Kapitel 15: vṛjinīvatkroṣṭuvaṃśānukīrtanam
Kroṣṭus Nachkommen: Śaśabindu, Jyāmaghas Prophezeiung und die Sātvata-Linie
62 Verse: die Fortsetzung von Kroṣṭus Linie über Svāhi, Uṣadgu, Citraratha und Śaśabindu bis Marutta und Kambalabarhis; Rukmakavacas Söhne, darunter Jyāmagha, dessen kinderlose Ehe mit Śaibyā und die berühmte Episode der vorausgreifenden Prophezeiung (er nennt eine im Krieg gewonnene junge Frau vorab "Schwiegertochter" seines künftigen Sohnes Vidarbha, was sich erfüllt); die Vidarbha-Kratha-Kaiśika-Linie bis zu den drei Söhnen des Dhṛṣṭa (Āvanta, Daśārha, Viṣahara) und weiter über Daśārha zu Madhu (Stammvater der Madhus) und dessen Söhnen Purudvān und Satvata; Satvatas fünf Söhne (Bhāgin, Bhajamāna, Devāvṛdha, Andhaka, Vṛṣṇi); Bhajamānas Söhne von zwei Sṛñjaya-Gattinnen; Devāvṛdhas Werbung um die Flussgöttin Parṇāśā und die Geburt Babhrus; Andhakas vier Söhne (Kukura, Bhajamāna, Sasaka, Balabarhis) und die Kukura-Linie über Vṛṣṭi, Punarvasu und Abhijit bis zu den Zwillingen Āhuka und Śrāhuka; eine eingeschobene Preis-Gāthā über Āhuka mit Heeresschau; und schließlich Āhukas Söhne Devaka und Ugrasena, deren Kinder – darunter Devakī (Vasudevas künftige Gattin, Mutter Kṛṣṇas) und Kaṃsa. Schließt mit einer Phalaśruti.
Dann hatte Kroṣṭu einen Sohn, den hochberühmten Vṛjinīvān. Sie nennen den vorzüglichen Svāhi, [dessen Name] von Svāhā gebildet ist, 'Vārjinīvata' [Sohn des Vṛjinīvān].
Wort für Wort
kroṣṭoḥ atha abhavat putraḥ
dann hatte Kroṣṭu einen Sohn
vṛjinīvān mahāyaśāḥ
den hochberühmten Vṛjinīvān
vārjinīvatam icchanti
sie nennen [ihn] Vārjinīvata
svāhim svāhākṛtām varam
Svāhi, den vorzüglichen, von Svāhā gebildet
[?: Satzbau knapp; „svāhākṛtāṃ" (von Svāhā gemacht/benannt) bleibt in seiner genauen Bedeutung unklar, wörtlich übernommen.]
Es gab den Sohn des Citraratha, den Helden, einen Opferer mit reichlichen Opfergaben: Śaśabindu, der dem höchsten Wandel der königlichen Weisen folgte.
[Der König sprach:] 'Dem Sohn, der dir geboren werden wird, ist [diese] Gattin zugeführt worden.'
Wort für Wort
yaḥ te janiṣyate putraḥ
dem Sohn, der dir geboren werden wird
tasya bhāryā upapāditā
ist diesem die Gattin zugeführt worden
[Anm.: Vorausgreifende Namensgebung – Jyāmagha, aus Furcht vor der Eifersucht seiner Gattin angesichts der mitgebrachten jungen Frau, nennt sie im Voraus die 'Schwiegertochter' eines noch ungezeugten Sohnes; dies erfüllt sich, s. v.20.]
[Lomaharṣaṇa sprach:] Durch die gewaltige Askese-Kraft jenes Mädchens gebar sie, die glückliche Śaibyā, obwohl [schon] gealtert, den Sohn Vidarbha.
Wort für Wort
ugreṇa tapasā tasyāḥ kanyāyāḥ
durch die gewaltige Askese jenes Mädchens
sā vyajāyata
gebar sie
putram vidarbham subhāgā
den Sohn Vidarbha, die glückliche
śaibyā pariṇatā satī
Śaibyā, obwohl gealtert
[?: "tasyāḥ kanyāyāḥ" grammatisch ungewöhnlich – möglicherweise wurde die Askese stellvertretend von dem Mädchen für Śaibyā geleistet, oder es handelt sich um eine wundersame gemeinsame Empfängnis; wörtlich übernommen.]
Devakṣatras Sohn Devagarbhasama wurde geboren; [dessen Sohn war] König Madhu, der Begründer des Geschlechts der Madhus, auch süß von Rede.
Wort für Wort
devagarbhasamaḥ jajñe
Devagarbhasama wurde geboren
devakṣatrasya nandanaḥ
Devakṣatras Sohn
madhūnām vaṃśakṛt rājā
König, Begründer des Geschlechts der Madhus
madhuḥ madhuravāk api
Madhu, auch süß von Rede
[Anm.: Bezug leicht elliptisch – die genaue verwandtschaftliche Stellung von "Devagarbhasama" (Sohn oder Bruder des Vṛddhakṣatra?) zu Madhu bleibt im Text unklar.]
Von Madhu wurde dann mit einer Vaidarbha-[Prinzessin] Purudvān geboren, der vorzüglichste der Männer; und Madhu hatte [auch] eine Gattin aus der Ikṣvāku-Linie, mit der er zeugte:
Wort für Wort
madhoḥ jajñe atha vaidarbhyām
von Madhu wurde dann mit einer Vaidarbha-[Prinzessin] geboren
Satvat, mit allen Vorzügen ausgestattet, den Ruhm der Sātvatas mehrend. Wer diese Nachkommenslinie des großgesinnten Jyāmagha kennt und mit höchster Zuneigung rezitiert, der sei stets mit Nachkommenschaft gesegnet.
Wort für Wort
satvān sarvaguṇopetaḥ
Satvat, mit allen Vorzügen ausgestattet
sātvatā kīrtivardhanaḥ
den Ruhm der Sātvatas mehrend
imām visṛṣṭim vijñāya
diese Nachkommenslinie kennend
jyāmaghasya mahātmanaḥ
des großgesinnten Jyāmagha
yujyate paramaprītyā
wer sich mit höchster Zuneigung [ihr] verbindet
prajāvān ca bhavet sadā
sei stets mit Nachkommenschaft gesegnet
[Anm.: Diese Einheit umfasst drei Pāda-Zeilen; schließt mit einem phalaśruti-artigen Segensspruch die Jyāmagha-Vidarbha-Digression ab, bevor mit v.30 zur Satvata-Linie (Vṛṣṇis/Andhakas) übergegangen wird.]
andhakaṃ ca mahābāhuṃ vṛṣṇiṃ ca yadunandanam / teṣāṃ visargāś catvāro vistareṇeha kīrtitāḥ // BrP_15.31 //
und den starkarmigen Andhaka, und Vṛṣṇi, die Freude der Yadus. Die vier Linien dieser [Söhne] werden hier ausführlich dargelegt.
Wort für Wort
andhakam ca mahābāhum
und den starkarmigen Andhaka
vṛṣṇim ca yadunandanam
und Vṛṣṇi, die Freude der Yadus
teṣām visargāḥ catvāraḥ
die vier Linien dieser [Söhne]
vistareṇa iha kīrtitāḥ
werden hier ausführlich dargelegt
[Anm.: Fünf Söhne werden genannt (Bhāgin, Bhajamāna, Devāvṛdha, Andhaka, Vṛṣṇi), aber nur „vier Linien" angekündigt – vermutlich bleibt Bhāgins Linie unbehandelt oder wird mit Bhajamānas zusammengefasst.]
In Askese vertieft, das Wasser der [Fluss-Göttin] Parṇāśā berührend – ihm, der beständig das Berührungsritual vollzog, erwies der Fluss[-Gott] eine Gunst.
nādhyagacchat tu tāṃ nārīṃ yasyām evaṃvidhaḥ sutaḥ / bhavet tasmāt svayaṃ gatvā bhavāmy asya sahānugā // BrP_15.38 //
Sie fand aber keine [andere] Frau, von der ein solcher Sohn geboren werden könnte; deshalb [dachte sie]: 'Ich werde selbst zu ihm gehen und seine Gefährtin werden.'
einen mit allen Vorzügen begabten Sohn, Babhru, o Devāvṛdha, o Zweifachgeborene; in dieser Linie, so ist es überliefert, singen die Kenner der Purāṇas [einen Vers].
Wort für Wort
putram sarvaguṇopetam
einen mit allen Vorzügen begabten Sohn
babhrum devāvṛdham dvijāḥ
Babhru, o Devāvṛdha, o Zweifachgeborene
atra vaṃśe purāṇajñāḥ
in dieser Linie die Kenner der Purāṇas
gāyanti iti pariśrutam
singen, so ist überliefert
[?: Anrede „devāvṛdha" mitten im Erzählertext ungewöhnlich – möglicherweise ein Vokativ-Einschub des Erzählers; wörtlich übernommen.]
ete 'mṛtatvaṃ prāptā vai babhror devāvṛdhād api / yajvā dānapatir dhīmān brahmaṇyaḥ sudṛḍhāyudhaḥ // BrP_15.44 //
diese erlangten fürwahr Unsterblichkeit durch Babhru und auch durch Devāvṛdha; [dieser war] ein Opferer, ein Herr der Gaben, weise, den Brahmanen zugetan, von festen Waffen.
Wort für Wort
ete amṛtatvam prāptāḥ vai
diese erlangten fürwahr Unsterblichkeit
babhroḥ devāvṛdhāt api
durch Babhru und auch durch Devāvṛdha
yajvā dānapatiḥ dhīmān
ein Opferer, ein Herr der Gaben, weise
brahmaṇyaḥ sudṛḍhāyudhaḥ
den Brahmanen zugetan, von festen Waffen
[Anm.: Die genannte Zahl (7066) der durch Babhru/Devāvṛdha zur Unsterblichkeit Gelangten bleibt unerklärt – vermutlich Anhänger oder Untertanen, denen dies zugutekam.]
mit achtzig Rüstungen ausgestattet, zieht Āhuka als erster aus – nicht [einer,] der sonnenlos [wäre], nicht knauserig, nicht von hunderttausendjährigem Leben –
nāśuddhakarmā nāyajvā yo bhojam abhito vrajet / pūrvasyāṃ diśi nāgānāṃ bhojasya prayayuḥ kila // BrP_15.51 //
nicht von unreinen Taten, nicht ohne zu opfern, wer sich dem Bhoja[-König] von allen Seiten nähert.' In östlicher Richtung zogen die der Nāgas fürwahr zum Bhoja.
Wort für Wort
na aśuddhakarmā na ayajvā
nicht von unreinen Taten, nicht ohne zu opfern
yaḥ bhojam abhitaḥ vrajet
wer sich dem Bhoja von allen Seiten nähert
pūrvasyām diśi nāgānām
in östlicher Richtung die der Nāgas
bhojasya prayayuḥ kila
zogen fürwahr zum Bhoja
[?: Übergang zur folgenden Heeresschau-Aufzählung (v.52-54) unklar motiviert.]
Die Bhojas sind Herrscher bis an die Enden der Erde, mit Bogensehnen-Glöckchen geschmückt. Man sagt auch, dass die Andhakas den Avantis eine Schwester [zur Frau] gaben.
Wort für Wort
ābhūmipālāḥ bhojāḥ tu
die Bhojas aber [sind] Herrscher bis an die Erde[nenden]
santi jyākiṅkiṇīkinaḥ
sie sind mit Bogensehnen-Glöckchen geschmückt
āhuḥ kim ca api avantibhyaḥ
man sagt auch, den Avantis
svasāram daduḥ andhakāḥ
gaben die Andhakas eine Schwester
[Anm.: v.49-54 (die eingeschobene gāthā samt Heeresschau) bleiben in Aufbau und Einzelheiten großteils dunkel; wörtlich, mit [?] an den unsichersten Stellen, übersetzt.]
Ugrasena, mit seinen Nachkommen, aus Kukura entsprungen, ist damit dargelegt. Wer dieses Geschlecht der Kukuras von unermesslicher Kraft im Gedächtnis trägt,
jener Mann werde sein eigenes ausgedehntes Geschlecht erlangen und mit Nachkommenschaft gesegnet sein.
Wort für Wort
ātmanaḥ vipulam vaṃśam
sein eigenes ausgedehntes Geschlecht
prajāvān āpnuyāt naraḥ
werde jener Mann erlangen, mit Nachkommenschaft gesegnet
[Anm.: Diese Einheit (v.61-62) bildet einen zusammengehörigen Satz über zwei Halbverse hinweg und schließt Kapitel 15 mit einer Phalaśruti ab; das folgende Kapitel (BrP 16) setzt mit Bhajamānas Sohn Vidūratha fort.]