Kapitel 179: viṣṇumāhātmyapraśnaḥ
Die Frage der Munis nach Viṣṇus Größe und Menschwerdung
Nach den Kaṇḍu- und Puruṣottama-Kṣetra-Erzählungen fragen die Munis Vyāsa nach dem Ursprung von Baladeva, Kṛṣṇa und Subhadrā im Haus Nandas. In einer sehr umfangreichen, hymnenartigen Frage (V.13-62) zählen sie Viṣṇus kosmische Taten und Wesenszüge auf: die Avatāras (Varāha, Narasiṃha, Vāmana/Trivikrama, Kūrma, Kālanemi-Bezwingung), seine Rolle als Urheber und Erhalter des Opferwesens, der Zeiteinheiten, der vier Stände und Lebensstufen, sowie eine detaillierte embryologisch-physiologische Kosmogonie (Entstehung von Blut, Fleisch, Fett, Knochen, Mark, Samen aus dem Nahrungssaft; die fünf Prāṇas; die fünf Elemente). Die Frage gipfelt in der zentralen Verwunderung: wie und warum der ewige, eigenschaftslose, unveränderliche Viṣṇu — dessen ,Hari-Sein' im Kṛta-Zeitalter, ,Vaikuṇṭha-Sein' unter den Göttern und ,Kṛṣṇa-Sein' unter den Menschen gerühmt wird — als Nārāyaṇa Brahmā erschuf und schließlich in der Familie der Yadus Menschengestalt annahm.
Die Munis sprachen: Ach, die Vorzüge von Bhāratavarṣa wurden von dir gerühmt, ebenso die des glückhaften, ,Puruṣa' genannten Kṣetra, o Bester der Männer.
Wort für Wort
aho bhāratavarṣasya tvayā saṃkīrtitā guṇāḥ
ach, die Vorzüge von Bhāratavarṣa wurden von dir gerühmt
tadvac chrīpuruṣākhyasya kṣetrasya puruṣottama
ebenso die des glückhaften, ,Puruṣa' genannten Kṣetra, o Bester der Männer
[Anm.: 'puruṣottama' adressiert hier Vyāsa als ehrende Anrede (,bester der Männer'), nicht die gleichnamige Gottheit.]
weise, in der Familie des Vasudeva zum Zustand des Vāsudeva gelangen, und die von den Unsterblichen umgebene, heilige, von den Verdienstvollen geschmückte
Wort für Wort
vasudevakule dhīmān vāsudevatvam āgataḥ
weise, in der Familie des Vasudeva zum Zustand des Vāsudeva gelangen
amaraiś cāvṛtaṃ puṇyaṃ puṇyakṛdbhir alaṃkṛtam
und die von den Unsterblichen umgebene, heilige, von den Verdienstvollen geschmückte
Götterwelt verlassend, warum in diese Welt der Sterblichen kommen — er, der Führer von Göttern und Menschen, der unvergängliche Ursprung von Himmel und Erde?
Wort für Wort
devalokaṃ kim utsṛjya martyaloka ihāgataḥ
Götterwelt verlassend, warum in diese Welt der Sterblichen kommen
devamānuṣayor netā dyor bhuvaḥ prabhavo 'vyayaḥ
er, der Führer von Göttern und Menschen, der unvergängliche Ursprung von Himmel und Erde
śrīgarbhaḥ sa kathaṃ garbhe striyā bhūcarayā dhṛtaḥ /
yena lokān kramair jitvā tribhir vai tridaśepsayā //
Wie nur wurde er, dessen Schoß die Śrī ist, im Schoß einer irdisch wandelnden Frau getragen — er, durch den die Welten mit den drei Schritten erobert wurden, auf Wunsch der Götter,
Wort für Wort
śrīgarbhaḥ sa kathaṃ garbhe striyā bhūcarayā dhṛtaḥ
wie nur wurde er, dessen Schoß die Śrī ist, im Schoß einer irdisch wandelnden Frau getragen
yena lokān kramair jitvā tribhir vai tridaśepsayā
er, durch den die Welten mit den drei Schritten erobert wurden, auf Wunsch der Götter
durch den die Pfade der Welt eingerichtet wurden und die drei Lebensziel-Gruppen entstanden, er, der am Ende der Zeit die Welt verschlingt, seinen Leib zu Wasser machend,
Wort für Wort
sthāpitā jagato mārgās trivargāś cābhavaṃs trayaḥ
durch den die Pfade der Welt eingerichtet wurden und die drei Lebensziel-Gruppen entstanden
yo 'ntakāle jagat pītvā kṛtvā toyamayaṃ vapuḥ
er, der am Ende der Zeit die Welt verschlingt, seinen Leib zu Wasser machend
die Welt zu einem einzigen Ozean machte, mit sichtbarem und unsichtbarem Selbst zugleich — er, der Uralte, mit uraltem Selbst, der die Eber-Gestalt annahm,
Wort für Wort
lokam ekārṇavaṃ cakre dṛśyādṛśyena cātmanā
die Welt zu einem einzigen Ozean machte, mit sichtbarem und unsichtbarem Selbst zugleich
yaḥ purāṇaḥ purāṇātmā vārāhaṃ rūpam āsthitaḥ
er, der Uralte, mit uraltem Selbst, der die Eber-Gestalt annahm
dadau jitvā vasumatīṃ surāṇāṃ surasattamaḥ /
yena saiṃhavapuḥ kṛtvā dvidhā kṛtvā ca tat punaḥ //
den Göttern gab, nachdem er die Erde erobert hatte, der Beste der Götter — durch den, nachdem er eine Löwengestalt angenommen und diese wiederum zweigeteilt hatte,
Wort für Wort
dadau jitvā vasumatīṃ surāṇāṃ surasattamaḥ
den Göttern gab, nachdem er die Erde erobert hatte, der Beste der Götter
yena saiṃhavapuḥ kṛtvā dvidhā kṛtvā ca tat punaḥ
durch den, nachdem er eine Löwengestalt angenommen und diese wiederum zweigeteilt hatte
in der Unterwelt weilend, die Essenz des Ozeans, das aus Wasser bestehende Element, trank, Hari — das Brahman mit tausend Füßen, das tausendfach die Strahlen gewährt,
Wort für Wort
pātālastho 'rṇavarasaṃ papau toyamayaṃ hariḥ
in der Unterwelt weilend, die Essenz des Ozeans, das aus Wasser bestehende Element, trank Hari
sahasracaraṇaṃ brahma sahasrāṃśusahasradam
das Brahman mit tausend Füßen, das tausendfach die Strahlen gewährt
der Gott mit tausend Häuptern, den man Zeitalter für Zeitalter so nennt, aus dessen Nabel der Lotus entsprang, dessen Haus das des Großvaters [Brahmā] ist,
Wort für Wort
sahasraśirasaṃ devaṃ yam āhur vai yuge yuge
der Gott mit tausend Häuptern, den man Zeitalter für Zeitalter so nennt
nābhyāṃ padmaṃ samudbhūtaṃ yasya paitāmahaṃ gṛham
aus dessen Nabel der Lotus entsprang, dessen Haus das des Großvaters ist
durch den, nachdem er einen aus allen Göttern bestehenden, alle Waffen tragenden Leib geschaffen hatte, Kālanemi, der in einer Höhle wohnend übermütig geworden war, zu Fall gebracht wurde,
Wort für Wort
yena devamayaṃ kṛtvā sarvāyudhadharaṃ vapuḥ
durch den, nachdem er einen aus allen Göttern bestehenden, alle Waffen tragenden Leib geschaffen hatte
guhāsaṃsthena cotsiktaḥ kālanemir nipātitaḥ
Kālanemi, der in einer Höhle wohnend übermütig geworden war, zu Fall gebracht wurde
surāraṇī garbham adhatta divyaṃ
tapaḥprakarṣād aditiḥ purāṇam
śakraṃ ca yo daityagaṇāvaruddhaṃ
garbhāvadhānena kṛtaṃ cakāra
Durch die Vortrefflichkeit ihrer Askese empfing die uralte Aditi, die Göttermutter, einen göttlichen Keim; und er machte Śakra, der von der Daitya-Schar bedrängt war, durch sein Weilen als jener Keim wieder wohlbehalten.
Wort für Wort
surāraṇī garbham adhatta divyaṃ
die Göttermutter empfing einen göttlichen Keim
tapaḥprakarṣād aditiḥ purāṇam
durch die Vortrefflichkeit ihrer Askese, die uralte Aditi
śakraṃ ca yo daityagaṇāvaruddhaṃ
und er machte Śakra, der von der Daitya-Schar bedrängt war
garbhāvadhānena kṛtaṃ cakāra
durch sein Weilen als jener Keim wieder wohlbehalten
[Anm.: 4-pada Vers, pādaweise gezählt (BrP_179.27a-d); Anspielung auf die Vāmana-Avatāra-Erzählung (Geburt aus Aditi zur Wiederherstellung Indras).]
padāni yo yogamayāni kṛtvā
cakāra daityān salileśayasthān
kṛtvā ca devāṃs tridaśeśvarāṃs tu
cakre sureśaṃ puruhūtam eva
Er, der, nachdem er die aus Yoga bestehenden Schritte [die drei Schritte des Vāmana] getan hatte, die Daityas dazu machte, im Wasser zu liegen, und die Götter zu Herrschern der Götter machte, wodurch er eben den Puruhūta [Indra] zum Herrn der Götter machte.
Wort für Wort
padāni yo yogamayāni kṛtvā
er, der, nachdem er die aus Yoga bestehenden Schritte getan hatte
cakāra daityān salileśayasthān
die Daityas dazu machte, im Wasser zu liegen
kṛtvā ca devāṃs tridaśeśvarāṃs tu
und die Götter zu Herrschern der Götter machte
cakre sureśaṃ puruhūtam eva
wodurch er eben den Puruhūta zum Herrn der Götter machte
[Anm.: 4-pada Vers, pādaweise gezählt (BrP_179.28a-d); Fortsetzung der Vāmana-Anspielung — Verbannung Balis/der Daityas in die Unterwelt und Wiedereinsetzung Indras.]
havyādāṃś ca surāṃś cakre kavyādāṃś ca pitṝn atha /
bhogārthe yajñavidhinā 'yojayad yajñakarmaṇi //
er machte die Götter zu Genießern der Havya-Opfer und die Ahnen zu Genießern der Kavya-Opfer; zum Zweck des Genusses setzte er sie durch die Opfervorschrift in das Opferwerk ein.
Wort für Wort
havyādāṃś ca surāṃś cakre kavyādāṃś ca pitṝn atha
er machte die Götter zu Genießern der Havya-Opfer und die Ahnen zu Genießern der Kavya-Opfer
bhogārthe yajñavidhinā 'yojayad yajñakarmaṇi
zum Zweck des Genusses setzte er sie durch die Opfervorschrift in das Opferwerk ein
pātrāṇi dakṣiṇāṃ dīkṣāṃ carūṃś colūkhalāni ca /
yūpaṃ samit sruvaṃ somaṃ pavitrān paridhīn api //
die Opfergefäße, die Dakṣiṇā, die Weihe, die Reisbrei-Opfer und die Mörser, den Opferpfahl, das Brennholz, den Opferlöffel, den Soma, die reinigenden Umzäunungen,
Wort für Wort
pātrāṇi dakṣiṇāṃ dīkṣāṃ carūṃś colūkhalāni ca
die Opfergefäße, die Dakṣiṇā, die Weihe, die Reisbrei-Opfer und die Mörser
yūpaṃ samit sruvaṃ somaṃ pavitrān paridhīn api
den Opferpfahl, das Brennholz, den Opferlöffel, den Soma, die reinigenden Umzäunungen
yajñiyāni ca dravyāṇi camasāṃś ca tathāparān /
sadasyān yajamānāṃś ca medhādīṃś ca kratūttamān //
die Opferstoffe, und ebenso die anderen Trinkschalen, die Opferpriester-Beisitzer und die Opferveranstalter, sowie die Medha-Opfer und andere vortreffliche Riten,
Wort für Wort
yajñiyāni ca dravyāṇi camasāṃś ca tathāparān
die Opferstoffe, und ebenso die anderen Trinkschalen
sadasyān yajamānāṃś ca medhādīṃś ca kratūttamān
die Opferpriester-Beisitzer und die Opferveranstalter, sowie die Medha-Opfer und andere vortreffliche Riten
die Jahreszeiten und die Zeitverbindungen, das dreifache Maß in den drei [Zeiten], die Lebensspannen-Felder, das Wachstum, die Merkmale, die Schönheit der Gestalt —
Wort für Wort
ṛtavaḥ kālayogāś ca pramāṇaṃ trividhaṃ triṣu
die Jahreszeiten und die Zeitverbindungen, das dreifache Maß in den drei Zeiten
āyuḥkṣetrāṇy upacayo lakṣaṇaṃ rūpasauṣṭhavam
die Lebensspannen-Felder, das Wachstum, die Merkmale, die Schönheit der Gestalt
die drei Welten, die drei Götter, das dreifache Wissen, die drei Feuer, die Dreizeitigkeit, die drei Handlungsarten, die drei Farben/Stände, die drei Guṇas,
Wort für Wort
trayo lokās trayo devās traividyaṃ pāvakās trayaḥ
die drei Welten, die drei Götter, das dreifache Wissen, die drei Feuer
traikālyaṃ trīṇi karmāṇi trayo varṇās trayo guṇāḥ
die Dreizeitigkeit, die drei Handlungsarten, die drei Stände, die drei Guṇas
durch dessen endloses Wirken einst alle Welten geschaffen wurden — er, der in alle Wesen Eingegangene, der Schöpfer, dessen Wesen die Eigenschaften aller Geschöpfe umfasst,
Wort für Wort
sṛṣṭā lokāḥ purā sarve yenānantena karmaṇā
durch dessen endloses Wirken einst alle Welten geschaffen wurden
sarvabhūtagataḥ sraṣṭā sarvabhūtaguṇātmakaḥ
er, der in alle Wesen Eingegangene, der Schöpfer, dessen Wesen die Eigenschaften aller Geschöpfe umfasst
nṛṇām indriyapūrveṇa yogena ramate ca yaḥ /
gatāgatābhyāṃ yogena ya eva vidhir īśvaraḥ //
der sich durch das den Sinnen vorausgehende Yoga an den Menschen erfreut, der durch das Yoga von Kommen und Gehen eben die Ordnung selbst ist, der Gebieter,
Wort für Wort
nṛṇām indriyapūrveṇa yogena ramate ca yaḥ
der sich durch das den Sinnen vorausgehende Yoga an den Menschen erfreut
gatāgatābhyāṃ yogena ya eva vidhir īśvaraḥ
der durch das Yoga von Kommen und Gehen eben die Ordnung selbst ist, der Gebieter
der Kenner der vier Wissenschaften, die Zuflucht der vier Lebensstufen, der Zwischenraum der Himmelsrichtungen, der Himmel, die Erde, der Wind, sowie das Feuer,
Wort für Wort
cāturvidyasya yo vettā cāturāśramyasaṃśrayaḥ
der Kenner der vier Wissenschaften, die Zuflucht der vier Lebensstufen
digantaraṃ nabho bhūmir vāyur vāpi vibhāvasuḥ
der Zwischenraum der Himmelsrichtungen, der Himmel, die Erde, der Wind, sowie das Feuer
das aus Mond und Sonne bestehende Licht, der Herr der Zeitalter, der in der Nacht Wandelnde — er, der als das höchste Licht gehört wird, er, der als die höchste Askese gehört wird,
Wort für Wort
candrasūryamayaṃ jyotir yugeśaḥ kṣaṇadācaraḥ
das aus Mond und Sonne bestehende Licht, der Herr der Zeitalter, der in der Nacht Wandelnde
yaḥ paraṃ śrūyate jyotir yaḥ paraṃ śrūyate tapaḥ
er, der als das höchste Licht gehört wird, er, der als die höchste Askese gehört wird
yaṃ paraṃ prāhur aparaṃ yaḥ paraḥ paramātmavān /
ādityānāṃ tu yo devo yaś ca daityāntako vibhuḥ //
den man das Höchste und zugleich das Nicht-Höchste nennt, der als der Höchste das höchste Selbst besitzt, der Gott unter den Ādityas, und der Herr, der Vernichter der Daityas,
Wort für Wort
yaṃ paraṃ prāhur aparaṃ yaḥ paraḥ paramātmavān
den man das Höchste und zugleich das Nicht-Höchste nennt, der als der Höchste das höchste Selbst besitzt
ādityānāṃ tu yo devo yaś ca daityāntako vibhuḥ
der Gott unter den Ādityas, und der Herr, der Vernichter der Daityas
der zum Herrn der Śakras Gewordene, der zur Askese der Asketen Gewordene, die Disziplin der auf rechtem Wandel Beruhenden, der Glanz auch der Glanzvollen,
Wort für Wort
yaḥ śakrāṇām īśabhūtas tapobhūtas tapasvinām
der zum Herrn der Śakras Gewordene, der zur Askese der Asketen Gewordene
vinayo nayavṛttīnāṃ tejas tejasvinām api
die Disziplin der auf rechtem Wandel Beruhenden, der Glanz auch der Glanzvollen
die Gestalt derer, die eine Gestalt verdienen, das Ziel auch der Zielstrebigen, der aus dem Äther entstandene Wind, aus dem Lebenshauch des Windes das Feuer,
Wort für Wort
vigraho vigrahārhāṇāṃ gatir gatimatām api
die Gestalt derer, die eine Gestalt verdienen, das Ziel auch der Zielstrebigen
ākāśaprabhavo vāyur vāyoḥ prāṇād dhutāśanaḥ
der aus dem Äther entstandene Wind, aus dem Lebenshauch des Windes das Feuer
aus dem Himmel das Feuer der Lebenshauch, aus dem Lebenshauch das Feuer, er ist der Bezwinger von Madhu; aus dem Nahrungssaft entsteht das Blut, aus dem Blut entsteht, wie man sagt, das Fleisch,
Wort für Wort
divo hutāśanaḥ prāṇaḥ prāṇo 'gnir madhusūdanaḥ
aus dem Himmel das Feuer der Lebenshauch, aus dem Lebenshauch das Feuer, er ist der Bezwinger von Madhu
rasāc choṇitasaṃbhūtiḥ śoṇitān māṃsam ucyate
aus dem Nahrungssaft entsteht das Blut, aus dem Blut entsteht, wie man sagt, das Fleisch
aus dem Fleisch aber entsteht das Fett, aus dem Fett entsteht, wie erklärt wird, der Knochen; aus dem Knochen entstand das Mark, aus dem Mark entsteht der Same,
Wort für Wort
māṃsāt tu medaso janma medaso 'sthi nirucyate
aus dem Fleisch aber entsteht das Fett, aus dem Fett entsteht, wie erklärt wird, der Knochen
asthno majjā samabhavan majjātaḥ śukrasaṃbhavaḥ
aus dem Knochen entstand das Mark, aus dem Mark entsteht der Same
aus dem Samen entstand der Keim, durch das im Nahrungssaft wurzelnde Wirken; dort ist der erste Anteil der Wasser-Elemente, jener wird der ,Mond-Haufen' genannt,
Wort für Wort
śukrād garbhaḥ samabhavad rasamūlena karmaṇā
aus dem Samen entstand der Keim, durch das im Nahrungssaft wurzelnde Wirken
tatrāpāṃ prathamo bhāgaḥ sa saumyo rāśir ucyate
dort ist der erste Anteil der Wasser-Elemente, jener wird der ,Mond-Haufen' genannt
der aus der Wärme des Keims entstandene Anteil wird als zweiter Haufen bezeichnet; man wisse, dass der Same aus Soma-Wesen besteht, das Menstrualblut aus Feuer-Wesen,
Wort für Wort
garbhoṣmasaṃbhavo jñeyo dvitīyo rāśir ucyate
der aus der Wärme des Keims entstandene Anteil wird als zweiter Haufen bezeichnet
śukraṃ somātmakaṃ vidyād ārtavaṃ pāvakātmakam
man wisse, dass der Same aus Soma-Wesen besteht, das Menstrualblut aus Feuer-Wesen
bhāvā rasānugāś caiṣāṃ bīje ca śaśipāvakau /
kaphavarge bhavec chukraṃ pittavarge ca śoṇitam //
und die Körperzustände folgen dem Nahrungssaft; im Samen wirken Mond und Feuer; in der Schleim-Gruppe entsteht der Same, in der Gallen-Gruppe das Blut,
Wort für Wort
bhāvā rasānugāś caiṣāṃ bīje ca śaśipāvakau
die Körperzustände folgen dem Nahrungssaft; im Samen wirken Mond und Feuer
kaphavarge bhavec chukraṃ pittavarge ca śoṇitam
in der Schleim-Gruppe entsteht der Same, in der Gallen-Gruppe das Blut
die Galle gilt als Feuer — so besteht die Welt aus dem Wesen von Feuer und Soma. So, wenn der Keim in Gang gesetzt und, einer Fleischblase gleich, herangewachsen ist,
Wort für Wort
pittam agniḥ smṛtaṃ tv evam agnisomātmakaṃ jagat
die Galle gilt als Feuer — so besteht die Welt aus dem Wesen von Feuer und Soma
evaṃ pravartite garbhe vardhite 'rbudasaṃnibhe
so, wenn der Keim in Gang gesetzt und, einer Fleischblase gleich, herangewachsen ist
der Apāna durchdringt den hinteren Körperteil, der Udāna die obere Hälfte des Verkörperten; der Vyāna aber durchdringt den ganzen Körper, durch den der Samāna in Bewegung zurückgehalten wird,
Wort für Wort
apānaḥ paścimaṃ kāyam udāno 'rdhaṃ śarīriṇaḥ
der Apāna durchdringt den hinteren Körperteil, der Udāna die obere Hälfte des Verkörperten
vyānas tu vyāpyate yena samānaḥ saṃnivartate
der Vyāna aber durchdringt den ganzen Körper, durch den der Samāna zurückgehalten wird
tasyendriyaniviṣṭāni svaṃ svaṃ bhāgaṃ pracakrire /
pārthivaṃ deham āhus tu prāṇātmānaṃ ca mārutam //
seine in den Sinnen niedergelegten Elemente bewirkten je ihren eigenen Anteil; den irdischen Anteil nennt man den Körper, und den Lebenshauch-Anteil den des Windes,
Wort für Wort
tasyendriyaniviṣṭāni svaṃ svaṃ bhāgaṃ pracakrire
seine in den Sinnen niedergelegten Elemente bewirkten je ihren eigenen Anteil
pārthivaṃ deham āhus tu prāṇātmānaṃ ca mārutam
den irdischen Anteil nennt man den Körper, und den Lebenshauch-Anteil den des Windes
die Öffnungen haben den Äther zum Ursprung, aus dem Wasser entsteht das Fließen; das Licht zeigt sich in den Augen und im Glanz — der Geist gilt als deren aller Selbst,
Wort für Wort
chidrāṇy ākāśayonīni jalāt srāvaḥ pravartate
die Öffnungen haben den Äther zum Ursprung, aus dem Wasser entsteht das Fließen
jyotiś cakṣūṃṣi tejaś ca ātmā teṣāṃ manaḥ smṛtam
das Licht zeigt sich in den Augen und im Glanz — der Geist gilt als deren aller Selbst
dessen Taten wunderbar sind — die Wahrheit über Viṣṇu soll hier verkündet werden: wie nur konnte jener Gott, der Leid-Vernichter der Götter, der Puruṣottama,
Wort für Wort
karmaṇāścaryabhūtasya viṣṇos tattvam ihocyatām
dessen Taten wunderbar sind — die Wahrheit über Viṣṇu soll hier verkündet werden
kathaṃ sa devo devānām ārtihā puruṣottamaḥ
wie nur konnte jener Gott, der Leid-Vernichter der Götter, der Puruṣottama
der alldurchdringende Herr der Welt, der große Gebieter aller Welten, der Gott, der Schöpfung, Erhaltung und Untergang bewirkt, der allen Welten Glück bringt,
Wort für Wort
sarvavyāpī jagannāthaḥ sarvalokamaheśvaraḥ
der alldurchdringende Herr der Welt, der große Gebieter aller Welten
sargasthityantakṛd devaḥ sarvalokasukhāvahaḥ
der Gott, der Schöpfung, Erhaltung und Untergang bewirkt, der allen Welten Glück bringt
samatītāṃ bhaviṣyaṃ ca śrotum icchā pravartate /
avyakto vyaktaliṅgastho ya eṣa bhagavān prabhuḥ //
sowohl den vergangenen als auch den zukünftigen, entsteht in uns der Wunsch zu hören — er, der Unentfaltete, der in entfaltetem Kennzeichen weilt, jener erhabene Herr,
Wort für Wort
samatītāṃ bhaviṣyaṃ ca śrotum icchā pravartate
sowohl den vergangenen als auch den zukünftigen, entsteht in uns der Wunsch zu hören
avyakto vyaktaliṅgastho ya eṣa bhagavān prabhuḥ
er, der Unentfaltete, der in entfaltetem Kennzeichen weilt, jener erhabene Herr
so 'sṛjat pūrvapuruṣaḥ purā kalpe prajāpatīn /
evaṃ sa bhagavān viṣṇuḥ sarvalokamaheśvaraḥ /
kimarthaṃ martyaloke 'smin yāto yadukule hariḥ //
er, der uranfängliche Puruṣa, schuf einst im Kalpa die Prajāpatis. So [fragen wir]: warum ging jener erhabene Viṣṇu, der große Gebieter aller Welten, Hari, in dieser Welt der Sterblichen in die Familie der Yadus ein?
Wort für Wort
so 'sṛjat pūrvapuruṣaḥ purā kalpe prajāpatīn
er, der uranfängliche Puruṣa, schuf einst im Kalpa die Prajāpatis
evaṃ sa bhagavān viṣṇuḥ sarvalokamaheśvaraḥ
so [fragen wir]: jener erhabene Viṣṇu, der große Gebieter aller Welten
kimarthaṃ martyaloke 'smin yāto yadukule hariḥ
warum ging Hari in dieser Welt der Sterblichen in die Familie der Yadus ein
[Anm.: Vers mit drei Zeilen im Quelltext; schließt die lange Frage der Munis ab.]