḥ ca eva prajāpatiḥ
und der Herr der Geschöpfe Dakṣa
ūcuḥ prāñjalayaḥ bhūtvā
sprachen, mit gefalteten Händen geworden
kathyatām kaḥ bhavān iti
'es sei gesagt, wer du bist'

[Anm.: Dreizeiliger Vers (6 Pādas) unter einer Versnummer.]

{vīrabhadra uvāca:} nāhaṃ devo na daityo vā na ca bhoktum ihāgataḥ / naiva draṣṭuṃ ca devendrā na ca kautūhalānvitāḥ //

{Vīrabhadra sprach:} Ich bin weder ein Gott noch ein Daitya, noch bin ich hierher gekommen, um zu genießen; auch nicht, um zu schauen, oh Götterfürsten, und auch nicht aus Neugier bin ich hergekommen.

Wort für Wort
na aham devaḥ na daityaḥ vā
ich bin weder ein Gott noch ein Daitya
na ca bhoktum iha āgataḥ
noch bin ich hierher gekommen, um zu genießen
na eva draṣṭum ca devendrāḥ
auch nicht, um zu schauen, oh Götterfürsten
na ca kautūhalānvitāḥ
und auch nicht von Neugier begleitet

dakṣayajñavināśārthaṃ saṃprāpto 'haṃ surottamāḥ / vīrabhadreti vikhyāto rudrakopād viniḥsṛtaḥ //

Um Dakṣas Opfer zu vernichten, bin ich hierher gekommen, oh beste der Götter; berühmt unter dem Namen Vīrabhadra, entsprungen aus Rudras Zorn.

Wort für Wort
dakṣayajñavināśārtham
um Dakṣas Opfer zu vernichten
saṃprāptaḥ aham surottamāḥ
bin ich hierher gekommen, oh beste der Götter
vīrabhadra iti vikhyātaḥ
berühmt unter dem Namen Vīrabhadra
rudrakopāt viniḥsṛtaḥ
aus Rudras Zorn entsprungen

bhadrakālī ca vikhyātā devyāḥ krodhād vinirgatā / preṣitā devadevena yajñāntikam upāgatā //

Und die berühmte Bhadrakālī, aus dem Zorn der Göttin hervorgegangen, vom Gott der Götter entsandt, ist zum Opfer(-platz) herangekommen.

Wort für Wort
bhadrakālī ca vikhyātā
und die berühmte Bhadrakālī
devyāḥ krodhāt vinirgatā
aus dem Zorn der Göttin hervorgegangen
preṣitā devadevena
vom Gott der Götter entsandt
yajñāntikam upāgatā
ist zum Opfer(-platz) herangekommen

śaraṇaṃ gaccha rājendra devadevam umāpatim / varaṃ krodho 'pi devasya na varaḥ paricārakaiḥ //

Nimm Zuflucht, oh Fürst der Könige, zum Gott der Götter, dem Gatten Umās; besser ist selbst der Zorn des Gottes zu erdulden als Streit mit seinen Dienern.

Wort für Wort
śaraṇam gaccha rājendra
nimm Zuflucht, oh Fürst der Könige
devadevam umāpatim
zum Gott der Götter, dem Gatten Umās
varam krodhaḥ api devasya
besser ist selbst der Zorn des Gottes
na varaḥ paricārakaiḥ
nicht besser ist es, sich mit seinen Dienern auseinanderzusetzen

[Anm.: 'na varaḥ paricārakaiḥ' meint wohl, dass ein Streit mit Śivas Dienern (den Gaṇas) keine gute Alternative zur direkten Zuflucht bei Śiva selbst ist.]

{brahmovāca:} nikhātotpāṭitair yūpair apaviddhais tatas tataḥ / utpatadbhiḥ patadbhiś ca gṛdhrair āmiṣagṛdhnubhiḥ //

{Brahmā sprach:} Mit ausgerissenen, eingegrabenen, hierhin und dorthin weggeworfenen Opferpfählen, mit auf- und niederfliegenden, nach Fleisch gierenden Geiern,

Wort für Wort
nikhātotpāṭitaiḥ yūpaiḥ
mit ausgerissenen, eingegrabenen Opferpfählen
apaviddhaiḥ tataḥ tataḥ
hierhin und dorthin weggeworfen
utpatadbhiḥ patadbhiḥ ca gṛdhraiḥ
mit auf- und niederfliegenden Geiern
āmiṣagṛdhnubhiḥ
nach Fleisch gierend

pakṣavātavinirdhūtaiḥ śivārutavināditaiḥ / sa tasya yajño nṛpater bādhyamānas tadā gaṇaiḥ //

vom Flügelwind aufgewirbelt, vom Geheul der Schakale durchtönt - so wurde jenes Opfer des Fürsten, damals von den Gaṇas bedrängt,

Wort für Wort
pakṣavātavinirdhūtaiḥ
vom Flügelwind aufgewirbelt
śivārutavināditaiḥ
vom Geheul der Schakale durchtönt
saḥ tasya yajñaḥ nṛpateḥ
jenes Opfer jenes Fürsten
bādhyamānaḥ tadā gaṇaiḥ
damals von den Gaṇas bedrängt

āsthāya mṛgarūpaṃ vai kham evābhyapatat tadā / taṃ tu yajñaṃ tathārūpaṃ gacchantam upalabhya saḥ //

nahm die Gestalt eines Wildtiers an und flog eben da in den Himmelsraum; als er (Vīrabhadra) jenes Opfer, das in solcher Gestalt entflog, wahrnahm,

Wort für Wort
āsthāya mṛgarūpam vai
eine Wildtier-Gestalt angenommen habend
kham eva abhyapatat tadā
flog es eben da in den Himmelsraum
tam tu yajñam tathārūpam
jenes Opfer aber in solcher Gestalt
gacchantam upalabhya saḥ
er, wahrgenommen habend, wie es entfloh

[Anm.: Anspielung auf das bekannte Motiv, dass das personifizierte Opfer (Yajña) in Gestalt eines Rehs/einer Antilope zu fliehen versucht - vergleichbar dem Ursprungsmythos des Sternbilds Mṛgaśiras/der Orion-Jagd in anderen Purāṇen.]

dhanur ādāya bāṇaṃ ca tadartham agamat prabhuḥ / tatas tasya gaṇeśasya krodhād amitatejasaḥ //

ergriff der Herr Bogen und Pfeil und ging deswegen ihm nach; darauf entstand aus dem Zorn jenes an unermesslicher Glut reichen Gaṇa-Herrn,

Wort für Wort
dhanuḥ ādāya bāṇam ca
Bogen und Pfeil ergriffen habend
tadartham agamat prabhuḥ
ging der Herr deswegen hin
tataḥ tasya gaṇeśasya
darauf jenes Gaṇa-Herrn
krodhāt amitatejasaḥ
aus dem Zorn des an unermesslicher Glut reichen

lalāṭāt prasṛto ghoraḥ svedabindur babhūva ha / tasmin patitamātre ca svedabindau tadā bhuvi //

ein schrecklicher, von der Stirn geflossener Schweißtropfen; und sobald jener Schweißtropfen zur Erde gefallen war,

Wort für Wort
lalāṭāt prasṛtaḥ ghoraḥ
von der Stirn geflossen, schrecklich
svedabinduḥ babhūva ha
entstand ein Schweißtropfen
tasmin patitamātre ca
und sobald jener gefallen war
svedabindau tadā bhuvi
jener Schweißtropfen da auf die Erde

prādurbhūto mahān agnir jvalatkālānalopamaḥ / tatrodapadyata tadā puruṣo dvijasattamāḥ //

erschien ein gewaltiges Feuer, dem lodernden Weltuntergangsfeuer gleich; und dort entstand da ein Mann, oh beste der Brahmanen,

Wort für Wort
prādurbhūtaḥ mahān agniḥ
es erschien ein gewaltiges Feuer
jvalatkālānalopamaḥ
dem lodernden Weltuntergangsfeuer gleich
tatra udapadyata tadā puruṣaḥ
dort entstand da ein Mann
dvijasattamāḥ
oh beste der Brahmanen

hrasvo 'timātro raktākṣo haricchmaśrur vibhīṣaṇaḥ / ūrdhvakeśo 'tiromāṅgaḥ śoṇakarṇas tathaiva ca //

übermäßig klein, rotäugig, mit gelblichem Bart, furchterregend, mit hochstehendem Haar, überaus behaarten Gliedern und ebenso roten Ohren,

Wort für Wort
hrasvaḥ atimātraḥ
übermäßig klein
raktākṣaḥ
rotäugig
haricchmaśruḥ
mit gelblichem Bart
vibhīṣaṇaḥ
furchterregend
ūrdhvakeśaḥ
mit hochstehendem Haar
atiromāṅgaḥ
mit überaus behaarten Gliedern
śoṇakarṇaḥ tathā eva ca
und ebenso mit roten Ohren

karālakṛṣṇavarṇaś ca raktavāsās tathaiva ca / taṃ yajñaṃ sa mahāsattvo 'dahat kakṣam ivānalaḥ //

von schrecklicher, schwarzer Farbe und ebenso rot gekleidet; jenes Opfer verbrannte jenes große Wesen wie ein Feuer trockenes Gestrüpp.

Wort für Wort
karālakṛṣṇavarṇaḥ ca
von schrecklicher, schwarzer Farbe
raktavāsāḥ tathā eva ca
und ebenso rot gekleidet
tam yajñam saḥ mahāsattvaḥ
jenes Opfer jenes große Wesen
adahat kakṣam iva analaḥ
verbrannte wie ein Feuer trockenes Gestrüpp

devāś ca pradrutāḥ sarve gatā bhītā diśo daśa / tena tasmin vicaratā vikrameṇa tadā tu vai //

Und alle Götter flohen, geängstigt gingen sie in die zehn Himmelsrichtungen; durch dessen Umhergehen und dessen Kraft damals,

Wort für Wort
devāḥ ca pradrutāḥ sarve
und alle Götter flohen
gatā bhītāḥ diśaḥ daśa
geängstigt gingen sie in die zehn Richtungen
tena tasmin vicaratā vikrameṇa
durch dessen Umhergehen und Kraft
tadā tu vai
damals fürwahr

pṛthivī vyacalat sarvā saptadvīpā samantataḥ / mahābhūte pravṛtte tu devalokabhayaṃkare //

erzitterte die ganze Erde mit ihren sieben Kontinenten überall; als dieses große, die Götterwelt erschreckende Ereignis sich vollzog,

Wort für Wort
pṛthivī vyacalat sarvā
die ganze Erde erzitterte
saptadvīpā samantataḥ
mit ihren sieben Kontinenten überall
mahābhūte pravṛtte tu
als sich dieses große Ereignis vollzog
devalokabhayaṃkare
das die Götterwelt erschreckte

tadā cāhaṃ mahādevam abravaṃ pratipūjayan / bhavate 'pi surāḥ sarve bhāgaṃ dāsyanti vai prabho //

da sprach ich (Brahmā) zu Mahādeva, ihn verehrend: 'Auch dir, oh Herr, werden alle Götter fürwahr einen Anteil geben.'

Wort für Wort
tadā ca aham mahādevam abravam
da sprach ich zu Mahādeva
pratipūjayan
ihn verehrend
bhavate api surāḥ sarve
auch dir werden alle Götter
bhāgam dāsyanti vai prabho
fürwahr einen Anteil geben, o Herr

kriyatāṃ pratisaṃhāraḥ sarvadeveśvara tvayā / imāś ca devatāḥ sarvā ṛṣayaś ca sahasraśaḥ //

Möge von dir, oh Herr aller Götter, ein Zurückziehen (des Zorns) bewirkt werden; und all diese Gottheiten und die Ṛṣis zu Tausenden -

Wort für Wort
kriyatām pratisaṃhāraḥ
möge ein Zurückziehen bewirkt werden
sarvadeveśvara tvayā
von dir, oh Herr aller Götter
imāḥ ca devatāḥ sarvāḥ
und all diese Gottheiten
ṛṣayaḥ ca sahasraśaḥ
und die Ṛṣis zu Tausenden

tava krodhān mahādeva na śāntim upalebhire / yaś caiṣa puruṣo jātaḥ svedajas te surarṣabha //

sie haben, oh Mahādeva, aus deinem Zorn keinen Frieden gefunden; und dieser Mann, der aus deinem Schweiß entstanden ist, oh Stier unter den Göttern,

Wort für Wort
tava krodhāt mahādeva
aus deinem Zorn, oh Mahādeva
na śāntim upalebhire
haben sie keinen Frieden gefunden
yaḥ ca eṣaḥ puruṣaḥ jātaḥ svedajaḥ
und dieser Mann, der aus Schweiß entstanden ist
te surarṣabha
dein, oh Stier unter den Göttern

jvaro nāmaiṣa dharmajña lokeṣu pracariṣyati / ekībhūtasya na hy asya dhāraṇe tejasaḥ prabho //

dieser wird, oh Kenner des Rechts, unter dem Namen 'Jvara' (Fieber) in den Welten umhergehen - denn dessen zu einer Einheit gewordene Glut lässt sich nicht bewahren, oh Herr.

Wort für Wort
jvaraḥ nāma eṣaḥ dharmajña
dieser wird unter dem Namen Jvara, oh Kenner des Rechts
lokeṣu pracariṣyati
in den Welten umhergehen
ekībhūtasya na hi asya dhāraṇe
denn dessen, zu einer Einheit gewordenen, Bewahren ist nicht möglich
tejasaḥ prabho
dessen Glut, oh Herr

samarthā sakalā pṛthvī bahudhā sṛjyatām ayam / ity uktaḥ sa mayā devo bhāge cāpi prakalpite //

die ganze Erde ist fähig, ihn zu tragen - möge er vielfach hervorgebracht werden. So von mir angesprochen, stimmte jener Gott zu, und auch ein Anteil wurde ihm zugeteilt,

Wort für Wort
samarthā sakalā pṛthvī
die ganze Erde ist fähig
bahudhā sṛjyatām ayam
möge er vielfach hervorgebracht werden
iti uktaḥ sa mayā devaḥ
so von mir angesprochen, jener Gott
bhāge ca api prakalpite
und auch ein Anteil wurde zugeteilt

bhagavān māṃ tathety āha devadevaḥ pinākadhṛk / parāṃ ca prītim agamat sa svayaṃ ca pinākadhṛk //

der erhabene Gott der Götter, der Träger des Pināka(-Bogens), sprach zu mir 'So sei es', und er selbst, der Pināka-Träger, gelangte zu höchster Freude.

Wort für Wort
bhagavān mām tathā iti āha
der Erhabene sprach zu mir 'so sei es'
devadevaḥ pinākadhṛk
der Gott der Götter, der Pināka-Träger
parām ca prītim agamat
und er gelangte zu höchster Freude
sa svayam ca pinākadhṛk
er selbst, der Pināka-Träger

dakṣo 'pi manasā devaṃ bhavaṃ śaraṇam anvagāt / prāṇāpānau samārudhya cakṣuḥsthāne prayatnataḥ //

Auch Dakṣa nahm mit seinem Geist Zuflucht zum Gott Bhava; er richtete Prāṇa und Apāna mit Anstrengung auf die Stelle der Augen,

Wort für Wort
dakṣaḥ api manasā
auch Dakṣa mit dem Geist
devam bhavam śaraṇam anvagāt
nahm Zuflucht zum Gott Bhava
prāṇāpānau samārudhya
Prāṇa und Apāna hinaufgeführt habend
cakṣuḥsthāne prayatnataḥ
zur Stelle der Augen, mit Anstrengung

vidhārya sarvato dṛṣṭiṃ bahudṛṣṭir amitrajit / smitaṃ kṛtvābravīd vākyaṃ brūhi kiṃ karavāṇi te //

der Vielsichtige, der Feindbezwinger (Śiva), hielt seinen Blick nach allen Seiten gerichtet; lächelnd sprach er das Wort: 'Sage, was soll ich für dich tun?'

Wort für Wort
vidhārya sarvataḥ dṛṣṭim
den Blick nach allen Seiten gerichtet habend
bahudṛṣṭiḥ amitrajit
der Vielsichtige, der Feindbezwinger
smitam kṛtvā abravīt vākyam
lächelnd sprach er das Wort
brūhi kim karavāṇi te
sage, was soll ich für dich tun

[Anm.: Der Bezug von 'bahudṛṣṭir amitrajit' auf Śiva statt auf Dakṣa ergibt sich aus dem Kontext von V.92, wo Dakṣa als von Furcht ergriffen beschrieben wird, während hier der ruhig lächelnde Śiva handelt.]

śrāvite ca mahākhyāne devānāṃ pitṛbhiḥ saha / tam uvācāñjaliṃ kṛtvā dakṣo devaṃ prajāpatiḥ / bhītaḥ śaṅkitacittas tu sabāṣpavadanekṣaṇaḥ //

Und als die große Erzählung den Göttern samt den Ahnen vorgetragen worden war, sprach der Herr der Geschöpfe Dakṣa, mit gefalteten Händen, geängstigt und zweifelnden Sinnes, mit tränenüberströmtem Gesicht und Augen, zu jenem Gott:

Wort für Wort
śrāvite ca mahākhyāne
und als die große Erzählung vorgetragen worden war
devānām pitṛbhiḥ saha
den Göttern samt den Ahnen
tam uvāca añjalim kṛtvā
sprach zu jenem, mit gefalteten Händen
dakṣaḥ devam prajāpatiḥ
Dakṣa, der Herr der Geschöpfe, zu dem Gott
bhītaḥ śaṅkitacittaḥ tu
geängstigt und zweifelnden Sinnes aber
sabāṣpavadanekṣaṇaḥ
mit tränenüberströmtem Gesicht und Augen

[Anm.: Dreizeiliger Vers (6 Pādas) unter einer Versnummer.] [?: Der erste Halbvers ('śrāvite ca mahākhyāne...') wirkt wie eine Rahmen-Bemerkung des Erzählers Brahmā, die syntaktisch nicht ganz reibungslos mit dem Folgenden verbunden ist.]

{dakṣa uvāca:} yadi prasanno bhagavān yadi vāhaṃ tava priyaḥ / yadi cāham anugrāhyo yadi deyo varo mama //

{Dakṣa sprach:} Wenn der Erhabene gnädig gestimmt ist, wenn ich dir lieb bin, wenn ich der Gnade würdig bin, wenn mir eine Gabe zu gewähren ist,

Wort für Wort
yadi prasannaḥ bhagavān
wenn der Erhabene gnädig gestimmt ist
yadi vā aham tava priyaḥ
oder wenn ich dir lieb bin
yadi ca aham anugrāhyaḥ
und wenn ich der Gnade würdig bin
yadi deyaḥ varaḥ mama
wenn mir eine Gabe zu gewähren ist

yad bhakṣyaṃ bhakṣitaṃ pītaṃ trāsitaṃ yac ca nāśitam / cūrṇīkṛtāpaviddhaṃ ca yajñasaṃbhāram īdṛśam //

dann möge, was an Speise verzehrt, getrunken, was verschreckt und was vernichtet wurde, und dieses derartige, zermalmte und weggeworfene Opfer-Material -

Wort für Wort
yat bhakṣyam bhakṣitam pītam
was an Speise verzehrt, getrunken wurde
trāsitam yat ca nāśitam
was verschreckt und was vernichtet wurde
cūrṇīkṛtāpaviddham ca
und zermalmt und weggeworfen
yajñasaṃbhāram īdṛśam
dieses derartige Opfer-Material

dīrghakālena mahatā prayatnena ca saṃcitam / na ca mithyā bhaven mahyaṃ tvatprasādān maheśvara //

das über lange Zeit und mit großer Mühe angesammelt worden war - möge es mir durch deine Gnade, oh Maheśvara, nicht vergeblich gewesen sein.

Wort für Wort
dīrghakālena mahatā prayatnena ca saṃcitam
über lange Zeit und mit großer Mühe angesammelt
na ca mithyā bhavet mahyam
möge es mir nicht vergeblich sein
tvatprasādāt maheśvara
durch deine Gnade, oh Maheśvara

{brahmovāca:} tathāstv ity āha bhagavān bhaganetraharo haraḥ / dharmādhyakṣaṃ mahādevaṃ tryambakaṃ ca prajāpatiḥ //

{Brahmā sprach:} 'So sei es', sprach der erhabene Hara, der Bhagas Auge geraubt hatte; und der Herr der Geschöpfe (pries) den über das Recht wachenden Mahādeva, den Dreiäugigen,

Wort für Wort
tathā astu iti āha bhagavān
'so sei es', sprach der Erhabene
bhaganetraharaḥ haraḥ
Hara, der Bhagas Auge geraubt hatte
dharmādhyakṣam mahādevam
den über das Recht wachenden Mahādeva
tryambakam ca prajāpatiḥ
und den Dreiäugigen, der Herr der Geschöpfe

jānubhyām avanīṃ gatvā dakṣo labdhvā bhavād varam / nāmnāṃ cāṣṭasahasreṇa stutavān vṛṣabhadhvajam //

Mit den Knien zur Erde niedergegangen, pries Dakṣa, nachdem er von Bhava die Gabe erhalten hatte, den Träger des Stier-Banners mit tausendundacht Namen.

Wort für Wort
jānubhyām avanīm gatvā
mit den Knien zur Erde niedergegangen
dakṣaḥ labdhvā bhavāt varam
Dakṣa, von Bhava die Gabe erhalten habend
nāmnām ca aṣṭasahasreṇa
und mit tausendundacht Namen
stutavān vṛṣabhadhvajam
pries er den Träger des Stier-Banners

[Anm.: Kapitelschluss.]

Interaktive Leseansicht des ganzen Werks