Kapitel 39: dakṣayajñavīrabhadravināśavarṇanam
Die Zerstörung von Dakṣas Aśvamedha durch Vīrabhadra
Auf Frage der Ṛṣis erzählt Brahmā eine ZWEITE, von Kap.34 unabhängige Fassung des Dakṣa-Yajña-Motivs (V.1, [Anm.]): Śiva residiert mit Umā auf dem Meru-Gipfel Jyotiḥsthala, verehrt von allen Göttern und Wesen (V.4-18). Als Dakṣa ein Aśvamedha vollzieht, zu dem alle Götter außer Śiva eingeladen sind, rügt der Weise Dadhīci Dakṣas Missachtung des Paśupati; Dakṣa erklärt, nur seine eigenen elf Rudras zu kennen und Śaṅkara keinen Anteil zu geben (V.19-33). Umā bemerkt die abziehenden Götter, erfährt von Śiva den Grund und drängt ihn zum Handeln; nach einem kurzen ironischen Wortwechsel erschafft Śiva aus seinem Mund den zornentsprungenen Vīrabhadra (V.34-49) sowie, gemeinsam mit Umās Zorn, Bhadrakālī; Vīrabhadra und seine aus Śivas Poren entstandenen Gaṇas verwüsten Dakṣas Opfer vollständig (V.50-69). Auf Vīrabhadras Selbstvorstellung (V.70-73) folgt Brahmās Vermittlung: das personifiziert fliehende Opfer wird von einem aus Vīrabhadras Zorn entstandenen Fieber-Dämon (Jvara) verfolgt, dessen übermäßige Glut Brahmā auf Bitten hin über die ganze Erde verteilt (V.74-89). Dakṣa nimmt in Meditation Zuflucht zu Śiva, der ihm lächelnd eine Gabe anbietet; Dakṣa erbittet die Wiederherstellung des zerstörten Opfermaterials und preist Śiva abschließend mit tausendundacht Namen (V.90-97).
{Die Ṛṣis sprachen:} Wie geschah es, o Brahman, dass im Vaivasvata-Manvantara das Aśvamedha-Opfer des Herrn der Geschöpfe, Dakṣa, des Sohnes des Pracetas, seinen Untergang fand?
Wort für Wort
prācetasasya dakṣasya
des Sohnes des Pracetas, Dakṣas
katham
wie
vaivasvate antare
im Vaivasvata-Manvantara
vināśam agamat
fand seinen Untergang
brahman
o Brahman
hayamedhaḥ
das Pferdeopfer
prajāpateḥ
des Herrn der Geschöpfe
[Anm.: Diese Erzählung von der Zerstörung von Dakṣas Opfer durch Vīrabhadra/Bhadrakālī ist eine ZWEITE, eigenständige Fassung des Dakṣa-Yajña-Motivs, die sich deutlich von der in Kap.34 berichteten Satī-Selbstverbrennungs-Version unterscheidet (dort führte Dakṣas Kränkung Satīs zum Opfer-Untergang; hier geschieht dies später, nach Śivas Vermählung mit Umā, wegen Dakṣas Weigerung, Śiva an seinem Aśvamedha teilhaben zu lassen). Solche parallelen, nicht harmonisierten Fassungen desselben Mythos sind für die Purāṇa-Literatur charakteristisch.]
devyā manyukṛtaṃ buddhvā kruddhaḥ sarvātmakaḥ prabhuḥ /
kathaṃ vināśito yajño dakṣasyāmitatejasaḥ /
mahādevena roṣād vai tan naḥ prabrūhi vistarāt //
Nachdem der alldurchdringende Herr (Śiva) vom Zorn der Göttin erfahren hatte, ward er zornig - wie wurde das Opfer des an Glut unermesslichen Dakṣa von Mahādeva aus Groll zerstört? Das erzähle uns ausführlich.
Wort für Wort
devyāḥ manyukṛtam
das vom Zorn der Göttin Bewirkte
buddhvā
erfahren habend
kruddhaḥ sarvātmakaḥ prabhuḥ
der zornige, allesdurchdringende Herr
katham vināśitaḥ yajñaḥ
wie wurde das Opfer zerstört
dakṣasya amitatejasaḥ
des an Glut unermesslichen Dakṣa
mahādevena roṣāt vai
von Mahādeva aus Groll fürwahr
tat naḥ prabrūhi vistarāt
das erzähle uns ausführlich
[Anm.: Dreizeiliger Vers (6 Pādas) unter einer Versnummer.]
Einst, oh beste der Brahmanen, gab es einen von den drei Welten verehrten Gipfel des Meru, mit Namen Jyotiḥsthala, wunderbar, mit allerlei Juwelen geschmückt,
sie gingen mit Zustimmung des Gottes [?] - so lautet die Überlieferung - nach Gaṅgādvāra, das von Gandharvas und Apsaras erfüllt und von mancherlei Bäumen und Schlingpflanzen bedeckt ist,
Wort für Wort
devasya anumate
mit Zustimmung des Gottes
agacchan gaṅgādvāram
sie gingen nach Gaṅgādvāra
iti śrutiḥ
so lautet die Überlieferung
gandharvāpsarasākīrṇam
von Gandharvas und Apsaras erfüllt
nānādrumalatāvṛtam
von mancherlei Bäumen und Schlingpflanzen bedeckt
[?: Unklar, wessen 'devasya' (des Gottes) Zustimmung hier gemeint ist - evtl. eine formelhafte Wendung für göttliche Fügung, nicht notwendig auf Śiva bezogen.]
aus dem Mutterleib, aus dem Ei, aus Schweiß und aus Keimen Geborene ebenso - alle diese Opferteilnehmer kamen, die Götter samt ihren Frauen und den Ṛṣis,
{Dadhīci sprach:} Sowohl darin, Unwürdige zu ehren, als auch darin, die Würdigen nicht zu ehren, erlangt ein Mensch große Sünde - daran besteht fürwahr kein Zweifel.
{dadhīcir uvāca:} pūjyaṃ ca paśubhartāraṃ kasmān nārcayase prabhum //
{Dadhīci sprach:} Weshalb ehrst du nicht den verehrungswürdigen Herrn der Geschöpfe, den Mächtigen?
Wort für Wort
pūjyam ca paśubhartāram
und den verehrungswürdigen Herrn der Geschöpfe
kasmāt na arcayase prabhum
weshalb ehrst du nicht den Mächtigen
[Anm.: Wie V.29 besteht auch dieser Vers im Quelltext nur aus einem einzigen Pāda, hier jedoch ohne das Editionszeichen „*" - beide Verse bilden wohl zusammen eine Rahmung-plus-Zitat-Einheit, deren Aufspaltung in zwei Versnummern der Quelle eigentümlich ist.]
{Dakṣa sprach:} Ich habe viele Rudras, mit Speer in der Hand, mit verfilztem Haarschopf, die die elf Stätten innehaben; einen anderen Maheśvara kenne ich nicht.
{Dadhīci sprach:} Dieser (Śiva) ist der eine Herrscher über sie alle, mein Herr, und er ist nicht eingeladen worden; so gewiss wie ich über Śaṃkara hinaus keine andere Gottheit erblicke, so gewiss wird dieses große Opfer Dakṣas nicht gelingen.
Wort für Wort
sarveṣām ekamantraḥ ayam
dieser ist der eine Herrscher über sie alle
mama īśaḥ
mein Herr
na nimantritaḥ
er ist nicht eingeladen worden
yathā aham śaṃkarāt ūrdhvam
so wie ich über Śaṃkara hinaus
na anyam paśyāmi daivatam
keine andere Gottheit erblicke
tathā dakṣasya vipulaḥ yajñaḥ ayam na bhaviṣyati
so wird dieses große Opfer Dakṣas nicht gelingen
[Anm.: Dreizeiliger Vers (6 Pādas) unter einer Versnummer.]
{dakṣa uvāca:} viṣṇoś ca bhāgā vividhāḥ pradattās /
tathā ca rudrebhya uta pradattāḥ /
anye 'pi devā nijabhāgayuktā /
dadāmi bhāgaṃ na tu śaṃkarāya //
{Dakṣa sprach:} Dem Viṣṇu wurden mancherlei Anteile gegeben, ebenso auch den Rudras wurden welche gegeben; auch die anderen Götter sind mit ihrem eigenen Anteil versehen - dem Śaṃkara aber gebe ich keinen Anteil.
Wort für Wort
viṣṇoḥ ca bhāgāḥ vividhāḥ pradattāḥ
dem Viṣṇu wurden mancherlei Anteile gegeben
tathā ca rudrebhyaḥ uta pradattāḥ
ebenso auch den Rudras wurden welche gegeben
anye api devāḥ nijabhāgayuktāḥ
auch die anderen Götter sind mit ihrem eigenen Anteil versehen
dadāmi bhāgam na tu śaṃkarāya
ich gebe keinen Anteil aber dem Śaṃkara
[Anm.: Vierzeiliger Vers mit gesonderter Pāda-Zählung (a-d); im Quelltext erscheint die Sprecherangabe 'dakṣa uvāca' versehentlich doppelt.]
{Brahmā sprach:} Als sie aber erfuhr, dass die Götter dorthin gegangen waren, sprach die Tochter des Bergkönigs (Umā) da zu Śarva, dem Gott, dem Herrn der Geschöpfe, ihrem Gatten, dieses Wort:
Wort für Wort
gatāḥ tu devatāḥ jñātvā
erfahren habend, dass die Götter gegangen waren
śailarājasutā tadā
die Tochter des Bergkönigs da
uvāca vacanam
sprach das Wort
śarvam devam paśupatim patim
zu Śarva, dem Gott, dem Herrn der Geschöpfe, dem Gatten
{Umā sprach:} O Erhabener, wohin gehen diese Götter, angeführt von Śakra? Sage es der Wahrheit gemäß, oh Kenner der Wahrheit - dieser mein Zweifel ist groß.
{Maheśvara sprach:} Oh Hochgesegnete, ein Herr der Geschöpfe namens Dakṣa, der Höchste, opfert mit einem Pferdeopfer; dorthin gehen die Himmelsbewohner.
{maheśvara uvāca:} surair eva mahābhāge sarvam etad anuṣṭhitam /
yajñeṣu mama sarveṣu na bhāga upakalpitaḥ //
{Maheśvara sprach:} Oh Hochgesegnete, dies alles ist allein von den Göttern so eingerichtet worden - bei all meinen Opfern ist mir kein Anteil zugeteilt.
{Umā sprach:} O Erhabener, unter allen Göttern bist du an Macht und Eigenschaften überlegen, unbesiegbar und unangreifbar an Glut, Ruhm und Herrlichkeit,
Welche Gabe, welches Gelübde oder welche Askese sollte ich üben, damit mein Gatte, der unvorstellbare Erhabene, heute seinen Anteil am mannigfaltigen Opfer, das Indra und die anderen Unsterblichen veranstalten, erhalte?
Wort für Wort
kim nāma dānam niyamam tapaḥ vā
welche Gabe, welches Gelübde oder welche Askese
kuryām aham
sollte ich üben
yena patiḥ mama adya
damit mein Gatte heute
labheta bhāgam bhagavān acintyaḥ
der unvorstellbare Erhabene den Anteil erhalte
yajñasya ca indrādyamaraiḥ vicitram
am mannigfaltigen Opfer der Indra-und-anderen-Unsterblichen
[Anm.: Vierzeiliger Vers mit gesonderter Pāda-Zählung (a-d).]
{Brahmā sprach:} Nachdem der Erhabene über die so sprechende, erregte Gattin nachgedacht hatte, sprach er erfreut zu ihr. {Maheśvara sprach:} Du kennst mich nicht, o Göttin mit dem schlanken Leib - was für eine angemessene Rede ist das, die du da sprichst?
Wort für Wort
evam bruvāṇām
die so sprechende
bhagavān vicintya
der Erhabene, nachgedacht habend
patnīm prahṛṣṭaḥ kṣubhitām uvāca
sprach erfreut zu der erregten Gattin
na vetsi mām devi
du kennst mich nicht, o Göttin
kṛśodarāṅgi
mit dem schlanken Leib
kim nāma yuktam vacanam tava idam
was für eine angemessene Rede ist dies, die deine
[Anm.: Vierzeiliger Vers mit gesonderter Pāda-Zählung (a-d), Sprecherwechsel innerhalb des Verses (Brahmā-Rahmung, dann Maheśvaras direkte Rede).]
Ich weiß es wohl, oh du mit den weiten Augen, und alle Rechtschaffenen erkennen es durch Meditation: heute ist durch (deren) Verblendung, samt Indra und den Göttern, die ganze Dreiwelt zugrunde gerichtet.
Wort für Wort
aham vijānāmi
ich weiß es
viśālanetre
oh du mit den weiten Augen
dhyānena sarve ca vidanti santaḥ
und alle Rechtschaffenen erkennen es durch Meditation
tava adya mohena
heute durch deren Verblendung [?]
saha indradevāḥ
samt Indra, den Göttern
lokatrayam sarvam atho vinaṣṭam
die ganze Dreiwelt ist zugrunde gerichtet
[Anm.: Vierzeiliger Vers mit gesonderter Pāda-Zählung (a-d).] [?: 'tavādya mohena' - Bezug syntaktisch unklar; hier auf die Verblendung der Götter/Dakṣas statt auf Umā selbst bezogen übersetzt.]
Mich als Herrn des Opfers preisen sie fortwährend, mir singen sie das Rathaṃtara-Sāman, mich verehren die Brahmanen mit Brahman-Sprüchen, und mir bereiten die Adhvaryu-Priester einen Anteil.
Wort für Wort
mām adhvareśam nitarām stuvanti
mich als Herrn des Opfers preisen sie fortwährend
rathaṃtaram sāma gāyanti mahyam
mir singen sie das Rathaṃtara-Sāman
mām brāhmaṇāḥ brahmamantraiḥ yajanti
mich verehren die Brahmanen mit Brahman-Sprüchen
mama adhvaryavaḥ kalpayante ca bhāgam
und mir bereiten die Adhvaryu-Priester einen Anteil
[Anm.: Vierzeiliger Vers mit gesonderter Pāda-Zählung (a-d); ironischer Ton - Śiva zählt hier auf, wie er tatsächlich im vedischen Opferkult geehrt wird, im Gegensatz zu Dakṣas expliziter Ausgrenzung.]
{Die Göttin sprach:} Wie ein gewöhnlicher Mensch prahlst du vor der ganzen Versammlung der Frauen; du preisest und rühmst fürwahr, ohne Zweifel, dich selbst.
{Der Erhabene sprach:} Nicht preise ich mich selbst, o Göttin-Herrin, wie du meinst; ich werde, oh du Schönhüftige, um des Anteils willen etwas hervorbringen, oh du von schöner Farbe.
{brahmovāca:} ity uktvā bhagavān patnīm umāṃ prāṇair api priyām /
so 'sṛjad bhagavān vaktrād bhūtaṃ krodhāgnisaṃbhavam //
{Brahmā sprach:} So zu seiner Gattin Umā, die ihm lieber war als das eigene Leben, gesprochen habend, erschuf jener Erhabene aus seinem Mund ein Wesen, entstanden aus dem Feuer des Zorns.
Zu ihm sprach er: 'Geh zum Opfer Dakṣas, du (bist) Maheśvara [?] - vernichte rasch mit meiner Erlaubnis das Opferwerk jenes Dakṣa.'
Wort für Wort
tam uvāca
zu ihm sprach er
makham gaccha dakṣasya
geh zum Opfer Dakṣas
tvam maheśvaraḥ
du bist Maheśvara [?]
nāśaya āśu kratum tasya dakṣasya
vernichte rasch das Opferwerk jenes Dakṣa
madanujñayā
mit meiner Erlaubnis
[?: 'tvaṃ maheśvaraḥ' ist auffällig - möglicherweise eine (unerwartete) Anrede des erschaffenen Wesens als 'Maheśvara', oder eine Textverderbnis; ursprünglich könnte hier ein Name des Wesens gestanden haben (vgl. später V.52 'Vīrabhadra').]
{brahmovāca:} tato rudraprayuktena siṃhaveṣeṇa līlayā /
devyā manyukṛtaṃ jñātvā hato dakṣasya sa kratuḥ //
{Brahmā sprach:} Darauf wurde, durch das von Rudra entsandte, spielend eine Löwengestalt annehmende Wesen, nachdem dieses als vom Zorn der Göttin bewirkt erkannt worden war, jenes Opferwerk Dakṣas vernichtet.
göttliche Flüsse mit Honig-Schaum-Wasser, mit Zucker(-stückchen) als Sand, andere reizende Melasse-Kanäle, die die sechs Geschmacksrichtungen mit sich führten,
Wort für Wort
madhumaṇḍodakāḥ divyāḥ
göttliche mit Honig-Schaum-Wasser
khaṇḍaśarkaravālukāḥ
mit Zucker(-stückchen) als Sand
ṣaḍrasān nivahanti anyāḥ
andere führten die sechs Geschmacksrichtungen mit sich
das verzehrten sie mit ihren mancherlei Mäulern, rissen es an sich und warfen es umher - die aus Rudras Zorn entstandenen, von großem Zorn erfüllten, dem Weltuntergangsfeuer gleichenden Gaṇas.
Wort für Wort
bhuñjanti vividhaiḥ vaktraiḥ
sie verzehren mit mancherlei Mäulern
vilumpanti kṣipanti ca
reißen an sich und werfen umher
rudrakopāḥ mahākopāḥ
die aus Rudras Zorn entstandenen, von großem Zorn erfüllten
Andere hieben das Haupt des Opfers ab und stießen einen furchterregenden Schrei aus; darauf sprachen die Götter mit Śakra an der Spitze und der Herr der Geschöpfe Dakṣa, mit gefalteten Händen: 'Es sei gesagt, wer du bist.'
Wort für Wort
chittvā śiraḥ anye yajñasya
andere, das Haupt des Opfers abgehauen habend
vyanadanta bhayaṃkaram
stießen einen furchterregenden Schrei aus
tataḥ śakrādayaḥ devāḥ
darauf die Götter mit Śakra an der Spitze
dakṣaḥ ca eva prajāpatiḥ
und der Herr der Geschöpfe Dakṣa
ūcuḥ prāñjalayaḥ bhūtvā
sprachen, mit gefalteten Händen geworden
kathyatām kaḥ bhavān iti
'es sei gesagt, wer du bist'
[Anm.: Dreizeiliger Vers (6 Pādas) unter einer Versnummer.]
{vīrabhadra uvāca:} nāhaṃ devo na daityo vā na ca bhoktum ihāgataḥ /
naiva draṣṭuṃ ca devendrā na ca kautūhalānvitāḥ //
{Vīrabhadra sprach:} Ich bin weder ein Gott noch ein Daitya, noch bin ich hierher gekommen, um zu genießen; auch nicht, um zu schauen, oh Götterfürsten, und auch nicht aus Neugier bin ich hergekommen.
Nimm Zuflucht, oh Fürst der Könige, zum Gott der Götter, dem Gatten Umās; besser ist selbst der Zorn des Gottes zu erdulden als Streit mit seinen Dienern.
Wort für Wort
śaraṇam gaccha rājendra
nimm Zuflucht, oh Fürst der Könige
devadevam umāpatim
zum Gott der Götter, dem Gatten Umās
varam krodhaḥ api devasya
besser ist selbst der Zorn des Gottes
na varaḥ paricārakaiḥ
nicht besser ist es, sich mit seinen Dienern auseinanderzusetzen
[Anm.: 'na varaḥ paricārakaiḥ' meint wohl, dass ein Streit mit Śivas Dienern (den Gaṇas) keine gute Alternative zur direkten Zuflucht bei Śiva selbst ist.]
{Brahmā sprach:} Mit ausgerissenen, eingegrabenen, hierhin und dorthin weggeworfenen Opferpfählen, mit auf- und niederfliegenden, nach Fleisch gierenden Geiern,
āsthāya mṛgarūpaṃ vai kham evābhyapatat tadā /
taṃ tu yajñaṃ tathārūpaṃ gacchantam upalabhya saḥ //
nahm die Gestalt eines Wildtiers an und flog eben da in den Himmelsraum; als er (Vīrabhadra) jenes Opfer, das in solcher Gestalt entflog, wahrnahm,
Wort für Wort
āsthāya mṛgarūpam vai
eine Wildtier-Gestalt angenommen habend
kham eva abhyapatat tadā
flog es eben da in den Himmelsraum
tam tu yajñam tathārūpam
jenes Opfer aber in solcher Gestalt
gacchantam upalabhya saḥ
er, wahrgenommen habend, wie es entfloh
[Anm.: Anspielung auf das bekannte Motiv, dass das personifizierte Opfer (Yajña) in Gestalt eines Rehs/einer Antilope zu fliehen versucht - vergleichbar dem Ursprungsmythos des Sternbilds Mṛgaśiras/der Orion-Jagd in anderen Purāṇen.]
jvaro nāmaiṣa dharmajña lokeṣu pracariṣyati /
ekībhūtasya na hy asya dhāraṇe tejasaḥ prabho //
dieser wird, oh Kenner des Rechts, unter dem Namen 'Jvara' (Fieber) in den Welten umhergehen - denn dessen zu einer Einheit gewordene Glut lässt sich nicht bewahren, oh Herr.
Wort für Wort
jvaraḥ nāma eṣaḥ dharmajña
dieser wird unter dem Namen Jvara, oh Kenner des Rechts
lokeṣu pracariṣyati
in den Welten umhergehen
ekībhūtasya na hi asya dhāraṇe
denn dessen, zu einer Einheit gewordenen, Bewahren ist nicht möglich
die ganze Erde ist fähig, ihn zu tragen - möge er vielfach hervorgebracht werden. So von mir angesprochen, stimmte jener Gott zu, und auch ein Anteil wurde ihm zugeteilt,
bhagavān māṃ tathety āha devadevaḥ pinākadhṛk /
parāṃ ca prītim agamat sa svayaṃ ca pinākadhṛk //
der erhabene Gott der Götter, der Träger des Pināka(-Bogens), sprach zu mir 'So sei es', und er selbst, der Pināka-Träger, gelangte zu höchster Freude.
der Vielsichtige, der Feindbezwinger (Śiva), hielt seinen Blick nach allen Seiten gerichtet; lächelnd sprach er das Wort: 'Sage, was soll ich für dich tun?'
Wort für Wort
vidhārya sarvataḥ dṛṣṭim
den Blick nach allen Seiten gerichtet habend
bahudṛṣṭiḥ amitrajit
der Vielsichtige, der Feindbezwinger
smitam kṛtvā abravīt vākyam
lächelnd sprach er das Wort
brūhi kim karavāṇi te
sage, was soll ich für dich tun
[Anm.: Der Bezug von 'bahudṛṣṭir amitrajit' auf Śiva statt auf Dakṣa ergibt sich aus dem Kontext von V.92, wo Dakṣa als von Furcht ergriffen beschrieben wird, während hier der ruhig lächelnde Śiva handelt.]
śrāvite ca mahākhyāne devānāṃ pitṛbhiḥ saha /
tam uvācāñjaliṃ kṛtvā dakṣo devaṃ prajāpatiḥ /
bhītaḥ śaṅkitacittas tu sabāṣpavadanekṣaṇaḥ //
Und als die große Erzählung den Göttern samt den Ahnen vorgetragen worden war, sprach der Herr der Geschöpfe Dakṣa, mit gefalteten Händen, geängstigt und zweifelnden Sinnes, mit tränenüberströmtem Gesicht und Augen, zu jenem Gott:
Wort für Wort
śrāvite ca mahākhyāne
und als die große Erzählung vorgetragen worden war
devānām pitṛbhiḥ saha
den Göttern samt den Ahnen
tam uvāca añjalim kṛtvā
sprach zu jenem, mit gefalteten Händen
dakṣaḥ devam prajāpatiḥ
Dakṣa, der Herr der Geschöpfe, zu dem Gott
bhītaḥ śaṅkitacittaḥ tu
geängstigt und zweifelnden Sinnes aber
sabāṣpavadanekṣaṇaḥ
mit tränenüberströmtem Gesicht und Augen
[Anm.: Dreizeiliger Vers (6 Pādas) unter einer Versnummer.] [?: Der erste Halbvers ('śrāvite ca mahākhyāne...') wirkt wie eine Rahmen-Bemerkung des Erzählers Brahmā, die syntaktisch nicht ganz reibungslos mit dem Folgenden verbunden ist.]
yad bhakṣyaṃ bhakṣitaṃ pītaṃ trāsitaṃ yac ca nāśitam /
cūrṇīkṛtāpaviddhaṃ ca yajñasaṃbhāram īdṛśam //
dann möge, was an Speise verzehrt, getrunken, was verschreckt und was vernichtet wurde, und dieses derartige, zermalmte und weggeworfene Opfer-Material -
{Brahmā sprach:} 'So sei es', sprach der erhabene Hara, der Bhagas Auge geraubt hatte; und der Herr der Geschöpfe (pries) den über das Recht wachenden Mahādeva, den Dreiäugigen,
Mit den Knien zur Erde niedergegangen, pries Dakṣa, nachdem er von Bhava die Gabe erhalten hatte, den Träger des Stier-Banners mit tausendundacht Namen.