Kapitel 221: sadācāravidhānaṃ bhakṣyābhakṣyaśaucavidhiś ca
Die Vorschrift der guten Sitte und die Ordnung von Speisegeboten und Reinheitsregeln
Ein klassisches dharmaśāstra-artiges Kapitel über die tägliche Lebensordnung (sadācāra) des Hausvaters: Tagesablauf von der Brahma-Stunde bis zum Schlaf, zahlreiche Verhaltens- und Etikette-Regeln (Ausscheidung, Essen, Kleidung, Umgang mit Lehrern/Frauen/Kasten), Kriterien für die Wahl des Wohnortes, ein Katalog erlaubter/verbotener Speisen, ein ausführliches Reinigungsregelwerk für Gegenstände und Substanzen (śauca-vidhi), sowie die Ordnung der Totenunreinheit (āśauca) mit gestaffelten Fristen für die vier Stände und den Sapiṇḍa-Verwandtschaftsregeln. Schließt mit der Mahnung, diese Lehre nur würdigen Empfängern weiterzugeben.
So sollen von dem Hausvater rechtens die Götter und ebenso die Ahnen mit Havya und Kavya [Opferspeisen] verehrt werden, und mit Speise die Gäste und Verwandten,
Wort für Wort
evaṃ samyag gṛhasthena devatāḥ pitaras tathā /
So (evam) sollen rechtens (samyak) vom Hausvater (gṛhasthena) die Götter (devatāḥ) und ebenso die Ahnen (pitaraḥ tathā) [verehrt werden],
saṃpūjyā havyakavyābhyām annenātithibāndhavāḥ //
verehrt werden (saṃpūjyāḥ) mit Havya und Kavya [Opferspeisen] (havyakavyābhyām), mit Speise (annena) die Gäste und Verwandten (atithibāndhavāḥ).
[Nur] die guter Sitte ergebenen Brahmanen [sind wahrhaft fromm]; vom Hausvater, auch wenn er redlich ist, wird Sünde geerntet, wenn er die ständigen und anlassbezogenen Riten übergeht.
Wort für Wort
sadācāraratā viprāḥ sādhunā gṛhamedhinā /
Der guter Sitte ergebene (sadācāraratāḥ) Brahmane (viprāḥ) [ist wahrhaft fromm]; vom redlichen (sādhunā) Hausvater (gṛhamedhinā),
wird Sünde geerntet (pāpam bhuṅkte), wenn er die ständigen und anlassbezogenen Riten übergeht (samullaṅghya nityanaimittikīḥ kriyāḥ).
[Anm.] Sinn: guter Wandel (sadācāra) allein genügt nicht – auch ein an sich redlicher Hausvater sündigt, wenn er die täglichen Pflichten vernachlässigt.
Die Weisen sprachen: Was von dir, o Brahmane, als das Ständige und Anlassbezogene dargelegt wurde – das dreifache menschliche Werk: ständig, anlassbezogen und wunschbedingt,
Wort für Wort
{munaya ūcuḥ:} kathitaṃ bhavatā vipra nityanaimittikaṃ ca yat /
Die Weisen sprachen: Was von dir (bhavatā), o Brahmane (vipra), als das Ständige und Anlassbezogene (nityanaimittikam ca) dargelegt wurde (kathitam yat),
{vyāsa uvāca:} gṛhasthena sadā kāryam ācāraparirakṣaṇam / na hy ācāravihīnasya bhadram atra paratra vā //
Vyāsa sprach: Vom Hausvater soll stets die Wahrung guter Sitte geübt werden; denn dem der guten Sitte Entbehrenden widerfährt weder hier noch im Jenseits Glück.
Denn der Mensch schlechter Sitte erlangt hier kein langes Leben; Dharma soll geübt werden, [und] gute Sitte ist eben das Kennzeichen [rechten] Wandels.
Wort für Wort
durācāro hi puruṣo nehāyur vindate mahat /
Denn (hi) der Mensch schlechter Sitte (durācāraḥ puruṣaḥ) erlangt hier (na iha) kein langes Leben (āyuḥ vindate mahat);
kāryo dharmaḥ sadācāra ācārasyaiva lakṣaṇam //
Dharma soll geübt werden (kāryaḥ dharmaḥ), [und] gute Sitte (sadācāraḥ) ist eben das Kennzeichen [rechten] Wandels (ācārasya eva lakṣaṇam).
Vom Hausvater soll Bemühen um die Erreichung der drei Ziele [Dharma, Artha, Kāma] aufgewendet werden; in deren Gelingen liegt des Hausvaters Erfolg, hier und im Jenseits.
Wort für Wort
trivargasādhane yatnaḥ kartavyo gṛhamedhinā /
Um die Erreichung der drei Ziele [Dharma, Artha, Kāma] (trivargasādhane) soll Bemühen aufgewendet werden (yatnaḥ kartavyaḥ) vom Hausvater (gṛhamedhinā);
tatsaṃsiddhau gṛhasthasya siddhir atra paratra ca //
in deren Gelingen (tatsaṃsiddhau) liegt des Hausvaters Erfolg (gṛhasthasya siddhiḥ), hier und im Jenseits (atra paratra ca).
pādenāpy asya pāratryaṃ kuryāc chreyaḥ svam ātmavān / ardhena cātmabharaṇaṃ nityanaimittikāni ca //
Mit einem Viertel [seines Vermögens] soll der Besonnene sein jenseitiges Heil bewirken, mit der Hälfte den eigenen Unterhalt und die ständigen und anlassbezogenen [Riten],
Wort für Wort
pādenāpy asya pāratryaṃ kuryāc chreyaḥ svam ātmavān /
Mit einem Viertel [seines Vermögens] (pādena api asya) soll der Besonnene (ātmavān) sein eigenes jenseitiges Heil bewirken (pāratryam kuryāt śreyaḥ svam);
ardhena cātmabharaṇaṃ nityanaimittikāni ca //
mit der Hälfte (ardhena ca) den eigenen Unterhalt (ātmabharaṇam) und die ständigen und anlassbezogenen [Riten] (nityanaimittikāni ca).
und mit einem [weiteren] Viertel soll er ebenso sein Grundvermögen mehren; so, ihr Brahmanen, gelangt der Reichtum dessen, der [danach] handelt, zur Fruchtbarkeit.
Wort für Wort
pādenaiva tathāpy asya mūlabhūtaṃ vivardhayet /
Und mit einem [weiteren] Viertel (pādena eva tathā api) soll er sein Grundvermögen (asya mūlabhūtam) mehren (vivardhayet);
evam ācarato viprā arthaḥ sāphalyam ṛcchati //
so (evam), ihr Brahmanen (viprāḥ), gelangt der Reichtum dessen, der [danach] handelt (ācarataḥ arthaḥ), zur Fruchtbarkeit (sāphalyam ṛcchati).
Ebenso soll vom Weisen der Dharma zur Verhinderung der Sünde geübt werden; ein anderer [Dharma], der auf das Jenseits zielt, ebenso ein anderer, der schon hier Frucht bringt, soll geübt werden.
Wort für Wort
tadvat pāpaniṣedhārthaṃ dharmaḥ kāryo vipaścitā /
Ebenso (tadvat) soll zur Verhinderung der Sünde (pāpaniṣedhārtham) vom Weisen (vipaścitā) der Dharma geübt werden (dharmaḥ kāryaḥ);
ein auf das Jenseits zielender [Dharma] (paratrārthaḥ), ebenso ein anderer (tathā eva anyaḥ), der schon hier Frucht bringt (atra eva phalapradaḥ), soll geübt werden (kāryaḥ).
Aus Furcht vor Verfehlung [entsteht] Kāma [Begehren], und ebenso ein anderer, der unwidersprüchlich ist; auch Kāma ist zweifach gestaltet, dem Dreifach-Ziel keinen Widerspruch bereitend.
Wort für Wort
pratyavāyabhayāt kāmas tathānyaś cāvirodhavān /
Aus Furcht vor Verfehlung (pratyavāyabhayāt) [entsteht] Kāma [Begehren] (kāmaḥ), und ebenso ein anderer (tathā anyaḥ ca), der unwidersprüchlich ist (avirodhavān);
dvidhā kāmo 'pi racitas trivargāyāvirodhakṛt //
auch Kāma (kāmaḥ api) ist zweifach gestaltet (dvidhā racitaḥ), dem Dreifach-Ziel keinen Widerspruch bereitend (trivargāya avirodhakṛt).
[Anm.] Vers begrifflich dicht; Sinn: sowohl Dharma als auch Kāma treten je in zwei Erscheinungsformen auf.
dharmo dharmānubandhārtho dharmo nātmārthapīḍakaḥ / ubhābhyāṃ ca dvidhā kāmaṃ tena tau ca dvidhā punaḥ //
Dharma hat den Zweck der Verknüpfung mit Dharma; Dharma bedrängt nicht das eigene [Wohlergehens]-Ziel; durch beide [Formen] ist Kāma zweifach, dadurch sind auch jene beiden [Dharma und Artha] wiederum zweifach.
Dharma (dharmaḥ) hat den Zweck der Verknüpfung mit Dharma (dharmānubandhārthaḥ); Dharma (dharmaḥ) bedrängt nicht das eigene [Wohlergehens-]Ziel (na ātmārthapīḍakaḥ);
ubhābhyāṃ ca dvidhā kāmaṃ tena tau ca dvidhā punaḥ //
durch beide (ubhābhyām ca) ist Kāma zweifach (dvidhā kāmam), dadurch (tena) sind auch jene beiden (tau ca) wiederum zweifach (dvidhā punaḥ).
[Anm.] Vers begrifflich sehr verdichtet, sinngemäß übersetzt.
soll man die Morgen-Dämmerung, solange die Sterne [sichtbar sind], und die Abend-Dämmerung, solange die Sonne [noch scheint], wie es sich gebührt verehren; man versäume sie nicht, außer in Notfällen.
Die Morgen-Dämmerung (pūrvām saṃdhyām), solange die Sterne [sichtbar sind] (sanakṣatrām), die Abend-Dämmerung (paścimām), solange die Sonne [noch scheint] (sadivākarām),
upāsīta yathānyāyaṃ naināṃ jahyād anāpadi //
soll man verehren (upāsīta), wie es sich gebührt (yathānyāyam); man versäume sie nicht (na enām jahyāt), außer in Notfällen (anāpadi).
asatpralāpam anṛtaṃ vākpāruṣyaṃ ca varjayet / asacchāstram asadvādam asatsevāṃ ca vai dvijāḥ //
Unwahres Geschwätz, Lüge und Grobheit der Rede soll man meiden, ebenso, ihr Zweifachgeborenen, unwahre Lehrschriften, unwahre Rede und Umgang mit Unwahren.
Wort für Wort
asatpralāpam anṛtaṃ vākpāruṣyaṃ ca varjayet /
Unwahres Geschwätz (asatpralāpam), Lüge (anṛtam) und Grobheit der Rede (vākpāruṣyam ca) soll man meiden (varjayet);
asacchāstram asadvādam asatsevāṃ ca vai dvijāḥ //
ebenso, ihr Zweifachgeborenen (vai dvijāḥ), unwahre Lehrschriften (asacchāstram), unwahre Rede (asadvādam) und Umgang mit Unwahren (asatsevām ca).
grāmāvasathatīrthānāṃ kṣetrāṇāṃ caiva vartmani / na viṇmūtram anuṣṭheyaṃ na ca kṛṣṭe na govraje //
Auf dem Weg von Dörfern, Siedlungen, Pilgerstätten und Feldern soll keine Notdurft verrichtet werden, auch nicht auf gepflügtem Land, auch nicht in der Kuhhürde,
Wort für Wort
grāmāvasathatīrthānāṃ kṣetrāṇāṃ caiva vartmani /
Auf dem Weg (vartmani) von Dörfern, Siedlungen, Pilgerstätten (grāmāvasathatīrthānām) und Feldern ebenso (kṣetrāṇām ca eva),
na viṇmūtram anuṣṭheyaṃ na ca kṛṣṭe na govraje //
soll keine Notdurft verrichtet werden (na viṇmūtram anuṣṭheyam), auch nicht auf gepflügtem Land (na ca kṛṣṭe), auch nicht in der Kuhhürde (na govraje).
Man betrachte nicht eine nackte fremde Frau, man sehe nicht auf den eigenen Kot; ebenso [meide man] das Sehen, Berühren und Sprechen mit einer menstruierenden [Frau],
Wort für Wort
nagnāṃ parastriyaṃ nekṣen na paśyed ātmanaḥ śakṛt /
Man betrachte nicht (na īkṣet) eine nackte fremde Frau (nagnām parastriyam), man sehe nicht (na paśyet) auf den eigenen Kot (ātmanaḥ śakṛt);
udakyādarśanasparśam evaṃ saṃbhāṣaṇaṃ tathā //
ebenso das Sehen, Berühren (darśanasparśam) einer Menstruierenden (udakyā), und ebenso das Sprechen [mit ihr] (saṃbhāṣaṇam tathā) [meide man].
Nach Osten oder nach Norden gewandt, wohlgesippt, wortkarg und rein, mit auf die Speise gerichtetem Sinn, [die Ellbogen] zwischen die Knie [gestützt], esse der Mensch stets seine Speise.
Wort für Wort
prāṅmukhodaṅmukho vāpi svācānto vāgyataḥ śuciḥ /
Nach Osten oder nach Norden gewandt (prāṅmukhaḥ udaṅmukhaḥ vā api), wohlgesippt (svācāntaḥ), wortkarg (vāgyataḥ) und rein (śuciḥ),
bhuñjīta cānnaṃ taccitto hy antarjānuḥ sadā naraḥ //
esse der Mensch (naraḥ) stets (sadā) seine Speise (annam bhuñjīta), mit darauf gerichtetem Sinn (taccittaḥ), [die Ellbogen] zwischen die Knie [gestützt] (antarjānuḥ).
upaghātam ṛte doṣān nānnasyodīrayed budhaḥ / pratyakṣalavaṇaṃ varjyam annam ucchiṣṭam eva ca //
Außer bei [gesundheitlicher] Schädigung soll der Kluge keine Mängel der Speise erwähnen; offen sichtbares Salz [auf der Speise] und übriggelassene Speise sind zu meiden,
Wort für Wort
upaghātam ṛte doṣān nānnasyodīrayed budhaḥ /
Außer bei [gesundheitlicher] Schädigung (upaghātam ṛte) soll der Kluge (budhaḥ) keine Mängel der Speise erwähnen (na annasya doṣān udīrayet);
pratyakṣalavaṇaṃ varjyam annam ucchiṣṭam eva ca //
offen sichtbares Salz [auf der Speise] (pratyakṣalavaṇam) und übriggelassene Speise (annam ucchiṣṭam eva ca) sind zu meiden (varjyam).
na gacchan na ca tiṣṭhan vai viṇmūtrotsargam ātmavān / kurvīta caivam ucchiṣṭaṃ na kiṃcid api bhakṣayet //
Weder gehend noch stehend soll der Besonnene Kot oder Urin entleeren; und übriggelassene [Speise] soll er in keinem Fall verzehren.
Wort für Wort
na gacchan na ca tiṣṭhan vai viṇmūtrotsargam ātmavān /
Weder gehend (na gacchan) noch stehend (na ca tiṣṭhan) soll der Besonnene (ātmavān) Kot oder Urin entleeren (viṇmūtrotsargam kurvīta) [siehe nächste Zeile],
kurvīta caivam ucchiṣṭaṃ na kiṃcid api bhakṣayet //
und so [verfahrend] (evam), übriggelassene [Speise] (ucchiṣṭam) soll er in keinem Fall verzehren (na kiṃcit api bhakṣayet).
ucchiṣṭo nālapet kiṃcit svādhyāyaṃ ca vivarjayet / na paśyec ca raviṃ cenduṃ nakṣatrāṇi ca kāmataḥ //
Mit noch nicht durch Wassersippung gereinigtem Mund [nach dem Essen] soll man nichts sprechen und das Studium meiden; man betrachte auch nicht mit Absicht Sonne, Mond oder Sterne.
Wort für Wort
ucchiṣṭo nālapet kiṃcit svādhyāyaṃ ca vivarjayet /
Mit noch nicht gereinigtem Mund [nach dem Essen] (ucchiṣṭaḥ) soll man nichts sprechen (na ālapet kiṃcit) und das Studium meiden (svādhyāyam ca vivarjayet);
na paśyec ca raviṃ cenduṃ nakṣatrāṇi ca kāmataḥ //
man betrachte auch nicht (na paśyet ca) mit Absicht (kāmataḥ) Sonne, Mond (ravim ca indum) oder Sterne (nakṣatrāṇi ca).
bhinnāsanaṃ ca śayyāṃ ca bhājanaṃ ca vivarjayet / gurūṇām āsanaṃ deyam abhyutthānādisatkṛtam //
Einen beschädigten Sitz, ein [beschädigtes] Lager und Gefäß soll man meiden; den Lehrern soll ein Sitz gegeben werden, verbunden mit Aufstehen und anderen Ehrbezeugungen.
Wort für Wort
bhinnāsanaṃ ca śayyāṃ ca bhājanaṃ ca vivarjayet /
Einen beschädigten Sitz (bhinnāsanam ca), ein [beschädigtes] Lager (śayyām ca) und Gefäß (bhājanam ca) soll man meiden (vivarjayet);
gurūṇām āsanaṃ deyam abhyutthānādisatkṛtam //
den Lehrern (gurūṇām) soll ein Sitz gegeben werden (āsanam deyam), verbunden mit Aufstehen und anderen Ehrbezeugungen (abhyutthānādisatkṛtam).
naikavastraś ca bhuñjīta na kuryād devatārcanam / nāvāhayed dvijān agnau homaṃ kurvīta buddhimān //
Mit nur einem [einzigen] Kleidungsstück soll man nicht essen, nicht die Götterverehrung vollziehen und nicht Brahmanen [zum Opfer] einladen; das Homa-Opfer vollziehe der Kluge im Feuer.
Wort für Wort
naikavastraś ca bhuñjīta na kuryād devatārcanam /
Mit nur einem [einzigen] Kleidungsstück (eka-vastraḥ) soll man nicht essen (na bhuñjīta), nicht die Götterverehrung vollziehen (na kuryāt devatārcanam);
nāvāhayed dvijān agnau homaṃ kurvīta buddhimān //
nicht Brahmanen [zum Opfer] einladen (na āvāhayet dvijān); das Homa-Opfer (homam) vollziehe der Kluge im Feuer (agnau kurvīta buddhimān).
na cābhīkṣṇaṃ śiraḥsnānaṃ kāryaṃ niṣkāraṇaṃ budhaiḥ / śiraḥsnātaś ca tailena nāṅgaṃ kiṃcid upaspṛśet //
Auch soll von den Klugen nicht wiederholt ohne Grund eine Kopfwäsche vollzogen werden; und wer den Kopf gewaschen hat, soll mit Öl keinen Körperteil berühren.
Wort für Wort
na cābhīkṣṇaṃ śiraḥsnānaṃ kāryaṃ niṣkāraṇaṃ budhaiḥ /
Auch nicht wiederholt (na ca abhīkṣṇam) soll ohne Grund (niṣkāraṇam) eine Kopfwäsche (śiraḥsnānam) von den Klugen vollzogen werden (kāryam budhaiḥ);
śiraḥsnātaś ca tailena nāṅgaṃ kiṃcid upaspṛśet //
und wer den Kopf gewaschen hat (śiraḥsnātaḥ ca), soll mit Öl (tailena) keinen Körperteil berühren (na aṅgam kiṃcit upaspṛśet).
Nach Norden gewandt am Tag, nach Süden gewandt in der Nacht, soll man die Entleerung von Urin und Kot vollziehen; bei Beschwerden [darf man dies] nach Belieben tun.
Wort für Wort
udaṅmukho divā rātrāv utsargaṃ dakṣiṇāmukhaḥ /
Nach Norden gewandt (udaṅmukhaḥ) am Tag (divā), in der Nacht (rātrau) nach Süden gewandt (dakṣiṇāmukhaḥ), [vollziehe man] die Entleerung (utsargam);
ābādhāsu yathākāmaṃ kuryān mūtrapurīṣayoḥ //
bei Beschwerden (ābādhāsu) [darf man] nach Belieben (yathākāmam) von Urin und Kot (mūtrapurīṣayoḥ) verfahren (kuryāt).
duṣkṛtaṃ na guror brūyāt kruddhaṃ cainaṃ prasādayet / parivādaṃ na śṛṇuyād anyeṣām api kurvatām //
Man spreche nicht vom Fehlverhalten des Lehrers, und den Zornigen besänftige man; man höre auch nicht Verleumdung an, [selbst] wenn andere sie vollführen.
Wort für Wort
duṣkṛtaṃ na guror brūyāt kruddhaṃ cainaṃ prasādayet /
Man spreche nicht vom Fehlverhalten des Lehrers (duṣkṛtam na guroḥ brūyāt), und den Zornigen (kruddham) besänftige man (ca enam prasādayet);
parivādaṃ na śṛṇuyād anyeṣām api kurvatām //
man höre auch nicht Verleumdung an (parivādam na śṛṇuyāt), [selbst] wenn andere sie vollführen (anyeṣām api kurvatām).
Den Weg soll man freigeben für Brahmanen, für den König, für den vom Leid Geplagten, für den an Wissen Überlegenen, für eine Schwangere, für den Kranken, für den Geehrten,
Wort für Wort
panthā deyo brāhmaṇānāṃ rājño duḥkhāturasya ca /
Den Weg (panthāḥ) soll man freigeben (deyaḥ) für Brahmanen (brāhmaṇānām), für den König (rājñaḥ), für den vom Leid Geplagten (duḥkhāturasya ca);
vidyādhikasya garbhiṇyā rogārtasya mahīyataḥ //
für den an Wissen Überlegenen (vidyādhikasya), für eine Schwangere (garbhiṇyā), für den Kranken (rogārtasya), für den Geehrten (mahīyataḥ).
mūkāndhabadhirāṇāṃ ca mattasyonmattakasya ca / devālayaṃ caidyataruṃ tathaiva ca catuṣpatham //
und für Stumme, Blinde und Taube, für Betrunkene und Wahnsinnige; [ebenso weiche man aus] einem Götterhaus, einem heiligen Baum und ebenso einer Kreuzung.
Wort für Wort
mūkāndhabadhirāṇāṃ ca mattasyonmattakasya ca /
Und für Stumme, Blinde und Taube (mūkāndhabadhirāṇām ca), für Betrunkene und Wahnsinnige (mattasya unmattakasya ca);
devālayaṃ caidyataruṃ tathaiva ca catuṣpatham //
[ebenso weiche man aus] einem Götterhaus (devālayam), einem heiligen Baum (caidyataruṃ), und ebenso einer Kreuzung (tathā eva ca catuṣpatham).
Den an Wissen Überlegenen und den Lehrer soll der Kluge umschreiten [zur Ehrung]; Schuhe, Kleider, Kränze u.ä., die von anderen getragen wurden, soll man nicht [selbst] tragen.
caturdaśyāṃ tathāṣṭamyāṃ pañcadaśyāṃ ca parvasu / tailābhyaṅgaṃ tathā bhogaṃ yoṣitaś ca vivarjayet //
Am vierzehnten, ebenso am achten und am fünfzehnten Tag, den Parva-Tagen, soll man Öleinreibung, ebenso [sinnlichen] Genuss und Umgang mit Frauen meiden.
Wort für Wort
caturdaśyāṃ tathāṣṭamyāṃ pañcadaśyāṃ ca parvasu /
Am vierzehnten (caturdaśyām), ebenso am achten (tathā aṣṭamyām) und am fünfzehnten Tag (pañcadaśyām ca), den Parva-Tagen (parvasu),
tailābhyaṅgaṃ tathā bhogaṃ yoṣitaś ca vivarjayet //
soll man Öleinreibung (tailābhyaṅgam), ebenso [sinnlichen] Genuss (tathā bhogam) und Umgang mit Frauen (yoṣitaḥ ca) meiden (vivarjayet).
puṃścalyāḥ kṛtakāryasya bālasya patitasya ca / marmābhighātam ākrośaṃ paiśunyaṃ ca vivarjayet //
Gegen eine liederliche Frau, einen [bereits] Bestraften, ein Kind und einen Gefallenen soll man Verletzung wunder Punkte, Verwünschung und Verleumdung meiden.
Wort für Wort
puṃścalyāḥ kṛtakāryasya bālasya patitasya ca /
Gegen eine liederliche Frau (puṃścalyāḥ), einen [bereits] Bestraften (kṛtakāryasya), ein Kind (bālasya) und einen Gefallenen (patitasya ca),
marmābhighātam ākrośaṃ paiśunyaṃ ca vivarjayet //
soll man Verletzung wunder Punkte (marmābhighātam), Verwünschung (ākrośam) und Verleumdung (paiśunyam ca) meiden (vivarjayet).
Körperlich Beeinträchtigte und Mittellose soll man nicht mit Spott verächtlich machen; die Bestrafung eines anderen soll man nicht [selbst] verhängen, außer zur Erziehung von Schüler und Sohn.
Wort für Wort
nyūnāṅgāṃś cādhanāṃś caiva nopahāsena dūṣayet /
Körperlich Beeinträchtigte (nyūnāṅgān) und Mittellose (adhanān ca eva) soll man nicht mit Spott verächtlich machen (na upahāsena dūṣayet);
die Bestrafung eines anderen (parasya daṇḍam) soll man nicht [selbst] verhängen (na udyacchet), außer zur Erziehung von Schüler und Sohn (śikṣārtham śiṣyaputrayoḥ).
Ebenso soll der Weise sich nicht setzen, indem er den Sitz mit dem Fuß heranzieht; Saṃyāva-Gebäck, Kṛsara-Brei und Fleisch soll man nicht [nur] für sich selbst zubereiten [lassen].
Wort für Wort
tadvan nopaviśet prājñaḥ pādenākṛṣya cāsanam /
Ebenso (tadvat) soll der Weise (prājñaḥ) sich nicht setzen (na upaviśet), indem er den Sitz mit dem Fuß heranzieht (pādena ākṛṣya ca āsanam);
saṃyāvaṃ kṛśaraṃ māṃsaṃ nātmārtham upasādhayet //
Saṃyāva-Gebäck, Kṛsara-Brei und Fleisch (saṃyāvam kṛśaram māṃsam) soll man nicht [nur] für sich selbst zubereiten [lassen] (na ātmārtham upasādhayet).
Abends und morgens soll man essen, nachdem man die Gastverehrung vollzogen hat; nach Osten oder nach Norden gewandt, wortkarg, [vollziehe man] das Zähneputzen,
Wort für Wort
sāyaṃ prātaś ca bhoktavyaṃ kṛtvā cātithipūjanam /
Abends und morgens (sāyam prātaḥ ca) soll man essen (bhoktavyam), nachdem man die Gastverehrung vollzogen hat (kṛtvā ca atithipūjanam);
prāṅmukhodaṅmukho vāpi vāgyato dantadhāvanam //
nach Osten oder nach Norden gewandt (prāṅmukhaḥ udaṅmukhaḥ vā api), wortkarg (vāgyataḥ), [vollziehe man] das Zähneputzen (dantadhāvanam).
kurvīta satataṃ viprā varjayed varjyavīrudham / nodakśirāḥ svapej jātu na ca pratyakśirā naraḥ //
das soll man stets vollziehen, ihr Brahmanen; man meide die zu meidenden Pflanzen; der Mensch schlafe niemals mit dem Kopf nach Norden noch mit dem Kopf nach Westen.
Wort für Wort
kurvīta satataṃ viprā varjayed varjyavīrudham /
Das soll man stets vollziehen (kurvīta satatam), ihr Brahmanen (viprāḥ); man meide die zu meidenden Pflanzen (varjayet varjyavīrudham);
nodakśirāḥ svapej jātu na ca pratyakśirā naraḥ //
der Mensch (naraḥ) schlafe niemals mit dem Kopf nach Norden (na udakśirāḥ svapet jātu) noch mit dem Kopf nach Westen (na ca pratyakśirāḥ).
śiras tv āgastyām ādhāya śayītātha puraṃdarīm / na tu gandhavatīṣv apsu śayīta na tathoṣasi //
Vielmehr lege er den Kopf nach der Āgastya-Richtung [Süden] oder liege mit [dem Kopf] nach der Purandara-Richtung [Osten]; er liege nicht auf duftendem Wasser und ebenso nicht bei Morgendämmerung.
Wort für Wort
śiras tv āgastyām ādhāya śayītātha puraṃdarīm /
Den Kopf (śiraḥ) aber (tu) nach der Āgastya-Richtung [Süden] gelegt (āgastyām ādhāya) liege er (śayīta), oder nach der Purandara-Richtung [Osten] (atha puraṃdarīm);
na tu gandhavatīṣv apsu śayīta na tathoṣasi //
er liege aber nicht (na tu ... śayīta) auf duftendem Wasser (gandhavatīṣu apsu) und ebenso nicht bei Morgendämmerung (na tathā uṣasi).
[Anm.] 'Āgastyā' (südliche Himmelsrichtung, benannt nach dem Stern Canopus/Agastya) und 'Puraṃdarī' (östliche Richtung, Indras Richtung).
Bei einer Finsternis ist ein weiteres Bad geboten, außer am [gewöhnlichen] Tag; man wische sich die Glieder nicht mit Kleiderenden ab, [sondern] mit [eigens dafür bestimmten] Tüchern für Hände,
Wort für Wort
uparāge paraṃ snānam ṛte dinam udāhṛtam /
Bei einer Finsternis (uparāge) ist ein weiteres Bad (param snānam) geboten (udāhṛtam), außer am [gewöhnlichen] Tag (ṛte dinam);
apamṛjyān na vastrāntair gātrāṇy ambarapāṇibhiḥ //
man wische sich die Glieder (gātrāṇi) nicht mit Kleiderenden ab (na apamṛjyāt vastrāntaiḥ), [sondern] mit Tüchern für Hände (ambarapāṇibhiḥ).
[Anm.] Vers etwas unsicher; sinngemäß: bei Sonnen-/Mondfinsternis ein zusätzliches Bad, unabhängig vom regulären Tagesablauf.
na cāpi raktavāsāḥ syāc citrāsitadharo 'pi vā / na ca kuryād viparyāsaṃ vāsasor nāpi bhūṣayoḥ //
Auch soll man nicht rot gekleidet sein, noch bunt oder schwarz gekleidet; man vertausche auch nicht die [übliche Reihenfolge] der beiden Kleidungsstücke, noch der beiden Schmuckstücke.
Wort für Wort
na cāpi raktavāsāḥ syāc citrāsitadharo 'pi vā /
Auch soll man nicht rot gekleidet sein (na ca api raktavāsāḥ syāt), noch bunt oder schwarz gekleidet (citrāsitadharaḥ api vā);
na ca kuryād viparyāsaṃ vāsasor nāpi bhūṣayoḥ //
man vertausche auch nicht (na ca kuryāt viparyāsam) die [übliche Reihenfolge] der beiden Kleidungsstücke (vāsasoḥ), noch der beiden Schmuckstücke (na api bhūṣayoḥ).
varjyaṃ ca vidaśaṃ vastram atyantopahataṃ ca yat / kīṭakeśāvapannaṃ ca tathā śvabhir avekṣitam //
Zu meiden ist ein Kleidungsstück ohne Saum und ein völlig beschädigtes; ebenso ein von Insekten oder Haaren befallenes, sowie ein von Hunden angeschautes,
Wort für Wort
varjyaṃ ca vidaśaṃ vastram atyantopahataṃ ca yat /
Zu meiden ist (varjyam ca) ein Kleidungsstück ohne Saum (vidaśam vastram) und ein völlig beschädigtes (atyantopahatam ca yat);
kīṭakeśāvapannaṃ ca tathā śvabhir avekṣitam //
ebenso ein von Insekten oder Haaren befallenes (kīṭakeśāvapannam ca), sowie ein von Hunden angeschautes (tathā śvabhiḥ avekṣitam).
und ein von Hunden Beschlecktes, sowie ein durch Entnahme des Wesentlichen verdorbenes; Rückenfleisch, unrechtmäßig erlangtes Fleisch und zu meidendes Fleisch soll man meiden.
Wort für Wort
avalīḍhaṃ śunā caiva sāroddharaṇadūṣitam /
Und ein von Hunden Beschlecktes (avalīḍham śunā ca eva), sowie ein durch Entnahme des Wesentlichen verdorbenes (sāroddharaṇadūṣitam);
pṛṣṭhamāṃsaṃ vṛthāmāṃsaṃ varjyamāṃsaṃ ca varjayet //
Rückenfleisch (pṛṣṭhamāṃsam), unrechtmäßig erlangtes Fleisch (vṛthāmāṃsam) und zu meidendes Fleisch (varjyamāṃsam ca) soll man meiden (varjayet).
Zubereitungen aus Mehl, Gemüse, Zuckerrohr und Milch aber, ihr besten Zweifachgeborenen, ebenso Fleischzubereitungen, sind, auch wenn länger aufbewahrt, keineswegs zu meiden.
Wort für Wort
piṣṭaśākekṣupayasāṃ vikārā dvijasattamāḥ /
Zubereitungen aus Mehl, Gemüse, Zuckerrohr und Milch (piṣṭaśākekṣupayasām vikārāḥ), ihr besten Zweifachgeborenen (dvijasattamāḥ),
tathā māṃsavikārāś ca naiva varjyāś ciroṣitāḥ //
ebenso Fleischzubereitungen (tathā māṃsavikārāḥ ca), sind, auch wenn länger aufbewahrt (ciroṣitāḥ), keineswegs zu meiden (na eva varjyāḥ).
na caiva śayane norvyām upaviṣṭo na śabdakṛt / preṣyāṇām apradāyātha na bhuñjīta kadācana //
und auch nicht auf dem Lager oder auf dem [bloßen] Boden sitzend, noch Geräusche machend; ohne den Dienern [zuerst] gegeben zu haben, esse man niemals.
Wort für Wort
na caiva śayane norvyām upaviṣṭo na śabdakṛt /
Und auch nicht (na ca eva) auf dem Lager (śayane) oder auf dem [bloßen] Boden (na urvyām) sitzend (upaviṣṭaḥ), noch Geräusche machend (na śabdakṛt);
preṣyāṇām apradāyātha na bhuñjīta kadācana //
ohne den Dienern [zuerst] gegeben zu haben (preṣyāṇām apradāya atha), esse man niemals (na bhuñjīta kadācana).
Der Gang zu einer fremden Ehefrau ist der Vernichter von Opferverdienst, [gutem] Werk und Lebensdauer der Menschen; nichts derartig Lebensverkürzendes gibt es sonst in der Welt.
Wort für Wort
iṣṭāpūrtāyuṣāṃ hantrī paradāragatir nṛṇām /
Der Gang zu einer fremden Ehefrau (paradāragatiḥ) ist der Vernichter (hantrī) von Opferverdienst, [gutem] Werk und Lebensdauer (iṣṭāpūrtāyuṣām) der Menschen (nṛṇām);
nahīdṛśam anāyuṣyaṃ loke kiṃcana vidyate //
nichts derartig Lebensverkürzendes (na hi īdṛśam anāyuṣyam) gibt es sonst in der Welt (loke kiṃcana vidyate).
Wie das Berühren einer fremden Ehefrau durch den Menschen hier [wirkt, so sehr wichtig ist auch] die Verrichtung der Riten für Götter, Feuer und Ahnen, ebenso die Begrüßung des Lehrers.
Wort für Wort
yādṛśaṃ puruṣasyeha paradārābhimarśanam /
Wie (yādṛśam) das Berühren einer fremden Ehefrau (paradārābhimarśanam) durch den Menschen hier (puruṣasya iha) [wirkt],
devāgnipitṛkāryāṇi tathā gurvabhivādanam //
[so wichtig sind] die Riten für Götter, Feuer und Ahnen (devāgnipitṛkāryāṇi), ebenso die Begrüßung des Lehrers (tathā gurvabhivādanam).
[Anm.] Konstruktion elliptisch; die Verse 62-63 setzen einen Vergleich fort, dessen erster Teil in V.61 implizit bleibt.
So soll man, wohlgesippt, ebenso die Handlung des Speisens vollziehen, mit sorgfältig ausgewähltem, schaumlosem, geräuschlosem, geruchlosem, klarem Wasser,
Wort für Wort
kurvīta samyag ācamya tadvad annabhujikriyām /
Man vollziehe (kurvīta), wohlgesippt (samyak ācamya), ebenso (tadvat) die Handlung des Speisens (annabhujikriyām);
aphenaśabdagandhābhir adbhir acchābhir ādarāt //
mit sorgfältig ausgewähltem (ādarāt), schaumlosem, geräuschlosem, geruchlosem (aphenaśabdagandhābhiḥ), klarem Wasser (adbhiḥ acchābhiḥ).
So soll man ebenso die Wassersippung vollziehen, nach Osten oder nach Norden gewandt; [Erde/Wasser] aus dem Innern eines Gewässers, aus einer Siedlung, aus einem Ameisenhügel, aus einem Mäusehügel,
Wort für Wort
ācāmec caiva tadvac ca prāṅmukhodaṅmukho 'pi vā /
So soll man ebenso (tadvat ca) die Wassersippung vollziehen (ācāmet ca eva), nach Osten oder nach Norden gewandt (prāṅmukhaḥ udaṅmukhaḥ api vā);
antarjalād āvasathād valmīkān mūṣikāsthalāt //
aus dem Innern eines Gewässers (antarjalāt), aus einer Siedlung (āvasathāt), aus einem Ameisenhügel (valmīkāt), aus einem Mäusehügel (mūṣikāsthalāt) [gemiedene Erde, s. nächster Vers].
kṛtaśaucāvaśiṣṭāś ca varjayet pañca vai mṛdaḥ / prakṣālya hastau pādau ca samabhyukṣya samāhitaḥ //
und die von einer [bereits] vollzogenen Reinigung übriggebliebene [Erde] – diese fünf Arten von Erde soll man meiden; nachdem man Hände und Füße gewaschen und besprengt hat, gesammelten Sinnes,
Wort für Wort
kṛtaśaucāvaśiṣṭāś ca varjayet pañca vai mṛdaḥ /
und die von einer [bereits] vollzogenen Reinigung übriggebliebene [Erde] (kṛtaśaucāvaśiṣṭāḥ ca) – diese fünf Arten von Erde (pañca mṛdaḥ) soll man wahrlich meiden (varjayet vai);
prakṣālya hastau pādau ca samabhyukṣya samāhitaḥ //
nachdem man Hände und Füße gewaschen (prakṣālya hastau pādau ca) und besprengt hat (samabhyukṣya), gesammelten Sinnes (samāhitaḥ),
antarjānus tathācāmet triś catur vāpi vai naraḥ / parimṛjya dvir āvartya khāni mūrdhānam eva ca //
soll der Mensch, [die Ellbogen] zwischen die Knie [gestützt], ebenso drei- oder auch viermal wahrlich die Wassersippung vollziehen; nachdem er [den Mund] abgewischt hat, zweimal [Wasser] herumführend, [berühre er] die Sinnesöffnungen und den Scheitel,
Wort für Wort
antarjānus tathācāmet triś catur vāpi vai naraḥ /
[Die Ellbogen] zwischen die Knie [gestützt] (antarjānuḥ), soll der Mensch (naraḥ) ebenso drei- oder auch viermal (triḥ catur vā api) wahrlich die Wassersippung vollziehen (tathā ācāmet vai);
parimṛjya dvir āvartya khāni mūrdhānam eva ca //
nachdem er [den Mund] abgewischt hat (parimṛjya), zweimal [Wasser] herumführend (dvis āvartya), [berühre er] die Sinnesöffnungen (khāni) und ebenso den Scheitel (mūrdhānam eva ca).
samyag ācamya toyena kriyāṃ kurvīta vai śuciḥ / kṣute 'valīḍhe vāte ca tathā niṣṭhīvanādiṣu //
Nachdem man wohl mit Wasser die Wassersippung vollzogen hat, verrichte man wahrlich rein die [weitere] Handlung; bei Niesen, Speichel, Wind[abgang], und ebenso bei Spucken u.ä.,
Wort für Wort
samyag ācamya toyena kriyāṃ kurvīta vai śuciḥ /
Nachdem man wohl mit Wasser die Wassersippung vollzogen hat (samyak ācamya toyena), verrichte man wahrlich rein (vai śuciḥ) die [weitere] Handlung (kriyām kurvīta);
kṣute 'valīḍhe vāte ca tathā niṣṭhīvanādiṣu //
bei Niesen (kṣute), Speichel (avalīḍhe), Wind[abgang] (vāte ca), und ebenso bei Spucken u.ä. (tathā niṣṭhīvanādiṣu).
kuryād ācamanaṃ sparśe vāspṛṣṭasyārkadarśanam / kurvītālambhanaṃ cāpi dakṣiṇaśravaṇasya ca //
soll man die Wassersippung vollziehen; bei Berührung [von Unreinem] [genügt] das Betrachten der Sonne für den Unberührten; man soll auch das Berühren des rechten Ohres vollziehen.
Wort für Wort
kuryād ācamanaṃ sparśe vāspṛṣṭasyārkadarśanam /
Man vollziehe die Wassersippung (kuryāt ācamanam) bei Berührung [von Unreinem] (sparśe); für den Unberührten (aspṛṣṭasya) [genügt] das Betrachten der Sonne (arkadarśanam) [im Ersatz];
kurvītālambhanaṃ cāpi dakṣiṇaśravaṇasya ca //
man soll auch (ca api) das Berühren des rechten Ohres (dakṣiṇaśravaṇasya) vollziehen (kurvīta ālambhanam ca).
yathāvibhavato hy etat pūrvābhāve tataḥ param / na vidyamāne pūrvokta uttaraprāptir iṣyate //
Dies [alles gilt] wahrlich entsprechend dem Vermögen; wenn das zuvor Genannte nicht vorhanden ist, dann wird das danach [Genannte] als Ersatz angestrebt; ist das zuvor Genannte nicht vorhanden, wird das Erreichen des Nachfolgenden angestrebt.
Wort für Wort
yathāvibhavato hy etat pūrvābhāve tataḥ param /
Dies [alles gilt] (etat) wahrlich (hi) entsprechend dem Vermögen (yathāvibhavataḥ); bei Fehlen des zuvor Genannten (pūrvābhāve), dann (tataḥ param),
na vidyamāne pūrvokta uttaraprāptir iṣyate //
ist das zuvor Genannte nicht vorhanden (na vidyamāne pūrvokte), wird das Erreichen des Nachfolgenden angestrebt (uttaraprāptiḥ iṣyate).
[Anm.] Vers etwas redundant/unsicher formuliert; Sinn: bei Nichtvorhandensein der ersten Option greift die nächstfolgende ersatzweise.
saṃdhyāyāṃ maithunaṃ cāpi tathā prasthānam eva ca / tathāparāhṇe kurvīta śraddhayā pitṛtarpaṇam //
Auch Geschlechtsverkehr zur Dämmerungszeit, ebenso [dann] eine Reise [antreten, meide man]; am Nachmittag aber soll man mit Hingabe die Wasserspende an die Ahnen vollziehen.
Wort für Wort
saṃdhyāyāṃ maithunaṃ cāpi tathā prasthānam eva ca /
Zur Dämmerungszeit (saṃdhyāyām) Geschlechtsverkehr (maithunam ca api), ebenso eine Reise [antreten] (tathā prasthānam eva ca) [meide man];
tathāparāhṇe kurvīta śraddhayā pitṛtarpaṇam //
am Nachmittag aber (tathā aparāhṇe) soll man mit Hingabe (śraddhayā) die Wasserspende an die Ahnen (pitṛtarpaṇam) vollziehen (kurvīta).
śiraḥsnānaṃ ca kurvīta daivaṃ pitryam athāpi ca / prāṅmukhodaṅmukho vāpi śmaśrukarma ca kārayet //
Man vollziehe die Kopfwäsche, sowohl für das Götter- als auch für das Ahnenritual; nach Osten oder nach Norden gewandt lasse man auch die Bartschur vollziehen.
Wort für Wort
śiraḥsnānaṃ ca kurvīta daivaṃ pitryam athāpi ca /
Die Kopfwäsche (śiraḥsnānam ca) vollziehe man (kurvīta), sowohl für das Götter- (daivam) als auch für das Ahnenritual (pitryam atha api ca);
prāṅmukhodaṅmukho vāpi śmaśrukarma ca kārayet //
nach Osten oder nach Norden gewandt (prāṅmukhaḥ udaṅmukhaḥ vā api) lasse man auch die Bartschur (śmaśrukarma ca) vollziehen (kārayet).
Ein körperlich fehlerhaftes Mädchen soll man meiden, [selbst wenn es] von guter Familie oder gesund [ist]; man heirate eine, die vom Vater und von der Mutter her im siebten bzw. fünften [Grad entfernt] ist.
Wort für Wort
vyaṅginīṃ varjayet kanyāṃ kulajāṃ vāpy arogiṇīm /
Ein körperlich fehlerhaftes Mädchen (vyaṅginīm kanyām) soll man meiden (varjayet), [selbst wenn es] von guter Familie (kulajām vā api) oder gesund [ist] (arogiṇīm);
udvahet pitṛmātroś ca saptamīṃ pañcamīṃ tathā //
man heirate (udvahet) eine, die vom Vater und von der Mutter her (pitṛmātroḥ ca) im siebten bzw. fünften [Grad entfernt] ist (saptamīm pañcamīm tathā).
[Anm.] Bezieht sich auf die Sapiṇḍa-Exogamieregeln: Braut muss außerhalb des 7. Grades väterlicherseits und 5. Grades mütterlicherseits stehen.
Man beschütze die Ehefrau, meide Eifersucht, ebenso Geschlechtsverkehr am Tag und im Traum, sowie stets Handlungen, die anderen Leid zufügen, und die Bedrängung von Lebewesen.
Danach gehe man [zu ihr] in der sechsten Nacht, an den älteren, gerade[nummerierten] Nächten; an geraden Nächten werden Söhne geboren, Töchter an ungeraden Nächten.
Danach (tataḥ) gehe man [zu ihr] (vrajet) in der sechsten Nacht (ṣaṣṭhyām rātryām), an den älteren, gerade[nummerierten] Nächten (jyeṣṭhayugmāsu rātriṣu);
yugmāsu putrā jāyante striyo 'yugmāsu rātriṣu //
an geraden Nächten (yugmāsu) werden Söhne geboren (putrāḥ jāyante), Töchter (striyaḥ) an ungeraden Nächten (ayugmāsu rātriṣu).
vidharmiṇo vai parvādau saṃdhyākāleṣu ṣaṇḍhakāḥ / kṣurakarmaṇi riktāṃ vai varjayīta vicakṣaṇaḥ //
An den Parva-Tagen u.ä. sind [Söhne] widerdharma[-artig], zu den Dämmerungszeiten [werden] Eunuchen [gezeugt]; bei der Rasur-Handlung meide der Kluge wahrlich einen leeren [Tag].
Wort für Wort
vidharmiṇo vai parvādau saṃdhyākāleṣu ṣaṇḍhakāḥ /
An den Parva-Tagen u.ä. (parvādau) [entstehen] wahrlich Widerdharma[-Söhne] (vidharmiṇaḥ vai), zu den Dämmerungszeiten (saṃdhyākāleṣu) Eunuchen (ṣaṇḍhakāḥ);
kṣurakarmaṇi riktāṃ vai varjayīta vicakṣaṇaḥ //
bei der Rasur-Handlung (kṣurakarmaṇi) meide der Kluge (vicakṣaṇaḥ) wahrlich einen leeren [Tag] (riktām vai varjayīta).
[Anm.] Vers stellt eine Fortsetzung der astrologisch-rituellen Zeugungs- bzw. Handlungsregeln dar; 'riktā' (leerer Tag) bezieht sich auf bestimmte ungünstige Tithis.
bruvatām avinītānāṃ na śrotavyaṃ kadācana / na cotkṛṣṭāsanaṃ deyam anutkṛṣṭasya cādarāt //
Was von Ungezogenen gesprochen wird, soll man niemals anhören; und einem nicht Herausragenden soll aus Höflichkeit kein herausragender Sitz gegeben werden.
Wort für Wort
bruvatām avinītānāṃ na śrotavyaṃ kadācana /
Was von Ungezogenen gesprochen wird (bruvatām avinītānām), soll man niemals anhören (na śrotavyam kadācana);
na cotkṛṣṭāsanaṃ deyam anutkṛṣṭasya cādarāt //
und einem nicht Herausragenden (anutkṛṣṭasya) soll aus Höflichkeit (ādarāt) kein herausragender Sitz gegeben werden (na ca utkṛṣṭāsanam deyam).
kṣurakarmaṇi cānte ca strīsaṃbhoge ca bho dvijāḥ / snāyīta cailavān prājñaḥ kaṭabhūmim upetya ca //
Nach der Rasur-Handlung, am Ende [einer Trauerzeit] und nach Geschlechtsverkehr, o Zweifachgeborene, bade der Weise bekleidet, nachdem er einen Ort mit Matten [oder festem Boden] aufgesucht hat.
Wort für Wort
kṣurakarmaṇi cānte ca strīsaṃbhoge ca bho dvijāḥ /
Nach der Rasur-Handlung (kṣurakarmaṇi ca), am Ende [einer Trauerzeit] (ante ca), und nach Geschlechtsverkehr (strīsaṃbhoge ca), o Zweifachgeborene (bho dvijāḥ),
snāyīta cailavān prājñaḥ kaṭabhūmim upetya ca //
bade der Weise (prājñaḥ snāyīta) bekleidet (cailavān), nachdem er einen Ort mit Matten [oder festem Boden] aufgesucht hat (kaṭabhūmim upetya ca).
devavedadvijātīnāṃ sādhusatyamahātmanām / guroḥ pativratānāṃ ca brahmayajñatapasvinām //
Über Götter, Veda, Zweifachgeborene, Redliche, Wahrhaftige, Edelmütige, den Lehrer, pflichttreue Ehefrauen sowie über die im Brahma-Opfer und in Askese Befindlichen,
Wort für Wort
devavedadvijātīnāṃ sādhusatyamahātmanām /
Über Götter, Veda, Zweifachgeborene (devavedadvijātīnām), Redliche, Wahrhaftige, Edelmütige (sādhusatyamahātmanām),
guroḥ pativratānāṃ ca brahmayajñatapasvinām //
über den Lehrer (guroḥ), pflichttreue Ehefrauen (pativratānām ca), sowie über die im Brahma-Opfer und in Askese Befindlichen (brahmayajñatapasvinām),
sadā māṅgalyaveṣaḥ syān na vāmāṅgalyavān bhavet / noddhatonmattamūḍhaiś ca nāvinītaiś ca paṇḍitaḥ //
soll man stets in glückverheißender Erscheinung sein, nicht in unglückverheißender; der Gelehrte [pflege] keine Freundschaft mit Überheblichen, Wahnsinnigen, Dummen und Ungezogenen,
Wort für Wort
sadā māṅgalyaveṣaḥ syān na vāmāṅgalyavān bhavet /
Stets (sadā) soll man in glückverheißender Erscheinung sein (māṅgalyaveṣaḥ syāt), nicht in unglückverheißender (na vāmāṅgalyavān bhavet);
noddhatonmattamūḍhaiś ca nāvinītaiś ca paṇḍitaḥ //
der Gelehrte (paṇḍitaḥ) [pflege keine Freundschaft] mit Überheblichen, Wahnsinnigen, Dummen (uddhatonmattamūḍhaiḥ ca) und Ungezogenen (na avinītaiḥ ca).
gacchen maitrīm aśīlena na vayojātidūṣitaiḥ / na cātivyayaśīlaiś ca puruṣair naiva vairibhiḥ //
man gehe keine Freundschaft ein mit Charakterlosen, noch mit durch Alter oder Kaste Verdorbenen; auch nicht mit übermäßig verschwenderischen Menschen und keinesfalls mit Feinden,
Wort für Wort
gacchen maitrīm aśīlena na vayojātidūṣitaiḥ /
Man gehe keine Freundschaft ein (na gacchet maitrīm) mit Charakterlosen (aśīlena), noch mit durch Alter oder Kaste Verdorbenen (vayojātidūṣitaiḥ);
na cātivyayaśīlaiś ca puruṣair naiva vairibhiḥ //
auch nicht (na ca) mit übermäßig verschwenderischen (ativyayaśīlaiḥ ca) Menschen (puruṣaiḥ), keinesfalls mit Feinden (na eva vairibhiḥ).
kāryākṣamair ninditair na na caiva viṭasaṅgibhiḥ / nisvair na vādaikaparair naraiś cānyais tathādhamaiḥ //
nicht mit zu Handlungen Unfähigen, Getadelten, auch nicht mit Umgang mit Lüstlingen; nicht mit Mittellosen, nicht mit nur streitsüchtigen Menschen, und ebenso nicht mit anderen, niedrig [Gesinnten].
Wort für Wort
kāryākṣamair ninditair na na caiva viṭasaṅgibhiḥ /
Mit zu Handlungen Unfähigen (kāryākṣamaiḥ), Getadelten (ninditaiḥ) nicht (na), auch nicht (na ca eva) mit Umgang mit Lüstlingen (viṭasaṅgibhiḥ);
nisvair na vādaikaparair naraiś cānyais tathādhamaiḥ //
mit Mittellosen (nisvaiḥ) nicht (na), mit nur streitsüchtigen Menschen (vādaikaparaiḥ naraiḥ ca) nicht, und ebenso nicht mit anderen niedrig [Gesinnten] (anyaiḥ tathā adhamaiḥ).
Für Freunde, Geweihte, Könige, Snātakas [Studienabsolventen] und den Schwiegervater soll man aufstehen, und wenn sie ins Haus gekommen sind, sie entsprechend dem Vermögen verehren.
Wort für Wort
suhṛddīkṣitabhūpāla- snātakaśvaśuraiḥ saha /
Für Freunde, Geweihte, Könige (suhṛddīkṣitabhūpāla-), Snātakas [Studienabsolventen] und den Schwiegervater (snātakaśvaśuraiḥ saha)
uttiṣṭhed vibhavāc cainān arcayed gṛham āgatān //
soll man aufstehen (uttiṣṭhet), und wenn sie ins Haus gekommen sind (gṛham āgatān), sie entsprechend dem Vermögen verehren (vibhavāt ca enān arcayet).
entsprechend dem Vermögen, ihr Brahmanen, für jene, die ein Jahr [dort] geweilt haben; nachdem man im Haus die Verehrung wohlgeordnet, an der jeweiligen Stelle der Reihe nach vollzogen hat,
Wort für Wort
yathāvibhavato viprāḥ pratisaṃvatsaroṣitān /
Entsprechend dem Vermögen (yathāvibhavataḥ), ihr Brahmanen (viprāḥ), für jene, die ein Jahr [dort] geweilt haben (pratisaṃvatsaroṣitān);
nachdem man im Haus (gṛhe) die Verehrung (arcanam) wohlgeordnet (samyak), an der jeweiligen Stelle der Reihe nach (yathāsthānam anukramāt) vollzogen hat (kṛtvā),
soll man ebenso im Feuer verehren und der Reihe nach die Opfergüsse darreichen; die erste soll man Brahmā geben, dann dem Herrn der Geschöpfe [Prajāpati],
die Handlung, die früher von mir in der Vorschrift der täglichen Ordnung genannt wurde – danach soll man das Vaiśvadeva-Opfer vollziehen; sprecht [dazu], höret, ihr Zweifachgeborenen.
Wort für Wort
pūrvaṃ khyātā mayā yā tu nityakramavidhau kriyā /
Die Handlung (kriyā), die früher (pūrvam) von mir (mayā) in der Vorschrift der täglichen Ordnung (nityakramavidhau) genannt wurde (khyātā yā tu),
vaiśvadevaṃ tataḥ kuryād vadata śṛṇuta dvijāḥ //
danach (tataḥ) soll man das Vaiśvadeva-Opfer (vaiśvadevam) vollziehen (kuryāt); sprecht [dazu] (vadata), höret (śṛṇuta), ihr Zweifachgeborenen (dvijāḥ).
yathāsthānavibhāgaṃ tu devān uddiśya vai pṛthak / parjanyāpodharitrīṇāṃ dadyāt tu maṇike trayam //
Entsprechend der Ortsaufteilung, wahrlich für jeden Gott einzeln bestimmt, soll man dem Regen[-gott], den Wassern und der Erde je drei [Opfergaben] in eine Schale geben.
Wort für Wort
yathāsthānavibhāgaṃ tu devān uddiśya vai pṛthak /
Entsprechend der Ortsaufteilung (yathāsthānavibhāgam tu), wahrlich für jeden Gott einzeln bestimmt (devān uddiśya vai pṛthak),
parjanyāpodharitrīṇāṃ dadyāt tu maṇike trayam //
soll man dem Regen[-gott], den Wassern und der Erde (parjanyāpodharitrīṇām) drei [Opfergaben] (trayam) in eine Schale geben (dadyāt tu maṇike).
[Anm.] Textlich etwas verdichtet; Sinn: dreifache Gabe für Parjanya, Wasser und Erde zusammen in einer Schale.
vāyave ca pratidiśaṃ digbhyaḥ prācyādiṣu kramāt / brahmaṇe cāntarikṣāya sūryāya ca yathākramāt //
und für Vāyu [den Windgott] in jede Himmelsrichtung, den Richtungen, beginnend im Osten, der Reihe nach; für Brahmā, für den Luftraum und für Sūrya [die Sonne], jeweils der Reihe nach,
Wort für Wort
vāyave ca pratidiśaṃ digbhyaḥ prācyādiṣu kramāt /
Für Vāyu [den Windgott] (vāyave ca) in jede Himmelsrichtung (pratidiśam), den Richtungen (digbhyaḥ), beginnend im Osten (prācyādiṣu), der Reihe nach (kramāt);
brahmaṇe cāntarikṣāya sūryāya ca yathākramāt //
für Brahmā (brahmaṇe ca), für den Luftraum (antarikṣāya) und für Sūrya [die Sonne] (sūryāya ca), jeweils der Reihe nach (yathākramāt).
viśvebhyaś caiva devebhyo viśvabhūtebhya eva ca / uṣase bhūtapataye dadyād vottarataḥ śuciḥ //
und ebenso für alle Götter [Viśvedevas] und ebenso für alle Wesen, für Uṣas [die Morgenröte] und für den Herrn der Wesen soll man rein und nach Norden gewandt geben.
Wort für Wort
viśvebhyaś caiva devebhyo viśvabhūtebhya eva ca /
Und ebenso für alle Götter [Viśvedevas] (viśvebhyaḥ ca eva devebhyaḥ) und ebenso für alle Wesen (viśvabhūtebhyaḥ eva ca),
uṣase bhūtapataye dadyād vottarataḥ śuciḥ //
für Uṣas [die Morgenröte] (uṣase) und für den Herrn der Wesen (bhūtapataye) soll man geben (dadyāt), rein und nach Norden gewandt (vā uttarataḥ śuciḥ).
svadhā ca nama ity uktvā pitṛbhyaś caiva dakṣiṇe / kṛtvāpasavyaṃ vāyavyāṃ yakṣmaitat taiti saṃvadan //
Und indem man 'Svadhā und Verehrung' spricht, [gebe man] für die Ahnen im Süden; nachdem man [die Richtung] umgekehrt hat, in der nordwestlichen Richtung, gegen die Auszehrungskrankheit sprechend 'dies möge fortgehen',
Wort für Wort
svadhā ca nama ity uktvā pitṛbhyaś caiva dakṣiṇe /
Und indem man 'Svadhā und Verehrung' spricht (svadhā ca namaḥ iti uktvā), [gebe man] für die Ahnen (pitṛbhyaḥ ca eva) im Süden (dakṣiṇe);
nachdem man [die Richtung] umgekehrt hat (kṛtvā apasavyam), in der nordwestlichen Richtung (vāyavyām), sprechend (saṃvadan) [die Formel] 'dies möge fortgehen' [?] (yakṣma etat taiti).
[Anm.] Letzte Wortfolge ('yakṣmaitat taiti') textlich unsicher, sinngemäß als apotropäische Formel gegen Krankheit gedeutet.
[Der Zwischenraum] zwischen Zeigefinger und Daumen wird das 'Ahnen-Tīrtha' genannt; damit soll man den Ahnen Wasser geben, außer bei den Nāndīmukha-[Ahnen].
aṅgulyagre tathā daivaṃ tena divyakriyāvidhiḥ / tīrthaṃ kaniṣṭhikāmūle kāyaṃ tatra prajāpateḥ //
An der Fingerspitze ist ebenso das 'Götter-[Tīrtha]', damit [vollzieht man] die Vorschrift der Götterhandlung; das Tīrtha an der Wurzel des kleinen Fingers – dort [gilt es als] der Körper des Prajāpati.
Wort für Wort
aṅgulyagre tathā daivaṃ tena divyakriyāvidhiḥ /
An der Fingerspitze (aṅgulyagre) ist ebenso das 'Götter-[Tīrtha]' (tathā daivam), damit (tena) [vollzieht man] die Vorschrift der Götterhandlung (divyakriyāvidhiḥ);
tīrthaṃ kaniṣṭhikāmūle kāyaṃ tatra prajāpateḥ //
das Tīrtha an der Wurzel des kleinen Fingers (tīrtham kaniṣṭhikāmūle) – dort (tatra) [gilt es als] der Körper des Prajāpati (kāyam prajāpateḥ).
So soll man stets mit diesen Tīrthas die Vorschriften zusammen mit den Ahnen[-riten] vollziehen; niemals mit einem anderen Tīrtha.
Wort für Wort
evam ebhiḥ sadā tīrthair vidhānaṃ pitṛbhiḥ saha /
So (evam) soll man stets (sadā) mit diesen Tīrthas (ebhiḥ tīrthaiḥ) die Vorschriften (vidhānam) zusammen mit den Ahnen[-riten] (pitṛbhiḥ saha) [vollziehen];
sadā kāryāṇi kurvīta nānyatīrthaḥ kadācana //
stets (sadā) soll man die Handlungen vollziehen (kāryāṇi kurvīta), niemals mit einem anderen Tīrtha (na anyatīrthaḥ kadācana).
Mit dem Brahma-[Tīrtha] ist die Wassersippung gelehrt, mit dem Ahnen-[Tīrtha] stets das Ahnen[-ritual], mit dem Götter-Tīrtha das der Götter, mit dem [Fingerspitzen-Tīrtha] das Prajāpati-[Ritual],
Mit dem Brahma-[Tīrtha] (brāhmeṇa) ist die Wassersippung gelehrt (ācamanam śastam), das Ahnen[-ritual] (paitryam) stets mit dem Ahnen-[Tīrtha] (pitryeṇa sarvadā);
devatīrthena devānāṃ prājāpatyaṃ jitena ca //
mit dem Götter-Tīrtha (devatīrthena) das der Götter (devānām), mit dem beherrschten [Tīrtha] (jitena ca) das Prajāpati-[Ritual] (prājāpatyam).
Für die Nāndīmukha-[Ahnen] soll der Kluge die Opferbällchen- und Wasserhandlung mit dem Prajāpati-Tīrtha vollziehen, und was sonst noch Prajāpati [betrifft].
Wort für Wort
nāndīmukhānāṃ kurvīta prājñaḥ piṇḍodakakriyām /
Für die Nāndīmukha-[Ahnen] (nāndīmukhānām) soll der Kluge (prājñaḥ) die Opferbällchen- und Wasserhandlung (piṇḍodakakriyām) vollziehen (kurvīta);
prājāpatyena tīrthena yac ca kiṃcit prajāpateḥ //
mit dem Prajāpati-Tīrtha (prājāpatyena tīrthena), und was sonst noch Prajāpati [betrifft] (yat ca kiṃcit prajāpateḥ).
Man deute nicht auf eine säugende Kuh, man trinke Wasser nicht mit hohler Hand; bei allen Reinigungshandlungen, seien sie umfangreich oder gering, soll der Verständige nicht zögern; man blase das Feuer nicht mit dem Mund an.
Wort für Wort
nācakṣīta dhayantīṃ gāṃ jalaṃ nāñjalinā pibet /
Man deute nicht (na ācakṣīta) auf eine säugende Kuh (dhayantīm gām), man trinke Wasser nicht mit hohler Hand (jalam na añjalinā pibet);
śaucakāleṣu sarveṣu guruṣv alpeṣu vā punaḥ /
bei allen Reinigungshandlungen (śaucakāleṣu sarveṣu), seien sie umfangreich oder gering (guruṣu alpeṣu vā punaḥ),
na vilambeta medhāvī na mukhenānalaṃ dhamet //
soll der Verständige nicht zögern (na vilambeta medhāvī); man blase das Feuer nicht mit dem Mund an (na mukhena analam dhamet).
Wo der König seine Diener [im Griff] hat, mächtig und dem Dharma ergeben ist, dort soll der Kluge stets wohnen; wie sollte unter einem schlechten Herrscher Glück sein?
Wort für Wort
jitabhṛtyo nṛpo yatra balavān dharmatatparaḥ /
Wo (yatra) der König (nṛpaḥ) seine Diener [im Griff] hat (jitabhṛtyaḥ), mächtig (balavān) und dem Dharma ergeben ist (dharmatatparaḥ),
tatra nityaṃ vaset prājñaḥ kutaḥ kunṛpatau sukham //
dort (tatra) soll der Kluge stets wohnen (nityam vaset prājñaḥ); wie (kutaḥ) sollte unter einem schlechten Herrscher (kunṛpatau) Glück sein (sukham)?
tatra viprā na vastavyaṃ yatraitat tritayaṃ sadā / jigīṣuḥ pūrvavairaś ca janaś ca satatotsavaḥ //
Dort, ihr Brahmanen, soll man nicht wohnen, wo stets diese drei [vorherrschen]: Eroberungssucht, alte Feindschaft und ein stets nur festfeierndes Volk.
Wort für Wort
tatra viprā na vastavyaṃ yatraitat tritayaṃ sadā /
Dort (tatra), ihr Brahmanen (viprāḥ), soll man nicht wohnen (na vastavyam), wo stets diese drei [vorherrschen] (yatra etat tritayam sadā):
jigīṣuḥ pūrvavairaś ca janaś ca satatotsavaḥ //
Eroberungssucht (jigīṣuḥ), alte Feindschaft (pūrvavairaḥ ca), und ein stets nur festfeierndes Volk (janaḥ ca satatotsavaḥ).
Genießbar ist altbackene Speise, wenn sie mit Fett bestrichen und lange aufbewahrt ist; auch ohne Fett [sind genießbar] Zubereitungen aus Weizen, Gerste und Milchprodukten,
pitṛdevādiśeṣaṃ ca śrāddhe brāhmaṇakāmyayā / prokṣitaṃ cauṣadhārthaṃ ca khādan māṃsaṃ na duṣyati //
Von den Ahnen und Göttern übriggelassenes [Fleisch], oder beim Śrāddha aus Brahmanen-Wunsch [dargebrachtes], oder besprengtes und zu Heilzwecken [gegebenes] Fleisch zu essen, verunreinigt nicht.
Wort für Wort
pitṛdevādiśeṣaṃ ca śrāddhe brāhmaṇakāmyayā /
Von den Ahnen und Göttern übriggelassenes [Fleisch] (pitṛdevādiśeṣam ca), oder beim Śrāddha aus Brahmanen-Wunsch [dargebrachtes] (śrāddhe brāhmaṇakāmyayā),
prokṣitaṃ cauṣadhārthaṃ ca khādan māṃsaṃ na duṣyati //
oder besprengtes (prokṣitam ca) und zu Heilzwecken [gegebenes] (auṣadhārtham ca) Fleisch (māṃsam) zu essen (khādan), verunreinigt nicht (na duṣyati).
śūrpāṇām ajinānāṃ ca muśalolūkhalasya ca / saṃhatānāṃ ca vastrāṇāṃ prokṣaṇāt saṃcayasya ca //
Von Getreidesieben, Fellen, Stößel und Mörser, und von zusammengelegten Kleidern sowie einem [Getreide-]Haufen ist [die Reinigung] durch Besprengung [zu erreichen].
Wort für Wort
śūrpāṇām ajinānāṃ ca muśalolūkhalasya ca /
Von Getreidesieben (śūrpāṇām), Fellen (ajinānām ca), Stößel und Mörser (muśalolūkhalasya ca);
saṃhatānāṃ ca vastrāṇāṃ prokṣaṇāt saṃcayasya ca //
und von zusammengelegten Kleidern (saṃhatānām ca vastrāṇām) sowie einem [Getreide-]Haufen (saṃcayasya ca) ist [die Reinigung] durch Besprengung (prokṣaṇāt) [zu erreichen].
Von irdenen Gefäßen [erfolgt Reinigung] durch erneutes Brennen bei Unreinheit; rein sind Bettelspeise, die Hand des Handwerkers, Marktware, und ebenso der Mund einer Frau,
Wort für Wort
punaḥ pākena bhāṇḍānāṃ pārthivānām amedhyatā /
Von irdenen Gefäßen (bhāṇḍānām pārthivānām) [erfolgt Reinigung] durch erneutes Brennen (punaḥ pākena) bei Unreinheit (amedhyatā);
rein sind (śuddham) Bettelspeise (bhaikṣyam), die Hand des Handwerkers (kāruhastaḥ), Marktware (paṇyam), und ebenso der Mund einer Frau (yoṣinmukham tathā),
das durch Straßengehen Erlangte, das vom Sklavenstand Zubereitete, das früher Empfohlene, das lange Vergangene, das durch Vieles unterbrochene Geringe,
Wort für Wort
rathyāgamanavijñānaṃ dāsavargeṇa saṃskṛtam /
Das durch Straßengehen Erlangte (rathyāgamanavijñānam), das vom Sklavenstand Zubereitete (dāsavargeṇa saṃskṛtam),
prākpraśastaṃ cirātītam anekāntaritaṃ laghu //
das früher Empfohlene (prākpraśastam), das lange Vergangene (cirātītam), das durch Vieles unterbrochene Geringe (anekāntaritam laghu),
antaḥ prabhūtaṃ bālaṃ ca vṛddhāntaraviceṣṭitam / karmāntāgāraśālāś ca stanadvayaṃ śuci striyāḥ //
das im Innern Reichliche, das Kindliche, das durch Alte in der Zwischenzeit Behandelte, Werkstätten und Vorratsräume, und die Brüste der Frau [gelten als] rein,
Wort für Wort
antaḥ prabhūtaṃ bālaṃ ca vṛddhāntaraviceṣṭitam /
das im Innern Reichliche (antaḥ prabhūtam), das Kindliche (bālam ca), das durch Alte in der Zwischenzeit Behandelte (vṛddhāntaraviceṣṭitam),
karmāntāgāraśālāś ca stanadvayaṃ śuci striyāḥ //
Werkstätten und Vorratsräume (karmāntāgāraśālāḥ ca), und die Brüste der Frau (stanadvayam striyāḥ) [gelten als] rein (śuci).
[Anm.] Aufzählung reiner Dinge/Situationen, fortlaufend zu V.120-121.
durch Bestreichen [mit Kuhdung], Abkratzen und Besprengen; das Haus [wird gereinigt] durch Fegen u.ä.; wenn [Speise] von Haaren oder Insekten befallen, von einer Kuh beschnuppert, von Fliegen umschwärmt ist,
Wort für Wort
lepād ullekhanāt sekād veśma saṃmārjanādinā /
durch Bestreichen [mit Kuhdung] (lepāt), Abkratzen (ullekhanāt) und Besprengen (sekāt); das Haus (veśma) [wird gereinigt] durch Fegen u.ä. (saṃmārjanādinā);
keśakīṭāvapanne ca goghrāte makṣikānvite //
wenn [Speise] von Haaren oder Insekten befallen (keśakīṭāvapanne ca), von einer Kuh beschnuppert (goghrāte), von Fliegen umschwärmt ist (makṣikānvite),
soll man Erde, Wasser oder Asche zur Reinigung in die Speise geben; von Feigenbaum-Gefäßen [erfolgt Reinigung] mit saurem Wasser, von Zinn und Blei [mit Wasser],
Wort für Wort
mṛdambu bhasma cāpy anne prakṣeptavyaṃ viśuddhaye /
Erde, Wasser oder Asche (mṛdambu bhasma ca api) soll man in die Speise geben (anne prakṣeptavyam) zur Reinigung (viśuddhaye);
audumbarāṇām amlena vāriṇā trapusīsayoḥ //
von Feigenbaum-Gefäßen (audumbarāṇām) [erfolgt Reinigung] mit saurem Wasser (amlena vāriṇā), von Zinn und Blei (trapusīsayoḥ) [ebenso].
bhasmāmbubhiś ca kāṃsyānāṃ śuddhiḥ plāvo dravasya ca / amedhyāktasya mṛttoyair gandhāpaharaṇena ca //
Mit Asche und Wasser ist die Reinigung von Bronzewaren; Überschwemmung [reinigt] Flüssiges; bei mit Unreinem Bestrichenem [erfolgt sie] mit Erde und Wasser sowie durch Beseitigung des Geruchs.
Wort für Wort
bhasmāmbubhiś ca kāṃsyānāṃ śuddhiḥ plāvo dravasya ca /
Mit Asche und Wasser (bhasmāmbubhiḥ ca) ist die Reinigung von Bronzewaren (kāṃsyānām śuddhiḥ); Überschwemmung (plāvaḥ) [reinigt] Flüssiges (dravasya ca);
amedhyāktasya mṛttoyair gandhāpaharaṇena ca //
bei mit Unreinem Bestrichenem (amedhyāktasya) [erfolgt sie] mit Erde und Wasser (mṛttoyaiḥ) sowie durch Beseitigung des Geruchs (gandhāpaharaṇena ca).
anyeṣāṃ caiva dravyāṇāṃ varṇagandhāṃś ca hārayet / śuci māṃsaṃ tu cāṇḍāla- kravyādair vinipātitam //
Und bei anderen Gegenständen soll man deren Farbe und Geruch entfernen [lassen]; rein aber ist Fleisch, das von Caṇḍālas oder fleischfressenden [Tieren] zu Fall gebracht wurde,
Wort für Wort
anyeṣāṃ caiva dravyāṇāṃ varṇagandhāṃś ca hārayet /
Und bei anderen Gegenständen (anyeṣām ca eva dravyāṇām) soll man deren Farbe und Geruch (varṇagandhān ca) entfernen [lassen] (hārayet);
śuci māṃsaṃ tu cāṇḍāla- kravyādair vinipātitam //
rein aber (śuci tu) ist Fleisch (māṃsam), das von Caṇḍālas oder fleischfressenden [Tieren] (cāṇḍālakravyādaiḥ) zu Fall gebracht wurde (vinipātitam).
und rein ist auf der Straße erhaltenes Öl u.ä., sowie Milch, die eine Kuh sättigt; Staub, Feuer, der Schatten eines Pferdes oder einer Kuh, Sonnenstrahlen, Wind und Erde
Wort für Wort
rathyāgataṃ ca tailādi śuci gotṛptidaṃ payaḥ /
Auf der Straße erhaltenes Öl u.ä. (rathyāgatam ca tailādi) ist rein (śuci), sowie Milch, die eine Kuh sättigt (gotṛptidam payaḥ);
rajo 'gnir aśvagochāyā raśmayaḥ pavano mahī //
Staub (rajaḥ), Feuer (agniḥ), der Schatten eines Pferdes oder einer Kuh (aśvagochāyā), Sonnenstrahlen (raśmayaḥ), Wind (pavanaḥ) und Erde (mahī)
vipluṣo makṣikādyāś ca duṣṭasaṅgād adoṣiṇaḥ / ajāśvaṃ mukhato medhyaṃ na gor vatsasya cānanam //
sind Spritzer, Fliegen u.ä. auch bei Kontakt mit Unreinem nicht fehlerhaft; von Ziege und Pferd her ist der Mund rein, nicht [jedoch] von der Kuh und dem Munde des Kalbes.
Wort für Wort
vipluṣo makṣikādyāś ca duṣṭasaṅgād adoṣiṇaḥ /
Spritzer, Fliegen u.ä. (vipluṣaḥ makṣikādyāḥ ca) sind auch bei Kontakt mit Unreinem (duṣṭasaṅgāt) nicht fehlerhaft (adoṣiṇaḥ);
ajāśvaṃ mukhato medhyaṃ na gor vatsasya cānanam //
von Ziege und Pferd her (ajāśvam mukhataḥ) ist [der Mund] rein (medhyam), nicht [jedoch] von der Kuh (na goḥ) und dem Munde des Kalbes (vatsasya ca ānanam).
Bei der Mutter[-Kuh] ist [der Mund] am Euter rein, [ebenso] ein Vogel beim Herabfallenlassen von Früchten; Sitz, Lager, Fahrzeug, die beiden Flussufer und Gras,
Wort für Wort
mātuḥ prasravaṇe medhyaṃ śakuniḥ phalapātane /
Bei der Mutter[-Kuh] (mātuḥ) ist [der Mund] am Euter (prasravaṇe) rein (medhyam), [ebenso] ein Vogel (śakuniḥ) beim Herabfallenlassen von Früchten (phalapātane);
āsanaṃ śayanaṃ yānaṃ taṭau nadyās tṛṇāni ca //
Sitz, Lager, Fahrzeug (āsanam śayanam yānam), die beiden Flussufer (taṭau nadyāḥ) und Gras (tṛṇāni ca),
diese werden durch Mondlicht, Sonnenstrahlen und Wind gereinigt, wie Marktware; beim Ausweichen auf der Straße, beim Baden, bei den Verrichtungen des Niesens und Trinkens,
Wort für Wort
somasūryāṃśupavanaiḥ śudhyante tāni paṇyavat /
Durch Mondlicht, Sonnenstrahlen und Wind (somasūryāṃśupavanaiḥ) werden diese gereinigt (śudhyante tāni), wie Marktware (paṇyavat);
rathyāpasarpaṇe snāne kṣutpānānāṃ ca karmasu //
beim Ausweichen auf der Straße (rathyāpasarpaṇe), beim Baden (snāne), bei den Verrichtungen des Niesens und Trinkens (kṣutpānānām ca karmasu),
soll man wie üblich die Wassersippung vollziehen, [ebenso] beim Anlegen der Kleidung; bei Berührung von durch Berührung [Verunreinigtem], zweimal auf verschlammtem Straßenwasser,
Wort für Wort
ācāmeta yathānyāyaṃ vāsasaḥ paridhāpane /
Soll man wie üblich (yathānyāyam) die Wassersippung vollziehen (ācāmeta), [ebenso] beim Anlegen der Kleidung (vāsasaḥ paridhāpane);
Von gebrannten, geschichteten Ziegeln [besteht] Reinheit durch [bloßen] Luftkontakt; von reichlich verunreinigter Speise entferne man den obersten Teil und werfe [den Rest] weg,
Wort für Wort
pakveṣṭakacitānāṃ ca medhyatā vāyusaṃśrayāt /
Von gebrannten, geschichteten Ziegeln (pakveṣṭakacitānām ca) [besteht] Reinheit (medhyatā) durch [bloßen] Luftkontakt (vāyusaṃśrayāt);
prabhūtopahatād annād agram uddhṛtya saṃtyajet //
von reichlich verunreinigter Speise (prabhūtopahatāt annāt) entferne man den obersten Teil (agram uddhṛtya) und werfe [den Rest] weg (saṃtyajet).
vom Rest vollziehe man die Besprengung, nach der Wassersippung mit Wasser und ebenso mit Erde; ein dreitägiges Fasten [ist die Buße] für den, der verdorbene Speise gegessen hat,
Wort für Wort
śeṣasya prokṣaṇaṃ kuryād ācamyādbhis tathā mṛdā /
Vom Rest (śeṣasya) vollziehe man die Besprengung (prokṣaṇam kuryāt), nach der Wassersippung (ācamya) mit Wasser und ebenso mit Erde (adbhiḥ tathā mṛdā);
upavāsas trirātraṃ tu duṣṭabhaktāśino bhavet //
ein dreitägiges Fasten (upavāsaḥ trirātram tu) [ist die Buße] für den, der verdorbene Speise gegessen hat (duṣṭabhaktāśinaḥ bhavet).
ajñāne jñānapūrve tu taddoṣopaśame na tu / udakyāṃ vāvalagnāṃ ca sūtikāntyāvasāyinaḥ //
bei Unwissenheit [gilt dies], bei bewusster [Verletzung] jedoch gibt es keine Milderung jenes Fehlers; nach dem Berühren einer menstruierenden Frau, einer Wöchnerin, oder eines Angehörigen der niedrigsten Kaste,
Wort für Wort
ajñāne jñānapūrve tu taddoṣopaśame na tu /
Bei Unwissenheit (ajñāne) [gilt dies]; bei bewusster [Verletzung] (jñānapūrve tu) jedoch gibt es keine Milderung jenes Fehlers (taddoṣopaśame na tu);
udakyāṃ vāvalagnāṃ ca sūtikāntyāvasāyinaḥ //
nach dem Berühren einer menstruierenden Frau (udakyām vā), einer [an ihr] Anhaftenden (avalagnām ca), einer Wöchnerin (sūtikā), oder eines Angehörigen der niedrigsten Kaste (antyāvasāyinaḥ),
soll man zur Reinigung baden, ebenso nach [Berührung] eines Leichenträgers; nachdem er einen [Toten oder] fetthaltigen Knochen berührt hat, wird der Brahmane durch Baden rein.
Wort für Wort
spṛṣṭvā snāyīta śaucārthaṃ tathaiva mṛtahāriṇaḥ /
Nach Berühren (spṛṣṭvā) soll man zur Reinigung baden (snāyīta śaucārtham), ebenso nach [Berührung] eines Leichenträgers (tathā eva mṛtahāriṇaḥ);
nachdem er einen [Toten] oder fetthaltigen Knochen (nāram spṛṣṭvā asthi sasneham) berührt hat, wird der Brahmane (vipraḥ) durch Baden (snātvā) rein (viśudhyati).
ācamyaiva tu niḥsnehaṃ gām ālabhyārkam īkṣya vā / na laṅghayet tathaivātha ṣṭhīvanodvartanāni ca //
bei fettlosem [Knochen genügt] nur die Wassersippung, oder das Berühren einer Kuh, oder das Betrachten der Sonne; und ebenso überschreite man nicht Spucke oder [Bade-]Abrieb,
Wort für Wort
ācamyaiva tu niḥsnehaṃ gām ālabhyārkam īkṣya vā /
Bei fettlosem [Knochen] (niḥsneham) [genügt] nur die Wassersippung (ācamya eva tu), oder das Berühren einer Kuh (gām ālabhya), oder das Betrachten der Sonne (arkam īkṣya vā);
na laṅghayet tathaivātha ṣṭhīvanodvartanāni ca //
und ebenso (tathā eva atha) überschreite man nicht (na laṅghayet) Spucke oder [Bade-]Abrieb (ṣṭhīvanodvartanāni ca).
gṛhād ucchiṣṭaviṇmūtraṃ pādāmbhas tat kṣiped bahiḥ / pañcapiṇḍān anuddhṛtya na snāyāt paravāriṇi //
Speisereste, Kot, Urin und Fußwaschwasser werfe man aus dem Haus hinaus; ohne die fünf [rituellen] Klumpen entnommen zu haben, bade man nicht in fremdem Wasser.
Wort für Wort
gṛhād ucchiṣṭaviṇmūtraṃ pādāmbhas tat kṣiped bahiḥ /
Speisereste, Kot, Urin (ucchiṣṭaviṇmūtram) und Fußwaschwasser (pādāmbhaḥ) werfe man aus dem Haus (gṛhāt) hinaus (tat kṣipet bahiḥ);
pañcapiṇḍān anuddhṛtya na snāyāt paravāriṇi //
ohne die fünf [rituellen] Klumpen (pañcapiṇḍān) entnommen zu haben (anuddhṛtya), bade man nicht (na snāyāt) in fremdem Wasser (paravāriṇi).
[Anm.] 'pañcapiṇḍa' unsicher, evtl. Bezug auf bestimmte rituelle Vorabgaben vor dem Baden in fremden Gewässern.
Man spreche nicht mit vom Volk Gehassten, ebenso nicht mit Frauen ohne [männlichen] Beschützer, [noch] mit Verächtern der Götter, Ahnen, guten Lehrschriften, Opferer und Asketen,
Wort für Wort
nālapej janavidviṣṭān vīrahīnās tathā striyaḥ /
Man spreche nicht (na ālapet) mit vom Volk Gehassten (janavidviṣṭān), ebenso nicht mit Frauen ohne [männlichen] Beschützer (vīrahīnāḥ tathā striyaḥ),
devatāpitṛsacchāstra- yajvisaṃnyāsinindakaiḥ //
[noch] mit Verächtern der Götter, Ahnen, guten Lehrschriften, Opferer und Asketen (devatāpitṛsacchāstrayajvisaṃnyāsinindakaiḥ).
Nachdem man aber Berührung oder Gespräch [mit solchen] gehabt hat, wird man durch Betrachten der Sonne rein; ebenso nach dem Anblicken einer menstruierenden Frau, eines hingelegten oder gefallenen Leichnams,
Wort für Wort
kṛtvā tu sparśanālāpaṃ śudhyaty arkāvalokanāt /
Nachdem man aber (tu) Berührung oder Gespräch [mit solchen] gehabt hat (kṛtvā sparśanālāpam), wird man durch Betrachten der Sonne rein (śudhyati arkāvalokanāt);
avalokya tathodakyāṃ saṃnyastaṃ patitaṃ śavam //
ebenso (tathā) nach dem Anblicken (avalokya) einer menstruierenden Frau (udakyām), eines hingelegten (saṃnyastam) oder gefallenen Leichnams (patitam śavam),
vidharmisūtikāṣaṇḍha- vivastrāntyāvasāyinaḥ / mṛtaniryātakāṃś caiva paradāraratāś ca ye //
eines Widerdharma-[Anhängers], einer Wöchnerin, eines Eunuchen, eines Unbekleideten, eines Angehörigen der niedrigsten Kaste, sowie derer, die einen Leichnam hinaustragen, und derer, die einer fremden Ehefrau ergeben sind,
Wort für Wort
vidharmisūtikāṣaṇḍha- vivastrāntyāvasāyinaḥ /
eines Widerdharma-[Anhängers], einer Wöchnerin, eines Eunuchen (vidharmisūtikāṣaṇḍha-), eines Unbekleideten, eines Angehörigen der niedrigsten Kaste (vivastrāntyāvasāyinaḥ),
mṛtaniryātakāṃś caiva paradāraratāś ca ye //
sowie derer, die einen Leichnam hinaustragen (mṛtaniryātakān ca eva), und derer, die einer fremden Ehefrau ergeben sind (paradāraratāḥ ca ye).
etad eva hi kartavyaṃ prājñaiḥ śodhanam ātmanaḥ / abhojyabhikṣupākhaṇḍa- mārjārakharakukkuṭān //
eben dies soll wahrlich von den Klugen zur eigenen Reinigung vollzogen werden; nach Berührung von ungenießbaren [Speisen], Bettelmönchen [häretischer Sekten], Ketzern, Katzen, Eseln, Hähnen,
Wort für Wort
etad eva hi kartavyaṃ prājñaiḥ śodhanam ātmanaḥ /
Eben dies (etat eva hi) soll von den Klugen (prājñaiḥ) zur eigenen Reinigung (śodhanam ātmanaḥ) vollzogen werden (kartavyam);
abhojyabhikṣupākhaṇḍa- mārjārakharakukkuṭān //
nach Berührung von ungenießbaren [Speisen], Bettelmönchen [häretischer Sekten], Ketzern (abhojyabhikṣupākhaṇḍa-), Katzen, Eseln, Hähnen (mārjārakharakukkuṭān).
patitāpaviddhacāṇḍāla- mṛtāhārāṃś ca dharmavit / saṃspṛśya śudhyate snānād udakyāgrāmaśūkarau //
Gefallenen, Verstoßenen, Caṇḍālas, Leichenfressern berührt habend, wird der Dharmakundige durch Baden rein; ebenso nach [Berührung] einer menstruierenden Frau, eines Dorfschweins,
Wort für Wort
patitāpaviddhacāṇḍāla- mṛtāhārāṃś ca dharmavit /
Gefallenen, Verstoßenen, Caṇḍālas, Leichenfressern (patitāpaviddhacāṇḍālamṛtāhārān ca) [nachdem er berührt hat], wird der Dharmakundige (dharmavit)
saṃspṛśya śudhyate snānād udakyāgrāmaśūkarau //
berührt habend (saṃspṛśya) durch Baden rein (śudhyate snānāt); ebenso nach einer menstruierenden Frau, einem Dorfschwein (udakyāgrāmaśūkarau).
yaś ca brāhmaṇasaṃtyaktaḥ kilbiṣāśī narādhamaḥ / nityasya karmaṇo hāniṃ na kurvīta kadācana //
und wer von Brahmanen verstoßen ist, ein Sündenesser, ein niedrigster Mensch [sei ebenso zu meiden]; die Versäumnis der täglichen Pflicht soll man niemals begehen.
Wort für Wort
yaś ca brāhmaṇasaṃtyaktaḥ kilbiṣāśī narādhamaḥ /
Und wer (yaḥ ca) von Brahmanen verstoßen ist (brāhmaṇasaṃtyaktaḥ), ein Sündenesser (kilbiṣāśī), ein niedrigster Mensch (narādhamaḥ) [sei ebenso zu meiden];
nityasya karmaṇo hāniṃ na kurvīta kadācana //
die Versäumnis (hānim) der täglichen Pflicht (nityasya karmaṇaḥ) soll man niemals (na ... kadācana) begehen (kurvīta).
Deren Unterlassung aber will ich verkünden, [die nur] bei Todes- und Geburtsfällen [gilt]: zehn Tage soll der Brahmane [in Unreinheit] verweilen, ohne Gaben und Homa-Opfer,
Wort für Wort
tasya tv akaraṇaṃ vakṣye kevalaṃ mṛtajanmasu /
Deren Unterlassung (tasya akaraṇam) aber will ich verkünden (tu vakṣye), [die nur gilt] bei Todes- und Geburtsfällen (kevalam mṛtajanmasu);
daśāhaṃ brāhmaṇas tiṣṭhed dānahomavivarjitaḥ //
zehn Tage (daśāham) soll der Brahmane (brāhmaṇaḥ) [in Unreinheit] verweilen (tiṣṭhet), ohne Gaben und Homa-Opfer (dānahomavivarjitaḥ).
Danach sollen alle wieder ihre eigene Pflicht ausüben, wie es sich gebührt; dem Verstorbenen soll Wasser gegeben werden, nachdem man mit den Gotra-Verwandten hinausgegangen ist,
Wort für Wort
tataḥ paraṃ nijaṃ karma kuryuḥ sarve yathocitam /
Danach (tataḥ param) sollen alle (sarve) ihre eigene Pflicht (nijam karma) ausüben (kuryuḥ), wie es sich gebührt (yathocitam);
pretāya salilaṃ deyaṃ bahir gatvā tu gotrakaiḥ //
dem Verstorbenen (pretāya) soll Wasser gegeben werden (salilam deyam), nachdem man hinausgegangen ist (bahiḥ gatvā tu), mit den Gotra-Verwandten (gotrakaiḥ).
am ersten Tag, am vierten, am siebten und ebenso am neunten [Tag]; dessen Knochensammlung soll am vierten Tag von den Gotra-Verwandten vollzogen werden.
Wort für Wort
prathame 'hni caturthe ca saptame navame tathā /
Am ersten Tag (prathame ahni), am vierten (caturthe ca), am siebten (saptame) und ebenso am neunten [Tag] (navame tathā);
Nach der Sammlung wird ihnen [den Trauernden] die Körperberührung [wieder erlaubt]; von den Gotra-Verwandten aber sollen alle [weiteren] Handlungen nach der Sammlung vollzogen werden.
Wort für Wort
ūrdhvaṃ saṃcayanāt teṣām aṅgasparśo vidhīyate /
Nach der Sammlung (ūrdhvam saṃcayanāt) wird ihnen (teṣām) die Körperberührung (aṅgasparśaḥ) [wieder] erlaubt (vidhīyate);
gotrakais tu kriyāḥ sarvāḥ kāryāḥ saṃcayanāt param //
von den Gotra-Verwandten aber (gotrakaiḥ tu) sollen alle [weiteren] Handlungen (kriyāḥ sarvāḥ) nach der Sammlung (saṃcayanāt param) vollzogen werden (kāryāḥ).
Für die Sapiṇḍas [gilt] die [Unreinheits-Regel] eben ab dem Berühren am Todestag, für beide [Geburts- und Todesfall] ebenso; entsprechend dem Sinn, bei Waffe, Erhängen und Feuer[-tod] aus eigenem Willen,
Wort für Wort
sparśa eva sapiṇḍānāṃ mṛtāhani tathobhayoḥ /
Für die Sapiṇḍas (sapiṇḍānām) [gilt] eben das Berühren (sparśaḥ eva) am Todestag (mṛtāhani), für beide [Geburts- und Todesfall] ebenso (tathā ubhayoḥ);
anvartham icchayā śastra- rajjubandhanavahniṣu //
entsprechend dem Sinn (anvartham), bei Waffe, Erhängen und Feuer[-tod] aus eigenem Willen (icchayā śastrarajjubandhanavahniṣu).
[Anm.] Vers behandelt Sonderfälle der Todesart (Suizid u.ä.) hinsichtlich der Unreinheits-Berechnung.
viṣapratāpādimṛte prāyānāśakayor api / bāle deśāntarasthe ca tathā pravrajite mṛte //
bei Tod durch Gift, Fieber u.ä., ebenso bei [Tod durch] Hungerstreik oder Fasten; bei einem Kind, bei einem in einem anderen Land Befindlichen, und ebenso bei einem verstorbenen Asketen,
Wort für Wort
viṣapratāpādimṛte prāyānāśakayor api /
Bei Tod durch Gift, Fieber u.ä. (viṣapratāpādimṛte), ebenso bei [Tod durch] Hungerstreik oder Fasten (prāyānāśakayoḥ api);
bāle deśāntarasthe ca tathā pravrajite mṛte //
bei einem Kind (bāle), bei einem in einem anderen Land Befindlichen (deśāntarasthe ca), und ebenso bei einem verstorbenen Asketen (tathā pravrajite mṛte),
gilt für die Menschen sofortige Reinheit; ein dreitägiges Unreinheitsverbot wird gelehrt; wenn unter den Sapiṇḍas ein Sapiṇḍa [nach dem Tod eines Anderen] stirbt, während ein anderer [bereits] verstorben ist,
pūrvaśaucaṃ samākhyātaṃ kāryās tatra dinakriyāḥ / eṣa eva vidhir dṛṣṭo janmany api hi sūtake //
so gilt die frühere Unreinheitsfrist als maßgeblich; dabei sollen die Tagesriten [dennoch] vollzogen werden; eben diese Vorschrift gilt wahrlich auch bei einer Geburt, im Wöchnerinnenfall.
Wort für Wort
pūrvaśaucaṃ samākhyātaṃ kāryās tatra dinakriyāḥ /
so gilt die frühere Unreinheitsfrist (pūrvaśaucam) als maßgeblich (samākhyātam); dabei (tatra) sollen die Tagesriten (dinakriyāḥ) [dennoch] vollzogen werden (kāryāḥ);
eṣa eva vidhir dṛṣṭo janmany api hi sūtake //
eben diese Vorschrift (eṣaḥ eva vidhiḥ) gilt (dṛṣṭaḥ) wahrlich auch bei einer Geburt (janmani api hi), im Wöchnerinnenfall (sūtake).
Bei den Sapiṇḍas gegenüber Sapiṇḍas gilt es entsprechend, ebenso bei den Sodaka-[entfernteren Verwandten]; bei der Geburt eines Sohnes wird für den Vater ein Bad mit Kleidung vorgeschrieben.
Wort für Wort
sapiṇḍānāṃ sapiṇḍeṣu yathāvat sodakeṣu ca /
Bei den Sapiṇḍas (sapiṇḍānām) gegenüber Sapiṇḍas (sapiṇḍeṣu) gilt es entsprechend (yathāvat), ebenso bei den Sodaka-[entfernteren Verwandten] (sodakeṣu ca);
putre jāte pituḥ snānaṃ sacailasya vidhīyate //
bei der Geburt eines Sohnes (putre jāte) wird für den Vater (pituḥ) ein Bad mit Kleidung (snānam sacailasya) vorgeschrieben (vidhīyate).
Wenn dabei auch [ein weiterer Todesfall] bei einem anderen unmittelbar danach folgt, so wird auch dabei die Reinigung nach den Tagen des zuerst Geborenen [Falls] bemessen.
Wort für Wort
tatrāpi yadi vānyasminn anuyātas tataḥ param /
Wenn dabei auch (tatra api yadi vā) bei einem anderen (anyasmin) [ein weiterer Fall] unmittelbar danach folgt (anuyātaḥ tataḥ param),
tatrāpi śuddhir uditā pūrvajanmavato dinaiḥ //
so wird auch dabei (tatra api) die Reinigung (śuddhiḥ) nach den Tagen des zuerst eingetretenen [Falls] (pūrvajanmavataḥ dinaiḥ) bemessen (uditā).
sollen alle Stände (sarve varṇāḥ) wieder ihre jeweils eigenen Pflichthandlungen (svāḥ svāḥ karmakriyāḥ) vorschriftsmäßig vollziehen (kuryuḥ yathāvidhi).
yad yad iṣṭatamaṃ loke yac cāsya dayitaṃ gṛhe / tat tad guṇavate deyaṃ tad evākṣayam icchatā //
Was auch immer in der Welt das Liebste ist, und was ihm im Haus lieb war, das soll einem Verdienstvollen gegeben werden von dem, der eben dies unvergänglich [für den Toten] wünscht.
Wort für Wort
yad yad iṣṭatamaṃ loke yac cāsya dayitaṃ gṛhe /
Was auch immer (yat yat) in der Welt das Liebste ist (iṣṭatamam loke), und was ihm im Haus lieb war (yat ca asya dayitam gṛhe),
tat tad guṇavate deyaṃ tad evākṣayam icchatā //
das (tat tat) soll einem Verdienstvollen gegeben werden (guṇavate deyam), von dem, der eben dies unvergänglich [für den Toten] wünscht (tat eva akṣayam icchatā).
pūrṇais tu divasaiḥ spṛṣṭvā salilaṃ vāhanāyudhaiḥ / dattapretodapiṇḍāś ca sarve varṇāḥ kṛtakriyāḥ //
Nach Ablauf der vollen Tage aber, nachdem man Wasser mit Reit-/Fahrzeugen und Waffen berührt hat, sollen alle Stände, nachdem sie dem Verstorbenen Wasser und Opferbällchen gegeben haben, ihre Riten vollzogen haben,
Wort für Wort
pūrṇais tu divasaiḥ spṛṣṭvā salilaṃ vāhanāyudhaiḥ /
Nach Ablauf der vollen Tage (pūrṇaiḥ tu divasaiḥ), nachdem man Wasser (salilam) mit Reit-/Fahrzeugen und Waffen (vāhanāyudhaiḥ) berührt hat (spṛṣṭvā),
dattapretodapiṇḍāś ca sarve varṇāḥ kṛtakriyāḥ //
sollen alle Stände (sarve varṇāḥ), nachdem sie dem Verstorbenen Wasser und Opferbällchen gegeben haben (dattapretodapiṇḍāḥ ca), ihre Riten vollzogen haben (kṛtakriyāḥ),
Auf rechtem Wege soll Vermögen erworben werden, und auch mit Sorgfalt soll geopfert werden, [in einer Weise,] durch die die erzürnte eigene Seele nicht in Selbstverachtung gerät, o Zweifachgeborene.
Wort für Wort
dharmato dhanam āhāryaṃ yaṣṭavyaṃ cāpi yatnataḥ /
Auf rechtem Wege (dharmataḥ) soll Vermögen erworben werden (dhanam āhāryam), und auch mit Sorgfalt (ca api yatnataḥ) soll geopfert werden (yaṣṭavyam);
yena prakupito nātmā jugupsām eti bho dvijāḥ //
[in einer Weise,] durch die (yena) die erzürnte eigene Seele (prakupitaḥ ātmā) nicht in Selbstverachtung gerät (na jugupsām eti), o Zweifachgeborene (bho dvijāḥ).
tat kartavyam aśaṅkena yan na gopyaṃ mahājanaiḥ / evam ācarato viprāḥ puruṣasya gṛhe sataḥ //
Das soll ohne Bedenken getan werden, was von den großen Menschen nicht verheimlicht wird; so, ihr Brahmanen, [erlangt] der Mensch, der [danach] handelt, im Haus lebend,
Wort für Wort
tat kartavyam aśaṅkena yan na gopyaṃ mahājanaiḥ /
Das soll ohne Bedenken getan werden (tat kartavyam aśaṅkena), was von den großen Menschen nicht verheimlicht wird (yat na gopyam mahājanaiḥ);
evam ācarato viprāḥ puruṣasya gṛhe sataḥ //
so (evam), ihr Brahmanen (viprāḥ), [erlangt] der Mensch, der [danach] handelt (ācarataḥ puruṣasya), im Haus lebend (gṛhe sataḥ),
alle Sünde vernichtend, verdienstvoll, Glanz, Gedeihen und Gesundheit gebend, heilbringend, Ruhm und Ansehen den Menschen verleihend, Kraft und Stärke mehrend,
Wort für Wort
sarvapāpaharaṃ puṇyaṃ śrīpuṣṭyārogyadaṃ śivam /
alle Sünde vernichtend (sarvapāpaharam), verdienstvoll (puṇyam), Glanz, Gedeihen und Gesundheit gebend (śrīpuṣṭyārogyadam), heilbringend (śivam);
yaśaḥkīrtipradaṃ nṝṇāṃ tejobalavivardhanam //
Ruhm und Ansehen (yaśaḥkīrtipradam) den Menschen (nṝṇām) verleihend, Kraft und Stärke mehrend (tejobalavivardhanam).
śrutismṛtyuditaṃ dharmaṃ na deyaṃ yasya kasyacit / na nāstikāya dātavyaṃ na duṣṭamataye dvijāḥ / na dāmbhikāya mūrkhāya na kutarkapralāpine //
Der in Śruti und Smṛti verkündete Dharma soll nicht irgendjemandem gegeben werden; nicht dem Atheisten soll er gegeben werden, nicht dem von böser Gesinnung, ihr Zweifachgeborenen, nicht dem Heuchler, dem Dummen, nicht dem in falscher Sophisterei Schwätzenden.
Wort für Wort
śrutismṛtyuditaṃ dharmaṃ na deyaṃ yasya kasyacit /
Der in Śruti und Smṛti verkündete (śrutismṛtyuditam) Dharma (dharmam) soll nicht (na deyam) irgendjemandem (yasya kasyacit) gegeben werden;
na nāstikāya dātavyaṃ na duṣṭamataye dvijāḥ /
nicht dem Atheisten (na nāstikāya) soll er gegeben werden (dātavyam), nicht dem von böser Gesinnung (na duṣṭamataye), ihr Zweifachgeborenen (dvijāḥ);
na dāmbhikāya mūrkhāya na kutarkapralāpine //
nicht dem Heuchler (na dāmbhikāya), dem Dummen (mūrkhāya), nicht dem in falscher Sophisterei Schwätzenden (na kutarkapralāpine).