Kapitel 215: dakṣiṇadvāranarakavarṇanam
Die Schilderung des Südtors und der Höllen
Fortsetzung der Yama-Erzählung: der furchtbare Weg zum Südtor (Dornen, Glut, wilde Tiere, Feuer- und Steinregen, V.1-28), die verzweifelten, hungernden und dürstenden Sünder und die harte Zurückweisung durch die Diener Yamas mit der Lehre, dass Ungegebenes im Jenseits nicht erlangt werden kann (V.29-42), die Ankunft vor Yama selbst in vollständiger, furchterregender ikonographischer Schilderung (achtzehnarmig, büffelreitend, umgeben von Krankheiten und der Kālarātrī, V.43-55), Citraguptas Ermahnungsrede an die Sünder (V.56-59), Yamas scharfe Tribunalrede gegen gefallene, tyrannische Könige und deren Bestrafung (V.60-71), ein weiterer Bericht der Yamadūtas über einen einzelnen schwer sündigen Menschen samt Yamas Anweisung zur Bestrafung (V.72-83), und schließlich ein ausführlicher Katalog von rund 30 namentlich genannten Höllen, jeweils mit ihrer spezifischen, der jeweiligen Sünde entsprechenden Strafe (u.a. Mahāvācī, Kumbhīpāka, Raurava, Mahāraurava, Tāmisra, Mahātāmisra, Asipattravana, Karambhavālukā, Kākola, Kuḍmala, Mahāvaṭa, Tilapāka, Tailapāka, Vajrakapāṭa, Nirucchvāsa, Aṅgāropacaya, Mahāpāyī, Mahājvāla, Krakaca, Guḍapāka, Kṣuradhāra, Ambarīṣa, Vajrakuṭhāra, Paritāpa, Kālasūtra, Kaśmala, Ugragandha, Durdhara, Vajramahāpīḍā, V.84-137), mit einer abschließenden allgemeinen Lehre, dass Himmel und Hölle beide durch die eigenen Taten erworben werden (V.138-142). Mehrere irreguläre Versformen: dreizeilige Verse (V.32, 99, 142) und Halbverse mit editorischem Sternchen (V.56, 98).
sughoraṃ tan mahāghoraṃ dvāraṃ vakṣyāmi bhīṣaṇam / nānāśvāpadasaṃkīrṇaṃ śivāśatanininaditam //
Vyāsa sprach: Dieses sehr schreckliche, überaus furchtbare, entsetzliche Tor werde ich beschreiben, von mancherlei Raubtieren wimmelnd, vom Geheul hunderter Schakale erfüllt.
Wort für Wort
sughoraṃ tan mahāghoraṃ dvāraṃ vakṣyāmi bhīṣaṇam /
Dieses sehr schreckliche, überaus furchtbare, entsetzliche Tor werde ich beschreiben,
nānāśvāpadasaṃkīrṇaṃ śivāśatanininaditam //
von mancherlei Raubtieren wimmelnd, vom Geheul hunderter Schakale erfüllt.
mit schrecklichen Fliegen, stellenweise mit von Schlangengift geschwollenen (Wesen), stellenweise wieder mit bösartigen, kraftberauschten, zerstörerischen Elefanten,
Wort für Wort
makṣikābhiś ca raudrābhiḥ kvacit sarpaviṣolbaṇaiḥ /
mit schrecklichen Fliegen, stellenweise mit von Schlangengift geschwollenen Wesen,
pānāni ca sugandhīni śītalāny udakāni ca / tān yācamānāṃs te yāmyā bhartsayantas tadābruvan / vacobhiḥ paruṣair bhīmāḥ krodharaktāntalocanāḥ //
und wohlriechende Getränke sowie kühles Wasser – während sie darum betteln, schmähen die Diener Yamas sie mit rauen, furchtbaren Worten, die Augenwinkel vor Zorn gerötet, und sprechen:
Wort für Wort
pānāni ca sugandhīni śītalāny udakāni ca /
und wohlriechende Getränke sowie kühles Wasser –
tān yācamānāṃs te yāmyā bhartsayantas tadābruvan /
während sie darum betteln, schmähen sie, die Diener Yamas, und sprechen
vacobhiḥ paruṣair bhīmāḥ krodharaktāntalocanāḥ //
mit rauen, furchtbaren Worten, die Augenwinkel vor Zorn gerötet:
na bhavadbhir hutaṃ kāle na dattaṃ brāhmaṇeṣu ca / prasabhaṃ dīyamānaṃ ca vāritaṃ ca dvijātiṣu //
Die Diener Yamas sprachen: Von euch wurde nichts zur rechten Zeit geopfert und nichts den Brahmanen gegeben; auch wurde gewaltsam verhindert, was den Zweifachgeborenen gegeben werden sollte.
Wort für Wort
na bhavadbhir hutaṃ kāle na dattaṃ brāhmaṇeṣu ca /
Von euch wurde nichts zur rechten Zeit geopfert und nichts den Brahmanen gegeben;
prasabhaṃ dīyamānaṃ ca vāritaṃ ca dvijātiṣu //
auch wurde gewaltsam verhindert, was den Zweifachgeborenen gegeben werden sollte.
tasya pāpasya ca phalaṃ bhavatāṃ samupāgatam / nāgnau dagdhaṃ jale naṣṭaṃ na hṛtaṃ nṛpataskaraiḥ //
Die Frucht dieser Sünde ist nun über euch gekommen. Was ihr zurückhieltet, ist nicht im Feuer verbrannt, nicht im Wasser verloren, nicht von König oder Dieb geraubt worden –
Wort für Wort
tasya pāpasya ca phalaṃ bhavatāṃ samupāgatam /
Die Frucht dieser Sünde ist nun über euch gekommen.
nāgnau dagdhaṃ jale naṣṭaṃ na hṛtaṃ nṛpataskaraiḥ //
Was ihr zurückhieltet, ist nicht im Feuer verbrannt, nicht im Wasser verloren, nicht von König oder Dieb geraubt worden –
kuto vā sāṃprataṃ vipre yan na dattaṃ purādhamāḥ / yair dattāni tu dānāni sādhubhiḥ sāttvikāni tu //
woher sollte es jetzt, ihr niederträchtigen Elenden, für den Brahmanen verfügbar sein, da ihr es nicht gegeben habt? Diejenigen aber, die reine Gaben in Güte gegeben haben –
Wort für Wort
kuto vā sāṃprataṃ vipre yan na dattaṃ purādhamāḥ /
woher sollte es jetzt, ihr niederträchtigen Elenden, für den Brahmanen verfügbar sein, da ihr es nicht gegeben habt?
yair dattāni tu dānāni sādhubhiḥ sāttvikāni tu //
Diejenigen aber, die reine Gaben in Güte gegeben haben –
na yūyam abhilapsyadhve na dattaṃ ca kathaṃcana / yais tu dattaṃ hutaṃ ceṣṭaṃ brāhmaṇāś caiva pūjitāḥ //
Ihr aber werdet nichts erlangen, da ihr auf keine Weise etwas gegeben habt. Diejenigen jedoch, die gegeben, geopfert und verehrt und die Brahmanen geehrt haben –
Wort für Wort
na yūyam abhilapsyadhve na dattaṃ ca kathaṃcana /
Ihr aber werdet nichts erlangen, da ihr auf keine Weise etwas gegeben habt.
yais tu dattaṃ hutaṃ ceṣṭaṃ brāhmaṇāś caiva pūjitāḥ //
Diejenigen jedoch, die gegeben, geopfert und verehrt und die Brahmanen geehrt haben –
Vyāsa sprach: Nachdem sie die Worte der Diener gehört haben, ohne Hoffnung, von Hunger und Durst gequält, werden sie dann von den Dienern Yamas mit furchtbaren Waffen gepeinigt,
na praveṣṭuṃ na nirgantuṃ labhante duḥkhitā bhṛśam / svakarmopahatāḥ pāpāḥ krandamānāḥ sudāruṇāḥ //
Weder hineinzugehen noch herauszukommen vermögen sie, überaus leidend; von ihren eigenen Taten geschlagen, schreien die Sünder laut in ihrer schrecklichen Not.
Wort für Wort
na praveṣṭuṃ na nirgantuṃ labhante duḥkhitā bhṛśam /
Weder hineinzugehen noch herauszukommen vermögen sie, überaus leidend;
svakarmopahatāḥ pāpāḥ krandamānāḥ sudāruṇāḥ //
von ihren eigenen Taten geschlagen, schreien die Sünder laut in ihrer schrecklichen Not.
Yama, der gerechtgesinnte, rechthandelnde Gott, der alle bezähmt. So gelangen die Menschen, nach diesem überaus qualvollen Weg, in die Stadt der Verstorbenen,
Wort für Wort
dharmātmā dharmakṛd devaḥ sarvasaṃyamano yamaḥ /
Yama, der gerechtgesinnte, rechthandelnde Gott, der alle bezähmt.
evaṃ pathātikaṣṭena prāptāḥ pretapuraṃ narāḥ //
So gelangen die Menschen, nach diesem überaus qualvollen Weg, in die Stadt der Verstorbenen,
sie, deren Augen von der Sünde getrübt, deren Verstand pervertiert ist: sein Antlitz von Hauern grässlich entstellt, sein Blick durch gerunzelte Brauen verzerrt,
Wort für Wort
pāpāpaviddhanayanā viparītātmabuddhayaḥ /
sie, deren Augen von der Sünde getrübt, deren Verstand pervertiert ist:
daṃṣṭrākarālavadanaṃ bhrukūṭīkuṭilekṣaṇam //
sein Antlitz von Hauern grässlich entstellt, sein Blick durch gerunzelte Brauen verzerrt,
rote Girlanden und Gewänder tragend, aufragend wie eine gewaltige Wolke, tosend wie die Wolken des Weltuntergangs, gleichsam den großen Ozean austrinkend,
Wort für Wort
raktamālyāmbaradharaṃ mahāmegham ivocchritam /
rote Girlanden und Gewänder tragend, aufragend wie eine gewaltige Wolke,
pralayāmbudanirghoṣaṃ pibann iva mahodadhim //
tosend wie die Wolken des Weltuntergangs, gleichsam den großen Ozean austrinkend,
pralayānalasaṃkāśaṃ kṛtāntaṃ ca bhayānakam / mārīcogrā mahāmārī kālarātrī ca dāruṇā //
gleichend dem Feuer des Weltuntergangs, dem furchtbaren Kṛtānta [Yama als 'Ende-Macher']; dort ist auch die grimmige große Seuche Mārī und die schreckliche Kālarātrī [die 'Nacht des Todes'],
Wort für Wort
pralayānalasaṃkāśaṃ kṛtāntaṃ ca bhayānakam /
gleichend dem Feuer des Weltuntergangs, dem furchtbaren Kṛtānta;
mārīcogrā mahāmārī kālarātrī ca dāruṇā //
dort ist auch die grimmige große Seuche Mārī und die schreckliche Kālarātrī,
mancherlei quälende Krankheiten von vielfältiger, furchterregender Gestalt; sie tragen Speer, Dreizack und Elefantenstachel, halten Fangschlinge, Diskus und Schwert,
Wort für Wort
vividhā vyādhayaḥ kaṣṭā nānārūpā bhayāvahāḥ /
mancherlei quälende Krankheiten von vielfältiger, furchterregender Gestalt;
śaktiśūlāṅkuśadharāḥ pāśacakrāsidhāriṇaḥ //
sie tragen Speer, Dreizack und Elefantenstachel, halten Fangschlinge, Diskus und Schwert,
den Donnerkeilstab tragend, schrecklich, mit Bogen und Köcher voller Rasiermesser-Pfeile, unzählbar, von großer Kraft, grausam und schwarz glänzend wie Augenschminke,
Wort für Wort
vajradaṇḍadharā raudrāḥ kṣuratūṇadhanurdharāḥ /
den Donnerkeilstab tragend, schrecklich, mit Bogen und Köcher voller Rasiermesser-Pfeile,
asaṃkhyātā mahāvīryāḥ krūrāś cāñjanasaprabhāḥ //
unzählbar, von großer Kraft, grausam und schwarz glänzend wie Augenschminke,
citraguptas tu bhagavān dharmavākyaiḥ prabodhayan //* BrP_215.56 //
Der erhabene Citragupta aber, sie mit Worten des Dharma belehrend, spricht:
Wort für Wort
citraguptas tu bhagavān dharmavākyaiḥ prabodhayan //
Der erhabene Citragupta aber, sie mit Worten des Dharma belehrend, spricht:
[Anm.: Halbvers mit editorischem Sternchen in der Quelle (fehlende zweite Vershälfte); inhaltlich unmittelbar mit V.57 verbunden, wo die direkte Rede Citraguptas beginnt.]
Wir sehen nichts mehr von der ganzen Macht, mit der ihr das Volk vernichtet habt. Nun, da ihr von den Yamadūtas zerrissen werdet – wie ist das als Frucht eurer Taten?
Wort für Wort
paśyāmo na balaṃ sarvaṃ yena vidhvaṃsitāḥ prajāḥ /
Wir sehen nichts mehr von der ganzen Macht, mit der ihr das Volk vernichtet habt.
yamadūtaiḥ pāṭyamānā adhunā kīdṛśaṃ phalam //
Nun, da ihr von den Yamadūtas zerrissen werdet – wie ist das als Frucht eurer Taten?
Die Diener Yamas sprachen: Dieser hier, o Gott, wurde auf deinen Befehl von uns hergebracht – überaus verblendet, dem Dharma stets abgewandt, an Sünde erfreut.
Wort für Wort
eṣa deva tavādeśād asmābhir mohito bhṛśam /
Dieser hier, o Gott, wurde auf deinen Befehl von uns hergebracht – überaus verblendet,
Ein Verkehrer mit unerlaubten Frauen, von böser Gesinnung, ein Räuber fremden Eigentums, ein Mädchenverkäufer, ein Falschzeuge, undankbar, ein Betrüger von Freunden.
Wort für Wort
agamyāgāmī duṣṭātmā paradravyāpahārakaḥ /
Ein Verkehrer mit unerlaubten Frauen, von böser Gesinnung, ein Räuber fremden Eigentums,
kanyākrayī kūṭasākṣī kṛtaghno mitravañcakaḥ //
ein Mädchenverkäufer, ein Falschzeuge, undankbar, ein Betrüger von Freunden.
Von diesem, vom Rausch (des Hochmuts) Berauschten, wurde der Dharma stets verunglimpft; Sünde wurde als Tat von diesem Bösgesinnten in der Sterblichenwelt begangen.
Wort für Wort
anena madamattena sadā dharmo vininditaḥ /
Von diesem, vom Rausch des Hochmuts Berauschten, wurde der Dharma stets verunglimpft;
pāpam ācaritaṃ karma martyaloke durātmanā //
Sünde wurde als Tat von diesem Bösgesinnten in der Sterblichenwelt begangen.
Vyāsa sprach: Nachdem sie so den Herrn der Götter unterrichtet haben, stellen sie den Sünder vor ihn; unter Tausenden, Hunderttausenden und Hunderten von Millionen von Höllen
Wort für Wort
iti vijñāpya deveśaṃ nyasyāgre pāpakāriṇam /
Nachdem sie so den Herrn der Götter unterrichtet haben, stellen sie den Sünder vor ihn;
narakāṇāṃ sahasreṣu lakṣakoṭiśateṣu ca //
unter Tausenden, Hunderttausenden und Hunderten von Millionen von Höllen
hunderttausend Jahre lang, in dieser überaus schrecklichen Hölle, wer eine Kuh getötet hat. Es folgt Kumbhīpāka, überaus furchtbar, hunderttausend Yojanas ausgedehnt,
Wort für Wort
varṣalakṣaṃ mahāghoraṃ goghātī narake naraḥ /
hunderttausend Jahre lang, in dieser überaus schrecklichen Hölle, wer eine Kuh getötet hat.
yojanānāṃ śataṃ lakṣaṃ kumbhīpākaṃ sudāruṇam //
Es folgt Kumbhīpāka, überaus furchtbar, hunderttausend Yojanas ausgedehnt,
tāmrakumbhavatī dīptā vālukāṅgārasaṃvṛtā / brahmahā bhūmihartā ca nikṣepasyāpahārakaḥ //
voller glühender Kupfertöpfe, von Sand und glühenden Kohlen bedeckt – dorthin kommt der Brahmanenmörder, der Landräuber und der Veruntreuer anvertrauten Gutes;
Wort für Wort
tāmrakumbhavatī dīptā vālukāṅgārasaṃvṛtā /
voller glühender Kupfertöpfe, von Sand und glühenden Kohlen bedeckt –
brahmahā bhūmihartā ca nikṣepasyāpahārakaḥ //
dorthin kommt der Brahmanenmörder, der Landräuber und der Veruntreuer anvertrauten Gutes;
nikṣiptās tatra dahyante bandigrāhakṛtāś ca ye / apratiṣṭheti narakaṃ pūyamūtrapurīṣakam //
hineingeworfen, verbrennen dort diejenigen, die Menschen entführt und als Geiseln genommen haben. Es folgt die Hölle Apratiṣṭhā, voller Eiter, Urin und Kot,
Wort für Wort
nikṣiptās tatra dahyante bandigrāhakṛtāś ca ye /
hineingeworfen, verbrennen dort diejenigen, die Menschen entführt und als Geiseln genommen haben.
apratiṣṭheti narakaṃ pūyamūtrapurīṣakam //
Es folgt die Hölle Apratiṣṭhā, voller Eiter, Urin und Kot,
adhomukhaḥ patet tatra brāhmaṇasyopapīḍakaḥ / lākṣāprajvalitaṃ ghoraṃ narakaṃ tu vilepakam //
mit dem Gesicht nach unten fällt dort hinein, wer einen Brahmanen bedrängt hat. Es folgt die schreckliche, von brennendem Lack lodernde Hölle Vilepaka,
Wort für Wort
adhomukhaḥ patet tatra brāhmaṇasyopapīḍakaḥ /
mit dem Gesicht nach unten fällt dort hinein, wer einen Brahmanen bedrängt hat.
lākṣāprajvalitaṃ ghoraṃ narakaṃ tu vilepakam //
Es folgt die schreckliche, von brennendem Lack lodernde Hölle Vilepaka,
nimagnās tatra dahyante madyapāne dvijottamāḥ / mahāprabheti narakaṃ dīptaśūlamahocchrayam //
dort, versenkt, verbrennen die besten der Zweifachgeborenen, die Alkohol getrunken haben. Es folgt die Hölle Mahāprabhā, mit hoch aufragenden, glühenden Spießen,
Wort für Wort
nimagnās tatra dahyante madyapāne dvijottamāḥ /
dort, versenkt, verbrennen die besten der Zweifachgeborenen, die Alkohol getrunken haben.
mahāprabheti narakaṃ dīptaśūlamahocchrayam //
Es folgt die Hölle Mahāprabhā, mit hoch aufragenden, glühenden Spießen,
an ihr klettert unter Qualen hinauf die Frau, die mit vielen Männern verkehrt hat. Diejenigen, die stets Unwahrheit sprechen, das tiefste Innerste anderer verletzend,
Wort für Wort
tayā liṅgati duḥkhārtā nārī bahunaraṃgamā /
an ihr klettert unter Qualen hinauf die Frau, die mit vielen Männern verkehrt hat.
ye vadanti sadāsatyaṃ paramarmāvakartanam //
Diejenigen, die stets Unwahrheit sprechen, das tiefste Innerste anderer verletzend,
Diejenigen, die mit der Mutter, Schwester, Tochter oder Schwiegertochter geschlechtlich verkehren, und die Mörder von Frauen, Kindern und Greisen – solange vierzehn Indras (amtieren, bleiben sie) in der schrecklichen, von Flammengirlanden umgebenen Hölle namens Mahāraurava.
Wort für Wort
mātaraṃ ye 'pi gacchanti bhaginīṃ duhitaraṃ snuṣām /
Diejenigen, die mit der Mutter, Schwester, Tochter oder Schwiegertochter geschlechtlich verkehren,
strībālavṛddhahantāro yāvad indrāś caturdaśa /
und die Mörder von Frauen, Kindern und Greisen – solange vierzehn Indras amtieren,
jvālāmālākulaṃ raudraṃ mahārauravasaṃjñitam //
bleiben sie in der schrecklichen, von Flammengirlanden umgebenen Hölle namens Mahāraurava.
yojanāyutavistāraṃ jvalatkhaḍgaiḥ samākulam / pātitas tatra taiḥ khaḍgaiḥ śatadhā tu samāhataḥ //
zehntausend Yojanas ausgedehnt, voller lodernder Schwerter (als Blätter); dort hineingestürzt, wird man von diesen Schwertern in hundert Stücke zerschlagen –
wer durch überaus schändliche, betrügerische Mittel ständig andere Menschen verbrannt hat. Es folgt die Hölle namens Kākola, von Würmern und Eiter überflutet,
Wort für Wort
yena dagdho jano nityaṃ mithyopāyaiḥ sudāruṇaiḥ /
wer durch überaus schändliche, betrügerische Mittel ständig andere Menschen verbrannt hat.
kākolaṃ nāma narakaṃ kṛmipūyapariplutam //
Es folgt die Hölle namens Kākola, von Würmern und Eiter überflutet,
dorthin wird der Bösgesinnte geworfen, der allein für sich Süßspeisen gegessen hat, ohne zu teilen. Es folgt die Hölle namens Kuḍmala, voller Kot, Urin und Blut,
Wort für Wort
kṣipyate tatra duṣṭātmā ekākī miṣṭabhuṅ naraḥ /
dorthin wird der Bösgesinnte geworfen, der allein für sich Süßspeisen gegessen hat, ohne zu teilen.
kuḍmalaṃ nāma narakaṃ pūrṇaṃ viṇmūtraśoṇitaiḥ //
Es folgt die Hölle namens Kuḍmala, voller Kot, Urin und Blut,
pañcayajñakriyāhīnāḥ kṣipyante tatra vai narāḥ / sudurgandhaṃ mahābhīmaṃ māṃsaśoṇitasaṃkulam //
dorthin werden die Männer geworfen, die die fünf großen Opferpflichten versäumt haben – überaus übelriechend, überaus furchtbar, voller Fleisch und Blut,
Wort für Wort
pañcayajñakriyāhīnāḥ kṣipyante tatra vai narāḥ /
dorthin werden die Männer geworfen, die die fünf großen Opferpflichten versäumt haben –
sudurgandhaṃ mahābhīmaṃ māṃsaśoṇitasaṃkulam //
überaus übelriechend, überaus furchtbar, voller Fleisch und Blut,
dort stürzen die niedrigsten der Menschen hinein, die sich an ungenießbarer Speise erfreut haben. Es folgt Mahāvaṭa, voll von Würmern und Insekten, voller Leichen,
Wort für Wort
abhakṣyānne ratās te 'tra nipatanti narādhamāḥ /
dort stürzen die niedrigsten der Menschen hinein, die sich an ungenießbarer Speise erfreut haben.
krimikīṭasamākīrṇaṃ śavapūrṇaṃ mahāvaṭam //
Es folgt Mahāvaṭa, voll von Würmern und Insekten, voller Leichen,
pacyate tatra mitraghno hantā ca śaraṇāgatam / nāmnā vajrakapāṭeti vajraśṛṅkhalayānvitam //
dort wird gekocht der Freundesmörder und wer einen Schutzsuchenden getötet hat. Es folgt die Hölle namens Vajrakapāṭa, mit diamantharten Ketten versehen,
Wort für Wort
pacyate tatra mitraghno hantā ca śaraṇāgatam /
dort wird gekocht der Freundesmörder und wer einen Schutzsuchenden getötet hat.
nāmnā vajrakapāṭeti vajraśṛṅkhalayānvitam //
Es folgt die Hölle namens Vajrakapāṭa, mit diamantharten Ketten versehen,
dort werden erbarmungslos gequält, die mit Milch unehrlich Handel getrieben haben. Es folgt die Hölle namens Nirucchvāsa ['Atemlos'], in Finsternis blind, ohne jeden Windhauch,
Wort für Wort
pīḍyante nirdayaṃ tatra yaiḥ kṛtaḥ kṣīravikrayaḥ /
dort werden erbarmungslos gequält, die mit Milch unehrlich Handel getrieben haben.
nirucchvāsa iti proktaṃ tamondhaṃ vātavarjitam //
Es folgt die Hölle namens Nirucchvāsa, in Finsternis blind, ohne jeden Windhauch,
niśceṣṭaṃ kṣipyate tatra vipradānanirodhakṛt / aṅgāropacayaṃ nāma dīptāṅgārasamujjvalam //
regungslos wird dorthin geworfen, wer eine versprochene Gabe an einen Brahmanen verhindert hat. Es folgt die Hölle namens Aṅgāropacaya, glühend von aufgehäuften Kohlen,
Wort für Wort
niśceṣṭaṃ kṣipyate tatra vipradānanirodhakṛt /
regungslos wird dorthin geworfen, wer eine versprochene Gabe an einen Brahmanen verhindert hat.
aṅgāropacayaṃ nāma dīptāṅgārasamujjvalam //
Es folgt die Hölle namens Aṅgāropacaya, glühend von aufgehäuften Kohlen,
pātyante 'dhomukhās tatra ye jalpanti sadānṛtam / mahājvāleti narakaṃ jvālābhāsvarabhīṣaṇam //
dort werden mit dem Gesicht nach unten hineingestürzt, die stets die Unwahrheit reden. Es folgt die Hölle namens Mahājvāla, furchtbar durch strahlende Flammen,
Wort für Wort
pātyante 'dhomukhās tatra ye jalpanti sadānṛtam /
dort werden mit dem Gesicht nach unten hineingestürzt, die stets die Unwahrheit reden.
mahājvāleti narakaṃ jvālābhāsvarabhīṣaṇam //
Es folgt die Hölle namens Mahājvāla, furchtbar durch strahlende Flammen,
mit Sägen von grimmig-scharfer Schneide, die sich am Verkehr mit unerlaubten Frauen erfreut haben. Es folgt die Hölle namens Guḍapāka, von Seen aus siedendem Zuckersirup umgeben,
Wort für Wort
krakacair vajradhārograir agamyāgamane ratāḥ /
mit Sägen von grimmig-scharfer Schneide, die sich am Verkehr mit unerlaubten Frauen erfreut haben.
narakaṃ guḍapāketi jvaladguḍahradair vṛtam //
Es folgt die Hölle namens Guḍapāka, von Seen aus siedendem Zuckersirup umgeben,
chidyante tatra kalpāntaṃ viprabhūmiharā narāḥ / narakaṃ cāmbarīṣākhyaṃ pralayānaladīpitam //
dort werden bis zum Ende des Weltzeitalters zerschnitten die Männer, die Brahmanenland geraubt haben. Es folgt die Hölle namens Ambarīṣa, entflammt vom Feuer des Weltuntergangs,
Wort für Wort
chidyante tatra kalpāntaṃ viprabhūmiharā narāḥ /
dort werden bis zum Ende des Weltzeitalters zerschnitten die Männer, die Brahmanenland geraubt haben.
narakaṃ cāmbarīṣākhyaṃ pralayānaladīpitam //
Es folgt die Hölle namens Ambarīṣa, entflammt vom Feuer des Weltuntergangs,
dort wird für ein Kalpa hineingeworfen, wer stets Gefallen an Fleisch fand. Es folgt die Hölle namens Ugragandha, voller Speichel, Urin und Kot,
Wort für Wort
tatra saṃkṣipyate kalpaṃ sadā māṃsarucir naraḥ /
dort wird für ein Kalpa hineingeworfen, wer stets Gefallen an Fleisch fand.
narakaṃ cogragandheti lālāmūtrapurīṣavat //
Es folgt die Hölle namens Ugragandha, voller Speichel, Urin und Kot,
[Anm.: 'māṃsaruciḥ' ('Fleisch-Liebhaber') hier wörtlich übersetzt; die genaue Bedeutung – bloße Fleischesserei oder ein spezifischeres Vergehen – bleibt unsicher.]
kṣipyante tatra narake pitṛpiṇḍāprayacchakāḥ / narakaṃ durdharaṃ nāma jalaukāvṛścikākulam //
dorthin werden geworfen, die den Vorfahren die Totenspeise (Piṇḍa) verweigert haben. Es folgt die Hölle namens Durdhara, voller Blutegel und Skorpione,
Wort für Wort
kṣipyante tatra narake pitṛpiṇḍāprayacchakāḥ /
dorthin werden geworfen, die den Vorfahren die Totenspeise verweigert haben.
narakaṃ durdharaṃ nāma jalaukāvṛścikākulam //
Es folgt die Hölle namens Durdhara, voller Blutegel und Skorpione,
yamadūtaiś ca caurās te chidyante lavaśaḥ kṣuraiḥ / ye hatvā prāṇinaṃ mūḍhāḥ khādante kākagṛdhravat //
Und diese Diebe werden von den Dienern Yamas mit Rasiermessern in Stücke geschnitten. Diejenigen Verblendeten, die, nachdem sie ein Lebewesen getötet haben, es wie Krähen und Geier verzehren,
Wort für Wort
yamadūtaiś ca caurās te chidyante lavaśaḥ kṣuraiḥ /
Und diese Diebe werden von den Dienern Yamas mit Rasiermessern in Stücke geschnitten.
ye hatvā prāṇinaṃ mūḍhāḥ khādante kākagṛdhravat //
Diejenigen Verblendeten, die, nachdem sie ein Lebewesen getötet haben, es wie Krähen und Geier verzehren,
bhojyante ca svamāṃsaṃ te kalpāntaṃ yamakiṃkaraiḥ / āsanaṃ śayanaṃ vastraṃ parakīyaṃ haranti ye //
denen wird von den Dienern Yamas bis zum Ende des Kalpas ihr eigenes Fleisch zu essen gegeben. Diejenigen, die Sitz, Lager oder Kleidung anderer rauben,
Wort für Wort
bhojyante ca svamāṃsaṃ te kalpāntaṃ yamakiṃkaraiḥ /
denen wird von den Dienern Yamas bis zum Ende des Kalpas ihr eigenes Fleisch zu essen gegeben.
āsanaṃ śayanaṃ vastraṃ parakīyaṃ haranti ye //
Diejenigen, die Sitz, Lager oder Kleidung anderer rauben,
yamadūtaiś ca te mūḍhā bhidyante śaktitomaraiḥ / phalaṃ pattraṃ nṛṇāṃ vāpi hṛtaṃ yais tu kubuddhibhiḥ //
diese Verblendeten werden von den Dienern Yamas mit Speeren und Lanzen durchbohrt. Wenn Frucht oder Blatt fremder Bäume von jenen mit schlechter Gesinnung geraubt wurde,
Wort für Wort
yamadūtaiś ca te mūḍhā bhidyante śaktitomaraiḥ /
diese Verblendeten werden von den Dienern Yamas mit Speeren und Lanzen durchbohrt.
phalaṃ pattraṃ nṛṇāṃ vāpi hṛtaṃ yais tu kubuddhibhiḥ //
Wenn Frucht oder Blatt fremder Bäume von jenen mit schlechter Gesinnung geraubt wurde,
nācaranti hi te dharmaṃ pramādenāpi mohitāḥ / ihaiva phalabhoktāraḥ paratra vimukhāś ca ye //
diese üben, durch Nachlässigkeit verblendet, den Dharma nicht aus. Diejenigen, die nur hier (auf Erden) die Frucht ihrer Taten genießen wollen und dem Jenseits abgewandt sind,
Wort für Wort
nācaranti hi te dharmaṃ pramādenāpi mohitāḥ /
diese üben, durch Nachlässigkeit verblendet, den Dharma nicht aus.
ihaiva phalabhoktāraḥ paratra vimukhāś ca ye //
Diejenigen, die nur hier auf Erden die Frucht ihrer Taten genießen wollen und dem Jenseits abgewandt sind,
te patanti sughoreṣu narakeṣu narādhamāḥ / dāruṇo narake vāsaḥ svargavāsaḥ sukhapradaḥ / naraiḥ saṃprāpyate tatra karma kṛtvā śubhāśubham //
diese niedrigsten der Menschen stürzen in die überaus schrecklichen Höllen. Furchtbar ist der Aufenthalt in der Hölle, freudenspendend der Aufenthalt im Himmel – beides erlangen die Menschen, je nachdem, ob sie gute oder böse Taten vollbracht haben.
Wort für Wort
te patanti sughoreṣu narakeṣu narādhamāḥ /
diese niedrigsten der Menschen stürzen in die überaus schrecklichen Höllen.
dāruṇo narake vāsaḥ svargavāsaḥ sukhapradaḥ /
Furchtbar ist der Aufenthalt in der Hölle, freudenspendend der Aufenthalt im Himmel –
naraiḥ saṃprāpyate tatra karma kṛtvā śubhāśubham //
beides erlangen die Menschen, je nachdem, ob sie gute oder böse Taten vollbracht haben.