Quellen der Menschheit

Brahma-Purāṇa

Kapitel 194: kaṃsottarakāryāṇi sāṃdīpaniśiṣyatvaṃ guruputrānayanaṃ ca Die Nachfolge nach Kaṃsas Tod, die Schülerschaft bei Sāṃdīpani und die Rückholung des Lehrersohnes

Kṛṣṇa entschuldigt sich bei Vasudeva und Devakī für die durch Kaṃsas Herrschaft erzwungene Vernachlässigung, tröstet Kaṃsas trauernde Frauen und Mütter, befreit und krönt Ugrasena und lässt durch Vāyu die Halle Sudharmā von Indra erwirken. Kṛṣṇa und Balarāma gehen als Schüler zu Sāṃdīpani nach Avantipura, meistern in 64 Tagen den gesamten Dhanurveda, und erfüllen als Lehrerlohn den Wunsch ihres Lehrers, indem sie dessen im Meer verschwundenen Sohn aus der Gewalt des Daitya Pañcajana (dessen Muschelgestalt zur Muschel Pāñcajanya wird) und schließlich aus Yamas Reich zurückholen.

tau samutpannavijñānau bhagavatkarmadarśanāt / devakīvasudevau tu dṛṣṭvā māyāṃ punar hariḥ //

Vyāsa sprach: Als Hari die beiden, Devakī und Vasudeva, sah, in denen durch das Erblicken der Taten des Erhabenen [wahre] Erkenntnis entstanden war, [da breitete er] wieder [seine] Māyā [aus] —

Wort für Wort
tau samutpannavijñānau
die beiden, in denen [wahre] Erkenntnis entstanden war
bhagavatkarmadarśanāt
durch das Erblicken der Taten des Erhabenen
devakīvasudevau tu dṛṣṭvā
als er Devakī und Vasudeva aber sah
māyāṃ punar hariḥ
[da breitete] Hari wieder [seine] Māyā [aus] —

[Anm.: Der Satz setzt sich in V.2 fort ('vitatāna sa vaiṣṇavīm' = 'er breitete seine vaiṣṇavī [Māyā] aus'); da Vasudeva und Devakī nun Kṛṣṇas wahre Natur erkannt haben, hüllt er die Beziehung wieder in seine täuschende Māyā, damit die gewöhnliche Eltern-Kind-Beziehung fortbestehen kann.]

mohāya yaducakrasya vitatāna sa vaiṣṇavīm / uvāca cāmba bhos tāta cirād utkaṇṭhitena tu //

— zur Verblendung des Yadu-Kreises breitete er seine vaiṣṇavī [Māyā] aus. Und, von Sehnsucht erfüllt, sprach er nach langer Zeit: 'O Mutter, o Vater,'

Wort für Wort
mohāya yaducakrasya
zur Verblendung des Yadu-Kreises
vitatāna sa vaiṣṇavīm
breitete er seine vaiṣṇavī [Māyā] aus
uvāca cāmba bhos tāta
und er sprach: 'O Mutter, o Vater'
cirād utkaṇṭhitena tu
aber von Sehnsucht erfüllt, nach langer Zeit

bhavantau kaṃsabhītena dṛṣṭau saṃkarṣaṇena ca / kurvatāṃ yāti yaḥ kālo mātāpitror apūjanam //

'ihr beide wurdet von mir, der ich mich vor Kaṃsa fürchtete, und von Saṃkarṣaṇa [nur selten] gesehen — jene Zeit, die für die vergeht, die die Verehrung von Mutter und Vater versäumen,'

Wort für Wort
bhavantau kaṃsabhītena dṛṣṭau
ihr beide wurdet von [mir], der ich mich vor Kaṃsa fürchtete, gesehen
saṃkarṣaṇena ca
und von Saṃkarṣaṇa
kurvatāṃ yāti yaḥ kālo
jene Zeit, die vergeht für die, die es tun
mātāpitror apūjanam
[nämlich] die Nicht-Verehrung von Mutter und Vater

sa vṛthā kleśakārī vai sādhūnām upajāyate / gurudevadvijātīnāṃ mātāpitroś ca pūjanam //

'wird für die Guten fürwahr nur vergebliches Leid bringen — [dagegen] die Verehrung von Lehrer, Gottheit, den Zweifachgeborenen, und von Mutter und Vater,'

Wort für Wort
sa vṛthā kleśakārī vai
diese [Zeit] bringt fürwahr nur vergebliches Leid
sādhūnām upajāyate
sie entsteht für die Guten
gurudevadvijātīnāṃ
[dagegen die Verehrung] von Lehrer, Gottheit, den Zweifachgeborenen
mātāpitroś ca pūjanam
und die Verehrung von Mutter und Vater

kurvataḥ saphalaṃ janma dehinas tāta jāyate / tat kṣantavyam idaṃ sarvam atikramakṛtaṃ pitaḥ / kaṃsavīryapratāpābhyām āvayoḥ paravaśyayoḥ //

'macht für den, der [sie] übt, o Vater, die Geburt des verkörperten Wesens fruchtbringend. Dies alles — was an Übertretung begangen wurde, o Vater, durch Kaṃsas Macht und Kraft, da wir beide [ihm] unterworfen waren — möge verziehen werden.'

Wort für Wort
kurvataḥ saphalaṃ janma
für den, der [sie] übt, [wird] die Geburt fruchtbringend
dehinas tāta jāyate
des verkörperten Wesens, o Vater, entsteht [dies]
tat kṣantavyam idaṃ sarvam
dies alles möge verziehen werden
atikramakṛtaṃ pitaḥ
was an Übertretung begangen wurde, o Vater
kaṃsavīryapratāpābhyām
durch Kaṃsas Macht und Kraft
āvayoḥ paravaśyayoḥ
da wir beide [ihm] unterworfen waren

[Anm.: Unregelmäßiger dreizeiliger Vers (drei Pāda-Paare statt zwei) im Original.]

ity uktvātha praṇamyobhau yaduvṛddhān anukramāt / pādānatibhiḥ sasnehaṃ cakratuḥ pauramānasam //

Vyāsa sprach: So gesprochen habend, verneigten sich beide der Reihe nach vor den Alten der Yadus, und durch liebevollen Fußfall gewannen sie das Herz der Stadtbewohner.

Wort für Wort
ity uktvātha praṇamya
so gesprochen habend und sich verneigend
ubhau yaduvṛddhān anukramāt
beide der Reihe nach vor den Alten der Yadus
pādānatibhiḥ sasnehaṃ
durch liebevollen Fußfall
cakratuḥ pauramānasam
gewannen sie das Herz der Stadtbewohner

kaṃsapatnyas tataḥ kaṃsaṃ parivārya hataṃ bhuvi / vilepur mātaraś cāsya śokaduḥkhapariplutāḥ //

Kaṃsas Frauen umringten dann den auf dem Boden erschlagenen Kaṃsa, und seine Mütter wehklagten, von Kummer und Leid überflutet.

Wort für Wort
kaṃsapatnyas tataḥ
Kaṃsas Frauen dann
kaṃsaṃ parivārya hataṃ bhuvi
den auf dem Boden erschlagenen Kaṃsa umringend
vilepur mātaraś cāsya
wehklagten, und seine Mütter
śokaduḥkhapariplutāḥ
von Kummer und Leid überflutet

bahuprakāram asvasthāḥ paścāttāpāturā hariḥ / tāḥ samāśvāsayām āsa svayam asrāvilekṣaṇaḥ //

Auf vielerlei Weise außer sich und von Reue gequält [waren sie]; Hari tröstete sie selbst, [obwohl] seine eigenen Augen von Tränen verschleiert waren.

Wort für Wort
bahuprakāram asvasthāḥ
auf vielerlei Weise außer sich
paścāttāpāturāḥ
von Reue/Nachschmerz gequält
hariḥ tāḥ samāśvāsayām āsa
Hari tröstete sie
svayam asrāvilekṣaṇaḥ
[obwohl er] selbst tränenverschleierte Augen [hatte]

ugrasenaṃ tato bandhān mumoca madhusūdanaḥ / abhyaṣiñcat tathaivainaṃ nijarājye hatātmajam //

Dann befreite Madhusūdana Ugrasena von seinen Fesseln und weihte ihn, dessen Sohn [nun] getötet war, ebenso in sein eigenes Reich [als König].

Wort für Wort
ugrasenaṃ tato bandhān mumoca
dann befreite er Ugrasena von den Fesseln
madhusūdanaḥ
Madhusūdana
abhyaṣiñcat tathaivainaṃ nijarājye
und weihte ihn ebenso in sein eigenes Reich
hatātmajam
dessen Sohn [nun] getötet war

rājye 'bhiṣiktaḥ kṛṣṇena yadusiṃhaḥ sutasya saḥ / cakāra pretakāryāṇi ye cānye tatra ghātitāḥ //

Von Kṛṣṇa ins Königtum geweiht, vollzog der Yadu-Löwe [Ugrasena] die Totenriten für seinen Sohn und für die anderen, die dort getötet worden waren.

Wort für Wort
rājye 'bhiṣiktaḥ kṛṣṇena
von Kṛṣṇa ins Königtum geweiht
yadusiṃhaḥ
der Yadu-Löwe [Ugrasena]
cakāra pretakāryāṇi sutasya saḥ
vollzog er die Totenriten für seinen Sohn
ye cānye tatra ghātitāḥ
und für die anderen, die dort getötet worden waren

kṛtordhvadaihikaṃ cainaṃ siṃhāsanagataṃ hariḥ / uvācājñāpaya vibho yat kāryam aviśaṅkayā //

Zu ihm, der die Totenriten vollzogen hatte und [nun] auf dem Löwenthron saß, sprach Hari: 'Befiehl, o Herr, was zu tun ist, ohne Zögern.'

Wort für Wort
kṛtordhvadaihikaṃ cainaṃ
und zu ihm, der die Totenriten vollzogen hatte
siṃhāsanagataṃ hariḥ
[der nun] auf dem Löwenthron saß, [sprach] Hari
uvācājñāpaya vibho
er sprach: 'befiehl, o Herr'
yat kāryam aviśaṅkayā
was zu tun ist, ohne Zögern

yayātiśāpād vaṃśo 'yam arājyārho 'pi sāṃpratam / mayi bhṛtye sthite devān ājñāpayatu kiṃ nṛpaiḥ //

'Durch Yayātis Fluch ist diese Linie nun auch der Königsherrschaft unwürdig; da ich [selbst] als Diener zur Verfügung stehe, möge er [sogar] den Göttern befehlen — was [bedarf es da noch] der Könige?'

Wort für Wort
yayātiśāpād vaṃśo 'yam
durch Yayātis Fluch [ist] diese Linie
arājyārho 'pi sāṃpratam
nun auch der Königsherrschaft unwürdig
mayi bhṛtye sthite
da ich als Diener zur Verfügung stehe
devān ājñāpayatu kiṃ nṛpaiḥ
möge er den Göttern befehlen; was [bedarf es] der Könige

[Anm.: Anspielung auf den Fluch des Yayāti, wonach seine Nachkommen aus der Linie des Yadu (im Unterschied zu Pūru) nicht regieren sollen — der überlieferte Grund, weshalb Kṛṣṇa selbst nie König wird, sondern Ugrasena als Regenten einsetzt und sich ihm als 'Diener' unterordnet.]

ity uktvā cograsenaṃ tu vāyuṃ prati jagāda ha / nṛvācā caiva bhagavān keśavaḥ kāryamānuṣaḥ //

So zu Ugrasena gesprochen habend, wandte sich der erhabene Keśava, der [seiner angenommenen Rolle gemäß] als Mensch handelte, mit menschlicher Rede an Vāyu.

Wort für Wort
ity uktvā cograsenaṃ tu
so aber zu Ugrasena gesprochen habend
vāyuṃ prati jagāda ha
wandte er sich sprechend an Vāyu
nṛvācā caiva
und zwar mit menschlicher Rede
bhagavān keśavaḥ kāryamānuṣaḥ
der erhabene Keśava, der als Mensch handelte

gacchendraṃ brūhi vāyo tvam alaṃ garveṇa vāsava / dīyatām ugrasenāya sudharmā bhavatā sabhā //

Śrī-Kṛṣṇa sprach: 'Geh, o Vāyu, und sprich zu Indra: Du, Vāsava, [lass es] genug sein mit [deinem] Hochmut — die Halle Sudharmā möge von dir dem Ugrasena gegeben werden.'

Wort für Wort
gacchendraṃ brūhi vāyo
geh, o Vāyu, [und] sprich zu Indra
tvam alaṃ garveṇa vāsava
du, Vāsava, genug mit [deinem] Hochmut
dīyatām ugrasenāya
möge dem Ugrasena gegeben werden
sudharmā bhavatā sabhā
die Versammlungshalle Sudharmā, von dir

kṛṣṇo bravīti rājārham etad ratnam anuttamam / sudharmākhyā sabhā yuktam asyāṃ yadubhir āsitum //

'Kṛṣṇa lässt sagen: Dieses unübertreffliche Juwel, die Halle namens Sudharmā, ist eines Königs würdig — es ist geziemend, dass die Yadus in ihr weilen.'

Wort für Wort
kṛṣṇo bravīti
Kṛṣṇa lässt sagen
rājārham etad ratnam anuttamam
dieses unübertreffliche Juwel [ist] eines Königs würdig
sudharmākhyā sabhā
die Versammlungshalle namens Sudharmā
yuktam asyāṃ yadubhir āsitum
es ist geziemend, dass die Yadus in ihr weilen

ity uktaḥ pavano gatvā sarvam āha śacīpatim / dadau so 'pi sudharmākhyāṃ sabhāṃ vāyoḥ puraṃdaraḥ //

Vyāsa sprach: So angesprochen, ging Pavana [Vāyu] und sagte alles Śacīs Gemahl [Indra]; und Puraṃdara [Indra] gab dem Vāyu die Halle namens Sudharmā.

Wort für Wort
ity uktaḥ pavano gatvā
so angesprochen, ging Pavana [Vāyu]
sarvam āha śacīpatim
und sagte alles Śacīs Gemahl [Indra]
dadau so 'pi sudharmākhyāṃ sabhāṃ
und er gab die Halle namens Sudharmā
vāyoḥ puraṃdaraḥ
dem Vāyu, Puraṃdara [Indra]

vāyunā cāhṛtāṃ divyāṃ te sabhāṃ yadupuṃgavāḥ / bubhujuḥ sarvaratnāḍhyāṃ govindabhujasaṃśrayāḥ //

Und diese von Vāyu hergebrachte, göttliche, an allen Juwelen reiche Halle genossen die Stiere der Yadus, die [ihrerseits] Schutz in Govindas Armen fanden.

Wort für Wort
vāyunā cāhṛtāṃ divyāṃ te sabhāṃ
und diese von Vāyu hergebrachte, göttliche Halle
yadupuṃgavāḥ bubhujuḥ
genossen die Stiere der Yadus
sarvaratnāḍhyāṃ
reich an allen Juwelen
govindabhujasaṃśrayāḥ
[die selbst] Schutz in Govindas Armen fanden

viditākhilavijñānau sarvajñānamayāv api / śiṣyācāryakramaṃ vīrau khyāpayantau yadūttamau //

Obwohl sie alle Erkenntnis kannten und aus allem Wissen bestanden, wollten die beiden Helden, die Besten der Yadus, die Ordnung von Schüler und Lehrer [der Welt] vorführen.

Wort für Wort
viditākhilavijñānau
obwohl [sie] alle Erkenntnis kannten
sarvajñānamayāv api
obwohl [sie] aus allem Wissen bestanden
śiṣyācāryakramaṃ vīrau khyāpayantau
wollten die beiden Helden die Ordnung von Schüler und Lehrer verkünden
yadūttamau
die Besten der Yadus

tataḥ sāṃdīpaniṃ kāśyam avantipuravāsinam / astrārthaṃ jagmatur vīrau baladevajanārdanau //

Dann gingen die beiden Helden Baladeva und Janārdana um der Waffenkunde willen zu Sāṃdīpani, dem Kāśier, der in Avantipura wohnte.

Wort für Wort
tataḥ sāṃdīpaniṃ kāśyam
dann zu Sāṃdīpani, dem Kāśier
avantipuravāsinam
der in Avantipura wohnte
astrārthaṃ jagmatur vīrau
um der Waffenkunde willen gingen die beiden Helden
baladevajanārdanau
Baladeva und Janārdana

tasya śiṣyatvam abhyetya guruvṛttiparau hi tau / darśayāṃ cakratur vīrāv ācāram akhile jane //

Zu ihm die Schülerschaft antretend, ganz dem [rechten] Verhalten gegenüber dem Lehrer hingegeben, zeigten die beiden Helden [ihr vorbildliches] Verhalten der ganzen Welt.

Wort für Wort
tasya śiṣyatvam abhyetya
zu ihm die Schülerschaft antretend
guruvṛttiparau hi tau
die beiden, ganz dem [rechten] Verhalten gegenüber dem Lehrer hingegeben
darśayāṃ cakratur vīrāv
zeigten die beiden Helden
ācāram akhile jane
[ihr] Verhalten der ganzen Welt

sarahasyaṃ dhanurvedaṃ sasaṃgraham adhīyatām / ahorātraiś catuḥṣaṣṭyā tad adbhutam abhūd dvijāḥ //

Den Dhanurveda samt seinen Geheimnissen und samt Zusammenfassung studierten die beiden in vierundsechzig Tag-und-Nächten — das war wunderbar, o Zweifachgeborene!

Wort für Wort
sarahasyaṃ dhanurvedaṃ
den Dhanurveda samt seinen Geheimnissen
sasaṃgraham adhīyatām
samt Zusammenfassung, von den beiden studiert
ahorātraiś catuḥṣaṣṭyā
in vierundsechzig Tag-und-Nächten
tad adbhutam abhūd dvijāḥ
das war wunderbar, o Zweifachgeborene

sāṃdīpanir asaṃbhāvyaṃ tayoḥ karmātimānuṣam / vicintya tau tadā mene prāptau candradivākarau //

Sāṃdīpani, über ihre unfassbare, übermenschliche Tat nachdenkend, hielt die beiden da für Mond und Sonne, die [in Person] zu ihm gekommen waren.

Wort für Wort
sāṃdīpanir asaṃbhāvyaṃ tayoḥ karmātimānuṣam
Sāṃdīpani [erblickte] ihre unfassbare, übermenschliche Tat
vicintya
darüber nachdenkend
tau tadā mene
hielt er die beiden da
prāptau candradivākarau
für Mond und Sonne, die [zu ihm] gekommen waren

astragrāmam aśeṣaṃ ca proktamātram avāpya tau / ūcatur vriyatāṃ yā te dātavyā gurudakṣiṇā //

Und die beiden, die die gesamte Menge der Waffen sogleich nach [ihrer] bloßen Nennung erlangt hatten, sagten: 'Wähle, was dir als Lehrerlohn gegeben werden soll.'

Wort für Wort
astragrāmam aśeṣaṃ ca
und die gesamte Menge der Waffen
proktamātram avāpya tau
die beiden, [sie] sogleich nach [ihrer] bloßen Nennung erlangt habend
ūcatur vriyatāṃ
sagten: 'möge gewählt werden'
yā te dātavyā gurudakṣiṇā
was dir als Lehrerlohn gegeben werden soll

so 'py atīndriyam ālokya tayoḥ karma mahāmatiḥ / ayācata mṛtaṃ putraṃ prabhāse lavaṇārṇave //

Auch er, der Hochgesinnte, erblickte ihre übersinnliche Tat und erbat [von ihnen] seinen Sohn, der in Prabhāsa im Salzmeer [ertrunken und] gestorben war.

Wort für Wort
so 'py atīndriyam ālokya
auch er, [dies] übersinnliche erblickend
tayoḥ karma mahāmatiḥ
ihre Tat, der Hochgesinnte
ayācata mṛtaṃ putraṃ
erbat den toten Sohn
prabhāse lavaṇārṇave
[gestorben] in Prabhāsa, im Salzmeer

gṛhītāstrau tatas tau tu gatvā taṃ lavaṇodadhim / ūcutuś ca guroḥ putro dīyatām iti sāgaram //

Die beiden, [nun] die Waffen ergriffen habend, gingen dann zu jenem Salzozean und sprachen zum Meer: 'Der Sohn des Lehrers möge gegeben werden!'

Wort für Wort
gṛhītāstrau tatas tau tu
die beiden aber, [nun] die Waffen ergriffen habend
gatvā taṃ lavaṇodadhim
zu jenem Salzozean gehend
ūcutuś ca sāgaram
und sprachen zum Meer
guroḥ putro dīyatām iti
'der Sohn des Lehrers möge gegeben werden'

kṛtāñjalipuṭaś cābdhis tāv atha dvijasattamāḥ / uvāca na mayā putro hṛtaḥ sāṃdīpaner iti //

Und der Ozean, die Hände gefaltet, sprach dann, o Beste der Zweifachgeborenen, zu den beiden: 'Nicht von mir wurde Sāṃdīpanis Sohn geraubt.'

Wort für Wort
kṛtāñjalipuṭaś cābdhis
und der Ozean, die Hände gefaltet
tāv atha dvijasattamāḥ
zu den beiden dann, o Beste der Zweifachgeborenen
uvāca na mayā putro hṛtaḥ
sprach: 'nicht von mir wurde der Sohn geraubt'
sāṃdīpaner iti
'[nämlich] Sāṃdīpanis [Sohn]'

daityaḥ pañcajano nāma śaṅkharūpaḥ sa bālakam / jagrāha so 'sti salile mamaivāsurasūdana //

'Ein Daitya namens Pañcajana, in Muschelgestalt, raubte den Knaben — er ist in meinem eigenen Wasser, o Vernichter der Asuras.'

Wort für Wort
daityaḥ pañcajano nāma
ein Daitya namens Pañcajana
śaṅkharūpaḥ sa bālakam jagrāha
in Muschelgestalt raubte er den Knaben
so 'sti salile mamaiva
er ist in meinem eigenen Wasser
asurasūdana
o Vernichter der Asuras

ity ukto 'ntar jalaṃ gatvā hatvā pañcajanaṃ tathā / kṛṣṇo jagrāha tasyāsthi-prabhavaṃ śaṅkham uttamam //

So angesprochen, ging Kṛṣṇa ins Innere des Wassers, tötete Pañcajana, und ergriff die aus dessen Knochen entstandene, vortreffliche Muschel.

Wort für Wort
ity ukto 'ntar jalaṃ gatvā
so angesprochen, ins Innere des Wassers gehend
hatvā pañcajanaṃ tathā
und Pañcajana tötend
kṛṣṇo jagrāha
ergriff Kṛṣṇa
tasyāsthiprabhavaṃ śaṅkham uttamam
die aus dessen Knochen entstandene, vortreffliche Muschel

[Anm.: Dies ist die berühmte Muschel Pāñcajanya (nach Pañcajana benannt), die zu Kṛṣṇas ständigem Attribut wird.]

yasya nādena daityānāṃ balahāniḥ prajāyate / devānāṃ vardhate tejo yāty adharmaś ca saṃkṣayam //

Durch deren Klang entsteht ein Schwinden der Kraft der Daityas, die Glut der Götter wächst, und das Unrecht geht zugrunde.

Wort für Wort
yasya nādena
durch deren Klang
daityānāṃ balahāniḥ prajāyate
entsteht ein Schwinden der Kraft der Daityas
devānāṃ vardhate tejo
die Glut der Götter wächst
yāty adharmaś ca saṃkṣayam
und das Unrecht geht zugrunde

taṃ pāñcajanyam āpūrya gatvā yamapurīṃ hariḥ / baladevaś ca balavāñ jitvā vaivasvataṃ yamam //

Diese [Muschel] Pāñcajanya erschallen lassend, gingen Hari und der kraftvolle Baladeva zu Yamas Stadt und besiegten Yama Vaivasvata.

Wort für Wort
taṃ pāñcajanyam āpūrya
diese [Muschel] Pāñcajanya erschallen lassend
gatvā yamapurīṃ hariḥ
zu Yamas Stadt gehend, Hari
baladevaś ca balavān
und der kraftvolle Baladeva
jitvā vaivasvataṃ yamam
Yama Vaivasvata besiegend

taṃ bālaṃ yātanāsaṃsthaṃ yathāpūrvaśarīriṇam / pitre pradattavān kṛṣṇo balaś ca balināṃ varaḥ //

Jenen Knaben, [zuvor] in Qual befindlich, [nun aber] wieder mit seinem früheren Körper versehen, übergaben Kṛṣṇa und Bala, der Beste der Starken, dem Vater.

Wort für Wort
taṃ bālaṃ yātanāsaṃsthaṃ
jenen Knaben, [zuvor] in Qual befindlich
yathāpūrvaśarīriṇam
wieder mit seinem früheren Körper versehen
pitre pradattavān
übergaben sie dem Vater
kṛṣṇo balaś ca balināṃ varaḥ
Kṛṣṇa und Bala, der Beste der Starken

mathurāṃ ca punaḥ prāptāv ugrasenena pālitām / prahṛṣṭapuruṣastrīkāv ubhau rāmajanārdanau //

Und wieder in Mathurā angekommen, dem [nun] von Ugrasena beschützten [Mathurā], kehrten die beiden, Rāma und Janārdana, heim, durch die Männer und Frauen [der Stadt] freudig [begrüßt].

Wort für Wort
mathurāṃ ca punaḥ prāptāv
und wieder in Mathurā angekommen
ugrasenena pālitām
dem [nun] von Ugrasena beschützten [Mathurā]
prahṛṣṭapuruṣastrīkāv
[von] freudigen Männern und Frauen [begrüßt]
ubhau rāmajanārdanau
die beiden, Rāma und Janārdana

[Anm.: 'prahṛṣṭapuruṣastrīkau' ist ein Bahuvrīhi im Dual, das entweder 'die beiden, durch die Männer und Frauen [der Stadt] erfreut wurden' oder 'begleitet von frohen Männern und Frauen' bedeuten kann; hier im ersten Sinn wiedergegeben.]

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