Kapitel 5: brahmapurāṇam, pañcamo 'dhyāyaḥ
Die Vierzehn Manvantaras im Überblick (Verse 1–64, vollständig)
Systematische Übersicht über alle vierzehn Manvantaras eines Kalpa, jeweils mit Manu, den Sieben Weisen, den zehn Söhnen und der Göttergruppe: Svāyambhuva (1., identisch mit Brahmās mānasa-Söhnen aus Kap.1), Svārociṣa (2., Tuṣita-Götter), Uttama (3.), Tāmasa (4.), Raivata (5.), Cākṣuṣa (6.), Vaivasvata (7., das gegenwärtige, mit der klassischen Saptarṣi-Liste Atri/Vasiṣṭha/Kaśyapa/Gautama/Bharadvāja/Viśvāmitra/Jamadagni und Ikṣvāku als erstem Sohn), Sāvarṇa (8., zukünftig, mit Paraśurāma, Vyāsa und Aśvatthāman als späteren Weisen), sowie die vier Merusāvarṇya-Manus und Raucya/Bhautya (9.-14., zukünftig) (v.1-56); Erläuterung der kosmischen Zyklen: Auflösung und Neuentstehung der Weisen-Gruppen zwischen den Manvantaras, die vollständige Auflösung (Mahāpralaya) am Ende eines ganzen Kalpa (1000 Yugas), bei der alle Wesen in Hari-Nārāyaṇa als unmanifesten, ewigen Gott eingehen (v.57-62); Ankündigung der nun folgenden ausführlichen Genealogie ab Manu Vaivasvata, eingebettet mit einem Vorgriff auf Kṛṣṇas spätere Geburt im Vṛṣṇi-Geschlecht (v.63-64).
Die Weisen sprachen: „Alle Manvantaras verkünde ausführlich, o Hochgesinnter, sowie deren frühere Schöpfung, o Lomaharṣaṇa,
Wort für Wort
manvantarāṇi sarvāṇi
alle Manvantaras
vistareṇa
ausführlich
mahāmate
o Hochgesinnter
teṣām
deren
pūrva-visṛṣṭim
frühere Schöpfung
ca
und
lomaharṣaṇa
o Lomaharṣaṇa
kīrtaya
verkünde!
Nach Abschluss der ausführlichen Pṛthu-Erzählung (Kap. 4) bitten die Weisen nun um eine systematische Übersicht über alle vierzehn Manvantaras – dieses Konzept war bereits in Kap. 1 (v.53ff.) eingeführt worden.
na śakyo vistaro viprā vaktuṃ varṣaśatair api / manvantarāṇāṃ sarveṣāṃ saṃkṣepāc chṛṇuta dvijāḥ // BrP_5.3 //
Lomaharṣaṇa sprach: „Die volle Ausführlichkeit aller Manvantaras lässt sich, o Brahmanen, selbst in hundert Jahren nicht darlegen; hört sie in Kürze, o Brahmanen.
Wort für Wort
na śakyaḥ
nicht möglich
vistaraḥ
die Ausführlichkeit
viprāḥ
o Brahmanen
vaktum
darzulegen
varṣa-śataiḥ api
selbst in hundert Jahren
manvantarāṇām sarveṣām
aller Manvantaras
saṃkṣepāt
in Kürze
śṛṇuta
hört!
dvijāḥ
o Brahmanen
Lomaharṣaṇa kündigt eine notwendig komprimierte Übersicht an, da die vollständige Darstellung unmöglich lang wäre.
und ebenso werden vier Manus als „Merusāvarṇyas“ genannt; vergangene, gegenwärtige und ebenso zukünftige, o Brahmanen,
Wort für Wort
tathā eva
und ebenso
meru-sāvarṇyāḥ
die Merusāvarṇyas
catvāraḥ manavaḥ
vier Manus
smṛtāḥ
genannt
atītāḥ
vergangene
vartamānāḥ
gegenwärtige
ca
und
tathā eva
ebenso
anāgatāḥ
zukünftige
dvijāḥ
o Brahmanen
Abschluss der 14-Manu-Liste: die restlichen vier werden als Gruppe der "Merusāvarṇyas" zusammengefasst (Details erst in v.49-52 nachgeliefert). Insgesamt 6+4+4=14 Manus, eingeteilt in vergangene, gegenwärtige (Vaivasvata) und zukünftige.
In der nördlichen Richtung, o Brahmanen, [wohnen] ebenso diese Sieben Weisen. Āgnīdhra, Agnibāhu, Medhya, Medhātithi, Vasu,
Wort für Wort
uttarasyām diśi
in der nördlichen Richtung
tathā
ebenso
dvijāḥ
o Brahmanen
saptarṣayaḥ
die Sieben Weisen
tathā
ebenso
āgnīdhraḥ, agnibāhuḥ, medhyaḥ, medhātithiḥ, vasuḥ
Āgnīdhra, Agnibāhu, Medhya, Medhātithi, Vasu
Beginn der Namen von Manu Svāyambhuvas zehn Söhnen (v.9-10) – teils Namensüberschneidung mit den bereits aus Kap. 1-2 bekannten Priyavrata/Uttānapāda-Genealogie, hier aber als eigenständige Liste präsentiert. [Anm.: Die Beziehung dieser zehn Namen zu den in Kap. 2 genannten Söhnen Priyavrata/Uttānapāda bleibt im Text unausgeführt.]
devāś ca tuṣitā nāma smṛtāḥ svārociṣe 'ntare / havighnaḥ sukṛtir jyotir āpo mūrtir api smṛtaḥ // BrP_5.13 //
Die Götter aber werden im Svārociṣa-Zeitalter „Tuṣitas“ genannt [vgl. bereits Kap. 3]. Havighna, Sukṛti, Jyotis, Āpa, auch Mūrti wird genannt,
Wort für Wort
devāḥ
die Götter
ca
aber
tuṣitāḥ nāma
„Tuṣitas“ genannt
smṛtāḥ
genannt
svārociṣe antare
im Svārociṣa-Zeitalter
havighnaḥ, sukṛtiḥ, jyotiḥ, āpaḥ, mūrtiḥ
Havighna, Sukṛti, Jyotis, Āpa, Mūrti
api smṛtaḥ
auch genannt
Die Götter des zweiten Manvantara sind die Tuṣitas – Bezug zur bereits in Kap. 3 (v.53-56) erzählten Tuṣita-Episode, die allerdings dort im Cākṣuṣa-Zeitalter verortet war [Anm.: leichte Diskrepanz zur hier gegebenen Zuordnung zum Svārociṣa-Zeitalter, evtl. da Tuṣitas über mehrere Manvantaras hinweg wiederkehren].
als Söhne des Hiraṇyagarbha, geboren aus Ūrjā, von großem Glanz – dies sind die Weisen, die hier von mir genannt wurden; vernehmt nun die zu Nennenden [weiter]:
Wort für Wort
hiraṇyagarbhasya
des Hiraṇyagarbha
sutāḥ
Söhne
ūrjā jātāḥ
aus Ūrjā geboren
sutejasaḥ
von großem Glanz
ṛṣayaḥ atra
die Weisen hier
mayā proktāḥ
von mir genannt
kīrtyamānān
die zu Nennenden
nibodhata
vernehmt!
Präzisierung: die sieben Vāsiṣṭhas sind Söhne Vasiṣṭhas (=Hiraṇyagarbha? [Anm.: Gleichsetzung unklar, evtl. Beiname]) und der Ūrjā.
devāś cābhūtarajasas tathā prakṛtayaḥ smṛtāḥ / vāriplavaś ca raibhyaś ca manor antaram ucyate // BrP_5.26 //
und die Götter werden „Abhūtarajas“ genannt, ebenso „Prakṛtis“; Vāriplava und Raibhya – [damit] wird das Zeitalter des Manu erzählt.
Wort für Wort
devāḥ
die Götter
ca
und
abhūtarajasaḥ
Abhūtarajas
tathā
ebenso
prakṛtayaḥ
Prakṛtis
smṛtāḥ
genannt
vāriplavaḥ, raibhyaḥ
Vāriplava, Raibhya
ca
und
manoḥ antaram
das Zeitalter des Manu
ucyate
wird erzählt
Göttergruppen des fünften Manvantara (Raivata); zwei weitere Namen (Vāriplava, Raibhya) unklar zugeordnet [Anm.: möglicherweise weitere Weise oder Söhne, Textstelle knapp].
atināmā sahiṣṇuś ca saptaite ca maharṣayaḥ / cākṣuṣasyāntare viprā manor devās tv ime smṛtāḥ // BrP_5.30 //
Atināman, ebenso Sahiṣṇu – diese sieben sind die großen Weisen im Zeitalter des Manu Cākṣuṣa, o Brahmanen; diese aber werden als [seine] Götter genannt:
Wort für Wort
atināmā, sahiṣṇuḥ
Atināman, Sahiṣṇu
ca
und
sapta ete ca maharṣayaḥ
diese sieben großen Weisen
cākṣuṣasya antare
im Zeitalter des Cākṣuṣa
viprāḥ
o Brahmanen
manoḥ devāḥ
die Götter des Manu
tu ime smṛtāḥ
aber diese werden genannt
Abschluss der Sieben Weisen des sechsten Manvantara; Übergang zu dessen Göttergruppen.
sādhyā rudrāś ca viśve ca vasavo marutas tathā / ādityāś cāśvinau cāpi devau vaivasvatau smṛtau // BrP_5.36 //
Die Sādhyas, Rudras, Viśve[devas], die Vasus, ebenso die Maruts, die Ādityas, und auch die beiden Aśvin-Götter werden als [Götter] des Vaivasvata[-Manvantara] genannt.
Wort für Wort
sādhyāḥ, rudrāḥ
die Sādhyas, Rudras
ca viśve
und die Viśvedevas
ca vasavaḥ, marutaḥ
und die Vasus, Maruts
tathā
ebenso
ādityāḥ
die Ādityas
ca aśvinau
und die beiden Aśvins
ca api
und auch
devau vaivasvatau
als Götter des Vaivasvata
smṛtau
genannt
Die Göttergruppen des gegenwärtigen Manvantara umfassen praktisch alle bereits in Kap. 3 ausführlich behandelten Göttergruppen.
in allen Manvantaras gab es vordem sieben Siebenergruppen [von Weisen], zum Zweck der Dharma-Ordnung in der Welt und zum Schutz der Welt.
Wort für Wort
manvantareṣu sarveṣu
in allen Manvantaras
prāk āsan
gab es vordem
sapta saptakāḥ
sieben Siebenergruppen
loke
in der Welt
dharma-vyavasthā-artham
zum Zweck der Dharma-Ordnung
loka-saṃrakṣaṇāya
zum Schutz der Welt
ca
und
Allgemeines Prinzip: In jedem der (bisher) sieben vollendeten Manvantaras gibt es je sieben Weise – daher "sieben Siebenergruppen" für die ersten sieben Zeitalter.
tato 'nye tapasā yuktāḥ sthānaṃ tat pūrayanty uta / atītā vartamānāś ca krameṇaitena bho dvijāḥ // BrP_5.41 //
darauf füllen andere, mit Askese ausgestattet, jenen [freigewordenen] Platz auf; vergangene und gegenwärtige [Weise füllen so] der Reihe nach [die Positionen], o Brahmanen.
Wort für Wort
tataḥ anye
darauf andere
tapasā yuktāḥ
mit Askese ausgestattet
sthānam tat
jenen Platz
pūrayanti uta
füllen auf
atītāḥ vartamānāḥ ca
vergangene und gegenwärtige
krameṇa etena
auf diese Weise, der Reihe nach
bhoḥ dvijāḥ
o Brahmanen
System der zyklischen Nachfolge: freiwerdende Weisen-Positionen werden von neuen, asketisch verdienten Weisen nachbesetzt.
Rāma (Paraśurāma), Vyāsa, ebenso ein Nachkomme des Atri, glanzvoll und vielgelehrt, ein Bhāradvāja, ebenso ein Sohn des Droṇa, der hochglanzvolle Aśvatthāman,
Wort für Wort
rāmaḥ, vyāsaḥ
Rāma, Vyāsa
tathā ātreyaḥ
ebenso ein Nachkomme des Atri
dīptimantaḥ bahuśrutāḥ
glanzvoll, vielgelehrt
bhāradvājaḥ
ein Bhāradvāja
tathā drauṇiḥ
ebenso ein Sohn des Droṇa
aśvatthāmā
Aśvatthāman
mahādyutiḥ
hochglanzvoll
Bemerkenswert: Diese zukünftigen Weisen sind bereits bekannte Figuren aus der (aus Sicht der Rahmenerzählung) Gegenwart bzw. jüngeren Vergangenheit – Paraśurāma, Vyāsa (der mythische Kompilator der Veden/des Mahābhārata) und Aśvatthāman (Figur aus dem Mahābhārata-Krieg), die der Tradition nach als Cirañjīvin ("langlebig Unsterbliche") gelten und ins nächste Manvantara hinüberreichen.
gautamaś cājaraś caiva śaradvān nāma gautamaḥ / kauśiko gālavaś caiva aurvaḥ kāśyapa eva ca // BrP_5.44 //
und ein Gautama, alterslos, namens Śaradvān Gautama, ein Kauśika, ebenso Gālava, Aurva, ebenso ein Kāśyapa,
Wort für Wort
gautamaḥ
ein Gautama
ca ajaraḥ eva
und alterslos
śaradvān nāma gautamaḥ
namens Śaradvān Gautama
kauśikaḥ, gālavaḥ
ein Kauśika, Gālava
ca eva
und auch
aurvaḥ, kāśyapaḥ
Aurva, ein Kāśyapa
eva ca
und auch
Fortsetzung der Namen der zukünftigen Sieben Weisen – teils Nachfahren derselben Weisen-Geschlechter (Gautama, Kauśika=Viśvāmitra-Linie, Kāśyapa), die auch die Gegenwart prägen.
etāny uktāni bho viprāḥ sapta sapta ca tattvataḥ / manvantarāṇi saṃkṣepāc chṛṇutānāgatāny api // BrP_5.48 //
Diese sieben mal sieben [Manvantaras] wurden, o Brahmanen, der Wahrheit gemäß in Kürze genannt; hört nun auch die noch kommenden.
Wort für Wort
etāni uktāni
diese wurden genannt
bhoḥ viprāḥ
o Brahmanen
sapta sapta ca
sieben mal sieben
tattvataḥ
der Wahrheit gemäß
manvantarāṇi
die Manvantaras
saṃkṣepāt
in Kürze
śṛṇuta
hört!
anāgatāni api
auch die kommenden
Zusammenfassung: die ersten acht Manvantaras (davon sieben "Siebenergruppen" abgeschlossen plus das gegenwärtige) sind behandelt; es folgen die verbleibenden zukünftigen Manvantaras.
sāvarṇā manavo viprāḥ pañca tāṃś ca nibodhata / eko vaivasvatas teṣāṃ catvāras tu prajāpateḥ // BrP_5.49 //
Fünf Manus heißen „Sāvarṇas“, o Brahmanen – vernehmt auch sie: einer von ihnen ist mit Vaivasvata [verbunden], vier aber [sind Söhne] des Prajāpati [Dakṣa],
Wort für Wort
sāvarṇāḥ manavaḥ
die Sāvarṇa-Manus
viprāḥ
o Brahmanen
pañca
fünf
tān ca nibodhata
vernehmt auch sie!
ekaḥ vaivasvataḥ
einer mit Vaivasvata verbunden
teṣām
von ihnen
catvāraḥ tu prajāpateḥ
vier aber des Prajāpati
Auflösung der in v.6 nur pauschal erwähnten "Merusāvarṇyas": Fünf Sāvarṇa-Manus insgesamt, davon einer bereits behandelt (Dakṣasāvarṇi, achtes Manvantara) und vier weitere.
Söhne des Höchsten (Brahmā), o Brahmanen, die zur „Merusāvarṇya“-Stellung gelangten; diese sind nämlich Enkel Dakṣas mütterlicherseits, Söhne der Priyā, [selbst] Könige,
Wort für Wort
parameṣṭhi-sutāḥ
Söhne des Höchsten (Brahmā)
viprāḥ
o Brahmanen
meru-sāvarṇyatām gatāḥ
die zur Merusāvarṇya-Stellung gelangten
dakṣasya
Dakṣas
ete hi dauhitrāḥ
diese sind Enkel mütterlicherseits
priyāyāḥ tanayāḥ
Söhne der Priyā
nṛpāḥ
Könige
Genealogische Herkunft der vier "Merusāvarṇya"-Manus: über die Dakṣa-Tochter Priyā verbunden.
und mit der Göttlichen Bhūti gezeugt, [ist auch] ein Sohn des Ruci namens Bhautya. Diese sieben zukünftigen Manus werden für diesen Kalpa genannt.
Wort für Wort
bhūtyām
mit Bhūti
ca utpāditaḥ devyām
gezeugt mit der Göttlichen
bhautyaḥ nāma ruceḥ sutaḥ
ein Sohn des Ruci namens Bhautya
anāgatāḥ ca sapta ete
diese sieben zukünftigen
kalpe asmin
in diesem Kalpa
manavaḥ smṛtāḥ
werden als Manus genannt
Ein weiterer Manu (Bhautya, ebenfalls Sohn des Ruci, aber mit anderer Gattin) wird genannt; damit sind alle vierzehn Manus (7 vergangene/gegenwärtige + 7 zukünftige) für diesen Kalpa aufgezählt.
prajāpatiś ca tapasā saṃhāraṃ teṣu nityaśaḥ / yugāni saptatis tāni sāgrāṇi kathitāni ca // BrP_5.54 //
Und der Prajāpati [vollzieht] durch Askese beständig die Auflösung unter ihnen; jene einundsiebzig Yugas [pro Manvantara], mit einem zusätzlichen [Bruchteil], sind [so] verkündet worden,
Wort für Wort
prajāpatiḥ
der Prajāpati
ca tapasā
und durch Askese
saṃhāram teṣu nityaśaḥ
die Auflösung unter ihnen, beständig
yugāni saptatiḥ tāni
jene einundsiebzig Yugas
sa-agrāṇi
mit einem zusätzlichen [Bruchteil]
kathitāni ca
verkündet
Zeitliche Einheit: jedes Manvantara umfasst 71 Yugas (plus einen kleinen Zwischenzeitraum, Sandhi) – Standardangabe der purāṇischen Kosmologie.
manvantareṣu saṃhārāḥ saṃhārānteṣu saṃbhavāḥ / na śakyate 'ntas teṣāṃ vai vaktuṃ varṣaśatair api // BrP_5.57 //
In den Manvantaras [gibt es] Auflösungen, am Ende der Auflösungen [neue] Entstehungen; deren Ende lässt sich fürwahr selbst in hundert Jahren nicht [vollständig] darlegen.
Wort für Wort
manvantareṣu saṃhārāḥ
in den Manvantaras Auflösungen
saṃhāra-anteṣu saṃbhavāḥ
am Ende der Auflösungen Entstehungen
na śakyate
lässt sich nicht
antaḥ teṣām
deren Ende
vai vaktum
fürwahr darzulegen
varṣa-śataiḥ api
selbst in hundert Jahren
Übergang zum Thema der zyklischen Auflösung (Saṃhāra) am Ende jedes Manvantara bzw. Kalpa – Vorbereitung auf die folgende Beschreibung der Weltauflösung (v.58-62).
visargasya prajānāṃ vai saṃhārasya ca bho dvijāḥ / manvantareṣu saṃhārāḥ śrūyante dvijasattamāḥ // BrP_5.58 //
Von der Aussendung der Geschöpfe fürwahr und von [ihrer] Auflösung, o Brahmanen – Auflösungen innerhalb der Manvantaras werden [ebenfalls] überliefert, o beste der Brahmanen.
Wort für Wort
visargasya prajānām
von der Aussendung der Geschöpfe
vai
fürwahr
saṃhārasya ca
und von der Auflösung
bhoḥ dvijāḥ
o Brahmanen
manvantareṣu saṃhārāḥ
Auflösungen innerhalb der Manvantaras
śrūyante
werden überliefert
dvija-sattamāḥ
o beste der Brahmanen
Unterscheidung zwischen der großen kosmischen Auflösung (am Ende eines Kalpa) und kleineren, innerhalb einzelner Manvantaras stattfindenden Auflösungen.
den Schöpfer aller Wesen, am Ende jedes Kalpa immer wieder; der unmanifeste, ewige Gott – ihm gehört diese ganze Welt.
Wort für Wort
sraṣṭāram sarva-bhūtānām
den Schöpfer aller Wesen
kalpa-anteṣu
am Ende jedes Kalpa
punaḥ punaḥ
immer wieder
avyaktaḥ śāśvataḥ devaḥ
der unmanifeste, ewige Gott
tasya sarvam idam jagat
ihm gehört diese ganze Welt
Abschließende theologische Aussage über Viṣṇu/Nārāyaṇa als den zyklisch immer wieder alles erschaffenden, letztlich unmanifesten (Avyakta) und ewigen Gott.
Hier wird, im Zusammenhang der Genealogie, Altes erzählt, worin der hochherzige Herr Hari (Kṛṣṇa) im Geschlecht der Vṛṣṇis geboren wurde.
Wort für Wort
atra vaṃśa-prasaṅgena
hier im Zusammenhang der Genealogie
kathyamānam purātanam
wird Altes erzählt
yatra utpannaḥ
worin geboren wurde
mahātmā saḥ hariḥ
der hochherzige Hari
vṛṣṇi-kule
im Geschlecht der Vṛṣṇis
prabhuḥ
der Herr
Vorausdeutung auf die im folgenden Genealogie-Strang eingebettete Erzählung von Kṛṣṇas späterer Geburt im Vṛṣṇi-Geschlecht – Abschluss des Kapitels und Überleitung zu Kap. 6 (Vivasvant/Manu Vaivasvata und die Sūrya-/Solar-Dynastie).