Quellen der Menschheit

Brahma-Purāṇa

Kapitel 203: aditistutiḥ pārijātaharaṇaṃ devendrayuddhaṃ ca Aditis Lobpreis, der Raub des Pārijāta und der Kampf mit dem Götterkönig

Kṛṣṇa übergibt Aditi die von Naraka geraubten Ohrringe; sie trägt ihm einen ausführlichen philosophischen Lobpreis vor und gewährt ihm Unbesiegbarkeit unter Sterblichen. In den Göttergärten erblickt Satyabhāmā den beim Quirlen des Milchozeans entstandenen Wunschbaum Pārijāta und verlangt von Kṛṣṇa, ihn nach Dvārakā zu bringen, da er ihr angeblich lieber sei als Rukmiṇī und Jāmbavatī. Trotz der Warnung der Waldwächter, der Baum sei Śacīs Eigentum, lässt Kṛṣṇa ihn auf Garuḍa laden; Satyabhāmā weist Śacīs Anspruch schroff zurück und lässt ihr eine herausfordernde Botschaft überbringen. Indra zieht mit dem gesamten Götterheer in die Schlacht; nach einem gewaltigen Kampf, in dem Kṛṣṇa und Garuḍa alle Götter (Agni, Yama, Kuvera, die Rudras, Vasus, Maruts u.a.) mühelos bezwingen und schließlich sogar Indras Blitzkeil auffangen, ohne den eigenen Diskus einzusetzen, muss Indra fliehen. Satyabhāmā tröstet und verspottet zugleich den geschlagenen Götterkönig, der seine Niederlage philosophisch relativiert: Beschämung sei sinnlos, da sein Bezwinger der Ursprung, Erhalter und die Ursache der Auflösung des gesamten Kosmos selbst sei.

garuḍo vāruṇaṃ chattraṃ tathaiva maṇiparvatam / sabhāryaṃ ca hṛṣīkeśaṃ līlayaiva vahan yayau //

Vyāsa sprach: Garuḍa, den Sonnenschirm des Varuṇa und ebenso den Maṇiparvata sowie Hṛṣīkeśa samt Gattin mühelos tragend, zog er dahin.

Wort für Wort
garuḍo vāruṇaṃ chattraṃ
Garuḍa, den Sonnenschirm des Varuṇa
tathaiva maṇiparvatam
und ebenso den Maṇiparvata
sabhāryaṃ ca hṛṣīkeśaṃ
und Hṛṣīkeśa samt Gattin
līlayaiva vahan yayau
mühelos tragend, zog er dahin

tataḥ śaṅkham upādhmāya svargadvāraṃ gato hariḥ / upatasthus tato devāḥ sārghapātrā janārdanam //

Dann, die Muschel blasend, kam Hari zum Himmelstor, und da nahten die Götter mit Ehrengaben-Gefäßen dem Janārdana.

Wort für Wort
tataḥ śaṅkham upādhmāya
dann, die Muschel blasend
svargadvāraṃ gato hariḥ
kam Hari zum Himmelstor
upatasthus tato devāḥ
da nahten die Götter
sārghapātrā janārdanam
mit Ehrengaben-Gefäßen dem Janārdana

sa devair arcitaḥ kṛṣṇo devamātur niveśanam / sitābhraśikharākāraṃ praviśya dadṛśe 'ditim //

Er, Kṛṣṇa, von den Göttern verehrt, trat in die Wohnstatt der Göttermutter ein, die die Gestalt eines weißen Wolkengipfels hatte, und sah Aditi.

Wort für Wort
sa devair arcitaḥ kṛṣṇo
er, von den Göttern verehrt, Kṛṣṇa
devamātur niveśanam
die Wohnstatt der Göttermutter
sitābhraśikharākāraṃ
die die Gestalt eines weißen Wolkengipfels hatte
praviśya dadṛśe 'ditim
eintretend, sah er Aditi

sa tāṃ praṇamya śakreṇa sahitaḥ kuṇḍalottame / dadau narakanāśaṃ ca śaśaṃsāsyai janārdanaḥ //

Er, sich vor ihr verneigend, übergab, zusammen mit Śakra, [ihr] die vortrefflichen Ohrringe, und Janārdana verkündete ihr den Untergang Narakas.

Wort für Wort
sa tāṃ praṇamya śakreṇa sahitaḥ
er, sich vor ihr verneigend, zusammen mit Śakra
kuṇḍalottame dadau
die vortrefflichen Ohrringe übergab er
narakanāśaṃ ca śaśaṃsāsyai
und den Untergang Narakas verkündete er ihr
janārdanaḥ
Janārdana

tataḥ prītā jaganmātā dhātāraṃ jagatāṃ harim / tuṣṭāvāditir avyagraṃ kṛtvā tatpravaṇaṃ manaḥ //

Dann, erfreut, pries die Mutter der Welt, Aditi, ungestört den Erhalter der Welten, Hari, [ihren] Geist ganz ihm zugewandt.

Wort für Wort
tataḥ prītā jaganmātā
dann, erfreut, die Mutter der Welt
dhātāraṃ jagatāṃ harim
den Erhalter der Welten, Hari
tuṣṭāvāditir avyagraṃ
pries Aditi, ungestört
kṛtvā tatpravaṇaṃ manaḥ
[ihren] Geist ihm zugeneigt gemacht habend

namas te puṇḍarīkākṣa bhaktānām abhayaṃkara / sanātanātman bhūtātman sarvātman bhūtabhāvana //

Aditi sprach: Verehrung dir, o Lotusäugiger, der du den Hingebungsvollen Furchtlosigkeit schenkst; o ewiges Selbst, Selbst der Wesen, Selbst von allem, Erzeuger der Wesen.

Wort für Wort
namas te puṇḍarīkākṣa
Verehrung dir, o Lotusäugiger
bhaktānām abhayaṃkara
der du den Hingebungsvollen Furchtlosigkeit schenkst
sanātanātman bhūtātman
o ewiges Selbst, Selbst der Wesen
sarvātman bhūtabhāvana
o Selbst von allem, Erzeuger der Wesen

praṇetar manaso buddher indriyāṇāṃ guṇātmaka / sitadīrghādiniḥśeṣa-kalpanāparivarjita //

O Lenker des Geistes, des Verstandes, der Sinne, o [du], dessen Wesen die Guṇas [ausmachen] — o [du], der frei ist von jeder Vorstellung wie 'weiß', 'lang' und dergleichen.

Wort für Wort
praṇetar manaso buddher indriyāṇāṃ
o Lenker des Geistes, des Verstandes, der Sinne
guṇātmaka
o [du], dessen Wesen die Guṇas [sind]
sitadīrghādiniḥśeṣa-
von jeglicher Vorstellung wie 'weiß', 'lang' usw.
kalpanāparivarjita
o [du], der frei ist [davon]

janmādibhir asaṃspṛṣṭa-svapnādivārivarjitaḥ / saṃdhyā rātrir ahar bhūmir gaganaṃ vāyur ambu ca //

Unberührt von Geburt und dergleichen, frei von [den Zuständen wie] Traum und so fort — [du bist] Dämmerung, Nacht, Tag, Erde, Himmel, Wind, und Wasser.

Wort für Wort
janmādibhir asaṃspṛṣṭa-
unberührt von Geburt und dergleichen
svapnādivārivarjitaḥ
frei von [den Zuständen wie] Traum und so fort
saṃdhyā rātrir ahar bhūmir
Dämmerung, Nacht, Tag, Erde
gaganaṃ vāyur ambu ca
Himmel, Wind, und Wasser

[?: Das Kompositum 'svapnādivārivarjitaḥ' ist unklar bzw. möglicherweise textlich verderbt; hier sinngemäß als 'frei von Traum- und ähnlichen Zuständen' wiedergegeben.]

hutāśano mano buddhir bhūtādis tvaṃ tathācyuta / sṛṣṭisthitivināśānāṃ kartā kartṛpatir bhavān //

Das Feuer, der Geist, der Verstand, und das Bhūtādi [der Elementeursprung] — das bist du ebenso, o Unvergänglicher; der Handelnde und der Herr der Handelnden bei Erschaffung, Bestehen und Zerstörung bist du.

Wort für Wort
hutāśano mano buddhir
das Feuer, der Geist, der Verstand
bhūtādis tvaṃ tathācyuta
und das Bhūtādi bist du ebenso, o Unvergänglicher
sṛṣṭisthitivināśānāṃ
der Erschaffung, des Bestehens, der Zerstörung
kartā kartṛpatir bhavān
bist du der Handelnde, der Herr der Handelnden

brahmaviṣṇuśivākhyābhir ātmamūrtibhir īśvaraḥ / māyābhir etad vyāptaṃ te jagat sthāvarajaṅgamam //

Mit den als Brahmā, Viṣṇu, Śiva bezeichneten Selbst-Gestalten [ist] der Herr — durch [diese seine] Māyā-Gestalten ist diese deine Welt, die unbewegliche und bewegliche, durchdrungen.

Wort für Wort
brahmaviṣṇuśivākhyābhir
mit den als Brahmā, Viṣṇu, Śiva bezeichneten
ātmamūrtibhir īśvaraḥ
mit [seinen] Selbst-Gestalten, der Herr
māyābhir etad vyāptaṃ
durch [diese] Māyā[-Gestalten] ist dies durchdrungen
te jagat sthāvarajaṅgamam
deine Welt, die unbewegliche und bewegliche

anātmany ātmavijñānaṃ sā te māyā janārdana / ahaṃ mameti bhāvo 'tra yayā samupajāyate //

Die Erkenntnis des Selbst im Nicht-Selbst — das ist deine Māyā, o Janārdana, durch die die Vorstellung 'ich' und 'mein' hierbei entsteht.

Wort für Wort
anātmany ātmavijñānaṃ
die Erkenntnis des Selbst im Nicht-Selbst
sā te māyā janārdana
das ist deine Māyā, o Janārdana
ahaṃ mameti bhāvo 'tra
die Vorstellung 'ich' und 'mein' hierbei
yayā samupajāyate
durch die sie entsteht

saṃsāramadhye māyāyās tavaitan nātha ceṣṭitam / yaiḥ svadharmaparair nātha narair ārādhito bhavān //

Inmitten des Weltenkreislaufs ist dies das Wirken deiner Māyā, o Herr; von den Menschen, die ihrem eigenen Dharma ergeben sind, o Herr, wirst du verehrt,

Wort für Wort
saṃsāramadhye māyāyās
inmitten des Weltenkreislaufs, der Māyā
tavaitan nātha ceṣṭitam
ist dies dein Wirken, o Herr
yaiḥ svadharmaparair nātha
durch welche Menschen, die ihrem eigenen Dharma ergeben sind, o Herr
narair ārādhito bhavān
von [solchen] Menschen wirst du verehrt

te taranty akhilām etāṃ māyām ātmavimuktaye / brahmādyāḥ sakalā devā manuṣyāḥ paśavas tathā //

— sie überqueren diese ganze Māyā zur Befreiung des Selbst; [angefangen bei] Brahmā, alle Götter, die Menschen, ebenso die Tiere,

Wort für Wort
te taranty akhilām etāṃ māyām
sie überqueren diese ganze Māyā
ātmavimuktaye
zur Befreiung des Selbst
brahmādyāḥ sakalā devā
[angefangen bei] Brahmā, alle Götter
manuṣyāḥ paśavas tathā
die Menschen, ebenso die Tiere

viṣṇumāyāmahāvarte mohāndhatamasāvṛtāḥ / ārādhya tvām abhīpsante kāmān ātmabhavakṣaye //

im großen Strudel von Viṣṇus Māyā, von der blinden Finsternis der Verblendung umhüllt, verehren [manche] dich [nur, um] Begierden [zu erlangen], statt die Auflösung des [eigenen Daseins-]Werdens [zu suchen].

Wort für Wort
viṣṇumāyāmahāvarte
im großen Strudel von Viṣṇus Māyā
mohāndhatamasāvṛtāḥ
von der blinden Finsternis der Verblendung umhüllt
ārādhya tvām abhīpsante kāmān
verehren dich und wünschen sich Begierden
ātmabhavakṣaye
anstatt der Vernichtung des eigenen Werdens

pade te puruṣā baddhā māyayā bhagavaṃs tava / mayā tvaṃ putrakāminyā vairipakṣakṣayāya ca //

An deinem [wahren] Zustand sind die Menschen durch deine Māyā gebunden, o Erhabener; von mir, die ich einen Sohn begehrte, und [von mir,] zur Vernichtung der Feindespartei,

Wort für Wort
pade te puruṣā baddhā
an deinem Ort sind die Menschen gebunden
māyayā bhagavaṃs tava
durch deine Māyā, o Erhabener
mayā tvaṃ putrakāminyā
von mir, die ich einen Sohn begehrte
vairipakṣakṣayāya ca
und zur Vernichtung der Feindespartei

ārādhito na mokṣāya māyāvilasitaṃ hi tat / kaupīnācchādanaprāyā vāñchā kalpadrumād api //

— wurdest du verehrt, nicht um der Erlösung willen — das ist fürwahr [nur] ein Spiel der Māyā, ein Wunsch, der, selbst an den Wunschbaum gerichtet, [kaum mehr] ist als [die Bitte,] den Lendenschurz zu bedecken.

Wort für Wort
ārādhito na mokṣāya
wurdest du verehrt, nicht zur Erlösung
māyāvilasitaṃ hi tat
das ist fürwahr ein Spiel der Māyā
kaupīnācchādanaprāyā vāñchā
ein Wunsch, der [nur] etwa den Lendenschurz zu bedecken [sucht]
kalpadrumād api
selbst von dem Wunschbaum [erbeten]

[Anm.: Bildhafter Vergleich — selbst den allmächtigen Wunschbaum (Kalpadruma) um etwas so Geringes wie einen Lendenschurz zu bitten, veranschaulicht die Torheit, göttliche Macht für triviale weltliche Zwecke zu erbitten.]

jāyate yad apuṇyānāṃ so 'parādhaḥ svadoṣajaḥ / tat prasīdākhilajagan-māyāmohakarāvyaya //

Was den Unverdienstvollen widerfährt, das ist ein aus dem eigenen Fehler entstandenes Vergehen; sei [darüber] gnädig, o Unvergänglicher, der du der ganzen Welt Māyā und Verblendung bewirkst.

Wort für Wort
jāyate yad apuṇyānāṃ
was den Unverdienstvollen widerfährt
so 'parādhaḥ svadoṣajaḥ
das ist ein aus dem eigenen Fehler entstandenes Vergehen
tat prasīdākhilajagan-
sei [darüber] gnädig, der ganzen Welt
māyāmohakarāvyaya
Māyā und Verblendung bewirkend, o Unvergänglicher

ajñānaṃ jñānasadbhāva bhūtabhūteśa nāśaya / namas te cakrahastāya śārṅgahastāya te namaḥ //

O [du], dessen wahres Wesen Erkenntnis ist, o Herr der Geschöpfe, vernichte [meine] Unwissenheit! Verehrung dir, dem mit dem Diskus in der Hand, Verehrung dir, dem mit dem [Bogen] Śārṅga in der Hand!

Wort für Wort
ajñānaṃ jñānasadbhāva
o [du], dessen wahres Wesen Erkenntnis ist, [meine] Unwissenheit
bhūtabhūteśa nāśaya
o Herr der Geschöpfe, vernichte [sie]
namas te cakrahastāya
Verehrung dir, dem mit dem Diskus in der Hand
śārṅgahastāya te namaḥ
dem mit dem Śārṅga in der Hand, dir Verehrung

gadāhastāya te viṣṇo śaṅkhahastāya te namaḥ / etat paśyāmi te rūpaṃ sthūlacihnopaśobhitam / na jānāmi paraṃ yat te prasīda parameśvara //

Dir, dem mit der Keule in der Hand, o Viṣṇu, dem mit der Muschel in der Hand, dir Verehrung! Diese [Gestalt] von dir sehe ich, die mit groben [äußeren] Merkmalen geschmückt ist — dein höchstes [Wesen] aber kenne ich nicht; sei gnädig, o höchster Herr.

Wort für Wort
gadāhastāya te viṣṇo
dir, dem mit der Keule in der Hand, o Viṣṇu
śaṅkhahastāya te namaḥ
dem mit der Muschel in der Hand, dir Verehrung
etat paśyāmi te rūpaṃ
diese [Gestalt] sehe ich von dir
sthūlacihnopaśobhitam
die mit groben Merkmalen geschmückt [ist]
na jānāmi paraṃ yat te
ich kenne nicht dein höchstes [Wesen]
prasīda parameśvara
sei gnädig, o höchster Herr

[Anm.: Unregelmäßiger dreizeiliger Vers im Original.]

adityaivaṃ stuto viṣṇuḥ prahasyāha surāraṇim //

Vyāsa sprach: So von Aditi gepriesen, sprach Viṣṇu lächelnd zu ihr, der Quelle der Götter —

Wort für Wort
adityaivaṃ stuto viṣṇuḥ
so von Aditi gepriesen, Viṣṇu
prahasyāha surāraṇim
sprach lächelnd zu ihr, der Quelle der Götter

[Anm.: Unregelmäßiger Vers — im Quelltext nur eine Halbzeile überliefert (mit Editionssternchen markiert). 'Surāraṇi' ('Zündholz/Ursprungsquelle der Götter') ist hier als Epitheton der Aditi gedeutet, der Mutter der Götter (Ādityas).]

mātā devi tvam asmākaṃ prasīda varadā bhava //

Śrī-Kṛṣṇa sprach: 'Mutter bist du uns, o Göttin — sei gnädig, sei Gewährerin von Segen.'

Wort für Wort
mātā devi tvam asmākaṃ
Mutter bist du uns, o Göttin
prasīda varadā bhava
sei gnädig, sei Gewährerin von Segen

[Anm.: Unregelmäßiger Vers — im Quelltext nur eine Halbzeile überliefert (mit Editionssternchen markiert).]

evam astu yathecchā te tvam aśeṣasurāsuraiḥ / ajeyaḥ puruṣavyāghra martyaloke bhaviṣyasi //

Aditi sprach: 'So sei es, wie es dein Wunsch ist; von allen Göttern und Asuras unbesiegbar wirst du, o Tiger unter den Männern, in der Welt der Sterblichen sein.'

Wort für Wort
evam astu yathecchā te
so sei es, wie es dein Wunsch [ist]
tvam aśeṣasurāsuraiḥ
von dir, [selbst] von allen Göttern und Asuras
ajeyaḥ puruṣavyāghra
unbesiegbar, o Tiger unter den Männern
martyaloke bhaviṣyasi
wirst du in der Sterblichen-Welt sein

tato 'nantaram evāsya śakrāṇīsahitāṃ ditim / satyabhāmā praṇamyāha prasīdeti punaḥ punaḥ //

Vyāsa sprach: Dann, unmittelbar danach, verneigte sich Satyabhāmā vor Diti, [die] zusammen mit Śakrāṇī [war], und sprach immer wieder: 'Sei gnädig.'

Wort für Wort
tato 'nantaram evāsya
dann, unmittelbar danach
śakrāṇīsahitāṃ ditim
Diti, zusammen mit Śakrāṇī
satyabhāmā praṇamyāha
Satyabhāmā, sich verneigend, sprach
prasīdeti punaḥ punaḥ
'sei gnädig' immer wieder

[Anm.: Hier erscheint neben Śacī (Śakrāṇī) auch Diti, die Mutter der Daityas und Schwester der Aditi — möglicherweise eine Verwechslung oder bewusste Erweiterung des Kreises der verehrten Göttinnen in dieser Fassung.]

matprasādān na te subhru jarā vairūpyam eva ca / bhaviṣyaty anavadyāṅgi sarvakāmā bhaviṣyasi //

Aditi sprach: 'Durch meine Gnade werden dir, o Schönbraue, weder Alter noch Missgestalt widerfahren, o [du] mit tadellosen Gliedern; du wirst alle [deine] Wünsche [erfüllt] haben.'

Wort für Wort
matprasādān na te subhru
durch meine Gnade wird dir, o Schönbraue, nicht
jarā vairūpyam eva ca
Alter und Missgestalt
bhaviṣyaty anavadyāṅgi
widerfahren, o [du] mit tadellosen Gliedern
sarvakāmā bhaviṣyasi
du wirst all deine Wünsche [erfüllt] haben

adityā tu kṛtānujño devarājo janārdanam / yathāvat pūjayām āsa bahumānapuraḥsaram //

Vyāsa sprach: Von Aditi aber die Erlaubnis erhalten habend, verehrte der Götterkönig [Indra] den Janārdana gebührend, mit großer Ehrerbietung.

Wort für Wort
adityā tu kṛtānujño
von Aditi aber die Erlaubnis erhalten habend
devarājo janārdanam
der Götterkönig, den Janārdana
yathāvat pūjayām āsa
verehrte gebührend
bahumānapuraḥsaram
mit großer Ehrerbietung vorangehend

tato dadarśa kṛṣṇo 'pi satyabhāmāsahāyavān / devodyānāni sarvāṇi nandanādīni sattamāḥ //

Dann sah auch Kṛṣṇa, begleitet von Satyabhāmā, alle Göttergärten, [angefangen] bei Nandana, o Vortreffliche.

Wort für Wort
tato dadarśa kṛṣṇo 'pi
dann sah auch Kṛṣṇa
satyabhāmāsahāyavān
begleitet von Satyabhāmā
devodyānāni sarvāṇi
alle Göttergärten
nandanādīni sattamāḥ
[angefangen bei] Nandana, o Vortreffliche

dadarśa ca sugandhāḍhyaṃ mañjarīpuñjadhāriṇam / śaityāhlādakaraṃ divyaṃ tāmrapallavaśobhitam //

Und er sah den reich duftenden [Baum], der Büschel von Blütenknospen trug, kühl-erfrischend und göttlich, mit kupferfarbenen [jungen] Blättern geschmückt,

Wort für Wort
dadarśa ca sugandhāḍhyaṃ
und er sah den reich duftenden
mañjarīpuñjadhāriṇam
der Büschel von Blütenknospen trug
śaityāhlādakaraṃ divyaṃ
kühl und erfrischend, göttlich
tāmrapallavaśobhitam
mit kupferfarbenen Blättern geschmückt

mathyamāne 'mṛte jātaṃ jātarūpasamaprabham / pārijātaṃ jagannāthaḥ keśavaḥ keśisūdanaḥ / taṃ dṛṣṭvā prāha govindaṃ satyabhāmā dvijottamāḥ //

— den beim Quirlen des Nektars entstandenen Pārijāta[-Baum], von einem Glanz gleich reinem Gold. Ihn erblickend, sprach Satyabhāmā, o Beste der Zweifachgeborenen, zu Govinda, dem Herrn der Welt, Keśava, dem Vernichter des Keśin:

Wort für Wort
mathyamāne 'mṛte jātaṃ
beim Quirlen des Nektars entstanden
jātarūpasamaprabham
von einem Glanz gleich dem [reinen] Gold
pārijātaṃ jagannāthaḥ keśavaḥ keśisūdanaḥ
den Pārijāta, der Herr der Welt, Keśava, der Vernichter des Keśin
taṃ dṛṣṭvā prāha govindaṃ
ihn erblickend, sprach zu Govinda
satyabhāmā dvijottamāḥ
Satyabhāmā, o Beste der Zweifachgeborenen

[Anm.: Unregelmäßiger dreizeiliger Vers im Original.]

kasmān na dvārakām eṣa nīyate kṛṣṇa pādapaḥ / yadi te tad vacaḥ satyaṃ satyātyarthaṃ priyeti me //

Satyabhāmā sprach: 'Warum wird dieser Baum nicht nach Dvārakā gebracht, o Kṛṣṇa — wenn jenes dein Wort wahr ist: dass Satyā [mir] über alle Maßen lieb sei.'

Wort für Wort
kasmān na dvārakām eṣa
warum wird nicht nach Dvārakā dieser
nīyate kṛṣṇa pādapaḥ
gebracht, o Kṛṣṇa, [dieser] Baum
yadi te tad vacaḥ satyaṃ
wenn jenes dein Wort wahr [ist]
satyātyarthaṃ priyeti me
'Satyā ist mir über alle Maßen lieb'

madgṛhe niṣkuṭārthāya tad ayaṃ nīyatāṃ taruḥ / na me jāmbavatī tādṛg abhīṣṭā na ca rukmiṇī //

'So möge dieser Baum für [meinen] Hausgarten gebracht werden — nicht ist mir Jāmbavatī so [wichtig], und auch nicht Rukmiṇī.'

Wort für Wort
madgṛhe niṣkuṭārthāya
zum Zweck [meines] Hausgartens
tad ayaṃ nīyatāṃ taruḥ
so möge dieser Baum gebracht werden
na me jāmbavatī tādṛg abhīṣṭā
nicht ist mir Jāmbavatī so [lieb]
na ca rukmiṇī
und auch nicht Rukmiṇī

satye yathā tvam ity uktaṃ tvayā kṛṣṇāsakṛt priyam / satyaṃ tad yadi govinda nopacārakṛtaṃ vacaḥ //

'Wie [sehr] du an Satyā [hängst] — dies wurde von dir, o Kṛṣṇa, wiederholt gesagt, [dass ich dir] lieb [sei]; wenn das wahr ist, o Govinda, und nicht [nur] ein aus Höflichkeit gesprochenes Wort,'

Wort für Wort
satye yathā tvam ity uktaṃ
'wie [sehr] du an Satyā [hängst]', so wurde gesagt
tvayā kṛṣṇāsakṛt priyam
von dir, o Kṛṣṇa, wiederholt, [dass sie dir] lieb [ist]
satyaṃ tad yadi govinda
wenn das wahr ist, o Govinda
nopacārakṛtaṃ vacaḥ
[und] nicht [nur] aus Höflichkeit gesprochenes Wort

tad astu pārijāto 'yaṃ mama gehavibhūṣaṇam / bibhratī pārijātasya keśapāśena mañjarīm / sapatnīnām ahaṃ madhye śobheyam iti kāmaye //

'— dann möge dieser Pārijāta mein Hausschmuck sein; eine Blütenknospe des Pārijāta in meinem Haarflechtenbündel tragend, möchte ich inmitten [meiner] Mitfrauen erstrahlen — so ist mein Wunsch.'

Wort für Wort
tad astu pārijāto 'yaṃ
so möge dieser Pārijāta [Baum] sein
mama gehavibhūṣaṇam
mein Hausschmuck
bibhratī pārijātasya keśapāśena mañjarīm
eine Blütenknospe des Pārijāta mit meinem Haarflechtenbündel tragend
sapatnīnām ahaṃ madhye
inmitten der Mitfrauen ich
śobheyam iti kāmaye
möge ich erstrahlen, so wünsche ich es

[Anm.: Unregelmäßiger dreizeiliger Vers im Original.]

ity uktaḥ sa prahasyainaṃ pārijātaṃ garutmati / āropayām āsa haris tam ūcur vanarakṣiṇaḥ //

Vyāsa sprach: So angesprochen, ließ er, lächelnd, diesen Pārijāta[-Baum] auf Garuḍa laden; da sprachen zu ihm die Waldwächter:

Wort für Wort
ity uktaḥ sa prahasyainaṃ
so angesprochen, er, lächelnd, diesen
pārijātaṃ garutmati
den Pārijāta auf Garuḍa
āropayām āsa haris
ließ Hari aufladen
tam ūcur vanarakṣiṇaḥ
zu ihm sprachen die Waldwächter

bhoḥ śacī devarājasya mahiṣī tatparigraham / pārijātaṃ na govinda hartum arhasi pādapam //

Die Waldwächter sprachen: 'He! Śacī, die Hauptgemahlin des Götterkönigs — [dies ist] ihr Eigentum; den Pārijāta-Baum darfst du nicht rauben, o Govinda.'

Wort für Wort
bhoḥ śacī devarājasya mahiṣī
he, Śacī, die Hauptgemahlin des Götterkönigs
tatparigraham
[dies ist] ihr Eigentum
pārijātaṃ na govinda hartum arhasi
den Pārijāta darfst du nicht rauben, o Govinda
pādapam
den Baum

śacīvibhūṣaṇārthāya devair amṛtamanthane / utpādito 'yaṃ na kṣemī gṛhītvainaṃ gamiṣyasi //

'Zum Schmuck der Śacī wurde dieser [Baum] von den Göttern beim Quirlen des Nektars hervorgebracht; nicht wohlbehalten wirst du davonkommen, wenn du ihn nimmst.'

Wort für Wort
śacīvibhūṣaṇārthāya
zum Zweck des Schmuckes der Śacī
devair amṛtamanthane
von den Göttern beim Quirlen des Nektars
utpādito 'yaṃ
wurde dieser hervorgebracht
na kṣemī gṛhītvainaṃ gamiṣyasi
nicht wohlbehalten wirst du gehen, [wenn] du ihn nimmst

mauḍhyāt prārthayase kṣemī gṛhītvainaṃ ca ko vrajet / avaśyam asya devendro vikṛtiṃ kṛṣṇa yāsyati //

'Aus Torheit begehrst du [ihn] — und wer könnte, nachdem er ihn genommen hat, [noch] wohlbehalten davongehen? Gewiss wird deswegen der Götterkönig in Zorn geraten, o Kṛṣṇa.'

Wort für Wort
mauḍhyāt prārthayase
aus Torheit begehrst du [ihn]
kṣemī gṛhītvainaṃ ca ko vrajet
und wer könnte, ihn genommen habend, wohlbehalten gehen
avaśyam asya devendro
gewiss wird deswegen der Götterkönig
vikṛtiṃ kṛṣṇa yāsyati
in Erregung geraten, o Kṛṣṇa

vajrodyatakaraṃ śakram anuyāsyanti cāmarāḥ / tad alaṃ sakalair devair vigraheṇa tavācyuta / vipākakaṭu yat karma na tac chaṃsanti paṇḍitāḥ //

'Śakra, [seine] Hand mit dem erhobenen Blitzkeil [bewaffnet], [und] ihm werden die Unsterblichen folgen — deshalb, genug des Streits mit allen Göttern, o Unvergänglicher! Eine Tat, die in ihrer Reifung bitter ist, loben die Weisen nicht.'

Wort für Wort
vajrodyatakaraṃ śakram
Śakra, [seine] Hand mit dem erhobenen Blitzkeil
anuyāsyanti cāmarāḥ
werden ihm folgen, die Unsterblichen
tad alaṃ sakalair devair vigraheṇa tavācyuta
deshalb genug des Streits mit allen Göttern, o Unvergänglicher
vipākakaṭu yat karma
eine Tat, die in ihrer Reifung bitter ist
na tac chaṃsanti paṇḍitāḥ
die loben die Weisen nicht

[Anm.: Unregelmäßiger dreizeiliger Vers im Original.]

ity ukte tair uvācaitān satyabhāmātikopinī //

Vyāsa sprach: So von ihnen gesprochen, sprach Satyabhāmā, überaus zornig, zu ihnen:

Wort für Wort
ity ukte tair
so von ihnen gesprochen
uvācaitān satyabhāmātikopinī
sprach zu ihnen Satyabhāmā, überaus zornig

[Anm.: Unregelmäßiger Vers — im Quelltext nur eine Halbzeile überliefert (mit Editionssternchen markiert).]

kā śacī pārijātasya ko vā śakraḥ surādhipaḥ / sāmānyaḥ sarvalokānāṃ yady eṣo 'mṛtamanthane //

Satyabhāmā sprach: 'Was ist Śacī für den Pārijāta, oder was ist Śakra, der Götterfürst, [dagegen zu sagen] — wenn dieser [Baum], beim Quirlen des Nektars [entstanden], gemeinsames [Eigentum] aller Welten ist?'

Wort für Wort
kā śacī pārijātasya
was [bedeutet] Śacī für den Pārijāta
ko vā śakraḥ surādhipaḥ
oder was [bedeutet] Śakra, der Götterfürst
sāmānyaḥ sarvalokānāṃ
[wenn er] gemeinsames [Eigentum] aller Welten [ist]
yady eṣo 'mṛtamanthane
wenn dieser beim Quirlen des Nektars [entstand]

samutpannaḥ purā kasmād eko gṛhṇāti vāsavaḥ / yathā surā yathā cendur yathā śrīr vanarakṣiṇaḥ //

'Einst entstanden, weshalb nimmt Vāsava ihn allein für sich, so wie [er es tut mit] dem Wein, wie auch dem Mond, wie [der Göttin] Śrī, o Waldwächter?'

Wort für Wort
samutpannaḥ purā kasmād
einst entstanden, weshalb
eko gṛhṇāti vāsavaḥ
nimmt ihn Vāsava allein
yathā surā yathā cendur
wie der Wein, wie auch der Mond
yathā śrīr vanarakṣiṇaḥ
wie [die Göttin] Śrī, o Waldwächter

sāmānyaḥ sarvalokasya pārijātas tathā drumaḥ / bhartṛbāhumahāgarvād ruṇaddhy enam atho śacī //

'Gemeinsames [Eigentum] aller Welt ist ebenso der Pārijāta-Baum; aus großem Stolz auf die [Arm-]Kraft ihres Gatten aber verhindert Śacī [dessen freie Nutzung].'

Wort für Wort
sāmānyaḥ sarvalokasya
gemeinsames [Eigentum] aller Welt
pārijātas tathā drumaḥ
ist der Pārijāta-Baum ebenso
bhartṛbāhumahāgarvād
aus großem Stolz auf die Arme [Kraft] ihres Gatten
ruṇaddhy enam atho śacī
hindert ihn [aber] Śacī

tat kathyatāṃ drutaṃ gatvā paulomyā vacanaṃ mama / satyabhāmā vadaty evaṃ bhartṛgarvoddhatākṣaram //

'Geht schnell und sagt der Tochter des Puloman [Śacī] mein Wort: Satyabhāmā spricht so' — mit von [ihrem eigenen] Gattenstolz übermütigen Worten.

Wort für Wort
tat kathyatāṃ drutaṃ gatvā
das möge schnell gesagt werden, hingehend
paulomyā vacanaṃ mama
der Tochter des Puloman, mein Wort
satyabhāmā vadaty evaṃ
Satyabhāmā spricht so
bhartṛgarvoddhatākṣaram
mit von Gattenstolz übermütigen Worten

yadi tvaṃ dayitā bhartur yadi tasya priyā hy asi / madbhartur harato vṛkṣaṃ tat kāraya nivāraṇam //

'Wenn du die Geliebte [deines] Gatten [bist], wenn du ihm fürwahr lieb bist, dann bewirke die Abwehr meines Gatten, der [deinen] Baum raubt!'

Wort für Wort
yadi tvaṃ dayitā bhartur
wenn du die Geliebte [deines] Gatten [bist]
yadi tasya priyā hy asi
wenn du ihm fürwahr lieb bist
madbhartur harato vṛkṣaṃ
meines Gatten, der den Baum raubt
tat kāraya nivāraṇam
so bewirke [seine] Abwehr

jānāmi te patiṃ śakraṃ jānāmi tridaśeśvaram / pārijātaṃ tathāpy enaṃ mānuṣī hārayāmi te //

'Ich kenne deinen Gatten Śakra, ich kenne [ihn als] den Herrn der Götter — dennoch raube ich, eine Sterbliche, dir diesen Pārijāta.'

Wort für Wort
jānāmi te patiṃ śakraṃ
ich kenne deinen Gatten Śakra
jānāmi tridaśeśvaram
ich kenne [ihn als] den Herrn der Götter
pārijātaṃ tathāpy enaṃ
dennoch diesen Pārijāta
mānuṣī hārayāmi te
ich, eine Sterbliche, raube [ihn] dir

ity uktā rakṣiṇo gatvā proccaiḥ procur yathoditam / śacī cotsāhayām āsa tridaśādhipatiṃ patim //

Vyāsa sprach: So angesprochen, gingen die Wächter und sagten laut, wie [ihnen] gesagt worden war; und Śacī spornte den Herrn der Götter, [ihren] Gatten, an.

Wort für Wort
ity uktā rakṣiṇo gatvā
so angesprochen, gingen die Wächter
proccaiḥ procur yathoditam
und sagten laut, wie [ihnen] gesagt worden war
śacī cotsāhayām āsa
und Śacī spornte an
tridaśādhipatiṃ patim
den Herrn der Götter, [ihren] Gatten

tataḥ samastadevānāṃ sainyaiḥ parivṛto harim / pravṛktaḥ pārijātārtham indro yodhayituṃ dvijāḥ //

Dann machte sich Indra, umgeben von den Heeren aller Götter, auf, um Hari wegen des Pārijāta zu bekämpfen, o Brahmanen.

Wort für Wort
tataḥ samastadevānāṃ sainyaiḥ parivṛto
dann, von den Heeren aller Götter umgeben
harim pravṛktaḥ
machte sich [Indra] auf, [gegen] Hari
pārijātārtham
wegen des Pārijāta
indro yodhayituṃ dvijāḥ
Indra, um zu bekämpfen, o Brahmanen

tataḥ parighanistriṃśa-gadāśūladharāyudhāḥ / babhūvus tridaśāḥ sajjāḥ śakre vajrakare sthite //

Dann, Eisenstangen, Schwerter, Keulen und Speere als Waffen tragend, standen die Götter bereit, während Śakra, den Blitzkeil in der Hand, dastand.

Wort für Wort
tataḥ parighanistriṃśa-gadāśūladharāyudhāḥ
dann, Eisenstangen, Schwerter, Keulen, Speere als Waffen tragend
babhūvus tridaśāḥ sajjāḥ
wurden die Götter bereit
śakre vajrakare sthite
während Śakra, den Blitzkeil in der Hand, dastand

tato nirīkṣya govindo nāgarājopari sthitam / śakraṃ devaparīvāraṃ yuddhāya samupasthitam //

Dann, als Govinda Śakra erblickte, [der] auf dem Elefanten-König [Airāvata] stehend, umgeben von den Göttern, zum Kampf bereitstand,

Wort für Wort
tato nirīkṣya govindo
dann erblickend, Govinda
nāgarājopari sthitam
auf dem Elefanten-König stehend
śakraṃ devaparīvāraṃ
Śakra, umgeben von den Göttern
yuddhāya samupasthitam
zum Kampf bereitstehend

cakāra śaṅkhanirghoṣaṃ diśaḥ śabdena pūrayan / mumoca ca śaravrātaṃ sahasrāyutasaṃmitam //

ließ er den Klang der Muschel erschallen, die Himmelsrichtungen mit [diesem] Klang erfüllend, und entließ eine Menge von Pfeilen im Umfang von tausend Ayutas [zehn Millionen].

Wort für Wort
cakāra śaṅkhanirghoṣaṃ
machte er den Klang der Muschel erschallen
diśaḥ śabdena pūrayan
die Himmelsrichtungen mit [diesem] Klang erfüllend
mumoca ca śaravrātaṃ
und er entließ eine Menge von Pfeilen
sahasrāyutasaṃmitam
im Umfang von tausend Ayutas

tato diśo nabhaś caiva dṛṣṭvā śaraśatācitam / mumucus tridaśāḥ sarve śastrāṇy astrāṇy anekaśaḥ //

Dann, als sie die Himmelsrichtungen und den Himmel mit hunderten von Pfeilen bedeckt sahen, entließen alle Götter vielerlei Waffen und Geschosse.

Wort für Wort
tato diśo nabhaś caiva
dann die Himmelsrichtungen und den Himmel
dṛṣṭvā śaraśatācitam
mit hunderten von Pfeilen bedeckt sehend
mumucus tridaśāḥ sarve
entließen alle Götter
śastrāṇy astrāṇy anekaśaḥ
Schwerter und Geschosse auf vielerlei Weise

ekaikam astraṃ śastraṃ ca devair muktaṃ sahasradhā / ciccheda līlayaiveśo jagatāṃ madhusūdanaḥ //

Jedes einzelne Geschoss und jede Waffe, von den Göttern entlassen, zerschnitt Madhusūdana, der Herr der Welten, mühelos in tausend [Teile].

Wort für Wort
ekaikam astraṃ śastraṃ ca
jedes einzelne Geschoss und jede Waffe
devair muktaṃ sahasradhā
von den Göttern entlassen, in tausend [Teile]
ciccheda līlayaiveśo
zerschnitt mühelos der Herr
jagatāṃ madhusūdanaḥ
der Welten, Madhusūdana

pāśaṃ salilarājasya samākṛṣyoragāśanaḥ / cacāla khaṇḍaśaḥ kṛttvā bālapannagadehavat //

Die Schlinge des Königs der Gewässer [Varuṇa] heranziehend, zerschnitt der Schlangenfeind [Garuḍa] sie in Stücke, [sie] wie den Leib einer jungen Schlange [zerreißend].

Wort für Wort
pāśaṃ salilarājasya
die Schlinge des Königs der Gewässer
samākṛṣyoragāśanaḥ
heranziehend, der Schlangenfeind
cacāla khaṇḍaśaḥ kṛttvā
zerschnitt sie in Stücke
bālapannagadehavat
wie den Körper einer jungen Schlange

yamena prahitaṃ daṇḍaṃ gadāprakṣepakhaṇḍitam / pṛthivyāṃ pātayām āsa bhagavān devakīsutaḥ //

Den von Yama geschleuderten Stab ließ der Erhabene, Devakīs Sohn, durch einen Keulenwurf zerschmettert, zur Erde fallen.

Wort für Wort
yamena prahitaṃ daṇḍaṃ
den von Yama geschleuderten Stab
gadāprakṣepakhaṇḍitam
durch einen Keulenwurf zerschmettert
pṛthivyāṃ pātayām āsa
ließ [ihn] zur Erde fallen
bhagavān devakīsutaḥ
der Erhabene, Devakīs Sohn

śibikāṃ ca dhaneśasya cakreṇa tilaśo vibhuḥ / cakāra śaurir arkendū dṛṣṭipātahataujasau //

Und die Sänfte des Kuvera zerschlug der mächtige Sohn Śūras mit dem Diskus in [Stücke, klein wie] Sesamkörner; Sonne und Mond beraubte er durch [seinen bloßen] Blick ihrer Glut.

Wort für Wort
śibikāṃ ca dhaneśasya
und die Sänfte des Kuvera
cakreṇa tilaśo vibhuḥ
mit dem Diskus, in Sesamkorn-große [Stücke], der Mächtige
cakāra śaurir arkendū
machte der Sohn Śūras; Sonne und Mond
dṛṣṭipātahataujasau
durch [seinen] Blick ihrer Glut beraubt

nīto 'gniḥ śataśo bāṇair drāvitā vasavo diśaḥ / cakravicchinnaśūlāgrā rudrā bhuvi nipātitāḥ //

Agni wurde mit hunderten von Pfeilen in die Flucht getrieben, die Vasus wurden in alle Richtungen zerstreut, und die Rudras, deren Speerspitzen vom Diskus abgeschnitten waren, wurden zu Boden geworfen.

Wort für Wort
nīto 'gniḥ śataśo bāṇair
Agni wurde mit hunderten von Pfeilen [in die Flucht] getrieben
drāvitā vasavo diśaḥ
die Vasus wurden in die Richtungen zerstreut
cakravicchinnaśūlāgrā
deren Speerspitzen vom Diskus abgeschnitten
rudrā bhuvi nipātitāḥ
die Rudras wurden zu Boden geworfen

sādhyā viśve ca maruto gandharvāś caiva sāyakaiḥ / śārṅgiṇā preritāḥ sarve vyomni śālmalitūlavat //

Die Sādhyas, die Viśvedevas, die Maruts, und ebenso die Gandharvas wurden alle vom Träger des Śārṅga durch Pfeile im Himmel wie Baumwollflocken des Śālmali-Baumes fortgetrieben.

Wort für Wort
sādhyā viśve ca maruto
die Sādhyas, die Viśvedevas, die Maruts
gandharvāś caiva sāyakaiḥ
und ebenso die Gandharvas, durch Pfeile
śārṅgiṇā preritāḥ sarve
alle vom Träger des Śārṅga fortgetrieben
vyomni śālmalitūlavat
im Himmel wie Baumwollflocken des Śālmali[-Baumes]

garuḍaś cāpi vaktreṇa pakṣābhyāṃ ca nakhāṅkuraiḥ / bhakṣayann ahanad devān dānavāṃś ca sadā khagaḥ //

Und auch Garuḍa, der Vogel, erschlug stets, mit dem Schnabel, den beiden Flügeln und den Krallenspitzen verschlingend, die Götter und die Dānavas.

Wort für Wort
garuḍaś cāpi vaktreṇa
und auch Garuḍa, mit dem Schnabel
pakṣābhyāṃ ca nakhāṅkuraiḥ
und mit den beiden Flügeln und den Krallenspitzen
bhakṣayann ahanad devān
verschlingend erschlug er die Götter
dānavāṃś ca sadā khagaḥ
und die Dānavas, stets der Vogel

tataḥ śarasahasreṇa devendramadhusūdanau / parasparaṃ vavarṣāte dhārābhir iva toyadau //

Dann beregneten Indra und Madhusūdana einander mit tausend Pfeilen, wie zwei Regenwolken mit ihren Wasserströmen.

Wort für Wort
tataḥ śarasahasreṇa
dann, mit tausend Pfeilen
devendramadhusūdanau
Indra und Madhusūdana
parasparaṃ vavarṣāte
beregneten einander
dhārābhir iva toyadau
wie zwei Regenwolken mit [ihren] Strömen

airāvatena garuḍo yuyudhe tatra saṃkule / devaiḥ sametair yuyudhe śakreṇa ca janārdanaḥ //

Mit Airāvata kämpfte Garuḍa dort im Getümmel, und mit den versammelten Göttern und mit Śakra kämpfte Janārdana.

Wort für Wort
airāvatena garuḍo yuyudhe
mit Airāvata kämpfte Garuḍa
tatra saṃkule
dort im Getümmel
devaiḥ sametair yuyudhe
mit den versammelten Göttern kämpfte
śakreṇa ca janārdanaḥ
und mit Śakra, Janārdana

chinneṣu śīryamāṇeṣu śastreṣv astreṣu satvaram / jagrāha vāsavo vajraṃ kṛṣṇaś cakraṃ sudarśanam //

Als [ihre] zerschnittenen und sich zersplitternden Waffen und Geschosse [aufgebraucht waren], ergriff eilends Vāsava den Blitzkeil, und Kṛṣṇa den Diskus Sudarśana.

Wort für Wort
chinneṣu śīryamāṇeṣu
als [ihre] zerschnittenen, sich zersplitternden
śastreṣv astreṣu satvaram
Waffen und Geschosse [ausgingen], eilends
jagrāha vāsavo vajraṃ
ergriff Vāsava den Blitzkeil
kṛṣṇaś cakraṃ sudarśanam
und Kṛṣṇa den Diskus Sudarśana

tato hāhākṛtaṃ sarvaṃ trailokyaṃ sacarācaram / vajracakradharau dṛṣṭvā devarājajanārdanau //

Da geriet die ganze dreifache Welt mit Beweglichem und Unbeweglichem in Wehklagen, als sie den Götterkönig und Janārdana, die Träger von Blitzkeil und Diskus, sahen.

Wort für Wort
tato hāhākṛtaṃ sarvaṃ
da geriet die ganze
trailokyaṃ sacarācaram
dreifache Welt mit Beweglichem und Unbeweglichem in Wehklagen
vajracakradharau dṛṣṭvā
als sie die Träger von Blitzkeil und Diskus sahen
devarājajanārdanau
den Götterkönig und Janārdana

kṣiptaṃ vajram athendreṇa jagrāha bhagavān hariḥ / na mumoca tadā cakraṃ tiṣṭha tiṣṭheti cābravīt //

Den von Indra geschleuderten Blitzkeil fing der Erhabene Hari [einfach] auf, doch entließ er da nicht den Diskus, und sprach: 'Halt, halt!'

Wort für Wort
kṣiptaṃ vajram athendreṇa
den von Indra geschleuderten Blitzkeil
jagrāha bhagavān hariḥ
fing der Erhabene Hari auf
na mumoca tadā cakraṃ
doch entließ er da nicht den Diskus
tiṣṭha tiṣṭheti cābravīt
und sprach: 'Halt, halt!'

pranaṣṭavajraṃ devendraṃ garuḍakṣatavāhanam / satyabhāmābravīd vākyaṃ palāyanaparāyaṇam //

Zum Götterkönig, [dessen] Blitzkeil verloren [war] und [dessen] Reittier von Garuḍa verwundet [war und der nun] auf Flucht bedacht [war], sprach Satyabhāmā ein Wort:

Wort für Wort
pranaṣṭavajraṃ devendraṃ
zum Götterkönig, [dessen] Blitzkeil verloren war
garuḍakṣatavāhanam
[dessen] Reittier von Garuḍa verwundet war
satyabhāmābravīd vākyaṃ
sprach Satyabhāmā ein Wort
palāyanaparāyaṇam
[ihm, der] auf Flucht bedacht war

trailokyeśvara no yuktaṃ śacībhartuḥ palāyanam / pārijātasragābhogāt tvām upasthāsyate śacī //

Satyabhāmā sprach: 'O Herr der drei Welten, die Flucht des Gatten der Śacī ist nicht geziemend; wegen des Genusses der Pārijāta-Girlande wird Śacī [ohnehin bald wieder] zu dir kommen.'

Wort für Wort
trailokyeśvara no yuktaṃ
o Herr der drei Welten, nicht geziemend [ist]
śacībhartuḥ palāyanam
die Flucht des Gatten der Śacī
pārijātasragābhogāt
wegen des Genusses der Pārijāta-Girlande
tvām upasthāsyate śacī
wird Śacī zu dir kommen

kīdṛśaṃ deva rājyaṃ te pārijātasragujjvalām / apaśyato yathāpūrvaṃ praṇayābhyāgatāṃ śacīm //

'Wie [beschaffen wäre], o Gott, dein Königreich, wenn du nicht [mehr] wie zuvor die in Liebe herankommende Śacī sähest, strahlend mit der Pārijāta-Girlande?'

Wort für Wort
kīdṛśaṃ deva rājyaṃ te
wie [beschaffen wäre], o Gott, dein Königreich
pārijātasragujjvalām
strahlend mit der Pārijāta-Girlande
apaśyato yathāpūrvaṃ
wenn du nicht wie zuvor sähest
praṇayābhyāgatāṃ śacīm
die in Liebe herankommende Śacī

alaṃ śakra prayāsena na vrīḍāṃ yātum arhasi / nīyatāṃ pārijāto 'yaṃ devāḥ santu gatavyathāḥ //

'Genug der Anstrengung, o Śakra — du solltest nicht der Scham verfallen; möge dieser Pārijāta [von uns] mitgenommen werden, [und] mögen die Götter frei von [weiterem] Schmerz sein.'

Wort für Wort
alaṃ śakra prayāsena
genug, o Śakra, mit der Anstrengung
na vrīḍāṃ yātum arhasi
du solltest nicht der Scham verfallen
nīyatāṃ pārijāto 'yaṃ
möge dieser Pārijāta [von uns] mitgenommen werden
devāḥ santu gatavyathāḥ
mögen die Götter frei von Schmerz sein

patigarvāvalepena bahumānapuraḥsaram / na dadarśa gṛhāyātām upacāreṇa māṃ śacī //

'Aus Stolz-Überheblichkeit über [ihren] Gatten sah mich Śacī, die ich zu [ihrem] Haus gekommen war, nicht mit gebührender Ehrerbietung und [gastfreundlicher] Behandlung an.'

Wort für Wort
patigarvāvalepena
aus Stolz-Überheblichkeit über [ihren] Gatten
bahumānapuraḥsaram
mit gebührender Ehrerbietung
na dadarśa gṛhāyātām
sah sie nicht [mich], die zu [ihrem] Haus gekommen war
upacāreṇa māṃ śacī
mit [gastfreundlicher] Behandlung, mich, Śacī

strītvād agurucittāhaṃ svabhartuḥ ślāghanāparā / tataḥ kṛtavatī śakra bhavatā saha vigraham //

'Aus [meiner] Frauennatur, leichten Sinnes, ganz dem Rühmen meines eigenen Gatten hingegeben, habe ich deshalb, o Śakra, den Streit mit dir herbeigeführt.'

Wort für Wort
strītvād agurucittāhaṃ
aus [meiner] Frauennatur, leichten Sinnes
svabhartuḥ ślāghanāparā
ganz dem Rühmen meines [eigenen] Gatten hingegeben
tataḥ kṛtavatī śakra
deshalb habe ich, o Śakra, bewirkt
bhavatā saha vigraham
den Streit mit dir

tad alaṃ pārijātena parasvena hṛtena vā / rūpeṇa yaśasā caiva bhavet strī kā na garvitā //

'So — genug mit dem Pārijāta, sei es fremdem, sei es geraubtem Eigentum; durch Schönheit und durch Ruhm — welche Frau wäre [da] nicht stolz?'

Wort für Wort
tad alaṃ pārijātena
so, genug mit dem Pārijāta
parasvena hṛtena vā
sei es fremdem Eigentum, sei es geraubtem
rūpeṇa yaśasā caiva
durch Schönheit und durch Ruhm
bhavet strī kā na garvitā
welche Frau wäre nicht stolz

ity ukte vai nivavṛte devarājas tayā dvijāḥ / prāha cainām alaṃ caṇḍi sakhi khedātivistaraiḥ //

Vyāsa sprach: So angesprochen, beruhigte sich der Götterkönig durch sie, o Brahmanen, und sprach zu ihr: 'Genug, du Zornige, o Freundin, mit [deinem] übermäßigen Kummer.'

Wort für Wort
ity ukte vai nivavṛte
so angesprochen, wandte sich fürwahr ab
devarājas tayā dvijāḥ
der Götterkönig durch sie, o Brahmanen
prāha cainām alaṃ caṇḍi
und sprach zu ihr: 'genug, du Zornige'
sakhi khedātivistaraiḥ
'Freundin, mit übermäßigem Kummer'

na cāpi sargasaṃhāra-sthitikartākhilasya yaḥ / jitasya tena me vrīḍā jāyate viśvarūpiṇā //

'Auch entsteht mir keine Scham [darüber], von ihm besiegt worden zu sein, der der Schöpfer, Zerstörer und Erhalter von allem ist, [und] der die Allgestalt trägt.'

Wort für Wort
na cāpi sargasaṃhāra-sthitikartākhilasya yaḥ
und auch nicht, [da] er, der Schöpfer, Zerstörer und Erhalter von allem [ist]
jitasya tena me vrīḍā jāyate
mir, [der ich] von ihm besiegt [wurde], entsteht Scham
viśvarūpiṇā
von ihm, dem [Träger] der Allgestalt

yasmiñ jagat sakalam etad anādimadhye yasmād yataś ca na bhaviṣyati sarvabhūtāt / tenodbhavapralayapālanakāraṇena vrīḍā kathaṃ bhavati devi nirākṛtasya //

'In dem diese ganze Welt [ruht], dessen Anfang, Mitte und Ende [er selbst ist], aus dem sie entstand und entstehen wird — von ihm, dem Selbst aller Wesen, der die Ursache von Entstehung, Auflösung und Erhaltung ist — wie, o Göttin, könnte für den, der [von ihm] besiegt wurde, Scham entstehen?'

Wort für Wort
yasmiñ jagat sakalam etad anādimadhye
in dem diese ganze Welt, [deren] Anfang und Mitte [er ist]
yasmād yataś ca na bhaviṣyati sarvabhūtāt
und aus dem [alles] entstand und entstehen wird, von ihm, dem Selbst aller Wesen
tenodbhavapralayapālanakāraṇena
durch ihn, der die Ursache von Entstehung, Auflösung und Erhaltung ist
vrīḍā kathaṃ bhavati devi nirākṛtasya
wie könnte, o Göttin, für den Besiegten Scham entstehen

[Anm.: Vierzeiliger Hymnenvers in längerem Versmaß, Teil von Indras philosophischer Rechtfertigung seiner Niederlage.]

sakalabhuvanamūrtir alpā susūkṣmā viditasakalavedair jñāyate yasya nānyaiḥ / tam ajam akṛtam īśaṃ śāśvataṃ svecchayainaṃ jagadupakṛtim ādyaṃ ko vijetuṃ samarthaḥ //

'[Ihn,] dessen Gestalt alle Welten [umfasst und zugleich] winzig und überaus fein ist, der nur von denen erkannt wird, die alle Veden kennen, von keinen anderen — ihn, den Ungeborenen, Ungeschaffenen, den Herrn, den Ewigen, der aus eigenem Willen zum Wohl der Welt [wirkt], den Urersten — wer wäre imstande, [ihn] zu besiegen?'

Wort für Wort
sakalabhuvanamūrtir alpā susūkṣmā
[dessen] Gestalt alle Welten [umfasst, zugleich] winzig und überaus fein [ist]
viditasakalavedair jñāyate yasya nānyaiḥ
der nur von denen, die alle Veden kennen, erkannt wird, von keinen anderen
tam ajam akṛtam īśaṃ śāśvataṃ svecchayainaṃ
ihn, den Ungeborenen, Ungeschaffenen, Herrn, den Ewigen, [der] aus eigenem Willen
jagadupakṛtim ādyaṃ ko vijetuṃ samarthaḥ
zum Wohl der Welt [wirkt], den Urersten — wer wäre imstande, [ihn] zu besiegen

[Anm.: Vierzeiliger Hymnenvers, Abschluss von Indras Rechtfertigungsrede.]

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