Quellen der Menschheit

Brahma-Purāṇa

Kapitel 127: devatīrthamāhātmyavarṇanam Die Größe des Deva-Tīrtha (Devāpi und die Errettung Ārṣṭiṣeṇas aus Rasātala)

Ārṣṭiṣeṇa übergibt vor einem Rossopfer die Herrschaft seinem Sohn Bhara und lässt sich mit seinem Hauspriester weihen; der Dānava Mithu zerstört das Opfer und entführt König, Königin und Hauspriester nach Rasātala (die Unterwelt) (V.1-9). Devāpi, der kindliche Sohn des Hauspriesters, entdeckt das Fehlen seines Vaters und schwört, durch Askese alle Verschleppten zurückzuholen (V.10-20). Er wendet sich der Reihe nach an die Opferpriester, an Agni, an die Götter, an die Veden und schließlich an Maheśvara (Śiva) selbst, wobei jede Instanz auf die nächsthöhere verweist, da sie sich selbst als abhängig bekennt (V.21-46). An der Gautamī (Godāvarī) preist Devāpi Śiva mit einer Hymne (V.47-53); Śiva erscheint, gewährt ihm die Rückkehr von König, Königin, Vater und Lehrer sowie den Tod seines Feindes und entsendet Nandin, der Mithu tötet und die Gefangenen befreit (V.54-59). Das Rossopfer wird erfolgreich vollendet; Ursprung des Deva-Tīrtha, wo Śiva leibhaftig erschien, mit 15800 Nebentīrthas an beiden Ufern (V.60-64). V.31 bleibt in der genauen Sprecherzuordnung unklar (siehe Anmerkung dort); V.46 nennt Devāpis Vater erstmals namentlich als Upamanyu; V.52 bleibt inhaltlich schwer greifbar.

{brahmovāca:} devatīrtham iti khyātaṃ gaṅgāyā uttare taṭe / tasya prabhāvaṃ vakṣyāmi sarvapāpapraṇāśanam // BrP_127.1 //

Brahma sprach: Das als Deva-Tīrtha bekannte [Tīrtha] am nördlichen Ufer der Gaṅgā - seine Macht will ich verkünden, die alle Sünde vernichtet.

Wort für Wort
devatīrtham iti khyātaṃ gaṅgāyā uttare taṭe
das als Deva-Tīrtha bekannte [Tīrtha] am nördlichen Ufer der Gaṅgā
tasya prabhāvaṃ vakṣyāmi sarvapāpapraṇāśanam
seine Macht will ich verkünden, die alle Sünde vernichtet

ārṣṭiṣeṇa iti khyāto rājā sarvaguṇānvitaḥ / tasya bhāryā jayā nāma sākṣāl lakṣmīr ivāparā // BrP_127.2 //

Es gab einen als Ārṣṭiṣeṇa bekannten König, mit allen guten Eigenschaften ausgestattet; seine Gattin, namens Jayā, war wie eine zweite leibhaftige Lakṣmī.

Wort für Wort
ārṣṭiṣeṇa iti khyāto rājā sarvaguṇānvitaḥ
ein als Ārṣṭiṣeṇa bekannter König, mit allen guten Eigenschaften ausgestattet
tasya bhāryā jayā nāma sākṣāl lakṣmīr ivāparā
seine Gattin, namens Jayā, wie eine zweite leibhaftige Lakṣmī

tasya putro bharo nāma matimān pitṛvatsalaḥ / dhanurvede ca vede ca niṣṇāto dakṣa eva ca // BrP_127.3 //

Sein Sohn, namens Bhara, war klug, seinem Vater ergeben, in der Bogenschieß-Wissenschaft und im Veda bewandert und geschickt.

Wort für Wort
tasya putro bharo nāma matimān pitṛvatsalaḥ
sein Sohn, namens Bhara, klug, seinem Vater ergeben
dhanurvede ca vede ca niṣṇāto dakṣa eva ca
in der Bogenschieß-Wissenschaft und im Veda bewandert und geschickt

tasya bhāryā rūpavatī suprabhety abhiviśrutā / ārṣṭiṣeṇas tato rājā putre rājyaṃ niveśya saḥ // BrP_127.4 //

Dessen Gattin war schön und als Suprabhā weithin bekannt; da übertrug König Ārṣṭiṣeṇa daraufhin dem Sohn die Herrschaft

Wort für Wort
tasya bhāryā rūpavatī suprabhety abhiviśrutā
dessen Gattin war schön und als Suprabhā weithin bekannt
ārṣṭiṣeṇas tato rājā putre rājyaṃ niveśya saḥ
da übertrug König Ārṣṭiṣeṇa daraufhin dem Sohn die Herrschaft

purodhasā ca mukhyena dīkṣāṃ cakre nareśvaraḥ / sarasvatyās tatas tīre hayamedhāya yatnavān // BrP_127.5 //

und ließ sich mit dem obersten Hauspriester weihen, der Herrscher der Menschen, eifrig bemüht am Ufer der Sarasvatī zum Rossopfer.

Wort für Wort
purodhasā ca mukhyena dīkṣāṃ cakre nareśvaraḥ
und ließ sich mit dem obersten Hauspriester weihen, der Herrscher der Menschen
sarasvatyās tatas tīre hayamedhāya yatnavān
eifrig bemüht am Ufer der Sarasvatī zum Rossopfer

ṛtvigbhir ṛṣimukhyaiś ca vedaśāstraparāyaṇaiḥ / dīkṣitaṃ taṃ nṛpaśreṣṭhaṃ brāhmaṇāgnisamīpataḥ // BrP_127.6 //

durch die Opferpriester und die vornehmsten, dem Veda und den Lehrschriften ergebenen Weisen wurde der beste der Könige nahe den Brahmanen und dem Feuer geweiht.

Wort für Wort
ṛtvigbhir ṛṣimukhyaiś ca vedaśāstraparāyaṇaiḥ
durch die Opferpriester und die vornehmsten, dem Veda und den Lehrschriften ergebenen Weisen
dīkṣitaṃ taṃ nṛpaśreṣṭhaṃ brāhmaṇāgnisamīpataḥ
wurde der beste der Könige nahe den Brahmanen und dem Feuer geweiht

mithur dānavarāṭ śūraḥ pāpabuddhiḥ pratāpavān / makhaṃ vidhvasya nṛpatiṃ sabhāryaṃ sapurohitam // BrP_127.7 //

Mithu, der Dānava-König, tapfer, von böser Gesinnung, machtvoll, zerstörte das Opfer und [entführte] den König samt Gattin und Hauspriester

Wort für Wort
mithur dānavarāṭ śūraḥ pāpabuddhiḥ pratāpavān
Mithu, der Dānava-König, tapfer, von böser Gesinnung, machtvoll
makhaṃ vidhvasya nṛpatiṃ sabhāryaṃ sapurohitam
zerstörte das Opfer und [entführte] den König samt Gattin und Hauspriester

ādāya vegāt sa prāgād rasātalatalaṃ mune / nīte tasmin nṛpavare yajñe naṣṭe tato 'marāḥ // BrP_127.8 //

und eilte mit ihnen fort in die Tiefe von Rasātala, o Weiser; als jener beste der Könige fortgeführt und das Opfer zerstört war, gingen die Unsterblichen

Wort für Wort
ādāya vegāt sa prāgād rasātalatalaṃ mune
und eilte mit ihnen fort in die Tiefe von Rasātala, o Weiser
nīte tasmin nṛpavare yajñe naṣṭe tato 'marāḥ
als jener beste der Könige fortgeführt und das Opfer zerstört war, [gingen] die Unsterblichen

ṛtvijaś ca yayuḥ sarve svaṃ svaṃ sthānaṃ makhāt tataḥ / purohitasuto rājño devāpir iti viśrutaḥ // BrP_127.9 //

und alle Opferpriester gingen daraufhin vom Opfer zu ihrem jeweiligen Ort zurück; der Sohn des Hauspriesters des Königs, als Devāpi bekannt,

Wort für Wort
ṛtvijaś ca yayuḥ sarve svaṃ svaṃ sthānaṃ makhāt tataḥ
und alle Opferpriester gingen daraufhin vom Opfer zu ihrem jeweiligen Ort zurück
purohitasuto rājño devāpir iti viśrutaḥ
der Sohn des Hauspriesters des Königs, als Devāpi bekannt

bālas tāṃ mātaraṃ dṛṣṭvā ātmanaḥ pitaraṃ na ca / dṛṣṭvā savismayo bhūtvā duḥkhito 'tīva cābhavat // BrP_127.10 //

der Knabe, als er seine Mutter sah, aber seinen eigenen Vater nicht sah, wurde voller Erstaunen und war überaus betrübt.

Wort für Wort
bālas tāṃ mātaraṃ dṛṣṭvā ātmanaḥ pitaraṃ na ca
der Knabe, als er seine Mutter sah, aber seinen eigenen Vater nicht
dṛṣṭvā savismayo bhūtvā duḥkhito 'tīva cābhavat
sah, wurde voller Erstaunen und war überaus betrübt

sa mātaraṃ tu papraccha pitā me kva gato 'mbike / pitṛhīno na jīveyaṃ mātaḥ satyaṃ vadasva me // BrP_127.11 //

Er fragte die Mutter: Wohin ist mein Vater gegangen, o Mütterchen? Ohne Vater will ich nicht leben, Mutter, sprich mir die Wahrheit.

Wort für Wort
sa mātaraṃ tu papraccha pitā me kva gato 'mbike
er fragte die Mutter: wohin ist mein Vater gegangen, o Mütterchen?
pitṛhīno na jīveyaṃ mātaḥ satyaṃ vadasva me
ohne Vater will ich nicht leben, Mutter, sprich mir die Wahrheit

dhig dhik pitṛvihīnānāṃ jīvitaṃ pāpakarmaṇām / na vakṣi yadi me mātar jalam agnim athāviśe // BrP_127.12 //

Schande, Schande über das Leben derer, die ohne Vater sind und böse Taten begingen - wenn du es mir nicht sagst, Mutter, werde ich ins Wasser oder ins Feuer gehen.

Wort für Wort
dhig dhik pitṛvihīnānāṃ jīvitaṃ pāpakarmaṇām
Schande, Schande über das Leben derer, die ohne Vater sind und böse Taten begingen
na vakṣi yadi me mātar jalam agnim athāviśe
wenn du es mir nicht sagst, Mutter, werde ich ins Wasser oder ins Feuer gehen

putraṃ provāca sā mātā rājño bhāryā purodhasaḥ / dānavena talaṃ nīto rājñā saha pitā tava // BrP_127.13 //

Da sprach die Mutter, die Gattin des königlichen Hauspriesters, zum Sohn: Von dem Dānava wurde dein Vater zusammen mit dem König in die Unterwelt geführt.

Wort für Wort
putraṃ provāca sā mātā rājño bhāryā purodhasaḥ
da sprach die Mutter, die Gattin des königlichen Hauspriesters, zum Sohn
dānavena talaṃ nīto rājñā saha pitā tava
von dem Dānava wurde dein Vater zusammen mit dem König in die Unterwelt geführt

{devāpir uvāca:} kva nītaḥ kena vā nītaḥ kathaṃ nītaḥ kva karmaṇi / keṣu paśyatsu kiṃ sthānaṃ dānavasya vadasva me // BrP_127.14 //

Devāpi sprach: Wohin wurde er geführt, von wem wurde er geführt, wie wurde er geführt, bei welchem Werk? Vor wessen Augen? Welchen Ort hat der Dānava? Sag mir das.

Wort für Wort
kva nītaḥ kena vā nītaḥ kathaṃ nītaḥ kva karmaṇi
wohin wurde er geführt, von wem wurde er geführt, wie wurde er geführt, bei welchem Werk?
keṣu paśyatsu kiṃ sthānaṃ dānavasya vadasva me
vor wessen Augen? Welchen Ort hat der Dānava? Sag mir das

{mātovāca:} dīkṣitaṃ yajñasadasi sabhāryaṃ sapurodhasam / rājānaṃ taṃ mithur daityo nītavān sa rasātalam / paśyatsu devasaṃgheṣu vahnibrāhmaṇasaṃnidhau // BrP_127.15 //

Die Mutter sprach: Den in der Opferversammlung geweihten König führte, samt Gattin und Hauspriester, der Daitya Mithu nach Rasātala fort, vor den Augen der Götterscharen, in Gegenwart von Feuer und Brahmanen.

Wort für Wort
dīkṣitaṃ yajñasadasi sabhāryaṃ sapurodhasam
den in der Opferversammlung geweihten König, samt Gattin und Hauspriester
rājānaṃ taṃ mithur daityo nītavān sa rasātalam
führte der Daitya Mithu nach Rasātala fort
paśyatsu devasaṃgheṣu vahnibrāhmaṇasaṃnidhau
vor den Augen der Götterscharen, in Gegenwart von Feuer und Brahmanen

[Anm.: Dreizeiliger Vers im Original.]

{brahmovāca:} tan mātṛvacanaṃ śrutvā devāpiḥ kṛtyam asmarat / devān paśye 'thavāgniṃ vā ṛtvijo vāsurāṃs tathā // BrP_127.16 //

Brahma sprach: Diese Worte der Mutter hörend, gedachte Devāpi der zu tuenden Handlung: Ich will die Götter aufsuchen, oder das Feuer, oder die Opferpriester, oder auch die Asuras.

Wort für Wort
tan mātṛvacanaṃ śrutvā devāpiḥ kṛtyam asmarat
diese Worte der Mutter hörend, gedachte Devāpi der zu tuenden Handlung
devān paśye 'thavāgniṃ vā ṛtvijo vāsurāṃs tathā
ich will die Götter aufsuchen, oder das Feuer, oder die Opferpriester, oder die Asuras

eteṣv eva pitānveṣyo nānyatreti matir mama / iti niścitya devāpir bharaṃ prāha nṛpātmajam // BrP_127.17 //

Nur bei diesen ist der Vater zu suchen, nirgendwo anders - das ist meine Ansicht; so entschlossen sprach Devāpi zu Bhara, dem Königssohn.

Wort für Wort
eteṣv eva pitānveṣyo nānyatreti matir mama
nur bei diesen ist der Vater zu suchen, nirgendwo anders - das ist meine Ansicht
iti niścitya devāpir bharaṃ prāha nṛpātmajam
so entschlossen sprach Devāpi zu Bhara, dem Königssohn

{devāpir uvāca:} tapasā brahmacaryeṇa vratena niyamena ca / ānetavyā mayā sarve nītā ye ca rasātalam // BrP_127.18 //

Devāpi sprach: Durch Askese, Keuschheit, Gelübde und Regelbefolgung sollen von mir alle zurückgeholt werden, die nach Rasātala geführt wurden.

Wort für Wort
tapasā brahmacaryeṇa vratena niyamena ca
durch Askese, Keuschheit, Gelübde und Regelbefolgung
ānetavyā mayā sarve nītā ye ca rasātalam
sollen von mir alle zurückgeholt werden, die nach Rasātala geführt wurden

jāte parābhave ghore yo na kuryāt pratikriyām / narādhamena kiṃ tena jīvatā vā mṛtena vā // BrP_127.19 //

Wenn eine schreckliche Niederlage geschehen ist und einer keine Gegenmaßnahme ergreift - was nützt ein solcher niedrigster Mensch, ob lebend oder tot?

Wort für Wort
jāte parābhave ghore yo na kuryāt pratikriyām
wenn eine schreckliche Niederlage geschehen ist und einer keine Gegenmaßnahme ergreift
narādhamena kiṃ tena jīvatā vā mṛtena vā
was nützt ein solcher niedrigster Mensch, ob lebend oder tot?

tvaṃ praśādhi mahīṃ kṛtsnām ārṣṭiṣeṇaḥ pitā yathā / mātā mama tvayā pālyā rājan yāvan mamāgatiḥ / bhavec ca kṛtakāryasya anujānīhi māṃ bhara // BrP_127.20 //

Regiere du die ganze Erde, so wie [dein] Vater Ārṣṭiṣeṇa; meine Mutter soll von dir beschützt werden, o König, solange bis meine Rückkehr erfolgt, nach vollbrachter Aufgabe; entlasse mich, Bhara.

Wort für Wort
tvaṃ praśādhi mahīṃ kṛtsnām ārṣṭiṣeṇaḥ pitā yathā
regiere du die ganze Erde, so wie [dein] Vater Ārṣṭiṣeṇa
mātā mama tvayā pālyā rājan yāvan mamāgatiḥ
meine Mutter soll von dir beschützt werden, o König, solange bis meine Rückkehr erfolgt
bhavec ca kṛtakāryasya anujānīhi māṃ bhara
nach vollbrachter Aufgabe; entlasse mich, Bhara

[Anm.: Dreizeiliger Vers im Original.]

{brahmovāca:} bhareṇoktaḥ sa devāpiḥ sarvaṃ niścitya yatnataḥ //* BrP_127.21 //

Brahma sprach: Von Bhara angesprochen, [erwiderte] jener Devāpi, alles mit Mühe entschlossen habend:

Wort für Wort
bhareṇoktaḥ sa devāpiḥ
von Bhara angesprochen, jener Devāpi
sarvaṃ niścitya yatnataḥ
alles mit Mühe entschlossen habend

[Anm.: Unvollständiger Halbvers im Original.]

{bhara uvāca:} siddhiṃ kuru sukhaṃ yāhi mā cintām alpikāṃ bhaja //* BrP_127.22 //

Bhara sprach: Erlange den Erfolg, geh in Frieden, hege keine geringste Sorge.

Wort für Wort
siddhiṃ kuru sukhaṃ yāhi
erlange den Erfolg, geh in Frieden
mā cintām alpikāṃ bhaja
hege keine geringste Sorge

[Anm.: Unvollständiger Halbvers im Original.]

tato devāpir amara-rājāṅghridhyānatatparaḥ / ṛtvijo 'nveṣya yatnena natvā tān ṛtvijaḥ pṛthak / kṛtāñjalipuṭo bālo devāpir vākyam abravīt // BrP_127.23 //

Da machte sich Devāpi, versunken in Meditation über die Füße des Götterkönigs, mit Mühe auf die Suche nach den Opferpriestern; nachdem er sich vor jedem Opferpriester einzeln verneigt hatte, sprach der Knabe Devāpi mit gefalteten Händen dieses Wort:

Wort für Wort
tato devāpir amara-rājāṅghridhyānatatparaḥ
da [wurde] Devāpi, versunken in Meditation über die Füße des Götterkönigs
ṛtvijo 'nveṣya yatnena natvā tān ṛtvijaḥ pṛthak
machte sich mit Mühe auf die Suche nach den Opferpriestern, verneigte sich vor jedem einzeln
kṛtāñjalipuṭo bālo devāpir vākyam abravīt
der Knabe Devāpi sprach mit gefalteten Händen dieses Wort

[Anm.: Dreizeiliger Vers im Original. 'amararāja' (Götterkönig) bleibt unspezifiziert, wohl Indra gemeint.]

{devāpir uvāca:} bhavadbhiś ca makho rakṣyo yajamānaś ca dīkṣitaḥ / purodhāś ca tathā rakṣyaḥ patnī yā dīkṣitasya tu // BrP_127.24 //

Devāpi sprach: Von euch sollte das Opfer beschützt werden, und der geweihte Opferherr; ebenso sollte der Hauspriester beschützt werden und die Gattin des Geweihten.

Wort für Wort
bhavadbhiś ca makho rakṣyo yajamānaś ca dīkṣitaḥ
von euch sollte das Opfer beschützt werden, und der geweihte Opferherr
purodhāś ca tathā rakṣyaḥ patnī yā dīkṣitasya tu
ebenso sollte der Hauspriester beschützt werden und die Gattin des Geweihten

bhavatsu tatra paśyatsu yajñaṃ vidhvasya daityarāṭ / rājādayas tena nītās tan na yuktatamaṃ bhavet // BrP_127.25 //

Während ihr zusaht, zerstörte der Daitya-König das Opfer, und der König und die anderen wurden von ihm fortgeführt - das war höchst unangemessen.

Wort für Wort
bhavatsu tatra paśyatsu yajñaṃ vidhvasya daityarāṭ
während ihr zusaht, zerstörte der Daitya-König das Opfer
rājādayas tena nītās tan na yuktatamaṃ bhavet
und der König und die anderen wurden von ihm fortgeführt - das war höchst unangemessen

athāpy etad ahaṃ manye bhavantas tān arogiṇaḥ / dātum arhanti tān sarvān anyathā śāpam arhatha // BrP_127.26 //

Dennoch denke ich dies: Ihr solltet imstande sein, sie alle wohlbehalten zurückzugeben, andernfalls verdient ihr einen Fluch.

Wort für Wort
athāpy etad ahaṃ manye bhavantas tān arogiṇaḥ
dennoch denke ich dies: ihr solltet imstande sein, sie wohlbehalten
dātum arhanti tān sarvān anyathā śāpam arhatha
zurückzugeben, andernfalls verdient ihr einen Fluch

{ṛtvija ūcuḥ:} makhe 'gniḥ prathamaṃ pūjyo hy agnir evātra daivatam / tasmād vayaṃ na jānīmo hy agnīnāṃ paricārakāḥ // BrP_127.27 //

Die Opferpriester sprachen: Beim Opfer wird zuerst das Feuer verehrt, das Feuer allein ist hier die Gottheit; darum wissen wir nichts [weiter], wir sind ja nur Diener des Feuers.

Wort für Wort
makhe 'gniḥ prathamaṃ pūjyo hy agnir evātra daivatam
beim Opfer wird zuerst das Feuer verehrt, das Feuer allein ist hier die Gottheit
tasmād vayaṃ na jānīmo hy agnīnāṃ paricārakāḥ
darum wissen wir nichts, wir sind ja nur Diener des Feuers

sa eva dātā bhoktā ca hartā kartā ca havyavāṭ //* BrP_127.28 //

Es [das Feuer] allein ist Geber und Genießer, Nehmer, Vollbringer und Träger der Opfergabe.

Wort für Wort
sa eva dātā bhoktā ca
es allein ist Geber und Genießer
hartā kartā ca havyavāṭ
Nehmer, Vollbringer und Träger der Opfergabe

[Anm.: Unvollständiger Halbvers im Original.]

{brahmovāca:} ṛtvijaḥ pṛṣṭhataḥ kṛtvā devāpir jātavedasam / pūjayitvā yathānyāyam agnaye tan nyavedayat // BrP_127.29 //

Brahma sprach: Devāpi, nachdem er die Opferpriester hinter sich gelassen hatte, verehrte das Feuer (Jātavedas) vorschriftsmäßig und trug ihm dies vor.

Wort für Wort
ṛtvijaḥ pṛṣṭhataḥ kṛtvā devāpir jātavedasam
Devāpi, nachdem er die Opferpriester hinter sich gelassen hatte, [wandte sich an] das Feuer
pūjayitvā yathānyāyam agnaye tan nyavedayat
verehrte es vorschriftsmäßig und trug es dem Feuer vor

{agnir uvāca:} yathartvijas tathā cāhaṃ devānāṃ paricārakaḥ / havyaṃ vahāmi devānāṃ bhoktāro rakṣakāś ca te // BrP_127.30 //

Agni sprach: Wie die Opferpriester, so bin auch ich nur ein Diener der Götter; ich trage die Opfergabe zu den Göttern, sie sind die Genießer und Beschützer.

Wort für Wort
yathartvijas tathā cāhaṃ devānāṃ paricārakaḥ
wie die Opferpriester, so bin auch ich nur ein Diener der Götter
havyaṃ vahāmi devānāṃ bhoktāro rakṣakāś ca te
ich trage die Opfergabe zu den Göttern, sie sind die Genießer und Beschützer

{devāpir uvāca:} devān āhūya yatnena havirbhāgān pṛthak pṛthak / dāsye 'ham eṣa doṣo me tasmād yāhi surān prati // BrP_127.31 //

Devāpi sprach: Wenn ich selbst mit Mühe die Götter herbeiriefe und ihnen einzeln die Opferanteile gäbe [?], wäre dies mein Vergehen; darum gehe [ich nun] zu den Göttern.

Wort für Wort
devān āhūya yatnena havirbhāgān pṛthak pṛthak
wenn ich die Götter herbeiriefe und ihnen einzeln die Opferanteile gäbe
dāsye 'ham eṣa doṣo me tasmād yāhi surān prati
wäre dies mein Vergehen; darum gehe [ich] zu den Göttern

[?] [Anm.: Die genaue Rollenverteilung dieses Verses ist unklar - die Sprecherangabe 'devāpir uvāca' und der Imperativ 'yāhi' (2. Pers. Sg., 'gehe!') stehen in Spannung; hier als Devāpis eigener, an sich selbst gerichteter Entschluss aufgefasst, konsistent mit V.32, wo Devāpi tatsächlich selbst zu den Göttern gelangt.]

{brahmovāca:} devāpiḥ sa surān prāpya natvā tebhyaḥ pṛthak pṛthak / ṛtvigvākyaṃ cāgnivākyaṃ śāpaṃ cāpi nyavedayat // BrP_127.32 //

Brahma sprach: Jener Devāpi, zu den Göttern gelangt, verneigte sich vor jedem von ihnen einzeln und trug ihnen die Worte der Opferpriester, die Worte Agnis und auch [seinen angedrohten] Fluch vor.

Wort für Wort
devāpiḥ sa surān prāpya natvā tebhyaḥ pṛthak pṛthak
jener Devāpi, zu den Göttern gelangt, verneigte sich vor jedem von ihnen einzeln
ṛtvigvākyaṃ cāgnivākyaṃ śāpaṃ cāpi nyavedayat
und trug ihnen die Worte der Opferpriester, die Worte Agnis und auch den Fluch vor

{devā ūcuḥ:} āhūtā vaidikair mantrair ṛtvigbhiś ca yathākramam / bhokṣyāmahe havirbhāgān na svatantrā dvijottama // BrP_127.33 //

Die Götter sprachen: Herbeigerufen durch die vedischen Mantras der Opferpriester der Reihe nach, genießen wir die Opferanteile - wir sind nicht unabhängig, bester der Zweifachgeborenen.

Wort für Wort
āhūtā vaidikair mantrair ṛtvigbhiś ca yathākramam
herbeigerufen durch die vedischen Mantras der Opferpriester der Reihe nach
bhokṣyāmahe havirbhāgān na svatantrā dvijottama
genießen wir die Opferanteile - wir sind nicht unabhängig, bester der Zweifachgeborenen

tasmād vedānugā nityaṃ vayaṃ vedena coditāḥ / paratantrās tato vipra vedebhyas tan nivedaya // BrP_127.34 //

Darum sind wir stets dem Veda gemäß handelnd, vom Veda angetrieben; daher, o Brahmane, sind wir abhängig - trage dies den Veden vor.

Wort für Wort
tasmād vedānugā nityaṃ vayaṃ vedena coditāḥ
darum sind wir stets dem Veda gemäß handelnd, vom Veda angetrieben
paratantrās tato vipra vedebhyas tan nivedaya
daher, o Brahmane, sind wir abhängig - trage dies den Veden vor

{brahmovāca:} sa devāpiḥ śucir bhūtvā vedān āhūya yatnataḥ / dhyānena tapasā yukto vedāś cāpi puro 'bhavan // BrP_127.35 //

Brahma sprach: Jener Devāpi, rein geworden, rief mit Mühe die Veden herbei; durch Meditation und Askese vereint, erschienen auch die Veden vor ihm.

Wort für Wort
sa devāpiḥ śucir bhūtvā vedān āhūya yatnataḥ
jener Devāpi, rein geworden, rief mit Mühe die Veden herbei
dhyānena tapasā yukto vedāś cāpi puro 'bhavan
durch Meditation und Askese vereint, erschienen auch die Veden vor ihm

vedān uvāca devāpir namasya tu punaḥ punaḥ / ṛtvigvākyaṃ cāgnivākyaṃ devavākyaṃ nyavedayat // BrP_127.36 //

Immer wieder sich verneigend, sprach Devāpi zu den Veden; er trug die Worte der Opferpriester, die Worte Agnis und die Worte der Götter vor.

Wort für Wort
vedān uvāca devāpir namasya tu punaḥ punaḥ
immer wieder sich verneigend, sprach Devāpi zu den Veden
ṛtvigvākyaṃ cāgnivākyaṃ devavākyaṃ nyavedayat
er trug die Worte der Opferpriester, die Worte Agnis und die Worte der Götter vor

{vedā ūcuḥ:} paratantrā vayaṃ tāta īśvarasya vaśānugāḥ / aśeṣajagadādhāro nirādhāro nirañjanaḥ // BrP_127.37 //

Die Veden sprachen: Abhängig sind wir, mein Sohn, dem Willen des Herrn (Īśvara) untergeordnet - er ist die Stütze der ganzen Welt, selbst ohne Stütze, makellos.

Wort für Wort
paratantrā vayaṃ tāta īśvarasya vaśānugāḥ
abhängig sind wir, mein Sohn, dem Willen des Herrn untergeordnet
aśeṣajagadādhāro nirādhāro nirañjanaḥ
er ist die Stütze der ganzen Welt, selbst ohne Stütze, makellos

sarvaśaktyaikasadanaṃ nidhānaṃ sarvasaṃpadām / sa tu kartā mahādevaḥ saṃhartā sa maheśvaraḥ // BrP_127.38 //

die einzige Wohnstatt aller Macht, der Schatz aller Reichtümer; er, der große Gott, ist der Schöpfer, er, der große Herr, ist der Vernichter.

Wort für Wort
sarvaśaktyaikasadanaṃ nidhānaṃ sarvasaṃpadām
die einzige Wohnstatt aller Macht, der Schatz aller Reichtümer
sa tu kartā mahādevaḥ saṃhartā sa maheśvaraḥ
er, der große Gott, ist der Schöpfer, er, der große Herr, ist der Vernichter

vayaṃ śabdamayā brahman vadāmo vidma eva ca / asmākam etat kṛtyaṃ syād vadāmo yat tu pṛcchasi // BrP_127.39 //

Wir bestehen aus Klang, o Brahmane, wir sprechen und wissen nur dies; das ist unsere Aufgabe, dass wir sagen, was du fragst.

Wort für Wort
vayaṃ śabdamayā brahman vadāmo vidma eva ca
wir bestehen aus Klang, o Brahmane, wir sprechen und wissen nur dies
asmākam etat kṛtyaṃ syād vadāmo yat tu pṛcchasi
das ist unsere Aufgabe, dass wir sagen, was du fragst

kena nītās tasya nāma tatpuraṃ tadbalaṃ tathā / bhakṣitāḥ kiṃ tu no naṣṭā etaj jānīmahe vayam // BrP_127.40 //

Von wem sie fortgeführt wurden, dessen Namen, dessen Stadt und dessen Streitmacht - ob sie verzehrt wurden oder nur verloren, das wissen wir.

Wort für Wort
kena nītās tasya nāma tatpuraṃ tadbalaṃ tathā
von wem sie fortgeführt wurden, dessen Namen, dessen Stadt und dessen Streitmacht
bhakṣitāḥ kiṃ tu no naṣṭā etaj jānīmahe vayam
ob sie verzehrt wurden oder nur verloren, das wissen wir

yathā ca tava sāmarthyaṃ yam ārādhya ca yatra ca / syād ity etac ca jānīmo yathā prāpsyasi tān puraḥ // BrP_127.41 //

Und worin deine Fähigkeit besteht, wen du verehren sollst und wo - dies wissen wir ebenso, wie du sie [wieder]bekommen wirst.

Wort für Wort
yathā ca tava sāmarthyaṃ yam ārādhya ca yatra ca
und worin deine Fähigkeit besteht, wen du verehren sollst und wo
syād ity etac ca jānīmo yathā prāpsyasi tān puraḥ
dies wissen wir ebenso, wie du sie [wieder]bekommen wirst

{brahmovāca:} etac chrutvāvadad vedān vicārya suciraṃ hṛdi //* BrP_127.42 //

Brahma sprach: Dies gehört habend, sprach er zu den Veden, nachdem er lange im Herzen nachgedacht hatte:

Wort für Wort
etac chrutvāvadad vedān
dies gehört habend, sprach er zu den Veden
vicārya suciraṃ hṛdi
nachdem er lange im Herzen nachgedacht hatte

[Anm.: Unvollständiger Halbvers im Original.]

{devāpir uvāca:} vedā vadantv etad eva sarvam eva yathārthataḥ / sarvān prāpsye talaṃ nītān alaṃ tebhyo namo 'stu vaḥ // BrP_127.43 //

Devāpi sprach: Mögen die Veden mir eben dies wahrheitsgemäß in allem sagen; ich werde alle, die in die Unterwelt geführt wurden, zurückerlangen - genug, Verehrung sei euch!

Wort für Wort
vedā vadantv etad eva sarvam eva yathārthataḥ
mögen die Veden mir eben dies wahrheitsgemäß in allem sagen
sarvān prāpsye talaṃ nītān alaṃ tebhyo namo 'stu vaḥ
ich werde alle, die in die Unterwelt geführt wurden, zurückerlangen - genug, Verehrung sei euch

{vedā ūcuḥ:} gautamīṃ gaccha devāpe tatra stuhi maheśvaram / suprasannas tavābhīṣṭaṃ dāsyaty eva kṛpākaraḥ // BrP_127.44 //

Die Veden sprachen: Geh zur Gautamī, Devāpi, preise dort den großen Herrn (Maheśvara); wohlgesonnen wird der Quell des Mitleids dir gewiss dein Verlangtes geben.

Wort für Wort
gautamīṃ gaccha devāpe tatra stuhi maheśvaram
geh zur Gautamī, Devāpi, preise dort den großen Herrn
suprasannas tavābhīṣṭaṃ dāsyaty eva kṛpākaraḥ
wohlgesonnen wird der Quell des Mitleids dir gewiss dein Verlangtes geben

bhaved devaḥ śivaḥ prītaḥ stutaḥ satyaṃ mahāmate / ārṣṭiṣeṇaś ca nṛpatis tasya jāyā jayā satī // BrP_127.45 //

Der Gott Śiva wird, gepriesen, wahrhaft erfreut sein, o Hochgesinnter; und der König Ārṣṭiṣeṇa und seine tugendhafte Gattin Jayā,

Wort für Wort
bhaved devaḥ śivaḥ prītaḥ stutaḥ satyaṃ mahāmate
der Gott Śiva wird, gepriesen, wahrhaft erfreut sein, o Hochgesinnter
ārṣṭiṣeṇaś ca nṛpatis tasya jāyā jayā satī
und der König Ārṣṭiṣeṇa und seine tugendhafte Gattin Jayā

pitā tavāpy upamanyus tale tiṣṭhanty arogiṇaḥ / varadānān maheśasya mithuṃ hatvā ca rākṣasam / yaśaḥ prāpsyasi dharmaṃ ca etac chakyaṃ na cetarat // BrP_127.46 //

und auch dein Vater Upamanyu weilen wohlbehalten in der Unterwelt; durch die Gnadengabe des großen Herrn wirst du, nachdem der Rākṣasa Mithu getötet ist, Ruhm und Verdienst erlangen - das ist möglich, nichts anderes.

Wort für Wort
pitā tavāpy upamanyus tale tiṣṭhanty arogiṇaḥ
und auch dein Vater Upamanyu weilen wohlbehalten in der Unterwelt
varadānān maheśasya mithuṃ hatvā ca rākṣasam
durch die Gnadengabe des großen Herrn, nachdem der Rākṣasa Mithu getötet ist
yaśaḥ prāpsyasi dharmaṃ ca etac chakyaṃ na cetarat
wirst du Ruhm und Verdienst erlangen - das ist möglich, nichts anderes

[Anm.: Dreizeiliger Vers im Original. Der Name des Vaters (Devāpis) wird hier erstmals als 'Upamanyu' genannt.]

{brahmovāca:} tad vedavacanād bālo devāpir gautamīṃ gataḥ / snātvā kṛtakṣaṇo vipras tuṣṭāva ca maheśvaram // BrP_127.47 //

Brahma sprach: Auf dieses Wort der Veden hin ging der Knabe Devāpi zur Gautamī; nachdem er gebadet und eine günstige Zeit abgewartet hatte, pries der Brahmane den großen Herrn.

Wort für Wort
tad vedavacanād bālo devāpir gautamīṃ gataḥ
auf dieses Wort der Veden hin ging der Knabe Devāpi zur Gautamī
snātvā kṛtakṣaṇo vipras tuṣṭāva ca maheśvaram
nachdem er gebadet und eine günstige Zeit abgewartet hatte, pries der Brahmane den großen Herrn

{devāpir uvāca:} bālo 'haṃ devadeveśa gurūṇāṃ tvaṃ gurur mama / na me śaktis tvatstavane tubhyaṃ śaṃbho namo 'stu te // BrP_127.48 //

Devāpi sprach: Ich bin ein Knabe, o Herr der Götter der Götter, du bist mein Lehrer der Lehrer; ich habe keine Kraft, dich zu preisen - dir, o Śambhu, sei Verehrung.

Wort für Wort
bālo 'haṃ devadeveśa gurūṇāṃ tvaṃ gurur mama
ich bin ein Knabe, o Herr der Götter der Götter, du bist mein Lehrer der Lehrer
na me śaktis tvatstavane tubhyaṃ śaṃbho namo 'stu te
ich habe keine Kraft, dich zu preisen - dir, o Śambhu, sei Verehrung

na tvāṃ jānanti nigamā na devā munayo na ca / na brahmā nāpi vaikuṇṭho yo 'si so 'si namo 'stu te // BrP_127.49 //

Dich kennen weder die Veden noch die Götter noch die Weisen, weder Brahmā noch Vaikuṇṭha [Viṣṇu]; der du bist, der bist du - dir sei Verehrung.

Wort für Wort
na tvāṃ jānanti nigamā na devā munayo na ca
dich kennen weder die Veden noch die Götter noch die Weisen
na brahmā nāpi vaikuṇṭho yo 'si so 'si namo 'stu te
weder Brahmā noch Vaikuṇṭha; der du bist, der bist du - dir sei Verehrung

ye 'nāthā ye ca kṛpaṇā ye daridrāś ca rogiṇaḥ / pāpātmāno ye ca loke tāṃs tvaṃ pāsi maheśvara // BrP_127.50 //

Die Herrenlosen, die Elenden, die Armen und Kranken, und die Sündhaften in der Welt - sie beschützt du, großer Herr.

Wort für Wort
ye 'nāthā ye ca kṛpaṇā ye daridrāś ca rogiṇaḥ
die Herrenlosen, die Elenden, die Armen und Kranken
pāpātmāno ye ca loke tāṃs tvaṃ pāsi maheśvara
und die Sündhaften in der Welt - sie beschützt du, großer Herr

tapasā niyamair mantraiḥ pūjitās tridivaukasaḥ / tvayā dattaṃ phalaṃ tebhyo dāsyanti jagatāṃ pate // BrP_127.51 //

Durch Askese, Regeln und Mantras verehrt, werden die Himmelsbewohner ihnen die von dir gegebene Frucht gewähren, o Herr der Welten.

Wort für Wort
tapasā niyamair mantraiḥ pūjitās tridivaukasaḥ
durch Askese, Regeln und Mantras verehrt, die Himmelsbewohner
tvayā dattaṃ phalaṃ tebhyo dāsyanti jagatāṃ pate
werden ihnen die von dir gegebene Frucht gewähren, o Herr der Welten

yācitāraś ca dātāras tebhyo yad yan manīṣitam / bhavatīti na citraṃ syāt tvaṃ viparyayakārakaḥ // BrP_127.52 //

Dass den Bittenden von den Gebenden gewährt wird, was immer sie sich wünschen, ist nicht verwunderlich; du aber bist es, der auch das Umgekehrte [d.h. Gewährung ohne Bitte] bewirkt [?].

Wort für Wort
yācitāraś ca dātāras tebhyo yad yan manīṣitam
Bittende und Gebende - dass ihnen wird, was immer sie sich wünschen
bhavatīti na citraṃ syāt tvaṃ viparyayakārakaḥ
ist nicht verwunderlich; du aber bist der das Umgekehrte Bewirkende

[?] [Anm.: 'tvaṃ viparyayakārakaḥ' ('du bist der das Umgekehrte Bewirkende') bleibt inhaltlich unklar; hier gedeutet als Hinweis auf Śivas Gnade, die auch ohne vorheriges Bitten wirkt.]

ye 'jñānino ye ca pāpā ye magnā narakārṇave / śiveti vacanān nātha tān pāsi tvaṃ jagadguro // BrP_127.53 //

Die Unwissenden, die Sünder, die im Ozean der Hölle Versunkenen - sie beschützt du, o Herr, allein durch das Wort 'Śiva', o Weltenlehrer.

Wort für Wort
ye 'jñānino ye ca pāpā ye magnā narakārṇave
die Unwissenden, die Sünder, die im Ozean der Hölle Versunkenen
śiveti vacanān nātha tān pāsi tvaṃ jagadguro
sie beschützt du, o Herr, allein durch das Wort 'Śiva', o Weltenlehrer

{brahmovāca:} evaṃ tu stuvatas tasya puraḥ prāha trilocanaḥ //* BrP_127.54 //

Brahma sprach: Während er so pries, sprach der Dreiäugige [Śiva] vor ihm:

Wort für Wort
evaṃ tu stuvatas tasya
während er so pries
puraḥ prāha trilocanaḥ
sprach der Dreiäugige vor ihm

[Anm.: Unvollständiger Halbvers im Original.]

{śiva uvāca:} varaṃ brūhy atha devāpe alaṃ dainyena bālaka //* BrP_127.55 //

Śiva sprach: Nenne einen Wunsch, Devāpi, genug mit der Kläglichkeit, Knabe.

Wort für Wort
varaṃ brūhy atha devāpe
nenne einen Wunsch, Devāpi
alaṃ dainyena bālaka
genug mit der Kläglichkeit, Knabe

[Anm.: Unvollständiger Halbvers im Original.]

{devāpir uvāca:} rājānaṃ rājapatnīṃ ca pitaraṃ ca guruṃ mama / prāptum icche jagannātha nidhanaṃ ca ripor mama // BrP_127.56 //

Devāpi sprach: Den König, die Königsgattin, meinen Vater und meinen Lehrer möchte ich zurückerlangen, o Herr der Welt, und den Tod meines Feindes.

Wort für Wort
rājānaṃ rājapatnīṃ ca pitaraṃ ca guruṃ mama
den König, die Königsgattin, meinen Vater und meinen Lehrer
prāptum icche jagannātha nidhanaṃ ca ripor mama
möchte ich zurückerlangen, o Herr der Welt, und den Tod meines Feindes

{brahmovāca:} devāpivacanaṃ śrutvā tathety āhākhileśvaraḥ / devāpeḥ sarvam abhavad ājñayā śaṃkarasya tat // BrP_127.57 //

Brahma sprach: Nachdem er Devāpis Worte gehört hatte, sprach der Herr des Alls 'So sei es'; alles das geschah für Devāpi durch den Befehl Śaṃkaras.

Wort für Wort
devāpivacanaṃ śrutvā tathety āhākhileśvaraḥ
nachdem er Devāpis Worte gehört hatte, sprach der Herr des Alls 'So sei es'
devāpeḥ sarvam abhavad ājñayā śaṃkarasya tat
alles das geschah für Devāpi durch den Befehl Śaṃkaras

punar apy āha taṃ śaṃbhur devāpikaruṇākaraḥ / nandinaṃ preṣayām āsa śaṃbhuḥ śūlena nārada // BrP_127.58 //

Wiederum sprach zu ihm Śambhu, der Quell des Mitleids für Devāpi; Śambhu entsandte den Nandin mit dem Dreizack, o Nārada.

Wort für Wort
punar apy āha taṃ śaṃbhur devāpikaruṇākaraḥ
wiederum sprach zu ihm Śambhu, der Quell des Mitleids für Devāpi
nandinaṃ preṣayām āsa śaṃbhuḥ śūlena nārada
Śambhu entsandte den Nandin mit dem Dreizack, o Nārada

rasātalaṃ mithuṃ nandī hatvā cāsurapuṃgavān / tatpitrādīn samānīya tasmai tān sa nyavedayat // BrP_127.59 //

Nandin tötete in Rasātala den Mithu und die vornehmsten Asuras, brachte dessen Vater und die anderen zurück und übergab sie ihm.

Wort für Wort
rasātalaṃ mithuṃ nandī hatvā cāsurapuṃgavān
Nandin tötete in Rasātala den Mithu und die vornehmsten Asuras
tatpitrādīn samānīya tasmai tān sa nyavedayat
brachte dessen Vater und die anderen zurück und übergab sie ihm

hayamedhaś ca tatrāsīd ārṣṭiṣeṇasya dhīmataḥ / agniś ca ṛtvijo devā vedāś ca ṛṣayo 'bruvan // BrP_127.60 //

Und das Rossopfer des weisen Ārṣṭiṣeṇa fand dort statt; Agni, die Opferpriester, die Götter, die Veden und die Weisen sprachen:

Wort für Wort
hayamedhaś ca tatrāsīd ārṣṭiṣeṇasya dhīmataḥ
und das Rossopfer des weisen Ārṣṭiṣeṇa fand dort statt
agniś ca ṛtvijo devā vedāś ca ṛṣayo 'bruvan
Agni, die Opferpriester, die Götter, die Veden und die Weisen sprachen

{agnyādaya ūcuḥ:} yatra sākṣād abhūc chaṃbhur devāpe bhaktavatsalaḥ / devadevo jagannātho devatīrtham abhūc ca tat // BrP_127.61 //

Agni und die anderen sprachen: Wo, Devāpi, Śambhu, der den Gläubigen zugetane, der Gott der Götter, der Herr der Welt, leibhaftig erschienen ist, dort entstand das Deva-Tīrtha.

Wort für Wort
yatra sākṣād abhūc chaṃbhur devāpe bhaktavatsalaḥ
wo, Devāpi, Śambhu, der den Gläubigen zugetane, leibhaftig erschienen ist
devadevo jagannātho devatīrtham abhūc ca tat
der Gott der Götter, der Herr der Welt - dort entstand das Deva-Tīrtha

sarvapāpakṣayakaraṃ sarvasiddhipradaṃ nṛṇām / puṇyadaṃ tīrtham etat syāt tava kīrtiś ca śāśvatī // BrP_127.62 //

Alle Sünde vernichtend, allen Menschen Erfolg gewährend, wird dieses heilige Tīrtha sein, und dein Ruhm wird ewig sein.

Wort für Wort
sarvapāpakṣayakaraṃ sarvasiddhipradaṃ nṛṇām
alle Sünde vernichtend, allen Menschen Erfolg gewährend
puṇyadaṃ tīrtham etat syāt tava kīrtiś ca śāśvatī
wird dieses heilige Tīrtha sein, und dein Ruhm wird ewig sein

{brahmovāca:} aśvamedhe nivṛtte tu surās tebhyo varān daduḥ / snātvā kṛtārthā gaṅgāyāṃ tatas te divam ākraman // BrP_127.63 //

Brahma sprach: Als das Rossopfer vollendet war, gewährten die Götter ihnen Gaben; nachdem sie in der Gaṅgā gebadet und ihr Ziel erreicht hatten, stiegen sie zum Himmel auf.

Wort für Wort
aśvamedhe nivṛtte tu surās tebhyo varān daduḥ
als das Rossopfer vollendet war, gewährten die Götter ihnen Gaben
snātvā kṛtārthā gaṅgāyāṃ tatas te divam ākraman
nachdem sie in der Gaṅgā gebadet und ihr Ziel erreicht hatten, stiegen sie zum Himmel auf

tataḥ prabhṛti tatrāsaṃs tīrthāni daśa pañca ca / sahasrāṇi śatāny aṣṭāv ubhayor api tīrayoḥ / teṣu snānaṃ ca dānaṃ ca hy atīva phaladaṃ viduḥ // BrP_127.64 //

Von da an gab es dort fünfzehntausendachthundert Tīrthas an beiden Ufern; das Baden und Spenden an ihnen, so weiß man, ist überaus fruchtbringend.

Wort für Wort
tataḥ prabhṛti tatrāsaṃs tīrthāni daśa pañca ca
von da an gab es dort fünfzehn[tausend]
sahasrāṇi śatāny aṣṭāv ubhayor api tīrayoḥ
tausend, achthundert Tīrthas an beiden Ufern
teṣu snānaṃ ca dānaṃ ca hy atīva phaladaṃ viduḥ
das Baden und Spenden an ihnen, so weiß man, ist überaus fruchtbringend

[Anm.: Dreizeiliger Vers im Original; schließt die Kapitelerzählung ab.]

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