Quellen der Menschheit

Brahma-Purāṇa

Kapitel 22: narakavarṇanam Beschreibung der Höllen, die Buße durch Erinnerung an Viṣṇu, und der philosophische Abschluss der Kosmographie

Katalog der Höllen (angeführt von Raurava) mit den ihnen jeweils zugeordneten Sünden — von Meineid über Brahmanen- und Kuhmord, Inzest, Diebstahl, Veda-Verfälschung und -handel bis zu Berufsverboten (Waffenherstellung, Tierzucht zum Schlachten, Wahrsagerei) und sozialen Verfehlungen. Es folgt eine Reflexion über die kosmische Symmetrie von Himmel und Hölle (die Bewohner sehen sich wechselseitig 'von unten' bzw. 'von oben') und eine Rangfolge der Wesensklassen von unbeweglichen Dingen bis zu den Erlösten. Der zweite Teil des Kapitels wendet sich der Buße zu: unter allen Bußübungen gilt die bloße Erinnerung an Kṛṣṇa/Viṣṇu/Hari als die wirksamste, unabhängig von Tageszeit oder Ritus, weit über die (bloß vorläufige) Frucht der Götterwelt hinausgehend. Das Kapitel schließt mit einem bemerkenswerten philosophischen Kernsatz: kein Ding sei an sich leidvoll oder glückbringend, Glück und Leid seien bloße Wandlungen des Geistes, und Erkenntnis (jñāna) allein sei das höchste Brahman — womit auch die gesamte vorangegangene Kosmographie (Kontinente, Berge, Ozeane, Unterwelten, Höllen) unter dem Aspekt letzter Erkenntnis relativiert wird. 50 Verse (v.50 im Original als Dreipada-Vers gezählt).

{lomaharṣaṇa uvāca: } tataś cānantaraṃ viprā narakā rauravādayaḥ / pāpino yeṣu pātyante tāñ śṛṇudhvaṃ dvijottamāḥ // BrP_22.1 //

Lomaharṣaṇa sprach: Und danach, o Brahmanen, [kommen] die Höllen, angeführt von Raurava, in die die Sünder gestürzt werden — höret von ihnen, o Beste der Zweifachgeborenen.

Wort für Wort
tataḥ ca anantaram viprāḥ
und danach, o Brahmanen
narakāḥ raurava-ādayaḥ
die Höllen, angeführt von Raurava
pāpinaḥ yeṣu pātyante
in die die Sünder gestürzt werden
tān śṛṇudhvam dvija-uttamāḥ
höret von ihnen, o Beste der Zweifachgeborenen

rauravaḥ śaukaro rodhas tāno viśasanas tathā / mahājvālas taptakuḍyo mahālobho vimohanaḥ // BrP_22.2 //

Raurava, Śaukara, Rodha, Tāna, ebenso Viśasana, Mahājvāla, Taptakuḍya, Mahālobha, Vimohana,

Wort für Wort
rauravaḥ śaukaraḥ rodhaḥ
Raurava, Śaukara, Rodha
tānaḥ viśasanaḥ tathā
Tāna, ebenso Viśasana
mahājvālaḥ taptakuḍyaḥ
Mahājvāla, Taptakuḍya
mahālobhaḥ vimohanaḥ
Mahālobha, Vimohana

rudhirāndho vasātaptaḥ kṛmīśaḥ kṛmibhojanaḥ / asipattravanaṃ kṛṣṇo lālābhakṣaś ca dāruṇaḥ // BrP_22.3 //

Rudhirāndha, Vasātapta, Kṛmīśa, Kṛmibhojana, der Schwertblätterwald (Asipattravana), Kṛṣṇa, und der schreckliche Lālābhakṣa,

Wort für Wort
rudhirāndhaḥ vasātaptaḥ
Rudhirāndha, Vasātapta
kṛmīśaḥ kṛmibhojanaḥ
Kṛmīśa, Kṛmibhojana
asipattravanam kṛṣṇaḥ
der Schwertblätterwald, Kṛṣṇa
lālābhakṣaḥ ca dāruṇaḥ
und der schreckliche Lālābhakṣa

tathā pūyavahaḥ pāpo vahnijvālo hy adhaḥśirāḥ / sadaṃśaḥ kṛṣṇasūtraś ca tamaś cāvīcir eva ca // BrP_22.4 //

ebenso der üble Pūyavaha, Vahnijvāla, und Adhaḥśiras, Sadaṃśa und Kṛṣṇasūtra, Tamas und ebenso Avīci,

Wort für Wort
tathā pūyavahaḥ pāpaḥ
ebenso der üble Pūyavaha
vahnijvālaḥ hi adhaḥśirāḥ
Vahnijvāla, und Adhaḥśiras
sadaṃśaḥ kṛṣṇasūtraḥ ca
Sadaṃśa und Kṛṣṇasūtra
tamaḥ ca avīciḥ eva ca
Tamas und ebenso Avīci

śvabhojano 'thāpratiṣṭhoma- āvīciś ca tathāparaḥ / ity evamādayaś cānye narakā bhṛśadāruṇāḥ // BrP_22.5 //

Śvabhojana, dann Apratiṣṭha, und ein weiterer, Avīci — so und ähnlich [genannt sind] noch andere, überaus schreckliche Höllen,

Wort für Wort
śvabhojanaḥ atha apratiṣṭhaḥ
Śvabhojana, dann Apratiṣṭha
āvīciḥ ca tathā aparaḥ
und Avīci, ebenso ein weiterer
iti evam-ādayaḥ ca anye
so und ähnlich [genannt sind] noch andere
narakāḥ bhṛśadāruṇāḥ
überaus schreckliche Höllen

yamasya viṣaye ghorāḥ śastrāgniviṣadarśinaḥ / patanti yeṣu puruṣāḥ pāpakarmaratāś ca ye // BrP_22.6 //

furchtbar im Reich des Yama, mit dem Anblick von Waffen, Feuer und Gift; in sie stürzen die Menschen, die an bösen Taten Gefallen fanden.

Wort für Wort
yamasya viṣaye ghorāḥ
furchtbar im Reich des Yama
śastra-agni-viṣa-darśinaḥ
mit dem Anblick von Waffen, Feuer und Gift
patanti yeṣu puruṣāḥ
in sie stürzen die Menschen
pāpa-karma-ratāḥ ca ye
die an bösen Taten Gefallen fanden

kūṭasākṣī tathā samyak pakṣapātena yo vadet / yaś cānyad anṛtaṃ vakti sa naro yāti rauravam // BrP_22.7 //

ein falscher Zeuge, ebenso wer völlig aus Parteilichkeit spricht, und wer sonst Unwahres redet — dieser Mensch geht nach Raurava.

Wort für Wort
kūṭasākṣī tathā samyak
ein falscher Zeuge, ebenso völlig
pakṣapātena yaḥ vadet
wer aus Parteilichkeit spricht
yaḥ ca anyat anṛtam vakti
und wer sonst Unwahres redet
saḥ naraḥ yāti rauravam
dieser Mensch geht nach Raurava

bhrūṇahā purahantā ca goghnaś ca munisattamāḥ / yānti te rauravaṃ ghoraṃ yaś cocchvāsanirodhakaḥ // BrP_22.8 //

ein Embryotöter, ein Stadt-Zerstörer, und ein Kuhtöter, o Beste der Weisen — sie gehen zum furchtbaren Raurava, ebenso wer [einem anderen] den Atem abschnürt.

Wort für Wort
bhrūṇahā purahantā ca
ein Embryotöter, ein Stadt-Zerstörer
goghnaḥ ca munisattamāḥ
und ein Kuhtöter, o Beste der Weisen
yānti te rauravam ghoram
sie gehen zum furchtbaren Raurava
yaḥ ca ucchvāsa-nirodhakaḥ
ebenso wer den Atem abschnürt

surāpo brahmahā hartā suvarṇasya ca śūkare / prayāti narake yaś ca taiḥ saṃsargam upaiti vai // BrP_22.9 //

ein Weintrinker, ein Brahmanentöter, und ein Golddieb gehen in die Śūkara-Hölle; ebenso wer mit ihnen Umgang pflegt.

Wort für Wort
surāpaḥ brahmahā hartā
ein Weintrinker, ein Brahmanentöter, ein Dieb
suvarṇasya ca śūkare
eines Golddiebs, in die Śūkara-Hölle
prayāti narake yaḥ ca
geht in die Hölle, und wer
taiḥ saṃsargam upaiti vai
mit ihnen Umgang pflegt

rājanyavaiśyahā caiva tathaiva gurutalpagaḥ / taptakumbhe svasṛgāmī hanti rājabhaṭaṃ ca yaḥ // BrP_22.10 //

ein Kṣatriya- oder Vaiśya-Töter, ebenso wer das Bett des Lehrers besteigt, wer sich unerlaubt eigenen Verwandten naht, und wer einen königlichen Soldaten tötet — [gehen] in Taptakumbha.

Wort für Wort
rājanya-vaiśyahā ca eva
ein Kṣatriya- oder Vaiśya-Töter
tathā eva gurutalpagaḥ
ebenso wer das Bett des Lehrers besteigt
taptakumbhe svasṛk-āmī
in Taptakumbha, wer sich Verwandten naht
hanti rājabhaṭam ca yaḥ
und wer einen königlichen Soldaten tötet

mādhvīvikrayakṛn vadhya- pālaḥ kesaravikrayī / taptalohe patanty ete yaś ca bhaktaṃ parityajet // BrP_22.11 //

wer mit Wein handelt, ein Gefängniswärter, wer mit Löwenmähnen handelt — diese stürzen in Taptaloha, ebenso wer einen Hingebungsvollen im Stich lässt.

Wort für Wort
mādhvī-vikraya-kṛt vadhya-pālaḥ
wer mit Wein handelt, ein Gefängniswärter
kesara-vikrayī
wer mit Löwenmähnen handelt
taptalohe patanti ete
diese stürzen in Taptaloha
yaḥ ca bhaktam parityajet
ebenso wer einen Hingebungsvollen im Stich lässt

sutāṃ snuṣāṃ cāpi gatvā mahājvāle nipātyate / avamantā gurūṇāṃ yo yaś cākroṣṭā narādhamaḥ // BrP_22.12 //

wer sich der eigenen Tochter oder Schwiegertochter genähert hat, wird in Mahājvāla gestürzt; wer die Lehrer verachtet, und wer, der niedrigste der Menschen, [sie] beschimpft,

Wort für Wort
sutām snuṣām ca api gatvā
wer sich der Tochter oder Schwiegertochter genähert hat
mahājvāle nipātyate
wird in Mahājvāla gestürzt
avamantā gurūṇām yaḥ
wer die Lehrer verachtet
yaḥ ca ākroṣṭā narādhamaḥ
und wer, der niedrigste der Menschen, [sie] beschimpft

vedadūṣayitā yaś ca vedavikrayakaś ca yaḥ / agamyagāmī yaś ca syāt te yānti śabalaṃ dvijāḥ // BrP_22.13 //

und wer den Veda verfälscht, und wer mit dem Veda handelt, und wer sich unerlaubten [Frauen] naht — diese gehen nach Śabala, o Zweifachgeborene.

Wort für Wort
vedadūṣayitā yaḥ ca
und wer den Veda verfälscht
vedavikrayakaḥ ca yaḥ
und wer mit dem Veda handelt
agamyagāmī yaḥ ca syāt
und wer sich unerlaubten [Frauen] naht
te yānti śabalam dvijāḥ
diese gehen nach Śabala, o Zweifachgeborene

cauro vimohe patati maryādādūṣakas tathā / devadvijapitṛdveṣṭā ratnadūṣayitā ca yaḥ // BrP_22.14 //

ein Dieb stürzt in Vimoha, ebenso wer die [rechten] Grenzen verletzt; wer Götter, Brahmanen und Ahnen hasst, und wer Edelsteine verfälscht,

Wort für Wort
cauraḥ vimohe patati
ein Dieb stürzt in Vimoha
maryādā-dūṣakaḥ tathā
ebenso wer die Grenzen verletzt
deva-dvija-pitṛ-dveṣṭā
wer Götter, Brahmanen und Ahnen hasst
ratna-dūṣayitā ca yaḥ
und wer Edelsteine verfälscht

sa yāti kṛmibhakṣye vai kṛmīśe tu duriṣṭikṛt / pitṛdevātithīn yas tu paryaśnāti narādhamaḥ // BrP_22.15 //

der geht in Kṛmibhakṣya; wer aber ein fehlerhaftes Opfer vollzieht, [geht] nach Kṛmīśa; und wer, der niedrigste der Menschen, [selbst] isst, bevor er Ahnen, Götter und Gäste [gespeist hat],

Wort für Wort
saḥ yāti kṛmibhakṣye vai
der geht in Kṛmibhakṣya
kṛmīśe tu duriṣṭikṛt
wer aber ein fehlerhaftes Opfer vollzieht, [geht] nach Kṛmīśa
pitṛ-deva-atithīn yaḥ tu
wer aber Ahnen, Götter, Gäste
paryaśnāti narādhamaḥ
[vor ihnen selbst] isst, der niedrigste der Menschen

lālābhakṣye sa yāty ugre śarakartā ca vedhake / karoti karṇino yaś ca yaś ca khaḍgādikṛn naraḥ // BrP_22.16 //

der geht in das schreckliche Lālābhakṣya; und wer Pfeile herstellt, [geht] nach Vedhaka, und wer Pfeilspitzen macht, und wer, ein Mensch, Schwerter und dergleichen herstellt,

Wort für Wort
lālābhakṣye saḥ yāti ugre
der geht in das schreckliche Lālābhakṣya
śarakartā ca vedhake
und wer Pfeile herstellt, nach Vedhaka
karoti karṇinaḥ yaḥ ca
und wer Pfeilspitzen macht
yaḥ ca khaḍga-ādi-kṛt naraḥ
und wer, ein Mensch, Schwerter und dergleichen herstellt

prayānty ete viśasane narake bhṛśadāruṇe / asatpratigrahītā ca narake yāty adhomukhe // BrP_22.17 //

diese gehen in die überaus schreckliche Hölle Viśasana; und wer unrechtmäßige Gaben annimmt, geht in die Hölle Adhomukha,

Wort für Wort
prayānti ete viśasane
diese gehen in Viśasana
narake bhṛśadāruṇe
die überaus schreckliche Hölle
asat-pratigrahītā ca
und wer unrechtmäßige Gaben annimmt
narake yāti adhomukhe
geht in die Hölle Adhomukha

ayājyayājakas tatra tathā nakṣatrasūcakaḥ / kṛmipūye naraś caiko yāti miṣṭānnabhuk sadā // BrP_22.18 //

dort [auch] wer für Unwürdige opfert, ebenso wer aus den Sternen wahrsagt; und ein Mensch, der stets nur süße Speise isst [ohne zu teilen], geht allein in Kṛmipūya,

Wort für Wort
ayājyayājakaḥ tatra
dort [auch] wer für Unwürdige opfert
tathā nakṣatra-sūcakaḥ
ebenso wer aus den Sternen wahrsagt
kṛmipūye naraḥ ca ekaḥ
in Kṛmipūya geht ein [solcher] Mensch allein
yāti miṣṭānnabhuk sadā
der stets nur süße Speise isst

lākṣāmāṃsarasānāṃ ca tilānāṃ lavaṇasya ca / vikretā brāhmaṇo yāti tam eva narakaṃ dvijāḥ // BrP_22.19 //

und ein Brahmane, der mit Lack, Fleischsäften, Sesam und Salz handelt, geht in eben diese Hölle, o Zweifachgeborene.

Wort für Wort
lākṣā-māṃsarasānām ca
mit Lack, Fleischsäften
tilānām lavaṇasya ca
Sesam und Salz
vikretā brāhmaṇaḥ yāti
ein handelnder Brahmane geht
tam eva narakam dvijāḥ
in eben diese Hölle, o Zweifachgeborene

mārjārakukkuṭacchāga- śvavarāhavihaṃgamān / poṣayan narakaṃ yāti tam eva dvijasattamāḥ // BrP_22.20 //

wer Katzen, Hähne, Ziegen, Hunde, Schweine und Vögel [zum Verkauf/Schlachten] aufzieht, geht in eben diese Hölle, o Beste der Zweifachgeborenen.

Wort für Wort
mārjāra-kukkuṭa-chāga-
Katzen, Hähne, Ziegen
śva-varāha-vihaṃgamān
Hunde, Schweine und Vögel
poṣayan narakam yāti
wer [sie] aufzieht, geht in die Hölle
tam eva dvijasattamāḥ
eben diese, o Beste der Zweifachgeborenen

raṅgopajīvī kaivartaḥ kuṇḍāśī garadas tathā / sūcī māhiṣikaś caiva parvagāmī ca yo dvijaḥ // BrP_22.21 //

wer vom Schauspiel lebt, ein Fischer, wer von unrechtmäßiger Speise lebt, ebenso ein Giftmischer, ein Verleumder, ein Büffelhirte, und ein Zweifachgeborener, der an [heiligen] Tagen [Verbotenes tut],

Wort für Wort
raṅgopajīvī kaivartaḥ
wer vom Schauspiel lebt, ein Fischer
kuṇḍāśī garadaḥ tathā
wer von unrechtmäßiger Speise lebt, ein Giftmischer
sūcī māhiṣikaḥ ca eva
ein Verleumder, ein Büffelhirte
parvagāmī ca yaḥ dvijaḥ
und ein Zweifachgeborener, der an [heiligen] Tagen [Verbotenes tut]

agāradāhī mitraghnaḥ śakunigrāmayājakaḥ / rudhirāndhe patanty ete somaṃ vikrīṇate ca ye // BrP_22.22 //

ein Haus-Brandstifter, ein Freundesmörder, wer für ein [ganzes] Dorf [als Vogel-Wahrsager] opfert — diese stürzen in Rudhirāndha, ebenso jene, die Soma verkaufen.

Wort für Wort
agāradāhī mitraghnaḥ
ein Haus-Brandstifter, ein Freundesmörder
śakuni-grāma-yājakaḥ [?]
wer für ein Dorf [durch Vogelzeichen] opfert [?]
rudhirāndhe patanti ete
diese stürzen in Rudhirāndha
somam vikrīṇate ca ye
ebenso jene, die Soma verkaufen

[Anm.: "śakunigrāmayājakaḥ" unklar, hier als "wer [durch Vogelzeichen] für ein Dorf opfert/wahrsagt" gedeutet; [?].]

madhuhā grāmahantā ca yāti vaitaraṇīṃ naraḥ / retaḥpānādikartāro maryādābhedinaś ca ye // BrP_22.23 //

ein Honigdieb und ein Dorf-Zerstörer geht in die Vaitaraṇī; wer Samen trinkt und dergleichen tut, und die, die die [rechten] Grenzen brechen,

Wort für Wort
madhuhā grāmahantā ca
ein Honigdieb und ein Dorf-Zerstörer
yāti vaitaraṇīm naraḥ
geht in die Vaitaraṇī, der Mensch
retaḥ-pāna-ādi-kartāraḥ
wer Samen trinkt und dergleichen tut
maryādā-bhedinaḥ ca ye
und die, die die Grenzen brechen

te kṛcchre yānty aśaucāś ca kuhakājīvinaś ca ye / asipattravanaṃ yāti vanacchedī vṛthaiva yaḥ // BrP_22.24 //

diese gehen nach Kṛcchra, ebenso die Unreinen und jene, die von Betrug leben; in den Schwertblätterwald geht, wer mutwillig einen Wald fällt,

Wort für Wort
te kṛcchre yānti aśaucāḥ ca
diese gehen nach Kṛcchra, die Unreinen
kuhaka-ājīvinaḥ ca ye
und jene, die von Betrug leben
asipattravanam yāti
in den Schwertblätterwald geht
vanacchedī vṛthā eva yaḥ
wer mutwillig einen Wald fällt

aurabhrikā mṛgavyādhā vahnijvāle patanti vai / yānti tatraiva te viprā yaś cāpākeṣu vahnidaḥ // BrP_22.25 //

Schafhirten [zur Schlachtung] und Jäger stürzen in Vahnijvāla; ebendorthin gehen auch, o Brahmanen, wer an ungeeigneten Orten Feuer legt,

Wort für Wort
aurabhrikāḥ mṛgavyādhāḥ
Schafhirten [zur Schlachtung] und Jäger
vahnijvāle patanti vai
stürzen in Vahnijvāla
yānti tatra eva te viprāḥ
ebendorthin gehen auch, o Brahmanen
yaḥ ca apākeṣu vahnidaḥ
wer an ungeeigneten Orten Feuer legt

vratopalopako yaś ca svāśramād vicyutaś ca yaḥ / saṃdaṃśayātanāmadhye patatas tāv ubhāv api // BrP_22.26 //

und wer ein Gelübde bricht, und wer von seiner Lebensstufe abgefallen ist — diese beiden stürzen in die Zangen-Folter (Saṃdaṃśa).

Wort für Wort
vratopalopakaḥ yaḥ ca
und wer ein Gelübde bricht
svāśramāt vicyutaḥ ca yaḥ
und wer von seiner Lebensstufe abgefallen ist
saṃdaṃśa-yātanā-madhye
in die Zangen-Folter
patataḥ tau ubhau api
stürzen diese beiden

divā svapneṣu syandante ye narā brahmacāriṇaḥ / putrair adhyāpitā ye tu te patanti śvabhojane // BrP_22.27 //

Keuschheitsschüler, die bei Tagesschlaf im Traum [Samen] vergießen, und die, die von [ihren eigenen] Söhnen unterrichtet wurden, stürzen in Śvabhojana.

Wort für Wort
divā svapneṣu syandante
die bei Tagesschlaf im Traum [Samen] vergießen
ye narāḥ brahmacāriṇaḥ
die Keuschheitsschüler
putraiḥ adhyāpitāḥ ye tu
und die, die von [ihren eigenen] Söhnen unterrichtet wurden
te patanti śvabhojane
diese stürzen in Śvabhojana

[Anm.: "putrair adhyāpitāḥ" ("von den [eigenen] Söhnen unterrichtet") bezeichnet vermutlich die Umkehrung der rechten Lehrer-Schüler-Ordnung als Verfehlung.]

ete cānye ca narakāḥ śataśo 'tha sahasraśaḥ / yeṣu duṣkṛtakarmāṇaḥ pacyante yātanāgatāḥ // BrP_22.28 //

diese und andere Höllen, zu Hunderten und Tausenden, in denen die Übeltäter, der Folter verfallen, gekocht werden,

Wort für Wort
ete ca anye ca narakāḥ
diese und andere Höllen
śataśaḥ atha sahasraśaḥ
zu Hunderten und Tausenden
yeṣu duṣkṛta-karmāṇaḥ
in denen die Übeltäter
pacyante yātanā-gatāḥ
gekocht werden, der Folter verfallen

tathaiva pāpāny etāni tathānyāni sahasraśaḥ / bhujyante jātipuruṣair narakāntaragocaraiḥ // BrP_22.29 //

ebenso werden diese Sünden, und ebenso andere zu Tausenden, von [ihrer Geburt entsprechend zugeteilten] Wesen erlitten, die innerhalb der Höllen umherziehen.

Wort für Wort
tathā eva pāpāni etāni
ebenso diese Sünden
tathā anyāni sahasraśaḥ
und ebenso andere zu Tausenden
bhujyante jāti-puruṣaiḥ
werden von [entsprechend ihrer] Geburt [zugeteilten] Wesen erlitten
naraka-antara-gocaraiḥ
die innerhalb der Höllen umherziehen

varṇāśramaviruddhaṃ ca karma kurvanti ye narāḥ / karmaṇā manasā vācā nirayeṣu patanti te // BrP_22.30 //

und die Menschen, die eine den Kasten und Lebensstufen widersprechende Tat verrichten, durch Tat, Gedanke oder Rede, diese stürzen in die Höllen.

Wort für Wort
varṇa-āśrama-viruddham ca
und eine den Kasten und Lebensstufen widersprechende
karma kurvanti ye narāḥ
Tat verrichten, die Menschen
karmaṇā manasā vācā
durch Tat, Gedanke oder Rede
nirayeṣu patanti te
stürzen diese in die Höllen

adhaḥśirobhir dṛśyante nārakair divi devatāḥ / devāś cādhomukhān sarvān adhaḥ paśyanti nārakān // BrP_22.31 //

mit nach unten gerichteten Häuptern werden von den Höllenbewohnern die Götter im Himmel gesehen; und die Götter sehen alle mit dem Gesicht nach unten [gerichteten] Höllenbewohner unten [unter sich].

Wort für Wort
adhaḥ-śirobhiḥ dṛśyante
mit nach unten gerichteten Häuptern werden gesehen
nārakaiḥ divi devatāḥ
von den Höllenbewohnern die Götter im Himmel
devāḥ ca adhomukhān sarvān
und die Götter alle mit dem Gesicht nach unten [gerichteten]
adhaḥ paśyanti nārakān
sehen die Höllenbewohner unten

sthāvarāḥ kṛmayo 'jvāś ca pakṣiṇaḥ paśavo narāḥ / dhārmikās tridaśās tadvan mokṣiṇaś ca yathākramam // BrP_22.32 //

Unbewegliche [Wesen], Würmer, [Wasser]tiere [?], Vögel, Vieh, Menschen, die Rechtschaffenen, die Dreißig [Götter], und ebenso die Erlösten — der Reihe nach [aufsteigend],

Wort für Wort
sthāvarāḥ kṛmayaḥ ajvāḥ ca [?]
Unbewegliche [Wesen], Würmer, [Wassertiere?] [?]
pakṣiṇaḥ paśavaḥ narāḥ
Vögel, Vieh, Menschen
dhārmikāḥ tridaśāḥ tadvat
die Rechtschaffenen, die Dreißig [Götter], ebenso
mokṣiṇaḥ ca yathākramam
die Erlösten, der Reihe nach

[Anm.: "ajvāḥ" unsicher, hier probeweise als [eine Klasse von Wassertieren o.ä.] gedeutet; [?].]

sahasrabhāgaḥ prathamād dvitīyo 'nukramāt tathā / sarve hy ete mahābhāgā yāvan muktisamāśrayāḥ // BrP_22.33 //

[jede folgende Stufe hat] gegenüber der ersten einen tausendfachen Anteil, die zweite der Reihe nach ebenso — alle diese sind hochbeglückt, bis hin zu denen, die die Erlösung erlangt haben.

Wort für Wort
sahasrabhāgaḥ prathamāt
gegenüber der ersten einen tausendfachen Anteil
dvitīyaḥ anukramāt tathā
die zweite der Reihe nach ebenso
sarve hi ete mahābhāgāḥ
alle diese sind hochbeglückt
yāvat mukti-samāśrayāḥ
bis hin zu denen, die die Erlösung erlangt haben

[Anm.: gemeint ist offenbar eine aufsteigende Rangordnung der Wesensklassen, in der jede höhere Stufe einen tausendfach größeren "Anteil" (an Bewusstsein/Glück) besitzt als die vorhergehende.]

yāvanto jantavaḥ svarge tāvanto narakaukasaḥ / pāpakṛd yāti narakaṃ prāyaścittaparāṅmukhaḥ // BrP_22.34 //

so viele Geschöpfe es im Himmel gibt, so viele sind es, die die Hölle bewohnen; der Sünder, der sich der Buße abwendet, geht in die Hölle.

Wort für Wort
yāvantaḥ jantavaḥ svarge
so viele Geschöpfe es im Himmel gibt
tāvantaḥ naraka-okasaḥ
so viele bewohnen die Hölle
pāpakṛt yāti narakam
der Sünder geht in die Hölle
prāyaścitta-parāṅmukhaḥ
der sich der Buße abwendet

pāpānām anurūpāṇi prāyaścittāni yad yathā / tathā tathaiva saṃsmṛtya proktāni paramarṣibhiḥ // BrP_22.35 //

die den Sünden entsprechenden Bußen, wie und wie sie jeweils [passen], eben so und so wurden sie, [dies] bedenkend, von den höchsten Sehern verkündet.

Wort für Wort
pāpānām anurūpāṇi
die den Sünden entsprechenden
prāyaścittāni yat yathā
Bußen, wie sie jeweils [passen]
tathā tathā eva saṃsmṛtya
eben so und so, [dies] bedenkend
proktāni parama-ṛṣibhiḥ
wurden sie von den höchsten Sehern verkündet

pāpe gurūṇi guruṇi svalpāny alpe ca tadvidaḥ / prāyaścittāni viprendrā jaguḥ svāyaṃbhuvādayaḥ // BrP_22.36 //

für eine schwere Sünde schwere, für eine geringe geringe [Bußen] — die dies Kundigen, angeführt von Svāyaṃbhuva [Manu], o Fürsten der Brahmanen, verkündeten [diese] Bußen.

Wort für Wort
pāpe gurūṇi guruṇi
für eine schwere Sünde schwere [Bußen]
svalpāni alpe ca tadvidaḥ
geringe für eine geringe, die dies Kundigen
prāyaścittāni viprendrāḥ
die Bußen, o Fürsten der Brahmanen
jaguḥ svāyaṃbhuva-ādayaḥ
verkündeten [sie], angeführt von Svāyaṃbhuva

prāyaścittāny aśeṣāṇi tapaḥkarmātmakāni vai / yāni teṣām aśeṣāṇāṃ kṛṣṇānusmaraṇaṃ param // BrP_22.37 //

von all den zahllosen Bußen, die in Askese und [ritueller] Handlung bestehen, ist die höchste unter all diesen die Erinnerung an Kṛṣṇa.

Wort für Wort
prāyaścittāni aśeṣāṇi
die zahllosen Bußen
tapaḥ-karma-ātmakāni vai
die in Askese und [ritueller] Handlung bestehen
yāni teṣām aśeṣāṇām
unter all diesen zahllosen
kṛṣṇa-anusmaraṇam param
ist die Erinnerung an Kṛṣṇa die höchste

kṛte pāpe 'nutāpo vai yasya puṃsaḥ prajāyate / prāyaścittaṃ tu tasyaikaṃ harisaṃsmaraṇaṃ param // BrP_22.38 //

wenn eine Sünde begangen wurde, [und] bei einem Mann Reue entsteht, dann ist für ihn die eine höchste Buße die Erinnerung an Hari.

Wort für Wort
kṛte pāpe anutāpaḥ vai
wenn eine Sünde begangen wurde, Reue
yasya puṃsaḥ prajāyate
bei welchem Mann entsteht
prāyaścittam tu tasya ekam
für ihn ist die eine Buße
hari-saṃsmaraṇam param
die höchste: die Erinnerung an Hari

prātar niśi tathā saṃdhyā- madhyāhnādiṣu saṃsmaran / nārāyaṇam avāpnoti sadyaḥ pāpakṣayān naraḥ // BrP_22.39 //

wer morgens, nachts, ebenso in der Dämmerung, am Mittag und so weiter Nārāyaṇa in Erinnerung ruft, erlangt sogleich die Vernichtung der Sünde.

Wort für Wort
prātaḥ niśi tathā saṃdhyā-
morgens, nachts, ebenso in der Dämmerung
madhyāhna-ādiṣu saṃsmaran
am Mittag und so weiter, [ihn] in Erinnerung rufend
nārāyaṇam avāpnoti
erlangt Nārāyaṇa
sadyaḥ pāpa-kṣayān naraḥ
sogleich die Vernichtung der Sünde, der Mensch

viṣṇusaṃsmaraṇāt kṣīṇa- samastakleśasaṃcayaḥ / muktiṃ prayāti bho viprā viṣṇos tasyānukīrtanāt // BrP_22.40 //

durch die Erinnerung an Viṣṇu, mit vernichteter gesamter Ansammlung von Leiden, gelangt man zur Erlösung, o Brahmanen, durch das Preisen jenes Viṣṇu.

Wort für Wort
viṣṇu-saṃsmaraṇāt kṣīṇa-
durch die Erinnerung an Viṣṇu, vernichtet
samasta-kleśa-saṃcayaḥ
die gesamte Ansammlung von Leiden
muktim prayāti bho viprāḥ
gelangt man zur Erlösung, o Brahmanen
viṣṇoḥ tasya anukīrtanāt
durch das Preisen jenes Viṣṇu

vāsudeve mano yasya japahomārcanādiṣu / tasyāntarāyo viprendrā devendratvādikaṃ phalam // BrP_22.41 //

wessen Geist während Rezitation, Opfer, Verehrung und dergleichen auf Vāsudeva [gerichtet ist] — für ihn ist [selbst] die Indraherrschaft und dergleichen [nur] ein Hindernis [auf dem Weg], o Fürsten der Brahmanen.

Wort für Wort
vāsudeve manaḥ yasya
wessen Geist auf Vāsudeva [gerichtet ist]
japa-homa-arcana-ādiṣu
während Rezitation, Opfer, Verehrung und dergleichen
tasya antarāyaḥ viprendrāḥ
für ihn ist ein Hindernis, o Fürsten der Brahmanen
devendratva-ādikam phalam
[selbst] die Indraherrschaft und dergleichen als Frucht

kva nākapṛṣṭhagamanaṃ punarāvṛttilakṣaṇam / kva japo vāsudeveti muktibījam anuttamam // BrP_22.42 //

wo [steht] das Gehen zum Himmelsgipfel, das durch Wiederkehr [in die Wiedergeburt] gekennzeichnet ist — [im Vergleich zu,] wo [steht] die Rezitation 'Vāsudeva', der unübertreffliche Same der Erlösung?

Wort für Wort
kva nāka-pṛṣṭha-gamanam
wo [steht] das Gehen zum Himmelsgipfel
punarāvṛtti-lakṣaṇam
das durch Wiederkehr gekennzeichnet ist
kva japaḥ vāsudeva iti
wo [steht] die Rezitation 'Vāsudeva'
mukti-bījam anuttamam
der unübertreffliche Same der Erlösung

tasmād aharniśaṃ viṣṇuṃ saṃsmaran puruṣo dvijaḥ / na yāti narakaṃ śuddhaḥ saṃkṣīṇākhilapātakaḥ // BrP_22.43 //

daher geht ein Mensch, ein Zweifachgeborener, der Tag und Nacht Viṣṇu in Erinnerung ruft, gereinigt, mit vernichteter aller Sünde, nicht in die Hölle.

Wort für Wort
tasmāt aharniśam viṣṇum
daher, Tag und Nacht Viṣṇu
saṃsmaran puruṣaḥ dvijaḥ
in Erinnerung rufend, ein Mensch, ein Zweifachgeborener
na yāti narakam śuddhaḥ
geht nicht in die Hölle, gereinigt
saṃkṣīṇa-akhila-pātakaḥ
mit vernichteter aller Sünde

manaḥprītikaraḥ svargo narakas tadviparyayaḥ / narakasvargasaṃjñe vai pāpapuṇye dvijottamāḥ // BrP_22.44 //

Himmel ist das, was den Geist erfreut, Hölle ist dessen Gegenteil; 'Hölle' und 'Himmel' sind in Wahrheit nur die Bezeichnungen für Sünde und Verdienst, o Beste der Zweifachgeborenen.

Wort für Wort
manaḥ-prīti-karaḥ svargaḥ
Himmel ist das, was den Geist erfreut
narakaḥ tat-viparyayaḥ
Hölle ist dessen Gegenteil
naraka-svarga-saṃjñe vai
'Hölle' und 'Himmel' sind in Wahrheit [nur] Bezeichnungen
pāpa-puṇye dvija-uttamāḥ
für Sünde und Verdienst, o Beste der Zweifachgeborenen

vastv ekam eva duḥkhāya sukhāyerṣyodayāya ca / kopāya ca yatas tasmād vastu duḥkhātmakaṃ kutaḥ // BrP_22.45 //

da ein und dasselbe Ding zu Leid, zu Glück, zum Aufkommen von Neid und zu Zorn [Anlass geben kann], wie könnte ein Ding daher von leidvoller Natur sein?

Wort für Wort
vastu ekam eva duḥkhāya
ein und dasselbe Ding zu Leid
sukhāya īrṣyā-udayāya ca
zu Glück, zum Aufkommen von Neid
kopāya ca yataḥ tasmāt
und zu Zorn [Anlass gibt], daher
vastu duḥkha-ātmakam kutaḥ
wie könnte ein Ding leidvoller Natur sein?

tad eva prītaye bhūtvā punar duḥkhāya jāyate / tad eva kopālayataḥ prasādāya ca jāyate // BrP_22.46 //

eben dasselbe, [erst] zur Freude geworden, entsteht wieder zum Leid; eben dasselbe, [erst] Sitz des Zorns, entsteht auch zur Gnade/Zufriedenheit.

Wort für Wort
tat eva prītaye bhūtvā
eben dasselbe, zur Freude geworden
punaḥ duḥkhāya jāyate
entsteht wieder zum Leid
tat eva kopa-ālayataḥ
eben dasselbe, [vom] Sitz des Zorns aus
prasādāya ca jāyate
entsteht auch zur Gnade/Zufriedenheit

tasmād duḥkhātmakaṃ nāsti na ca kiṃcit sukhātmakam / manasaḥ pariṇāmo 'yaṃ sukhaduḥkhādilakṣaṇaḥ // BrP_22.47 //

daher gibt es nichts, das von leidvoller Natur ist, und auch nichts, das von glücklicher Natur ist; dies, was durch Glück, Leid und dergleichen gekennzeichnet ist, ist [nur] eine Wandlung des Geistes.

Wort für Wort
tasmāt duḥkha-ātmakam na asti
daher gibt es nichts von leidvoller Natur
na ca kiṃcit sukha-ātmakam
und auch nichts von glücklicher Natur
manasaḥ pariṇāmaḥ ayam
dies ist eine Wandlung des Geistes
sukha-duḥkha-ādi-lakṣaṇaḥ
die durch Glück, Leid und dergleichen gekennzeichnet ist

jñānam eva paraṃ brahmā- jñānaṃ bandhāya ceṣyate / jñānātmakam idaṃ viśvaṃ na jñānād vidyate param // BrP_22.48 //

Erkenntnis allein ist das höchste Brahman; Unwissenheit hingegen gilt als [Ursache] der Bindung. Dieses Universum besteht aus Erkenntnis; nichts Höheres als Erkenntnis gibt es.

Wort für Wort
jñānam eva param brahma
Erkenntnis allein ist das höchste Brahman
ajñānam bandhāya ca iṣyate
Unwissenheit hingegen gilt als [Ursache] der Bindung
jñāna-ātmakam idam viśvam
dieses Universum besteht aus Erkenntnis
na jñānāt vidyate param
nichts Höheres als Erkenntnis gibt es

vidyāvidye hi bho viprā jñānam evāvadhāryatām / evam etad mayākhyātaṃ bhavatāṃ maṇḍalaṃ bhuvaḥ // BrP_22.49 //

Wissen und Unwissenheit, o Brahmanen — [in beiden] soll allein die Erkenntnis erfasst werden. So wurde euch dies, die Scheibe der Erde, von mir dargelegt,

Wort für Wort
vidyā-avidye hi bho viprāḥ
Wissen und Unwissenheit, o Brahmanen
jñānam eva avadhāryatām [?]
allein die Erkenntnis soll erfasst werden [?]
evam etat mayā ākhyātam
so wurde dies von mir dargelegt
bhavatām maṇḍalam bhuvaḥ
euch, die Scheibe der Erde

[Anm.: der Sinn scheint zu sein, dass letztlich auch die vermeintliche Unwissenheit nur als [Abwesenheit von] Erkenntnis zu verstehen ist, nicht als eigenständige Realität; [?] im Detail.]

pātālāni ca sarvāṇi tathaiva narakā dvijāḥ / samudrāḥ parvatāś caiva dvīpā varṣāṇi nimnagāḥ / saṃkṣepāt sarvam ākhyātaṃ kiṃ bhūyaḥ śrotum icchatha // BrP_22.50 //

und alle Unterwelten, ebenso die Höllen, o Zweifachgeborene, die Ozeane und Berge, die Kontinente, Länder und Flüsse — alles wurde in Kürze dargelegt. Was wollt ihr noch weiter hören?

Wort für Wort
pātālāni ca sarvāṇi
und alle Unterwelten
tathā eva narakāḥ dvijāḥ
ebenso die Höllen, o Zweifachgeborene
samudrāḥ parvatāḥ ca eva
die Ozeane und Berge
dvīpāḥ varṣāṇi nimnagāḥ
die Kontinente, Länder und Flüsse
saṃkṣepāt sarvam ākhyātam
alles wurde in Kürze dargelegt
kim bhūyaḥ śrotum icchatha
was wollt ihr noch weiter hören?

[Anm.: Vers 50 besteht im Original aus drei Pādas unter einer einzigen Versnummer und wird hier als eine Einheit übersetzt.]

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