Kapitel 4: brahmapurāṇam, caturtho 'dhyāyaḥ
Pṛthus Krönung, die Erdmelkung und der Ursprung der Zivilisation (Verse 1–122, vollständig)
Ausführliche Neuerzählung und Vertiefung der bereits in Kap. 2 knapp berichteten Pṛthu-Geschichte: Einsetzung von Herrschern für jede Wesensklasse und der vier Himmelsrichtungs-Wächter, Pṛthus Rājasūya-Krönung (v.1-18); auf Bitte der Weisen die vollständige Vorgeschichte: Veṇas Abstammung von Aṅga und dem Tod (Mṛtyu) über seine Mutter Sunīthā, sein zunehmender Verfall bis zum offenen Opferverbot und der Behauptung, selbst Opfer/Opfernder/Verehrter zu sein (v.19-41); die Weisen quirlen zunächst seinen linken Schenkel (daraus entsteht der dunkle Niṣāda-Stammvater samt Fischer- und Bergstämmen) und dann seine rechte Hand, aus der der feurige Pṛthu entsteht (v.42-52); Pṛthus Krönung mit der Namensetymologie "rājan" von "anurañjita" (v.53-57); ein goldenes Zeitalter, die gleichzeitige Geburt von Sūta und Māgadha aus Brahmās Opfer und ihre Einsetzung als Lobpreiser (v.58-69); die berühmte Erdmelkungs-Episode: die Erde flieht als Kuh vor Pṛthu, verteidigt sich mit dem Argument des Frauentötungsverbots und der eigenen unverzichtbaren Rolle als Welterhalterin, schlägt stattdessen ein Tochterverhältnis vor; Pṛthu ebnet die Erde ein (Ursprung der Berge und Täler) und melkt mit Manu Svāyambhuva als Kalb alle Feldfrüchte für die Menschen (v.70-97); systematische Aufzählung, wie alle anderen Wesensklassen (Weise, Götter, Ahnen, Nāgas, Asuras, Yakṣas, Rākṣasas, Gandharvas, Berge, Bäume) die Erde mit jeweils eigenem Kalb, Gefäß, Melker und charakteristischer "Milch" molken (v.98-109); die Etymologien "Medinī" (vom Fett der Dämonen Madhu und Kaiṭabha) und "Pṛthvī" (von Pṛthu) (v.110-114); abschließende Verheißungen der Pṛthu-Verehrung für alle vier Stände (Brahmanen, Könige, Krieger, Vaiśyas) sowie die Śūdras (v.115-122). [Anm.]-Markierung bei v.104 (mehrdeutiger Eigenname "Madhu" als Melker der Asuras).
Lomaharṣaṇa sprach: Nachdem der Großvater (Brahmā) Pṛthu, den Sohn Veṇas, zum Oberkönig der Könige geweiht hatte, begann er darauf, der Reihe nach die Herrschaftsbereiche zuzuweisen.
Wort für Wort
abhiṣicya
geweiht habend
adhirāja-indram
zum Oberkönig der Könige
pṛthum
Pṛthu
vaiṇyam
den Sohn Veṇas
pitāmahaḥ
der Großvater (Brahmā)
tataḥ
darauf
krameṇa
der Reihe nach
rājyāni
die Herrschaftsbereiche
vyādeṣṭum
zuzuweisen
upacakrame
begann
Neubeginn/ausführlichere Fassung der bereits in Kap. 2 knapp erzählten Pṛthu-Geschichte: Kapitel 4 setzt direkt nach Pṛthus Krönung an und schildert zunächst die Einsetzung der Herrscher über alle Wesensklassen (v.1-17), bevor rückblickend (ab v.18) die vollständige Veṇa/Pṛthu-Erzählung nachgetragen wird.
Über die Vögel, die Pflanzen, ebenso über die Mondhäuser und Planeten, über die Opfer und die Askese-Praktiken weihte er Soma (den Mond) zum Herrscher.
Wort für Wort
dvijānām
der Vögel
vīrudhām
der Pflanzen
ca eva
und auch
nakṣatra-grahayoḥ
der Mondhäuser und Planeten
tathā
ebenso
yajñānām
der Opfer
tapasām
der Askese-Praktiken
ca eva
und auch
somam
Soma (den Mond)
rājye
zur Herrschaft
abhyaṣecayat
weihte
Beginn der systematischen Einsetzung von Herrschern (Regenten) für jede Wesensklasse/Domäne – ein klassisches purāṇisches Ordnungsschema.
Über die Gewässer aber [weihte er] Varuṇa zur Herrschaft, [als] Herrn der Könige Vaiśravaṇa (Kubera), über die Ādityas ebenso Viṣṇu, über die Vasus dann Pāvaka (Feuer),
Wort für Wort
apām
der Gewässer
tu
aber
varuṇam
Varuṇa
rājye
zur Herrschaft
rājñām
der Könige
vaiśravaṇam
Vaiśravaṇa (Kubera)
patim
als Herrn
ādityānām
der Ādityas
tathā
ebenso
viṣṇum
Viṣṇu
vasūnām
der Vasus
atha
dann
pāvakam
Pāvaka (Feuer)
Fortsetzung der Zuweisungen: Varuṇa (Gewässer), Kubera (Könige), Viṣṇu (über die Ādityas – bemerkenswert, da Viṣṇu selbst einer der zwölf Ādityas ist, hier aber als deren Haupt fungiert), Agni/Pāvaka (Vasus).
Darauf, als das Manvantara des hochglanzvollen Cākṣuṣa vergangen war, übertrug er (Pṛthu bzw. Brahmā) dem Manu Vaivasvata die Herrschaft über die Erde.
Wort für Wort
tataḥ
darauf
manvantare
im Manvantara
atīte
vergangen
cākṣuṣe
des Cākṣuṣa
amita-tejasi
hochglanzvollen
vaivasvatāya
dem Vaivasvata
manave
dem Manu
pṛthivyām
über die Erde
rājyam
die Herrschaft
ādiśat
übertrug
Zeitliche Einordnung: Der Übergang der Erdherrschaft an Manu Vaivasvata erfolgt beim Wechsel vom Cākṣuṣa- zum Vaivasvata-Manvantara – dies bettet die Pṛthu-Erzählung in den Cākṣuṣa-Zeitraum ein (konsistent mit Kap. 3's Tuṣita-Episode).
Von diesem Manu Vaivasvata werde ich ausführlich berichten, euch zuliebe, wenn ihr dies hier zu hören wünscht – dies ist eine große Grundlage, die im Purāṇa dargelegt ist.
Wort für Wort
tasya
von diesem
vistaram
ausführlich
ākhyāsye
ich werde berichten
manoḥ vaivasvatasya
des Manu Vaivasvata
ha
fürwahr
bhavatām
euch
ca
und
anukūlyāya
zuliebe
yadi
wenn
śrotum
zu hören
iha icchatha
ihr hier wünscht
mahat
groß
etat
dies
adhiṣṭhānam
die Grundlage
purāṇe
im Purāṇa
tat adhiṣṭhitam
das dargelegt ist
Ankündigung eines weiteren Themas (Manu Vaivasvata im Detail), das jedoch zunächst zurückgestellt wird, da die Weisen stattdessen um die ausführliche Pṛthu-Geburtsgeschichte bitten (v.19ff.) – diese wird zuerst nachgeliefert.
Die Weisen sprachen: „Ausführlich verkünde, Lomaharṣaṇa, die Geburt Pṛthus, wie von diesem Hochherzigen diese Erde gemolken wurde,
Wort für Wort
vistareṇa
ausführlich
pṛthoḥ
Pṛthus
janma
die Geburt
lomaharṣaṇa
o Lomaharṣaṇa
kīrtaya
verkünde!
yathā
wie
mahātmanā
vom Hochherzigen
tena
von diesem
dugdhā
gemolken
vā iyam
diese
vasuṃdharā
die Erde
Die Weisen unterbrechen und bitten stattdessen um die ausführliche Pṛthu-Geburts- und Erdmelkungs-Geschichte – dieselbe bereits in Kap. 2 knapp erzählte Episode wird hier in großer Ausführlichkeit nachgeholt.
yathā vāpi nṛbhir dugdhā yathā devair maharṣibhiḥ / yathā daityaiś ca nāgaiś ca yathā yakṣair yathā drumaiḥ // BrP_4.20 //
und wie sie auch von den Menschen gemolken wurde, wie von den Göttern und großen Weisen, wie von den Daityas und Nāgas, wie von den Yakṣas, wie von den Bäumen,
Wort für Wort
yathā vā api
wie auch
nṛbhiḥ
von den Menschen
dugdhā
gemolken
yathā
wie
devaiḥ maharṣibhiḥ
von den Göttern und großen Weisen
yathā
wie
daityaiḥ ca nāgaiḥ ca
von den Daityas und Nāgas
yathā
wie
yakṣaiḥ
von den Yakṣas
yathā
wie
drumaiḥ
von den Bäumen
Vorausdeutung auf das ausführliche "Melken der Erde"-Motiv durch alle Wesensklassen (jede Klasse "melkt" ihre eigene, ihr entsprechende "Milch" aus der Erde) – wird in v.96-109 detailliert ausgeführt.
yathā śailaiḥ piśācaiś ca gandharvaiś ca dvijottamaiḥ / rākṣasaiś ca mahāsattvair yathā dugdhā vasuṃdharā // BrP_4.21 //
wie von den Bergen, den Piśācas und den Gandharvas, o beste der Brahmanen, und wie von den Rākṣasas und den hochmächtigen [übrigen Wesen] die Erde gemolken wurde,
Wort für Wort
yathā
wie
śailaiḥ
von den Bergen
piśācaiḥ
den Piśācas
ca
und
gandharvaiḥ
den Gandharvas
ca
und
dvija-uttamaiḥ
o beste der Brahmanen
rākṣasaiḥ
den Rākṣasas
ca
und
mahāsattvaiḥ
den hochmächtigen
yathā
wie
dugdhā
gemolken
vasuṃdharā
die Erde
Fortsetzung der Aufzählung der "melkenden" Wesensklassen.
teṣāṃ pātraviśeṣāṃś ca vaktum arhasi suvrata / vatsakṣīraviśeṣāṃś ca dogdhāraṃ cānupūrvaśaḥ // BrP_4.22 //
auch solltest du, o Tugendhafter, deren jeweilige besondere Gefäße nennen, sowie die jeweiligen Kälber und Milcharten und den Melker, der Reihe nach,
Wort für Wort
teṣām
deren
pātra-viśeṣān
besondere Gefäße
ca
und
vaktum
zu nennen
arhasi
du solltest
suvrata
o Tugendhafter
vatsa-kṣīra-viśeṣān
besondere Kälber und Milcharten
ca
und
dogdhāram
den Melker
ca
und
anupūrvaśaḥ
der Reihe nach
Präzisierung der Bitte: Für jede Wesensklasse sollen die drei Elemente der Melk-Metapher genannt werden – das "Kalb" (der Anreiz/Lockmittel), das "Gefäß" und die "Milch" (das jeweilige Produkt) sowie der "Melker".
yasmāc ca kāraṇāt pāṇir veṇasya mathitaḥ purā / kruddhair maharṣibhis tāta kāraṇaṃ tac ca kīrtaya // BrP_4.23 //
und aus welchem Grund einst die Hand Veṇas von den erzürnten großen Weisen gequirlt wurde – auch diesen Grund, o Lieber, verkünde!“
Wort für Wort
yasmāt ca kāraṇāt
und aus welchem Grund
pāṇiḥ
die Hand
veṇasya
Veṇas
mathitaḥ
gequirlt
purā
einst
kruddhaiḥ
von den erzürnten
maharṣibhiḥ
großen Weisen
tāta
o Lieber
kāraṇam
den Grund
tat ca
auch diesen
kīrtaya
verkünde!
Zusätzliche Bitte um die Vorgeschichte: warum die Weisen zornig Veṇas Arm quirlten (dies führt zur Geburt des Niṣāda und dann Pṛthus – vgl. bereits knapp in Kap. 2 erzählt, hier ausführlicher in v.28ff.).
Lomaharṣaṇa sprach: „Hört – ich werde die ausführliche [Geschichte] Pṛthus, des Sohnes Veṇas, verkünden; seid einsgerichtet und geläutert, zum Zweck des Verdienstes, o Stiere unter den Brahmanen.
Wort für Wort
śṛṇudhvam
hört!
kīrtayiṣyāmi
ich werde verkünden
pṛthoḥ vaiṇyasya
Pṛthus, des Sohnes Veṇas
vistaram
ausführlich
ekāgrāḥ
einsgerichtet
prayatāḥ
geläutert
ca eva
und auch
puṇya-artham
zum Zweck des Verdienstes
vai
fürwahr
dvija-ṛṣabhāḥ
o Stiere unter den Brahmanen
Feierliche Einleitung zur ausführlichen Pṛthu-Erzählung, mit Betonung ihres Verdienst-stiftenden (puṇya) Charakters.
nāśuceḥ kṣudramanaso nāśiṣyasyāvratasya ca / kīrtayeyam idaṃ viprāḥ kṛtaghnāyāhitāya ca // BrP_4.25 //
Nicht einem Unreinen, Kleingesinnten, nicht einem Nicht-Schüler oder Gelübdelosen, o Brahmanen, sollte ich dies verkünden, noch einem Undankbaren oder Übelgesinnten;
Wort für Wort
na
nicht
aśuceḥ
einem Unreinen
kṣudra-manasaḥ
Kleingesinnten
na
nicht
aśiṣyasya
einem Nicht-Schüler
avratasya
Gelübdelosen
ca
und
kīrtayeyam
ich sollte verkünden
idam
dies
viprāḥ
o Brahmanen
kṛtaghnāya
einem Undankbaren
ahitāya
einem Übelgesinnten
ca
und
Traditioneller Hinweis auf die Zugangsbeschränkung heiliger Erzählungen: nur würdige Hörer (rein, ergeben, dankbar) sollen sie empfangen.
svargyaṃ yaśasyam āyuṣyaṃ dhanyaṃ vedaiś ca saṃmitam / rahasyam ṛṣibhiḥ proktaṃ śṛṇudhvaṃ vai yathātatham // BrP_4.26 //
himmelbringend, ruhmvoll, lebenspendend, wohlstandbringend und mit den Veden übereinstimmend – hört dieses Geheimnis, von den Weisen verkündet, fürwahr wahrheitsgetreu.
Wort für Wort
svargyam
himmelbringend
yaśasyam
ruhmvoll
āyuṣyam
lebenspendend
dhanyam
wohlstandbringend
vedaiḥ
mit den Veden
ca
und
saṃmitam
übereinstimmend
rahasyam
das Geheimnis
ṛṣibhiḥ
von den Weisen
proktam
verkündet
śṛṇudhvam
hört!
vai
fürwahr
yathātatham
wahrheitsgetreu
Preisung der Erzählung selbst (typische Phalaśruti-Vorankündigung).
yaś cemaṃ kīrtayen nityaṃ pṛthor vaiṇyasya vistaram / brāhmaṇebhyo namaskṛtya na sa śocet kṛtākṛtam // BrP_4.27 //
Wer diese ausführliche [Geschichte] Pṛthus, des Sohnes Veṇas, beständig verkündet, nachdem er sich vor den Brahmanen verneigt hat, der wird nicht über Getanes oder Ungetanes trauern.
Wort für Wort
yaḥ
wer
ca
und
imam
diese
kīrtayet
verkündet
nityam
beständig
pṛthoḥ vaiṇyasya
Pṛthus, des Sohnes Veṇas
vistaram
ausführlich
brāhmaṇebhyaḥ
vor den Brahmanen
namaskṛtya
verneigt habend
na saḥ śocet
der wird nicht trauern
kṛta-akṛtam
über Getanes oder Ungetanes
Phalaśruti-artige Verheißung, hier vorangestellt (statt wie sonst üblich am Ende).
Dessen Sohn war Veṇa, nicht sehr kundig im Dharma, geboren als Prajāpati mit Sunīthā, der Tochter des Todes (Mṛtyu),
Wort für Wort
tasya
dessen
putraḥ
der Sohn
abhavat
war
veṇaḥ
Veṇa
na atyartham
nicht sehr
dharma-kovidaḥ
kundig im Dharma
jātaḥ
geboren
mṛtyu-sutāyām
mit der Tochter des Todes
vai
fürwahr
sunīthāyām
mit Sunīthā
prajāpatiḥ
als Prajāpati
Veṇas Herkunft: Sohn Aṅgas, aber mütterlicherseits Enkel des Todes (Mṛtyu) über seine Mutter Sunīthā – dies erklärt narrativ seine spätere Verderbtheit (v.30).
sa mātāmahadoṣeṇa tena kālātmajātmajaḥ / svadharmaṃ pṛṣṭhataḥ kṛtvā kāmalobheṣv avartata // BrP_4.30 //
Er, durch jenen Fehler des Großvaters mütterlicherseits [belastet], als Enkel des Todes (Kāla), wandte sich, seinen eigenen Dharma hintanstellend, Begierde und Habgier zu.
Wort für Wort
saḥ
er
mātāmaha-doṣeṇa
durch den Fehler des Großvaters mütterlicherseits
tena
durch jenen
kāla-ātmaja-ātmajaḥ
als Enkel des Sohnes der Zeit (Todes)
svadharmam
seinen eigenen Dharma
pṛṣṭhataḥ kṛtvā
hintanstellend
kāma-lobheṣu
in Begierde und Habgier
avartata
wandte sich
Erklärung für Veṇas moralischen Verfall: die "erbliche Last" durch seinen Großvater mütterlicherseits, den Tod (Mṛtyu/Kāla) selbst.
maryādāṃ bhedayām āsa dharmopetāṃ sa pārthivaḥ / vedadharmān atikramya so 'dharmanirato 'bhavat // BrP_4.31 //
Er, der König, durchbrach die mit dem Dharma verbundene Grenzordnung; die vedischen Dharma-Vorschriften übertretend, wurde er dem Unrecht (Adharma) ergeben.
Wort für Wort
maryādām
die Grenzordnung
bhedayām āsa
durchbrach
dharma-upetām
mit dem Dharma verbundene
saḥ pārthivaḥ
er, der König
veda-dharmān
die vedischen Dharma-Vorschriften
atikramya
übertretend
saḥ
er
adharma-nirataḥ
dem Unrecht ergeben
abhavat
wurde
Fortsetzung von Veṇas moralischem Niedergang: bewusste Übertretung der vedischen Ordnung.
Unter diesem Prajāpati [gab es] Untertanen ohne vedisches Studium und ohne das Vaṣaṭ-Ritualwort; die Gottheiten tranken nicht [mehr] den in den Opfern dargebrachten, [rituell] hervorgebrachten Soma.
Wort für Wort
niḥsvādhyāya-vaṣaṭkārāḥ
ohne vedisches Studium und Vaṣaṭ-Ruf
prajāḥ
Untertanen
tasmin prajāpatau
unter diesem Prajāpati
pravṛttam
hervorgebracht
na papuḥ
tranken nicht
somam
den Soma
hutam
dargebracht
yajñeṣu
in den Opfern
devatāḥ
die Gottheiten
Folgen von Veṇas Herrschaft: religiöses Leben (vedisches Studium, Opferrituale) verkümmert im ganzen Reich.
aham ijyaś ca yaṣṭā ca yajñaś ceti bhṛgūdvaha / mayi yajño vidhātavyo mayi hotavyam ity api // BrP_4.34 //
„Ich bin der zu Verehrende, der Opfernde und das Opfer selbst“ – so, o Nachkomme des Bhṛgu; „mir ist das Opfer darzubringen, mir ist zu opfern“ – so auch [sprach er].
Wort für Wort
aham
ich
ijyaḥ
der zu Verehrende
ca
und
yaṣṭā
der Opfernde
ca
und
yajñaḥ
das Opfer
ca
und
iti
so
bhṛgu-udvaha
o Nachkomme des Bhṛgu
mayi
mir
yajñaḥ
das Opfer
vidhātavyaḥ
ist darzubringen
mayi
mir
hotavyam
ist zu opfern
iti api
so auch
Veṇas Anspruch, selbst Objekt und Subjekt allen Opferkults zu sein – eine Usurpation der göttlichen Opferordnung, die den Zorn der Weisen auslöst.
„Wir werden für viele Jahresreihen in die Opferweihe (Dīkṣā) eintreten. Begehe kein Unrecht, o Veṇa! Dies ist der ewige Dharma:
Wort für Wort
vayam
wir
dīkṣām
die Opferweihe
pravekṣyāmaḥ
wir werden eintreten
saṃvatsara-gaṇān bahūn
für viele Jahresreihen
adharmam
Unrecht
kuru mā
tue nicht!
veṇa
o Veṇa
eṣaḥ
dies
dharmaḥ
der Dharma
sanātanaḥ
ewig
Die Weisen kündigen an, sich selbst über lange Zeit rituell zu weihen (für ein großes Opfer, wohl das Opfer, bei dem später Sūta/Māgadha entstehen, v.60ff.), und mahnen Veṇa eindringlich.
Aus dem Geschlecht des Atri hervorgegangen bist du ohne Zweifel [zum] Prajāpati [bestimmt worden, mit dem Versprechen]: ‚Ich werde die Untertanen beschützen‘ – so wurde hier die Übereinkunft getroffen.
Wort für Wort
nidhane
im Geschlecht (bei der Einsetzung)
atreḥ
des Atri
prasūtaḥ
hervorgegangen
tvam
du
prajāpatiḥ
als Prajāpati
asaṃśayam
ohne Zweifel
prajāḥ
die Untertanen
ca
und
pālayiṣye aham
ich werde beschützen
iti
so
iha
hier
samayaḥ
die Übereinkunft
kṛtaḥ
getroffen
Erinnerung an die ursprüngliche Vereinbarung/den Herrschaftsvertrag: Ein König wird eingesetzt unter der Bedingung, seine Untertanen zu schützen – eine Bedingung, die Veṇa gebrochen hat.
Zu ihnen allen, den großen Weisen, die so sprachen, sagte da Veṇa, der Übelgesinnte, lachend, in seiner Torheit den Sinn [des Gesagten] nicht verstehend:
Wort für Wort
tān
zu ihnen
tathā
so
bruvataḥ
sprechenden
sarvān maharṣīn
allen großen Weisen
abravīt
sagte
tadā
da
veṇaḥ
Veṇa
prahasya
lachend
durbuddhiḥ
der Übelgesinnte
imam artham
diesen Sinn
anarthavit
nicht verstehend
Veṇas höhnische Reaktion (v.39-41) auf die berechtigte Ermahnung.
Veṇa sprach: „Wer sonst ist der Schöpfer des Dharma? Auf wen sonst sollte ich hören? Wer ist mir an vedischer Gelehrsamkeit, Kraft, Askese und Wahrhaftigkeit auf Erden gleich?
Wort für Wort
sraṣṭā
der Schöpfer
dharmasya
des Dharma
kaḥ ca anyaḥ
wer sonst
śrotavyam
zu hören
kasya vā
auf wen sonst
mayā
von mir
śruta-vīrya-tapaḥ-satyaiḥ
an vedischer Gelehrsamkeit, Kraft, Askese und Wahrhaftigkeit
mayā vā kaḥ samaḥ
wer ist mir gleich
bhuvi
auf Erden
Veṇas hybride Selbstüberhöhung: Er stellt sich über jede religiöse und moralische Autorität.
icchan daheyaṃ pṛthivīṃ plāvayeyaṃ jalais tathā / dyāṃ vai bhuvaṃ ca rundheyaṃ nātra kāryā vicāraṇā // BrP_4.41 //
Wenn ich wollte, könnte ich die Erde verbrennen, ebenso mit Wassern überschwemmen, Himmel und Erde [einander] verschließen – daran ist kein Zweifel zu hegen.“
Wort für Wort
icchan
wollend
daheyam
ich könnte verbrennen
pṛthivīm
die Erde
plāvayeyam
ich könnte überschwemmen
jalaiḥ
mit Wassern
tathā
ebenso
dyām
den Himmel
vai
fürwahr
bhuvam
die Erde
ca
und
rundheyam
ich könnte verschließen
na atra kāryā vicāraṇā
daran ist kein Zweifel zu hegen
Höhepunkt von Veṇas Selbstüberhebung: Er beansprucht kosmische Zerstörungsmacht.
yadā na śakyate mohād avalepāc ca pārthivaḥ / apanetuṃ tadā veṇas tataḥ kruddhā maharṣayaḥ // BrP_4.42 //
Als der König, wegen [seiner] Verblendung und Überheblichkeit, nicht [von seinem Irrweg] abgebracht werden konnte, da wurden die großen Weisen über Veṇa erzürnt.
Wort für Wort
yadā
als
na śakyate
nicht kann
mohāt
wegen der Verblendung
avalepāt
wegen der Überheblichkeit
ca
und
pārthivaḥ
der König
apanetum
abgebracht werden
tadā
da
veṇaḥ
Veṇa
tataḥ
darauf
kruddhāḥ
erzürnt
maharṣayaḥ
die großen Weisen
Nachdem alle Ermahnungen fruchtlos bleiben, entscheiden sich die Weisen zum Handeln.
sa bhītaḥ prāñjalir bhūtvā tasthivān dvijasattamāḥ / tam atrir vihvalaṃ dṛṣṭvā niṣīdety abravīt tadā // BrP_4.45 //
Er stand da, geängstigt, mit gefalteten Händen, o beste der Brahmanen; als Atri ihn, den Verwirrten, sah, sprach er da: „Setz dich!“ (niṣīda),
Wort für Wort
saḥ
er
bhītaḥ
geängstigt
prāñjaliḥ bhūtvā
mit gefalteten Händen
tasthivān
stand
dvija-sattamāḥ
o beste der Brahmanen
tam
ihn
atriḥ
Atri
vihvalam
den Verwirrten
dṛṣṭvā
sehend
niṣīda
setz dich!
iti
so
abravīt
sprach
tadā
da
Wortspiel-Ätiologie: Atris Zuruf "niṣīda" ("setz dich!") wird zur Erklärung des Namens "Niṣāda" für diesen ersten dunklen Menschen und seine Nachkommen.
er wurde zum Stammvater des Niṣāda-Geschlechts, o Vorzüglichste der Redner; und er erzeugte auch die Fischer, die aus Veṇas Verunreinigung (Sündenrest) entstanden sind.
Wort für Wort
niṣāda-vaṃśa-kartā
der Stammvater des Niṣāda-Geschlechts
asau
er
babhūva
wurde
vadatām varāḥ
o Vorzüglichste der Redner
dhīvarān
die Fischer
asṛjat
erzeugte
ca api
und auch
veṇa-kalmaṣa-saṃbhavān
aus Veṇas Verunreinigung entstanden
Erklärung des Namens "Niṣāda" (von "niṣīda"); dieser Niṣāda wird zum Stammvater der Fischer(-Kaste), verstanden als "Restsünde" (kalmaṣa) Veṇas.
ye cānye vindhyanilayās tathā parvatasaṃśrayāḥ / adharmarucayo viprās te tu vai veṇakalmaṣāḥ // BrP_4.47 //
Und welche anderen [Stämme] im Vindhya-Gebirge wohnen und ebenso in den Bergen Zuflucht haben, dem Unrecht zugeneigt, o Brahmanen – auch diese sind fürwahr Veṇas Verunreinigungs-Nachkommen.
Wort für Wort
ye
welche
ca anye
und andere
vindhya-nilayāḥ
im Vindhya-Gebirge wohnend
tathā
ebenso
parvata-saṃśrayāḥ
in den Bergen Zuflucht habend
adharma-rucayaḥ
dem Unrecht zugeneigt
viprāḥ
o Brahmanen
te tu vai
auch diese fürwahr
veṇa-kalmaṣāḥ
Veṇas Verunreinigungs-Nachkommen
Erklärung für die (aus brahmanischer Sicht) "unreinen", außerhalb der Kastenordnung stehenden Bergstämme als Nachkommen von Veṇas "Sündenrest".
Als er geboren war, kamen alle Wesen, hocherfreut, von allen Seiten herbei, hochherrlich; Veṇa aber ging zum dritten Himmel (in den Himmel) ein.
Wort für Wort
tasmin jāte
als er geboren war
atha
sodann
bhūtāni
die Wesen
saṃprahṛṣṭāni
hocherfreut
sarvaśaḥ
von allen Seiten
samāpetuḥ
kamen herbei
mahābhāgāḥ
hochherrlich
veṇaḥ
Veṇa
tu
aber
tridivam
zum dritten Himmel
yayau
ging
Universelle Freude über Pṛthus Geburt; gleichzeitig wird Veṇa selbst (trotz seiner Sünden) durch die Existenz eines solchen Sohnes erlöst und gelangt in den Himmel (vgl. v.52).
Durch den entstandenen, rechtschaffenen, hochherzigen Sohn, o Brahmanen, wurde jener Tiger unter den Männern (Veṇa) da vor der Hölle namens „Put“ gerettet.
Wort für Wort
samutpannena
durch den entstandenen
bhoḥ viprāḥ
o Brahmanen
sat-putreṇa
durch den rechtschaffenen Sohn
mahātmanā
hochherzigen
trātaḥ
gerettet
saḥ puruṣavyāghraḥ
jener Tiger unter den Männern (Veṇa)
puṃ-nāmnaḥ
namens Put
narakāt
vor der Hölle
tadā
da
Etymologische Erklärung des Wortes "putra" (Sohn) als "der, der [den Vater] vor der Put-Hölle rettet" – ein bekanntes purāṇisches Motiv (vgl. ähnliche Etymologie z.B. im Manusmṛti-Kontext).
versammelten sich da und weihten den Sohn Veṇas zum Herrscher; durch diesen großen König der Könige wurden die Untertanen erfreut (ihm zugetan gemacht).
Wort für Wort
samāgamya
versammelt habend
tadā
da
vaiṇyam
den Sohn Veṇas
abhyaṣiñcan
weihten
narādhipam
zum Herrscher
mahatā
durch den großen
rājarājena
König der Könige
prajāḥ
die Untertanen
tena
durch diesen
anurañjitāḥ
erfreut/zugetan gemacht
Vollzug der Krönung Pṛthus; Wortspiel-Vorbereitung auf die Etymologie von "rājan" (König) aus "anurañjita" (erfreut/zugetan) in v.57.
Die von seinem Vater nicht erfreuten Untertanen wurden von ihm erfreut (ihm zugetan gemacht); aus dieser Zuneigung heraus entstand für ihn der Name „Rājan“ (König).
Wort für Wort
pitrā
vom Vater
aparañjitāḥ
nicht erfreute
tasya
seine
prajāḥ
Untertanen
tena
von ihm
anurañjitāḥ
erfreut
anurāgāt
aus der Zuneigung
tataḥ
daher
tasya
für ihn
nāma
der Name
rājā
„Rājan“ (König)
abhyajāyata
entstand
Explizite Volksetymologie: "rājan" (König) von der Wurzel "rañj" ("erfreuen, zugetan machen") – ein klassisches Sanskrit-Wortspiel, das Pṛthus Gegensatz zu seinem Vater Veṇa unterstreicht.
Die Erde brachte, ohne gepflügt zu werden, [von selbst Früchte] hervor; Speisen gediehen durch bloßes Denken; die Kühe gaben alles Gewünschte; in jeder Blüte(nkapsel) [gab es] Honig.
Wort für Wort
akṛṣṭa-pacyā
ohne gepflügt reifend
pṛthivī
die Erde
sidhyanti
gedeihen
annāni
Speisen
cintanāt
durch bloßes Denken
sarva-kāma-dughāḥ
alles Gewünschte gebend
gāvaḥ
die Kühe
puṭake puṭake
in jeder Blütenkapsel
madhu
Honig
Beschreibung eines goldenen Zeitalters unter Pṛthus Herrschaft, das seine spätere Rolle als "Erdenmelker" bereits vorwegnimmt.
etasminn eva kāle tu yajñe paitāmahe śubhe / sūtaḥ sūtyāṃ samutpannaḥ sautye 'hani mahāmatiḥ // BrP_4.60 //
Zu eben dieser Zeit aber, bei dem glückverheißenden Opfer des Großvaters (Brahmā), entstand am Sūtya-Tag [des Opfers] Sūta, hochgesinnt, aus dem Sūtya[-Ritual],
Wort für Wort
etasmin eva kāle
zu eben dieser Zeit
tu
aber
yajñe
beim Opfer
paitāmahe
des Großvaters (Brahmā)
śubhe
glückverheißend
sūtaḥ
Sūta
sūtyām
aus dem Sūtya[-Ritual]
samutpannaḥ
entstanden
sautye ahani
am Sūtya-Tag
mahāmatiḥ
hochgesinnt
Beginn der Ätiologie der Sūta-Kaste (Wagenlenker-Barden): geboren aus einem besonderen Ritualabschnitt (Sūtya) eines von Brahmā vollzogenen Opfers – eine andere, ausführlichere Version als die knappe Erwähnung in Kap. 2.
tasminn eva mahāyajñe jajñe prājño 'tha māgadhaḥ / pṛthoḥ stavārthaṃ tau tatra samāhūtau maharṣibhiḥ // BrP_4.61 //
in eben diesem großen Opfer entstand auch der kluge Māgadha; die beiden wurden dort von den großen Weisen zum Zweck der Lobpreisung Pṛthus herbeigerufen.
Wort für Wort
tasmin eva mahāyajñe
in eben diesem großen Opfer
jajñe
entstand
prājñaḥ
der kluge
atha
auch
māgadhaḥ
Māgadha
pṛthoḥ
Pṛthus
stava-artham
zum Zweck der Lobpreisung
tau
die beiden
tatra
dort
samāhūtau
herbeigerufen
maharṣibhiḥ
von den großen Weisen
Auch Māgadha (Stammvater der Preissänger) entsteht im selben Opfer; beide, Sūta und Māgadha, werden von den Weisen aufgefordert, Pṛthu zu preisen.
Zu ihnen beiden sprachen alle Weisen: „Dieser König soll gepriesen werden! Diese Aufgabe entspricht euch beiden, und dieser Herrscher ist [ihrer] würdiges Objekt (Empfänger).“
Wort für Wort
tau
zu ihnen beiden
ūcuḥ
sprachen
ṛṣayaḥ sarve
alle Weisen
stūyatām
er soll gepriesen werden
eṣaḥ pārthivaḥ
dieser König
karma etat
diese Aufgabe
anurūpam
entsprechend
vām
euch beiden
pātram
würdiges Objekt
ca
und
ayam narādhipaḥ
dieser Herrscher
Die Weisen weisen Sūta und Māgadha ihre traditionelle Funktion als Lobpreiser der Könige zu.
Sūta und Māgadha aber sprachen da zu all jenen Weisen: „Wir beide erfreuen die Götter und Weisen durch unsere eigenen [angestammten] Tätigkeiten;
Wort für Wort
tau
die beiden
ūcatuḥ
sprachen
tadā
da
sarvān tān ṛṣīn
zu all jenen Weisen
sūta-māgadhau
Sūta und Māgadha
āvām
wir beide
devān
die Götter
ṛṣīn
die Weisen
ca eva
und auch
prīṇayāvaḥ
erfreuen wir
svakarmabhiḥ
durch unsere eigenen Tätigkeiten
Sūta und Māgadha antworten, dass ihre traditionelle Aufgabe darin besteht, Götter und Weise (nicht Menschenkönige) durch ihre ererbten Fähigkeiten zu erfreuen.
na cāsya vidmo vai karma nāma vā lakṣaṇaṃ yaśaḥ / stotraṃ yenāsya kuryāva rājñas tejasvino dvijāḥ // BrP_4.64 //
aber von diesem [König] kennen wir weder die Taten noch den Namen, das Kennzeichen oder den Ruhm, wodurch wir für diesen glanzvollen König ein Lobgedicht verfassen könnten, o Brahmanen.“
Wort für Wort
na ca
aber nicht
asya
von diesem
vidmaḥ
wir kennen
vai
fürwahr
karma
die Taten
nāma vā
oder den Namen
lakṣaṇam
das Kennzeichen
yaśaḥ
den Ruhm
stotram
ein Lobgedicht
yena
wodurch
asya
für diesen
kuryāva
wir beide könnten verfassen
rājñaḥ
für den König
tejasvinaḥ
glanzvollen
dvijāḥ
o Brahmanen
Sūta und Māgadha weisen darauf hin, dass ein Lobpreis normalerweise auf bereits vollbrachten Taten beruht – bei dem gerade erst geborenen Pṛthu gibt es noch keine.
ṛṣibhis tau niyuktau tu bhaviṣyaiḥ stūyatām iti / yāni karmāṇi kṛtavān pṛthuḥ paścān mahābalaḥ // BrP_4.65 //
Von den Weisen wurden die beiden aber beauftragt: „Er soll mit zukünftigen [Taten] gepriesen werden“ – [nämlich] mit den Taten, die der hochmächtige Pṛthu später vollbringen würde.
Wort für Wort
ṛṣibhiḥ
von den Weisen
tau
die beiden
niyuktau
beauftragt
tu
aber
bhaviṣyaiḥ
mit zukünftigen [Taten]
stūyatām
er soll gepriesen werden
iti
so
yāni karmāṇi
die Taten, die
kṛtavān
vollbringen würde
pṛthuḥ
Pṛthu
paścāt
später
mahābalaḥ
der hochmächtige
Lösung: Sūta und Māgadha sollen Pṛthu prophetisch, im Vorgriff auf seine künftigen (noch zu vollbringenden) Taten, preisen.
Als sie ihn sahen, höchst erfreut, sprachen die weisen Untertanen: „Dieser Herrscher wird euch [allen] ein Geber der Lebensunterhalte (Berufe/Einkommen) sein.“
Wort für Wort
tam
ihn
dṛṣṭvā
sehend
parama-prītāḥ
höchst erfreut
prajāḥ
die Untertanen
procuḥ
sprachen
manīṣiṇaḥ
weise
vṛttīnām
der Lebensunterhalte
eṣaḥ
dieser
vaḥ
euch
dātā
Geber
bhaviṣyati
wird sein
nara-adhipaḥ
der Herrscher
Übergang zur nächsten Episode: die Untertanen erkennen in Pṛthu einen potentiellen Versorger und wenden sich mit ihrer Bitte an ihn (v.69ff.) – dies leitet zur Erdmelkungs-Episode über.
tato vaiṇyaṃ mahātmānaṃ prajāḥ samabhidudruvuḥ / tvaṃ no vṛttiṃ vidhatsveti maharṣivacanāt tadā // BrP_4.69 //
Darauf eilten die Untertanen zum hochherzigen Sohn Veṇas [und sprachen]: „Verschaffe uns Lebensunterhalt!“ – so, auf das Wort der großen Weisen hin, da,
Wort für Wort
tataḥ
darauf
vaiṇyam
zum Sohn Veṇas
mahātmānam
dem hochherzigen
prajāḥ
die Untertanen
samabhidudruvuḥ
eilten
tvam
du
naḥ
uns
vṛttim
Lebensunterhalt
vidhatsva
verschaffe!
iti
so
maharṣi-vacanāt
auf das Wort der großen Weisen
tadā
da
Die Untertanen, ermutigt durch die Weisen, bitten Pṛthu direkt um Versorgung.
In mir ruhen die Welten, o König, von mir wird diese Welt getragen; bei meiner Vernichtung würden die Untertanen zugrunde gehen – wisse das, o Herrscher.
Wort für Wort
mayi
in mir
lokāḥ
die Welten
sthitāḥ
ruhen
rājan
o König
mayā
von mir
idam
diese
dhāryate
wird getragen
jagat
die Welt
mat-vināśe
bei meiner Vernichtung
vinaśyeyuḥ
würden zugrunde gehen
prajāḥ
die Untertanen
pārthiva
o Herrscher
viddhi tat
wisse das
Die Erde als fundamentale Trägerin allen Lebens – ihre Zerstörung wäre kollektiver Suizid der gesamten Schöpfung.
Selbst wenn du mich tötest, bist du nicht fähig, o König, die Untertanen zu ernähren; ich werde [dir] gewogen sein – zügle deinen Zorn, o Hochgesinnter!
Wort für Wort
hatvā api
selbst tötend
mām
mich
na śaktaḥ
nicht fähig
tvam
du
prajānām
der Untertanen
poṣaṇe
bei der Ernährung
nṛpa
o König
anukūlā
gewogen
bhaviṣyāmi
ich werde sein
yaccha kopam
zügle den Zorn!
mahāmate
o Hochgesinnter
Die Erde bietet Kooperation statt Widerstand an, wenn Pṛthu seinen Zorn zügelt.
avadhyāṃ ca striyaṃ prāhus tiryagyonigateṣv api / yady evaṃ pṛthivīpāla na dharmaṃ tyaktum arhasi // BrP_4.80 //
Man sagt, dass eine Frau unantastbar (nicht zu töten) sei, selbst unter denen, die in Tiergeburten eingegangen sind; wenn es sich so verhält, o Erdenschützer, solltest du den Dharma nicht aufgeben.“
Wort für Wort
avadhyām
unantastbar
ca
und
striyam
eine Frau
prāhuḥ
man sagt
tiryag-yoni-gateṣu api
selbst unter denen in Tiergeburten
yadi evam
wenn es sich so verhält
pṛthivīpāla
o Erdenschützer
na dharmam tyaktum arhasi
du solltest den Dharma nicht aufgeben
Abschließendes moralisches Argument: das Tötungsverbot für Frauen gilt universell, sogar für Tiere weiblichen Geschlechts – Pṛthu soll den Dharma nicht verletzen.
ekasyārthe tu yo hanyād ātmano vā parasya vā / bahūn vā prāṇino 'nantaṃ bhavet tasyeha pātakam // BrP_4.82 //
Pṛthu sprach: „Wer im Interesse eines Einzelnen – sei es des eigenen Selbst oder eines anderen – viele Lebewesen tötet, dessen Sünde wäre hier grenzenlos;
Wort für Wort
ekasya arthe
im Interesse eines Einzelnen
tu
aber
yaḥ
wer
hanyāt
tötet
ātmanaḥ vā
des eigenen Selbst
parasya vā
oder eines anderen
bahūn
viele
vā prāṇinaḥ
Lebewesen
anantam
grenzenlos
bhavet
wäre
tasya
dessen
iha
hier
pātakam
die Sünde
Pṛthus eigene ethische Reflexion beginnt: die Abwägung zwischen individuellem und kollektivem Nutzen bei Tötungshandlungen.
sukham edhanti bahavo yasmiṃs tu nihate 'śubhe / tasmin hate nāsti bhadre pātakaṃ copapātakam // BrP_4.83 //
Wenn aber, durch die Tötung eines Unheilvollen, viele glücklich gedeihen, so besteht bei dessen Tötung, o Gute, keine Haupt- oder Nebensünde.
Wort für Wort
sukham
glücklich
edhanti
gedeihen
bahavaḥ
viele
yasmin tu nihate
wenn aber jener getötet ist
aśubhe
der Unheilvolle
tasmin hate
bei dessen Tötung
na asti
besteht nicht
bhadre
o Gute
pātakam
Hauptsünde
ca upapātakam
und Nebensünde
Ethisches Prinzip: Die Tötung eines Einzelnen zum Wohl der Vielen ist gerechtfertigt – dieses Prinzip rechtfertigt indirekt die drohende, aber letztlich vermiedene Tötung der Erde.
Nachdem ich dich, die meinem Gebot Abgeneigte, heute mit dem Pfeil getötet habe, werde ich, mich selbst ausbreitend (verherrlichend), selbst die Untertanen erhalten.
Wort für Wort
tvām
dich
nihatya
getötet habend
adya
heute
bāṇena
mit dem Pfeil
mat-śāsana-parāṅmukhīm
meinem Gebot Abgeneigte
ātmānam
mich selbst
prathayitvā
ausgebreitet habend
aham
ich
prajāḥ
die Untertanen
dhārayitā
werde erhalten
svayam
selbst
Pṛthus letzte Warnung, gefolgt von seinem eigentlichen Lösungsvorschlag (ab v.86): die Erde soll ihm als "Tochter" (Untergebene) dienen.
sā tvaṃ śāsanam āsthāya mama dharmabhṛtāṃ vare / saṃjīvaya prajāḥ sarvāḥ samarthā hy asi dhāraṇe // BrP_4.86 //
Du also, mein Gebot annehmend, o [Erde, unter den] Trägern des Dharma Vorzüglichste, belebe alle Untertanen – denn du bist fähig zum Erhalten (Tragen).
Wort für Wort
sā tvam
du also
śāsanam
das Gebot
āsthāya
angenommen habend
mama
mein
dharma-bhṛtām vare
o Vorzüglichste unter den Dharma-Trägern
saṃjīvaya
belebe!
prajāḥ sarvāḥ
alle Untertanen
samarthā
fähig
hi asi
denn du bist
dhāraṇe
zum Erhalten
Pṛthus konkreter Vorschlag: Die Erde soll sich seinem Willen unterstellen und die Untertanen weiter ernähren.
duhitṛtvaṃ ca me gaccha tata enam ahaṃ śaram / niyaccheyaṃ tvadvadhārtham udyantaṃ ghoradarśanam // BrP_4.87 //
Und geh in ein Tochterverhältnis zu mir ein; dann werde ich diesen Pfeil, der sich zu deiner Tötung erhoben hat, von furchtbarem Aussehen, zurückhalten.“
Wort für Wort
duhitṛtvam
das Tochterverhältnis
ca
und
me
zu mir
gaccha
geh ein!
tataḥ
dann
enam
diesen
aham
ich
śaram
Pfeil
niyaccheyam
ich werde zurückhalten
tvat-vadha-artham
zu deiner Tötung
udyantam
erhoben
ghora-darśanam
von furchtbarem Aussehen
Der entscheidende Vorschlag: Die Erde wird symbolisch zu Pṛthus "Tochter" (daher später der Name Pṛthivī, vgl. Kap. 3-Vorgriff und v.113), im Gegenzug verschont er sie.
sarvam etad ahaṃ vīra vidhāsyāmi na saṃśayaḥ / vatsaṃ tu mama saṃpaśya kṣareyaṃ yena vatsalā // BrP_4.88 //
Die Erde sprach: „All dies werde ich, o Held, ausführen – kein Zweifel. Doch such mir ein Kalb aus, durch das ich, liebevoll, [Milch] fließen lassen kann,
Wort für Wort
sarvam etat
all dies
aham
ich
vīra
o Held
vidhāsyāmi
werde ich ausführen
na saṃśayaḥ
kein Zweifel
vatsam
ein Kalb
tu
aber
mama
für mich
saṃpaśya
such aus!
yena
durch das
kṣareyam
ich fließen lassen kann
vatsalā
liebevoll
Die Erde stimmt zu, verlangt aber ein geeignetes "Kalb" (Anreizmittel) für den Melkvorgang – dies leitet zur Auswahl Manu Svāyambhuvas als "Kalb" über (v.96).
samāṃ ca kuru sarvatra māṃ tvaṃ dharmabhṛtāṃ vara / yathā visyandamānaṃ me kṣīraṃ sarvatra bhāvayet // BrP_4.89 //
und mache mich überall eben (gleichmäßig), o Vorzüglichster unter den Dharma-Trägern, so dass meine ausströmende Milch überallhin gelangen möge.“
Wort für Wort
samām
eben
ca
und
kuru
mache!
sarvatra
überall
mām
mich
tvam
du
dharma-bhṛtām vara
o Vorzüglichster unter den Dharma-Trägern
yathā
so dass
visyandamānam
ausströmend
me kṣīram
meine Milch
sarvatra
überallhin
bhāvayet
gelangen möge
Die Erde bittet zusätzlich um Einebnung ihrer Oberfläche, damit die "Milch" (Ernteertrag) sich gleichmäßig verteilen kann – dies erklärt ätiologisch, warum Pṛthu die Berge zurückdrängt (v.90).
Lomaharṣaṇa sprach: Darauf verdrängte der Sohn Veṇas mit der Spitze seines Bogens hunderttausendfach die Berge; dadurch wurden [zugleich, an anderer Stelle] die Berge vermehrt (aufgetürmt).
Wort für Wort
tataḥ
darauf
utsārayām āsa
verdrängte
śailān
die Berge
śata-sahasraśaḥ
hunderttausendfach
dhanuḥ-koṭyā
mit der Spitze des Bogens
tadā
da
vaiṇyaḥ
der Sohn Veṇas
tena
dadurch
śailāḥ
die Berge
vivardhitāḥ
vermehrt/aufgetürmt
Ätiologie der Gebirgsbildung: Pṛthu ebnet die Erde ein, indem er mit seinem Bogen die Berge an manchen Stellen wegdrängt – wodurch sie sich an anderen Stellen auftürmen.
na sasyāni na gorakṣyaṃ na kṛṣir na vaṇikpathaḥ / naiva satyānṛtaṃ cāsīn na lobho na ca matsaraḥ // BrP_4.92 //
Es gab keine Feldfrüchte, keine Rinderzucht, keinen Ackerbau, keinen Handelsweg; es gab weder Wahrheit noch Lüge, weder Habgier noch Neid.
Wort für Wort
na sasyāni
keine Feldfrüchte
na gorakṣyam
keine Rinderzucht
na kṛṣiḥ
kein Ackerbau
na vaṇikpathaḥ
kein Handelsweg
na eva
gar nicht
satya-anṛtam
Wahrheit-Lüge
ca āsīt
gab es
na lobhaḥ
keine Habgier
na ca matsaraḥ
und kein Neid
Zustand der frühesten, noch unzivilisierten Erde – ohne Landwirtschaft, Handel, aber auch ohne die damit verbundenen moralischen Verfehlungen (Lüge, Habgier).
sa kalpayitvā vatsaṃ tu manuṃ svāyaṃbhuvaṃ prabhum / svapāṇau puruṣavyāghro dudoha pṛthivīṃ tataḥ // BrP_4.96 //
Er (Pṛthu), nachdem er den Herrn Manu Svāyambhuva zum Kalb bestimmt hatte, molk darauf, der Tiger unter den Männern, die Erde in seine eigene Hand hinein.
Wort für Wort
saḥ
er
kalpayitvā
bestimmt habend
vatsam
zum Kalb
tu
aber
manum svāyaṃbhuvam
Manu Svāyambhuva
prabhum
den Herrn
sva-pāṇau
in seine eigene Hand
puruṣa-vyāghraḥ
der Tiger unter den Männern
dudoha
molk
pṛthivīm
die Erde
tataḥ
darauf
Beginn der eigentlichen, detaillierten Erdmelkung: Pṛthu wählt Manu Svāyambhuva (den ersten Manu, vgl. Kap. 2) als "Kalb" für die Menschen und melkt selbst in seine Hand als Gefäß.
Und da [molken auch] die Weisen, die Götter, die Ahnen, ebenso die Kriechtiere, die Daityas, Yakṣas, Puṇyajanas (Guhyakas), Gandharvas, Berge und Bäume,
Wort für Wort
ṛṣayaḥ
die Weisen
ca
und
tadā
da
devāḥ
die Götter
pitaraḥ
die Ahnen
atha
ebenso
sarīsṛpāḥ
die Kriechtiere
daityāḥ
die Daityas
yakṣāḥ
die Yakṣas
puṇyajanāḥ
die Puṇyajanas
gandharvāḥ
die Gandharvas
parvatāḥ
die Berge
nagāḥ
die Bäume
Übergang zur vollständigen, systematischen Aufzählung aller Wesensklassen, die die Erde jeweils auf ihre Weise "melken" (v.98-109) – Erfüllung der zu Beginn (v.19-22) angekündigten Ausführlichkeit.
Für die Weisen war Soma das Kalb, Bṛhaspati der Melker; ihre Milch war Askese [und] das Brahman (heiliges Wissen), das Gefäß die Versmaße (Chandas), o Brahmanen.
Wort für Wort
ṛṣīṇām
für die Weisen
abhavat
war
somaḥ
Soma
vatsaḥ
das Kalb
dogdhā
der Melker
bṛhaspatiḥ
Bṛhaspati
kṣīram
die Milch
teṣām
ihre
tapaḥ brahma
Askese, Brahman
pātram
das Gefäß
chandāṃsi
die Versmaße
bhoḥ dvijāḥ
o Brahmanen
Erste Ausführung des Schemas: Für die Weisen ist die "Milch der Erde" spirituelle Kraft (Tapas, Brahman), gemolken mittels der vedischen Metrik.
Für die Götter war das goldene [Gefäß] das Gefäß, ihr Kalb war Śatakratu (Indra); die Milch war kraftspendend, und der Melker der erhabene Ravi (Sonne).
Wort für Wort
devānām
für die Götter
kāñcanam pātram
das goldene Gefäß
vatsaḥ teṣām
ihr Kalb
śatakratuḥ
Śatakratu (Indra)
kṣīram
die Milch
ojaskaram
kraftspendend
ca eva
und auch
dogdhā
der Melker
ca
und
bhagavān raviḥ
der erhabene Ravi (Sonne)
Für die Götter: goldenes Gefäß, Indra als Kalb, kraftspendende Milch, Sonne als Melker.
Für die Ahnen war das silberne [Gefäß] das Gefäß, der mächtige Yama das Kalb, und Antaka (Yama als Todesgott) war der Melker; ihre Milch wird als Ambrosia (Sudhā) genannt.
Wort für Wort
pitṝṇām
für die Ahnen
rājatam pātram
das silberne Gefäß
yamaḥ vatsaḥ
Yama, das Kalb
pratāpavān
der mächtige
antakaḥ
Antaka
ca abhavat
und war
dogdhā
der Melker
kṣīram teṣām
ihre Milch
sudhā
Ambrosia
smṛtā
genannt
Für die Ahnen: silbernes Gefäß, Yama als Kalb und Melker (in Doppelfunktion), Ambrosia als Milch.
asurāṇāṃ madhur dogdhā kṣīraṃ māyāmayaṃ smṛtam / virocanas tu vatso 'bhūd āyasaṃ pātram eva ca // BrP_4.104 //
Für die Asuras war Madhu (bzw. "süß"?) der Melker, die Milch wird als illusionshaft (Māyā) bezeichnet; Virocana aber war das Kalb, und das Gefäß war aus Eisen.
Wort für Wort
asurāṇām
für die Asuras
madhuḥ
Madhu
dogdhā
der Melker
kṣīram
die Milch
māyāmayam
illusionshaft
smṛtam
genannt
virocanaḥ
Virocana
tu vatsaḥ abhūt
aber war das Kalb
āyasam pātram
das eiserne Gefäß
eva ca
und
[Anm.: "madhuḥ dogdhā" ist mehrdeutig – könnte "Madhu" als Eigenname oder "süß"/"honigartig" als Beschreibung meinen; hier als Eigenname interpretiert, da alle anderen Einträge einen Melker-Eigennamen nennen.] Für die Asuras: Virocana (bereits aus Kap. 3 bekannt) als Kalb, eisernes Gefäß, illusionäre Milch.
yakṣāṇām āmapātraṃ tu vatso vaiśravaṇaḥ prabhuḥ / dogdhā rajatanābhas tu kṣīrāntardhānam eva ca // BrP_4.105 //
Für die Yakṣas war das ungebrannte [Ton-]Gefäß das Gefäß, der Herr Vaiśravaṇa (Kubera) das Kalb, Melker aber Rajatanābha; die Milch war eben die Fähigkeit zum Verschwinden.
Wort für Wort
yakṣāṇām
für die Yakṣas
āma-pātram
das ungebrannte Gefäß
tu
aber
vatsaḥ
das Kalb
vaiśravaṇaḥ prabhuḥ
der Herr Vaiśravaṇa
dogdhā
der Melker
rajatanābhaḥ
Rajatanābha
tu
aber
kṣīra-antardhānam
die Milch [war] das Verschwinden
eva ca
eben
Für die Yakṣas: Kubera als Kalb, Tongefäß, Rajatanābha als Melker, Unsichtbarkeit als "Milch" – passend zur magischen Natur der Yakṣas.
plakṣo vatsas tu vṛkṣāṇāṃ dogdhā śālas tu puṣpitaḥ / pālāśapātraṃ kṣīraṃ ca cchinnadagdhaprarohaṇam // BrP_4.109 //
Für die Bäume aber war der Feigenbaum (Plakṣa) das Kalb, Melker aber der blühende Śāla-Baum; das Gefäß war aus Palāśa-Blättern, und die Milch war die Fähigkeit, nach dem Abschneiden oder Verbrennen wieder auszutreiben.
Wort für Wort
plakṣaḥ
der Feigenbaum
vatsaḥ tu
das Kalb aber
vṛkṣāṇām
für die Bäume
dogdhā
der Melker
śālaḥ tu puṣpitaḥ
der blühende Śāla-Baum aber
pālāśa-pātram
das Palāśa-Blattgefäß
kṣīram
die Milch
ca
und
chinna-dagdha-prarohaṇam
das Wiederaustreiben nach Abschneiden/Verbrennen
Für die Bäume: Plakṣa als Kalb (bereits als Baum-König aus v.9 bekannt), Śāla als Melker, Palāśa-Blattgefäß, Regenerationsfähigkeit als Milch – Abschluss der systematischen Aufzählung.
seyaṃ dhātrī vidhātrī ca pāvanī ca vasuṃdharā / carācarasya sarvasya pratiṣṭhā yonir eva ca // BrP_4.110 //
Diese [Erde] ist die Erhalterin, die Anordnerin und die Reinigerin, die Erdenträgerin; sie ist die Grundlage und der Ursprungsschoß alles Beweglichen und Unbeweglichen.
Wort für Wort
sā iyam
diese
dhātrī
die Erhalterin
vidhātrī
die Anordnerin
ca
und
pāvanī
die Reinigerin
ca
und
vasuṃdharā
die Erdenträgerin
cara-acarasya sarvasya
alles Beweglichen und Unbeweglichen
pratiṣṭhā
die Grundlage
yoniḥ
der Ursprungsschoß
eva ca
eben
Zusammenfassende Hymne auf die Erde nach Abschluss der Melkungs-Aufzählung.
Sie wurde gänzlich mit dem Fett (Medas) von Madhu und Kaiṭabha überflutet; deshalb wird diese Göttin von den Brahman-Kundigen „Medinī“ genannt.
Wort für Wort
madhu-kaiṭabhayoḥ
von Madhu und Kaiṭabha
kṛtsnā
gänzlich
medasā
mit dem Fett
samabhiplutā
überflutet
tena
deshalb
iyam medinī devī
diese Göttin Medinī
ucyate
wird genannt
brahma-vādibhiḥ
von den Brahman-Kundigen
Etymologie "Medinī" von "medas" (Fett) – Anspielung auf den bekannten Mythos von Viṣṇu, der die Dämonen Madhu und Kaiṭabha tötet, deren Fett die Erde bedeckt (an anderer Stelle ausführlicher erzählt, z.B. im Devī-Māhātmya).
Darauf, durch die Annäherung des Königs Pṛthu, des Sohnes Veṇas, o Brahmanen, erlangte die Göttin die Tochterschaft und wird seither auch „Pṛthvī“ genannt.
Wort für Wort
tataḥ
darauf
abhyupagamāt
durch die Annäherung
rājñaḥ pṛthoḥ vaiṇyasya
des Königs Pṛthu, Sohnes Veṇas
bhoḥ dvijāḥ
o Brahmanen
duhitṛtvam
die Tochterschaft
anuprāptā
erlangt
devī
die Göttin
pṛthvī
Pṛthvī
iti
so
ca ucyate
und wird genannt
Etymologie "Pṛthvī" von "Pṛthu" (vgl. bereits vorausgedeutet in Kap. 3, Glossareintrag) – Erfüllung der in v.87 vereinbarten "Tochterschaft".
yo hi yoddhā raṇaṃ yāti kīrtayitvā pṛthuṃ nṛpam / sa ghorarūpāt saṃgrāmāt kṣemī bhavati kīrtimān // BrP_4.119 //
Denn welcher Krieger, nachdem er König Pṛthu gepriesen hat, in die Schlacht zieht, der geht aus dem schrecklichen Kampf unversehrt und ruhmreich hervor.
Wort für Wort
yaḥ hi yoddhā
denn welcher Krieger
raṇam yāti
in die Schlacht zieht
kīrtayitvā
gepriesen habend
pṛthum nṛpam
König Pṛthu
saḥ
der
ghora-rūpāt saṃgrāmāt
aus dem schrecklichen Kampf
kṣemī
unversehrt
bhavati
wird
kīrtimān
ruhmreich
Verheißung: Das Anrufen Pṛthus vor der Schlacht schützt und bringt Ruhm.
ete vatsaviśeṣāś ca dogdhāraḥ kṣīram eva ca / pātrāṇi ca mayoktāni kiṃ bhūyo varṇayāmi vaḥ // BrP_4.122 //
Dies waren die besonderen Kälber, die Melker, die Milch sowie die Gefäße, die von mir genannt wurden – was soll ich euch weiter beschreiben?
Wort für Wort
ete
diese
vatsa-viśeṣāḥ
besonderen Kälber
ca dogdhāraḥ
und die Melker
kṣīram eva ca
und die Milch
pātrāṇi
die Gefäße
ca mayā uktāni
von mir genannt
kim bhūyaḥ
was weiter
varṇayāmi vaḥ
soll ich euch beschreiben
Abschluss des gesamten Kapitels (Pṛthu-Erzählung): Lomaharṣaṇa fasst zusammen und fragt rhetorisch, was noch zu erzählen bleibe – die Weisen antworten in Kap. 5 mit einer neuen Frage nach den Manvantaras (BrP_5.1, bereits als nächstes Thema angekündigt).