Kapitel 170: cakṣustīrthamṛtasaṃjīvanatīrthamāhātmyavarṇanam
Die Größe der Tīrthas Cakṣus und Mṛtasañjīvana (Der Brahmane Gautama, der Kaufmann Maṇikuṇḍala und der Streit um Dharma)
Der habgierige Brahmane Gautama und sein wohlhabender Freund, der Kaufmann Maṇikuṇḍala, ziehen gemeinsam aus, um Reichtum zu erwerben; Gautama plant jedoch, das Vermögen des Freundes an sich zu bringen. In einem eskalierenden Streit darüber, ob Adharma (Gautamas Position) oder Dharma (Maṇikuṇḍalas Position) im Leben siegreich ist, verliert Maṇikuṇḍala nacheinander sein Vermögen, seine Hände und schließlich seine Augen an den Betrüger, bleibt aber unerschütterlich im Dharma. Am Yogeśvara-Tīrtha an der Gautamī findet ihn der zu Besuch weilende Vibhīṣaṇa (Rāvaṇas Bruder) mit seinem Sohn Vaibhīṣaṇi; durch ein Stück des wunderkräftigen Baumes, der aus der von Hanumān einst herbeigebrachten Kräuterberg-Ladung (Viśalyakaraṇī/Mṛtasañjīvanī aus der Rāma-Erzählung) stammt, werden ihm Hände und Augen zurückgegeben. Mit diesem Holzstück heilt der Vaiśya darauf eine blinde Königstochter, erhält sie und das Königreich zur Frau, vergisst aber seinen einstigen, nun verarmten Freund Gautama nicht, den er später ehrenvoll aufnimmt und zur Gaṅgā zur Sündentilgung führt. Beide gelangen schließlich in den Himmel. Ursprung des Cakṣus- (,Augen'-) und Mṛtasañjīvana-Tīrtha, das Verdienst, Geistesklarheit und die Vernichtung böser Gesinnung gewährt.
tena sakhyaṃ dvijasyāsīd viṣamaṃ dvijavaiśyayoḥ / śrīmaddaridrayor nityaṃ parasparahitaiṣiṇoḥ //
Mit ihm bestand die Freundschaft des Brahmanen – eine ungleiche Freundschaft zwischen Brahmane und Vaiśya, zwischen dem Reichen und dem Armen, die einander beständig wohlwollten.
Wort für Wort
tena sakhyaṃ dvijasyāsīd viṣamaṃ dvijavaiśyayoḥ
mit ihm bestand die Freundschaft des Brahmanen – eine ungleiche zwischen Brahmane und Vaiśya
śrīmaddaridrayor nityaṃ parasparahitaiṣiṇoḥ
zwischen dem Reichen und dem Armen, die einander beständig wohlwollten
{gautama uvāca:} gacchāmo dhanam ādātuṃ parvatān udadhīn api / yauvanaṃ tad vṛthā jñeyaṃ vinā saukhyānukūlyataḥ / dhanaṃ vinā tat kathaṃ syād aho dhiṅ nirdhanaṃ naram //
Gautama sprach: Lass uns gehen, um Reichtum zu erwerben, sogar zu Bergen und Ozeanen; die Jugend soll man als vergeblich erkennen, wenn sie nicht dem Glück förderlich ist. Wie sollte dies ohne Reichtum sein? Ach, Schande über den Mittellosen!
Wort für Wort
gacchāmo dhanam ādātuṃ parvatān udadhīn api
lass uns gehen, um Reichtum zu erwerben, sogar zu Bergen und Ozeanen
yauvanaṃ tad vṛthā jñeyaṃ vinā saukhyānukūlyataḥ
die Jugend soll man als vergeblich erkennen, wenn sie nicht dem Glück förderlich ist
dhanaṃ vinā tat kathaṃ syād aho dhiṅ nirdhanaṃ naram
wie sollte dies ohne Reichtum sein? Ach, Schande über den Mittellosen
Brahmā sprach: Kuṇḍala sprach zu dem Brahmanen dies: ,Das von meinem Vater erworbene Vermögen ist reichlich vorhanden; was soll ich heute mit weiterem Reichtum tun, o vortrefflichster Brahmane?' Der Brahmane sprach darauf wieder mit Nachdruck zu Maṇikuṇḍala dies:
Wort für Wort
kuṇḍalo dvijam āhedaṃ matpitropārjitaṃ dhanam
Kuṇḍala sprach zu dem Brahmanen dies: das von meinem Vater erworbene Vermögen
bahv asti kiṃ dhanenādya kariṣye dvijasattama
ist reichlich vorhanden; was soll ich heute mit weiterem Reichtum tun, o vortrefflichster Brahmane
dvijaḥ punar uvācedaṃ maṇikuṇḍalam ojasā
der Brahmane sprach darauf wieder mit Nachdruck zu Maṇikuṇḍala dies
{gautama uvāca:} dharmārthajñānakāmānāṃ ko nu tṛptaḥ praśasyate / utkarṣaprāptir evaiṣāṃ sakhe ślāghyā śarīriṇām //
Gautama sprach: Wer, der mit Dharma, Reichtum, Wissen und Begierde zufrieden ist, wird da gepriesen? Nur das Erlangen ihrer Steigerung ist für die verkörperten Wesen preiswürdig, o Freund.
Wort für Wort
dharmārthajñānakāmānāṃ ko nu tṛptaḥ praśasyate
wer, der mit Dharma, Reichtum, Wissen und Begierde zufrieden ist, wird da gepriesen
utkarṣaprāptir evaiṣāṃ sakhe ślāghyā śarīriṇām
nur das Erlangen ihrer Steigerung ist für die verkörperten Wesen preiswürdig, o Freund
svenaiva vyavasāyena dhanyā jīvanti jantavaḥ / paradattārthasaṃtuṣṭāḥ kaṣṭajīvina eva te //
Durch eigenes Bemühen allein leben die Geschöpfe glücklich; jene, die sich mit von anderen gegebenem Gut zufriedengeben, fristen nur ein mühseliges Leben.
Wort für Wort
svenaiva vyavasāyena dhanyā jīvanti jantavaḥ
durch eigenes Bemühen allein leben die Geschöpfe glücklich
paradattārthasaṃtuṣṭāḥ kaṣṭajīvina eva te
jene, die sich mit von anderen gegebenem Gut zufriedengeben, fristen nur ein mühseliges Leben
sa putraḥ śasyate loke pitṛbhiś cābhinandyate / yaḥ paitryam abhilipseta na vācāpi tu kuṇḍala //
Jener Sohn wird in der Welt gepriesen und von den Vätern beglückwünscht, der nicht einmal mit Worten das väterliche Erbe zu erlangen begehrt, o Kuṇḍala.
Wort für Wort
sa putraḥ śasyate loke pitṛbhiś cābhinandyate
jener Sohn wird in der Welt gepriesen und von den Vätern beglückwünscht
yaḥ paitryam abhilipseta na vācāpi tu kuṇḍala
der nicht einmal mit Worten das väterliche Erbe zu erlangen begehrt, o Kuṇḍala
svabāhubalam āśritya yo 'rthān arjayate sutaḥ / sa kṛtārtho bhavel loke paitryaṃ vittaṃ na tu spṛśet //
Wer, auf die Kraft der eigenen Arme gestützt, als Sohn Reichtum erwirbt, der hat sein Ziel in der Welt erreicht; das väterliche Gut aber soll er nicht berühren.
Wort für Wort
svabāhubalam āśritya yo 'rthān arjayate sutaḥ
wer, auf die Kraft der eigenen Arme gestützt, als Sohn Reichtum erwirbt
sa kṛtārtho bhavel loke paitryaṃ vittaṃ na tu spṛśet
der hat sein Ziel in der Welt erreicht; das väterliche Gut aber soll er nicht berühren
Der Sohn, der selbst erworbenes Gut dem Vater, dem Verwandten, geben wird – ihn allein soll man als wahren Sohn erkennen; der andere ist nur ein Wurm aus dem väterlichen Schoß.
Wort für Wort
svayam ārjya suto vittaṃ pitre dāsyati bandhave
der Sohn, der selbst erworbenes Gut dem Vater, dem Verwandten, geben wird
taṃ tu putraṃ vijānīyād itaro yonikīṭakaḥ
ihn allein soll man als wahren Sohn erkennen; der andere ist nur ein Wurm aus dem väterlichen Schoß
dhanāny ādāya vittāni punar eṣyāmahe gṛham / satyam eva vaṇig vakti sa tu vipraḥ pratārakaḥ //
und, nachdem wir Reichtümer und Güter erworben haben, wieder nach Hause zurückkehren.' Wahrhaftig sprach der Kaufmann, jener Brahmane aber war ein Betrüger.
Wort für Wort
dhanāny ādāya vittāni punar eṣyāmahe gṛham
nachdem wir Reichtümer und Güter erworben haben, wollen wir wieder nach Hause zurückkehren
satyam eva vaṇig vakti sa tu vipraḥ pratārakaḥ
wahrhaftig sprach der Kaufmann, jener Brahmane aber war ein Betrüger
pāpātmā pāpacittaṃ ca na bubodha vaṇig dvijam / tau parasparam āmantrya mātāpitror ajānatoḥ //
Der Kaufmann erkannte den sündigen, von sündigem Sinn erfüllten Brahmanen nicht; die beiden verabredeten sich miteinander, ohne dass ihre Eltern es wussten,
Wort für Wort
pāpātmā pāpacittaṃ ca na bubodha vaṇig dvijam
der Kaufmann erkannte den sündigen, von sündigem Sinn erfüllten Brahmanen nicht
tau parasparam āmantrya mātāpitror ajānatoḥ
die beiden verabredeten sich miteinander, ohne dass ihre Eltern es wussten
nṛtyagītarato nityaṃ paṇyastrībhir alaṃkṛtaḥ / bhokṣye kathaṃ tu tad vittaṃ vaiśyān maddhastam āgatam //
Beständig Tanz und Gesang zugetan, von käuflichen Frauen geschmückt umgeben – wie soll ich jenes Gut genießen, das vom Vaiśya in meine Hand gelangt ist?
Wort für Wort
nṛtyagītarato nityaṃ paṇyastrībhir alaṃkṛtaḥ
beständig Tanz und Gesang zugetan, von käuflichen Frauen geschmückt umgeben
bhokṣye kathaṃ tu tad vittaṃ vaiśyān maddhastam āgatam
wie soll ich jenes Gut genießen, das vom Vaiśya in meine Hand gelangt ist
{brahmovāca:} nety uvāca tato vaiśyaḥ sukhaṃ dharme pratiṣṭhitam / pāpe duḥkhaṃ bhayaṃ śoko dāridryaṃ kleśa eva ca / yato dharmas tato muktiḥ svadharmaḥ kiṃ vinaśyati //
Brahmā sprach: ,Nein', sprach darauf der Vaiśya, ,im Dharma ist das Glück gegründet; in der Sünde liegen Leid, Furcht, Kummer, Armut und Qual. Wo Dharma ist, dort ist Erlösung; wie sollte das eigene Dharma zunichtewerden?'
Wort für Wort
nety uvāca tato vaiśyaḥ sukhaṃ dharme pratiṣṭhitam
nein, sprach darauf der Vaiśya, im Dharma ist das Glück gegründet
pāpe duḥkhaṃ bhayaṃ śoko dāridryaṃ kleśa eva ca
in der Sünde liegen Leid, Furcht, Kummer, Armut und Qual
yato dharmas tato muktiḥ svadharmaḥ kiṃ vinaśyati
wo Dharma ist, dort ist Erlösung; wie sollte das eigene Dharma zunichtewerden
{brahmovāca:} evaṃ vivadatos tatra saṃparāyas tayor abhūt / yasya pakṣo bhavej jyāyān sa parārtham avāpnuyāt //
Brahmā sprach: Während sie so miteinander stritten, entstand zwischen ihnen eine Wette: Wessen Ansicht sich als überlegen erweisen würde, der sollte das Gut des anderen erlangen.
Wort für Wort
evaṃ vivadatos tatra saṃparāyas tayor abhūt
während sie so miteinander stritten, entstand zwischen ihnen eine Wette
yasya pakṣo bhavej jyāyān sa parārtham avāpnuyāt
wessen Ansicht sich als überlegen erweisen würde, der sollte das Gut des anderen erlangen
Wir wollen fragen, wessen Übermacht sich zeigt – des Rechtschaffenen oder des Unrechten. In der Welt gilt das Weltliche mehr als der Veda; aus Dharma entsteht Glück.
Von diesen wird Leid erfahren, die sündigsten Leute sind glücklich.' Bei der Wette wurde alles Gut dem Brahmanen als gewonnen zuerkannt; man teilte es dem Brahmanen mit.
Wort für Wort
tair duḥkham anubhūyate pāpiṣṭhāḥ sukhino janāḥ
von diesen wird Leid erfahren, die sündigsten Leute sind glücklich
saṃparāye dhanaṃ sarvaṃ jitaṃ vipre nyavedayat
bei der Wette wurde alles Gut dem Brahmanen als gewonnen zuerkannt und ihm mitgeteilt
Maṇimān (Maṇikuṇḍala), der Vortrefflichste unter den Dharma-Kennern, pries wiederum den Dharma; der Brahmane sprach zu Maṇimān: ,Was preist du weiter den Dharma?' Brahmā sprach: ,So sei es', sagte darauf der Vaiśya; der Brahmane sprach abermals.
Maṇimān, der Vortrefflichste unter den Dharma-Kennern, pries wiederum den Dharma
maṇimantaṃ dvijaḥ prāha kiṃ dharmam anuśaṃsasi
der Brahmane sprach zu Maṇimān: was preist du weiter den Dharma
tatheti cety āha vaiśyo brāhmaṇaḥ punar abravīt
so sei es, sagte darauf der Vaiśya; der Brahmane sprach abermals
[Anm.: Dreizeiliger Vers im Quelltext mit einer zwischen der zweiten und dritten Zeile eingeschobenen, im Kontext redundanten Sprecherzuweisung {brahmovāca:}.]
Der Brahmane sprach: Von mir ist das Gut gewonnen, o Vaiśya; was redest du schamlos? Von mir allein ist der Dharma besiegt worden, denn ich handle, wie es mir beliebt.
Wort für Wort
jitaṃ mayā dhanaṃ vaiśya nirlajjaḥ kiṃ nu bhāṣase
von mir ist das Gut gewonnen, o Vaiśya; was redest du schamlos
mayaiva vijito dharmo yatheṣṭacaraṇātmanā
von mir allein ist der Dharma besiegt worden, denn ich handle, wie es mir beliebt
Der Vaiśya sprach: Wie taube Körner unter dem Getreide, wie wertlose Ameisenwesen unter den Vögeln, ebenso, o Freund, halte ich jene, bei denen kein Dharma vorhanden ist.
Wort für Wort
pulākā iva dhānyeṣu puttikā iva pakṣiṣu
wie taube Körner unter dem Getreide, wie wertlose Ameisenwesen unter den Vögeln
tathaiva tān sakhe manye yeṣāṃ dharmo na vidyate
ebenso, o Freund, halte ich jene, bei denen kein Dharma vorhanden ist
caturṇāṃ puruṣārthānāṃ dharmaḥ prathama ucyate / paścād arthaś ca kāmaś ca sa dharmo mayi tiṣṭhati / kathaṃ brūṣe dvijaśreṣṭha mayā vijitam ity adaḥ //
Von den vier Lebenszielen des Menschen wird Dharma als das erste genannt, danach Reichtum und Begierde; jener Dharma weilt in mir. Wie kannst du sagen, o vortrefflichster Brahmane, ,von mir ist er besiegt worden'?
Wort für Wort
caturṇāṃ puruṣārthānāṃ dharmaḥ prathama ucyate
von den vier Lebenszielen des Menschen wird Dharma als das erste genannt
paścād arthaś ca kāmaś ca sa dharmo mayi tiṣṭhati
danach Reichtum und Begierde; jener Dharma weilt in mir
kathaṃ brūṣe dvijaśreṣṭha mayā vijitam ity adaḥ
wie kannst du sagen, o vortrefflichster Brahmane, von mir ist er besiegt worden
Brahmā sprach: Der Brahmane sprach wiederum zum Vaiśya: ,Mit den Händen soll die Wette entschieden werden.' ,So sei es', dachte der Vaiśya; die beiden gingen und sprachen wiederum zu den Leuten.
Wie zuvor, zu den weltlichen Leuten gehend, sprach der Brahmane: ,Gewonnen'; er schnitt ihm darauf die Hände ab und sprach: ,Wie hältst du es nun mit dem Dharma?' So vom Brahmanen angegriffen, sprach der Vaiśya folgendes Wort.
Wort für Wort
pūrvaval laukikān gatvā jitam ity abravīd dvijaḥ
wie zuvor, zu den weltlichen Leuten gehend, sprach der Brahmane: gewonnen
karau chittvā tataḥ prāha kathaṃ dharmaṃ tu manyase
er schnitt ihm darauf die Hände ab und sprach: wie hältst du es nun mit dem Dharma
ākṣipto brāhmaṇenaivaṃ vaiśyo vacanam abravīt
so vom Brahmanen angegriffen, sprach der Vaiśya folgendes Wort
{vaiśya uvāca:} dharmam eva paraṃ manye prāṇaiḥ kaṇṭhagatair api / mātā pitā suhṛd bandhur dharma eva śarīriṇām //
Der Vaiśya sprach: Selbst wenn mir der Atem in der Kehle steht, halte ich den Dharma für das Höchste; Mutter, Vater, Freund und Verwandter – das alles ist für die verkörperten Wesen eben der Dharma.
Wort für Wort
dharmam eva paraṃ manye prāṇaiḥ kaṇṭhagatair api
selbst wenn mir der Atem in der Kehle steht, halte ich den Dharma für das Höchste
mātā pitā suhṛd bandhur dharma eva śarīriṇām
Mutter, Vater, Freund und Verwandter – das alles ist für die verkörperten Wesen eben der Dharma
Der Brahmane sprach: Dein Gut ist dahin, deine Hände sind abgeschnitten, übrig bist du nur mit deinen Augen. Wenn du weiterhin anders redest, werde ich dir mit dem Schwert den Kopf abschlagen.
Wort für Wort
gataṃ dhanaṃ karau chinnāv avaśiṣṭo śubhir bhavān
dein Gut ist dahin, deine Hände sind abgeschnitten, übrig bist du nur mit deinen Augen
tvam anyathā yadi brūṣa āhariṣye 'sinā śiraḥ
wenn du weiterhin anders redest, werde ich dir mit dem Schwert den Kopf abschlagen
– wer diese verhöhnt, ist ein Sünder, unberührbar, ein Übeltäter; ein solcher von schlechtem Wandel, sündiger Seele, ein Verderber des Dharma, ist zu übergehen.
Wort für Wort
yas tu nindayate pāpo nāsau spṛśyo 'tha pāpakṛt
wer diese verhöhnt, ist ein Sünder, unberührbar, ein Übeltäter
upekṣaṇīyo durvṛttaḥ pāpātmā dharmadūṣakaḥ
ein solcher von schlechtem Wandel, sündiger Seele, ein Verderber des Dharma, ist zu übergehen
{brahmovāca:} tataḥ prāha sa kopena dharmaṃ yady anuśaṃsasi / āvayoḥ prāṇayor atra paṇaḥ syād iti vai mune //
Brahmā sprach: Darauf sprach er (der Brahmane) im Zorn: ,Wenn du weiterhin den Dharma preist, so soll hierbei um unser beider Leben gewettet werden', o Muni.
Wort für Wort
tataḥ prāha sa kopena dharmaṃ yady anuśaṃsasi
darauf sprach er im Zorn: wenn du weiterhin den Dharma preist
āvayoḥ prāṇayor atra paṇaḥ syād iti vai mune
so soll hierbei um unser beider Leben gewettet werden, o Muni
Der Brahmane sprach: In diesen Zustand bist du geraten, o Vaiśya, durch dein beständiges Preisen des Dharma; dein Gut ist dahin, dein Auge ist dahin, deine Hände sind abgeschnitten. Du bist gefragt worden, mein Freund; ich gehe nun – sprich in Zukunft nicht mehr so.
Wort für Wort
gato 'sīmāṃ daśāṃ vaiśya nityaṃ dharmapraśaṃsayā
in diesen Zustand bist du geraten, o Vaiśya, durch dein beständiges Preisen des Dharma
gataṃ dhanaṃ gataṃ cakṣuś cheditau karapallavau
dein Gut ist dahin, dein Auge ist dahin, deine Hände sind abgeschnitten
pṛṣṭo 'si mitra gacchāmi maivaṃ brūyāḥ kathāntare
du bist gefragt worden, mein Freund; ich gehe nun – sprich in Zukunft nicht mehr so
{brahmovāca:} tasmin prayāte vaiśyo 'sau cintayām āsa cetasi / hā kaṣṭaṃ me kim abhavad dharmaikamanaso hare //
Brahmā sprach: Als jener fortgegangen war, dachte der Vaiśya bei sich: ,Ach, welch Leid ist mir widerfahren, obwohl mein Sinn, o Hari, allein auf den Dharma gerichtet war!'
Wort für Wort
tasmin prayāte vaiśyo 'sau cintayām āsa cetasi
als jener fortgegangen war, dachte der Vaiśya bei sich
hā kaṣṭaṃ me kim abhavad dharmaikamanaso hare
ach, welch Leid ist mir widerfahren, obwohl mein Sinn, o Hari, allein auf den Dharma gerichtet war
Jener Kuṇḍala, der vortrefflichste Kaufmann, mittellos, seiner Arme beraubt, seiner Augen beraubt, verfiel in Kummer, wobei er doch beständig des Dharma gedachte.
Wort für Wort
sa kuṇḍalo vaṇikśreṣṭho nirdhano gatabāhukaḥ
jener Kuṇḍala, der vortrefflichste Kaufmann, mittellos, seiner Arme beraubt
gatanetraḥ śucaṃ prāpto dharmam evānusaṃsmaran
seiner Augen beraubt, verfiel er in Kummer, wobei er doch beständig des Dharma gedachte
vaiśyasya vacanaṃ śrutvā yathāvṛttaṃ sa dharmavit / pitre nivedayām āsa laṅkeśāya mahātmane / sa tu laṅkeśvaraḥ prāha putraṃ prītyā guṇākaram //
Nachdem er des Vaiśya Wort gehört hatte, wie es sich zugetragen hatte, teilte er, der Dharmakundige, es seinem Vater, dem hochherzigen Herrn von Laṅkā, mit; jener Herr von Laṅkā sprach darauf mit Zuneigung zu seinem tugendreichen Sohn:
Wort für Wort
vaiśyasya vacanaṃ śrutvā yathāvṛttaṃ sa dharmavit
nachdem er des Vaiśya Wort gehört hatte, wie es sich zugetragen hatte, er, der Dharmakundige
pitre nivedayām āsa laṅkeśāya mahātmane
teilte es seinem Vater, dem hochherzigen Herrn von Laṅkā, mit
sa tu laṅkeśvaraḥ prāha putraṃ prītyā guṇākaram
jener Herr von Laṅkā sprach darauf mit Zuneigung zu seinem tugendreichen Sohn
{vibhīṣaṇa uvāca:} śrīmān rāmo mama gurus tasya mānyaḥ sakhā mama / hanumān iti vikhyātas tenānīto girir mahān //
Vibhīṣaṇa sprach: Der glückreiche Rāma ist mein Lehrer; dessen verehrter Freund von mir, als ,Hanumān' bekannt, brachte einst einen großen Berg herbei –
Wort für Wort
śrīmān rāmo mama gurus tasya mānyaḥ sakhā mama
der glückreiche Rāma ist mein Lehrer; dessen verehrter Freund von mir
hanumān iti vikhyātas tenānīto girir mahān
als Hanumān bekannt, brachte einst einen großen Berg herbei
– den alle Heilkräuter beherbergenden Berg, als dafür einst die Gelegenheit gekommen war; nachdem die Aufgabe erfüllt war, nahm er ihn mit sich und ging zum Himavat zurück.
Wort für Wort
purā kāryāntare prāpte sarvauṣadhyāśrayo 'calaḥ
den alle Heilkräuter beherbergenden Berg, als dafür einst die Gelegenheit gekommen war
jāte kārye tam ādāya himavantam athāgamat
nachdem die Aufgabe erfüllt war, nahm er ihn mit sich und ging zum Himavat zurück
viśalyakaraṇī ceti mṛtasaṃjīvanīti ca / tadānīya mahābuddhī rāmāyākliṣṭakarmaṇe //
Er, der Hochkluge, hatte damals die Kräuter ,Viśalyakaraṇī' (,die Pfeilspitzen-Entfernerin') und ,Mṛtasañjīvanī' (,die Totenerweckerin') für Rāma, den in seinem Tun Unermüdlichen, herbeigebracht,
Wort für Wort
viśalyakaraṇī ceti mṛtasaṃjīvanīti ca
die Kräuter Viśalyakaraṇī und Mṛtasañjīvanī
tadānīya mahābuddhī rāmāyākliṣṭakarmaṇe
hatte er, der Hochkluge, damals für Rāma, den in seinem Tun Unermüdlichen, herbeigebracht
und nachdem er die Aufgabe vollbracht mitgeteilt hatte, kehrte er, als jenes geschehen war, wieder zurück, nahm den Berg wieder mit sich und kam zum Götterberg.
Wort für Wort
nivedayitvā tat sādhyaṃ tasmin vṛtte samāgataḥ
nachdem er die Aufgabe vollbracht mitgeteilt hatte, kehrte er, als jenes geschehen war, wieder zurück
punar giriṃ samādāya āgacchad devaparvatam
nahm den Berg wieder mit sich und kam zum Götterberg
{vaibhīṣaṇir uvāca:} tām oṣadhīṃ mama pitar darśayāśu vilamba mā / parārtiśamanād anyac chreyo na bhuvanatraye //
Vaibhīṣaṇi sprach: Zeige mir jenes Kraut, mein Vater, unverzüglich, zögere nicht; es gibt in den drei Welten kein größeres Heil als die Linderung fremden Leids.
Wort für Wort
tām oṣadhīṃ mama pitar darśayāśu vilamba mā
zeige mir jenes Kraut, mein Vater, unverzüglich, zögere nicht
parārtiśamanād anyac chreyo na bhuvanatraye
es gibt in den drei Welten kein größeres Heil als die Linderung fremden Leids
Brahmā sprach: ,So sei es', sprach Vibhīṣaṇa und zeigte es auch seinem Sohn; mit den Worten ,für die Opferspeisung' schnitt dessen Sohn einen Zweig jenes Baumes ab, aus Zuneigung auch zum Vaiśya – denn die Guten sind stets dem Wohl anderer zugetan.
Wort für Wort
vibhīṣaṇas tathety uktvā tāṃ putrasyāpy adarśayat
so sei es, sprach Vibhīṣaṇa und zeigte es auch seinem Sohn
iṣe tvety asya vṛkṣasya śākhāṃ ciccheda tatsutaḥ
mit den Worten für die Opferspeisung schnitt dessen Sohn einen Zweig jenes Baumes ab
vaiśyasya cāpi vai prītyā santaḥ parahite ratāḥ
aus Zuneigung auch zum Vaiśya – denn die Guten sind stets dem Wohl anderer zugetan
Vibhīṣaṇa sprach: Wo jener machtvolle Baum auf diesem Berg herabfiel, davon nimm den Zweig und lege ihn ihm ans Herz; sobald er davon nur berührt wird, wird er seine eigene frühere Gestalt wiedererlangen.
Wort für Wort
yatrāpatan nage cāsmin sa vṛkṣas tu pratāpavān
wo jener machtvolle Baum auf diesem Berg herabfiel
tasya śākhāṃ samādāya hṛdaye 'sya niveśaya
davon nimm den Zweig und lege ihn ihm ans Herz
tatspṛṣṭamātra evāsau svakaṃ rūpam avāpnuyāt
sobald er davon nur berührt wird, wird er seine eigene frühere Gestalt wiedererlangen
hṛdaye sa tu vaiśyo 'pi sacakṣuḥ sakaro 'bhavat / maṇimantrauṣadhīnāṃ hi vīryaṃ ko 'pi na budhyate //
An seinem Herzen wurde der Vaiśya wieder mit Augen und Händen versehen; die Kraft von Edelsteinen, Mantras und Heilkräutern nämlich versteht niemand ganz.
Wort für Wort
hṛdaye sa tu vaiśyo 'pi sacakṣuḥ sakaro 'bhavat
an seinem Herzen wurde der Vaiśya wieder mit Augen und Händen versehen
maṇimantrauṣadhīnāṃ hi vīryaṃ ko 'pi na budhyate
die Kraft von Edelsteinen, Mantras und Heilkräutern nämlich versteht niemand ganz
rājyena saha deyeyam iti rājā hy aghoṣayat / aharniśam asau vaiśyaḥ śrutvā ghoṣam athābravīt //
Zusammen mit dem Königreich soll sie gegeben werden' – so ließ der König Tag und Nacht ausrufen. Als der Vaiśya diesen Ausruf gehört hatte, sprach er darauf:
Wort für Wort
rājyena saha deyeyam iti rājā hy aghoṣayat
zusammen mit dem Königreich soll sie gegeben werden – so ließ der König ausrufen
aharniśam asau vaiśyaḥ śrutvā ghoṣam athābravīt
Tag und Nacht; als der Vaiśya diesen Ausruf gehört hatte, sprach er darauf
Brahmā sprach: Man führte den Vaiśya eilends herbei und meldete ihn dem Großkönig; durch die bloße Berührung mit jenem Holzstück erlangte die Königstochter wieder Augen.
Wort für Wort
taṃ vaiśyaṃ tarasādāya mahārājñe nyavedayat
man führte den Vaiśya eilends herbei und meldete ihn dem Großkönig
tatkāṣṭhasparśamātreṇa sanetrābhūn nṛpātmajā
durch die bloße Berührung mit jenem Holzstück erlangte die Königstochter wieder Augen
{vaiśya uvāca:} brāhmaṇānāṃ prasādena dharmasya tapasas tathā / dānaprabhāvād yajñaiś ca vividhair bhūridakṣiṇaiḥ / divyauṣadhiprabhāvena mama sāmarthyam īdṛśam //
Der Vaiśya sprach: Durch die Gnade der Brahmanen, des Dharma und der Askese, durch die Macht der Gabe und durch mannigfache Opfer mit reichlichen Priestergaben, sowie durch die Macht des göttlichen Heilkrauts – daher rührt eine solche Fähigkeit bei mir.
Wort für Wort
brāhmaṇānāṃ prasādena dharmasya tapasas tathā
durch die Gnade der Brahmanen, des Dharma und der Askese
dānaprabhāvād yajñaiś ca vividhair bhūridakṣiṇaiḥ
durch die Macht der Gabe und durch mannigfache Opfer mit reichlichen Priestergaben
divyauṣadhiprabhāvena mama sāmarthyam īdṛśam
sowie durch die Macht des göttlichen Heilkrauts – daher rührt eine solche Fähigkeit bei mir
Der König sprach: Ach, dieser ist von großer Macht, wohl ein göttliches Wesen; wie sollte sonst bei einem anderen eine solche Fähigkeit sichtbar werden? Darum werde ich ihm diese Tochter zusammen mit dem Königreich geben.
Wort für Wort
aho mahānubhāvo 'yaṃ prāyo vṛndārako bhavet
ach, dieser ist von großer Macht, wohl ein göttliches Wesen
anyathaitādṛg anyasya sāmarthyaṃ dṛśyate katham
wie sollte sonst bei einem anderen eine solche Fähigkeit sichtbar werden
tasmād asmai tu tāṃ kanyāṃ pradāsye rājyapūrvikām
darum werde ich ihm diese Tochter zusammen mit dem Königreich geben
Brahmā sprach: So im Geiste beschlossen habend, gab er ihm die Tochter und das Königreich; einst, zum Vergnügen frei umherziehend, geriet er (der neue König) in großen Kummer,
Wort für Wort
iti saṃkalpya manasi kanyāṃ rājyaṃ ca dattavān
so im Geiste beschlossen habend, gab er ihm die Tochter und das Königreich
vihārārthaṃ gataḥ svairaṃ paraṃ khedam upāgataḥ
einst, zum Vergnügen frei umherziehend, geriet er in großen Kummer
etad eva sujātānāṃ lakṣaṇaṃ bhuvi dehinām / kṛpārdraṃ yan mano nityaṃ teṣām apy ahiteṣu hi //
– eben dies ist das Kennzeichen der wohlgeborenen verkörperten Wesen auf Erden: dass ihr Sinn stets von Mitleid durchdrungen ist, sogar gegenüber denen, die ihnen Übles getan haben.
Wort für Wort
etad eva sujātānāṃ lakṣaṇaṃ bhuvi dehinām
eben dies ist das Kennzeichen der wohlgeborenen verkörperten Wesen auf Erden
kṛpārdraṃ yan mano nityaṃ teṣām apy ahiteṣu hi
dass ihr Sinn stets von Mitleid durchdrungen ist, sogar gegenüber denen, die ihnen Übles getan haben
tataḥ prabhṛti tat tīrthaṃ mṛtasaṃjīvanaṃ viduḥ / cakṣustīrthaṃ sayogeśaṃ smaraṇād api puṇyadam / manaḥprasādajananaṃ sarvadurbhāvanāśanam //
Seitdem kennt man jenes Tīrtha als ,Mṛtasañjīvana'; das Cakṣus-Tīrtha, zusammen mit Yogeśa, gewährt allein durch Erinnerung Verdienst, erzeugt Klarheit des Geistes und vernichtet alle bösen Gesinnungen.
Wort für Wort
tataḥ prabhṛti tat tīrthaṃ mṛtasaṃjīvanaṃ viduḥ
seitdem kennt man jenes Tīrtha als Mṛtasañjīvana
cakṣustīrthaṃ sayogeśaṃ smaraṇād api puṇyadam
das Cakṣus-Tīrtha, zusammen mit Yogeśa, gewährt allein durch Erinnerung Verdienst
manaḥprasādajananaṃ sarvadurbhāvanāśanam
es erzeugt Klarheit des Geistes und vernichtet alle bösen Gesinnungen