Quellen der Menschheit

Brahma-Purāṇa

Kapitel 170: cakṣustīrthamṛtasaṃjīvanatīrthamāhātmyavarṇanam Die Größe der Tīrthas Cakṣus und Mṛtasañjīvana (Der Brahmane Gautama, der Kaufmann Maṇikuṇḍala und der Streit um Dharma)

Der habgierige Brahmane Gautama und sein wohlhabender Freund, der Kaufmann Maṇikuṇḍala, ziehen gemeinsam aus, um Reichtum zu erwerben; Gautama plant jedoch, das Vermögen des Freundes an sich zu bringen. In einem eskalierenden Streit darüber, ob Adharma (Gautamas Position) oder Dharma (Maṇikuṇḍalas Position) im Leben siegreich ist, verliert Maṇikuṇḍala nacheinander sein Vermögen, seine Hände und schließlich seine Augen an den Betrüger, bleibt aber unerschütterlich im Dharma. Am Yogeśvara-Tīrtha an der Gautamī findet ihn der zu Besuch weilende Vibhīṣaṇa (Rāvaṇas Bruder) mit seinem Sohn Vaibhīṣaṇi; durch ein Stück des wunderkräftigen Baumes, der aus der von Hanumān einst herbeigebrachten Kräuterberg-Ladung (Viśalyakaraṇī/Mṛtasañjīvanī aus der Rāma-Erzählung) stammt, werden ihm Hände und Augen zurückgegeben. Mit diesem Holzstück heilt der Vaiśya darauf eine blinde Königstochter, erhält sie und das Königreich zur Frau, vergisst aber seinen einstigen, nun verarmten Freund Gautama nicht, den er später ehrenvoll aufnimmt und zur Gaṅgā zur Sündentilgung führt. Beide gelangen schließlich in den Himmel. Ursprung des Cakṣus- (,Augen'-) und Mṛtasañjīvana-Tīrtha, das Verdienst, Geistesklarheit und die Vernichtung böser Gesinnung gewährt.

cakṣustīrtham iti khyātaṃ rūpasaubhāgyadāyakam / yatra yogeśvaro devo gautamyā dakṣiṇe taṭe //

Das als Cakṣus-Tīrtha (,Augen-Tīrtha') bekannte (Tīrtha), das Schönheit und Glück gewährt, wo der Gott Yogeśvara am südlichen Ufer der Gautamī weilt –

Wort für Wort
cakṣustīrtham iti khyātaṃ rūpasaubhāgyadāyakam
das als Cakṣus-Tīrtha bekannte (Tīrtha), das Schönheit und Glück gewährt
yatra yogeśvaro devo gautamyā dakṣiṇe taṭe
wo der Gott Yogeśvara am südlichen Ufer der Gautamī weilt

puraṃ bhauvanam ākhyātaṃ girimūrdhny abhidhīyate / yatrāsau bhauvano rājā kṣatradharmaparāyaṇaḥ //

– dort wird eine Stadt namens Bhauvana auf dem Berggipfel genannt, wo jener König Bhauvana, dem Kṣatriya-Dharma hingegeben, herrschte.

Wort für Wort
puraṃ bhauvanam ākhyātaṃ girimūrdhny abhidhīyate
dort wird eine Stadt namens Bhauvana auf dem Berggipfel genannt
yatrāsau bhauvano rājā kṣatradharmaparāyaṇaḥ
wo jener König Bhauvana, dem Kṣatriya-Dharma hingegeben, herrschte

tasmin puravare kaścid brāhmaṇo vṛddhakauśikaḥ / tatputro gautama iti khyāto vedaviduttamaḥ //

In jener vortrefflichen Stadt lebte ein Brahmane namens Vṛddhakauśika; dessen Sohn, als ,Gautama' bekannt, war der Vortrefflichste der Vedakundigen.

Wort für Wort
tasmin puravare kaścid brāhmaṇo vṛddhakauśikaḥ
in jener vortrefflichen Stadt lebte ein Brahmane namens Vṛddhakauśika
tatputro gautama iti khyāto vedaviduttamaḥ
dessen Sohn, als Gautama bekannt, war der Vortrefflichste der Vedakundigen

tasya mātur manodoṣād viparīto 'bhavad dvijaḥ / sakhā tasya vaṇik kaścin maṇikuṇḍala ucyate //

Durch einen Charakterfehler seiner Mutter wurde der Brahmane in seinem Wesen verkehrt; sein Freund war ein Kaufmann namens Maṇikuṇḍala.

Wort für Wort
tasya mātur manodoṣād viparīto 'bhavad dvijaḥ
durch einen Charakterfehler seiner Mutter wurde der Brahmane in seinem Wesen verkehrt
sakhā tasya vaṇik kaścin maṇikuṇḍala ucyate
sein Freund war ein Kaufmann namens Maṇikuṇḍala

tena sakhyaṃ dvijasyāsīd viṣamaṃ dvijavaiśyayoḥ / śrīmaddaridrayor nityaṃ parasparahitaiṣiṇoḥ //

Mit ihm bestand die Freundschaft des Brahmanen – eine ungleiche Freundschaft zwischen Brahmane und Vaiśya, zwischen dem Reichen und dem Armen, die einander beständig wohlwollten.

Wort für Wort
tena sakhyaṃ dvijasyāsīd viṣamaṃ dvijavaiśyayoḥ
mit ihm bestand die Freundschaft des Brahmanen – eine ungleiche zwischen Brahmane und Vaiśya
śrīmaddaridrayor nityaṃ parasparahitaiṣiṇoḥ
zwischen dem Reichen und dem Armen, die einander beständig wohlwollten

kadācid gautamo vaiśyaṃ vitteśaṃ maṇikuṇḍalam / prāhedaṃ vacanaṃ prītyā rahaḥ sthitvā punaḥ punaḥ //

Einst sprach Gautama zu dem wohlhabenden Vaiśya Maṇikuṇḍala, im Verborgenen stehend, mit Zuneigung, wieder und wieder, folgende Worte:

Wort für Wort
kadācid gautamo vaiśyaṃ vitteśaṃ maṇikuṇḍalam
einst sprach Gautama zu dem wohlhabenden Vaiśya Maṇikuṇḍala
prāhedaṃ vacanaṃ prītyā rahaḥ sthitvā punaḥ punaḥ
im Verborgenen stehend, mit Zuneigung, wieder und wieder, folgende Worte

{gautama uvāca:} gacchāmo dhanam ādātuṃ parvatān udadhīn api / yauvanaṃ tad vṛthā jñeyaṃ vinā saukhyānukūlyataḥ / dhanaṃ vinā tat kathaṃ syād aho dhiṅ nirdhanaṃ naram //

Gautama sprach: Lass uns gehen, um Reichtum zu erwerben, sogar zu Bergen und Ozeanen; die Jugend soll man als vergeblich erkennen, wenn sie nicht dem Glück förderlich ist. Wie sollte dies ohne Reichtum sein? Ach, Schande über den Mittellosen!

Wort für Wort
gacchāmo dhanam ādātuṃ parvatān udadhīn api
lass uns gehen, um Reichtum zu erwerben, sogar zu Bergen und Ozeanen
yauvanaṃ tad vṛthā jñeyaṃ vinā saukhyānukūlyataḥ
die Jugend soll man als vergeblich erkennen, wenn sie nicht dem Glück förderlich ist
dhanaṃ vinā tat kathaṃ syād aho dhiṅ nirdhanaṃ naram
wie sollte dies ohne Reichtum sein? Ach, Schande über den Mittellosen

[Anm.: Dreizeiliger Vers im Quelltext.]

{brahmovāca:} kuṇḍalo dvijam āhedaṃ matpitropārjitaṃ dhanam / bahv asti kiṃ dhanenādya kariṣye dvijasattama / dvijaḥ punar uvācedaṃ maṇikuṇḍalam ojasā //

Brahmā sprach: Kuṇḍala sprach zu dem Brahmanen dies: ,Das von meinem Vater erworbene Vermögen ist reichlich vorhanden; was soll ich heute mit weiterem Reichtum tun, o vortrefflichster Brahmane?' Der Brahmane sprach darauf wieder mit Nachdruck zu Maṇikuṇḍala dies:

Wort für Wort
kuṇḍalo dvijam āhedaṃ matpitropārjitaṃ dhanam
Kuṇḍala sprach zu dem Brahmanen dies: das von meinem Vater erworbene Vermögen
bahv asti kiṃ dhanenādya kariṣye dvijasattama
ist reichlich vorhanden; was soll ich heute mit weiterem Reichtum tun, o vortrefflichster Brahmane
dvijaḥ punar uvācedaṃ maṇikuṇḍalam ojasā
der Brahmane sprach darauf wieder mit Nachdruck zu Maṇikuṇḍala dies

[Anm.: Dreizeiliger Vers im Quelltext.]

{gautama uvāca:} dharmārthajñānakāmānāṃ ko nu tṛptaḥ praśasyate / utkarṣaprāptir evaiṣāṃ sakhe ślāghyā śarīriṇām //

Gautama sprach: Wer, der mit Dharma, Reichtum, Wissen und Begierde zufrieden ist, wird da gepriesen? Nur das Erlangen ihrer Steigerung ist für die verkörperten Wesen preiswürdig, o Freund.

Wort für Wort
dharmārthajñānakāmānāṃ ko nu tṛptaḥ praśasyate
wer, der mit Dharma, Reichtum, Wissen und Begierde zufrieden ist, wird da gepriesen
utkarṣaprāptir evaiṣāṃ sakhe ślāghyā śarīriṇām
nur das Erlangen ihrer Steigerung ist für die verkörperten Wesen preiswürdig, o Freund

svenaiva vyavasāyena dhanyā jīvanti jantavaḥ / paradattārthasaṃtuṣṭāḥ kaṣṭajīvina eva te //

Durch eigenes Bemühen allein leben die Geschöpfe glücklich; jene, die sich mit von anderen gegebenem Gut zufriedengeben, fristen nur ein mühseliges Leben.

Wort für Wort
svenaiva vyavasāyena dhanyā jīvanti jantavaḥ
durch eigenes Bemühen allein leben die Geschöpfe glücklich
paradattārthasaṃtuṣṭāḥ kaṣṭajīvina eva te
jene, die sich mit von anderen gegebenem Gut zufriedengeben, fristen nur ein mühseliges Leben

sa putraḥ śasyate loke pitṛbhiś cābhinandyate / yaḥ paitryam abhilipseta na vācāpi tu kuṇḍala //

Jener Sohn wird in der Welt gepriesen und von den Vätern beglückwünscht, der nicht einmal mit Worten das väterliche Erbe zu erlangen begehrt, o Kuṇḍala.

Wort für Wort
sa putraḥ śasyate loke pitṛbhiś cābhinandyate
jener Sohn wird in der Welt gepriesen und von den Vätern beglückwünscht
yaḥ paitryam abhilipseta na vācāpi tu kuṇḍala
der nicht einmal mit Worten das väterliche Erbe zu erlangen begehrt, o Kuṇḍala

svabāhubalam āśritya yo 'rthān arjayate sutaḥ / sa kṛtārtho bhavel loke paitryaṃ vittaṃ na tu spṛśet //

Wer, auf die Kraft der eigenen Arme gestützt, als Sohn Reichtum erwirbt, der hat sein Ziel in der Welt erreicht; das väterliche Gut aber soll er nicht berühren.

Wort für Wort
svabāhubalam āśritya yo 'rthān arjayate sutaḥ
wer, auf die Kraft der eigenen Arme gestützt, als Sohn Reichtum erwirbt
sa kṛtārtho bhavel loke paitryaṃ vittaṃ na tu spṛśet
der hat sein Ziel in der Welt erreicht; das väterliche Gut aber soll er nicht berühren

svayam ārjya suto vittaṃ pitre dāsyati bandhave / taṃ tu putraṃ vijānīyād itaro yonikīṭakaḥ //

Der Sohn, der selbst erworbenes Gut dem Vater, dem Verwandten, geben wird – ihn allein soll man als wahren Sohn erkennen; der andere ist nur ein Wurm aus dem väterlichen Schoß.

Wort für Wort
svayam ārjya suto vittaṃ pitre dāsyati bandhave
der Sohn, der selbst erworbenes Gut dem Vater, dem Verwandten, geben wird
taṃ tu putraṃ vijānīyād itaro yonikīṭakaḥ
ihn allein soll man als wahren Sohn erkennen; der andere ist nur ein Wurm aus dem väterlichen Schoß

{brahmovāca:} etac chrutvā tu tad vākyaṃ brāhmaṇasyābhilāṣiṇaḥ / tatheti matvā tadvākyaṃ ratnāny ādāya satvaraḥ //

Brahmā sprach: Dieses Wort des begehrlichen Brahmanen gehört habend, dachte er ,So sei es' über jenes Wort, nahm eilig Juwelen

Wort für Wort
etac chrutvā tu tad vākyaṃ brāhmaṇasyābhilāṣiṇaḥ
dieses Wort des begehrlichen Brahmanen gehört habend
tatheti matvā tadvākyaṃ ratnāny ādāya satvaraḥ
dachte er so sei es über jenes Wort, nahm eilig Juwelen

ātmakīyāni vittāni gautamāya nyavedayat / dhanenaitena deśāṃś ca paribhramya yathāsukham //

und übergab dem Gautama seine eigenen Güter; (er dachte:) ,Mit diesem Reichtum wollen wir Länder durchwandern, wie es beliebt,

Wort für Wort
ātmakīyāni vittāni gautamāya nyavedayat
und übergab dem Gautama seine eigenen Güter
dhanenaitena deśāṃś ca paribhramya yathāsukham
mit diesem Reichtum wollen wir Länder durchwandern, wie es beliebt

dhanāny ādāya vittāni punar eṣyāmahe gṛham / satyam eva vaṇig vakti sa tu vipraḥ pratārakaḥ //

und, nachdem wir Reichtümer und Güter erworben haben, wieder nach Hause zurückkehren.' Wahrhaftig sprach der Kaufmann, jener Brahmane aber war ein Betrüger.

Wort für Wort
dhanāny ādāya vittāni punar eṣyāmahe gṛham
nachdem wir Reichtümer und Güter erworben haben, wollen wir wieder nach Hause zurückkehren
satyam eva vaṇig vakti sa tu vipraḥ pratārakaḥ
wahrhaftig sprach der Kaufmann, jener Brahmane aber war ein Betrüger

pāpātmā pāpacittaṃ ca na bubodha vaṇig dvijam / tau parasparam āmantrya mātāpitror ajānatoḥ //

Der Kaufmann erkannte den sündigen, von sündigem Sinn erfüllten Brahmanen nicht; die beiden verabredeten sich miteinander, ohne dass ihre Eltern es wussten,

Wort für Wort
pāpātmā pāpacittaṃ ca na bubodha vaṇig dvijam
der Kaufmann erkannte den sündigen, von sündigem Sinn erfüllten Brahmanen nicht
tau parasparam āmantrya mātāpitror ajānatoḥ
die beiden verabredeten sich miteinander, ohne dass ihre Eltern es wussten

deśād deśāntaraṃ yātau dhanārthaṃ tau vaṇigdvijau / vaṇigghastasthitaṃ vittaṃ brāhmaṇo hartum icchati //

und zogen, Kaufmann und Brahmane, von Land zu Land um des Reichtums willen; der Brahmane wollte das in der Hand des Kaufmanns befindliche Gut rauben.

Wort für Wort
deśād deśāntaraṃ yātau dhanārthaṃ tau vaṇigdvijau
und zogen, Kaufmann und Brahmane, von Land zu Land um des Reichtums willen
vaṇigghastasthitaṃ vittaṃ brāhmaṇo hartum icchati
der Brahmane wollte das in der Hand des Kaufmanns befindliche Gut rauben

{brāhmaṇa uvāca:} yena kenāpy upāyena tad dhanaṃ hi samāhare / aho pṛthivyāṃ ramyāṇi nagarāṇi sahasraśaḥ //

Der Brahmane sprach: Auf welche Weise auch immer will ich mir jenes Gut aneignen. Ach, auf Erden gibt es zu Tausenden reizvolle Städte,

Wort für Wort
yena kenāpy upāyena tad dhanaṃ hi samāhare
auf welche Weise auch immer will ich mir jenes Gut aneignen
aho pṛthivyāṃ ramyāṇi nagarāṇi sahasraśaḥ
ach, auf Erden gibt es zu Tausenden reizvolle Städte

iṣṭapradātryaḥ kāmasya devatā iva yoṣitaḥ / manoharās tatra tatra santi kiṃ kriyate mayā //

mit Frauen, die die Wünsche der Begierde erfüllen wie Göttinnen, herzerfreuend, dort und dort vorhanden – was soll ich anderes tun?

Wort für Wort
iṣṭapradātryaḥ kāmasya devatā iva yoṣitaḥ
mit Frauen, die die Wünsche der Begierde erfüllen wie Göttinnen
manoharās tatra tatra santi kiṃ kriyate mayā
herzerfreuend, dort und dort vorhanden – was soll ich anderes tun

dhanam āhṛtya yatnena yoṣidbhyo yadi dīyate / bhujyante tās tato nityaṃ saphalaṃ jīvitaṃ hi tat //

Wenn das mit Mühe erworbene Gut den Frauen gegeben wird, dann werden sie beständig genossen, und das Leben ist dann fruchtbringend.

Wort für Wort
dhanam āhṛtya yatnena yoṣidbhyo yadi dīyate
wenn das mit Mühe erworbene Gut den Frauen gegeben wird
bhujyante tās tato nityaṃ saphalaṃ jīvitaṃ hi tat
dann werden sie beständig genossen, und das Leben ist dann fruchtbringend

nṛtyagītarato nityaṃ paṇyastrībhir alaṃkṛtaḥ / bhokṣye kathaṃ tu tad vittaṃ vaiśyān maddhastam āgatam //

Beständig Tanz und Gesang zugetan, von käuflichen Frauen geschmückt umgeben – wie soll ich jenes Gut genießen, das vom Vaiśya in meine Hand gelangt ist?

Wort für Wort
nṛtyagītarato nityaṃ paṇyastrībhir alaṃkṛtaḥ
beständig Tanz und Gesang zugetan, von käuflichen Frauen geschmückt umgeben
bhokṣye kathaṃ tu tad vittaṃ vaiśyān maddhastam āgatam
wie soll ich jenes Gut genießen, das vom Vaiśya in meine Hand gelangt ist

{brahmovāca:} evaṃ cintayamāno 'sau gautamaḥ prahasann iva / maṇikuṇḍalam āhedam adharmād eva jantavaḥ //

Brahmā sprach: So überlegend, sprach jener Gautama wie lachend zu Maṇikuṇḍala dies: ,Nur durch Unrecht erlangen die Geschöpfe —

Wort für Wort
evaṃ cintayamāno 'sau gautamaḥ prahasann iva
so überlegend, sprach jener Gautama wie lachend
maṇikuṇḍalam āhedam adharmād eva jantavaḥ
zu Maṇikuṇḍala dies: nur durch Unrecht erlangen die Geschöpfe

vṛddhiṃ sukham abhīṣṭāni prāpnuvanti na saṃśayaḥ / dharmiṣṭhāḥ prāṇino loke dṛśyante duḥkhabhāginaḥ //

— Zuwachs, Glück und das Ersehnte, ohne Zweifel; die rechtschaffenen Lebewesen sieht man in der Welt nur als Leidgenossen.'

Wort für Wort
vṛddhiṃ sukham abhīṣṭāni prāpnuvanti na saṃśayaḥ
Zuwachs, Glück und das Ersehnte, ohne Zweifel
dharmiṣṭhāḥ prāṇino loke dṛśyante duḥkhabhāginaḥ
die rechtschaffenen Lebewesen sieht man in der Welt nur als Leidgenossen

tasmād dharmeṇa kiṃ tena duḥkhaikaphalahetunā //*

Was nützt darum jenes Dharma, das allein Leid zur Frucht hat?

Wort für Wort
tasmād dharmeṇa kiṃ tena
was nützt darum jenes Dharma
duḥkhaikaphalahetunā
das allein Leid zur Frucht hat

[Anm.: Im Quelltext nur eine Zeile, mit * als unvollständiger Halbvers markiert; für die wfw-Darstellung in zwei Sinnabschnitte geteilt.]

{brahmovāca:} nety uvāca tato vaiśyaḥ sukhaṃ dharme pratiṣṭhitam / pāpe duḥkhaṃ bhayaṃ śoko dāridryaṃ kleśa eva ca / yato dharmas tato muktiḥ svadharmaḥ kiṃ vinaśyati //

Brahmā sprach: ,Nein', sprach darauf der Vaiśya, ,im Dharma ist das Glück gegründet; in der Sünde liegen Leid, Furcht, Kummer, Armut und Qual. Wo Dharma ist, dort ist Erlösung; wie sollte das eigene Dharma zunichtewerden?'

Wort für Wort
nety uvāca tato vaiśyaḥ sukhaṃ dharme pratiṣṭhitam
nein, sprach darauf der Vaiśya, im Dharma ist das Glück gegründet
pāpe duḥkhaṃ bhayaṃ śoko dāridryaṃ kleśa eva ca
in der Sünde liegen Leid, Furcht, Kummer, Armut und Qual
yato dharmas tato muktiḥ svadharmaḥ kiṃ vinaśyati
wo Dharma ist, dort ist Erlösung; wie sollte das eigene Dharma zunichtewerden

[Anm.: Dreizeiliger Vers im Quelltext.]

{brahmovāca:} evaṃ vivadatos tatra saṃparāyas tayor abhūt / yasya pakṣo bhavej jyāyān sa parārtham avāpnuyāt //

Brahmā sprach: Während sie so miteinander stritten, entstand zwischen ihnen eine Wette: Wessen Ansicht sich als überlegen erweisen würde, der sollte das Gut des anderen erlangen.

Wort für Wort
evaṃ vivadatos tatra saṃparāyas tayor abhūt
während sie so miteinander stritten, entstand zwischen ihnen eine Wette
yasya pakṣo bhavej jyāyān sa parārtham avāpnuyāt
wessen Ansicht sich als überlegen erweisen würde, der sollte das Gut des anderen erlangen

pṛcchāvaḥ kasya prābalyaṃ dharmiṇo vāpy adharmiṇaḥ / vedāt tu laukikaṃ jyeṣṭhaṃ loke dharmāt sukhaṃ bhavet //

Wir wollen fragen, wessen Übermacht sich zeigt – des Rechtschaffenen oder des Unrechten. In der Welt gilt das Weltliche mehr als der Veda; aus Dharma entsteht Glück.

Wort für Wort
pṛcchāvaḥ kasya prābalyaṃ dharmiṇo vāpy adharmiṇaḥ
wir wollen fragen, wessen Übermacht sich zeigt – des Rechtschaffenen oder des Unrechten
vedāt tu laukikaṃ jyeṣṭhaṃ loke dharmāt sukhaṃ bhavet
in der Welt gilt das Weltliche mehr als der Veda; aus Dharma entsteht Glück

evaṃ vivadamānau tāv ūcatuḥ sakalāñ janān / dharmasya vāpy adharmasya prābalyam anayor bhuvi //

So miteinander streitend, sprachen die beiden zu allen Leuten und fragten nach der Übermacht des Dharma oder des Adharma bei diesen beiden auf Erden.

Wort für Wort
evaṃ vivadamānau tāv ūcatuḥ sakalāñ janān
so miteinander streitend, sprachen die beiden zu allen Leuten
dharmasya vāpy adharmasya prābalyam anayor bhuvi
und fragten nach der Übermacht des Dharma oder des Adharma bei diesen beiden auf Erden

tad vadantu yathāvṛttam evam ūcatur ojasā / evaṃ tatrocire kecid ye dharmeṇānuvartinaḥ //

Das sollen sie der Wahrheit gemäß sagen' – so sprachen sie nachdrücklich. Da sagten manche dort, die dem Dharma folgen:

Wort für Wort
tad vadantu yathāvṛttam evam ūcatur ojasā
das sollen sie der Wahrheit gemäß sagen – so sprachen sie nachdrücklich
evaṃ tatrocire kecid ye dharmeṇānuvartinaḥ
da sagten manche dort, die dem Dharma folgen

tair duḥkham anubhūyate pāpiṣṭhāḥ sukhino janāḥ / saṃparāye dhanaṃ sarvaṃ jitaṃ vipre nyavedayat //

Von diesen wird Leid erfahren, die sündigsten Leute sind glücklich.' Bei der Wette wurde alles Gut dem Brahmanen als gewonnen zuerkannt; man teilte es dem Brahmanen mit.

Wort für Wort
tair duḥkham anubhūyate pāpiṣṭhāḥ sukhino janāḥ
von diesen wird Leid erfahren, die sündigsten Leute sind glücklich
saṃparāye dhanaṃ sarvaṃ jitaṃ vipre nyavedayat
bei der Wette wurde alles Gut dem Brahmanen als gewonnen zuerkannt und ihm mitgeteilt

maṇimān dharmavicchreṣṭhaḥ punar dharmaṃ praśaṃsati / maṇimantaṃ dvijaḥ prāha kiṃ dharmam anuśaṃsasi / {brahmovāca:} tatheti cety āha vaiśyo brāhmaṇaḥ punar abravīt //

Maṇimān (Maṇikuṇḍala), der Vortrefflichste unter den Dharma-Kennern, pries wiederum den Dharma; der Brahmane sprach zu Maṇimān: ,Was preist du weiter den Dharma?' Brahmā sprach: ,So sei es', sagte darauf der Vaiśya; der Brahmane sprach abermals.

Wort für Wort
maṇimān dharmavicchreṣṭhaḥ punar dharmaṃ praśaṃsati
Maṇimān, der Vortrefflichste unter den Dharma-Kennern, pries wiederum den Dharma
maṇimantaṃ dvijaḥ prāha kiṃ dharmam anuśaṃsasi
der Brahmane sprach zu Maṇimān: was preist du weiter den Dharma
tatheti cety āha vaiśyo brāhmaṇaḥ punar abravīt
so sei es, sagte darauf der Vaiśya; der Brahmane sprach abermals

[Anm.: Dreizeiliger Vers im Quelltext mit einer zwischen der zweiten und dritten Zeile eingeschobenen, im Kontext redundanten Sprecherzuweisung {brahmovāca:}.]

{brāhmaṇa uvāca:} jitaṃ mayā dhanaṃ vaiśya nirlajjaḥ kiṃ nu bhāṣase / mayaiva vijito dharmo yatheṣṭacaraṇātmanā //

Der Brahmane sprach: Von mir ist das Gut gewonnen, o Vaiśya; was redest du schamlos? Von mir allein ist der Dharma besiegt worden, denn ich handle, wie es mir beliebt.

Wort für Wort
jitaṃ mayā dhanaṃ vaiśya nirlajjaḥ kiṃ nu bhāṣase
von mir ist das Gut gewonnen, o Vaiśya; was redest du schamlos
mayaiva vijito dharmo yatheṣṭacaraṇātmanā
von mir allein ist der Dharma besiegt worden, denn ich handle, wie es mir beliebt

{brahmovāca:} tad brāhmaṇavacaḥ śrutvā vaiśyaḥ sasmita ūcivān //*

Brahmā sprach: Dieses Wort des Brahmanen gehört habend, sprach der Vaiśya lächelnd.

Wort für Wort
tad brāhmaṇavacaḥ śrutvā
dieses Wort des Brahmanen gehört habend
vaiśyaḥ sasmita ūcivān
sprach der Vaiśya lächelnd

[Anm.: Im Quelltext nur eine Zeile, mit * als unvollständiger Halbvers markiert; für die wfw-Darstellung in zwei Sinnabschnitte geteilt.]

{vaiśya uvāca:} pulākā iva dhānyeṣu puttikā iva pakṣiṣu / tathaiva tān sakhe manye yeṣāṃ dharmo na vidyate //

Der Vaiśya sprach: Wie taube Körner unter dem Getreide, wie wertlose Ameisenwesen unter den Vögeln, ebenso, o Freund, halte ich jene, bei denen kein Dharma vorhanden ist.

Wort für Wort
pulākā iva dhānyeṣu puttikā iva pakṣiṣu
wie taube Körner unter dem Getreide, wie wertlose Ameisenwesen unter den Vögeln
tathaiva tān sakhe manye yeṣāṃ dharmo na vidyate
ebenso, o Freund, halte ich jene, bei denen kein Dharma vorhanden ist

caturṇāṃ puruṣārthānāṃ dharmaḥ prathama ucyate / paścād arthaś ca kāmaś ca sa dharmo mayi tiṣṭhati / kathaṃ brūṣe dvijaśreṣṭha mayā vijitam ity adaḥ //

Von den vier Lebenszielen des Menschen wird Dharma als das erste genannt, danach Reichtum und Begierde; jener Dharma weilt in mir. Wie kannst du sagen, o vortrefflichster Brahmane, ,von mir ist er besiegt worden'?

Wort für Wort
caturṇāṃ puruṣārthānāṃ dharmaḥ prathama ucyate
von den vier Lebenszielen des Menschen wird Dharma als das erste genannt
paścād arthaś ca kāmaś ca sa dharmo mayi tiṣṭhati
danach Reichtum und Begierde; jener Dharma weilt in mir
kathaṃ brūṣe dvijaśreṣṭha mayā vijitam ity adaḥ
wie kannst du sagen, o vortrefflichster Brahmane, von mir ist er besiegt worden

[Anm.: Dreizeiliger Vers im Quelltext.]

{brahmovāca:} dvijo vaiśyaṃ punaḥ prāha hastābhyāṃ jāyatāṃ paṇaḥ / tatheti manyate vaiśyas tau gatvā punar ūcatuḥ //

Brahmā sprach: Der Brahmane sprach wiederum zum Vaiśya: ,Mit den Händen soll die Wette entschieden werden.' ,So sei es', dachte der Vaiśya; die beiden gingen und sprachen wiederum zu den Leuten.

Wort für Wort
dvijo vaiśyaṃ punaḥ prāha hastābhyāṃ jāyatāṃ paṇaḥ
der Brahmane sprach wiederum zum Vaiśya: mit den Händen soll die Wette entschieden werden
tatheti manyate vaiśyas tau gatvā punar ūcatuḥ
so sei es, dachte der Vaiśya; die beiden gingen und sprachen wiederum

pūrvaval laukikān gatvā jitam ity abravīd dvijaḥ / karau chittvā tataḥ prāha kathaṃ dharmaṃ tu manyase / ākṣipto brāhmaṇenaivaṃ vaiśyo vacanam abravīt //

Wie zuvor, zu den weltlichen Leuten gehend, sprach der Brahmane: ,Gewonnen'; er schnitt ihm darauf die Hände ab und sprach: ,Wie hältst du es nun mit dem Dharma?' So vom Brahmanen angegriffen, sprach der Vaiśya folgendes Wort.

Wort für Wort
pūrvaval laukikān gatvā jitam ity abravīd dvijaḥ
wie zuvor, zu den weltlichen Leuten gehend, sprach der Brahmane: gewonnen
karau chittvā tataḥ prāha kathaṃ dharmaṃ tu manyase
er schnitt ihm darauf die Hände ab und sprach: wie hältst du es nun mit dem Dharma
ākṣipto brāhmaṇenaivaṃ vaiśyo vacanam abravīt
so vom Brahmanen angegriffen, sprach der Vaiśya folgendes Wort

[Anm.: Dreizeiliger Vers im Quelltext.]

{vaiśya uvāca:} dharmam eva paraṃ manye prāṇaiḥ kaṇṭhagatair api / mātā pitā suhṛd bandhur dharma eva śarīriṇām //

Der Vaiśya sprach: Selbst wenn mir der Atem in der Kehle steht, halte ich den Dharma für das Höchste; Mutter, Vater, Freund und Verwandter – das alles ist für die verkörperten Wesen eben der Dharma.

Wort für Wort
dharmam eva paraṃ manye prāṇaiḥ kaṇṭhagatair api
selbst wenn mir der Atem in der Kehle steht, halte ich den Dharma für das Höchste
mātā pitā suhṛd bandhur dharma eva śarīriṇām
Mutter, Vater, Freund und Verwandter – das alles ist für die verkörperten Wesen eben der Dharma

{brahmovāca:} evaṃ vivadamānau tāv arthavān brāhmaṇo 'bhavat / vimukto vaiśyakas tatra bāhubhyāṃ ca dhanena ca //

Brahmā sprach: Während die beiden so stritten, wurde der Brahmane wohlhabend; der Vaiśya wurde dabei seiner Arme und seines Reichtums beraubt.

Wort für Wort
evaṃ vivadamānau tāv arthavān brāhmaṇo 'bhavat
während die beiden so stritten, wurde der Brahmane wohlhabend
vimukto vaiśyakas tatra bāhubhyāṃ ca dhanena ca
der Vaiśya wurde dabei seiner Arme und seines Reichtums beraubt

evaṃ bhramantau saṃprāptau gaṅgāṃ yogeśvaraṃ harim / yadṛcchayā muniśreṣṭha mithas tāv ūcatuḥ punaḥ //

So umherwandernd, gelangten die beiden zur Gaṅgā, zum Ort Yogeśvara-Hari, o vortrefflichster Muni, durch Zufall; wiederum sprachen sie miteinander.

Wort für Wort
evaṃ bhramantau saṃprāptau gaṅgāṃ yogeśvaraṃ harim
so umherwandernd, gelangten die beiden zur Gaṅgā, zum Ort Yogeśvara-Hari
yadṛcchayā muniśreṣṭha mithas tāv ūcatuḥ punaḥ
durch Zufall, o vortrefflichster Muni; wiederum sprachen sie miteinander

vaiśyo gaṅgāṃ tu yogeśaṃ dharmam eva praśaṃsati / atikopād dvijo vaiśyam ākṣipan punar abravīt //

Der Vaiśya pries an der Gaṅgā, bei Yogeśa, eben den Dharma; aus übergroßem Zorn griff der Brahmane den Vaiśya an und sprach wiederum:

Wort für Wort
vaiśyo gaṅgāṃ tu yogeśaṃ dharmam eva praśaṃsati
der Vaiśya pries an der Gaṅgā, bei Yogeśa, eben den Dharma
atikopād dvijo vaiśyam ākṣipan punar abravīt
aus übergroßem Zorn griff der Brahmane den Vaiśya an und sprach wiederum

{brāhmaṇa uvāca:} gataṃ dhanaṃ karau chinnāv avaśiṣṭo śubhir bhavān / tvam anyathā yadi brūṣa āhariṣye 'sinā śiraḥ //

Der Brahmane sprach: Dein Gut ist dahin, deine Hände sind abgeschnitten, übrig bist du nur mit deinen Augen. Wenn du weiterhin anders redest, werde ich dir mit dem Schwert den Kopf abschlagen.

Wort für Wort
gataṃ dhanaṃ karau chinnāv avaśiṣṭo śubhir bhavān
dein Gut ist dahin, deine Hände sind abgeschnitten, übrig bist du nur mit deinen Augen
tvam anyathā yadi brūṣa āhariṣye 'sinā śiraḥ
wenn du weiterhin anders redest, werde ich dir mit dem Schwert den Kopf abschlagen

{brahmovāca:} vihasya punar āhedaṃ vaiśyo gautamam añjasā //*

Brahmā sprach: Lachend sprach der Vaiśya wiederum unverzüglich zu Gautama dies.

Wort für Wort
vihasya punar āhedaṃ
lachend sprach wiederum dies
vaiśyo gautamam añjasā
der Vaiśya zu Gautama, unverzüglich

[Anm.: Im Quelltext nur eine Zeile, mit * als unvollständiger Halbvers markiert; für die wfw-Darstellung in zwei Sinnabschnitte geteilt.]

{vaiśya uvāca:} dharmam eva paraṃ manye yathecchasi tathā kuru / brāhmaṇāṃś ca gurūn devān vedān dharmaṃ janārdanam //

Der Vaiśya sprach: Ich halte allein den Dharma für das Höchste; tu, wie es dir beliebt. Brahmanen, Lehrer, Götter, Veden, Dharma, Janārdana —

Wort für Wort
dharmam eva paraṃ manye yathecchasi tathā kuru
ich halte allein den Dharma für das Höchste; tu, wie es dir beliebt
brāhmaṇāṃś ca gurūn devān vedān dharmaṃ janārdanam
Brahmanen, Lehrer, Götter, Veden, Dharma, Janārdana

yas tu nindayate pāpo nāsau spṛśyo 'tha pāpakṛt / upekṣaṇīyo durvṛttaḥ pāpātmā dharmadūṣakaḥ //

– wer diese verhöhnt, ist ein Sünder, unberührbar, ein Übeltäter; ein solcher von schlechtem Wandel, sündiger Seele, ein Verderber des Dharma, ist zu übergehen.

Wort für Wort
yas tu nindayate pāpo nāsau spṛśyo 'tha pāpakṛt
wer diese verhöhnt, ist ein Sünder, unberührbar, ein Übeltäter
upekṣaṇīyo durvṛttaḥ pāpātmā dharmadūṣakaḥ
ein solcher von schlechtem Wandel, sündiger Seele, ein Verderber des Dharma, ist zu übergehen

{brahmovāca:} tataḥ prāha sa kopena dharmaṃ yady anuśaṃsasi / āvayoḥ prāṇayor atra paṇaḥ syād iti vai mune //

Brahmā sprach: Darauf sprach er (der Brahmane) im Zorn: ,Wenn du weiterhin den Dharma preist, so soll hierbei um unser beider Leben gewettet werden', o Muni.

Wort für Wort
tataḥ prāha sa kopena dharmaṃ yady anuśaṃsasi
darauf sprach er im Zorn: wenn du weiterhin den Dharma preist
āvayoḥ prāṇayor atra paṇaḥ syād iti vai mune
so soll hierbei um unser beider Leben gewettet werden, o Muni

evam ukte gautamena tathety āha vaṇik tadā / punar apy ūcatur ubhau lokāṃl lokās tathocire //

Als Gautama dies gesagt hatte, sprach der Kaufmann darauf: ,So sei es.' Wiederum sprachen die beiden zu den Leuten, und die Leute antworteten ebenso.

Wort für Wort
evam ukte gautamena tathety āha vaṇik tadā
als Gautama dies gesagt hatte, sprach der Kaufmann darauf: so sei es
punar apy ūcatur ubhau lokāṃl lokās tathocire
wiederum sprachen die beiden zu den Leuten, und die Leute antworteten ebenso

yogeśvarasya purato gautamyā dakṣiṇe taṭe / taṃ nipātya viśaṃ vipraś cakṣur utpāṭya cābravīt //

Vor Yogeśvara, am südlichen Ufer der Gautamī, warf der Brahmane ihn zu Boden, riss ihm die Augen aus und sprach:

Wort für Wort
yogeśvarasya purato gautamyā dakṣiṇe taṭe
vor Yogeśvara, am südlichen Ufer der Gautamī
taṃ nipātya viśaṃ vipraś cakṣur utpāṭya cābravīt
warf der Brahmane ihn zu Boden, riss ihm die Augen aus und sprach

{vipra uvāca:} gato 'sīmāṃ daśāṃ vaiśya nityaṃ dharmapraśaṃsayā / gataṃ dhanaṃ gataṃ cakṣuś cheditau karapallavau / pṛṣṭo 'si mitra gacchāmi maivaṃ brūyāḥ kathāntare //

Der Brahmane sprach: In diesen Zustand bist du geraten, o Vaiśya, durch dein beständiges Preisen des Dharma; dein Gut ist dahin, dein Auge ist dahin, deine Hände sind abgeschnitten. Du bist gefragt worden, mein Freund; ich gehe nun – sprich in Zukunft nicht mehr so.

Wort für Wort
gato 'sīmāṃ daśāṃ vaiśya nityaṃ dharmapraśaṃsayā
in diesen Zustand bist du geraten, o Vaiśya, durch dein beständiges Preisen des Dharma
gataṃ dhanaṃ gataṃ cakṣuś cheditau karapallavau
dein Gut ist dahin, dein Auge ist dahin, deine Hände sind abgeschnitten
pṛṣṭo 'si mitra gacchāmi maivaṃ brūyāḥ kathāntare
du bist gefragt worden, mein Freund; ich gehe nun – sprich in Zukunft nicht mehr so

[Anm.: Dreizeiliger Vers im Quelltext.]

{brahmovāca:} tasmin prayāte vaiśyo 'sau cintayām āsa cetasi / hā kaṣṭaṃ me kim abhavad dharmaikamanaso hare //

Brahmā sprach: Als jener fortgegangen war, dachte der Vaiśya bei sich: ,Ach, welch Leid ist mir widerfahren, obwohl mein Sinn, o Hari, allein auf den Dharma gerichtet war!'

Wort für Wort
tasmin prayāte vaiśyo 'sau cintayām āsa cetasi
als jener fortgegangen war, dachte der Vaiśya bei sich
hā kaṣṭaṃ me kim abhavad dharmaikamanaso hare
ach, welch Leid ist mir widerfahren, obwohl mein Sinn, o Hari, allein auf den Dharma gerichtet war

sa kuṇḍalo vaṇikśreṣṭho nirdhano gatabāhukaḥ / gatanetraḥ śucaṃ prāpto dharmam evānusaṃsmaran //

Jener Kuṇḍala, der vortrefflichste Kaufmann, mittellos, seiner Arme beraubt, seiner Augen beraubt, verfiel in Kummer, wobei er doch beständig des Dharma gedachte.

Wort für Wort
sa kuṇḍalo vaṇikśreṣṭho nirdhano gatabāhukaḥ
jener Kuṇḍala, der vortrefflichste Kaufmann, mittellos, seiner Arme beraubt
gatanetraḥ śucaṃ prāpto dharmam evānusaṃsmaran
seiner Augen beraubt, verfiel er in Kummer, wobei er doch beständig des Dharma gedachte

evaṃ bahuvidhāṃ cintāṃ kurvann āste mahītale / niśceṣṭo 'tha nirutsāhaḥ patitaḥ śokasāgare //

So mancherlei Gedanken hegend, blieb er auf dem Erdboden liegen, regungslos, ohne Tatkraft, in den Ozean des Kummers gestürzt.

Wort für Wort
evaṃ bahuvidhāṃ cintāṃ kurvann āste mahītale
so mancherlei Gedanken hegend, blieb er auf dem Erdboden liegen
niśceṣṭo 'tha nirutsāhaḥ patitaḥ śokasāgare
regungslos, ohne Tatkraft, in den Ozean des Kummers gestürzt

dināvasāne śarvaryām udite candramaṇḍale / ekādaśyāṃ śuklapakṣe tatrāyāti vibhīṣaṇaḥ //

Am Ende des Tages, als in der Nacht die Mondscheibe aufgegangen war, am elften Tag der hellen Monatshälfte, kam dorthin Vibhīṣaṇa.

Wort für Wort
dināvasāne śarvaryām udite candramaṇḍale
am Ende des Tages, als in der Nacht die Mondscheibe aufgegangen war
ekādaśyāṃ śuklapakṣe tatrāyāti vibhīṣaṇaḥ
am elften Tag der hellen Monatshälfte, kam dorthin Vibhīṣaṇa

sa tu yogeśvaraṃ devaṃ pūjayitvā yathāvidhi / snātvā tu gautamīṃ gaṅgāṃ saputro rākṣasair vṛtaḥ //

Er, nachdem er den Gott Yogeśvara vorschriftsmäßig verehrt und in der Gaṅgā Gautamī gebadet hatte, mit seinem Sohn, von Rākṣasas umgeben,

Wort für Wort
sa tu yogeśvaraṃ devaṃ pūjayitvā yathāvidhi
er, nachdem er den Gott Yogeśvara vorschriftsmäßig verehrt hatte
snātvā tu gautamīṃ gaṅgāṃ saputro rākṣasair vṛtaḥ
und in der Gaṅgā Gautamī gebadet hatte, mit seinem Sohn, von Rākṣasas umgeben

vibhīṣaṇasya hi suto vibhīṣaṇa ivāparaḥ / vaibhīṣaṇir iti khyātas tam apaśyad uvāca ha //

– Vibhīṣaṇas Sohn nämlich, wie ein zweiter Vibhīṣaṇa, als ,Vaibhīṣaṇi' bekannt, erblickte ihn (den Vaiśya) und sprach:

Wort für Wort
vibhīṣaṇasya hi suto vibhīṣaṇa ivāparaḥ
Vibhīṣaṇas Sohn nämlich, wie ein zweiter Vibhīṣaṇa
vaibhīṣaṇir iti khyātas tam apaśyad uvāca ha
als Vaibhīṣaṇi bekannt, erblickte ihn und sprach

vaiśyasya vacanaṃ śrutvā yathāvṛttaṃ sa dharmavit / pitre nivedayām āsa laṅkeśāya mahātmane / sa tu laṅkeśvaraḥ prāha putraṃ prītyā guṇākaram //

Nachdem er des Vaiśya Wort gehört hatte, wie es sich zugetragen hatte, teilte er, der Dharmakundige, es seinem Vater, dem hochherzigen Herrn von Laṅkā, mit; jener Herr von Laṅkā sprach darauf mit Zuneigung zu seinem tugendreichen Sohn:

Wort für Wort
vaiśyasya vacanaṃ śrutvā yathāvṛttaṃ sa dharmavit
nachdem er des Vaiśya Wort gehört hatte, wie es sich zugetragen hatte, er, der Dharmakundige
pitre nivedayām āsa laṅkeśāya mahātmane
teilte es seinem Vater, dem hochherzigen Herrn von Laṅkā, mit
sa tu laṅkeśvaraḥ prāha putraṃ prītyā guṇākaram
jener Herr von Laṅkā sprach darauf mit Zuneigung zu seinem tugendreichen Sohn

[Anm.: Dreizeiliger Vers im Quelltext.]

{vibhīṣaṇa uvāca:} śrīmān rāmo mama gurus tasya mānyaḥ sakhā mama / hanumān iti vikhyātas tenānīto girir mahān //

Vibhīṣaṇa sprach: Der glückreiche Rāma ist mein Lehrer; dessen verehrter Freund von mir, als ,Hanumān' bekannt, brachte einst einen großen Berg herbei –

Wort für Wort
śrīmān rāmo mama gurus tasya mānyaḥ sakhā mama
der glückreiche Rāma ist mein Lehrer; dessen verehrter Freund von mir
hanumān iti vikhyātas tenānīto girir mahān
als Hanumān bekannt, brachte einst einen großen Berg herbei

purā kāryāntare prāpte sarvauṣadhyāśrayo 'calaḥ / jāte kārye tam ādāya himavantam athāgamat //

– den alle Heilkräuter beherbergenden Berg, als dafür einst die Gelegenheit gekommen war; nachdem die Aufgabe erfüllt war, nahm er ihn mit sich und ging zum Himavat zurück.

Wort für Wort
purā kāryāntare prāpte sarvauṣadhyāśrayo 'calaḥ
den alle Heilkräuter beherbergenden Berg, als dafür einst die Gelegenheit gekommen war
jāte kārye tam ādāya himavantam athāgamat
nachdem die Aufgabe erfüllt war, nahm er ihn mit sich und ging zum Himavat zurück

viśalyakaraṇī ceti mṛtasaṃjīvanīti ca / tadānīya mahābuddhī rāmāyākliṣṭakarmaṇe //

Er, der Hochkluge, hatte damals die Kräuter ,Viśalyakaraṇī' (,die Pfeilspitzen-Entfernerin') und ,Mṛtasañjīvanī' (,die Totenerweckerin') für Rāma, den in seinem Tun Unermüdlichen, herbeigebracht,

Wort für Wort
viśalyakaraṇī ceti mṛtasaṃjīvanīti ca
die Kräuter Viśalyakaraṇī und Mṛtasañjīvanī
tadānīya mahābuddhī rāmāyākliṣṭakarmaṇe
hatte er, der Hochkluge, damals für Rāma, den in seinem Tun Unermüdlichen, herbeigebracht

nivedayitvā tat sādhyaṃ tasmin vṛtte samāgataḥ / punar giriṃ samādāya āgacchad devaparvatam //

und nachdem er die Aufgabe vollbracht mitgeteilt hatte, kehrte er, als jenes geschehen war, wieder zurück, nahm den Berg wieder mit sich und kam zum Götterberg.

Wort für Wort
nivedayitvā tat sādhyaṃ tasmin vṛtte samāgataḥ
nachdem er die Aufgabe vollbracht mitgeteilt hatte, kehrte er, als jenes geschehen war, wieder zurück
punar giriṃ samādāya āgacchad devaparvatam
nahm den Berg wieder mit sich und kam zum Götterberg

tām ānīyāsya hṛdaye niveśaya hariṃ smaran / tataḥ prāpsyaty ayaṃ sarvam apekṣitam udāradhīḥ //

Bring jenes Kraut herbei und lege es ihm, Hari gedenkend, ans Herz; dann wird dieser Hochherzige alles Erwünschte erlangen.

Wort für Wort
tām ānīyāsya hṛdaye niveśaya hariṃ smaran
bring jenes Kraut herbei und lege es ihm, Hari gedenkend, ans Herz
tataḥ prāpsyaty ayaṃ sarvam apekṣitam udāradhīḥ
dann wird dieser Hochherzige alles Erwünschte erlangen

gacchatas tasya vegena viśalyakaraṇī punaḥ / apatad gautamītīre yatra yogeśvaro hariḥ //

Während er (Hanumān) mit dem Berg eilte, fiel die Viśalyakaraṇī wiederum herab an das Ufer der Gautamī, wo Hari als Yogeśvara weilt.

Wort für Wort
gacchatas tasya vegena viśalyakaraṇī punaḥ
während er mit dem Berg eilte, fiel die Viśalyakaraṇī wiederum
apatad gautamītīre yatra yogeśvaro hariḥ
herab an das Ufer der Gautamī, wo Hari als Yogeśvara weilt

{vaibhīṣaṇir uvāca:} tām oṣadhīṃ mama pitar darśayāśu vilamba mā / parārtiśamanād anyac chreyo na bhuvanatraye //

Vaibhīṣaṇi sprach: Zeige mir jenes Kraut, mein Vater, unverzüglich, zögere nicht; es gibt in den drei Welten kein größeres Heil als die Linderung fremden Leids.

Wort für Wort
tām oṣadhīṃ mama pitar darśayāśu vilamba mā
zeige mir jenes Kraut, mein Vater, unverzüglich, zögere nicht
parārtiśamanād anyac chreyo na bhuvanatraye
es gibt in den drei Welten kein größeres Heil als die Linderung fremden Leids

{brahmovāca:} vibhīṣaṇas tathety uktvā tāṃ putrasyāpy adarśayat / iṣe tvety asya vṛkṣasya śākhāṃ ciccheda tatsutaḥ / vaiśyasya cāpi vai prītyā santaḥ parahite ratāḥ //

Brahmā sprach: ,So sei es', sprach Vibhīṣaṇa und zeigte es auch seinem Sohn; mit den Worten ,für die Opferspeisung' schnitt dessen Sohn einen Zweig jenes Baumes ab, aus Zuneigung auch zum Vaiśya – denn die Guten sind stets dem Wohl anderer zugetan.

Wort für Wort
vibhīṣaṇas tathety uktvā tāṃ putrasyāpy adarśayat
so sei es, sprach Vibhīṣaṇa und zeigte es auch seinem Sohn
iṣe tvety asya vṛkṣasya śākhāṃ ciccheda tatsutaḥ
mit den Worten für die Opferspeisung schnitt dessen Sohn einen Zweig jenes Baumes ab
vaiśyasya cāpi vai prītyā santaḥ parahite ratāḥ
aus Zuneigung auch zum Vaiśya – denn die Guten sind stets dem Wohl anderer zugetan

[Anm.: Dreizeiliger Vers im Quelltext.]

{vibhīṣaṇa uvāca:} yatrāpatan nage cāsmin sa vṛkṣas tu pratāpavān / tasya śākhāṃ samādāya hṛdaye 'sya niveśaya / tatspṛṣṭamātra evāsau svakaṃ rūpam avāpnuyāt //

Vibhīṣaṇa sprach: Wo jener machtvolle Baum auf diesem Berg herabfiel, davon nimm den Zweig und lege ihn ihm ans Herz; sobald er davon nur berührt wird, wird er seine eigene frühere Gestalt wiedererlangen.

Wort für Wort
yatrāpatan nage cāsmin sa vṛkṣas tu pratāpavān
wo jener machtvolle Baum auf diesem Berg herabfiel
tasya śākhāṃ samādāya hṛdaye 'sya niveśaya
davon nimm den Zweig und lege ihn ihm ans Herz
tatspṛṣṭamātra evāsau svakaṃ rūpam avāpnuyāt
sobald er davon nur berührt wird, wird er seine eigene frühere Gestalt wiedererlangen

[Anm.: Dreizeiliger Vers im Quelltext.]

{brahmovāca:} etac chrutvā pitur vākyaṃ vaibhīṣaṇir udāradhīḥ / tathā cakāra vai samyak kāṣṭhakhaṇḍaṃ nyaveśayat //

Brahmā sprach: Dieses Wort seines Vaters gehört habend, tat der hochherzige Vaibhīṣaṇi genau so und legte das Holzstück an dessen Herz.

Wort für Wort
etac chrutvā pitur vākyaṃ vaibhīṣaṇir udāradhīḥ
dieses Wort seines Vaters gehört habend, der hochherzige Vaibhīṣaṇi
tathā cakāra vai samyak kāṣṭhakhaṇḍaṃ nyaveśayat
tat genau so und legte das Holzstück an dessen Herz

hṛdaye sa tu vaiśyo 'pi sacakṣuḥ sakaro 'bhavat / maṇimantrauṣadhīnāṃ hi vīryaṃ ko 'pi na budhyate //

An seinem Herzen wurde der Vaiśya wieder mit Augen und Händen versehen; die Kraft von Edelsteinen, Mantras und Heilkräutern nämlich versteht niemand ganz.

Wort für Wort
hṛdaye sa tu vaiśyo 'pi sacakṣuḥ sakaro 'bhavat
an seinem Herzen wurde der Vaiśya wieder mit Augen und Händen versehen
maṇimantrauṣadhīnāṃ hi vīryaṃ ko 'pi na budhyate
die Kraft von Edelsteinen, Mantras und Heilkräutern nämlich versteht niemand ganz

tad eva kāṣṭham ādāya dharmam evānusaṃsmaran / snātvā tu gautamīṃ gaṅgāṃ tathā yogeśvaraṃ harim //

Eben jenes Holzstück nahm er mit sich, wobei er beständig des Dharma gedachte; nachdem er in der Gaṅgā Gautamī gebadet und ebenso Hari als Yogeśvara

Wort für Wort
tad eva kāṣṭham ādāya dharmam evānusaṃsmaran
eben jenes Holzstück nahm er mit sich, wobei er beständig des Dharma gedachte
snātvā tu gautamīṃ gaṅgāṃ tathā yogeśvaraṃ harim
nachdem er in der Gaṅgā Gautamī gebadet und ebenso Hari als Yogeśvara (verehrt hatte)

namaskṛtvā punar agāt kāṣṭhakhaṇḍena vaiśyakaḥ / paribhraman nṛpapuraṃ mahāpuram iti śrutam //

verehrt hatte, zog der Vaiśya mit dem Holzstück wieder umher und gelangte zu einer Königsstadt, die als ,Mahāpura' (,Großstadt') bekannt war.

Wort für Wort
namaskṛtvā punar agāt kāṣṭhakhaṇḍena vaiśyakaḥ
verehrt hatte, zog der Vaiśya mit dem Holzstück wieder umher
paribhraman nṛpapuraṃ mahāpuram iti śrutam
und gelangte zu einer Königsstadt, die als Mahāpura bekannt war

mahārāja iti khyātas tatra rājā mahābalaḥ / tasya nāsti sutaḥ kaścit putrikā naṣṭalocanā //

Dort herrschte ein als ,Mahārāja' bekannter, überaus mächtiger König; er hatte keinen Sohn, nur eine Tochter, die ihr Augenlicht verloren hatte.

Wort für Wort
mahārāja iti khyātas tatra rājā mahābalaḥ
dort herrschte ein als Mahārāja bekannter, überaus mächtiger König
tasya nāsti sutaḥ kaścit putrikā naṣṭalocanā
er hatte keinen Sohn, nur eine Tochter, die ihr Augenlicht verloren hatte

saiva tasya sutā putras tasyāpi vratam īdṛśam / devo vā dānavo vāpi brāhmaṇaḥ kṣatriyo bhavet //

Sie eben war ihm Tochter und Sohn zugleich; und er hatte folgendes Gelübde: Sei es ein Gott oder ein Dānava, ein Brahmane oder ein Kṣatriya,

Wort für Wort
saiva tasya sutā putras tasyāpi vratam īdṛśam
sie eben war ihm Tochter und Sohn zugleich; und er hatte folgendes Gelübde
devo vā dānavo vāpi brāhmaṇaḥ kṣatriyo bhavet
sei es ein Gott oder ein Dānava, ein Brahmane oder ein Kṣatriya

vaiśyo vā śūdrayonir vā saguṇo nirguṇo 'pi vā / tasmai deyā iyaṃ putrī yo netre āhariṣyati //

ein Vaiśya oder von Śūdra-Herkunft, mit oder ohne edle Eigenschaften – dem soll diese Tochter gegeben werden, der ihr die Augen wiederbeschafft.

Wort für Wort
vaiśyo vā śūdrayonir vā saguṇo nirguṇo 'pi vā
ein Vaiśya oder von Śūdra-Herkunft, mit oder ohne edle Eigenschaften
tasmai deyā iyaṃ putrī yo netre āhariṣyati
dem soll diese Tochter gegeben werden, der ihr die Augen wiederbeschafft

rājyena saha deyeyam iti rājā hy aghoṣayat / aharniśam asau vaiśyaḥ śrutvā ghoṣam athābravīt //

Zusammen mit dem Königreich soll sie gegeben werden' – so ließ der König Tag und Nacht ausrufen. Als der Vaiśya diesen Ausruf gehört hatte, sprach er darauf:

Wort für Wort
rājyena saha deyeyam iti rājā hy aghoṣayat
zusammen mit dem Königreich soll sie gegeben werden – so ließ der König ausrufen
aharniśam asau vaiśyaḥ śrutvā ghoṣam athābravīt
Tag und Nacht; als der Vaiśya diesen Ausruf gehört hatte, sprach er darauf

{vaiśya uvāca:} ahaṃ netre āhariṣye rājaputryā asaṃśayam //*

Der Vaiśya sprach: Ich werde der Königstochter zweifellos die Augen wiederbeschaffen.

Wort für Wort
ahaṃ netre āhariṣye
ich werde die Augen wiederbeschaffen
rājaputryā asaṃśayam
der Königstochter, zweifellos

[Anm.: Im Quelltext nur eine Zeile, mit * als unvollständiger Halbvers markiert; für die wfw-Darstellung in zwei Sinnabschnitte geteilt.]

{brahmovāca:} taṃ vaiśyaṃ tarasādāya mahārājñe nyavedayat / tatkāṣṭhasparśamātreṇa sanetrābhūn nṛpātmajā //

Brahmā sprach: Man führte den Vaiśya eilends herbei und meldete ihn dem Großkönig; durch die bloße Berührung mit jenem Holzstück erlangte die Königstochter wieder Augen.

Wort für Wort
taṃ vaiśyaṃ tarasādāya mahārājñe nyavedayat
man führte den Vaiśya eilends herbei und meldete ihn dem Großkönig
tatkāṣṭhasparśamātreṇa sanetrābhūn nṛpātmajā
durch die bloße Berührung mit jenem Holzstück erlangte die Königstochter wieder Augen

tataḥ savismayo rājā ko bhavān iti cābravīt / vaiśyo rājñe yathāvṛttaṃ nyavedayad aśeṣataḥ //

Darauf sprach der erstaunte König: ,Wer bist du?' Der Vaiśya teilte dem König alles mit, wie es sich zugetragen hatte, vollständig.

Wort für Wort
tataḥ savismayo rājā ko bhavān iti cābravīt
darauf sprach der erstaunte König: wer bist du
vaiśyo rājñe yathāvṛttaṃ nyavedayad aśeṣataḥ
der Vaiśya teilte dem König alles mit, wie es sich zugetragen hatte, vollständig

{vaiśya uvāca:} brāhmaṇānāṃ prasādena dharmasya tapasas tathā / dānaprabhāvād yajñaiś ca vividhair bhūridakṣiṇaiḥ / divyauṣadhiprabhāvena mama sāmarthyam īdṛśam //

Der Vaiśya sprach: Durch die Gnade der Brahmanen, des Dharma und der Askese, durch die Macht der Gabe und durch mannigfache Opfer mit reichlichen Priestergaben, sowie durch die Macht des göttlichen Heilkrauts – daher rührt eine solche Fähigkeit bei mir.

Wort für Wort
brāhmaṇānāṃ prasādena dharmasya tapasas tathā
durch die Gnade der Brahmanen, des Dharma und der Askese
dānaprabhāvād yajñaiś ca vividhair bhūridakṣiṇaiḥ
durch die Macht der Gabe und durch mannigfache Opfer mit reichlichen Priestergaben
divyauṣadhiprabhāvena mama sāmarthyam īdṛśam
sowie durch die Macht des göttlichen Heilkrauts – daher rührt eine solche Fähigkeit bei mir

[Anm.: Dreizeiliger Vers im Quelltext.]

{brahmovāca:} etad vaiśyavacaḥ śrutvā vismito 'bhūn mahīpatiḥ //*

Brahmā sprach: Dieses Wort des Vaiśya gehört habend, war der Herrscher erstaunt.

Wort für Wort
etad vaiśyavacaḥ śrutvā
dieses Wort des Vaiśya gehört habend
vismito 'bhūn mahīpatiḥ
war der Herrscher erstaunt

[Anm.: Im Quelltext nur eine Zeile, mit * als unvollständiger Halbvers markiert; für die wfw-Darstellung in zwei Sinnabschnitte geteilt.]

{rājovāca:} aho mahānubhāvo 'yaṃ prāyo vṛndārako bhavet / anyathaitādṛg anyasya sāmarthyaṃ dṛśyate katham / tasmād asmai tu tāṃ kanyāṃ pradāsye rājyapūrvikām //

Der König sprach: Ach, dieser ist von großer Macht, wohl ein göttliches Wesen; wie sollte sonst bei einem anderen eine solche Fähigkeit sichtbar werden? Darum werde ich ihm diese Tochter zusammen mit dem Königreich geben.

Wort für Wort
aho mahānubhāvo 'yaṃ prāyo vṛndārako bhavet
ach, dieser ist von großer Macht, wohl ein göttliches Wesen
anyathaitādṛg anyasya sāmarthyaṃ dṛśyate katham
wie sollte sonst bei einem anderen eine solche Fähigkeit sichtbar werden
tasmād asmai tu tāṃ kanyāṃ pradāsye rājyapūrvikām
darum werde ich ihm diese Tochter zusammen mit dem Königreich geben

[Anm.: Dreizeiliger Vers im Quelltext.]

{brahmovāca:} iti saṃkalpya manasi kanyāṃ rājyaṃ ca dattavān / vihārārthaṃ gataḥ svairaṃ paraṃ khedam upāgataḥ //

Brahmā sprach: So im Geiste beschlossen habend, gab er ihm die Tochter und das Königreich; einst, zum Vergnügen frei umherziehend, geriet er (der neue König) in großen Kummer,

Wort für Wort
iti saṃkalpya manasi kanyāṃ rājyaṃ ca dattavān
so im Geiste beschlossen habend, gab er ihm die Tochter und das Königreich
vihārārthaṃ gataḥ svairaṃ paraṃ khedam upāgataḥ
einst, zum Vergnügen frei umherziehend, geriet er in großen Kummer

na mitreṇa vinā rājyaṃ na mitreṇa vinā sukham / tam eva satataṃ vipraṃ cintayan vaiśyanandanaḥ //

denn er dachte: ,Ohne Freund gibt es kein Königreich, ohne Freund gibt es kein Glück' – beständig an jenen Brahmanen denkend, der Sohn des Vaiśya,

Wort für Wort
na mitreṇa vinā rājyaṃ na mitreṇa vinā sukham
ohne Freund gibt es kein Königreich, ohne Freund gibt es kein Glück
tam eva satataṃ vipraṃ cintayan vaiśyanandanaḥ
beständig an jenen Brahmanen denkend, der Sohn des Vaiśya

etad eva sujātānāṃ lakṣaṇaṃ bhuvi dehinām / kṛpārdraṃ yan mano nityaṃ teṣām apy ahiteṣu hi //

– eben dies ist das Kennzeichen der wohlgeborenen verkörperten Wesen auf Erden: dass ihr Sinn stets von Mitleid durchdrungen ist, sogar gegenüber denen, die ihnen Übles getan haben.

Wort für Wort
etad eva sujātānāṃ lakṣaṇaṃ bhuvi dehinām
eben dies ist das Kennzeichen der wohlgeborenen verkörperten Wesen auf Erden
kṛpārdraṃ yan mano nityaṃ teṣām apy ahiteṣu hi
dass ihr Sinn stets von Mitleid durchdrungen ist, sogar gegenüber denen, die ihnen Übles getan haben

mahānṛpo vanaṃ prāyāt sa rājā maṇikuṇḍalaḥ / tasmiñ śāsati rājyaṃ tu kadācid gautamaṃ dvijam //

Der große König, jener König Maṇikuṇḍala, zog einst in den Wald; während er das Königreich regierte, sah er einst den Brahmanen Gautama –

Wort für Wort
mahānṛpo vanaṃ prāyāt sa rājā maṇikuṇḍalaḥ
der große König, jener König Maṇikuṇḍala, zog einst in den Wald
tasmiñ śāsati rājyaṃ tu kadācid gautamaṃ dvijam
während er das Königreich regierte, sah er einst den Brahmanen Gautama

hṛtasvaṃ dyūtakaiḥ pāpair apaśyan maṇikuṇḍalaḥ / tam ādāya dvijaṃ mitraṃ pūjayām āsa dharmavit //

– dem sein Gut von sündigen Würfelspielern geraubt worden war; Maṇikuṇḍala, der Dharmakundige, nahm den Brahmanen als Freund zu sich und ehrte ihn.

Wort für Wort
hṛtasvaṃ dyūtakaiḥ pāpair apaśyan maṇikuṇḍalaḥ
dem sein Gut von sündigen Würfelspielern geraubt worden war, erblickte Maṇikuṇḍala
tam ādāya dvijaṃ mitraṃ pūjayām āsa dharmavit
der Dharmakundige nahm den Brahmanen als Freund zu sich und ehrte ihn

dharmāṇāṃ tu prabhāvaṃ taṃ tasmai sarvaṃ nyavedayat / snāpayām āsa gaṅgāyāṃ taṃ sarvāghanivṛttaye //

Er teilte ihm die ganze Macht des Dharma mit und ließ ihn in der Gaṅgā baden, zur Beseitigung aller Sünde.

Wort für Wort
dharmāṇāṃ tu prabhāvaṃ taṃ tasmai sarvaṃ nyavedayat
er teilte ihm die ganze Macht des Dharma mit
snāpayām āsa gaṅgāyāṃ taṃ sarvāghanivṛttaye
und ließ ihn in der Gaṅgā baden, zur Beseitigung aller Sünde

tena vipreṇa sarvais taiḥ svakīyair gotrajair vṛtaḥ / vaiśyaiḥ svadeśasaṃbhūtair brāhmaṇasya tu bāndhavaiḥ //

Umgeben von jenem Brahmanen, von all seinen eigenen Verwandten, von Vaiśyas aus seinem eigenen Land und von den Angehörigen des Brahmanen,

Wort für Wort
tena vipreṇa sarvais taiḥ svakīyair gotrajair vṛtaḥ
umgeben von jenem Brahmanen, von all seinen eigenen Verwandten
vaiśyaiḥ svadeśasaṃbhūtair brāhmaṇasya tu bāndhavaiḥ
von Vaiśyas aus seinem eigenen Land und von den Angehörigen des Brahmanen

vṛddhakauśikamukhyaiś ca tasmin yogeśvarāntike / yajñān iṣṭvā surān pūjya tataḥ svargam upeyivān //

und angeführt von Vṛddhakauśika, vollzog er dort in der Nähe Yogeśvaras Opfer, verehrte die Götter und gelangte darauf in den Himmel.

Wort für Wort
vṛddhakauśikamukhyaiś ca tasmin yogeśvarāntike
und angeführt von Vṛddhakauśika, dort in der Nähe Yogeśvaras
yajñān iṣṭvā surān pūjya tataḥ svargam upeyivān
vollzog er Opfer, verehrte die Götter und gelangte darauf in den Himmel

tataḥ prabhṛti tat tīrthaṃ mṛtasaṃjīvanaṃ viduḥ / cakṣustīrthaṃ sayogeśaṃ smaraṇād api puṇyadam / manaḥprasādajananaṃ sarvadurbhāvanāśanam //

Seitdem kennt man jenes Tīrtha als ,Mṛtasañjīvana'; das Cakṣus-Tīrtha, zusammen mit Yogeśa, gewährt allein durch Erinnerung Verdienst, erzeugt Klarheit des Geistes und vernichtet alle bösen Gesinnungen.

Wort für Wort
tataḥ prabhṛti tat tīrthaṃ mṛtasaṃjīvanaṃ viduḥ
seitdem kennt man jenes Tīrtha als Mṛtasañjīvana
cakṣustīrthaṃ sayogeśaṃ smaraṇād api puṇyadam
das Cakṣus-Tīrtha, zusammen mit Yogeśa, gewährt allein durch Erinnerung Verdienst
manaḥprasādajananaṃ sarvadurbhāvanāśanam
es erzeugt Klarheit des Geistes und vernichtet alle bösen Gesinnungen

[Anm.: Dreizeiliger Vers im Quelltext.]

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