Quellen der Menschheit

Brahma-Purāṇa

Kapitel 217: dharmasahāyavarṇanaṃ tiryagyonipraveśahetavaś ca Der Dharma als einziger Gefährte, die Entstehung der Leibesfrucht und die Ursachen der Tierwiedergeburten

Auf die Frage der Weisen, wer der wahre Gefährte des Sterblichen sei, lehrt Vyāsa: allein der Dharma begleitet die Seele über den Tod hinaus, kein Verwandter und kein Freund (V.1-11). Es folgt ein Exkurs zur Physiologie: wie die fünf Elemente samt Geist als 'Zeugen' den Dharma wahrnehmen (V.12-17), wie aus der Sättigung der Elemente der Same und daraus der Keim entsteht (V.18-24), und wie die Lebensseele nach der Geburt Glück oder Leid gemäß Dharma/Adharma erfährt (V.25-36). Den Hauptteil (V.37-115) bildet ein sehr detaillierter Katalog spezifischer Verfehlungen (gegen Lehrer, Eltern, fremde Frauen, anvertrautes Gut, gestohlene Gegenstände von Getreide bis Edelmetall) und der jeweils genau bemessenen Tier- oder Insektenwiedergeburten (mit exakter Lebensdauer je Zwischenform), die daraus folgen, bevor die Seele wieder Menschsein erlangt. Schluss: Zusammenfassung als bloßer Auszug, mit Verweis auf eine frühere Belehrung Brahmās unter den Götterweisen (V.116-118). Zwei dreizeilige Verse (V.3, V.24).

śrutvaivaṃ yamamārgaṃ te narakeṣu ca yātanām / papracchuś ca punar vyāsaṃ saṃśayaṃ munisattamāḥ //

Nachdem sie so den Yamamārga und die Qualen in den Höllen gehört hatten, befragten die besten der Weisen Vyāsa wiederum zu einem Zweifel.

Wort für Wort
śrutvaivaṃ yamamārgaṃ te narakeṣu ca yātanām /
Nachdem sie so den Yamamārga und die Qualen in den Höllen gehört hatten,
papracchuś ca punar vyāsaṃ saṃśayaṃ munisattamāḥ //
befragten die besten der Weisen Vyāsa wiederum zu einem Zweifel.

bhagavan sarvadharmajña sarvaśāstraviśārada / martyasya kaḥ sahāyo vai pitā mātā suto guruḥ //

Die Weisen sprachen: Erhabener, Kenner allen Dharmas, in allen Lehrschriften Bewanderter! Wer ist der wahre Gefährte des Sterblichen – Vater, Mutter, Sohn oder Lehrer,

Wort für Wort
bhagavan sarvadharmajña sarvaśāstraviśārada /
Erhabener, Kenner allen Dharmas, in allen Lehrschriften Bewanderter!
martyasya kaḥ sahāyo vai pitā mātā suto guruḥ //
Wer ist der wahre Gefährte des Sterblichen – Vater, Mutter, Sohn oder Lehrer,

jñātisaṃbandhivargaś ca mitravargas tathaiva ca / gṛhaṃ śarīram utsṛjya kāṣṭhaloṣṭasamaṃ janāḥ / gacchanty amutra loke vai kaś ca tān anugacchati //

oder die Schar der Verwandten und Verschwägerten, oder ebenso die Schar der Freunde? Nachdem die Menschen Haus und Körper – einem Holzscheit oder einer Erdscholle gleich – verlassen haben, gehen sie in jene andere Welt: wer begleitet sie dabei?

Wort für Wort
jñātisaṃbandhivargaś ca mitravargas tathaiva ca /
oder die Schar der Verwandten und Verschwägerten, oder ebenso die Schar der Freunde?
gṛhaṃ śarīram utsṛjya kāṣṭhaloṣṭasamaṃ janāḥ /
Nachdem die Menschen Haus und Körper – einem Holzscheit oder einer Erdscholle gleich – verlassen haben,
gacchanty amutra loke vai kaś ca tān anugacchati //
gehen sie in jene andere Welt: wer begleitet sie dabei?

[Anm.: dreizeiliger Vers (Sonderform).]

ekaḥ prasūyate viprā eka eva hi naśyati / ekas tarati durgāṇi gacchaty ekas tu durgatim //

Vyāsa sprach: Allein wird man geboren, o Brahmanen, allein vergeht man auch; allein überquert man Gefahren, allein geht man auch ins Unheil.

Wort für Wort
ekaḥ prasūyate viprā eka eva hi naśyati /
Allein wird man geboren, o Brahmanen, allein vergeht man auch;
ekas tarati durgāṇi gacchaty ekas tu durgatim //
allein überquert man Gefahren, allein geht man auch ins Unheil.

asahāyaḥ pitā mātā tathā bhrātā suto guruḥ / jñātisaṃbandhivargaś ca mitravargas tathaiva ca //

Ohne Gefährten sind Vater, Mutter, ebenso Bruder, Sohn, Lehrer, die Schar der Verwandten und Verschwägerten und ebenso die Schar der Freunde.

Wort für Wort
asahāyaḥ pitā mātā tathā bhrātā suto guruḥ /
Ohne Gefährten sind Vater, Mutter, ebenso Bruder, Sohn, Lehrer,
jñātisaṃbandhivargaś ca mitravargas tathaiva ca //
die Schar der Verwandten und Verschwägerten und ebenso die Schar der Freunde.

mṛtaṃ śarīram utsṛjya kāṣṭhaloṣṭasamaṃ janāḥ / muhūrtam iva roditvā tato yānti parāṅmukhāḥ //

Nachdem die Menschen den toten Körper, einem Holzscheit oder einer Erdscholle gleich, verlassen haben, weinen sie nur für einen Augenblick und wenden sich dann ab.

Wort für Wort
mṛtaṃ śarīram utsṛjya kāṣṭhaloṣṭasamaṃ janāḥ /
Nachdem die Menschen den toten Körper, einem Holzscheit oder einer Erdscholle gleich, verlassen haben,
muhūrtam iva roditvā tato yānti parāṅmukhāḥ //
weinen sie nur für einen Augenblick und wenden sich dann ab.

tais tac charīram utsṛṣṭaṃ dharma eko 'nugacchati / tasmād dharmaḥ sahāyaś ca sevitavyaḥ sadā nṛbhiḥ //

Diesen von ihnen verlassenen Körper begleitet allein der Dharma; deshalb soll der Dharma als Gefährte stets von den Menschen gepflegt werden.

Wort für Wort
tais tac charīram utsṛṣṭaṃ dharma eko 'nugacchati /
Diesen von ihnen verlassenen Körper begleitet allein der Dharma;
tasmād dharmaḥ sahāyaś ca sevitavyaḥ sadā nṛbhiḥ //
deshalb soll der Dharma als Gefährte stets von den Menschen gepflegt werden.

prāṇī dharmasamāyukto gacchet svargagatiṃ parām / tathaivādharmasaṃyukto narakaṃ copapadyate //

Das mit Dharma verbundene Lebewesen gelangt zum höchsten Himmelsgang; ebenso gelangt das mit Adharma verbundene in die Hölle.

Wort für Wort
prāṇī dharmasamāyukto gacchet svargagatiṃ parām /
Das mit Dharma verbundene Lebewesen gelangt zum höchsten Himmelsgang;
tathaivādharmasaṃyukto narakaṃ copapadyate //
ebenso gelangt das mit Adharma verbundene in die Hölle.

tasmāt pāpāgatair arthair nānurajyeta paṇḍitaḥ / dharma eko manuṣyāṇāṃ sahāyaḥ parikīrtitaḥ //

Deshalb soll der Gelehrte sich nicht an durch Sünde erlangtem Besitz erfreuen; der Dharma allein wird als der Gefährte der Menschen gerühmt.

Wort für Wort
tasmāt pāpāgatair arthair nānurajyeta paṇḍitaḥ /
Deshalb soll der Gelehrte sich nicht an durch Sünde erlangtem Besitz erfreuen;
dharma eko manuṣyāṇāṃ sahāyaḥ parikīrtitaḥ //
der Dharma allein wird als der Gefährte der Menschen gerühmt.

lobhān mohād anukrośād bhayād vātha bahuśrutaḥ / naraḥ karoty akāryāṇi parārthe lobhamohitaḥ //

Aus Gier, Verblendung, Mitleid oder Furcht – oder auch, obwohl vielgelehrt – begeht der Mensch, von Gier und Verblendung um fremden Besitz willen befangen, Unrechtes.

Wort für Wort
lobhān mohād anukrośād bhayād vātha bahuśrutaḥ /
Aus Gier, Verblendung, Mitleid oder Furcht – oder auch, obwohl vielgelehrt –
naraḥ karoty akāryāṇi parārthe lobhamohitaḥ //
begeht der Mensch, von Gier und Verblendung um fremden Besitz willen befangen, Unrechtes.

dharmaś cārthaś ca kāmaś ca tritayaṃ jīvataḥ phalam / etat trayam avāptavyam adharmaparivarjitam //

Dharma, Artha und Kāma – diese Dreiheit ist die Frucht des Lebenden; diese drei sollen erlangt werden, frei von Adharma.

Wort für Wort
dharmaś cārthaś ca kāmaś ca tritayaṃ jīvataḥ phalam /
Dharma, Artha und Kāma – diese Dreiheit ist die Frucht des Lebenden;
etat trayam avāptavyam adharmaparivarjitam //
diese drei sollen erlangt werden, frei von Adharma.

śrutaṃ bhagavato vākyaṃ dharmayuktaṃ paraṃ hitam / śarīranicayaṃ jñātuṃ buddhir no 'tra prajāyate //

Die Weisen sprachen: Gehört haben wir das Wort des Erhabenen, dem Dharma verbunden, höchst heilsam; nun entsteht in uns der Wunsch, den Aufbau des Körpers zu verstehen.

Wort für Wort
śrutaṃ bhagavato vākyaṃ dharmayuktaṃ paraṃ hitam /
Gehört haben wir das Wort des Erhabenen, dem Dharma verbunden, höchst heilsam;
śarīranicayaṃ jñātuṃ buddhir no 'tra prajāyate //
nun entsteht in uns der Wunsch, den Aufbau des Körpers zu verstehen.

mṛtaṃ śarīraṃ hi nṛṇāṃ sūkṣmam avyaktatāṃ gatam / acakṣurviṣayaṃ prāptaṃ kathaṃ dharmo 'nugacchati //

Der tote Körper der Menschen wird ja fein und unmanifest, dem Bereich des Auges entzogen – wie begleitet ihn da der Dharma?

Wort für Wort
mṛtaṃ śarīraṃ hi nṛṇāṃ sūkṣmam avyaktatāṃ gatam /
Der tote Körper der Menschen wird ja fein und unmanifest,
acakṣurviṣayaṃ prāptaṃ kathaṃ dharmo 'nugacchati //
dem Bereich des Auges entzogen – wie begleitet ihn da der Dharma?

pṛthivī vāyur ākāśam āpo jyotir manontaram / buddhir ātmā ca sahitā dharmaṃ paśyanti nityadā //

Vyāsa sprach: Erde, Wind, Äther, Wasser, Licht, ferner der Geist, Verstand und das Selbst – diese sehen, miteinander verbunden, stets den Dharma,

Wort für Wort
pṛthivī vāyur ākāśam āpo jyotir manontaram /
Erde, Wind, Äther, Wasser, Licht, ferner der Geist,
buddhir ātmā ca sahitā dharmaṃ paśyanti nityadā //
Verstand und das Selbst – diese sehen, miteinander verbunden, stets den Dharma,

prāṇinām iha sarveṣāṃ sākṣibhūtā divāniśam / etaiś ca saha dharmo hi taṃ jīvam anugacchati //

als Zeugen aller Lebewesen hier, Tag und Nacht; und mit diesen zusammen begleitet der Dharma die Lebensseele.

Wort für Wort
prāṇinām iha sarveṣāṃ sākṣibhūtā divāniśam /
als Zeugen aller Lebewesen hier, Tag und Nacht;
etaiś ca saha dharmo hi taṃ jīvam anugacchati //
und mit diesen zusammen begleitet der Dharma die Lebensseele.

tvag asthi māṃsaṃ śukraṃ ca śoṇitaṃ ca dvijottamāḥ / śarīraṃ varjayanty ete jīvitena vivarjitam //

Haut, Knochen, Fleisch, Same und Blut, ihr besten der Zweifachgeborenen – diese verlassen den Körper, sobald er des Lebens beraubt ist.

Wort für Wort
tvag asthi māṃsaṃ śukraṃ ca śoṇitaṃ ca dvijottamāḥ /
Haut, Knochen, Fleisch, Same und Blut, ihr besten der Zweifachgeborenen –
śarīraṃ varjayanty ete jīvitena vivarjitam //
diese verlassen den Körper, sobald er des Lebens beraubt ist.

tato dharmasamāyuktaḥ sa jīvaḥ sukham edhate / ihaloke pare caiva kiṃ bhūyaḥ kathayāmi vaḥ //

Dann gedeiht diese mit Dharma verbundene Lebensseele in Glück, hier in dieser Welt wie auch in der jenseitigen – was soll ich euch weiter erzählen?

Wort für Wort
tato dharmasamāyuktaḥ sa jīvaḥ sukham edhate /
Dann gedeiht diese mit Dharma verbundene Lebensseele in Glück,
ihaloke pare caiva kiṃ bhūyaḥ kathayāmi vaḥ //
hier in dieser Welt wie auch in der jenseitigen – was soll ich euch weiter erzählen?

tad darśitaṃ bhagavatā yathā dharmo 'nugacchati / etat tu jñātum icchāmaḥ kathaṃ retaḥ pravartate //

Die Weisen sprachen: Gezeigt wurde von dir, Erhabener, wie der Dharma begleitet; dies aber möchten wir wissen: wie entsteht der Same?

Wort für Wort
tad darśitaṃ bhagavatā yathā dharmo 'nugacchati /
Gezeigt wurde von dir, Erhabener, wie der Dharma begleitet;
etat tu jñātum icchāmaḥ kathaṃ retaḥ pravartate //
dies aber möchten wir wissen: wie entsteht der Same?

annam aśnanti ye devāḥ śarīrasthā dvijottamāḥ / pṛthivī vāyur ākāśam āpo jyotir manas tathā //

Vyāsa sprach: Die Götter, die im Körper wohnend die Speise essen, ihr besten der Zweifachgeborenen, sind Erde, Wind, Äther, Wasser, Licht sowie der Geist.

Wort für Wort
annam aśnanti ye devāḥ śarīrasthā dvijottamāḥ /
Die Götter, die im Körper wohnend die Speise essen, ihr besten der Zweifachgeborenen,
pṛthivī vāyur ākāśam āpo jyotir manas tathā //
sind Erde, Wind, Äther, Wasser, Licht sowie der Geist.

tatas tṛpteṣu bho viprās teṣu bhūteṣu pañcasu / manaḥṣaṣṭheṣu śuddhātmā retaḥ saṃpadyate mahat //

Wenn dann diese fünf Elemente, o Brahmanen, samt dem Geist als sechstem, gesättigt sind, entsteht der reine, große Same.

Wort für Wort
tatas tṛpteṣu bho viprās teṣu bhūteṣu pañcasu /
Wenn dann diese fünf Elemente, o Brahmanen,
manaḥṣaṣṭheṣu śuddhātmā retaḥ saṃpadyate mahat //
samt dem Geist als sechstem, gesättigt sind, entsteht der reine, große Same.

tato garbhaḥ saṃbhavati śleṣmā strīpuṃsayor dvijāḥ / etad vaḥ sarvam ākhyātaṃ kiṃ bhūyaḥ śrotum icchatha //

Dann entsteht der Keim aus dem vereinten Schleim von Frau und Mann, ihr Zweifachgeborenen; dies alles wurde euch erklärt – was wollt ihr weiter hören?

Wort für Wort
tato garbhaḥ saṃbhavati śleṣmā strīpuṃsayor dvijāḥ /
Dann entsteht der Keim aus dem vereinten Schleim von Frau und Mann, ihr Zweifachgeborenen;
etad vaḥ sarvam ākhyātaṃ kiṃ bhūyaḥ śrotum icchatha //
dies alles wurde euch erklärt – was wollt ihr weiter hören?

ākhyātaṃ no bhagavatā garbhaḥ saṃjāyate yathā / yathā jātas tu puruṣaḥ prapadyate tad ucyatām //

Die Weisen sprachen: Erklärt wurde uns vom Erhabenen, wie der Keim entsteht; wie aber der geborene Mensch weiter fortschreitet, das möge gesagt werden.

Wort für Wort
ākhyātaṃ no bhagavatā garbhaḥ saṃjāyate yathā /
Erklärt wurde uns vom Erhabenen, wie der Keim entsteht;
yathā jātas tu puruṣaḥ prapadyate tad ucyatām //
wie aber der geborene Mensch weiter fortschreitet, das möge gesagt werden.

āsannamātrapuruṣas tair bhūtair abhibhūyate / viprayuktas tu tair bhūtaiḥ punar yāty aparāṃ gatim //

Vyāsa sprach: Der Mensch wird, sobald er entstanden ist, von jenen Elementen überwältigt; von jenen Elementen aber wieder getrennt, geht er einem anderen Zustand entgegen.

Wort für Wort
āsannamātrapuruṣas tair bhūtair abhibhūyate /
Der Mensch wird, sobald er entstanden ist, von jenen Elementen überwältigt;
viprayuktas tu tair bhūtaiḥ punar yāty aparāṃ gatim //
von jenen Elementen aber wieder getrennt, geht er einem anderen Zustand entgegen.

sa ca bhūtasamāyuktaḥ prāpnoti jīvam eva hi / tato 'sya karma paśyanti śubhaṃ vā yadi vāśubham / devatāḥ pañcabhūtasthāḥ kiṃ bhūyaḥ śrotum icchatha //

Und mit den Elementen verbunden, erlangt er eben die Lebensseele; danach beobachten die in den fünf Elementen weilenden Gottheiten seine Tat, sei sie heilsam oder unheilsam – was wollt ihr weiter hören?

Wort für Wort
sa ca bhūtasamāyuktaḥ prāpnoti jīvam eva hi /
Und mit den Elementen verbunden, erlangt er eben die Lebensseele;
tato 'sya karma paśyanti śubhaṃ vā yadi vāśubham /
danach beobachten die in den fünf Elementen weilenden Gottheiten seine Tat, sei sie heilsam oder unheilsam –
devatāḥ pañcabhūtasthāḥ kiṃ bhūyaḥ śrotum icchatha //
was wollt ihr weiter hören?

[Anm.: dreizeiliger Vers (Sonderform).]

tvag asthi māṃsam utsṛjya tais tu bhūtair vivarjitaḥ / jīvaḥ sa bhagavan kvasthaḥ sukhaduḥkhe samaśnute //

Die Weisen sprachen: Nachdem er Haut, Knochen, Fleisch verlassen hat und von jenen Elementen getrennt ist – wo weilend, o Erhabener, erfährt diese Lebensseele Glück und Leid?

Wort für Wort
tvag asthi māṃsam utsṛjya tais tu bhūtair vivarjitaḥ /
Nachdem er Haut, Knochen, Fleisch verlassen hat und von jenen Elementen getrennt ist –
jīvaḥ sa bhagavan kvasthaḥ sukhaduḥkhe samaśnute //
wo weilend, o Erhabener, erfährt diese Lebensseele Glück und Leid?

jīvaḥ karmasamāyuktaḥ śīghraṃ retaḥsamāgataḥ / strīṇāṃ puṣpaṃ samāsādya tataḥ kālena bho dvijāḥ //

Vyāsa sprach: Die mit ihrer Tat verbundene Lebensseele, rasch mit dem Samen vereint, gelangt zur 'Blüte' der Frauen und dann, nach einer gewissen Zeit, o Brahmanen,

Wort für Wort
jīvaḥ karmasamāyuktaḥ śīghraṃ retaḥsamāgataḥ /
Die mit ihrer Tat verbundene Lebensseele, rasch mit dem Samen vereint,
strīṇāṃ puṣpaṃ samāsādya tataḥ kālena bho dvijāḥ //
gelangt zur 'Blüte' der Frauen und dann, nach einer gewissen Zeit, o Brahmanen,

yamasya puruṣaiḥ kleśo yamasya puruṣair vadhaḥ / duḥkhaṃ saṃsāracakraṃ ca naraḥ kleśaṃ ca vindati //

erfährt der Mensch Qual durch Yamas Männer, Tötung durch Yamas Männer, das Leid des Saṃsāra-Rades und weitere Qual.

Wort für Wort
yamasya puruṣaiḥ kleśo yamasya puruṣair vadhaḥ /
erfährt der Mensch Qual durch Yamas Männer, Tötung durch Yamas Männer,
duḥkhaṃ saṃsāracakraṃ ca naraḥ kleśaṃ ca vindati //
das Leid des Saṃsāra-Rades und weitere Qual.

iha loke sa tu prāṇī janmaprabhṛti bho dvijāḥ / sukṛtaṃ karma vai bhuṅkte dharmasya phalam āśritaḥ //

Hier in dieser Welt aber genießt dieses Lebewesen, von Geburt an, o Brahmanen, die Frucht guter Taten, der Frucht des Dharma zugewandt,

Wort für Wort
iha loke sa tu prāṇī janmaprabhṛti bho dvijāḥ /
Hier in dieser Welt aber genießt dieses Lebewesen, von Geburt an, o Brahmanen,
sukṛtaṃ karma vai bhuṅkte dharmasya phalam āśritaḥ //
die Frucht guter Taten, der Frucht des Dharma zugewandt,

yadi dharmaṃ samāyujya janmaprabhṛti sevate / tataḥ sa puruṣo bhūtvā sevate nityadā sukham //

wenn es, mit dem Dharma verbunden, ihn von Geburt an pflegt; dann, zum Menschen geworden, genießt es stets Glück.

Wort für Wort
yadi dharmaṃ samāyujya janmaprabhṛti sevate /
wenn es, mit dem Dharma verbunden, ihn von Geburt an pflegt;
tataḥ sa puruṣo bhūtvā sevate nityadā sukham //
dann, zum Menschen geworden, genießt es stets Glück.

athāntarāntaraṃ dharmam adharmam upasevate / sukhasyānantaraṃ duḥkhaṃ sa jīvo 'py adhigacchati //

Pflegt es aber abwechselnd Dharma und Adharma, so erfährt diese Lebensseele auch, unmittelbar nach dem Glück, Leid.

Wort für Wort
athāntarāntaraṃ dharmam adharmam upasevate /
Pflegt es aber abwechselnd Dharma und Adharma,
sukhasyānantaraṃ duḥkhaṃ sa jīvo 'py adhigacchati //
so erfährt diese Lebensseele auch, unmittelbar nach dem Glück, Leid.

adharmeṇa samāyukto yamasya viṣayaṃ gataḥ / mahāduḥkhaṃ samāsādya tiryagyonau prajāyate //

Mit Adharma verbunden, in Yamas Bereich gelangt, erlangt es großes Leid und wird im Tierschoß wiedergeboren.

Wort für Wort
adharmeṇa samāyukto yamasya viṣayaṃ gataḥ /
Mit Adharma verbunden, in Yamas Bereich gelangt,
mahāduḥkhaṃ samāsādya tiryagyonau prajāyate //
erlangt es großes Leid und wird im Tierschoß wiedergeboren.

karmaṇā yena yeneha yasyāṃ yonau prajāyate / jīvo mohasamāyuktas tan me śṛṇuta sāṃpratam //

Durch welche Tat hier die von Verblendung befangene Lebensseele in welchem Schoß wiedergeboren wird – das hört nun von mir.

Wort für Wort
karmaṇā yena yeneha yasyāṃ yonau prajāyate /
Durch welche Tat hier die von Verblendung befangene Lebensseele in welchem Schoß wiedergeboren wird –
jīvo mohasamāyuktas tan me śṛṇuta sāṃpratam //
das hört nun von mir.

yad etad ucyate śāstraiḥ setihāsaiś ca chandasi / yamasya viṣayaṃ ghoraṃ martyalokaṃ pravartate //

Was hier von den Lehrschriften, mitsamt den Itihāsas, im Versmaß verkündet wird – dies gilt für Yamas schrecklichen Bereich ebenso wie für die Sterblichenwelt.

Wort für Wort
yad etad ucyate śāstraiḥ setihāsaiś ca chandasi /
Was hier von den Lehrschriften, mitsamt den Itihāsas, im Versmaß verkündet wird –
yamasya viṣayaṃ ghoraṃ martyalokaṃ pravartate //
dies gilt für Yamas schrecklichen Bereich ebenso wie für die Sterblichenwelt.

[?: Satzbau unklar; Sinn hier als allgemeine Gültigkeitsaussage der folgenden Lehre für beide Bereiche gedeutet.]

iha sthānāni puṇyāni devatulyāni bho dvijāḥ / tiryagyonyatiriktāni gatimanti ca sarvaśaḥ //

Hier gibt es heilige, den Göttern gleichende Stätten, o Brahmanen, die über den Tierschoß hinausgehen und in jeder Hinsicht zu einem höheren Gang führen.

Wort für Wort
iha sthānāni puṇyāni devatulyāni bho dvijāḥ /
Hier gibt es heilige, den Göttern gleichende Stätten, o Brahmanen,
tiryagyonyatiriktāni gatimanti ca sarvaśaḥ //
die über den Tierschoß hinausgehen und in jeder Hinsicht zu einem höheren Gang führen.

yamasya bhavane divye brahmalokasame guṇaiḥ / karmabhir niyatair baddho jantur duḥkhāny upāśnute //

Im göttlichen Palast Yamas, der Brahmaloka an Eigenschaften gleicht, erleidet das durch seine festgelegten Taten gebundene Lebewesen Leiden.

Wort für Wort
yamasya bhavane divye brahmalokasame guṇaiḥ /
Im göttlichen Palast Yamas, der Brahmaloka an Eigenschaften gleicht,
karmabhir niyatair baddho jantur duḥkhāny upāśnute //
erleidet das durch seine festgelegten Taten gebundene Lebewesen Leiden.

yena yena hi bhāvena yena vai karmaṇā gatim / prayāti puruṣo ghorāṃ tathā vakṣyāmy ataḥ param //

Durch welche Gesinnung und durch welche Tat der Mensch zu welchem schrecklichen Zustand gelangt – das werde ich nun weiter darlegen.

Wort für Wort
yena yena hi bhāvena yena vai karmaṇā gatim /
Durch welche Gesinnung und durch welche Tat
prayāti puruṣo ghorāṃ tathā vakṣyāmy ataḥ param //
der Mensch zu welchem schrecklichen Zustand gelangt – das werde ich nun weiter darlegen.

adhītya caturo vedān dvijo mohasamanvitaḥ / patitāt pratigṛhyātha kharayonau prajāyate //

Ein Zweifachgeborener, der die vier Veden studiert hat, aber, von Verblendung befangen, von einem Gefallenen eine Gabe annimmt, wird im Eselsschoß wiedergeboren.

Wort für Wort
adhītya caturo vedān dvijo mohasamanvitaḥ /
Ein Zweifachgeborener, der die vier Veden studiert hat, aber, von Verblendung befangen,
patitāt pratigṛhyātha kharayonau prajāyate //
von einem Gefallenen eine Gabe annimmt, wird im Eselsschoß wiedergeboren.

kharo jīvati varṣāṇi daśa pañca ca bho dvijāḥ / kharo mṛto balīvardaḥ sapta varṣāṇi jīvati //

Als Esel lebt er fünfzehn Jahre, o Brahmanen; als Esel gestorben, wird er ein Zugochse und lebt sieben Jahre.

Wort für Wort
kharo jīvati varṣāṇi daśa pañca ca bho dvijāḥ /
Als Esel lebt er fünfzehn Jahre, o Brahmanen;
kharo mṛto balīvardaḥ sapta varṣāṇi jīvati //
als Esel gestorben, wird er ein Zugochse und lebt sieben Jahre.

balīvardo mṛtaś cāpi jāyate brahmarākṣasaḥ / brahmarakṣas tu māsāṃs trīṃs tato jāyeta brāhmaṇaḥ //

Als Zugochse gestorben, wird er ein Brahmarākṣasa; als Brahmarākṣasa lebt er drei Monate, danach wird er ein Brahmane.

Wort für Wort
balīvardo mṛtaś cāpi jāyate brahmarākṣasaḥ /
Als Zugochse gestorben, wird er ein Brahmarākṣasa;
brahmarakṣas tu māsāṃs trīṃs tato jāyeta brāhmaṇaḥ //
als Brahmarākṣasa lebt er drei Monate, danach wird er ein Brahmane.

patitaṃ yājayitvā tu kṛmiyonau prajāyate / tatra jīvati varṣāṇi daśa pañca ca bho dvijāḥ //

Wer aber für einen Gefallenen ein Opfer vollzieht, wird im Wurmschoß wiedergeboren; dort lebt er fünfzehn Jahre, o Brahmanen.

Wort für Wort
patitaṃ yājayitvā tu kṛmiyonau prajāyate /
Wer aber für einen Gefallenen ein Opfer vollzieht, wird im Wurmschoß wiedergeboren;
tatra jīvati varṣāṇi daśa pañca ca bho dvijāḥ //
dort lebt er fünfzehn Jahre, o Brahmanen.

krimibhāvād vinirmuktas tato jāyeta gardabhaḥ / gardabhaḥ pañca varṣāṇi pañca varṣāṇi śūkaraḥ //

Vom Wurmdasein befreit, wird er dann ein Esel; als Esel fünf Jahre, als Schwein weitere fünf Jahre,

Wort für Wort
krimibhāvād vinirmuktas tato jāyeta gardabhaḥ /
Vom Wurmdasein befreit, wird er dann ein Esel;
gardabhaḥ pañca varṣāṇi pañca varṣāṇi śūkaraḥ //
als Esel fünf Jahre, als Schwein weitere fünf Jahre,

kukkuṭaḥ pañca varṣāṇi pañca varṣāṇi jambukaḥ / śvā varṣam ekaṃ bhavati tato jāyeta mānavaḥ //

als Hahn fünf Jahre, als Schakal fünf Jahre, als Hund ein Jahr – dann wird er ein Mensch.

Wort für Wort
kukkuṭaḥ pañca varṣāṇi pañca varṣāṇi jambukaḥ /
als Hahn fünf Jahre, als Schakal fünf Jahre,
śvā varṣam ekaṃ bhavati tato jāyeta mānavaḥ //
als Hund ein Jahr – dann wird er ein Mensch.

upādhyāyasya yaḥ pāpaṃ śiṣyaḥ kuryād abuddhimān / sa janmānīha saṃsāre trīn āpnoti na saṃśayaḥ //

Der törichte Schüler, der seinem Lehrer Böses zufügt, erlangt zweifellos hier im Saṃsāra drei bestimmte Geburten.

Wort für Wort
upādhyāyasya yaḥ pāpaṃ śiṣyaḥ kuryād abuddhimān /
Der törichte Schüler, der seinem Lehrer Böses zufügt,
sa janmānīha saṃsāre trīn āpnoti na saṃśayaḥ //
erlangt zweifellos hier im Saṃsāra drei bestimmte Geburten.

prāk śvā bhavati bho viprās tataḥ kravyāt tataḥ kharaḥ / pretya ca parikliṣṭeṣu paścāj jāyeta brāhmaṇaḥ //

Zuerst wird er ein Hund, o Brahmanen, dann ein Aasfresser, dann ein Esel; und nachdem er gestorben ist, unter Bedrängten, wird er danach ein Brahmane.

Wort für Wort
prāk śvā bhavati bho viprās tataḥ kravyāt tataḥ kharaḥ /
Zuerst wird er ein Hund, o Brahmanen, dann ein Aasfresser, dann ein Esel;
pretya ca parikliṣṭeṣu paścāj jāyeta brāhmaṇaḥ //
und nachdem er gestorben ist, unter Bedrängten, wird er danach ein Brahmane.

manasāpi guror bhāryāṃ yaḥ śiṣyo yāti pāpakṛt / udagrān praiti saṃsārān adharmeṇeha cetasā //

Der sündige Schüler, der auch nur in Gedanken der Frau seines Lehrers nachstellt, durchläuft, durch seine adharmische Gesinnung, hier grausige Wiedergeburten.

Wort für Wort
manasāpi guror bhāryāṃ yaḥ śiṣyo yāti pāpakṛt /
Der sündige Schüler, der auch nur in Gedanken der Frau seines Lehrers nachstellt,
udagrān praiti saṃsārān adharmeṇeha cetasā //
durchläuft, durch seine adharmische Gesinnung, hier grausige Wiedergeburten.

śvayonau tu sa saṃbhūtas trīṇi varṣāṇi jīvati / tatrāpi nidhanaṃ prāptaḥ krimiyonau prajāyate //

Im Hundeschoß entstanden, lebt er drei Jahre; auch dort dem Tod anheimgefallen, wird er im Wurmschoß wiedergeboren.

Wort für Wort
śvayonau tu sa saṃbhūtas trīṇi varṣāṇi jīvati /
Im Hundeschoß entstanden, lebt er drei Jahre;
tatrāpi nidhanaṃ prāptaḥ krimiyonau prajāyate //
auch dort dem Tod anheimgefallen, wird er im Wurmschoß wiedergeboren.

kṛmibhāvam anuprāpto varṣam ekaṃ tu jīvati / tatas tu nidhanaṃ prāpya brahmayonau prajāyate //

Im Wurmdasein angelangt, lebt er ein Jahr; danach, dem Tod anheimgefallen, wird er im Brahmanenschoß wiedergeboren.

Wort für Wort
kṛmibhāvam anuprāpto varṣam ekaṃ tu jīvati /
Im Wurmdasein angelangt, lebt er ein Jahr;
tatas tu nidhanaṃ prāpya brahmayonau prajāyate //
danach, dem Tod anheimgefallen, wird er im Brahmanenschoß wiedergeboren.

yadi putrasamaṃ śiṣyaṃ gurur hanyād akāraṇam / ātmanaḥ kāmakāreṇa so 'pi hiṃsraḥ prajāyate //

Wenn ein Lehrer einen ihm wie ein Sohn liebem Schüler grundlos, aus eigenem Mutwillen, tötet, wird auch er als ein reißendes Raubtier wiedergeboren.

Wort für Wort
yadi putrasamaṃ śiṣyaṃ gurur hanyād akāraṇam /
Wenn ein Lehrer einen ihm wie ein Sohn liebem Schüler grundlos,
ātmanaḥ kāmakāreṇa so 'pi hiṃsraḥ prajāyate //
aus eigenem Mutwillen, tötet, wird auch er als ein reißendes Raubtier wiedergeboren.

pitaraṃ mātaraṃ caiva yas tu putro 'vamanyate / so 'pi viprā mṛto jantuḥ pūrvaṃ jāyeta gardabhaḥ //

Der Sohn, der Vater und Mutter missachtet, wird, o Brahmanen, nach seinem Tod als Lebewesen zunächst ein Esel.

Wort für Wort
pitaraṃ mātaraṃ caiva yas tu putro 'vamanyate /
Der Sohn, der Vater und Mutter missachtet,
so 'pi viprā mṛto jantuḥ pūrvaṃ jāyeta gardabhaḥ //
wird, o Brahmanen, nach seinem Tod als Lebewesen zunächst ein Esel.

gardabhatvaṃ tu saṃprāpya daśa varṣāṇi jīvati / saṃvatsaraṃ tu kumbhīras tato jāyeta mānavaḥ //

Nachdem er den Eselszustand erlangt hat, lebt er zehn Jahre; dann, ein Jahr lang ein Krokodil, wird er darauf ein Mensch.

Wort für Wort
gardabhatvaṃ tu saṃprāpya daśa varṣāṇi jīvati /
Nachdem er den Eselszustand erlangt hat, lebt er zehn Jahre;
saṃvatsaraṃ tu kumbhīras tato jāyeta mānavaḥ //
dann, ein Jahr lang ein Krokodil, wird er darauf ein Mensch.

putrasya mātāpitarau yasya ruṣṭāv ubhāv api / gurvapadhyānataḥ so 'pi mṛto jāyeta gardabhaḥ //

Wessen Vater und Mutter beide über ihn als Sohn erzürnt sind, auch dieser wird, weil er ihnen Böses gesonnen hat, nach seinem Tod ein Esel.

Wort für Wort
putrasya mātāpitarau yasya ruṣṭāv ubhāv api /
Wessen Vater und Mutter beide über ihn als Sohn erzürnt sind,
gurvapadhyānataḥ so 'pi mṛto jāyeta gardabhaḥ //
auch dieser wird, weil er ihnen Böses gesonnen hat, nach seinem Tod ein Esel.

[Anm.: 'gurvapadhyānataḥ' – wörtl. 'weil er den Respektpersonen Böses gedacht/gesonnen hat'; Bezug zur ersten Vershälfte nicht ganz eindeutig, hier als Ursache für den Zorn der Eltern gedeutet.]

kharo jīvati māsāṃś ca daśa cāpi caturdaśa / biḍālaḥ sapta māsāṃs tu tato jāyeta mānavaḥ //

Als Esel lebt er vierzehn Monate; als Katze sieben Monate; dann wird er ein Mensch.

Wort für Wort
kharo jīvati māsāṃś ca daśa cāpi caturdaśa /
Als Esel lebt er vierzehn Monate;
biḍālaḥ sapta māsāṃs tu tato jāyeta mānavaḥ //
als Katze sieben Monate; dann wird er ein Mensch.

mātāpitarāv ākruśya sārīkaḥ saṃprajāyate / tāḍayitvā tu tāv eva jāyate kacchapo dvijāḥ //

Wer Vater und Mutter beschimpft, wird ein Star; wer sie aber schlägt, wird eine Schildkröte, ihr Zweifachgeborenen.

Wort für Wort
mātāpitarāv ākruśya sārīkaḥ saṃprajāyate /
Wer Vater und Mutter beschimpft, wird ein Star;
tāḍayitvā tu tāv eva jāyate kacchapo dvijāḥ //
wer sie aber schlägt, wird eine Schildkröte, ihr Zweifachgeborenen.

kacchapo daśa varṣāṇi trīṇi varṣāṇi śalyakaḥ / vyālo bhūtvā tu ṣaṇ māsāṃs tato jāyeta mānuṣaḥ //

Als Schildkröte zehn Jahre, als Stachelschwein drei Jahre; als Raubtier sechs Monate – dann wird er ein Mensch.

Wort für Wort
kacchapo daśa varṣāṇi trīṇi varṣāṇi śalyakaḥ /
Als Schildkröte zehn Jahre, als Stachelschwein drei Jahre;
vyālo bhūtvā tu ṣaṇ māsāṃs tato jāyeta mānuṣaḥ //
als Raubtier sechs Monate – dann wird er ein Mensch.

bhartṛpiṇḍam upāśnīno rājadviṣṭāni sevate / so 'pi mohasamāpanno mṛto jāyeta vānaraḥ //

Wer, während er die Speise seines Herrn genießt, Dinge tut, die dieser missbilligt, wird, von Verblendung befangen, nach seinem Tod ein Affe.

Wort für Wort
bhartṛpiṇḍam upāśnīno rājadviṣṭāni sevate /
Wer, während er die Speise seines Herrn genießt, Dinge tut, die dieser missbilligt,
so 'pi mohasamāpanno mṛto jāyeta vānaraḥ //
wird, von Verblendung befangen, nach seinem Tod ein Affe.

[Anm.: gemeint ist wohl Untreue gegenüber dem eigenen Dienstherrn, während man von ihm ernährt wird.]

vānaro daśa varṣāṇi sapta varṣāṇi mūṣakaḥ / śvā ca bhūtvā tu ṣaṇ māsāṃs tato jāyeta mānavaḥ //

Als Affe zehn Jahre, als Maus sieben Jahre; als Hund sechs Monate – dann wird er ein Mensch.

Wort für Wort
vānaro daśa varṣāṇi sapta varṣāṇi mūṣakaḥ /
Als Affe zehn Jahre, als Maus sieben Jahre;
śvā ca bhūtvā tu ṣaṇ māsāṃs tato jāyeta mānavaḥ //
als Hund sechs Monate – dann wird er ein Mensch.

nyāsāpahartā tu naro yamasya viṣayaṃ gataḥ / saṃsārāṇāṃ śataṃ gatvā kṛmiyonau prajāyate //

Der Mensch aber, der anvertrautes Gut veruntreut, gelangt in Yamas Bereich; nachdem er hundert Wiedergeburten durchlaufen hat, wird er im Wurmschoß wiedergeboren.

Wort für Wort
nyāsāpahartā tu naro yamasya viṣayaṃ gataḥ /
Der Mensch aber, der anvertrautes Gut veruntreut, gelangt in Yamas Bereich;
saṃsārāṇāṃ śataṃ gatvā kṛmiyonau prajāyate //
nachdem er hundert Wiedergeburten durchlaufen hat, wird er im Wurmschoß wiedergeboren.

tatra jīvati varṣāṇi daśa pañca ca bho dvijāḥ / duṣkṛtasya kṣayaṃ kṛtvā tato jāyeta mānuṣaḥ //

Dort lebt er fünfzehn Jahre, o Brahmanen; nachdem seine Untat erschöpft ist, wird er dann ein Mensch.

Wort für Wort
tatra jīvati varṣāṇi daśa pañca ca bho dvijāḥ /
Dort lebt er fünfzehn Jahre, o Brahmanen;
duṣkṛtasya kṣayaṃ kṛtvā tato jāyeta mānuṣaḥ //
nachdem seine Untat erschöpft ist, wird er dann ein Mensch.

asūyako naraś cāpi mṛto jāyeta śārṅgakaḥ / viśvāsahartā ca naro mīno jāyeta durmatiḥ //

Und der missgünstige Mensch wird nach seinem Tod ein Śārṅgaka-Vogel; und der Mensch, der Vertrauen missbraucht, wird, von schlechter Gesinnung, ein Fisch.

Wort für Wort
asūyako naraś cāpi mṛto jāyeta śārṅgakaḥ /
Und der missgünstige Mensch wird nach seinem Tod ein Śārṅgaka-Vogel;
viśvāsahartā ca naro mīno jāyeta durmatiḥ //
und der Mensch, der Vertrauen missbraucht, wird, von schlechter Gesinnung, ein Fisch.

bhūtvā mīno 'ṣṭa varṣāṇi mṛgo jāyeta bho dvijāḥ / mṛgas tu caturo māsāṃs tataś chāgaḥ prajāyate //

Als Fisch acht Jahre, wird er dann ein Reh, o Brahmanen; als Reh vier Monate, dann wird er eine Ziege.

Wort für Wort
bhūtvā mīno 'ṣṭa varṣāṇi mṛgo jāyeta bho dvijāḥ /
Als Fisch acht Jahre, wird er dann ein Reh, o Brahmanen;
mṛgas tu caturo māsāṃs tataś chāgaḥ prajāyate //
als Reh vier Monate, dann wird er eine Ziege.

chāgas tu nidhanaṃ prāptaḥ pūrṇe saṃvatsare tataḥ / kīṭaḥ saṃjāyate jantus tato jāyeta mānuṣaḥ //

Als Ziege stirbt er nach einem vollen Jahr; dann wird das Lebewesen ein Insekt, danach wird es ein Mensch.

Wort für Wort
chāgas tu nidhanaṃ prāptaḥ pūrṇe saṃvatsare tataḥ /
Als Ziege stirbt er nach einem vollen Jahr;
kīṭaḥ saṃjāyate jantus tato jāyeta mānuṣaḥ //
dann wird das Lebewesen ein Insekt, danach wird es ein Mensch.

dhānyān yavāṃs tilān māṣān kulitthān sarṣapāṃś caṇān / kalāyān atha mudgāṃś ca godhūmān atasīs tathā //

Getreide, Gerste, Sesam, schwarze Bohnen, Pferdebohnen, Senf, Kichererbsen, Erbsen, Mungbohnen, Weizen sowie Leinsamen

Wort für Wort
dhānyān yavāṃs tilān māṣān kulitthān sarṣapāṃś caṇān /
Getreide, Gerste, Sesam, schwarze Bohnen, Pferdebohnen, Senf, Kichererbsen,
kalāyān atha mudgāṃś ca godhūmān atasīs tathā //
Erbsen, Mungbohnen, Weizen sowie Leinsamen

sasyāny anyāni hartā ca martyo mohād acetanaḥ / saṃjāyate muniśreṣṭhā mūṣiko nirapatrapaḥ //

und andere Feldfrüchte – wer, ein von Verblendung unbedachter Sterblicher, sie stiehlt, wird, ihr besten der Weisen, eine schamlose Maus.

Wort für Wort
sasyāny anyāni hartā ca martyo mohād acetanaḥ /
und andere Feldfrüchte – wer, ein von Verblendung unbedachter Sterblicher, sie stiehlt,
saṃjāyate muniśreṣṭhā mūṣiko nirapatrapaḥ //
wird, ihr besten der Weisen, eine schamlose Maus.

tataḥ pretya muniśreṣṭhā mṛto jāyeta śūkaraḥ / śūkaro jātamātras tu rogeṇa mriyate punaḥ //

Danach, verstorben, o beste der Weisen, wird er ein Schwein; als Schwein aber, kaum geboren, stirbt er wieder an Krankheit.

Wort für Wort
tataḥ pretya muniśreṣṭhā mṛto jāyeta śūkaraḥ /
Danach, verstorben, o beste der Weisen, wird er ein Schwein;
śūkaro jātamātras tu rogeṇa mriyate punaḥ //
als Schwein aber, kaum geboren, stirbt er wieder an Krankheit.

śvā tato jāyate mūkaḥ karmaṇā tena mānavaḥ / bhūtvā śvā pañca varṣāṇi tato jāyeta mānavaḥ //

Danach wird er ein stummer Hund, durch jene Tat weiterhin belastet; als Hund fünf Jahre, dann wird er wieder ein Mensch.

Wort für Wort
śvā tato jāyate mūkaḥ karmaṇā tena mānavaḥ /
Danach wird er ein stummer Hund, durch jene Tat weiterhin belastet;
bhūtvā śvā pañca varṣāṇi tato jāyeta mānavaḥ //
als Hund fünf Jahre, dann wird er wieder ein Mensch.

paradārābhimarśaṃ tu kṛtvā jāyeta vai vṛkaḥ / śvā śṛgālas tato gṛdhro vyālaḥ kaṅko bakas tathā //

Wer sich an fremden Ehefrauen vergreift, wird ein Wolf, dann ein Hund, ein Schakal, dann ein Geier, ein Raubtier, ein Habicht sowie ein Reiher,

Wort für Wort
paradārābhimarśaṃ tu kṛtvā jāyeta vai vṛkaḥ /
Wer sich an fremden Ehefrauen vergreift, wird ein Wolf,
śvā śṛgālas tato gṛdhro vyālaḥ kaṅko bakas tathā //
dann ein Hund, ein Schakal, dann ein Geier, ein Raubtier, ein Habicht sowie ein Reiher,

bhrātur bhāryāṃ tu pāpātmā yo dharṣayati mohitaḥ / puṃskokilatvam āpnoti so 'pi saṃvatsaraṃ dvijāḥ //

Der Bösgesinnte, der, verblendet, die Frau seines Bruders vergewaltigt, erlangt für ein Jahr die Gestalt eines männlichen Kuckucks, ihr Zweifachgeborenen.

Wort für Wort
bhrātur bhāryāṃ tu pāpātmā yo dharṣayati mohitaḥ /
Der Bösgesinnte, der, verblendet, die Frau seines Bruders vergewaltigt,
puṃskokilatvam āpnoti so 'pi saṃvatsaraṃ dvijāḥ //
erlangt für ein Jahr die Gestalt eines männlichen Kuckucks, ihr Zweifachgeborenen.

sakhibhāryāṃ guror bhāryāṃ rājabhāryāṃ tathaiva ca / pradharṣayitvā kāmātmā mṛto jāyeta śūkaraḥ //

Wer, von Begierde beherrscht, die Frau eines Freundes, die Frau seines Lehrers oder ebenso die Frau eines Königs vergewaltigt, wird nach seinem Tod ein Schwein.

Wort für Wort
sakhibhāryāṃ guror bhāryāṃ rājabhāryāṃ tathaiva ca /
Wer die Frau eines Freundes, die Frau seines Lehrers oder ebenso die Frau eines Königs
pradharṣayitvā kāmātmā mṛto jāyeta śūkaraḥ //
vergewaltigt, von Begierde beherrscht, wird nach seinem Tod ein Schwein.

śūkaraḥ pañca varṣāṇi daśa varṣāṇi vai bakaḥ / pipīlikas tu māsāṃs trīn kīṭaḥ syān māsam eva ca //

Als Schwein fünf Jahre, als Reiher zehn Jahre; als Ameise drei Monate, als Insekt nur einen Monat.

Wort für Wort
śūkaraḥ pañca varṣāṇi daśa varṣāṇi vai bakaḥ /
Als Schwein fünf Jahre, als Reiher zehn Jahre;
pipīlikas tu māsāṃs trīn kīṭaḥ syān māsam eva ca //
als Ameise drei Monate, als Insekt nur einen Monat.

etān āsādya saṃsārān kṛmiyonau prajāyate / tatra jīvati māsāṃs tu kṛmiyonau caturdaśa //

Nachdem er diese Wiedergeburten durchlaufen hat, wird er im Wurmschoß wiedergeboren; dort lebt er im Wurmschoß vierzehn Monate.

Wort für Wort
etān āsādya saṃsārān kṛmiyonau prajāyate /
Nachdem er diese Wiedergeburten durchlaufen hat, wird er im Wurmschoß wiedergeboren;
tatra jīvati māsāṃs tu kṛmiyonau caturdaśa //
dort lebt er im Wurmschoß vierzehn Monate.

naro 'dharmakṣayaṃ kṛtvā tato jāyeta mānuṣaḥ / pūrvaṃ dattvā tu yaḥ kanyāṃ dvitīye dātum icchati //

Nachdem der Mensch so sein Unrecht getilgt hat, wird er dann ein Mensch. Wer aber, nachdem er eine Tochter versprochen hat, sie einem zweiten geben will,

Wort für Wort
naro 'dharmakṣayaṃ kṛtvā tato jāyeta mānuṣaḥ /
Nachdem der Mensch so sein Unrecht getilgt hat, wird er dann ein Mensch.
pūrvaṃ dattvā tu yaḥ kanyāṃ dvitīye dātum icchati //
Wer aber, nachdem er eine Tochter versprochen hat, sie einem zweiten geben will,

so 'pi viprā mṛto jantuḥ krimiyonau prajāyate / tatra jīvati varṣāṇi trayodaśa dvijottamāḥ //

auch dieser wird nach seinem Tod, o Brahmanen, im Wurmschoß wiedergeboren; dort lebt er dreizehn Jahre, ihr besten der Zweifachgeborenen.

Wort für Wort
so 'pi viprā mṛto jantuḥ krimiyonau prajāyate /
auch dieser wird nach seinem Tod, o Brahmanen, im Wurmschoß wiedergeboren;
tatra jīvati varṣāṇi trayodaśa dvijottamāḥ //
dort lebt er dreizehn Jahre, ihr besten der Zweifachgeborenen.

adharmasaṃkṣaye muktas tato jāyeta mānuṣaḥ / devakāryam akṛtvā tu pitṛkāryam athāpi vā //

Vom erschöpften Unrecht befreit, wird er dann ein Mensch. Wer aber ein Werk für die Götter oder auch ein Werk für die Ahnen nicht ausführt

Wort für Wort
adharmasaṃkṣaye muktas tato jāyeta mānuṣaḥ /
Vom erschöpften Unrecht befreit, wird er dann ein Mensch.
devakāryam akṛtvā tu pitṛkāryam athāpi vā //
Wer aber ein Werk für die Götter oder auch ein Werk für die Ahnen nicht ausführt

anirvāpya pitṝn devān mṛto jāyeta vāyasaḥ / vāyasaḥ śatavarṣāṇi tato jāyeta kukkuṭaḥ //

und Ahnen und Götter nicht zufriedenstellt, wird nach seinem Tod eine Krähe; als Krähe hundert Jahre, dann wird er ein Hahn.

Wort für Wort
anirvāpya pitṝn devān mṛto jāyeta vāyasaḥ /
und Ahnen und Götter nicht zufriedenstellt, wird nach seinem Tod eine Krähe;
vāyasaḥ śatavarṣāṇi tato jāyeta kukkuṭaḥ //
als Krähe hundert Jahre, dann wird er ein Hahn.

jāyate vyālakaś cāpi māsaṃ tasmāt tu mānuṣaḥ / jyeṣṭhaṃ pitṛsamaṃ cāpi bhrātaraṃ yo 'vamanyate //

Und er wird auch für einen Monat ein Raubtier, danach aber ein Mensch. Wer den älteren, dem Vater gleichenden Bruder missachtet,

Wort für Wort
jāyate vyālakaś cāpi māsaṃ tasmāt tu mānuṣaḥ /
Und er wird auch für einen Monat ein Raubtier, danach aber ein Mensch.
jyeṣṭhaṃ pitṛsamaṃ cāpi bhrātaraṃ yo 'vamanyate //
Wer den älteren, dem Vater gleichenden Bruder missachtet,

so 'pi mṛtyum upāgamya krauñcayonau prajāyate / krauñco jīvati varṣāṇi daśa jāyeta jīvakaḥ //

auch dieser wird, nachdem er den Tod erreicht hat, im Krauñca-Vogel-Schoß wiedergeboren; als Krauñca-Vogel lebt er zehn Jahre, dann wird er ein Jīvaka-Vogel.

Wort für Wort
so 'pi mṛtyum upāgamya krauñcayonau prajāyate /
auch dieser wird, nachdem er den Tod erreicht hat, im Krauñca-Vogel-Schoß wiedergeboren;
krauñco jīvati varṣāṇi daśa jāyeta jīvakaḥ //
als Krauñca-Vogel lebt er zehn Jahre, dann wird er ein Jīvaka-Vogel.

[Anm.: 'jīvaka' – eine nicht sicher identifizierbare Vogelart, wörtlich 'der Lebendige'.]

tato nidhanam āpnoti mānuṣatvam avāpnuyāt / vṛṣalo brāhmaṇīṃ gatvā kṛmiyonau prajāyate //

Dann erreicht er den Tod dieser Gestalt und erlangt das Menschsein. Ein Śūdra, der mit einer Brahmanin verkehrt, wird im Wurmschoß wiedergeboren;

Wort für Wort
tato nidhanam āpnoti mānuṣatvam avāpnuyāt /
Dann erreicht er den Tod dieser Gestalt und erlangt das Menschsein.
vṛṣalo brāhmaṇīṃ gatvā kṛmiyonau prajāyate //
Ein Śūdra, der mit einer Brahmanin verkehrt, wird im Wurmschoß wiedergeboren;

tataḥ saṃprāpya nidhanaṃ jāyate śūkaraḥ punaḥ / śūkaro jātamātras tu rogeṇa mriyate dvijāḥ //

danach, den Tod erreicht habend, wird er wieder ein Schwein; als Schwein aber, kaum geboren, stirbt er an Krankheit, ihr Zweifachgeborenen.

Wort für Wort
tataḥ saṃprāpya nidhanaṃ jāyate śūkaraḥ punaḥ /
danach, den Tod erreicht habend, wird er wieder ein Schwein;
śūkaro jātamātras tu rogeṇa mriyate dvijāḥ //
als Schwein aber, kaum geboren, stirbt er an Krankheit, ihr Zweifachgeborenen.

śvā ca vai jāyate mūḍhaḥ karmaṇā tena bho dvijāḥ / śvā bhūtvā kṛtakarmāsau jāyate mānuṣas tataḥ //

Und er wird, verblendet, durch jene Tat ein Hund, o Brahmanen; als Hund, seine Tat damit erfüllt, wird er danach ein Mensch.

Wort für Wort
śvā ca vai jāyate mūḍhaḥ karmaṇā tena bho dvijāḥ /
Und er wird, verblendet, durch jene Tat ein Hund, o Brahmanen;
śvā bhūtvā kṛtakarmāsau jāyate mānuṣas tataḥ //
als Hund, seine Tat damit erfüllt, wird er danach ein Mensch.

tatrāpatyaṃ samutpādya mṛto jāyeta mūṣikaḥ / kṛtaghnas tu mṛto viprā yamasya viṣayaṃ gataḥ //

Nachdem er dort abermals Nachkommen gezeugt hat, wird er nach seinem Tod eine Maus. Der Undankbare aber gelangt nach seinem Tod, o Brahmanen, in Yamas Bereich,

Wort für Wort
tatrāpatyaṃ samutpādya mṛto jāyeta mūṣikaḥ /
Nachdem er dort abermals Nachkommen gezeugt hat, wird er nach seinem Tod eine Maus.
kṛtaghnas tu mṛto viprā yamasya viṣayaṃ gataḥ //
Der Undankbare aber gelangt nach seinem Tod, o Brahmanen, in Yamas Bereich,

[Anm.: der genaue Bezug von 'tatrāpatyaṃ samutpādya' bleibt unsicher – möglicherweise Fortsetzung eines Fehlverhaltens in der zuvor wiedererlangten Menschengestalt.]

yamasya viṣaye krūrair baddhaḥ prāpnoti vedanām / daṇḍakaṃ mudgaraṃ śūlam agnidaṇḍaṃ ca dāruṇam //

wo er, von den grausamen Dienern gefesselt, Schmerz erleidet: den Stock, die Keule, den Spieß und den furchtbaren Feuerstab,

Wort für Wort
yamasya viṣaye krūrair baddhaḥ prāpnoti vedanām /
wo er, von den grausamen Dienern gefesselt, Schmerz erleidet:
daṇḍakaṃ mudgaraṃ śūlam agnidaṇḍaṃ ca dāruṇam //
den Stock, die Keule, den Spieß und den furchtbaren Feuerstab,

asipattravanaṃ ghoraṃ vālukāṃ kūṭaśālmalīm / etāś cānyāś ca bahavo yamasya viṣayaṃ gatāḥ //

den schrecklichen Schwertblätterwald, den Sand, den trügerischen Śālmala-Baum – diese und viele andere Qualen erleiden, die in Yamas Bereich gelangt sind.

Wort für Wort
asipattravanaṃ ghoraṃ vālukāṃ kūṭaśālmalīm /
den schrecklichen Schwertblätterwald, den Sand, den trügerischen Śālmala-Baum –
etāś cānyāś ca bahavo yamasya viṣayaṃ gatāḥ //
diese und viele andere Qualen erleiden, die in Yamas Bereich gelangt sind.

yātanāḥ prāpya ghorās tu tato yāti ca bho dvijāḥ / saṃsāracakram āsādya krimiyonau prajāyate //

Nachdem er diese schrecklichen Qualen erlitten hat, geht er dann weiter, o Brahmanen; in das Rad des Saṃsāra eintretend, wird er im Wurmschoß wiedergeboren.

Wort für Wort
yātanāḥ prāpya ghorās tu tato yāti ca bho dvijāḥ /
Nachdem er diese schrecklichen Qualen erlitten hat, geht er dann weiter, o Brahmanen;
saṃsāracakram āsādya krimiyonau prajāyate //
in das Rad des Saṃsāra eintretend, wird er im Wurmschoß wiedergeboren.

krimir bhavati varṣāṇi daśa pañca ca bho dvijāḥ / tato garbhaṃ samāsādya tatraiva mriyate naraḥ //

Als Wurm ist er fünfzehn Jahre, o Brahmanen; danach, in einen Mutterleib gelangt, stirbt der Mensch eben dort.

Wort für Wort
krimir bhavati varṣāṇi daśa pañca ca bho dvijāḥ /
Als Wurm ist er fünfzehn Jahre, o Brahmanen;
tato garbhaṃ samāsādya tatraiva mriyate naraḥ //
danach, in einen Mutterleib gelangt, stirbt der Mensch eben dort.

tato garbhaśatair jantur bahuśaḥ saṃprapadyate / saṃsārān subahūn gatvā tatas tiryak prajāyate //

Dann durchläuft das Lebewesen vielfach hundert Mutterleiber; nachdem es sehr viele Wiedergeburten durchlaufen hat, wird es dann als Tier wiedergeboren.

Wort für Wort
tato garbhaśatair jantur bahuśaḥ saṃprapadyate /
Dann durchläuft das Lebewesen vielfach hundert Mutterleiber;
saṃsārān subahūn gatvā tatas tiryak prajāyate //
nachdem es sehr viele Wiedergeburten durchlaufen hat, wird es dann als Tier wiedergeboren.

tato duḥkham anuprāpya bahuvarṣagaṇāni vai / sa punarbhavasaṃyuktas tataḥ kūrmaḥ prajāyate //

Danach, nachdem es viele Jahresgruppen hindurch Leid erfahren hat, wird es, wieder mit dem Werden verbunden, dann eine Schildkröte.

Wort für Wort
tato duḥkham anuprāpya bahuvarṣagaṇāni vai /
Danach, nachdem es viele Jahresgruppen hindurch Leid erfahren hat,
sa punarbhavasaṃyuktas tataḥ kūrmaḥ prajāyate //
wird es, wieder mit dem Werden verbunden, dann eine Schildkröte.

dadhi hṛtvā bakaś cāpi plavo matsyān asaṃskṛtān / corayitvā tu durbuddhir madhudaṃśaḥ prajāyate //

Wer Quark gestohlen hat, wird ein Reiher; und wer rohen Fisch gestohlen hat, wird ein Plava-Wasservogel; wer, böswillig, etwas (Süßes wie Honig) gestohlen hat, wird eine Honigbiene.

Wort für Wort
dadhi hṛtvā bakaś cāpi plavo matsyān asaṃskṛtān /
Wer Quark gestohlen hat, wird ein Reiher; und wer rohen Fisch gestohlen hat, ein Plava-Wasservogel;
corayitvā tu durbuddhir madhudaṃśaḥ prajāyate //
wer, böswillig, etwas gestohlen hat, wird eine Honigbiene.

[?: das Objekt des Diebstahls im zweiten Halbvers ('madhudaṃśaḥ', wörtl. 'Honig-Stecher') ist im Text nicht explizit genannt; sinngemäß als Honigdiebstahl ergänzt.]

phalaṃ vā mūlakaṃ hṛtvā pūpaṃ vāpi pipīlikaḥ / corayitvā tu niṣpāvaṃ jāyate phalamūṣakaḥ //

Wer Frucht oder Rettich gestohlen hat, oder auch Kuchen, wird eine Ameise; wer aber Bohnen gestohlen hat, wird eine Fruchtmaus.

Wort für Wort
phalaṃ vā mūlakaṃ hṛtvā pūpaṃ vāpi pipīlikaḥ /
Wer Frucht oder Rettich gestohlen hat, oder auch Kuchen, wird eine Ameise;
corayitvā tu niṣpāvaṃ jāyate phalamūṣakaḥ //
wer aber Bohnen gestohlen hat, wird eine Fruchtmaus.

pāyasaṃ corayitvā tu tittiratvam avāpnuyāt / hṛtvā piṣṭamayaṃ pūpaṃ kumbholūkaḥ prajāyate //

Wer Milchreis gestohlen hat, erlangt die Gestalt eines Rebhuhns; wer einen aus Mehl gemachten Kuchen gestohlen hat, wird eine Kumbholūka-Eule.

Wort für Wort
pāyasaṃ corayitvā tu tittiratvam avāpnuyāt /
Wer Milchreis gestohlen hat, erlangt die Gestalt eines Rebhuhns;
hṛtvā piṣṭamayaṃ pūpaṃ kumbholūkaḥ prajāyate //
wer einen aus Mehl gemachten Kuchen gestohlen hat, wird eine Kumbholūka-Eule.

[Anm.: 'kumbholūka' – nicht sicher identifizierbare Eulenart, wörtlich übersetzt.]

apo hṛtvā tu durbuddhir vāyaso jāyate naraḥ / kāṃsyaṃ hṛtvā tu durbuddhir hārīto jāyate naraḥ //

Der böswillige Mensch, der Wasser gestohlen hat, wird eine Krähe; der böswillige Mensch, der Bronzegeschirr gestohlen hat, wird ein Hārīta-Vogel.

Wort für Wort
apo hṛtvā tu durbuddhir vāyaso jāyate naraḥ /
Der böswillige Mensch, der Wasser gestohlen hat, wird eine Krähe;
kāṃsyaṃ hṛtvā tu durbuddhir hārīto jāyate naraḥ //
der böswillige Mensch, der Bronzegeschirr gestohlen hat, wird ein Hārīta-Vogel.

rājataṃ bhājanaṃ hṛtvā kapotaḥ saṃprajāyate / hṛtvā tu kāñcanaṃ bhāṇḍaṃ kṛmiyonau prajāyate //

Wer ein silbernes Gefäß gestohlen hat, wird eine Taube; wer aber ein goldenes Gefäß gestohlen hat, wird im Wurmschoß wiedergeboren.

Wort für Wort
rājataṃ bhājanaṃ hṛtvā kapotaḥ saṃprajāyate /
Wer ein silbernes Gefäß gestohlen hat, wird eine Taube;
hṛtvā tu kāñcanaṃ bhāṇḍaṃ kṛmiyonau prajāyate //
wer aber ein goldenes Gefäß gestohlen hat, wird im Wurmschoß wiedergeboren.

pattrorṇaṃ corayitvā tu kuraratvaṃ niyacchati / kośakāraṃ tato hṛtvā naro jāyeta nartakaḥ //

Wer feines Wolltuch gestohlen hat, erlangt die Gestalt eines Kurara-Vogels; wer dann einen Seidenkokon gestohlen hat, wird als Mensch ein Tänzer.

Wort für Wort
pattrorṇaṃ corayitvā tu kuraratvaṃ niyacchati /
Wer feines Wolltuch gestohlen hat, erlangt die Gestalt eines Kurara-Vogels;
kośakāraṃ tato hṛtvā naro jāyeta nartakaḥ //
wer dann einen Seidenkokon gestohlen hat, wird als Mensch ein Tänzer.

[Anm.: 'pattrorṇa' – vermutlich eine bestimmte gemusterte oder feine Wollart; genaue Bedeutung unsicher.]

aṃśukaṃ corayitvā tu śuko jāyeta mānavaḥ / corayitvā dukūlaṃ tu mṛto haṃsaḥ prajāyate //

Der Mensch, der feines Tuch gestohlen hat, wird ein Papagei; wer aber feines Leinen gestohlen hat, wird nach seinem Tod ein Schwan.

Wort für Wort
aṃśukaṃ corayitvā tu śuko jāyeta mānavaḥ /
Der Mensch, der feines Tuch gestohlen hat, wird ein Papagei;
corayitvā dukūlaṃ tu mṛto haṃsaḥ prajāyate //
wer aber feines Leinen gestohlen hat, wird nach seinem Tod ein Schwan.

krauñcaḥ kārpāsikaṃ hṛtvā mṛto jāyeta mānavaḥ / corayitvā naraḥ paṭṭaṃ tv āvikaṃ caiva bho dvijāḥ //

Wer Baumwollstoff gestohlen hat, wird nach seinem Tod ein Krauñca-Vogel; und der Mensch, der Seidenstoff oder auch Wollstoff gestohlen hat, o Brahmanen,

Wort für Wort
krauñcaḥ kārpāsikaṃ hṛtvā mṛto jāyeta mānavaḥ /
Wer Baumwollstoff gestohlen hat, wird nach seinem Tod ein Krauñca-Vogel;
corayitvā naraḥ paṭṭaṃ tv āvikaṃ caiva bho dvijāḥ //
und der Mensch, der Seidenstoff oder auch Wollstoff gestohlen hat, o Brahmanen,

kṣaumaṃ ca vastram āhṛtya śaśo jantuḥ prajāyate / cūrṇaṃ tu hṛtvā puruṣo mṛto jāyeta barhiṇaḥ //

und wer Leinengewand gestohlen hat, wird als Lebewesen ein Hase; der Mensch aber, der Puder gestohlen hat, wird nach seinem Tod ein Pfau.

Wort für Wort
kṣaumaṃ ca vastram āhṛtya śaśo jantuḥ prajāyate /
und wer Leinengewand gestohlen hat, wird als Lebewesen ein Hase;
cūrṇaṃ tu hṛtvā puruṣo mṛto jāyeta barhiṇaḥ //
der Mensch aber, der Puder gestohlen hat, wird nach seinem Tod ein Pfau.

hṛtvā raktāni vastrāṇi jāyate jīvajīvakaḥ / varṇakādīṃs tathā gandhāṃś corayitveha mānavaḥ //

Wer gefärbte Gewänder gestohlen hat, wird ein Jīvajīvaka-Vogel; und der Mensch, der hier Farbstoffe und dergleichen sowie Duftstoffe gestohlen hat,

Wort für Wort
hṛtvā raktāni vastrāṇi jāyate jīvajīvakaḥ /
Wer gefärbte Gewänder gestohlen hat, wird ein Jīvajīvaka-Vogel;
varṇakādīṃs tathā gandhāṃś corayitveha mānavaḥ //
und der Mensch, der hier Farbstoffe und dergleichen sowie Duftstoffe gestohlen hat,

cucchundaritvam āpnoti vipro lobhaparāyaṇaḥ / tatra jīvati varṣāṇi tato daśa ca pañca ca //

erlangt die Gestalt einer Moschusspitzmaus, der gierbeherrschte Brahmane; dort lebt er fünfzehn Jahre,

Wort für Wort
cucchundaritvam āpnoti vipro lobhaparāyaṇaḥ /
erlangt die Gestalt einer Moschusspitzmaus, der gierbeherrschte Brahmane;
tatra jīvati varṣāṇi tato daśa ca pañca ca //
dort lebt er fünfzehn Jahre,

adharmasya kṣayaṃ kṛtvā tato jāyeta mānavaḥ / corayitvā payaś cāpi balākā saṃprajāyate //

und nachdem sein Unrecht erschöpft ist, wird er dann ein Mensch. Wer auch Milch gestohlen hat, wird ein Kranich;

Wort für Wort
adharmasya kṣayaṃ kṛtvā tato jāyeta mānavaḥ /
und nachdem sein Unrecht erschöpft ist, wird er dann ein Mensch.
corayitvā payaś cāpi balākā saṃprajāyate //
Wer auch Milch gestohlen hat, wird ein Kranich;

yas tu corayate tailaṃ naro mohasamanvitaḥ / so 'pi viprā mṛto jantus tailapāyī prajāyate //

und der Mensch, der, von Verblendung befangen, Öl stiehlt, auch dieser wird, o Brahmanen, nach seinem Tod als Lebewesen ein 'Öltrinker' wiedergeboren.

Wort für Wort
yas tu corayate tailaṃ naro mohasamanvitaḥ /
und der Mensch, der, von Verblendung befangen, Öl stiehlt,
so 'pi viprā mṛto jantus tailapāyī prajāyate //
auch dieser wird, o Brahmanen, nach seinem Tod als Lebewesen ein 'Öltrinker' wiedergeboren.

aśastraṃ puruṣaṃ hatvā saśastraḥ puruṣādhamaḥ / arthārthaṃ yadi vā vairī mṛto jāyeta vai kharaḥ //

Der niederträchtige Mensch, der bewaffnet einen unbewaffneten Menschen tötet, sei es aus Gewinnsucht oder aus Feindschaft, wird nach seinem Tod ein Esel.

Wort für Wort
aśastraṃ puruṣaṃ hatvā saśastraḥ puruṣādhamaḥ /
Der niederträchtige Mensch, der bewaffnet einen unbewaffneten Menschen tötet,
arthārthaṃ yadi vā vairī mṛto jāyeta vai kharaḥ //
sei es aus Gewinnsucht oder aus Feindschaft, wird nach seinem Tod ein Esel.

kharo jīvati varṣe dve tataḥ śastreṇa vadhyate / sa mṛto mṛgayonau tu nityodvigno 'bhijāyate //

Als Esel lebt er zwei Jahre, dann wird er mit einer Waffe getötet; gestorben, wird er dann im Rehschoß wiedergeboren, stets ängstlich.

Wort für Wort
kharo jīvati varṣe dve tataḥ śastreṇa vadhyate /
Als Esel lebt er zwei Jahre, dann wird er mit einer Waffe getötet;
sa mṛto mṛgayonau tu nityodvigno 'bhijāyate //
gestorben, wird er dann im Rehschoß wiedergeboren, stets ängstlich.

mṛgo vidhyeta śastreṇa gate saṃvatsare tataḥ / hato mṛgas tato mīnaḥ so 'pi jālena badhyate //

Als Reh wird er, nach Ablauf eines Jahres, mit einer Waffe durchbohrt; als Reh getötet, wird er dann ein Fisch, der auch mit dem Netz gefangen wird.

Wort für Wort
mṛgo vidhyeta śastreṇa gate saṃvatsare tataḥ /
Als Reh wird er, nach Ablauf eines Jahres, mit einer Waffe durchbohrt;
hato mṛgas tato mīnaḥ so 'pi jālena badhyate //
als Reh getötet, wird er dann ein Fisch, der auch mit dem Netz gefangen wird.

māse caturthe saṃprāpte śvāpadaḥ saṃprajāyate / śvāpado daśa varṣāṇi dvīpī varṣāṇi pañca ca //

Nach Erreichen des vierten Monats wird er ein Raubtier; als Raubtier zehn Jahre, als Leopard fünf Jahre;

Wort für Wort
māse caturthe saṃprāpte śvāpadaḥ saṃprajāyate /
Nach Erreichen des vierten Monats wird er ein Raubtier;
śvāpado daśa varṣāṇi dvīpī varṣāṇi pañca ca //
als Raubtier zehn Jahre, als Leopard fünf Jahre;

tatas tu nidhanaṃ prāptaḥ kālaparyāyacoditaḥ / adharmasya kṣayaṃ kṛtvā mānuṣatvam avāpnuyāt //

danach, dem Tod anheimgefallen, vom Wechsel der Zeit getrieben, erlangt er, nachdem sein Unrecht erschöpft ist, das Menschsein.

Wort für Wort
tatas tu nidhanaṃ prāptaḥ kālaparyāyacoditaḥ /
danach, dem Tod anheimgefallen, vom Wechsel der Zeit getrieben,
adharmasya kṣayaṃ kṛtvā mānuṣatvam avāpnuyāt //
erlangt er, nachdem sein Unrecht erschöpft ist, das Menschsein.

vādyaṃ hṛtvā tu puruṣo lomaśaḥ saṃprajāyate / tathā piṇyākasaṃmiśram annaṃ yaś corayen naraḥ //

Der Mensch, der ein Musikinstrument gestohlen hat, wird ein 'Behaartes' Tier; und der Mensch, der mit Ölkuchen-Rückständen vermischte Speise stiehlt,

Wort für Wort
vādyaṃ hṛtvā tu puruṣo lomaśaḥ saṃprajāyate /
Der Mensch, der ein Musikinstrument gestohlen hat, wird ein 'Behaartes' Tier;
tathā piṇyākasaṃmiśram annaṃ yaś corayen naraḥ //
und der Mensch, der mit Ölkuchen-Rückständen vermischte Speise stiehlt,

[Anm.: 'lomaśa' – wörtl. 'der Behaarte', unklare genaue Tierart; wörtlich übersetzt.]

sa jāyate babhrusaṭo dāruṇo mūṣiko naraḥ / daśan vai mānuṣān nityaṃ pāpātmā sa dvijottamāḥ //

dieser Mensch wird eine braunborstige, wilde Maus, die stets Menschen beißt, dieser Bösgesinnte, ihr besten der Zweifachgeborenen.

Wort für Wort
sa jāyate babhrusaṭo dāruṇo mūṣiko naraḥ /
dieser Mensch wird eine braunborstige, wilde Maus,
daśan vai mānuṣān nityaṃ pāpātmā sa dvijottamāḥ //
die stets Menschen beißt, dieser Bösgesinnte, ihr besten der Zweifachgeborenen.

ghṛtaṃ hṛtvā tu durbuddhiḥ kāko madguḥ prajāyate / matsyamāṃsam atho hṛtvā kāko jāyeta mānavaḥ //

Wer Ghee gestohlen hat, wird böswillig ein Kāka-Madgu (eine Kormoran-/Scharbenart); und der Mensch, der Fischfleisch gestohlen hat, wird eine Krähe.

Wort für Wort
ghṛtaṃ hṛtvā tu durbuddhiḥ kāko madguḥ prajāyate /
Wer Ghee gestohlen hat, wird böswillig ein Kāka-Madgu;
matsyamāṃsam atho hṛtvā kāko jāyeta mānavaḥ //
und der Mensch, der Fischfleisch gestohlen hat, wird eine Krähe.

[Anm.: 'kāka-madgu' vermutlich Name einer bestimmten Wasservogelart (Kormoran/Scharbe); wörtlich übersetzt.]

lavaṇaṃ corayitvā tu cirikākaḥ prajāyate / viśvāsena tu nikṣiptaṃ yo 'panihnoti mānavaḥ //

Wer Salz gestohlen hat, wird ein Cirikāka-Vogel; und der Mensch, der ihm im Vertrauen Anvertrautes verleugnet,

Wort für Wort
lavaṇaṃ corayitvā tu cirikākaḥ prajāyate /
Wer Salz gestohlen hat, wird ein Cirikāka-Vogel;
viśvāsena tu nikṣiptaṃ yo 'panihnoti mānavaḥ //
und der Mensch, der ihm im Vertrauen Anvertrautes verleugnet,

[Anm.: 'cirikāka' – nicht sicher identifizierbare Vogelart, wörtlich übersetzt.]

sa gatāyur naras tena matsyayonau prajāyate / matsyayonim anuprāpya mṛto jāyeta mānuṣaḥ //

dieser Mensch wird, sein Leben dadurch beendend, im Fischschoß wiedergeboren; im Fischschoß angelangt, wird er nach seinem Tod wieder ein Mensch.

Wort für Wort
sa gatāyur naras tena matsyayonau prajāyate /
dieser Mensch wird, sein Leben dadurch beendend, im Fischschoß wiedergeboren;
matsyayonim anuprāpya mṛto jāyeta mānuṣaḥ //
im Fischschoß angelangt, wird er nach seinem Tod wieder ein Mensch.

mānuṣatvam anuprāpya kṣīṇāyur upajāyate / pāpāni tu naraḥ kṛtvā tiryag jāyeta bho dvijāḥ //

Das Menschsein erlangend, wird er mit verkürzter Lebenszeit geboren. Der Mensch aber, der Sünden begeht, wird als Tier wiedergeboren, o Brahmanen.

Wort für Wort
mānuṣatvam anuprāpya kṣīṇāyur upajāyate /
Das Menschsein erlangend, wird er mit verkürzter Lebenszeit geboren.
pāpāni tu naraḥ kṛtvā tiryag jāyeta bho dvijāḥ //
Der Mensch aber, der Sünden begeht, wird als Tier wiedergeboren, o Brahmanen.

na cātmanaḥ pramāṇaṃ tu dharmaṃ jānāti kiṃcana / ye pāpāni narāḥ kṛtvā nirasyanti vrataiḥ sadā //

Und er kennt für sich selbst kein Maß, er weiß nichts vom Dharma. Diejenigen Menschen aber, die, nachdem sie Sünden begangen haben, sie stets durch Gelübde tilgen,

Wort für Wort
na cātmanaḥ pramāṇaṃ tu dharmaṃ jānāti kiṃcana /
Und er kennt für sich selbst kein Maß, er weiß nichts vom Dharma.
ye pāpāni narāḥ kṛtvā nirasyanti vrataiḥ sadā //
Diejenigen Menschen aber, die, nachdem sie Sünden begangen haben, sie stets durch Gelübde tilgen,

sukhaduḥkhasamāyuktā vyādhimanto bhavanty uta / asaṃvītāḥ prajāyante mlecchāś cāpi na saṃśayaḥ //

werden mit Glück und Leid vermischt geboren, auch mit Krankheiten behaftet; sie werden auch dürftig oder gar als Mlecchas geboren – daran besteht kein Zweifel.

Wort für Wort
sukhaduḥkhasamāyuktā vyādhimanto bhavanty uta /
werden mit Glück und Leid vermischt geboren, auch mit Krankheiten behaftet;
asaṃvītāḥ prajāyante mlecchāś cāpi na saṃśayaḥ //
sie werden auch dürftig oder gar als Mlecchas geboren – daran besteht kein Zweifel.

[Anm.: 'asaṃvītāḥ' wörtl. 'unbekleidet', hier im Sinn von 'dürftig/ungeschützt lebend' gedeutet.]

narāḥ pāpasamācārā lobhamohasamanvitāḥ / varjayanti hi pāpāni janmaprabhṛti ye narāḥ //

(So ergeht es) Menschen von sündigem Wandel, von Gier und Verblendung befangen. Diejenigen Menschen aber, die von Geburt an Sünden meiden,

Wort für Wort
narāḥ pāpasamācārā lobhamohasamanvitāḥ /
So ergeht es Menschen von sündigem Wandel, von Gier und Verblendung befangen.
varjayanti hi pāpāni janmaprabhṛti ye narāḥ //
Diejenigen Menschen aber, die von Geburt an Sünden meiden,

arogā rūpavantaś ca dhaninas te bhavanty uta / striyo 'py etena kalpena kṛtvā pāpam avāpnuyuḥ //

werden gesund, wohlgestaltet und auch wohlhabend. Auch Frauen erlangen, wenn sie nach demselben Muster Sünde begehen, entsprechendes Leid,

Wort für Wort
arogā rūpavantaś ca dhaninas te bhavanty uta /
werden gesund, wohlgestaltet und auch wohlhabend.
striyo 'py etena kalpena kṛtvā pāpam avāpnuyuḥ //
Auch Frauen erlangen, wenn sie nach demselben Muster Sünde begehen, entsprechendes Leid,

eteṣām eva pāpānāṃ bhāryātvam upayānti tāḥ / prāyeṇa haraṇe doṣāḥ sarva eva prakīrtitāḥ //

und werden zu Gattinnen ebensolcher sündiger (Männer). Meist wurden hier alle Verfehlungen des Raubens/Stehlens aufgezählt.

Wort für Wort
eteṣām eva pāpānāṃ bhāryātvam upayānti tāḥ /
und werden zu Gattinnen ebensolcher sündiger Männer.
prāyeṇa haraṇe doṣāḥ sarva eva prakīrtitāḥ //
Meist wurden hier alle Verfehlungen des Raubens/Stehlens aufgezählt.

[Anm.: der genaue Sinn von 'bhāryātvam upayānti' (wörtl. 'sie gelangen zum Gattinsein dieser Sünden') bleibt unsicher; hier als Entsprechung der Wiedergeburts-Zuordnung gedeutet.]

etad vai leśamātreṇa kathitaṃ vo dvijarṣabhāḥ / aparasmin kathāyoge bhūyaḥ śroṣyatha bho dvijāḥ //

Dies wurde euch, ihr besten der Zweifachgeborenen, nur in aller Kürze mitgeteilt; bei einer anderen Gelegenheit der Erzählung werdet ihr mehr hören, o Brahmanen.

Wort für Wort
etad vai leśamātreṇa kathitaṃ vo dvijarṣabhāḥ /
Dies wurde euch, ihr besten der Zweifachgeborenen, nur in aller Kürze mitgeteilt;
aparasmin kathāyoge bhūyaḥ śroṣyatha bho dvijāḥ //
bei einer anderen Gelegenheit der Erzählung werdet ihr mehr hören, o Brahmanen.

etan mayā mahābhāgā brahmaṇo vadataḥ purā / surarṣīṇāṃ śrutaṃ madhye pṛṣṭaṃ cāpi yathā tathā //

Dies wurde von mir, ihr Hochgesegneten, einst gehört, als Brahmā inmitten der Götterweisen sprach, und ebenso, wie es damals von ihnen gefragt wurde,

Wort für Wort
etan mayā mahābhāgā brahmaṇo vadataḥ purā /
Dies wurde von mir, ihr Hochgesegneten, einst gehört, als Brahmā sprach,
surarṣīṇāṃ śrutaṃ madhye pṛṣṭaṃ cāpi yathā tathā //
inmitten der Götterweisen, und ebenso, wie es damals von ihnen gefragt wurde,

mayāpi tubhyaṃ kārtsnyena yathāvad anuvarṇitam / etac chrutvā muniśreṣṭhā dharme kuruta mānasam //

so wurde es auch von mir euch vollständig und der Wahrheit gemäß dargelegt. Nachdem ihr dies gehört habt, ihr besten der Weisen, richtet euren Sinn auf den Dharma.

Wort für Wort
mayāpi tubhyaṃ kārtsnyena yathāvad anuvarṇitam /
so wurde es auch von mir euch vollständig und der Wahrheit gemäß dargelegt.
etac chrutvā muniśreṣṭhā dharme kuruta mānasam //
Nachdem ihr dies gehört habt, ihr besten der Weisen, richtet euren Sinn auf den Dharma.

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