Kapitel 121: vidarbhārevatīsaṃgamamāhātmyavarṇanam
Die Größe des Vidarbhā- und Revatī-Zusammenflusses (Der hässlichen Revatī Erlösung durch Kaṭhas Ehe und Śiva-Verehrung)
Brahmā erzählt: Der Weise Bharadvāja sorgt sich um seine hässliche, entstellt sprechende Schwester Revatī, für die sich kein Ehemann findet. Sein Schüler Kaṭha, der bei ihm vollständiges Wissen erlangt, bittet um eine Gelegenheit zur Gurudakṣiṇā; Bharadvāja verlangt, dass Kaṭha Revatī heiratet. Trotz anfänglicher Bedenken (der Schüler-Guru-Beziehung, die eher familiär als ehelich sein sollte) willigt Kaṭha ein. Durch gemeinsame Śiva-Verehrung wird Revatī überaus schön; aus ihrem Weihwasser entsteht der Fluss Revatī, aus einer zweiten Weihung mit Darbha-Gras der Fluss Vidarbhā. Beide Zusammenflüsse mit der Gaṅgā bzw. Gautamī gewähren Genuss und Erlösung.
{brahmovāca: }
vidarbhāsaṃgamaṃ puṇyaṃ revatīsaṃgamaṃ tathā /
tatra yad vṛttam ākhyāsye yat purāṇavido viduḥ // BrP_121.1 //
Brahmā sprach: 'Der heilige Vidarbhā-Zusammenfluss, ebenso der Revatī-Zusammenfluss – was sich dort ereignete, werde ich erzählen, was die Purāṇa-Kundigen wissen.'
Wort für Wort
vidarbhāsaṃgamaṃ puṇyaṃ revatīsaṃgamaṃ tathā
der heilige Vidarbhā-Zusammenfluss, ebenso der Revatī-Zusammenfluss
tatra yad vṛttam ākhyāsye yat purāṇavido viduḥ
was sich dort ereignete, werde ich erzählen, was die Purāṇa-Kundigen wissen
Es gab einen als Bharadvāja bekannten Weisen, reich an Askese; seine Schwester namens Revatī war hässlich und hatte eine entstellte Stimme.
Wort für Wort
bharadvāja iti khyāta ṛṣir āsīt tapodhikaḥ
es gab einen als Bharadvāja bekannten Weisen, reich an Askese
tasya svasā revatīti kurūpā vikṛtasvarā
seine Schwester namens Revatī war hässlich und hatte eine entstellte Stimme
[Anm.: Diese Revatī ist eine andere Figur als die gleichnamige Tochter des Kakudmī aus früheren Genealogie-Kapiteln – Namensgleichheit ohne inhaltlichen Bezug.]
aho bhūyān na kasyāpi kanyā duḥkhaikakāraṇam /
maraṇaṃ jīvato 'py asya prāṇinas tu pade pade // BrP_121.5 //
'Ach, für niemanden ist eine unverheiratete Tochter etwas anderes als eine Quelle des Leides; für dieses Lebewesen ist es, obwohl es lebt, wie ein Sterben bei jedem Schritt.'
Wort für Wort
aho bhūyān na kasyāpi kanyā duḥkhaikakāraṇam
ach, für niemanden ist eine Tochter etwas anderes als eine Quelle des Leides
maraṇaṃ jīvato 'py asya prāṇinas tu pade pade
für dieses Lebewesen ist es, obwohl es lebt, wie ein Sterben bei jedem Schritt
kaṭho 'py āha bharadvājaṃ vidyārthy aham upāgataḥ /
tathā ca darśanākāṅkṣī yad yuktaṃ tad vidhīyatām // BrP_121.9 //
Kaṭha sprach zu Bharadvāja: 'Ich bin als nach Wissen Strebender gekommen, ebenso im Verlangen nach deinem Anblick; was angemessen ist, das möge veranlasst werden.'
Wort für Wort
kaṭho 'py āha bharadvājaṃ vidyārthy aham upāgataḥ
Kaṭha sprach zu Bharadvāja: ich bin als nach Wissen Strebender gekommen
tathā ca darśanākāṅkṣī yad yuktaṃ tad vidhīyatām
ebenso im Verlangen nach deinem Anblick; was angemessen ist, das möge veranlasst werden
'Ich will alles wissen, o Hochweiser, sprich Angenehmes, säume nicht.' Ein wohlgeborener, dem Dharma ergebener, dem Dienst am Guru zugetaner, selbstbewusster, das Gehörte bewahrender Schüler wird durch frühere Verdienste erlangt.
Wort für Wort
sarvaṃ vedmi mahāprājña ruciraṃ vada mā ciram
ich will alles wissen, o Hochweiser, sprich Angenehmes, säume nicht
kulīno dharmanirato guruśuśrūṣaṇe rataḥ
ein wohlgeborener, dem Dharma ergebener, dem Dienst am Guru zugetaner
abhimānī śrutadharaḥ śiṣyaḥ puṇyair avāpyate
selbstbewusster, das Gehörte bewahrender Schüler wird durch (frühere) Verdienste erlangt
[Anm.: Vers mit drei Zeilen im Original; die letzte Zeile wirkt wie ein eingeschobener, verallgemeinernder Kommentar der Rahmenerzählung über Kaṭha als idealen Schüler.]
Kaṭha sprach: 'Unterrichte mich, o Brahmane, deinen von Makel freien Schüler, der dem Dienst zugetan, hingebungsvoll, wohlgeboren und wahrheitsliebend ist.'
Wort für Wort
adhyāpayasva bho brahmañ śiṣyaṃ māṃ vītakalmaṣam
unterrichte mich, o Brahmane, deinen von Makel freien Schüler
śuśrūṣaṇarataṃ bhaktaṃ kulīnaṃ satyavādinam
der dem Dienst zugetan, hingebungsvoll, wohlgeboren und wahrheitsliebend ist
Brahmā sprach: 'So sei es', sprach Bharadvāja und gab ihm das Wissen vollständig; nachdem Kaṭha das Wissen erlangt hatte, sprach er erfreut zu Bharadvāja:
Wort für Wort
tathety uktvā bharadvājaḥ prādād vidyām aśeṣataḥ
'so sei es' sprach Bharadvāja und gab ihm das Wissen vollständig
prāptavidyaḥ kaṭhaḥ prīto bharadvājam athābravīt
nachdem Kaṭha das Wissen erlangt hatte, sprach er erfreut zu Bharadvāja
Kaṭha sprach: 'Ich möchte dir, o Guru, eine deinem Herzen liebe Gabe (Dakṣiṇā) geben; nenne sie, o Guru, sei sie auch schwer zu erlangen – Verehrung sei dir.'
Wort für Wort
iccheyaṃ dakṣiṇāṃ dātuṃ guro tava manaḥpriyām
ich möchte dir, o Guru, eine deinem Herzen liebe Gabe geben
vadasva durlabhaṃ vāpi guro tubhyaṃ namo 'stu te
nenne sie, o Guru, sei sie auch schwer zu erlangen, Verehrung sei dir
vidyāṃ prāpyāpi ye mohāt svaguroḥ pāritoṣikam /
na prayacchanti nirayaṃ te yānty ācandratārakam // BrP_121.15 //
'Diejenigen, die, obwohl sie Wissen erlangt haben, aus Verblendung ihrem eigenen Guru keine Gabe der Freude geben, gehen zur Hölle, solange Mond und Sterne bestehen.'
Wort für Wort
vidyāṃ prāpyāpi ye mohāt svaguroḥ pāritoṣikam
diejenigen, die, obwohl sie Wissen erlangt haben, aus Verblendung ihrem eigenen Guru eine Gabe der Freude
na prayacchanti nirayaṃ te yānty ācandratārakam
nicht geben, gehen zur Hölle, solange Mond und Sterne bestehen
{bharadvāja uvāca: }
gṛhāṇa kanyāṃ vidhivad bhāryāṃ kuru mama svasām /
asyāṃ prītyā vartitavyaṃ yāceyaṃ dakṣiṇām imām // BrP_121.16 //
Bharadvāja sprach: 'Nimm die Jungfrau gebührend an, mache meine Schwester zu deiner Gattin; mit Liebe sollst du dich ihr gegenüber verhalten – diese Gabe erbitte ich.'
Wort für Wort
gṛhāṇa kanyāṃ vidhivad bhāryāṃ kuru mama svasām
nimm die Jungfrau gebührend an, mache meine Schwester zu deiner Gattin
asyāṃ prītyā vartitavyaṃ yāceyaṃ dakṣiṇām imām
mit Liebe sollst du dich ihr gegenüber verhalten, diese Gabe erbitte ich
{kaṭha uvāca: }
bhrātṛvat putravac cāpi śiṣyaḥ syāt tu guroḥ sadā /
guruś ca pitṛvac ca syāt saṃbandho 'tra kathaṃ bhavet // BrP_121.17 //
Kaṭha sprach: 'Wie ein Bruder und auch wie ein Sohn soll der Schüler dem Guru stets sein, und der Guru soll wie ein Vater sein – wie könnte da diese Verbindung bestehen?'
Wort für Wort
bhrātṛvat putravac cāpi śiṣyaḥ syāt tu guroḥ sadā
wie ein Bruder und auch wie ein Sohn soll der Schüler dem Guru stets sein
guruś ca pitṛvac ca syāt saṃbandho 'tra kathaṃ bhavet
und der Guru soll wie ein Vater sein, wie könnte da diese Verbindung bestehen