Kapitel 64: mahājyaiṣṭhīmāhātmyavarṇanam
Die Größe der Mahājyaiṣṭhī (großen Jyeṣṭhā-Konjunktion) und der Tīrtha-Katalog der ganzen Erde
Bei einer besonderen astrologischen Konstellation ('Mahājyaiṣṭhī', der Verbindung von Mondzeichen und Mondhaus Jyeṣṭhā) übertrifft der bloße Anblick von Kṛṣṇa, Balarāma und Subhadrā in Puruṣottama die Verdienste des Badens an sämtlichen Pilgerstätten, Bergen und Flüssen der Erde (ein umfangreicher Namenskatalog, V3-14, u.a. Prayāga, Kurukṣetra, Kāśī, Dvārakā, die sieben Kula-Berge und die großen Flüsse) – ja sogar die Verdienste des Badens während einer Sonnenfinsternis.
Brahmā sprach: Wenn durch die Verbindung von [Mond-]Zeichen und Mondhaus die „Mahājyaiṣṭhī“ [große Jyeṣṭhā-Konjunktion] eintritt, dann sollen die Sterblichen mit Eifer zu Puruṣottama gehen.
Wer bei der Mahājyaiṣṭhī Kṛṣṇa, Rāma [Balarāma] und Bhadrā erblickt, o Zweifachgeborene, der Mensch erlangt die Frucht der Zwölf-Wallfahrt (Dvādaśayātrā) und noch mehr.
Wort für Wort
kṛṣṇam dṛṣṭvā mahājyaiṣṭhyām
Kṛṣṇa bei der Mahājyaiṣṭhī erblickt habend
rāmam bhadrām ca bhoḥ dvijāḥ
Rāma und Bhadrā, o Zweifachgeborene
naraḥ dvādaśayātrāyāḥ phalam
der Mensch die Frucht der Zwölf-Wallfahrt
prāpnoti ca adhikam
erlangt und noch mehr
[Anm.: Die genaue Bedeutung der 'Dvādaśayātrā' (Zwölf-Wallfahrt) bleibt ohne nähere Erläuterung im Text unsicher [?] – vermutlich Bezug auf eine zwölfteilige Wallfahrtsordnung oder zwölf Jahreswallfahrten.]
mahendre malaye vindhye pāriyātre himālaye / sahye ca śuktimante ca gomante cārbude tathā // BrP_64.9 //
am Mahendra, Malaya, Vindhya, Pāriyātra, Himālaya, am Sahya und Śuktimant, sowie am Gomanta und Arbuda,
Wort für Wort
mahendre malaye vindhye
am Mahendra, Malaya, Vindhya
pāriyātre himālaye
am Pāriyātra, Himālaya
sahye ca śuktimante ca
am Sahya und Śuktimant
gomante ca arbude tathā
und am Gomanta und Arbuda
[Anm.: V9 zählt die sieben traditionellen 'Kula-Berge' (Mahendra, Malaya, Sahya, Śuktimant, Vindhya, Pāriyātra u.a.) auf, ergänzt um Himālaya, Gomanta und Arbuda.]
an der Gaṅgā, an allen [ihren] Pilgerstätten, und an denen der Yamunā, o Zweifachgeborene, an denen der Sarasvatī, an der Gomatī, an den sieben Brahmaputra[-Armen],
Mahānadī, Vaitaraṇī, und welche anderen [Flüsse] hier nicht [eigens] genannt wurden – oder was [nützt] hier vieles Reden, o beste der Zweifachgeborenen?
Wort für Wort
mahānadī vaitaraṇī
Mahānadī, Vaitaraṇī
yāḥ ca anyāḥ na anukīrtitāḥ
und welche anderen nicht genannt wurden
athavā kim bahu uktena
oder was [nützt] vieles Reden
bhāṣitena dvijottamāḥ
mit dem Gesprochenen, o beste der Zweifachgeborenen
[Anm.: Abschluss des Tīrtha- und Flusskatalogs (V3-14).]
welche Frucht [dort] durch Baden und Spenden erlangt wird, wenn die Sonne von Rāhu ergriffen ist [d.h. bei einer Sonnenfinsternis] – jene Frucht erlangt der Mensch, indem er Kṛṣṇa bei der Mahājyaiṣṭhī erblickt.
Deshalb soll man mit allem Eifer zu Puruṣottama gehen, bei der Mahājyaiṣṭhī, o beste der Weisen, [wenn man] die Frucht aller Wünsche zu erlangen begehrt.
Nachdem man Rāma bei der Mahājyeṣṭhī erblickt hat, [und] Kṛṣṇa zusammen mit Subhadrā, geht der Mensch, nachdem er zugleich seine ganze Sippe emporgehoben hat, zur Welt Viṣṇus.
Wort für Wort
dṛṣṭvā rāmam mahājyeṣṭham
Rāma bei der Mahājyeṣṭhī erblickt habend
kṛṣṇam subhadrayā saha
Kṛṣṇa zusammen mit Subhadrā
viṣṇulokam naraḥ yāti
geht der Mensch zur Welt Viṣṇus
samuddhṛtya samam kulam
nachdem er zugleich die ganze Sippe emporgehoben hat
Nachdem er dort vortreffliche Genüsse genossen hat, bis zur Weltauflösung (Ābhūtasaṃplava), wird er, nach Erschöpfung seines Verdienstes hierher zurückgekehrt, ein der vier Veden kundiger Brahmane,
Wort für Wort
bhuktvā tatra varān bhogān
dort vortreffliche Genüsse genossen habend
yāvat ābhūtasaṃplavam
bis zur Weltauflösung
puṇyakṣayāt iha āgatya
nach Erschöpfung des Verdienstes hierher zurückgekehrt
seiner eigenen Pflicht (Svadharma) ergeben, friedvoll, ein Kṛṣṇa-Hingebungsvoller, seine Sinne beherrschend; nachdem er die Vaiṣṇava-Yoga-Disziplin ergriffen hat, erlangt er darauf die Erlösung.
Wort für Wort
svadharmaniratah śāntaḥ
der eigenen Pflicht ergeben, friedvoll
kṛṣṇabhaktaḥ jitendriyaḥ
ein Kṛṣṇa-Hingebungsvoller, die Sinne beherrschend