Kapitel 217: dharmasahāyavarṇanaṃ tiryagyonipraveśahetavaś ca
Der Dharma als einziger Gefährte, die Entstehung der Leibesfrucht und die Ursachen der Tierwiedergeburten
Auf die Frage der Weisen, wer der wahre Gefährte des Sterblichen sei, lehrt Vyāsa: allein der Dharma begleitet die Seele über den Tod hinaus, kein Verwandter und kein Freund (V.1-11). Es folgt ein Exkurs zur Physiologie: wie die fünf Elemente samt Geist als 'Zeugen' den Dharma wahrnehmen (V.12-17), wie aus der Sättigung der Elemente der Same und daraus der Keim entsteht (V.18-24), und wie die Lebensseele nach der Geburt Glück oder Leid gemäß Dharma/Adharma erfährt (V.25-36). Den Hauptteil (V.37-115) bildet ein sehr detaillierter Katalog spezifischer Verfehlungen (gegen Lehrer, Eltern, fremde Frauen, anvertrautes Gut, gestohlene Gegenstände von Getreide bis Edelmetall) und der jeweils genau bemessenen Tier- oder Insektenwiedergeburten (mit exakter Lebensdauer je Zwischenform), die daraus folgen, bevor die Seele wieder Menschsein erlangt. Schluss: Zusammenfassung als bloßer Auszug, mit Verweis auf eine frühere Belehrung Brahmās unter den Götterweisen (V.116-118). Zwei dreizeilige Verse (V.3, V.24).
Die Weisen sprachen: Erhabener, Kenner allen Dharmas, in allen Lehrschriften Bewanderter! Wer ist der wahre Gefährte des Sterblichen – Vater, Mutter, Sohn oder Lehrer,
Wort für Wort
bhagavan sarvadharmajña sarvaśāstraviśārada /
Erhabener, Kenner allen Dharmas, in allen Lehrschriften Bewanderter!
martyasya kaḥ sahāyo vai pitā mātā suto guruḥ //
Wer ist der wahre Gefährte des Sterblichen – Vater, Mutter, Sohn oder Lehrer,
jñātisaṃbandhivargaś ca mitravargas tathaiva ca / gṛhaṃ śarīram utsṛjya kāṣṭhaloṣṭasamaṃ janāḥ / gacchanty amutra loke vai kaś ca tān anugacchati //
oder die Schar der Verwandten und Verschwägerten, oder ebenso die Schar der Freunde? Nachdem die Menschen Haus und Körper – einem Holzscheit oder einer Erdscholle gleich – verlassen haben, gehen sie in jene andere Welt: wer begleitet sie dabei?
Wort für Wort
jñātisaṃbandhivargaś ca mitravargas tathaiva ca /
oder die Schar der Verwandten und Verschwägerten, oder ebenso die Schar der Freunde?
gṛhaṃ śarīram utsṛjya kāṣṭhaloṣṭasamaṃ janāḥ /
Nachdem die Menschen Haus und Körper – einem Holzscheit oder einer Erdscholle gleich – verlassen haben,
gacchanty amutra loke vai kaś ca tān anugacchati //
gehen sie in jene andere Welt: wer begleitet sie dabei?
Nachdem die Menschen den toten Körper, einem Holzscheit oder einer Erdscholle gleich, verlassen haben, weinen sie nur für einen Augenblick und wenden sich dann ab.
Wort für Wort
mṛtaṃ śarīram utsṛjya kāṣṭhaloṣṭasamaṃ janāḥ /
Nachdem die Menschen den toten Körper, einem Holzscheit oder einer Erdscholle gleich, verlassen haben,
muhūrtam iva roditvā tato yānti parāṅmukhāḥ //
weinen sie nur für einen Augenblick und wenden sich dann ab.
Aus Gier, Verblendung, Mitleid oder Furcht – oder auch, obwohl vielgelehrt – begeht der Mensch, von Gier und Verblendung um fremden Besitz willen befangen, Unrechtes.
Wort für Wort
lobhān mohād anukrośād bhayād vātha bahuśrutaḥ /
Aus Gier, Verblendung, Mitleid oder Furcht – oder auch, obwohl vielgelehrt –
naraḥ karoty akāryāṇi parārthe lobhamohitaḥ //
begeht der Mensch, von Gier und Verblendung um fremden Besitz willen befangen, Unrechtes.
śrutaṃ bhagavato vākyaṃ dharmayuktaṃ paraṃ hitam / śarīranicayaṃ jñātuṃ buddhir no 'tra prajāyate //
Die Weisen sprachen: Gehört haben wir das Wort des Erhabenen, dem Dharma verbunden, höchst heilsam; nun entsteht in uns der Wunsch, den Aufbau des Körpers zu verstehen.
Wort für Wort
śrutaṃ bhagavato vākyaṃ dharmayuktaṃ paraṃ hitam /
Gehört haben wir das Wort des Erhabenen, dem Dharma verbunden, höchst heilsam;
śarīranicayaṃ jñātuṃ buddhir no 'tra prajāyate //
nun entsteht in uns der Wunsch, den Aufbau des Körpers zu verstehen.
Vyāsa sprach: Die Götter, die im Körper wohnend die Speise essen, ihr besten der Zweifachgeborenen, sind Erde, Wind, Äther, Wasser, Licht sowie der Geist.
Wort für Wort
annam aśnanti ye devāḥ śarīrasthā dvijottamāḥ /
Die Götter, die im Körper wohnend die Speise essen, ihr besten der Zweifachgeborenen,
pṛthivī vāyur ākāśam āpo jyotir manas tathā //
sind Erde, Wind, Äther, Wasser, Licht sowie der Geist.
ākhyātaṃ no bhagavatā garbhaḥ saṃjāyate yathā / yathā jātas tu puruṣaḥ prapadyate tad ucyatām //
Die Weisen sprachen: Erklärt wurde uns vom Erhabenen, wie der Keim entsteht; wie aber der geborene Mensch weiter fortschreitet, das möge gesagt werden.
Wort für Wort
ākhyātaṃ no bhagavatā garbhaḥ saṃjāyate yathā /
Erklärt wurde uns vom Erhabenen, wie der Keim entsteht;
yathā jātas tu puruṣaḥ prapadyate tad ucyatām //
wie aber der geborene Mensch weiter fortschreitet, das möge gesagt werden.
āsannamātrapuruṣas tair bhūtair abhibhūyate / viprayuktas tu tair bhūtaiḥ punar yāty aparāṃ gatim //
Vyāsa sprach: Der Mensch wird, sobald er entstanden ist, von jenen Elementen überwältigt; von jenen Elementen aber wieder getrennt, geht er einem anderen Zustand entgegen.
Wort für Wort
āsannamātrapuruṣas tair bhūtair abhibhūyate /
Der Mensch wird, sobald er entstanden ist, von jenen Elementen überwältigt;
viprayuktas tu tair bhūtaiḥ punar yāty aparāṃ gatim //
von jenen Elementen aber wieder getrennt, geht er einem anderen Zustand entgegen.
sa ca bhūtasamāyuktaḥ prāpnoti jīvam eva hi / tato 'sya karma paśyanti śubhaṃ vā yadi vāśubham / devatāḥ pañcabhūtasthāḥ kiṃ bhūyaḥ śrotum icchatha //
Und mit den Elementen verbunden, erlangt er eben die Lebensseele; danach beobachten die in den fünf Elementen weilenden Gottheiten seine Tat, sei sie heilsam oder unheilsam – was wollt ihr weiter hören?
Wort für Wort
sa ca bhūtasamāyuktaḥ prāpnoti jīvam eva hi /
Und mit den Elementen verbunden, erlangt er eben die Lebensseele;
tato 'sya karma paśyanti śubhaṃ vā yadi vāśubham /
danach beobachten die in den fünf Elementen weilenden Gottheiten seine Tat, sei sie heilsam oder unheilsam –
tvag asthi māṃsam utsṛjya tais tu bhūtair vivarjitaḥ / jīvaḥ sa bhagavan kvasthaḥ sukhaduḥkhe samaśnute //
Die Weisen sprachen: Nachdem er Haut, Knochen, Fleisch verlassen hat und von jenen Elementen getrennt ist – wo weilend, o Erhabener, erfährt diese Lebensseele Glück und Leid?
Wort für Wort
tvag asthi māṃsam utsṛjya tais tu bhūtair vivarjitaḥ /
Nachdem er Haut, Knochen, Fleisch verlassen hat und von jenen Elementen getrennt ist –
jīvaḥ sa bhagavan kvasthaḥ sukhaduḥkhe samaśnute //
wo weilend, o Erhabener, erfährt diese Lebensseele Glück und Leid?
Vyāsa sprach: Die mit ihrer Tat verbundene Lebensseele, rasch mit dem Samen vereint, gelangt zur 'Blüte' der Frauen und dann, nach einer gewissen Zeit, o Brahmanen,
Wort für Wort
jīvaḥ karmasamāyuktaḥ śīghraṃ retaḥsamāgataḥ /
Die mit ihrer Tat verbundene Lebensseele, rasch mit dem Samen vereint,
yad etad ucyate śāstraiḥ setihāsaiś ca chandasi / yamasya viṣayaṃ ghoraṃ martyalokaṃ pravartate //
Was hier von den Lehrschriften, mitsamt den Itihāsas, im Versmaß verkündet wird – dies gilt für Yamas schrecklichen Bereich ebenso wie für die Sterblichenwelt.
Wort für Wort
yad etad ucyate śāstraiḥ setihāsaiś ca chandasi /
Was hier von den Lehrschriften, mitsamt den Itihāsas, im Versmaß verkündet wird –
yamasya viṣayaṃ ghoraṃ martyalokaṃ pravartate //
dies gilt für Yamas schrecklichen Bereich ebenso wie für die Sterblichenwelt.
[?: Satzbau unklar; Sinn hier als allgemeine Gültigkeitsaussage der folgenden Lehre für beide Bereiche gedeutet.]
Hier gibt es heilige, den Göttern gleichende Stätten, o Brahmanen, die über den Tierschoß hinausgehen und in jeder Hinsicht zu einem höheren Gang führen.
Wort für Wort
iha sthānāni puṇyāni devatulyāni bho dvijāḥ /
Hier gibt es heilige, den Göttern gleichende Stätten, o Brahmanen,
tiryagyonyatiriktāni gatimanti ca sarvaśaḥ //
die über den Tierschoß hinausgehen und in jeder Hinsicht zu einem höheren Gang führen.
Ein Zweifachgeborener, der die vier Veden studiert hat, aber, von Verblendung befangen, von einem Gefallenen eine Gabe annimmt, wird im Eselsschoß wiedergeboren.
Wort für Wort
adhītya caturo vedān dvijo mohasamanvitaḥ /
Ein Zweifachgeborener, der die vier Veden studiert hat, aber, von Verblendung befangen,
patitāt pratigṛhyātha kharayonau prajāyate //
von einem Gefallenen eine Gabe annimmt, wird im Eselsschoß wiedergeboren.
Der sündige Schüler, der auch nur in Gedanken der Frau seines Lehrers nachstellt, durchläuft, durch seine adharmische Gesinnung, hier grausige Wiedergeburten.
Wort für Wort
manasāpi guror bhāryāṃ yaḥ śiṣyo yāti pāpakṛt /
Der sündige Schüler, der auch nur in Gedanken der Frau seines Lehrers nachstellt,
udagrān praiti saṃsārān adharmeṇeha cetasā //
durchläuft, durch seine adharmische Gesinnung, hier grausige Wiedergeburten.
putrasya mātāpitarau yasya ruṣṭāv ubhāv api / gurvapadhyānataḥ so 'pi mṛto jāyeta gardabhaḥ //
Wessen Vater und Mutter beide über ihn als Sohn erzürnt sind, auch dieser wird, weil er ihnen Böses gesonnen hat, nach seinem Tod ein Esel.
Wort für Wort
putrasya mātāpitarau yasya ruṣṭāv ubhāv api /
Wessen Vater und Mutter beide über ihn als Sohn erzürnt sind,
gurvapadhyānataḥ so 'pi mṛto jāyeta gardabhaḥ //
auch dieser wird, weil er ihnen Böses gesonnen hat, nach seinem Tod ein Esel.
[Anm.: 'gurvapadhyānataḥ' – wörtl. 'weil er den Respektpersonen Böses gedacht/gesonnen hat'; Bezug zur ersten Vershälfte nicht ganz eindeutig, hier als Ursache für den Zorn der Eltern gedeutet.]
Der Mensch aber, der anvertrautes Gut veruntreut, gelangt in Yamas Bereich; nachdem er hundert Wiedergeburten durchlaufen hat, wird er im Wurmschoß wiedergeboren.
Wort für Wort
nyāsāpahartā tu naro yamasya viṣayaṃ gataḥ /
Der Mensch aber, der anvertrautes Gut veruntreut, gelangt in Yamas Bereich;
saṃsārāṇāṃ śataṃ gatvā kṛmiyonau prajāyate //
nachdem er hundert Wiedergeburten durchlaufen hat, wird er im Wurmschoß wiedergeboren.
Und der missgünstige Mensch wird nach seinem Tod ein Śārṅgaka-Vogel; und der Mensch, der Vertrauen missbraucht, wird, von schlechter Gesinnung, ein Fisch.
Wort für Wort
asūyako naraś cāpi mṛto jāyeta śārṅgakaḥ /
Und der missgünstige Mensch wird nach seinem Tod ein Śārṅgaka-Vogel;
viśvāsahartā ca naro mīno jāyeta durmatiḥ //
und der Mensch, der Vertrauen missbraucht, wird, von schlechter Gesinnung, ein Fisch.
bhrātur bhāryāṃ tu pāpātmā yo dharṣayati mohitaḥ / puṃskokilatvam āpnoti so 'pi saṃvatsaraṃ dvijāḥ //
Der Bösgesinnte, der, verblendet, die Frau seines Bruders vergewaltigt, erlangt für ein Jahr die Gestalt eines männlichen Kuckucks, ihr Zweifachgeborenen.
Wort für Wort
bhrātur bhāryāṃ tu pāpātmā yo dharṣayati mohitaḥ /
Der Bösgesinnte, der, verblendet, die Frau seines Bruders vergewaltigt,
puṃskokilatvam āpnoti so 'pi saṃvatsaraṃ dvijāḥ //
erlangt für ein Jahr die Gestalt eines männlichen Kuckucks, ihr Zweifachgeborenen.
Wer, von Begierde beherrscht, die Frau eines Freundes, die Frau seines Lehrers oder ebenso die Frau eines Königs vergewaltigt, wird nach seinem Tod ein Schwein.
Wort für Wort
sakhibhāryāṃ guror bhāryāṃ rājabhāryāṃ tathaiva ca /
Wer die Frau eines Freundes, die Frau seines Lehrers oder ebenso die Frau eines Königs
pradharṣayitvā kāmātmā mṛto jāyeta śūkaraḥ //
vergewaltigt, von Begierde beherrscht, wird nach seinem Tod ein Schwein.
naro 'dharmakṣayaṃ kṛtvā tato jāyeta mānuṣaḥ / pūrvaṃ dattvā tu yaḥ kanyāṃ dvitīye dātum icchati //
Nachdem der Mensch so sein Unrecht getilgt hat, wird er dann ein Mensch. Wer aber, nachdem er eine Tochter versprochen hat, sie einem zweiten geben will,
Wort für Wort
naro 'dharmakṣayaṃ kṛtvā tato jāyeta mānuṣaḥ /
Nachdem der Mensch so sein Unrecht getilgt hat, wird er dann ein Mensch.
pūrvaṃ dattvā tu yaḥ kanyāṃ dvitīye dātum icchati //
Wer aber, nachdem er eine Tochter versprochen hat, sie einem zweiten geben will,
auch dieser wird, nachdem er den Tod erreicht hat, im Krauñca-Vogel-Schoß wiedergeboren; als Krauñca-Vogel lebt er zehn Jahre, dann wird er ein Jīvaka-Vogel.
Wort für Wort
so 'pi mṛtyum upāgamya krauñcayonau prajāyate /
auch dieser wird, nachdem er den Tod erreicht hat, im Krauñca-Vogel-Schoß wiedergeboren;
krauñco jīvati varṣāṇi daśa jāyeta jīvakaḥ //
als Krauñca-Vogel lebt er zehn Jahre, dann wird er ein Jīvaka-Vogel.
[Anm.: 'jīvaka' – eine nicht sicher identifizierbare Vogelart, wörtlich 'der Lebendige'.]
Nachdem er dort abermals Nachkommen gezeugt hat, wird er nach seinem Tod eine Maus. Der Undankbare aber gelangt nach seinem Tod, o Brahmanen, in Yamas Bereich,
Wort für Wort
tatrāpatyaṃ samutpādya mṛto jāyeta mūṣikaḥ /
Nachdem er dort abermals Nachkommen gezeugt hat, wird er nach seinem Tod eine Maus.
kṛtaghnas tu mṛto viprā yamasya viṣayaṃ gataḥ //
Der Undankbare aber gelangt nach seinem Tod, o Brahmanen, in Yamas Bereich,
[Anm.: der genaue Bezug von 'tatrāpatyaṃ samutpādya' bleibt unsicher – möglicherweise Fortsetzung eines Fehlverhaltens in der zuvor wiedererlangten Menschengestalt.]
den schrecklichen Schwertblätterwald, den Sand, den trügerischen Śālmala-Baum – diese und viele andere Qualen erleiden, die in Yamas Bereich gelangt sind.
Wort für Wort
asipattravanaṃ ghoraṃ vālukāṃ kūṭaśālmalīm /
den schrecklichen Schwertblätterwald, den Sand, den trügerischen Śālmala-Baum –
etāś cānyāś ca bahavo yamasya viṣayaṃ gatāḥ //
diese und viele andere Qualen erleiden, die in Yamas Bereich gelangt sind.
yātanāḥ prāpya ghorās tu tato yāti ca bho dvijāḥ / saṃsāracakram āsādya krimiyonau prajāyate //
Nachdem er diese schrecklichen Qualen erlitten hat, geht er dann weiter, o Brahmanen; in das Rad des Saṃsāra eintretend, wird er im Wurmschoß wiedergeboren.
Wort für Wort
yātanāḥ prāpya ghorās tu tato yāti ca bho dvijāḥ /
Nachdem er diese schrecklichen Qualen erlitten hat, geht er dann weiter, o Brahmanen;
saṃsāracakram āsādya krimiyonau prajāyate //
in das Rad des Saṃsāra eintretend, wird er im Wurmschoß wiedergeboren.
Dann durchläuft das Lebewesen vielfach hundert Mutterleiber; nachdem es sehr viele Wiedergeburten durchlaufen hat, wird es dann als Tier wiedergeboren.
Wort für Wort
tato garbhaśatair jantur bahuśaḥ saṃprapadyate /
Dann durchläuft das Lebewesen vielfach hundert Mutterleiber;
saṃsārān subahūn gatvā tatas tiryak prajāyate //
nachdem es sehr viele Wiedergeburten durchlaufen hat, wird es dann als Tier wiedergeboren.
Wer Quark gestohlen hat, wird ein Reiher; und wer rohen Fisch gestohlen hat, wird ein Plava-Wasservogel; wer, böswillig, etwas (Süßes wie Honig) gestohlen hat, wird eine Honigbiene.
Wort für Wort
dadhi hṛtvā bakaś cāpi plavo matsyān asaṃskṛtān /
Wer Quark gestohlen hat, wird ein Reiher; und wer rohen Fisch gestohlen hat, ein Plava-Wasservogel;
corayitvā tu durbuddhir madhudaṃśaḥ prajāyate //
wer, böswillig, etwas gestohlen hat, wird eine Honigbiene.
[?: das Objekt des Diebstahls im zweiten Halbvers ('madhudaṃśaḥ', wörtl. 'Honig-Stecher') ist im Text nicht explizit genannt; sinngemäß als Honigdiebstahl ergänzt.]
Wer Baumwollstoff gestohlen hat, wird nach seinem Tod ein Krauñca-Vogel; und der Mensch, der Seidenstoff oder auch Wollstoff gestohlen hat, o Brahmanen,
Wort für Wort
krauñcaḥ kārpāsikaṃ hṛtvā mṛto jāyeta mānavaḥ /
Wer Baumwollstoff gestohlen hat, wird nach seinem Tod ein Krauñca-Vogel;
corayitvā naraḥ paṭṭaṃ tv āvikaṃ caiva bho dvijāḥ //
und der Mensch, der Seidenstoff oder auch Wollstoff gestohlen hat, o Brahmanen,
Der niederträchtige Mensch, der bewaffnet einen unbewaffneten Menschen tötet, sei es aus Gewinnsucht oder aus Feindschaft, wird nach seinem Tod ein Esel.
Wort für Wort
aśastraṃ puruṣaṃ hatvā saśastraḥ puruṣādhamaḥ /
Der niederträchtige Mensch, der bewaffnet einen unbewaffneten Menschen tötet,
arthārthaṃ yadi vā vairī mṛto jāyeta vai kharaḥ //
sei es aus Gewinnsucht oder aus Feindschaft, wird nach seinem Tod ein Esel.
na cātmanaḥ pramāṇaṃ tu dharmaṃ jānāti kiṃcana / ye pāpāni narāḥ kṛtvā nirasyanti vrataiḥ sadā //
Und er kennt für sich selbst kein Maß, er weiß nichts vom Dharma. Diejenigen Menschen aber, die, nachdem sie Sünden begangen haben, sie stets durch Gelübde tilgen,
Wort für Wort
na cātmanaḥ pramāṇaṃ tu dharmaṃ jānāti kiṃcana /
Und er kennt für sich selbst kein Maß, er weiß nichts vom Dharma.
ye pāpāni narāḥ kṛtvā nirasyanti vrataiḥ sadā //
Diejenigen Menschen aber, die, nachdem sie Sünden begangen haben, sie stets durch Gelübde tilgen,
werden mit Glück und Leid vermischt geboren, auch mit Krankheiten behaftet; sie werden auch dürftig oder gar als Mlecchas geboren – daran besteht kein Zweifel.
Wort für Wort
sukhaduḥkhasamāyuktā vyādhimanto bhavanty uta /
werden mit Glück und Leid vermischt geboren, auch mit Krankheiten behaftet;
asaṃvītāḥ prajāyante mlecchāś cāpi na saṃśayaḥ //
sie werden auch dürftig oder gar als Mlecchas geboren – daran besteht kein Zweifel.
[Anm.: 'asaṃvītāḥ' wörtl. 'unbekleidet', hier im Sinn von 'dürftig/ungeschützt lebend' gedeutet.]
eteṣām eva pāpānāṃ bhāryātvam upayānti tāḥ / prāyeṇa haraṇe doṣāḥ sarva eva prakīrtitāḥ //
und werden zu Gattinnen ebensolcher sündiger (Männer). Meist wurden hier alle Verfehlungen des Raubens/Stehlens aufgezählt.
Wort für Wort
eteṣām eva pāpānāṃ bhāryātvam upayānti tāḥ /
und werden zu Gattinnen ebensolcher sündiger Männer.
prāyeṇa haraṇe doṣāḥ sarva eva prakīrtitāḥ //
Meist wurden hier alle Verfehlungen des Raubens/Stehlens aufgezählt.
[Anm.: der genaue Sinn von 'bhāryātvam upayānti' (wörtl. 'sie gelangen zum Gattinsein dieser Sünden') bleibt unsicher; hier als Entsprechung der Wiedergeburts-Zuordnung gedeutet.]
etad vai leśamātreṇa kathitaṃ vo dvijarṣabhāḥ / aparasmin kathāyoge bhūyaḥ śroṣyatha bho dvijāḥ //
Dies wurde euch, ihr besten der Zweifachgeborenen, nur in aller Kürze mitgeteilt; bei einer anderen Gelegenheit der Erzählung werdet ihr mehr hören, o Brahmanen.
Wort für Wort
etad vai leśamātreṇa kathitaṃ vo dvijarṣabhāḥ /
Dies wurde euch, ihr besten der Zweifachgeborenen, nur in aller Kürze mitgeteilt;
so wurde es auch von mir euch vollständig und der Wahrheit gemäß dargelegt. Nachdem ihr dies gehört habt, ihr besten der Weisen, richtet euren Sinn auf den Dharma.
Wort für Wort
mayāpi tubhyaṃ kārtsnyena yathāvad anuvarṇitam /
so wurde es auch von mir euch vollständig und der Wahrheit gemäß dargelegt.
etac chrutvā muniśreṣṭhā dharme kuruta mānasam //
Nachdem ihr dies gehört habt, ihr besten der Weisen, richtet euren Sinn auf den Dharma.