Quellen der Menschheit

Brahma-Purāṇa

Kapitel 245: ṣaḍviṃśakabodhavarṇanaṃ guhyopadeśavidhiś ca Die Darlegung der Erwachung zum Sechsundzwanzigsten und die Regel der geheimen Unterweisung

{vasiṣṭha uvāca: } aprabuddham athāvyaktam imaṃ guṇanidhiṃ sadā / guṇānāṃ dhāryatāṃ tattvaṃ sṛjaty ākṣipate tathā //

Vasiṣṭha sprach: Das nicht-erweckte Unmanifeste, diesen beständigen Schatz der Guṇas, das die Guṇas tragende Prinzip - es erschafft und zieht sie ebenso zurück,

Wort für Wort
aprabuddham athāvyaktam
das nicht-erweckte Unmanifeste
imaṃ guṇanidhiṃ sadā
diesen beständigen Schatz der Guṇas
guṇānāṃ dhāryatāṃ tattvaṃ
das die Guṇas tragende Prinzip
sṛjaty ākṣipate tathā
es erschafft und zieht sie ebenso zurück

ajo hi krīḍayā bhūpa vikriyāṃ prāpta ity uta / ātmānaṃ bahudhā kṛtvā nāneva praticakṣate //

denn der Ungeborene gelangt, o Herrscher der Erde, durch Spiel zur Wandlung; nachdem er das Selbst vielfach gemacht hat, erscheint er als vielfach,

Wort für Wort
ajo hi krīḍayā bhūpa
denn der Ungeborene durch Spiel, o Herrscher der Erde
vikriyāṃ prāpta ity uta
gelangt zur Wandlung
ātmānaṃ bahudhā kṛtvā
das Selbst vielfach gemacht habend
nāneva praticakṣate
erscheint er als vielfach

etad evaṃ vikurvāṇo budhyamāno na budhyate / guṇān ācarate hy eṣa sṛjaty ākṣipate tathā //

so sich wandelnd, erkennt das [immer schon] Erwachende dabei nicht [sich selbst]; es übt die Guṇas aus, es erschafft und zieht sie ebenso zurück,

Wort für Wort
etad evaṃ vikurvāṇo
so sich wandelnd
budhyamāno na budhyate
erkennt das Erwachende [sich] nicht
guṇān ācarate hy eṣa
es übt die Guṇas aus
sṛjaty ākṣipate tathā
es erschafft und zieht sie ebenso zurück

avyaktabodhanāc caiva budhyamānaṃ vadanty api / na tv evaṃ budhyate 'vyaktaṃ saguṇaṃ tāta nirguṇam //

und aus dem Erwachen des Unmanifesten nennen sie es auch 'das Erwachende'; doch so erkennt das Unmanifeste sich nicht als 'mit Eigenschaften' oder 'ohne Eigenschaften', o Sohn,

Wort für Wort
avyaktabodhanāc caiva
und aus dem Erwachen des Unmanifesten
budhyamānaṃ vadanty api
nennen sie es auch 'das Erwachende'
na tv evaṃ budhyate 'vyaktaṃ
doch so erkennt das Unmanifeste sich nicht
saguṇaṃ tāta nirguṇam
als 'mit' oder 'ohne Eigenschaften', o Sohn

kadācit tv eva khalv etat tad āhuḥ pratibuddhakam / budhyate yadi cāvyaktam etad vai pañcaviṃśakam //

nur manchmal aber, fürwahr, nennen sie dieses 'das Erweckte' - wenn das Unmanifeste erkennt, dann ist dies eben der Fünfundzwanzigste,

Wort für Wort
kadācit tv eva khalv etat
nur manchmal aber, fürwahr, dieses
tad āhuḥ pratibuddhakam
nennen sie 'das Erweckte'
budhyate yadi cāvyaktam
wenn das Unmanifeste erkennt
etad vai pañcaviṃśakam
dann ist dies eben der Fünfundzwanzigste

budhyamāno bhavaty eṣa mamātmaka iti śrutaḥ / anyonyapratibuddhena vadanty avyaktam acyutam //

er wird zum Erwachenden, 'mein-wesentlich' wird er genannt; durch das wechselseitige Erwachtsein nennen sie das Unmanifeste 'unwandelbar',

Wort für Wort
budhyamāno bhavaty eṣa
er wird zum Erwachenden
mamātmaka iti śrutaḥ
'mein-wesentlich' wird er genannt
anyonyapratibuddhena
durch das wechselseitige Erwachtsein
vadanty avyaktam acyutam
nennen sie das Unmanifeste 'unwandelbar'

avyaktabodhanāc caiva budhyamānaṃ vadanty uta / pañcaviṃśaṃ mahātmānaṃ na cāsāv api budhyate //

und aus dem Erwachen des Unmanifesten nennen sie auch den Fünfundzwanzigsten, die große Seele, 'das Erwachende' - doch auch er selbst erkennt dies letztlich nicht,

Wort für Wort
avyaktabodhanāc caiva
und aus dem Erwachen des Unmanifesten
budhyamānaṃ vadanty uta
nennen sie auch 'das Erwachende'
pañcaviṃśaṃ mahātmānaṃ
den Fünfundzwanzigsten, die große Seele
na cāsāv api budhyate
doch auch er selbst erkennt [dies] nicht

ṣaḍviṃśaṃ vimalaṃ buddham aprameyaṃ sanātanam / satataṃ pañcaviṃśaṃ tu caturviṃśaṃ vibudhyate //

den Sechsundzwanzigsten, makellos, erwacht, unermesslich, ewig; der Fünfundzwanzigste aber erkennt beständig den Vierundzwanzigsten,

Wort für Wort
ṣaḍviṃśaṃ vimalaṃ buddham
den Sechsundzwanzigsten, makellos, erwacht
aprameyaṃ sanātanam
unermesslich, ewig
satataṃ pañcaviṃśaṃ tu
der Fünfundzwanzigste aber beständig
caturviṃśaṃ vibudhyate
erkennt den Vierundzwanzigsten

[Anm.] Hier wird über den klassischen Puruṣa als 'Fünfundzwanzigstes Prinzip' hinaus ein 'Sechsundzwanzigstes' (ṣaḍviṃśa) eingeführt - eine im Purāṇa-Sāṃkhya begegnende Erweiterung, die den individuellen Puruṣa (25.) einem übergeordneten, höchsten Prinzip (26., dem Paramātman/Īśvara) unterstellt.

dṛśyādṛśye hy anugatatatsvabhāve mahādyute / avyaktaṃ caiva tad brahma budhyate tāta kevalam //

denn er ist, von großem Glanz, dem Sichtbaren und Unsichtbaren gemäß seiner eigenen Natur zugewandt; und er, das Brahman, erkennt das Unmanifeste allein, o Sohn,

Wort für Wort
dṛśyādṛśye hy anugata-
dem Sichtbaren und Unsichtbaren zugewandt
tatsvabhāve mahādyute
seiner eigenen Natur gemäß, von großem Glanz
avyaktaṃ caiva tad brahma
und er, das Brahman, das Unmanifeste
budhyate tāta kevalam
erkennt allein, o Sohn

[?] Die genaue syntaktische Konstruktion dieses Verses bleibt unsicher.

pañcaviṃśaṃ caturviṃśam ātmānam anupaśyati / budhyamāno yadātmānam anyo 'ham iti manyate //

der Fünfundzwanzigste erblickt den Vierundzwanzigsten als das Selbst, solange das Erwachende noch denkt: 'ich bin ein anderer',

Wort für Wort
pañcaviṃśaṃ caturviṃśam
der Fünfundzwanzigste den Vierundzwanzigsten
ātmānam anupaśyati
erblickt als das Selbst
budhyamāno yadātmānam
solange das Erwachende [denkt]
anyo 'ham iti manyate
'ich bin ein anderer'

tadā prakṛtimān eṣa bhavaty avyaktalocanaḥ / budhyate ca parāṃ buddhiṃ viśuddhām amalāṃ yathā //

dann ist er mit der Prakṛti verbunden, mit dem Unmanifesten als seinem Auge; und er erkennt die höchste, wie rein und makellos [seiende] Buddhi,

Wort für Wort
tadā prakṛtimān eṣa
dann ist er mit der Prakṛti verbunden
bhavaty avyaktalocanaḥ
mit dem Unmanifesten als seinem Auge
budhyate ca parāṃ buddhiṃ
und er erkennt die höchste Buddhi
viśuddhām amalāṃ yathā
wie rein und makellos

ṣaḍviṃśaṃ rājaśārdūla tadā buddhaḥ kṛto vrajet / tatas tyajati so 'vyaktaṃ sargapralayadharmiṇam //

und gelangt dann, o Tiger unter den Königen, erwacht geworden, zum Sechsundzwanzigsten; darauf gibt er das Unmanifeste auf, das dem Gesetz von Schöpfung und Auflösung [unterliegt],

Wort für Wort
ṣaḍviṃśaṃ rājaśārdūla
zum Sechsundzwanzigsten, o Tiger unter den Königen
tadā buddhaḥ kṛto vrajet
dann erwacht geworden gelangt er
tatas tyajati so 'vyaktaṃ
darauf gibt er das Unmanifeste auf
sargapralayadharmiṇam
das dem Gesetz von Schöpfung und Auflösung [unterliegt]

nirguṇāṃ prakṛtiṃ veda guṇayuktām acetanām / tataḥ kevaladharmāsau bhavaty avyaktadarśanāt //

er erkennt die eigenschaftslose, [doch scheinbar] mit Eigenschaften verbundene, bewusstlose Prakṛti; danach wird er, durch die Schau des Unmanifesten, von der Natur des Alleinigen,

Wort für Wort
nirguṇāṃ prakṛtiṃ veda
er erkennt die eigenschaftslose Prakṛti
guṇayuktām acetanām
mit Eigenschaften verbunden, bewusstlos
tataḥ kevaladharmāsau
danach wird er von der Natur des Alleinigen
bhavaty avyaktadarśanāt
durch die Schau des Unmanifesten

kevalena samāgamya vimuktātmānam āpnuyāt / etat tu tattvam ity āhur nistattvam ajarāmaram //

mit dem Alleinigen vereinigt, erlangt er das befreite Selbst; dies aber nennen sie das Prinzip, das jenseits der Prinzipien, alterslos und unsterblich,

Wort für Wort
kevalena samāgamya
mit dem Alleinigen vereinigt
vimuktātmānam āpnuyāt
erlangt er das befreite Selbst
etat tu tattvam ity āhur
dies aber nennen sie das Prinzip
nistattvam ajarāmaram
jenseits der Prinzipien, alterslos und unsterblich

tattvasaṃśravaṇād eva tattvajño jāyate nṛpa / pañcaviṃśatitattvāni pravadanti manīṣiṇaḥ //

allein durch das Hören des Prinzips wird man zum Kenner des Prinzips, o König; die fünfundzwanzig Prinzipien verkünden die Weisen,

Wort für Wort
tattvasaṃśravaṇād eva
allein durch das Hören des Prinzips
tattvajño jāyate nṛpa
wird man zum Kenner des Prinzips, o König
pañcaviṃśatitattvāni
die fünfundzwanzig Prinzipien
pravadanti manīṣiṇaḥ
verkünden die Weisen

na caiva tattvavāṃs tāta saṃsāreṣu nimajjati / eṣām upaiti tattvaṃ hi kṣipraṃ budhyasva lakṣaṇam //

und der Kenner des Prinzips versinkt gewiss nicht im Saṃsāra, o Sohn; er gelangt zum Prinzip von diesen - erkenne rasch dieses Kennzeichen,

Wort für Wort
na caiva tattvavāṃs tāta
und der Kenner des Prinzips, o Sohn
saṃsāreṣu nimajjati
versinkt nicht im Saṃsāra
eṣām upaiti tattvaṃ hi
er gelangt ja zum Prinzip von diesen
kṣipraṃ budhyasva lakṣaṇam
erkenne rasch dieses Kennzeichen

ṣaḍviṃśo 'yam iti prājño gṛhyamāṇo 'jarāmaraḥ / kevalena balenaiva samatāṃ yāty asaṃśayam //

'dieser ist der Sechsundzwanzigste' - so [erkennend], der Weise, ergriffen [vom höchsten Prinzip], alterslos und unsterblich, gelangt allein durch die Kraft des Alleinigen ohne Zweifel zur Gleichheit,

Wort für Wort
ṣaḍviṃśo 'yam iti prājño
'dieser ist der Sechsundzwanzigste', der Weise
gṛhyamāṇo 'jarāmaraḥ
ergriffen, alterslos und unsterblich
kevalena balenaiva
allein durch die Kraft des Alleinigen
samatāṃ yāty asaṃśayam
gelangt ohne Zweifel zur Gleichheit

ṣaḍviṃśena prabuddhena budhyamāno 'py abuddhimān / etan nānātvam ity uktaṃ sāṃkhyaśrutinidarśanāt //

durch den erweckten Sechsundzwanzigsten wird auch der an sich unwissende [Puruṣa] zum Erwachenden - dies wird 'die Vielheit' genannt, gemäß dem Beispiel der Sāṃkhya-Überlieferung,

Wort für Wort
ṣaḍviṃśena prabuddhena
durch den erweckten Sechsundzwanzigsten
budhyamāno 'py abuddhimān
wird auch der an sich unwissende zum Erwachenden
etan nānātvam ity uktaṃ
dies wird 'die Vielheit' genannt
sāṃkhyaśrutinidarśanāt
gemäß dem Beispiel der Sāṃkhya-Überlieferung

cetanena sametasya pañcaviṃśatikasya ha / ekatvaṃ vai bhavet tasya yadā buddhyānubudhyate //

wenn der Fünfundzwanzigste mit dem Bewussten vereint ist, dann wird fürwahr seine Einheit [mit ihm bestehen], wenn er durch die Buddhi dies erkennt,

Wort für Wort
cetanena sametasya
mit dem Bewussten vereint
pañcaviṃśatikasya ha
des Fünfundzwanzigsten
ekatvaṃ vai bhavet tasya
dann wird fürwahr seine Einheit [bestehen]
yadā buddhyānubudhyate
wenn er durch die Buddhi dies erkennt

budhyamānena buddhena samatāṃ yāti maithila / saṅgadharmā bhavaty eṣa niḥsaṅgātmā narādhipa //

durch das erwachende, erwachte Prinzip gelangt er zur Gleichheit, o Herrscher von Mithilā; er, der zunächst von der Natur der Verhaftung ist, wird dann von unverhaftetem Selbst, o Herrscher der Menschen,

Wort für Wort
budhyamānena buddhena
durch das erwachende, erwachte Prinzip
samatāṃ yāti maithila
gelangt er zur Gleichheit, o Herrscher von Mithilā
saṅgadharmā bhavaty eṣa
er, von der Natur der Verhaftung, wird
niḥsaṅgātmā narādhipa
von unverhaftetem Selbst, o Herrscher der Menschen

niḥsaṅgātmānam āsādya ṣaḍviṃśaṃ karmajaṃ viduḥ / vibhus tyajati cāvyaktaṃ yadā tv etad vibudhyate //

nachdem er das unverhaftete Selbst erreicht hat, [erkennt er] den Sechsundzwanzigsten - den sie [im ungetrennten Zustand fälschlich] als aus Karma entstanden ansehen; der Mächtige gibt das Unmanifeste auf, wenn er dies völlig erkennt,

Wort für Wort
niḥsaṅgātmānam āsādya
das unverhaftete Selbst erreicht habend
ṣaḍviṃśaṃ karmajaṃ viduḥ
den Sechsundzwanzigsten, den sie als aus Karma entstanden ansehen
vibhus tyajati cāvyaktaṃ
der Mächtige gibt das Unmanifeste auf
yadā tv etad vibudhyate
wenn er dies völlig erkennt

[?] Die Bezeichnung des Sechsundzwanzigsten als 'karmajaṃ' ('aus Karma entstanden') wirkt widersprüchlich zu seiner sonst betonten Ewigkeit; vermutlich bezieht sich dies auf die vor der vollen Erkenntnis bestehende irrtümliche Ansicht.

caturviṃśam agādhaṃ ca ṣaḍviṃśasya prabodhanāt / eṣa hy apratibuddhaś ca budhyamānas tu te 'nagha //

und den unergründlichen Vierundzwanzigsten [erkennt er] durch das Erwachen des Sechsundzwanzigsten; er ist ja zunächst unerweckt, doch wird zum Erwachenden, o Sündenloser,

Wort für Wort
caturviṃśam agādhaṃ ca
und den unergründlichen Vierundzwanzigsten
ṣaḍviṃśasya prabodhanāt
durch das Erwachen des Sechsundzwanzigsten
eṣa hy apratibuddhaś ca
er ist ja zunächst unerweckt
budhyamānas tu te 'nagha
doch wird zum Erwachenden, o Sündenloser

ukto buddhaś ca tattvena yathāśrutinidarśanāt / maśakodumbare yadvad anyatvaṃ tadvad etayoḥ //

und er wird wahrhaftig 'erwacht' genannt, gemäß dem Beispiel der Überlieferung; wie die Verschiedenheit von Mücke und Feigenfrucht [besteht], so besteht sie bei diesen beiden,

Wort für Wort
ukto buddhaś ca tattvena
und er wird wahrhaftig 'erwacht' genannt
yathāśrutinidarśanāt
gemäß dem Beispiel der Überlieferung
maśakodumbare yadvad
wie bei Mücke und Feigenfrucht
anyatvaṃ tadvad etayoḥ
so die Verschiedenheit bei diesen beiden

[Anm.] Das Bild von Mücke und Feigenfrucht (maśakodumbara) als Gleichnis für Verschiedenheit-in-Einheit begegnete bereits ähnlich in Kap.237, V.88.

matsyodake yathā tadvad anyatvam upalabhyate / evam eva ca gantavyaṃ nānātvaikatvam etayoḥ //

wie bei Fisch und Wasser die Verschiedenheit erkannt wird, ebenso ist auch hier die Vielheit und Einheit dieser beiden zu verstehen,

Wort für Wort
matsyodake yathā tadvad
wie bei Fisch und Wasser
anyatvam upalabhyate
wird die Verschiedenheit erkannt
evam eva ca gantavyaṃ
ebenso ist zu verstehen
nānātvaikatvam etayoḥ
die Vielheit und Einheit dieser beiden

etāvan mokṣa ity ukto jñānavijñānasaṃjñitaḥ / pañcaviṃśatikasyāśu yo 'yaṃ dehe pravartate //

so weit wird die Erlösung genannt, bezeichnet als Wissen und Erkenntnis, die rasch für den Fünfundzwanzigsten im Körper wirksam wird,

Wort für Wort
etāvan mokṣa ity ukto
so weit wird die Erlösung genannt
jñānavijñānasaṃjñitaḥ
bezeichnet als Wissen und Erkenntnis
pañcaviṃśatikasyāśu
rasch für den Fünfundzwanzigsten
yo 'yaṃ dehe pravartate
die im Körper wirksam wird

eṣa mokṣayitavyaiti prāhur avyaktagocarāt / so 'yam evaṃ vimucyeta nānyatheti viniścayaḥ //

'dieser ist zu befreien' - so sagen sie, aus dem Bereich des Unmanifesten; so, auf diese Weise, wird er befreit - nicht anders lautet die Gewissheit,

Wort für Wort
eṣa mokṣayitavyaiti
'dieser ist zu befreien'
prāhur avyaktagocarāt
so sagen sie, aus dem Bereich des Unmanifesten
so 'yam evaṃ vimucyeta
so wird er auf diese Weise befreit
nānyatheti viniścayaḥ
nicht anders lautet die Gewissheit

paraś ca paradharmā ca bhavaty eva sametya vai / viśuddhadharmā śuddhena nāśuddhena ca buddhimān //

der Höchste, und von der Natur des Höchsten, wird er fürwahr, sich vereinigend [mit ihm]; von reiner Natur durch das Reine, nicht durch das Unreine, wird der Weise,

Wort für Wort
paraś ca paradharmā ca
der Höchste, und von der Natur des Höchsten
bhavaty eva sametya vai
wird er fürwahr, sich vereinigend
viśuddhadharmā śuddhena
von reiner Natur durch das Reine
nāśuddhena ca buddhimān
nicht durch das Unreine, der Weise

vimuktadharmā buddhena sametya puruṣarṣabha / viyogadharmiṇā caiva vimuktātmā bhavaty atha //

von der Natur des Befreiten, durch das Erwachte vereinigt, o Stier unter den Männern; und durch das Trennung-bewirkende [Prinzip] wird er von befreitem Selbst,

Wort für Wort
vimuktadharmā buddhena
von der Natur des Befreiten, durch das Erwachte
sametya puruṣarṣabha
vereinigt, o Stier unter den Männern
viyogadharmiṇā caiva
und durch das Trennung-bewirkende [Prinzip]
vimuktātmā bhavaty atha
wird er von befreitem Selbst

vimokṣiṇā vimokṣaś ca sametyeha tathā bhavet / śucikarmā śuciś caiva bhavaty amitabuddhimān //

und durch den Befreier wird ihm hier ebenso die Befreiung zuteil, wenn er sich [mit ihm] vereinigt; von reiner Tat und rein wird der von unermesslicher Weisheit,

Wort für Wort
vimokṣiṇā vimokṣaś ca
durch den Befreier die Befreiung
sametyeha tathā bhavet
wird ihm hier ebenso zuteil, sich vereinigend
śucikarmā śuciś caiva
von reiner Tat und rein
bhavaty amitabuddhimān
wird der von unermesslicher Weisheit

vimalātmā ca bhavati sametya vimalātmanā / kevalātmā tathā caiva kevalena sametya vai / svatantraś ca svatantreṇa svatantratvam avāpyate //

und von makellosem Selbst wird er, sich mit dem Makellosen vereinigend; ebenso von alleinigem Selbst, sich mit dem Alleinigen vereinigend; und unabhängig, durch [Vereinigung] mit dem Unabhängigen, wird Unabhängigkeit erlangt.

Wort für Wort
vimalātmā ca bhavati
und von makellosem Selbst wird er
sametya vimalātmanā
sich mit dem Makellosen vereinigend
kevalātmā tathā caiva
ebenso von alleinigem Selbst
svatantraś ca svatantreṇa
und unabhängig, durch das Unabhängige
svatantratvam avāpyate
wird Unabhängigkeit erlangt

etāvad etat kathitaṃ mayā te / tathyaṃ mahārāja yathārthatattvam / amatsaras tvaṃ pratigṛhya buddhyā / sanātanaṃ brahma viśuddham ādyam //

So weit ist dies von mir dir dargelegt worden, wahrhaftig, o großer König, die dem [wahren] Sinn entsprechende Wahrheit; ohne Neid mögest du mit der Buddhi das ewige, reine, ursprüngliche Brahman annehmen,

Wort für Wort
etāvad etat kathitaṃ mayā te
so weit ist dies von mir dir dargelegt worden
tathyaṃ mahārāja yathārthatattvam
wahrhaftig, o großer König, die dem Sinn entsprechende Wahrheit
amatsaras tvaṃ pratigṛhya buddhyā
ohne Neid mögest du mit der Buddhi annehmen
sanātanaṃ brahma viśuddham ādyam
das ewige, reine, ursprüngliche Brahman

[Anm.] Ab hier (V.31-41) liegt der Sanskrit-Text wieder in einem vierzeiligen Hymnenmeter ohne die üblichen Daṇḍa-Satzzeichen vor; zur einheitlichen Darstellung wurden hier wie in entsprechenden Passagen früherer Kapitel konventionelle Satzzeichen ergänzt.

tad vedaniṣṭhasya janasya rājan / pradeyam etat paramaṃ tvayā bhavet / vidhitsamānāya nibodhakārakaṃ / prabodhahetoḥ praṇatasya śāsanam //

dies mag von dir dem im Veda gegründeten Menschen als höchste Gabe gegeben werden, o König, dem, der [ebenso zu handeln] wünscht, das Erwachen bewirkend, dem sich Verneigenden als Anweisung zum Erwachen,

Wort für Wort
tad vedaniṣṭhasya janasya rājan
dies dem im Veda gegründeten Menschen, o König
pradeyam etat paramaṃ tvayā bhavet
mag von dir als höchste Gabe gegeben werden
vidhitsamānāya nibodhakārakaṃ
dem Wünschenden, das Erwachen bewirkend
prabodhahetoḥ praṇatasya śāsanam
dem sich Verneigenden als Anweisung zum Erwachen

na deyam etac ca yathānṛtātmane / śaṭhāya klībāya na jihmabuddhaye / na paṇḍitajñānaparopatāpine / deyaṃ tathā śiṣyavibodhanāya //

und dies darf nicht dem von unwahrer Wesensart gegeben werden, nicht dem Betrüger, dem Unmännlichen, nicht dem von krummem Verstand, nicht dem, der Gelehrtenwissen missbraucht, um andere zu quälen; ebenso [nur] zur Erweckung des [würdigen] Schülers ist es zu geben,

Wort für Wort
na deyam etac ca yathānṛtātmane
und dies darf nicht dem von unwahrer Wesensart gegeben werden
śaṭhāya klībāya na jihmabuddhaye
nicht dem Betrüger, dem Unmännlichen, dem von krummem Verstand
na paṇḍitajñānaparopatāpine
nicht dem, der Gelehrtenwissen zur Quälerei anderer missbraucht
deyaṃ tathā śiṣyavibodhanāya
zu geben ist es zur Erweckung des Schülers

śraddhānvitāyātha guṇānvitāya / parāpavādād viratāya nityam / viśuddhayogāya budhāya caiva / kṛpāvate 'tha kṣamiṇe hitāya //

dem von Glauben Erfüllten, dem mit [guten] Eigenschaften Versehenen, dem, der sich stets von der Verleumdung anderer fernhält, dem im Yoga Geläuterten und dem Weisen, dem Mitleidigen, dem Geduldigen, dem Wohlwollenden,

Wort für Wort
śraddhānvitāyātha guṇānvitāya
dem von Glauben Erfüllten, dem mit Eigenschaften Versehenen
parāpavādād viratāya nityam
dem, der sich stets von Verleumdung anderer fernhält
viśuddhayogāya budhāya caiva
dem im Yoga Geläuterten und dem Weisen
kṛpāvate 'tha kṣamiṇe hitāya
dem Mitleidigen, dem Geduldigen, dem Wohlwollenden

viviktaśīlāya vidhipriyāya / vivādahīnāya bahuśrutāya / vinītaveśāya nahaitukātmane / sadaiva guhyaṃ tv idam eva deyam //

dem von zurückgezogener Wesensart, dem der Vorschrift Zugetanen, dem streitfreien, dem vielgelehrten, dem von bescheidener Erscheinung, dem nicht [bloß spitzfindig] argumentierenden Wesens - stets nur einem solchen ist dieses Geheime zu geben,

Wort für Wort
viviktaśīlāya vidhipriyāya
dem von zurückgezogener Wesensart, dem der Vorschrift Zugetanen
vivādahīnāya bahuśrutāya
dem streitfreien, dem vielgelehrten
vinītaveśāya nahaitukātmane
dem von bescheidener Erscheinung, nicht spitzfindigen Wesens
sadaiva guhyaṃ tv idam eva deyam
stets nur einem solchen ist dieses Geheime zu geben

etair guṇair hīnatame na deyam / etat paraṃ brahma viśuddham āhuḥ / na śreyase yokṣyati tādṛśe kṛtaṃ / dharmapravaktāram apātradānāt //

dem, der dieser Eigenschaften gänzlich entbehrt, darf es nicht gegeben werden - dies nennen sie das höchste, reine Brahman; einem solchen Unwürdigen getan, wird es dem Verkünder des Dharma nicht zum Heil gereichen, wegen der Gabe an einen Unwürdigen,

Wort für Wort
etair guṇair hīnatame na deyam
dem, der dieser Eigenschaften entbehrt, darf es nicht gegeben werden
etat paraṃ brahma viśuddham āhuḥ
dies nennen sie das höchste, reine Brahman
na śreyase yokṣyati tādṛśe kṛtaṃ
einem solchen getan, wird es nicht zum Heil gereichen
dharmapravaktāram apātradānāt
dem Verkünder des Dharma, wegen der Gabe an einen Unwürdigen

pṛthvīm imāṃ vā yadi ratnapūrṇāṃ / dadyād adeyaṃ tv idam avratāya / jitendriyāya prayatāya deyaṃ / deyaṃ paraṃ tattvavide narendra //

selbst wenn man ihm diese ganze, mit Juwelen gefüllte Erde schenken würde - dies ist nicht dem zu geben, der ohne Gelübde ist; dem mit bezwungenen Sinnen, dem Sich-Bemühenden ist es zu geben; dem Kenner der höchsten Wahrheit ist es zu geben, o Herrscher der Menschen,

Wort für Wort
pṛthvīm imāṃ vā yadi ratnapūrṇāṃ
selbst wenn man diese mit Juwelen gefüllte Erde
dadyād adeyaṃ tv idam avratāya
schenken würde - dies ist nicht dem ohne Gelübde zu geben
jitendriyāya prayatāya deyaṃ
dem mit bezwungenen Sinnen, dem Sich-Bemühenden ist es zu geben
deyaṃ paraṃ tattvavide narendra
dem Kenner der höchsten Wahrheit ist es zu geben, o Herrscher der Menschen

karāla mā te bhayam asti kiṃcid / etac chrutaṃ brahma paraṃ tvayādya / yathāvad uktaṃ paramaṃ pavitraṃ / viśokam atyantam anādimadhyam //

o Karāla, keinerlei Furcht sei bei dir; dies, das höchste Brahman, hast du heute gehört, gebührend dargelegt, überaus heilig, kummerlos, gänzlich ohne Anfang und Mitte,

Wort für Wort
karāla mā te bhayam asti kiṃcid
o Karāla, keinerlei Furcht sei bei dir
etac chrutaṃ brahma paraṃ tvayādya
dies, das höchste Brahman, hast du heute gehört
yathāvad uktaṃ paramaṃ pavitraṃ
gebührend dargelegt, überaus heilig
viśokam atyantam anādimadhyam
kummerlos, gänzlich ohne Anfang und Mitte

agādham etad ajarāmaraṃ ca / nirāmayaṃ vītabhayaṃ śivaṃ ca / samīkṣya mohaṃ paravādasaṃjñam / etasya tattvārtham imaṃ viditvā //

unergründlich ist dies, alterslos und unsterblich, leidlos, furchtlos und heilvoll; nachdem du die als 'fremder Lehrmeinung' bezeichnete Verblendung durchschaut und diesen wahren Sinn davon erkannt hast,

Wort für Wort
agādham etad ajarāmaraṃ ca
unergründlich ist dies, alterslos und unsterblich
nirāmayaṃ vītabhayaṃ śivaṃ ca
leidlos, furchtlos und heilvoll
samīkṣya mohaṃ paravādasaṃjñam
die als 'fremder Lehrmeinung' bezeichnete Verblendung durchschaut habend
etasya tattvārtham imaṃ viditvā
und diesen wahren Sinn davon erkannt habend

avāptam etad dhi purā sanātanād / dhiraṇyagarbhād dhi tato narādhipa / prasādya yatnena tam ugratejasaṃ / sanātanaṃ brahma yathā tvayaitat //

dies wurde einst ja vom ewigen Hiraṇyagarbha erlangt, o Herrscher der Menschen, nachdem man jenen von gewaltigem Glanz mit Mühe erfreut hatte - so wie dieses ewige Brahman nun von dir [erlangt wurde],

Wort für Wort
avāptam etad dhi purā sanātanād
dies wurde einst ja vom ewigen [Hiraṇyagarbha] erlangt
dhiraṇyagarbhād dhi tato narādhipa
von Hiraṇyagarbha, o Herrscher der Menschen
prasādya yatnena tam ugratejasaṃ
nachdem man jenen von gewaltigem Glanz mit Mühe erfreut hatte
sanātanaṃ brahma yathā tvayaitat
so wie dieses ewige Brahman von dir

pṛṣṭas tvayā cāsmi yathā narendra / tathā mayedaṃ tvayi noktam anyat / yathāvāptaṃ brahmaṇo me narendra / mahājñānaṃ mokṣavidāṃ parāyaṇam //

und wie ich von dir befragt wurde, o Herrscher der Menschen, so ist dies von mir dir dargelegt worden, nichts anderes; so wie ich es vom Brahman erlangt habe, o Herrscher der Menschen - das große Wissen, die höchste Zuflucht der Erlösungskundigen.

Wort für Wort
pṛṣṭas tvayā cāsmi yathā narendra
wie ich von dir befragt wurde, o Herrscher der Menschen
tathā mayedaṃ tvayi noktam anyat
so ist dies von mir dir dargelegt worden, nichts anderes
yathāvāptaṃ brahmaṇo me narendra
so wie ich es vom Brahman erlangt habe, o Herrscher der Menschen
mahājñānaṃ mokṣavidāṃ parāyaṇam
das große Wissen, die höchste Zuflucht der Erlösungskundigen

{vyāsa uvāca: } etad uktaṃ paraṃ brahma yasmān nāvartate punaḥ / pañcaviṃśaṃ muniśreṣṭhā vasiṣṭhena yathā purā //

Vyāsa sprach: Dies ist das höchste Brahman, von dem aus man nicht wieder zurückkehrt, das dargelegte - der Fünfundzwanzigste, o beste der Weisen, wie es einst von Vasiṣṭha [gelehrt wurde],

Wort für Wort
etad uktaṃ paraṃ brahma
dies ist das dargelegte höchste Brahman
yasmān nāvartate punaḥ
von dem aus man nicht wieder zurückkehrt
pañcaviṃśaṃ muniśreṣṭhā
der Fünfundzwanzigste, o beste der Weisen
vasiṣṭhena yathā purā
wie es einst von Vasiṣṭha [gelehrt wurde]

punarāvṛttim āpnoti paramaṃ jñānam avyayam / nāti budhyati tattvena budhyamāno 'jarāmaram //

[wer dies nicht erkennt,] erlangt die Wiederkehr, obwohl es das höchste, unvergängliche Wissen ist; er erkennt das alterslose, unsterbliche [Prinzip], das doch das [immer schon] Erwachende ist, nicht wahrhaftig,

Wort für Wort
punarāvṛttim āpnoti
er erlangt die Wiederkehr
paramaṃ jñānam avyayam
[obwohl es] das höchste, unvergängliche Wissen [ist]
nāti budhyati tattvena
er erkennt nicht wahrhaftig
budhyamāno 'jarāmaram
das alterslose, unsterbliche, [immer schon] Erwachende

[?] Die genaue logische Beziehung der beiden Vershälften (wer erlangt die Wiederkehr, und warum) bleibt ohne unmittelbaren Bezugssatz etwas unsicher.

etan niḥśreyasakaraṃ jñānaṃ bhoḥ paramaṃ mayā / kathitaṃ tattvato viprāḥ śrutvā devarṣito dvijāḥ //

dieses das höchste Heil bewirkende Wissen ist, o [ihr], von mir wahrhaftig dargelegt worden, o Brahmanen, nachdem ich es vom Götterweisen gehört hatte, o Zweifachgeborene,

Wort für Wort
etan niḥśreyasakaraṃ jñānaṃ
dieses das höchste Heil bewirkende Wissen
bhoḥ paramaṃ mayā
o [ihr], das höchste, von mir
kathitaṃ tattvato viprāḥ
wahrhaftig dargelegt, o Brahmanen
śrutvā devarṣito dvijāḥ
nachdem ich es vom Götterweisen gehört hatte, o Zweifachgeborene

hiraṇyagarbhād ṛṣiṇā vasiṣṭhena samāhṛtam / vasiṣṭhād ṛṣiśārdūlo nārado 'vāptavān idam //

von Hiraṇyagarbha wurde es vom Weisen Vasiṣṭha empfangen; von Vasiṣṭha hat der Tiger unter den Weisen, Nārada, dies erlangt,

Wort für Wort
hiraṇyagarbhād ṛṣiṇā
von Hiraṇyagarbha, vom Weisen
vasiṣṭhena samāhṛtam
Vasiṣṭha empfangen
vasiṣṭhād ṛṣiśārdūlo
von Vasiṣṭha der Tiger unter den Weisen
nārado 'vāptavān idam
Nārada hat dies erlangt

nāradād viditaṃ mahyam etad uktaṃ sanātanam / mā śucadhvaṃ muniśreṣṭhāḥ śrutvaitat paramaṃ padam //

von Nārada wurde es mir bekannt - dies ewige, [euch nun] dargelegte [Wissen]; grämt euch nicht, o beste der Weisen, nachdem ihr diesen höchsten Zustand vernommen habt,

Wort für Wort
nāradād viditaṃ mahyam
von Nārada wurde es mir bekannt
etad uktaṃ sanātanam
dies ewige, dargelegte [Wissen]
mā śucadhvaṃ muniśreṣṭhāḥ
grämt euch nicht, o beste der Weisen
śrutvaitat paramaṃ padam
nachdem ihr diesen höchsten Zustand vernommen habt

yena kṣarākṣare bhinne na bhayaṃ tasya vidyate / vidyate tu bhayaṃ yasya yo nainaṃ vetti tattvataḥ //

durch das Wissen, durch welches Kṣara und Akṣara getrennt [erkannt werden], gibt es für den keine Furcht; Furcht aber gibt es für den, der dies nicht wahrhaftig kennt,

Wort für Wort
yena kṣarākṣare bhinne
durch das, wodurch Kṣara und Akṣara getrennt [erkannt werden]
na bhayaṃ tasya vidyate
gibt es für den keine Furcht
vidyate tu bhayaṃ yasya
Furcht aber gibt es für den
yo nainaṃ vetti tattvataḥ
der dies nicht wahrhaftig kennt

avijñānāc ca mūḍhātmā punaḥ punar upadravān / pretya jātisahasrāṇi maraṇāntāny upāśnute //

und aus Unwissenheit erleidet der Verblendete wieder und wieder Nöte; nach dem Tod durchläuft er Tausende von Geburten, die im Tod enden,

Wort für Wort
avijñānāc ca mūḍhātmā
und aus Unwissenheit der Verblendete
punaḥ punar upadravān
wieder und wieder Nöte
pretya jātisahasrāṇi
nach dem Tod Tausende von Geburten
maraṇāntāny upāśnute
durchläuft er, die im Tod enden

devalokaṃ tathā tiryaṅ mānuṣyam api cāśnute / yadi vā mucyate vāpi tasmād ajñānasāgarāt //

er erlangt ebenso die Götterwelt, das Tierdasein, und auch das Menschsein - oder er wird stattdessen aus jenem Ozean der Unwissenheit befreit,

Wort für Wort
devalokaṃ tathā tiryaṅ
die Götterwelt, ebenso das Tierdasein
mānuṣyam api cāśnute
und auch das Menschsein erlangt er
yadi vā mucyate vāpi
oder er wird auch befreit
tasmād ajñānasāgarāt
aus jenem Ozean der Unwissenheit

ajñānasāgare ghore hy avyaktāgādha ucyate / ahany ahani majjanti yatra bhūtāni bho dvijāḥ //

denn im schrecklichen Ozean der Unwissenheit, dessen Grund unergründlich das Unmanifeste genannt wird, versinken Tag für Tag die Wesen, o Zweifachgeborene,

Wort für Wort
ajñānasāgare ghore
im schrecklichen Ozean der Unwissenheit
hy avyaktāgādha ucyate
dessen Grund unergründlich das Unmanifeste genannt wird
ahany ahani majjanti
Tag für Tag versinken
yatra bhūtāni bho dvijāḥ
darin die Wesen, o Zweifachgeborene

tasmād agādhād avyaktād upakṣīṇāt sanātanāt / tasmād yūyaṃ virajaskā vitamaskāś ca bho dvijāḥ //

aus jenem unergründlichen, unmanifesten, [scheinbar] schwindenden, doch ewigen [Ozean] - daraus möget ihr frei von Rajas und frei von Tamas werden, o Zweifachgeborene,

Wort für Wort
tasmād agādhād avyaktād
aus jenem unergründlichen, unmanifesten
upakṣīṇāt sanātanāt
scheinbar schwindenden, doch ewigen [Ozean]
tasmād yūyaṃ virajaskā
daraus möget ihr frei von Rajas werden
vitamaskāś ca bho dvijāḥ
und frei von Tamas, o Zweifachgeborene

evaṃ mayā muniśreṣṭhāḥ sārāt sārataraṃ param / kathitaṃ paramaṃ mokṣaṃ yaṃ jñātvā na nivartate //

so ist von mir, o beste der Weisen, das noch Wesentlichere als das Wesentliche, die höchste Erlösung dargelegt worden, die man erkennend nicht mehr zurückkehrt,

Wort für Wort
evaṃ mayā muniśreṣṭhāḥ
so ist von mir, o beste der Weisen
sārāt sārataraṃ param
das noch Wesentlichere als das Wesentliche
kathitaṃ paramaṃ mokṣaṃ
die höchste Erlösung dargelegt worden
yaṃ jñātvā na nivartate
die man erkennend nicht mehr zurückkehrt

na nāstikāya dātavyaṃ nābhaktāya kadācana / na duṣṭamataye viprā na śraddhāvimukhāya ca //

nicht dem Ungläubigen darf es gegeben werden, niemals dem Nicht-Hingegebenen; nicht dem von böser Gesinnung, o Brahmanen, und nicht dem, der sich vom Glauben abwendet.

Wort für Wort
na nāstikāya dātavyaṃ
nicht dem Ungläubigen darf es gegeben werden
nābhaktāya kadācana
niemals dem Nicht-Hingegebenen
na duṣṭamataye viprā
nicht dem von böser Gesinnung, o Brahmanen
na śraddhāvimukhāya ca
und nicht dem, der sich vom Glauben abwendet

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