Kapitel 48: pratimānirmāṇacintāvarṇanam
Indradyumnas Sorge um das rechte Bildnis-Material und der Beginn seines Lobpreises
Auf die Bitte der Munis hin erzählt Brahmā, wie König Indradyumna nach Vollendung von Opfer und Tempel von quälender Sorge ergriffen wird: Er weiß nicht, wie und aus welchem Material (Stein, Ton oder Holz) ein Bildnis des Puruṣottama geschaffen werden kann, das dem Gott selbst Freude bereitet. Weder Musik, Duft, Elefanten, Pferde noch Edelsteine können seinen Sinn beruhigen. Schließlich verehrt er Puruṣottama nach der Vorschrift der Pañcarātra-Lehre und beginnt, ihn zu preisen - der Lobpreis selbst folgt in Kap.49.
Brahmā sprach: Hört, ihr Tiger unter den Munis, das alte, den Veden gleichkommende Geschehen; ich erzähle das einst Geschehene und die Entstehung der Bildnisse.
'Ich weiß nicht, wodurch ich den Herrn der Götter, den Herrn aller, den Reiniger der Welt, den Urheber von Schöpfung, Erhaltung und Untergang, den Puruṣottama, erblicken kann.'
Wort für Wort
na vedmi
ich weiß nicht
kena
durch was
deveśam
den Herrn der Götter
sarveśam
den Herrn aller
lokapāvanam
den Reiniger der Welt
sargasthityantakartāram
den Urheber von Schöpfung, Erhaltung und Untergang
cintāviṣṭas tv abhūd rājā śete rātrau divāpi na / na bhuṅkte vividhān bhogān na ca snānaṃ prasādhanam //
Von Sorge erfüllt wurde der König; er schlief nicht in der Nacht, auch nicht am Tage; er genoss nicht die mannigfaltigen Genüsse, und auch nicht das Bad, nicht die Körperpflege,
naiva vādyena gandhena gāyanair varṇakair api / na gajair madayuktaiś ca na cānekair hayānvitaiḥ //
weder durch Musikinstrumente noch durch Duftstoffe, weder durch Sänger noch auch durch Farben (Schminke), weder durch Brunft-Elefanten, noch durch die vielen zugehörigen Pferde,
nendranīlair mahānīlaiḥ padmarāgamayair na ca / suvarṇarajatādyaiś ca vajrasphaṭikasaṃyutaiḥ //
weder durch Indranīla-, Mahānīla-Edelsteine, noch durch die aus Padmarāga (Rubin) bestehenden, noch durch Gold, Silber und dergleichen, verbunden mit Diamanten und Bergkristall,
noch durch vielfarbige, [dem Verlangen dienende (?)], oder waldbewohnende oder luftwandelnde Wesen - nichts mehrte die Zufriedenheit des Sinnes jenes Königs.
Wort für Wort
bahurāgārthakāmaiḥ
vielfarbige, dem Verlangen dienende [?]
vā
oder
na vanyaiḥ
nicht durch waldbewohnende
antarikṣagaiḥ
durch luftwandelnde (Wesen)
babhūva
es wurde
tasya nṛpateḥ
jenes Königs
manasaḥ
des Sinnes
tuṣṭivardhanam
die Mehrung der Zufriedenheit
[?: "bahurāgārthakāmaiḥ" - unsichere Zusammensetzung, wörtlich etwa "vielfarbig, dem Zweck des Begehrens dienend".]
śailamṛddārujāteṣu praśastaṃ kiṃ mahītale / viṣṇupratimāyogyaṃ ca sarvalakṣaṇalakṣitam //
'Was ist unter den aus Stein, Ton und Holz entstandenen Dingen auf der Erde das Vortrefflichste, das für ein Viṣṇu-Bildnis geeignet ist und mit allen Merkmalen gekennzeichnet ist?'
Wort für Wort
śailamṛddārujāteṣu
unter den aus Stein, Ton und Holz entstandenen (Dingen)
etair eva trayāṇāṃ tu dayitaṃ syāt surārcitam / sthāpite prītim abhyeti iti cintāparo 'bhavat //
'Durch eben diese drei Materialien möge das von den Göttern verehrte, geliebte Bildnis entstehen; bei seiner Aufstellung möge er (Viṣṇu) Freude empfinden' - so war er (der König) ganz von Sorge erfüllt.
Wort für Wort
etaiḥ eva
durch eben diese
trayāṇām
der drei (Materialien)
tu
aber
dayitam
das Geliebte
syāt
es möge sein
surārcitam
von den Göttern Verehrte
sthāpite
bei der Aufstellung
prītim
Freude
abhyeti
er empfängt
iti
so
cintāparaḥ
ganz von Sorge erfüllt
abhavat
er wurde
[Anm.: Die genaue syntaktische Beziehung von "etair eva trayāṇām" ("eben durch diese drei [Materialien: Stein, Ton, Holz]") ist im Deutschen leicht geglättet wiedergegeben.]
Nachdem er den Puruṣottama nach der Vorschrift der Pañcarātra-Lehre verehrt hatte, begann der von Sorge erfüllte Herrscher der Erde, ihn zu preisen.
Wort für Wort
pañcarātravidhānena
nach der Vorschrift der Pañcarātra-Lehre
saṃpūjya
nachdem er verehrt hatte
puruṣottamam
den Puruṣottama
cintāviṣṭaḥ
von Sorge erfüllt
mahīpālaḥ
der Herrscher der Erde
saṃstotum
zu preisen
upacakrame
er begann
[Anm.: Das folgende Lobpreis-Gebet ("Vāsudeva, namas te 'stu...") beginnt formal erst in Kap.49; die Verszählung setzt dort neu mit V.1 ein - eine gewöhnliche Kapitelgrenze, kein Zählfehler.]