Kapitel 168: bhānutīrthādimāhātmyavarṇanam
Die Größe von Bhānu-, Tvāṣṭra-, Yāmya-, Agni- und Māheśvara-Tīrtha (König Abhiṣṭutas Pferdeopfer)
König Abhiṣṭuta beginnt ein Pferdeopfer; da ein Kṣatriya als Opferherr keinen Opferboden verschenken kann, bittet Vasiṣṭha auf Anraten den Sonnengott Sūrya/Savitṛ selbst um das Land, das dieser gewährt (Ursprung des Bhānu-Tīrtha). Daityas und Danujas, als Brahmanen verkleidet, dringen ein und verhöhnen das Opfer; nur Viśvarūpa erkennt sie, worauf sein Vater Tvaṣṭṛ sie durch besprengtes Wasser zu Asche verbrennt (Ursprung des Tvāṣṭra-Tīrtha). Die überlebenden, geschwächten Daityas werden von Yama mit Zeitstab, Diskus, Schlinge und Manyu erschlagen (Ursprung des Yāmya-Tīrtha). Das vollendete Opfer sättigt Agni (Ursprung des Agni-Tīrtha); Indra segnet den König. Śiva und Viṣṇu werden am selben Ort mit umfangreichem Ritual verehrt und gewähren dem König Genuss und Erlösung (Ursprung des gemeinsam Śaiva-Vaiṣṇava genannten Māheśvara-Tīrtha). Wer sich all dieser Tīrthas erinnert, wird von aller Sünde befreit; das Bad am Bhānu-Tīrtha gilt als gleichwertig mit hundert Tīrthas.
Das als Bhānu-Tīrtha bekannte, ebenso das Tvāṣṭra, das Māheśvara, das Aindra, das Yāmya und ebenso das Āgneya (Tīrtha) – sie alle vernichten alle Sünden vollständig.
Dort gab es sechzehn Opferpriester, angeführt von Vasiṣṭha und Atri; da aber ein Kṣatriya der Opferherr war, wie sollte da der Opferboden beschafft werden?
Wort für Wort
tatrartvijaḥ ṣoḍaśa syur vasiṣṭhātripurogamāḥ
dort gab es sechzehn Opferpriester, angeführt von Vasiṣṭha und Atri
kṣatriye yajamāne tu yajñabhūmiḥ kathaṃ bhavet
da aber ein Kṣatriya der Opferherr war, wie sollte da der Opferboden beschafft werden
brāhmaṇe dīkṣite rājā bhuvaṃ dāsyati yajñiyām / bhūpatau dīkṣite dātā ko bhavet ko nu yācate //
Wenn ein Brahmane geweiht würde, würde der König das Opferland geben; ist aber der Herrscher selbst geweiht, wer sollte da der Geber sein, wer würde denn bitten?
Wort für Wort
brāhmaṇe dīkṣite rājā bhuvaṃ dāsyati yajñiyām
wenn ein Brahmane geweiht würde, würde der König das Opferland geben
bhūpatau dīkṣite dātā ko bhavet ko nu yācate
ist aber der Herrscher selbst geweiht, wer sollte da der Geber sein, wer würde denn bitten
daivaṃ kṣatram asi brahman bhūtanātha namo 'stu te / yācitaḥ savitā rājñā devānāṃ yajanaṃ śubham //
Du bist das göttliche Kṣatra, o Brahman, Herr der Wesen, Verehrung sei dir. So gebeten, gewährte Savitṛ dem König den heilvollen Opferboden der Götter,
Wort für Wort
daivaṃ kṣatram asi brahman bhūtanātha namo 'stu te
du bist das göttliche Kṣatra, o Brahman, Herr der Wesen, Verehrung sei dir
yācitaḥ savitā rājñā devānāṃ yajanaṃ śubham
so vom König gebeten, (gewährte) Savitṛ der Götter heilvollen Opferboden
Brahmā sprach: ,So sei es', sprach auch Abhiṣṭuta, und bat mit Glauben den Gott der Götter, das Tagesgestirn, die Sonne, [?] deren Wesen der ungeborene Herr der Sonnenrosse ist.
Wort für Wort
tathety uktvābhiṣṭuto 'pi devadevaṃ divākaram
so sei es, sprach auch Abhiṣṭuta, und (wandte sich) an den Gott der Götter, das Tagesgestirn
śraddhayā prārthayām āsa harīśājātmakaṃ ravim
er bat mit Glauben die Sonne, [?] deren Wesen der ungeborene Herr der Rosse ist
[?: ,harīśājātmakam' ist ein lexikalisch/kompositionell unklares Kompositum (,harīśa' = ,Herr der [Sonnen-]Rosse'/Hari-Īśa + ,ajātmaka' = ,von ungeborenem Wesen'); hier vorläufig als Epitheton der Sonne gedeutet.]
Brahmā sprach: Da das Kṣatra göttlich ist und von Sūrya herrührt, ist das Land des Herrschers von diesem gegeben; Savitṛ, der Herr der Götter der Götter, sprach: ,Ich gebe es.'
evaṃ karoti yo yajñaṃ tasya riṣṭir na kācana / tathā vājimakhe sattre brāhmaṇair vedapāragaiḥ //
Wer so das Opfer vollzieht, dem widerfährt kein Schaden; ebenso wurde beim Pferdeopfer, dem Sattra, von den den Veda ganz durchdrungen habenden Brahmanen
Wort für Wort
evaṃ karoti yo yajñaṃ tasya riṣṭir na kācana
wer so das Opfer vollzieht, dem widerfährt kein Schaden
tathā vājimakhe sattre brāhmaṇair vedapāragaiḥ
ebenso wurde beim Pferdeopfer, dem Sattra, von den den Veda ganz durchdrungen habenden Brahmanen
camasāni ca pātrāṇi somaṃ caṣālam eva ca / somapānaṃ havis tyāgam ṛtvijo bhūpatiṃ tathā //
und verhöhnten die Opfergefäße und -schalen, den Soma und den Opferpfahlring, das Somatrinken, die Opfergabe, das Weihopfer, die Priester und ebenso den Herrscher.
Wort für Wort
camasāni ca pātrāṇi somaṃ caṣālam eva ca
die Opfergefäße und -schalen, den Soma und den Opferpfahlring
somapānaṃ havis tyāgam ṛtvijo bhūpatiṃ tathā
das Somatrinken, die Opfergabe, das Weihopfer, die Priester und ebenso den Herrscher
und sprecht: ,Von mir sind sie alle vernichtet' – so sprechend, besprengt sie.
Wort für Wort
mayā tv apahatāḥ sarva ity uktvā
sprecht: von mir sind sie alle vernichtet
pariṣiñcata
und besprengt sie
[Anm.: Im Quelltext nur eine Zeile, mit * als unvollständiger Halbvers markiert (Fortsetzung von Tvaṣṭṛs Rede); für die wfw-Darstellung in zwei Sinnabschnitte geteilt.]
Nachdem er gesagt hatte: ,Die überaus sündigen sind von mir getötet', warf er das Wasser hin; darauf zogen die Daityas, ihrer Lebenskraft beraubt, erzürnt davon.
Wort für Wort
hatā mayā mahāpāpā ity uktvā vāry avākṣipat
nachdem er gesagt hatte: die überaus sündigen sind von mir getötet, warf er das Wasser hin
tataḥ kṣīṇāyuṣo daityāḥ prātiṣṭhan kupitās tataḥ
darauf zogen die Daityas, ihrer Lebenskraft beraubt, erzürnt davon
Die durch Tvaṣṭṛs Wort dem Opfer Entfallenen, die Daityas, tötete darauf Yama mit dem Zeit-Stab, dem Diskus, der Zeit-Schlinge und mit Manyu (dem Zorn).
das wird als Agni-Tīrtha bezeichnet, die Frucht eines Pferdeopfers gewährend. Indra sprach zusammen mit den Maruts dieses heilvolle Wort zum Herrscher:
Wort für Wort
agnitīrthaṃ tad ākhyātam aśvamedhaphalapradam
das wird als Agni-Tīrtha bezeichnet, die Frucht eines Pferdeopfers gewährend
indro marudbhir nṛpatiṃ prāhedaṃ vacanaṃ śubham
Indra sprach zusammen mit den Maruts dieses heilvolle Wort zum Herrscher
sa kṛtārtho martyaloka indratīrthe ca tarpaṇam / kuryāt pitṝṇāṃ prītyarthaṃ yamatīrthe viśeṣataḥ //
Er, in der Welt der Sterblichen sein Ziel erreicht habend, möge am Indra-Tīrtha Wasseropfer darbringen, insbesondere am Yama-Tīrtha, zur Freude der Ahnen.
Wort für Wort
sa kṛtārtho martyaloka indratīrthe ca tarpaṇam
er, in der Welt der Sterblichen sein Ziel erreicht habend, möge am Indra-Tīrtha Wasseropfer
kuryāt pitṝṇāṃ prītyarthaṃ yamatīrthe viśeṣataḥ
darbringen, insbesondere am Yama-Tīrtha, zur Freude der Ahnen
mit vedischen und weltlichen Mantras zu verehren ist Maheśvara – mit Tänzen, Gesängen und Musik sowie mit den aus fünf Ingredienzien entstandenen Nektaren (Pañcāmṛta),
upacāraiś ca bahubhir daṇḍapātapradakṣiṇaiḥ / dhūpair dīpaiś ca naivedyaiḥ puṣpair gandhaiḥ sugandhibhiḥ //
mit vielen Dienstleistungen, mit Ganzkörper-Niederwerfungen und Umschreitungen, mit Räucherwerk, Lampen, Speiseopfern, Blumen und wohlriechenden Düften.
Wort für Wort
upacāraiś ca bahubhir daṇḍapātapradakṣiṇaiḥ
mit vielen Dienstleistungen, mit Ganzkörper-Niederwerfungen und Umschreitungen
dhūpair dīpaiś ca naivedyaiḥ puṣpair gandhaiḥ sugandhibhiḥ
mit Räucherwerk, Lampen, Speiseopfern, Blumen und wohlriechenden Düften
Der König verehrte mit einträchtigem Sinn den Götterherrn Viṣṇu und Śambhu; darauf, zufrieden, gewährten die beiden Götterherren mit Nachdruck Wünsche.
Wort für Wort
pūjayām āsa deveśaṃ viṣṇuṃ śaṃbhuṃ dhiyaikayā
der König verehrte mit einträchtigem Sinn den Götterherrn Viṣṇu und Śambhu
tataḥ prasannau deveśau varān dadatur ojasā
darauf, zufrieden, gewährten die beiden Götterherren mit Nachdruck Wünsche
bhānutīrthe viśeṣeṇa snānaṃ sarvārthasiddhidam / tatra tīrthe mahāpuṇyaṃ tīrthānāṃ śatam atra hi //
Insbesondere am Bhānu-Tīrtha gewährt das Bad die Erfüllung aller Ziele; an jenem hochverdienstvollen Tīrtha sind hier nämlich hundert Tīrthas (vereint).
Wort für Wort
bhānutīrthe viśeṣeṇa snānaṃ sarvārthasiddhidam
insbesondere am Bhānu-Tīrtha gewährt das Bad die Erfüllung aller Ziele
tatra tīrthe mahāpuṇyaṃ tīrthānāṃ śatam atra hi
an jenem hochverdienstvollen Tīrtha sind hier nämlich hundert Tīrthas vereint