Quellen der Menschheit

Brahma-Purāṇa

Kapitel 155: kapilatīrthamāhātmyavarṇanam Die Größe des Kapila-Tīrtha (Ursprung der Kapilā aus der Landrückgabe an die Ādityas)

[Anm.: Erzählt den Ursprung des auch Āṅgirasa-, Āditya- und Saiṃhikeya-Tīrtha genannten Kapila-Tīrtha: Die Ādityas geben den Aṅgirasen Land als Opferlohn; das Land wird zur menschenverschlingenden „Saiṃhikī“ (Anklang an die Dämonenmutter Siṃhikā). Da ein einmal gegebener Opferlohn nicht zurückgenommen werden darf, lösen die Ādityas das Dilemma, indem sie das Land in Form eines Kaufs mit einer Kapilā-Kuh zurückerwerben – Ursprung von Kapilā-Fluss und Kapilā-Saṃgama.]

{brahmovāca:} kapilatīrtham ākhyātaṃ tad evāṅgirasaṃ smṛtam / tad evādityam ākhyātaṃ saiṃhikeyaṃ tad ucyate //

{Brahmā sprach:} Das Kapila-Tīrtha wurde verkündet; ebendieses gilt als „Āṅgirasa“. Ebendieses wird als „Āditya“ bezeichnet; ebendieses wird „Saiṃhikeya“ genannt.

Wort für Wort
kapilatīrtham ākhyātaṃ tad evāṅgirasaṃ smṛtam
Das Kapila-Tīrtha wurde verkündet; ebendieses gilt als „Āṅgirasa“.
tad evādityam ākhyātaṃ saiṃhikeyaṃ tad ucyate
Ebendieses wird als „Āditya“ bezeichnet; ebendieses wird „Saiṃhikeya“ genannt.

gautamyā dakṣiṇe pāre ādityān munisattama / ayājayann aṅgiraso dakṣiṇāṃ te bhuvaṃ daduḥ //

Auf dem Südufer der Gautamī, o Bester der Weisen, ließen die Aṅgirasen die Ādityas opfern; diese [Ādityas] gaben ihnen [den Aṅgirasen] als Opferlohn (dakṣiṇā) Land.

Wort für Wort
gautamyā dakṣiṇe pāre ādityān munisattama
Auf dem Südufer der Gautamī, o Bester der Weisen,
ayājayann aṅgiraso dakṣiṇāṃ te bhuvaṃ daduḥ
ließen die Aṅgirasen die Ādityas opfern; diese gaben ihnen als Opferlohn Land.

aṅgirobhyas tadādityās tapase 'ṅgiraso yayuḥ / sā bhūmiḥ saiṃhikī bhūtvā janān sarvān abhakṣayat //

Danach gingen die Ādityas von den Aṅgirasen fort, um im Aṅgiras-Land Askese zu üben [?]. Jenes Land, zur „Saiṃhikī“ geworden, verschlang alle Menschen [dort].

Wort für Wort
aṅgirobhyas tadādityās tapase 'ṅgiraso yayuḥ
Danach gingen die Ādityas von den Aṅgirasen fort, um im Aṅgiras-[Land] Askese zu üben [?].
sā bhūmiḥ saiṃhikī bhūtvā janān sarvān abhakṣayat
Jenes Land, zur „Saiṃhikī“ geworden, verschlang alle Menschen [dort].

[Anm.: Die Syntax der ersten Zeile ist unsicher (doppelte Nennung von 'Aṅgiras' im selben Halbvers, möglicherweise fehlerhaft überliefert); Übersetzung sinngemäß. Die Bezeichnung „Saiṃhikī“ knüpft an Siṃhikā an, die Mutter der dämonischen Saiṃhikeyas (vgl. Kap.-Titel V.1).]

tatrasus te janāḥ sarve aṅgirobhyo nyavedayan / vibhītā jñānato jñātvā bhuvaṃ tāṃ saiṃhikīm iti //

Alle jene Menschen, in Schrecken versetzt, meldeten es den Aṅgirasen, nachdem sie durch [ihre] Erkenntnis jenes Land als „Saiṃhikī“ erkannt hatten, voller Furcht.

Wort für Wort
tatrasus te janāḥ sarve aṅgirobhyo nyavedayan
Alle jene Menschen, in Schrecken versetzt, meldeten es den Aṅgirasen,
vibhītā jñānato jñātvā bhuvaṃ tāṃ saiṃhikīm iti
nachdem sie durch [ihre] Erkenntnis jenes Land als „Saiṃhikī“ erkannt hatten, voller Furcht.

ādityān anugatvātha vācam aṅgiraso 'bruvan / bhuvaṃ gṛhṇantu yā dattā nety ādityās tadābruvan //

Da gingen die Aṅgirasen zu den Ādityas und sprachen die Worte: „Sie sollen das Land zurücknehmen, das [einst] gegeben wurde!“ – „Nein“, sagten die Ādityas darauf.

Wort für Wort
ādityān anugatvātha vācam aṅgiraso 'bruvan
Da gingen die Aṅgirasen zu den Ādityas und sprachen die Worte:
bhuvaṃ gṛhṇantu yā dattā nety ādityās tadābruvan
„Sie sollen das Land zurücknehmen, das [einst] gegeben wurde!“ – „Nein“, sagten die Ādityas darauf.

nivṛttāṃ dakṣiṇāṃ naiva pratigṛhṇanti sūrayaḥ / svadattāṃ paradattāṃ vā yo hareta vasuṃdharām //

Die Weisen nehmen einen zurückgegebenen Opferlohn keinesfalls wieder an; wer selbst gegebenes oder von einem anderen gegebenes Land [zurück-]nimmt,

Wort für Wort
nivṛttāṃ dakṣiṇāṃ naiva pratigṛhṇanti sūrayaḥ
Die Weisen nehmen einen zurückgegebenen Opferlohn keinesfalls wieder an;
svadattāṃ paradattāṃ vā yo hareta vasuṃdharām
wer selbst gegebenes oder von einem anderen gegebenes Land [zurück-]nimmt,

ṣaṣṭir varṣasahasrāṇi viṣṭhāyāṃ jāyate kṛmiḥ / bhūmeḥ svaparadattāyā haraṇān nādhikaṃ kvacit //

wird sechzigtausend Jahre lang als Wurm im Kot wiedergeboren – durch das Wegnehmen von selbst oder von anderen gegebenem Land [gibt es] nirgends [eine Sünde,] die schwerer wiegt.

Wort für Wort
ṣaṣṭir varṣasahasrāṇi viṣṭhāyāṃ jāyate kṛmiḥ
wird sechzigtausend Jahre lang als Wurm im Kot wiedergeboren –
bhūmeḥ svaparadattāyā haraṇān nādhikaṃ kvacit
durch das Wegnehmen von selbst oder von anderen gegebenem Land [gibt es] nirgends [eine Sünde,] die schwerer wiegt.

pāpam asti mahāraudraṃ na svīkurmaḥ punas tu tām / evaṃ yadā svadattāyā haraṇe kiṃ tadā bhavet //

Es ist eine höchst furchtbare Sünde; wir nehmen sie [die Landgabe] darum nicht wieder an. Wenn es sich so [schon] beim Wegnehmen von selbst Gegebenem verhält, was [für eine Sünde] wäre dann [erst beim Wegnehmen von anderswoher Gegebenem]?

Wort für Wort
pāpam asti mahāraudraṃ na svīkurmaḥ punas tu tām
Es ist eine höchst furchtbare Sünde; wir nehmen sie [die Landgabe] darum nicht wieder an.
evaṃ yadā svadattāyā haraṇe kiṃ tadā bhavet
Wenn es sich so [schon] beim Wegnehmen von selbst Gegebenem verhält, was [für eine Sünde] wäre dann [beim Wegnehmen von anderswoher Gegebenem]?

tathāpi krayarūpeṇa gṛhṇīmo dakṣiṇāṃ bhuvam / tathety ukte tu te devāḥ kapilāṃ śubhalakṣaṇām //

Dennoch nehmen wir das Opferlohn-Land in Form eines Kaufes [zurück].“ Als dies mit „So sei es“ bestätigt wurde, [gaben] jene Götter [= die Ādityas] eine Kapilā-Kuh von schönen Merkmalen [Anm.: „kapilā“, die namengebende bräunliche Kuh, klingt an den Tīrtha-Namen an]

Wort für Wort
tathāpi krayarūpeṇa gṛhṇīmo dakṣiṇāṃ bhuvam
Dennoch nehmen wir das Opferlohn-Land in Form eines Kaufes [zurück].
tathety ukte tu te devāḥ kapilāṃ śubhalakṣaṇām
Als dies mit „So sei es“ bestätigt wurde, [gaben] jene Götter eine Kapilā-Kuh von schönen Merkmalen

[Anm.: „kapilā“ bezeichnet zugleich die namengebende bräunliche Kuh und klingt an den Tīrtha-Namen „Kapila-tīrtha“ an.]

gaṅgāyā dakṣiṇe pāre bhuvaḥ sthāne tu tāṃ daduḥ / bhuktimuktipradaḥ sākṣād viṣṇus tiṣṭhati mūrtimān //

auf dem Südufer der Gaṅgā anstelle des Landes; diese [Kuh] gaben sie [den Aṅgirasen]. Dort weilt, verkörpert, leibhaftig Viṣṇu, der Genuss und Erlösung verleiht.

Wort für Wort
gaṅgāyā dakṣiṇe pāre bhuvaḥ sthāne tu tāṃ daduḥ
auf dem Südufer der Gaṅgā anstelle des Landes; diese [Kuh] gaben sie.
bhuktimuktipradaḥ sākṣād viṣṇus tiṣṭhati mūrtimān
Dort weilt, verkörpert, leibhaftig Viṣṇu, der Genuss und Erlösung verleiht.

kapilāsaṃgamaṃ tac ca sarvāghaughavināśanam / tatrābhavad dānatoyād āpagā kapilābhidhā //

Und das ist der „Kapilā-Saṃgama“, der Vernichter aller Sündenfluten; dort entstand aus dem Wasser der Gabe ein Fluss namens „Kapilā“.

Wort für Wort
kapilāsaṃgamaṃ tac ca sarvāghaughavināśanam
Und das ist der „Kapilā-Saṃgama“, der Vernichter aller Sündenfluten;
tatrābhavad dānatoyād āpagā kapilābhidhā
dort entstand aus dem Wasser der Gabe ein Fluss namens „Kapilā“.

sasyavatyā api bhuvo dānād godānam uttamam / lokarakṣāṃ cakārāsau kṛtvā vinimayaṃ muniḥ //

Durch die Gabe des fruchtbaren Landes [entstand zugleich] die vorzüglichste Kuhgabe (godāna); der Weise bewirkte den Schutz der Welt, indem er [so] einen Austausch vollzog.

Wort für Wort
sasyavatyā api bhuvo dānād godānam uttamam
Durch die Gabe des fruchtbaren Landes [entstand zugleich] die vorzüglichste Kuhgabe (godāna);
lokarakṣāṃ cakārāsau kṛtvā vinimayaṃ muniḥ
der Weise bewirkte den Schutz der Welt, indem er [so] einen Austausch vollzog.

yatra tīrthe ca tad vṛttaṃ gotīrthaṃ tad udāhṛtam / puṇyadaṃ tatra tīrthānāṃ śatam uktaṃ manīṣibhiḥ //

Und das Tīrtha, an dem sich dies zutrug, wird „Go-Tīrtha“ genannt; verdienstspendend, [gilt es] dort als hundert Tīrthas gleichwertig, wie die Weisen sagen.

Wort für Wort
yatra tīrthe ca tad vṛttaṃ gotīrthaṃ tad udāhṛtam
Und das Tīrtha, an dem sich dies zutrug, wird „Go-Tīrtha“ genannt;
puṇyadaṃ tatra tīrthānāṃ śatam uktaṃ manīṣibhiḥ
verdienstspendend, [gilt es] dort als hundert Tīrthas gleichwertig, wie die Weisen sagen.

tatra snānena dānena bhūmidānaphalaṃ labhet / saṃgatā gaṅgayā tac ca kapilāsaṃgamaṃ viduḥ //

Dort erlangt man durch Bad und Gabe die Frucht einer Landschenkung; vereinigt mit der Gaṅgā, [ist] das als „Kapilā-Saṃgama“ bekannt.

Wort für Wort
tatra snānena dānena bhūmidānaphalaṃ labhet
Dort erlangt man durch Bad und Gabe die Frucht einer Landschenkung;
saṃgatā gaṅgayā tac ca kapilāsaṃgamaṃ viduḥ
vereinigt mit der Gaṅgā, [ist] das als „Kapilā-Saṃgama“ bekannt.

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