{munaya ūcuḥ:} tava vaktrābdhisaṃbhūtam amṛtaṃ vāṅmayaṃ mune / pibatāṃ no dvijaśreṣṭha na tṛptir iha dṛśyate //
Die Weisen sprachen: Von deinem Mund-Ozean entsprungen ist der aus Worten bestehende Nektar, oh Weiser; obwohl wir ihn trinken, oh Bester der Zweifachgeborenen, zeigt sich hier keine Sättigung.
Deshalb, oh Weiser, verkünde uns ausführlich den die Befreiung schenkenden Yoga, und auch das Sāṃkhya, oh Bester der Zweibeinigen — wir wünschen es zu hören.
Vyāsa sprach: Nirgendwo anders als durch Erkenntnis und Askese, nirgendwo anders als durch Bezähmung der Sinne, nirgendwo anders als durch gänzlichen Verzicht findet irgendjemand die Vollendung.
Alle groben Elemente, die frühere Schöpfung des Selbstentstandenen, sind größtenteils in der Gemeinschaft der Lebewesen, in den verkörperten Wesen, eingelagert.
Von der Erde stammt der Körper, vom Wasser die Feuchtigkeit, vom Feuer gelten die beiden Augen als hergeleitet, die Grundlage von Ein- und Ausatem ist der Wind, im Hohlraum der verkörperten Wesen ist der Raum.
Im Schreiten ist Viṣṇu, in der Kraft Śakra, im Bauch will Agni als das Verdauungsfeuer essen, in den beiden Ohren sind die Himmelsrichtungen als das Gehör, auf der Zunge ist Sarasvatī als die Sprache.
Die beiden Ohren, die Haut, die beiden Augen, die Zunge und als fünfte die Nase — samt den fünf ihnen entsprechenden Sinnesobjekten werden diese zehn Indriyas genannt, die Tore zur Vollbringung der Sinneswahrnehmung.
Wort für Wort
karṇau tvak cakṣuṣī
die Ohren, die Haut, die Augen
jihvā nāsikā ca eva pañcamī
die Zunge und als fünfte die Nase
daśa tāni indriyoktāni
diese zehn werden Indriyas genannt
dvārāṇi āhārasiddhaye
die Tore zur Vollbringung der Sinneswahrnehmung
[Anm.] 'Daśa' ('zehn') bezieht sich, wie V.11 zeigt, auf die fünf genannten Sinnesorgane zusammen mit den fünf ihnen zugehörigen Sinnesobjekten (Klang, Berührung, Form, Geschmack, Geruch), die zusammen die 'zehn Tore' der Sinneswahrnehmung bilden.
śabdasparśau tathā rūpaṃ rasaṃ gandhaṃ ca pañcamam / indriyārthān pṛthag vidyād indriyebhyas tu nityadā //
Klang und Berührung, ebenso Form, Geschmack und als fünftes Geruch — diese Sinnesobjekte soll man stets als von den Sinnesorganen verschieden erkennen.
Wort für Wort
śabdasparśau
Klang und Berührung
tathā rūpam
ebenso Form
rasam gandham ca pañcamam
Geschmack und als fünftes Geruch
indriyārthān pṛthak vidyāt
man soll die Sinnesobjekte als verschieden erkennen
Der Geist lenkt die Sinne wie ein Herrscher die ihm nicht gehorsamen Untertanen; und auch den Geist lenkt stets das im Herzen wohnende Elementar-Selbst (Bhūtātman).
Wort für Wort
indriyāṇi manaḥ yuṅkte
der Geist lenkt die Sinne
avaśyān iva rājinaḥ
wie ein Herrscher die nicht gehorsamen (Untertanen)
indriyāṇīndriyārthāś ca svabhāvaś cetanā manaḥ / prāṇāpānau ca jīvaś ca nityaṃ deheṣu dehinām //
Die Sinnesorgane und die Sinnesobjekte, die Eigennatur, das Bewusstsein, der Geist, Ein- und Ausatem und die Lebenskraft sind stets in den Körpern der Verkörperten.
āśrayo nāsti sattvasya guṇaśabdo na cetanāḥ / sattvaṃ hi tejaḥ sṛjati na guṇān vai kathaṃcana //
Für das reine Wesen (Sattva) gibt es keine körperliche Stütze — 'Guṇa' ist nur ein Wort, denn die Guṇas selbst sind nicht bewusst; das Sattva erzeugt nämlich nur Glanz, keineswegs erzeugt es die Guṇas.
Wort für Wort
āśrayaḥ na asti sattvasya
für das Sattva gibt es keine Stütze
guṇaśabdaḥ
'Guṇa' ist (nur) ein Wort
na cetanāḥ
(die Guṇas) sind nicht bewusst
sattvam hi tejaḥ sṛjati
das Sattva erzeugt nämlich Glanz
na guṇān vai kathaṃcana
keineswegs erzeugt es die Guṇas
[?] Philosophisch dichter, mehrdeutiger Vers; die genaue Beziehung von Sattva, Guṇa und Bewusstsein bleibt im Sanskrit-Text knapp und ist sinngemäß wiedergegeben.
So sieht der Weise, oh Brahmanen, mit dem Geist den aus siebzehn Bestandteilen bestehenden, von sechzehn Guṇas umhüllten Körper — das Selbst im Selbst.
Wort für Wort
evam saptadaśam deham
so den aus siebzehn bestehenden Körper
vṛtam ṣoḍaśabhiḥ guṇaiḥ
umhüllt von sechzehn Guṇas
manīṣī manasā viprāḥ
der Weise mit dem Geist, oh Brahmanen
paśyati ātmānam ātmani
sieht das Selbst im Selbst
[?] Die genaue Aufzählung der 'siebzehn' Körperbestandteile und 'sechzehn' Guṇas wird im Text nicht ausgeführt; die Zahlen werden hier wörtlich übernommen.
avyaktaṃ sarvadeheṣu martyeṣu paramārcitam / yo 'nupaśyati sa pretya kalpate brahmabhūyataḥ //
Wer das Unmanifeste, das in allen Körpern der Sterblichen weilt, das höchst Verehrungswürdige, in sich erschaut, der gelangt nach dem Tod zum Zustand des Brahman.
Auf den mit Wissen und Bescheidenheit ausgestatteten Brahmanen, auf die Kuh, den Elefanten, den Hund und selbst den Hundekocher (Caṇḍāla) blicken die Weisen mit gleichem Blick.
Wort für Wort
vidyāvinayasaṃpanna-brāhmaṇe
auf den mit Wissen und Bescheidenheit ausgestatteten Brahmanen
yāvān ātmani vedātmā tāvān ātmā parātmani / ya evaṃ satataṃ veda so 'mṛtatvāya kalpate //
Soviel das Selbst im eigenen Selbst erkennt, ebensoviel ist das Selbst im höchsten Selbst; wer dies stets so erkennt, der wird zur Unsterblichkeit fähig.
sarvabhūtātmabhūtasya sarvabhūtahitasya ca / devāpi mārge muhyanti apadasya padaiṣiṇaḥ //
Selbst die Götter, die den Pfad dessen suchen, der das Selbst aller Wesen geworden ist und das Wohl aller Wesen verkörpert und der doch spurlos ist, geraten auf diesem Pfad in Verwirrung.
Wort für Wort
sarvabhūtātmabhūtasya
dessen, der das Selbst aller Wesen geworden ist
sarvabhūtahitasya ca
und das Wohl aller Wesen (verkörpert)
devāḥ api mārge muhyanti
selbst die Götter geraten auf dem Pfad in Verwirrung
sarve tatsthā ime lokā bāhyam eṣāṃ na kiṃcana / yady apy agre samāgacched yathā bāṇo guṇacyutaḥ //
Alle diese Welten beruhen in ihm, nichts ist außerhalb von ihnen; selbst wenn man ihm vorauseilen wollte, wie ein von der Sehne gelöster Pfeil fliegt —
— würde man dennoch das Ende der Ursache nicht erreichen, selbst wenn man die Schnelligkeit des Geistes hätte; deshalb gibt es nichts Feineres als es, und ebenso nichts Gröberes.
akṣaraṃ ca kṣaraṃ caiva dvedhā bhāvo 'yam ātmanaḥ / kṣaraḥ sarveṣu bhūteṣu divyaṃ tv amṛtam akṣaram //
Unvergänglich und vergänglich — zweifach ist dieses Sein des Selbst: das Vergängliche ist in allen Wesen, das Göttliche, Unsterbliche aber ist das Unvergängliche.
Wort für Wort
akṣaram ca kṣaram ca eva
das Unvergängliche und das Vergängliche
dvedhā bhāvaḥ ayam ātmanaḥ
zweifach ist dieses Sein des Selbst
kṣaraḥ sarveṣu bhūteṣu
das Vergängliche in allen Wesen
divyam tu amṛtam akṣaram
das Göttliche, Unsterbliche aber ist das Unvergängliche
navadvāraṃ puraṃ kṛtvā haṃso hi niyato vaśī / īdṛśaḥ sarvabhūtasya sthāvarasya carasya ca //
Nachdem er die Stadt mit den neun Toren (den Körper) errichtet hat, weilt darin der Haṃsa (die Seele), gezügelt und bezwungen — so ist es bei jedem Wesen, dem unbeweglichen wie dem beweglichen.
hānenābhivikalpānāṃ narāṇāṃ saṃcayena ca / śarīrāṇām ajasyāhur haṃsatvaṃ pāradarśinaḥ //
Durch das Schwinden und Anhäufen der Körper der Menschen, bedingt durch ihre falschen Vorstellungen, sprechen die Weitblickenden vom 'Haṃsa-Sein' des Ungeborenen.
Wort für Wort
hānena abhivikalpānām
durch das Schwinden der (durch) falsche Vorstellungen (bedingten)
narāṇām saṃcayena ca
und durch das Anhäufen der Menschen(-körper)
śarīrāṇām ajasya
der Körper, des Ungeborenen
āhuḥ haṃsatvam pāradarśinaḥ
die Weitblickenden sprechen vom Haṃsa-Sein
[?] Syntaktisch verdichteter Vers; die genaue Beziehung von 'abhivikalpānām' zu 'hāna' und 'saṃcaya' bleibt unsicher und ist sinngemäß wiedergegeben.
haṃsoktaṃ ca kṣaraṃ caiva kūṭasthaṃ yat tad akṣaram / tad vidvān akṣaraṃ prāpya jahāti prāṇajanmanī //
Das als Haṃsa Bezeichnete ist das Vergängliche, das aber, was unveränderlich feststeht, ist das Unvergängliche; nachdem der Wissende das Unvergängliche erlangt hat, gibt er Atem und Geburt auf.
Wort für Wort
haṃsoktam ca kṣaram ca eva
das als Haṃsa Bezeichnete ist das Vergängliche
kūṭastham yat tat akṣaram
was unveränderlich feststeht, ist das Unvergängliche
tat vidvān akṣaram prāpya
nachdem der Wissende das Unvergängliche erlangt hat
jahāti prāṇajanmanī
gibt er Atem und Geburt auf
[?] 'prāṇajanmanī' (Dual) wörtlich 'die beiden: Atem und Geburt' — sinngemäß als Aufgeben von Lebensatem und (weiterer) Geburt gedeutet.
Vyāsa sprach: Auf eure Frage hin, oh Brahmanen, wurde von mir hier wahrheitsgemäß, der Wirklichkeit entsprechend, das mit Erkenntnis verbundene Sāṃkhya verkündet.
Wort für Wort
bhavatām pṛcchatām viprāḥ
auf eure Frage hin, oh Brahmanen
yathāvat iha tattvataḥ
hier wahrheitsgemäß, der Wirklichkeit entsprechend
Die Erkenntnis des alldurchdringenden Selbst — dies ist die höchste Erkenntnis; sie ist von dem Friedvollen, Gezügelten, in der Selbstbetrachtung Verweilenden,
Wort für Wort
ātmanaḥ vyāpinaḥ jñānam
die Erkenntnis des alldurchdringenden Selbst
jñānam etat anuttamam
diese Erkenntnis ist die höchste
tat etat upaśāntena
sie ist von dem Friedvollen
dāntena adhyātmaśīlinā
dem Gezügelten, in der Selbstbetrachtung Verweilenden
— der sich am Selbst Erfreuenden, dem Erwachten, dem mit reinem Handeln — von ihm ist sie zu erkennen, nachdem er die fünf Fehler des Yoga ausgerottet hat, die die Weisen kennen.
kāmaṃ krodhaṃ ca lobhaṃ ca bhayaṃ svapnaṃ ca pañcamam / krodhaṃ śamena jayati kāmaṃ saṃkalpavarjanāt //
Begierde, Zorn, Gier, Furcht und als fünftes den Schlaf — den Zorn besiegt man durch Gelassenheit, die Begierde durch das Aufgeben des begehrenden Vorsatzes,
durch die Pflege des Sattva vermag der Standhafte den Schlaf zu vertreiben; durch Standhaftigkeit soll er die Zeugungsorgane und den Bauch bezähmen, Hände und Füße durch das Auge (Wachsamkeit),
Wort für Wort
sattvasaṃsevanāt dhīraḥ
durch die Pflege des Sattva der Standhafte
nidrām ucchettum arhati
vermag den Schlaf zu vertreiben
dhṛtyā śiśnodaram rakṣet
durch Standhaftigkeit soll er Zeugungsorgan und Bauch bezähmen
cakṣuḥ śrotraṃ ca manasā mano vācaṃ ca karmaṇā / apramādād bhayaṃ jahyād dambhaṃ prājñopasevanāt //
das Auge und das Ohr durch den Geist, den Geist und die Sprache durch das Handeln; durch Wachsamkeit soll er die Furcht aufgeben, den Trug durch den Umgang mit den Weisen.
Er soll überhebliche, mit Gewalt verbundene, dem unbezähmten Geist folgende Rede meiden — er, dessen aus der Glut Brahmans bestehender Same diese ganze Welt (hervorbringt),
Wort für Wort
varjayet uddhatām vācam
er soll überhebliche Rede meiden
hiṃsāyuktām manonugām
mit Gewalt verbunden, dem Geist folgend
brahmatejomayam śukram
der aus der Glut Brahmans bestehende Same
yasya sarvam idam jagat
von dem diese ganze Welt (stammt)
[?] Der Zusammenhang zwischen der Ermahnung zur Rede (V.44a-b) und der kosmologischen Aussage über den 'aus Brahman-Glut bestehenden Samen' (V.44c-d) ist im Text knapp und setzt sich sinngemäß in V.45 fort.
— von diesem, der zum Sein aller Wesen wurde, wird das Unbewegliche und Bewegliche gesehen. Meditation, Studium, Freigebigkeit, Wahrheit, Scham, Aufrichtigkeit, Geduld,
Wort für Wort
etasya bhūtabhūtasya
von diesem, der zum Sein der Wesen wurde
dṛṣṭam sthāvarajaṅgamam
wird das Unbewegliche und Bewegliche gesehen
dhyānam adhyayanam dānam
Meditation, Studium, Freigebigkeit
satyam hrīḥ ārjavam kṣamā
Wahrheit, Scham, Aufrichtigkeit, Geduld
[Anm.] Die Tugend-Aufzählung setzt sich in V.46 fort.
Gleichmütig gegenüber allen Wesen, sich mit dem Erlangbaren und Nicht-Erlangbaren begnügend, von Sünde gereinigt, glanzvoll, mit leichter Nahrung, mit bezähmten Sinnen —
Wort für Wort
samaḥ sarveṣu bhūteṣu
gleichmütig gegenüber allen Wesen
labhyālabhyena vartayan
sich mit Erlangbarem und Nicht-Erlangbarem begnügend
— nachdem er Begierde und Zorn bezwungen hat, soll er den Zustand des Brahman aufsuchen; nachdem er die Einspitzigkeit von Geist und Sinnen bewirkt hat, gesammelt,
pūrvarātre parārdhe ca dhārayen mana ātmanaḥ / jantoḥ pañcendriyasyāsya yady ekaṃ klinnam indriyam //
soll er in der ersten Nachthälfte und auch in der zweiten den Geist auf das Selbst richten; wenn bei diesem Wesen mit den fünf Sinnen auch nur ein Sinn undicht (unbezähmt) ist,
so entweicht von ihm die Weisheit, wie Wasser vom Fuß eines Berges; zuerst soll er den Geist ergreifen, wie ein Fischer zuerst die Schildkröten (fängt).
Wort für Wort
tataḥ asya sravati prajñā
so entweicht von ihm die Weisheit
gireḥ pādāt iva udakam
wie Wasser vom Fuß eines Berges
manasaḥ pūrvam ādadyāt
zuerst soll er den Geist ergreifen
kūrmāṇām iva matsyahā
wie ein Fischer die Schildkröten [?]
[?] 'matsyahā' ('Fischtöter/Fischer') und der genaue Sinn des Vergleichs mit den Schildkröten bleiben unsicher; sinngemäß übertragen.
tathaivāpohya saṃkalpān mano hy ātmani dhārayet / pañcendriyāṇi manasi hṛdi saṃsthāpayed yadi //
und ebenso, nachdem er die begehrenden Vorstellungen verworfen hat, soll er den Geist im Selbst verankern; wenn er die fünf Sinne im Geist, den Geist im Herzen verankert hat,
— einsam an verborgenem Ort sitzend, gelangt er zur Gleichheit mit dem Unvergänglichen. Auf diesem Weg treten als Hindernisse auf: Verblendung, Umherirren, Wirbel, sowie trügerische Sinneseindrücke von Geruch, Gehör und Gesicht,
Wort für Wort
āsīnaḥ hi rahasi ekaḥ
einsam an verborgenem Ort sitzend
gacchet akṣarasāmyatām
gelangt er zur Gleichheit mit dem Unvergänglichen
pramohaḥ bhramaḥ āvartaḥ
Verblendung, Umherirren, Wirbel
ghrāṇam śravaṇadarśane
(trügerische) Geruchs-, Gehör- und Gesichtseindrücke
[Anm.] V.57-58 zählen die auf dem Yoga-Weg auftretenden Sinnestäuschungen und Hindernisse auf.
wunderbare Geschmacks- und Berührungserscheinungen, das Gefühl von Kälte, Hitze und Windgestalt, Erleuchtungs-Visionen und andere Hindernisse — diese durch den Yoga wahrnehmend,
Wort für Wort
adbhutāni rasaḥ sparśaḥ
wunderbare Geschmacks- und Berührungserscheinungen
soll der Kenner der Wahrheit sie, ohne ihnen Beachtung zu schenken, allein durch Gleichmut abwenden; der bezähmte Weise soll sich in den drei Welten mit dem Yoga vertraut machen.
Er soll nicht über das rechte Maß hinausgehen, weder durch Rede, Handlung noch durch den Geist; gleichgültig, mit gezügelter Nahrung soll er sein, gleichmütig gegenüber Erlangtem und Nicht-Erlangtem.
Wort für Wort
na ativrajet param
er soll nicht über das (rechte) Maß hinausgehen
vācā karmaṇā manasā api vā
weder durch Rede, Handlung noch Geist
upekṣakaḥ yatāhāraḥ
gleichgültig, mit gezügelter Nahrung
labdhālabdhasamaḥ bhavet
gleichmütig gegenüber Erlangtem und Nicht-Erlangtem soll er sein
vedanārtān parān dṛṣṭvā samaloṣṭāśmakāñcanaḥ / evaṃ tu nirato mārgaṃ viramen na vimohitaḥ //
Nachdem er die von der (rechten) Erkenntnis fernen, leidenden Anderen gesehen hat, dem Erdklumpen, Stein und Gold gleich sind, soll er, so auf dem Pfad verweilend, nicht abstehen, nicht in Verwirrung geraten.
Wort für Wort
vedanārtān parān dṛṣṭvā
nachdem er die (vom Wissen) fernen, leidenden Anderen gesehen hat [?]
api varṇāvakṛṣṭas tu nārī vā dharmakāṅkṣiṇī / tāv apy etena mārgeṇa gacchetāṃ paramāṃ gatim //
Selbst wer aus niederem Stand herabgesunken ist, oder eine nach Dharma verlangende Frau — auch sie beide können auf diesem Pfad das höchste Ziel erreichen.
Den Ungeborenen, Uralten, Alterslosen, Ewigen, den sinnesübersteigenden, den Sinnen unzugänglichen, oh Zweifachgeborene — ihn erblickend, und diese Gleichheit mit dem Höchsten (Parameṣṭhin) erlangend, gelangen die Weisen zum Zustand ohne Wiederkehr.
Wort für Wort
ajam purāṇam ajaram sanātanam
den Ungeborenen, Uralten, Alterslosen, Ewigen
yam indriyātigam agocaram
den sinnesübersteigenden, den Sinnen unzugänglichen
dvijāḥ
oh Zweifachgeborene
avekṣya ca imām parameṣṭhisāmyatām
ihn erblickend und diese Gleichheit mit dem Höchsten
prayānti anāvṛttigatim manīṣiṇaḥ
gelangen die Weisen zum Zustand ohne Wiederkehr
[Anm.] Vierzeiliger Hymnenvers als Abschluss des Kapitels; im Quelltext ohne Daṇḍa-Zeichen zwischen den Padas überliefert, hier der Einheitlichkeit halber mit Schrägstrichen versehen.