Kapitel 204: pārijātapratyānayanaṃ narakakanyāvivāhaś ca
Die Rückführung des Pārijāta und die Heirat der Naraka-Jungfrauen
Kṛṣṇa gibt Indra Blitzkeil und Baum-Deutung zurück, wird von Indra als der Erhabene erkannt und gepriesen; der Pārijāta wird nach Dvārakā gebracht; Kṛṣṇa heiratet in einer einzigen, durch seine Allgestalt (viśvarūpa) ermöglichten Zeremonie alle 16.100 aus Narakas Gefangenschaft befreiten Jungfrauen.
Dieser Pārijāta-Baum möge an seinen geziemenden Ort zurückgebracht werden – ich habe ihn, o Śakra, nur um der Wahrhaftigkeit eines Wortes willen genommen.
Wort für Wort
pārijātataruś cāyaṃ nīyatām ucitāspadam /
Dieser Pārijāta-Baum möge an seinen geziemenden Ort zurückgebracht werden –
gṛhīto 'yaṃ mayā śakra satyāvacanakāraṇāt //
ich habe ihn, o Śakra, nur um der Wahrhaftigkeit eines [gegebenen] Wortes willen genommen.
Und nimm diesen Blitzkeil zurück, den du geschleudert hattest, o Verehrungswürdiger – dies ist ja deine eigene Waffe, o Śakra, die die Feinde zerreißt.
yo 'si so 'si jagannātha pravṛttau nātha saṃsthitaḥ / jagataḥ śalyaniṣkarṣaṃ karoṣy asurasūdana //
Der du bist, der bist du, o Herr der Welt – in [ihrer] Bewegung/Tätigkeit stehend, o Herr, ziehst du der Welt den Stachel [ihres Leidens] heraus, o Vernichter der Asuras.
Wort für Wort
yo 'si so 'si jagannātha pravṛttau nātha saṃsthitaḥ /
Der du bist, der bist du, o Herr der Welt, im Weltgeschehen [dennoch] verweilend, o Herr,
jagataḥ śalyaniṣkarṣaṃ karoṣy asurasūdana //
ziehst du der Welt den [Leidens-]Stachel heraus, o Vernichter der Asuras.
[Anm.: 'pravṛttau...saṃsthitaḥ' – im Weltgeschehen selbst gegenwärtig, obgleich transzendent.]
Dieser Pārijāta möge, o Kṛṣṇa, in die Stadt Dvāravatī gebracht werden – ist er [erst] von dir in der Welt der Sterblichen freigelassen, wird er nicht [dauerhaft] auf der Erde verbleiben.
Wort für Wort
nīyatāṃ pārijāto 'yaṃ kṛṣṇa dvāravatīṃ purīm /
Dieser Pārijāta möge, o Kṛṣṇa, in die Stadt Dvāravatī gebracht werden –
und sahen [den Baum] an jenem Baum ihr Gesicht [darin gespiegelt] zeigend. Dann [ward] der von den Dienern herbeigebrachte Reichtum an Elefanten, Pferden und anderem [verteilt],
Wort für Wort
dadṛśuḥ pādape tasmin kurvato mukhadarśanam /
und sahen an jenem Baum, wie er ihr Gesicht [darin] zeigte,
kiṃkaraiḥ samupānītaṃ hastyaśvādi tato dhanam //
[sowie] den von den Dienern herbeigebrachten Reichtum an Elefanten, Pferden und anderem.
[Anm.: 'mukhadarśanam kurvataḥ' – die Yādavas sehen ihr eigenes Antlitz im glänzenden Baum gespiegelt, ein Wunderzeichen.]
Jene Jungfrauen, die von überallher aus Narakas Behausung zusammengebracht worden waren, [heiratete] Govinda alle zur selben Zeit, o Beste der Zweifachgeborenen –
Wort für Wort
tāḥ kanyā narakāvāsāt sarvato yāḥ samāhṛtāḥ /
Jene Jungfrauen, die von überallher aus Narakas Behausung zusammengebracht worden waren,
ekasminn eva govindaḥ kālenāsāṃ dvijottamāḥ //
[heiratete] Govinda alle zur selben Zeit, o Beste der Zweifachgeborenen –
er ergriff vorschriftsmäßig [ihre] Hände, in je einem eigenen Körper, gemäß der [ehelichen] Pflicht – sechzehntausend Frauen und [dazu] noch einhundert [mehr].
Wort für Wort
jagrāha vidhivat pāṇīn pṛthagdehe svadharmataḥ /
er ergriff vorschriftsmäßig [ihre] Hände, in je einem eigenen Körper, gemäß der [ehelichen] Pflicht –
ṣoḍaśa strīsahasrāṇi śatam ekaṃ tathādhikam //
sechzehntausend Frauen und dazu noch einhundert [mehr].
gerade ihre Hand ergriffen. Der Schöpfer der Welt, Keśava, weilte des Nachts in den Häusern all jener [Frauen] – Hari, der Träger der Allgestalt, o Priester, [in einer eigenen Gestalt bei jeder von ihnen].
Wort für Wort
mamaiva pāṇigrahaṇaṃ govindaḥ kṛtavān iti /
gerade ihre Hand ergriffen.
niśāsu jagataḥ sraṣṭā tāsāṃ geheṣu keśavaḥ /
Der Schöpfer der Welt, Keśava, weilte des Nachts in den Häusern all jener [Frauen],
uvāsa viprāḥ sarvāsāṃ viśvarūpadharo hariḥ //
Hari, der Träger der Allgestalt, o Priester, [wohnte bei] allen von ihnen.
[Anm.: 3-zeiliger Vers; Hari nimmt zugleich so viele Gestalten an, wie er Frauen genommen hat, und wohnt bei jeder Nacht für Nacht in eigener Form.]