Quellen der Menschheit

Brahma-Purāṇa

Kapitel 55: mārkaṇḍeyakṛtadvitīyapuruṣottamastotravarṇanam Mārkaṇḍeyas zweite Lobpreis-Hymne an Puruṣottama nach der Rückkehr aus dessen Leib

Aus dem Mund des göttlichen Knaben herausgeschleudert, findet sich Mārkaṇḍeya erneut allein im Ur-Ozean und sieht den Gott wieder auf dem Banyanbaum ruhen. Der Gott fragt ihn scherzhaft nach seinen Erlebnissen im Inneren seines Leibes; Mārkaṇḍeya, von neuem Anblick geblendet und von Ehrfurcht ergriffen, stimmt eine zweite, ausführliche Lobpreis-Hymne an: zunächst Klagen über die erlittenen Schrecken des Pralaya (Feuer, Wind, Durst, Hunger, Orientierungslosigkeit), dann eine lange Reihe von 'Sei gnädig'-Anrufungen und schließlich eine Identifikationsreihe, in der Puruṣottama mit sämtlichen Elementen, Prinzipien, Göttern und Wesensklassen des Universums gleichgesetzt wird.

sa niṣkramyodarāt tasya bālasya munisattamāḥ / punaś caikārṇavām urvīm apaśyaj janavarjitām //

Er, herausgetreten aus dem Bauch jenes Knaben, oh beste der Munis, sah wiederum die im Ur-Ozean [versunkene], von Menschen verlassene Erde.

Wort für Wort
sa niṣkramya
er, herausgetreten seiend
udarāt tasya bālasya
aus dem Bauch jenes Knaben
munisattamāḥ
oh beste der Munis
punaḥ ca
und wiederum
ekārṇavām urvīm
die im Ur-Ozean [versunkene] Erde
apaśyat
er sah
janavarjitām
von Menschen verlassen

[Anm.: Sprecher-Tag {brahmovāca:} vor diesem Vers (am Ende von Kap.54) setzt den Erzählrahmen fort. Mārkaṇḍeya findet sich erneut allein im Ur-Ozean.]

pūrvadṛṣṭaṃ ca taṃ devaṃ dadarśa śiśurūpiṇam / śākhāyāṃ vaṭavṛkṣasya paryaṅkopari saṃsthitam //

Und er sah jenen zuvor gesehenen Gott in Kindesgestalt, auf dem Ruhelager im Geäst des Banyanbaums befindlich.

Wort für Wort
pūrvadṛṣṭam ca
und zuvor gesehen
tam devam
jenen Gott
dadarśa
er sah
śiśurūpiṇam
in Kindesgestalt
śākhāyāṃ vaṭavṛkṣasya
im Geäst des Banyanbaums
paryaṅka-upari saṃsthitam
auf dem Ruhelager befindlich

śrīvatsavakṣasaṃ devaṃ pītavastraṃ caturbhujam / jagad ādāya tiṣṭhantaṃ padmapattrāyatekṣaṇam //

den Gott mit dem Śrīvatsa-Zeichen auf der Brust, mit gelbem Gewand, vierarmig, die Welt in sich aufgenommen habend, mit Augen [lang] wie Lotusblätter.

Wort für Wort
śrīvatsavakṣasam
mit dem Śrīvatsa-Zeichen auf der Brust
devam
den Gott
pītavastram
mit gelbem Gewand
caturbhujam
vierarmig
jagad ādāya tiṣṭhantam
die Welt in sich aufgenommen habend, verweilend
padmapattrāyatekṣaṇam
mit Augen [lang] wie Lotusblätter

so 'pi taṃ munim āyāntaṃ plavamānam acetanam / dṛṣṭvā mukhād viniṣkrāntaṃ provāca prahasann iva //

Auch er (der Gott), jenen herannahenden, umhertreibenden, von Sinnen aus dem Mund herausgetretenen Muni sehend, sprach gleichsam lächelnd.

Wort für Wort
saḥ api
auch er
tam munim āyāntam
jenen herannahenden Muni
plavamānam
umhertreibend
acetanam
von Sinnen
dṛṣṭvā
gesehen habend
mukhāt viniṣkrāntam
aus dem Mund herausgetreten
provāca
er sprach
prahasan iva
gleichsam lächelnd

kaccit tvayoṣitaṃ vatsa viśrāntaṃ ca mamodare / bhramamāṇaś ca kiṃ tatra āścaryaṃ dṛṣṭavān asi //

'Hast du wohl, Kind, in meinem Bauch verweilt und geruht? Und was für ein Wunder hast du dort, umherwandernd, gesehen?'

Wort für Wort
kaccit
hast du wohl (Fragepartikel)
tvayā uṣitam
von dir verweilt
vatsa
Kind
viśrāntaṃ ca
und geruht
mama udare
in meinem Bauch
bhramamāṇaḥ ca
und umherwandernd
kiṃ tatra āścaryam
was für ein Wunder dort
dṛṣṭavān asi
hast du gesehen

[Anm.: Sprecherwechsel — {śrībhagavān uvāca:}.]

bhakto 'si me muniśreṣṭha śrānto 'si ca mamāśritaḥ / tena tvām upakārāya saṃbhāṣe paśya mām iha //

'Du bist mein Anhänger, oh bester der Munis, du bist erschöpft und hast bei mir Zuflucht gesucht; daher spreche ich zu dir zu deinem Wohl — sieh mich hier.'

Wort für Wort
bhaktaḥ asi me
du bist mein Anhänger
muniśreṣṭha
oh bester der Munis
śrāntaḥ asi ca
und du bist erschöpft
mama āśritaḥ
bei mir Zuflucht genommen habend
tena
daher
tvām upakārāya
zu deinem Nutzen
saṃbhāṣe
ich spreche
paśya mām iha
sieh mich hier

śrutvā sa vacanaṃ tasya saṃprahṛṣṭatanūruhaḥ / dadarśa taṃ suduṣprekṣaṃ ratnair divyair alaṃkṛtam //

Nachdem er dessen Wort gehört hatte, mit vor Freude gesträubten Körperhärchen, sah er jenen schwer anzublickenden, mit göttlichen Edelsteinen geschmückten [Gott].

Wort für Wort
śrutvā
gehört habend
sa
er
vacanaṃ tasya
dessen Wort
saṃprahṛṣṭatanūruhaḥ
mit vor Freude gesträubten Körperhärchen
dadarśa
er sah
tam suduṣprekṣam
jenen schwer anzublickenden
ratnaiḥ divyaiḥ alaṃkṛtam
mit göttlichen Edelsteinen geschmückten

[Anm.: Sprecherwechsel — {brahmovāca:}, Rückkehr zur Erzählerstimme.]

prasannā nirmalā dṛṣṭir muhūrtāt tasya bho dvijāḥ / prasādāt tasya devasya prādurbhūtā punar navā //

Sein klarer, reiner Blick, oh Brahmanen, erschien binnen eines Augenblicks durch die Gnade jenes Gottes wieder von neuem.

Wort für Wort
prasannā nirmalā dṛṣṭiḥ
der klare, reine Blick
muhūrtāt
binnen eines Augenblicks
tasya
sein
bho dvijāḥ
oh Brahmanen
prasādāt tasya devasya
durch die Gnade jenes Gottes
prādurbhūtā
erschien
punaḥ navā
wieder von neuem

raktāṅgulitalau pādau tatas tasya surārcitau / praṇamya śirasā viprā harṣagadgadayā girā //

Dann [sah er] dessen von den Göttern verehrte Füße mit roten Fußsohlen; sich mit dem Haupt verneigend, oh Brahmanen, mit vor Freude stockender Stimme —

Wort für Wort
raktāṅgulitalau pādau
die Füße mit roten Fußsohlen
tataḥ tasya
dann dessen
surārcitau
von den Göttern verehrte
praṇamya śirasā
sich mit dem Haupt verneigt habend
viprāḥ
oh Brahmanen
harṣagadgadayā girā
mit vor Freude stockender Stimme

kṛtāñjalis tadā hṛṣṭo vismitaś ca punaḥ punaḥ / dṛṣṭvā taṃ paramātmānaṃ saṃstotum upacakrame //

— mit gefalteten Händen, da erfreut und wiederholt erstaunt, begann er, nachdem er jenen höchsten Selbst gesehen hatte, ihn zu preisen.

Wort für Wort
kṛtāñjaliḥ
mit gefalteten Händen
tadā hṛṣṭaḥ
da erfreut
vismitaḥ ca punaḥ punaḥ
und wiederholt erstaunt
dṛṣṭvā
gesehen habend
tam paramātmānam
jenen höchsten Selbst
saṃstotum upacakrame
begann er zu preisen

devadeva jagannātha māyābālavapurdhara / trāhi māṃ cārupadmākṣa duḥkhitaṃ śaraṇāgatam //

'Gott der Götter, Herr der Welt, der du durch [deine] Māyā eine Knabengestalt trägst, rette mich, oh du mit den schönen Lotusaugen, mich Leidenden, der ich Zuflucht gesucht habe.'

Wort für Wort
devadeva
Gott der Götter
jagannātha
Herr der Welt
māyābālavapurdhara
der du durch Māyā eine Knabengestalt trägst
trāhi mām
rette mich
cārupadmākṣa
oh du mit den schönen Lotusaugen
duḥkhitam
den Leidenden
śaraṇāgatam
der Zuflucht gesucht hat

[Anm.: Sprecherwechsel — {mārkaṇḍeya uvāca:}. Beginn von Mārkaṇḍeyas zweiter Lobpreis-Hymne.]

saṃtapto 'smi suraśreṣṭha saṃvartākhyena vahninā / aṅgāravarṣabhītaṃ ca trāhi māṃ puruṣottama //

'Ich bin verbrannt, oh bester der Götter, durch das Feuer namens Saṃvarta; rette mich, den vor dem Regen glühender Kohlen Erschreckten, oh Puruṣottama.'

Wort für Wort
saṃtaptaḥ asmi
ich bin verbrannt
suraśreṣṭha
oh bester der Götter
saṃvartākhyena vahninā
durch das Feuer namens Saṃvarta
aṅgāravarṣabhītam ca
und den vor dem Regen glühender Kohlen Erschreckten
trāhi māṃ puruṣottama
rette mich, oh Puruṣottama

śoṣitaś ca pracaṇḍena vāyunā jagadāyunā / vihvalo 'haṃ tathā śrāntas trāhi māṃ puruṣottama //

'Und ausgedörrt durch den heftigen, die Welt [gleichsam] verzehrenden Wind [?], bin ich hilflos und ebenso erschöpft; rette mich, oh Puruṣottama.'

Wort für Wort
śoṣitaḥ ca
und ausgedörrt
pracaṇḍena vāyunā
durch den heftigen Wind
jagadāyunā
[?] der die Welt(-Lebenszeit) verzehrende
vihvalaḥ aham
ich bin hilflos
tathā śrāntaḥ
und ebenso erschöpft
trāhi māṃ puruṣottama
rette mich, oh Puruṣottama

[?: 'jagadāyunā' ungewöhnliche Bildung (jagat + āyus), etwa 'der die Lebenszeit der Welt [verzehrende]'; sinngemäß als 'weltverzehrend' wiedergegeben.]

tāpitaś ca taśāmātyaiḥ pralayāvartakādibhiḥ / na śāntim adhigacchāmi trāhi māṃ puruṣottama //

'Und gequält von [den Stürmen] samt ihrem Gefolge [?], angefangen mit dem Pralaya-Wirbelsturm, finde ich keinen Frieden; rette mich, oh Puruṣottama.'

Wort für Wort
tāpitaḥ ca
und gequält
taśāmātyaiḥ
[?] unklare Form, wohl 'samt deren Gefolge'
pralayāvartakādibhiḥ
von den mit dem Pralaya-Wirbelsturm beginnenden [Stürmen]
na śāntim adhigacchāmi
ich finde keinen Frieden
trāhi māṃ puruṣottama
rette mich, oh Puruṣottama

[?: 'taśāmātyaiḥ' unklare/vermutlich fehlerhafte Wortform im Quelltext; sinngemäß als 'samt Gefolge' (etwa 'tat-sāmātyaiḥ') wiedergegeben.]

tṛṣitaś ca kṣudhāviṣṭo duḥkhitaś ca jagatpate / trātāraṃ nātra paśyāmi trāhi māṃ puruṣottama //

'Und durstig, von Hunger ergriffen und leidend, oh Herr der Welt, sehe ich hier keinen Retter; rette mich, oh Puruṣottama.'

Wort für Wort
tṛṣitaḥ ca
und durstig
kṣudhāviṣṭaḥ
von Hunger ergriffen
duḥkhitaḥ ca
und leidend
jagatpate
oh Herr der Welt
trātāram na atra paśyāmi
ich sehe hier keinen Retter
trāhi māṃ puruṣottama
rette mich, oh Puruṣottama

asminn ekārṇave ghore vinaṣṭe sacarācare / na cāntam adhigacchāmi trāhi māṃ puruṣottama //

'In diesem schrecklichen Ur-Ozean, als das Bewegliche und Unbewegliche vergangen war, finde ich kein Ende; rette mich, oh Puruṣottama.'

Wort für Wort
asmin ekārṇave ghore
in diesem schrecklichen Ur-Ozean
vinaṣṭe sacarācare
als das Bewegliche und Unbewegliche vergangen war
na ca antam adhigacchāmi
und ich finde kein Ende
trāhi māṃ puruṣottama
rette mich, oh Puruṣottama

tavodare ca deveśa mayā dṛṣṭaṃ carācaram / vismito 'haṃ viṣaṇṇaś ca trāhi māṃ puruṣottama //

'Und in deinem Bauch, oh Herr der Götter, habe ich das Bewegliche und Unbewegliche gesehen; ich bin erstaunt und bekümmert; rette mich, oh Puruṣottama.'

Wort für Wort
tava udare ca
und in deinem Bauch
deveśa
oh Herr der Götter
mayā dṛṣṭam carācaram
von mir gesehen das Bewegliche und Unbewegliche
vismitaḥ aham
ich bin erstaunt
viṣaṇṇaḥ ca
und bekümmert
trāhi māṃ puruṣottama
rette mich, oh Puruṣottama

saṃsāre 'smin nirālambe prasīda puruṣottama / prasīda vibudhaśreṣṭha prasīda vibudhapriya //

'In diesem haltlosen Saṃsāra, sei gnädig, oh Puruṣottama! Sei gnädig, oh bester der Weisen! Sei gnädig, oh Liebling der Weisen!'

Wort für Wort
saṃsāre asmin nirālambe
in diesem haltlosen Saṃsāra
prasīda puruṣottama
sei gnädig, oh Puruṣottama
prasīda vibudhaśreṣṭha
sei gnädig, oh bester der Weisen
prasīda vibudhapriya
sei gnädig, oh Liebling der Weisen

[Anm.: Beginn der Reihe von 'prasīda'-Anrufungen (V18-23), die zahlreiche Viṣṇu-Epitheta aneinanderreihen.]

prasīda vibudhāṃ nātha prasīda vibudhālaya / prasīda sarvalokeśa jagatkāraṇakāraṇa //

'Sei gnädig, oh Herr der Weisen! Sei gnädig, oh Wohnstatt der Weisen! Sei gnädig, oh Herr aller Welten, Ursache der Ursache der Welt!'

Wort für Wort
prasīda vibudhāṃ nātha
sei gnädig, oh Herr der Weisen
prasīda vibudhālaya
sei gnädig, oh Wohnstatt der Weisen
prasīda sarvalokeśa
sei gnädig, oh Herr aller Welten
jagatkāraṇakāraṇa
oh Ursache der Ursache der Welt

prasīda sarvakṛd deva prasīda mama bhūdhara / prasīda salilāvāsa prasīda madhusūdana //

'Sei gnädig, Gott, der du alles erschaffst! Sei gnädig, mein Erdträger! Sei gnädig, du im Wasser Wohnender! Sei gnädig, Madhusūdana!'

Wort für Wort
prasīda sarvakṛt deva
sei gnädig, Gott, Allwirker
prasīda mama bhūdhara
sei gnädig, mein Erdträger
prasīda salilāvāsa
sei gnädig, du im Wasser Wohnender
prasīda madhusūdana
sei gnädig, Töter des Madhu

prasīda kamalākānta prasīda tridaśeśvara / prasīda kaṃsakeśīghna prasīdāriṣṭanāśana //

'Sei gnädig, Geliebter der Lotus[göttin]! Sei gnädig, Herr der Dreißig [Götter]! Sei gnädig, Töter von Kaṃsa und Keśin! Sei gnädig, Vernichter des Ariṣṭa!'

Wort für Wort
prasīda kamalākānta
sei gnädig, Geliebter der Lotus[göttin]
prasīda tridaśeśvara
sei gnädig, Herr der Dreißig [Götter]
prasīda kaṃsakeśīghna
sei gnädig, Töter von Kaṃsa und Keśin
prasīda ariṣṭanāśana
sei gnädig, Vernichter des Ariṣṭa

prasīda kṛṣṇa daityaghna prasīda danujāntaka / prasīda mathurāvāsa prasīda yadunandana //

'Sei gnädig, Kṛṣṇa, Töter der Daityas! Sei gnädig, Beender der Dānavas! Sei gnädig, Bewohner Mathurās! Sei gnädig, Freude der Yadus!'

Wort für Wort
prasīda kṛṣṇa daityaghna
sei gnädig, Kṛṣṇa, Töter der Daityas
prasīda danujāntaka
sei gnädig, Beender der Dānavas
prasīda mathurāvāsa
sei gnädig, Bewohner Mathurās
prasīda yadunandana
sei gnädig, Freude der Yadus

prasīda śakrāvaraja prasīda varadāvyaya / tvaṃ mahī tvaṃ jalaṃ deva tvam agnis tvaṃ samīraṇaḥ //

'Sei gnädig, jüngerer Bruder Śakras! Sei gnädig, unvergänglicher Gewährer von Segnungen! Du bist die Erde, du bist das Wasser, Gott, du bist das Feuer, du bist der Wind.'

Wort für Wort
prasīda śakrāvaraja
sei gnädig, jüngerer Bruder Śakras
prasīda varadāvyaya
sei gnädig, unvergänglicher Segensspender
tvaṃ mahī
du bist die Erde
tvaṃ jalam
du bist das Wasser
deva
Gott
tvam agniḥ
du bist das Feuer
tvaṃ samīraṇaḥ
du bist der Wind

[Anm.: Übergang von den 'prasīda'-Anrufungen zur Identifikations-Reihe ('du bist...'), analog zur Stotra-Struktur in Kap.49.]

tvaṃ nabhas tvaṃ manaś caiva tvam ahaṃkāra eva ca / tvaṃ buddhiḥ prakṛtiś caiva sattvādyās tvaṃ jagatpate //

'Du bist der Äther, und du bist auch der Geist, und du bist auch das Ich-Bewusstsein; du bist die Erkenntniskraft und auch die Urnatur, und du bist, oh Herr der Welt, die mit Sattva beginnenden [Guṇas].'

Wort für Wort
tvaṃ nabhaḥ
du bist der Äther
tvaṃ manaḥ ca eva
und du bist auch der Geist
tvam ahaṃkāraḥ eva ca
und du bist auch das Ich-Bewusstsein
tvaṃ buddhiḥ
du bist die Erkenntniskraft
prakṛtiḥ ca eva
und auch die Urnatur
sattvādyāḥ tvaṃ jagatpate
und du bist, oh Herr der Welt, die mit Sattva beginnenden [Guṇas]

puruṣas tvaṃ jagadvyāpī puruṣād api cottamaḥ / tvam indriyāṇi sarvāṇi śabdādyā viṣayāḥ prabho //

'Du bist der die Welt durchdringende Puruṣa, und noch höher als der Puruṣa; du bist alle Sinnesorgane, [und] die mit Klang beginnenden Sinnesobjekte, oh Gebieter.'

Wort für Wort
puruṣaḥ tvaṃ jagadvyāpī
du bist der die Welt durchdringende Puruṣa
puruṣāt api ca uttamaḥ
und noch höher als der Puruṣa
tvam indriyāṇi sarvāṇi
du bist alle Sinnesorgane
śabdādyāḥ viṣayāḥ
die mit Klang beginnenden Sinnesobjekte
prabho
oh Gebieter

tvaṃ dikpālāś ca dharmāś ca vedā yajñāḥ sadakṣiṇāḥ / tvam indras tvaṃ śivo devas tvaṃ havis tvaṃ hutāśanaḥ //

'Du bist die Weltenhüter und die Dharmas, die Veden, die Opfer samt ihren Priestergaben; du bist Indra, du bist der Gott Śiva, du bist die Opfergabe, du bist das Opferfeuer.'

Wort für Wort
tvaṃ dikpālāḥ ca
du bist die Weltenhüter
dharmāḥ ca
und die Dharmas
vedāḥ
die Veden
yajñāḥ sadakṣiṇāḥ
die Opfer samt Priestergaben
tvam indraḥ
du bist Indra
tvaṃ śivaḥ devaḥ
du bist der Gott Śiva
tvaṃ haviḥ
du bist die Opfergabe
tvaṃ hutāśanaḥ
du bist das Opferfeuer

tvaṃ yamaḥ pitṛrāṭ deva tvaṃ rakṣodhipatiḥ svayam / varuṇas tvam apāṃ nātha tvaṃ vāyus tvaṃ dhaneśvaraḥ //

'Du bist Yama, der König der Ahnen, Gott, du bist selbst der Herr der Rākṣasas; Varuṇa bist du, Herr der Gewässer, du bist Vāyu, du bist der Herr der Schätze.'

Wort für Wort
tvaṃ yamaḥ pitṛrāṭ
du bist Yama, König der Ahnen
deva
Gott
tvaṃ rakṣodhipatiḥ svayam
du bist selbst der Herr der Rākṣasas
varuṇaḥ tvam apāṃ nātha
Varuṇa bist du, Herr der Gewässer
tvaṃ vāyuḥ
du bist Vāyu
tvaṃ dhaneśvaraḥ
du bist der Herr der Schätze

tvam īśānas tvam anantas tvaṃ gaṇeśaś ca ṣaṇmukhaḥ / vasavas tvaṃ tathā rudrās tvam ādityāś ca khecarāḥ //

'Du bist Īśāna, du bist Ananta, du bist Gaṇeśa und der Sechsgesichtige [Skanda]; du bist die Vasus, ebenso die Rudras, du bist die Ādityas und die Himmelswandler [Gestirne].'

Wort für Wort
tvam īśānaḥ
du bist Īśāna
tvam anantaḥ
du bist Ananta
tvaṃ gaṇeśaḥ ca
und du bist Gaṇeśa
ṣaṇmukhaḥ
der Sechsgesichtige (Skanda)
vasavaḥ tvam
du bist die Vasus
tathā rudrāḥ
ebenso die Rudras
tvam ādityāḥ ca
und du bist die Ādityas
khecarāḥ
die Himmelswandler (Gestirne)

dānavās tvaṃ tathā yakṣās tvaṃ daityāḥ samarudgaṇāḥ / siddhāś cāpsaraso nāgā gandharvās tvaṃ sacāraṇāḥ //

'Du bist die Dānavas, ebenso die Yakṣas, du bist die Daityas samt den Marut-Scharen; die Siddhas, Apsaras, Nāgas, Gandharvas bist du, samt den Cāraṇas.'

Wort für Wort
dānavāḥ tvam
du bist die Dānavas
tathā yakṣāḥ
ebenso die Yakṣas
tvaṃ daityāḥ
du bist die Daityas
samarudgaṇāḥ
samt den Marut-Scharen
siddhāḥ ca apsarasaḥ nāgāḥ
die Siddhas, Apsaras, Nāgas
gandharvāḥ tvaṃ sacāraṇāḥ
du bist die Gandharvas samt den Cāraṇas

pitaro vālakhilyāś ca prajānāṃ patayo 'cyuta / munayas tvam ṛṣigaṇās tvam aśvinau niśācarāḥ //

'Die Ahnen und die Vālakhilyas und die Herren der Geschöpfe [bist du], oh Acyuta; die Munis bist du, du die Scharen der Ṛṣis, du die beiden Aśvins, die Nachtwandler.'

Wort für Wort
pitaraḥ
die Ahnen
vālakhilyāḥ ca
und die Vālakhilyas
prajānāṃ patayaḥ
die Herren der Geschöpfe
acyuta
oh Acyuta
munayaḥ tvam
du bist die Munis
ṛṣigaṇāḥ tvam
du die Scharen der Ṛṣis
aśvinau
die beiden Aśvins
niśācarāḥ
die Nachtwandler

anyāś ca jātayas tvaṃ hi yat kiṃcij jīvasaṃjñitam / kiṃ cātra bahunoktena brahmādistambagocaram //

'Und du bist auch die anderen Geschöpfsarten, was auch immer als „Lebewesen“ bezeichnet wird. Doch was [nützt] hier das viele Reden — von Brahmā bis zum [bloßen] Grashalm reichend —'

Wort für Wort
anyāḥ ca jātayaḥ tvam hi
und du bist auch die anderen Geschöpfsarten
yat kiṃcit jīvasaṃjñitam
was auch immer als 'Lebewesen' bezeichnet wird
kiṃ ca atra bahunā uktena
und was [nützt] hier das viele Reden
brahmādistambagocaram
von Brahmā bis zum [bloßen] Grashalm reichend

bhūtaṃ bhavyaṃ bhaviṣyaṃ ca tvaṃ jagat sacarācaram / yat te rūpaṃ paraṃ deva kūṭastham acalaṃ dhruvam //

'— du bist Vergangenes, Gegenwärtiges und Zukünftiges, die Welt samt Beweglichem und Unbeweglichem; [doch] jene deine höchste Gestalt, oh Gott, die unveränderlich, unbeweglich, fest ist —'

Wort für Wort
bhūtam bhavyam bhaviṣyam ca
Vergangenes, Gegenwärtiges und Zukünftiges
tvaṃ jagat sacarācaram
du bist die Welt samt Beweglichem und Unbeweglichem
yat te rūpaṃ param
jene deine höchste Gestalt
deva
Gott
kūṭastham
unveränderlich
acalam
unbeweglich
dhruvam
fest, beständig

brahmādyās tan na jānanti katham anye 'lpamedhasaḥ / deva śuddhasvabhāvo 'si nityas tvaṃ prakṛteḥ paraḥ //

'— jene kennen nicht einmal die mit Brahmā beginnenden [Götter]; wie [sollten sie] es kennen, die anderen von geringem Verstand? Gott, du bist von reiner Wesensnatur, ewig, jenseits der Urnatur.'

Wort für Wort
brahmādyāḥ tat na jānanti
jene, mit Brahmā beginnend, kennen das nicht
katham anye alpamedhasaḥ
wie [sollten es] die anderen von geringem Verstand [kennen]
deva
Gott
śuddhasvabhāvaḥ asi
du bist von reiner Wesensnatur
nityaḥ tvam
du bist ewig
prakṛteḥ paraḥ
jenseits der Urnatur

avyaktaḥ śāśvato 'nantaḥ sarvavyāpī maheśvaraḥ / tvam ākāśaḥ paraḥ śānto ajas tvaṃ vibhur avyayaḥ //

'Unmanifest, ewig, unendlich, alldurchdringend, der große Herrscher; du bist der höchste, friedvolle Äther, ungeboren, allgegenwärtig, unvergänglich.'

Wort für Wort
avyaktaḥ
unmanifest
śāśvataḥ
ewig
anantaḥ
unendlich
sarvavyāpī
alldurchdringend
maheśvaraḥ
der große Herrscher
tvam ākāśaḥ paraḥ śāntaḥ
du bist der höchste, friedvolle Äther
ajaḥ
ungeboren
tvaṃ vibhuḥ avyayaḥ
du bist allgegenwärtig, unvergänglich

evaṃ tvāṃ nirguṇaṃ stotuṃ kaḥ śaknoti nirañjanam / stuto 'si yan mayā deva vikalenālpacetasā / tat sarvaṃ devadeveśa kṣantum arhasi cāvyaya //

'Wer vermag es, dich, den Eigenschaftslosen, den Makellosen, so zu preisen? Was auch immer ich, unvollkommen und von geringem Verstand, dich, Gott, gepriesen habe — all das, oh Herr der Götter der Götter, mögest du, Unvergänglicher, zu verzeihen geruhen.'

Wort für Wort
evaṃ tvāṃ nirguṇam
dich so, den Eigenschaftslosen
stotum kaḥ śaknoti
wer vermag zu preisen
nirañjanam
den Makellosen
stutaḥ asi yat mayā
was auch immer von mir gepriesen wurde
deva
Gott
vikalena alpacetasā
von mir, dem Unvollkommenen, von geringem Verstand
tat sarvam
all das
devadeveśa
oh Herr der Götter der Götter
kṣantum arhasi
mögest du zu verzeihen geruhen
ca avyaya
und, Unvergänglicher

[Anm.: Wie 53.18 und 53.36 besteht auch dieser Schlussvers ungewöhnlich aus drei Halbversen (sechs Pādas); unverändert belassen. Schließt Mārkaṇḍeyas zweite Lobpreis-Hymne und Kap.55 ab.]

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