Quellen der Menschheit

Brahma-Purāṇa

Kapitel 211: kṛṣṇasya dehatyāgaḥ Kṛṣṇas Ablegen des Leibes

Dāruka bringt Arjuna nach Dvārakā und setzt Vajra als König ein. Kṛṣṇa versinkt in Yoga-Vertiefung; der Jäger Jara verwundet, ihn für ein Reh haltend, mit einem aus dem Rest der verhängnisvollen Keule gefertigten Pfeil Kṛṣṇas Fuß – seine einzige verwundbare Stelle infolge eines früheren Durvāsas-Fluchs. Kṛṣṇa vergibt dem erschrockenen Jäger und sendet ihn zum Himmel; er selbst legt darauf den menschlichen Leib ab und vereinigt sich mit seiner transzendenten, ungeborenen und alldurchdringenden Natur.

ity ukto dārukaḥ kṛṣṇaṃ praṇipatya punaḥ punaḥ / pradakṣiṇaṃ ca bahuśaḥ kṛtvā prāyād yathoditam //

Vyāsa sprach: So angesprochen, verneigte sich Dāruka immer wieder vor Kṛṣṇa, umkreiste ihn vielmals ehrfürchtig und zog fort, wie ihm aufgetragen worden war.

Wort für Wort
ity ukto dārukaḥ kṛṣṇaṃ praṇipatya punaḥ punaḥ /
So angesprochen, verneigte sich Dāruka immer wieder vor Kṛṣṇa,
pradakṣiṇaṃ ca bahuśaḥ kṛtvā prāyād yathoditam //
umkreiste ihn vielmals ehrfürchtig und zog fort, wie ihm aufgetragen worden war.

sa ca gatvā tathā cakre dvārakāyāṃ tathārjunam / ānināya mahābuddhiṃ vajraṃ cakre tathā nṛpam //

Und er, dorthin gegangen, tat ebenso in Dvārakā; er holte den hochweisen Arjuna herbei und machte ebenso Vajra zum König.

Wort für Wort
sa ca gatvā tathā cakre dvārakāyāṃ tathārjunam /
Und er, dorthin gegangen, tat ebenso in Dvārakā; [er holte] Arjuna [herbei],
ānināya mahābuddhiṃ vajraṃ cakre tathā nṛpam //
den hochweisen [Arjuna], und machte ebenso Vajra zum König.

bhagavān api govindo vāsudevātmakaṃ param / brahmātmani samāropya sarvabhūteṣv adhārayat //

Der Erhabene Govinda aber, das höchste, aus Vāsudeva bestehende [Selbst] auf das Brahman-Selbst gründend, erhielt [es zugleich] in allen Wesen.

Wort für Wort
bhagavān api govindo vāsudevātmakaṃ param /
Der Erhabene Govinda aber, das höchste, aus Vāsudeva bestehende [Selbst],
brahmātmani samāropya sarvabhūteṣv adhārayat //
auf das Brahman-Selbst gründend, erhielt [es zugleich] in allen Wesen.

[?: Die genaue Konstruktion ('brahmātmani samāropya ... sarvabhūteṣv adhārayat') bleibt philosophisch dicht und interpretationsbedürftig; hier als Beschreibung von Kṛṣṇas beginnender Rückkehr in seine transzendente, alldurchdringende Natur verstanden, unmittelbar vor seinem Verlassen des menschlichen Leibes.]

sa mānayan dvijavaco durvāsā yad uvāca ha / yogayukto 'bhavat pādaṃ kṛtvā jānuni sattamāḥ //

Er, das Wort des Brahmanen ehrend, das Durvāsas einst gesprochen hatte, versank, den Fuß auf das Knie gelegt, in Yoga-Vertiefung, o Vortreffliche.

Wort für Wort
sa mānayan dvijavaco durvāsā yad uvāca ha /
Er, das Wort des Brahmanen ehrend, das Durvāsas einst gesprochen hatte,
yogayukto 'bhavat pādaṃ kṛtvā jānuni sattamāḥ //
versank, den Fuß auf das Knie gelegt, in Yoga-Vertiefung, o Vortreffliche.

[Anm.: Bezug auf eine hier nicht ausgeführte frühere Episode mit dem Weisen Durvāsas, die Kṛṣṇas Fußsohle als einzige verwundbare Stelle erklärt – vgl. die entsprechende, an anderer Stelle der purāṇischen Überlieferung ausgeführte Geschichte.]

saṃprāpto vai jarā nāma tadā tatra sa lubdhakaḥ / muśalaśeṣalohasya sāyakaṃ dhārayan param //

Da kam dort ein Jäger namens Jarā an, einen vorzüglichen Pfeil aus dem restlichen Eisen der [Sāmba-]Keule tragend.

Wort für Wort
saṃprāpto vai jarā nāma tadā tatra sa lubdhakaḥ /
Da kam dort ein Jäger namens Jarā an,
muśalaśeṣalohasya sāyakaṃ dhārayan param //
einen vorzüglichen Pfeil aus dem restlichen Eisen der [Sāmba-]Keule tragend.

sa tatpādaṃ mṛgākāraṃ samavekṣya vyavasthitaḥ / tato vivyādha tenaiva tomareṇa dvijottamāḥ //

Er, jenen [Kṛṣṇas] Fuß für eine Rehgestalt haltend, verharrte [zielend] und durchbohrte ihn dann mit eben jenem Wurfspieß, o beste der Zweifachgeborenen.

Wort für Wort
sa tatpādaṃ mṛgākāraṃ samavekṣya vyavasthitaḥ /
Er, jenen Fuß für eine Rehgestalt haltend, verharrte [zielend]
tato vivyādha tenaiva tomareṇa dvijottamāḥ //
und durchbohrte ihn dann mit eben jenem Wurfspieß, o beste der Zweifachgeborenen.

gataś ca dadṛśe tatra caturbāhudharaṃ naram / praṇipatyāha caivainaṃ prasīdeti punaḥ punaḥ //

Und dorthin gegangen, erblickte er einen vierarmigen Mann; sich verneigend, sprach er zu ihm immer wieder: „Sei gnädig!”

Wort für Wort
gataś ca dadṛśe tatra caturbāhudharaṃ naram /
Und dorthin gegangen, erblickte er einen vierarmigen Mann;
praṇipatyāha caivainaṃ prasīdeti punaḥ punaḥ //
sich verneigend, sprach er zu ihm immer wieder: „Sei gnädig!”

ajānatā kṛtam idaṃ mayā hariṇaśaṅkayā / kṣamyatām ātmapāpena dagdhaṃ mā dagdhum arhasi //

„Unwissend habe ich dies getan, in der irrigen Annahme, [es sei] ein Reh; möge mir vergeben werden – verbrenne nicht [noch weiter] den, der schon von der eigenen Sünde verbrannt ist.”

Wort für Wort
ajānatā kṛtam idaṃ mayā hariṇaśaṅkayā /
„Unwissend habe ich dies getan, in der irrigen Annahme, [es sei] ein Reh;
kṣamyatām ātmapāpena dagdhaṃ mā dagdhum arhasi //
möge mir vergeben werden – verbrenne nicht [noch weiter] den, der schon von der eigenen Sünde verbrannt ist.”

tatas taṃ bhagavān āha nāsti te bhayam aṇv api / gaccha tvaṃ matprasādena lubdha svargeśvarāspadam //

Vyāsa sprach: Da sprach der Erhabene zu ihm: „Es gibt für dich nicht die geringste Furcht; geh, o Jäger, durch meine Gnade, zur Wohnstatt des Herrn des Himmels.”

Wort für Wort
tatas taṃ bhagavān āha nāsti te bhayam aṇv api /
Da sprach der Erhabene zu ihm: „Es gibt für dich nicht die geringste Furcht;
gaccha tvaṃ matprasādena lubdha svargeśvarāspadam //
geh, o Jäger, durch meine Gnade, zur Wohnstatt des Herrn des Himmels.”

vimānam āgataṃ sadyas tadvākyasamanantaram / āruhya prayayau svargaṃ lubdhakas tatprasādataḥ //

Vyāsa sprach: Ein Himmelswagen kam sogleich, unmittelbar nach jenem Wort; ihn besteigend, zog der Jäger, durch dessen [Kṛṣṇas] Gnade, zum Himmel.

Wort für Wort
vimānam āgataṃ sadyas tadvākyasamanantaram /
Ein Himmelswagen kam sogleich, unmittelbar nach jenem Wort;
āruhya prayayau svargaṃ lubdhakas tatprasādataḥ //
ihn besteigend, zog der Jäger, durch dessen Gnade, zum Himmel.

gate tasmin sa bhagavān saṃyojyātmānam ātmani / brahmabhūte 'vyaye 'cintye vāsudevamaye 'male //

Als jener gegangen war, vereinigte der Erhabene sein Selbst mit dem Selbst – dem zu Brahman gewordenen, unvergänglichen, unbegreiflichen, aus Vāsudeva bestehenden, makellosen,

Wort für Wort
gate tasmin sa bhagavān saṃyojyātmānam ātmani /
Als jener gegangen war, vereinigte der Erhabene sein Selbst mit dem Selbst –
brahmabhūte 'vyaye 'cintye vāsudevamaye 'male //
dem zu Brahman gewordenen, unvergänglichen, unbegreiflichen, aus Vāsudeva bestehenden, makellosen,

ajanmany ajare 'nāśiny aprameye 'khilātmani / tyaktvā sa mānuṣaṃ deham avāpa trividhāṃ gatim //

ungeborenen, unalternden, unvergänglichen, unermesslichen, das Selbst von allem bildenden [Selbst]; er legte den menschlichen Leib ab und erlangte den dreifachen Zustand/Weg.

Wort für Wort
ajanmany ajare 'nāśiny aprameye 'khilātmani /
ungeborenen, unalternden, unvergänglichen, unermesslichen, das Selbst von allem bildenden [Selbst];
tyaktvā sa mānuṣaṃ deham avāpa trividhāṃ gatim //
er legte den menschlichen Leib ab und erlangte den dreifachen Zustand/Weg.

[Anm.: 'trividhāṃ gatim' ('den dreifachen Gang/Zustand') bleibt in seiner genauen Bedeutung unsicher – möglicherweise Anspielung auf eine dreifache Erlösungslehre oder ein dreifaches Rückkehr-Ziel, das im Text nicht näher erläutert wird.]

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