Quellen der Menschheit

Brahma-Purāṇa

Kapitel 50: vṛkṣacchedanapratimātrayanirmāṇavarṇanam Der Traum Vāsudevas, das Fällen des Wunderbaums und die Erschaffung der drei Bildnisse durch Viśvakarman

Viṣṇu erscheint dem schlafenden Indradyumna im Traum in seiner vierarmigen (hier: achtarmigen) Gestalt und weist ihn an, am Meeresufer einen bestimmten, keiner bekannten Art zuzuordnenden Baum zu fällen und daraus ein Bildnis fertigen zu lassen. Der König findet den Baum und beginnt ihn zu fällen, als Viśvakarman und Viṣṇu selbst in Brahmanengestalt erscheinen. Auf Viṣṇus Anweisung fertigt Viśvakarman binnen eines Augenblicks drei Bildnisse: eine dunkle Kṛṣṇa-Gestalt, eine weiße Gestalt namens Ananta (identifiziert mit Balabhadra/Balarāma) und Subhadrā, die Schwester Vāsudevas - der Ursprungsmythos der berühmten Kultbild-Trias von Puri (Jagannātha, Balabhadra, Subhadrā). Der erstaunte König fragt die beiden Brahmanengestalten nach ihrer wahren Natur.

{brahmovāca:} stutvaivaṃ muniśārdūlāḥ praṇamya ca sanātanam / vāsudevaṃ jagannāthaṃ sarvakāmaphalapradam //

Brahmā sprach: Nachdem er, ihr Tiger unter den Munis, so gepriesen und sich vor dem ewigen Vāsudeva, dem Herrn der Welt, der die Frucht aller Wünsche gewährt, verneigt hatte,

Wort für Wort
stutvā
nachdem er gepriesen hatte
evam
so
muniśārdūlāḥ
o Tiger unter den Munis
praṇamya
nachdem er sich verneigt hatte
ca
und
sanātanam
vor dem ewigen
vāsudevam
Vāsudeva
jagannātham
den Herrn der Welt
sarvakāmaphalapradam
der die Frucht aller Wünsche gewährt

cintāviṣṭo mahīpālaḥ kuśān āstīrya bhūtale / vastraṃ ca tanmanā bhūtvā suṣvāpa dharaṇītale //

legte sich der von Sorge erfüllte Herrscher der Erde, nachdem er Kuśa-Gras und ein Gewand auf dem Boden ausgebreitet hatte, mit darauf gerichtetem Sinn, schlief er auf dem Erdboden ein,

Wort für Wort
cintāviṣṭaḥ
von Sorge erfüllt
mahīpālaḥ
der Herrscher der Erde
kuśān
Kuśa-Gras
āstīrya
nachdem ausgebreitet
bhūtale
auf dem Boden
vastram
ein Gewand
ca
und
tanmanāḥ
mit darauf gerichtetem Sinn
bhūtvā
geworden
suṣvāpa
er schlief
dharaṇītale
auf dem Erdboden

kathaṃ pratyakṣam abhyeti devadevo janārdanaḥ / mama cārtiharo devas tadāsāv iti cintayan //

'Wie erscheint der Gott der Götter, Janārdana, mir sichtbar, und wird er, der Gott, der Beseitiger meines Leids?' - so denkend,

Wort für Wort
katham
wie
pratyakṣam
sichtbar
abhyeti
er erscheint
devadevaḥ
der Gott der Götter
janārdanaḥ
Janārdana
mama
mein
ca ārtiharaḥ
und der Beseitiger des Leids
devaḥ
der Gott
tadā
dann
asau
er
iti
so
cintayan
denkend

suptasya tasya nṛpater vāsudevo jagadguruḥ / ātmānaṃ darśayām āsa śaṅkhacakragadābhṛtam //

zeigte sich dem schlafenden König Vāsudeva, der Lehrer der Welt, sich selbst, den Träger von Muschelhorn, Diskus und Keule,

Wort für Wort
suptasya
des schlafenden
tasya nṛpateḥ
jenes Königs
vāsudevaḥ
Vāsudeva
jagadguruḥ
der Lehrer der Welt
ātmānam
sich selbst
darśayām āsa
er zeigte
śaṅkhacakragadābhṛtam
den Träger von Muschelhorn, Diskus und Keule

sa dadarśa tu saprema devadevaṃ jagadgurum / śaṅkhacakradharaṃ devaṃ gadācakrograpāṇinam //

er sah aber liebevoll den Gott der Götter, den Lehrer der Welt, den Gott, den Träger von Muschelhorn und Diskus, mit Keule und schrecklichem Diskus in der Hand,

Wort für Wort
saḥ
er
dadarśa
er sah
tu
aber
saprema
liebevoll
devadevam
den Gott der Götter
jagadgurum
den Lehrer der Welt
śaṅkhacakradharam
den Träger von Muschelhorn und Diskus
devam
den Gott
gadācakrograpāṇinam
mit Keule und schrecklichem Diskus in der Hand

śārṅgabāṇadharaṃ devaṃ jvalattejotimaṇḍalam / yugāntādityavarṇābhaṃ nīlavaidūryasaṃnibham //

den Gott, den Träger des Śārṅga-Bogens und der Pfeile, mit lodernder, glänzender Aura, von der Farbe der Sonne am Weltalterende, gleich blauem Beryll,

Wort für Wort
śārṅgabāṇadharam
den Träger des Śārṅga-Bogens und der Pfeile
devam
den Gott
jvalattejotimaṇḍalam
mit lodernder, glänzender Aura
yugāntādityavarṇābham
von der Farbe der Sonne am Weltalterende
nīlavaidūryasaṃnibham
gleich blauem Beryll

suparṇāṃse tam āsīnaṃ ṣoḍaśārdhabhujaṃ śubham / sa cāsmai prābravīd dhīrāḥ sādhu rājan mahāmate //

ihn, auf der Schulter Garuḍas sitzend, mit acht Armen, schön - und er sprach zu ihm: 'Wohlgetan, o König von großem Verstand,' - ihr Standhaften.

Wort für Wort
suparṇāṃse
auf der Schulter Garuḍas
tam āsīnam
ihn, sitzend
ṣoḍaśārdhabhujam
mit acht Armen
śubham
schön
saḥ
er
ca asmai
und zu ihm
prābravīt
er sprach
dhīrāḥ
ihr Standhaften (an die Munis)
sādhu
wohlgetan
rājan
o König
mahāmate
von großem Verstand

[Anm.: "ṣoḍaśārdhabhujam" wörtlich "mit der Hälfte von sechzehn Armen" = acht Armen; ungewöhnliche Zahl für eine Viṣṇu-Ikonographie (meist vier Arme), evtl. eine besondere Erscheinungsform im Traum. "dhīrāḥ" (Vokativ Plural "ihr Standhaften") richtet sich an die zuhörenden Munis und unterbricht kurz die direkte Rede Brahmās.]

kratunānena divyena tathā bhaktyā ca śraddhayā / tuṣṭo 'smi te mahīpāla vṛthā kim anuśocasi //

'Durch dieses göttliche Opfer, und ebenso durch Hingabe und Glauben bin ich zufrieden mit dir, o Herrscher der Erde - warum grämst du dich vergeblich?

Wort für Wort
kratunā
durch das Opfer
anena
dieses
divyena
göttliche
tathā
ebenso
bhaktyā
durch Hingabe
ca śraddhayā
und durch Glauben
tuṣṭaḥ asmi
ich bin zufrieden
te
mit dir
mahīpāla
o Herrscher der Erde
vṛthā
vergeblich
kim anuśocasi
warum grämst du dich

yad atra pratimā rājañ jagatpūjyā sanātanī / yathā sā prāpyate bhūpa tadupāyaṃ bravīmi te //

Was das Bildnis hier betrifft, o König, das von der Welt verehrte, ewige - wie es zu erlangen ist, o Herrscher, dieses Mittel sage ich dir:

Wort für Wort
yat
was
atra
hier
pratimā
das Bildnis
rājan
o König
jagatpūjyā
von der Welt verehrte
sanātanī
ewige
yathā
wie
sā
es
prāpyate
es wird erlangt
bhūpa
o Herrscher
tadupāyam
dieses Mittel
bravīmi
ich sage
te
dir

gatāyām adya śarvaryāṃ nirmale bhāskarodite / sāgarasya jalasyānte nānādrumavibhūṣite //

Wenn heute die Nacht vergangen ist und die Sonne rein aufgegangen ist, am Ende (Ufer) des Meerwassers, geschmückt mit mancherlei Bäumen,

Wort für Wort
gatāyām
vergangen
adya
heute
śarvaryām
in der Nacht
nirmale
rein
bhāskarodite
wenn die Sonne aufgegangen ist
sāgarasya
des Meeres
jalasya ante
am Ende des Wassers
nānādrumavibhūṣite
geschmückt mit mancherlei Bäumen

jalaṃ tathaiva velāyāṃ dṛśyate tatra vai mahat / lavaṇasyodadhe rājaṃs taraṅgaiḥ samabhiplutam //

dort wird ebenso an der Küste ein großes Wasser gesehen, o König, des Salzozeans, überflutet von Wellen,

Wort für Wort
jalam
Wasser
tathā eva
ebenso
velāyām
an der Küste
dṛśyate
es wird gesehen
tatra
dort
vai
wahrlich
mahat
groß
lavaṇasya udadheḥ
des Salzozeans
rājan
o König
taraṅgaiḥ
von Wellen
samabhiplutam
überflutet

kūlānte hi mahāvṛkṣaḥ sthitaḥ sthalajaleṣu ca / velābhir hanyamānaś ca na cāsau kampate drumaḥ //

denn am Ende des Ufers steht ein großer Baum, sowohl auf Land als auch im Wasser, und obwohl er von den Wellen geschlagen wird, erzittert dieser Baum nicht,

Wort für Wort
kūlānte
am Ende des Ufers
hi
denn
mahāvṛkṣaḥ
ein großer Baum
sthitaḥ
stehend
sthalajaleṣu
auf Land und im Wasser
ca
und
velābhiḥ
von den Wellen
hanyamānaḥ
geschlagen werdend
ca
und
na ca asau kampate
und dieser erzittert nicht
drumaḥ
der Baum

paraśum ādāya hastena ūrmer antas tato vraja / ekākī viharan rājan sa tvaṃ paśyasi pādapam //

Nimm eine Axt in die Hand und geh dann in das Innere der Wellen; allein umherwandelnd, o König, wirst du diesen Baum sehen.

Wort für Wort
paraśum
eine Axt
ādāya
nachdem genommen
hastena
mit der Hand
ūrmeḥ antaḥ
in das Innere der Wellen
tataḥ
dann
vraja
geh
ekākī
allein
viharan
umherwandelnd
rājan
o König
saḥ tvam
du
paśyasi
du siehst
pādapam
den Baum

īdṛk cihnaṃ samālokya chedaya tvam aśaṅkitaḥ / chedyamānaṃ tu taṃ vṛkṣaṃ prātar adbhutadarśanam //

Nachdem du dieses Zeichen erblickt hast, fälle ihn ohne Zögern; jenen Baum aber, während er gefällt wird, am Morgen von wunderbarem Anblick,

Wort für Wort
īdṛk cihnam
dieses Zeichen
samālokya
nachdem erblickt
chedaya
fälle
tvam
du
aśaṅkitaḥ
ohne Zweifel/ohne Zögern
chedyamānam
während gefällt werdend
tu
aber
tam vṛkṣam
jenen Baum
prātaḥ
am Morgen
adbhutadarśanam
von wunderbarem Anblick

dṛṣṭvā tenaiva saṃcintya tato bhūpāla darśanāt / kuru tāṃ pratimāṃ divyāṃ jahi cintāṃ vimohinīm //

nachdem du ihn gesehen hast, bedenke ihn genau eben dadurch, o Herrscher der Erde, und mache dann jenes göttliche Bildnis nach diesem Anblick - lass die verwirrende Sorge fahren.

Wort für Wort
dṛṣṭvā
nachdem gesehen
tena eva
eben dadurch
saṃcintya
nachdem genau bedacht
tataḥ
dann
bhūpāla
o Herrscher der Erde
darśanāt
nach diesem Anblick
kuru
mache
tām pratimām
jenes Bildnis
divyām
göttliche
jahi
lass fahren
cintām
die Sorge
vimohinīm
die verwirrende

{brahmovāca:} evam uktvā mahābhāgo jagāmādarśanaṃ hariḥ / sa cāpi svapnam ālokya paraṃ vismayam āgataḥ //

Brahmā sprach: So gesprochen habend, entschwand der hochbeglückte Hari dem Blick; und auch er (der König), nachdem er den Traum erblickt hatte, geriet in höchstes Erstaunen,

Wort für Wort
evam
so
uktvā
nachdem gesprochen
mahābhāgaḥ
der Hochbeglückte
jagāma
er ging
adarśanam
dem Blick entschwindend
hariḥ
Hari
saḥ
er
ca api
und auch
svapnam
den Traum
ālokya
nachdem erblickt
param vismayam
in höchstes Erstaunen
āgataḥ
geraten

tāṃ niśāṃ sa samudvīkṣya sthitas tadgatamānasaḥ / vyāharan vaiṣṇavān mantrān sūktaṃ caiva tadātmakam //

jene Nacht durchwacht habend, blieb er, mit darauf gerichtetem Sinn, wach, Viṣṇu-Mantras rezitierend und ebenso die entsprechenden Sūktas (Hymnen),

Wort für Wort
tām niśām
jene Nacht
saḥ
er
samudvīkṣya
durchwacht habend
sthitaḥ
blieb
tadgatamānasaḥ
mit darauf gerichtetem Sinn
vyāharan
rezitierend
vaiṣṇavān mantrān
Viṣṇu-Mantras
sūktam
das Sūkta
ca eva
und auch
tadātmakam
dazu gehörig

pragatāyāṃ rajanyāṃ tu utthito nānyamānasaḥ / sa snātvā sāgare samyag yathāvad vidhinā tataḥ //

Als die Nacht vergangen war, stand er auf, ohne einen anderen Gedanken, und nachdem er sich im Ozean vollständig, wie es sich gehört, nach der Vorschrift gebadet hatte,

Wort für Wort
pragatāyām rajanyām
als die Nacht vergangen war
tu
aber
utthitaḥ
aufgestanden
na anyamānasaḥ
ohne einen anderen Gedanken
saḥ
er
snātvā
nachdem gebadet
sāgare
im Ozean
samyak
vollständig
yathāvat
wie es sich gehört
vidhinā
nach der Vorschrift
tataḥ
dann

dattvā dānaṃ ca viprebhyo grāmāṃś ca nagarāṇi ca / kṛtvā paurvāhṇikaṃ karma jagāma sa nṛpottamaḥ //

und nachdem er den Brahmanen Gaben gegeben hatte - Dörfer und Städte - und die Vormittagsriten vollzogen hatte, ging der beste der Könige,

Wort für Wort
dattvā
nachdem gegeben
dānam
Gaben
ca
und
viprebhyaḥ
den Brahmanen
grāmān
Dörfer
ca nagarāṇi
und Städte
ca
und
kṛtvā
nachdem vollzogen
paurvāhṇikam karma
die Vormittagsriten
jagāma
er ging
saḥ nṛpottamaḥ
jener beste der Könige

na cāśvo na padātiś ca na gajo na ca sārathiḥ / ekākī sa mahāvelāṃ praviveśa mahīpatiḥ //

weder ein Pferd, noch ein Fußsoldat, noch ein Elefant, noch ein Wagenlenker (begleitete ihn) - allein betrat der Herr der Erde die große Küste.

Wort für Wort
na ca aśvaḥ
und nicht ein Pferd
na padātiḥ
nicht ein Fußsoldat
ca
und
na gajaḥ
nicht ein Elefant
na ca sārathiḥ
und nicht ein Wagenlenker
ekākī
allein
saḥ
er
mahāvelām
die große Küste
praviveśa
er betrat
mahīpatiḥ
der Herr der Erde

taṃ dadarśa mahāvṛkṣaṃ tejasvantaṃ mahādrumam / mahātigamahārohaṃ puṇyaṃ vipulam eva ca //

Er erblickte jenen großen Baum, den glanzvollen großen Baum, mit sehr hohem, großem Wuchs, heilig und auch mächtig,

Wort für Wort
tam
jenen
dadarśa
er erblickte
mahāvṛkṣam
großen Baum
tejasvantam
glanzvollen
mahādrumam
großen Baum
mahātigamahāroham
mit sehr hohem, großem Wuchs
puṇyam
heilig
vipulam
mächtig/groß
eva ca
und auch

mahotsedhaṃ mahākāyaṃ prasuptaṃ ca jalāntike / sāndramāñjiṣṭhavarṇābhaṃ nāmajātivivarjitam //

von großer Höhe, mit großem Stamm, dicht am Wasser wie schlummernd, von dichter, Māñjiṣṭha-gleicher Farbe, ohne bekannten Namen oder Art (Gattung),

Wort für Wort
mahotsedham
von großer Höhe
mahākāyam
mit großem Stamm/Körper
prasuptam
schlummernd
ca
und
jalāntike
dicht am Wasser
sāndramāñjiṣṭhavarṇābham
von dichter Māñjiṣṭha-gleicher Farbe
nāmajātivivarjitam
ohne bekannten Namen oder Art

[Anm.: "prasuptam" (schlafend) wird hier metaphorisch für den ruhig-unbewegten Baum gebraucht; "nāmajātivivarjitam" - der Baum ist keiner bekannten botanischen Art zuzuordnen, ein wunderbares Merkmal.]

naranāthas tadā viprā drumaṃ dṛṣṭvā mudānvitaḥ / paraśunā śātayām āsa niśitena dṛḍhena ca //

Der Herr der Menschen, o Brahmanen, ließ dann, nachdem er den Baum gesehen hatte, von Freude erfüllt, ihn mit einer scharfen und festen Axt fällen,

Wort für Wort
naranāthaḥ
der Herr der Menschen
tadā
dann
viprāḥ
o Brahmanen
drumam
den Baum
dṛṣṭvā
nachdem gesehen
mudānvitaḥ
von Freude erfüllt
paraśunā
mit einer Axt
śātayām āsa
er ließ fällen
niśitena
scharfen
dṛḍhena
festen
ca
und

dvaidhīkartumanās tatra babhūvendrasakhaḥ sa ca / nirīkṣyamāṇe kāṣṭhe tu babhūvādbhutadarśanam //

und der Freund Indras (der König) beabsichtigte dort, ihn in zwei Teile zu spalten; als das Holz betrachtet wurde aber, geschah ein wunderbarer Anblick:

Wort für Wort
dvaidhīkartumanāḥ
beabsichtigend, in zwei Teile zu spalten
tatra
dort
babhūva
er wurde
indrasakhaḥ
der Freund Indras
saḥ ca
und er
nirīkṣyamāṇe
während betrachtet werdend
kāṣṭhe
am Holz
tu
aber
babhūva
es geschah
adbhutadarśanam
ein wunderbarer Anblick

viśvakarmā ca viṣṇuś ca viprarūpadharāv ubhau / ājagmatur mahābhāgau tadā tulyāgrajanmanau //

Viśvakarman und Viṣṇu, beide in Brahmanengestalt gekleidet, kamen dann, die beiden Hochbeglückten, gleich Erstgeborenen (Brahmanen) erscheinend,

Wort für Wort
viśvakarmā
Viśvakarman
ca viṣṇuḥ
und Viṣṇu
ca
und
viprarūpadharau
in Brahmanengestalt gekleidet
ubhau
beide
ājagmatuḥ
sie kamen
mahābhāgau
die beiden Hochbeglückten
tadā
dann
tulyāgrajanmanau
gleich Erstgeborenen (Brahmanen) erscheinend

jvalamānau svatejobhir divyasraganulepanau / atha tau taṃ samāgamya nṛpam indrasakhaṃ tadā //

leuchtend von ihrem eigenen Glanz, mit göttlichen Girlanden und Salben - da traten die beiden, nachdem sie sich dem König, dem Freund Indras, genähert hatten,

Wort für Wort
jvalamānau
leuchtend
svatejobhiḥ
von ihrem eigenen Glanz
divyasraganulepanau
mit göttlichen Girlanden und Salben
atha
da
tau
die beiden
tam
zu ihm
samāgamya
nachdem sie sich genähert hatten
nṛpam
zum König
indrasakham
dem Freund Indras
tadā
dann

tāv ūcatur mahārāja kim atra tvaṃ kariṣyasi / kimarthaṃ ca mahābāho śātitaś ca vanaspatiḥ //

sprachen die beiden: 'O großer König, was wirst du hier tun? Und wozu, o Starkarmiger, wurde der Baum gefällt,

Wort für Wort
tau
die beiden
ūcatuḥ
sie sprachen
mahārāja
o großer König
kim atra
was hier
tvam kariṣyasi
wirst du tun
kimartham
wozu
ca
und
mahābāho
o Starkarmiger
śātitaḥ
gefällt
ca vanaspatiḥ
und der Baum

asahāyo mahādurge nirjane gahane vane / mahāsindhutaṭe caiva kathaṃ vai śātito drumaḥ //

ohne Gefährten in dieser großen, unwegsamen, menschenleeren, dichten Wildnis, an diesem großen Meeresufer - wie wurde der Baum gefällt?'

Wort für Wort
asahāyaḥ
ohne Gefährten
mahādurge
in der großen unwegsamen
nirjane
menschenleeren
gahane vane
dichten Wildnis
mahāsindhutaṭe
an diesem großen Meeresufer
ca eva
und auch
katham vai
wie wahrlich
śātitaḥ
gefällt
drumaḥ
der Baum

{brahmovāca:} tayoḥ śrutvā vaco viprāḥ sa tu rājā mudānvitaḥ / babhāṣe vacanaṃ tābhyāṃ mṛdulaṃ madhuraṃ tathā //

Brahmā sprach: Nachdem er das Wort der beiden gehört hatte, o Brahmanen, sprach der König, von Freude erfüllt, zu den beiden ein sanftes und süßes Wort,

Wort für Wort
tayoḥ
der beiden
śrutvā
nachdem gehört
vacaḥ
das Wort
viprāḥ
o Brahmanen
saḥ tu rājā
jener König aber
mudānvitaḥ
von Freude erfüllt
babhāṣe
er sprach
vacanam
ein Wort
tābhyām
zu den beiden
mṛdulam
sanftes
madhuram
süßes
tathā
ebenso

dṛṣṭvā tau brāhmaṇau tatra candrasūryāv ivāgatau / namaskṛtya jagannāthāv avāṅmukham avasthitaḥ //

nachdem er die beiden Brahmanen dort gesehen hatte, wie Mond und Sonne herangekommen, verneigte er sich vor den beiden Herren der Welt und stand mit gesenktem Antlitz,

Wort für Wort
dṛṣṭvā
nachdem gesehen
tau brāhmaṇau
die beiden Brahmanen
tatra
dort
candrasūryau iva
wie Mond und Sonne
āgatau
herangekommen
namaskṛtya
nachdem sich verneigt
jagannāthau
vor den beiden Herren der Welt
avāṅmukham
mit gesenktem Antlitz
avasthitaḥ
stehend

{rājovāca:} devadevam anādyantam anantaṃ jagatāṃ patim / ārādhayituṃ pratimāṃ karomīti matir mama //

Der König sprach: 'Um den Gott der Götter, den Anfangs- und Endlosen, den unendlichen Herrn der Welten zu verehren, mache ich ein Bildnis' - das ist meine Absicht;

Wort für Wort
devadevam
den Gott der Götter
anādyantam
den Anfangs- und Endlosen
anantam
den unendlichen
jagatām patim
den Herrn der Welten
ārādhayitum
um zu verehren
pratimām
ein Bildnis
karomi
ich mache
iti
so
matiḥ mama
meine Absicht

ahaṃ sa devadevena parameṇa mahātmanā / svapnānte ca samuddiṣṭo bhavadbhyāṃ śrāvitaṃ mayā //

ich wurde von dem höchsten, hochgesinnten Gott der Götter am Ende eines Traumes angewiesen, und ich habe es euch beiden mitgeteilt.'

Wort für Wort
aham
ich
saḥ
dieser
devadevena
vom Gott der Götter
parameṇa
höchsten
mahātmanā
hochgesinnten
svapnānte
am Ende eines Traumes
ca
und
samuddiṣṭaḥ
angewiesen
bhavadbhyām
euch beiden
śrāvitam
mitgeteilt/hören lassen
mayā
von mir

[Anm.: Die Konstruktion "bhavadbhyāṃ śrāvitaṃ mayā" ("von mir euch beiden mitgeteilt/hören lassen") wirkt syntaktisch unrund - gemeint ist wohl, dass der König den beiden soeben von seinem Traum erzählt.]

{brahmovāca:} rājñas tu vacanaṃ śrutvā devendrapratimasya ca / prahasya tasmai viśveśas tuṣṭo vacanam abravīt //

Brahmā sprach: Nachdem er das Wort des Königs gehört hatte, der Indra glich, lächelte der Herr des Alls und sprach zufrieden zu ihm ein Wort:

Wort für Wort
rājñaḥ
des Königs
tu
aber
vacanam
das Wort
śrutvā
nachdem gehört
devendrapratimasya
der Indra glich
ca
und
prahasya
nachdem gelächelt
tasmai
zu ihm
viśveśaḥ
der Herr des Alls
tuṣṭaḥ
zufrieden
vacanam
ein Wort
abravīt
er sprach

{viṣṇur uvāca:} sādhu sādhu mahīpāla yad etan matam uttamam / saṃsārasāgare ghore kadalīdalasaṃnibhe //

Viṣṇu sprach: Wohlgetan, wohlgetan, o Herrscher der Erde, dass dies dein vortrefflicher Entschluss ist! In dem schrecklichen Ozean des Saṃsāra, gleich einem Bananenblatt,

Wort für Wort
sādhu sādhu
wohlgetan, wohlgetan
mahīpāla
o Herrscher der Erde
yat etat
dass dies
matam uttamam
der vortreffliche Entschluss
saṃsārasāgare
im Ozean des Saṃsāra
ghore
schrecklichen
kadalīdalasaṃnibhe
gleich einem Bananenblatt

niḥsāre duḥkhabahule kāmakrodhasamākule / indriyāvartakalile dustare romaharṣaṇe //

ohne Substanz, voller Leid, erfüllt von Begierde und Zorn, trüb von den Strudeln der Sinne, schwer zu überqueren, haarsträubend,

Wort für Wort
niḥsāre
ohne Substanz
duḥkhabahule
voller Leid
kāmakrodhasamākule
erfüllt von Begierde und Zorn
indriyāvartakalile
trüb von den Strudeln der Sinne
dustare
schwer zu überqueren
romaharṣaṇe
haarsträubend

nānāvyādhiśatāvarte jalabudbudasaṃnibhe / yatas te matir utpannā viṣṇor ārādhanāya vai //

in Wirbeln von Hunderten mancherlei Krankheiten, gleich einer Wasserblase - weil dir der Entschluss entstanden ist, Viṣṇu zu verehren,

Wort für Wort
nānāvyādhiśatāvarte
in Wirbeln von Hunderten mancherlei Krankheiten
jalabudbudasaṃnibhe
gleich einer Wasserblase
yataḥ
weil
te
dir
matiḥ
der Entschluss
utpannā
entstanden
viṣṇoḥ ārādhanāya
zur Verehrung Viṣṇus
vai
wahrlich

dhanyas tvaṃ nṛpaśārdūla guṇaiḥ sarvair alaṃkṛtaḥ / saprajā pṛthivī dhanyā saśailavanakānanā //

bist du glückselig, o Tiger unter den Königen, mit allen Tugenden geschmückt; glückselig ist die Erde mit ihren Untertanen, mit ihren Bergen, Wäldern und Hainen,

Wort für Wort
dhanyaḥ
glückselig
tvam
du
nṛpaśārdūla
o Tiger unter den Königen
guṇaiḥ sarvaiḥ
mit allen Tugenden
alaṃkṛtaḥ
geschmückt
saprajā
mit ihren Untertanen
pṛthivī
die Erde
dhanyā
glückselig
saśailavanakānanā
mit ihren Bergen, Wäldern und Hainen

sapuragrāmanagarā caturvarṇair alaṃkṛtā / yatra tvaṃ nṛpaśārdūla prajāḥ pālayitā prabhuḥ //

mit ihren Burgen, Dörfern und Städten, geschmückt mit den vier Kasten, wo du, o Tiger unter den Königen, als Herr die Untertanen beschützt.

Wort für Wort
sapuragrāmanagarā
mit ihren Burgen, Dörfern und Städten
caturvarṇaiḥ
mit den vier Kasten
alaṃkṛtā
geschmückt
yatra
wo
tvam
du
nṛpaśārdūla
o Tiger unter den Königen
prajāḥ
die Untertanen
pālayitā
der Beschützer
prabhuḥ
als Herr

ehy ehi sumahābhāga drume 'smin sukhaśītale / āvābhyāṃ saha tiṣṭha tvaṃ kathābhir dharmasaṃśritaḥ //

Komm, komm, o Hochbeglückter, in diesen wohltuend kühlen Schatten des Baumes; verweile du mit uns beiden, in Gesprächen über den Dharma versunken,

Wort für Wort
ehi ehi
komm, komm
sumahābhāga
o Hochbeglückter
drume asmin
in diesem Baum(-schatten)
sukhaśītale
wohltuend kühl
āvābhyām saha
mit uns beiden
tiṣṭha
verweile
tvam
du
kathābhiḥ
mit Gesprächen
dharmasaṃśritaḥ
im Dharma versunken

ayaṃ mama sahāyas tu āgataḥ śilpināṃ varaḥ / viśvakarmasamaḥ sākṣān nipuṇaḥ sarvakarmasu / mayoddiṣṭāṃ tu pratimāṃ karoty eṣa taṭaṃ tyaja //

Dieser mein Gefährte hier, der gekommen ist, ist der Beste der Handwerker, leibhaftig gleich Viśvakarman, geschickt in allen Arbeiten; er wird das von mir bestimmte Bildnis anfertigen - verlasse das Ufer.

Wort für Wort
ayam
dieser
mama
mein
sahāyaḥ
Gefährte
tu
aber
āgataḥ
gekommen
śilpinām varaḥ
der Beste der Handwerker
viśvakarmasamaḥ
gleich Viśvakarman
sākṣāt
leibhaftig
nipuṇaḥ
geschickt
sarvakarmasu
in allen Arbeiten
mayā uddiṣṭām
von mir bestimmte
tu pratimām
das Bildnis
karoti
er wird machen
eṣaḥ
dieser
taṭam
das Ufer
tyaja
verlasse

[Anm.: dreizeiliger Vers.]

{brahmovāca:} śrutvaivaṃ vacanaṃ tasya tadā rājā dvijanmanaḥ / sāgarasya taṭaṃ tyaktvā gatvā tasya samīpataḥ //

Brahmā sprach: Nachdem er so das Wort jenes Zweifachgeborenen (Brahmanen-gestaltigen Viṣṇu) gehört hatte, verließ der König das Ufer des Ozeans und ging in seine Nähe,

Wort für Wort
śrutvā
nachdem gehört
evam
so
vacanam
das Wort
tasya
jenes
tadā
dann
rājā
der König
dvijanmanaḥ
des Zweifachgeborenen
sāgarasya taṭam
das Ufer des Ozeans
tyaktvā
nachdem verlassen
gatvā
nachdem gegangen
tasya samīpataḥ
in seine Nähe

tasthau sa nṛpatiśreṣṭho vṛkṣacchāye suśītale / tatas tasmai sa viśvātmā dadāv ājñāṃ dvijākṛtiḥ //

jener beste der Könige stand im sehr kühlen Schatten des Baumes; dann gab ihm jener Allseele (Viṣṇu), in Brahmanengestalt, den Befehl,

Wort für Wort
tasthau
er stand
saḥ nṛpatiśreṣṭhaḥ
jener beste der Könige
vṛkṣacchāye
im Schatten des Baumes
suśītale
sehr kühl
tataḥ
dann
tasmai
ihm
saḥ viśvātmā
jene Allseele
dadau
er gab
ājñām
den Befehl
dvijākṛtiḥ
in Brahmanengestalt

śilpimukhyāya viprendrāḥ kuruṣva pratimā iti / kṛṣṇarūpaṃ paraṃ śāntaṃ padmapattrāyatekṣaṇam //

dem vornehmsten der Handwerker, o beste der Brahmanen: 'Mache die Bildnisse!' - eine schwarze (dunkle) Gestalt, höchst friedvoll, mit Augen lang wie Lotosblätter,

Wort für Wort
śilpimukhyāya
dem vornehmsten der Handwerker
viprendrāḥ
o beste der Brahmanen
kuruṣva
mache
pratimāḥ
die Bildnisse
iti
so
kṛṣṇarūpam
eine schwarze Gestalt
param śāntam
höchst friedvoll
padmapattrāyatekṣaṇam
mit Augen lang wie Lotosblätter

śrīvatsakaustubhadharaṃ śaṅkhacakragadādharam / gaurāṅgaṃ kṣīravarṇābhaṃ dvitīyaṃ svastikāṅkitam //

mit dem Śrīvatsa-Zeichen und dem Kaustubha-Juwel geschmückt, mit Muschelhorn, Diskus und Keule; eine zweite, hellgliedrig, von der Farbe der Milch, mit dem Svastika-Zeichen versehen,

Wort für Wort
śrīvatsakaustubhadharam
mit dem Śrīvatsa-Zeichen und dem Kaustubha-Juwel geschmückt
śaṅkhacakragadādharam
mit Muschelhorn, Diskus und Keule
gaurāṅgam
hellgliedrig
kṣīravarṇābham
von der Farbe der Milch
dvitīyam
eine zweite
svastikāṅkitam
mit dem Svastika-Zeichen versehen

lāṅgalāstradharaṃ devam anantākhyaṃ mahābalam / devadānavagandharva- yakṣavidyādharoragaiḥ //

den Gott mit dem Pflug als Waffe, genannt Ananta, von großer Kraft; von Göttern, Dānavas, Gandharvas, Yakṣas, Vidyādharas und Schlangenwesen

Wort für Wort
lāṅgalāstradharam
mit dem Pflug als Waffe
devam
den Gott
anantākhyam
genannt Ananta
mahābalam
von großer Kraft
devadānavagandharvayakṣavidyādharoragaiḥ
von Göttern, Dānavas, Gandharvas, Yakṣas, Vidyādharas und Schlangenwesen

na vijñāto hi tasyāntas tenānanta iti smṛtaḥ / bhaginīṃ vāsudevasya rukmavarṇāṃ suśobhanām //

wurde dessen Ende nicht erkannt, deshalb wird er 'Ananta' (der Endlose) genannt; und die Schwester Vāsudevas, von goldener Farbe, sehr schön,

Wort für Wort
na vijñātaḥ
nicht erkannt
hi
denn
tasya antaḥ
dessen Ende
tena
deshalb
anantaḥ
Ananta (der Endlose)
iti smṛtaḥ
so wird er genannt
bhaginīm
die Schwester
vāsudevasya
Vāsudevas
rukmavarṇām
von goldener Farbe
suśobhanām
sehr schön

[Anm.: "Ananta" ist üblicherweise der Name der kosmischen Weltenschlange (Śeṣa), auf der Viṣṇu ruht; hier wird die zweite, weiße Bildnis-Gestalt (in der Jagannātha-Tradition als Balabhadra/Balarāma identifiziert) mit diesem Namen und dieser Ätiologie versehen.]

tṛtīyāṃ vai subhadrāṃ ca sarvalakṣaṇalakṣitām //*

eine dritte, wahrlich Subhadrā, mit allen Merkmalen gekennzeichnet.

Wort für Wort
tṛtīyām
eine dritte
vai
wahrlich
subhadrām
Subhadrā
ca
und
sarvalakṣaṇalakṣitām
mit allen Merkmalen gekennzeichnet

[Anm.: einzeilige "Halbvers"-Zeile, im Original mit "//*" markiert; die Satzkonstruktion zieht sich von V.43-47 (Aufzählung der drei anzufertigenden Bildnisse: Kṛṣṇa/Jagannātha, Ananta/Balabhadra, Subhadrā - der Ursprungsmythos der berühmten Kultbild-Trias von Puri).]

{brahmovāca:} śrutvaitad vacanaṃ tasya viśvakarmā sukarmakṛt / tatkṣaṇāt kārayām āsa pratimāḥ śubhalakṣaṇāḥ //

Brahmā sprach: Nachdem er dieses Wort von ihm gehört hatte, fertigte Viśvakarman, der Gutes-Werk-Schaffende, sogleich die Bildnisse mit den günstigen Merkmalen an,

Wort für Wort
śrutvā
nachdem gehört
etat vacanam
dieses Wort
tasya
von ihm
viśvakarmā
Viśvakarman
sukarmakṛt
der Gutes-Werk-Schaffende
tatkṣaṇāt
sogleich
kārayām āsa
er fertigte an
pratimāḥ
die Bildnisse
śubhalakṣaṇāḥ
mit den günstigen Merkmalen

prathamaṃ śuklavarṇābhaṃ śāradendusamaprabham / āraktākṣaṃ mahākāyaṃ sphaṭāvikaṭamastakam //

zuerst eine weißfarbene, gleich dem Glanz des Herbstmondes, mit gerötlichen Augen, großem Körper, mit ausgebreiteter, gewaltiger Kapuze,

Wort für Wort
prathamam
zuerst
śuklavarṇābham
weißfarben
śāradendusamaprabham
gleich dem Glanz des Herbstmondes
āraktākṣam
mit gerötlichen Augen
mahākāyam
großem Körper
sphaṭāvikaṭamastakam
mit ausgebreiteter, gewaltiger Kapuze/Haube

[Anm.: Die Ausführung Viśvakarmans beginnt hier mit der weißen (Schlangen-/Ananta-)Gestalt, während die Ankündigung in V.43-46 mit der schwarzen Kṛṣṇa-Gestalt begann - eine gewisse Unschärfe in der Reihenfolge "erste/zweite/dritte" zwischen Ankündigung und Ausführung.]

nīlāmbaradharaṃ cograṃ balaṃ balamadoddhatam / kuṇḍalaikadharaṃ divyaṃ gadāmuśaladhāriṇam //

blaugewandet, und schrecklich, Kraft, stolz von der Trunkenheit der Kraft, einen einzigen göttlichen Ohrring tragend, Keule und Musala-Waffe haltend,

Wort für Wort
nīlāmbaradharam
blaugewandet
ca ugram
und schrecklich
balam
Kraft
balamadoddhatam
stolz von der Trunkenheit der Kraft
kuṇḍalaikadharam
einen einzigen Ohrring tragend
divyam
göttlichen
gadāmuśaladhāriṇam
Keule und Musala-Waffe haltend

dvitīyaṃ puṇḍarīkākṣaṃ nīlajīmūtasaṃnibham / atasīpuṣpasaṃkāśaṃ padmapattrāyatekṣaṇam //

eine zweite, mit lotosgleichen Augen, gleich einer dunklen Regenwolke, gleich der Atasī-Blume, mit Augen lang wie Lotosblätter,

Wort für Wort
dvitīyam
eine zweite
puṇḍarīkākṣam
mit lotosgleichen Augen
nīlajīmūtasaṃnibham
gleich einer dunklen Regenwolke
atasīpuṣpasaṃkāśam
gleich der Atasī-Blume
padmapattrāyatekṣaṇam
mit Augen lang wie Lotosblätter

pītavāsasam atyugraṃ śubhaṃ śrīvatsalakṣaṇam / cakrapūrṇakaraṃ divyaṃ sarvapāpaharaṃ harim //

gelbgewandet, höchst furchterregend, schön, mit dem Śrīvatsa-Zeichen versehen, mit dem Diskus die Hand füllend, göttlich, alle Sünde tilgend - Hari,

Wort für Wort
pītavāsasam
gelbgewandet
atyugram
höchst furchterregend
śubham
schön
śrīvatsalakṣaṇam
mit dem Śrīvatsa-Zeichen versehen
cakrapūrṇakaram
mit dem Diskus die Hand füllend
divyam
göttlich
sarvapāpaharam
alle Sünde tilgend
harim
Hari

tṛtīyāṃ svarṇavarṇābhāṃ padmapattrāyatekṣaṇām / vicitravastrasaṃchannāṃ hārakeyūrabhūṣitām //

eine dritte, von goldener Farbe, mit Augen lang wie Lotosblätter, mit bunten Gewändern bedeckt, mit Halsketten und Armreifen geschmückt,

Wort für Wort
tṛtīyām
eine dritte
svarṇavarṇābhām
von goldener Farbe
padmapattrāyatekṣaṇām
mit Augen lang wie Lotosblätter
vicitravastrasaṃchannām
mit bunten Gewändern bedeckt
hārakeyūrabhūṣitām
mit Halsketten und Armreifen geschmückt

vicitrābharaṇopetāṃ ratnahārāvalambitām / pīnonnatakucāṃ ramyāṃ viśvakarmā vinirmame //

mit buntem Schmuck ausgestattet, mit herabhängenden Juwelenketten, mit vollen, erhabenen Brüsten, lieblich - diese drei Bildnisse fertigte Viśvakarman an,

Wort für Wort
vicitrābharaṇopetām
mit buntem Schmuck ausgestattet
ratnahārāvalambitām
mit herabhängenden Juwelenketten
pīnonnatakucām
mit vollen, erhabenen Brüsten
ramyām
lieblich
viśvakarmā
Viśvakarman
vinirmame
er fertigte an

sa tu rājādbhutaṃ dṛṣṭvā kṣaṇenaikena nirmitāḥ / divyavastrayugacchannā nānāratnair alaṃkṛtāḥ //

Der König aber, nachdem er das Wunder gesehen hatte - in nur einem einzigen Augenblick angefertigt, mit einem Paar göttlicher Gewänder bedeckt, mit mancherlei Juwelen geschmückt,

Wort für Wort
saḥ tu rājā
jener König aber
adbhutam
das Wunder
dṛṣṭvā
nachdem gesehen
kṣaṇena ekena
in einem einzigen Augenblick
nirmitāḥ
angefertigt
divyavastrayugacchannāḥ
mit einem Paar göttlicher Gewänder bedeckt
nānāratnaiḥ
mit mancherlei Juwelen
alaṃkṛtāḥ
geschmückt

sarvalakṣaṇasaṃpannāḥ pratimāḥ sumanoharāḥ / vismayaṃ paramaṃ gatvā idaṃ vacanam abravīt //

mit allen Merkmalen versehene, sehr bezaubernde Bildnisse - geriet in höchstes Erstaunen und sprach dieses Wort:

Wort für Wort
sarvalakṣaṇasaṃpannāḥ
mit allen Merkmalen versehen
pratimāḥ
die Bildnisse
sumanoharāḥ
sehr bezaubernd
vismayam
Erstaunen
paramam
höchstes
gatvā
nachdem geraten
idam vacanam
dieses Wort
abravīt
er sprach

{indradyumna uvāca:} kiṃ devau samanuprāptau dvijarūpadharāv ubhau / ubhau cādbhutakarmāṇau devavṛttāv amānuṣau //

Indradyumna sprach: 'Seid ihr beide Götter, die hierher gekommen sind, beide in Brahmanengestalt gekleidet, beide von wunderbarem Wirken, göttlichem Verhalten, übermenschlich,

Wort für Wort
kim
sind (Fragepartikel)
devau
zwei Götter
samanuprāptau
hierher gekommen
dvijarūpadharau
in Brahmanengestalt gekleidet
ubhau
beide
ca adbhutakarmāṇau
und von wunderbarem Wirken
devavṛttau
göttlichem Verhalten
amānuṣau
übermenschlich

devau vā mānuṣau vāpi yakṣavidyādharau yuvām / kiṃ nu brahmahṛṣīkeśau kiṃ vasū kim utāśvinau //

seid ihr beide Götter oder auch Menschen, Yakṣas oder Vidyādharas? Seid ihr etwa Brahmā und Hṛṣīkeśa, seid ihr zwei Vasus, oder gar die beiden Aśvins?

Wort für Wort
devau vā
Götter oder
mānuṣau vā api
oder auch Menschen
yakṣavidyādharau
Yakṣas oder Vidyādharas
yuvām
ihr beide
kim nu
seid ihr etwa
brahmahṛṣīkeśau
Brahmā und Hṛṣīkeśa
kim vasū
seid ihr zwei Vasus
kim uta aśvinau
oder gar die beiden Aśvins

na vedmi satyasadbhāvau māyārūpeṇa saṃsthitau / yuvāṃ gato 'smi śaraṇam ātmā tu me prakāśyatām //

Ich weiß nicht, ob ihr in wahrer Wesenheit oder in einer Māyā-Gestalt besteht; ich bin zu euch beiden als Zuflucht gegangen - möge mir aber euer wahres Selbst offenbart werden.'

Wort für Wort
na vedmi
ich weiß nicht
satyasadbhāvau
in wahrer Wesenheit
māyārūpeṇa
in einer Māyā-Gestalt
saṃsthitau
bestehend
yuvām
zu euch beiden
gataḥ asmi
ich bin gegangen
śaraṇam
als Zuflucht
ātmā
das Selbst
tu
aber
me
mir
prakāśyatām
möge offenbart werden

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