Quellen der Menschheit

Brahma-Purāṇa

Kapitel 92: pāpapraṇāśanadhautapāpatīrthamāhātmyavarṇanam (gālavatīrtham) Die Größe des Pāpapraṇāśana-/Dhautapāpa-Tīrtha (Gālava-Tīrtha): die Erzählung von Sanājjāta und Mahī

Eine der ergreifendsten Erzählungen des Brahma-Purāṇa: Der Brahmane Dhṛtavrata stirbt jung und hinterlässt seine schöne Frau Mahī und den kleinen Sohn Sanājjāta. Mahī übergibt den Sohn dem Weisen Gālava zur Erziehung und verfällt selbst, von Sünde verblendet, einem zuchtlosen Wanderleben als Kurtisane. Der Sohn, im Āśrama zum Vedengelehrten herangewachsen, erbt durch den 'Fehler der Mutter' einen auf Dirnen gerichteten Sinn und lässt sich, ohne es zu wissen, im vielvölkrigen Janasthāna nieder – wo sich, ebenfalls unerkannt, auch seine Mutter als Kurtisane niedergelassen hat. Durch Schicksalsfügung (vidhi) kommt es zur unwissentlichen Vereinigung von Mutter und Sohn. Gālava bemerkt an Sanājjāta eine rätselhafte Doppelgestalt: aussätzig-hässlich vor dem morgendlichen Bad in der Gautamī, strahlend-schön danach. Als sich bei der nächtlichen Befragung durch gegenseitige Fragen die wahre Identität beider enthüllt, sind Mutter und Sohn zutiefst erschüttert; Gālava aber erklärt, dass die Gautamī sie durch das tägliche Bad bereits täglich reinigt, und dass echte Reue (verbunden mit natürlicher Elternliebe) die Sünde endgültig tilgt. Nach gemeinsamem Bad werden beide von aller Sünde befreit – Ursprung der Namen 'Pāpapraṇāśana' ('Sündenvernichter'), 'Dhautapāpa' ('Sündenabgewaschen') und 'Gālava-Tīrtha'.

{brahmovāca: } pāpapraṇāśanaṃ nāma tīrthaṃ pāpabhayāpaham / nāmadheyaṃ pravakṣyāmi śṛṇu nārada yatnataḥ //

Brahmā sprach: Das Tīrtha namens Pāpapraṇāśana ('Sündenvernichter'), das die Furcht vor Sünde vertreibt – seinen Namensursprung will ich verkünden; höre sorgfältig zu, Nārada.

Wort für Wort
pāpapraṇāśanaṃ nāma tīrthaṃ
das Tīrtha namens Pāpapraṇāśana,
pāpabhayāpaham
das die Furcht vor Sünde vertreibt,
nāmadheyaṃ pravakṣyāmi
seinen Namensursprung will ich verkünden,
śṛṇu nārada yatnataḥ
höre sorgfältig zu, Nārada

dhṛtavrata iti khyāto brāhmaṇo lokaviśrutaḥ / tasya bhāryā mahī nāma taruṇī lokasundarī //

Ein Brahmane, bekannt unter dem Namen Dhṛtavrata, in der Welt berühmt; seine Gattin, mit Namen Mahī, war jung, die Schönste der Welt.

Wort für Wort
dhṛtavrata iti khyāto
bekannt unter dem Namen Dhṛtavrata,
brāhmaṇo lokaviśrutaḥ
ein Brahmane, in der Welt berühmt,
tasya bhāryā mahī nāma
seine Gattin, mit Namen Mahī,
taruṇī lokasundarī
jung, die Schönste der Welt

tasya putraḥ sūryanibhaḥ sanājjāta iti śrutaḥ / dhṛtavrataṃ tathākarṣan mṛtyuḥ kālerito mune //

Sein Sohn, der Sonne gleich an Glanz, wurde als Sanājjāta bekannt; den Dhṛtavrata aber raffte, von der Zeit getrieben, der Tod dahin, o Weiser.

Wort für Wort
tasya putraḥ sūryanibhaḥ
sein Sohn, der Sonne gleich,
sanājjāta iti śrutaḥ
wurde als Sanājjāta bekannt,
dhṛtavrataṃ tathākarṣan
den Dhṛtavrata aber raffte,
mṛtyuḥ kālerito mune
der Tod, von der Zeit getrieben, o Weiser

tataḥ sā bālavidhavā bālaputrā surūpiṇī / trātāraṃ naiva paśyantī gālavāśramam abhyagāt //

Darauf, jung verwitwet, mit kleinem Sohn, von schöner Gestalt, und keinen Beschützer sehend, begab sie sich zum Āśrama des Gālava.

Wort für Wort
tataḥ sā bālavidhavā
darauf, jung verwitwet,
bālaputrā surūpiṇī
mit kleinem Sohn, von schöner Gestalt,
trātāraṃ naiva paśyantī
keinen Beschützer sehend,
gālavāśramam abhyagāt
begab sie sich zum Āśrama des Gālava

tasmai putraṃ nivedyātha svairiṇī pāpamohitā / sā babhrāma bahūn deśān puṃskāmā kāmacāriṇī //

Nachdem sie ihm den Sohn anvertraut hatte, wurde sie zuchtlos, von Sünde verblendet; sie durchwanderte viele Länder, nach Männern begehrend, ihren Gelüsten folgend.

Wort für Wort
tasmai putraṃ nivedyātha
nachdem sie ihm den Sohn anvertraut hatte,
svairiṇī pāpamohitā
wurde sie zuchtlos, von Sünde verblendet,
sā babhrāma bahūn deśān
sie durchwanderte viele Länder,
puṃskāmā kāmacāriṇī
nach Männern begehrend, den Gelüsten folgend

tatputro gālavagṛhe vedavedāṅgapāragaḥ / jāto 'pi mātṛdoṣeṇa veśyeritamatis tv abhūt //

Ihr Sohn, im Haus des Gālava, wurde ein Meister der Veden und Vedāṅgas; doch obwohl so geboren, wurde er durch den Fehler der Mutter mit auf Dirnen gerichtetem Sinn.

Wort für Wort
tatputro gālavagṛhe
ihr Sohn, im Haus des Gālava,
vedavedāṅgapāragaḥ
wurde ein Meister der Veden und Vedāṅgas,
jāto 'pi mātṛdoṣeṇa
doch (so) geboren, durch den Fehler der Mutter,
veśyeritamatis tv abhūt
wurde er mit auf Dirnen gerichtetem Sinn

janasthānam iti khyātaṃ nānājātisamāvṛtam / tatrāsau paṇyaveṣeṇa adhyāste ca mahī tathā //

An dem als Janasthāna bekannten Ort, der von Angehörigen verschiedenster Herkunft bewohnt ist, dort weilte in der Tracht einer Feilgebotenen auch Mahī.

Wort für Wort
janasthānam iti khyātaṃ
an dem als Janasthāna bekannten (Ort),
nānājātisamāvṛtam
der von verschiedenster Herkunft bewohnt ist,
tatrāsau paṇyaveṣeṇa
dort, in der Tracht einer Feilgebotenen,
adhyāste ca mahī tathā
weilte auch Mahī

tatsuto 'pi bahūn deśān paribabhrāma kāmukaḥ / so 'pi kālavaśāt tatra janasthāne 'vasat tadā //

Auch ihr Sohn, begierig, durchwanderte viele Länder; auch er ließ sich, durch die Macht der Zeit, damals eben in jenem Janasthāna nieder.

Wort für Wort
tatsuto 'pi bahūn deśān
auch ihr Sohn, viele Länder,
paribabhrāma kāmukaḥ
durchwanderte, begierig,
so 'pi kālavaśāt tatra
auch er, durch die Macht der Zeit, dort,
janasthāne 'vasat tadā
im Janasthāna, ließ sich damals nieder

striyam ākāṅkṣate veśyāṃ dhṛtavratasuto dvijaḥ / mahī cāpi dhanaṃ dātṝn puruṣān samapekṣate //

Der Sohn des Dhṛtavrata, der Brahmane, begehrte eine Kurtisane als Frau; und Mahī ihrerseits erwartete Männer, die Reichtum gäben.

Wort für Wort
striyam ākāṅkṣate veśyāṃ
eine Kurtisane als Frau begehrte,
dhṛtavratasuto dvijaḥ
der Sohn des Dhṛtavrata, der Brahmane,
mahī cāpi dhanaṃ dātṝn
und Mahī, Männer, die Reichtum gäben,
puruṣān samapekṣate
erwartete sie

mene na putram ātmīyaṃ sa cāpi na tu mātaram / tayoḥ samāgamaś cāsīd vidhinā mātṛputrayoḥ //

Sie erkannte ihn nicht als ihren eigenen Sohn, und auch er erkannte nicht die Mutter; durch Schicksalsfügung kam es zur Vereinigung von Mutter und Sohn.

Wort für Wort
mene na putram ātmīyaṃ
sie erkannte ihn nicht als eigenen Sohn,
sa cāpi na tu mātaram
und auch er nicht als Mutter,
tayoḥ samāgamaś cāsīd
es kam zur Vereinigung von ihnen beiden,
vidhinā mātṛputrayoḥ
durch Schicksalsfügung, von Mutter und Sohn

[Anm.: Zentrales, moralisch erschütterndes Motiv der Erzählung – unwissentliche Vereinigung von Mutter und Sohn durch Schicksal (vidhi), das im weiteren Verlauf durch Erkenntnis, Reue und rituelle Reinigung an der Gautamī aufgelöst wird.]

evaṃ bahutithe kāle putre mātari gacchati / tayoḥ parasparaṃ jñānaṃ naivāsīn mātṛputrayoḥ //

So, während geraume Zeit verging und der Sohn zur Mutter ging, gab es zwischen Mutter und Sohn kein gegenseitiges Erkennen.

Wort für Wort
evaṃ bahutithe kāle
so, während geraume Zeit verging,
putre mātari gacchati
während der Sohn zur Mutter ging,
tayoḥ parasparaṃ jñānaṃ
ein gegenseitiges Erkennen von ihnen beiden,
naivāsīn mātṛputrayoḥ
gab es nicht, von Mutter und Sohn

evaṃ pravartamānasya pitṛdharmeṇa sanmatiḥ / āsīt tasyāpy asadvṛtteḥ śṛṇu nārada citravat //

So fortlebend, hatte er dennoch, trotz seines schlechten Lebenswandels, durch die von seinem Vater ererbte Pflichterfüllung einen guten Verstand behalten – höre, Nārada, wie wunderlich das ist.

Wort für Wort
evaṃ pravartamānasya
so fortlebend,
pitṛdharmeṇa sanmatiḥ
durch die väterliche Pflicht(erfüllung), guter Verstand,
āsīt tasyāpy asadvṛtteḥ
war bei ihm, trotz seines schlechten Lebenswandels,
śṛṇu nārada citravat
höre, Nārada, wie wunderlich

svairasthityā vartamāno nedaṃ sa parihātavān / brāhmīṃ saṃdhyām anuṣṭhāya tad ūrdhvaṃ tu dhanārjanam //

Obwohl er in zuchtlosem Zustand lebte, hatte er dies nicht aufgegeben: nach Vollzug der brahmanischen Dämmerungsandacht ging er danach dem Gelderwerb nach.

Wort für Wort
svairasthityā vartamāno
obwohl in zuchtlosem Zustand lebend,
nedaṃ sa parihātavān
hatte er dies nicht aufgegeben,
brāhmīṃ saṃdhyām anuṣṭhāya
nach Vollzug der brahmanischen Dämmerungsandacht,
tad ūrdhvaṃ tu dhanārjanam
danach ging er dem Gelderwerb nach

vidyābalena vittāni bahūny ārjya dadāty asau / tathā sa prātar utthāya gaṅgāṃ gatvā yathāvidhi //

Durch die Kraft seines Wissens erwarb er viele Reichtümer und verschenkte sie; ebenso stand er am Morgen auf und ging vorschriftsmäßig zur Gaṅgā.

Wort für Wort
vidyābalena vittāni
durch die Kraft seines Wissens Reichtümer,
bahūny ārjya dadāty asau
viele erworben, verschenkte er,
tathā sa prātar utthāya
ebenso stand er am Morgen auf,
gaṅgāṃ gatvā yathāvidhi
und ging vorschriftsmäßig zur Gaṅgā

śaucādi snānasaṃdhyādi sarvaṃ kāryaṃ yathākramam / kṛtvā tu brāhmaṇān natvā tato 'bhyeti svakarmasu //

Und verrichtete Reinigung, Baden, Dämmerungsandacht und all die rituellen Pflichten der Reihe nach; nachdem er sich vor den Brahmanen verneigt hatte, ging er darauf seinen eigenen Geschäften nach.

Wort für Wort
śaucādi snānasaṃdhyādi
Reinigung, Baden, Dämmerungsandacht und dergleichen,
sarvaṃ kāryaṃ yathākramam
alle Pflichten der Reihe nach,
kṛtvā tu brāhmaṇān natvā
vollzogen, vor den Brahmanen sich verneigt,
tato 'bhyeti svakarmasu
ging er darauf seinen eigenen Geschäften nach

prātaḥkāle gautamīṃ tu yadā yāti virūpavān / kuṣṭhasarvāṅgaśithilaḥ pūyaśoṇitaniḥsravaḥ //

Wenn er am Morgen zur Gautamī ging, war er von hässlicher Gestalt, an allen Gliedern von Aussatz zerfressen und schlaff, Eiter und Blut ausschwitzend.

Wort für Wort
prātaḥkāle gautamīṃ tu
am Morgen, zur Gautamī,
yadā yāti virūpavān
wenn er ging, war er von hässlicher Gestalt,
kuṣṭhasarvāṅgaśithilaḥ
an allen Gliedern von Aussatz zerfressen und schlaff,
pūyaśoṇitaniḥsravaḥ
Eiter und Blut ausschwitzend

snātvā tu gautamīṃ gaṅgāṃ yadā yāti surūpadhṛk / śāntaḥ sūryāgnisadṛśo mūrtimān iva bhāskaraḥ //

Wenn er aber, nachdem er in der Gautamī-Gaṅgā gebadet hatte, wegging, trug er schöne Gestalt: friedvoll, der Sonne und dem Feuer gleich, wie die verkörperte Sonne selbst.

Wort für Wort
snātvā tu gautamīṃ gaṅgāṃ
nachdem er in der Gautamī-Gaṅgā gebadet hatte,
yadā yāti surūpadhṛk
wenn er wegging, trug er schöne Gestalt,
śāntaḥ sūryāgnisadṛśo
friedvoll, der Sonne und dem Feuer gleich,
mūrtimān iva bhāskaraḥ
wie die verkörperte Sonne selbst

etad rūpadvayaṃ svasya naiva paśyati sa dvijaḥ / gālavo yatra bhagavāṃs tapojñānaparāyaṇaḥ //

Diese doppelte Gestalt seiner selbst sah der Brahmane nicht; dort, wo der erhabene Gālava, ganz der Askese und Erkenntnis hingegeben,

Wort für Wort
etad rūpadvayaṃ svasya
diese doppelte Gestalt seiner selbst,
naiva paśyati sa dvijaḥ
sah der Brahmane nicht,
gālavo yatra bhagavāṃs
dort, wo der erhabene Gālava,
tapojñānaparāyaṇaḥ
ganz der Askese und Erkenntnis hingegeben

āśritya gautamīṃ devīṃ āste ca munibhir vṛtaḥ / brāhmaṇo 'pi ca tatraiva nityaṃ tīrthaṃ sametya ca //

– bei der Göttin Gautamī Zuflucht genommen habend, weilte, von Weisen umgeben – kam auch der Brahmane stets eben dorthin zum Tīrtha,

Wort für Wort
āśritya gautamīṃ devīṃ
bei der Göttin Gautamī Zuflucht genommen habend,
āste ca munibhir vṛtaḥ
weilte, von Weisen umgeben,
brāhmaṇo 'pi ca tatraiva
auch der Brahmane eben dorthin,
nityaṃ tīrthaṃ sametya ca
stets zum Tīrtha kommend

gālavaṃ ca namasyātha tato yāti svamandiram / gaṅgāyāḥ sevanāt pūrvaṃ sanājjātasya yad vapuḥ //

verneigte sich vor Gālava und ging darauf zu seiner eigenen Wohnstatt. Vor der Verehrung der Gaṅgā war des Sanājjāta Körper (in jener hässlichen Gestalt) –

Wort für Wort
gālavaṃ ca namasyātha
verneigte sich vor Gālava,
tato yāti svamandiram
und ging darauf zu seiner eigenen Wohnstatt,
gaṅgāyāḥ sevanāt pūrvaṃ
vor der Verehrung der Gaṅgā,
sanājjātasya yad vapuḥ
war des Sanājjāta Körper (in jener Gestalt)

snānasaṃdhyottare kāle punar yad api tad dvije / ubhayaṃ tasya tad rūpaṃ gālavo nityam eva ca //

– und nach Baden und Dämmerungsandacht wiederum jenes andere; diese beiden Gestalten von ihm sah Gālava stets eben

Wort für Wort
snānasaṃdhyottare kāle
in der Zeit nach Baden und Dämmerungsandacht,
punar yad api tad dvije
wiederum jenes andere, bei dem Brahmanen,
ubhayaṃ tasya tad rūpaṃ
diese beiden Gestalten von ihm,
gālavo nityam eva ca
sah Gālava stets eben

dṛṣṭvā savismayo mene kiṃcid asty atra kāraṇam / evaṃ savismayo bhūtvā gālavaḥ prāha taṃ dvijam //

– und, dies erblickend, dachte er voller Erstaunen: 'Hier muss irgendein Grund vorliegen.' So voll Erstaunen, sprach Gālava zu jenem Brahmanen –

Wort für Wort
dṛṣṭvā savismayo mene
dies erblickend, dachte er voller Erstaunen,
kiṃcid asty atra kāraṇam
'hier muss irgendein Grund vorliegen'
evaṃ savismayo bhūtvā
so voll Erstaunen geworden,
gālavaḥ prāha taṃ dvijam
sprach Gālava zu jenem Brahmanen

gacchantaṃ tu namasyātha sanājjātaṃ gurur gṛham / āhūya yatnato dhīmān kṛpayā vismayena ca //

– als Sanājjāta, nachdem er sich verneigt hatte, zu seinem Haus gehen wollte, rief ihn der weise Lehrer sorgsam herbei, aus Mitleid und Erstaunen.

Wort für Wort
gacchantaṃ tu namasyātha
als er, sich verneigt habend, gehen wollte,
sanājjātaṃ gurur gṛham
den Sanājjāta zu seinem Haus, der Lehrer,
āhūya yatnato dhīmān
rief ihn sorgsam herbei, der Weise,
kṛpayā vismayena ca
aus Mitleid und Erstaunen

{gālava uvāca: } ko bhavān kva ca gantāsi kiṃ karoṣi kva bhokṣyasi / kiṃnāmā tvaṃ kva śayyā te kā te bhāryā vadasva me //

Gālava sprach: 'Wer bist du, und wohin willst du gehen? Was tust du, wo wirst du speisen? Wie ist dein Name, wo ist dein Lager, wer ist deine Frau? Sag es mir.'

Wort für Wort
ko bhavān kva ca gantāsi
wer bist du, und wohin wirst du gehen?
kiṃ karoṣi kva bhokṣyasi
was tust du, wo wirst du speisen?
kiṃnāmā tvaṃ kva śayyā te
wie ist dein Name, wo ist dein Lager?
kā te bhāryā vadasva me
wer ist deine Frau? Sag es mir

{brahmovāca: } gālavasya vacaḥ śrutvā brāhmaṇo 'py āha taṃ munim //*

Brahmā sprach: Nachdem er Gālavas Worte gehört hatte, sprach auch der Brahmane zu jenem Weisen –

Wort für Wort
gālavasya vacaḥ śrutvā
nachdem er Gālavas Worte gehört hatte,
brāhmaṇo 'py āha taṃ munim
sprach auch der Brahmane zu jenem Weisen

[Anm.: Im Quelltext nur als Halbvers überliefert (mit '//*' markiert); die zweite Vershälfte fehlt.]

{brāhmaṇa uvāca: } śvaḥ kathyate mayā sarvaṃ jñātvā kāryavinirṇayam //*

Der Brahmane sprach: 'Morgen werde ich alles sagen, wenn ich die Entscheidung über die Angelegenheit kenne.'

Wort für Wort
śvaḥ kathyate mayā sarvaṃ
morgen werde ich alles sagen,
jñātvā kāryavinirṇayam
wenn ich die Entscheidung über die Angelegenheit kenne

[Anm.: Im Quelltext nur als Halbvers überliefert (mit '//*' markiert); die zweite Vershälfte fehlt.]

evam uktvā gālavaṃ taṃ sanājjāto gṛhaṃ yayau / bhuktvā rātrau tayā samyak śayyām āsādya bandhakīm / uvāca cakitaḥ smṛtvā gālavasya tu yad vacaḥ //

Dies zu Gālava gesagt habend, ging Sanājjāta nach Hause; nachdem er in der Nacht recht gespeist und mit jener Dirne das Lager aufgesucht hatte, sprach er, erschrocken, sich an Gālavas Worte erinnernd –

Wort für Wort
evam uktvā gālavaṃ taṃ
dies zu Gālava gesagt habend,
sanājjāto gṛhaṃ yayau
ging Sanājjāta nach Hause,
bhuktvā rātrau tayā samyak
in der Nacht mit ihr recht gespeist,
śayyām āsādya bandhakīm
und mit der Dirne das Lager aufgesucht,
uvāca cakitaḥ smṛtvā
sprach er, erschrocken, sich erinnernd,
gālavasya tu yad vacaḥ
an Gālavas Worte

[Anm.: dreizeiliger Vers unter einer Nummer.]

{brāhmaṇa uvāca: } tvaṃ tu sarvaguṇopetā bandhaky api pativratā / āvayoḥ sadṛśī prītir yāvajjīvaṃ pravartatām //

Der Brahmane sprach: 'Du bist mit allen guten Eigenschaften versehen, obwohl eine Dirne, dem Gatten treu ergeben; unsere beiderseitige Liebe möge, einander gleich, lebenslang bestehen.'

Wort für Wort
tvaṃ tu sarvaguṇopetā
du bist mit allen guten Eigenschaften versehen,
bandhaky api pativratā
obwohl eine Dirne, dem Gatten treu ergeben,
āvayoḥ sadṛśī prītir
unsere beiderseitige, gleiche Liebe,
yāvajjīvaṃ pravartatām
möge lebenslang bestehen

tathāpi kiṃcit pṛcchāmi kiṃnāmnī tvaṃ kva vā kulam / kiṃ nu sthānaṃ kva vā bandhur mama sarvaṃ nivedyatām //

'Dennoch frage ich dich etwas: Wie ist dein Name, und welche Familie? Welches ist dein Wohnort, oder wo sind deine Verwandten? Berichte mir alles.'

Wort für Wort
tathāpi kiṃcit pṛcchāmi
dennoch frage ich dich etwas,
kiṃnāmnī tvaṃ kva vā kulam
wie ist dein Name, und welche Familie?
kiṃ nu sthānaṃ kva vā bandhur
welches ist dein Wohnort, oder wo die Verwandten?
mama sarvaṃ nivedyatām
berichte mir alles

{bandhaky uvāca: } dhṛtavrata iti khyāto brāhmaṇo dīkṣitaḥ śuciḥ / tasya bhāryā mahī cāhaṃ matputro gālavāśrame //

Die Dirne sprach: 'Ein Brahmane, geweiht und rein, bekannt unter dem Namen Dhṛtavrata (war mein Gatte); seine Gattin bin ich, Mahī, und mein Sohn weilt im Āśrama des Gālava.'

Wort für Wort
dhṛtavrata iti khyāto
bekannt unter dem Namen Dhṛtavrata,
brāhmaṇo dīkṣitaḥ śuciḥ
ein Brahmane, geweiht und rein,
tasya bhāryā mahī cāhaṃ
seine Gattin bin ich, Mahī,
matputro gālavāśrame
mein Sohn (weilt) im Āśrama des Gālava

utsṛṣṭo matimān bālaḥ sanājjāta iti śrutaḥ / ahaṃ tu pūrvadoṣeṇa tyaktvā dharmaṃ kulāgatam / svairiṇī tv iha varte 'haṃ viddhi māṃ brāhmaṇīṃ dvija //

'Der zurückgelassene, kluge Knabe wird Sanājjāta genannt. Ich aber, durch früheren Fehltritt, habe die von der Familie ererbte Pflicht verlassen; als Zuchtlose lebe ich hier – erkenne in mir eine Brahmanin, Zweifachgeborener.'

Wort für Wort
utsṛṣṭo matimān bālaḥ
der zurückgelassene, kluge Knabe,
sanājjāta iti śrutaḥ
wird Sanājjāta genannt,
ahaṃ tu pūrvadoṣeṇa
ich aber, durch früheren Fehltritt,
tyaktvā dharmaṃ kulāgatam
habe die ererbte Familienpflicht verlassen,
svairiṇī tv iha varte 'haṃ
als Zuchtlose lebe ich hier,
viddhi māṃ brāhmaṇīṃ dvija
erkenne in mir eine Brahmanin, Zweifachgeborener

[Anm.: dreizeiliger Vers unter einer Nummer.]

{brahmovāca: } tasyās tad vacanaṃ śrutvā marmaviddha ivābhavat / papāta sahasā bhūmau veśyā taṃ vākyam abravīt //

Brahmā sprach: Als er ihre Worte gehört hatte, war er wie ins Innerste getroffen; plötzlich fiel er zu Boden; die Dirne sprach zu ihm dieses Wort.

Wort für Wort
tasyās tad vacanaṃ śrutvā
als er ihre Worte gehört hatte,
marmaviddha ivābhavat
war er wie ins Innerste getroffen,
papāta sahasā bhūmau
plötzlich fiel er zu Boden,
veśyā taṃ vākyam abravīt
die Dirne sprach zu ihm dieses Wort

{veśyovāca: } kiṃ tu jātaṃ dvijaśreṣṭha kva ca prītir gatā tava / kiṃ tu vākyaṃ mayā coktaṃ tava cittavirodhakṛt //

Die Dirne sprach: 'Was ist geschehen, bester Brahmane? Wohin ist deine Zuneigung entschwunden? Welches Wort habe ich denn gesprochen, das deinem Gemüt zuwider war?'

Wort für Wort
kiṃ tu jātaṃ dvijaśreṣṭha
was ist geschehen, bester Brahmane?
kva ca prītir gatā tava
wohin ist deine Zuneigung entschwunden?
kiṃ tu vākyaṃ mayā coktaṃ
welches Wort habe ich gesprochen,
tava cittavirodhakṛt
das deinem Gemüt zuwider war?

ātmānam ātmanāśvāsya brāhmaṇo vākyam abravīt //*

Nachdem der Brahmane sich selbst durch sich selbst getröstet hatte, sprach er dieses Wort –

Wort für Wort
ātmānam ātmanāśvāsya
sich selbst durch sich selbst getröstet habend,
brāhmaṇo vākyam abravīt
sprach der Brahmane dieses Wort

[Anm.: Im Quelltext nur als Halbvers überliefert (mit '//*' markiert); die zweite Vershälfte fehlt.]

{brāhmaṇa uvāca: } dhṛtavrataḥ pitā vipras tatputro 'haṃ sanādyataḥ / mātā mahī mama iyaṃ mama daivād upāgatā //

Der Brahmane sprach: 'Dhṛtavrata, der Brahmane, ist mein Vater, ich bin sein Sohn, seit jeher als Sanā(jjāta) bekannt; diese hier, meine Mutter Mahī, ist mir durch Schicksalsfügung nahegekommen.'

Wort für Wort
dhṛtavrataḥ pitā vipras
Dhṛtavrata, der Brahmane, (ist) mein Vater,
tatputro 'haṃ sanādyataḥ
sein Sohn bin ich, seit jeher (als Sanājjāta bekannt),
mātā mahī mama iyaṃ
meine Mutter (ist) diese hier, Mahī,
mama daivād upāgatā
mir durch Schicksalsfügung nahegekommen

{brahmovāca: } etac chrutvā tasya vākyaṃ sāpy abhūd atiduḥkhitā / tayos tu śocatoḥ paścāt prabhāte vimale ravau / gālavaṃ muniśārdūlaṃ gatvā vipro nyavedayat //

Brahmā sprach: Als sie dieses Wort von ihm gehört hatte, wurde auch sie überaus bekümmert; nachdem beide getrauert hatten, ging darauf, als am Morgen die Sonne makellos aufgegangen war, der Brahmane zu Gālava, dem Tiger unter den Weisen, und berichtete ihm alles.

Wort für Wort
etac chrutvā tasya vākyaṃ
als sie dieses Wort von ihm gehört hatte,
sāpy abhūd atiduḥkhitā
wurde auch sie überaus bekümmert,
tayos tu śocatoḥ paścāt
nachdem beide getrauert hatten, danach,
prabhāte vimale ravau
am Morgen, als die Sonne makellos aufgegangen war,
gālavaṃ muniśārdūlaṃ gatvā
zu Gālava, dem Tiger unter den Weisen, gegangen,
vipro nyavedayat
berichtete der Brahmane

[Anm.: dreizeiliger Vers unter einer Nummer.]

{brāhmaṇa uvāca: } dhṛtavratasuto brahmaṃs tvayā pūrvaṃ tu pālitaḥ / upanītas tvayā caiva mahī mātā mama prabho //

Der Brahmane sprach: 'Der Sohn des Dhṛtavrata, o Weiser, wurde einst von dir aufgezogen und von dir eingeweiht; Mahī, meine Mutter, o Herr, (ist mir widerfahren) –'

Wort für Wort
dhṛtavratasuto brahmaṃs
der Sohn des Dhṛtavrata, o Weiser,
tvayā pūrvaṃ tu pālitaḥ
wurde einst von dir aufgezogen,
upanītas tvayā caiva
und von dir eingeweiht,
mahī mātā mama prabho
Mahī, meine Mutter, o Herr

kiṃ karomi ca kiṃ kṛtvā niṣkṛtir mama vai bhavet //*

'Was soll ich tun, und was getan, würde mir Sühne zuteil?'

Wort für Wort
kiṃ karomi ca kiṃ kṛtvā
was soll ich tun, und was getan,
niṣkṛtir mama vai bhavet
würde mir Sühne zuteil?

[Anm.: Im Quelltext nur als Halbvers überliefert (mit '//*' markiert); die zweite Vershälfte fehlt.]

{brahmovāca: } tad vipravacanaṃ śrutvā gālavaḥ prāha mā śucaḥ / tavedaṃ dvividhaṃ rūpaṃ nityaṃ paśyāmy apūrvavat //

Brahmā sprach: Nachdem er diese Rede des Brahmanen gehört hatte, sprach Gālava: 'Grame dich nicht; diese deine doppelte Gestalt sehe ich stets, wie noch nie zuvor gesehen.'

Wort für Wort
tad vipravacanaṃ śrutvā
nachdem er diese Rede des Brahmanen gehört hatte,
gālavaḥ prāha mā śucaḥ
sprach Gālava: 'grame dich nicht,
tavedaṃ dvividhaṃ rūpaṃ
diese deine doppelte Gestalt
nityaṃ paśyāmy apūrvavat
sehe ich stets, wie noch nie zuvor'

tataḥ pṛṣṭo 'si vṛttāntaṃ śrutaṃ jñātaṃ mayā yathā / yat kṛtyaṃ tava tat sarvaṃ gaṅgāyāṃ pratyagāt kṣayam //

'Deshalb wurdest du von mir nach der Begebenheit gefragt; wie ich es nun gehört und erkannt habe – all deine Tat ist in der Gaṅgā zunichte geworden.'

Wort für Wort
tataḥ pṛṣṭo 'si vṛttāntaṃ
deshalb wurdest du nach der Begebenheit gefragt,
śrutaṃ jñātaṃ mayā yathā
wie ich es gehört und erkannt habe,
yat kṛtyaṃ tava tat sarvaṃ
all deine (Sünden-)Tat,
gaṅgāyāṃ pratyagāt kṣayam
ist in der Gaṅgā zunichte geworden

asya tīrthasya māhātmyād asyā devyāḥ prasādataḥ / pūto 'si pratyahaṃ vatsa nātra kāryā vicāraṇā //

'Durch die Größe dieses Tīrtha, durch die Gnade dieser Göttin, bist du täglich gereinigt, mein Kind; darüber braucht kein Zweifel zu bestehen.'

Wort für Wort
asya tīrthasya māhātmyād
durch die Größe dieses Tīrtha,
asyā devyāḥ prasādataḥ
durch die Gnade dieser Göttin,
pūto 'si pratyahaṃ vatsa
bist du täglich gereinigt, mein Kind,
nātra kāryā vicāraṇā
darüber braucht kein Zweifel zu bestehen

prabhāte tava rūpāṇi sapāpāni tv aharniśam / paśye 'haṃ punar apy eva rūpaṃ tava guṇottamam //

'Deine sündenbehaftete Gestalt sehe ich vor dem morgendlichen Bad; nach dem Bad wiederum sehe ich eben deine mit den besten Eigenschaften versehene Gestalt.'

Wort für Wort
prabhāte tava rūpāṇi
am Morgen deine Gestalten,
sapāpāni tv aharniśam
sündenbehaftet, (vor dem Bad),
paśye 'haṃ punar apy eva
sehe ich, wiederum eben,
rūpaṃ tava guṇottamam
deine mit besten Eigenschaften versehene Gestalt

[Anm.: Übertragung von 'prabhāte ... aharniśam' sinngemäß, um den Kontrast der beiden Tages-Gestalten (vor/nach dem Bad) wiederzugeben.]

āgacchantaṃ tv āgoyuktaṃ gacchantaṃ tvām anāgasam / paśyāmi nityaṃ tasmāt tvaṃ pūto devyā kṛto 'dhunā //

'Kommend sehe ich dich mit Sünde behaftet, gehend aber sündenlos; das sehe ich stets, deshalb bist du jetzt von der Göttin gereinigt worden.'

Wort für Wort
āgacchantaṃ tv āgoyuktaṃ
kommend, mit Sünde behaftet,
gacchantaṃ tvām anāgasam
gehend aber sündenlos,
paśyāmi nityaṃ tasmāt tvaṃ
sehe ich dich stets, deshalb
pūto devyā kṛto 'dhunā
bist du jetzt von der Göttin gereinigt worden

tasmān na kāryaṃ te kiṃcid avaśiṣṭaṃ bhaviṣyati / iyaṃ ca mātā te vipra jñātā yā caiva bandhakī //

'Deshalb wird für dich nichts an Sühne übrig zu tun bleiben. Und diese deine Mutter, Brahmane, die als Dirne erkannt wurde –'

Wort für Wort
tasmān na kāryaṃ te kiṃcid
deshalb wird für dich nichts (an Sühne)
avaśiṣṭaṃ bhaviṣyati
übrig zu tun bleiben,
iyaṃ ca mātā te vipra
und diese deine Mutter, Brahmane,
jñātā yā caiva bandhakī
die als Dirne erkannt wurde

paścāttāpaṃ gatātyantaṃ nivṛttā tv atha pātakāt / bhūtānāṃ viṣaye prītir vatsa svābhāvikī yataḥ //

'– ist zu äußerster Reue gelangt und hat sich von der Sünde abgewandt; denn die Zuneigung zu den eigenen Geschöpfen, mein Kind, ist naturgegeben.'

Wort für Wort
paścāttāpaṃ gatātyantaṃ
zu äußerster Reue gelangt,
nivṛttā tv atha pātakāt
hat sie sich von der Sünde abgewandt,
bhūtānāṃ viṣaye prītir
die Zuneigung zu den (eigenen) Geschöpfen,
vatsa svābhāvikī yataḥ
ist, mein Kind, naturgegeben

satsaṅgato mahāpuṇyān nivṛttir daivato bhavet / atyartham anutapteyaṃ prāgācaritapuṇyataḥ //

'Durch den Umgang mit Guten, durch große Verdienste, geschieht Abwendung von der Sünde, durch göttliche Fügung; überaus reuevoll ist diese Frau geworden, durch früher geübten Verdienst.'

Wort für Wort
satsaṅgato mahāpuṇyān
durch den Umgang mit Guten, durch große Verdienste,
nivṛttir daivato bhavet
geschieht Abwendung, durch göttliche Fügung,
atyartham anutapteyaṃ
überaus reuevoll ist diese geworden,
prāgācaritapuṇyataḥ
durch früher geübten Verdienst

snānaṃ kṛtvā cātra tīrthe tataḥ pūtā bhaviṣyati / tathā tau cakratur ubhau mātāputrau ca nārada //

'Und nachdem sie an diesem Tīrtha gebadet hat, wird sie gereinigt sein.' So taten es beide, Mutter und Sohn, o Nārada.

Wort für Wort
snānaṃ kṛtvā cātra tīrthe
nachdem sie an diesem Tīrtha gebadet hat,
tataḥ pūtā bhaviṣyati
wird sie darauf gereinigt sein,
tathā tau cakratur ubhau
so taten es beide,
mātāputrau ca nārada
Mutter und Sohn, o Nārada

snānād babhūvatur ubhau gatapāpāv asaṃśayam / tataḥ prabhṛti tat tīrthaṃ dhautapāpaṃ pracakṣate //

Durch das Bad wurden beide zweifellos von Sünde befreit; seitdem nennt man jenes Tīrtha 'Dhautapāpa' (Sündenabgewaschen).

Wort für Wort
snānād babhūvatur ubhau
durch das Bad wurden beide,
gatapāpāv asaṃśayam
zweifellos von Sünde befreit,
tataḥ prabhṛti tat tīrthaṃ
seitdem jenes Tīrtha,
dhautapāpaṃ pracakṣate
nennt man 'Dhautapāpa'

pāpapraṇāśanaṃ nāma gālavaṃ ceti viśrutam / mahāpātakam alpaṃ vā tathā yac copapātakam / tat sarvaṃ nāśayed etad dhautapāpaṃ supuṇyadam //

Es ist auch als 'Pāpapraṇāśana' und als 'Gālava(-Tīrtha)' bekannt; sei es eine große Sünde oder eine geringe, oder auch eine Nebensünde – all dies vernichtet dieses 'Dhautapāpa', das großen Verdienst gewährt.

Wort für Wort
pāpapraṇāśanaṃ nāma
als 'Pāpapraṇāśana'
gālavaṃ ceti viśrutam
und als 'Gālava' ist es bekannt,
mahāpātakam alpaṃ vā
sei es eine große Sünde oder eine geringe,
tathā yac copapātakam
oder auch eine Nebensünde,
tat sarvaṃ nāśayed etad
all dies vernichtet dieses,
dhautapāpaṃ supuṇyadam
'Dhautapāpa', das großen Verdienst gewährt

[Anm.: dreizeiliger Vers unter einer Nummer.]

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