Quellen der Menschheit

Brahma-Purāṇa

Kapitel 235: yogavarṇanam Die Darlegung des Yoga

idānīṃ brūhi yogaṃ ca duḥkhasaṃyogabheṣajam / yaṃ viditvāvyayaṃ tatra yuñjāmaḥ puruṣottamam //

Die Weisen sprachen: Erkläre uns nun auch den Yoga, das Heilmittel gegen die Verbindung mit dem Leid, durch dessen Erkenntnis wir uns dort mit dem unvergänglichen Puruṣottama vereinigen.

Wort für Wort
idānīm
jetzt
brūhi
sprich / erkläre
yogam ca
und den Yoga
duḥkha-saṃyoga-bheṣajam
das Heilmittel für die Verbindung mit dem Leid
yam viditvā
welchen erkennend
avyayam
den unvergänglichen
tatra yuñjāmaḥ
darin vereinigen wir uns
puruṣottamam
mit dem höchsten Puruṣa

śrutvā sa vacanaṃ teṣāṃ kṛṣṇadvaipāyanas tadā / abravīt paramaprīto yogī yogavidāṃ varaḥ //

Nachdem er ihre Worte gehört hatte, sprach da Kṛṣṇa Dvaipāyana, höchst erfreut, der Yogin, der Beste der Yogakundigen.

Wort für Wort
śrutvā
nachdem gehört
sa vacanam teṣām
er ihre Worte
kṛṣṇadvaipāyanaḥ tadā
Kṛṣṇa Dvaipāyana da
abravīt
sprach
paramaprītaḥ
höchst erfreut
yogī yogavidām varaḥ
der Yogin, der Beste der Yogakundigen

yogaṃ vakṣyāmi bho viprāḥ śṛṇudhvaṃ bhavanāśanam / yam abhyasyāpnuyād yogī mokṣaṃ paramadurlabham //

Vyāsa sprach: Ich werde den Yoga darlegen, oh Brahmanen, hört ihn, den Vernichter des weltlichen Daseins, durch dessen Übung der Yogin die höchst schwer erreichbare Erlösung erlangt.

Wort für Wort
yogam vakṣyāmi
den Yoga werde ich darlegen
bho viprāḥ
oh Brahmanen
śṛṇudhvam
hört
bhavanāśanam
den Vernichter des Daseins
yam abhyasya
durch dessen Übung
āpnuyāt yogī
der Yogin erlangt
mokṣam paramadurlabham
die höchst schwer erreichbare Erlösung

śrutvādau yogaśāstrāṇi gurum ārādhya bhaktitaḥ / itihāsaṃ purāṇaṃ ca vedāṃś caiva vicakṣaṇaḥ //

Nachdem er zuerst die Yoga-Lehrschriften gehört und den Lehrer mit Hingabe verehrt hat — und der Kluge (nachdem er) Itihāsa, Purāṇa und auch die Veden (studiert hat) —

Wort für Wort
śrutvā ādau
nachdem zuerst gehört
yogaśāstrāṇi
die Yoga-Lehrschriften
gurum ārādhya
den Lehrer verehrend
bhaktitaḥ
mit Hingabe
itihāsam purāṇam ca
Itihāsa und Purāṇa
vedān ca eva
und auch die Veden
vicakṣaṇaḥ
der Kluge

[Anm.] Der Satz setzt sich über V.4-5 fort; das Hauptverb ('samabhyaset', 'er soll üben') folgt erst in V.5.

āhāraṃ yogadoṣāṃś ca deśakālaṃ ca buddhimān / jñātvā samabhyased yogaṃ nirdvaṃdvo niṣparigrahaḥ //

— und, die rechte Nahrung, die Fehler des Yoga sowie Ort und Zeit kennend, soll der Verständige den Yoga eifrig üben, frei von den Gegensatzpaaren, ohne Besitz.

Wort für Wort
āhāram
die Nahrung
yogadoṣān ca
und die Fehler des Yoga
deśakālam ca
und Ort und Zeit
buddhimān jñātvā
der Verständige, kennend
samabhyaset yogam
er soll den Yoga eifrig üben
nirdvaṃdvaḥ
frei von den Gegensatzpaaren
niṣparigrahaḥ
ohne Besitz

bhuñjan saktuṃ yavāgūṃ ca takramūlaphalaṃ payaḥ / yāvakaṃ kaṇapiṇyākam āhāraṃ yogasādhanam //

Indem er Mehlspeise, Gerstenbrei, Buttermilch, Wurzeln, Früchte, Milch, Gerstenschrot und Ölkuchen-Rückstände isst — dies ist die Nahrung, das Mittel des Yoga.

Wort für Wort
bhuñjan
essend
saktum
Mehlspeise
yavāgūm ca
und Gerstenbrei
takra-mūla-phalam
Buttermilch, Wurzel, Frucht
payaḥ
Milch
yāvakam
Gerstenschrot
kaṇapiṇyākam
Ölkuchen-Rückstände
āhāram yogasādhanam
die Nahrung, das Mittel des Yoga

na manovikale dhmāte na śrānte kṣudhite tathā / na dvaṃdve na ca śīte ca na coṣṇe nānilātmake //

Nicht bei gestörtem Geist, nicht bei Erregung [?], nicht bei Erschöpfung, ebenso nicht bei Hunger, nicht in den Gegensatzpaaren, nicht in Kälte, nicht in Hitze, nicht bei starkem Wind —

Wort für Wort
na manovikale
nicht bei gestörtem Geist
dhmāte
bei Erregung [?]
na śrānte
nicht bei Erschöpfung
kṣudhite tathā
ebenso bei Hunger
na dvaṃdve
nicht im Gegensatzpaar
na śīte ca
und nicht in Kälte
na uṣṇe ca
und nicht in Hitze
na anilātmake
nicht bei starkem Wind

[?] 'dhmāte' unsicher übersetzt (etwa 'aufgeblasen/erregt'). [Anm.] Die Aufzählung der zu meidenden Zustände und Orte setzt sich über V.7-9 fort; das regierende Verb 'yuñjīta' ('man soll üben') steht erst am Ende von V.9.

saśabde na jalābhyāse jīrṇagoṣṭhe catuṣpathe / sarīsṛpe śmaśāne ca na nadyante 'gnisaṃnidhau //

— nicht an lärmerfülltem Ort, nicht in der Nähe von Wasser, in einem verfallenen Kuhstall, an einer Kreuzung, an einem von Kriechtieren bewohnten Ort, auf dem Leichenverbrennungsplatz, nicht am Flussufer und nicht in der Nähe von Feuer —

Wort für Wort
saśabde
an lärmerfülltem Ort
na jalābhyāse
nicht in der Nähe von Wasser
jīrṇagoṣṭhe
in verfallenem Kuhstall
catuṣpathe
an der Kreuzung
sarīsṛpe
am kriechtierbewohnten Ort
śmaśāne ca
und auf dem Leichenverbrennungsplatz
na nadyante
nicht am Flussufer
agnisaṃnidhau
in der Nähe von Feuer

na caitye na ca valmīke sabhaye kūpasaṃnidhau / na śuṣkaparṇanicaye yogaṃ yuñjīta karhicit //

— nicht bei einem Kultbaum, nicht bei einem Ameisenhügel, an einem gefährlichen Ort, in der Nähe eines Brunnens, nicht bei einem Haufen trockener Blätter — an all diesen Orten soll man niemals den Yoga üben.

Wort für Wort
na caitye
nicht beim Kultbaum
na ca valmīke
und nicht beim Ameisenhügel
sabhaye
am gefährlichen Ort
kūpasaṃnidhau
in der Nähe eines Brunnens
na śuṣkaparṇanicaye
nicht beim Haufen trockener Blätter
yogam yuñjīta karhicit
man soll den Yoga niemals üben

deśān etān anādṛtya mūḍhatvād yo yunakti vai / pravakṣye tasya ye doṣā jāyante vighnakārakāḥ //

Wer, diese Orte missachtend, aus Torheit dennoch übt — welche Fehler ihm entstehen, die Hindernisse verursachen, das werde ich darlegen.

Wort für Wort
deśān etān anādṛtya
diese Orte missachtend
mūḍhatvāt
aus Torheit
yaḥ yunakti vai
wer übt
pravakṣye
ich werde darlegen
tasya ye doṣāḥ jāyante
welche Fehler ihm entstehen
vighnakārakāḥ
die Hindernisse verursachen

bādhiryaṃ jaḍatā lopaḥ smṛter mūkatvam andhatā / jvaraś ca jāyate sadyas tadvad ajñānasaṃbhavaḥ //

Taubheit, Stumpfsinn, Verlust des Gedächtnisses, Stummheit, Blindheit und Fieber entstehen sogleich, ebenso das Aufkommen von Unwissenheit.

Wort für Wort
bādhiryam
Taubheit
jaḍatā
Stumpfsinn
smṛteḥ lopaḥ
Verlust des Gedächtnisses
mūkatvam
Stummheit
andhatā
Blindheit
jvaraḥ ca
und Fieber
jāyate sadyaḥ
entsteht sogleich
tadvat ajñānasaṃbhavaḥ
ebenso das Entstehen von Unwissenheit

tasmāt sarvātmanā kāryā rakṣā yogavidā sadā / dharmārthakāmamokṣāṇāṃ śarīraṃ sādhanaṃ yataḥ //

Deshalb soll der Yogakundige stets mit ganzer Seele Sorge für den Körper tragen, denn der Körper ist das Mittel für Dharma, Artha, Kāma und Mokṣa.

Wort für Wort
tasmāt
deshalb
sarvātmanā
mit ganzer Seele
kāryā rakṣā
Sorge ist zu tragen
yogavidā sadā
vom Yogakundigen stets
dharma-artha-kāma-mokṣāṇām
von Dharma, Artha, Kāma und Mokṣa
śarīram sādhanam yataḥ
denn der Körper ist das Mittel

āśrame vijane guhye niḥśabde nirbhaye nage / śūnyāgāre śucau ramye caikānte devatālaye //

In einer Einsiedelei, an einem einsamen, verborgenen, geräuschlosen, gefahrlosen Ort, auf einem Berg, in einem leeren Haus, an einem reinen, lieblichen, abgeschiedenen Ort oder in einem Gottestempel —

Wort für Wort
āśrame
in der Einsiedelei
vijane
am einsamen Ort
guhye
am verborgenen Ort
niḥśabde
am geräuschlosen Ort
nirbhaye
am gefahrlosen Ort
nage
auf dem Berg
śūnyāgāre
im leeren Haus
śucau ramye
am reinen, lieblichen Ort
eka-ante
am abgeschiedenen Ort
devatālaye
im Gottestempel

[Anm.] Der Satz setzt sich über V.13-20 fort und beschreibt in einer Kette von Ortsangaben, Körperhaltungen und Übungen den vollendeten Yogin; das regierende Verb 'yuñjīta' ('er soll sich vereinigen') folgt erst am Ende von V.20.

rajanyāḥ paścime yāme pūrve ca susamāhitaḥ / pūrvāhṇe madhyame cāhni yuktāhāro jitendriyaḥ //

— in der letzten Nachtwache und in der ersten, wohlgesammelt, am Vormittag und zur Mittagszeit, mit gemäßigter Nahrung, mit bezähmten Sinnen —

Wort für Wort
rajanyāḥ paścime yāme
in der letzten Nachtwache
pūrve ca
und in der ersten
susamāhitaḥ
wohlgesammelt
pūrvāhṇe
am Vormittag
madhyame ca ahni
und zur Mittagszeit
yuktāhāraḥ
mit gemäßigter Nahrung
jitendriyaḥ
mit bezähmten Sinnen

āsīnaḥ prāṅmukho ramya āsane sukhaniścale / nātinīce na cocchrite niḥspṛhaḥ satyavāk śuciḥ //

— sitzend, nach Osten gewandt, auf einem angenehmen, bequemen, festen Sitz, weder zu niedrig noch zu hoch, frei von Begierde, wahrhaftig redend, rein —

Wort für Wort
āsīnaḥ
sitzend
prāṅmukhaḥ
nach Osten gewandt
ramye āsane
auf angenehmem Sitz
sukhaniścale
bequem und fest
na atinīce
nicht zu niedrig
na ca ucchrite
und nicht zu hoch
niḥspṛhaḥ
frei von Begierde
satyavāk
wahrhaftig redend
śuciḥ
rein

yuktanidro jitakrodhaḥ sarvabhūtahite rataḥ / sarvadvaṃdvasaho dhīraḥ samakāyāṅghrimastakaḥ //

— mit gemäßigtem Schlaf, den Zorn bezwungen, am Wohl aller Wesen erfreut, alle Gegensatzpaare ertragend, standhaft, mit Rumpf, Füßen und Kopf in gerader Linie —

Wort für Wort
yuktanidraḥ
mit gemäßigtem Schlaf
jitakrodhaḥ
den Zorn bezwungen
sarvabhūtahite rataḥ
am Wohl aller Wesen erfreut
sarvadvaṃdvasahaḥ
alle Gegensatzpaare ertragend
dhīraḥ
standhaft
samakāyāṅghrimastakaḥ
mit Rumpf, Füßen und Kopf in gerader Linie

nābhau nidhāya hastau dvau śāntaḥ padmāsane sthitaḥ / saṃsthāpya dṛṣṭiṃ nāsāgre prāṇān āyamya vāgyataḥ //

— die beiden Hände auf den Nabel gelegt, ruhig, im Lotossitz verweilend, den Blick auf die Nasenspitze gerichtet, die Atemzüge zurückhaltend, schweigend —

Wort für Wort
nābhau
auf den Nabel
nidhāya hastau dvau
die beiden Hände gelegt
śāntaḥ
ruhig
padmāsane sthitaḥ
im Lotossitz verweilend
saṃsthāpya dṛṣṭim
den Blick gerichtet
nāsāgre
auf die Nasenspitze
prāṇān āyamya
die Atemzüge zurückhaltend
vāgyataḥ
schweigend

samāhṛtyendriyagrāmaṃ manasā hṛdaye muniḥ / praṇavaṃ dīrgham udyamya saṃvṛtāsyaḥ suniścalaḥ //

— nachdem der Weise die Gesamtheit der Sinne mit dem Geist im Herzen gesammelt hat, die Silbe Praṇava (OM) lang anhaltend rezitierend, mit geschlossenem Mund, völlig unbewegt —

Wort für Wort
samāhṛtya indriyagrāmam
die Gesamtheit der Sinne gesammelt
manasā hṛdaye
mit dem Geist im Herzen
muniḥ
der Weise
praṇavam dīrgham udyamya
die Silbe OM lang anhaltend
saṃvṛtāsyaḥ
mit geschlossenem Mund
suniścalaḥ
völlig unbewegt

rajasā tamaso vṛttiṃ sattvena rajasas tathā / saṃchādya nirmale śānte sthitaḥ saṃvṛtalocanaḥ //

— nachdem er die Wirkung des Tamas durch Rajas und ebenso die des Rajas durch Sattva überdeckt hat, im makellosen, friedvollen Zustand verweilend, mit geschlossenen Augen —

Wort für Wort
rajasā
durch Rajas
tamasaḥ vṛttim
die Wirkung des Tamas
sattvena
durch Sattva
rajasaḥ tathā
ebenso die des Rajas
saṃchādya
überdeckend
nirmale śānte sthitaḥ
im makellosen, friedvollen Zustand verweilend
saṃvṛtalocanaḥ
mit geschlossenen Augen

hṛtpadmakoṭare līnaṃ sarvavyāpi nirañjanam / yuñjīta satataṃ yogī muktidaṃ puruṣottamam //

— soll der Yogin sich stets mit dem im Innern des Herzenslotos verborgenen, alldurchdringenden, makellosen, erlösungsspendenden Puruṣottama vereinigen.

Wort für Wort
hṛtpadmakoṭare līnam
im Innern des Herzenslotos verborgen
sarvavyāpi
alldurchdringend
nirañjanam
makellos
yuñjīta satatam yogī
der Yogin soll sich stets vereinigen
muktidam puruṣottamam
mit dem erlösungsspendenden Puruṣottama

karaṇendriyabhūtāni kṣetrajñe prathamaṃ nyaset / kṣetrajñaś ca pare yojyas tato yuñjati yogavit //

Die Sinnesorgane, Sinne und Elemente soll er zuerst im Kṣetrajña (dem 'Feldkenner', der individuellen Seele) verankern, und der Kṣetrajña ist sodann mit dem Höchsten zu vereinigen — so vereinigt sich der Yogakundige.

Wort für Wort
karaṇa-indriya-bhūtāni
Organe, Sinne und Elemente
kṣetrajñe prathamam nyaset
im Kṣetrajña soll er zuerst verankern
kṣetrajñaḥ ca pare yojyaḥ
und der Kṣetrajña ist mit dem Höchsten zu vereinigen
tataḥ yuñjati yogavit
so vereinigt sich der Yogakundige

mano yasyāntam abhyeti paramātmani cañcalam / saṃtyajya viṣayāṃs tasya yogasiddhiḥ prakāśitā //

Wessen unstetes Denken, nachdem es die Sinnesobjekte aufgegeben hat, im Höchsten Selbst sein Ende findet, dessen Vollendung des Yoga wird offenbar.

Wort für Wort
manaḥ yasya
wessen Denken
antam abhyeti
sein Ende findet
paramātmani
im Höchsten Selbst
cañcalam
unstet
saṃtyajya viṣayān
die Objekte aufgebend
tasya yogasiddhiḥ prakāśitā
dessen Vollendung des Yoga wird offenbar

yadā nirviṣayaṃ cittaṃ pare brahmaṇi līyate / samādhau yogayuktasya tadābhyeti paraṃ padam //

Wenn das von Objekten freie Denken sich im Höchsten Brahman auflöst, dann erlangt der im Samādhi mit Yoga Vereinigte den höchsten Zustand.

Wort für Wort
yadā
wenn
nirviṣayam cittam
das von Objekten freie Denken
pare brahmaṇi līyate
sich im Höchsten Brahman auflöst
samādhau yogayuktasya
des im Samādhi mit Yoga Vereinigten
tadā abhyeti param padam
dann erlangt er den höchsten Zustand

asaṃsaktaṃ yadā cittaṃ yoginaḥ sarvakarmasu / bhavaty ānandam āsādya tadā nirvāṇam ṛcchati //

Wenn das Denken des Yogin an allen Handlungen unhaftend wird und, Wonne erlangend, frei ist, dann erreicht er das Nirvāṇa.

Wort für Wort
asaṃsaktam
unhaftend
yadā cittam yoginaḥ
wenn das Denken des Yogin
sarvakarmasu
an allen Handlungen
bhavati
wird
ānandam āsādya
Wonne erlangend
tadā nirvāṇam ṛcchati
dann erreicht er das Nirvāṇa

śuddhaṃ dhāmatrayātītaṃ turyākhyaṃ puruṣottamam / prāpya yogabalād yogī mucyate nātra saṃśayaḥ //

Nachdem er durch die Kraft des Yoga den reinen, die drei Zustände (Wachen, Traum, Tiefschlaf) übersteigenden, 'Turīya' genannten Puruṣottama erlangt hat, wird der Yogin befreit — daran besteht kein Zweifel.

Wort für Wort
śuddham
den reinen
dhāmatrayātītam
die drei Zustände übersteigenden
turyākhyam
'Turīya' genannten
puruṣottamam prāpya
den Puruṣottama erlangend
yogabalāt
durch die Kraft des Yoga
yogī mucyate
der Yogin wird befreit
na atra saṃśayaḥ
daran besteht kein Zweifel

niḥspṛhaḥ sarvakāmebhyaḥ sarvatra priyadarśanaḥ / sarvatrānityabuddhis tu yogī mucyeta nānyathā //

Frei von Begierde nach allen Wünschen, überall mit freundlichem Blick, überall vom Bewusstsein der Vergänglichkeit erfüllt — nur so, nicht anders, wird der Yogin befreit.

Wort für Wort
niḥspṛhaḥ sarvakāmebhyaḥ
frei von Begierde nach allen Wünschen
sarvatra priyadarśanaḥ
überall mit freundlichem Blick
sarvatra anityabuddhiḥ tu
überall aber vom Bewusstsein der Vergänglichkeit erfüllt
yogī mucyeta na anyathā
der Yogin wird befreit, nicht anders

indriyāṇi na seveta vairāgyeṇa ca yogavit / sadā cābhyāsayogena mucyate nātra saṃśayaḥ //

Der Yogakundige soll den Sinnen nicht dienen, und durch Loslösung sowie stets durch die Übung des Yoga wird er befreit — daran besteht kein Zweifel.

Wort für Wort
indriyāṇi na seveta
den Sinnen soll er nicht dienen
vairāgyeṇa ca
und durch Loslösung
yogavit
der Yogakundige
sadā ca abhyāsayogena
und stets durch die Übung des Yoga
mucyate
wird befreit
na atra saṃśayaḥ
daran besteht kein Zweifel

na ca padmāsanād yogo na nāsāgranirīkṣaṇāt / manasaś cendriyāṇāṃ ca saṃyogo yoga ucyate //

Und nicht durch den Lotossitz allein ist es Yoga, noch durch das Betrachten der Nasenspitze — die Vereinigung von Geist und Sinnen wird Yoga genannt.

Wort für Wort
na ca padmāsanāt yogaḥ
und nicht durch den Lotossitz ist Yoga
na nāsāgranirīkṣaṇāt
nicht durch das Betrachten der Nasenspitze
manasaḥ ca indriyāṇām ca
von Geist und Sinnen
saṃyogaḥ yogaḥ ucyate
die Vereinigung wird Yoga genannt

evaṃ mayā muniśreṣṭhā yogaḥ prokto vimuktidaḥ / saṃsāramokṣahetuś ca kim anyac chrotum icchatha //

So wurde von mir, oh ihr Besten der Weisen, der die Befreiung schenkende Yoga verkündet, der die Ursache der Erlösung aus dem Saṃsāra ist. Was anderes wünscht ihr noch zu hören?

Wort für Wort
evam mayā
so von mir
muniśreṣṭhāḥ
oh Beste der Weisen
yogaḥ proktaḥ
der Yoga wurde verkündet
vimuktidaḥ
der die Befreiung schenkende
saṃsāramokṣahetuḥ ca
und die Ursache der Erlösung aus dem Saṃsāra
kim anyat śrotum icchatha
was anderes wünscht ihr zu hören

{lomaharṣaṇa uvāca:} śrutvā te vacanaṃ tasya sādhu sādhv iti cābruvan / vyāsaṃ praśasya saṃpūjya punaḥ praṣṭuṃ samudyatāḥ //

Lomaharṣaṇa sprach: Nachdem sie seine Worte gehört hatten, riefen sie „Gut, gut!“ und, Vyāsa lobend und verehrend, machten sie sich bereit, wiederum zu fragen.

Wort für Wort
śrutvā te vacanam tasya
nachdem sie seine Worte gehört hatten
sādhu sādhu iti ca abruvan
und sie riefen 'gut, gut!'
vyāsam praśasya saṃpūjya
Vyāsa lobend und verehrend
punaḥ praṣṭum samudyatāḥ
bereit, wiederum zu fragen

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