Quellen der Menschheit

Brahma-Purāṇa

Kapitel 128: tapovanaśārdūlatīrthamāhātmyavarṇanam Die Größe des Tapovana- und Śārdūla-Tīrtha (Agni, Svāhā und die Geschwister Suvarṇa/Suvarṇā)

Agnis Gattin Svāhā übt Askese um einen Sohn willen, wird aber von Agni davon abgehalten (V.1-6). Als die Götter vor der Gefahr durch Tāraka Hilfe suchen (Kārttikeya ist noch nicht geboren), schicken sie Agni in Papageiengestalt zu Śiva und Pārvatī, die sich in Zurückgezogenheit befinden; Śiva erkennt ihn und lässt einen Teil seines Samens in Agnis Maul fallen (V.7-22). Ein Teil davon, unter den Kṛttikās ausgegossen, lässt Kārttikeya entstehen; den Rest wirft Agni in seine eigene Gattin Svāhā, wodurch die Zwillinge Suvarṇa und Suvarṇā geboren werden (V.23-27), die später mit Saṃkalpā bzw. Dharma verheiratet werden (V.28). Beide Geschwister erhalten die Fähigkeit, jede beliebige Gestalt anzunehmen, und nutzen dies zu zahllosen amourösen Verwandlungen mit den Gattinnen der Götter bzw. mit Göttern selbst (V.29-35, Hymnenmetrum); Götter und Asuras verfluchen sie daraufhin zu ewiger Untreue (V.36-37). Agni sucht bei Brahma und schließlich bei Śiva Rat; Śiva erklärt, dass Suvarṇa (zugleich wörtlich 'Gold') das höchste Gut aller Welten sei und Suvarṇā mit der (notorisch wankelmütigen) Glücksgöttin Lakṣmī gleichzusetzen sei - der Fluch wird so in einen Segen umgedeutet (V.38-61). Der Dānava-Fürst Śārdūla entführt Suvarṇā nach Rasātala; Viṣṇu enthauptet ihn mit seinem Diskus und bringt sie zurück (V.62-71). Ursprung des Cakra-/Śārdūla-Tīrtha (wo der Diskus gewaschen wurde), des Śāṃkara-Vaiṣṇava-Tīrtha und der Flüsse Ānandā/Nandinī (aus Agnis Freudentränen), sowie des Tapovana-Tīrtha (wo Agni Askese übte), mit insgesamt 30000 Nebentīrthas an beiden Ufern (V.72-84). V.82 bleibt mit dem Ortsnamen 'abjakāt' unsicher.

{brahmovāca:} tapovanam iti khyātaṃ nandinīsaṃgamaṃ tathā / siddheśvaraṃ tatra tīrthaṃ gautamyā dakṣiṇe taṭe // BrP_128.1 //

Brahma sprach: Das als Tapovana bekannte [Tīrtha], ebenso den Zusammenfluss mit der Nandinī, und das dort befindliche Siddheśvara-Tīrtha am südlichen Ufer der Gautamī -

Wort für Wort
tapovanam iti khyātaṃ nandinīsaṃgamaṃ tathā
das als Tapovana bekannte [Tīrtha], ebenso den Zusammenfluss mit der Nandinī
siddheśvaraṃ tatra tīrthaṃ gautamyā dakṣiṇe taṭe
und das dort befindliche Siddheśvara-Tīrtha am südlichen Ufer der Gautamī

śārdūlaṃ ceti vikhyātaṃ teṣāṃ vṛttam idaṃ śṛṇu / yasyākarṇanamātreṇa sarvapāpaiḥ pramucyate // BrP_128.2 //

und das als Śārdūla bekannte [Tīrtha] - höre ihre Geschichte, durch deren bloßes Anhören man von aller Sünde befreit wird.

Wort für Wort
śārdūlaṃ ceti vikhyātaṃ teṣāṃ vṛttam idaṃ śṛṇu
und das als Śārdūla bekannte [Tīrtha] - höre ihre Geschichte
yasyākarṇanamātreṇa sarvapāpaiḥ pramucyate
durch deren bloßes Anhören man von aller Sünde befreit wird

agnir hotā purā tv āsīd devānāṃ havyavāhanaḥ / bhāryāṃ prāpto dakṣasutāṃ svāhānāmnīṃ surūpiṇīm // BrP_128.3 //

Agni war einst der Hotṛ-Priester, der Opferträger der Götter; er erhielt zur Gattin die Tochter Dakṣas, namens Svāhā, von schöner Gestalt.

Wort für Wort
agnir hotā purā tv āsīd devānāṃ havyavāhanaḥ
Agni war einst der Hotṛ-Priester, der Opferträger der Götter
bhāryāṃ prāpto dakṣasutāṃ svāhānāmnīṃ surūpiṇīm
er erhielt zur Gattin die Tochter Dakṣas, namens Svāhā, von schöner Gestalt

sānapatyā purā cāsīt putrārthaṃ tapa āviśat / tapaś carantīṃ vipulaṃ toṣayantīṃ hutāśanam / sa bhartā hutabhuk prāha bhāryāṃ svāhām aninditām // BrP_128.4 //

Sie war einst ohne Nachkommen und begab sich um eines Sohnes willen in Askese; als sie ausgiebige Askese übte und den Feueresser [Agni] erfreute, sprach ihr Gatte, der Opferverzehrer, zur untadeligen Gattin Svāhā:

Wort für Wort
sānapatyā purā cāsīt putrārthaṃ tapa āviśat
sie war einst ohne Nachkommen und begab sich um eines Sohnes willen in Askese
tapaś carantīṃ vipulaṃ toṣayantīṃ hutāśanam
als sie ausgiebige Askese übte und den Feueresser erfreute
sa bhartā hutabhuk prāha bhāryāṃ svāhām aninditām
sprach ihr Gatte, der Opferverzehrer, zur untadeligen Gattin Svāhā

[Anm.: Dreizeiliger Vers im Original.]

{agnir uvāca:} apatyāni bhaviṣyanti mā tapaḥ kuru śobhane //* BrP_128.5 //

Agni sprach: Nachkommen werden dir zuteilwerden, übe keine Askese, du Schöne.

Wort für Wort
apatyāni bhaviṣyanti
Nachkommen werden dir zuteilwerden
mā tapaḥ kuru śobhane
übe keine Askese, du Schöne

[Anm.: Unvollständiger Halbvers im Original.]

{brahmovāca:} etac chrutvā bhartṛvākyaṃ nivṛttā tapaso 'bhavat / strīṇām abhīṣṭadaṃ nānyad bhartṛvākyaṃ vinā kvacit // BrP_128.6 //

Brahma sprach: Als sie dieses Wort ihres Gatten hörte, ließ sie von der Askese ab; für Frauen gibt es nirgends etwas Wunscherfüllenderes als das Wort des Gatten.

Wort für Wort
etac chrutvā bhartṛvākyaṃ nivṛttā tapaso 'bhavat
als sie dieses Wort ihres Gatten hörte, ließ sie von der Askese ab
strīṇām abhīṣṭadaṃ nānyad bhartṛvākyaṃ vinā kvacit
für Frauen gibt es nirgends etwas Wunscherfüllenderes als das Wort des Gatten

tataḥ katipaye kāle tārakād bhaya āgate / anutpanne kārttikeye cirakālarahogate // BrP_128.7 //

Danach, nach einiger Zeit, als von Tāraka Gefahr drohte, während Kārttikeya noch nicht geboren war und [Śiva und Pārvatī] seit langer Zeit in Zurückgezogenheit weilten,

Wort für Wort
tataḥ katipaye kāle tārakād bhaya āgate
danach, nach einiger Zeit, als von Tāraka Gefahr drohte
anutpanne kārttikeye cirakālarahogate
während Kārttikeya noch nicht geboren war und [Śiva/Pārvatī] seit langer Zeit in Zurückgezogenheit weilten

maheśvare bhavānyā ca trastā devāḥ samāgatāḥ / devānāṃ kāryasiddhyartham agniṃ procur divaukasaḥ // BrP_128.8 //

versammelten sich die erschrockenen Götter bei Maheśvara und Bhavānī; um ihr Anliegen zu erreichen, sprachen die Himmelsbewohner zu Agni:

Wort für Wort
maheśvare bhavānyā ca trastā devāḥ samāgatāḥ
versammelten sich die erschrockenen Götter bei Maheśvara und Bhavānī
devānāṃ kāryasiddhyartham agniṃ procur divaukasaḥ
um ihr Anliegen zu erreichen, sprachen die Himmelsbewohner zu Agni

{devā ūcuḥ:} deva gaccha mahābhāga śaṃbhuṃ trailokyapūjitam / tārakād bhayam utpannaṃ śaṃbhave tvaṃ nivedaya // BrP_128.9 //

Die Götter sprachen: Geh, Gott, Hochbeglückter, zu Śambhu, dem von den drei Welten Verehrten; die von Tāraka entstandene Gefahr melde du dem Śambhu.

Wort für Wort
deva gaccha mahābhāga śaṃbhuṃ trailokyapūjitam
geh, Gott, Hochbeglückter, zu Śambhu, dem von den drei Welten Verehrten
tārakād bhayam utpannaṃ śaṃbhave tvaṃ nivedaya
die von Tāraka entstandene Gefahr melde du dem Śambhu

{agnir uvāca:} na gantavyaṃ tatra deśe daṃpatyoḥ sthitayo rahaḥ / sāmānyamātrato nyāyaḥ kiṃ punaḥ śūlapāṇini // BrP_128.10 //

Agni sprach: An jenen Ort, wo das Ehepaar sich in Zurückgezogenheit befindet, sollte man nicht gehen - das ist bei gewöhnlichen [Paaren] schon die Regel, wieviel mehr noch beim Dreizackträger.

Wort für Wort
na gantavyaṃ tatra deśe daṃpatyoḥ sthitayo rahaḥ
an jenen Ort, wo das Ehepaar sich in Zurückgezogenheit befindet, sollte man nicht gehen
sāmānyamātrato nyāyaḥ kiṃ punaḥ śūlapāṇini
das ist bei gewöhnlichen schon die Regel, wieviel mehr noch beim Dreizackträger

ekāntasthitayoḥ svairaṃ jalpator yaḥ sarāgayoḥ / daṃpatyoḥ śṛṇuyād vākyaṃ nirayāt tasya noddhṛtiḥ // BrP_128.11 //

Wer die Worte eines Ehepaares belauscht, das allein und ungestört, in Zuneigung verbunden, miteinander spricht, für den gibt es keine Rettung aus der Hölle.

Wort für Wort
ekāntasthitayoḥ svairaṃ jalpator yaḥ sarāgayoḥ
wer die Worte eines allein und ungestört, in Zuneigung verbunden sprechenden [Paares]
daṃpatyoḥ śṛṇuyād vākyaṃ nirayāt tasya noddhṛtiḥ
belauscht, für den gibt es keine Rettung aus der Hölle

sa svāmy akhilalokānāṃ mahākālas triśūlavān / nirīkṣaṇīyaḥ kena syād bhavānyā rahasi sthitaḥ // BrP_128.12 //

Er, der Herr aller Welten, der große Zeit-Gott mit dem Dreizack - wer könnte ihn anschauen, wie er mit Bhavānī im Verborgenen weilt?

Wort für Wort
sa svāmy akhilalokānāṃ mahākālas triśūlavān
er, der Herr aller Welten, der große Zeit-Gott mit dem Dreizack
nirīkṣaṇīyaḥ kena syād bhavānyā rahasi sthitaḥ
wer könnte ihn anschauen, wie er mit Bhavānī im Verborgenen weilt?

{devā ūcuḥ:} mahābhaye cānugate nyāyaḥ ko 'nv atra varṇyate / tārakād bhaya utpanne gaccha tvaṃ tārako bhavān // BrP_128.13 //

Die Götter sprachen: Wenn große Gefahr hereingebrochen ist, welche Regel könnte da noch gelten? Da die Gefahr durch Tāraka entstanden ist, geh du, sei du der Retter.

Wort für Wort
mahābhaye cānugate nyāyaḥ ko 'nv atra varṇyate
wenn große Gefahr hereingebrochen ist, welche Regel könnte da noch gelten?
tārakād bhaya utpanne gaccha tvaṃ tārako bhavān
da die Gefahr durch Tāraka entstanden ist, geh du, sei du der Retter

mahābhayābdhau sādhūnāṃ yat parārthāya jīvitam / rūpeṇānyena vā gaccha vācaṃ vada yathā tathā // BrP_128.14 //

Im Ozean großer Gefahr ist es das Leben der Guten, für andere da zu sein; geh in einer anderen Gestalt, sprich das Wort, wie es sich fügt.

Wort für Wort
mahābhayābdhau sādhūnāṃ yat parārthāya jīvitam
im Ozean großer Gefahr ist es das Leben der Guten, für andere da zu sein
rūpeṇānyena vā gaccha vācaṃ vada yathā tathā
geh in einer anderen Gestalt, sprich das Wort, wie es sich fügt

viśrāvya devavacanaṃ śaṃbhum āgaccha satvaraḥ / tato dāsyāmahe pūjām ubhayor lokayoḥ kave // BrP_128.15 //

Nachdem du Śambhu das Wort der Götter hast hören lassen, komm eilends zurück; dann werden wir dir Verehrung erweisen von seiten beider Welten, o Weiser.

Wort für Wort
viśrāvya devavacanaṃ śaṃbhum āgaccha satvaraḥ
nachdem du Śambhu das Wort der Götter hast hören lassen, komm eilends zurück
tato dāsyāmahe pūjām ubhayor lokayoḥ kave
dann werden wir dir Verehrung erweisen von seiten beider Welten, o Weiser

{brahmovāca:} śuko bhūtvā jagāmāśu devavākyād dhutāśanaḥ / yatrāsīj jagatāṃ nātho ramamāṇas tadomayā // BrP_128.16 //

Brahma sprach: Zum Papagei geworden, ging der Opferverzehrer eilends, dem Wort der Götter folgend, dorthin, wo der Herr der Welt mit Umā beim Liebesspiel weilte.

Wort für Wort
śuko bhūtvā jagāmāśu devavākyād dhutāśanaḥ
zum Papagei geworden, ging der Opferverzehrer eilends, dem Wort der Götter folgend
yatrāsīj jagatāṃ nātho ramamāṇas tadomayā
dorthin, wo der Herr der Welt mit Umā beim Liebesspiel weilte

sa bhītavad atha prāyāc chuko bhūtvā tadānalaḥ / nāśakad dvāradeśe tu praveṣṭuṃ havyavāhanaḥ // BrP_128.17 //

Wie ängstlich näherte er sich da, das Feuer, das zum Papagei geworden war; am Ort der Tür vermochte der Opferträger nicht einzutreten.

Wort für Wort
sa bhītavad atha prāyāc chuko bhūtvā tadānalaḥ
wie ängstlich näherte er sich da, das Feuer, das zum Papagei geworden war
nāśakad dvāradeśe tu praveṣṭuṃ havyavāhanaḥ
am Ort der Tür vermochte der Opferträger nicht einzutreten

tato gavākṣadeśe tu tasthau dhunvann adhomukhaḥ / taṃ dṛṣṭvā prahasañ śaṃbhur umāṃ prāha rahogataḥ // BrP_128.18 //

Da verharrte er am Ort eines Rundfensters, mit gesenktem Kopf zitternd; ihn erblickend, sprach der lachende Śambhu im Verborgenen zu Umā:

Wort für Wort
tato gavākṣadeśe tu tasthau dhunvann adhomukhaḥ
da verharrte er am Ort eines Rundfensters, mit gesenktem Kopf zitternd
taṃ dṛṣṭvā prahasañ śaṃbhur umāṃ prāha rahogataḥ
ihn erblickend, sprach der lachende Śambhu im Verborgenen zu Umā

{śaṃbhur uvāca:} paśya devi śukaṃ prāptaṃ devavākyād dhutāśanam //* BrP_128.19 //

Śambhu sprach: Sieh, Göttin, den Papagei, der gekommen ist - das Feuer, [gesandt] auf das Wort der Götter.

Wort für Wort
paśya devi śukaṃ prāptaṃ
sieh, Göttin, den Papagei, der gekommen ist
devavākyād dhutāśanam
das Feuer, [gesandt] auf das Wort der Götter

[Anm.: Unvollständiger Halbvers im Original.]

{brahmovāca:} lajjitā cāvadad devam alaṃ deveti pārvatī / puraścarantaṃ deveśo hy agniṃ taṃ dvijarūpiṇam // BrP_128.20 //

Brahma sprach: Beschämt sprach Pārvatī zum Gott: Genug, o Gott - während der Götterherr jenen Agni, der in Vogelgestalt [vor ihnen] auftrat, [weiter neckte].

Wort für Wort
lajjitā cāvadad devam alaṃ deveti pārvatī
beschämt sprach Pārvatī zum Gott: 'Genug, o Gott'
puraścarantaṃ deveśo hy agniṃ taṃ dvijarūpiṇam
während der Götterherr jenen Agni, der in Vogelgestalt auftrat, [weiter neckte]

[Anm.: Syntax der zweiten Vershälfte elliptisch, sinngemäß ergänzt.]

āhūya bahuśaś cāpi jñāto 'sy agne 'tra mā vada / vidārayasva svamukhaṃ gṛhāṇedaṃ nayasva tat // BrP_128.21 //

[Śiva sprach, ihn] wiederholt herbeirufend: Du bist erkannt, Agni, sprich hier nichts; öffne dein Maul, nimm dies entgegen und trage es fort.

Wort für Wort
āhūya bahuśaś cāpi jñāto 'sy agne 'tra mā vada
wiederholt herbeirufend: du bist erkannt, Agni, sprich hier nichts
vidārayasva svamukhaṃ gṛhāṇedaṃ nayasva tat
öffne dein Maul, nimm dies entgegen und trage es fort

ity uktvā tasya cāsye 'gne retaḥ sa prākṣipad bahu / retogarbhas tadā cāgnir gantuṃ naiva ca śaktavān // BrP_128.22 //

So sprechend, warf er [Śiva] viel Samen in Agnis Maul; von diesem Samen schwanger geworden, vermochte Agni damals nicht mehr fortzugehen.

Wort für Wort
ity uktvā tasya cāsye 'gne retaḥ sa prākṣipad bahu
so sprechend, warf er viel Samen in Agnis Maul
retogarbhas tadā cāgnir gantuṃ naiva ca śaktavān
von diesem Samen schwanger geworden, vermochte Agni damals nicht mehr fortzugehen

suranadyās tatas tīraṃ śrānto 'gnir upatasthivān / kṛttikāsu ca tad retaḥ prakṣepāt kārttiko 'bhavat // BrP_128.23 //

Erschöpft begab sich Agni zum Ufer des Götterflusses [Gaṅgā]; und durch das Ausgießen jenes Samens unter den Kṛttikās entstand Kārttika [Kārttikeya].

Wort für Wort
suranadyās tatas tīraṃ śrānto 'gnir upatasthivān
erschöpft begab sich Agni zum Ufer des Götterflusses
kṛttikāsu ca tad retaḥ prakṣepāt kārttiko 'bhavat
und durch das Ausgießen jenes Samens unter den Kṛttikās entstand Kārttika

avaśiṣṭaṃ ca yat kiṃcid agner dehe ca śāṃbhavam / tad eva reto vahnis tu svabhāryāyāṃ dvidhākṣipat // BrP_128.24 //

Was aber an Śivas [Samen] noch übrig geblieben war in Agnis Körper, eben diesen Samen warf das Feuer zweifach in seine eigene Gattin.

Wort für Wort
avaśiṣṭaṃ ca yat kiṃcid agner dehe ca śāṃbhavam
was aber an Śivas [Samen] noch übrig geblieben war in Agnis Körper
tad eva reto vahnis tu svabhāryāyāṃ dvidhākṣipat
eben diesen Samen warf das Feuer zweifach in seine eigene Gattin

svāhāyāṃ priyabhūtāyāṃ putrārthinyāṃ viśeṣataḥ / purā sāśvāsitā tena saṃtatis te bhaviṣyati // BrP_128.25 //

in Svāhā, seine geliebte [Gattin], die sich eigens einen Sohn wünschte; er hatte ihr ja einst versichert: Nachkommenschaft wird dir zuteilwerden.

Wort für Wort
svāhāyāṃ priyabhūtāyāṃ putrārthinyāṃ viśeṣataḥ
in Svāhā, seine geliebte [Gattin], die sich eigens einen Sohn wünschte
purā sāśvāsitā tena saṃtatis te bhaviṣyati
er hatte ihr ja einst versichert: Nachkommenschaft wird dir zuteilwerden

tad vahninātha saṃsmṛtya tat kṣiptaṃ śāṃbhavaṃ mahaḥ / tad agne retasas tasyāṃ jajñe mithunam uttamam // BrP_128.26 //

Dessen sich das Feuer nun erinnernd, warf es jene Śiva-Glut [in Svāhā]; aus jenem Samen Agnis entstand in ihr ein herrliches Zwillingspaar.

Wort für Wort
tad vahninātha saṃsmṛtya tat kṣiptaṃ śāṃbhavaṃ mahaḥ
dessen sich das Feuer nun erinnernd, warf es jene Śiva-Glut [in Svāhā]
tad agne retasas tasyāṃ jajñe mithunam uttamam
aus jenem Samen Agnis entstand in ihr ein herrliches Zwillingspaar

suvarṇaś ca suvarṇā ca rūpeṇāpratimaṃ bhuvi / agneḥ prītikaraṃ nityaṃ lokānāṃ prītivardhanam // BrP_128.27 //

Suvarṇa und Suvarṇā, an Schönheit unvergleichlich auf Erden, Agni beständig Freude bereitend, die Freude der Welten mehrend.

Wort für Wort
suvarṇaś ca suvarṇā ca rūpeṇāpratimaṃ bhuvi
Suvarṇa und Suvarṇā, an Schönheit unvergleichlich auf Erden
agneḥ prītikaraṃ nityaṃ lokānāṃ prītivardhanam
Agni beständig Freude bereitend, die Freude der Welten mehrend

agniḥ prītyā suvarṇāṃ tāṃ prādād dharmāya dhīmate / suvarṇasyātha putrasya saṃkalpām akarot priyām / evaṃ putrasya putryāś ca vivāham akarot kaviḥ // BrP_128.28 //

Agni gab aus Zuneigung jene Suvarṇā dem weisen Dharma [zur Frau]; und dem Sohn Suvarṇa gewährte er die geliebte Saṃkalpā [zur Frau]; so vollzog der Weise die Hochzeit von Sohn und Tochter.

Wort für Wort
agniḥ prītyā suvarṇāṃ tāṃ prādād dharmāya dhīmate
Agni gab aus Zuneigung jene Suvarṇā dem weisen Dharma
suvarṇasyātha putrasya saṃkalpām akarot priyām
und dem Sohn Suvarṇa gewährte er die geliebte Saṃkalpā
evaṃ putrasya putryāś ca vivāham akarot kaviḥ
so vollzog der Weise die Hochzeit von Sohn und Tochter

[Anm.: Dreizeiliger Vers im Original. 'Saṃkalpā' (Wunsch/Entschluss) hier wohl als Eigenname der Braut Suvarṇas aufgefasst, unsicher.]

anyonyaretovyatiṣaṅgadoṣād BrP_128.29a / agner apatyam ubhayaṃ tathaiva BrP_128.29b / putraḥ suvarṇo bahurūparūpī BrP_128.29c / rūpāṇi kṛtvā surasattamānām BrP_128.29d

Durch den Fehler der gegenseitigen Samenvermischung [entstanden] beide Kinder Agnis ebenso; der Sohn Suvarṇa, vielgestaltig, nahm die Gestalten der besten der Götter an

Wort für Wort
anyonyaretovyatiṣaṅgadoṣād
durch den Fehler der gegenseitigen Samenvermischung
agner apatyam ubhayaṃ tathaiva
entstanden beide Kinder Agnis ebenso
putraḥ suvarṇo bahurūparūpī
der Sohn Suvarṇa, vielgestaltig
rūpāṇi kṛtvā surasattamānām
nahm die Gestalten der besten der Götter an

[Anm.: Ab hier V.29-37 Hymnenmetrum, padaweise gezählt.]

indrasya vāyor dhanadasya bhāryāṃ BrP_128.30a / jaleśvarasyāpi munīśvarāṇām BrP_128.30b / bhāryās tu gacchaty aniśaṃ suvarṇo BrP_128.30c / yasyāḥ priyaṃ yac ca vapuḥ sa kṛtvā BrP_128.30d

zur Gattin Indras, Vāyus, des Schätzegottes [Kubera], auch des Wasserherrn [Varuṇa] und der Herren der Weisen geht Suvarṇa unablässig ein, indem er jeweils die Gestalt annimmt, die der [Gattin] lieb ist

Wort für Wort
indrasya vāyor dhanadasya bhāryāṃ
zur Gattin Indras, Vāyus, des Schätzegottes
jaleśvarasyāpi munīśvarāṇām
auch des Wasserherrn und der Herren der Weisen
bhāryās tu gacchaty aniśaṃ suvarṇo
geht Suvarṇa unablässig ein
yasyāḥ priyaṃ yac ca vapuḥ sa kṛtvā
indem er jeweils die Gestalt annimmt, die der [Gattin] lieb ist

yāti kvacic cāpi kaves tanūjas BrP_128.31a / tadbhartṛrūpaṃ ca pativratāsu BrP_128.31b / kṛtvāniśaṃ tābhir udārabhāvaḥ BrP_128.31c / kurvan kṛtārthaṃ madanaṃ sa reme BrP_128.31d

Auch geht bisweilen der Sohn des Weisen bei den gattentreuen Frauen in Gestalt ihres jeweiligen Gatten unablässig ein, edelmütig, und ergötzt sich, indem er das Liebesverlangen [dieser Frauen] erfüllt

Wort für Wort
yāti kvacic cāpi kaves tanūjas
auch geht bisweilen der Sohn des Weisen
tadbhartṛrūpaṃ ca pativratāsu
bei den gattentreuen Frauen in Gestalt ihres jeweiligen Gatten
kṛtvāniśaṃ tābhir udārabhāvaḥ
unablässig ein, edelmütig
kurvan kṛtārthaṃ madanaṃ sa reme
und ergötzt sich, indem er das Liebesverlangen erfüllt

kṛtvā gatā kvāpi caivaṃ suvarṇā BrP_128.32a / dharmasya bhāryāpi suvarṇanāmnī BrP_128.32b / svāhāsutā svairiṇī sā babhūva BrP_128.32c / yasyāpi yasyāpi manogatā yā BrP_128.32d

Ebenso ging Suvarṇā, die Suvarṇā genannte Gattin des Dharma, [in verschiedene Gestalten] gehend; die Tochter Svāhās wurde eigenwillig-genusssüchtig, [nahm die Gestalt an,] wer immer sie sich im Sinn erwählte

Wort für Wort
kṛtvā gatā kvāpi caivaṃ suvarṇā
ebenso ging Suvarṇā, [in verschiedene Gestalten] gehend
dharmasya bhāryāpi suvarṇanāmnī
die Suvarṇā genannte Gattin des Dharma
svāhāsutā svairiṇī sā babhūva
die Tochter Svāhās wurde eigenwillig-genusssüchtig
yasyāpi yasyāpi manogatā yā
nahm die Gestalt an, wer immer sie sich im Sinn erwählte

bhāryāsvarūpā saiva bhūtvā suvarṇā BrP_128.33a / reme patīn mānuṣān āsurāṃś ca BrP_128.33b / devān ṛṣīn pitṛrūpāṃs tathānyān BrP_128.33c / rūpaudāryasthairyagāmbhīryayuktān BrP_128.33d

In Gestalt der jeweiligen Gattin selbst, so wurde Suvarṇā, ergötzte sich mit menschlichen und dämonischen Gatten, mit Göttern, Weisen, in Ahnengestalt und anderen, die mit Schönheit, Edelmut, Standhaftigkeit und Würde ausgestattet waren

Wort für Wort
bhāryāsvarūpā saiva bhūtvā suvarṇā
in Gestalt der jeweiligen Gattin selbst, so wurde Suvarṇā
reme patīn mānuṣān āsurāṃś ca
ergötzte sich mit menschlichen und dämonischen Gatten
devān ṛṣīn pitṛrūpāṃs tathānyān
mit Göttern, Weisen, in Ahnengestalt und anderen
rūpaudāryasthairyagāmbhīryayuktān
die mit Schönheit, Edelmut, Standhaftigkeit und Würde ausgestattet waren

yābhipretā yasya devasya bhāryā BrP_128.34a / tadrūpā sā ramate tena sārdham BrP_128.34b / nānābhedaiḥ karaṇaiś cāpy anekair BrP_128.34c / ākarṣantī tanmanaḥ kāmasiddhim BrP_128.34d

Welche Gattin auch immer ein Gott begehrte, in deren Gestalt ergötzte sie sich mit ihm zusammen, durch mannigfaltige, zahlreiche Mittel dessen Sinn anziehend, zur Erfüllung des Verlangens

Wort für Wort
yābhipretā yasya devasya bhāryā
welche Gattin auch immer ein Gott begehrte
tadrūpā sā ramate tena sārdham
in deren Gestalt ergötzte sie sich mit ihm zusammen
nānābhedaiḥ karaṇaiś cāpy anekair
durch mannigfaltige, zahlreiche Mittel
ākarṣantī tanmanaḥ kāmasiddhim
dessen Sinn anziehend, zur Erfüllung des Verlangens

evaṃ suvarṇasya nirīkṣya ceṣṭām BrP_128.35a / agneḥ sūnoḥ putrikāyās tathāgneḥ BrP_128.35b / sarve ca śepuḥ kupitās tadāgneḥ BrP_128.35c / putraṃ ca putrīṃ ca surāsurās te BrP_128.35d

So, das Treiben Suvarṇas beobachtend, des Sohnes Agnis, ebenso auch das der Tochter Agnis, verfluchten alle, erzürnt, damals den Sohn und die Tochter Agnis, die Götter und Asuras

Wort für Wort
evaṃ suvarṇasya nirīkṣya ceṣṭām
so, das Treiben Suvarṇas beobachtend
agneḥ sūnoḥ putrikāyās tathāgneḥ
des Sohnes Agnis, ebenso auch das der Tochter Agnis
sarve ca śepuḥ kupitās tadāgneḥ
verfluchten alle, erzürnt, damals
putraṃ ca putrīṃ ca surāsurās te
den Sohn und die Tochter Agnis, die Götter und Asuras

{surāsurā ūcuḥ:} kṛtaṃ yad etad vyabhicārarūpaṃ BrP_128.36a / yac chadmanā vartanaṃ pāparūpam BrP_128.36b / tasmāt sutas te vyabhicāravāṃś ca BrP_128.36c / sarvatra gāmī jāyatāṃ havyavāha BrP_128.36d

Die Götter und Asuras sprachen: Was hier an ehebrecherischem Treiben geschehen ist, was an trügerischem, sündhaftem Verhalten - darum soll dein Sohn ehebrecherisch und überallhin gehend werden, o Opferträger!

Wort für Wort
kṛtaṃ yad etad vyabhicārarūpaṃ
was hier an ehebrecherischem Treiben geschehen ist
yac chadmanā vartanaṃ pāparūpam
was an trügerischem, sündhaftem Verhalten
tasmāt sutas te vyabhicāravāṃś ca
darum soll dein Sohn ehebrecherisch
sarvatra gāmī jāyatāṃ havyavāha
und überallhin gehend werden, o Opferträger

tathā suvarṇāpi na caikaniṣṭhā BrP_128.37a / bhūyād agne naikatṛptā bahūṃś ca BrP_128.37b / nānājātīn ninditān dehabhājo BrP_128.37c / bhajitrī syād eṣa doṣaś ca putryāḥ BrP_128.37d

Ebenso soll Suvarṇā nicht einem allein treu bleiben, o Agni, nicht mit einem zufrieden sein, sondern viele verschiedener, verachteter Geburt an verkörperten Wesen verehren [d.h. sich hingeben] - dies sei der Makel deiner Tochter.

Wort für Wort
tathā suvarṇāpi na caikaniṣṭhā
ebenso soll Suvarṇā nicht einem allein treu bleiben
bhūyād agne naikatṛptā bahūṃś ca
o Agni, nicht mit einem zufrieden sein, sondern viele
nānājātīn ninditān dehabhājo
verschiedener, verachteter Geburt an verkörperten Wesen
bhajitrī syād eṣa doṣaś ca putryāḥ
verehren - dies sei der Makel deiner Tochter

{brahmovāca:} ity etac chāpavacanaṃ śrutvāgnir atibhītavat / mām abhyetya tadovāca niṣkṛtiṃ vada putrayoḥ // BrP_128.38 //

Brahma sprach: Als Agni dieses Fluchwort gehört hatte, kam er, überaus erschrocken, zu mir und sprach damals: Nenne mir die Sühne für [meine] beiden Kinder.

Wort für Wort
ity etac chāpavacanaṃ śrutvāgnir atibhītavat
als Agni dieses Fluchwort gehört hatte, [kam er] überaus erschrocken
mām abhyetya tadovāca niṣkṛtiṃ vada putrayoḥ
zu mir und sprach damals: nenne mir die Sühne für [meine] beiden Kinder

tadāham abravaṃ vahne gautamīṃ gaccha śaṃkaram / stutvā tatra mahābāho nivedaya jagatpateḥ // BrP_128.39 //

Da sprach ich: Feuer, geh zur Gautamī, zu Śaṃkara; preise ihn dort, o Starkarmiger, und trage dem Herrn der Welt vor -

Wort für Wort
tadāham abravaṃ vahne gautamīṃ gaccha śaṃkaram
da sprach ich: Feuer, geh zur Gautamī, zu Śaṃkara
stutvā tatra mahābāho nivedaya jagatpateḥ
preise ihn dort, o Starkarmiger, und trage dem Herrn der Welt vor

māheśvareṇa vīryeṇa tava dehasthitena ca / evaṃvidhaṃ tv apatyaṃ te jātaṃ vahne tato bhavān // BrP_128.40 //

durch die in deinem Körper weilende Kraft Maheśvaras entstand dir, Feuer, eine solche Nachkommenschaft; darum sollst du

Wort für Wort
māheśvareṇa vīryeṇa tava dehasthitena ca
durch die in deinem Körper weilende Kraft Maheśvaras
evaṃvidhaṃ tv apatyaṃ te jātaṃ vahne tato bhavān
entstand dir, Feuer, eine solche Nachkommenschaft; darum sollst du

nivedayasva devāya devānāṃ śāpam īdṛśam / svāpatyarakṣaṇāyāsau śaṃbhuḥ śreyaḥ kariṣyati // BrP_128.41 //

dem Gott den solchermaßen [ergangenen] Fluch der Götter vortragen; zum Schutz deiner eigenen Nachkommenschaft wird jener Śambhu Segen wirken.

Wort für Wort
nivedayasva devāya devānāṃ śāpam īdṛśam
trage dem Gott den solchermaßen ergangenen Fluch der Götter vor
svāpatyarakṣaṇāyāsau śaṃbhuḥ śreyaḥ kariṣyati
zum Schutz deiner eigenen Nachkommenschaft wird jener Śambhu Segen wirken

stuhi devaṃ ca devīṃ ca bhaktyā prīto bhavec chivaḥ / tatas tv apatyaviṣaye priyān kāmān avāpsyasi // BrP_128.42 //

Preise den Gott und die Göttin mit Hingabe, damit Śiva zufrieden werde; dann wirst du hinsichtlich deiner Kinder die lieben Wünsche erlangen.

Wort für Wort
stuhi devaṃ ca devīṃ ca bhaktyā prīto bhavec chivaḥ
preise den Gott und die Göttin mit Hingabe, damit Śiva zufrieden werde
tatas tv apatyaviṣaye priyān kāmān avāpsyasi
dann wirst du hinsichtlich deiner Kinder die lieben Wünsche erlangen

tato madvacanād agnir gaṅgāṃ gatvā maheśvaram / tuṣṭāva niyato vākyaiḥ stutibhir vedasaṃmitaiḥ // BrP_128.43 //

Da ging Agni auf mein Wort hin zur Gaṅgā und pries, gesammelt, den großen Herrn mit vedagemäßen Lobpreisungen.

Wort für Wort
tato madvacanād agnir gaṅgāṃ gatvā maheśvaram
da ging Agni auf mein Wort hin zur Gaṅgā, zum großen Herrn
tuṣṭāva niyato vākyaiḥ stutibhir vedasaṃmitaiḥ
und pries, gesammelt, mit vedagemäßen Lobpreisungen

{agnir uvāca:} viśvasya jagato dhātā viśvamūrtir nirañjanaḥ / ādikartā svayaṃbhūś ca taṃ namāmi jagatpatim // BrP_128.44 //

Agni sprach: Dem Träger der ganzen Welt, dessen Gestalt das All ist, dem Makellosen, dem Erst-Schöpfer und Selbstentstandenen - ihm, dem Herrn der Welt, huldige ich.

Wort für Wort
viśvasya jagato dhātā viśvamūrtir nirañjanaḥ
dem Träger der ganzen Welt, dessen Gestalt das All ist, dem Makellosen
ādikartā svayaṃbhūś ca taṃ namāmi jagatpatim
dem Erst-Schöpfer und Selbstentstandenen - ihm, dem Herrn der Welt, huldige ich

yo 'gnir bhūtvā saṃharati sraṣṭā vai jalarūpataḥ / sūryarūpeṇa yaḥ pāti taṃ namāmi ca tryambakam // BrP_128.45 //

Der, zum Feuer geworden, vernichtet, der als Schöpfer in Wassergestalt [erscheint], der in Sonnengestalt beschützt - ihm, dem Dreiäugigen, huldige ich.

Wort für Wort
yo 'gnir bhūtvā saṃharati sraṣṭā vai jalarūpataḥ
der, zum Feuer geworden, vernichtet, der als Schöpfer in Wassergestalt erscheint
sūryarūpeṇa yaḥ pāti taṃ namāmi ca tryambakam
der in Sonnengestalt beschützt - ihm, dem Dreiäugigen, huldige ich

{brahmovāca:} tataḥ prasanno bhagavān anantaḥ śaṃbhur avyayaḥ / vareṇa cchandayām āsa pāvakaṃ surapūjitam // BrP_128.46 //

Brahma sprach: Da, zufrieden, bot der unendliche, unvergängliche, erhabene Śambhu dem von den Göttern verehrten Feuer einen Wunsch an.

Wort für Wort
tataḥ prasanno bhagavān anantaḥ śaṃbhur avyayaḥ
da, zufrieden, der unendliche, unvergängliche, erhabene Śambhu
vareṇa cchandayām āsa pāvakaṃ surapūjitam
bot dem von den Göttern verehrten Feuer einen Wunsch an

sa vinītaḥ śivaṃ prāha tava vīryaṃ mayi sthitam / tena jātaḥ suto ramyaḥ suvarṇo lokaviśrutaḥ // BrP_128.47 //

Er sprach demütig zu Śiva: Deine Kraft weilte in mir; dadurch entstand [mir] der liebliche, in der Welt berühmte Sohn Suvarṇa,

Wort für Wort
sa vinītaḥ śivaṃ prāha tava vīryaṃ mayi sthitam
er sprach demütig zu Śiva: deine Kraft weilte in mir
tena jātaḥ suto ramyaḥ suvarṇo lokaviśrutaḥ
dadurch entstand [mir] der liebliche, in der Welt berühmte Sohn Suvarṇa

tathā suvarṇā putrī ca tasmād eva jagatprabho / anyonyavīryasaṅgāc ca taddoṣād ubhayaṃ tv idam // BrP_128.48 //

und ebenso die Tochter Suvarṇā, ebendaher, o Herr der Welt; durch die gegenseitige Vermischung der Samen und durch diesen Fehler [entstand] beides.

Wort für Wort
tathā suvarṇā putrī ca tasmād eva jagatprabho
und ebenso die Tochter Suvarṇā, ebendaher, o Herr der Welt
anyonyavīryasaṅgāc ca taddoṣād ubhayaṃ tv idam
durch die gegenseitige Vermischung der Samen und durch diesen Fehler [entstand] beides

vyabhicārāt sadoṣaṃ ca apatyam abhavac chiva / śāpaṃ daduḥ surāḥ sarve tayoḥ śāntiṃ kuru prabho // BrP_128.49 //

Durch Ehebruch fehlerbehaftet wurde die Nachkommenschaft, o Śiva; alle Götter sprachen den Fluch aus - bewirke, Herr, ihren Frieden.

Wort für Wort
vyabhicārāt sadoṣaṃ ca apatyam abhavac chiva
durch Ehebruch fehlerbehaftet wurde die Nachkommenschaft, o Śiva
śāpaṃ daduḥ surāḥ sarve tayoḥ śāntiṃ kuru prabho
alle Götter sprachen den Fluch aus - bewirke, Herr, ihren Frieden

tadagnivacanāc chaṃbhuḥ provācedaṃ śubhodayam //* BrP_128.50 //

Auf dieses Wort Agnis hin sprach Śambhu dieses Heilbringende:

Wort für Wort
tadagnivacanāc chaṃbhuḥ
auf dieses Wort Agnis hin sprach Śambhu
provācedaṃ śubhodayam
dieses Heilbringende

[Anm.: Unvollständiger Halbvers im Original.]

{śaṃbhur uvāca:} madvīryād abhavat tvattaḥ suvarṇo bhūrivikramaḥ / samagrā ṛddhayaḥ sarvāḥ suvarṇe 'smin samāhitāḥ // BrP_128.51 //

Śambhu sprach: Aus meiner Kraft entstand von dir der überaus kraftvolle Suvarṇa; alle Arten von Wohlstand sind in diesem Suvarṇa versammelt.

Wort für Wort
madvīryād abhavat tvattaḥ suvarṇo bhūrivikramaḥ
aus meiner Kraft entstand von dir der überaus kraftvolle Suvarṇa
samagrā ṛddhayaḥ sarvāḥ suvarṇe 'smin samāhitāḥ
alle Arten von Wohlstand sind in diesem Suvarṇa versammelt

bhaviṣyanti na saṃdeho vahne śṛṇu vaco mama / trayāṇām api lokānāṃ pāvanaḥ sa bhaviṣyati // BrP_128.52 //

sie werden [in ihm versammelt] sein, kein Zweifel, Feuer, höre mein Wort; er wird der Reiniger auch der drei Welten sein.

Wort für Wort
bhaviṣyanti na saṃdeho vahne śṛṇu vaco mama
sie werden [darin versammelt] sein, kein Zweifel, Feuer, höre mein Wort
trayāṇām api lokānāṃ pāvanaḥ sa bhaviṣyati
er wird der Reiniger auch der drei Welten sein

sa eva cāmṛtaṃ loke sa eva suravallabhaḥ / sa eva bhuktimuktī ca sa eva makhadakṣiṇā // BrP_128.53 //

Er allein ist der Nektar in der Welt, er allein ist der den Göttern Liebe; er allein ist Genuss und Erlösung, er allein ist die Opfergabe (Dakṣiṇā) beim Opfer.

Wort für Wort
sa eva cāmṛtaṃ loke sa eva suravallabhaḥ
er allein ist der Nektar in der Welt, er allein ist der den Göttern Liebe
sa eva bhuktimuktī ca sa eva makhadakṣiṇā
er allein ist Genuss und Erlösung, er allein ist die Opfergabe beim Opfer

sa eva rūpaṃ sarvasya gurūṇām apy asau guruḥ / vīryaṃ śreṣṭhatamaṃ vidyād vīryaṃ matto yad uttamam // BrP_128.54 //

Er allein ist die Schönheit von allem, er ist der Lehrer selbst der Lehrer; man wisse, dass diese Kraft die höchste Kraft ist, die höchste, die von mir [ausgeht].

Wort für Wort
sa eva rūpaṃ sarvasya gurūṇām apy asau guruḥ
er allein ist die Schönheit von allem, er ist der Lehrer selbst der Lehrer
vīryaṃ śreṣṭhatamaṃ vidyād vīryaṃ matto yad uttamam
man wisse, dass diese Kraft die höchste Kraft ist, die von mir ausgeht

viśeṣatas tvayi kṣiptaṃ tasya kā syād vicāraṇā / hīnaṃ tena vinā sarvaṃ saṃpūrṇās tena saṃpadaḥ // BrP_128.55 //

Zumal er in dich hineingelegt wurde - welchen Zweifel könnte es daran geben? Ohne ihn ist alles unvollständig, durch ihn werden [alle] Reichtümer vollständig.

Wort für Wort
viśeṣatas tvayi kṣiptaṃ tasya kā syād vicāraṇā
zumal er in dich hineingelegt wurde - welchen Zweifel könnte es daran geben?
hīnaṃ tena vinā sarvaṃ saṃpūrṇās tena saṃpadaḥ
ohne ihn ist alles unvollständig, durch ihn werden alle Reichtümer vollständig

jīvanto 'pi mṛtāḥ sarve suvarṇena vinā narāḥ / nirguṇo 'pi dhanī mānyaḥ saguṇo 'py adhano nahi // BrP_128.56 //

Auch lebend sind alle Menschen ohne Suvarṇa [Gold] wie tote; ein Reicher ohne [gute] Eigenschaften wird geachtet, ein Tugendhafter ohne Reichtum aber nicht.

Wort für Wort
jīvanto 'pi mṛtāḥ sarve suvarṇena vinā narāḥ
auch lebend sind alle Menschen ohne Suvarṇa [Gold] wie tote
nirguṇo 'pi dhanī mānyaḥ saguṇo 'py adhano nahi
ein Reicher ohne gute Eigenschaften wird geachtet, ein Tugendhafter ohne Reichtum aber nicht

[Anm.: 'Suvarṇa' hier zugleich in seiner wörtlichen Bedeutung 'Gold' zu verstehen.]

tasmān nātaḥ paraṃ kiṃcit suvarṇād dhi bhaviṣyati / tathā caiṣā suvarṇāpi syād utkṛṣṭāpi cañcalā // BrP_128.57 //

Darum wird es nichts geben, das höher ist als Suvarṇa [Gold]; ebenso wird auch diese Suvarṇā [selbst], obwohl vorzüglich, wankelmütig sein.

Wort für Wort
tasmān nātaḥ paraṃ kiṃcit suvarṇād dhi bhaviṣyati
darum wird es nichts geben, das höher ist als Suvarṇa
tathā caiṣā suvarṇāpi syād utkṛṣṭāpi cañcalā
ebenso wird auch diese Suvarṇā, obwohl vorzüglich, wankelmütig sein

[Anm.: 'cañcalā' (wankelmütig) ist ein Standardepitheton der Glücksgöttin Śrī/Lakṣmī - Suvarṇā wird hier implizit mit ihr gleichgesetzt.]

anayā vīkṣitaṃ sarvaṃ nyūnaṃ pūrṇaṃ bhaviṣyati / tapasā japahomaiś ca yeyaṃ prāpyā jagattraye // BrP_128.58 //

Alles, was von ihr angeblickt wird, wird, mag es unvollständig sein, vollständig werden; sie, die durch Askese, Murmelgebet und Feueropfer in den drei Welten erlangt werden kann -

Wort für Wort
anayā vīkṣitaṃ sarvaṃ nyūnaṃ pūrṇaṃ bhaviṣyati
alles, was von ihr angeblickt wird, wird, mag es unvollständig sein, vollständig werden
tapasā japahomaiś ca yeyaṃ prāpyā jagattraye
sie, die durch Askese, Murmelgebet und Feueropfer in den drei Welten erlangt werden kann

tasyāḥ prabhāvaṃ prāśastyam agne kiṃcic ca kīrtyate / sarvatra yā tu saṃtiṣṭhed āyātu vicariṣyati // BrP_128.59 //

ihre Macht und Vortrefflichkeit, Agni, wird hier ein wenig verkündet; sie, die sich überall aufhält, möge kommen [und hier] weilen.

Wort für Wort
tasyāḥ prabhāvaṃ prāśastyam agne kiṃcic ca kīrtyate
ihre Macht und Vortrefflichkeit, Agni, wird hier ein wenig verkündet
sarvatra yā tu saṃtiṣṭhed āyātu vicariṣyati
sie, die sich überall aufhält, möge kommen und hier weilen

suvarṇā kamalā sākṣāt pavitrā ca bhaviṣyati / adya prabhṛty ātmajayos tathā svairaṃ viceṣṭatoḥ // BrP_128.60 //

Suvarṇā wird die leibhaftige Kamalā [Lakṣmī] sein, und rein wird sie sein; von heute an mögen deine beiden Kinder, so nach eigenem Willen handelnd,

Wort für Wort
suvarṇā kamalā sākṣāt pavitrā ca bhaviṣyati
Suvarṇā wird die leibhaftige Kamalā [Lakṣmī] sein, und rein wird sie sein
adya prabhṛty ātmajayos tathā svairaṃ viceṣṭatoḥ
von heute an mögen deine beiden Kinder, so nach eigenem Willen handelnd

tathāpi caitayoḥ puṇyaṃ na bhūtaṃ na bhaviṣyati //* BrP_128.61 //

dennoch [gilt]: kein größeres Verdienst als das ihrige ist je gewesen oder wird je sein.

Wort für Wort
tathāpi caitayoḥ puṇyaṃ
dennoch: das Verdienst der beiden
na bhūtaṃ na bhaviṣyati
ist [größer] weder gewesen noch wird es sein

[Anm.: Unvollständiger Halbvers im Original. Śiva erklärt damit den scheinbaren Makel des Fluchs für aufgehoben - Gold/Lakṣmī, überallhin wandernd, gilt als höchstes Verdienst.]

{brahmovāca:} evam uktvā tataḥ śaṃbhuḥ sākṣāt tatrābhavac chivaḥ / liṅgarūpeṇa sarveṣāṃ lokānāṃ hitakāmyayā // BrP_128.62 //

Brahma sprach: Nachdem er so gesprochen hatte, erschien Śambhu dort leibhaftig als Śiva, in Liṅga-Gestalt, zum Wohle aller Welten.

Wort für Wort
evam uktvā tataḥ śaṃbhuḥ sākṣāt tatrābhavac chivaḥ
nachdem er so gesprochen hatte, erschien Śambhu dort leibhaftig als Śiva
liṅgarūpeṇa sarveṣāṃ lokānāṃ hitakāmyayā
in Liṅga-Gestalt, zum Wohle aller Welten

varān prāpya sutābhyāṃ sa agnis tuṣṭo 'bhavat tataḥ / svabhartrā ca suvarṇā sā dharmeṇāgnisutā mudā // BrP_128.63 //

Nachdem er die Gaben für seine beiden Kinder erhalten hatte, war Agni fortan zufrieden; und jene Suvarṇā, die Tochter Agnis, [lebte] mit Freude mit ihrem Gatten Dharma.

Wort für Wort
varān prāpya sutābhyāṃ sa agnis tuṣṭo 'bhavat tataḥ
nachdem er die Gaben für seine beiden Kinder erhalten hatte, war Agni fortan zufrieden
svabhartrā ca suvarṇā sā dharmeṇāgnisutā mudā
und jene Suvarṇā, die Tochter Agnis, [lebte] mit Freude mit ihrem Gatten Dharma

vartayām āsa putro 'pi vahneḥ saṃkalpayā mudā / etasminn antare svarṇām agner duhitaraṃ mune // BrP_128.64 //

Auch der Sohn des Feuers lebte mit Freude mit Saṃkalpā zusammen. Währenddessen [entführte] die Tochter Agnis, Svarṇā, o Weiser,

Wort für Wort
vartayām āsa putro 'pi vahneḥ saṃkalpayā mudā
auch der Sohn des Feuers lebte mit Freude mit Saṃkalpā zusammen
etasminn antare svarṇām agner duhitaraṃ mune
währenddessen [geschah mit] der Tochter Agnis, Svarṇā, o Weiser

[Anm.: Satz setzt sich in V.65 fort.]

paribhūya ca dharmaṃ taṃ śārdūlo dānaveśvaraḥ / aharad bhāgyasaubhāgya-vilāsavasatiṃ chalāt // BrP_128.65 //

nachdem er den Dharma missachtet hatte, der Dānava-Herrscher Śārdūla, [und] entführte durch List die Wohnstatt von Glück, Anmut und Liebreiz.

Wort für Wort
paribhūya ca dharmaṃ taṃ śārdūlo dānaveśvaraḥ
nachdem er den Dharma missachtet hatte, der Dānava-Herrscher Śārdūla
aharad bhāgyasaubhāgyavilāsavasatiṃ chalāt
entführte durch List die Wohnstatt von Glück, Anmut und Liebreiz [Suvarṇā]

nītā rasātalaṃ tena suvarṇā lokaviśrutā / jāmātāgneḥ sa dharmaś ca agniś caiva sa havyavāṭ // BrP_128.66 //

Von ihm wurde die in der Welt berühmte Suvarṇā nach Rasātala geführt; [darauf wandten sich] jener Dharma, Agnis Schwiegersohn, und eben jener Opferträger Agni,

Wort für Wort
nītā rasātalaṃ tena suvarṇā lokaviśrutā
von ihm wurde die in der Welt berühmte Suvarṇā nach Rasātala geführt
jāmātāgneḥ sa dharmaś ca agniś caiva sa havyavāṭ
jener Dharma, Agnis Schwiegersohn, und eben jener Opferträger Agni

viṣṇave lokanāthāya stutvā caiva punaḥ punaḥ / kāryavijñāpanaṃ cobhau cakratuḥ prabhaviṣṇave // BrP_128.67 //

immer wieder Viṣṇu preisend, dem Herrn der Welt, und beide trugen dem mächtigen Viṣṇu ihr Anliegen vor.

Wort für Wort
viṣṇave lokanāthāya stutvā caiva punaḥ punaḥ
immer wieder Viṣṇu preisend, dem Herrn der Welt
kāryavijñāpanaṃ cobhau cakratuḥ prabhaviṣṇave
und beide trugen dem mächtigen Viṣṇu ihr Anliegen vor

tataś cakreṇa ciccheda śārdūlasya śiro hariḥ / sānītā viṣṇunā devī suvarṇā lokasundarī // BrP_128.68 //

Da schnitt Hari mit seinem Diskus dem Śārdūla das Haupt ab; die Göttin Suvarṇā, die Schönheit der Welt, wurde von Viṣṇu zurückgebracht.

Wort für Wort
tataś cakreṇa ciccheda śārdūlasya śiro hariḥ
da schnitt Hari mit seinem Diskus dem Śārdūla das Haupt ab
sānītā viṣṇunā devī suvarṇā lokasundarī
die Göttin Suvarṇā, die Schönheit der Welt, wurde von Viṣṇu zurückgebracht

maheśvarasutā caiva agneś caiva tathā priyā / maheśvarāya tāṃ viṣṇur darśayām āsa nārada // BrP_128.69 //

Sie, die Tochter Maheśvaras und ebenso die geliebte [Tochter] Agnis - Viṣṇu zeigte sie dem Maheśvara, o Nārada.

Wort für Wort
maheśvarasutā caiva agneś caiva tathā priyā
sie, die Tochter Maheśvaras und ebenso die geliebte Tochter Agnis
maheśvarāya tāṃ viṣṇur darśayām āsa nārada
Viṣṇu zeigte sie dem Maheśvara, o Nārada

prīto 'bhavan maheśo 'pi sasvaje tāṃ punaḥ punaḥ / cakraṃ prakṣālitaṃ yatra śārdūlacchedi dīptimat // BrP_128.70 //

Auch Maheśa war erfreut und umarmte sie immer wieder; wo der leuchtende, Śārdūla zerteilende Diskus gewaschen wurde,

Wort für Wort
prīto 'bhavan maheśo 'pi sasvaje tāṃ punaḥ punaḥ
auch Maheśa war erfreut und umarmte sie immer wieder
cakraṃ prakṣālitaṃ yatra śārdūlacchedi dīptimat
wo der leuchtende, Śārdūla zerteilende Diskus gewaschen wurde

cakratīrthaṃ tu vikhyātaṃ śārdūlaṃ ceti tad viduḥ / yatra nītā suvarṇā sā viṣṇunā śaṃkarāntikam // BrP_128.71 //

das ist als Cakra-Tīrtha bekannt, und man kennt es auch als Śārdūla[-Tīrtha]; wo jene Suvarṇā von Viṣṇu in die Nähe Śaṃkaras gebracht wurde,

Wort für Wort
cakratīrthaṃ tu vikhyātaṃ śārdūlaṃ ceti tad viduḥ
das ist als Cakra-Tīrtha bekannt, und man kennt es auch als Śārdūla-Tīrtha
yatra nītā suvarṇā sā viṣṇunā śaṃkarāntikam
wo jene Suvarṇā von Viṣṇu in die Nähe Śaṃkaras gebracht wurde

tat tīrthaṃ śāṃkaraṃ jñeyaṃ vaiṣṇavaṃ siddham eva tu / yatrānandam anuprāpto hy agnir dharmaś ca śāśvataḥ // BrP_128.72 //

jenes Tīrtha ist als Śāṃkara-Vaiṣṇava-Tīrtha zu wissen, wahrhaft vollkommen; wo Agni und der ewige Dharma Freude (Ānanda) erlangten,

Wort für Wort
tat tīrthaṃ śāṃkaraṃ jñeyaṃ vaiṣṇavaṃ siddham eva tu
jenes Tīrtha ist als Śāṃkara-Vaiṣṇava-Tīrtha zu wissen, wahrhaft vollkommen
yatrānandam anuprāpto hy agnir dharmaś ca śāśvataḥ
wo Agni und der ewige Dharma Freude erlangten

ānandāśrūṇi nyapatan yatrāgner munisattama / ānandeti nadī jātā tathā vai nandinīti ca // BrP_128.73 //

wo Agnis Freudentränen fielen, o bester der Weisen, dort entstand ein Fluss namens Ānandā, ebenso auch Nandinī genannt.

Wort für Wort
ānandāśrūṇi nyapatan yatrāgner munisattama
wo Agnis Freudentränen fielen, o bester der Weisen
ānandeti nadī jātā tathā vai nandinīti ca
dort entstand ein Fluss namens Ānandā, ebenso auch Nandinī genannt

tasyāś ca saṃgamaḥ puṇyo gaṅgāyāṃ tatra vai śivaḥ / tatraiva saṃgame sākṣāt suvarṇādyāpi saṃsthitā // BrP_128.74 //

Dessen Zusammenfluss mit der Gaṅgā ist dort heilvoll; genau an diesem Zusammenfluss weilt Suvarṇā leibhaftig noch heute,

Wort für Wort
tasyāś ca saṃgamaḥ puṇyo gaṅgāyāṃ tatra vai śivaḥ
dessen Zusammenfluss mit der Gaṅgā ist dort heilvoll
tatraiva saṃgame sākṣāt suvarṇādyāpi saṃsthitā
genau an diesem Zusammenfluss weilt Suvarṇā leibhaftig noch heute

dākṣāyaṇī saiva śivā āgneyī ceti viśrutā / ambikā jagadādhārā śivā kātyāyanīśvarī // BrP_128.75 //

sie selbst, bekannt als Dākṣāyaṇī, als Śivā, als Āgneyī, als Ambikā, die Stütze der Welt, als Śivā, als Herrin Kātyāyanī,

Wort für Wort
dākṣāyaṇī saiva śivā āgneyī ceti viśrutā
sie selbst, bekannt als Dākṣāyaṇī, als Śivā, als Āgneyī
ambikā jagadādhārā śivā kātyāyanīśvarī
als Ambikā, die Stütze der Welt, als Śivā, als Herrin Kātyāyanī

bhaktābhīṣṭapradā nityam alaṃkṛtyobhayaṃ taṭam / tapas tepe yatra cāgnis tat tīrthaṃ tu tapovanam // BrP_128.76 //

die den Gläubigen stets ihr Verlangtes gewährt, beide Ufer schmückend; wo Agni Askese übte, jenes Tīrtha ist das Tapovana.

Wort für Wort
bhaktābhīṣṭapradā nityam alaṃkṛtyobhayaṃ taṭam
die den Gläubigen stets ihr Verlangtes gewährt, beide Ufer schmückend
tapas tepe yatra cāgnis tat tīrthaṃ tu tapovanam
wo Agni Askese übte, jenes Tīrtha ist das Tapovana

evamādīni tīrthāni tīrayor ubhayor mune / teṣu snānaṃ ca dānaṃ ca sarvakāmapradaṃ śubham // BrP_128.77 //

Solcherlei Tīrthas gibt es an beiden Ufern, o Weiser; das Baden und Spenden dort ist heilvoll, alle Wünsche erfüllend.

Wort für Wort
evamādīni tīrthāni tīrayor ubhayor mune
solcherlei Tīrthas gibt es an beiden Ufern, o Weiser
teṣu snānaṃ ca dānaṃ ca sarvakāmapradaṃ śubham
das Baden und Spenden dort ist heilvoll, alle Wünsche erfüllend

uttare caiva pāre ca sahasrāṇi caturdaśa / dakṣiṇe ca tathā pāre sahasrāṇy atha ṣoḍaśa // BrP_128.78 //

Am nördlichen Ufer sind es vierzehntausend, am südlichen Ufer ebenso sechzehntausend.

Wort für Wort
uttare caiva pāre ca sahasrāṇi caturdaśa
am nördlichen Ufer sind es vierzehntausend
dakṣiṇe ca tathā pāre sahasrāṇy atha ṣoḍaśa
am südlichen Ufer ebenso sechzehntausend

tatra tatra ca tīrthāni sābhijñānāni santi vai / nāmāni ca pṛthak santi saṃkṣepāt tan mayocyate // BrP_128.79 //

Hier und da gibt es Tīrthas mit eigenen Kennzeichen, und sie haben je eigene Namen; dies wird von mir zusammenfassend genannt.

Wort für Wort
tatra tatra ca tīrthāni sābhijñānāni santi vai
hier und da gibt es Tīrthas mit eigenen Kennzeichen
nāmāni ca pṛthak santi saṃkṣepāt tan mayocyate
und sie haben je eigene Namen; dies wird von mir zusammenfassend genannt

etāni yaś ca śṛṇuyād yaś ca vā paṭhati smaret / sarveṣu tatra kāmyeṣu paripūrṇo bhaven naraḥ // BrP_128.80 //

Wer diese hört, oder wer sie liest oder sich ihrer erinnert, der Mensch wird in allen dortigen Wünschen erfüllt sein.

Wort für Wort
etāni yaś ca śṛṇuyād yaś ca vā paṭhati smaret
wer diese hört, oder wer sie liest oder sich ihrer erinnert
sarveṣu tatra kāmyeṣu paripūrṇo bhaven naraḥ
der Mensch wird in allen dortigen Wünschen erfüllt sein

etad vṛttaṃ tu yo jñātvā tatra snānādikaṃ caret / lakṣmīvāñ jāyate nityaṃ dharmavāṃś ca viśeṣataḥ // BrP_128.81 //

Wer aber, diese Geschichte kennend, dort das Baden usw. vollzieht, wird stets mit Glück (Lakṣmī) und insbesondere mit Rechtschaffenheit ausgestattet geboren.

Wort für Wort
etad vṛttaṃ tu yo jñātvā tatra snānādikaṃ caret
wer aber, diese Geschichte kennend, dort das Baden usw. vollzieht
lakṣmīvāñ jāyate nityaṃ dharmavāṃś ca viśeṣataḥ
wird stets mit Glück und insbesondere mit Rechtschaffenheit ausgestattet geboren

abjakāt paścime tīrthaṃ tac chārdūlam udāhṛtam / vārāṇasyāditīrthebhyaḥ sarvebhyo hy adhikaṃ bhavet // BrP_128.82 //

Westlich von Abjaka [?] liegt jenes als Śārdūla bezeichnete Tīrtha; es übertrifft sogar alle Tīrthas, angefangen mit Vārāṇasī.

Wort für Wort
abjakāt paścime tīrthaṃ tac chārdūlam udāhṛtam
westlich von Abjaka liegt jenes als Śārdūla bezeichnete Tīrtha
vārāṇasyāditīrthebhyaḥ sarvebhyo hy adhikaṃ bhavet
es übertrifft sogar alle Tīrthas, angefangen mit Vārāṇasī

[?] [Anm.: 'abjakāt' bleibt als Ortsbezug unsicher.]

tatra snātvā pitṝn devān vandate tarpayaty api / sarvapāpavinirmukto viṣṇuloke mahīyate // BrP_128.83 //

Wer dort gebadet hat, verehrt die Ahnen und Götter und spendet ihnen Wasser; von aller Sünde befreit, wird er in Viṣṇus Welt hoch geachtet.

Wort für Wort
tatra snātvā pitṝn devān vandate tarpayaty api
wer dort gebadet hat, verehrt die Ahnen und Götter und spendet ihnen Wasser
sarvapāpavinirmukto viṣṇuloke mahīyate
von aller Sünde befreit, wird er in Viṣṇus Welt hoch geachtet

tapovanāc ca śārdūlān madhye tīrthāny aśeṣataḥ / tasyaikaikasya māhātmyaṃ na kenāpy atra varṇyate // BrP_128.84 //

Zwischen Tapovana und Śārdūla [liegen] restlos [weitere] Tīrthas; die Größe eines jeden einzelnen davon wird hier von niemandem [vollständig] beschrieben.

Wort für Wort
tapovanāc ca śārdūlān madhye tīrthāny aśeṣataḥ
zwischen Tapovana und Śārdūla liegen restlos weitere Tīrthas
tasyaikaikasya māhātmyaṃ na kenāpy atra varṇyate
die Größe eines jeden einzelnen davon wird hier von niemandem vollständig beschrieben

[Anm.: Schließt die Kapitelerzählung ab.]

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