Quellen der Menschheit

Brahma-Purāṇa

Kapitel 4: brahmapurāṇam, caturtho 'dhyāyaḥ Pṛthus Krönung, die Erdmelkung und der Ursprung der Zivilisation (Verse 1–122, vollständig)

Ausführliche Neuerzählung und Vertiefung der bereits in Kap. 2 knapp berichteten Pṛthu-Geschichte: Einsetzung von Herrschern für jede Wesensklasse und der vier Himmelsrichtungs-Wächter, Pṛthus Rājasūya-Krönung (v.1-18); auf Bitte der Weisen die vollständige Vorgeschichte: Veṇas Abstammung von Aṅga und dem Tod (Mṛtyu) über seine Mutter Sunīthā, sein zunehmender Verfall bis zum offenen Opferverbot und der Behauptung, selbst Opfer/Opfernder/Verehrter zu sein (v.19-41); die Weisen quirlen zunächst seinen linken Schenkel (daraus entsteht der dunkle Niṣāda-Stammvater samt Fischer- und Bergstämmen) und dann seine rechte Hand, aus der der feurige Pṛthu entsteht (v.42-52); Pṛthus Krönung mit der Namensetymologie "rājan" von "anurañjita" (v.53-57); ein goldenes Zeitalter, die gleichzeitige Geburt von Sūta und Māgadha aus Brahmās Opfer und ihre Einsetzung als Lobpreiser (v.58-69); die berühmte Erdmelkungs-Episode: die Erde flieht als Kuh vor Pṛthu, verteidigt sich mit dem Argument des Frauentötungsverbots und der eigenen unverzichtbaren Rolle als Welterhalterin, schlägt stattdessen ein Tochterverhältnis vor; Pṛthu ebnet die Erde ein (Ursprung der Berge und Täler) und melkt mit Manu Svāyambhuva als Kalb alle Feldfrüchte für die Menschen (v.70-97); systematische Aufzählung, wie alle anderen Wesensklassen (Weise, Götter, Ahnen, Nāgas, Asuras, Yakṣas, Rākṣasas, Gandharvas, Berge, Bäume) die Erde mit jeweils eigenem Kalb, Gefäß, Melker und charakteristischer "Milch" molken (v.98-109); die Etymologien "Medinī" (vom Fett der Dämonen Madhu und Kaiṭabha) und "Pṛthvī" (von Pṛthu) (v.110-114); abschließende Verheißungen der Pṛthu-Verehrung für alle vier Stände (Brahmanen, Könige, Krieger, Vaiśyas) sowie die Śūdras (v.115-122). [Anm.]-Markierung bei v.104 (mehrdeutiger Eigenname "Madhu" als Melker der Asuras).

abhiṣicyādhirājendraṃ pṛthuṃ vaiṇyaṃ pitāmahaḥ / tataḥ krameṇa rājyāni vyādeṣṭum upacakrame // BrP_4.1 //

Lomaharṣaṇa sprach: Nachdem der Großvater (Brahmā) Pṛthu, den Sohn Veṇas, zum Oberkönig der Könige geweiht hatte, begann er darauf, der Reihe nach die Herrschaftsbereiche zuzuweisen.

Wort für Wort
abhiṣicya
geweiht habend
adhirāja-indram
zum Oberkönig der Könige
pṛthum
Pṛthu
vaiṇyam
den Sohn Veṇas
pitāmahaḥ
der Großvater (Brahmā)
tataḥ
darauf
krameṇa
der Reihe nach
rājyāni
die Herrschaftsbereiche
vyādeṣṭum
zuzuweisen
upacakrame
begann

Neubeginn/ausführlichere Fassung der bereits in Kap. 2 knapp erzählten Pṛthu-Geschichte: Kapitel 4 setzt direkt nach Pṛthus Krönung an und schildert zunächst die Einsetzung der Herrscher über alle Wesensklassen (v.1-17), bevor rückblickend (ab v.18) die vollständige Veṇa/Pṛthu-Erzählung nachgetragen wird.

dvijānāṃ vīrudhāṃ caiva nakṣatragrahayos tathā / yajñānāṃ tapasāṃ caiva somaṃ rājye 'bhyaṣecayat // BrP_4.2 //

Über die Vögel, die Pflanzen, ebenso über die Mondhäuser und Planeten, über die Opfer und die Askese-Praktiken weihte er Soma (den Mond) zum Herrscher.

Wort für Wort
dvijānām
der Vögel
vīrudhām
der Pflanzen
ca eva
und auch
nakṣatra-grahayoḥ
der Mondhäuser und Planeten
tathā
ebenso
yajñānām
der Opfer
tapasām
der Askese-Praktiken
ca eva
und auch
somam
Soma (den Mond)
rājye
zur Herrschaft
abhyaṣecayat
weihte

Beginn der systematischen Einsetzung von Herrschern (Regenten) für jede Wesensklasse/Domäne – ein klassisches purāṇisches Ordnungsschema.

apāṃ tu varuṇaṃ rājye rājñāṃ vaiśravaṇaṃ patim / ādityānāṃ tathā viṣṇuṃ vasūnām atha pāvakam // BrP_4.3 //

Über die Gewässer aber [weihte er] Varuṇa zur Herrschaft, [als] Herrn der Könige Vaiśravaṇa (Kubera), über die Ādityas ebenso Viṣṇu, über die Vasus dann Pāvaka (Feuer),

Wort für Wort
apām
der Gewässer
tu
aber
varuṇam
Varuṇa
rājye
zur Herrschaft
rājñām
der Könige
vaiśravaṇam
Vaiśravaṇa (Kubera)
patim
als Herrn
ādityānām
der Ādityas
tathā
ebenso
viṣṇum
Viṣṇu
vasūnām
der Vasus
atha
dann
pāvakam
Pāvaka (Feuer)

Fortsetzung der Zuweisungen: Varuṇa (Gewässer), Kubera (Könige), Viṣṇu (über die Ādityas – bemerkenswert, da Viṣṇu selbst einer der zwölf Ādityas ist, hier aber als deren Haupt fungiert), Agni/Pāvaka (Vasus).

prajāpatīnāṃ dakṣaṃ tu marutām atha vāsavam / daityānāṃ dānavānāṃ vai prahrādam amitaujasam // BrP_4.4 //

über die Prajāpatis aber Dakṣa, über die Maruts dann Vāsava (Indra), über die Daityas und Dānavas fürwahr Prahrāda von unermesslicher Kraft,

Wort für Wort
prajāpatīnām
der Prajāpatis
dakṣam
Dakṣa
tu
aber
marutām
der Maruts
atha
dann
vāsavam
Vāsava (Indra)
daityānām
der Daityas
dānavānām
der Dānavas
vai
fürwahr
prahrādam
Prahrāda
amita-ojasam
von unermesslicher Kraft

Bemerkenswert: Prahrāda (Prahlāda), der fromme Sohn Hiraṇyakaśipus (vgl. Kap. 3, v.67), wird hier zum Herrscher der Daityas/Dānavas eingesetzt.

vaivasvataṃ pitṝṇāṃ ca yamaṃ rājye 'bhyaṣecayat / yakṣāṇāṃ rākṣasānāṃ ca pārthivānāṃ tathaiva ca // BrP_4.5 //

über die Ahnen (Pitṛs) aber weihte er Yama Vaivasvata zur Herrschaft; über die Yakṣas und Rākṣasas, und ebenso über [gewisse] Erdgeister,

Wort für Wort
vaivasvatam
Vaivasvata (Yama)
pitṝṇām
der Ahnen
ca
und
yamam
Yama
rājye
zur Herrschaft
abhyaṣecayat
weihte
yakṣāṇām
der Yakṣas
rākṣasānām
der Rākṣasas
ca
und
pārthivānām
der Erdgeister
tathā eva ca
und ebenso

Yama als Herrscher der Ahnen (Pitṛs); Übergang zur Einsetzung eines Herrschers für Yakṣas, Rākṣasas und weitere Geisterklassen (v.6).

sarvabhūtapiśācānāṃ girīśaṃ śūlapāṇinam / śailānāṃ himavantaṃ ca nadīnām atha sāgaram // BrP_4.6 //

über alle Bhūtas und Piśācas [weihte er] Girīśa (Śiva), den Dreizack-Träger, über die Berge den Himavant, über die Flüsse dann den Ozean,

Wort für Wort
sarva-bhūta-piśācānām
aller Bhūtas und Piśācas
girīśam
Girīśa (Śiva)
śūlapāṇinam
den Dreizack-Träger
śailānām
der Berge
himavantam
Himavant
ca
und
nadīnām
der Flüsse
atha
dann
sāgaram
den Ozean

Śiva als Herr der Geisterwesen; Himavant (der Himalaya) als Berg-Herrscher; der Ozean als Herrscher der Flüsse.

gandharvāṇām adhipatiṃ cakre citrarathaṃ prabhum / nāgānāṃ vāsukiṃ cakre sarpāṇām atha takṣakam // BrP_4.7 //

über die Gandharvas machte er den Herrn Citraratha zum Oberhaupt, über die Nāgas machte er Vāsuki, über die Schlangen dann Takṣaka [zum Herrscher],

Wort für Wort
gandharvāṇām
der Gandharvas
adhipatim
zum Oberhaupt
cakre
machte
citratham
Citraratha
prabhum
den Herrn
nāgānām
der Nāgas
vāsukim
Vāsuki
cakre
machte
sarpāṇām
der Schlangen
atha
dann
takṣakam
Takṣaka

Citraratha als Gandharva-König; Vāsuki und Takṣaka (bereits aus Kap. 3 als bedeutende Nāgas bekannt) als Herrscher der Nāgas bzw. Schlangen.

vāraṇānāṃ tu rājānam airāvatam athādiśat / uccaiḥśravasam aśvānāṃ garuḍaṃ caiva pakṣiṇām // BrP_4.8 //

über die Elefanten aber bestimmte er Airāvata zum König, Uccaiḥśravas [zum König] der Pferde, und Garuḍa [zum König] der Vögel,

Wort für Wort
vāraṇānām
der Elefanten
tu
aber
rājānam
zum König
airāvatam
Airāvata
atha
dann
ādiśat
bestimmte
uccaiḥśravasam
Uccaiḥśravas
aśvānām
der Pferde
garuḍam
Garuḍa
ca eva
und auch
pakṣiṇām
der Vögel

Airāvata (Indras Elefant), Uccaiḥśravas (das mythische Pferd aus der Milchozean-Quirlung) und Garuḍa als jeweilige Artenkönige.

mṛgāṇām atha śārdūlaṃ govṛṣaṃ tu gavāṃ patim / vanaspatīnāṃ rājānaṃ plakṣam evābhyaṣecayat // BrP_4.9 //

über die Wildtiere dann den Tiger; den Stier aber weihte er als Herrn der Kühe; als König der Bäume weihte er eben den Feigenbaum (Plakṣa),

Wort für Wort
mṛgāṇām
der Wildtiere
atha
dann
śārdūlam
den Tiger
govṛṣam
den Stier
tu
aber
gavām
der Kühe
patim
als Herrn
vanaspatīnām
der Bäume
rājānam
als König
plakṣam
den Feigenbaum
eva
eben
abhyaṣecayat
weihte

Tiger als König der Wildtiere, der Stier als Herr der Rinder, der (heilige) Feigenbaum als König der Bäume.

evaṃ vibhajya rājyāni krameṇaiva pitāmahaḥ / diśāṃ pālān atha tataḥ sthāpayām āsa sa prabhuḥ // BrP_4.10 //

Nachdem der Großvater (Brahmā) so der Reihe nach die Herrschaftsbereiche verteilt hatte, setzte der Herr sodann die Hüter der Himmelsrichtungen ein.

Wort für Wort
evam
so
vibhajya
verteilt habend
rājyāni
die Herrschaftsbereiche
krameṇa eva
der Reihe nach
pitāmahaḥ
der Großvater
diśām
der Himmelsrichtungen
pālān
die Hüter
atha tataḥ
sodann
sthāpayām āsa
setzte ein
saḥ prabhuḥ
der Herr

Übergang von den Artenherrschern zu den vier (bzw. mehr) Wächtern der Himmelsrichtungen (Lokapālas), deren Einsetzung in v.11-14 folgt.

pūrvasyāṃ diśi putraṃ tu vairājasya prajāpateḥ / diśaḥ pālaṃ sudhanvānaṃ rājānaṃ so 'bhyaṣecayat // BrP_4.11 //

In der östlichen Richtung weihte er den Sohn des Prajāpati Virāj, Sudhanvan, als König, als Hüter der Richtung.

Wort für Wort
pūrvasyām diśi
in der östlichen Richtung
putram
den Sohn
tu
aber
vairājasya
des Virāj
prajāpateḥ
des Prajāpati
diśaḥ pālam
als Hüter der Richtung
sudhanvānam
Sudhanvan
rājānam
als König
saḥ
er
abhyaṣecayat
weihte

Einsetzung Sudhanvans (Sohn des Virāj) als Hüter des Ostens.

dakṣiṇasyāṃ diśi tathā kardamasya prajāpateḥ / putraṃ śaṅkhapadaṃ nāma rājānaṃ so 'bhyaṣecayat // BrP_4.12 //

In der südlichen Richtung ebenso [weihte er] den Sohn des Prajāpati Kardama namens Śaṅkhapada als König.

Wort für Wort
dakṣiṇasyām diśi
in der südlichen Richtung
tathā
ebenso
kardamasya
des Kardama
prajāpateḥ
des Prajāpati
putram
den Sohn
śaṅkhapadam nāma
namens Śaṅkhapada
rājānam
als König
saḥ
er
abhyaṣecayat
weihte

Einsetzung Śaṅkhapadas (Sohn Kardamas, vgl. Glossareintrag zu Kardama aus Kap. 2) als Hüter des Südens.

paścimasyāṃ diśi tathā rajasaḥ putram acyutam / ketumantaṃ mahātmānaṃ rājānaṃ so 'bhyaṣecayat // BrP_4.13 //

In der westlichen Richtung ebenso [weihte er] den unfehlbaren, hochherzigen Sohn des Rajas, Ketumant, als König.

Wort für Wort
paścimasyām diśi
in der westlichen Richtung
tathā
ebenso
rajasaḥ
des Rajas
putram
den Sohn
acyutam
den unfehlbaren
ketumantam
Ketumant
mahātmānam
den hochherzigen
rājānam
als König
saḥ
er
abhyaṣecayat
weihte

Einsetzung Ketumants (Sohn des Rajas) als Hüter des Westens.

tathā hiraṇyaromāṇaṃ parjanyasya prajāpateḥ / udīcyāṃ diśi durdharṣaṃ rājānaṃ so 'bhyaṣecayat // BrP_4.14 //

Ebenso weihte er den unangreifbaren Hiraṇyaroman, [Sohn] des Prajāpati Parjanya, in der nördlichen Richtung als König.

Wort für Wort
tathā
ebenso
hiraṇyaromāṇam
Hiraṇyaroman
parjanyasya
des Parjanya
prajāpateḥ
des Prajāpati
udīcyām diśi
in der nördlichen Richtung
durdharṣam
den unangreifbaren
rājānam
als König
saḥ
er
abhyaṣecayat
weihte

Einsetzung Hiraṇyaromans (Sohn des Parjanya) als Hüter des Nordens – damit sind alle vier Himmelsrichtungen mit Wächtern besetzt.

tair iyaṃ pṛthivī sarvā saptadvīpā sapattanā / yathāpradeśam adyāpi dharmeṇa pratipālyate // BrP_4.15 //

Durch sie wird diese ganze Erde mit ihren sieben Inseln (Kontinenten) und Städten, jeweils gemäß ihrem Gebiet, bis heute rechtmäßig behütet.

Wort für Wort
taiḥ
durch sie
iyam pṛthivī
diese Erde
sarvā
die ganze
sapta-dvīpā
mit sieben Inseln
sa-pattanā
mit Städten
yathā-pradeśam
jeweils gemäß dem Gebiet
adya api
bis heute
dharmeṇa
rechtmäßig
pratipālyate
wird behütet

Zusammenfassende Aussage: Die vier Lokapālas beschützen bis in die Gegenwart der Erzählung die gesamte, in sieben Dvīpas gegliederte Erde.

rājasūyābhiṣiktas tu pṛthur etair narādhipaiḥ / vedadṛṣṭena vidhinā rājā rājye narādhipaḥ // BrP_4.16 //

Pṛthu aber wurde von diesen Herrschern mit dem Rājasūya-Opfer geweiht, nach der in den Veden bezeugten Regel, als König der Könige zur Herrschaft.

Wort für Wort
rājasūya-abhiṣiktaḥ
mit dem Rājasūya geweiht
tu
aber
pṛthuḥ
Pṛthu
etaiḥ
von diesen
nara-adhipaiḥ
Herrschern
veda-dṛṣṭena
in den Veden bezeugten
vidhinā
nach der Regel
rājā
als König
rājye
zur Herrschaft
nara-adhipaḥ
der Herrscher

Pṛthu wird durch das Rājasūya (das große königliche Weihe-Opfer) von den anderen Herrschern offiziell zum Oberkönig gekrönt.

tato manvantare 'tīte cākṣuṣe 'mitatejasi / vaivasvatāya manave pṛthivyāṃ rājyam ādiśat // BrP_4.17 //

Darauf, als das Manvantara des hochglanzvollen Cākṣuṣa vergangen war, übertrug er (Pṛthu bzw. Brahmā) dem Manu Vaivasvata die Herrschaft über die Erde.

Wort für Wort
tataḥ
darauf
manvantare
im Manvantara
atīte
vergangen
cākṣuṣe
des Cākṣuṣa
amita-tejasi
hochglanzvollen
vaivasvatāya
dem Vaivasvata
manave
dem Manu
pṛthivyām
über die Erde
rājyam
die Herrschaft
ādiśat
übertrug

Zeitliche Einordnung: Der Übergang der Erdherrschaft an Manu Vaivasvata erfolgt beim Wechsel vom Cākṣuṣa- zum Vaivasvata-Manvantara – dies bettet die Pṛthu-Erzählung in den Cākṣuṣa-Zeitraum ein (konsistent mit Kap. 3's Tuṣita-Episode).

tasya vistaram ākhyāsye manor vaivasvatasya ha / bhavatāṃ cānukūlyāya yadi śrotum ihecchatha / mahad etad adhiṣṭhānaṃ purāṇe tad adhiṣṭhitam // BrP_4.18 //

Von diesem Manu Vaivasvata werde ich ausführlich berichten, euch zuliebe, wenn ihr dies hier zu hören wünscht – dies ist eine große Grundlage, die im Purāṇa dargelegt ist.

Wort für Wort
tasya
von diesem
vistaram
ausführlich
ākhyāsye
ich werde berichten
manoḥ vaivasvatasya
des Manu Vaivasvata
ha
fürwahr
bhavatām
euch
ca
und
anukūlyāya
zuliebe
yadi
wenn
śrotum
zu hören
iha icchatha
ihr hier wünscht
mahat
groß
etat
dies
adhiṣṭhānam
die Grundlage
purāṇe
im Purāṇa
tat adhiṣṭhitam
das dargelegt ist

Ankündigung eines weiteren Themas (Manu Vaivasvata im Detail), das jedoch zunächst zurückgestellt wird, da die Weisen stattdessen um die ausführliche Pṛthu-Geburtsgeschichte bitten (v.19ff.) – diese wird zuerst nachgeliefert.

vistareṇa pṛthor janma lomaharṣaṇa kīrtaya / yathā mahātmanā tena dugdhā veyaṃ vasuṃdharā // BrP_4.19 //

Die Weisen sprachen: „Ausführlich verkünde, Lomaharṣaṇa, die Geburt Pṛthus, wie von diesem Hochherzigen diese Erde gemolken wurde,

Wort für Wort
vistareṇa
ausführlich
pṛthoḥ
Pṛthus
janma
die Geburt
lomaharṣaṇa
o Lomaharṣaṇa
kīrtaya
verkünde!
yathā
wie
mahātmanā
vom Hochherzigen
tena
von diesem
dugdhā
gemolken
vā iyam
diese
vasuṃdharā
die Erde

Die Weisen unterbrechen und bitten stattdessen um die ausführliche Pṛthu-Geburts- und Erdmelkungs-Geschichte – dieselbe bereits in Kap. 2 knapp erzählte Episode wird hier in großer Ausführlichkeit nachgeholt.

yathā vāpi nṛbhir dugdhā yathā devair maharṣibhiḥ / yathā daityaiś ca nāgaiś ca yathā yakṣair yathā drumaiḥ // BrP_4.20 //

und wie sie auch von den Menschen gemolken wurde, wie von den Göttern und großen Weisen, wie von den Daityas und Nāgas, wie von den Yakṣas, wie von den Bäumen,

Wort für Wort
yathā vā api
wie auch
nṛbhiḥ
von den Menschen
dugdhā
gemolken
yathā
wie
devaiḥ maharṣibhiḥ
von den Göttern und großen Weisen
yathā
wie
daityaiḥ ca nāgaiḥ ca
von den Daityas und Nāgas
yathā
wie
yakṣaiḥ
von den Yakṣas
yathā
wie
drumaiḥ
von den Bäumen

Vorausdeutung auf das ausführliche "Melken der Erde"-Motiv durch alle Wesensklassen (jede Klasse "melkt" ihre eigene, ihr entsprechende "Milch" aus der Erde) – wird in v.96-109 detailliert ausgeführt.

yathā śailaiḥ piśācaiś ca gandharvaiś ca dvijottamaiḥ / rākṣasaiś ca mahāsattvair yathā dugdhā vasuṃdharā // BrP_4.21 //

wie von den Bergen, den Piśācas und den Gandharvas, o beste der Brahmanen, und wie von den Rākṣasas und den hochmächtigen [übrigen Wesen] die Erde gemolken wurde,

Wort für Wort
yathā
wie
śailaiḥ
von den Bergen
piśācaiḥ
den Piśācas
ca
und
gandharvaiḥ
den Gandharvas
ca
und
dvija-uttamaiḥ
o beste der Brahmanen
rākṣasaiḥ
den Rākṣasas
ca
und
mahāsattvaiḥ
den hochmächtigen
yathā
wie
dugdhā
gemolken
vasuṃdharā
die Erde

Fortsetzung der Aufzählung der "melkenden" Wesensklassen.

teṣāṃ pātraviśeṣāṃś ca vaktum arhasi suvrata / vatsakṣīraviśeṣāṃś ca dogdhāraṃ cānupūrvaśaḥ // BrP_4.22 //

auch solltest du, o Tugendhafter, deren jeweilige besondere Gefäße nennen, sowie die jeweiligen Kälber und Milcharten und den Melker, der Reihe nach,

Wort für Wort
teṣām
deren
pātra-viśeṣān
besondere Gefäße
ca
und
vaktum
zu nennen
arhasi
du solltest
suvrata
o Tugendhafter
vatsa-kṣīra-viśeṣān
besondere Kälber und Milcharten
ca
und
dogdhāram
den Melker
ca
und
anupūrvaśaḥ
der Reihe nach

Präzisierung der Bitte: Für jede Wesensklasse sollen die drei Elemente der Melk-Metapher genannt werden – das "Kalb" (der Anreiz/Lockmittel), das "Gefäß" und die "Milch" (das jeweilige Produkt) sowie der "Melker".

yasmāc ca kāraṇāt pāṇir veṇasya mathitaḥ purā / kruddhair maharṣibhis tāta kāraṇaṃ tac ca kīrtaya // BrP_4.23 //

und aus welchem Grund einst die Hand Veṇas von den erzürnten großen Weisen gequirlt wurde – auch diesen Grund, o Lieber, verkünde!“

Wort für Wort
yasmāt ca kāraṇāt
und aus welchem Grund
pāṇiḥ
die Hand
veṇasya
Veṇas
mathitaḥ
gequirlt
purā
einst
kruddhaiḥ
von den erzürnten
maharṣibhiḥ
großen Weisen
tāta
o Lieber
kāraṇam
den Grund
tat ca
auch diesen
kīrtaya
verkünde!

Zusätzliche Bitte um die Vorgeschichte: warum die Weisen zornig Veṇas Arm quirlten (dies führt zur Geburt des Niṣāda und dann Pṛthus – vgl. bereits knapp in Kap. 2 erzählt, hier ausführlicher in v.28ff.).

śṛṇudhvaṃ kīrtayiṣyāmi pṛthor vaiṇyasya vistaram / ekāgrāḥ prayatāś caiva puṇyārthaṃ vai dvijarṣabhāḥ // BrP_4.24 //

Lomaharṣaṇa sprach: „Hört – ich werde die ausführliche [Geschichte] Pṛthus, des Sohnes Veṇas, verkünden; seid einsgerichtet und geläutert, zum Zweck des Verdienstes, o Stiere unter den Brahmanen.

Wort für Wort
śṛṇudhvam
hört!
kīrtayiṣyāmi
ich werde verkünden
pṛthoḥ vaiṇyasya
Pṛthus, des Sohnes Veṇas
vistaram
ausführlich
ekāgrāḥ
einsgerichtet
prayatāḥ
geläutert
ca eva
und auch
puṇya-artham
zum Zweck des Verdienstes
vai
fürwahr
dvija-ṛṣabhāḥ
o Stiere unter den Brahmanen

Feierliche Einleitung zur ausführlichen Pṛthu-Erzählung, mit Betonung ihres Verdienst-stiftenden (puṇya) Charakters.

nāśuceḥ kṣudramanaso nāśiṣyasyāvratasya ca / kīrtayeyam idaṃ viprāḥ kṛtaghnāyāhitāya ca // BrP_4.25 //

Nicht einem Unreinen, Kleingesinnten, nicht einem Nicht-Schüler oder Gelübdelosen, o Brahmanen, sollte ich dies verkünden, noch einem Undankbaren oder Übelgesinnten;

Wort für Wort
na
nicht
aśuceḥ
einem Unreinen
kṣudra-manasaḥ
Kleingesinnten
na
nicht
aśiṣyasya
einem Nicht-Schüler
avratasya
Gelübdelosen
ca
und
kīrtayeyam
ich sollte verkünden
idam
dies
viprāḥ
o Brahmanen
kṛtaghnāya
einem Undankbaren
ahitāya
einem Übelgesinnten
ca
und

Traditioneller Hinweis auf die Zugangsbeschränkung heiliger Erzählungen: nur würdige Hörer (rein, ergeben, dankbar) sollen sie empfangen.

svargyaṃ yaśasyam āyuṣyaṃ dhanyaṃ vedaiś ca saṃmitam / rahasyam ṛṣibhiḥ proktaṃ śṛṇudhvaṃ vai yathātatham // BrP_4.26 //

himmelbringend, ruhmvoll, lebenspendend, wohlstandbringend und mit den Veden übereinstimmend – hört dieses Geheimnis, von den Weisen verkündet, fürwahr wahrheitsgetreu.

Wort für Wort
svargyam
himmelbringend
yaśasyam
ruhmvoll
āyuṣyam
lebenspendend
dhanyam
wohlstandbringend
vedaiḥ
mit den Veden
ca
und
saṃmitam
übereinstimmend
rahasyam
das Geheimnis
ṛṣibhiḥ
von den Weisen
proktam
verkündet
śṛṇudhvam
hört!
vai
fürwahr
yathātatham
wahrheitsgetreu

Preisung der Erzählung selbst (typische Phalaśruti-Vorankündigung).

yaś cemaṃ kīrtayen nityaṃ pṛthor vaiṇyasya vistaram / brāhmaṇebhyo namaskṛtya na sa śocet kṛtākṛtam // BrP_4.27 //

Wer diese ausführliche [Geschichte] Pṛthus, des Sohnes Veṇas, beständig verkündet, nachdem er sich vor den Brahmanen verneigt hat, der wird nicht über Getanes oder Ungetanes trauern.

Wort für Wort
yaḥ
wer
ca
und
imam
diese
kīrtayet
verkündet
nityam
beständig
pṛthoḥ vaiṇyasya
Pṛthus, des Sohnes Veṇas
vistaram
ausführlich
brāhmaṇebhyaḥ
vor den Brahmanen
namaskṛtya
verneigt habend
na saḥ śocet
der wird nicht trauern
kṛta-akṛtam
über Getanes oder Ungetanes

Phalaśruti-artige Verheißung, hier vorangestellt (statt wie sonst üblich am Ende).

āsīd dharmasya saṃgoptā pūrvam atrisamaḥ prabhuḥ / atrivaṃśe samutpannas tv aṅgo nāma prajāpatiḥ // BrP_4.28 //

Es gab einst einen Herrn, einen Hüter des Dharma, gleich dem Atri; im Geschlecht des Atri entstand [nämlich] ein Prajāpati namens Aṅga.

Wort für Wort
āsīt
es gab
dharmasya
des Dharma
saṃgoptā
ein Hüter
pūrvam
einst
atri-samaḥ
dem Atri gleich
prabhuḥ
ein Herr
atri-vaṃśe
im Geschlecht des Atri
samutpannaḥ
entstanden
tu
aber
aṅgaḥ nāma
namens Aṅga
prajāpatiḥ
ein Prajāpati

Beginn der eigentlichen Genealogie zu Veṇa: sein Vater Aṅga wird als vorbildlicher, dem Atri ebenbürtiger Herrscher eingeführt.

tasya putro 'bhavad veṇo nātyarthaṃ dharmakovidaḥ / jāto mṛtyusutāyāṃ vai sunīthāyāṃ prajāpatiḥ // BrP_4.29 //

Dessen Sohn war Veṇa, nicht sehr kundig im Dharma, geboren als Prajāpati mit Sunīthā, der Tochter des Todes (Mṛtyu),

Wort für Wort
tasya
dessen
putraḥ
der Sohn
abhavat
war
veṇaḥ
Veṇa
na atyartham
nicht sehr
dharma-kovidaḥ
kundig im Dharma
jātaḥ
geboren
mṛtyu-sutāyām
mit der Tochter des Todes
vai
fürwahr
sunīthāyām
mit Sunīthā
prajāpatiḥ
als Prajāpati

Veṇas Herkunft: Sohn Aṅgas, aber mütterlicherseits Enkel des Todes (Mṛtyu) über seine Mutter Sunīthā – dies erklärt narrativ seine spätere Verderbtheit (v.30).

sa mātāmahadoṣeṇa tena kālātmajātmajaḥ / svadharmaṃ pṛṣṭhataḥ kṛtvā kāmalobheṣv avartata // BrP_4.30 //

Er, durch jenen Fehler des Großvaters mütterlicherseits [belastet], als Enkel des Todes (Kāla), wandte sich, seinen eigenen Dharma hintanstellend, Begierde und Habgier zu.

Wort für Wort
saḥ
er
mātāmaha-doṣeṇa
durch den Fehler des Großvaters mütterlicherseits
tena
durch jenen
kāla-ātmaja-ātmajaḥ
als Enkel des Sohnes der Zeit (Todes)
svadharmam
seinen eigenen Dharma
pṛṣṭhataḥ kṛtvā
hintanstellend
kāma-lobheṣu
in Begierde und Habgier
avartata
wandte sich

Erklärung für Veṇas moralischen Verfall: die "erbliche Last" durch seinen Großvater mütterlicherseits, den Tod (Mṛtyu/Kāla) selbst.

maryādāṃ bhedayām āsa dharmopetāṃ sa pārthivaḥ / vedadharmān atikramya so 'dharmanirato 'bhavat // BrP_4.31 //

Er, der König, durchbrach die mit dem Dharma verbundene Grenzordnung; die vedischen Dharma-Vorschriften übertretend, wurde er dem Unrecht (Adharma) ergeben.

Wort für Wort
maryādām
die Grenzordnung
bhedayām āsa
durchbrach
dharma-upetām
mit dem Dharma verbundene
saḥ pārthivaḥ
er, der König
veda-dharmān
die vedischen Dharma-Vorschriften
atikramya
übertretend
saḥ
er
adharma-nirataḥ
dem Unrecht ergeben
abhavat
wurde

Fortsetzung von Veṇas moralischem Niedergang: bewusste Übertretung der vedischen Ordnung.

niḥsvādhyāyavaṣaṭkārāḥ prajās tasmin prajāpatau / pravṛttaṃ na papuḥ somaṃ hutaṃ yajñeṣu devatāḥ // BrP_4.32 //

Unter diesem Prajāpati [gab es] Untertanen ohne vedisches Studium und ohne das Vaṣaṭ-Ritualwort; die Gottheiten tranken nicht [mehr] den in den Opfern dargebrachten, [rituell] hervorgebrachten Soma.

Wort für Wort
niḥsvādhyāya-vaṣaṭkārāḥ
ohne vedisches Studium und Vaṣaṭ-Ruf
prajāḥ
Untertanen
tasmin prajāpatau
unter diesem Prajāpati
pravṛttam
hervorgebracht
na papuḥ
tranken nicht
somam
den Soma
hutam
dargebracht
yajñeṣu
in den Opfern
devatāḥ
die Gottheiten

Folgen von Veṇas Herrschaft: religiöses Leben (vedisches Studium, Opferrituale) verkümmert im ganzen Reich.

na yaṣṭavyaṃ na hotavyam iti tasya prajāpateḥ / āsīt pratijñā krūreyaṃ vināśe pratyupasthite // BrP_4.33 //

„Nicht soll geopfert, nicht soll dargebracht werden“ – so lautete dieses grausame Gelübde des Prajāpati [Veṇa], als sein Verderben bereits bevorstand.

Wort für Wort
na yaṣṭavyam
nicht soll geopfert werden
na hotavyam
nicht soll dargebracht werden
iti
so
tasya prajāpateḥ
dieses Prajāpati [Veṇa]
āsīt
war
pratijñā
das Gelübde
krūrā iyam
dieses grausame
vināśe
im Verderben
pratyupasthite
als bevorstand

Veṇas offenes Opferverbot als Höhepunkt seiner Gottlosigkeit – Vorbereitung auf die Konfrontation mit den Weisen.

aham ijyaś ca yaṣṭā ca yajñaś ceti bhṛgūdvaha / mayi yajño vidhātavyo mayi hotavyam ity api // BrP_4.34 //

„Ich bin der zu Verehrende, der Opfernde und das Opfer selbst“ – so, o Nachkomme des Bhṛgu; „mir ist das Opfer darzubringen, mir ist zu opfern“ – so auch [sprach er].

Wort für Wort
aham
ich
ijyaḥ
der zu Verehrende
ca
und
yaṣṭā
der Opfernde
ca
und
yajñaḥ
das Opfer
ca
und
iti
so
bhṛgu-udvaha
o Nachkomme des Bhṛgu
mayi
mir
yajñaḥ
das Opfer
vidhātavyaḥ
ist darzubringen
mayi
mir
hotavyam
ist zu opfern
iti api
so auch

Veṇas Anspruch, selbst Objekt und Subjekt allen Opferkults zu sein – eine Usurpation der göttlichen Opferordnung, die den Zorn der Weisen auslöst.

tam atikrāntamaryādam ādadānam asāṃpratam / ūcur maharṣayaḥ sarve marīcipramukhās tadā // BrP_4.35 //

Zu ihm, der die Grenzordnung überschritten hatte und Unpassendes an sich riss, sprachen da alle großen Weisen, angeführt von Marīci:

Wort für Wort
tam
zu ihm
atikrānta-maryādam
der die Grenzordnung überschritten hatte
ādadānam
an sich reißend
asāṃpratam
Unpassendes
ūcuḥ
sprachen
maharṣayaḥ sarve
alle großen Weisen
marīci-pramukhāḥ
angeführt von Marīci
tadā
da

Die sieben Ṛṣis (angeführt von Marīci) konfrontieren Veṇa direkt.

vayaṃ dīkṣāṃ pravekṣyāmaḥ saṃvatsaragaṇān bahūn / adharmaṃ kuru mā veṇa eṣa dharmaḥ sanātanaḥ // BrP_4.36 //

„Wir werden für viele Jahresreihen in die Opferweihe (Dīkṣā) eintreten. Begehe kein Unrecht, o Veṇa! Dies ist der ewige Dharma:

Wort für Wort
vayam
wir
dīkṣām
die Opferweihe
pravekṣyāmaḥ
wir werden eintreten
saṃvatsara-gaṇān bahūn
für viele Jahresreihen
adharmam
Unrecht
kuru mā
tue nicht!
veṇa
o Veṇa
eṣaḥ
dies
dharmaḥ
der Dharma
sanātanaḥ
ewig

Die Weisen kündigen an, sich selbst über lange Zeit rituell zu weihen (für ein großes Opfer, wohl das Opfer, bei dem später Sūta/Māgadha entstehen, v.60ff.), und mahnen Veṇa eindringlich.

nidhane 'treḥ prasūtas tvaṃ prajāpatir asaṃśayam / prajāś ca pālayiṣye 'ham itīha samayaḥ kṛtaḥ // BrP_4.37 //

Aus dem Geschlecht des Atri hervorgegangen bist du ohne Zweifel [zum] Prajāpati [bestimmt worden, mit dem Versprechen]: ‚Ich werde die Untertanen beschützen‘ – so wurde hier die Übereinkunft getroffen.

Wort für Wort
nidhane
im Geschlecht (bei der Einsetzung)
atreḥ
des Atri
prasūtaḥ
hervorgegangen
tvam
du
prajāpatiḥ
als Prajāpati
asaṃśayam
ohne Zweifel
prajāḥ
die Untertanen
ca
und
pālayiṣye aham
ich werde beschützen
iti
so
iha
hier
samayaḥ
die Übereinkunft
kṛtaḥ
getroffen

Erinnerung an die ursprüngliche Vereinbarung/den Herrschaftsvertrag: Ein König wird eingesetzt unter der Bedingung, seine Untertanen zu schützen – eine Bedingung, die Veṇa gebrochen hat.

tāṃs tathā bruvataḥ sarvān maharṣīn abravīt tadā / veṇaḥ prahasya durbuddhir imam artham anarthavit // BrP_4.38 //

Zu ihnen allen, den großen Weisen, die so sprachen, sagte da Veṇa, der Übelgesinnte, lachend, in seiner Torheit den Sinn [des Gesagten] nicht verstehend:

Wort für Wort
tān
zu ihnen
tathā
so
bruvataḥ
sprechenden
sarvān maharṣīn
allen großen Weisen
abravīt
sagte
tadā
da
veṇaḥ
Veṇa
prahasya
lachend
durbuddhiḥ
der Übelgesinnte
imam artham
diesen Sinn
anarthavit
nicht verstehend

Veṇas höhnische Reaktion (v.39-41) auf die berechtigte Ermahnung.

sraṣṭā dharmasya kaś cānyaḥ śrotavyaṃ kasya vā mayā / śrutavīryatapaḥsatyair mayā vā kaḥ samo bhuvi // BrP_4.39 //

Veṇa sprach: „Wer sonst ist der Schöpfer des Dharma? Auf wen sonst sollte ich hören? Wer ist mir an vedischer Gelehrsamkeit, Kraft, Askese und Wahrhaftigkeit auf Erden gleich?

Wort für Wort
sraṣṭā
der Schöpfer
dharmasya
des Dharma
kaḥ ca anyaḥ
wer sonst
śrotavyam
zu hören
kasya vā
auf wen sonst
mayā
von mir
śruta-vīrya-tapaḥ-satyaiḥ
an vedischer Gelehrsamkeit, Kraft, Askese und Wahrhaftigkeit
mayā vā kaḥ samaḥ
wer ist mir gleich
bhuvi
auf Erden

Veṇas hybride Selbstüberhöhung: Er stellt sich über jede religiöse und moralische Autorität.

prabhavaṃ sarvabhūtānāṃ dharmāṇāṃ ca viśeṣataḥ / saṃmūḍhā na vidur nūnaṃ bhavanto māṃ vicetasaḥ // BrP_4.40 //

Den Ursprung aller Wesen und insbesondere der Dharmas – gewiss kennt ihr mich nicht, verwirrt und ohne rechten Verstand, wie ihr seid.

Wort für Wort
prabhavam
den Ursprung
sarva-bhūtānām
aller Wesen
ca
und
dharmāṇām
der Dharmas
viśeṣataḥ
insbesondere
saṃmūḍhāḥ
verwirrt
na viduḥ
kennt nicht
nūnam
gewiss
bhavantaḥ
ihr
mām
mich
vicetasaḥ
ohne rechten Verstand

Veṇa beansprucht, selbst der Ursprung aller Wesen und Dharma-Ordnungen zu sein, und beschimpft die Weisen als geistig unzurechnungsfähig.

icchan daheyaṃ pṛthivīṃ plāvayeyaṃ jalais tathā / dyāṃ vai bhuvaṃ ca rundheyaṃ nātra kāryā vicāraṇā // BrP_4.41 //

Wenn ich wollte, könnte ich die Erde verbrennen, ebenso mit Wassern überschwemmen, Himmel und Erde [einander] verschließen – daran ist kein Zweifel zu hegen.“

Wort für Wort
icchan
wollend
daheyam
ich könnte verbrennen
pṛthivīm
die Erde
plāvayeyam
ich könnte überschwemmen
jalaiḥ
mit Wassern
tathā
ebenso
dyām
den Himmel
vai
fürwahr
bhuvam
die Erde
ca
und
rundheyam
ich könnte verschließen
na atra kāryā vicāraṇā
daran ist kein Zweifel zu hegen

Höhepunkt von Veṇas Selbstüberhebung: Er beansprucht kosmische Zerstörungsmacht.

yadā na śakyate mohād avalepāc ca pārthivaḥ / apanetuṃ tadā veṇas tataḥ kruddhā maharṣayaḥ // BrP_4.42 //

Als der König, wegen [seiner] Verblendung und Überheblichkeit, nicht [von seinem Irrweg] abgebracht werden konnte, da wurden die großen Weisen über Veṇa erzürnt.

Wort für Wort
yadā
als
na śakyate
nicht kann
mohāt
wegen der Verblendung
avalepāt
wegen der Überheblichkeit
ca
und
pārthivaḥ
der König
apanetum
abgebracht werden
tadā
da
veṇaḥ
Veṇa
tataḥ
darauf
kruddhāḥ
erzürnt
maharṣayaḥ
die großen Weisen

Nachdem alle Ermahnungen fruchtlos bleiben, entscheiden sich die Weisen zum Handeln.

taṃ nigṛhya mahātmāno visphurantaṃ mahābalam / tato 'sya savyam ūruṃ te mamanthur jātamanyavaḥ // BrP_4.43 //

Nachdem die Hochherzigen ihn, den hochmächtigen, sich Aufbäumenden, gepackt hatten, quirlten sie darauf, in Zorn entbrannt, seinen linken Schenkel.

Wort für Wort
tam
ihn
nigṛhya
gepackt habend
mahātmānaḥ
die Hochherzigen
visphurantam
den sich Aufbäumenden
mahābalam
den hochmächtigen
tataḥ
darauf
asya
seinen
savyam ūrum
den linken Schenkel
te
sie
mamanthuḥ
quirlten
jāta-manyavaḥ
in Zorn entbrannt

Beginn der bekannten "Quirlungs"-Szene: die Weisen bezwingen den sich wehrenden Veṇa körperlich und beginnen, seinen linken Schenkel zu quirlen.

tasmin nimathyamāne vai rājña ūrau tu jajñivān / hrasvo 'timātraḥ puruṣaḥ kṛṣṇaś ceti babhūva ha // BrP_4.44 //

Als dieser Schenkel des Königs gequirlt wurde, entstand ein Mensch, überaus klein und dunkel, so wurde er geboren.

Wort für Wort
tasmin
als dieser
nimathyamāne
gequirlt wurde
vai
fürwahr
rājñaḥ
des Königs
ūrau
am Schenkel
tu
aber
jajñivān
entstanden
hrasvaḥ
klein
atimātraḥ
überaus
puruṣaḥ
ein Mensch
kṛṣṇaḥ
dunkel
ca
und
iti
so
babhūva ha
wurde geboren

Aus dem gequirlten Schenkel entsteht ein kleiner, dunkelhäutiger Mensch – der Vorfahre der Niṣādas (v.46).

sa bhītaḥ prāñjalir bhūtvā tasthivān dvijasattamāḥ / tam atrir vihvalaṃ dṛṣṭvā niṣīdety abravīt tadā // BrP_4.45 //

Er stand da, geängstigt, mit gefalteten Händen, o beste der Brahmanen; als Atri ihn, den Verwirrten, sah, sprach er da: „Setz dich!“ (niṣīda),

Wort für Wort
saḥ
er
bhītaḥ
geängstigt
prāñjaliḥ bhūtvā
mit gefalteten Händen
tasthivān
stand
dvija-sattamāḥ
o beste der Brahmanen
tam
ihn
atriḥ
Atri
vihvalam
den Verwirrten
dṛṣṭvā
sehend
niṣīda
setz dich!
iti
so
abravīt
sprach
tadā
da

Wortspiel-Ätiologie: Atris Zuruf "niṣīda" ("setz dich!") wird zur Erklärung des Namens "Niṣāda" für diesen ersten dunklen Menschen und seine Nachkommen.

niṣādavaṃśakartāsau babhūva vadatāṃ varāḥ / dhīvarān asṛjac cāpi veṇakalmaṣasaṃbhavān // BrP_4.46 //

er wurde zum Stammvater des Niṣāda-Geschlechts, o Vorzüglichste der Redner; und er erzeugte auch die Fischer, die aus Veṇas Verunreinigung (Sündenrest) entstanden sind.

Wort für Wort
niṣāda-vaṃśa-kartā
der Stammvater des Niṣāda-Geschlechts
asau
er
babhūva
wurde
vadatām varāḥ
o Vorzüglichste der Redner
dhīvarān
die Fischer
asṛjat
erzeugte
ca api
und auch
veṇa-kalmaṣa-saṃbhavān
aus Veṇas Verunreinigung entstanden

Erklärung des Namens "Niṣāda" (von "niṣīda"); dieser Niṣāda wird zum Stammvater der Fischer(-Kaste), verstanden als "Restsünde" (kalmaṣa) Veṇas.

ye cānye vindhyanilayās tathā parvatasaṃśrayāḥ / adharmarucayo viprās te tu vai veṇakalmaṣāḥ // BrP_4.47 //

Und welche anderen [Stämme] im Vindhya-Gebirge wohnen und ebenso in den Bergen Zuflucht haben, dem Unrecht zugeneigt, o Brahmanen – auch diese sind fürwahr Veṇas Verunreinigungs-Nachkommen.

Wort für Wort
ye
welche
ca anye
und andere
vindhya-nilayāḥ
im Vindhya-Gebirge wohnend
tathā
ebenso
parvata-saṃśrayāḥ
in den Bergen Zuflucht habend
adharma-rucayaḥ
dem Unrecht zugeneigt
viprāḥ
o Brahmanen
te tu vai
auch diese fürwahr
veṇa-kalmaṣāḥ
Veṇas Verunreinigungs-Nachkommen

Erklärung für die (aus brahmanischer Sicht) "unreinen", außerhalb der Kastenordnung stehenden Bergstämme als Nachkommen von Veṇas "Sündenrest".

tataḥ punar mahātmānaḥ pāṇiṃ veṇasya dakṣiṇam / araṇīm iva saṃrabdhā mamanthur jātamanyavaḥ // BrP_4.48 //

Darauf quirlten die Hochherzigen wiederum, energisch und in Zorn entbrannt, die rechte Hand Veṇas wie ein Reibholz (Araṇi).

Wort für Wort
tataḥ punaḥ
darauf wiederum
mahātmānaḥ
die Hochherzigen
pāṇim
die Hand
veṇasya
Veṇas
dakṣiṇam
die rechte
araṇīm iva
wie ein Reibholz
saṃrabdhāḥ
energisch
mamanthuḥ
quirlten
jāta-manyavaḥ
in Zorn entbrannt

Nach dem "unreinen" Ergebnis aus dem Schenkel versuchen die Weisen es erneut mit der rechten Hand – diesmal mit positivem Resultat (Pṛthu, v.49).

pṛthus tasmāt samutpannaḥ karāj jvalanasaṃnibhaḥ / dīpyamānaḥ svavapuṣā sākṣād agnir iva jvalan // BrP_4.49 //

Aus jener Hand entstand Pṛthu, dem Feuer gleich, durch seinen eigenen Körper erstrahlend, wie das Feuer selbst leuchtend.

Wort für Wort
pṛthuḥ
Pṛthu
tasmāt
aus jener
samutpannaḥ
entstanden
karāt
aus der Hand
jvalana-saṃnibhaḥ
dem Feuer gleich
dīpyamānaḥ
erstrahlend
sva-vapuṣā
durch seinen eigenen Körper
sākṣāt
selbst
agniḥ iva
wie das Feuer
jvalan
leuchtend

Geburt Pṛthus, hier feurig-strahlend beschrieben – ein deutlich anderer, positiverer Ton als bei der Niṣāda-Geburt.

atha so 'jagavaṃ nāma dhanur gṛhya mahāravam / śarāṃś ca divyān rakṣārthaṃ kavacaṃ ca mahāprabham // BrP_4.50 //

Sodann [erschien] er, den Bogen namens Ajagava ergreifend, den lautstarken, und himmlische Pfeile sowie zum Schutz einen hochglänzenden Panzer,

Wort für Wort
atha
sodann
saḥ
er
ajagavam nāma
namens Ajagava
dhanuḥ
den Bogen
gṛhya
ergreifend
mahāravam
den lautstarken
śarān
Pfeile
ca
und
divyān
himmlische
rakṣā-artham
zum Schutz
kavacam
einen Panzer
ca
und
mahāprabham
hochglänzend

Pṛthu erscheint sogleich vollständig mit göttlichen Waffen ausgestattet – ein Zeichen seiner besonderen, halbgöttlichen Bestimmung.

tasmiñ jāte 'tha bhūtāni saṃprahṛṣṭāni sarvaśaḥ / samāpetur mahābhāgā veṇas tu tridivaṃ yayau // BrP_4.51 //

Als er geboren war, kamen alle Wesen, hocherfreut, von allen Seiten herbei, hochherrlich; Veṇa aber ging zum dritten Himmel (in den Himmel) ein.

Wort für Wort
tasmin jāte
als er geboren war
atha
sodann
bhūtāni
die Wesen
saṃprahṛṣṭāni
hocherfreut
sarvaśaḥ
von allen Seiten
samāpetuḥ
kamen herbei
mahābhāgāḥ
hochherrlich
veṇaḥ
Veṇa
tu
aber
tridivam
zum dritten Himmel
yayau
ging

Universelle Freude über Pṛthus Geburt; gleichzeitig wird Veṇa selbst (trotz seiner Sünden) durch die Existenz eines solchen Sohnes erlöst und gelangt in den Himmel (vgl. v.52).

samutpannena bho viprāḥ satputreṇa mahātmanā / trātaḥ sa puruṣavyāghraḥ puṃnāmno narakāt tadā // BrP_4.52 //

Durch den entstandenen, rechtschaffenen, hochherzigen Sohn, o Brahmanen, wurde jener Tiger unter den Männern (Veṇa) da vor der Hölle namens „Put“ gerettet.

Wort für Wort
samutpannena
durch den entstandenen
bhoḥ viprāḥ
o Brahmanen
sat-putreṇa
durch den rechtschaffenen Sohn
mahātmanā
hochherzigen
trātaḥ
gerettet
saḥ puruṣavyāghraḥ
jener Tiger unter den Männern (Veṇa)
puṃ-nāmnaḥ
namens Put
narakāt
vor der Hölle
tadā
da

Etymologische Erklärung des Wortes "putra" (Sohn) als "der, der [den Vater] vor der Put-Hölle rettet" – ein bekanntes purāṇisches Motiv (vgl. ähnliche Etymologie z.B. im Manusmṛti-Kontext).

taṃ samudrāś ca nadyaś ca ratnāny ādāya sarvaśaḥ / toyāni cābhiṣekārthaṃ sarva evopatasthire // BrP_4.53 //

Zu ihm kamen die Meere und Flüsse, von überall Juwelen und Wasser zum Zweck der Weihe mitbringend, alle herbei,

Wort für Wort
tam
zu ihm
samudrāḥ
die Meere
ca
und
nadyaḥ
die Flüsse
ca
und
ratnāni
Juwelen
ādāya
mitbringend
sarvaśaḥ
von überall
toyāni
Wasser
ca
und
abhiṣeka-artham
zum Zweck der Weihe
sarve
alle
eva
gerade
upatasthire
kamen herbei

Universelle Huldigung Pṛthus durch die Naturgewalten selbst, die Materialien für seine Krönung herbeibringen.

pitāmahaś ca bhagavān devair āṅgirasaiḥ saha / sthāvarāṇi ca bhūtāni jaṅgamāni ca sarvaśaḥ // BrP_4.54 //

und der erhabene Großvater (Brahmā), zusammen mit den Göttern und den Nachkommen des Aṅgiras, und alle unbeweglichen und beweglichen Wesen

Wort für Wort
pitāmahaḥ
der Großvater (Brahmā)
ca
und
bhagavān
der erhabene
devaiḥ
mit den Göttern
āṅgirasaiḥ
den Nachkommen des Aṅgiras
saha
zusammen mit
sthāvarāṇi
unbewegliche
ca
und
bhūtāni
Wesen
jaṅgamāni
bewegliche
ca sarvaśaḥ
und alle

Auch Brahmā, die Götter und die Aṅgiras-Nachkommen (Priester) sowie alle Wesen der Schöpfung nehmen an der Krönung teil.

samāgamya tadā vaiṇyam abhyaṣiñcan narādhipam / mahatā rājarājena prajās tenānurañjitāḥ // BrP_4.55 //

versammelten sich da und weihten den Sohn Veṇas zum Herrscher; durch diesen großen König der Könige wurden die Untertanen erfreut (ihm zugetan gemacht).

Wort für Wort
samāgamya
versammelt habend
tadā
da
vaiṇyam
den Sohn Veṇas
abhyaṣiñcan
weihten
narādhipam
zum Herrscher
mahatā
durch den großen
rājarājena
König der Könige
prajāḥ
die Untertanen
tena
durch diesen
anurañjitāḥ
erfreut/zugetan gemacht

Vollzug der Krönung Pṛthus; Wortspiel-Vorbereitung auf die Etymologie von "rājan" (König) aus "anurañjita" (erfreut/zugetan) in v.57.

so 'bhiṣikto mahātejā vidhivad dharmakovidaiḥ / ādhirājye tadā rājñāṃ pṛthur vaiṇyaḥ pratāpavān // BrP_4.56 //

Er, der hochglanzvolle, mächtige Pṛthu, Sohn Veṇas, wurde da regelrecht von den Dharma-Kundigen zur Oberherrschaft über die Könige geweiht.

Wort für Wort
saḥ
er
abhiṣiktaḥ
geweiht
mahātejāḥ
hochglanzvoll
vidhivat
regelrecht
dharma-kovidaiḥ
von den Dharma-Kundigen
ādhirājye
zur Oberherrschaft
tadā
da
rājñām
über die Könige
pṛthuḥ vaiṇyaḥ
Pṛthu, Sohn Veṇas
pratāpavān
mächtig

Formale Bestätigung der Krönung Pṛthus zum Oberkönig.

pitrāparañjitās tasya prajāḥ tenānurañjitāḥ / anurāgāt tatas tasya nāma rājābhyajāyata // BrP_4.57 //

Die von seinem Vater nicht erfreuten Untertanen wurden von ihm erfreut (ihm zugetan gemacht); aus dieser Zuneigung heraus entstand für ihn der Name „Rājan“ (König).

Wort für Wort
pitrā
vom Vater
aparañjitāḥ
nicht erfreute
tasya
seine
prajāḥ
Untertanen
tena
von ihm
anurañjitāḥ
erfreut
anurāgāt
aus der Zuneigung
tataḥ
daher
tasya
für ihn
nāma
der Name
rājā
„Rājan“ (König)
abhyajāyata
entstand

Explizite Volksetymologie: "rājan" (König) von der Wurzel "rañj" ("erfreuen, zugetan machen") – ein klassisches Sanskrit-Wortspiel, das Pṛthus Gegensatz zu seinem Vater Veṇa unterstreicht.

āpas tastambhire tasya samudram abhiyāsyataḥ / parvatāś ca dadur mārgaṃ dhvajabhaṅgaś ca nābhavat // BrP_4.58 //

Die Gewässer standen still, als er zum Ozean zog, und die Berge gaben ihm den Weg frei, und kein Zerbrechen seiner Feldzeichen (Niederlage) trat ein.

Wort für Wort
āpaḥ
die Gewässer
tastambhire
standen still
tasya
als er
samudram
zum Ozean
abhiyāsyataḥ
zog
parvatāḥ
die Berge
ca
und
daduḥ
gaben
mārgam
den Weg
dhvaja-bhaṅgaḥ
das Zerbrechen der Feldzeichen
ca
und
na abhavat
trat nicht ein

Zeichen von Pṛthus wunderbarer, unangefochtener Macht: selbst die Naturgewalten weichen ihm.

akṛṣṭapacyā pṛthivī sidhyanty annāni cintanāt / sarvakāmadughā gāvaḥ puṭake puṭake madhu // BrP_4.59 //

Die Erde brachte, ohne gepflügt zu werden, [von selbst Früchte] hervor; Speisen gediehen durch bloßes Denken; die Kühe gaben alles Gewünschte; in jeder Blüte(nkapsel) [gab es] Honig.

Wort für Wort
akṛṣṭa-pacyā
ohne gepflügt reifend
pṛthivī
die Erde
sidhyanti
gedeihen
annāni
Speisen
cintanāt
durch bloßes Denken
sarva-kāma-dughāḥ
alles Gewünschte gebend
gāvaḥ
die Kühe
puṭake puṭake
in jeder Blütenkapsel
madhu
Honig

Beschreibung eines goldenen Zeitalters unter Pṛthus Herrschaft, das seine spätere Rolle als "Erdenmelker" bereits vorwegnimmt.

etasminn eva kāle tu yajñe paitāmahe śubhe / sūtaḥ sūtyāṃ samutpannaḥ sautye 'hani mahāmatiḥ // BrP_4.60 //

Zu eben dieser Zeit aber, bei dem glückverheißenden Opfer des Großvaters (Brahmā), entstand am Sūtya-Tag [des Opfers] Sūta, hochgesinnt, aus dem Sūtya[-Ritual],

Wort für Wort
etasmin eva kāle
zu eben dieser Zeit
tu
aber
yajñe
beim Opfer
paitāmahe
des Großvaters (Brahmā)
śubhe
glückverheißend
sūtaḥ
Sūta
sūtyām
aus dem Sūtya[-Ritual]
samutpannaḥ
entstanden
sautye ahani
am Sūtya-Tag
mahāmatiḥ
hochgesinnt

Beginn der Ätiologie der Sūta-Kaste (Wagenlenker-Barden): geboren aus einem besonderen Ritualabschnitt (Sūtya) eines von Brahmā vollzogenen Opfers – eine andere, ausführlichere Version als die knappe Erwähnung in Kap. 2.

tasminn eva mahāyajñe jajñe prājño 'tha māgadhaḥ / pṛthoḥ stavārthaṃ tau tatra samāhūtau maharṣibhiḥ // BrP_4.61 //

in eben diesem großen Opfer entstand auch der kluge Māgadha; die beiden wurden dort von den großen Weisen zum Zweck der Lobpreisung Pṛthus herbeigerufen.

Wort für Wort
tasmin eva mahāyajñe
in eben diesem großen Opfer
jajñe
entstand
prājñaḥ
der kluge
atha
auch
māgadhaḥ
Māgadha
pṛthoḥ
Pṛthus
stava-artham
zum Zweck der Lobpreisung
tau
die beiden
tatra
dort
samāhūtau
herbeigerufen
maharṣibhiḥ
von den großen Weisen

Auch Māgadha (Stammvater der Preissänger) entsteht im selben Opfer; beide, Sūta und Māgadha, werden von den Weisen aufgefordert, Pṛthu zu preisen.

tāv ūcur ṛṣayaḥ sarve stūyatām eṣa pārthivaḥ / karmaitad anurūpaṃ vāṃ pātraṃ cāyaṃ narādhipaḥ // BrP_4.62 //

Zu ihnen beiden sprachen alle Weisen: „Dieser König soll gepriesen werden! Diese Aufgabe entspricht euch beiden, und dieser Herrscher ist [ihrer] würdiges Objekt (Empfänger).“

Wort für Wort
tau
zu ihnen beiden
ūcuḥ
sprachen
ṛṣayaḥ sarve
alle Weisen
stūyatām
er soll gepriesen werden
eṣaḥ pārthivaḥ
dieser König
karma etat
diese Aufgabe
anurūpam
entsprechend
vām
euch beiden
pātram
würdiges Objekt
ca
und
ayam narādhipaḥ
dieser Herrscher

Die Weisen weisen Sūta und Māgadha ihre traditionelle Funktion als Lobpreiser der Könige zu.

tāv ūcatus tadā sarvāṃs tān ṛṣīn sūtamāgadhau / āvāṃ devān ṛṣīṃś caiva prīṇayāvaḥ svakarmabhiḥ // BrP_4.63 //

Sūta und Māgadha aber sprachen da zu all jenen Weisen: „Wir beide erfreuen die Götter und Weisen durch unsere eigenen [angestammten] Tätigkeiten;

Wort für Wort
tau
die beiden
ūcatuḥ
sprachen
tadā
da
sarvān tān ṛṣīn
zu all jenen Weisen
sūta-māgadhau
Sūta und Māgadha
āvām
wir beide
devān
die Götter
ṛṣīn
die Weisen
ca eva
und auch
prīṇayāvaḥ
erfreuen wir
svakarmabhiḥ
durch unsere eigenen Tätigkeiten

Sūta und Māgadha antworten, dass ihre traditionelle Aufgabe darin besteht, Götter und Weise (nicht Menschenkönige) durch ihre ererbten Fähigkeiten zu erfreuen.

na cāsya vidmo vai karma nāma vā lakṣaṇaṃ yaśaḥ / stotraṃ yenāsya kuryāva rājñas tejasvino dvijāḥ // BrP_4.64 //

aber von diesem [König] kennen wir weder die Taten noch den Namen, das Kennzeichen oder den Ruhm, wodurch wir für diesen glanzvollen König ein Lobgedicht verfassen könnten, o Brahmanen.“

Wort für Wort
na ca
aber nicht
asya
von diesem
vidmaḥ
wir kennen
vai
fürwahr
karma
die Taten
nāma vā
oder den Namen
lakṣaṇam
das Kennzeichen
yaśaḥ
den Ruhm
stotram
ein Lobgedicht
yena
wodurch
asya
für diesen
kuryāva
wir beide könnten verfassen
rājñaḥ
für den König
tejasvinaḥ
glanzvollen
dvijāḥ
o Brahmanen

Sūta und Māgadha weisen darauf hin, dass ein Lobpreis normalerweise auf bereits vollbrachten Taten beruht – bei dem gerade erst geborenen Pṛthu gibt es noch keine.

ṛṣibhis tau niyuktau tu bhaviṣyaiḥ stūyatām iti / yāni karmāṇi kṛtavān pṛthuḥ paścān mahābalaḥ // BrP_4.65 //

Von den Weisen wurden die beiden aber beauftragt: „Er soll mit zukünftigen [Taten] gepriesen werden“ – [nämlich] mit den Taten, die der hochmächtige Pṛthu später vollbringen würde.

Wort für Wort
ṛṣibhiḥ
von den Weisen
tau
die beiden
niyuktau
beauftragt
tu
aber
bhaviṣyaiḥ
mit zukünftigen [Taten]
stūyatām
er soll gepriesen werden
iti
so
yāni karmāṇi
die Taten, die
kṛtavān
vollbringen würde
pṛthuḥ
Pṛthu
paścāt
später
mahābalaḥ
der hochmächtige

Lösung: Sūta und Māgadha sollen Pṛthu prophetisch, im Vorgriff auf seine künftigen (noch zu vollbringenden) Taten, preisen.

tataḥ prabhṛti vai loke staveṣu munisattamāḥ / āśīrvādāḥ prayujyante sūtamāgadhabandibhiḥ // BrP_4.66 //

Von da an werden fürwahr in der Welt, o beste der Weisen, bei Lobpreisungen Segenssprüche von Sūtas, Māgadhas und Barden (Bandins) angewendet.

Wort für Wort
tataḥ prabhṛti
von da an
vai
fürwahr
loke
in der Welt
staveṣu
bei Lobpreisungen
muni-sattamāḥ
o beste der Weisen
āśīrvādāḥ
Segenssprüche
prayujyante
werden angewendet
sūta-māgadha-bandibhiḥ
von Sūtas, Māgadhas und Barden

Ätiologie: seit diesem Ereignis ist es Brauch, dass Sūtas, Māgadhas und Hofbarden bei Feiern Segenssprüche (oft im Futur formuliert) aussprechen.

tayoḥ stavānte suprītaḥ pṛthuḥ prādāt prajeśvaraḥ / anūpadeśaṃ sūtāya magadhaṃ māgadhāya ca // BrP_4.67 //

Am Ende ihres Lobpreises gab der hocherfreute Pṛthu, der Herr der Untertanen, dem Sūta das Anūpa-Land und dem Māgadha das Magadha-Land.

Wort für Wort
tayoḥ
ihres
stava-ante
am Ende des Lobpreises
suprītaḥ
hocherfreut
pṛthuḥ
Pṛthu
prādāt
gab
prajā-īśvaraḥ
der Herr der Untertanen
anūpadeśam
das Anūpa-Land
sūtāya
dem Sūta
magadham
das Magadha-Land
māgadhāya
dem Māgadha
ca
und

Pṛthu belohnt Sūta und Māgadha mit Landbesitz, die ihre jeweiligen Namen tragen (Anūpa- bzw. Magadha-Region) – weitere Namensätiologie.

taṃ dṛṣṭvā paramaprītāḥ prajāḥ procur manīṣiṇaḥ / vṛttīnām eṣa vo dātā bhaviṣyati narādhipaḥ // BrP_4.68 //

Als sie ihn sahen, höchst erfreut, sprachen die weisen Untertanen: „Dieser Herrscher wird euch [allen] ein Geber der Lebensunterhalte (Berufe/Einkommen) sein.“

Wort für Wort
tam
ihn
dṛṣṭvā
sehend
parama-prītāḥ
höchst erfreut
prajāḥ
die Untertanen
procuḥ
sprachen
manīṣiṇaḥ
weise
vṛttīnām
der Lebensunterhalte
eṣaḥ
dieser
vaḥ
euch
dātā
Geber
bhaviṣyati
wird sein
nara-adhipaḥ
der Herrscher

Übergang zur nächsten Episode: die Untertanen erkennen in Pṛthu einen potentiellen Versorger und wenden sich mit ihrer Bitte an ihn (v.69ff.) – dies leitet zur Erdmelkungs-Episode über.

tato vaiṇyaṃ mahātmānaṃ prajāḥ samabhidudruvuḥ / tvaṃ no vṛttiṃ vidhatsveti maharṣivacanāt tadā // BrP_4.69 //

Darauf eilten die Untertanen zum hochherzigen Sohn Veṇas [und sprachen]: „Verschaffe uns Lebensunterhalt!“ – so, auf das Wort der großen Weisen hin, da,

Wort für Wort
tataḥ
darauf
vaiṇyam
zum Sohn Veṇas
mahātmānam
dem hochherzigen
prajāḥ
die Untertanen
samabhidudruvuḥ
eilten
tvam
du
naḥ
uns
vṛttim
Lebensunterhalt
vidhatsva
verschaffe!
iti
so
maharṣi-vacanāt
auf das Wort der großen Weisen
tadā
da

Die Untertanen, ermutigt durch die Weisen, bitten Pṛthu direkt um Versorgung.

so 'bhidrutaḥ prajābhis tu prajāhitacikīrṣayā / dhanur gṛhya pṛṣatkāṃś ca pṛthivīm ādravad balī // BrP_4.70 //

Er, von den Untertanen bedrängt, ergriff aber, aus dem Wunsch, den Untertanen zu nützen, Bogen und Pfeile, und der Mächtige stürmte auf die Erde los.

Wort für Wort
saḥ
er
abhidrutaḥ
bedrängt
prajābhiḥ
von den Untertanen
tu
aber
prajā-hita-cikīrṣayā
aus dem Wunsch, den Untertanen zu nützen
dhanuḥ
den Bogen
gṛhya
ergreifend
pṛṣatkān
Pfeile
ca
und
pṛthivīm
auf die Erde
ādravat
stürmte
balī
der Mächtige

Pṛthu greift zu den Waffen, um die Erde (in Kuhgestalt) zur Herausgabe ihrer Nahrungsschätze zu zwingen – Beginn der berühmten Erdmelkungs-Episode.

tato vaiṇyabhayatrastā gaur bhūtvā prādravan mahī / tāṃ pṛthur dhanur ādāya dravantīm anvadhāvata // BrP_4.71 //

Da floh die Erde, von Furcht vor dem Sohn Veṇas erschreckt, in Kuhgestalt verwandelt; sie, die Fliehende, verfolgte Pṛthu, den Bogen ergriffen habend.

Wort für Wort
tataḥ
da
vaiṇya-bhaya-trastā
von Furcht vor dem Sohn Veṇas erschreckt
gauḥ bhūtvā
zur Kuh geworden
prādravat
floh
mahī
die Erde
tām
sie
pṛthuḥ
Pṛthu
dhanuḥ ādāya
den Bogen ergriffen habend
dravantīm
die Fliehende
anvadhāvata
verfolgte

Die Erde nimmt Kuhgestalt an und flieht vor Pṛthu – ein zentrales Bildmotiv der gesamten Episode.

sā lokān brahmalokādīn gatvā vaiṇyabhayāt tadā / pradadarśāgrato vaiṇyaṃ pragṛhītaśarāsanam // BrP_4.72 //

Sie, aus Furcht vor dem Sohn Veṇas zu den Welten, angefangen mit der Brahma-Welt, geflohen, erblickte da vor sich den Sohn Veṇas, den Bogen erhoben,

Wort für Wort
sā
sie
lokān
zu den Welten
brahmaloka-ādīn
angefangen mit der Brahma-Welt
gatvā
gegangen
vaiṇya-bhayāt
aus Furcht vor dem Sohn Veṇas
tadā
da
pradadarśa
erblickte
agrataḥ
vor sich
vaiṇyam
den Sohn Veṇas
pragṛhīta-śarāsanam
den Bogen erhoben

Die Erde flieht bis in die höchsten Welten (Brahmaloka), findet aber überall Pṛthu bereits vor sich.

jvaladbhir niśitair bāṇair dīptatejasam antataḥ / mahāyogaṃ mahātmānaṃ durdharṣam amarair api // BrP_4.73 //

mit lodernden, scharfen Pfeilen, von leuchtender Energie, schließlich – groß in Yoga(-Kraft), hochherzig, selbst für die Unsterblichen unangreifbar.

Wort für Wort
jvaladbhiḥ
mit lodernden
niśitaiḥ
scharfen
bāṇaiḥ
Pfeilen
dīpta-tejasam
von leuchtender Energie
antataḥ
schließlich
mahāyogam
groß in Yoga-Kraft
mahātmānam
hochherzig
durdharṣam
unangreifbar
amaraiḥ api
selbst für die Unsterblichen

Fortsetzung der Beschreibung Pṛthus: von übermenschlicher, selbst für Götter unbezwingbarer Macht.

alabhantī tu sā trāṇaṃ vaiṇyam evānvapadyata / kṛtāñjalipuṭā bhūtvā pūjyā lokais tribhis tadā // BrP_4.74 //

Da sie aber keinen Schutz fand, wandte sie sich eben an den Sohn Veṇas selbst, mit gefalteten Händen, sie, die von den drei Welten Verehrte,

Wort für Wort
alabhantī
nicht findend
tu
aber
sā
sie
trāṇam
Schutz
vaiṇyam eva
eben an den Sohn Veṇas
anvapadyata
wandte sich
kṛta-añjali-puṭā bhūtvā
mit gefalteten Händen
pūjyā
verehrt
lokaiḥ tribhiḥ
von den drei Welten
tadā
da

Die Erde, die nirgends Zuflucht findet, unterwirft sich schließlich Pṛthu direkt.

uvāca vaiṇyaṃ nādharmaṃ strīvadhe paripaśyasi / kathaṃ dhārayitā cāsi prajā rājan vinā mayā // BrP_4.75 //

sprach sie zum Sohn Veṇas: „Siehst du nicht das Unrecht in der Tötung einer Frau? Wie willst du, o König, ohne mich die Untertanen erhalten?

Wort für Wort
uvāca
sprach
vaiṇyam
zum Sohn Veṇas
na
nicht
adharmam
das Unrecht
strī-vadhe
in der Tötung einer Frau
paripaśyasi
siehst du
katham
wie
dhārayitā
erhalten wollend
ca asi
bist du
prajāḥ
die Untertanen
rājan
o König
vinā mayā
ohne mich

Die Erde argumentiert gegen ihre Tötung: erstens moralisch (Frauenmord), zweitens pragmatisch (ohne sie kein Lebensunterhalt für die Untertanen).

mayi lokāḥ sthitā rājan mayedaṃ dhāryate jagat / madvināśe vinaśyeyuḥ prajāḥ pārthiva viddhi tat // BrP_4.76 //

In mir ruhen die Welten, o König, von mir wird diese Welt getragen; bei meiner Vernichtung würden die Untertanen zugrunde gehen – wisse das, o Herrscher.

Wort für Wort
mayi
in mir
lokāḥ
die Welten
sthitāḥ
ruhen
rājan
o König
mayā
von mir
idam
diese
dhāryate
wird getragen
jagat
die Welt
mat-vināśe
bei meiner Vernichtung
vinaśyeyuḥ
würden zugrunde gehen
prajāḥ
die Untertanen
pārthiva
o Herrscher
viddhi tat
wisse das

Die Erde als fundamentale Trägerin allen Lebens – ihre Zerstörung wäre kollektiver Suizid der gesamten Schöpfung.

na mām arhasi hantuṃ vai śreyaś cet tvaṃ cikīrṣasi / prajānāṃ pṛthivīpāla śṛṇu cedaṃ vaco mama // BrP_4.77 //

Du solltest mich fürwahr nicht töten, wenn du das Wohl der Untertanen wünschst, o Erdenschützer; höre auch dieses mein Wort:

Wort für Wort
na
nicht
mām
mich
arhasi hantum
du solltest töten
vai
fürwahr
śreyaḥ
das Wohl
cet
wenn
tvam
du
cikīrṣasi
wünschst
prajānām
der Untertanen
pṛthivīpāla
o Erdenschützer
śṛṇu
höre
ca idam vacaḥ mama
auch dieses mein Wort

Fortsetzung des Appells; Ankündigung eines konkreten Lösungsvorschlags in v.78ff.

upāyataḥ samārabdhāḥ sarve sidhyanty upakramāḥ / upāyaṃ paśya yena tvaṃ dhārayethāḥ prajām imām // BrP_4.78 //

Alle mit rechtem Mittel begonnenen Unternehmungen gelingen; suche das Mittel, wodurch du diese Untertanenschaft erhalten könntest!

Wort für Wort
upāyataḥ
mit rechtem Mittel
samārabdhāḥ
begonnen
sarve
alle
sidhyanti
gelingen
upakramāḥ
Unternehmungen
upāyam
das Mittel
paśya
suche/sieh
yena
wodurch
tvam
du
dhārayethāḥ
du könntest erhalten
prajām imām
diese Untertanenschaft

Die Erde rät zu einer klugen, methodischen Lösung statt zur Gewalt.

hatvāpi māṃ na śaktas tvaṃ prajānāṃ poṣaṇe nṛpa / anukūlā bhaviṣyāmi yaccha kopaṃ mahāmate // BrP_4.79 //

Selbst wenn du mich tötest, bist du nicht fähig, o König, die Untertanen zu ernähren; ich werde [dir] gewogen sein – zügle deinen Zorn, o Hochgesinnter!

Wort für Wort
hatvā api
selbst tötend
mām
mich
na śaktaḥ
nicht fähig
tvam
du
prajānām
der Untertanen
poṣaṇe
bei der Ernährung
nṛpa
o König
anukūlā
gewogen
bhaviṣyāmi
ich werde sein
yaccha kopam
zügle den Zorn!
mahāmate
o Hochgesinnter

Die Erde bietet Kooperation statt Widerstand an, wenn Pṛthu seinen Zorn zügelt.

avadhyāṃ ca striyaṃ prāhus tiryagyonigateṣv api / yady evaṃ pṛthivīpāla na dharmaṃ tyaktum arhasi // BrP_4.80 //

Man sagt, dass eine Frau unantastbar (nicht zu töten) sei, selbst unter denen, die in Tiergeburten eingegangen sind; wenn es sich so verhält, o Erdenschützer, solltest du den Dharma nicht aufgeben.“

Wort für Wort
avadhyām
unantastbar
ca
und
striyam
eine Frau
prāhuḥ
man sagt
tiryag-yoni-gateṣu api
selbst unter denen in Tiergeburten
yadi evam
wenn es sich so verhält
pṛthivīpāla
o Erdenschützer
na dharmam tyaktum arhasi
du solltest den Dharma nicht aufgeben

Abschließendes moralisches Argument: das Tötungsverbot für Frauen gilt universell, sogar für Tiere weiblichen Geschlechts – Pṛthu soll den Dharma nicht verletzen.

evaṃ bahuvidhaṃ vākyaṃ śrutvā rājā mahāmanāḥ / kopaṃ nigṛhya dharmātmā vasudhām idam abravīt // BrP_4.81 //

Nachdem er diese vielfältige Rede gehört hatte, sprach der hochgesinnte, gerechte König, seinen Zorn zügelnd, zur Erde dies:

Wort für Wort
evam
so
bahuvidham
vielfältig
vākyam
die Rede
śrutvā
gehört habend
rājā
der König
mahāmanāḥ
hochgesinnt
kopam
den Zorn
nigṛhya
gezügelt habend
dharmātmā
der gerechte
vasudhām
zur Erde
idam
dies
abravīt
sprach

Pṛthu lässt sich von der Argumentation der Erde überzeugen und antwortet besonnen.

ekasyārthe tu yo hanyād ātmano vā parasya vā / bahūn vā prāṇino 'nantaṃ bhavet tasyeha pātakam // BrP_4.82 //

Pṛthu sprach: „Wer im Interesse eines Einzelnen – sei es des eigenen Selbst oder eines anderen – viele Lebewesen tötet, dessen Sünde wäre hier grenzenlos;

Wort für Wort
ekasya arthe
im Interesse eines Einzelnen
tu
aber
yaḥ
wer
hanyāt
tötet
ātmanaḥ vā
des eigenen Selbst
parasya vā
oder eines anderen
bahūn
viele
vā prāṇinaḥ
Lebewesen
anantam
grenzenlos
bhavet
wäre
tasya
dessen
iha
hier
pātakam
die Sünde

Pṛthus eigene ethische Reflexion beginnt: die Abwägung zwischen individuellem und kollektivem Nutzen bei Tötungshandlungen.

sukham edhanti bahavo yasmiṃs tu nihate 'śubhe / tasmin hate nāsti bhadre pātakaṃ copapātakam // BrP_4.83 //

Wenn aber, durch die Tötung eines Unheilvollen, viele glücklich gedeihen, so besteht bei dessen Tötung, o Gute, keine Haupt- oder Nebensünde.

Wort für Wort
sukham
glücklich
edhanti
gedeihen
bahavaḥ
viele
yasmin tu nihate
wenn aber jener getötet ist
aśubhe
der Unheilvolle
tasmin hate
bei dessen Tötung
na asti
besteht nicht
bhadre
o Gute
pātakam
Hauptsünde
ca upapātakam
und Nebensünde

Ethisches Prinzip: Die Tötung eines Einzelnen zum Wohl der Vielen ist gerechtfertigt – dieses Prinzip rechtfertigt indirekt die drohende, aber letztlich vermiedene Tötung der Erde.

so 'haṃ prajānimittaṃ tvāṃ haniṣyāmi vasuṃdhare / yadi me vacanān nādya kariṣyasi jagaddhitam // BrP_4.84 //

So werde ich dich, o Erdenträgerin, um der Untertanen willen töten, wenn du heute nicht auf mein Wort hin das Wohl der Welt bewirkst.

Wort für Wort
saḥ aham
so werde ich
prajā-nimittam
um der Untertanen willen
tvām
dich
haniṣyāmi
ich werde töten
vasuṃdhare
o Erdenträgerin
yadi
wenn
me vacanāt
auf mein Wort
na adya
nicht heute
kariṣyasi
du wirst bewirken
jagat-hitam
das Wohl der Welt

Pṛthu bekräftigt seine Drohung, sollte die Erde sich nicht kooperativ zeigen.

tvāṃ nihatyādya bāṇena macchāsanaparāṅmukhīm / ātmānaṃ prathayitvāhaṃ prajā dhārayitā svayam // BrP_4.85 //

Nachdem ich dich, die meinem Gebot Abgeneigte, heute mit dem Pfeil getötet habe, werde ich, mich selbst ausbreitend (verherrlichend), selbst die Untertanen erhalten.

Wort für Wort
tvām
dich
nihatya
getötet habend
adya
heute
bāṇena
mit dem Pfeil
mat-śāsana-parāṅmukhīm
meinem Gebot Abgeneigte
ātmānam
mich selbst
prathayitvā
ausgebreitet habend
aham
ich
prajāḥ
die Untertanen
dhārayitā
werde erhalten
svayam
selbst

Pṛthus letzte Warnung, gefolgt von seinem eigentlichen Lösungsvorschlag (ab v.86): die Erde soll ihm als "Tochter" (Untergebene) dienen.

sā tvaṃ śāsanam āsthāya mama dharmabhṛtāṃ vare / saṃjīvaya prajāḥ sarvāḥ samarthā hy asi dhāraṇe // BrP_4.86 //

Du also, mein Gebot annehmend, o [Erde, unter den] Trägern des Dharma Vorzüglichste, belebe alle Untertanen – denn du bist fähig zum Erhalten (Tragen).

Wort für Wort
sā tvam
du also
śāsanam
das Gebot
āsthāya
angenommen habend
mama
mein
dharma-bhṛtām vare
o Vorzüglichste unter den Dharma-Trägern
saṃjīvaya
belebe!
prajāḥ sarvāḥ
alle Untertanen
samarthā
fähig
hi asi
denn du bist
dhāraṇe
zum Erhalten

Pṛthus konkreter Vorschlag: Die Erde soll sich seinem Willen unterstellen und die Untertanen weiter ernähren.

duhitṛtvaṃ ca me gaccha tata enam ahaṃ śaram / niyaccheyaṃ tvadvadhārtham udyantaṃ ghoradarśanam // BrP_4.87 //

Und geh in ein Tochterverhältnis zu mir ein; dann werde ich diesen Pfeil, der sich zu deiner Tötung erhoben hat, von furchtbarem Aussehen, zurückhalten.“

Wort für Wort
duhitṛtvam
das Tochterverhältnis
ca
und
me
zu mir
gaccha
geh ein!
tataḥ
dann
enam
diesen
aham
ich
śaram
Pfeil
niyaccheyam
ich werde zurückhalten
tvat-vadha-artham
zu deiner Tötung
udyantam
erhoben
ghora-darśanam
von furchtbarem Aussehen

Der entscheidende Vorschlag: Die Erde wird symbolisch zu Pṛthus "Tochter" (daher später der Name Pṛthivī, vgl. Kap. 3-Vorgriff und v.113), im Gegenzug verschont er sie.

sarvam etad ahaṃ vīra vidhāsyāmi na saṃśayaḥ / vatsaṃ tu mama saṃpaśya kṣareyaṃ yena vatsalā // BrP_4.88 //

Die Erde sprach: „All dies werde ich, o Held, ausführen – kein Zweifel. Doch such mir ein Kalb aus, durch das ich, liebevoll, [Milch] fließen lassen kann,

Wort für Wort
sarvam etat
all dies
aham
ich
vīra
o Held
vidhāsyāmi
werde ich ausführen
na saṃśayaḥ
kein Zweifel
vatsam
ein Kalb
tu
aber
mama
für mich
saṃpaśya
such aus!
yena
durch das
kṣareyam
ich fließen lassen kann
vatsalā
liebevoll

Die Erde stimmt zu, verlangt aber ein geeignetes "Kalb" (Anreizmittel) für den Melkvorgang – dies leitet zur Auswahl Manu Svāyambhuvas als "Kalb" über (v.96).

samāṃ ca kuru sarvatra māṃ tvaṃ dharmabhṛtāṃ vara / yathā visyandamānaṃ me kṣīraṃ sarvatra bhāvayet // BrP_4.89 //

und mache mich überall eben (gleichmäßig), o Vorzüglichster unter den Dharma-Trägern, so dass meine ausströmende Milch überallhin gelangen möge.“

Wort für Wort
samām
eben
ca
und
kuru
mache!
sarvatra
überall
mām
mich
tvam
du
dharma-bhṛtām vara
o Vorzüglichster unter den Dharma-Trägern
yathā
so dass
visyandamānam
ausströmend
me kṣīram
meine Milch
sarvatra
überallhin
bhāvayet
gelangen möge

Die Erde bittet zusätzlich um Einebnung ihrer Oberfläche, damit die "Milch" (Ernteertrag) sich gleichmäßig verteilen kann – dies erklärt ätiologisch, warum Pṛthu die Berge zurückdrängt (v.90).

tata utsārayām āsa śailāñ śatasahasraśaḥ / dhanuṣkoṭyā tadā vaiṇyas tena śailā vivardhitāḥ // BrP_4.90 //

Lomaharṣaṇa sprach: Darauf verdrängte der Sohn Veṇas mit der Spitze seines Bogens hunderttausendfach die Berge; dadurch wurden [zugleich, an anderer Stelle] die Berge vermehrt (aufgetürmt).

Wort für Wort
tataḥ
darauf
utsārayām āsa
verdrängte
śailān
die Berge
śata-sahasraśaḥ
hunderttausendfach
dhanuḥ-koṭyā
mit der Spitze des Bogens
tadā
da
vaiṇyaḥ
der Sohn Veṇas
tena
dadurch
śailāḥ
die Berge
vivardhitāḥ
vermehrt/aufgetürmt

Ätiologie der Gebirgsbildung: Pṛthu ebnet die Erde ein, indem er mit seinem Bogen die Berge an manchen Stellen wegdrängt – wodurch sie sich an anderen Stellen auftürmen.

nahi pūrvavisarge vai viṣame pṛthivītale / saṃvibhāgaḥ purāṇāṃ vā grāmāṇāṃ vābhavat tadā // BrP_4.91 //

Denn in der früheren Schöpfung gab es auf der unebenen Erdoberfläche noch keine Einteilung in Städte oder Dörfer.

Wort für Wort
na hi
denn nicht
pūrva-visarge
in der früheren Schöpfung
vai
fürwahr
viṣame
auf der unebenen
pṛthivī-tale
Erdoberfläche
saṃvibhāgaḥ
die Einteilung
purāṇām vā
in Städte
grāmāṇām vā
oder Dörfer
abhavat
gab es
tadā
da

Rückblick: vor Pṛthus Einebnung war die Erde uneben und unerschlossen, ohne geordnete Siedlungsstruktur.

na sasyāni na gorakṣyaṃ na kṛṣir na vaṇikpathaḥ / naiva satyānṛtaṃ cāsīn na lobho na ca matsaraḥ // BrP_4.92 //

Es gab keine Feldfrüchte, keine Rinderzucht, keinen Ackerbau, keinen Handelsweg; es gab weder Wahrheit noch Lüge, weder Habgier noch Neid.

Wort für Wort
na sasyāni
keine Feldfrüchte
na gorakṣyam
keine Rinderzucht
na kṛṣiḥ
kein Ackerbau
na vaṇikpathaḥ
kein Handelsweg
na eva
gar nicht
satya-anṛtam
Wahrheit-Lüge
ca āsīt
gab es
na lobhaḥ
keine Habgier
na ca matsaraḥ
und kein Neid

Zustand der frühesten, noch unzivilisierten Erde – ohne Landwirtschaft, Handel, aber auch ohne die damit verbundenen moralischen Verfehlungen (Lüge, Habgier).

vaivasvate 'ntare tasmin sāṃprataṃ samupasthite / vaiṇyāt prabhṛti vai viprāḥ sarvasyaitasya saṃbhavaḥ // BrP_4.93 //

Als jenes gegenwärtige Vaivasvata-Manvantara herangekommen war, entstand, o Brahmanen, all dies fürwahr erst seit dem Sohn Veṇas (Pṛthu).

Wort für Wort
vaivasvate antare
im Vaivasvata-Manvantara
tasmin
jenem
sāṃpratam
gegenwärtig
samupasthite
herangekommen
vaiṇyāt prabhṛti
seit dem Sohn Veṇas
vai
fürwahr
viprāḥ
o Brahmanen
sarvasya etasya
all dies
saṃbhavaḥ
die Entstehung

Zivilisatorische Errungenschaften (Landwirtschaft, Handel usw.) werden auf das Wirken Pṛthus im gegenwärtigen Vaivasvata-Zeitalter zurückgeführt.

yatra yatra samaṃ tv asyā bhūmer āsīt tadā dvijāḥ / tatra tatra prajāḥ sarvā nivāsaṃ samarocayan // BrP_4.94 //

Wo immer damals ebener Boden dieser Erde war, o Brahmanen, dort ließen sich alle Untertanen mit Vorliebe zur Wohnstätte nieder.

Wort für Wort
yatra yatra
wo immer
samam
eben
tu
aber
asyāḥ bhūmeḥ
dieser Erde
āsīt
war
tadā
damals
dvijāḥ
o Brahmanen
tatra tatra
dort
prajāḥ sarvāḥ
alle Untertanen
nivāsam
zur Wohnstätte
samarocayan
ließen sich mit Vorliebe nieder

Beginn geordneter Besiedlung auf den durch Pṛthu geschaffenen ebenen Flächen.

āhāraḥ phalamūlāni prajānām abhavat tadā / kṛcchreṇa mahatā yukta ity evam anuśuśruma // BrP_4.95 //

Die Nahrung der Untertanen bestand damals aus Früchten und Wurzeln, verbunden mit großer Mühsal – so haben wir es überliefert gehört.

Wort für Wort
āhāraḥ
die Nahrung
phala-mūlāni
Früchte und Wurzeln
prajānām
der Untertanen
abhavat
war
tadā
damals
kṛcchreṇa mahatā
mit großer Mühsal
yuktaḥ
verbunden
iti evam
so
anuśuśruma
wir haben gehört

Vor der eigentlichen "Erdmelkung" (v.96ff.) war die Ernährung mühsam und auf Wildpflanzen beschränkt.

sa kalpayitvā vatsaṃ tu manuṃ svāyaṃbhuvaṃ prabhum / svapāṇau puruṣavyāghro dudoha pṛthivīṃ tataḥ // BrP_4.96 //

Er (Pṛthu), nachdem er den Herrn Manu Svāyambhuva zum Kalb bestimmt hatte, molk darauf, der Tiger unter den Männern, die Erde in seine eigene Hand hinein.

Wort für Wort
saḥ
er
kalpayitvā
bestimmt habend
vatsam
zum Kalb
tu
aber
manum svāyaṃbhuvam
Manu Svāyambhuva
prabhum
den Herrn
sva-pāṇau
in seine eigene Hand
puruṣa-vyāghraḥ
der Tiger unter den Männern
dudoha
molk
pṛthivīm
die Erde
tataḥ
darauf

Beginn der eigentlichen, detaillierten Erdmelkung: Pṛthu wählt Manu Svāyambhuva (den ersten Manu, vgl. Kap. 2) als "Kalb" für die Menschen und melkt selbst in seine Hand als Gefäß.

sasyajātāni sarvāṇi pṛthur vaiṇyaḥ pratāpavān / tenānnena prajāḥ sarvā vartante 'dyāpi sarvaśaḥ // BrP_4.97 //

Alle Arten von Feldfrüchten [molk] der mächtige Pṛthu, Sohn Veṇas; von dieser Speise leben alle Untertanen bis heute, in jeder Hinsicht.

Wort für Wort
sasya-jātāni sarvāṇi
alle Arten von Feldfrüchten
pṛthuḥ vaiṇyaḥ
Pṛthu, Sohn Veṇas
pratāpavān
der mächtige
tena annena
von dieser Speise
prajāḥ sarvāḥ
alle Untertanen
vartante
leben
adya api
bis heute
sarvaśaḥ
in jeder Hinsicht

Ergebnis für die Menschen: alle Feldfrüchte, die bis heute die Grundlage menschlicher Ernährung bilden.

ṛṣayaś ca tadā devāḥ pitaro 'tha sarīsṛpāḥ / daityā yakṣāḥ puṇyajanā gandharvāḥ parvatā nagāḥ // BrP_4.98 //

Und da [molken auch] die Weisen, die Götter, die Ahnen, ebenso die Kriechtiere, die Daityas, Yakṣas, Puṇyajanas (Guhyakas), Gandharvas, Berge und Bäume,

Wort für Wort
ṛṣayaḥ
die Weisen
ca
und
tadā
da
devāḥ
die Götter
pitaraḥ
die Ahnen
atha
ebenso
sarīsṛpāḥ
die Kriechtiere
daityāḥ
die Daityas
yakṣāḥ
die Yakṣas
puṇyajanāḥ
die Puṇyajanas
gandharvāḥ
die Gandharvas
parvatāḥ
die Berge
nagāḥ
die Bäume

Übergang zur vollständigen, systematischen Aufzählung aller Wesensklassen, die die Erde jeweils auf ihre Weise "melken" (v.98-109) – Erfüllung der zu Beginn (v.19-22) angekündigten Ausführlichkeit.

ete purā dvijaśreṣṭhā duduhur dharaṇīṃ kila / kṣīraṃ vatsaś ca pātraṃ ca teṣāṃ dogdhā pṛthak pṛthak // BrP_4.99 //

diese, o beste der Brahmanen, molken einst fürwahr die Erde; Milch, Kalb und Gefäß sowie der Melker waren für sie jeweils verschieden.

Wort für Wort
ete
diese
purā
einst
dvija-śreṣṭhāḥ
o beste der Brahmanen
duduhuḥ
molken
dharaṇīm
die Erde
kila
fürwahr
kṣīram
Milch
vatsaḥ
Kalb
ca pātram ca
und Gefäß
teṣām
für sie
dogdhā
der Melker
pṛthak pṛthak
jeweils verschieden

Ankündigung des systematischen Schemas (Milch/Kalb/Gefäß/Melker) für jede der folgenden Wesensklassen.

ṛṣīṇām abhavat somo vatso dogdhā bṛhaspatiḥ / kṣīraṃ teṣāṃ tapo brahma pātraṃ chandāṃsi bho dvijāḥ // BrP_4.100 //

Für die Weisen war Soma das Kalb, Bṛhaspati der Melker; ihre Milch war Askese [und] das Brahman (heiliges Wissen), das Gefäß die Versmaße (Chandas), o Brahmanen.

Wort für Wort
ṛṣīṇām
für die Weisen
abhavat
war
somaḥ
Soma
vatsaḥ
das Kalb
dogdhā
der Melker
bṛhaspatiḥ
Bṛhaspati
kṣīram
die Milch
teṣām
ihre
tapaḥ brahma
Askese, Brahman
pātram
das Gefäß
chandāṃsi
die Versmaße
bhoḥ dvijāḥ
o Brahmanen

Erste Ausführung des Schemas: Für die Weisen ist die "Milch der Erde" spirituelle Kraft (Tapas, Brahman), gemolken mittels der vedischen Metrik.

devānāṃ kāñcanaṃ pātraṃ vatsas teṣāṃ śatakratuḥ / kṣīram ojaskaraṃ caiva dogdhā ca bhagavān raviḥ // BrP_4.101 //

Für die Götter war das goldene [Gefäß] das Gefäß, ihr Kalb war Śatakratu (Indra); die Milch war kraftspendend, und der Melker der erhabene Ravi (Sonne).

Wort für Wort
devānām
für die Götter
kāñcanam pātram
das goldene Gefäß
vatsaḥ teṣām
ihr Kalb
śatakratuḥ
Śatakratu (Indra)
kṣīram
die Milch
ojaskaram
kraftspendend
ca eva
und auch
dogdhā
der Melker
ca
und
bhagavān raviḥ
der erhabene Ravi (Sonne)

Für die Götter: goldenes Gefäß, Indra als Kalb, kraftspendende Milch, Sonne als Melker.

pitṝṇāṃ rājataṃ pātraṃ yamo vatsaḥ pratāpavān / antakaś cābhavad dogdhā kṣīraṃ teṣāṃ sudhā smṛtā // BrP_4.102 //

Für die Ahnen war das silberne [Gefäß] das Gefäß, der mächtige Yama das Kalb, und Antaka (Yama als Todesgott) war der Melker; ihre Milch wird als Ambrosia (Sudhā) genannt.

Wort für Wort
pitṝṇām
für die Ahnen
rājatam pātram
das silberne Gefäß
yamaḥ vatsaḥ
Yama, das Kalb
pratāpavān
der mächtige
antakaḥ
Antaka
ca abhavat
und war
dogdhā
der Melker
kṣīram teṣām
ihre Milch
sudhā
Ambrosia
smṛtā
genannt

Für die Ahnen: silbernes Gefäß, Yama als Kalb und Melker (in Doppelfunktion), Ambrosia als Milch.

nāgānāṃ takṣako vatsaḥ pātraṃ cālābusaṃjñakam / dogdhā tv airāvato nāgas teṣāṃ kṣīraṃ viṣaṃ smṛtam // BrP_4.103 //

Für die Nāgas war Takṣaka das Kalb, das Gefäß hieß Ālābu (Flaschenkürbis), Melker aber war der Nāga Airāvata; ihre Milch wird als Gift genannt.

Wort für Wort
nāgānām
für die Nāgas
takṣakaḥ vatsaḥ
Takṣaka, das Kalb
pātram
das Gefäß
ca ālābu-saṃjñakam
genannt Ālābu
dogdhā tu
der Melker aber
airāvataḥ nāgaḥ
der Nāga Airāvata
teṣām kṣīram
ihre Milch
viṣam
Gift
smṛtam
genannt

Für die Nāgas: Takṣaka als Kalb, Kürbisgefäß, Airāvata als Melker, Gift als "Milch" – passend zur Schlangennatur.

asurāṇāṃ madhur dogdhā kṣīraṃ māyāmayaṃ smṛtam / virocanas tu vatso 'bhūd āyasaṃ pātram eva ca // BrP_4.104 //

Für die Asuras war Madhu (bzw. "süß"?) der Melker, die Milch wird als illusionshaft (Māyā) bezeichnet; Virocana aber war das Kalb, und das Gefäß war aus Eisen.

Wort für Wort
asurāṇām
für die Asuras
madhuḥ
Madhu
dogdhā
der Melker
kṣīram
die Milch
māyāmayam
illusionshaft
smṛtam
genannt
virocanaḥ
Virocana
tu vatsaḥ abhūt
aber war das Kalb
āyasam pātram
das eiserne Gefäß
eva ca
und

[Anm.: "madhuḥ dogdhā" ist mehrdeutig – könnte "Madhu" als Eigenname oder "süß"/"honigartig" als Beschreibung meinen; hier als Eigenname interpretiert, da alle anderen Einträge einen Melker-Eigennamen nennen.] Für die Asuras: Virocana (bereits aus Kap. 3 bekannt) als Kalb, eisernes Gefäß, illusionäre Milch.

yakṣāṇām āmapātraṃ tu vatso vaiśravaṇaḥ prabhuḥ / dogdhā rajatanābhas tu kṣīrāntardhānam eva ca // BrP_4.105 //

Für die Yakṣas war das ungebrannte [Ton-]Gefäß das Gefäß, der Herr Vaiśravaṇa (Kubera) das Kalb, Melker aber Rajatanābha; die Milch war eben die Fähigkeit zum Verschwinden.

Wort für Wort
yakṣāṇām
für die Yakṣas
āma-pātram
das ungebrannte Gefäß
tu
aber
vatsaḥ
das Kalb
vaiśravaṇaḥ prabhuḥ
der Herr Vaiśravaṇa
dogdhā
der Melker
rajatanābhaḥ
Rajatanābha
tu
aber
kṣīra-antardhānam
die Milch [war] das Verschwinden
eva ca
eben

Für die Yakṣas: Kubera als Kalb, Tongefäß, Rajatanābha als Melker, Unsichtbarkeit als "Milch" – passend zur magischen Natur der Yakṣas.

sumālī rākṣasendrāṇāṃ vatsaḥ kṣīraṃ ca śoṇitam / dogdhā rajatanābhas tu kapālaṃ pātram eva ca // BrP_4.106 //

Für die Rākṣasa-Herrscher war Sumālin das Kalb, und die Milch war Blut; Melker aber war Rajatanābha, und das Gefäß eben ein Schädel.

Wort für Wort
sumālī
Sumālin
rākṣasa-indrāṇām
für die Rākṣasa-Herrscher
vatsaḥ
das Kalb
kṣīram
die Milch
ca
und
śoṇitam
Blut
dogdhā
der Melker
rajatanābhaḥ
Rajatanābha
tu
aber
kapālam pātram
das Schädel-Gefäß
eva ca
eben

Für die Rākṣasas: Sumālin als Kalb, Blut als Milch, Schädel als Gefäß – der blutrünstigen Natur der Rākṣasas entsprechend.

gandharvāṇāṃ citrarātho vatsaḥ pātraṃ ca paṅkajam / dogdhā ca suruciḥ kṣīraṃ teṣāṃ gandhaḥ śuciḥ smṛtaḥ // BrP_4.107 //

Für die Gandharvas war Citraratha das Kalb, das Gefäß eine Lotusblüte; Melker war Suruci, ihre Milch wird als reiner Duft bezeichnet.

Wort für Wort
gandharvāṇām
für die Gandharvas
citrarathaḥ
Citraratha
vatsaḥ
das Kalb
pātram
das Gefäß
ca paṅkajam
und eine Lotusblüte
dogdhā
der Melker
ca suruciḥ
und Suruci
kṣīram teṣām
ihre Milch
gandhaḥ śuciḥ
reiner Duft
smṛtaḥ
genannt

Für die Gandharvas: Citraratha als Kalb, Lotusgefäß, Suruci als Melker, Wohlgeruch als Milch – passend zur ätherischen Natur der Gandharvas.

śailaṃ pātraṃ parvatānāṃ kṣīraṃ ratnauṣadhīs tathā / vatsas tu himavān āsīd dogdhā merur mahāgiriḥ // BrP_4.108 //

Für die Berge war das Gefäß aus Fels, die Milch waren Juwelen und Heilkräuter; Kalb war der Himavant, Melker der große Berg Meru.

Wort für Wort
śailam pātram
das Gefäß aus Fels
parvatānām
für die Berge
kṣīram
die Milch
ratna-auṣadhīḥ
Juwelen und Heilkräuter
tathā
ebenso
vatsaḥ tu
das Kalb aber
himavān
der Himavant
āsīt
war
dogdhā
der Melker
meruḥ mahāgiriḥ
der große Berg Meru

Für die Berge: Himavant als Kalb, Meru als Melker, Steingefäß, Juwelen/Kräuter als Milch.

plakṣo vatsas tu vṛkṣāṇāṃ dogdhā śālas tu puṣpitaḥ / pālāśapātraṃ kṣīraṃ ca cchinnadagdhaprarohaṇam // BrP_4.109 //

Für die Bäume aber war der Feigenbaum (Plakṣa) das Kalb, Melker aber der blühende Śāla-Baum; das Gefäß war aus Palāśa-Blättern, und die Milch war die Fähigkeit, nach dem Abschneiden oder Verbrennen wieder auszutreiben.

Wort für Wort
plakṣaḥ
der Feigenbaum
vatsaḥ tu
das Kalb aber
vṛkṣāṇām
für die Bäume
dogdhā
der Melker
śālaḥ tu puṣpitaḥ
der blühende Śāla-Baum aber
pālāśa-pātram
das Palāśa-Blattgefäß
kṣīram
die Milch
ca
und
chinna-dagdha-prarohaṇam
das Wiederaustreiben nach Abschneiden/Verbrennen

Für die Bäume: Plakṣa als Kalb (bereits als Baum-König aus v.9 bekannt), Śāla als Melker, Palāśa-Blattgefäß, Regenerationsfähigkeit als Milch – Abschluss der systematischen Aufzählung.

seyaṃ dhātrī vidhātrī ca pāvanī ca vasuṃdharā / carācarasya sarvasya pratiṣṭhā yonir eva ca // BrP_4.110 //

Diese [Erde] ist die Erhalterin, die Anordnerin und die Reinigerin, die Erdenträgerin; sie ist die Grundlage und der Ursprungsschoß alles Beweglichen und Unbeweglichen.

Wort für Wort
sā iyam
diese
dhātrī
die Erhalterin
vidhātrī
die Anordnerin
ca
und
pāvanī
die Reinigerin
ca
und
vasuṃdharā
die Erdenträgerin
cara-acarasya sarvasya
alles Beweglichen und Unbeweglichen
pratiṣṭhā
die Grundlage
yoniḥ
der Ursprungsschoß
eva ca
eben

Zusammenfassende Hymne auf die Erde nach Abschluss der Melkungs-Aufzählung.

sarvakāmadughā dogdhrī sarvasasyaprarohaṇī / āsīd iyaṃ samudrāntā medinī pariviśrutā // BrP_4.111 //

Sie ist die alles Gewünschte spendende Melkerin, die Hervorbringerin aller Feldfrüchte; sie war diese vom Ozean umgrenzte, weitberühmte „Medinī“.

Wort für Wort
sarva-kāma-dughā
alles Gewünschte spendende
dogdhrī
die Melkerin
sarva-sasya-prarohaṇī
die Hervorbringerin aller Feldfrüchte
āsīt
war
iyam
diese
samudra-antā
vom Ozean umgrenzte
medinī
Medinī
pariviśrutā
weitberühmt

Übergang zur Etymologie des Erd-Namens "Medinī" (v.112) und "Pṛthvī" (v.113).

madhukaiṭabhayoḥ kṛtsnā medasā samabhiplutā / teneyaṃ medinī devī ucyate brahmavādibhiḥ // BrP_4.112 //

Sie wurde gänzlich mit dem Fett (Medas) von Madhu und Kaiṭabha überflutet; deshalb wird diese Göttin von den Brahman-Kundigen „Medinī“ genannt.

Wort für Wort
madhu-kaiṭabhayoḥ
von Madhu und Kaiṭabha
kṛtsnā
gänzlich
medasā
mit dem Fett
samabhiplutā
überflutet
tena
deshalb
iyam medinī devī
diese Göttin Medinī
ucyate
wird genannt
brahma-vādibhiḥ
von den Brahman-Kundigen

Etymologie "Medinī" von "medas" (Fett) – Anspielung auf den bekannten Mythos von Viṣṇu, der die Dämonen Madhu und Kaiṭabha tötet, deren Fett die Erde bedeckt (an anderer Stelle ausführlicher erzählt, z.B. im Devī-Māhātmya).

tato 'bhyupagamād rājñaḥ pṛthor vaiṇyasya bho dvijāḥ / duhitṛtvam anuprāptā devī pṛthvīti cocyate // BrP_4.113 //

Darauf, durch die Annäherung des Königs Pṛthu, des Sohnes Veṇas, o Brahmanen, erlangte die Göttin die Tochterschaft und wird seither auch „Pṛthvī“ genannt.

Wort für Wort
tataḥ
darauf
abhyupagamāt
durch die Annäherung
rājñaḥ pṛthoḥ vaiṇyasya
des Königs Pṛthu, Sohnes Veṇas
bhoḥ dvijāḥ
o Brahmanen
duhitṛtvam
die Tochterschaft
anuprāptā
erlangt
devī
die Göttin
pṛthvī
Pṛthvī
iti
so
ca ucyate
und wird genannt

Etymologie "Pṛthvī" von "Pṛthu" (vgl. bereits vorausgedeutet in Kap. 3, Glossareintrag) – Erfüllung der in v.87 vereinbarten "Tochterschaft".

pṛthunā pravibhaktā ca śodhitā ca vasuṃdharā / sasyākaravatī sphītā purapattanaśālinī // BrP_4.114 //

Von Pṛthu eingeteilt und gereinigt, wurde die Erdenträgerin reich an Feldfrüchten und Bodenschätzen, gedeihend, geschmückt mit Städten und Siedlungen.

Wort für Wort
pṛthunā
von Pṛthu
pravibhaktā
eingeteilt
ca
und
śodhitā
gereinigt
ca
und
vasuṃdharā
die Erdenträgerin
sasya-ākaravatī
reich an Feldfrüchten und Bodenschätzen
sphītā
gedeihend
pura-pattana-śālinī
geschmückt mit Städten und Siedlungen

Zusammenfassende Bilanz von Pṛthus zivilisatorischem Wirken auf die Erde.

evaṃprabhāvo vaiṇyaḥ sa rājāsīd rājasattamaḥ / namasyaś caiva pūjyaś ca bhūtagrāmair na saṃśayaḥ // BrP_4.115 //

Von solcher Macht war jener König, der Sohn Veṇas, der beste der Könige; er ist, ohne Zweifel, von allen Wesensscharen zu verehren und zu preisen.

Wort für Wort
evam-prabhāvaḥ
von solcher Macht
vaiṇyaḥ
der Sohn Veṇas
saḥ rājā
jener König
āsīt
war
rāja-sattamaḥ
der beste der Könige
namasyaḥ
zu verehren
ca eva
und auch
pūjyaḥ
zu preisen
ca
und
bhūta-grāmaiḥ
von allen Wesensscharen
na saṃśayaḥ
ohne Zweifel

Übergang zur abschließenden Lobpreisung Pṛthus durch alle gesellschaftlichen Gruppen (v.116-121).

brāhmaṇaiś ca mahābhāgair vedavedāṅgapāragaiḥ / pṛthur eva namaskāryo brahmayoniḥ sanātanaḥ // BrP_4.116 //

Von den hochherrlichen Brahmanen, die Veda und Vedāṅgas gemeistert haben, ist eben Pṛthu zu verehren, der ewige Ursprung des Brahman.

Wort für Wort
brāhmaṇaiḥ
von den Brahmanen
ca mahābhāgaiḥ
hochherrlich
veda-vedāṅga-pāragaiḥ
die Veda und Vedāṅgas gemeistert haben
pṛthuḥ eva
eben Pṛthu
namaskāryaḥ
ist zu verehren
brahmayoniḥ
der Ursprung des Brahman
sanātanaḥ
ewig

Erste Gruppe: die Brahmanen sollen Pṛthu als ewigen Ursprung heiligen Wissens verehren.

pārthivaiś ca mahābhāgaiḥ pārthivatvam ihecchubhiḥ / ādirājo namaskāryaḥ pṛthur vaiṇyaḥ pratāpavān // BrP_4.117 //

Von den hochherrlichen Königen, die hier die Königswürde begehren, ist der mächtige Pṛthu, Sohn Veṇas, als Urkönig zu verehren.

Wort für Wort
pārthivaiḥ
von den Königen
ca mahābhāgaiḥ
hochherrlich
pārthivatvam
die Königswürde
iha icchubhiḥ
hier begehrend
ādirājaḥ
der Urkönig
namaskāryaḥ
ist zu verehren
pṛthuḥ vaiṇyaḥ
Pṛthu, Sohn Veṇas
pratāpavān
der mächtige

Zweite Gruppe: Könige verehren Pṛthu als "Urkönig" (Ādirāja) – Modell aller Königsherrschaft.

yodhair api ca vikrāntaiḥ prāptukāmair jayaṃ yudhi / ādirājo namaskāryo yodhānāṃ prathamo nṛpaḥ // BrP_4.118 //

Auch von tapferen Kriegern, die den Sieg in der Schlacht erlangen wollen, ist der Urkönig zu verehren, der erste König der Krieger.

Wort für Wort
yodhaiḥ api
auch von den Kriegern
ca vikrāntaiḥ
tapfer
prāptukāmaiḥ
erlangen wollend
jayam yudhi
den Sieg in der Schlacht
ādirājaḥ
der Urkönig
namaskāryaḥ
ist zu verehren
yodhānām prathamaḥ nṛpaḥ
der erste König der Krieger

Dritte Gruppe: Krieger verehren Pṛthu als ersten und vorbildlichen Krieger-König.

yo hi yoddhā raṇaṃ yāti kīrtayitvā pṛthuṃ nṛpam / sa ghorarūpāt saṃgrāmāt kṣemī bhavati kīrtimān // BrP_4.119 //

Denn welcher Krieger, nachdem er König Pṛthu gepriesen hat, in die Schlacht zieht, der geht aus dem schrecklichen Kampf unversehrt und ruhmreich hervor.

Wort für Wort
yaḥ hi yoddhā
denn welcher Krieger
raṇam yāti
in die Schlacht zieht
kīrtayitvā
gepriesen habend
pṛthum nṛpam
König Pṛthu
saḥ
der
ghora-rūpāt saṃgrāmāt
aus dem schrecklichen Kampf
kṣemī
unversehrt
bhavati
wird
kīrtimān
ruhmreich

Verheißung: Das Anrufen Pṛthus vor der Schlacht schützt und bringt Ruhm.

vaiśyair api ca vittāḍhyair vaiśyavṛttividhāyibhiḥ / pṛthur eva namaskāryo vṛttidātā mahāyaśāḥ // BrP_4.120 //

Auch von den vermögensreichen Vaiśyas, die den Vaiśya-Beruf ausüben, ist eben der hochberühmte Pṛthu zu verehren, der Geber des Lebensunterhalts.

Wort für Wort
vaiśyaiḥ api
auch von den Vaiśyas
ca vittāḍhyaiḥ
vermögensreich
vaiśya-vṛtti-vidhāyibhiḥ
die den Vaiśya-Beruf ausüben
pṛthuḥ eva
eben Pṛthu
namaskāryaḥ
ist zu verehren
vṛtti-dātā
der Geber des Lebensunterhalts
mahāyaśāḥ
hochberühmt

Vierte Gruppe: Vaiśyas (Kaufleute/Bauern) verehren Pṛthu als Urheber ihrer Berufsgrundlage – Rückbezug auf die Erdmelkungs-Episode.

tathaiva śūdraiḥ śucibhis trivarṇaparicāribhiḥ / pṛthur eva namaskāryaḥ śreyaḥ param ihepsubhiḥ // BrP_4.121 //

Ebenso ist von den reinen Śūdras, die den drei [höheren] Ständen dienen und hier das höchste Heil erlangen wollen, eben Pṛthu zu verehren.

Wort für Wort
tathā eva
ebenso
śūdraiḥ śucibhiḥ
von den reinen Śūdras
tri-varṇa-paricāribhiḥ
die den drei Ständen dienen
pṛthuḥ eva
eben Pṛthu
namaskāryaḥ
ist zu verehren
śreyaḥ param
das höchste Heil
iha īpsubhiḥ
hier erlangen wollend

Fünfte und letzte Gruppe: auch die Śūdras (dienende Kaste) sollen Pṛthu verehren – damit umfasst die Verehrung alle vier Stände.

ete vatsaviśeṣāś ca dogdhāraḥ kṣīram eva ca / pātrāṇi ca mayoktāni kiṃ bhūyo varṇayāmi vaḥ // BrP_4.122 //

Dies waren die besonderen Kälber, die Melker, die Milch sowie die Gefäße, die von mir genannt wurden – was soll ich euch weiter beschreiben?

Wort für Wort
ete
diese
vatsa-viśeṣāḥ
besonderen Kälber
ca dogdhāraḥ
und die Melker
kṣīram eva ca
und die Milch
pātrāṇi
die Gefäße
ca mayā uktāni
von mir genannt
kim bhūyaḥ
was weiter
varṇayāmi vaḥ
soll ich euch beschreiben

Abschluss des gesamten Kapitels (Pṛthu-Erzählung): Lomaharṣaṇa fasst zusammen und fragt rhetorisch, was noch zu erzählen bleibe – die Weisen antworten in Kap. 5 mit einer neuen Frage nach den Manvantaras (BrP_5.1, bereits als nächstes Thema angekündigt).

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