Kapitel 63: indradyumnasaromāhātmyajyeṣṭhamāsamāhātmyavarṇanam
Die Größe des Indradyumna-Sees und die Begründung der besonderen Heiligkeit des Monats Jyeṣṭha
Nach der Meeres-Verehrung folgt die Beschreibung des Indradyumna-Sees (entstanden aus einem Bestandteil von Indradyumnas Pferdeopfer) mit eigenem Bade-Mantra und der Frucht von zehn Pferdeopfern. Auf die Frage der Weisen, warum Brahmā gerade den Monat Jyeṣṭha vor allen anderen preist, folgt die Erklärung: alle heiligen Gewässer der Erde versammeln sich sieben Tage lang, beginnend mit Jyeṣṭha-śukla-daśamī (der 'Daśaharā' genannten zehn-Sünden-tilgenden Tag), sichtbar am Puruṣottama-Kṣetra. Es folgt ein Kalender besonders verdienstvoller Anblicks-Tage: die Sonnenwenden, das Dolāyātrā-Schaukelfest im Phālguna, der Tag der Tagundnachtgleiche, eine Tṛtīyā-Feier im Vaiśākha und ein Tag im Jyeṣṭha unter dem Mondhaus Jyeṣṭhā.
Brahmā sprach: Danach soll man, ihr besten der Zweifachgeborenen, zur Pilgerstätte gehen, die aus einem Opfer-Bestandteil (Yajñāṅga) entstanden ist, [genannt] „Indradyumna-See“, wo sie sich befindet, reinigend, günstig.
Wort für Wort
tataḥ gacchet dvijaśreṣṭhāḥ
danach soll man gehen, ihr besten der Zweifachgeborenen
tīrtham yajñāṅgasaṃbhavam
zur aus einem Opfer-Bestandteil entstandenen Pilgerstätte
gatvā tatra śucir dhīmān ācamya manasā harim / dhyātvopasthāya ca jalam imaṃ mantram udīrayet // BrP_63.2 //
Nachdem der Weise dorthin gegangen ist, rein, die Ācamana-Handlung vollzogen, im Geiste Hari bedacht und sich dem Wasser genähert hat, soll er dieses Mantra sprechen:
aśvamedhāṅgasaṃbhūta tīrtha sarvāghanāśana / snānaṃ tvayi karomy adya pāpaṃ hara namo 'stu te // BrP_63.3 //
‚O aus einem Aśvamedha-Bestandteil entstandene Pilgerstätte, alle Sünde vernichtend – ich vollziehe heute in dir das Bad; nimm die Sünde hinweg, Verehrung sei dir.‘
Wort für Wort
aśvamedhāṅgasaṃbhūta tīrtha
o aus einem Aśvamedha-Bestandteil entstandene Pilgerstätte
Nachdem man so vorschriftsgemäß gesprochen, gebadet, die Götter, Seher, Vorfahren und andere mit Sesam-Wasser gesättigt (Tarpaṇa) und schweigend die Ācamana vollzogen hat,
Nachdem er sieben jüngere und sieben ältere Generationen seiner Sippe emporgehoben hat, gelangt er, gottgleich, mit einem nach Belieben fliegenden Himmelswagen, zur Welt Viṣṇus.
bhuktvā tatra sukhān bhogān yāvac candrārkatārakam / cyutas tasmād ihāyāto mokṣaṃ ca labhate dhruvam // BrP_63.7 //
Nachdem er dort glückliche Genüsse genossen hat, solange Mond, Sonne und Sterne [bestehen], und von dort herabgefallen hierher zurückgekehrt ist, erlangt er sicherlich die Erlösung.
Wer so, nachdem er die Pañcatīrthī[-Wallfahrt] vollzogen und am Ekādaśī[-Tag] gefastet hat, am fünfzehnten [Tag] der hellen Monatshälfte des Jyeṣṭha[-Monats] den Puruṣottama erblickt,
Wort für Wort
evam kṛtvā pañcatīrthīm
so die Pañcatīrthī[-Wallfahrt] vollzogen habend
ekādaśyām upoṣitaḥ
am Ekādaśī[-Tag] gefastet habend
jyeṣṭhaśuklapañcadaśyām
am fünfzehnten der hellen Monatshälfte des Jyeṣṭha
der erlangt die zuvor genannte Frucht und gelangt, nachdem er in der Wohnstatt des Acyuta gespielt hat, zur höchsten Stätte, von der aus er nicht wieder zurückkehrt.
Die Weisen sprachen: Warum preist du, andere Monate übergehend – Māgha und die anderen –, o Urgroßvater, [gerade] den Jyeṣṭha[-Monat]? Sag den Grund dafür, o Herr.
die verschiedenen Flüsse und Meere – [sie alle] gehen für sieben Tage, beginnend mit dem zehnten [Tag] der hellen Monatshälfte des Jyeṣṭha, stets sichtbar nach Puruṣottama.
Wort für Wort
nānānadyaḥ samudrāḥ ca
die verschiedenen Flüsse und Meere
saptāham puruṣottame
für sieben Tage nach Puruṣottama
jyeṣṭhaśukladaśamyādi
beginnend mit dem zehnten der hellen Monatshälfte des Jyeṣṭha
pratyakṣam yānti sarvadā
gehen stets sichtbar
[Anm.: Die mythologische Vorstellung, dass sich alle heiligen Gewässer der Erde während dieser sieben Tage sichtbar am Puruṣottama-Kṣetra versammeln, begründet dessen besondere Heiligkeit im Jyeṣṭha-Monat.]
Der zehnte [Tag] der hellen Monatshälfte im Monat Jyeṣṭha, o beste der Zweifachgeborenen, nimmt zehn Sünden hinweg; deshalb wird er „Daśaharā“ [„die zehn hinwegnehmende“] genannt.
Wort für Wort
śuklapakṣasya daśamī
der zehnte der hellen Monatshälfte
jyeṣṭhe māsi dvijottamāḥ
im Monat Jyeṣṭha, o beste der Zweifachgeborenen
harate daśa pāpāni
nimmt zehn Sünden hinweg
tasmāt daśaharā smṛtā
deshalb wird er 'Daśaharā' genannt
[Anm.: Der bekannte Festtag Jyeṣṭha-śukla-daśamī, andernorts als 'Gaṅgā-Daśaharā' überliefert.]
Wer an jenem [Tag], wohlgesammelt, den Pflugträger [Balarāma], Kṛṣṇa [und] Bhadrā [Subhadrā] erblickt, der Mensch gelangt, von aller Sünde befreit, zur Welt Viṣṇus.
uttare dakṣiṇe viprās tv ayane puruṣottamam / dṛṣṭvā rāmaṃ subhadrāṃ ca viṣṇulokaṃ vrajen naraḥ // BrP_63.17 //
Bei der nördlichen oder südlichen Sonnenwende (Ayana), o Brahmanen, [wer] Puruṣottama, Rāma [Balarāma] und Subhadrā erblickt, der Mensch gelangt zur Welt Viṣṇus.
Wort für Wort
uttare dakṣiṇe viprāḥ tu ayane
bei der nördlichen oder südlichen Sonnenwende, o Brahmanen
Der Mensch, der Govinda-Puruṣottama auf der Schaukel (Dolā) erblickt hat, gelangt, wenn er [dies] am Vollmondtag des Phālguna[-Monats], geläutert, [tut], zur Stadt Govindas.
Wort für Wort
naraḥ dolāgatam dṛṣṭvā
der Mensch, der auf der Schaukel befindlichen erblickt habend
govindam puruṣottamam
Govinda-Puruṣottama
phālgunyām prayataḥ bhūtvā
am Vollmondtag des Phālguna, geläutert geworden
govindasya puram vrajet
gelangt er zur Stadt Govindas
[Anm.: Bezug auf das Dolāyātrā-(Schaukel-)Fest im Monat Phālguna.]
Wenn der Tag der Tagundnachtgleiche (Viṣuva) eingetreten ist, nachdem man vorschriftsgemäß die Pañcatīrthī[-Wallfahrt] vollzogen und Saṃkarṣaṇa, Kṛṣṇa und Bhadrā erblickt hat, o Zweifachgeborene,
Wort für Wort
viṣuvaddivase prāpte
wenn der Tag der Tagundnachtgleiche eingetreten ist
Wer am dritten [Tag] der dunklen Monatshälfte des Vaiśākha[-Monats] Kṛṣṇa, mit Sandelpaste bestrichen, erblickt, der gelangt zur Wohnstatt des Acyuta.
Wort für Wort
yaḥ paśyati tṛtīyāyām
wer am dritten [Tag] erblickt
kṛṣṇam candanarūṣitam
Kṛṣṇa, mit Sandelpaste bestrichen
vaiśākhasya asite pakṣe
in der dunklen Monatshälfte des Vaiśākha
saḥ yāti acyutamandiram
der gelangt zur Wohnstatt des Acyuta
[Anm.: Die bekannte Tṛtīyā-Feier (vgl. die andernorts überlieferte 'Akṣaya-Tṛtīyā') wird hier für die dunkle statt die – sonst übliche – helle Monatshälfte des Vaiśākha angegeben; möglicherweise abweichende lokale Tradition oder Textvariante [?].]
Wer an einem [Tag im Monat] Jyeṣṭha, der mit dem Mondhaus Jyeṣṭhā verbunden ist, den Puruṣottama erblickt, der gelangt, nachdem er einundzwanzig Generationen seiner Sippe emporgehoben hat, zur Welt Viṣṇus.
Wort für Wort
jyaiṣṭhyām jyeṣṭharkṣayuktāyām
an einem [Tag] im Jyeṣṭha, verbunden mit dem Mondhaus Jyeṣṭhā
yaḥ paśyet puruṣottamam
wer den Puruṣottama erblickt
kulaikaviṃśam uddhṛtya
einundzwanzig Generationen der Sippe emporgehoben habend