Quellen der Menschheit

Brahma-Purāṇa

Kapitel 82: kṛttikātīrthamāhātmyavarṇanam Die Größe des Kṛttikā-Tīrtha (Geburt Kārttikeyas)

Brahmā erzählt die Geburtsgeschichte Kārttikeyas: Um Tāraka zu vernichten, trinkt Agni Śivas Samen; die Gattinnen der sieben Weisen (außer Arundhatī) begehren den samentragenden Agni und werden schwanger. In der Gaṅgā stoßen sie die Embryonen als Schaum aus, die sich durch Wasser und Wind zu einer einzigen Gestalt vereinen – dem sechsgesichtigen Skanda. Die Weisen, die veränderte Erscheinung ihrer Frauen missdeutend, verstoßen die sechs Frauen als angeblich untreu. Nārada weist die Verstoßenen an Skanda (Kārttikeya), der sie anweist, sich in der Gautamī zu baden und Śiva zu verehren; durch Śivas Gnade gelangen sie zum Göttersitz. Seitdem heißt die Stätte 'Kṛttikā-Tīrtha'; Baden dort zur Kārttikī-Konjunktion mit den Kṛttikās (Plejaden) macht zu einem rechtschaffenen König, und schon die bloße Erinnerung oder das Hören davon befreit von aller Sünde und schenkt langes Leben.

{brahmovāca:} yat khyātaṃ kṛttikātīrthaṃ kārttikeyād anantaram / tasya śravaṇamātreṇa somapānaphalaṃ labhet //

{Brahmā sprach:} Das im Anschluss an (die Erzählung von) Kārttikeya berühmte Kṛttikā-Tīrtha – durch dessen bloßes Hören erlangt man die Frucht des Somatrunks.

Wort für Wort
yat khyātam kṛttikā-tīrtham kārttikeyāt anantaram
das im Anschluss an Kārttikeya berühmte Kṛttikā-Tīrtha
tasya śravaṇa-mātreṇa soma-pāna-phalam labhet
durch dessen bloßes Hören erlangt man die Frucht des Somatrunks

purā tārakanāśāya bhavareto 'pibat kaviḥ / retogarbhaṃ kaviṃ dṛṣṭvā ṛṣipatnyo 'spṛhan mune //

Einst, zur Vernichtung Tārakas, trank der Seher [Agni] den Samen Bhavas (Śivas); den samentragenden Seher erblickend, begehrten die Gattinnen der Weisen (ihn), o Weiser.

Wort für Wort
purā tāraka-nāśāya bhava-retaḥ apibat kaviḥ
einst, zur Vernichtung Tārakas, trank der Seher (Agni) den Samen Bhavas
reto-garbham kavim dṛṣṭvā ṛṣi-patnyaḥ aspṛhan mune
den samentragenden Seher erblickend, begehrten die Gattinnen der Weisen ihn, o Weiser

[Anm.: 'kaviḥ' ('der Seher/Dichter') ist hier ein Beiname Agnis, der Śivas Samen in sich aufnahm.]

saptarṣīṇām ṛtusnātāṃ varjayitvā tv arundhatīm / tāsu garbhaḥ samabhavat ṣaṭsu strīṣu tadāgnitaḥ //

Von den (Gattinnen) der sieben Weisen, die sich nach ihrer Periode gebadet hatten – Arundhatī ausgenommen –, entstand in sechs Frauen da eine Schwangerschaft von jenem Feuer.

Wort für Wort
sapta-ṛṣīṇām ṛtu-snātām varjayitvā tu arundhatīm
von den Gattinnen der sieben Weisen, die sich nach ihrer Periode gebadet hatten, Arundhatī ausgenommen
tāsu garbhaḥ samabhavat ṣaṭsu strīṣu tadā agnitaḥ
entstand in sechs Frauen da eine Schwangerschaft von jenem Feuer

tapyamānās tu śobhiṣṭhā ṛtusnātās tu tā mune / kiṃ kurmaḥ kva nu gacchāmaḥ kiṃ kṛtvā sukṛtaṃ bhavet //

Sich quälend, doch überaus schön, jene nach der Periode Gebadeten, o Weiser, (dachten): 'Was sollen wir tun, wohin sollen wir gehen, was getan wäre ein gutes Werk?'

Wort für Wort
tapyamānāḥ tu śobhiṣṭhāḥ ṛtu-snātāḥ tu tā mune
sich quälend, doch überaus schön, jene nach der Periode Gebadeten, o Weiser
kim kurmaḥ kva nu gacchāmaḥ kim kṛtvā sukṛtam bhavet
was sollen wir tun, wohin sollen wir gehen, was getan wäre ein gutes Werk

ity uktvā tā mitho gaṅgāṃ vyagrā gatvā vyapīḍayan / tābhyas te niḥsṛtā garbhāḥ phenarūpās tadāmbhasi //

So zueinander sprechend, gingen sie bestürzt zur Gaṅgā und drückten (ihre Leiber) aus; aus ihnen traten jene Embryonen in Schaumform in jenem Wasser hervor.

Wort für Wort
iti uktvā tā mithaḥ gaṅgām vyagrāḥ gatvā vyapīḍayan
so zueinander sprechend, gingen sie bestürzt zur Gaṅgā und drückten sich aus
tābhyaḥ te niḥsṛtāḥ garbhāḥ phena-rūpāḥ tadā ambhasi
aus ihnen traten jene Embryonen in Schaumform in jenem Wasser hervor

ambhasā tv ekatāṃ prāptā vāyunā sarva eva hi / ekarūpas tadā tābhyaḥ ṣaṇmukhaḥ samajāyata //

Durch das Wasser und den Wind allesamt zur Einheit gelangt, entstand da aus ihnen, in einer einzigen Gestalt, der Sechsgesichtige (Skanda).

Wort für Wort
ambhasā tu ekatām prāptāḥ vāyunā sarve eva hi
durch das Wasser und den Wind allesamt zur Einheit gelangt
eka-rūpaḥ tadā tābhyaḥ ṣaṇmukhaḥ samajāyata
entstand da aus ihnen, in einer einzigen Gestalt, der Sechsgesichtige

srāvayitvā tu tān garbhān ṛṣipatnyo gṛhān yayuḥ / tāsāṃ vikṛtarūpāṇi dṛṣṭvā te ṛṣayo 'bruvan //

Nachdem sie jene Embryonen ausgestoßen hatten, gingen die Weisenfrauen zu ihren Häusern zurück; ihre veränderten Gestalten erblickend, sprachen jene Weisen:

Wort für Wort
srāvayitvā tu tān garbhān ṛṣi-patnyaḥ gṛhān yayuḥ
nachdem sie jene Embryonen ausgestoßen hatten, gingen die Weisenfrauen zu ihren Häusern zurück
tāsām vikṛta-rūpāṇi dṛṣṭvā te ṛṣayaḥ abruvan
ihre veränderten Gestalten erblickend, sprachen jene Weisen

gamyatāṃ gamyatāṃ śīghraṃ svairī vṛttir na yujyate / strīṇām iti tato vatsa nirastāḥ patibhis tu tāḥ //

'Fort mit euch, fort mit euch, eilends! Eigenmächtiges Verhalten geziemt sich nicht für Frauen' – so (sprachen sie); daraufhin, o Sohn, wurden jene von ihren Gatten verstoßen.

Wort für Wort
gamyatām gamyatām śīghram svairī vṛttiḥ na yujyate
fort mit euch, fort mit euch, eilends! Eigenmächtiges Verhalten geziemt sich nicht
strīṇām iti tataḥ vatsa nirastāḥ patibhiḥ tu tāḥ
für Frauen - so sprachen sie; daraufhin, o Sohn, wurden jene von ihren Gatten verstoßen

tato duḥkhaṃ samāviṣṭās tyaktāḥ svapatibhiś ca ṣaṭ / tā dṛṣṭvā nāradaḥ prāha kārttikeyo harodbhavaḥ //

Da, von Leid erfüllt, von ihren eigenen Gatten verlassen, die sechs (Frauen) erblickend, sprach Nārada: 'Kārttikeya, aus Hara (Śiva) entstanden,

Wort für Wort
tataḥ duḥkham samāviṣṭāḥ tyaktāḥ svapatibhiḥ ca ṣaṭ
da, von Leid erfüllt, von ihren eigenen Gatten verlassen, die sechs Frauen
tāḥ dṛṣṭvā nāradaḥ prāha kārttikeyaḥ hara-udbhavaḥ
erblickend, sprach Nārada: 'Kārttikeya, aus Hara entstanden'

gāṅgeyo 'gnibhavaś ceti vikhyātas tārakāntakaḥ / taṃ yāntu na cirād eva prīto bhogaṃ pradāsyati //

'als Gaṅgā-Sohn und Agni-Entsprossener bekannt, der Beender Tārakas – zu ihm sollt ihr gehen, ohne Verzug; erfreut wird er (euch) Anteil/Wohlstand gewähren.'

Wort für Wort
gāṅgeyaḥ agnibhavaḥ ca iti vikhyātaḥ tāraka-antakaḥ
als Gaṅgā-Sohn und Agni-Entsprossener bekannt, der Beender Tārakas
tam yāntu na cirāt eva prītaḥ bhogam pradāsyati
zu ihm sollt ihr ohne Verzug gehen; erfreut wird er euch Anteil gewähren

devarṣer vacanād eva samabhyetya ca ṣaṇmukham / kṛttikāḥ svayam evaitad yathāvṛttaṃ nyavedayat //

Allein auf das Wort des Götterweisen (Nārada) hin, sich dem Sechsgesichtigen nähernd, schilderten die Kṛttikās selbst ihm eben dies, wie es sich zugetragen hatte.

Wort für Wort
deva-ṛṣeḥ vacanāt eva samabhyetya ca ṣaṇmukham
allein auf das Wort des Götterweisen hin, sich dem Sechsgesichtigen nähernd
kṛttikāḥ svayam eva etat yathāvṛttam nyavedayat
schilderten die Kṛttikās selbst ihm eben dies, wie es sich zugetragen hatte

[Anm.: Das Verb 'nyavedayat' steht im Singular, obwohl die Kṛttikās (Plural) Subjekt sind – wohl kollektiv-distributiver Gebrauch im Original.]

tābhyo vākyaṃ kṛttikābhyaḥ kārttikeyo 'numanya ca / gautamīṃ yāntu sarvāś ca snātvāpūjya maheśvaram //

Zu jenen Kṛttikās sprach Kārttikeya, zustimmend, das Wort: 'Alle sollen zur Gautamī gehen, und, nachdem sie gebadet und den großen Herrn (Śiva) verehrt haben,'

Wort für Wort
tābhyaḥ vākyam kṛttikābhyaḥ kārttikeyaḥ anumanya ca
zu jenen Kṛttikās sprach Kārttikeya, zustimmend, das Wort
gautamīm yāntu sarvāḥ ca snātvā apūjya maheśvaram
alle sollen zur Gautamī gehen und, nachdem sie gebadet und den großen Herrn verehrt haben

eṣyāmi cāhaṃ tatraiva yāsyāmi suramandiram / tathety uktvā kṛttikāś ca snātvā gaṅgāṃ ca gautamīm //

'werde auch ich eben dorthin kommen; (dann) werde ich zum Göttersitz gehen.' 'So sei es', sprachen die Kṛttikās, und nachdem sie in der Gaṅgā, (das heißt) der Gautamī, gebadet hatten,

Wort für Wort
eṣyāmi ca aham tatra eva yāsyāmi sura-mandiram
auch ich werde eben dorthin kommen; dann werde ich zum Göttersitz gehen
tathā iti uktvā kṛttikāḥ ca snātvā gaṅgām ca gautamīm
'so sei es', sprachen die Kṛttikās, und nachdem sie in der Gaṅgā, der Gautamī, gebadet hatten

deveśvaraṃ ca saṃpūjya kārttikeyānuśāsanāt / deveśvaraprasādena prayayuḥ suramandiram //

und den Götterherrn (Śiva) verehrt hatten, gemäß der Anweisung Kārttikeyas, gingen sie durch die Gnade des Götterherrn zum Göttersitz.

Wort für Wort
deva-īśvaram ca saṃpūjya kārttikeya-anuśāsanāt
und den Götterherrn verehrt hatten, gemäß der Anweisung Kārttikeyas
deva-īśvara-prasādena prayayuḥ sura-mandiram
gingen sie durch die Gnade des Götterherrn zum Göttersitz

tataḥ prabhṛti tat tīrthaṃ kṛttikātīrtham ucyate / kārttikyāṃ kṛttikāyoge tatra yaḥ snānam ācaret //

Seitdem wird jene Pilgerstätte 'Kṛttikā-Tīrtha' genannt; wer dort am Vollmondtag Kārttikī bei der Konjunktion mit den Kṛttikās (den Plejaden) badet,

Wort für Wort
tataḥ prabhṛti tat tīrtham kṛttikā-tīrtham ucyate
seitdem wird jene Pilgerstätte 'Kṛttikā-Tīrtha' genannt
kārttikyām kṛttikā-yoge tatra yaḥ snānam ācaret
wer dort am Vollmondtag Kārttikī bei der Konjunktion mit den Kṛttikās badet

sarvakratuphalaṃ prāpya rājā bhavati dhārmikaḥ / tattīrthasmaraṇaṃ vāpi yaḥ karoti śṛṇoti ca / sarvapāpavinirmukto dīrgham āyur avāpnuyāt //

erlangt die Frucht aller Opfer und wird ein rechtschaffener König; auch wer sich jener Pilgerstätte nur erinnert oder von ihr hört, wird von aller Sünde befreit und erlangt langes Leben.

Wort für Wort
sarva-kratu-phalam prāpya rājā bhavati dhārmikaḥ
erlangt die Frucht aller Opfer und wird ein rechtschaffener König
tat-tīrtha-smaraṇam vā api yaḥ karoti śṛṇoti ca
auch wer sich jener Pilgerstätte nur erinnert oder von ihr hört
sarva-pāpa-vinirmuktaḥ dīrgham āyuḥ avāpnuyāt
wird von aller Sünde befreit und erlangt langes Leben

[Anm.: Dreizeiliger Vers unter einer einzigen Nummer im Original.]

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