Quellen der Menschheit

Brahma-Purāṇa

Kapitel 160: devāgamatīrthamāhātmyavarṇanam Die Größe des Devāgama-Tīrtha (der Krieg zwischen Göttern und Asuras um die Erde und die Zuflucht an der Gautamī)

[Anm.: Nach der Vertreibung der Götter von der Erde durch die Asuras (Ahi, Vṛtra, Bali, Namuci, Śambara, Maya u.a.) und einer verlorenen Schlacht am Malaya-Berg im Süden erhalten die verzweifelten Götter durch eine körperlose Himmelsstimme (ākāśavāṇī) die Weisung, an der Gautamī Hari und Hara (Viṣṇu und Śiva) zu verehren; durch deren Gnade erringen sie den Sieg. Ursprung des Devāgama- (auch Devapriya-)Tīrtha mit 80.000 Śiva-Liṅgas.]

{brahmovāca:} devāgamaṃ nāma tīrthaṃ sarvakāmapradaṃ śivam / bhuktimuktipradaṃ nṝṇāṃ pitṝṇāṃ tṛptikārakam //

{Brahmā sprach:} Es gibt ein Tīrtha namens Devāgama, alle Wünsche gewährend, heilvoll, den Menschen Genuss und Erlösung verleihend, den Ahnen (Pitṛs) Sättigung bewirkend.

Wort für Wort
devāgamaṃ nāma tīrthaṃ sarvakāmapradaṃ śivam
Es gibt ein Tīrtha namens Devāgama, alle Wünsche gewährend, heilvoll,
bhuktimuktipradaṃ nṝṇāṃ pitṝṇāṃ tṛptikārakam
den Menschen Genuss und Erlösung verleihend, den Ahnen Sättigung bewirkend.

tatra vṛttaṃ samākhyāsye tava yatnena nārada / devānām asurāṇāṃ ca spardhābhūd dhanahetave //

Ich will dir das dortige Geschehen sorgfältig erzählen, Nārada: Zwischen den Göttern und den Asuras entstand ein Wettstreit um des Reichtums willen.

Wort für Wort
tatra vṛttaṃ samākhyāsye tava yatnena nārada
Ich will dir das dortige Geschehen sorgfältig erzählen, Nārada:
devānām asurāṇāṃ ca spardhābhūd dhanahetave
Zwischen den Göttern und den Asuras entstand ein Wettstreit um des Reichtums willen.

svargaḥ surāṇām abhavad asurāṇām ilābhavat / karmabhūmim avaṣṭabhya asurāḥ sarvato 'bhavan //

Der Himmel gehörte den Göttern, die Erde (Ilā) den Asuras; die Asuras, die Wirkstätte [der Erde] in Besitz genommen, waren überall [vorherrschend].

Wort für Wort
svargaḥ surāṇām abhavad asurāṇām ilābhavat
Der Himmel gehörte den Göttern, die Erde (Ilā) den Asuras;
karmabhūmim avaṣṭabhya asurāḥ sarvato 'bhavan
die Asuras, die Wirkstätte [der Erde] in Besitz genommen, waren überall [vorherrschend].

devānāṃ yajñabhāgāṃś ca dātṝn ghnanty asurās tataḥ / tataḥ suragaṇāḥ sarve yajñabhāgair vinā kṛtāḥ //

Da töteten die Asuras die Geber der Opferanteile der Götter; daraufhin wurden alle Götterscharen ihrer Opferanteile beraubt.

Wort für Wort
devānāṃ yajñabhāgāṃś ca dātṝn ghnanty asurās tataḥ
Da töteten die Asuras die Geber der Opferanteile der Götter;
tataḥ suragaṇāḥ sarve yajñabhāgair vinā kṛtāḥ
daraufhin wurden alle Götterscharen ihrer Opferanteile beraubt.

vyathitā mām upājagmuḥ kiṃ kṛtyam iti cābruvan / mayā coktāḥ suragaṇā yuddhe jitvāsurān balāt //

Bekümmert kamen sie zu mir und sagten: „Was ist zu tun?“ Und ich sagte den Götterscharen: „Nachdem ihr die Asuras in der Schlacht mit Gewalt besiegt habt,

Wort für Wort
vyathitā mām upājagmuḥ kiṃ kṛtyam iti cābruvan
Bekümmert kamen sie zu mir und sagten: „Was ist zu tun?“
mayā coktāḥ suragaṇā yuddhe jitvāsurān balāt
Und ich sagte den Götterscharen: „Nachdem ihr die Asuras in der Schlacht mit Gewalt besiegt habt,

bhuvaṃ prāpsyatha karmāṇi havīṃṣi ca yaśāṃsi ca / tathety uktvā gatā devā bhūmiṃ te samarārthinaḥ //

werdet ihr die Erde, [ihre] Wirkstätten, die Opferspenden und den Ruhm erlangen.“ „So sei es“, sagten die Götter und zogen, kampfbegierig, zur Erde.

Wort für Wort
bhuvaṃ prāpsyatha karmāṇi havīṃṣi ca yaśāṃsi ca
werdet ihr die Erde, [ihre] Wirkstätten, die Opferspenden und den Ruhm erlangen.“
tathety uktvā gatā devā bhūmiṃ te samarārthinaḥ
„So sei es“, sagten die Götter und zogen, kampfbegierig, zur Erde.

daityāś ca dānavāś caiva rākṣasā baladarpitāḥ / ekībhūtvā yayus te 'pi jayino yuddhakāṅkṣiṇaḥ //

Auch die Daityas, Dānavas und Rākṣasas, stolz auf [ihre] Kraft, vereinigten sich und zogen ebenfalls, siegesgewiss und kampfbegierig, [entgegen].

Wort für Wort
daityāś ca dānavāś caiva rākṣasā baladarpitāḥ
Auch die Daityas, Dānavas und Rākṣasas, stolz auf [ihre] Kraft,
ekībhūtvā yayus te 'pi jayino yuddhakāṅkṣiṇaḥ
vereinigten sich und zogen ebenfalls, siegesgewiss und kampfbegierig, [entgegen].

ahir vṛtro balis tvāṣṭrir namuciḥ śambaro mayaḥ / ete cānye ca bahavo yoddhāro baladarpitāḥ //

Ahi, Vṛtra, Bali, der Sohn des Tvaṣṭṛ, Namuci, Śambara, Maya – diese und viele andere Krieger, stolz auf [ihre] Kraft.

Wort für Wort
ahir vṛtro balis tvāṣṭrir namuciḥ śambaro mayaḥ
Ahi, Vṛtra, Bali, der Sohn des Tvaṣṭṛ, Namuci, Śambara, Maya –
ete cānye ca bahavo yoddhāro baladarpitāḥ
diese und viele andere Krieger, stolz auf [ihre] Kraft.

[Anm.: „Tvāṣṭrir“ bezeichnet in anderen Überlieferungen gewöhnlich Vṛtra selbst als Sohn Tvaṣṭṛs; die Aufzählung hier als eigener Name neben Vṛtra bleibt uneindeutig [?].]

agnir indro 'tha varuṇas tvaṣṭā pūṣā tathāśvinau / maruto lokapālāś ca nānāyuddhaviśāradāḥ //

Agni, Indra, dann Varuṇa, Tvaṣṭṛ, Pūṣan, ebenso die beiden Aśvins, die Maruts und die Weltenhüter (Lokapālas), in mancherlei Kampfweisen bewandert.

Wort für Wort
agnir indro 'tha varuṇas tvaṣṭā pūṣā tathāśvinau
Agni, Indra, dann Varuṇa, Tvaṣṭṛ, Pūṣan, ebenso die beiden Aśvins,
maruto lokapālāś ca nānāyuddhaviśāradāḥ
die Maruts und die Weltenhüter, in mancherlei Kampfweisen bewandert.

te dānavāḥ sarva eva yāmyāṃ vai diśi saṃgare / akurvanta mahāyatnaṃ dakṣiṇārṇavasaṃsthitāḥ //

Alle jene Dānavas machten in der südlichen Richtung, im Kampf, eine gewaltige Anstrengung, im südlichen Ozean weilend.

Wort für Wort
te dānavāḥ sarva eva yāmyāṃ vai diśi saṃgare
Alle jene Dānavas machten in der südlichen Richtung, im Kampf,
akurvanta mahāyatnaṃ dakṣiṇārṇavasaṃsthitāḥ
eine gewaltige Anstrengung, im südlichen Ozean weilend.

trikūṭaḥ parvataśreṣṭho rākṣasānāṃ purābhavat / tadvanena yayuḥ sarve taiḥ sārdhaṃ dakṣiṇārṇavam //

Der Berg Trikūṭa, der Beste der Berge, war einst die Stadt der Rākṣasas; mit dessen Waldgebiet zogen alle zusammen mit jenen [Rākṣasas] zum südlichen Ozean.

Wort für Wort
trikūṭaḥ parvataśreṣṭho rākṣasānāṃ purābhavat
Der Berg Trikūṭa, der Beste der Berge, war einst die Stadt der Rākṣasas;
tadvanena yayuḥ sarve taiḥ sārdhaṃ dakṣiṇārṇavam
mit dessen Waldgebiet zogen alle zusammen mit jenen zum südlichen Ozean.

sarveṣāṃ melanaṃ yatra parvato malayas tu saḥ / malayasyāpi deśo 'sau devārīṇām abhūt tadā //

Wo die Vereinigung aller [Heere stattfand], das ist der Berg Malaya; auch dieses Gebiet des Malaya gehörte damals den Feinden der Götter.

Wort für Wort
sarveṣāṃ melanaṃ yatra parvato malayas tu saḥ
Wo die Vereinigung aller [Heere stattfand], das ist der Berg Malaya;
malayasyāpi deśo 'sau devārīṇām abhūt tadā
auch dieses Gebiet des Malaya gehörte damals den Feinden der Götter.

devānāṃ gautamītīre tatra saṃnihitaḥ śivaḥ / iti teṣāṃ samāyogo devānām abhavat kila //

Am Ufer der Gautamī [ist] dort Śiva für die Götter gegenwärtig; so kam es, wie es heißt, zur Vereinigung [des Heeres] der Götter.

Wort für Wort
devānāṃ gautamītīre tatra saṃnihitaḥ śivaḥ
Am Ufer der Gautamī [ist] dort Śiva für die Götter gegenwärtig;
iti teṣāṃ samāyogo devānām abhavat kila
so kam es, wie es heißt, zur Vereinigung [des Heeres] der Götter.

devāḥ svaratham ārūḍhās tatra tatra samāgaman / gautamyāḥ saridambāyāḥ puline vimalāśayāḥ //

Die Götter, ihre eigenen Wagen besteigend, versammelten sich dort und dort, an der Sandbank der Flussmutter Gautamī, reinen Sinnes.

Wort für Wort
devāḥ svaratham ārūḍhās tatra tatra samāgaman
Die Götter, ihre eigenen Wagen besteigend, versammelten sich dort und dort,
gautamyāḥ saridambāyāḥ puline vimalāśayāḥ
an der Sandbank der Flussmutter Gautamī, reinen Sinnes.

prasannābhīṣṭadā yā syāt pitṝṇām akhilasya tu / tato devagaṇāḥ sarve stutvā devaṃ maheśvaram / abhayaṃ cintayām āsus te sarve 'tha parasparam //

[an jener Gautamī,] die, gnädig, die Wünsche aller Ahnen erfüllt; darauf sannen alle Götterscharen, nachdem sie den großen Herrn (Maheśvara) gepriesen hatten, gemeinsam über [ihre] Sicherheit nach.

Wort für Wort
prasannābhīṣṭadā yā syāt pitṝṇām akhilasya tu
[an jener Gautamī,] die, gnädig, die Wünsche aller Ahnen erfüllt;
tato devagaṇāḥ sarve stutvā devaṃ maheśvaram
darauf, nachdem sie den großen Herrn gepriesen hatten, alle Götterscharen,
abhayaṃ cintayām āsus te sarve 'tha parasparam
sannen sie gemeinsam über [ihre] Sicherheit nach.

[Anm.: Dreizeiliger Vers unter einer Versmarke im Quelltext, hier als eine Einheit mit drei Wort-für-Wort-Zeilen wiedergegeben.]

{devā ūcuḥ:} atrāpy upāyaḥ ko 'smākaṃ nirjitānāṃ parair haṭhāt / ekam evātra naḥ śreyo vijayo vāthavā mṛtiḥ / sapatnair abhibhūtānāṃ jīvitaṃ dhiṅ manasvinām //

{Die Götter sprachen:} „Welches Mittel gibt es hier für uns, die wir von den Feinden mit Gewalt besiegt wurden? Nur eines ist hier gut für uns: Sieg oder aber Tod; Schande über das Leben der Hochgesinnten, wenn sie von Nebenbuhlern überwältigt sind.“

Wort für Wort
atrāpy upāyaḥ ko 'smākaṃ nirjitānāṃ parair haṭhāt
„Welches Mittel gibt es hier für uns, die wir von den Feinden mit Gewalt besiegt wurden?
ekam evātra naḥ śreyo vijayo vāthavā mṛtiḥ
Nur eines ist hier gut für uns: Sieg oder aber Tod;
sapatnair abhibhūtānāṃ jīvitaṃ dhiṅ manasvinām
Schande über das Leben der Hochgesinnten, wenn sie von Nebenbuhlern überwältigt sind.“

[Anm.: Dreizeiliger Vers unter einer Versmarke im Quelltext, hier als eine Einheit mit drei Wort-für-Wort-Zeilen wiedergegeben.]

{brahmovāca:} etasminn antare putra vāg uvācāśarīriṇī //*

{Brahmā sprach:} In diesem Augenblick, mein Sohn, sprach eine körperlose Stimme.

Wort für Wort
etasminn antare putra
In diesem Augenblick, mein Sohn,
vāg uvācāśarīriṇī
sprach eine körperlose Stimme.

[Anm.: Unvollständiger Halbvers im Quelltext (mit * markiert), hier wie überliefert wiedergegeben.]

{ākāśavāg uvāca:} kleśenālaṃ suragaṇā gautamīm āśu gacchata / bhaktyā hariharau tatra samārādhayateśvarau //

{Die Himmelsstimme sprach:} „Genug mit der Mühsal, Götterscharen – geht rasch zur Gautamī; verehrt dort mit Hingabe Hari und Hara, die beiden Herren.“

Wort für Wort
kleśenālaṃ suragaṇā gautamīm āśu gacchata
„Genug mit der Mühsal, Götterscharen – geht rasch zur Gautamī;
bhaktyā hariharau tatra samārādhayateśvarau
verehrt dort mit Hingabe Hari und Hara, die beiden Herren.“

godāvaryās tayoś caiva prasādāt kiṃ tu duṣkaram //*

„Durch die Gnade der Godāvarī und ebenjener beiden [Hari und Hara] – was wäre da noch schwierig?“

Wort für Wort
godāvaryās tayoś caiva prasādāt
„Durch die Gnade der Godāvarī und ebenjener beiden –
kiṃ tu duṣkaram
was wäre da noch schwierig?“

[Anm.: Unvollständiger Halbvers im Quelltext (mit * markiert), hier wie überliefert wiedergegeben.]

{brahmovāca:} prasannābhyāṃ harīśābhyāṃ devā jayam abhīpsitam / avāpya sarvato jagmuḥ pālayanto divaukasaḥ //

{Brahmā sprach:} Durch die beiden gnädig gestimmten Herren Hari und Īśa [Śiva] erlangten die Götter den ersehnten Sieg und zogen von überallher, die Himmelsbewohner beschützend.

Wort für Wort
prasannābhyāṃ harīśābhyāṃ devā jayam abhīpsitam
Durch die beiden gnädig gestimmten Herren Hari und Īśa erlangten die Götter den ersehnten Sieg
avāpya sarvato jagmuḥ pālayanto divaukasaḥ
und zogen von überallher, die Himmelsbewohner beschützend.

yatra devāgamo jātas tat tīrthaṃ tena viśrutam / devāgamaṃ praśaṃsanti munayas tattvadarśinaḥ //

Wo das „Kommen der Götter“ (devāgama) geschah, jenes Tīrtha ist dadurch berühmt; die Weisen, die die Wahrheit schauen, preisen [es als] „Devāgama“.

Wort für Wort
yatra devāgamo jātas tat tīrthaṃ tena viśrutam
Wo das „Kommen der Götter“ geschah, jenes Tīrtha ist dadurch berühmt;
devāgamaṃ praśaṃsanti munayas tattvadarśinaḥ
die Weisen, die die Wahrheit schauen, preisen [es als] „Devāgama“.

tatrāśītisahasrāṇi śivaliṅgāni nārada / devāgamaḥ parvato 'sau priya ity api kathyate / tataḥ prabhṛti tat tīrthaṃ devapriyam ato viduḥ //

Dort [gibt es] achtzigtausend Śiva-Liṅgas, o Nārada; jener Berg Devāgama wird auch „Priya“ (der Liebe) genannt; von da an kennt man jenes Tīrtha daher als „Devapriya“ (den Göttern lieb).

Wort für Wort
tatrāśītisahasrāṇi śivaliṅgāni nārada
Dort [gibt es] achtzigtausend Śiva-Liṅgas, o Nārada;
devāgamaḥ parvato 'sau priya ity api kathyate
jener Berg Devāgama wird auch „Priya“ genannt;
tataḥ prabhṛti tat tīrthaṃ devapriyam ato viduḥ
von da an kennt man jenes Tīrtha daher als „Devapriya“.

[Anm.: Dreizeiliger Vers unter einer Versmarke im Quelltext, hier als eine Einheit mit drei Wort-für-Wort-Zeilen wiedergegeben.]

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