Quellen der Menschheit

Brahma-Purāṇa

Kapitel 89: aśvabhānutīrthapañcavaṭāśramamāhātmyavarṇanam Die Größe von Aśva-Tīrtha, Bhānu-Tīrtha und Pañcavaṭa-Āśrama (die Uṣā-Sūrya-Erzählung)

Brahmā erzählt die Geschichte von Sūrya (Bhānu/Āditya, ältester Sohn des Kaśyapa) und seiner Gattin Uṣā (Tochter des Tvaṣṭṛ) – eine an der Gautamī lokalisierte Variante des bekannten Saṃjñā-Vivasvant-Mythos: Uṣā, die die Glut ihres Gatten nicht ertragen kann, schafft einen Schatten-Doppelgänger (chāyā) ihrer selbst und flieht zur Askese ins Land der Nord-Kurus, wo sie in Stutengestalt Buße tut. Der Schatten gebiert eigene, parteiisch behandelte Kinder (Sāvarṇi, Śani, Viṣṭi); als Yama dies aufdeckt, wird die Täuschung offenbar. Sūrya findet Uṣā, verfolgt sie in Pferdegestalt bis zur Gautamī/zum Janasthāna, wo die Weisen ihn zunächst zurückhalten (und von ihm zu Banyanbäumen verflucht werden, bevor sie ihn als Gott erkennen); die Vereinigung der beiden in Pferdegestalt zeugt die Aśvin-Zwillinge. Tvaṣṭṛ beschneidet auf Sūryas Bitte dessen überschüssige Glut (Ätiologie von Prabhāsa). Die Erzählung endet mit der Benennung der Stätten Aśva-Tīrtha, Bhānu-Tīrtha und Pañcavaṭa-Āśrama sowie des heiligen Zusammenflusses von Aruṇā und Varuṇā mit der Gaṅgā.

{brahmovāca: } aruṇā varuṇā caiva nadyau puṇyatare śubhe / tayoś ca saṃgamaḥ puṇyo gaṅgāyāṃ munisattama //

Brahmā sprach: Aruṇā und Varuṇā, zwei überaus verdienstvolle, heilvolle Flüsse, und ihr heiliger Zusammenfluss mit der Gaṅgā, o Bester der Weisen (munisattama) –

Wort für Wort
aruṇā varuṇā caiva nadyau
Aruṇā und Varuṇā, die beiden Flüsse,
puṇyatare śubhe
überaus verdienstvoll, heilvoll,
tayoś ca saṃgamaḥ puṇyo gaṅgāyāṃ
und ihr heiliger Zusammenfluss mit der Gaṅgā,
munisattama
o Bester der Weisen

tadutpattiṃ śṛṇuṣveha sarvapāpavināśinīm / kaśyapasya suto jyeṣṭha ādityo lokaviśrutaḥ //

– höre hier ihre Entstehung, die alle Sünden vernichtet: Der älteste Sohn des Kaśyapa ist Āditya (die Sonne), in der Welt berühmt.

Wort für Wort
tadutpattiṃ śṛṇuṣveha
höre hier ihre Entstehung,
sarvapāpavināśinīm
die alle Sünden vernichtet,
kaśyapasya suto jyeṣṭha
der älteste Sohn des Kaśyapa,
ādityo lokaviśrutaḥ
Āditya, in der Welt berühmt

trailokyacakṣus tīkṣṇāṃśuḥ saptāśvo lokapūjitaḥ / tasya patnī uṣā khyātā tvāṣṭrī trailokyasundarī //

das Auge der drei Welten, scharfstrahlend, mit sieben Pferden, von der Welt verehrt. Seine Gattin ist als Uṣā bekannt, die Tochter des Tvaṣṭṛ, die Schönste der drei Welten.

Wort für Wort
trailokyacakṣus tīkṣṇāṃśuḥ
das Auge der drei Welten, scharfstrahlend,
saptāśvo lokapūjitaḥ
mit sieben Pferden, von der Welt verehrt,
tasya patnī uṣā khyātā
seine Gattin ist als Uṣā bekannt,
tvāṣṭrī trailokyasundarī
die Tochter des Tvaṣṭṛ, die Schönste der drei Welten

bhartuḥ pratāpatīvratvam asahantī sumadhyamā / cintayām āsa kiṃ kṛtyaṃ mama syād iti bhāminī //

Die Schönhüftige, die die überaus heftige Glut ihres Gatten nicht ertragen konnte, dachte, die Zornige: 'Was wäre für mich zu tun?'

Wort für Wort
bhartuḥ pratāpatīvratvam asahantī
die die überaus heftige Glut des Gatten nicht ertragend,
sumadhyamā
die Schönhüftige,
cintayām āsa
dachte
kiṃ kṛtyaṃ mama syād iti bhāminī
'was wäre für mich zu tun?' – die Zornige

tasyāḥ putrau mahārājñau manur vaivasvato yamaḥ / yamunā ca nadī puṇyā śṛṇu vismayakāraṇam //

Ihre beiden Söhne, große Könige, sind Manu Vaivasvata und Yama, und (ihre Tochter) der heilige Fluss Yamunā – höre den erstaunlichen Grund (dafür).

Wort für Wort
tasyāḥ putrau mahārājñau
ihre beiden Söhne, große Könige,
manur vaivasvato yamaḥ
Manu Vaivasvata und Yama,
yamunā ca nadī puṇyā
und der heilige Fluss Yamunā,
śṛṇu vismayakāraṇam
höre den erstaunlichen Grund

sākarod ātmanaś chāyām ātmarūpeṇa yatnataḥ / tām abravīt tataś coṣā tvaṃ ca matsadṛśī bhava //

Sie schuf sorgfältig einen Schatten von sich selbst, in ihrer eigenen Gestalt; dann sprach Uṣā zu ihr: 'Sei du mir gleich!'

Wort für Wort
sākarod ātmanaś chāyām
sie schuf einen Schatten von sich selbst,
ātmarūpeṇa yatnataḥ
in ihrer eigenen Gestalt, sorgfältig,
tām abravīt tataś coṣā
dann sprach Uṣā zu ihr:
tvaṃ ca matsadṛśī bhava
'sei du mir gleich!'

bhartāraṃ tvam apatyāni pālayasva mamājñayā / yāvad āgamanaṃ me syāt patyus tāvat priyā bhava //

'Behüte du auf mein Geheiß den Gatten und die Kinder; solange bis meine Rückkehr sein wird, sei dem Gatten die Liebe (Gattin).'

Wort für Wort
bhartāraṃ tvam apatyāni pālayasva
behüte du den Gatten und die Kinder,
mamājñayā
auf mein Geheiß,
yāvad āgamanaṃ me syāt
solange bis meine Rückkehr sein wird,
patyus tāvat priyā bhava
sei so lange dem Gatten die Geliebte

nākhyātavyaṃ tvayā kvāpi apatyānāṃ tathā priye / tathety āha ca sā chāyā nirjagāma gṛhād uṣā //

'Nirgendwo darfst du es verraten, auch nicht den Kindern, Liebe.' 'So sei es', sprach der Schatten; und Uṣā verließ das Haus.

Wort für Wort
nākhyātavyaṃ tvayā kvāpi
nirgendwo darfst du es verraten,
apatyānāṃ tathā priye
auch nicht den Kindern, Liebe,
tathety āha ca sā chāyā
'so sei es', sprach der Schatten,
nirjagāma gṛhād uṣā
und Uṣā verließ das Haus

ity uktvā sā jagāmāśu śāntaṃ rūpam abhīpsatī / sā gatvoṣā gṛhaṃ tvaṣṭuḥ pitre sarvaṃ nyavedayat / tvaṣṭāpi cakitaḥ prāha tāṃ sutāṃ sutavatsalaḥ //

Dies gesagt habend, ging sie eilends fort, eine friedvollere Gestalt begehrend. Uṣā ging zum Haus des Tvaṣṭṛ und berichtete alles dem Vater; auch Tvaṣṭṛ, erschrocken, sprach, seine Tochter liebend, zu ihr.

Wort für Wort
ity uktvā sā jagāmāśu
dies gesagt habend, ging sie eilends fort,
śāntaṃ rūpam abhīpsatī
eine friedvollere Gestalt begehrend,
sā gatvoṣā gṛhaṃ tvaṣṭuḥ
Uṣā, zum Haus des Tvaṣṭṛ gegangen,
pitre sarvaṃ nyavedayat
berichtete alles dem Vater,
tvaṣṭāpi cakitaḥ prāha
auch Tvaṣṭṛ, erschrocken, sprach,
tāṃ sutāṃ sutavatsalaḥ
zu seiner Tochter, sie liebend

[Anm.: dreizeiliger Vers unter einer Nummer im Quelltext.]

{tvaṣṭovāca: } naitad yuktaṃ bhartṛmatyā yat svaireṇa pravartanam / apatyānāṃ kathaṃ vṛttir bhartur vā savitus tava / bibhemi bhadre śiṣṭo 'haṃ bhartur gehaṃ punar vraja //

Tvaṣṭṛ sprach: 'Dies geziemt sich nicht für eine Verheiratete, dass sie nach eigenem Belieben handelt. Wie soll das Wohlergehen der Kinder oder deines Gatten Savitṛ sein? Ich fürchte mich, Gute, ich bin (nur) belehrend [?] – geh zurück zum Haus des Gatten.'

Wort für Wort
naitad yuktaṃ bhartṛmatyā
dies geziemt sich nicht für eine Verheiratete,
yat svaireṇa pravartanam
dass sie nach eigenem Belieben handelt,
apatyānāṃ kathaṃ vṛttir
wie soll das Wohlergehen der Kinder sein,
bhartur vā savitus tava
oder deines Gatten Savitṛ,
bibhemi bhadre śiṣṭo 'haṃ
ich fürchte mich, Gute, ich bin belehrend [?],
bhartur gehaṃ punar vraja
geh zurück zum Haus des Gatten

[Anm.: dreizeiliger Vers unter einer Nummer; 'śiṣṭo 'ham' wörtl. 'ich bin belehrt/gesittet', hier sinngemäß als väterliche Ermahnung gedeutet.]

{brahmovāca: } evam uktā tu pitrā sā nety uktvā vai punaḥ punaḥ / uttaraṃ ca kuror deśaṃ jagāma tapase tvarā //

Brahmā sprach: So von ihrem Vater angesprochen, sagte sie immer wieder 'Nein' und ging eilends in das nördliche Land der Kurus, um Askese zu üben.

Wort für Wort
evam uktā tu pitrā sā
so von ihrem Vater angesprochen,
nety uktvā vai punaḥ punaḥ
sagte sie immer wieder 'Nein',
uttaraṃ ca kuror deśaṃ
in das nördliche Land der Kurus,
jagāma tapase tvarā
ging sie eilends, um Askese zu üben

tatra tepe tapas tīvraṃ vaḍavārūpadhāriṇī / duṣprekṣaṃ taṃ svakaṃ kāntaṃ dhyāyantī niścalā uṣā //

Dort übte sie, die Gestalt einer Stute annehmend, heftige Askese, unbeweglich, an ihren eigenen, schwer anzuschauenden Gatten denkend, Uṣā.

Wort für Wort
tatra tepe tapas tīvraṃ
dort übte sie heftige Askese,
vaḍavārūpadhāriṇī
die Gestalt einer Stute annehmend,
duṣprekṣaṃ taṃ svakaṃ kāntaṃ
an ihren eigenen, schwer anzuschauenden Gatten,
dhyāyantī niścalā uṣā
denkend, unbeweglich, Uṣā

etasminn antare tāta chāyā coṣāsvarūpiṇī / patyau sā vartayām āsa apatyāny atha jajñire //

In dieser Zwischenzeit, mein Lieber, lebte der Schatten in Uṣās eigener Gestalt beim Gatten, und Kinder wurden geboren.

Wort für Wort
etasminn antare tāta
in dieser Zwischenzeit, mein Lieber,
chāyā coṣāsvarūpiṇī
der Schatten, in Uṣās eigener Gestalt,
patyau sā vartayām āsa
lebte sie beim Gatten,
apatyāny atha jajñire
und Kinder wurden geboren

sāvarṇiś ca śaniś caiva viṣṭir yā duṣṭakanyakā / sā chāyā vartayām āsa vaiṣamyeṇaiva nityaśaḥ //

Sāvarṇi und Śani (Saturn) sowie Viṣṭi, die böse Tochter – dieser Schatten verhielt sich stets mit Ungleichheit (Parteilichkeit).

Wort für Wort
sāvarṇiś ca śaniś caiva
Sāvarṇi und Śani,
viṣṭir yā duṣṭakanyakā
und Viṣṭi, die böse Tochter,
sā chāyā vartayām āsa
dieser Schatten verhielt sich
vaiṣamyeṇaiva nityaśaḥ
stets nur mit Ungleichheit (Parteilichkeit)

sveṣv apatyeṣu coṣāyā yamas tatra cukopa ha / vaiṣamyeṇātha vartantīṃ chāyāṃ tāṃ mātaraṃ tadā //

Gegenüber ihren eigenen Kindern im Vergleich zu Uṣās (Kindern) wurde Yama darüber zornig; über den sich parteiisch verhaltenden Schatten, jene (vermeintliche) Mutter, damals –

Wort für Wort
sveṣv apatyeṣu coṣāyā
bei ihren eigenen Kindern gegenüber denen der Uṣā,
yamas tatra cukopa ha
wurde Yama darüber zornig,
vaiṣamyeṇātha vartantīṃ
über den sich parteiisch verhaltenden,
chāyāṃ tāṃ mātaraṃ tadā
jenen Schatten, jene (vermeintliche) Mutter, damals

tāḍayām āsa pādena dakṣiṇāśāpatir yamaḥ / putradaurjanyasaṃkṣobhāc chāyā vaivasvataṃ yamam //

– schlug Yama, der Herr der Südrichtung, mit dem Fuß. Aus Erregung über die Bosheit des Sohnes (heraus verfluchte) der Schatten den Vaivasvata Yama –

Wort für Wort
tāḍayām āsa pādena
schlug mit dem Fuß,
dakṣiṇāśāpatir yamaḥ
Yama, der Herr der Südrichtung,
putradaurjanyasaṃkṣobhāc
aus Erregung über die Bosheit des Sohnes,
chāyā vaivasvataṃ yamam
der Schatten den Vaivasvata Yama

śaśāpa pāpa te pādo viśīryatu mamājñayā / viśīrṇacaraṇo duḥkhād rudan pitaram abhyagāt / savitre taṃ tu vṛttāntaṃ nyavedayad aśeṣataḥ //

– verfluchte ihn: 'Böser, dein Fuß soll auf mein Geheiß verfallen!' Mit verfallenem Fuß, vor Schmerz weinend, ging er zu seinem Vater und berichtete Savitṛ (der Sonne) die ganze Begebenheit.

Wort für Wort
śaśāpa pāpa te pādo
verfluchte: 'Böser, dein Fuß'
viśīryatu mamājñayā
soll auf mein Geheiß verfallen,
viśīrṇacaraṇo duḥkhād
mit verfallenem Fuß, vor Schmerz,
rudan pitaram abhyagāt
weinend ging er zum Vater,
savitre taṃ tu vṛttāntaṃ
dem Savitṛ diese Begebenheit,
nyavedayad aśeṣataḥ
berichtete er vollständig

[Anm.: dreizeiliger Vers unter einer Nummer.]

{yama uvāca: } neyaṃ mātā suraśreṣṭha yayā śapto 'ham īdṛśaḥ / apatyeṣu viruddheṣu jananī naiva kupyate //

Yama sprach: 'Dies ist nicht meine Mutter, o Bester der Götter, von der ich so verflucht wurde; gegenüber widerspenstigen Kindern zürnt eine (wahre) Mutter niemals.'

Wort für Wort
neyaṃ mātā suraśreṣṭha
dies ist nicht meine Mutter, o Bester der Götter,
yayā śapto 'ham īdṛśaḥ
von der ich so verflucht wurde,
apatyeṣu viruddheṣu
gegenüber widerspenstigen Kindern,
jananī naiva kupyate
zürnt eine (wahre) Mutter niemals

yad bālyād abravaṃ kiṃcid athavā duṣkṛtaṃ kṛtam / naiva kupyati sā mātā tasmān neyaṃ mamāmbikā //

'Was ich auch aus Kindlichkeit gesagt oder als Missetat begangen habe – jene (wahre) Mutter zürnt niemals; deshalb ist diese nicht meine Mutter.'

Wort für Wort
yad bālyād abravaṃ kiṃcid
was ich auch aus Kindlichkeit gesagt habe,
athavā duṣkṛtaṃ kṛtam
oder als Missetat begangen habe,
naiva kupyati sā mātā
jene (wahre) Mutter zürnt niemals,
tasmān neyaṃ mamāmbikā
deshalb ist diese nicht meine Mutter

yad apatyakṛtaṃ kiṃcit sādhv asādhu yathā tathā / māty asyāṃ sarvam apy etat tasmān māteti gīyate //

'Was auch immer vom Kind getan wird, sei es gut oder schlecht, wie auch immer – all dies wird in ihr ermessen (verziehen); deshalb wird sie 'Mutter' (mātṛ) genannt.'

Wort für Wort
yad apatyakṛtaṃ kiṃcit
was auch immer vom Kind getan wird,
sādhv asādhu yathā tathā
sei es gut oder schlecht, wie auch immer,
māty asyāṃ sarvam apy etat
all dies wird in ihr ermessen [Wortspiel √mā],
tasmān māteti gīyate
deshalb wird sie 'Mutter' genannt

[Anm.: Wortspiel mit der volksetymologischen Ableitung von 'mātṛ' (Mutter) von der Wurzel √mā ('messen').]

pradhakṣyantīva māṃ tāta nityaṃ paśyati cakṣuṣā / vakty agnikālasadṛśā vācā neyaṃ madambikā //

'Als wollte sie mich verbrennen, Vater, blickt sie mich stets mit (ihren) Augen an; mit einer Stimme wie das Feuer der Weltzeit spricht sie – dies ist nicht meine Mutter.'

Wort für Wort
pradhakṣyantīva māṃ tāta
als wollte sie mich verbrennen, Vater,
nityaṃ paśyati cakṣuṣā
blickt sie mich stets mit den Augen an,
vakty agnikālasadṛśā vācā
mit einer Stimme wie das Feuer der Weltzeit spricht sie,
neyaṃ madambikā
dies ist nicht meine Mutter

{brahmovāca: } tat putravacanaṃ śrutvā savitācintayat tataḥ / iyaṃ chāyā nāsya mātā uṣā mātā tu sānyataḥ //

Brahmā sprach: Nachdem er diese Rede des Sohnes gehört hatte, dachte Savitṛ (Sūrya) darauf: 'Dies ist der Schatten, nicht seine Mutter; Uṣā ist die (wahre) Mutter, jene andere aber (ist der Schatten).'

Wort für Wort
tat putravacanaṃ śrutvā
nachdem er diese Rede des Sohnes gehört hatte,
savitācintayat tataḥ
dachte Savitṛ darauf:
iyaṃ chāyā nāsya mātā
'dies ist der Schatten, nicht seine Mutter,
uṣā mātā tu sānyataḥ
Uṣā ist die Mutter, jene andere ist es nicht'

mama śāntim abhīpsantī deśe 'nyasmiṃs taporatā / uttare ca kurau tvāṣṭrī vaḍavārūpadhāriṇī //

'Meine Beruhigung (Linderung meiner Glut) erstrebend, ist die Tochter des Tvaṣṭṛ in einem anderen Land der Askese hingegeben, im Norden bei den Kurus, in Stutengestalt.'

Wort für Wort
mama śāntim abhīpsantī
meine Beruhigung erstrebend,
deśe 'nyasmiṃs taporatā
in einem anderen Land der Askese hingegeben,
uttare ca kurau tvāṣṭrī
im Norden bei den Kurus, die Tochter des Tvaṣṭṛ,
vaḍavārūpadhāriṇī
in Stutengestalt

tatrāste sā iti jñātvā jagāmeśo divākaraḥ / yatra sā vartate kāntā aśvarūpaḥ svayaṃ tadā //

Als er erkannte, dass sie dort weilte, ging der Herr, der Tagesmacher (die Sonne), selbst in Pferdegestalt dorthin, wo jene Geliebte sich aufhielt.

Wort für Wort
tatrāste sā iti jñātvā
als er erkannte, dass sie dort weilte,
jagāmeśo divākaraḥ
ging der Herr, der Tagesmacher,
yatra sā vartate kāntā
dorthin, wo jene Geliebte sich aufhielt,
aśvarūpaḥ svayaṃ tadā
selbst in Pferdegestalt, damals

tāṃ dṛṣṭvā vaḍavārūpāṃ paryadhāvad dhayākṛtiḥ / kāmāturaṃ hayaṃ dṛṣṭvā śrutvā vai heṣitasvanam //

Als er sie in Stutengestalt erblickte, lief er, in Pferdegestalt, ihr nach; als sie den von Verlangen erregten Hengst sah und sein Wiehern hörte –

Wort für Wort
tāṃ dṛṣṭvā vaḍavārūpāṃ
als er sie in Stutengestalt erblickte,
paryadhāvad dhayākṛtiḥ
lief er, in Pferdegestalt, ihr nach,
kāmāturaṃ hayaṃ dṛṣṭvā
den von Verlangen erregten Hengst sehend,
śrutvā vai heṣitasvanam
und sein Wiehern hörend

uṣā pativratopetā patidhyānaparāyaṇā / hayadharṣaṇasaṃbhītā ko nv ayaṃ cety ajānatī //

– Uṣā, die dem Gatten treu Ergebene, ganz dem Gedenken an den Gatten hingegeben, erschrak vor der Bedrängnis durch den Hengst und wusste nicht, wer dieser wohl sei.

Wort für Wort
uṣā pativratopetā
Uṣā, die dem Gatten treu Ergebene,
patidhyānaparāyaṇā
ganz dem Gedenken an den Gatten hingegeben,
hayadharṣaṇasaṃbhītā
erschrak vor der Bedrängnis durch den Hengst,
ko nv ayaṃ cety ajānatī
und wusste nicht, wer dieser wohl sei

apalāyat patau prāpte dakṣiṇābhimukhī tvarā / ko nu me rakṣako 'tra syād ṛṣayo vāthavā surāḥ //

Sie floh, während der Gatte (ihr) nahekam, eilig nach Süden gewandt: 'Wer wohl könnte hier mein Beschützer sein – die Weisen oder etwa die Götter?'

Wort für Wort
apalāyat patau prāpte
sie floh, während der Gatte nahekam,
dakṣiṇābhimukhī tvarā
eilig nach Süden gewandt,
ko nu me rakṣako 'tra syād
'wer wohl könnte hier mein Beschützer sein,
ṛṣayo vāthavā surāḥ
die Weisen oder etwa die Götter?'

dhāvantīṃ tāṃ priyām aśvām aśvarūpadharaḥ svayam / paryadhāvad yato yāti uṣā bhānus tatas tataḥ //

Der selbst in Pferdegestalt Erschienene lief der davonlaufenden geliebten Stute nach; wohin Uṣā auch lief, dorthin (folgte) die Sonne (Bhānu).

Wort für Wort
dhāvantīṃ tāṃ priyām aśvām
der davonlaufenden geliebten Stute,
aśvarūpadharaḥ svayam
der selbst in Pferdegestalt Erschienene,
paryadhāvad
lief er nach,
yato yāti uṣā bhānus tatas tataḥ
wohin Uṣā auch lief, dorthin (folgte) die Sonne

smaragrahavaśe jātaḥ ko duśceṣṭaṃ na ceṣṭate / bhāgīrathīṃ nadīś cānyā vanāny upavanāni ca //

Wer, in der Gewalt des Kāma-Dämons geraten, tut nicht Schlechtes? (Sie durchquerten) die Bhāgīrathī und andere Flüsse, Wälder und Haine –

Wort für Wort
smaragrahavaśe jātaḥ
in der Gewalt des Kāma-Dämons geraten,
ko duśceṣṭaṃ na ceṣṭate
wer tut nicht Schlechtes?
bhāgīrathīṃ nadīś cānyā
die Bhāgīrathī und andere Flüsse,
vanāny upavanāni ca
Wälder und Haine

narmadāṃ cātha vindhyaṃ ca dakṣiṇābhimukhāv ubhau / atikramya bhayodvignā tvāṣṭry abhyagāc ca gautamīm //

– die Narmadā und den Vindhya, beide nach Süden gewandt, überschreitend, gelangte die vor Angst Erregte, die Tochter des Tvaṣṭṛ, zur Gautamī.

Wort für Wort
narmadāṃ cātha vindhyaṃ ca
die Narmadā und den Vindhya,
dakṣiṇābhimukhāv ubhau atikramya
beide nach Süden gewandt, überschreitend,
bhayodvignā tvāṣṭry
die vor Angst erregte Tochter des Tvaṣṭṛ,
abhyagāc ca gautamīm
gelangte zur Gautamī

trātāraḥ santi munayo janasthāna iti śrutam / ṛṣīṇām āśramaṃ sāśvā praviṣṭā gautamīṃ tathā //

'Es gibt Weise als Beschützer im sogenannten Janasthāna', so hatte sie gehört; jene (Stute) betrat den Āśrama der Weisen sowie die Gautamī.

Wort für Wort
trātāraḥ santi munayo
'es gibt Weise als Beschützer'
janasthāna iti śrutam
im sogenannten Janasthāna, so hatte sie gehört,
ṛṣīṇām āśramaṃ sāśvā praviṣṭā
jene Stute betrat den Āśrama der Weisen,
gautamīṃ tathā
sowie die Gautamī

anuprāptas tathā cāśvo bhānus tadrūpavāṃs tataḥ / aśvaṃ nivārayām āsur janasthā munidārakāḥ / tataḥ kopād ṛṣīṃs tāṃś ca śaśāpoṣāpatiḥ prabhuḥ //

Ihr nach gelangte ebenso der Hengst, Bhānu, in jener Gestalt; die im Janasthāna weilenden jungen Weisenschüler hielten den Hengst zurück; darauf verfluchte aus Zorn der mächtige Herr der Uṣā (Sūrya) jene Weisen.

Wort für Wort
anuprāptas tathā cāśvo
ihr nach gelangte ebenso der Hengst,
bhānus tadrūpavāṃs tataḥ
Bhānu, in jener Gestalt,
aśvaṃ nivārayām āsur
sie hielten den Hengst zurück,
janasthā munidārakāḥ
die im Janasthāna weilenden jungen Weisenschüler,
tataḥ kopād ṛṣīṃs tāṃś ca
darauf, aus Zorn, jene Weisen,
śaśāpoṣāpatiḥ prabhuḥ
verfluchte der mächtige Herr der Uṣā

[Anm.: dreizeiliger Vers unter einer Nummer.]

{bhānur uvāca: } nivārayatha māṃ yasmād vaṭā yūyaṃ bhaviṣyatha //*

Bhānu sprach: 'Weil ihr mich zurückhaltet, sollt ihr zu Banyanbäumen (vaṭa) werden!'

Wort für Wort
nivārayatha māṃ yasmād
weil ihr mich zurückhaltet,
vaṭā yūyaṃ bhaviṣyatha
sollt ihr zu Banyanbäumen werden

[Anm.: Im Quelltext nur als Halbvers überliefert (mit '//*' markiert); die zweite Vershälfte fehlt.]

{brahmovāca: } jñānadṛṣṭyā tu munayo menire 'śvam uṣāpatim / stuvanto devadeveśaṃ bhānuṃ taṃ munayo mudā //

Brahmā sprach: Doch mit dem Blick der Erkenntnis erkannten die Weisen den Hengst als den Gatten der Uṣā; den Bhānu, den Herrn der Götter der Götter, priesen die Weisen freudig.

Wort für Wort
jñānadṛṣṭyā tu munayo
doch mit dem Blick der Erkenntnis erkannten die Weisen,
menire 'śvam uṣāpatim
den Hengst als den Gatten der Uṣā,
stuvanto devadeveśaṃ
den Herrn der Götter der Götter preisend,
bhānuṃ taṃ munayo mudā
den Bhānu, die Weisen, freudig

stūyamāno munigaṇair aśvāṃ bhānur athāgamat / vaḍavāyā mukhe lagnaṃ mukhaṃ cāśvasvarūpiṇam //

Von der Schar der Weisen gepriesen, näherte sich Bhānu der Stute; sein an das Maul der Stute geheftetes Maul war in Pferdegestalt.

Wort für Wort
stūyamāno munigaṇair
von der Schar der Weisen gepriesen,
aśvāṃ bhānur athāgamat
näherte sich Bhānu der Stute,
vaḍavāyā mukhe lagnaṃ
an das Maul der Stute geheftet,
mukhaṃ cāśvasvarūpiṇam
sein Maul in Pferdegestalt

jñātvā tvāṣṭrī ca bhartāraṃ mukhād vīryaṃ prasusruve / tayor vīryeṇa gaṅgāyām aśvinau samajāyatām //

Als die Tochter des Tvaṣṭṛ ihren Gatten erkannte, floss aus dem Maul Kraft (Same) heraus; durch ihrer beider Kraft entstanden in der Gaṅgā die beiden Aśvins.

Wort für Wort
jñātvā tvāṣṭrī ca bhartāraṃ
als die Tochter des Tvaṣṭṛ den Gatten erkannte,
mukhād vīryaṃ prasusruve
floss aus dem Maul Kraft (Same) heraus,
tayor vīryeṇa gaṅgāyām
durch ihrer beider Kraft, in der Gaṅgā,
aśvinau samajāyatām
entstanden die beiden Aśvins

tatrāgacchan suragaṇāḥ siddhāś ca munayas tathā / nadyo gāvas tathauṣadhyo devā jyotirgaṇās tathā //

Dorthin kamen die Scharen der Götter, die Siddhas und die Weisen, die Flüsse, die Kühe, die Heilkräuter, die Götter und die Scharen der Lichtgestirne.

Wort für Wort
tatrāgacchan suragaṇāḥ
dorthin kamen die Scharen der Götter,
siddhāś ca munayas tathā
die Siddhas und ebenso die Weisen,
nadyo gāvas tathauṣadhyo
die Flüsse, die Kühe, die Heilkräuter,
devā jyotirgaṇās tathā
die Götter und die Scharen der Lichtgestirne

saptāśvaś ca rathaḥ puṇyo hy aruṇo bhānusārathiḥ / yamo manuś ca varuṇaḥ śanir vaivasvatas tathā //

(Auch kam) der heilige Wagen mit sieben Pferden, und Aruṇa, der Wagenlenker der Sonne, sowie Yama, Manu, Varuṇa und Śani Vaivasvata.

Wort für Wort
saptāśvaś ca rathaḥ puṇyo
und der heilige Wagen mit sieben Pferden,
hy aruṇo bhānusārathiḥ
und Aruṇa, der Wagenlenker der Sonne,
yamo manuś ca varuṇaḥ
Yama, Manu und Varuṇa,
śanir vaivasvatas tathā
und Śani Vaivasvata

yamunā ca nadī puṇyā tāpī caiva mahānadī / tattadrūpaṃ samāsthāya nadyas tā vismayān mune //

Und die heilige Flussgöttin Yamunā sowie der große Fluss Tāpī – in jeweils ihrer (Fluss-)Gestalt erschienen jene Flüsse, aus Erstaunen, o Weiser.

Wort für Wort
yamunā ca nadī puṇyā
und die heilige Flussgöttin Yamunā,
tāpī caiva mahānadī
sowie der große Fluss Tāpī,
tattadrūpaṃ samāsthāya
in jeweils ihrer eigenen Gestalt erscheinend,
nadyas tā vismayān mune
jene Flüsse, aus Erstaunen, o Weiser

draṣṭuṃ te vismayāviṣṭā ājagmuḥ śvaśuras tathā / abhiprāyaṃ viditvā tu śvaśuraṃ bhānur abravīt //

Um dies zu sehen, kamen sie, von Erstaunen erfüllt, sowie auch der Schwiegervater (Tvaṣṭṛ); als Bhānu dessen Absicht erkannte, sprach er zum Schwiegervater.

Wort für Wort
draṣṭuṃ te vismayāviṣṭā
um dies zu sehen, von Erstaunen erfüllt,
ājagmuḥ śvaśuras tathā
kamen sie, sowie auch der Schwiegervater,
abhiprāyaṃ viditvā tu
dessen Absicht erkennend,
śvaśuraṃ bhānur abravīt
sprach Bhānu zum Schwiegervater

{bhānur uvāca: } uṣāyāḥ prītaye tvaṣṭaḥ kurvatyās tapa uttamam / yantrārūḍhaṃ ca māṃ kṛtvā chindhi tejāṃsy anekaśaḥ / yāvat saukhyaṃ bhaved asyās tāvac chindhi prajāpate //

Bhānu sprach: 'Zur Freude der Uṣā, o Tvaṣṭṛ, die die höchste Askese übt, setze mich auf eine Drehmaschine (Drechselbank) und schneide meine Glutstrahlen vielfach ab; solange, bis Wohlergehen für sie entstehe, so lange schneide (sie ab), o Herr der Geschöpfe.'

Wort für Wort
uṣāyāḥ prītaye tvaṣṭaḥ
zur Freude der Uṣā, o Tvaṣṭṛ,
kurvatyās tapa uttamam
die die höchste Askese übt,
yantrārūḍhaṃ ca māṃ kṛtvā
setze mich auf eine Drehmaschine,
chindhi tejāṃsy anekaśaḥ
und schneide meine Glutstrahlen vielfach ab,
yāvat saukhyaṃ bhaved asyās
solange, bis Wohlergehen für sie entstehe,
tāvac chindhi prajāpate
so lange schneide, o Herr der Geschöpfe

[Anm.: dreizeiliger Vers unter einer Nummer.]

{brahmovāca: } tathety uktvā tatas tvaṣṭā somanāthasya saṃnidhau / tejasāṃ chedanaṃ cakre prabhāsaṃ tu tato viduḥ //

Brahmā sprach: 'So sei es', sprach darauf Tvaṣṭṛ, und in der Gegenwart des Somanātha vollzog er das Abschneiden der Glutstrahlen; daher kennt man (die Stätte) als Prabhāsa.

Wort für Wort
tathety uktvā tatas tvaṣṭā
'so sei es', sprach darauf Tvaṣṭṛ,
somanāthasya saṃnidhau
in der Gegenwart des Somanātha,
tejasāṃ chedanaṃ cakre
vollzog er das Abschneiden der Glutstrahlen,
prabhāsaṃ tu tato viduḥ
daher kennt man (die Stätte) als Prabhāsa

[Anm.: 'Somanātha' hier wohl Beiname Śivas ('Herr des Soma/Mondes'); die Verortung der Glut-Beschneidung als Ursprung des Ortsnamens Prabhāsa stimmt mit anderen purāṇischen Fassungen dieses Mythos überein.]

bhartrā ca saṃgatā yatra gautamyām aśvarūpiṇī / aśvinor yatra cotpattir aśvatīrthaṃ tad ucyate //

Wo sie, in Pferdegestalt, mit dem Gatten an der Gautamī vereint wurde, und wo die Geburt der beiden Aśvins geschah, das wird 'Aśva-Tīrtha' genannt.

Wort für Wort
bhartrā ca saṃgatā yatra
wo sie mit dem Gatten vereint wurde,
gautamyām aśvarūpiṇī
an der Gautamī, in Pferdegestalt,
aśvinor yatra cotpattir
und wo die Geburt der beiden Aśvins geschah,
aśvatīrthaṃ tad ucyate
das wird 'Aśva-Tīrtha' genannt

bhānutīrthaṃ tad ākhyātaṃ tathā pañcavaṭāśramaḥ / tāpī ca yamunā caiva pitaraṃ draṣṭum āgate //

Das wird auch 'Bhānu-Tīrtha' genannt, sowie 'Pañcavaṭa-Āśrama' (Einsiedelei der fünf Banyanbäume); Tāpī und Yamunā kamen, um den Vater zu sehen.

Wort für Wort
bhānutīrthaṃ tad ākhyātaṃ
das wird auch 'Bhānu-Tīrtha' genannt,
tathā pañcavaṭāśramaḥ
sowie 'Pañcavaṭa-Āśrama',
tāpī ca yamunā caiva
Tāpī und Yamunā,
pitaraṃ draṣṭum āgate
kamen, um den Vater zu sehen

aruṇāvaruṇānadyor gaṅgāyāṃ saṃgamaḥ śubhaḥ / devānāṃ tatra tīrthānām āgatānāṃ pṛthak pṛthak //

Der heilvolle Zusammenfluss der Flüsse Aruṇā und Varuṇā mit der Gaṅgā – dort (versammeln sich) die Tīrthas der Götter, die je einzeln herbeigekommen sind.

Wort für Wort
aruṇāvaruṇānadyor
der Flüsse Aruṇā und Varuṇā,
gaṅgāyāṃ saṃgamaḥ śubhaḥ
heilvoller Zusammenfluss mit der Gaṅgā,
devānāṃ tatra tīrthānām
dort die Tīrthas der Götter,
āgatānāṃ pṛthak pṛthak
die je einzeln herbeigekommen sind

nava trīṇi sahasrāṇi tīrthāni guṇavanti ca / tatra snānaṃ ca dānaṃ ca sarvam akṣayapuṇyadam //

Neuntausenddrei [?] verdienstvolle Tīrthas (gibt es dort); Baden und Spenden gewährt dort alles unvergänglichen Verdienst.

Wort für Wort
nava trīṇi sahasrāṇi
neuntausenddrei [?],
tīrthāni guṇavanti ca
verdienstvolle Tīrthas,
tatra snānaṃ ca dānaṃ ca
Baden und Spenden dort,
sarvam akṣayapuṇyadam
gewährt alles unvergänglichen Verdienst

[Anm.: 'nava trīṇi sahasrāṇi' wörtl. 'neun, dreitausend' – Zahlangabe unsicher, hier als 9003 gedeutet.]

smaraṇāt paṭhanād vāpi śravaṇād api nārada / sarvapāpavinirmukto dharmavān sa sukhī bhavet //

Durch Erinnern oder Rezitieren oder auch durch Hören (davon), o Nārada, wird man von aller Sünde befreit, rechtschaffen und glücklich.

Wort für Wort
smaraṇāt paṭhanād vāpi
durch Erinnern oder Rezitieren,
śravaṇād api nārada
oder auch durch Hören, o Nārada,
sarvapāpavinirmukto
von aller Sünde befreit,
dharmavān sa sukhī bhavet
wird man rechtschaffen und glücklich

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