Quellen der Menschheit

Brahma-Purāṇa

Kapitel 41: ekāmrakṣetramāhātmyavarṇanam Die Beschreibung der Größe des heiligen Feldes Ekāmraka

Nach der Rahmenerzählung (Lomaharṣaṇa berichtet den Weisen, dass diese Vyāsa nach der Vīrabhadra-Geschichte weiter befragten) folgt ein eigenständiges Māhātmya (Ortspreis-Kapitel) über das Tīrtha Ekāmraka - ein berühmter Śiva-Pilgerort, traditionell mit dem heutigen Bhubaneswar (Lingarāja-Tempel, Orissa) identifiziert. Brahmā, als Erzähler eingeführt, schildert Stadt, Bewohner, Natur und Gewässer des Ortes sowie die Entstehung des Tīrtha Bindusaras und die vielfältigen Verdienste von Wallfahrt, Bad und Verehrung dort.

śrutvaivaṃ vai muniśreṣṭhāḥ kathāṃ pāpapraṇāśinīm / rudrakrodhodbhavāṃ puṇyāṃ vyāsasya vadato dvijāḥ //

{Lomaharṣaṇa sprach:} Nachdem sie, o beste der Weisen, so die sündenvernichtende Geschichte gehört hatten - die aus Rudras Zorn entstandene, heilige [Geschichte], die Vyāsa erzählte, o Zweifachgeborene -

Wort für Wort
śrutvā
gehört habend
evam
so
vai
wahrlich
muniśreṣṭhāḥ
die besten der Weisen (Vok.)
kathām
die Geschichte (Akk.)
pāpapraṇāśinīm
die sündenvernichtende
rudrakrodhodbhavām
die aus Rudras Zorn entstandene
puṇyām
heilige
vyāsasya
Vyāsas
vadataḥ
des sprechenden (Gen.)
dvijāḥ
o Zweifachgeborene (Vok.)

pārvatyāś ca tathā roṣaṃ krodhaṃ śaṃbhoś ca duḥsaham / utpattiṃ vīrabhadrasya bhadrakālyāś ca saṃbhavam //

und ebenso Pārvatīs Grimm und Śambhus unerträglichen Zorn, die Entstehung Vīrabhadras und das Werden Bhadrakālīs,

Wort für Wort
pārvatyāḥ
Pārvatīs
ca
und
tathā
ebenso
roṣam
den Grimm
krodham
den Zorn
śaṃbhoḥ
Śambhus
ca
und
duḥsaham
den unerträglichen
utpattim
die Entstehung
vīrabhadrasya
Vīrabhadras
bhadrakālyāḥ
Bhadrakālīs
ca
und
saṃbhavam
das Werden

dakṣayajñavināśaṃ ca vīryaṃ śaṃbhos tathādbhutam / punaḥ prasādaṃ devasya dakṣasya sumahātmanaḥ //

und die Zerstörung von Dakṣas Opfer und ebenso Śambhus wunderbare Heldenkraft, und wiederum die Gnade des Gottes gegenüber dem hochbeseelten Dakṣa,

Wort für Wort
dakṣayajñavināśam
die Zerstörung von Dakṣas Opfer
ca
und
vīryam
die Heldenkraft
śaṃbhoḥ
Śambhus
tathā
ebenso
adbhutam
wunderbare
punaḥ
wiederum
prasādam
die Gnade
devasya
des Gottes
dakṣasya
Dakṣas
sumahātmanaḥ
des hochbeseelten

yajñabhāgaṃ ca rudrasya dakṣasya ca phalaṃ kratoḥ / hṛṣṭā babhūvuḥ saṃprītā vismitāś ca punaḥ punaḥ //

und Rudras Opferanteil und Dakṣas Frucht des Opfers [gehört hatten] - erfreut wurden sie, hoch beglückt und immer wieder erstaunt.

Wort für Wort
yajñabhāgam
den Opferanteil
ca
und
rudrasya
Rudras
dakṣasya
Dakṣas
ca
und
phalam
die Frucht
kratoḥ
des Opfers
hṛṣṭāḥ
erfreut
babhūvuḥ
sie wurden
saṃprītāḥ
hoch beglückt
vismitāḥ
erstaunt
ca
und
punaḥ punaḥ
immer wieder

papracchuś ca punar vyāsaṃ kathāśeṣaṃ tathā dvijāḥ / pṛṣṭaḥ provāca tān vyāsaḥ kṣetram ekāmrakaṃ punaḥ //

Und wieder fragten die Zweifachgeborenen den Vyāsa nach dem Rest der Erzählung; gefragt, verkündete ihnen Vyāsa daraufhin vom Feld Ekāmraka.

Wort für Wort
papracchuḥ
sie fragten
ca
und
punaḥ
wieder
vyāsam
den Vyāsa
kathāśeṣam
den Rest der Erzählung
tathā
ebenso
dvijāḥ
die Zweifachgeborenen
pṛṣṭaḥ
gefragt
provāca
er verkündete
tān
ihnen
vyāsaḥ
Vyāsa
kṣetram
das Feld
ekāmrakam
Ekāmraka
punaḥ
wiederum

[Anm.: "Ekāmraka" ist der Name eines berühmten Śiva-Pilgerorts (traditionell mit dem heutigen Bhubaneswar/Lingarāja-Tempel in Orissa identifiziert), dessen Māhātmya (Ortspreis) den Rest dieses Kapitels bildet.]

{vyāsa uvāca:} brahmaproktāṃ kathāṃ puṇyāṃ śrutvā tu ṛṣipuṃgavāḥ / praśaśaṃsus tadā hṛṣṭā romāñcitatanūruhāḥ //

Vyāsa sprach: Nachdem sie die von Brahmā verkündete heilige Geschichte gehört hatten, priesen die Stiere unter den Weisen sie da, erfreut, mit sich sträubenden Körperhaaren.

Wort für Wort
brahmaproktām
die von Brahmā verkündete
kathām
Geschichte
puṇyām
heilige
śrutvā
gehört habend
tu
aber/nun
ṛṣipuṃgavāḥ
die Stiere unter den Weisen
praśaśaṃsuḥ
sie priesen
tadā
da
hṛṣṭāḥ
erfreut
romāñcitatanūruhāḥ
mit sich sträubenden Körperhaaren

{ṛṣaya ūcuḥ:} aho devasya māhātmyaṃ tvayā śaṃbhoḥ prakīrtitam / dakṣasya ca suraśreṣṭha yajñavidhvaṃsanaṃ tathā //

Die Weisen sprachen: Ach, die Größe des Gottes Śambhu wurde von dir verkündet, o Bester der Götter, und ebenso die Vernichtung von Dakṣas Opfer.

Wort für Wort
aho
ach
devasya
des Gottes
māhātmyam
die Größe
tvayā
von dir
śaṃbhoḥ
Śambhus
prakīrtitam
wurde verkündet
dakṣasya
Dakṣas
ca
und
suraśreṣṭha
o Bester der Götter (Vok.)
yajñavidhvaṃsanam
die Vernichtung des Opfers
tathā
ebenso

[?] Die Anrede "suraśreṣṭha" ("o Bester der Götter") an Vyāsa ist auffällig, da dieser kein Gott ist; ähnliche unpassende Anreden finden sich auch anderswo im Text (vgl. Kap.38, V.21).

ekāmrakaṃ kṣetravaraṃ vaktum arhasi sāṃpratam / śrotum icchāmahe brahman paraṃ kautūhalaṃ hi naḥ //

Das vorzügliche Feld Ekāmraka solltest du jetzt verkünden; wir wollen es hören, o Brahmane, denn unsere Neugier ist groß.

Wort für Wort
ekāmrakam
Ekāmraka
kṣetravaram
das vorzügliche Feld
vaktum
zu verkünden
arhasi
du solltest
sāṃpratam
jetzt
śrotum
zu hören
icchāmahe
wir wollen
brahman
o Brahmane (Vok.)
param
groß
kautūhalam
Neugier
hi
denn
naḥ
unsere

{vyāsa uvāca:} teṣāṃ tad vacanaṃ śrutvā lokanāthaś caturmukhaḥ / provāca śaṃbhos tat kṣetraṃ bhūtale duṣkṛtacchadam //

Vyāsa sprach: Nachdem er deren Wort gehört hatte, verkündete der vierköpfige Herr der Welt jenes Feld Śambhus auf der Erde, das die Übeltat tilgt.

Wort für Wort
teṣām
von ihnen
tat vacanam
jenes Wort
śrutvā
gehört habend
lokanāthaḥ
der Herr der Welt
caturmukhaḥ
der Vierköpfige (Brahmā)
provāca
er verkündete
śaṃbhoḥ
Śambhus
tat kṣetram
jenes Feld
bhūtale
auf der Erdoberfläche
duṣkṛtacchadam
das die Übeltat verhüllt/tilgt [?]

[?] "duṣkṛtacchadam" ist lexikalisch unsicher; wörtlich etwa "das Übeltat-Verdeckende", sinngemäß wohl "das [dort begangene] Übel tilgende/verbergende [Feld]".

{brahmovāca:} śṛṇudhvaṃ muniśārdūlāḥ pravakṣyāmi samāsataḥ / sarvapāpaharaṃ puṇyaṃ kṣetraṃ paramadurlabham //

Brahmā sprach: Höret, o Tiger unter den Weisen, ich will kurz das alle Sünde hinwegnehmende, heilige, überaus schwer zu erlangende Feld verkünden.

Wort für Wort
śṛṇudhvam
höret
muniśārdūlāḥ
o Tiger unter den Weisen
pravakṣyāmi
ich werde verkünden
samāsataḥ
kurz/zusammengefasst
sarvapāpaharam
alle Sünde hinwegnehmend
puṇyam
heilig
kṣetram
das Feld
paramadurlabham
überaus schwer zu erlangen

liṅgakoṭisamāyuktaṃ vārāṇasīsamaṃ śubham / ekāmraketi vikhyātaṃ tīrthāṣṭakasamanvitam //

[Es ist] mit zehn Millionen Liṅgas versehen, Vārāṇasī gleich, verheißungsvoll, unter dem Namen Ekāmra berühmt, mit acht Tīrthas ausgestattet.

Wort für Wort
liṅgakoṭisamāyuktam
mit zehn Millionen (koṭi) Liṅgas versehen
vārāṇasīsamam
Vārāṇasī gleich
śubham
verheißungsvoll
ekāmrakā iti vikhyātam
unter dem Namen "Ekāmraka" berühmt
tīrthāṣṭakasamanvitam
mit acht Tīrthas (heiligen Badeplätzen) ausgestattet

ekāmravṛkṣas tatrāsīt purā kalpe dvijottamāḥ / nāmnā tasyaiva tat kṣetram ekāmrakam iti śrutam //

Ein Ekāmra-Baum [ein einzelner Mangobaum] war dort einst im [vergangenen] Weltzeitalter, o beste der Zweifachgeborenen; nach dessen Namen ist jenes Feld als Ekāmraka bekannt.

Wort für Wort
ekāmravṛkṣaḥ
ein Ekāmra-Baum (ein einzelner Mangobaum)
tatra
dort
āsīt
war
purā
einst
kalpe
im Weltzeitalter
dvijottamāḥ
o beste der Zweifachgeborenen
nāmnā
nach dem Namen
tasya eva
eben dessen
tat kṣetram
jenes Feld
ekāmrakam
Ekāmraka
iti
so
śrutam
ist bekannt/gehört

hṛṣṭapuṣṭajanākīrṇaṃ naranārīsamanvitam / vidvāṃsagaṇa bhūyiṣṭhaṃ dhanadhānyādisaṃyutam //

[Es ist] von frohen, wohlgenährten Leuten wimmelnd, mit Männern und Frauen versehen, überaus reich an Scharen von Gelehrten, mit Reichtum, Getreide und dergleichen versehen.

Wort für Wort
hṛṣṭapuṣṭajanākīrṇam
von frohen, wohlgenährten Leuten wimmelnd
naranārīsamanvitam
mit Männern und Frauen versehen
vidvāṃsagaṇabhūyiṣṭham
überaus reich an Scharen von Gelehrten
dhanadhānyādisaṃyutam
mit Reichtum, Getreide und dergleichen versehen

gṛhagopurasaṃbādhaṃ trikacādvārabhūṣitam / nānāvaṇiksamākīrṇaṃ nānāratnopaśobhitam //

[Es ist] gedrängt voll von Häusern und Torbauten, mit Wegkreuzungen und Toren geschmückt, von vielerlei Kaufleuten wimmelnd, mit mancherlei Edelsteinen geschmückt.

Wort für Wort
gṛhagopurasaṃbādham
gedrängt voll von Häusern und Torbauten
trikacādvārabhūṣitam
mit Wegkreuzungen [?] und Toren geschmückt
nānāvaṇiksamākīrṇam
von vielerlei Kaufleuten wimmelnd
nānāratnopaśobhitam
mit mancherlei Edelsteinen geschmückt

[?] "trikacādvārabhūṣitam" ist kompositionell unsicher gelesen (trika = Dreiwegkreuzung, dvāra = Tor).

purāṭṭālakasaṃyuktaṃ rathibhiḥ samalaṃkṛtam / rājahaṃsanibhaiḥ śubhraiḥ prāsādair upaśobhitam //

[Es ist] mit Wachtürmen der Stadt versehen, mit Wagenlenkern geschmückt, mit königsschwanähnlich weißen Palästen verschönert.

Wort für Wort
purāṭṭālakasaṃyuktam
mit Wachtürmen (aṭṭālaka) der Stadt versehen
rathibhiḥ samalaṃkṛtam
mit Wagenfahrern geschmückt
rājahaṃsanibhaiḥ śubhraiḥ
königsschwan-ähnlich, weißen
prāsādaiḥ upaśobhitam
mit Palästen verschönert

mārgagadvārasaṃyuktaṃ sitaprākāraśobhitam / rakṣitaṃ śastrasaṃghaiś ca parikhābhir alaṃkṛtam //

[Es ist] mit Wegen und Toren versehen, mit weißen Wällen geschmückt, von Waffenscharen bewacht und mit Wassergräben geschmückt.

Wort für Wort
mārgagadvārasaṃyuktam
mit Wegen und Toren versehen
sitaprākāraśobhitam
mit weißen Wällen geschmückt
rakṣitam
beschützt
śastrasaṃghaiḥ
von Waffenscharen
ca
und
parikhābhiḥ alaṃkṛtam
mit Wassergräben geschmückt

sitaraktais tathā pītaiḥ kṛṣṇaśyāmaiś ca varṇakaiḥ / samīraṇoddhatābhiś ca patākābhir alaṃkṛtam //

[Es ist] mit weißen, roten, ebenso gelben und schwarz-dunklen Farben, und mit vom Wind aufgewirbelten Fahnen geschmückt.

Wort für Wort
sitaraktaiḥ
mit weißen, roten
tathā pītaiḥ
ebenso gelben
kṛṣṇaśyāmaiḥ ca varṇakaiḥ
und schwarz-dunklen Farben
samīraṇoddhatābhiḥ ca patākābhiḥ
und mit vom Wind aufgewirbelten Fahnen
alaṃkṛtam
geschmückt

nityotsavapramuditaṃ nānāvāditranisvanaiḥ / vīṇāveṇumṛdaṅgaiś ca kṣepaṇībhir alaṃkṛtam //

[Es ist] durch beständige Feste erfreut, mit dem Klang vielerlei Instrumente, mit Vīṇās, Flöten und Mṛdaṅga-Trommeln, und mit Kṣepaṇī-Instrumenten geschmückt.

Wort für Wort
nityotsavapramuditam
durch beständige Feste erfreut
nānāvāditranisvanaiḥ
mit dem Klang vielerlei Instrumente
vīṇāveṇumṛdaṅgaiḥ ca
mit Vīṇās, Flöten und Mṛdaṅgas
kṣepaṇībhiḥ alaṃkṛtam
mit Kṣepaṇī(-Instrumenten) [?] geschmückt

[?] "kṣepaṇībhiḥ" ist im musikalischen Kontext unsicher - wörtlich "Wurf-/Schleuderinstrumente", evtl. eine Art Handpauke oder Zimbel gemeint.

devatāyatanair divyaiḥ prākārodyānamaṇḍitaiḥ / pūjāvicitraracitaiḥ sarvatra samalaṃkṛtam //

[Es ist] überall geschmückt mit göttlichen Gottheitstempeln, die mit Wällen und Gärten verziert und mit mannigfaltiger Verehrung ausgestattet sind.

Wort für Wort
devatāyatanaiḥ divyaiḥ
mit göttlichen Gottheitstempeln
prākārodyānamaṇḍitaiḥ
mit Wällen und Gärten verziert
pūjāvicitraracitaiḥ
mit mannigfaltiger Verehrung ausgestattet
sarvatra samalaṃkṛtam
überall geschmückt

striyaḥ pramuditās tatra dṛśyante tanumadhyamāḥ / hārair alaṃkṛtagrīvāḥ padmapattrāyatekṣaṇāḥ //

Frohe Frauen mit schlankem Leib sieht man dort, mit Halsketten geschmückten Hälsen, mit Augen lang wie Lotosblätter.

Wort für Wort
striyaḥ
Frauen
pramuditāḥ
froh
tatra
dort
dṛśyante
werden gesehen
tanumadhyamāḥ
mit schlankem Leib
hāraiḥ alaṃkṛtagrīvāḥ
mit Halsketten geschmückten Hälsen
padmapattrāyatekṣaṇāḥ
mit Augen lang wie Lotosblätter

pīnonnatakucāḥ śyāmāḥ pūrṇacandranibhānanāḥ / sthirālakāḥ sukapolāḥ kāñcīnūpuranāditāḥ //

mit vollen, hohen Brüsten, von dunkler Anmut, mit Gesichtern gleich dem Vollmond, mit festsitzenden Locken, mit schönen Wangen, ertönend von Gürtelschmuck und Fußreifen.

Wort für Wort
pīnonnatakucāḥ
mit vollen, hohen Brüsten
śyāmāḥ
dunkelhäutig (schön)
pūrṇacandranibhānanāḥ
mit Gesichtern gleich dem Vollmond
sthirālakāḥ
mit festsitzenden Locken
sukapolāḥ
mit schönen Wangen
kāñcīnūpuranāditāḥ
ertönend von Gürtel(-Schmuck) und Fußreifen

sukeśyaś cārujaghanāḥ karṇāntāyatalocanāḥ / sarvalakṣaṇasaṃpannāḥ sarvābharaṇabhūṣitāḥ //

mit schönem Haar, mit anmutigen Hüften, mit bis zu den Ohren reichenden Augen, mit allen [günstigen] Merkmalen ausgestattet, mit allerlei Schmuck geziert.

Wort für Wort
sukeśyaḥ
mit schönem Haar
cārujaghanāḥ
mit anmutigen Hüften
karṇāntāyatalocanāḥ
mit bis zu den Ohren reichenden Augen
sarvalakṣaṇasaṃpannāḥ
mit allen [günstigen] Merkmalen ausgestattet
sarvābharaṇabhūṣitāḥ
mit allerlei Schmuck geziert

divyavastradharāḥ śubhrāḥ kāścit kāñcanasaṃnibhāḥ / haṃsavāraṇagāminyaḥ kucabhārāvanāmitāḥ //

göttliche Gewänder tragend, strahlend, manche golden [von Farbe], mit dem Gang von Schwänen und Elefanten schreitend, durch die Last ihrer Brüste [leicht] geneigt.

Wort für Wort
divyavastradharāḥ
göttliche Gewänder tragend
śubhrāḥ
strahlend
kāścit
manche
kāñcanasaṃnibhāḥ
goldgleich (von Farbe)
haṃsavāraṇagāminyaḥ
mit dem Gang von Schwänen und Elefanten
kucabhārāvanāmitāḥ
durch die Last ihrer Brüste geneigt

divyagandhānuliptāṅgāḥ karṇābharaṇabhūṣitāḥ / madālasāś ca suśroṇyo nityaṃ prahasitānanāḥ //

mit Körpern, gesalbt mit göttlichem Duft, mit Ohrschmuck geziert, träge vor Leidenschaft, mit schönen Hüften, stets lächelnden Angesichts.

Wort für Wort
divyagandhānuliptāṅgāḥ
mit Körpern, gesalbt mit göttlichem Duft
karṇābharaṇabhūṣitāḥ
mit Ohrschmuck geziert
madālasāḥ
träge vor Rausch/Leidenschaft
ca
und
suśroṇyaḥ
mit schönen Hüften
nityam prahasitānanāḥ
stets lächelnden Angesichts

īṣadvispaṣṭadaśanā bimbauṣṭhā madhurasvarāḥ / tāmbūlarañjitamukhā vidagdhāḥ priyadarśanāḥ //

mit leicht sichtbaren Zähnen, mit Lippen [rot] wie die Bimba-Frucht, mit süßer Stimme, mit von Betel gefärbtem Mund, klug/geschickt, lieblich anzuschauen.

Wort für Wort
īṣadvispaṣṭadaśanāḥ
mit leicht sichtbaren Zähnen
bimbauṣṭhāḥ
mit Lippen [rot] wie die Bimba-Frucht
madhurasvarāḥ
mit süßer Stimme
tāmbūlarañjitamukhāḥ
mit von Betel gefärbtem Mund
vidagdhāḥ
klug/geschickt
priyadarśanāḥ
lieblich anzuschauen

subhagāḥ priyavādinyo nityaṃ yauvanagarvitāḥ / divyavastradharāḥ sarvāḥ sadā cāritramaṇḍitāḥ //

anmutig, lieblich redend, stets stolz auf ihre Jugend, alle göttliche Gewänder tragend, immerdar durch guten Wandel geschmückt.

Wort für Wort
subhagāḥ
anmutig/glückbringend
priyavādinyaḥ
lieblich redend
nityam yauvanagarvitāḥ
stets stolz auf ihre Jugend
divyavastradharāḥ
göttliche Gewänder tragend
sarvāḥ
alle
sadā cāritramaṇḍitāḥ
immerdar durch guten Wandel geschmückt

krīḍanti tāḥ sadā tatra striyaś cāpsarasopamāḥ / sve sve gṛhe pramuditā divā rātrau varānanāḥ //

Diese Frauen, den Apsaras gleich, spielen dort allezeit, ein jede erfreut in ihrem eigenen Haus, bei Tag und bei Nacht, mit schönen Angesichtern.

Wort für Wort
krīḍanti
sie spielen
tāḥ
diese
sadā tatra
dort allezeit
striyaḥ
Frauen
ca apsarasopamāḥ
den Apsaras gleich
sve sve gṛhe
in ihrem jeweils eigenen Haus
pramuditāḥ
erfreut
divā rātrau
bei Tag und Nacht
varānanāḥ
mit schönen Angesichtern

puruṣās tatra dṛśyante rūpayauvanagarvitāḥ / sarvalakṣaṇasaṃpannāḥ sumṛṣṭamaṇikuṇḍalāḥ //

Männer sieht man dort, stolz auf Gestalt und Jugend, mit allen [günstigen] Merkmalen ausgestattet, mit glänzend polierten Juwelenohrringen.

Wort für Wort
puruṣāḥ
Männer
tatra dṛśyante
dort werden sie gesehen
rūpayauvanagarvitāḥ
stolz auf Gestalt und Jugend
sarvalakṣaṇasaṃpannāḥ
mit allen [günstigen] Merkmalen ausgestattet
sumṛṣṭamaṇikuṇḍalāḥ
mit glänzend polierten Juwelenohrringen

brāhmaṇāḥ kṣatriyā vaiśyāḥ śūdrāś ca munisattamāḥ / svadharmaniratās tatra nivasanti sudhārmikāḥ //

Brahmanen, Kṣatriyas, Vaiśyas und Śūdras, o beste der Weisen, wohnen dort, in ihrer eigenen Pflicht (svadharma) beharrend, wahrhaft rechtschaffen.

Wort für Wort
brāhmaṇāḥ kṣatriyāḥ vaiśyāḥ śūdrāḥ
Brahmanen, Kṣatriyas, Vaiśyas und Śūdras
ca
und
munisattamāḥ
o beste der Weisen (Vok.)
svadharmaniratāḥ
in der eigenen Pflicht beharrend
tatra nivasanti
dort wohnen sie
sudhārmikāḥ
wahrhaft rechtschaffen

anyāś ca tatra tiṣṭhanti vāramukhyāḥ sulocanāḥ / ghṛtācīmenakātulyās tathā samatilottamāḥ //

Und andere weilen dort, vorzügliche Hetären mit schönen Augen, der Ghṛtācī und Menakā gleich, ebenso der Tilottamā gleichend.

Wort für Wort
anyāḥ
andere
ca tatra tiṣṭhanti
und dort weilen sie
vāramukhyāḥ
vorzügliche Hetären
sulocanāḥ
mit schönen Augen
ghṛtācīmenakātulyāḥ
der Ghṛtācī und Menakā gleich
tathā
ebenso
samatilottamāḥ
der Tilottamā gleichend

urvaśīsadṛśāś caiva vipracittinibhās tathā / viśvācīsahajanyābhāḥ pramlocāsadṛśās tathā //

und der Urvaśī ähnlich, ebenso der Vipracitti gleichend, von der Art der Viśvācī und Sahajanyā, ebenso der Pramlocā ähnlich.

Wort für Wort
urvaśīsadṛśāḥ
der Urvaśī ähnlich
ca eva
und ebenso
vipracittinibhāḥ
der Vipracitti gleichend [?]
tathā
ebenso
viśvācīsahajanyābhāḥ
von der Art der Viśvācī und Sahajanyā
pramlocāsadṛśāḥ
der Pramlocā ähnlich
tathā
ebenso

[?] "vipracittinibhāḥ" ist auffällig, da Vipracitti gewöhnlich ein männlicher Daitya-Name ist; im Kontext der Apsaras-Vergleiche evtl. Verschreibung oder Bezug auf eine gleichnamige weibliche Gestalt.

sarvās tāḥ priyavādinyaḥ sarvā vihasitānanāḥ / kalākauśalasaṃyuktāḥ sarvās tā guṇasaṃyutāḥ //

Alle diese lieblich redend, alle mit lächelndem Antlitz, mit Geschick in den Künsten versehen, alle diese mit [guten] Eigenschaften ausgestattet.

Wort für Wort
sarvāḥ tāḥ
alle diese
priyavādinyaḥ
lieblich redend
sarvāḥ
alle
vihasitānanāḥ
mit lächelndem Antlitz
kalākauśalasaṃyuktāḥ
mit Geschick in den Künsten versehen
sarvāḥ tāḥ
alle diese
guṇasaṃyutāḥ
mit [guten] Eigenschaften ausgestattet

evaṃ paṇyastriyas tatra nṛtyagītaviśāradāḥ / nivasanti muniśreṣṭhāḥ sarvastrīguṇagarvitāḥ //

So wohnen dort die käuflichen Frauen [Kurtisanen], in Tanz und Gesang bewandert, o beste der Weisen, stolz auf alle weiblichen Vorzüge.

Wort für Wort
evam
so
paṇyastriyaḥ
die käuflichen Frauen (Kurtisanen)
tatra
dort
nṛtyagītaviśāradāḥ
in Tanz und Gesang bewandert
nivasanti
sie wohnen
muniśreṣṭhāḥ
o beste der Weisen (Vok.)
sarvastrīguṇagarvitāḥ
stolz auf alle weiblichen Vorzüge

prekṣaṇālāpakuśalāḥ sundaryaḥ priyadarśanāḥ / na rūpahīnā durvṛttā na paradrohakārikāḥ //

geschickt in Blick und Rede, schön, lieblich anzuschauen; nicht ohne [schöne] Gestalt, nicht übel im Wandel, nicht anderen Schaden zufügend.

Wort für Wort
prekṣaṇālāpakuśalāḥ
geschickt in Blick und Rede
sundaryaḥ
schön
priyadarśanāḥ
lieblich anzuschauen
na rūpahīnāḥ
nicht ohne [schöne] Gestalt
durvṛttāḥ
übel im Wandel [nicht]
na paradrohakārikāḥ
nicht anderen Schaden zufügend

yāsāṃ kaṭākṣapātena mohaṃ gacchanti mānavāḥ / na tatra nirdhanāḥ santi na mūrkhā na paradviṣaḥ //

durch deren Seitenblicke die Menschen in Verwirrung geraten. Dort gibt es keine Mittellosen, keine Toren, keine, die andere hassen.

Wort für Wort
yāsām
deren
kaṭākṣapātena
durch das Fallen des Seitenblicks
moham gacchanti
sie geraten in Verwirrung
mānavāḥ
die Menschen
na tatra
dort nicht
nirdhanāḥ santi
es gibt Mittellose
na mūrkhāḥ
keine Toren
na paradviṣaḥ
keine, die andere hassen

na rogiṇo na malinā na kadaryā na māyinaḥ / na rūpahīnā durvṛttā na paradrohakāriṇaḥ //

keine Kranken, keine Befleckten, keine Geizigen, keine Betrüger, keine Gestaltlosen, keine Übelgesinnten, keine anderen Schaden Zufügenden.

Wort für Wort
na rogiṇaḥ
keine Kranken
na malināḥ
keine Befleckten
na kadaryāḥ
keine Geizigen
na māyinaḥ
keine Betrüger
na rūpahīnāḥ
keine Gestaltlosen
durvṛttāḥ
Übelgesinnte
na paradrohakāriṇaḥ
keine anderen Schaden Zufügenden

tiṣṭhanti mānavās tatra kṣetre jagati viśrute / sarvatra sukhasaṃcāraṃ sarvasattvasukhāvaham //

Die Menschen weilen dort in dem in der Welt berühmten Feld, das überall ein glückliches Wandeln [ermöglicht und] allen Wesen Glück bringt.

Wort für Wort
tiṣṭhanti
sie weilen
mānavāḥ
die Menschen
tatra
dort
kṣetre
im Feld
jagati viśrute
in der Welt berühmt
sarvatra sukhasaṃcāram
überall glückliches Wandeln
sarvasattvasukhāvaham
allen Wesen Glück bringend

nānājanasamākīrṇaṃ sarvasasyasamanvitam / karṇikāraiś ca panasaiś campakair nāgakesaraiḥ //

[Das Feld ist] von vielerlei Menschen wimmelnd, mit allerlei Feldfrüchten versehen, mit Karṇikāra-, Jackfrucht-, Campaka- und Nāgakesara-Bäumen [geschmückt],

Wort für Wort
nānājanasamākīrṇam
von vielerlei Menschen wimmelnd
sarvasasyasamanvitam
mit allerlei Feldfrüchten versehen
karṇikāraiḥ ca panasaiḥ
mit Karṇikāra- und Jackfrucht(-Bäumen)
campakaiḥ nāgakesaraiḥ
mit Campaka- und Nāgakesara(-Bäumen)

pāṭalāśokabakulaiḥ kapitthair bahulair dhavaiḥ / cūtanimbakadambaiś ca tathānyaiḥ puṣpajātibhiḥ //

mit Pāṭala-, Aśoka- und Bakula-Bäumen, mit Kapittha-, zahlreichen Dhava-Bäumen, mit Mango-, Nimba- und Kadamba-Bäumen, und ebenso mit anderen Blütenarten.

Wort für Wort
pāṭalāśokabakulaiḥ
mit Pāṭala-, Aśoka- und Bakula-Bäumen
kapitthaiḥ bahulaiḥ dhavaiḥ
mit Kapittha-, zahlreichen Dhava-Bäumen
cūtanimbakadambaiḥ ca
mit Mango-, Nimba- und Kadamba-Bäumen
tathā anyaiḥ puṣpajātibhiḥ
und ebenso mit anderen Blütenarten

nīpakair dhavakhadirair latābhiś ca virājitam / śālais tālais tamālaiś ca nārikelaiḥ śubhāñjanaiḥ //

[Das Feld ist] mit Nīpa-, Dhava- und Khadira-Bäumen, mit Schlingpflanzen strahlend, mit Śāla-, Palmyra-, Tamāla-Bäumen und Kokospalmen, mit schönen Añjana-Bäumen,

Wort für Wort
nīpakaiḥ dhavakhadiraiḥ
mit Nīpa-, Dhava- und Khadira-Bäumen
latābhiḥ ca virājitam
und mit Schlingpflanzen strahlend
śālaiḥ tālaiḥ tamālaiḥ ca
mit Śāla-, Palmyra-, Tamāla-Bäumen
nārikelaiḥ śubhāñjanaiḥ
mit Kokospalmen, schönen Añjana-Bäumen

arjunaiḥ samaparṇaiś ca kovidāraiḥ sapippalaiḥ / lakucaiḥ saralair lodhrair hintālair devadārubhiḥ //

mit Arjuna- und Samaparṇa-Bäumen, mit Kovidāra- und Pippala-Feigenbäumen, mit Lakuca-, Sarala-, Lodhra-, Hintāla- und Devadāru-Bäumen,

Wort für Wort
arjunaiḥ samaparṇaiḥ ca
mit Arjuna- und Samaparṇa-Bäumen
kovidāraiḥ sapippalaiḥ
mit Kovidāra- und Pippala(-Feigen)bäumen
lakucaiḥ saralaiḥ lodhraiḥ
mit Lakuca-, Sarala-, Lodhra-Bäumen
hintālaiḥ devadārubhiḥ
mit Hintāla- und Devadāru-Bäumen

palāśair mucukundaiś ca pārijātaiḥ sakubjakaiḥ / kadalīvanakhaṇḍaiś ca jambūpūgaphalais tathā //

mit Palāśa- und Mucukunda-Bäumen, mit Pārijāta- und Kubjaka-Bäumen, mit Bananenwaldstücken, ebenso mit Jambū- und Areka-Früchten,

Wort für Wort
palāśaiḥ mucukundaiḥ ca
mit Palāśa- und Mucukunda-Bäumen
pārijātaiḥ sakubjakaiḥ
mit Pārijāta- und Kubjaka-Bäumen
kadalīvanakhaṇḍaiḥ ca
und mit Bananenwaldstücken
jambūpūgaphalaiḥ tathā
ebenso mit Jambū- und Areka-Früchten

ketakīkaravīraiś ca atimuktaiś ca kiṃśukaiḥ / mandārakundapuṣpaiś ca tathānyaiḥ puṣpajātibhiḥ //

mit Ketakī- und Karavīra-Blüten, mit Atimukta- und Kiṃśuka-Blüten, mit Mandāra- und Kunda-Blüten, und ebenso mit anderen Blütenarten.

Wort für Wort
ketakīkaravīraiḥ ca
mit Ketakī- und Karavīra-Blüten
atimuktaiḥ ca kiṃśukaiḥ
mit Atimukta- und Kiṃśuka-Blüten
mandārakundapuṣpaiḥ ca
mit Mandāra- und Kunda-Blüten
tathā anyaiḥ puṣpajātibhiḥ
ebenso mit anderen Blütenarten

nānāpakṣirutaiḥ sevyair udyānair nandanopamaiḥ / phalabhārānatair vṛkṣaiḥ sarvartukusumotkaraiḥ //

mit von vielerlei Vogelrufen [erfüllten], lieblichen Gärten, dem Nandana [Indras Garten] gleich, mit unter der Last der Früchte sich neigenden Bäumen, mit einer Fülle von Blüten aller Jahreszeiten,

Wort für Wort
nānāpakṣirutaiḥ sevyaiḥ
mit von vielerlei Vogelrufen [erfüllten], lieblichen
udyānaiḥ nandanopamaiḥ
Gärten, dem Nandana gleich
phalabhārānataiḥ vṛkṣaiḥ
mit unter der Last der Früchte sich neigenden Bäumen
sarvartukusumotkaraiḥ
mit einer Fülle von Blüten aller Jahreszeiten

cakoraiḥ śatapattraiś ca bhṛṅgarājaiś ca kokilaiḥ / kalaviṅkair mayūraiś ca priyaputraiḥ śukais tathā //

mit Cakora-Vögeln und śatapattra-Vögeln, mit Bhṛṅgarāja-Vögeln und Kuckucken, mit Sperlingen und Pfauen, mit priyaputra-Vögeln und ebenso mit Papageien,

Wort für Wort
cakoraiḥ
mit Cakora-Vögeln (Rothühnern)
śatapattraiḥ ca
und mit "Hundertblättrigen" [?] (Vogelart oder Lotos)
bhṛṅgarājaiḥ ca kokilaiḥ
mit Bhṛṅgarāja-Vögeln und Kuckucken
kalaviṅkaiḥ mayūraiḥ ca
mit Sperlingen und Pfauen
priyaputraiḥ
mit Priyaputra-Vögeln [?]
śukaiḥ tathā
und ebenso mit Papageien

[?] "śatapattraiḥ" (wörtl. "hundertblättrig", sonst meist "Lotos") und "priyaputraiḥ" sind hier im Kontext einer Vogelaufzählung unsicher als Vogelnamen zu deuten.

jīvaṃjīvakahārītaiś cātakair vanaveṣṭitaiḥ / nānāpakṣigaṇaiś cānyaiḥ kūjadbhir madhurasvaraiḥ //

mit Jīvaṃjīvaka- und Hārīta-Vögeln, mit vom Wald umgebenen Cātaka-Vögeln, mit anderen vielerlei Vogelscharen, süß zwitschernd,

Wort für Wort
jīvaṃjīvakahārītaiḥ ca
mit Jīvaṃjīvaka- und Hārīta-Vögeln
cātakaiḥ vanaveṣṭitaiḥ
mit vom Wald umgebenen Cātaka-Vögeln
nānāpakṣigaṇaiḥ ca anyaiḥ
und mit anderen vielerlei Vogelscharen
kūjadbhiḥ madhurasvaraiḥ
süß zwitschernden

dīrghikābhis taḍāgaiś ca puṣkariṇībhiś ca vāpibhiḥ / nānājalāśayaiś cānyaiḥ padminīkhaṇḍamaṇḍitaiḥ //

mit Langteichen und Teichen, mit Lotosteichen und Brunnen/Zisternen, und mit anderen vielerlei Wasserbecken, mit Lotosbeeten geschmückt,

Wort für Wort
dīrghikābhiḥ taḍāgaiḥ ca
mit Langteichen und Teichen
puṣkariṇībhiḥ ca vāpibhiḥ
mit Lotosteichen und Brunnen/Zisternen
nānājalāśayaiḥ ca anyaiḥ
und mit anderen vielerlei Wasserbecken
padminīkhaṇḍamaṇḍitaiḥ
mit Lotosbeeten geschmückt

kumudaiḥ puṇḍarīkaiś ca tathā nīlotpalaiḥ śubhaiḥ / kādambaiś cakravākaiś ca tathaiva jalakukkuṭaiḥ //

mit weißen Nachtlotos- und Tageslotos-Blüten, ebenso mit schönen blauen Lotosblüten, mit Kādamba-Gänsen und Cakravāka-Vögeln, und ebenso mit Wasserhühnern,

Wort für Wort
kumudaiḥ puṇḍarīkaiḥ ca
mit weißen Nachtlotos- und Tageslotos-Blüten
tathā nīlotpalaiḥ śubhaiḥ
ebenso mit schönen blauen Lotosblüten
kādambaiḥ cakravākaiḥ ca
mit Kādamba-Gänsen und Cakravāka-Vögeln
tathaiva jalakukkuṭaiḥ
und ebenso mit Wasserhühnern

kāraṇḍavaiḥ plavair haṃsais tathānyair jalacāribhiḥ / evaṃ nānāvidhair vṛkṣaiḥ puṣpair nānāvidhair varaiḥ //

mit Kāraṇḍava-Enten, Tauchvögeln, Schwänen und ebenso anderen im Wasser lebenden [Tieren] - so mit vielerlei Bäumen, mit vielerlei vorzüglichen Blüten,

Wort für Wort
kāraṇḍavaiḥ plavaiḥ haṃsaiḥ
mit Kāraṇḍava-Enten, Tauchvögeln, Schwänen
tathā anyaiḥ jalacāribhiḥ
und ebenso anderen im Wasser lebenden [Tieren]
evam nānāvidhaiḥ vṛkṣaiḥ
so mit vielerlei Bäumen
puṣpaiḥ nānāvidhaiḥ varaiḥ
mit vielerlei vorzüglichen Blüten

nānājalāśayaiḥ puṇyaiḥ śobhitaṃ tat samantataḥ / āste tatra svayaṃ devaḥ kṛttivāsā vṛṣadhvajaḥ //

mit vielerlei heiligen Wasserbecken - ist jenes [Feld] ringsum geschmückt. Dort weilt selbst der Gott, der Fellbekleidete, mit dem Stier im Banner,

Wort für Wort
nānājalāśayaiḥ puṇyaiḥ
mit vielerlei heiligen Wasserbecken
śobhitam
geschmückt
tat
jenes [Feld]
samantataḥ
ringsum
āste tatra
dort weilt
svayam devaḥ
der Gott selbst
kṛttivāsāḥ
der Fellbekleidete
vṛṣadhvajaḥ
der mit dem Stier im Banner

hitāya sarvalokasya bhuktimuktipradaḥ śivaḥ / pṛthivyāṃ yāni tīrthāni saritaś ca sarāṃsi ca //

zum Wohl aller Welt, Genuss und Erlösung gewährend - Śiva. Welche Tīrthas es auf der Erde gibt, und Flüsse und Seen,

Wort für Wort
hitāya
zum Wohl
sarvalokasya
aller Welt
bhuktimuktipradaḥ
Genuss und Erlösung gewährend
śivaḥ
Śiva
pṛthivyām
auf der Erde
yāni tīrthāni
welche Tīrthas
saritaḥ ca sarāṃsi ca
und Flüsse und Seen

puṣkariṇyas taḍāgāni vāpyaḥ kūpāś ca sāgarāḥ / tebhyaḥ pūrvaṃ samāhṛtya jalabindūn pṛthak pṛthak //

Lotosteiche, Teiche, Brunnen, Zisternen und Ozeane - von diesen hatte er zuvor Wassertropfen, einzeln je für sich, zusammengetragen,

Wort für Wort
puṣkariṇyaḥ taḍāgāni
Lotosteiche, Teiche
vāpyaḥ kūpāḥ ca sāgarāḥ
Zisternen, Brunnen und Ozeane
tebhyaḥ
von diesen
pūrvam samāhṛtya
zuvor zusammengetragen habend
jalabindūn
Wassertropfen
pṛthak pṛthak
einzeln je für sich

sarvalokahitārthāya rudraḥ sarvasuraiḥ saha / tīrthaṃ bindusaro nāma tasmin kṣetre dvijottamāḥ //

zum Wohle aller Welt, Rudra, zusammen mit allen Göttern, [schuf] das Tīrtha namens Bindusaras in jenem Feld, o beste der Zweifachgeborenen -

Wort für Wort
sarvalokahitārthāya
zum Wohle aller Welt
rudraḥ
Rudra
sarvasuraiḥ saha
zusammen mit allen Göttern
tīrtham
das Tīrtha
bindusaraḥ nāma
namens Bindusaras
tasmin kṣetre
in jenem Feld
dvijottamāḥ
o beste der Zweifachgeborenen

cakāra ṛṣibhiḥ sārdhaṃ tena bindusaraḥ smṛtam / aṣṭamyāṃ bahule pakṣe mārgaśīrṣe dvijottamāḥ //

er schuf es zusammen mit den Weisen; deswegen ist es als Bindusaras bekannt. Am achten Tag der dunklen Monatshälfte im Mārgaśīrṣa-Monat, o beste der Zweifachgeborenen,

Wort für Wort
cakāra
er schuf
ṛṣibhiḥ sārdham
zusammen mit den Weisen
tena
deswegen
bindusaraḥ smṛtam
ist es als Bindusaras bekannt
aṣṭamyām bahule pakṣe
am achten Tag der dunklen Monatshälfte
mārgaśīrṣe
im Mārgaśīrṣa-Monat
dvijottamāḥ
o beste der Zweifachgeborenen

yas tatra yātrāṃ kurute viṣuve vijitendriyaḥ / vidhivad bindusarasi snātvā śraddhāsamanvitaḥ //

wer dort zur Tag-und-Nacht-Gleiche die Wallfahrt unternimmt, mit gebändigten Sinnen, im Bindusaras vorschriftsgemäß gebadet habend, von Glauben erfüllt,

Wort für Wort
yaḥ
wer
tatra yātrām kurute
dort die Wallfahrt unternimmt
viṣuve
zur Tag-und-Nacht-Gleiche
vijitendriyaḥ
mit gebändigten Sinnen
vidhivat
vorschriftsgemäß
bindusarasi snātvā
im Bindusaras gebadet habend
śraddhāsamanvitaḥ
von Glauben erfüllt

devān ṛṣīn manuṣyāṃś ca pitṝn saṃtarpya vāgyataḥ / tilodakena vidhinā nāmagotravidhānavit //

die Götter, Weisen und Menschen und die Ahnen zufriedenstellend, seine Rede zügelnd, mit Sesam und Wasser nach Vorschrift, kundig der Regeln von Name und Gotra [des Verstorbenen],

Wort für Wort
devān ṛṣīn manuṣyān ca
die Götter, Weisen und Menschen
pitṝn saṃtarpya
die Ahnen zufriedenstellend
vāgyataḥ
seine Rede zügelnd
tilodakena vidhinā
mit Sesam und Wasser nach Vorschrift
nāmagotravidhānavit
kundig der Regeln von Name und Gotra

snātvaivaṃ vidhivat tatra so 'śvamedhaphalaṃ labhet / grahoparāge viṣuve saṃkrāntyām ayane tathā //

so gebadet nach Vorschrift dort - er erlangt die Frucht eines Aśvamedha[-Opfers]. Bei einer Planetenfinsternis, zur Tag-und-Nacht-Gleiche, bei einem Sonnenwendeübergang, ebenso zur Sonnenwende,

Wort für Wort
snātvā evam vidhivat tatra
so gebadet nach Vorschrift dort
saḥ
er
aśvamedhaphalam labhet
erlangt die Frucht eines Aśvamedha
grahoparāge
bei einer Planetenfinsternis
viṣuve
zur Tag-und-Nacht-Gleiche
saṃkrāntyām
beim Sonnenwendeübergang
ayane tathā
ebenso zur Sonnenwende

yugādiṣu ṣaḍaśītyāṃ tathānyatra śubhe tithau / ye tatra dānaṃ viprebhyaḥ prayacchanti dhanādikam //

an den Anfängen eines Yuga-Zeitalters, bei der Ṣaḍaśīti[-Konstellation], und ebenso an anderen verheißungsvollen Tagen - wer dort den Brahmanen eine Gabe, Reichtum und dergleichen, darreicht,

Wort für Wort
yugādiṣu
an den Anfängen eines Yuga-Zeitalters
ṣaḍaśītyām
bei der Ṣaḍaśīti[-Konstellation]
tathā anyatra śubhe tithau
und ebenso an anderen verheißungsvollen Tagen
ye tatra dānam viprebhyaḥ prayacchanti
wer dort den Brahmanen eine Gabe darreicht
dhanādikam
Reichtum und dergleichen

[Anm.: "ṣaḍaśītī" bezeichnet einen bestimmten astrologisch günstigen Zeitpunkt (Sonneneintritt in ein Tierkreiszeichen).]

anyatīrthāc chataguṇaṃ phalaṃ te prāpnuvanti vai / piṇḍaṃ ye saṃprayacchanti pitṛbhyaḥ sarasas taṭe //

die erlangen wahrlich hundertfache Frucht gegenüber [einer Gabe an] einem anderen Tīrtha. Wer die Reisklöße den Ahnen am Ufer des Sees darreicht,

Wort für Wort
anyatīrthāt
gegenüber einem anderen Tīrtha
śataguṇam phalam
hundertfache Frucht
te prāpnuvanti vai
die erlangen wahrlich
piṇḍam
die Reisklöße
ye saṃprayacchanti
wer darreicht
pitṛbhyaḥ
den Ahnen
sarasaḥ taṭe
am Ufer des Sees

pitṝṇām akṣayāṃ tṛptiṃ te kurvanti na saṃśayaḥ / tataḥ śaṃbhor gṛhaṃ gatvā vāgyataḥ saṃyatendriyaḥ //

die bewirken den Ahnen unvergängliche Sättigung, kein Zweifel. Danach, zum Hause Śambhus gegangen, seine Rede zügelnd, mit gebändigten Sinnen,

Wort für Wort
pitṝṇām
den Ahnen
akṣayām tṛptim
unvergängliche Sättigung
te kurvanti
die bewirken
na saṃśayaḥ
kein Zweifel
tataḥ
danach
śaṃbhoḥ gṛham gatvā
zum Hause Śambhus gegangen
vāgyataḥ
seine Rede zügelnd
saṃyatendriyaḥ
mit gebändigten Sinnen

praviśya pūjayec charvaṃ kṛtvā taṃ triḥ pradakṣiṇam / ghṛtakṣīrādibhiḥ snānaṃ kārayitvā bhavaṃ śuciḥ //

eingetreten, möge er Śarva [Śiva] verehren, ihn dreimal umschreitend, mit Ghee, Milch und dergleichen ein Bad bereitend für Bhava [Śiva], gereinigt,

Wort für Wort
praviśya
eingetreten
pūjayet śarvam
möge er Śarva verehren
kṛtvā tam triḥ pradakṣiṇam
ihn dreimal umschreitend
ghṛtakṣīrādibhiḥ
mit Ghee, Milch und dergleichen
snānam kārayitvā bhavam
ein Bad bereitend für Bhava
śuciḥ
gereinigt

candanena sugandhena vilipya kuṅkumena ca / tataḥ saṃpūjayed devaṃ candramaulim umāpatim //

mit wohlriechendem Sandel und mit Safran ihn salbend - danach möge er den Gott verehren, den Mondgekrönten, den Gatten Umās,

Wort für Wort
candanena sugandhena
mit wohlriechendem Sandel
vilipya
salbend
kuṅkumena ca
und mit Safran
tataḥ saṃpūjayet devam
danach möge er den Gott verehren
candramaulim
den Mondgekrönten
umāpatim
den Gatten Umās

puṣpair nānāvidhair medhyair bilvārkakamalādibhiḥ / āgamoktena mantreṇa vedoktena ca śaṃkaram //

mit vielerlei reinen Blumen - Bilva-, Arka-, Lotosblüten und dergleichen -, mit dem in den Āgamas gesprochenen Mantra und dem im Veda gesprochenen [Mantra] den Śaṃkara,

Wort für Wort
puṣpaiḥ nānāvidhaiḥ medhyaiḥ
mit vielerlei reinen Blumen
bilvārkakamalādibhiḥ
Bilva-, Arka-, Lotosblüten und dergleichen
āgamoktena mantreṇa
mit dem in den Āgamas gesprochenen Mantra
vedoktena ca
und dem im Veda gesprochenen [Mantra]
śaṃkaram
den Śaṃkara

adīkṣitas tu nāmnaiva mūlamantreṇa cārcayet / evaṃ saṃpūjya taṃ devaṃ gandhapuṣpānurāgibhiḥ //

wer aber nicht eingeweiht ist, möge ihn allein mit dem Namen und dem Wurzelmantra verehren. So diesen Gott verehrt habend, mit Duft und Blumen ihm zugetan,

Wort für Wort
adīkṣitaḥ tu
wer aber nicht eingeweiht ist
nāmnā eva
allein mit dem Namen
mūlamantreṇa ca arcayet
möge er auch mit dem Wurzelmantra verehren
evam saṃpūjya tam devam
so diesen Gott verehrt habend
gandhapuṣpānurāgibhiḥ
mit Duft und Blumen ihm zugetan

dhūpadīpaiś ca naivedyair upahārais tathā stavaiḥ / daṇḍavatpraṇipātaiś ca gītair vādyair manoharaiḥ //

mit Räucherwerk und Lichtern, mit Speiseopfergaben, ebenso mit Geschenken und Lobpreisungen, mit stabgleichen Niederwerfungen, mit bezaubernden Gesängen und Instrumenten,

Wort für Wort
dhūpadīpaiḥ ca
mit Räucherwerk und Lichtern
naivedyaiḥ
mit Speiseopfergaben
upahāraiḥ tathā stavaiḥ
ebenso mit Geschenken und Lobpreisungen
daṇḍavatpraṇipātaiḥ ca
mit stabgleichen Niederwerfungen
gītaiḥ vādyaiḥ manoharaiḥ
mit bezaubernden Gesängen und Instrumenten

nṛtyajapyanamaskārair jayaśabdaiḥ pradakṣiṇaiḥ / evaṃ saṃpūjya vidhivad devadevam umāpatim //

mit Tanz, stillem Murmelgebet und Verneigungen, mit Siegesrufen, mit Umschreitungen - so den Gott der Götter, den Gatten Umās, vorschriftsgemäß verehrt habend,

Wort für Wort
nṛtyajapyanamaskāraiḥ
mit Tanz, stillem Murmelgebet und Verneigungen
jayaśabdaiḥ
mit Siegesrufen
pradakṣiṇaiḥ
mit Umschreitungen
evam saṃpūjya vidhivat
so vorschriftsgemäß verehrt habend
devadevam umāpatim
den Gott der Götter, den Gatten Umās

sarvapāpavinirmukto rūpayauvanagarvitaḥ / kulaikaviṃśam uddhṛtya divyābharaṇabhūṣitāḥ //

von aller Sünde befreit, stolz auf Gestalt und Jugend, einundzwanzig Geschlechter [seiner Sippe] emporhebend, mit göttlichem Schmuck geziert,

Wort für Wort
sarvapāpavinirmuktaḥ
von aller Sünde befreit
rūpayauvanagarvitaḥ
stolz auf Gestalt und Jugend
kulaikaviṃśam uddhṛtya
einundzwanzig Geschlechter [seiner Sippe] emporhebend
divyābharaṇabhūṣitāḥ
mit göttlichem Schmuck geziert

sauvarṇena vimānena kiṅkiṇījālamālinā / upagīyamāno gandharvair apsarobhir alaṃkṛtaḥ //

auf einem goldenen Flugwagen, bekränzt mit einem Netz von Glöckchen, von Gandharvas besungen, von Apsaras geschmückt,

Wort für Wort
sauvarṇena vimānena
auf einem goldenen Flugwagen
kiṅkiṇījālamālinā
bekränzt mit einem Netz von Glöckchen
upagīyamānaḥ gandharvaiḥ
von Gandharvas besungen
apsarobhiḥ alaṃkṛtaḥ
von Apsaras geschmückt

uddyotayan diśaḥ sarvāḥ śivalokaṃ sa gacchati / bhuktvā tatra sukhaṃ viprā manasaḥ prītidāyakam //

alle Himmelsrichtungen erleuchtend, geht er zur Welt Śivas ein. Dort genießend, o Brahmanen, dem Geist Freude spendendes Glück,

Wort für Wort
uddyotayan
erleuchtend
diśaḥ sarvāḥ
alle Himmelsrichtungen
śivalokam sa gacchati
geht er zur Welt Śivas ein
bhuktvā tatra sukham
dort das Glück genießend
viprāḥ
o Brahmanen
manasaḥ prītidāyakam
dem Geist Freude spendend

tallokavāsibhiḥ sārdhaṃ yāvad ābhūtasaṃplavam / tatas tasmād ihāyātaḥ pṛthivyāṃ puṇyasaṃkṣaye //

zusammen mit den Bewohnern jener Welt, bis zur [nächsten] Weltauflösung. Danach, von dort hierher [auf die Erde] gekommen, wenn sein Verdienst schwindet,

Wort für Wort
tallokavāsibhiḥ sārdham
zusammen mit den Bewohnern jener Welt
yāvat ābhūtasaṃplavam
bis zur [nächsten] Weltauflösung
tataḥ tasmāt ihā āyātaḥ
danach von dort hierher gekommen
pṛthivyām
auf der Erde
puṇyasaṃkṣaye
wenn sein Verdienst schwindet

jāyate yogināṃ gehe caturvedī dvijottamāḥ / yogaṃ pāśupataṃ prāpya tato mokṣam avāpnuyāt //

wird er im Hause von Yogins geboren, als Kenner der vier Veden, o beste der Zweifachgeborenen; das Pāśupata-Joch erlangend, erlangt er danach die Erlösung.

Wort für Wort
jāyate
er wird geboren
yogināṃ gehe
im Hause von Yogins
caturvedī
als Kenner der vier Veden
dvijottamāḥ
o beste der Zweifachgeborenen
yogam pāśupatam prāpya
das Pāśupata-Joch erlangend
tataḥ mokṣam avāpnuyāt
danach erlangt er die Erlösung

śayanotthāpane caiva saṃkrāntyām ayane tathā / aśokākhyāṃ tathāṣṭamyāṃ pavitrāropaṇe tathā //

Bei [Viṣṇus] Sich-Niederlegen und Erheben, bei der Sonnenwende, ebenso zur Sonnenwendezeit, an dem als Aśoka benannten achten [Tag], ebenso beim Anlegen der heiligen Fäden,

Wort für Wort
śayanotthāpane
bei [Viṣṇus] Sich-Niederlegen und Erheben
ca eva
und ebenso
saṃkrāntyām
bei der Sonnenwende
ayane tathā
ebenso zur Sonnenwendezeit
aśokākhyām tathā aṣṭamyām
an dem als Aśoka benannten achten [Tag]
pavitrāropaṇe tathā
ebenso beim Anlegen der heiligen Fäden

ye ca paśyanti taṃ devaṃ kṛttivāsasam uttamam / vimānenārkavarṇena śivalokaṃ vrajanti te //

wer diesen Gott, den vorzüglichen, in Fell Gekleideten, [dort] erblickt - die gehen auf einem sonnenfarbenen Flugwagen zur Welt Śivas ein.

Wort für Wort
ye ca paśyanti
wer erblickt
tam devam
diesen Gott
kṛttivāsasam uttamam
den vorzüglichen, in Fell Gekleideten
vimānena ārkavarṇena
auf einem sonnenfarbenen Flugwagen
śivalokam vrajanti te
gehen die zur Welt Śivas ein

sarvakāle 'pi taṃ devaṃ ye paśyanti sumedhasaḥ / te 'pi pāpavinirmuktāḥ śivalokaṃ vrajanti vai //

Auch wer zu jeder Zeit diesen Gott erblickt, die Klugen - auch sie gehen, von Sünde befreit, wahrlich zur Welt Śivas ein.

Wort für Wort
sarvakāle api
auch zu jeder Zeit
tam devam ye paśyanti
wer diesen Gott erblickt
sumedhasaḥ
die Klugen
te api pāpavinirmuktāḥ
auch sie, von Sünde befreit
śivalokam vrajanti vai
gehen wahrlich zur Welt Śivas ein

devasya paścime pūrve dakṣiṇe cottare tathā / yojanadvitayaṃ sārdhaṃ kṣetraṃ tad bhuktimuktidam //

Im Westen, Osten, Süden und ebenso im Norden des Gottes, zweieinhalb Yojanas [weit] ist jenes Feld, Genuss und Erlösung gewährend.

Wort für Wort
devasya
des Gottes
paścime pūrve
im Westen, Osten
dakṣiṇe ca uttare tathā
im Süden und ebenso im Norden
yojanadvitayam sārdham
zwei[einhalb] Yojanas [?]
kṣetram tat
jenes Feld
bhuktimuktidam
Genuss und Erlösung gewährend

[?] "yojanadvitayaṃ sārdham" ist als Maßangabe unsicher - hier als "zwei[einhalb] Yojana" gedeutet.

tasmin kṣetravare liṅgaṃ bhāskareśvarasaṃjñitam / paśyanti ye tu taṃ devaṃ snātvā kuṇḍe maheśvaram //

In jenem vorzüglichen Feld [gibt es] ein Liṅga, benannt Bhāskareśvara; wer aber diesen Gott, den großen Herrn, erblickt, nachdem er im [dortigen] Becken gebadet hat,

Wort für Wort
tasmin kṣetravare
in jenem vorzüglichen Feld
liṅgam
ein Liṅga
bhāskareśvarasaṃjñitam
benannt Bhāskareśvara
paśyanti ye tu
wer aber erblickt
tam devam maheśvaram
diesen Gott, den großen Herrn
snātvā kuṇḍe
nachdem er im Becken gebadet hat

ādityenārcitaṃ pūrvaṃ devadevaṃ trilocanam / sarvapāpavinirmuktā vimānavaram āsthitāḥ //

[das Liṅga,] einst von Āditya verehrt, den Gott der Götter, den Dreiäugigen - [die es Sehenden werden], von aller Sünde befreit, auf einem vorzüglichen Flugwagen weilend,

Wort für Wort
ādityena arcitam pūrvam
einst von Āditya (der Sonne) verehrt
devadevam trilocanam
den Gott der Götter, den Dreiäugigen
sarvapāpavinirmuktāḥ
von aller Sünde befreit
vimānavaram āsthitāḥ
auf einem vorzüglichen Flugwagen weilend

upagīyamānā gandharvaiḥ śivalokaṃ vrajanti te / tiṣṭhanti tatra muditāḥ kalpam ekaṃ dvijottamāḥ //

von Gandharvas besungen, zur Welt Śivas eingehen. Sie weilen dort, erfreut, für ein volles Weltzeitalter, o beste der Zweifachgeborenen,

Wort für Wort
upagīyamānāḥ gandharvaiḥ
von Gandharvas besungen
śivalokam vrajanti te
gehen sie zur Welt Śivas ein
tiṣṭhanti tatra muditāḥ
sie weilen dort erfreut
kalpam ekam
für ein volles Weltzeitalter
dvijottamāḥ
o beste der Zweifachgeborenen

bhuktvā tu vipulān bhogāñ śivaloke manoramān / puṇyakṣayād ihāyātā jāyante pravare kule //

nachdem sie umfangreiche, entzückende Genüsse in der Welt Śivas genossen haben, kommen sie, wenn ihr Verdienst schwindet, hierher [zurück] und werden in vorzüglicher Familie geboren,

Wort für Wort
bhuktvā tu vipulān bhogān
nachdem sie umfangreiche Genüsse genossen haben
śivaloke manoramān
in der Welt Śivas, entzückende
puṇyakṣayāt
wenn ihr Verdienst schwindet
ihā āyātāḥ
hierher gekommen
jāyante pravare kule
werden sie in vorzüglicher Familie geboren

athavā yogināṃ gehe vedavedāṅgapāragāḥ / utpadyante dvijavarāḥ sarvabhūtahite ratāḥ //

oder aber im Hause von Yogins entstehen sie, als Kenner der Veden und Vedāṅgas, als vorzügliche Zweifachgeborene, am Wohl aller Wesen Freude findend,

Wort für Wort
athavā
oder aber
yogināṃ gehe
im Hause von Yogins
vedavedāṅgapāragāḥ
als Kenner der Veden und Vedāṅgas
utpadyante dvijavarāḥ
entstehen sie als vorzügliche Zweifachgeborene
sarvabhūtahite ratāḥ
am Wohl aller Wesen Freude findend

mokṣaśāstrārthakuśalāḥ sarvatra samabuddhayaḥ / yogaṃ śaṃbhor varaṃ prāpya tato mokṣaṃ vrajanti te //

geschickt im Sinn der Erlösungslehren, überall gleichmütigen Sinnes; das vorzügliche Joch Śambhus erlangend, gehen sie danach zur Erlösung ein.

Wort für Wort
mokṣaśāstrārthakuśalāḥ
geschickt im Sinn der Erlösungslehren
sarvatra samabuddhayaḥ
überall gleichmütigen Sinnes
yogam śaṃbhoḥ varam prāpya
das vorzügliche Joch Śambhus erlangend
tataḥ mokṣam vrajanti te
gehen sie danach zur Erlösung ein

tasmin kṣetravare puṇye liṅgaṃ yad dṛśyate dvijāḥ / pūjyāpūjyaṃ ca sarvatra vane rathyāntare 'pi vā //

In jenem vorzüglichen, heiligen Feld, welches Liṅga man auch sieht, o Zweifachgeborene, ob verehrt oder unverehrt, überall - sei es im Wald, an der Straßenkreuzung, oder auch,

Wort für Wort
tasmin kṣetravare puṇye
in jenem vorzüglichen, heiligen Feld
liṅgam yat dṛśyate
welches Liṅga man auch sieht
dvijāḥ
o Zweifachgeborene
pūjyāpūjyam ca sarvatra
ob verehrt oder unverehrt, überall
vane rathyāntare api vā
sei es im Wald, an der Straßenkreuzung, oder auch

catuṣpathe śmaśāne vā yatra kutra ca tiṣṭhati / dṛṣṭvā tal liṅgam avyagraḥ śraddhayā susamāhitaḥ //

an der Vierwegkreuzung, im Leichenverbrennungsplatz, oder wo auch immer es steht - nachdem er jenes Liṅga erblickt hat, ungetrübten Sinnes, mit Glauben wohlgesammelt,

Wort für Wort
catuṣpathe śmaśāne vā
an der Vierwegkreuzung, im Leichenverbrennungsplatz
yatra kutra ca tiṣṭhati
oder wo auch immer es steht
dṛṣṭvā tat liṅgam
nachdem er jenes Liṅga erblickt hat
avyagraḥ
ungetrübten Sinnes
śraddhayā susamāhitaḥ
mit Glauben wohlgesammelt

snāpayitvā tu taṃ bhaktyā gandhaiḥ puṣpair manoharaiḥ / dhūpair dīpaiḥ sanaivedyair namaskārais tathā stavaiḥ //

es mit Hingabe gebadet habend, mit Duftstoffen, bezaubernden Blumen, mit Räucherwerk, Lichtern, samt Speiseopfergaben, mit Verneigungen und ebenso mit Lobpreisungen,

Wort für Wort
snāpayitvā tu tam bhaktyā
es mit Hingabe gebadet habend
gandhaiḥ puṣpaiḥ manoharaiḥ
mit Duftstoffen, bezaubernden Blumen
dhūpaiḥ dīpaiḥ sanaivedyaiḥ
mit Räucherwerk, Lichtern, samt Speiseopfergaben
namaskāraiḥ tathā stavaiḥ
mit Verneigungen und ebenso mit Lobpreisungen

daṇḍavatpraṇipātaiś ca nṛtyagītādibhis tathā / saṃpūjyaivaṃ vidhānena śivalokaṃ vrajen naraḥ //

mit stabgleichen Niederwerfungen und ebenso mit Tanz, Gesang und dergleichen - so nach Vorschrift verehrt habend, geht der Mann zur Welt Śivas ein,

Wort für Wort
daṇḍavatpraṇipātaiḥ ca
mit stabgleichen Niederwerfungen
nṛtyagītādibhiḥ tathā
und ebenso mit Tanz, Gesang und dergleichen
saṃpūjya evam vidhānena
so nach Vorschrift verehrt habend
śivalokam vrajet naraḥ
geht der Mann zur Welt Śivas ein

nārī vā dvijaśārdūlāḥ saṃpūjya śraddhayānvitā / pūrvoktaṃ phalam āpnoti nātra kāryā vicāraṇā //

oder die Frau, o Tiger unter den Zweifachgeborenen, wenn sie mit Glauben versehen verehrt hat, erlangt die zuvor genannte Frucht - hierbei ist kein Zweifel zu hegen.

Wort für Wort
nārī vā
oder die Frau
dvijaśārdūlāḥ
o Tiger unter den Zweifachgeborenen
saṃpūjya śraddhayānvitā
mit Glauben versehen verehrt habend
pūrvoktam phalam āpnoti
erlangt die zuvor genannte Frucht
na atra kāryā vicāraṇā
hierbei ist kein Zweifel zu hegen

kaḥ śaknoti guṇān vaktuṃ samagrān munisattamāḥ / tasya kṣetravarasyātha ṛte devān maheśvarāt //

Wer vermag, o beste der Weisen, alle Vorzüge jenes vorzüglichen Feldes zu nennen, außer den Göttern und dem großen Herrn selbst?

Wort für Wort
kaḥ śaknoti
wer vermag
guṇān vaktum samagrān
alle Vorzüge zu nennen
munisattamāḥ
o beste der Weisen
tasya kṣetravarasya
jenes vorzüglichen Feldes
ṛte devān maheśvarāt
außer den Göttern und dem großen Herrn

tasmin kṣetrottame gatvā śraddhayāśraddhayāpi vā / mādhavādiṣu māseṣu naro vā yadi vāṅganā //

Zu jenem vorzüglichsten Feld gegangen, mit Glauben oder auch ohne Glauben, in den Monaten beginnend mit Mādhava [Vaiśākha], sei es ein Mann oder eine Frau,

Wort für Wort
tasmin kṣetrottame gatvā
zu jenem vorzüglichsten Feld gegangen
śraddhayā aśraddhayā api vā
mit Glauben oder auch ohne Glauben
mādhavādiṣu māseṣu
in den Monaten beginnend mit Mādhava
naraḥ vā yadi vā aṅganā
sei es ein Mann oder eine Frau

yasmin yasmiṃs tithau viprāḥ snātvā bindusarombhasi / paśyed devaṃ virūpākṣaṃ devīṃ ca varadāṃ śivām //

an welchem Tag auch immer, o Brahmanen, im Wasser des Bindusaras gebadet habend, möge er den Gott Virūpākṣa erblicken und die Gnaden gewährende Göttin Śivā,

Wort für Wort
yasmin yasmin tithau
an welchem Tag auch immer
viprāḥ
o Brahmanen
snātvā bindusarombhasi
im Wasser des Bindusaras gebadet habend
paśyet devam virūpākṣam
möge er den Gott Virūpākṣa erblicken
devīm ca varadām śivām
und die Gnaden gewährende Göttin Śivā

gaṇaṃ caṇḍaṃ kārttikeyaṃ gaṇeśaṃ vṛṣabhaṃ tathā / kalpadrumaṃ ca sāvitrīṃ śivalokaṃ sa gacchati //

den Gaṇa Caṇḍa, Kārttikeya, Gaṇeśa, ebenso den Stier [Nandin], den Wunschbaum und Sāvitrī - er geht [dann] zur Welt Śivas ein.

Wort für Wort
gaṇam caṇḍam
den Gaṇa Caṇḍa
kārttikeyam gaṇeśam
Kārttikeya, Gaṇeśa
vṛṣabham tathā
ebenso den Stier
kalpadrumam ca sāvitrīm
und den Wunschbaum und Sāvitrī
śivalokam sa gacchati
er geht zur Welt Śivas ein

snātvā ca kāpile tīrthe vidhivat pāpanāśane / prāpnoty abhimatān kāmāñ śivalokaṃ sa gacchati //

Und nachdem er im Kāpila-Tīrtha, das die Sünde vernichtet, vorschriftsgemäß gebadet hat, erlangt er die gewünschten Wünsche [und] geht zur Welt Śivas ein.

Wort für Wort
snātvā ca kāpile tīrthe
und nachdem er im Kāpila-Tīrtha gebadet hat
vidhivat pāpanāśane
vorschriftsgemäß, das die Sünde vernichtet
prāpnoti abhimatān kāmān
er erlangt die gewünschten Wünsche
śivalokam sa gacchati
er geht zur Welt Śivas ein

yaḥ stambhyaṃ tatra vidhivat karoti niyatendriyaḥ / kulaikaviṃśam uddhṛtya śivalokaṃ sa gacchati //

Wer dort vorschriftsgemäß das Stambhya[-Ritual] vollzieht, mit gezügelten Sinnen, einundzwanzig Geschlechter [seiner Sippe] emporhebend, geht er zur Welt Śivas ein.

Wort für Wort
yaḥ stambhyam tatra vidhivat karoti
wer dort vorschriftsgemäß das Stambhya[-Ritual] vollzieht [?]
niyatendriyaḥ
mit gezügelten Sinnen
kulaikaviṃśam uddhṛtya
einundzwanzig Geschlechter [seiner Sippe] emporhebend
śivalokam sa gacchati
geht er zur Welt Śivas ein

[?] "stambhyam" (etwa "das zu Befestigende/Aufzurichtende") bezeichnet hier vermutlich ein bestimmtes Ritual (evtl. das Aufstellen eines Pfostens oder Liṅgas), dessen genaue Natur unsicher bleibt.

ekāmrake śivakṣetre vārāṇasīsame śubhe / snānaṃ karoti yas tatra mokṣaṃ sa labhate dhruvam //

Wer in Ekāmraka, dem Śiva-Feld, Vārāṇasī gleich, verheißungsvoll, dort das Bad vollzieht, der erlangt gewiss die Erlösung.

Wort für Wort
ekāmrake śivakṣetre
in Ekāmraka, dem Śiva-Feld
vārāṇasīsame śubhe
Vārāṇasī gleich, verheißungsvoll
snānam karoti yaḥ tatra
wer dort das Bad vollzieht
mokṣam sa labhate dhruvam
der erlangt gewiss die Erlösung

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