Kapitel 120: dhānyatīrthamāhātmyavarṇanam
Die Größe des Dhānya-Tīrtha (Die Pflanzen-Hymne über Speisen- und Landspende)
Brahmā erzählt: Nachdem die Pflanzen Soma zum Gatten erlangt haben, verkünden sie einen heiligen vedischen Vers über die Verdienstwirkung der Spende von Land, Kühen und Pflanzen an der Gaṅgā, insbesondere an gottgleiche Brahmanen. Es folgt eine Litanei (V.8-14), in der die Pflanzen (zusammen mit König Soma) versprechen, jeden, der sie den Brahmanen spendet oder diesen Vers hört/rezitiert, 'hinüberzubringen' (zu erlösen). Ursprung des Dhānya-Tīrtha, auch Auṣadhya-, Saumya-, Amṛta-, Vedagāthā- und (in Doppelung zu Kap.112) Mātṛ-Tīrtha genannt.
Brahmā sprach: 'Es wird Dhānya-Tīrtha (Getreide-Tīrtha) genannt, das den Menschen alle Wünsche gewährt, gute Ernte und Wohlergehen für die Menschen bringt und alle Gefahren abwehrt.'
Wort für Wort
dhānyatīrtham iti khyātaṃ sarvakāmapradaṃ nṛṇām
es wird Dhānya-Tīrtha genannt, das den Menschen alle Wünsche gewährt
subhikṣaṃ kṣemadaṃ puṃsāṃ sarvāpadvinivāraṇam
gute Ernte und Wohlergehen für die Menschen bringt und alle Gefahren abwehrt
Die Pflanzen sprachen: 'Es gibt einen heiligen vedischen Vers, den die Vedakundigen kennen: Wer die getreidereiche Erde, die Mutter, gleich einer leiblichen Mutter geachtet,
Wort für Wort
vaidikī puṇyagāthāsti yāṃ vai vedavido viduḥ
es gibt einen heiligen vedischen Vers, den die Vedakundigen kennen
bhūmiṃ sasyavatīṃ kaścin mātaraṃ mātṛsaṃmitām
wer die getreidereiche Erde, die Mutter, gleich einer leiblichen Mutter geachtet
viṣṇubrahmeśarūpāya yo dadyād bhaktimān naraḥ /
sarvaṃ tad akṣayaṃ vidyāt sarvakāmān avāpnuyāt // BrP_120.5 //
'Wer als hingebungsvoller Mensch diese Gaben an einen in Viṣṇu-, Brahmā- oder Śiva-Gestalt verkörperten Brahmanen gibt, der möge wissen, dass all dies unvergänglich im Verdienst ist, und er erlangt alle Wünsche.'
Wort für Wort
viṣṇubrahmeśarūpāya yo dadyād bhaktimān naraḥ
wer als hingebungsvoller Mensch (diese Gaben) an einen in Viṣṇu-, Brahmā- oder Śiva-Gestalt (verkörperten Brahmanen) gibt
sarvaṃ tad akṣayaṃ vidyāt sarvakāmān avāpnuyāt
der möge wissen, dass all dies unvergänglich ist, und er erlangt alle Wünsche
Die Pflanzen sprachen: 'Wer uns an der Gaṅgā verschenkt, den bringen wir hinüber, o König; du bist der Vorzüglichste, Herr der Pflanzen, dir untertan ist die bewegliche und unbewegliche Welt.'
Wort für Wort
yo 'smān dadāti gaṅgāyāṃ taṃ rājan pārayāmasi
wer uns an der Gaṅgā verschenkt, den bringen wir hinüber, o König
tvam uttamaś cauṣadhīśa tvadadhīnaṃ carācaram
du bist der Vorzüglichste, Herr der Pflanzen, dir untertan ist die bewegliche und unbewegliche Welt
vayaṃ ca brahmarūpiṇyaḥ prāṇarūpiṇya eva ca /
yo 'smān dadāti viprebhyas taṃ rājan pārayāmasi // BrP_120.10 //
'Wir haben die Gestalt des Brahman und ebenso die Gestalt des Lebensatems (Prāṇa); wer uns den Brahmanen verschenkt, den bringen wir hinüber, o König.'
Wort für Wort
vayaṃ ca brahmarūpiṇyaḥ prāṇarūpiṇya eva ca
wir haben die Gestalt des Brahman und ebenso die Gestalt des Lebensatems
yo 'smān dadāti viprebhyas taṃ rājan pārayāmasi
wer uns den Brahmanen verschenkt, den bringen wir hinüber, o König
havyaṃ kavyaṃ yad amṛtaṃ yat kiṃcid upabhujyate /
tadgarīyaś ca yo dadyāt taṃ rājan pārayāmasi // BrP_120.13 //
'Was als Götteropfer (Havya), Ahnenopfer (Kavya) oder Amṛta gilt, was auch immer genossen wird – wer dies Kostbarere verschenkt, den bringen wir hinüber, o König.'
Wort für Wort
havyaṃ kavyaṃ yad amṛtaṃ yat kiṃcid upabhujyate
was als Götteropfer, Ahnenopfer oder Amṛta gilt, was auch immer genossen wird
tadgarīyaś ca yo dadyāt taṃ rājan pārayāmasi
wer dies Kostbarere verschenkt, den bringen wir hinüber, o König
tataḥ prabhṛti tat tīrtham auṣadhyaṃ saumyam eva ca /
amṛtaṃ vedagāthaṃ ca mātṛtīrthaṃ tathaiva ca // BrP_120.16 //
Von da an ist jene Pilgerstätte das Pflanzen-Tīrtha (Auṣadhya) und ebenso das Soma-Tīrtha (Saumya), das Amṛta-Tīrtha, das Vedagāthā-Tīrtha und ebenso das Mātṛ-Tīrtha.
Wort für Wort
tataḥ prabhṛti tat tīrtham auṣadhyaṃ saumyam eva ca
von da an ist jene Pilgerstätte das Pflanzen-Tīrtha und ebenso das Soma-Tīrtha
amṛtaṃ vedagāthaṃ ca mātṛtīrthaṃ tathaiva ca
das Amṛta-Tīrtha, das Vedagāthā-Tīrtha und ebenso das Mātṛ-Tīrtha
[Anm.: Die Bezeichnung 'Mātṛtīrtha' erscheint hier als eine von mehreren Nebennamen dieser Stätte – bereits Kap.112 trug diesen Namen für eine andere Erzählung; die Doppelung wird unkommentiert aus dem Quelltext übernommen.]
eṣu snānaṃ japo homo dānaṃ ca pitṛtarpaṇam /
annadānaṃ tu yaḥ kuryāt tad ānantyāya kalpate // BrP_120.17 //
Bad, Rezitation (Japa), Feueropfer (Homa), Spende und Ahnenopfer (Pitṛtarpaṇa) an diesen Stätten – wer aber eine Speisenspende (Annadāna) vollzieht, dies dient der Unendlichkeit des Verdienstes.
Wort für Wort
eṣu snānaṃ japo homo dānaṃ ca pitṛtarpaṇam
Bad, Rezitation, Feueropfer, Spende und Ahnenopfer an diesen (Stätten)
annadānaṃ tu yaḥ kuryāt tad ānantyāya kalpate
wer aber eine Speisenspende vollzieht, dies dient der Unendlichkeit des Verdienstes