Kapitel 233: prākṛtapralayavarṇanaṃ tattvalayakramavarṇanaṃ ca
Die Darlegung der Prākṛtika-Auflösung und der stufenweisen Rückauflösung der Daseinsprinzipien in Viṣṇu
Vyāsa sprach: 'Wenn das Wasser, bis zum Wohnsitz der Sieben Weisen (Saptarṣi) reichend, sich erhoben hat, o Beste der Zweifachgeborenen, wird diese ganze dreifache Welt dann zu einem einzigen Ozean (Ekārṇava).'
'Der ehrwürdige, aus allen Wesen bestehende, unbegreifliche Ursprung der Wesen, selbst anfanglos, doch der Anfang des Universums, nachdem er den Wind gänzlich aufgetrunken hat,'
Wort für Wort
sarvabhūtamayo 'cintyo bhagavān bhūtabhāvanaḥ /
'Der ehrwürdige, aus allen Wesen bestehende, unbegreifliche Ursprung der Wesen,'
anādir ādir viśvasya pītvā vāyum aśeṣataḥ //
'selbst anfanglos, doch der Anfang des Universums, nachdem er den Wind gänzlich aufgetrunken hat,'
'schläft dann in jenem einen Ozean, auf dem Lager des Śeṣa ruhend, der Gebieter, der ehrwürdige Hari, der Schöpfer des Anfangs, die Gestalt Brahmās tragend.'
Wort für Wort
ekārṇave tatas tasmiñ śeṣaśayyāsthitaḥ prabhuḥ /
'schläft dann in jenem einen Ozean, auf dem Lager des Śeṣa ruhend, der Gebieter,'
brahmarūpadharaḥ śete bhagavān ādikṛd dhariḥ //
'der ehrwürdige Hari, der Schöpfer des Anfangs, die Gestalt Brahmās tragend.'
'dies ist die sogenannte Naimittika-Auflösung, o Fürsten der Brahmanen; der 'Anlass' (Nimitta) dabei ist, dass Hari, die Gestalt Brahmās tragend, schläft.'
Wort für Wort
eṣa naimittiko nāma viprendrāḥ pratisaṃcaraḥ /
'dies ist die sogenannte Naimittika-Auflösung, o Fürsten der Brahmanen;'
nimittaṃ tatra yac chete brahmarūpadharo hariḥ //
'der Anlass dabei ist, dass Hari, die Gestalt Brahmās tragend, schläft.'
'Der Tag des Lotusgeborenen (Brahmā), welcher tausend Vierzeitaltern gleicht — wenn die Welt zu einem einzigen Ozean geworden ist, wird eine ebenso lange Nacht genannt.'
Wort für Wort
padmayoner dinaṃ yat tu caturyugasahasravat /
'Der Tag des Lotusgeborenen, welcher tausend Vierzeitaltern gleicht —'
ekārṇavakṛte loke tāvatī rātrir ucyate //
'wenn die Welt zu einem einzigen Ozean geworden ist, wird eine ebenso lange Nacht genannt.'
'Dann, am Ende der Nacht erwacht, vollzieht der Ungeborene abermals die Schöpfung — Viṣṇu, die Wesensform Brahmās tragend, so wie es euch vormals erzählt wurde.'
'So ist euch diese Vernichtung des Kalpa, die 'zwischenzeitliche Auflösung' (Antarapralaya), die Naimittika, dargelegt worden, o Zweifachgeborene; hört nun die höchste Prākṛtika-(Auflösung).'
Wort für Wort
ity eṣa kalpasaṃhāro antarapralayo dvijāḥ /
'So ist euch diese Vernichtung des Kalpa, die zwischenzeitliche Auflösung, die Naimittika, dargelegt worden, o Zweifachgeborene;'
avṛṣṭyagnyādibhiḥ samyak kṛte śayyālaye dvijāḥ /
samasteṣv eva lokeṣu pātāleṣv akhileṣu ca //
'Wenn durch Dürre, Feuer und dergleichen das Lager (des Gottes) in allen Welten und sämtlichen Unterwelten vollständig bereitet worden ist, o Zweifachgeborene,'
Wort für Wort
avṛṣṭyagnyādibhiḥ samyak kṛte śayyālaye dvijāḥ /
'Wenn durch Dürre, Feuer und dergleichen das Lager des Gottes vollständig bereitet worden ist, o Zweifachgeborene,'
'wenn dort, durch Kṛṣṇas Willen bewirkt, die Vernichtung der besonderen Ausprägungen der Umwandlung des Mahat und der übrigen (Prinzipien) — jene Auflösung — begonnen hat,'
Wort für Wort
mahadāder vikārasya viśeṣāt tatra saṃkṣaye /
'wenn dort die Vernichtung der besonderen Ausprägungen der Umwandlung des Mahat und der übrigen Prinzipien,'
kṛṣṇecchākārite tasmin pravṛtte pratisaṃcare //
'durch Kṛṣṇas Willen bewirkt, als jene Auflösung begonnen hat,'
āpo grasanti vai pūrvaṃ bhūmer gandhādikaṃ guṇam /
āttagandhā tato bhūmiḥ pralayāya prakalpate //
'verschlingen die Wasser zuerst die Eigenschaft des Geruchs und dergleichen der Erde; die Erde, ihres Geruchs (so) beraubt, wird dann zur Auflösung bereit.'
Wort für Wort
āpo grasanti vai pūrvaṃ bhūmer gandhādikaṃ guṇam /
'verschlingen die Wasser zuerst die Eigenschaft des Geruchs und dergleichen der Erde;'
āttagandhā tato bhūmiḥ pralayāya prakalpate //
'die Erde, ihres Geruchs so beraubt, wird dann zur Auflösung bereit.'
'Wenn die Geruchs-Subtilessenz vernichtet ist, wird die Erde von wässriger Natur; die Wasser, dann in Bewegung geraten, werden reißend und gewaltig tosend.'
Wort für Wort
pranaṣṭe gandhatanmātre bhavaty urvī jalātmikā /
'Wenn die Geruchs-Subtilessenz vernichtet ist, wird die Erde von wässriger Natur;'
āpas tadā pravṛttās tu vegavatyo mahāsvanāḥ //
'die Wasser, dann in Bewegung geraten, werden reißend und gewaltig tosend.'
sarvam āpūrayantīdaṃ tiṣṭhanti vicaranti ca /
salilenaivormimatā lokālokaḥ samantataḥ //
'Dieses (Universum) gänzlich erfüllend, stehen und wandern sie umher; durch eben dieses wogende Wasser wird der (Grenzberg) Lokāloka allseits (überflutet).'
Wort für Wort
sarvam āpūrayantīdaṃ tiṣṭhanti vicaranti ca /
'Dieses Universum gänzlich erfüllend, stehen und wandern sie umher;'
salilenaivormimatā lokālokaḥ samantataḥ //
'durch eben dieses wogende Wasser wird der Grenzberg Lokāloka allseits überflutet.'
apām api guṇo yas tu jyotiṣā pīyate tu saḥ /
naśyanty āpaḥ sutaptāś ca rasatanmātrasaṃkṣayāt //
'Und die Eigenschaft der Wasser, nämlich (der Geschmack), wird sodann vom Feuer aufgetrunken; die Wasser, sehr erhitzt, vergehen durch die Vernichtung der Geschmacks-Subtilessenz.'
Wort für Wort
apām api guṇo yas tu jyotiṣā pīyate tu saḥ /
'Und die Eigenschaft der Wasser, nämlich der Geschmack, wird sodann vom Feuer aufgetrunken;'
naśyanty āpaḥ sutaptāś ca rasatanmātrasaṃkṣayāt //
'die Wasser, sehr erhitzt, vergehen durch die Vernichtung der Geschmacks-Subtilessenz.'
tataś cāpo 'mṛtarasā jyotiṣṭvaṃ prāpnuvanti vai /
agnyavasthe tu salile tejasā sarvato vṛte //
'Dann erlangen die Wasser, deren Geschmack unsterblich war, den Feuerzustand; und wenn das Wasser (so) zu Feuer geworden ist, von Glut allseits umhüllt,'
Wort für Wort
tataś cāpo 'mṛtarasā jyotiṣṭvaṃ prāpnuvanti vai /
'Dann erlangen die Wasser, deren Geschmack unsterblich war, den Feuerzustand;'
agnyavasthe tu salile tejasā sarvato vṛte //
'und wenn das Wasser so zu Feuer geworden ist, von Glut allseits umhüllt,'
'Wenn jenes (Feuer) sich mit seinen Flammen quer, nach oben und ebenso nach unten ausgebreitet hat, verzehrt der Wind auch die höchste, lichtspendende Form des Feuers.'
'Und wenn jenes (Feuer), dessen ganzes Wesen zu Wind geworden war, aufgelöst ist — wenn die Form-Subtilessenz vernichtet ist, (dann ist) das Feuer, dessen Form (so zu Wind) gemacht worden war,'
Wort für Wort
pralīne ca tatas tasmin vāyubhūte 'khilātmake /
'Und wenn jenes Feuer, dessen ganzes Wesen zu Wind geworden war, aufgelöst ist —'
pranaṣṭe rūpatanmātre kṛtarūpo vibhāvasuḥ //
'wenn die Form-Subtilessenz vernichtet ist, das Feuer, dessen Form so zu Wind gemacht worden war,'
tataḥ pralayam āsādya vāyusaṃbhavam ātmanaḥ /
ūrdhvaṃ ca vāyus tiryak ca dodhavīti diśo daśa //
'schüttelt der Wind, nachdem jenes (Feuer), dessen Ursprung nunmehr der Wind selbst war, seine Auflösung erreicht hat, die zehn Himmelsrichtungen, nach oben und quer, heftig durcheinander.'
Wort für Wort
tataḥ pralayam āsādya vāyusaṃbhavam ātmanaḥ /
'nachdem jenes Feuer, dessen Ursprung nunmehr der Wind selbst war, seine Auflösung erreicht hat,'
ūrdhvaṃ ca vāyus tiryak ca dodhavīti diśo daśa //
'schüttelt der Wind die zehn Himmelsrichtungen, nach oben und quer, heftig durcheinander.'
vāyos tv api guṇaṃ sparśam ākāśaṃ grasate tataḥ /
praśāmyati tadā vāyuḥ khaṃ tu tiṣṭhaty anāvṛtam //
'Dann verschlingt der Raum (Ākāśa) auch die Eigenschaft des Windes, nämlich die Berührung; der Wind erlischt dann, doch der Raum bleibt unverhüllt bestehen.'
Wort für Wort
vāyos tv api guṇaṃ sparśam ākāśaṃ grasate tataḥ /
'Dann verschlingt der Raum auch die Eigenschaft des Windes, nämlich die Berührung;'
praśāmyati tadā vāyuḥ khaṃ tu tiṣṭhaty anāvṛtam //
'der Wind erlischt dann, doch der Raum bleibt unverhüllt bestehen.'
'Dann verschlingt der Bhūtādi (das 'Element-Prinzip') abermals dessen (des Raumes) Eigenschaft, den Klang; wenn die (subtilen) Elemente und Sinnesorgane zugleich in den Bhūtādi eingegangen sind,'
Wort für Wort
tataḥ śabdaguṇaṃ tasya bhūtādir grasate punaḥ /
'Dann verschlingt der Bhūtādi abermals dessen Eigenschaft, den Klang;'
bhūtendriyeṣu yugapad bhūtādau saṃsthiteṣu vai //
'wenn die subtilen Elemente und Sinnesorgane zugleich in den Bhūtādi eingegangen sind,'
'denn dieser Bhūtādi, dessen Wesen das Ich-Bewusstsein (Abhimāna) ist, wird als der 'tamasige' (Ahaṃkāra) überliefert; und die scharfsichtige große Erkenntniskraft (Mahābuddhi/Mahat) verschlingt auch den Bhūtādi.'
Wort für Wort
abhimānātmako hy eṣa bhūtādis tāmasaḥ smṛtaḥ /
'denn dieser Bhūtādi, dessen Wesen das Ich-Bewusstsein ist, wird als der tamasige Ahaṃkāra überliefert;'
bhūtādiṃ grasate cāpi mahābuddhir vicakṣaṇā //
'und die scharfsichtige große Erkenntniskraft verschlingt auch den Bhūtādi.'
'Die Erde und der Mahat (sind), am Rande der Welt, innerlich und ebenso äußerlich (wirksam); so (bilden) Mahābuddhi und die übrigen der Reihe nach sieben (Grund-)Naturen (Prakṛtis).'
Wort für Wort
urvī mahāṃś ca jagataḥ prānte 'ntar bāhyatas tathā /
'Die Erde und der Mahat sind, am Rande der Welt, innerlich und ebenso äußerlich wirksam;'
evaṃ sapta mahābuddhiḥ kramāt prakṛtayas tathā //
'so bilden Mahābuddhi und die übrigen der Reihe nach sieben Grund-Naturen.'
[Anm.] Vers zählt sinngemäß die klassische sāṃkhya-artige Siebenzahl der Prakṛtis auf (Mahat, Ahaṃkāra, die fünf Tanmātras/Elemente); Formulierung knapp.
'Durch aufeinanderfolgende Zurückziehung aber gehen diese alle ineinander ein, wodurch dieses ganze umhüllte (Welten-)Ei in den Wassern aufgelöst wird.'
Wort für Wort
pratyāhārais tu tāḥ sarvāḥ praviśanti parasparam /
'Durch aufeinanderfolgende Zurückziehung aber gehen diese alle ineinander ein,'
yenedam āvṛtaṃ sarvam aṇḍam apsu pralīyate //
'wodurch dieses ganze umhüllte Welten-Ei in den Wassern aufgelöst wird.'
saptadvīpasamudrāntaṃ saptalokaṃ saparvatam /
udakāvaraṇaṃ hy atra jyotiṣā pīyate tu tat //
'Die (Welt) mit ihren sieben Kontinenten und Ozeanen, den sieben Welten samt den Bergen, und die Wasserhülle hier — das alles wird sodann vom Feuer aufgetrunken.'
Wort für Wort
saptadvīpasamudrāntaṃ saptalokaṃ saparvatam /
'Die Welt mit ihren sieben Kontinenten und Ozeanen, den sieben Welten samt den Bergen,'
udakāvaraṇaṃ hy atra jyotiṣā pīyate tu tat //
'und die Wasserhülle hier — das alles wird sodann vom Feuer aufgetrunken.'
'Den Mahat, zusammen mit diesen (Prinzipien), verschlingt die Urnatur (Prakṛti), o Zweifachgeborene — (und kehrt zurück zum) Gleichgewicht der Guṇas, weder überhöht noch vermindert, o Beste der Zweifachgeborenen.'
Wort für Wort
mahāntam ebhiḥ sahitaṃ prakṛtir grasate dvijāḥ /
'Den Mahat, zusammen mit diesen Prinzipien, verschlingt die Urnatur, o Zweifachgeborene —'
guṇasāmyam anudriktam anyūnaṃ ca dvijottamāḥ //
'und kehrt zurück zum Gleichgewicht der Guṇas, weder überhöht noch vermindert, o Beste der Zweifachgeborenen.'
'Prakṛti wird als Ursache, als Pradhāna, als der höchste Grund bezeichnet; so ist diese Prakṛti insgesamt sowohl manifester als auch unmanifester Natur.'
Wort für Wort
procyate prakṛtir hetuḥ pradhānaṃ kāraṇaṃ param /
'Prakṛti wird als Ursache, als Pradhāna, als der höchste Grund bezeichnet;'
ity eṣā prakṛtiḥ sarvā vyaktāvyaktasvarūpiṇī //
'so ist diese Prakṛti insgesamt sowohl manifester als auch unmanifester Natur.'
'Ihre manifeste Wesensform löst sich, o Brahmanen, in deren unmanifeste (Wesensform) auf; (übrig bleibt) der Eine, Reine, Unvergängliche, Ewige, ebenso wiederum Allgegenwärtige —'
Wort für Wort
vyaktasvarūpam avyakte tasyāṃ viprāḥ pralīyate /
'Ihre manifeste Wesensform löst sich, o Brahmanen, in deren unmanifeste Wesensform auf;'
'auch diese (Prakṛti) ist nur ein Teil des Höchsten Selbst, das in allen Wesen ist, o Fürsten der Zweifachgeborenen — worin alle Vorstellungen von Name, Gattung und dergleichen gänzlich vergehen.'
Wort für Wort
so 'py aṃśaḥ sarvabhūtasya dvijendrāḥ paramātmanaḥ /
'auch diese Prakṛti ist nur ein Teil des Höchsten Selbst, das in allen Wesen ist, o Fürsten der Zweifachgeborenen —'
naśyanti sarvā yatrāpi nāmajātyādikalpanāḥ //
'worin alle Vorstellungen von Name, Gattung und dergleichen gänzlich vergehen.'
sattāmātrātmake jñeye jñānātmany ātmanaḥ pare /
sa brahma tat paraṃ dhāma paramātmā pareśvaraḥ //
'In dem Erkennbaren, dessen Wesen reines Sein ist, dessen Wesen Erkenntnis ist, dem höchsten (Zustand) des Selbst — das ist das Brahman, jene höchste Stätte, das Höchste Selbst, der Höchste Herr.'
Wort für Wort
sattāmātrātmake jñeye jñānātmany ātmanaḥ pare /
'In dem Erkennbaren, dessen Wesen reines Sein ist, dessen Wesen Erkenntnis ist, dem höchsten Zustand des Selbst —'
sa brahma tat paraṃ dhāma paramātmā pareśvaraḥ //
'das ist das Brahman, jene höchste Stätte, das Höchste Selbst, der Höchste Herr.'
'Er ist Viṣṇu, der eben all dies ist, von wo aus man nicht mehr zurückkehrt; die Prakṛti, die von mir als von manifester und unmanifester Natur erklärt wurde,'
Wort für Wort
sa viṣṇuḥ sarvam evedaṃ yato nāvartate punaḥ /
'Er ist Viṣṇu, der eben all dies ist, von wo aus man nicht mehr zurückkehrt;'
prakṛtir yā mayākhyātā vyaktāvyaktasvarūpiṇī //
'die Prakṛti, die von mir als von manifester und unmanifester Natur erklärt wurde,'
'und ebenso der Puruṣa (Geist) — diese beiden lösen sich in das Höchste Selbst auf; und das Höchste Selbst ist die Stütze von allem, der Höchste Herr.'
Wort für Wort
puruṣaś cāpy ubhāv etau līyete paramātmani /
'und ebenso der Puruṣa — diese beiden lösen sich in das Höchste Selbst auf;'
paramātmā ca sarveṣām ādhāraḥ parameśvaraḥ //
'und das Höchste Selbst ist die Stütze von allem, der Höchste Herr.'
viṣṇunāmnā sa vedeṣu vedānteṣu ca gīyate /
pravṛttaṃ ca nivṛttaṃ ca dvividhaṃ karma vaidikam //
'Er wird unter dem Namen Viṣṇu in den Veden und in den Vedānta-Texten besungen; zweifach ist das vedische Handeln: das 'hinwendende' (Pravṛtta) und das 'abwendende' (Nivṛtta).'
Wort für Wort
viṣṇunāmnā sa vedeṣu vedānteṣu ca gīyate /
'Er wird unter dem Namen Viṣṇu in den Veden und in den Vedānta-Texten besungen;'
pravṛttaṃ ca nivṛttaṃ ca dvividhaṃ karma vaidikam //
'zweifach ist das vedische Handeln: das hinwendende und das abwendende.'
tābhyām ubhābhyāṃ puruṣair yajñamūrtiḥ sa ijyate /
ṛgyajuḥsāmabhir mārgaiḥ pravṛttair ijyate hy asau //
'Durch diese beiden zusammen wird er, dessen Gestalt das Opfer ist, von den Menschen verehrt; durch die hinwendenden Pfade von Ṛg-, Yajur- und Sāmaveda wird er verehrt.'
Wort für Wort
tābhyām ubhābhyāṃ puruṣair yajñamūrtiḥ sa ijyate /
'Durch diese beiden zusammen wird er, dessen Gestalt das Opfer ist, von den Menschen verehrt;'
ṛgyajuḥsāmabhir mārgaiḥ pravṛttair ijyate hy asau //
'durch die hinwendenden Pfade von Ṛg-, Yajur- und Sāmaveda wird er verehrt.'
'Als Herr des Opfers, als Opfer-Mann, wird er von den Menschen als der Höchste Geist (verehrt); als Wesen der Erkenntnis wird er, dessen Gestalt die Erkenntnis ist, durch den Yoga der Erkenntnis verehrt.'
Wort für Wort
yajñeśvaro yajñapumān puruṣaiḥ puruṣottamaḥ /
'Als Herr des Opfers, als Opfer-Mann, wird er von den Menschen als der Höchste Geist verehrt;'
jñānātmā jñānayogena jñānamūrtiḥ sa ijyate //
'als Wesen der Erkenntnis wird er, dessen Gestalt die Erkenntnis ist, durch den Yoga der Erkenntnis verehrt.'
nivṛttair yogamārgaiś ca viṣṇur muktiphalapradaḥ /
hrasvadīrghaplutair yat tu kiṃcid vastv abhidhīyate //
'Durch die abwendenden Pfade des Yoga (wird) Viṣṇu, der Gewährer der Frucht der Erlösung, (verehrt). Was auch immer als irgendein Ding durch kurze, lange oder überlange (Laute) bezeichnet wird,'
Wort für Wort
nivṛttair yogamārgaiś ca viṣṇur muktiphalapradaḥ /
'Durch die abwendenden Pfade des Yoga wird Viṣṇu, der Gewährer der Frucht der Erlösung, verehrt.'
hrasvadīrghaplutair yat tu kiṃcid vastv abhidhīyate //
'Was auch immer als irgendein Ding durch kurze, lange oder überlange Laute bezeichnet wird,'
yac ca vācām aviṣayas tat sarvaṃ viṣṇur avyayaḥ /
vyaktaḥ sa evam avyaktaḥ sa eva puruṣo 'vyayaḥ //
'und was jenseits des Bereichs der Worte liegt — all das ist der unvergängliche Viṣṇu. Er ist so das Manifeste, er selbst auch das Unmanifeste; er allein ist der unvergängliche Puruṣa.'
Wort für Wort
yac ca vācām aviṣayas tat sarvaṃ viṣṇur avyayaḥ /
'und was jenseits des Bereichs der Worte liegt — all das ist der unvergängliche Viṣṇu.'
vyaktaḥ sa evam avyaktaḥ sa eva puruṣo 'vyayaḥ //
'Er ist so das Manifeste, er selbst auch das Unmanifeste; er allein ist der unvergängliche Puruṣa.'
'Und (er ist) das Höchste Selbst, das Selbst des Universums, Hari, der die Gestalt des Universums trägt; jene Prakṛti, deren Wesen manifest-und-unmanifest ist, löst sich in ihn auf.'
Wort für Wort
paramātmā ca viśvātmā viśvarūpadharo hariḥ /
'Und er ist das Höchste Selbst, das Selbst des Universums, Hari, der die Gestalt des Universums trägt;'
vyaktāvyaktātmikā tasmin prakṛtiḥ sā vilīyate //
'jene Prakṛti, deren Wesen manifest-und-unmanifest ist, löst sich in ihn auf.'
puruṣaś cāpi bho viprā yas tad avyākṛtātmani /
dviparārdhātmakaḥ kālaḥ kathito yo mayā dvijāḥ //
'Und auch der Puruṣa, o Brahmanen, (löst sich) in jenes Selbst, dessen Wesen das Unentfaltete ist; die Zeit, die aus zwei Parārdhas besteht, die von mir erzählt wurde, o Zweifachgeborene —'
Wort für Wort
puruṣaś cāpi bho viprā yas tad avyākṛtātmani /
'Und auch der Puruṣa, o Brahmanen, löst sich in jenes Selbst, dessen Wesen das Unentfaltete ist;'
dviparārdhātmakaḥ kālaḥ kathito yo mayā dvijāḥ //
'die Zeit, die aus zwei Parārdhas besteht, die von mir erzählt wurde, o Zweifachgeborene —'
tad ahas tasya viprendrā viṣṇor īśasya kathyate /
vyakte tu prakṛtau līne prakṛtyāṃ puruṣe tathā //
'die wird als der 'Tag' jenes Herrn Viṣṇu bezeichnet, o Fürsten der Brahmanen — wenn das Manifeste sich in die Prakṛti aufgelöst hat, und der Puruṣa ebenso in die Prakṛti,'
Wort für Wort
tad ahas tasya viprendrā viṣṇor īśasya kathyate /
'die wird als der Tag jenes Herrn Viṣṇu bezeichnet, o Fürsten der Brahmanen —'
vyakte tu prakṛtau līne prakṛtyāṃ puruṣe tathā //
'wenn das Manifeste sich in die Prakṛti aufgelöst hat, und der Puruṣa ebenso in die Prakṛti,'
'wenn (die Prakṛti) darin zur Ruhe gekommen ist, (dann) heißt das seine 'Nacht', von derselben Dauer, o Askesereiche; doch für das ewige Höchste Selbst gibt es wahrhaft weder Tag noch Nacht.'
Wort für Wort
tatrāsthite niśā tasya tatpramāṇā tapodhanāḥ /
'wenn die Prakṛti darin zur Ruhe gekommen ist, dann heißt das seine Nacht, von derselben Dauer, o Askesereiche;'
naivāhas tasya ca niśā nityasya paramātmanaḥ //
'doch für das ewige Höchste Selbst gibt es wahrhaft weder Tag noch Nacht.'
'Dennoch wird dies (Tag und Nacht) von jenem Herrn nur der Redeweise (Upacāra) wegen ausgesagt. So ist, o Tiger unter den Munis, die Prākṛtika-Auflösung dargelegt worden.'
Wort für Wort
upacārāt tathāpy etat tasyeśasya tu kathyate /
'Dennoch wird dies von jenem Herrn nur der Redeweise wegen ausgesagt.'
ity eṣa muniśārdūlāḥ kathitaḥ prākṛto layaḥ //
'So ist, o Tiger unter den Munis, die Prākṛtika-Auflösung dargelegt worden.'