Quellen der Menschheit

Brahma-Purāṇa

Kapitel 91: govardhanatīrthamāhātmyavarṇanam Die Größe des Govardhana-Tīrtha (die verschwundenen Rinder)

Brahmā berichtet von einem selbst miterlebten Wunder: Ein Brahmanen-Bauer namens Jābāli treibt seine beiden Zugochsen ohne Rast bis weit in den Tag hinein mit dem Stachel. Die Wunschkuh Surabhi, die Mutter der Welten, sieht dies mitleidig und berichtet es Nandin, der es an Śiva weitergibt; mit Śivas Erlaubnis lässt Nandin daraufhin alle Rinder der Welt (im Himmel wie auf Erden) verschwinden. Die verzweifelten Götter wenden sich erst an Brahmā, dann an Śiva und schließlich an Nandin selbst, der die Rinder erst nach Vollzug eines Gosava-Opfers zurückgibt. Die Rinder vermehren sich daraufhin an der Gautamī – Ursprung des Tīrtha 'Govardhana' ('Rindermehrer').

{brahmovāca: } tato govardhanaṃ tīrthaṃ sarvapāpapraṇāśanam / pitṝṇāṃ puṇyajananaṃ smaraṇād api pāpanut //

Brahmā sprach: Danach kommt das Tīrtha Govardhana, das alle Sünde völlig vernichtet, den Ahnen Verdienst erzeugend, das auch durch bloßes Erinnern Sünde vertreibt.

Wort für Wort
tato govardhanaṃ tīrthaṃ
danach (kommt) das Tīrtha Govardhana,
sarvapāpapraṇāśanam
das alle Sünde völlig vernichtet,
pitṝṇāṃ puṇyajananaṃ
den Ahnen Verdienst erzeugend,
smaraṇād api pāpanut
das auch durch bloßes Erinnern Sünde vertreibt

tasya prabhāva eṣa syān mayā dṛṣṭas tu nārada / brāhmaṇaḥ karṣakaḥ kaścij jābālir iti viśrutaḥ //

Dies sei seine Macht, von mir selbst gesehen, Nārada: Ein gewisser Brahmane, ein Ackerbauer, bekannt unter dem Namen Jābāli –

Wort für Wort
tasya prabhāva eṣa syān
dies sei seine Macht,
mayā dṛṣṭas tu nārada
von mir selbst gesehen, Nārada,
brāhmaṇaḥ karṣakaḥ kaścij
ein gewisser Brahmane, ein Ackerbauer,
jābālir iti viśrutaḥ
bekannt unter dem Namen Jābāli

na vimuñcaty anaḍvāhau madhyaṃ yāte 'pi bhāskare / pratodena pratudati pṛṣṭhato 'pi ca pārśvayoḥ //

– ließ seine beiden Zugochsen nicht los, obwohl die Sonne schon die Mitte des Himmels erreicht hatte; mit dem Treibstachel stach er sie am Rücken und auch an den Seiten.

Wort für Wort
na vimuñcaty anaḍvāhau
ließ die beiden Zugochsen nicht los,
madhyaṃ yāte 'pi bhāskare
obwohl die Sonne schon die Mitte erreicht hatte,
pratodena pratudati
mit dem Treibstachel stach er,
pṛṣṭhato 'pi ca pārśvayoḥ
am Rücken und auch an den Seiten

tau gāvāv aśrupūrṇākṣau dṛṣṭvā gauḥ kāmadohinī / surabhir jagatāṃ mātā nandine sarvam abravīt //

Als sie jene beiden Rinder mit tränengefüllten Augen sah, berichtete die Wunschkuh Surabhi, die Mutter der Welten, alles dem Nandin.

Wort für Wort
tau gāvāv aśrupūrṇākṣau
jene beiden Rinder, mit tränengefüllten Augen,
dṛṣṭvā gauḥ kāmadohinī
als die Wunschkuh sie sah,
surabhir jagatāṃ mātā
Surabhi, die Mutter der Welten,
nandine sarvam abravīt
berichtete alles dem Nandin

sa cāpi vyathito bhūtvā śaṃbhave tan nyavedayat / śaṃbhuś ca vṛṣabhaṃ prāha sarvaṃ sidhyatu te vacaḥ //

Auch er, bekümmert geworden, berichtete dies dem Śaṃbhu; und Śaṃbhu sprach zum Stier (Nandin): 'Alles, was du sagst, möge sich erfüllen.'

Wort für Wort
sa cāpi vyathito bhūtvā
auch er, bekümmert geworden,
śaṃbhave tan nyavedayat
berichtete dies dem Śaṃbhu,
śaṃbhuś ca vṛṣabhaṃ prāha
und Śaṃbhu sprach zum Stier:
sarvaṃ sidhyatu te vacaḥ
'alles, was du sagst, möge sich erfüllen'

śivājñāsahito nandī gojātaṃ sarvam āharat / naṣṭeṣu goṣu sarveṣu svarge martye tatas tvarā //

Mit Śivas Erlaubnis versehen, entfernte Nandin die gesamte Rindergattung; als alle Rinder verschwunden waren, im Himmel wie auf Erden, eilten daraufhin –

Wort für Wort
śivājñāsahito nandī
mit Śivas Erlaubnis versehen, Nandin,
gojātaṃ sarvam āharat
entfernte die gesamte Rindergattung,
naṣṭeṣu goṣu sarveṣu
als alle Rinder verschwunden waren,
svarge martye tatas tvarā
im Himmel wie auf Erden, eilten daraufhin

mām avocan suragaṇā vinā gobhir na jīvyate / tān avocaṃ surān sarvāñ śaṃkaraṃ yāta yācata //

– die Scharen der Götter zu mir und sagten: 'Ohne Rinder kann man nicht leben.' Ich sprach zu all jenen Göttern: 'Geht zu Śaṃkara und bittet ihn.'

Wort für Wort
mām avocan suragaṇā
die Scharen der Götter sprachen zu mir:
vinā gobhir na jīvyate
'ohne Rinder kann man nicht leben'
tān avocaṃ surān sarvāñ
ich sprach zu all jenen Göttern:
śaṃkaraṃ yāta yācata
'geht zu Śaṃkara und bittet ihn'

tathaiveśaṃ tu te sarve stutvā kāryaṃ nyavedayan / īśo 'pi vibudhān āha jānāti vṛṣabho mama //

So gingen sie alle zu Īśa, priesen ihn und berichteten ihr Anliegen; auch Īśa sprach zu den Göttern: 'Mein Stier(-reittier) weiß darüber Bescheid.'

Wort für Wort
tathaiveśaṃ tu te sarve
so gingen sie alle zu Īśa,
stutvā kāryaṃ nyavedayan
priesen ihn und berichteten ihr Anliegen,
īśo 'pi vibudhān āha
auch Īśa sprach zu den Göttern:
jānāti vṛṣabho mama
'mein Stier weiß darüber Bescheid'

te vṛṣaṃ procur amarā dehi gā upakāriṇaḥ / vṛṣo 'pi vibudhān āha gosavaḥ kriyatāṃ kratuḥ //

Die Unsterblichen sprachen zum Stier: 'Gib die Rinder, du Wohltäter.' Auch der Stier sprach zu den Göttern: 'Es soll das Gosava-Opfer vollzogen werden.'

Wort für Wort
te vṛṣaṃ procur amarā
die Unsterblichen sprachen zum Stier:
dehi gā upakāriṇaḥ
'gib die Rinder, du Wohltäter'
vṛṣo 'pi vibudhān āha
auch der Stier sprach zu den Göttern:
gosavaḥ kriyatāṃ kratuḥ
'es soll das Gosava-Opfer vollzogen werden'

tataḥ prāpsyatha gāḥ sarvā yā divyā yāś ca mānuṣāḥ / tataḥ pravartate yajño gosavo devanirmitaḥ //

'Dann werdet ihr alle Rinder erlangen, die himmlischen wie auch die menschlichen.' Darauf wurde das Gosava-Opfer, von den Göttern eingerichtet, vollzogen.

Wort für Wort
tataḥ prāpsyatha gāḥ sarvā
dann werdet ihr alle Rinder erlangen,
yā divyā yāś ca mānuṣāḥ
die himmlischen wie auch die menschlichen,
tataḥ pravartate yajño
darauf wurde das Opfer vollzogen,
gosavo devanirmitaḥ
das Gosava, von den Göttern eingerichtet

gautamyāś ca śubhe pārśve gāvo vavṛdhire tataḥ / govardhanaṃ tu tat tīrthaṃ devānāṃ prītivardhanam //

Und an der heilvollen Seite der Gautamī vermehrten sich darauf die Rinder; jenes Tīrtha heißt Govardhana, das die Freude der Götter mehrt.

Wort für Wort
gautamyāś ca śubhe pārśve
und an der heilvollen Seite der Gautamī,
gāvo vavṛdhire tataḥ
vermehrten sich darauf die Rinder,
govardhanaṃ tu tat tīrthaṃ
jenes Tīrtha heißt Govardhana,
devānāṃ prītivardhanam
das die Freude der Götter mehrt

tatra snānaṃ muniśreṣṭha gosahasraphalapradam / kiṃcid dānādinā yat syāt phalaṃ tat tu na vidmahe //

Das Baden dort, o Bester der Weisen, gewährt die Frucht von tausend verschenkten Rindern; welche Frucht durch Spenden und dergleichen dort noch entstünde, das aber wissen wir nicht zu ermessen.

Wort für Wort
tatra snānaṃ muniśreṣṭha
das Baden dort, o Bester der Weisen,
gosahasraphalapradam
gewährt die Frucht von tausend Rindern,
kiṃcid dānādinā yat syāt
welche Frucht durch Spenden und dergleichen dort entstünde,
phalaṃ tat tu na vidmahe
das wissen wir aber nicht zu ermessen

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