Quellen der Menschheit

Brahma-Purāṇa

Kapitel 243: yogasāṃkhyadarśanaṃ kṣetrakṣetrajñavivekaś ca Die Lehre von Yoga und Sāṃkhya und die Unterscheidung von Feld und Feldkenner

{karālajanaka uvāca: } akṣarakṣarayor eṣa dvayoḥ saṃbandha iṣyate / strīpuṃsayor vā saṃbandhaḥ sa vai puruṣa ucyate //

Karālajanaka sprach: Diese Verbindung der beiden, des Akṣara und Kṣara, wird angenommen wie die Verbindung von Frau und Mann; diese wird als [das Wirken des] Puruṣa bezeichnet,

Wort für Wort
akṣarakṣarayor eṣa
diese [Verbindung] von Akṣara und Kṣara
dvayoḥ saṃbandha iṣyate
die Verbindung der beiden wird angenommen
strīpuṃsayor vā saṃbandhaḥ
wie die Verbindung von Frau und Mann
sa vai puruṣa ucyate
diese wird als Puruṣa bezeichnet

ṛte tu puruṣaṃ neha strī garbhān dhārayaty uta / ṛte striyaṃ na puruṣo rūpaṃ nirvartate tathā //

denn ohne den Mann trägt die Frau hier keine Leibesfrucht, und ebenso bringt ohne die Frau der Mann keine Gestalt hervor,

Wort für Wort
ṛte tu puruṣaṃ neha
denn ohne den Mann hier nicht
strī garbhān dhārayaty uta
trägt die Frau die Leibesfrucht
ṛte striyaṃ na puruṣo
ohne die Frau [bringt] der Mann nicht
rūpaṃ nirvartate tathā
ebenso die Gestalt hervor

anyonyasyābhisaṃbandhād anyonyaguṇasaṃśrayāt / rūpaṃ nirvartayed etad evaṃ sarvāsu yoniṣu //

durch die gegenseitige Verbindung, durch die gegenseitige Zuflucht zu den [jeweiligen] Eigenschaften, bringt [dieses Paar] diese Gestalt hervor - so in allen Mutterschößen,

Wort für Wort
anyonyasyābhisaṃbandhād
durch die gegenseitige Verbindung
anyonyaguṇasaṃśrayāt
durch die gegenseitige Zuflucht zu den Eigenschaften
rūpaṃ nirvartayed etad
bringt es diese Gestalt hervor
evaṃ sarvāsu yoniṣu
so in allen Mutterschößen

ratyartham atisaṃyogād anyonyaguṇasaṃśrayāt / ṛtau nirvartate rūpaṃ tad vakṣyāmi nidarśanam //

aus vollständiger Vereinigung zum Zweck der Liebeslust, durch die gegenseitige Zuflucht zu den Eigenschaften, entsteht zur rechten Zeit die Gestalt - dies werde ich [dir als] Beispiel darlegen,

Wort für Wort
ratyartham atisaṃyogād
aus vollständiger Vereinigung zum Zweck der Liebeslust
anyonyaguṇasaṃśrayāt
durch die gegenseitige Zuflucht zu den Eigenschaften
ṛtau nirvartate rūpaṃ
zur rechten Zeit entsteht die Gestalt
tad vakṣyāmi nidarśanam
dies werde ich als Beispiel darlegen

ye guṇāḥ puruṣasyeha ye ca mātur guṇās tathā / asthi snāyu ca majjā ca jānīmaḥ pitṛto dvija //

welche Eigenschaften der Mann hier [beisteuert] und welche Eigenschaften die Mutter, ebenso: Knochen, Sehnen und Mark wissen wir vom Vater [stammend], o Zweifachgeborener,

Wort für Wort
ye guṇāḥ puruṣasyeha
welche Eigenschaften der Mann hier [beisteuert]
ye ca mātur guṇās tathā
und welche Eigenschaften ebenso die Mutter
asthi snāyu ca majjā ca
Knochen, Sehnen und Mark
jānīmaḥ pitṛto dvija
wissen wir vom Vater, o Zweifachgeborener

tvaṅmāṃsaśoṇitaṃ ceti mātṛjāny anuśuśruma / evam etad dvijaśreṣṭha vedaśāstreṣu paṭhyate //

und Haut, Fleisch und Blut, so haben wir überliefert vernommen, entstammen der Mutter; so wird dies gelesen, o bester der Zweifachgeborenen, in den Veda-Lehrschriften,

Wort für Wort
tvaṅmāṃsaśoṇitaṃ ceti
und Haut, Fleisch und Blut
mātṛjāny anuśuśruma
entstammen der Mutter, so haben wir vernommen
evam etad dvijaśreṣṭha
so, o bester der Zweifachgeborenen
vedaśāstreṣu paṭhyate
wird dies in den Veda-Lehrschriften gelesen

pramāṇaṃ yac ca vedoktaṃ śāstroktaṃ yac ca paṭhyate / vedaśāstrapramāṇaṃ ca pramāṇaṃ tat sanātanam //

was auch immer als Beweismittel im Veda gesagt wird, und was in der Lehrschrift gelesen wird - das Beweismittel von Veda und Lehrschrift ist jenes ewige Beweismittel,

Wort für Wort
pramāṇaṃ yac ca vedoktaṃ
was auch immer als Beweismittel im Veda gesagt wird
śāstroktaṃ yac ca paṭhyate
und was in der Lehrschrift gelesen wird
vedaśāstrapramāṇaṃ ca
das Beweismittel von Veda und Lehrschrift
pramāṇaṃ tat sanātanam
ist jenes ewige Beweismittel

evam evābhisaṃbandhau nityaṃ prakṛtipūruṣau / yac cāpi bhagavaṃs tasmān mokṣadharmo na vidyate //

ebenso sind Prakṛti und Puruṣa stets miteinander verbunden; und weshalb, o Erhabener, gibt es daraus keinen Erlösungs-Dharma?

Wort für Wort
evam evābhisaṃbandhau
ebenso miteinander verbunden
nityaṃ prakṛtipūruṣau
sind stets Prakṛti und Puruṣa
yac cāpi bhagavaṃs tasmān
und weshalb, o Erhabener, daraus
mokṣadharmo na vidyate
gibt es keinen Erlösungs-Dharma

athavānantarakṛtaṃ kiṃcid eva nidarśanam / tan mamācakṣva tattvena pratyakṣo hy asi sarvadā //

Oder [wenn es] irgendein anderes, unmittelbares Beispiel [gibt] - das erkläre mir wahrhaftig, denn du bist stets [der Wirklichkeit] unmittelbar gewahr,

Wort für Wort
athavānantarakṛtaṃ
oder ein unmittelbares
kiṃcid eva nidarśanam
irgendein Beispiel
tan mamācakṣva tattvena
das erkläre mir wahrhaftig
pratyakṣo hy asi sarvadā
denn du bist stets unmittelbar gewahr

mokṣakāmā vayaṃ cāpi kāṅkṣāmo yad anāmayam / ajeyam ajaraṃ nityam atīndriyam anīśvaram //

und auch wir, die nach Erlösung Verlangenden, begehren das, was leidlos, unbesiegbar, alterslos, ewig, jenseits der Sinne, [selbst] herrscherlos ist.

Wort für Wort
mokṣakāmā vayaṃ cāpi
und auch wir, die nach Erlösung Verlangenden
kāṅkṣāmo yad anāmayam
begehren das, was leidlos ist
ajeyam ajaraṃ nityam
unbesiegbar, alterslos, ewig
atīndriyam anīśvaram
jenseits der Sinne, herrscherlos

{vasiṣṭha uvāca: } yad etad uktaṃ bhavatā vedaśāstranidarśanam / evam etad yathā vakṣye tattvagrāhī yathā bhavān //

Vasiṣṭha sprach: Was du da als Beispiel aus Veda und Lehrschrift angeführt hast - so ist es, wie ich es nun darlegen werde, damit auch du die Wahrheit erfassest,

Wort für Wort
yad etad uktaṃ bhavatā
was du da gesagt hast
vedaśāstranidarśanam
als Beispiel aus Veda und Lehrschrift
evam etad yathā vakṣye
so ist es, wie ich es darlegen werde
tattvagrāhī yathā bhavān
damit auch du die Wahrheit erfassest

dhāryate hi tvayā grantha ubhayor vedaśāstrayoḥ / na ca granthasya tattvajño yathātattvaṃ nareśvara //

denn von dir wird der Wortlaut beider, von Veda und Lehrschrift, bewahrt, doch nicht bist du ein Kenner der Wahrheit des Textes, wie er wahrhaft ist, o Herrscher der Menschen,

Wort für Wort
dhāryate hi tvayā grantha
denn von dir wird der Wortlaut bewahrt
ubhayor vedaśāstrayoḥ
von beiden, Veda und Lehrschrift
na ca granthasya tattvajño
doch nicht bist du ein Kenner der Wahrheit des Textes
yathātattvaṃ nareśvara
wie er wahrhaft ist, o Herrscher der Menschen

yo hi vede ca śāstre ca granthadhāraṇatatparaḥ / na ca granthārthatattvajñas tasya taddhāraṇaṃ vṛthā //

denn wer im Veda und in der Lehrschrift nur auf das Bewahren des Wortlauts bedacht ist, ohne die Wahrheit des Sinnes des Textes zu kennen - dessen Bewahren [des Wortlauts] ist vergeblich,

Wort für Wort
yo hi vede ca śāstre ca
denn wer im Veda und in der Lehrschrift
granthadhāraṇatatparaḥ
nur auf das Bewahren des Wortlauts bedacht ist
na ca granthārthatattvajñas
ohne die Wahrheit des Sinnes des Textes zu kennen
tasya taddhāraṇaṃ vṛthā
dessen Bewahren ist vergeblich

bhāraṃ sa vahate tasya granthasyārthaṃ na vetti yaḥ / yas tu granthārthatattvajño nāsya granthāgamo vṛthā //

er trägt [nur] die Last dessen, dessen Sinn des Textes er nicht kennt; wer aber die Wahrheit des Sinnes des Textes kennt, dessen Erlernen des Textes ist nicht vergeblich,

Wort für Wort
bhāraṃ sa vahate tasya
er trägt [nur] die Last dessen
granthasyārthaṃ na vetti yaḥ
dessen Sinn des Textes er nicht kennt
yas tu granthārthatattvajño
wer aber die Wahrheit des Sinnes kennt
nāsya granthāgamo vṛthā
dessen Erlernen des Textes ist nicht vergeblich

granthasyārthaṃ sa pṛṣṭas tu mādṛśo vaktum arhati / yathātattvābhigamanād arthaṃ tasya sa vindati //

den Sinn des Textes vermag, danach befragt, einer wie ich darzulegen, da er durch das wahrhafte Erfassen [der Wahrheit] dessen Sinn erkennt,

Wort für Wort
granthasyārthaṃ sa pṛṣṭas tu
den Sinn des Textes, danach befragt
mādṛśo vaktum arhati
vermag einer wie ich darzulegen
yathātattvābhigamanād
durch das wahrhafte Erfassen
arthaṃ tasya sa vindati
erkennt er dessen Sinn

na yaḥ samutsukaḥ kaścid granthārthaṃ sthūlabuddhimān / sa kathaṃ mandavijñāno granthaṃ vakṣyati nirṇayāt //

wer sich, von grobem Verstand, nicht [ernsthaft] um den Sinn des Textes bemüht - wie sollte ein solcher, von trägem Erkennen, den Text mit Gewissheit darlegen können?

Wort für Wort
na yaḥ samutsukaḥ kaścid
wer sich nicht ernsthaft bemüht
granthārthaṃ sthūlabuddhimān
um den Sinn des Textes, von grobem Verstand
sa kathaṃ mandavijñāno
wie sollte ein solcher, von trägem Erkennen
granthaṃ vakṣyati nirṇayāt
den Text mit Gewissheit darlegen

ajñātvā granthatattvāni vādaṃ yaḥ kurute naraḥ / lobhād vāpy athavā dambhāt sa pāpī narakaṃ vrajet //

wer, ohne die Wahrheiten des Textes zu kennen, dennoch eine [gelehrte] Streitrede führt, sei es aus Gier oder aus Heuchelei - ein solcher Sünder geht zur Hölle,

Wort für Wort
ajñātvā granthatattvāni
ohne die Wahrheiten des Textes zu kennen
vādaṃ yaḥ kurute naraḥ
wer eine Streitrede führt, der Mensch
lobhād vāpy athavā dambhāt
aus Gier oder aus Heuchelei
sa pāpī narakaṃ vrajet
ein solcher Sünder geht zur Hölle

nirṇayaṃ cāpi cchidrātmā na tad vakṣyati tattvataḥ / so 'pīhāsyārthatattvajño yasmān naivātmavān api //

und auch wer von schwacher Selbstbeherrschung ist, wird die Entscheidung nicht wahrhaftig darlegen; auch er ist kein Kenner der Wahrheit des Sinnes hierin, da er nicht einmal selbstbeherrscht ist,

Wort für Wort
nirṇayaṃ cāpi cchidrātmā
und auch wer von schwacher Selbstbeherrschung ist
na tad vakṣyati tattvataḥ
wird die Entscheidung nicht wahrhaftig darlegen
so 'pīhāsyārthatattvajño
auch er ist kein Kenner der Wahrheit des Sinnes
yasmān naivātmavān api
da er nicht einmal selbstbeherrscht ist

tasmāt tvaṃ śṛṇu rājendra yathaitad anudṛśyate / yathā tattvena sāṃkhyeṣu yogeṣu ca mahātmasu //

deshalb höre, o Fürst der Könige, wie dies zu erkennen ist, wie es wahrhaftig bei den Sāṃkhyas und bei den großen Seelen unter den Yogins [gelehrt wird],

Wort für Wort
tasmāt tvaṃ śṛṇu rājendra
deshalb höre, o Fürst der Könige
yathaitad anudṛśyate
wie dies zu erkennen ist
yathā tattvena sāṃkhyeṣu
wie es wahrhaftig bei den Sāṃkhyas
yogeṣu ca mahātmasu
und bei den großen Seelen unter den Yogins

yad eva yogāḥ paśyanti sāṃkhyaṃ tad anugamyate / ekaṃ sāṃkhyaṃ ca yogaṃ ca yaḥ paśyati sa buddhimān //

was die Yogins eben schauen, dem folgt auch das Sāṃkhya; wer Sāṃkhya und Yoga als eins erkennt, der ist der Weise,

Wort für Wort
yad eva yogāḥ paśyanti
was die Yogins eben schauen
sāṃkhyaṃ tad anugamyate
dem folgt auch das Sāṃkhya
ekaṃ sāṃkhyaṃ ca yogaṃ ca
Sāṃkhya und Yoga als eins
yaḥ paśyati sa buddhimān
wer erkennt, der ist der Weise

tvaṅ māṃsaṃ rudhiraṃ medaḥ pittaṃ majjāsthi snāyu ca / etad aindriyakaṃ tāta yad bhavān ittham āttha mām //

Haut, Fleisch, Blut, Fett, Galle, Mark, Knochen und Sehne - dies ist [bloß] das den Sinnen [Zugängliche], o Sohn, was du mir da so [als Beweis] genannt hast,

Wort für Wort
tvaṅ māṃsaṃ rudhiraṃ medaḥ
Haut, Fleisch, Blut, Fett
pittaṃ majjāsthi snāyu ca
Galle, Mark, Knochen und Sehne
etad aindriyakaṃ tāta
dies ist das den Sinnen Zugängliche, o Sohn
yad bhavān ittham āttha mām
was du mir so genannt hast

dravyād dravyasya nirvṛttir indriyād indriyaṃ tathā / dehād deham avāpnoti bījād bījaṃ tathaiva ca //

aus Stoff entsteht Stoff, ebenso aus Sinnesorgan Sinnesorgan; aus Körper erlangt man Körper, und ebenso aus Samen Samen,

Wort für Wort
dravyād dravyasya nirvṛttir
aus Stoff entsteht Stoff
indriyād indriyaṃ tathā
ebenso aus Sinnesorgan Sinnesorgan
dehād deham avāpnoti
aus Körper erlangt man Körper
bījād bījaṃ tathaiva ca
und ebenso aus Samen Samen

nirindriyasya bījasya nirdravyasyāpi dehinaḥ / kathaṃ guṇā bhaviṣyanti nirguṇatvān mahātmanaḥ //

doch wie sollten dem [wahren Selbst], das ohne Sinnesorgan und ohne Samen ist, das auch ohne Stoff des verkörperten [Wesens] ist, überhaupt Eigenschaften zukommen - wegen der Eigenschaftslosigkeit der großen Seele?

Wort für Wort
nirindriyasya bījasya
dem ohne Sinnesorgan und ohne Samen
nirdravyasyāpi dehinaḥ
auch ohne Stoff des verkörperten [Wesens]
kathaṃ guṇā bhaviṣyanti
wie sollten Eigenschaften zukommen
nirguṇatvān mahātmanaḥ
wegen der Eigenschaftslosigkeit der großen Seele

guṇā guṇeṣu jāyante tatraiva viramanti ca / evaṃ guṇāḥ prakṛtijā jāyante na ca yānti ca //

Eigenschaften entstehen aus Eigenschaften und hören eben dort [wieder] auf; so entstehen die aus der Prakṛti geborenen Eigenschaften, doch [das wahre Selbst] geht [dabei] nicht [mit ihnen],

Wort für Wort
guṇā guṇeṣu jāyante
Eigenschaften entstehen aus Eigenschaften
tatraiva viramanti ca
und hören eben dort auf
evaṃ guṇāḥ prakṛtijā
so die aus der Prakṛti geborenen Eigenschaften
jāyante na ca yānti ca
entstehen, doch [das Selbst] geht nicht [mit ihnen]

tvaṅ māṃsaṃ rudhiraṃ medaḥ pittaṃ majjāsthi snāyu ca / aṣṭau tāny atha śukreṇa jānīhi prākṛtena vai //

Haut, Fleisch, Blut, Fett, Galle, Mark, Knochen und Sehne - diese acht, wisse, [entstehen] zusammen mit dem Samen aus der Prakṛti,

Wort für Wort
tvaṅ māṃsaṃ rudhiraṃ medaḥ
Haut, Fleisch, Blut, Fett
pittaṃ majjāsthi snāyu ca
Galle, Mark, Knochen und Sehne
aṣṭau tāny atha śukreṇa
diese acht, mit dem Samen
jānīhi prākṛtena vai
wisse, aus der Prakṛti

pumāṃś caivāpumāṃś caiva strīliṅgaṃ prākṛtaṃ smṛtam / vāyur eṣa pumāṃś caiva rasa ity abhidhīyate //

und männlich, und ebenso nicht-männlich - das weibliche Geschlechtsmerkmal wird als aus der Prakṛti [stammend] überliefert; dieser Wind wird männlich [genannt], und der [weibliche] Saft wird [entsprechend] bezeichnet,

Wort für Wort
pumāṃś caivāpumāṃś caiva
und männlich, und ebenso nicht-männlich
strīliṅgaṃ prākṛtaṃ smṛtam
wird das weibliche Geschlechtsmerkmal aus der Prakṛti überliefert
vāyur eṣa pumāṃś caiva
dieser Wind wird männlich [genannt]
rasa ity abhidhīyate
und der [weibliche] Saft wird bezeichnet

[?] Diese knappe Zuordnung von Wind (Vāyu) zum Männlichen und Saft/Feuchtigkeit (Rasa) zum Weiblichen im Zeugungsvorgang bleibt in ihren Einzelheiten unklar.

aliṅgā prakṛtir liṅgair upalabhyati sātmajaiḥ / yathā puṣpaphalair nityaṃ mūrtaṃ cāmūrtayas tathā //

die merkmallose Prakṛti wird durch ihre eigenen [erzeugten] Merkmale erfasst, wie [man Bäume] stets durch Blüten und Früchte [erkennt], und ebenso [erkennt man] die Gestaltlosen durch die Gestalt,

Wort für Wort
aliṅgā prakṛtir liṅgair
die merkmallose Prakṛti wird durch Merkmale
upalabhyati sātmajaiḥ
erfasst, durch ihre eigenen [erzeugten Merkmale]
yathā puṣpaphalair nityaṃ
wie stets durch Blüten und Früchte
mūrtaṃ cāmūrtayas tathā
so [erkennt man] die Gestaltlosen durch die Gestalt

evam apy anumānena sa liṅgam upalabhyate / pañcaviṃśatikas tāta liṅgeṣu niyatātmakaḥ //

ebenso wird auch er [der Puruṣa] durch Erschließung [an seinem] Merkmal erfasst - der Fünfundzwanzigste, o Sohn, dessen Wesen in den [äußeren] Merkmalen [scheinbar] gebunden ist,

Wort für Wort
evam apy anumānena
ebenso durch Erschließung
sa liṅgam upalabhyate
wird er an seinem Merkmal erfasst
pañcaviṃśatikas tāta
der Fünfundzwanzigste, o Sohn
liṅgeṣu niyatātmakaḥ
dessen Wesen in den Merkmalen [scheinbar] gebunden ist

anādinidhano 'nantaḥ sarvadarśanakevalaḥ / kevalaṃ tv abhimānitvād guṇeṣu guṇa ucyate //

ohne Anfang und Ende, unendlich, ausschließlich reines Schauen - doch allein aus Ich-Bezogenheit wird er, [obwohl eigenschaftslos, fälschlich] als 'mit Eigenschaften' unter den Eigenschaften bezeichnet,

Wort für Wort
anādinidhano 'nantaḥ
ohne Anfang und Ende, unendlich
sarvadarśanakevalaḥ
ausschließlich reines Schauen
kevalaṃ tv abhimānitvād
doch allein aus Ich-Bezogenheit
guṇeṣu guṇa ucyate
wird er unter den Eigenschaften als 'mit Eigenschaften' bezeichnet

guṇā guṇavataḥ santi nirguṇasya kuto guṇāḥ / tasmād evaṃ vijānanti ye janā guṇadarśinaḥ //

Eigenschaften kommen nur dem zu, der [wirklich] mit Eigenschaften [behaftet] ist - woher sollten dem Eigenschaftslosen Eigenschaften [zukommen]? Deshalb erkennen dies so jene Menschen, die die Guṇas [richtig] durchschauen,

Wort für Wort
guṇā guṇavataḥ santi
Eigenschaften kommen dem zu, der mit Eigenschaften [behaftet] ist
nirguṇasya kuto guṇāḥ
woher [sollten] dem Eigenschaftslosen Eigenschaften [zukommen]
tasmād evaṃ vijānanti
deshalb erkennen dies so
ye janā guṇadarśinaḥ
jene Menschen, die die Guṇas durchschauen

yadā tv eṣa guṇān etān prākṛtān abhimanyate / tadā sa guṇavān eva guṇabhedān prapaśyati //

wenn er sich aber diese aus der Prakṛti [stammenden] Eigenschaften zueigen macht, dann erscheint er selbst als 'mit Eigenschaften' und erblickt die Unterschiede der Eigenschaften,

Wort für Wort
yadā tv eṣa guṇān etān
wenn er aber diese Eigenschaften
prākṛtān abhimanyate
aus der Prakṛti sich zueigen macht
tadā sa guṇavān eva
dann erscheint er selbst als 'mit Eigenschaften'
guṇabhedān prapaśyati
und erblickt die Unterschiede der Eigenschaften

yat tad buddheḥ paraṃ prāhuḥ sāṃkhyayogaṃ ca sarvaśaḥ / budhyamānaṃ mahāprājñāḥ prabuddhaparivarjanāt //

jenes, was jenseits der Buddhi ist, nennen die überaus Weisen ganz und gar Sāṃkhya-Yoga, das [immer schon] Erwachte, indem sie es vom [bloß] Erweckten unterscheiden,

Wort für Wort
yat tad buddheḥ paraṃ prāhuḥ
jenes, was jenseits der Buddhi ist, nennen sie
sāṃkhyayogaṃ ca sarvaśaḥ
ganz und gar Sāṃkhya-Yoga
budhyamānaṃ mahāprājñāḥ
das [immer schon] Erwachte, die überaus Weisen
prabuddhaparivarjanāt
indem sie es vom [bloß] Erweckten unterscheiden

[?] Die Unterscheidung zwischen 'budhyamāna' (dem beständig/immerwährend Erwachenden, dem wahren Selbst) und 'prabuddha' (dem [nachträglich] Erweckten, dem manifesten Erscheinen) bleibt begrifflich subtil und schwer eindeutig wiederzugeben.

aprabuddhaṃ yathā vyaktaṃ svaguṇaiḥ prāhur īśvaram / nirguṇaṃ ceśvaraṃ nityam adhiṣṭhātāram eva ca //

wie sie das nicht-erweckte Manifeste durch seine eigenen Eigenschaften als 'Herrscher' bezeichnen, [so bezeichnen sie] auch den eigenschaftslosen, ewigen Herrscher als den [wahren] Regenten,

Wort für Wort
aprabuddhaṃ yathā vyaktaṃ
wie das nicht-erweckte Manifeste
svaguṇaiḥ prāhur īśvaram
durch seine eigenen Eigenschaften als 'Herrscher' bezeichnet wird
nirguṇaṃ ceśvaraṃ nityam
[so] den eigenschaftslosen, ewigen Herrscher
adhiṣṭhātāram eva ca
auch als den [wahren] Regenten

prakṛteś ca guṇānāṃ ca pañcaviṃśatikaṃ budhāḥ / sāṃkhyayoge ca kuśalā budhyante paramaiṣiṇaḥ //

und die Weisen, die im Sāṃkhya-Yoga bewandert sind, die nach dem Höchsten Verlangenden, erkennen den Fünfundzwanzigsten [als jenseits] von Prakṛti und den Guṇas,

Wort für Wort
prakṛteś ca guṇānāṃ ca
[jenseits] von Prakṛti und den Guṇas
pañcaviṃśatikaṃ budhāḥ
den Fünfundzwanzigsten, die Weisen
sāṃkhyayoge ca kuśalā
die im Sāṃkhya-Yoga bewandert sind
budhyante paramaiṣiṇaḥ
erkennen ihn, die nach dem Höchsten Verlangenden

yadā prabuddham avyaktam avasthātananīravaḥ / budhyamānaṃ na budhyante 'vagacchanti samaṃ tadā //

wenn sie das erweckte Unmanifeste [erkennen], ruhig in [seinem] Zustand verharrend, dann erkennen sie das [immer schon] Erwachende nicht [mehr als etwas Gewordenes], sondern verstehen es dann als [ihm] gleich,

Wort für Wort
yadā prabuddham avyaktam
wenn sie das erweckte Unmanifeste [erkennen]
avasthātananīravaḥ
ruhig in [seinem] Zustand verharrend
budhyamānaṃ na budhyante
erkennen sie das Erwachende nicht [mehr als solches]
'vagacchanti samaṃ tadā
sondern verstehen es dann als [ihm] gleich

[?] Dieser Vers bleibt in seiner genauen begrifflichen Struktur schwer greifbar.

etan nidarśanaṃ samyaṅ na samyag anudarśanam / budhyamānaṃ prabudhyante dvābhyāṃ pṛthag ariṃdama //

dies ist die rechte Erkenntnis, [während] das Nach-Erkennen nicht recht ist; das [immer schon] Erwachende erkennen sie [erst] durch die zwei [Aspekte] getrennt, o Bezwinger der Feinde,

Wort für Wort
etan nidarśanaṃ samyaṅ
dies ist die rechte Erkenntnis
na samyag anudarśanam
[während] das Nach-Erkennen nicht recht ist
budhyamānaṃ prabudhyante
das Erwachende erkennen sie
dvābhyāṃ pṛthag ariṃdama
durch die zwei getrennt, o Bezwinger der Feinde

paraspareṇaitad uktaṃ kṣarākṣaranidarśanam / ekatvam akṣaraṃ prāhur nānātvaṃ kṣaram ucyate //

dies ist wechselseitig als das Beispiel von Kṣara und Akṣara ausgesagt worden: die Einheit nennen sie Akṣara, die Vielheit wird Kṣara genannt,

Wort für Wort
paraspareṇaitad uktaṃ
dies ist wechselseitig ausgesagt worden
kṣarākṣaranidarśanam
als das Beispiel von Kṣara und Akṣara
ekatvam akṣaraṃ prāhur
die Einheit nennen sie Akṣara
nānātvaṃ kṣaram ucyate
die Vielheit wird Kṣara genannt

pañcaviṃśatiniṣṭho 'yaṃ tadā samyak pracakṣate / ekatvadarśanaṃ cāsya nānātvaṃ cāsya darśanam //

dieser, im Fünfundzwanzigsten gegründete, wird dann recht bezeichnet: sowohl die Schau seiner Einheit als auch die Schau seiner Vielheit,

Wort für Wort
pañcaviṃśatiniṣṭho 'yaṃ
dieser, im Fünfundzwanzigsten gegründete
tadā samyak pracakṣate
wird dann recht bezeichnet
ekatvadarśanaṃ cāsya
sowohl die Schau seiner Einheit
nānātvaṃ cāsya darśanam
als auch die Schau seiner Vielheit

tattvavit tattvayor eva pṛthag etan nidarśanam / pañcaviṃśatibhis tattvaṃ tattvam āhur manīṣiṇaḥ //

der Kenner der Wahrheit [erkennt] dies als Beispiel eben der beiden Prinzipien, getrennt; durch die Fünfundzwanzig[fachheit] nennen die Weisen [ihn] das [wahre] Prinzip, das Prinzip,

Wort für Wort
tattvavit tattvayor eva
der Kenner der Wahrheit, eben der beiden Prinzipien
pṛthag etan nidarśanam
dies als Beispiel, getrennt
pañcaviṃśatibhis tattvaṃ
durch die Fünfundzwanzigfachheit das Prinzip
tattvam āhur manīṣiṇaḥ
nennen die Weisen das [wahre] Prinzip

nistattvaṃ pañcaviṃśasya param āhur manīṣiṇaḥ / varjyasya varjyam ācāraṃ tattvaṃ tattvāt sanātanam //

das Jenseits-der-Prinzipien des Fünfundzwanzigsten nennen die Weisen das Höchste; das zu meidende Verhalten des zu Meidenden [nennen sie] das ewige Prinzip, jenseits [jedes bedingten] Prinzips [?],

Wort für Wort
nistattvaṃ pañcaviṃśasya
das Jenseits-der-Prinzipien des Fünfundzwanzigsten
param āhur manīṣiṇaḥ
nennen die Weisen das Höchste
varjyasya varjyam ācāraṃ
das zu meidende Verhalten des zu Meidenden
tattvaṃ tattvāt sanātanam
das ewige Prinzip, jenseits [jedes] Prinzips

[?] Die zweite Vershälfte ('varjyasya varjyam ācāraṃ tattvaṃ tattvāt sanātanam') bleibt in ihrer genauen Aussage unsicher.

{karālajanaka uvāca: } nānātvaikatvam ity uktaṃ tvayaitad dvijasattama / paśyatas tad dhi saṃdigdham etayor vai nidarśanam //

Karālajanaka sprach: Was du da über Vielheit und Einheit gesagt hast, o bester der Zweifachgeborenen - für den, der [es] betrachtet, ist eben dieses Beispiel der beiden zweifelhaft,

Wort für Wort
nānātvaikatvam ity uktaṃ
Vielheit und Einheit, so gesagt
tvayaitad dvijasattama
von dir, o bester der Zweifachgeborenen
paśyatas tad dhi saṃdigdham
für den, der es betrachtet, ist es zweifelhaft
etayor vai nidarśanam
eben dieses Beispiel der beiden

tathā buddhaprabuddhābhyāṃ budhyamānasya cānagha / sthūlabuddhyā na paśyāmi tattvam etan na saṃśayaḥ //

und ebenso sehe ich, o Sündenloser, mit meinem groben Verstand die Wahrheit dessen, was 'erwacht', 'erweckt' und '[dauernd] erwachend' [ist], nicht - daran ist kein Zweifel,

Wort für Wort
tathā buddhaprabuddhābhyāṃ
ebenso, mit 'erwacht' und 'erweckt'
budhyamānasya cānagha
und '[dauernd] erwachend', o Sündenloser
sthūlabuddhyā na paśyāmi
mit grobem Verstand sehe ich nicht
tattvam etan na saṃśayaḥ
die Wahrheit dessen - kein Zweifel

akṣarakṣarayor uktaṃ tvayā yad api kāraṇam / tad apy asthirabuddhitvāt pranaṣṭam iva me 'nagha //

auch die Ursache von Akṣara und Kṣara, die du genannt hast - auch die ist mir, o Sündenloser, wegen [meines] unbeständigen Verstandes wie verlorengegangen,

Wort für Wort
akṣarakṣarayor uktaṃ
von Akṣara und Kṣara, genannt
tvayā yad api kāraṇam
die Ursache, die du auch [genannt hast]
tad apy asthirabuddhitvāt
auch die, wegen [meines] unbeständigen Verstandes
pranaṣṭam iva me 'nagha
ist mir wie verlorengegangen, o Sündenloser

tad etac chrotum icchāmi nānātvaikatvadarśanam / dvaṃdvaṃ caivāniruddhaṃ ca budhyamānaṃ ca tattvataḥ //

deshalb möchte ich dies hören: die Schau von Vielheit und Einheit, das Gegensatzpaar, das Ungehinderte, und das [dauernd] Erwachende - alles wahrhaftig,

Wort für Wort
tad etac chrotum icchāmi
deshalb möchte ich dies hören
nānātvaikatvadarśanam
die Schau von Vielheit und Einheit
dvaṃdvaṃ caivāniruddhaṃ ca
das Gegensatzpaar und das Ungehinderte
budhyamānaṃ ca tattvataḥ
und das Erwachende, wahrhaftig

vidyāvidye ca bhagavann akṣaraṃ kṣaram eva ca / sāṃkhyayogaṃ ca kṛtsnena buddhābuddhiṃ pṛthak pṛthak //

und Wissen und Unwissen, o Erhabener, Akṣara und ebenso Kṣara, und Sāṃkhya-Yoga in seiner Gesamtheit, [sowie] das Erwachte und Unerwachte, jedes für sich getrennt.

Wort für Wort
vidyāvidye ca bhagavann
und Wissen und Unwissen, o Erhabener
akṣaraṃ kṣaram eva ca
Akṣara und ebenso Kṣara
sāṃkhyayogaṃ ca kṛtsnena
und Sāṃkhya-Yoga in seiner Gesamtheit
buddhābuddhiṃ pṛthak pṛthak
das Erwachte und Unerwachte, jedes für sich

{vasiṣṭha uvāca: } hanta te saṃpravakṣyāmi yad etad anupṛcchasi / yogakṛtyaṃ mahārāja pṛthag eva śṛṇuṣva me //

Vasiṣṭha sprach: Wohlan, ich werde dir das darlegen, wonach du fragst; das Wirken des Yoga, o großer König, höre es von mir, jedes für sich getrennt,

Wort für Wort
hanta te saṃpravakṣyāmi
wohlan, ich werde dir darlegen
yad etad anupṛcchasi
wonach du fragst
yogakṛtyaṃ mahārāja
das Wirken des Yoga, o großer König
pṛthag eva śṛṇuṣva me
höre es von mir, jedes für sich getrennt

yogakṛtyaṃ tu yogānāṃ dhyānam eva paraṃ balam / tac cāpi dvividhaṃ dhyānam āhur vidyāvido janāḥ //

das Wirken des Yoga der Yogins aber ist die Meditation, die höchste Kraft; und auch diese Meditation nennen die wissenden Menschen zweifacher Art,

Wort für Wort
yogakṛtyaṃ tu yogānāṃ
das Wirken des Yoga der Yogins aber
dhyānam eva paraṃ balam
ist die Meditation, die höchste Kraft
tac cāpi dvividhaṃ dhyānam
und auch diese Meditation zweifacher Art
āhur vidyāvido janāḥ
nennen die wissenden Menschen

ekāgratā ca manasaḥ prāṇāyāmas tathaiva ca / prāṇāyāmas tu saguṇo nirguṇo mānasas tathā //

die Einspitzigkeit des Geistes, und ebenso die Atemzügelung (Prāṇāyāma); die Atemzügelung aber ist 'mit Merkmal', die geistige [Meditation] ebenso 'ohne Merkmal',

Wort für Wort
ekāgratā ca manasaḥ
die Einspitzigkeit des Geistes
prāṇāyāmas tathaiva ca
und ebenso die Atemzügelung
prāṇāyāmas tu saguṇo
die Atemzügelung aber ist 'mit Merkmal'
nirguṇo mānasas tathā
die geistige [Meditation] ebenso 'ohne Merkmal'

mūtrotsarge purīṣe ca bhojane ca narādhipa / dvikālaṃ nopabhuñjīta śeṣaṃ bhuñjīta tatparaḥ //

beim Wasserlassen, beim Stuhlgang und beim Essen, o Herrscher der Menschen, sollte man nicht zweimal [am Tag] genießen; das Übrige [an Zeit] verbringe man diesem [Yoga] hingegeben,

Wort für Wort
mūtrotsarge purīṣe ca
beim Wasserlassen, beim Stuhlgang
bhojane ca narādhipa
und beim Essen, o Herrscher der Menschen
dvikālaṃ nopabhuñjīta
sollte man nicht zweimal [am Tag] genießen
śeṣaṃ bhuñjīta tatparaḥ
das Übrige verbringe man diesem hingegeben

indriyāṇīndriyārthebhyo nivartya manasā muniḥ / daśadvādaśabhir vāpi caturviṃśāt paraṃ yataḥ //

nachdem der Weise die Sinnesorgane mit dem Geist von den Sinnesobjekten zurückgezogen hat, [halte er den Atem an] für zehn oder zwölf [Zählmaße], oder länger als vierundzwanzig, sich bezähmend,

Wort für Wort
indriyāṇīndriyārthebhyo
die Sinnesorgane von den Sinnesobjekten
nivartya manasā muniḥ
zurückgezogen mit dem Geist, der Weise
daśadvādaśabhir vāpi
für zehn oder zwölf [Zählmaße]
caturviṃśāt paraṃ yataḥ
oder länger als vierundzwanzig, sich bezähmend

[?] Die genaue Bedeutung der Zahlenangaben (zehn, zwölf, vierundzwanzig) - wohl Zählmaße der Atemanhaltung (Prāṇāyāma) - bleibt ohne weiteren Kontext unsicher.

sa codanābhir matimān nātmānaṃ codayed atha / tiṣṭhantam ajaraṃ taṃ tu yat tad uktaṃ manīṣibhiḥ //

der Verständige dränge sich selbst nicht mit [äußeren] Antrieben, sondern [lasse] jenen alterslosen [Zustand] verweilen, der von den Weisen [als das Ziel] bezeichnet wird,

Wort für Wort
sa codanābhir matimān
der Verständige mit [äußeren] Antrieben
nātmānaṃ codayed atha
dränge sich selbst nicht
tiṣṭhantam ajaraṃ taṃ tu
sondern jenen alterslosen [Zustand] verweilen [lassen]
yat tad uktaṃ manīṣibhiḥ
der von den Weisen bezeichnet wird

viśvātmā satataṃ jñeya ity evam anuśuśruma / dravyaṃ hy ahīnamanaso nānyatheti viniścayaḥ //

'die Allseele ist beständig zu erkennen' - so haben wir es überliefert vernommen; [dies gelingt nur] dem, dessen Geist nicht [zerstreut] ist - nicht anders lautet die Gewissheit,

Wort für Wort
viśvātmā satataṃ jñeya
'die Allseele ist beständig zu erkennen'
ity evam anuśuśruma
so haben wir es überliefert vernommen
dravyaṃ hy ahīnamanaso
[nur] dem, dessen Geist nicht [zerstreut] ist
nānyatheti viniścayaḥ
nicht anders lautet die Gewissheit

vimuktaḥ sarvasaṅgebhyo laghvāhāro jitendriyaḥ / pūrvarātre parārdhe ca dhārayīta mano hṛdi //

befreit von aller Anhaftung, mit leichter Speise, mit bezwungenen Sinnen, halte er in der ersten Nachthälfte und in der zweiten [Nachthälfte] den Geist im Herzen fest,

Wort für Wort
vimuktaḥ sarvasaṅgebhyo
befreit von aller Anhaftung
laghvāhāro jitendriyaḥ
mit leichter Speise, mit bezwungenen Sinnen
pūrvarātre parārdhe ca
in der ersten und in der zweiten Nachthälfte
dhārayīta mano hṛdi
halte er den Geist im Herzen fest

sthirīkṛtyendriyagrāmaṃ manasā mithileśvara / mano buddhyā sthiraṃ kṛtvā pāṣāṇa iva niścalaḥ //

nachdem er die Gesamtheit der Sinnesorgane mit dem Geist gefestigt hat, o Herrscher von Mithilā, und den Geist durch die Buddhi festgemacht hat, [werde er] unbeweglich wie ein Fels,

Wort für Wort
sthirīkṛtyendriyagrāmaṃ
die Gesamtheit der Sinnesorgane gefestigt
manasā mithileśvara
mit dem Geist, o Herrscher von Mithilā
mano buddhyā sthiraṃ kṛtvā
den Geist durch die Buddhi festgemacht
pāṣāṇa iva niścalaḥ
unbeweglich wie ein Fels

sthāṇuvac cāpy akampyaḥ syād dāruvac cāpi niścalaḥ / buddhyā vidhividhānajñas tato yuktaṃ pracakṣate //

und werde unerschütterlich wie ein Baumstumpf, und unbeweglich wie Holz - ein solcher, der durch die Buddhi die Vorschriften und Anordnungen kennt, wird dann als 'im Yoga vereint' bezeichnet,

Wort für Wort
sthāṇuvac cāpy akampyaḥ syād
unerschütterlich wie ein Baumstumpf
dāruvac cāpi niścalaḥ
und unbeweglich wie Holz
buddhyā vidhividhānajñas
der durch die Buddhi die Vorschriften kennt
tato yuktaṃ pracakṣate
wird dann als 'im Yoga vereint' bezeichnet

na śṛṇoti na cāghrāti na ca paśyati kiṃcana / na ca sparśaṃ vijānāti na ca saṃkalpate manaḥ //

er hört nichts, riecht nichts, sieht auch nichts, erkennt auch keine Berührung, und der Geist bildet auch keine [begehrenden] Vorstellungen,

Wort für Wort
na śṛṇoti na cāghrāti
er hört nichts, riecht nichts
na ca paśyati kiṃcana
und sieht auch nichts
na ca sparśaṃ vijānāti
und erkennt auch keine Berührung
na ca saṃkalpate manaḥ
und der Geist bildet auch keine Vorstellungen

na cāpi manyate kiṃcin na ca budhyeta kāṣṭhavat / tadā prakṛtim āpannaṃ yuktam āhur manīṣiṇaḥ //

und er denkt auch nichts, und erkennt auch nichts, wie ein Holzstück - dann nennen die Weisen den, der zur [reinen] Natur gelangt ist, 'vereint',

Wort für Wort
na cāpi manyate kiṃcin
und er denkt auch nichts
na ca budhyeta kāṣṭhavat
und erkennt auch nichts, wie ein Holzstück
tadā prakṛtim āpannaṃ
dann den, der zur Natur gelangt ist
yuktam āhur manīṣiṇaḥ
nennen die Weisen 'vereint'

na bhāti hi yathā dīpo dīptis tadvac ca dṛśyate / niliṅgaś cādhaś cordhvaṃ ca tiryaggatim avāpnuyāt //

denn wie eine Lampe nicht [mehr sichtbar] leuchtet, [und doch] ihr Schein ebenso [noch] gesehen wird - merkmallos, [kann er] sowohl nach unten als auch nach oben und in seitliche Richtung gelangen,

Wort für Wort
na bhāti hi yathā dīpo
denn wie eine Lampe nicht [mehr] leuchtet
dīptis tadvac ca dṛśyate
[und doch] ihr Schein ebenso gesehen wird
niliṅgaś cādhaś cordhvaṃ ca
merkmallos, sowohl nach unten als auch nach oben
tiryaggatim avāpnuyāt
und kann er in seitliche Richtung gelangen

[?] Das Bild von der 'nicht mehr leuchtenden, aber noch sichtbaren' Lampe und der anschließende Hinweis auf Bewegung nach unten, oben und seitwärts bleiben in ihrer genauen Aussage unklar.

tadā tadupapannaś ca yasmin dṛṣṭe ca kathyate / hṛdayastho 'ntarātmeti jñeyo jñas tāta madvidhaiḥ //

dann, mit jenem [Zustand] versehen, wird, wenn er geschaut ist, [gesagt]: 'im Herzen weilend, das innere Selbst' - so ist er von unseresgleichen als der Erkennende zu erkennen, o Sohn,

Wort für Wort
tadā tadupapannaś ca
dann, mit jenem [Zustand] versehen
yasmin dṛṣṭe ca kathyate
wird, wenn er geschaut ist, gesagt
hṛdayastho 'ntarātmeti
'im Herzen weilend, das innere Selbst'
jñeyo jñas tāta madvidhaiḥ
so ist er als der Erkennende zu erkennen von unseresgleichen, o Sohn

nirdhūma iva saptārcir āditya iva raśmivān / vaidyuto 'gnir ivākāśe paśyaty ātmānam ātmani //

wie die siebenzüngige Flamme ohne Rauch, wie die Sonne mit ihren Strahlen, wie das Blitzfeuer im Himmel - so sieht er das Selbst im Selbst,

Wort für Wort
nirdhūma iva saptārcir
wie die siebenzüngige Flamme ohne Rauch
āditya iva raśmivān
wie die Sonne mit ihren Strahlen
vaidyuto 'gnir ivākāśe
wie das Blitzfeuer im Himmel
paśyaty ātmānam ātmani
sieht er das Selbst im Selbst

yaṃ paśyanti mahātmāno dhṛtimanto manīṣiṇaḥ / brāhmaṇā brahmayonisthā hy ayonim amṛtātmakam //

den die großen Seelen schauen, die standhaften Weisen, die Brahmanen, die im Ursprung des Brahman gegründet sind - den Ursprungslosen, von unsterblichem Wesen,

Wort für Wort
yaṃ paśyanti mahātmāno
den die großen Seelen schauen
dhṛtimanto manīṣiṇaḥ
die standhaften Weisen
brāhmaṇā brahmayonisthā
die Brahmanen, im Ursprung des Brahman gegründet
hy ayonim amṛtātmakam
den Ursprungslosen, von unsterblichem Wesen

tad evāhur aṇubhyo 'ṇu tan mahadbhyo mahattaram / sarvatra sarvabhūteṣu dhruvaṃ tiṣṭhan na dṛśyate //

eben ihn nennen sie feiner als das Feine, größer als das Große; überall, in allen Wesen, fest verweilend, wird er [dennoch] nicht gesehen,

Wort für Wort
tad evāhur aṇubhyo 'ṇu
eben ihn nennen sie feiner als das Feine
tan mahadbhyo mahattaram
größer als das Große
sarvatra sarvabhūteṣu
überall, in allen Wesen
dhruvaṃ tiṣṭhan na dṛśyate
fest verweilend, wird er nicht gesehen

[Anm.] Diese Formulierung ('feiner als das Feine, größer als das Große') greift die berühmte Wendung der Kaṭha-Upaniṣad 1.2.20 auf ('aṇor aṇīyān mahato mahīyān').

buddhidravyeṇa dṛśyena manodīpena lokakṛt / mahatas tamasas tāta pāre tiṣṭhan na tāmasaḥ //

durch das sichtbare Element der Buddhi, mit dem Geist als Lampe, [erblickt man] den Welterschaffer, o Sohn, der jenseits der großen Finsternis verweilt und [selbst] nicht finster ist,

Wort für Wort
buddhidravyeṇa dṛśyena
durch das sichtbare Element der Buddhi
manodīpena lokakṛt
mit dem Geist als Lampe, den Welterschaffer
mahatas tamasas tāta
jenseits der großen Finsternis, o Sohn
pāre tiṣṭhan na tāmasaḥ
verweilend und [selbst] nicht finster

tamaso dūra ity uktas tattvajñair vedapāragaiḥ / vimalo vimataś caiva nirliṅgo 'liṅgasaṃjñakaḥ //

'fern von der Finsternis' wird er von den Wahrheitskennern genannt, die die Veden durchdrungen haben - makellos, und auch [jenseits jeder] Meinung, merkmallos, als 'der Merkmallose' bezeichnet,

Wort für Wort
tamaso dūra ity uktas
'fern von der Finsternis' wird er genannt
tattvajñair vedapāragaiḥ
von den Wahrheitskennern, die die Veden durchdrungen haben
vimalo vimataś caiva
makellos, und auch [jenseits jeder] Meinung
nirliṅgo 'liṅgasaṃjñakaḥ
merkmallos, als 'der Merkmallose' bezeichnet

yoga eṣa hi lokānāṃ kim anyad yogalakṣaṇam / evaṃ paśyan prapaśyeta ātmānam ajaraṃ param //

dies eben ist der Yoga der Welten - was [wäre] ein anderes Kennzeichen des Yoga? So schauend erblicke man das höchste, alterslose Selbst.

Wort für Wort
yoga eṣa hi lokānāṃ
dies eben ist der Yoga der Welten
kim anyad yogalakṣaṇam
was [wäre] ein anderes Kennzeichen des Yoga
evaṃ paśyan prapaśyeta
so schauend erblicke man
ātmānam ajaraṃ param
das höchste, alterslose Selbst

yogadarśanam etāvad uktaṃ te tattvato mayā / sāṃkhyajñānaṃ pravakṣyāmi parisaṃkhyānidarśanam //

So weit ist dir die Lehre des Yoga von mir wahrhaftig dargelegt worden; nun werde ich das Sāṃkhya-Wissen darlegen, das Beispiel der vollständigen Aufzählung,

Wort für Wort
yogadarśanam etāvad
so weit die Lehre des Yoga
uktaṃ te tattvato mayā
ist dir von mir wahrhaftig dargelegt worden
sāṃkhyajñānaṃ pravakṣyāmi
nun werde ich das Sāṃkhya-Wissen darlegen
parisaṃkhyānidarśanam
das Beispiel der vollständigen Aufzählung

avyaktam āhuḥ prakhyānaṃ parāṃ prakṛtim ātmanaḥ / tasmān mahat samutpannaṃ dvitīyaṃ rājasattama //

das Unmanifeste nennen sie die höchste Erscheinungsform, die höchste Prakṛti des Selbst; aus ihr entstand das Mahat, das zweite, o bester der Könige,

Wort für Wort
avyaktam āhuḥ prakhyānaṃ
das Unmanifeste nennen sie die Erscheinungsform
parāṃ prakṛtim ātmanaḥ
die höchste Prakṛti des Selbst
tasmān mahat samutpannaṃ
aus ihr entstand das Mahat
dvitīyaṃ rājasattama
das zweite, o bester der Könige

ahaṃkāras tu mahatas tṛtīya iti naḥ śrutam / pañcabhūtāny ahaṃkārād āhuḥ sāṃkhyātmadarśinaḥ //

der Ahaṃkāra aber [entstand] aus dem Mahat, als das dritte - so haben wir es überliefert vernommen; die fünf Elemente [entstanden] aus dem Ahaṃkāra, sagen die Sāṃkhya-Selbstschauer,

Wort für Wort
ahaṃkāras tu mahatas
der Ahaṃkāra aber aus dem Mahat
tṛtīya iti naḥ śrutam
als das dritte, so haben wir vernommen
pañcabhūtāny ahaṃkārād
die fünf Elemente aus dem Ahaṃkāra
āhuḥ sāṃkhyātmadarśinaḥ
sagen die Sāṃkhya-Selbstschauer

etāḥ prakṛtayas tv aṣṭau vikārāś cāpi ṣoḍaśa / pañca caiva viśeṣāś ca tathā pañcendriyāṇi ca //

diese acht Ur-Prinzipien, und ebenso die sechzehn Abwandlungen, und die fünf [Elementar-]Besonderheiten, und ebenso die fünf Sinnesorgane -

Wort für Wort
etāḥ prakṛtayas tv aṣṭau
diese acht Ur-Prinzipien
vikārāś cāpi ṣoḍaśa
und auch die sechzehn Abwandlungen
pañca caiva viśeṣāś ca
und die fünf Besonderheiten
tathā pañcendriyāṇi ca
und ebenso die fünf Sinnesorgane

[Anm.] Die hier gegebene Zählung (8 Ur-Prinzipien, 16 Abwandlungen, 5 Besonderheiten, 5 Sinnesorgane) weicht in ihrer Gliederung von der klassischen 25-Prinzipien-Aufzählung der Sāṃkhya-Kārikā ab und wirkt gegenüber jener eigentümlich zusammengefasst; die genaue Zuordnung der Kategorien bleibt unsicher.

etāvad eva tattvānāṃ sāṃkhyam āhur manīṣiṇaḥ / sāṃkhye sāṃkhyavidhānajñā nityaṃ sāṃkhyapathe sthitāḥ //

so viel [an Aufzählung] der Prinzipien nennen die Weisen 'Sāṃkhya'; im Sāṃkhya, die Kenner der Sāṃkhya-Ordnung, beständig auf dem Sāṃkhya-Pfad verweilend,

Wort für Wort
etāvad eva tattvānāṃ
so viel [an Aufzählung] der Prinzipien
sāṃkhyam āhur manīṣiṇaḥ
nennen die Weisen 'Sāṃkhya'
sāṃkhye sāṃkhyavidhānajñā
im Sāṃkhya, die Kenner der Sāṃkhya-Ordnung
nityaṃ sāṃkhyapathe sthitāḥ
beständig auf dem Sāṃkhya-Pfad verweilend

yasmād yad abhijāyeta tat tatraiva pralīyate / līyante pratilomāni gṛhyante cāntarātmanā //

woraus etwas entsteht, darin löst es sich auch [wieder] auf; in umgekehrter Ordnung lösen sie sich auf, und werden vom inneren Selbst [wieder] aufgenommen,

Wort für Wort
yasmād yad abhijāyeta
woraus etwas entsteht
tat tatraiva pralīyate
darin löst es sich auch [wieder] auf
līyante pratilomāni
in umgekehrter Ordnung lösen sie sich auf
gṛhyante cāntarātmanā
und werden vom inneren Selbst aufgenommen

ānulomyena jāyante līyante pratilomataḥ / guṇā guṇeṣu satataṃ sāgarasyormayo yathā //

in [der ursprünglichen] Reihenfolge entstehen sie, in umgekehrter Reihenfolge lösen sie sich auf - die Eigenschaften [entstehen und vergehen] beständig in den Eigenschaften, wie die Wellen des Ozeans,

Wort für Wort
ānulomyena jāyante
in [der ursprünglichen] Reihenfolge entstehen sie
līyante pratilomataḥ
in umgekehrter Reihenfolge lösen sie sich auf
guṇā guṇeṣu satataṃ
die Eigenschaften beständig in den Eigenschaften
sāgarasyormayo yathā
wie die Wellen des Ozeans

sargapralaya etāvān prakṛter nṛpasattama / ekatvaṃ pralaye cāsya bahutvaṃ ca tathā sṛji //

so groß ist Schöpfung und Auflösung der Prakṛti, o bester der Könige; ihre Einheit [besteht] in der Auflösung, und ebenso ihre Vielheit in der Schöpfung,

Wort für Wort
sargapralaya etāvān
so groß ist Schöpfung und Auflösung
prakṛter nṛpasattama
der Prakṛti, o bester der Könige
ekatvaṃ pralaye cāsya
ihre Einheit in der Auflösung
bahutvaṃ ca tathā sṛji
und ebenso ihre Vielheit in der Schöpfung

evam eva ca rājendra vijñeyaṃ jñānakovidaiḥ / adhiṣṭhātāram avyaktam asyāpy etan nidarśanam //

ebenso ist, o Fürst der Könige, von den im Wissen Bewanderten zu erkennen: den unmanifesten Regenten [betreffend] gilt auch für ihn dieses Beispiel,

Wort für Wort
evam eva ca rājendra
ebenso, o Fürst der Könige
vijñeyaṃ jñānakovidaiḥ
ist von den im Wissen Bewanderten zu erkennen
adhiṣṭhātāram avyaktam
den unmanifesten Regenten [betreffend]
asyāpy etan nidarśanam
gilt auch für ihn dieses Beispiel

ekatvaṃ ca bahutvaṃ ca prakṛter anu tattvavān / ekatvaṃ pralaye cāsya bahutvaṃ ca pravartanāt //

Einheit und Vielheit, der Prakṛti entsprechend, [besitzt] der Wahrheitskundige; seine Einheit [zeigt sich] in der Auflösung, und seine Vielheit im Hervortreten [der Schöpfung],

Wort für Wort
ekatvaṃ ca bahutvaṃ ca
Einheit und Vielheit
prakṛter anu tattvavān
der Prakṛti entsprechend, der Wahrheitskundige
ekatvaṃ pralaye cāsya
seine Einheit in der Auflösung
bahutvaṃ ca pravartanāt
und seine Vielheit im Hervortreten

bahudhātmā prakurvīta prakṛtiṃ prasavātmikām / tac ca kṣetraṃ mahān ātmā pañcaviṃśo 'dhitiṣṭhati //

vielfach gestaltet mag das Selbst die gebärende Prakṛti hervorbringen [lassen]; und über dieses Feld herrscht die große Seele, der Fünfundzwanzigste,

Wort für Wort
bahudhātmā prakurvīta
vielfach gestaltet mag das Selbst hervorbringen
prakṛtiṃ prasavātmikām
die gebärende Prakṛti
tac ca kṣetraṃ mahān ātmā
und über dieses Feld die große Seele
pañcaviṃśo 'dhitiṣṭhati
der Fünfundzwanzigste, herrscht

adhiṣṭhāteti rājendra procyate yatisattamaiḥ / adhiṣṭhānād adhiṣṭhātā kṣetrāṇām iti naḥ śrutam //

'der Regent' wird er, o Fürst der Könige, von den besten Asketen genannt; wegen seines Regierens ist er der Regent der Felder - so haben wir es überliefert vernommen,

Wort für Wort
adhiṣṭhāteti rājendra
'der Regent', o Fürst der Könige
procyate yatisattamaiḥ
wird er von den besten Asketen genannt
adhiṣṭhānād adhiṣṭhātā
wegen seines Regierens ist er der Regent
kṣetrāṇām iti naḥ śrutam
der Felder - so haben wir vernommen

kṣetraṃ jānāti cāvyaktaṃ kṣetrajña iti cocyate / avyaktike pure śete puruṣaś ceti kathyate //

und weil er das Feld, das Unmanifeste, kennt, wird er 'Feldkenner' genannt; 'in der unmanifesten Stadt [dem Körper] ruht er' - so wird der Puruṣa auch genannt,

Wort für Wort
kṣetraṃ jānāti cāvyaktaṃ
und er kennt das Feld, das Unmanifeste
kṣetrajña iti cocyate
und wird 'Feldkenner' genannt
avyaktike pure śete
in der unmanifesten Stadt ruht er
puruṣaś ceti kathyate
und wird [deshalb] Puruṣa genannt

[Anm.] Diese Zeile spielt auf die volksetymologische Deutung des Wortes 'Puruṣa' an (von 'pur', Stadt/Körper, und 'śete', 'er ruht/liegt').

anyad eva ca kṣetraṃ syād anyaḥ kṣetrajña ucyate / kṣetram avyakta ity uktaṃ jñātāraṃ pañcaviṃśakam //

und das Feld ist ein anderes, ein anderer wird der Feldkenner genannt; das Feld wird als das Unmanifeste bezeichnet, [und] der Erkennende ist der Fünfundzwanzigste,

Wort für Wort
anyad eva ca kṣetraṃ syād
und das Feld ist ein anderes
anyaḥ kṣetrajña ucyate
ein anderer wird der Feldkenner genannt
kṣetram avyakta ity uktaṃ
das Feld wird als das Unmanifeste bezeichnet
jñātāraṃ pañcaviṃśakam
der Erkennende ist der Fünfundzwanzigste

anyad eva ca jñānaṃ syād anyaj jñeyaṃ tad ucyate / jñānam avyaktam ity uktaṃ jñeyo vai pañcaviṃśakaḥ //

und das Wissen ist ein anderes, ein anderes wird das Erkennbare genannt; das Wissen wird als das Unmanifeste bezeichnet, das Erkennbare aber ist der Fünfundzwanzigste,

Wort für Wort
anyad eva ca jñānaṃ syād
und das Wissen ist ein anderes
anyaj jñeyaṃ tad ucyate
ein anderes wird das Erkennbare genannt
jñānam avyaktam ity uktaṃ
das Wissen wird als das Unmanifeste bezeichnet
jñeyo vai pañcaviṃśakaḥ
das Erkennbare aber ist der Fünfundzwanzigste

[Anm.] Auffällig ist die scheinbare Umkehrung gegenüber V.78-79: dort war der Fünfundzwanzigste (Puruṣa) der 'Erkennende' (jñātṛ), hier wird er als das 'Erkennbare' (jñeya) bezeichnet - ein Hinweis darauf, dass der höchste Puruṣa letztlich jenseits der Unterscheidung von Erkennendem und Erkanntem steht.

avyaktaṃ kṣetram ity uktaṃ tathā sattvaṃ tatheśvaram / anīśvaram atattvaṃ ca tattvaṃ tat pañcaviṃśakam //

das Unmanifeste wird 'Feld' genannt, und ebenso 'Sein', und ebenso 'Herrscher'; [doch zugleich ist er] herrscherlos und kein [bedingtes] Prinzip - jenes Prinzip ist der Fünfundzwanzigste,

Wort für Wort
avyaktaṃ kṣetram ity uktaṃ
das Unmanifeste wird 'Feld' genannt
tathā sattvaṃ tatheśvaram
und ebenso 'Sein', ebenso 'Herrscher'
anīśvaram atattvaṃ ca
[doch] herrscherlos und kein [bedingtes] Prinzip
tattvaṃ tat pañcaviṃśakam
jenes Prinzip ist der Fünfundzwanzigste

sāṃkhyadarśanam etāvat parisaṃkhyā na vidyate / saṃkhyā prakurute caiva prakṛtiṃ ca pravakṣyate //

so weit [reicht] die Sāṃkhya-Lehre; eine [weitere] vollständige Aufzählung gibt es nicht; die Zählung [selbst] bewirkt [die Erkenntnis], und von der Prakṛti wird [nun] gesprochen werden,

Wort für Wort
sāṃkhyadarśanam etāvat
so weit [reicht] die Sāṃkhya-Lehre
parisaṃkhyā na vidyate
eine [weitere] vollständige Aufzählung gibt es nicht
saṃkhyā prakurute caiva
die Zählung selbst bewirkt
prakṛtiṃ ca pravakṣyate
und von der Prakṛti wird gesprochen werden

catvāriṃśac caturviṃśat pratisaṃkhyāya tattvataḥ / saṃkhyā sahasrakṛtyā tu nistattvaḥ pañcaviṃśakaḥ //

vierzig [und] vierundzwanzig, wahrhaftig durchgezählt; die Zählung [geht] aber bis zum Tausendfachen, [doch] der Fünfundzwanzigste ist jenseits [aller] Prinzipien,

Wort für Wort
catvāriṃśac caturviṃśat
vierzig [und] vierundzwanzig
pratisaṃkhyāya tattvataḥ
wahrhaftig durchgezählt
saṃkhyā sahasrakṛtyā tu
die Zählung [geht] aber bis zum Tausendfachen
nistattvaḥ pañcaviṃśakaḥ
[doch] der Fünfundzwanzigste ist jenseits [aller] Prinzipien

[?] Die Zahlenangabe 'vierzig [und] vierundzwanzig' bleibt im Verhältnis zur vorher genannten Zählung der Prinzipien unklar.

pañcaviṃśat prabuddhātmā budhyamāna iti śrutaḥ / yadā budhyati ātmānaṃ tadā bhavati kevalaḥ //

der Fünfundzwanzigste, dessen Selbst erwacht ist, wird 'der [ewig] Erwachende' genannt; wenn er das Selbst erkennt, dann wird er der Alleinige,

Wort für Wort
pañcaviṃśat prabuddhātmā
der Fünfundzwanzigste, dessen Selbst erwacht ist
budhyamāna iti śrutaḥ
wird 'der Erwachende' genannt
yadā budhyati ātmānaṃ
wenn er das Selbst erkennt
tadā bhavati kevalaḥ
dann wird er der Alleinige

samyagdarśanam etāvad bhāṣitaṃ tava tattvataḥ / evam etad vijānantaḥ sāmyatāṃ pratiyānty uta //

so weit ist dir die rechte Erkenntnis wahrhaftig dargelegt worden; die dies so erkennen, gelangen zur Gleichheit [mit dem Höchsten],

Wort für Wort
samyagdarśanam etāvad
so weit die rechte Erkenntnis
bhāṣitaṃ tava tattvataḥ
ist dir wahrhaftig dargelegt worden
evam etad vijānantaḥ
die dies so erkennen
sāmyatāṃ pratiyānty uta
gelangen zur Gleichheit

samyaṅnidarśanaṃ nāma pratyakṣaṃ prakṛtes tathā / guṇavattvād yathaitāni nirguṇebhyas tathā bhavet //

'die rechte Erkenntnis' heißt: die unmittelbare Wahrnehmung auch der Prakṛti; wie diese [Erscheinungen] aus der Eigenschaftshaftigkeit [entstehen], so [entsteht die Unterscheidung] von den Eigenschaftslosen [her],

Wort für Wort
samyaṅnidarśanaṃ nāma
'die rechte Erkenntnis' heißt
pratyakṣaṃ prakṛtes tathā
die unmittelbare Wahrnehmung auch der Prakṛti
guṇavattvād yathaitāni
wie diese aus der Eigenschaftshaftigkeit [entstehen]
nirguṇebhyas tathā bhavet
so [entsteht die Unterscheidung] von den Eigenschaftslosen [her]

[?] Der genaue Sinn der zweiten Vershälfte bleibt unsicher.

na tv evaṃ vartamānānām āvṛttir vartate punaḥ / vidyate kṣarabhāvaś ca na parasparam avyayam //

doch für diejenigen, die so [in rechter Erkenntnis] weilen, gibt es keine Wiederkehr mehr; es gibt [zwar weiterhin] den Zustand des Vergänglichen, doch das Unvergängliche [wird von diesem] nicht wechselseitig [berührt],

Wort für Wort
na tv evaṃ vartamānānām
doch für diejenigen, die so weilen
āvṛttir vartate punaḥ
gibt es keine Wiederkehr mehr
vidyate kṣarabhāvaś ca
es gibt den Zustand des Vergänglichen
na parasparam avyayam
doch das Unvergängliche [wird] nicht wechselseitig [berührt]

paśyanty amatayo ye na samyak teṣu ca darśanam / te vyaktiṃ pratipadyante punaḥ punar ariṃdama //

die aber, die von unreifem Verstand sind und die nicht recht sehen - für die gibt es [nur trübe] Erkenntnis; sie gelangen wieder und wieder zur Manifestation, o Bezwinger der Feinde,

Wort für Wort
paśyanty amatayo ye
die, die von unreifem Verstand sind
na samyak teṣu ca darśanam
und nicht recht [ist] für die die Erkenntnis
te vyaktiṃ pratipadyante
sie gelangen zur Manifestation
punaḥ punar ariṃdama
wieder und wieder, o Bezwinger der Feinde

sarvam etad vijānanto na sarvasya prabodhanāt / vyaktibhūtā bhaviṣyanti vyaktasyaivānuvartanāt //

[selbst] die dies alles erkennen, [gelangen] mangels des völligen Erwachens zu allem wieder zur Manifestation, indem sie eben dem Manifesten weiter folgen,

Wort für Wort
sarvam etad vijānanto
[selbst] die dies alles erkennen
na sarvasya prabodhanāt
mangels des völligen Erwachens zu allem
vyaktibhūtā bhaviṣyanti
gelangen [wieder] zur Manifestation
vyaktasyaivānuvartanāt
indem sie eben dem Manifesten weiter folgen

[?] Der Vers scheint zu warnen, dass selbst teilweises Wissen ohne vollständiges Erwachen ('sarvasya prabodhanāt') zur erneuten Wiedergeburt führt.

sarvam avyaktam ity uktam asarvaḥ pañcaviṃśakaḥ / ya evam abhijānanti na bhayaṃ teṣu vidyate //

'alles ist das Unmanifeste' - so wird gesagt; nicht 'alles' [sondern gesondert] ist der Fünfundzwanzigste; die, die dies so erkennen, für die gibt es keine Furcht.

Wort für Wort
sarvam avyaktam ity uktam
'alles ist das Unmanifeste' - so wird gesagt
asarvaḥ pañcaviṃśakaḥ
nicht 'alles' ist der Fünfundzwanzigste
ya evam abhijānanti
die, die dies so erkennen
na bhayaṃ teṣu vidyate
für die gibt es keine Furcht

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